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Widerstand gegen Rot-Grün-Rot in Berlin Du bist nie gut genug

Daniel Bax

Kommentar von

Daniel Bax

Linke, Grüne und SPD sollten sich dem medialen Dauerfeuer beugen und ihre Bemühungen um ein Linksbündnis in Berlin aufgeben. Es ist aussichtslos.

D eutschland steht kopf, seit Tagen schon. Ein drohendes Linksbündnis in Berlin bereitet vielen Menschen große Sorge. Wird es an der Frage scheitern, ob eine Hinterbänklerin in der Linken-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses Platz nimmt oder nicht?

Das hat Berlins SPD-Chef Steffen Krach am Mittwochabend bei Markus Lanz zur Voraussetzung für eine Koalition mit der Linken gemacht. Oder wird dieses Bündnis an Fotos von Linken-Politikern mit einem palästinensischen Rentner und Politik-Aktivisten scheitern, dem Hamas-Sympathien nachgesagt werden?

Oder an der Unachtsamkeit eines Mitarbeiters von Elif Eralp, der ein Word-Dokument mitsamt vertraulichen Anmerkungen an den Spiegel weitergeleitet hat?

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Das könnte sein, denn solche Dinge werden seit Wochen zu nationalen Schicksalsfragen aufgeblasen. Und das sagt mehr über den Zustand des deutschen Journalismus und die Priorität mancher Bundespolitiker als über die Berliner Linkspartei, deren Spitzenkandidatin Elif Eralp oder die Berliner Landespolitik insgesamt.

Haltung zur Palästina-Solidarität

Es ist wie ein Fieber, das immer mehr um sich greift. Wie wenig Sympathien selbst der Spiegel für ein Linksbündnis hegt, hat er deutlich gemacht, indem er eines vermeintlichen Scoops willen einen groben Vertrauensbruch beging. Aber er ist mit seiner Abneigung nicht allein. Die Bild-Zeitung, „NIUS“, der Berliner Tagesspiegel und diverse Bundespolitiker von CDU, CSU und SPD, ja sogar manche Grüne trommeln seit Wochen gegen Rot-Grün-Rot in Berlin.

Schon vor der Wahl haben sie eindringlich davor gewarnt und den Auftritt eines umstrittenen Rappers bei einem linken Bezirksverband über alle Maßen skandalisiert. 

Umsonst, es hat nichts genutzt: Die Mehrheit der Berliner Wählerinnen und Wähler hat nicht auf diese warnenden Stimmen gehört und der Linken in Berlin – trotz aller von Anfang an schrillen Antisemitismus-Vorwürfe – zu einem Erdrutschsieg verholfen.

Anders als es die Umfragen vorhergesagt hatten, ließ die Linke die CDU in der Hauptstadt klar hinter sich zurück und holte in manchen Bezirken jede zweite Stimme: Das ist Volkspartei-Niveau, von dem die SPD vielerorts nur noch träumen kann. Das gelang ihr nicht nur, aber auch wegen ihrer Haltung zur Palästina-Solidarität.

Worüber man sich wenig empört

Die narzisstische Kränkung, dass die Berliner Wählerinnen und Wähler partout nicht auf sie gehört haben, ist womöglich ein Grund dafür, warum manche Hauptstadt-Journalisten nun einfach noch lauter aufdrehen.

Schon vor der Wahl hatte es Robin Alexander als Skandal bezeichnet, dass „in der Stadt, wo der Holocaust geplant wurde“, eine Vanessa Emde für die Linke überhaupt antrete – er machte die Lokalpolitikerin dadurch erst bundesweit bekannt.

Nach der Wahl donnerte Jörg Thadeusz in den ARD-„Tagesthemen“, ein Linksbündnis in Berlin komme einem Verrat an den Opfern von Auschwitz gleich, warum auch immer, und beendete seine bizarre Brandrede mit dem nationalistisch gemeinten Ausruf „Am Israel Chai“ – „Lang lebe Israel“.

