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22.10.2026 , 07:23 Uhr
Nun ging es aber nicht bloß darum, ob man die Wehrpflicht "völlig unabhängig von der Ukraine" gut oder schlecht findet, sondern es ging anhand des konkreten Beispieles der Ukraine darum, dass existenziell bedrohliche Kriege für ein Land die Einführung einer Wehrpflicht notwendig machen können, und mein Gesprächspartner bestritt auch das und sagte, wie oben dargestellt, dass kein Staat, egal unter welchen Umständen, jemals das Recht habe, Leute zum Dienst an der Waffe zu verpflichten.
zum Beitrag21.10.2026 , 13:49 Uhr
Hier fehlt mir eines der wichtigsten Gegenargumente: Es ist empirisch gut belegt (siehe z.B. www.sciencedirect..../S1051137724000020 ), dass Maßnahmen zur Regulierung von Mieten die Mieten, die nicht unter die Regulierung fallen, weiter erhöhen. Das ist auch plausibel, weil niemand freiwillig aus einer günstigen Wohnung auszieht, wenn er/sie kaum eine Chance hat, eine andere günstige Wohnung zu finden (=Reduktion der Mobilität), und dementsprechend in einer angebotsseitigen Krise (zu wenig Wohnraum) das Angebot weiter verknappt wird. Das bedeutet, das vielfache Argument, "man findet keine günstige Wohnung in Berlin und deshalb brauchen wir Vergesellschaftung", ist unzutreffend, weil die Vergesellschaftung zum Gegenteil führt. Sie nützt vor allem den Mieter*innen, die in einer betroffenen Wohnung wohnen, und macht die Lage für andere Mieter*innen, anders als hier Frau Frank behauptet, nicht nur nicht besser, sondern noch schwieriger. Das ist auch ein Gerechtigkeitsproblem.
Wer mir das immer noch nicht glaubt, möge sich einfach mal die immense Diskrepanz zwischen Mietspiegel bei Bestandsmieten und bei Neuvermietungen im vielgepriesenen Wien anschauen.
zum Beitrag21.10.2026 , 13:42 Uhr
"Entweder unregulierter Markt oder die Wohnungen werden vergesellschaftet" ist doch eine völlig falsche Dichotomie. Dass die Privatisierung ein Fehler war, mag sein, daraus folgt aber nicht, dass Re-Vergesellschaftung richtig ist.
zum Beitrag21.10.2026 , 12:34 Uhr
Das Problem, das ich in meinem Zirkel unter 40 erlebe, ist, dass aufgrund der immensen Prävalenz von "Informationen" auf sozialen Medien ich quasi ständig auf das Phänomen stoße, mit Leuten zu sprechen, die sich über lange Zeit über Quellen informieren, die zwar unterhaltsam, aber qualitativ minderwertig sind (z.B. TikToks, Twitch-Streams, Youtube-Videos). Dadurch entsteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem, was Leute tatsächlich wissen, und deren Selbsteinschätzung ihrer Kenntnisse - was Diskussionen ausgesprochen schwierig macht, weil die Leute sich völlig überschätzen und wenig zugänglich für Abweichungen sind. Das betrifft auch nicht nur Rechte (in meinem Freundeskreis habe ich keine AfD-Sympathisant*innen), sondern Linke in (subjektiv) deutlich zunehmendem Maß ebenso.
Das macht die Argumentation oft herausragend frustrierend. Neulich wollte mir z.B. jemand erklären, dass die Wehrpflicht ja ganz grundlegend schlecht sei und wenn die Ukraine nicht ohne jeden Zwang genug Soldat*innen auftreiben könne, müsse sie eben kapitulieren - und auf die Frage, was Russland dann täte, kam dann nur die Antwort, Russland sollte damit natürlich auch aufhören. Was soll man da noch sagen?
zum Beitrag20.10.2026 , 08:18 Uhr
Ich schätze Hubertus Heil und würde mich freuen, wenn er kandidiert. Das Schlagwort einer "solidarischen Leistungsgesellschaft" gefällt mir auch gut - wenn er damit eine sozialliberale Ausrichtung meint, wähle ich vielleicht wieder SPD (bis dahin werden es zähneknirschend die Grünen bleiben).
zum Beitrag20.10.2026 , 08:09 Uhr
Ich finde diesen Artikel gut, richtig und wichtig, fürchte aber, dass er die Leute, für die Israel qua Geburt ein "Staatsprojekt mit rassistischem und kolonialistischem Charakter" (Linksjugend-Beschluss) ist, nicht erreichen kann, da diese weder willens noch in der Lage sind, ein solches Maß an Differenzierung überhaupt zuzulassen.
zum Beitrag20.10.2026 , 07:24 Uhr
Der Entzug des Sorgerechtes wird nicht durch das JA angeordnet, sondern durch das Familiengericht.
zum Beitrag20.10.2026 , 07:23 Uhr
"Die Kinder wegnehmen" (Inobhutnahme) und der Entzug des Sorgerechtes sind zwei völlig verschiedene Ebenen. Dass Sie die nicht auseinanderkriegen, überrascht nicht, der Artikel schafft das auch nicht. Ersteres kann tatsächlich (vorübergehend) passieren, letzteres ist eine ganz andere Hausnummer.
Ein vollständiger Entzug des Sorgerechtes erfolgte in Deutschland im Jahr 2025 nur 7045 mal (also bei entsprechend vielen Kindern, NICHT bei entsprechend vielen Eltern, die Betroffenen im Artikel sind da also drei Mal drin). Das ist nichts, was "eben mal" passiert. Quelle: www.destatis.de/DE...pflegschaften.html
zum Beitrag19.10.2026 , 21:36 Uhr
"Die EU müsste sich um erschwingliche Mieten, günstige Energie und bezahlbare Bildung kümmern" Na, wenn's weiter nichts ist. Freibier für Alle hilft bestimmt auch. Mein Eindruck, der bei diesen Protesten entsteht, ist nicht der von Schüler*innenprotesten, sondern vielfach einfach ein Exzess sinnloser Gewalt. Die Plünderungen von Geschäften sind nicht "Ausdruck legitimer Verzweiflung", sondern teilweise auch einfach blanker Hedonismus. Zudem: Frankreich hat finanziell noch weniger Spielräume als Deutschland: Es muss auf steigende Zinsen reagieren, die dazu führen, dass für soziale Wohltaten schlicht nicht genug übrig bleibt.
Zudem: Jetzt hier auch noch mit Revolutionsromantik ("es wird wie 1968") zu kommen, finde ich unverantwortlich. Die Gewalt muss aufhören.
zum Beitrag19.10.2026 , 16:37 Uhr
Hier wird mir zu vieles durcheinandergeworfen.
Der Entzug des Sorgerechts ist die schärfste überhaupt mögliche Maßnahme, die das Familiengericht überhaupt zur Verfügung hat. Diese wird nicht verhängt, bloß weil der Vater mal schwarz gefahren ist oder weil die Eltern ein bisschen überfordert sind, sondern bei schwersten Kindeswohlgefährdungen, auf die im Artikel gar nicht näher eingegangen wird. Die Ausführungen von Herrn Scherenberg sind deshalb aus meiner Sicht völlig fernliegend: Kein Mensch würde in einem anderen Kontext ernsthaft sagen, dass bei Vorliegen einer schweren Kindeswohlgefährdung das eigentliche Problem sei, dass es schlimm traumatisierend für die Eltern wäre, ihnen "die Kinder wegzunehmen".
In so einem Fall zu fordern, die Kinder hätten gemeinsam mit den Eltern abgeschoben werden müssen, ist bezüglich des Kindeswohles aberwitzig, und zu fordern, die Eltern hätten doch ein ihnen ansonsten nicht zustehendes Bleiberecht verdient, um weiter Umgang mit den von ihnen vernachlässigten Kindern haben zu können, drängt sich aus meiner Sicht erst recht nicht auf. Insofern: Der Fall ist sehr hart, aber vor allem für die Kinder, nicht für die Eltern.
zum Beitrag19.10.2026 , 10:21 Uhr
" Nur funktioniert das eben nicht. Irgendwann sollte man die Ergebnisse empirischer Forschung mal zur Kenntnis nehmen." Das stimmt nicht. Zur Effektivität beispielsweise von Warnlabels auf Tabakwaren existieren zahlreiche Studien, die eine Effektivität sehr wohl nahelegen. Hier ein Beispiel aus Australien: www.health.gov.au/...duct-packaging.pdf Weitere Beispiele lassen sich z.B. per Google leicht finden.
zum Beitrag19.10.2026 , 07:31 Uhr
Laut Taz-Berichten will die Regierung ca. 160.000 Wohnungen enteignen und die Entschädigungen bei 16 Milliarden Euro deckeln. (hier nachzulesen: taz.de/Einigung-au...-Berlin/!6222301/). Rechnet man das nach, kommt man auf eine durchschnittliche Entschädigung von 100.000 Euro pro Wohnung. Ich bin sehr gespannt, ob man damit durchkommt. Ich habe Zweifel.
zum Beitrag19.10.2026 , 07:25 Uhr
Es ist eben der klassische Versuch einer staatlichen Erziehungsmaßnahme gegenüber erwachsenen Menschen. Es gibt bereits jetzt Cola oder Limonaden mit reduziertem Zuckergehalt, und keineswegs nur Light- oder Zero-Getränke. Wer mir nicht glaubt - einfach mal z.B. den Zuckergehalt in moderner Pepsi mit dem in moderner Coca-Cola vergleichen (7g/100ml im Vergleich zu 10,6g/100ml - und das ist, nachdem erstere ihren Zuckergehalt erst kürzlich erhöht haben).
Worum es geht, fasst der Autor gut zusammen: "Kein Mensch ist auf diese Zuckerbomben angewiesen, um seinen Durst zu löschen oder sich mit notwendigen Nährstoffen zu versorgen. Wasser und ungesüßter Tee erfüllen diese Funktionen genauso gut oder besser – ohne die zusätzliche, oft schädliche Kalorienzufuhr.". Man kann es als staatliche Aufgabe sehen, diese Botschaft allen aufzudrücken - muss es aber nicht. Ich könnte ähnliche Dinge (ungesund/gefährlich und nicht lebensnotwendig) über fast alles sagen, was nicht gesund ist, aber von Leuten gemocht wird - Fastfood, Gelegenheitssex mit wenig bekannten Personen, Alkohol etc.. Man könnte auch sagen: Lasst die Leute machen und nehmt eine Methode (Warnschilder etc.), die niemanden zwingt.
zum Beitrag18.10.2026 , 12:52 Uhr
"Es gibt ja auch viele Praxen, in den entsprechenden Wohngegenden, die sich trotz ganz überwiegend GKV Patientenstamm gut tragen." Naja, "gut tragen" ist halt relativ. Klar, eine Landarztpraxis kann so funktionieren - das läuft aber nur, wenn die zuständigen Ärzt*innen zu einer gewissen Selbstausbeutung bereit sind. Die Budgetierungsregeln bedeuten nämlich, dass Sie ab einem gewissen Patient*innenstamm in der GKV mit Verlauf des Quartals praktisch für immer weniger Geld arbeiten, wenn Sie "zu viele" Patient*innen behandeln. Und das System trägt sich zumindest zum Teil nach wie vor durch Idealist*innen, die das trotzdem tun - und viele von diesen werden bald in Rente gehen.
zum Beitrag18.10.2026 , 12:49 Uhr
"Die Terminvergabe nach Kassenzugehörigkeit scheitert am ärztlichen Haftungsrecht. Ein verspätet erhobener Befund ist ggf. ein (erheblicher) Befunderhebungsfehler nach §630a BGB." Ärzt*innen sind aber nicht haftbar für Personen, die gar nicht ihre Patient*innen sind. Sie können nicht einfach einen beliebigen Arzt belangen, bei dem Sie keinen Termin bekommen haben, auch wenn Ihnen dadurch ein Schaden entstanden ist. Und das ärztliche Berufsrecht ist an der Stelle auch nicht entscheidend - schon gar nicht dann, wenn, was immer häufiger der Fall ist, die Besitzer*innen der Arztpraxen gar keine Ärzt*innen sind, sondern Unternehmen, die Ärzt*innen anstellen und ihnen sagen, wie sie zu arbeiten haben. Aber selbst, wenn das nicht so ist, ist eine Arztpraxis immer noch ein Betrieb, der sich rechnen muss, weil niemand umsonst arbeitet und laufende Kosten bezahlt werden müssen.
zum Beitrag18.10.2026 , 12:45 Uhr
Das ist eben das, was passiert, wenn man das Gesundheitsministerium mit Personen besetzt, die nichts von der Materie verstehen. Das weitere Kürzungen bei Maßnahmen, die hauptsächlich Kassenpatient*innen zugute kommen, zu deren Schlechterstellung führt, war doch absehbar. Und wenn man den ökonomischen Druck auf Arztpraxen immer weiter erhöht, dann werden irgendwann Leistungen immer weiter priorisiert, die sich rechnen. Wer es sich im fachärztlichen Bereich leisten kann, gibt vielfach bereits seine Kassenzulassung zurück (besonders häufig Hautärzt*innen und Augenärzt*innen), weil sie genug Privatpatient*innen und Selbstzahler*innen finden und sich auf die Weise jede Menge Arbeit sparen.