Und der Welt-Kolumnist Harald Martenstein mutmaßte, die Motive weiblicher Linken-Politiker, sich mit Palästinensern zu solidarisieren, könnten womöglich sexueller Natur sein. Über diese sexistische Entgleisung und den Missbrauch des Holocausts zu politischen Zwecken, um ihn gegen die Linke in Stellung zu bringen, empörten sich wiederum nur wenige. Denn für deutsche Top-Journalisten gelten bekanntlich andere Maßstäbe als für Berliner Lokalpolitiker.

Ritualisierte Glaubensbekenntnisse

Es ist vermutlich kein Zufall, dass sich vor allem solche Journalisten besonders heftig über die Linkspartei empören, die in den vergangenen drei Jahren besonders laut zu Israels Vorgehen im Gazastreifen geschwiegen haben.

Ihre lauthals vorgetragene Empörung wirkt deshalb auch ein wenig wie eine Ersatzhandlung. Statt sich darüber zu empören, dass Israel in den vergangenen drei Jahren mit tatkräftiger Unterstützung von zwei deutschen Regierungen den Gazastreifen in Schutt und Asche gebombt hat, mehrere Länder der Region angegriffen und im Libanon und in Syrien seine Grenzen auf fremdem Staatsgebiet verschoben sowie im Westjordanland den Siedlungsbau eskaliert und dabei Tausende Menschen in der Region vertrieben und getötet hat, empört man sich hierzulande lieber über jene, die dagegen protestieren, sich dabei auch mal im Ton vergreifen oder übers Ziel hinausschießen.

Statt sich darüber zu empören, dass die aktuelle, zumindest in Teilen rechtsradikale israelische Regierung unter Benjamin Netanjahu wie auch die Mehrheit der Opposition dort eine Zweistaatenlösung, die seit Jahrzehnten international eingefordert wird, kategorisch ablehnt, empört man sich lieber über eine einzelne, völlig einflusslose Abgeordnete in einem Landesparlament, die angesichts dieser Realität für eine Einstaatenlösung eintritt und keine ritualisierten Glaubensbekenntnisse ablegen will.

Und statt die deutsche Nibelungentreue zu einem Israel infrage zu stellen, dessen Regierungschef in Den Haag wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit und das als Staat sogar wegen Völkermord angeklagt ist, werden lieber jene angefeindet, die es wagen, leise oder auch laute Zweifel am Sinn dieser Staatsräson vorzubringen und die nicht so recht glauben, dass das die richtige Lehre aus der deutschen Geschichte sein soll.

In der Empörungsfalle

Die Vehemenz, mit der gegen einzelne Abgeordnete der Linkspartei und ihren Neuköllner Bezirksverband zu Felde gezogen wird, ist völlig unverhältnismäßig. Als ob der Sicherheit in Berlin wirklich gedient wäre, wenn sich die Partei von diesen Leuten distanzieren würde (was sie längst getan hat) und es einen Unterschied ums Ganze machen würde, ob eine einzelne Abgeordnete wie Vanessa Emde nun in der Berliner Linken-Fraktion sitzt oder nicht.

Es ist absurd. Doch in den „Tagesthemen“ muss sich Steffen Krach rechtfertigen, warum seine SPD dort nicht lieber wieder mit der CDU koaliert. Mit einer CDU wohlgemerkt, die in ihrer Regierungszeit in Berlin für zahlreiche Skandale verantwortlich war, weil sie Gelder für den Kampf gegen Antisemitismus an fragwürdige Projekte von Parteifreunden verteilt hat. Von einem Berliner CDU-Bürgermeister, der lieber Tennis spielen ging, als sich um seine Stadt zu kümmern, in der ganze Viertel aufgrund eines Stromausfalls in der Dunkelheit versanken, ganz zu schweigen.

Doch viele in Medien und Politik sind in der Empörungsfalle gefangen und kommen da nicht mehr raus. Sie werden weiter, in Berlin-Neukölln und anderswo, nach jedem nur möglichen Anlass suchen, der Anstoß erregen könnte, und dabei nicht lockerlassen, bis ein Berliner Linksbündnis endgültig zu Fall gebracht worden ist, jetzt oder später.

Wenn die Mitgliedschaft der Juristin Elif Eralp in der Roten Hilfe oder die Frisuren des Spitzenpersonals ihrer Partei dafür nicht ausreichen (Stichwort: „Problem-Pony“), dann wird es eben etwas anderes sein – irgendetwas wird sich schon finden. Selbst wenn die Linkspartei eine Vanessa Emde, einen Ferat Koçak und den gesamten Neuköllner Bezirksverband aus ihren Reihen ausschließt, einen heiligen Eid auf die deutsche Staatsräson schwört, ihre Vergesellschaftungsträume aufgibt und sich in „Die Mitte“ umbenennt: Es wird nie genug sein.

Als wäre nichts gewesen

Es wäre deshalb besser, die Bemühungen um ein Linksbündnis in Berlin aufzugeben. Sollen sich Grüne, SPD und CDU doch zu einer Koalition der Wahlverlierer zusammenraufen – dann hätte die liebe Presse ihre Ruh'.

Das wäre vielen rechten Leitmedien vermutlich zwar immer noch zu links. Aber dann könnten Friedrich Merz und seine Minister weiter nach Israel reisen und dort ungestört Fotos von sich mit Benjamin Netanjahu machen lassen – das erregt hierzulande weit weniger Empörung als Fotos von Linken-Politikern mit palästinensischen Aktivisten, die mit Gewalt verbal kokettieren, statt sie aktiv und im großen Maßstab auszuüben.

Dann könnte Deutschland weiter ungestört Waffen nach Israel liefern, ohne dass eine Landesregierung dagegen leise Einwände erhebt, und vor dem Roten Rathaus in Berlin könnte wieder – wie bis vor knapp einem Jahr – ungestört eine israelische Fahne flattern, als wäre nichts gewesen.

Den vielen überwiegend jungen, weiblichen und migrantischen Wählerinnen und Wählern, die der Linken in Berlin im September ihre Stimmen gegeben haben, sagt man dann einfach: Pech gehabt! Aber das sind wir der deutschen Staatsräson schuldig.

Daniel Bax

Daniel Bax Redakteur

Daniel Bax ist Journalist und Autor und schreibt über Politik, Kultur und Gesellschaft in Deutschland. Er arbeitet als Themenchef im Regieressort der taz und hat mehrere Bücher veröffentlicht: “Angst ums Abendland” (2015) über antimuslimischen Rassismus und “Die Volksverführer“ (2018) über den grassierenden Rechtspopulismus. Sein aktuelles Buch "Die neue Lust auf Links" über das Comeback der Linkspartei ist Ende 2025 im Goldmann Verlag erschienen. Impressum: Daniel Bax c/o taz, die tageszeitung. taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Friedrichstr. 21, 10969 Berlin
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25 Kommentare

  • Birdman

    Sehr präziser Kommentar, der die Situation gut zusammenfasst. Der Zynismus am Ende scheint mir aber unangebracht.



    Wie weiter unten kommentiert wurde »Luft anhalten und durchwaten«. Die Politiker des rechten Lagers pflegen ihre Bräsigkeit, jede Kritik aus der Öffentlichkeit einfach auszusitzen. Während die, die ihre Menschlichkeit bewahrt haben, denken, sie müssten aus Anstand nachgeben oder es einfach nicht aushalten. Das darf nicht sein.



    Ich möchte unbedingt Elif als Bürgermeisterin sehen!

  • Elke Weyel

    Nach vier Wochen in Brooklyn mit zwei Konferenzen ( Haaretz und Jewish currents) , nach `NAZA´im Kino, nach vielen Diskussionen, muss ich Daniel Bax recht geben. Das Verschenken einer historischen Chance in Berlin, das ganze provinzielle Theater mutet von hier aus extrem hinterwäldlerisch an, wie auch etliche Kommentare von TAZ- Leserinnen. Die hiesige Diskussionskultur unter jüdischen Intellektuellen, die sich mit Ernsthaftigkeit einer Zukunft in Israel/Palästin widmen, würde in Berlin das Etikett Neuköllner Antisemitismus bekommen. Gegen die massive deutsche Propagandamaschinerie anzugehen, ist verlorene Liebesmüh und Sisyphusbemühung. Immer am beschränkten Horizont festhalten, aus einer abweichenden Meinung eine Staatsaffäre machen anstatt sich damit auseinanderzusetzen, alles besser wissen- das ist Deutschland.