Langfristig hilft da nur eine ausreichend finanzierte Bürgerversicherung - die dann allerdings auch für die durchschnittlichen Beitragszahler*innen teurer sein muss. Kurz- und mittelfristig würde es massiv helfen, nicht noch bei Regelungen zu sparen, die Kassenpatient*innen zugute kommen.
zum Beitrag16.10.2026 , 14:30 Uhr
Das Foto sieht eher nach dem Zerlegungszimmer von Hannibal Lecter aus als nach einer entspannten Atmosphäre, aber wem's gefällt.
zum Beitrag14.10.2026 , 13:10 Uhr
"Was genau sollte das Problem an einem Staat sein, in dem alle gleichberechtigt leben, Israels und Palästinenser?" Das Problem ist, dass ein solcher Staat nicht demokratisch sein könnte und gleichzeitig eine jüdische Bevölkerungsmehrheit (und somit den Schutz von Jüd*innen) gewährleisten könnte. Stand jetzt, mit vollem "Rückkehrrecht" hätten muslimisch-arabische Palästinenser*innen in so einem Staat die Mehrheit. Da aber viele Israelis innerhalb der letzten 80 Jahre aus genau solchen Staaten (mit muslimisch-arabischer Bevölkerungsmehrheit) geflohen sind, haben sehr wenige von diesen Lust, den einzigen jüdischen Staat in einen solchen Staat umzuwandeln, weil sie dann Verfolgung fürchten. Gleichzeitig wollen aber auch Palästinenser*innen überwiegend nicht in einem solchen Staat leben, weil sie lieber einen Staat hätten, in dem Sie die Belange einer großen jüdischen Bevölkerungsgruppe nicht berücksichtigen müssen - und, nicht zu vergessen, weil einige von ihnen die Existenz von Jüd*innen in der ganzen Region beenden wollen (insb. die Hamas). Deshalb wollen weder Israelis noch Palästinenser*innen einen solchen Staat - das geben auch alle Umfragen her.
zum Beitrag14.10.2026 , 13:03 Uhr
"Nun hat Emde sich tatsächlich bislang nicht durch eine gemäßigte, ausgleichende Positionierung im Nahostkonflikt hervorgetan, aber mit ihrer Unterschrift unter die Erklärung hat sie sich zunächst gefügt. Es gibt damit erst einmal keinen Grund, die direkt gewählte Abgeordnete nicht in die Fraktion aufzunehmen." ... außer vielleicht, dass Frau Emde, nachdem Sie dieses Papier unterschrieben hat, wieder mal zu der selbst in der Taz äußerst kritisch rezipierten "United for Palestine"-Demo gegangen ist. Ein Papier zu unterschreiben und direkt danach das Gegenteil davon tun, was in dem Papier steht, entspricht nicht meiner Definition von "sich fügen".
zum Beitrag11.10.2026 , 17:16 Uhr
Auf Dauer wird eine besser geregelte und insgesamt höhere Erbschaftssteuer notwendig sein, wenn man jemals (wieder) eine Leistungsgesellschaft sein will. Wir besteuern Einkommen hoch, Kapitalerträge niedrig und Vermögen zu oft gar nicht. In einer Gesellschaft, in der sich Leistung lohnt, müsste es andersherum sein. Da eine Vermögenssteuer aber ökonomischer Harakiri wäre, halte ich eine sorgfältig austarierte Erbschaftssteuer - wie sie z.B. die SPD in dieser Legislaturperiode vorschlug - für den mit Abstand besten Weg zu mehr Gerechtigkeit.
zum Beitrag11.10.2026 , 17:13 Uhr
Diese Form der "Gerechtigkeit" ist 1991 verdientermaßen endgültig untergegangen.
zum Beitrag11.10.2026 , 00:50 Uhr
Okay.
Und welche sozialen Veränderungen genau soll diese Jugendbewegung herbeiführen? Das äußerst unpopuläre Bürgergeld zurückbringen? Sparmaßnahmen unterbinden und einfach mal abwarten, was passiert, wenn z.B. die notorisch unterfinanzierten Pflegeversicherungen plötzlich massive Zusatzausgaben durch einen "Schwall" neuer Pflegebedürftiger bekommen? Friedenstauben statt Aufrüstung und hoffen, das Putin einen Herzinfarkt bekommt, bevor er beschließt, die NATO anzugreifen?
Unsere Zeit entwickelt sich durchaus besorgniserregend. Aber das Allerletzte, was unsere politische Landschaft braucht, ist noch mehr ungezielter, emotionalisierter und unsachlicher politischer Massenaktivismus. Die Mitte muss gestärkt werden.
zum Beitrag11.10.2026 , 00:46 Uhr
Ist schon sehr komisch: Die einen hier sagen: "Klar gehen die Jugendlichen demonstrieren, der Staat hat ihre Zukunft durch zu hohe Schulden verzockt!" und die anderen hier sagen: "Klar gehen die Jugendlichen demonstrieren, für ihre Generation wurde alles kaputtgespart!". Am Ende bleibt man etwas ratlos zurück, da unmöglich beides stimmen kann.
zum Beitrag10.10.2026 , 15:15 Uhr
Ich sehe das ganz anders: Indem man so viel Wert darauf legt, die Entscheidung für die Öffentlichkeit zu verdammen, suggeriert man letzten Endes indirekt, dass die gewöhnlichen Hinrichtungsmethoden im Verhältnis ethischer seien. Ich sehe das aber nicht so und halte die US-Bemühungen, Hinrichtungen möglichst "sauber" zu gestalten, für viel perverser, weil sie häufig historisch mit einer Erhöhung der Qual des Betroffenen einhergingen (z.B. Medikamentencocktails, die nicht erprobt waren und durch nicht medizinisch gebildetes Personal verabreicht wurden). Eine Erschießung ist im Vergleich zu dem, was mit vielen US-Todeskandidaten bisher getan wurde, die weniger leidvolle Variante.
zum Beitrag10.10.2026 , 15:11 Uhr
In einem Staat, der die Todesstrafe als reguläre Strafe vorsieht, ist Barbarei bereits normalisiert. Wie der Fall Pike zeigt, sind es zudem gerade die ach so "sanften" Hinrichtungen, die immer wieder zu qualvollen Komplikationen führen, weil man einen jungen und halbwegs gesunden Menschen nicht einfach schmerzlos "totspritzen" kann. Stellte man mich vor die Wahl, öffentlich von zwanzig Schützen erschossen zu werden, oder nichtöffentlich von nicht medizinisch ausgebildeten Idioten einen experimentellen Medikamentencocktail im stillen Kämmerlein zu bekommen, ich nähme jedes Mal die erste Option.
zum Beitrag10.10.2026 , 15:06 Uhr
Einerseits haben Sie damit Recht, andererseits brauche ich heutzutage nur die Abendnachrichten anzuschalten, um ähnlich schreckliche Bilder zu sehen. Ich erinnere mich auch an ein Schulbuch im Fach Geschichte, das einfach das berühmte Erschießungsfoto eines mutmaßlichen nordvietnamesischen Agenten aus dem Vietnamkrieg im Großformat abdruckte. Will sagen: Solche Bilder sind bereits überall vorhanden.