  • Ricky-13

    taz: *Die Bild-Zeitung, „NIUS“, der Berliner Tagesspiegel und diverse Bundespolitiker von CDU, CSU und SPD, ja sogar manche Grüne trommeln seit Wochen gegen Rot-Grün-Rot in Berlin.*

    Was erwartet man denn auch anderes? Von den oben 'Aufgezählten' besteht die eine Hälfte aus AfD-Sympathisanten und die andere Hälfte besteht aus der wirtschaftsnahen Union und deren Schoßhündchen.

  • Hildebrand Felixflash

    Nach der Wahl habe ich an es dieser Stelle vermutet : Das mediale Dauerfeuer übersteht dieses fragile Bündnis nicht. Jetzt ist es also eingetreten. D. Bax beschreibt es richtig. Die Presse allen voran die "Welt" schäumt und es hört nicht auf...nun denn. Der Gedanke aber eine Minderheitsregierung wie die CDU es nun anbietet könnte Ausweg sein, wäre der Untergang der SPD. Zurecht würde dann diese Partei endgültig verschwinden. Die Kampagne der "Vierten Gewalt" hätte Ihr Ziel erreicht aber um welchen Preis ? Poschardt und Co. sind Demagogen absolut realitätsfern aber mächtig, okay. Das Ende wäre völlig offen, Neuwahlen würden nur die Afd stärken. Nun denn - vielleicht war das das Ziel. Schade, die Leute können Ihre Miete nicht mehr zahlen, darum geht es doch.

  • Hans Dampf

    Die Linke zerlegt sich selbst.



    Nein, es ist nicht die Presse, welche die Linke zerlegt. Diese Empörungspresse gibt es ja auch bei Merz (hier zum Beispiel), bei der SPD und AfD,... Es ist die Linke selbst, welche sich durch interne Grabenkämpfe selbst zerlegt. Und so wie sich diese designierte Koalition jetzt schon benimmt, ist es wohl auch besser, wenn sie gar nicht erst regiert. So wird das nichts. Nicht immer der Presse die Schuld für die eigenen Fehler geben!

  • Aurego

    Frei nach Pispers müsste man sich nur anschauen, wem die "freie Presse" gehört. Dann wird so manches klarer. Pispers sprach in diesem Zusammenhang auch gerne vom "Modell schwarze Witwe".

    Dass also diese "freie Presse" ein rot-grün-rote Berliner Landesregierung gerne gegen die Wand schreiben würde, ist klar. Warum, ist auch klar.



    Klar ist aber nicht, welche vernünftigen und erfogversprechenden Gegenentwürfe es gäbe. In dieser Beziehung herrscht weitgehende Rat- und Ideenlosigkeit. Gäbe es überhaupt einen sinnvollen Plan B? Die CDU hat in den letzten Jahren in Berlin ja keine besonders gute Figur gemacht. Warum sollte sie wieder in die Regierung? Was wäre der Nutzen für Berlin?



    Klar ist, dass die kritischen Punkte (antisemitische und linksradikale Tendenzen, kriminelle Milieus) auch unter anderen Konstellationen bestehen blieben. Für die CDU lauert der schlimmste Feind jedoch auf der rechten Seite, aber das haben sie dort noch nicht ganz verstanden. Es ist nun mal einfacher, ständig nach links zu deuten, während man rechts das Wasser abgegraben bekommt.

  • Klaus Waldhans

    Mit einigen Argumenten von Herrn Bax stimme ich überein. Die Hetze der rechten Politiker sowie der rechten Presse gegen eine angestrebte Rot-Rot-Grünen Koalition ist widerlich. Dass dies am Ende logischerweise für eine solche Regierung nicht förderlich ist, weil auch immer mehr bürgerliche Grüne, SPD ler oder auch Wähler auf diesen Zug mit aufspringen, lässt die Hoffnung schwinden.