Was hingegen fehlt, sind Bilder, die den Mythos der "sauberen" Hinrichtung durch einen zivilisierten Staat entzaubern und die zeigen, dass die staatlich organisierte Tötung eines Menschen weder friedlich noch sanft noch sauber ist.
zum Beitrag10.10.2026 , 11:30 Uhr
Wenn diese Heranwachsenden in einer Gesellschaft leben, die diese barbarische Strafe praktiziert, gibt denen, die so etwas sehen und denen es tatsächlich nahe geht, eine sehr gute Motivation, sich gegen diese Strafe einzusetzen.
Vielleicht ist dies Wunschdenken, und die Leute setzen sich einfach dafür ein, Hinrichtungen wieder wie vorher im stillen Kämmerlein durchzuführen. Es würde aber den gängigen Mythen von der angeblich "sanften" Exekution endgültig den Boden entziehen, und das wäre es aus meiner Sicht wert.
zum Beitrag10.10.2026 , 11:12 Uhr
Nicht nur das, es würde auch der Bestand verfallen, weil niemand mehr einen Grund hätte, vermietete Wohnungen zu sanieren oder zu renovieren.
zum Beitrag10.10.2026 , 00:57 Uhr
Genau, verdammte Männer! Wenn es in den großen Volksparteien mehr Frauen wie Julia Klöckner, Bärbel Bas, Nancy Faeser oder Christiane Lambrecht gäbe, könnten die den eitlen Männern mal zeigen, wie man richtig gute Politik macht.
zum Beitrag09.10.2026 , 23:38 Uhr
Man darf eines nicht vergessen: Die "Giftspritze" (Lethal Injection) wurde nicht eingeführt, um die Todeskandidat*innen zu schonen, sondern die Zuschauer*innen. Alle tödlichen Injektionsmethoden sind bei halbwegs gesunden Menschen potenziell extrem qualvoll.
zum Beitrag09.10.2026 , 21:18 Uhr
Warum ist eine öffentliche Hinrichtung so viel unmoralischer als eine nichtöffentliche Hinrichtung? Ist es wirklich besser, wenn jemand im stillen Kämmerlein zu Tode gequält wird, als wenn dies auf eine Weise geschieht, bei der die Leute unmittelbar vor Augen geführt bekommen, was es ist, was sie da tun?
zum Beitrag09.10.2026 , 21:11 Uhr
Würden Sie sagen, es gibt keinerlei legitimen/gerechten Krieg? Beachten Sie, dass, wenn man das so sieht, daraus folgt, dass z.B. der Widerstand Polens oder Großbritanniens im zweiten Weltkrieg genausowenig gerechtfertigt wäre wie die deutsche Aggression selbst.
zum Beitrag09.10.2026 , 21:03 Uhr
In der Regel, weil nach der Verhängung der Todesstrafe noch zahlreiche rechtliche Einspruchsmöglichkeiten vorhanden sind, die üblicherweise auch maximal genutzt werden, weil die Leute nicht sterben wollen. Schafft man das ab und verkürzt die Frist auf wenige Wochen, wird man sehr viel mehr Unschuldige hinrichten.
zum Beitrag09.10.2026 , 19:16 Uhr
Krieg ist beschissen. Er ist mit das schlimmste, was passieren kann. Ein großer Krieg zwischen Supermächten würde das Überleben der Menschheit an sich gefährden.
Ich halte es aber für völlig verfehlt, denjenigen, die jetzt Deutschland aufrüsten, zu unterstellen, sie sähen das anders. Fast niemand in Deutschland will Krieg. Die Ukraine wollte diesen auch nicht, aber das Problem ist ganz schlicht: Wenn man sich der Verteidigung verweigert, dann kommt der Krieg ganz schnell zu einem. Es handelt sich hierbei übrigens auch nicht um eine Absage an "andere Methoden, Krieg zu verhindern" - vielmehr sind gerade diese Methoden wesentlich effektiver, wenn die kriegerische Option mutmaßlich kostspieliger und weniger erfolgversprechend sind. Der NATO-Doppelbeschluss z.B. hat damals funktioniert, weil es gerade die Nachrüstung der NATO-Mittelstreckenraketen war, die zu einem sowjetischen Umdenken und letztlich zu Abrüstungsabkommen führte - hätte man, wie damals durch die Friedensbewegung gefordert, einseitig abgerüstet, wäre das wahrscheinlich nie passiert.
Man muss sich von der Schwarzweißlogik "Aufrüstung oder Diplomatie" trennen - diese funktionieren am Besten gemeinsam.
zum Beitrag09.10.2026 , 19:03 Uhr
Die Todesstrafe ist weit jenseits dessen, was ich moralisch akzeptabel finde. Ich lehne sie fundamental ab und würde sie gerne weltweit abschaffen.
Vor diesem Hintergrund fand ich die Doppelmoral, die bezüglich dieses Thema in den USA herrscht, schon immer absolut ekelhaft: Man hält an dieser Barbarenstrafe fest, aber will das Ganze immer wieder so darstellen, als würde man die Leute "einfach sanft einschlafen lassen" - dabei dienen Teile der Hinrichtungsprotokolle schon immer dem Komfort der Zuschauer, während sie das Leid des Hinzurichtenden potenziell massiv vergrößern (es war z.B. lange Standard, ein Muskelrelaxans zu geben, das zu einer Atemlähmung führte und dazu führte, dass die Delinquenten sich nicht bewegen konnten - was, wenn die Betäubungsmittel nicht ausreichend dosiert sind, dazu führt, dass der Betroffene bei vollem Bewusstsein qualvoll erstickt und sich nicht bemerkbar machen kann). Deshalb begrüße ich es, wenn man stattdessen große, öffentlich übertragene Erschießungskommandos verwendet, die eine sichere, schnelle Hinrichtung durchführen, die die Brutalität dieser Handlung allen Zuschauern bewusst machen. So kann man endlich ehrlich darüber reden.
zum Beitrag09.10.2026 , 08:50 Uhr
Ich habe in den letzten Jahren durch den Aufstieg des Populismus eine innere Abneigung gegen Parolen entwickelt. "Wohnen darf keine Ware sein" klingt erstmal toll - genau wie z.B. auch "kein Mensch ist illegal". Das Problem ist: Was genau folgt daraus? Wenn "Wohnen keine Ware sein darf", heißt das, niemand darf mehr Profit durch Mieten erwirtschaften? Wie will man das erreichen, ohne gleichzeitig jeden Anreiz für private Investoren, Wohnungen zu bauen und instandzuhalten, im Keim zu ersticken? Dass wir mehr Sozialwohnungen und mehr staatlichen Wohnungsbau brauchen, halte ich für durchaus richtig, glaube aber nicht, dass man das erreicht, indem man einfach nur den privaten Sektor beschädigt. Der Staat verfehlt ja jetzt schon regelmäßig alle selbst gesetzten Ziele in diesem Bereich. Und ein drakonisches Mietrecht wie in Spanien haben wir in Deutschland erfreulicherweise schlicht nicht (wie der Kommentar ja selbst herausarbeitet), so dass der Vergleich bedingt hilfreich ist.
Wir brauchen weniger Parolen und mehr konkrete Vorschläge - und zwar gute Vorschläge, nicht immer nur: "Die bösen Blutsauger enteignen".
zum Beitrag28.09.2026 , 01:16 Uhr
"Das viel beklagte „Antisemitismus-Problem“ der Partei etwa schrumpft, bei näherer Betrachtung, auf den Auftritt eines fragwürdigen Rappers beim Neuköllner Bezirksverband zusammen" ... und die vielfachen Auftritte desselben Rappers mit und für Ferat Kocak. Und auf das Verlassen der Partei durch mehrere anti-antisemitischer Linken-Politiker*innen (Klaus Lederer etc.), die dieses explizit mit dem erlebten Antisemitismus in der Partei begründeten. Und den Auftritt von Ibrahim Ibrahim auf der Wahlparty mit u.a. neu gewählten Linken-Senatorinnen, die diesen vorher getroffen haben. Aber gut, alles nur Kleinkram - ich bin mir sicher, ein vergleichbarer Katalog bei AfD-Politiker*innen würde in diesem Forum auch niemals reichen, um der AfD Antisemitismus vorzuwerfen.
Oder?
zum Beitrag27.09.2026 , 21:56 Uhr
" Im Sadomasobereich geht's auch zumeist um totalen Kontrollverlust und Unterwerfung." Eher nicht. Es geht um die Simulation von Kontrollverlust und Unterwerfung. Zumindest im organisierten Sadomasobereich ist das alles oft erstaunlich reglementiert und kontrolliert, mit "Safewords", Vor- und Nachbesprechungen und allem Möglichen. Diese Gruppe mit diesen ekelhaften Vergewaltigern zu assoziieren, ist deshalb ein Vorurteil. Ich finde deren "Kinks" auch komisch, aber sie sind in der Regel harmlos, weil dort großer Wert auf Konsens gelegt wird.
zum Beitrag27.09.2026 , 12:18 Uhr
"In dem Urteil wurde nicht der Mietendeckel selbst als nicht rechtlich bewertet, sondern nur, dass das Land Berlin nicht die Kompetenzen dafür hat und er vom Bund verabschiedet werden müsste. Das hat für mich schon viel mit Formalitäten zu tun." Entschuldigen Sie bitte, aber wenn ein Bundesland z.B. beschließen würde, selbständig Verträge mit Frankreich zu schließen, läge das offenkundig nicht in seiner Kompetenz und wäre somit illegal. Wenn jetzt das Verfassungsgericht das erwartbarerweise kippen würde, würden Sie doch auch nicht sagen, dass seien alles bloße "Formalitäten". Letzten Endes suggeriert diese Formulierung doch, dass die eigentliche "Gerechtigkeit" woanders läge. In einem Rechtsstaat müssen Regeln aber für alle gleichermaßen gelten, und wenn jemand bewusst davon abweicht und dann sagt, er habe doch nur "aus formalen Grüdnen" Unrecht bekommen, dann ist das aus meiner Sicht unangemessen. Schließlich - was man ja gerade bei dieser Causa nicht vergessen darf - gab es im Falle des Mietendeckels ein von RRG damals in Auftrag gegebenes Gutachten, das selbst zu dem Schluss kam, der Mietendeckel sei wahrscheinlich unzulässig - man hat die Regeln also bewusst ignoriert.
zum Beitrag26.09.2026 , 17:50 Uhr
"Nur zur Erinnerung: Es war die CDU im Verbund mit der FDP, die gegen den Berliner Mietendeckel, das Gesetz zur Begrenzung der Mieten, geklagt hatte und sich 2021 dafür feierte, dass das Bundesverfassungsgericht ihr aus formalen Gründen recht gab."
Es ist bemerkenswert, wenn man die Anwendung der geltenden Rechtslage als "formale Gründe" bezeichnet. Das ist, als würde man sagen: "Der Mörder wurde aus formalen Gründen zu lebenslanger Haft verurteilt".
"Ziel der AfD ist es, lagerübergreifende Koalitionen zu verhindern und sich selbst als bürgerlich-konservative Kraft in der Mitte zu etablieren." Wäre das so, würde mich das sehr freuen. Die AfD ist aber keine "bürgerlich konservative Kraft" und wird sich niemals in der "Mitte" etablieren, weil sie eine rechtsextreme Partei ist, die alles hasst, was die tatsächliche bürgerliche Mitte ausmacht und die deutsche Demokratie an einen ausländischen Diktator verschenken will.
Ich verstehe diesen Artikel nicht. Er dämonisiert die CDU auf eine völlig unangemessene Weise und verharmlost gleichzeitig die AfD. Auch, wenn man selbst starke linke Überzeugungen hat, sollte man aber anerkennen, dass die Unterschiede weiterhin fundamental sind.
zum Beitrag24.09.2026 , 10:55 Uhr
Tatsächlich sagte der CDU-Politiker, er habe nicht gewusst, wer Herr Remmo ist, und es steht Aussage gegen Aussage. Bei Herrn Kocak wurden hingegen die Chats mit Firas Remmo und den Grüßen an Papi veröffentlicht. Aber sei's drum: Selbst wenn ich Ihren schönen Whataboutism einfach durchgehen ließe und einfach sagen würde: Okay, CDU und Linke haben gleichermaßen ein Problem mit Nähe zum Remmo-Clan, bleiben immer noch lächelnde Freudenfotos wichtiger linker Politiker*innen mit einem Terrorunterstützer, für die es in der CDU kein Äquivalent gäbe. Die würden dort auch nicht hingehen, weil die CDU, anders als die Linke, nicht im Verdacht steht, mit Islamisten zu sympathisieren.
zum Beitrag24.09.2026 , 08:48 Uhr
Volle Zustimmung, danke für den Kommentar.
zum Beitrag23.09.2026 , 19:26 Uhr
Der Unterschied ist, dass Herr Kocak und seine Genossin definitiv ganz genau wissen, wer Herr Ibrahim ist.
zum Beitrag22.09.2026 , 21:25 Uhr
Vielleicht - ganz vielleicht - kommt das auch daher, dass zumindest Herr Ibrahim einen schönen Schnappschuss mit Herrn Kocak und einer neuen linken Senatorin ergattern durfte - und zumindest Herrn Kocak muss dieser bekannt gewesen sein, da er früher auf diesen angesprochen wurde. Herr Remmo hingegen hat auf dessen Geheiß einfach nur seinen Papa gegrüßt. Aber okay, alles keine echten Argumente - die haben sich bestimmt nur verlaufen, und Linken-Urgestein Petra Pau, die auf Kocaks Verfehlungen sehr zornig reagierte, ist bestimmt Teil einer rechten Kampagne.
zum Beitrag22.09.2026 , 21:22 Uhr
"Als Option für von Enteignung bedrohte Konzerne sollte Idee entwickelt werden, für jedes Mehrfamilienhaus per Losverfahren ein grundbuchlich eingetragenes, unkündbares Wohnrecht für eine Sozialwohnung zu vergeben." Klasse Idee, dann entstehen viele Sozialwohnungen, die sich aber kein Bedürftiger leisten kann, weil die Mietspiegel in der Region immer noch zu hoch sind - und dafür entsteht dann eine "Aristokratie-Tombola", bei der Leute sich ein unkündbares (!) Wohnrecht mit Glück - oder vielleicht eher mit den richtigen Kontakten? - ergattern können. Mit der Immobilie selbst kann man dan machen, was man will - warum sollte ich mich in der Wohnung um irgendwas kümmern, man darf mich ja eh nicht rausschmeißen.