    Doch Herr Bax kann es dann einfach nicht lassen, vieles im Zusammenhang mit Antisemitismus, Hamas-Terror und fragwürdiger Palästina- Solidarität mit fragwürdigen Personen wieder und wieder zu relativieren. Und sein ständiges Anschreiben gegen eine Staatsräsion, die sich eine demokratische Bundesrepublik nach Holcaust und Nazigreuel auferlegt hat, ist nichts anderes als beschämend.

    Dass es wahrscheinlich besser ist, in diesem Fall nicht zu regieren, als ständig einer rechten Hetze ausgeliefert zu sein, da stimme ich Herrn Bax nochmals zu.

  • Sonnenhaus

    "Linke, Grüne und SPD sollten sich dem medialen Dauerfeuer beugen und ihre Bemühungen um ein Linksbündnis in Berlin aufgeben. Es ist aussichtslos." Welch ein katastrofales Demokratieverständnis, Herr Bax. Es gibt einen klaren Wählerauftrag, aber keine freie Entscheidung der Journalisten, oder Medien.

  • Jungle Warrior

    Angenommen, die Lage beruhigt sich etwas und es kommt zu RGR mit einer linken OB. Wie lange soll das gut gehen ? Das ganze Ding ist ein Pulverfass. Da genügt ein kleiner Funke und diese Stadt ist unregierbar. Das ist aber nur eines meiner Bedenken. Was danach kommen könnte halte ich sogar für noch schlimmer. Alles schaut gerade auf diese Staft. Die blauen warten geradezu darauf.

  • Tom Farmer

    "Du bist nie gut genug" als Überschrift.... um zu sagen, dass alle anderen unfair sind. German jammern! Wäre also der neue Titel?



    Nein, objektiv seine Hausaufgaben machen genügt meistens, und dann "tue recht und scheue niemand".



    Leider für eine so aufgestellte Linke halt schwierig. Muss halt sehr viel gescheut und umschifft werden. Ein Problem!

  • elektrozwerg

    Solang die Berliner Linke nicht versteht, dass es in Deutschland auf demokratischen Wege keinen erneuten Sozialismus geben wird, solang sollten sie lieber in der Opposition bleiben, denn der Realitaetsabgleich in einer Regierung wuerde sie zerreissen.



    Die Linksjugend hat das offensichtlich verstanden und will keine Koalition mit den Kapitalisten von SPD und Gruenen.



    Eigentlich ist das Thema durch. Entweder noch vor einer Regierung und kurz danach wird Rot-Gruen-Rot implodieren.

  • Warim Wilke

    Grundsätzlich super Beitrag, ich vermute aber eher eine grundsätzliche Verhärtung und Gnadenlosigkeit im Verteilungskampf von unten nach oben, der durch das Kollabieren des Kapitalismus enorm verschärft worden ist als Ursache für die „Schaum vor dem Mund“ Hysterie der neoliberalen Parteien und Pressestimmen. Sei es wie es sei, die Reaktion der Linken muss sein, nicht in die Defensive gehen, sondern voll auf Angriff schalten. Auch die Jugend wird mit ihren „radikalen“ Forderungen (Bildung, funktionierende Infrastruktur, Klimaschutz) gerade kriminalisiert. Das Gehetze, die offensichtlichen Lügen, Überreibungen und plumpen Diffamierungen können da auch einigend wirken, entschlossener machen, vor allem, da die Daueraufgeregtheit von Union, Springer usw. für nicht wenige Menschen leicht zu durchschauen ist – und wütend macht.

  • Sybille Bergi

    Die Linke hat selbst den Gaza Konflikt zum Wahlthema gemacht in einer Landeswahl. Da muss sie sich nicht wundern, wenn ihr das thema jetzt um die ohren fliegt.