Vielleicht entstehen auch einfach gar keine Sozialwohnungen mehr, weil man debil sein müsste, um unter solchen Bedingungen welche zu bauen - und der Staat bekommt es, Stand jetzt, von sich aus nicht mehr hin.
Aber hauptsache, den bösen Konzernen eins reingedrückt!
zum Beitrag22.09.2026 , 21:17 Uhr
Woher nehmen Sie die Information, die Immobilien seien "heruntergewirtschaftet"?
zum Beitrag22.09.2026 , 19:57 Uhr
Entschuldigung, aber ich glaube, angesichts dessen, dass auf der Wahlparty Leute wie Ibrahim Ibrahim rumsprangen, mit denen Herr Kocak Fotos gemacht hat - und angesichts dessen, dass Herr Kocak offenbar schöne Chats mit Issa Remmo vorzuweisen hat - lässt sich das Ganze nicht einfach mit einem Verweis darauf, dass ja alles okay sei, wegwischen. Solange sich Terrorsympathisanten und Clanbosse auf deren Parties wohlfühlen, ist diese Partei nicht unterstützungswürdig. SPD und Grüne täten gut daran, sich nicht darauf einzulassen, ehe die Linke den eigenen Laden ordentlich ausgemistet hat. Tut sie das nicht, möge sie bitte in der Opposition versauern.
zum Beitrag21.09.2026 , 22:40 Uhr
"Übrigens ist das auch ein gutes Rezept gegen die AfD und ähnliche politische Strömungen." Ich halte das für ein eher fernliegendes Argument. Im Grunde sagt man: Um Ausländerfeindlichkeit zu bekämpfen, lasse ich Ausländer wählen. Es befördert zudem die gesellschaftliche Spaltung. Wer die deutsche Staatsbürgerschaft nicht beantragen "will" (wie es im Text explizit genannt wird), der soll bitte auch kein Recht haben, über die Geschicke des deutschen Staates zu bestimmen. Staatsbürgerliche Rechte ohne staatsbürgerliche Pflichten halte ich nicht für wünschenswert und demokratietheoretisch inakzeptabel.
zum Beitrag21.09.2026 , 18:08 Uhr
Hinzu kommt: Das meine ich nicht böse, aber Ihr Verständnis von Moralphilosophie scheint mir eher rudimentär zu sein. "was ist Moral anderes, als ein von der Mehrheit akzeptiertes Wertekonstrukt, über das Subjekt, welches einen Schwangerschaftsabbruch in dieser Gesellschaft durchführt?" ist z.B. ein metaethischer Standpunkt, den man "moralischer Anti-Realismus" nennt und der zuallermindestens keine Mehrheitsposition unter Ethiker*innen und Moralphilosoph*innen darstellt. Das Sie im ersten Absatz zudem Sachen sagen wie: "Moralisch gesehen begeht man kein Verbrechen, wenn" ist schwer verständlich, denn "Verbrechen" ist keine moralische Kategorie, sondern eine juristische, und das Recht leitet sich zwar aus der Rechtsphilosophie und dessen Ethik ab, aber das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass alles, was rechtens ist, auch moralisch richtig ist (sonst hätte ja auch Herr Filbinger Recht gehabt, als er sagte: "Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein!")
zum Beitrag21.09.2026 , 18:03 Uhr
Die Kriminalisierung ordne ich ein als Anerkennung des Problems, das bei einer Abtreibung ein im Entstehen begriffenes menschliches Wesen an der weiteren Heranreifung gehindert wird, obwohl diesem nach geltender Rechtsprechung auch ein Recht auf Menschwürde zusteht. So hat es ja auch das Bundesverfassungsgericht einst begründet: "Das Grundgesetz verpflichtet den Staat, menschliches Leben, auch das ungeborene, zu schützen. Diese Schutzpflicht hat ihren Grund in Art. 1 Abs. 1 GG; ihr Gegenstand und – von ihm her – ihr Maß werden durch Art. 2 Abs. 2 GG näher bestimmt. Menschenwürde kommt schon dem ungeborenen menschlichen Leben zu. Die Rechtsordnung muß die rechtlichen Voraussetzungen seiner Entfaltung im Sinne eines eigenen Lebensrechts des Ungeborenen gewährleisten. Dieses Lebensrecht wird nicht erst durch die Annahme seitens der Mutter begründet." (Ganzes Urteil nachzulesen unter opinioiuris.de/entscheidung/4323 )
Ich weiß aber auch nicht, warum Sie jetzt von einem x-beliebigen Taz-Foristen eine "rechtssichere" Begründung für die geltende Rechtslage benötigen, sind es doch Sie, der diese Rechtslage verändern möchte.
zum Beitrag21.09.2026 , 17:55 Uhr
Ich verstehe nicht ganz, was Sie mir sagen wollen. Mein ursprünglicher Kommentar sagt explizit, dass ich die jetzige Rechtslage in Ordnung finde. Diese beinhaltet in Form des aktuell gültigen Urteils des BVerfG zur Sache übrigens auch das grundlegende Eingeständnis, dass bei Abtreibung zwei Rechtsgüter gegeneinanderstehen, und die konkrete Priorisierung von den Gesamtumständen abhängt.
Das Selbstbestimmungsrecht der schwangeren Person gilt übrigens auch über diese drei Monate hinaus, wird nach aktueller Rechtslage aber nicht mehr in jedem Fall höher gewichtet als das Recht des ungeborenen Fötus auf körperliche Unversehrtheit, sondern nur noch unter besonderen Umständen (siehe §218a StGB).
zum Beitrag21.09.2026 , 17:49 Uhr
"Dogma" bedeutet im Wortsinn erstmal nichts weiter als "Lehre". Jede Religion besitzt also Dogmen - auch wenn sie sie nicht in jedem Fall so nennt. Auch der Buddhismus in seinen vielfachen Ausprägungen kennt viele Dogmen (Die Erkenntnis, das alles irdische leidvoll sei, das nirvana etc.). Dogmen allerdings als "Denkverbote" zu bezeichnen, ist angesichts dessen, dass gerade die genannten Dogmen der katholischen Kirche fluide sind, ist etwas seltsam - schließlich ist es gerade die katholische Kirche, die ihre Lehre nicht nur auf die Bibel ("scriptura"), sondern auch auf die Überlieferung ("traditio") stützt. Und gerade die katholische Philosophie ist ja voll von genialen Denker*innen, die versuchen, die eigenen Dogmen rational auszuarbeiten.
zum Beitrag20.09.2026 , 13:37 Uhr
C.S. Lewis hat dazu etwas Interessantes geschrieben, das als "Lewis' Trilemma" bekannt ist. Paraphrasiert: Jesus ging durch die Welt und behauptete, der Messias und König der Juden zu sein, Menschen heilen zu können und den Triumph Gottes auf Erden einzuleiten. Diese Dinge sind mit seiner Lehre untrennbar verbunden, weil sie sich daraus ableitet. Das lässt eigentlich nur drei Schlüsse zu: Entweder, er war verrückt, er hat gelogen, oder er hatte Recht. Es gibt aber keine Hinweise darauf, dass er verrückt gewesen sei, und hätte er gelogen, wäre er kaum bewundernswert, da er dann letztlich nur ein Sektenführer war, der Leute angelogen hat, um ihnen sein Gedankengut aufzuzwingen - es bliebe also zur Bewunderung Christi nur die dritte Option. Man bricht das manchmal auch auf "mad, bad or God" runter.
zum Beitrag20.09.2026 , 13:30 Uhr
Was ist Ihrer Ansicht nach denn der Unterschied zwischen "dogmatischer" Religion und sonstiger Religion?
zum Beitrag20.09.2026 , 13:22 Uhr
Es ist, offen gesagt, ein etwas schwer nachvollziehbarer Vorwurf, wenn Sie mir Unkenntnis der "konkreten Belastungen und Folgen" vorwerfen, wo wir doch gerade gar nicht über das Konkrete streiten, sondern über das Allgemeine. Das hielte ich nur für fair, wenn ich gesagt hätte, dass ALLE Abtreibungen moralisch inakzeptabel sind. Das habe ich aber nicht gesagt, ich habe lediglich gesagt, das Abtreibungen im Allgemeinen einen anderen moralischen Stellenwert haben als eine Blinddarmentfernung. Wäre das nicht so, dann wäre es z.B. auch moralisch unproblematisch, ein gesundes Kind kurz vor der Geburt abzutreiben, weil eine werdende Mutter es sich - aus welchen Gründen auch immer - anders überlegt hat. Ich glaube aber nicht, dass Sie das tatsächlich so sehen.
Wenn ich den Eindruck erweckt habe, ich sei der Ansicht, alle Frauen, die abgetrieben hätten, sollen sich schämen, dann tut mir das Leid, das war nicht meine Intention und entspricht nicht meiner Meinung. Ich bin aber der Ansicht, dass man an das Thema auf eine Weise herangehen sollte, die dessen moralische Komplexität anerkennt und offen auf den Tisch legt, anstatt so zu tun, als sei es eigentlich ganz einfach.
zum Beitrag20.09.2026 , 12:08 Uhr
Ich habe kein Problem damit, über vom Westen ausgegangene Aggressionen zu sprechen. Ich wurde einst politisiert, indem ich gegen den Irakkrieg protestiert habe. Ich wehre mich nur dagegen, daraus einen Relativismus abzuleiten, in dem die eigenen Verbrechen letztlich schlimmere Verbrechen Anderer geradezu entschuldigend verdecken sollen. Es ist eben noch mal ein ziemlich relevanter Unterschied, ob ein Land "einfach nur" in einem anderen Land einfällt, oder ob ein Land in einem anderen Land einfällt und dabei systematisch und gezielt Kriegsverbrechen begeht - wie es Russland in der Ukraine tut. Sähe man das anders, hätte man z.B. auch kaum noch ein Argument gegen die rechtsextremen "Trauermärsche", die die durch Deutsche verübten Genozide im Zweiten Weltkrieg durch Betonung alliierter Kriegsverbrechen zu relativieren versuchen.
zum Beitrag20.09.2026 , 12:02 Uhr
Das kann man so sehen. Man kann auch sagen, die Tschetschenienkriege waren ein gescheiterter Versuch Tschetscheniens, die Unabhängigkeit zu erringen. So oder so hat sich Russland in diesen Kriegen nicht um Völker-, Kriegs-, oder Menschenrecht geschert.
zum Beitrag20.09.2026 , 09:13 Uhr
Ein FSJ zeigt, dass man als junger Mensch willens ist, ein Jahr seines Lebens zu opfern, um der Allgemeinheit einen Dienst zu erweisen, ohne, dass man selbst da jenseits der "Erfahrung" viel von hat. Das ist - potenziell - ein weitaus niedrigerer Einsatz als bei der Bundeswehr, aber viele sind bereits bei diesem nicht bereit, ihn zu bringen. Das ist der Zusammenhang.
zum Beitrag20.09.2026 , 09:11 Uhr
Nein, sofern sie männlich war, wurde sie getötet. Wer versuchte, den Kriegsdienst zu verweigern, wurde wegen Fahnenflucht hingerichtet. Franz Jägerstätter war das berühmteste, aber keineswegs das einzige Beispiel.
zum Beitrag20.09.2026 , 09:09 Uhr
Es ist kein deutscher Alleingang. Mehrere europäische Länder haben vergleichbare Rüstungsprogramme angekündigt. Frankreich und Großbritannien zum Beispiel.
Der Grund, warum sich die Zeit wie eine "Vorkriegszeit" anfühlt, ist zudem nicht unsere eigene Aufrüstung, sondern, dass wir jetzt - nicht sehr weit entfernt - wieder eine Macht östlich von uns haben, die immer wieder ganz offen damit droht, uns anzugreifen bzw. zu vernichten, unsere Städte zu zerstören und unsere Infrastruktur auszuschalten. Das ist - wieder - eine neue Entwicklung. Ich verstehe nicht, warum der erste Instinkt stattdessen zu sein scheint, es ginge darum, dass man selbst Krieg führen wolle - als wäre die SPD über Nacht zu einer imperialen Partei mutiert.
zum Beitrag19.09.2026 , 23:17 Uhr
Das Jesus fiktiv sei, ist Quatsch. Historiker*innen sind sich weitgehend einig, dass er gelebt hat (siehe z.B. en.wikipedia.org/w...storicity_of_Jesus ). Keine Einigkeit besteht natürlich über viele Details seines Lebens oder die Frage, ob er der Messias oder ähnliches sei. Ihn als "fiktive Person" zu bezeichnen, ist aber ungefähr so sinnvoll, wie die Existenz von Konstantin dem Großen anzuzweifeln.
zum Beitrag19.09.2026 , 23:09 Uhr
Ich finde es richtig (und wichtig), dass Frauen Zugang zu möglichst sicheren Abtreibungen unter bestmöglichen medizinischen Bedingungen haben. Dennoch ist das Thema eben ein bisschen komplexer als: "Entweder, Abtreibung ist ethisch völlig unproblematisch, oder man will Frauen bevormunden". Das verstehen die meisten Menschen intuitiv auch, denn fast niemand will Abtreibungen unter allen Umständen bis zur Geburt legalisieren. Dennoch führt jede Verbalisierung dieser relativ banalen Feststellung eben immer wieder zu heftiger Kritik - so wie auch hier.
zum Beitrag19.09.2026 , 12:46 Uhr
Krieg ist keineswegs unausweichlich. Teil der subversiven Taktik Russland ist es, genau das zu behaupten, weil es Russland nützt. Dieses Land möchte, dass wir Angst haben und die Forderung pushen, uns im Zweifel unterzuordnen.