  • Perkele

    Nein Daniel Bax, genau das sollten die drei Parteien nicht tun. Es wäre ein Einknicken vor der verlogenen, heuchlerischen Kampagne von rechts. Die Linke ist keine Partei, die das Grundgesetz missachtet oder gar die Demokratie abschaffen will. Das sieht bei den rechtslastigen Akteuren ganz anders aus. Jetzt z.B. Frau Eralp vorzuwerfen, sie habe Angst vor einem Terroristen, das ist unredlich. Warum fahren dann alle möglichen Poltiker*innen im gepanzerten Auto durch die Gegend und/oder haben Personenschutz? Weil sie sonst den Regenschirm vergessen oder sich verirren? Nur weil die Linke andere Vorstellungen von politischen Zielen IM RAHMEN DES GG UND DER DEMOKRATIE hat, die den Protagonisten von AgD, csdU und teilweise auch der sPD nicht in den Kram passt, muss man sie nicht verleumden und bis auf's Messer bekämpfen. Es ist schäbig, wie gegen diese Partei polemisiert wird.

  • economista

    Die deutsche Staatsraison altert mit der Bevölkerung und wird von jungen und migrantischen Wählern teils in Frage gestellt. Genauso sehe ich das auch! Ein Trend, der anhalten und die Republik verändern wird!

  • drusus

    Wie die Palästinafrage in Neukölln thematisiert wird, bewegt sich weit außerhalb des gesellschaftlichen Konsenses der Bundesrepublik und sollte daher auch keinen Eingang in das politische Tagesgeschäft finden. In ihrer Kompromisslosigkeit gleicht diese Bewegung weniger einem politischen Diskurs als vielmehr einem weiteren reaktionären „Machismo-Projekt“, das keine Zugeständnisse zulässt und zudem teilweise und nicht zufällig Überschneidungen mit den Strukturen der organisierten Clan-Kriminalität aufweist.

    Diese Entwicklung ist nicht progressiv, sondern stellt einen Rückschritt dar und gefährdet die demokratische Kultur. Es ist essenziell, dass dies auch von der politischen Linken klar erkannt und benannt wird. Es ist vielleicht auch einfach nur Populismus von links.

  • Whying_Dutchman

    Mir geht die Verwechslung von (berechtigter) Kritik am Unrechtsstaat Israel mit Antisemitismus gehörig aufn Keks!

    Solange die Historie Israels im Kontext der Nakba, die widerrechtliche Besetzung von Land, die militärischen Aggressionen, die Siedlungspolitik im Westjordanland und die Kriegsverbrechen im Gazastreifen nicht aufgearbeitet werden, MUSS es eine kritische Haltung zu Israel geben.

    Die Schicksal Israels kann einfach nicht unabhängig vom Schicksal Palästinas betrachtet werden: wer weder eine gleichberechtigte Einstaatenlösung noch eine unabhängige Zweistaatenlösung akzeptiert, will faktisch die Vertreibung der Palästinenser. Und das wäre Genozid (falls die Ereignisse im Gazastreifen noch nicht gereicht haben).

    Alls dass darf und sollte meiner Meinung nach gesagt werden.

    Ich habe keine große Sympathie für Vanessa Emde und teile sicherlich nicht all ihre Meinungen. Aber man kann sie aushalten, auch als Teil der Linken.

    Denn gleichzeitig scheint die CDU in Teilen bei geheimen Wahlen die AfD zu unterstützen.



    Und ganz ehrlich: hier liegen die wirklichen Probleme. Dies sollte medial aufgearbeitet werden, denn das hat direkte Konsequenzen für uns, hier in Deutschland...

  • Jo Lang

    Ich lebe und arbeite seit über 35 Jahren ausserhalb Deutschlands, seit über 25 Jahre in Frankreich. Nachrichten beziehe ich meist über Abonnements von Le Monde, NYT, Haaretz, dem suisse romande Le Courier und eben TAZ. Ich war oft in Israël und Westbank. Danke für Ihren Beitrag. Die Deutsche Presse erscheint mir immer mehr wie ein Affentheater, provinziel, von grosser Ignoranz und Nabelschau geprägt, auch öfters so bei der TAZ. Oft, aber nicht bei Ihren Artikeln, denke ich, Luft anhalten, durch den tiefen Unsinn waten, die Abwesenheit fundierter Analysen aushalten. Gut riecht und sieht das Ganze nicht aus. Und Lösungsvorschläge sind bei derartigem Geschwurbel nicht zu erwarten. Na, wie wird das in zehn oder zwanzig Jahren aufgearbeitet werden ?

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Soll die Springerpresse entscheiden und nicht das Wahlvolk?

  • So,so

    Ironie und Zynismus- schön und gut.



    Aber die 2. Überschrift macht mich wütend.



    DIe Grenze zu Click-bait ist überschritten.

  • *Sabine*

    Ich hoffe darauf, dass sich Die Linke erneut aufteilt und vielleicht eine,wie auch immer genannte, "Pro-Palästina-Partei" von Frau Emde und Herrn Koçak gegründet wird, mit der sich dann sicherliche viele Bürger m/w/d identifizieren können.Mittlerweile ist dieser Konflikt in Deutschland so präsent und wie es scheint, bedeutsam, dass eine eigene Partei hilfreich sein könnte. Die AFD hat sich aufgrund einer tatsächlichen oder scheinbaren Migrations-Problematik gegründet, weshalb soll es keine Partei geben, die sich aufgrund einer tatsächlichen oder scheinbaren Pro-Palästina-Problematik gründet.

    Die Original-Partei Die Linke könnte sich dann auf andere Themen konzentrieren und das Leben für alle,in einem gewissen Rahmen und der eigenen Möglichkeiten,verbessern.Ggf. kann Die Linke dann immer noch entscheiden, ob sie mit der "Pro-Palästina-Partei", je nachdem wie sich diese ausrichtet, koalieren möchte oder nicht, aber sie wäre freier, auch in ihrer Themenwahl, und würde dann vermutlich nicht mehr so sehr mit der Familie Remmo, Herrn Ibrahim Ibrahim und deren Gesprächspartnern (?) assoziiert werden.

    Linke Ideen werden gegenwärtig gebraucht und sollten in die Politik eingebracht werden.

  • Okay

    Medien & Politik: Die Skandalisierung von Elif Eralp hat unter anderem auch damit zu tun, dass sie eine türkische Herkunft hat.



    Derzeit gibt es einige Veranstaltungen zum 65. Jahrestag des Anwerbeabkommens mit der Türkei. Im Kern wird dabei meistens gesäuselt – ganz auf der Linie einer „Steinmeier-Gedenkrede“.

    Wenn Kritik geübt wird, dann schön, demütig und vorsichtig, keineswegs laut und deutlich. Dabei werden Menschen seit 65 Jahren zum Teil wie Scheiße behandelt. Es geht nicht nur um eine rechtspopulistische Kultur, sondern auch um etablierte Gesellschaftsschichten und Medien, die zu den demokratischen gezählt werden.

    Mit den Angriffen auf Elif Eralp erleben wir im Prinzip einen Spiegel der Gesellschaft: In der Politik ebenso wie in den Medien. Sie zeigen, wie tief populistisch und reaktionär die Einstellungen gegenüber Deutschen mit Migrationshintergrund reichen. Futter liefert derzeit natürlich mehr als genug der Konflikt im Nahen Osten.

  • Querbeet

    Das Problem ist nicht RGR ansich, auch wenn mir ein solches Bündnis inhaltlich nicht gefiele.



    Aber DIESE Linke in Berlin ist ein absolutes NoGo. Wenn SPD und Grüne mit diesen Leuten und ihren unerträglichen Inhalten koalieren, dann gut Nacht. Für Berlin und für SPD und Grüne.



    Aber dass Herr Bax DIESE Linke schätzt, wundert nicht. Genau seine Linie.

  • Petros

    Daniel Bax sollte sich der Kritik hier in der Kommentarspalte beugen und seine Bemühungen um linken Journalismus in Berlin aufgeben. Es ist aussichtslos.

  • Peter Clotten

    Lieber Daniel Bax,



    danke für diesen Artikel Eindeutig, klar formuliert, ehrlich und fernab von der immer weiter um sich greifenden Art eines Journalismus, der diesen Namen nicht mehr verdient.