Es ist zudem aus meiner Sicht nicht die Sehnsucht nach einem "starken Mann", die Pistorius beliebt macht, sondern die Tatsache, dass Herr Pistorius es versteht, den Eindruck zu erwecken, er habe sein Ressort im Griff und sei in der Lage, es zu führen. Das ist ein Kontrast zum Rest der Bundesregierung, der sich in Teilen fast schon einen Wettbewerb zu liefern scheint, wer es schneller schaffe, sich unbeliebt zu machen.
Zivilschutz ist tatsächlich ein großes Versäumnis unserer jetzigen Verteidigungspolitik, und ich würde mir einen stärkeren Fokus darauf wünschen.
zum Beitrag19.09.2026 , 10:47 Uhr
"Auf dieser Grundlage kommt es schlicht darauf an, die gefährlichsten Potenziale einzuhegen und bei allen Unterschieden die Interessen der anderen Seite zähneknirschend zu berücksichtigen." Die Frage ist doch, welche "Interessen" das genau sind. Wenn diese "Interessen" die Herrschaft über andere Staaten sind, die dieser Herrschaft nicht zustimmen, dann ist eine solche Diskussion nicht "kühl" oder "friedliebend", sondern schlichtes Appeasement. Und auf etwas Anderes will sich Russland - erklärtermaßen - derzeit doch gar nicht einlassen. Ich verstehe nicht, wo der Wert darin liegen soll, zum hunderttausendsten Mal zu fordern, man solle doch bitte neue Wege finden, mit Russland zu verhandeln, wenn die russische Regierung immer wieder völlig eindeutig erklärt, dass sie unterhalb der kompletten Räumung aller annektierten ukrainischen Gebiete nicht zu Verhandlungen bereit ist. Und ich habe auch keine Lust, zum hunderttausendsten Mal über Vietnam und den Irak zu reden und so zu tun, als seien der Tschetschenienkrieg und die sowjetische Invasion Afghanistans nie passiert.
Fast niemand hierzulande will Krieg. Und wenn wir keinen Krieg wollen, müssen wir uns verteidigen können.
zum Beitrag18.09.2026 , 23:48 Uhr
Naja, ein Teil des Problems ist auch, dass die Befürworter*innen der Möglichkeit von Abtreibungen sehr viel zersplitterter sind. Hier im Taz-Forum gilt man ja als "rechts" und "patriarchal", wenn man sich dafür ausspricht, die Rechtslage so beizubehalten, wie sie ist. Ich hätte kein Problem, gegen diese radikalen Abtreibungsgegner zu demonstrieren - habe aber ein großes Problem damit, mich gemein mit Leuten zu machen, die der Ansicht seien, ein "Schwangerschaftsabbruch" sei moralisch nicht problematischer als eine Blinddarmentfernung.
zum Beitrag16.09.2026 , 22:43 Uhr
Korrektur: in einer der betreffenden Wohnungen wohnen, nicht suchen.
zum Beitrag16.09.2026 , 21:00 Uhr
Werden sie auch. Nur eben nicht in Berlin. Herr Dr. Fuhrmann als Historiker kann Ihnen bestimmt gut erläutern, dass Enteignungen historisch eine massive Investitionsbremse darstellen. Ist ja auch logisch - wenn Sie wissen, dass in einer Straße Leuten immer die Brieftasche gestohlen wird, dann werden Sie diese Straße nicht betreten.
zum Beitrag16.09.2026 , 20:56 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. Fuhrmann, ich bin nach Lektüre Ihres Kommentares etwas überrascht über Ihre Argumentation. Sie benennen das Problem völlig korrekt: Es besteht eine Angebotskrise. Sie gehen aber mit keinem Wort darauf ein, dass es sehr gut belegt ist, dass Preisregulationen bei Mieten das Angebot weiter verknappen, weil die Mobilität sinkt, da jemand, der in einer günstigen Wohnung in einer teuren Stadt wohnt, einen starken Anreiz hat, diese nicht wieder zu verlassen - selbst wenn z.B. der eigene Platzbedarf sinkt. Hier eine Metaanalyse, die die Effekte von Mietpreisregulationen analysiert: www.sciencedirect..../S1051137724000020 . Da es sich bei einer Vergesellschaftung zum Zweck des Erhalts günstiger Mieten im Grunde um eine indirekte Mietregulation handelt, ist zu erwarten, das hier ähnliche Effekte eintreten. Deshalb lässt sich zusammenfassen: Selbst, wenn die Vergesellschaftung genau so klappt, wie z.B. die Linke sich das vorstellt, dann nützt diese nur den Leuten, die jetzt schon in einer der betreffenden Wohnungen suchen. Für alle Anderen verschärft sich die Krise eher. Das kann man wollen, muss es aber ehrlich benennen.
zum Beitrag13.09.2026 , 23:31 Uhr
"2..Digitales Mietenkataster am Tag nach der Wahl einführen und in Absprache mit dem Bund Mietenerhöhungen komplett aussetzen. Wie lange ist Verhandlungssache.
3. Neubau -- Neubau -- Neubau -- ist das Einzige was gegen hohe Mieten tatsächlich hilft. Bereiche im Speckgürtel um Berlin herum organisieren die als erstes an ÖPNV Berlin angeschlossen werden."
Sie sehen aber auch, dass zwischen diesen Punkten ein gewisser Widerspruch steht, oder? Und wenn Sie darüber hinaus noch Sachen sagen wie in Ihrem letzten Absatz, dann fordern Sie im Endeffekt den Ausbau der Bürokratie - denn wer sonst sollte entscheiden, welche Architekten/Bauherren "kostengünstig und nachhaltig" bauen. Außerdem ist es ein Irrglaube, dass mehr Wohnungsbaugesellschaften automatisch mehr Wohnungen bauen - es braucht nicht immer mehr zuständige Behörden, sondern vorsichtige und maßvolle Deregulation von Neubauten, wenn man mehr Neubau will. Sie wollen mehr Regulation, und im Ergebnis dann einfacheres und billigeres Neubauen. Das wird nicht funktionieren, da müssen Sie sich für eines von beidem entscheiden.
zum Beitrag13.09.2026 , 23:27 Uhr
"Elif macht das besser, viele in ihrer Partei leider nicht (absichtlich, wie zu vermuten ist, viele wollen gar nicht regieren)" Viele, gerade jüngere und medienaffine Linke, sind auch einfach selbst antisemitisch. Wenn man linken englischsprachigen Internet-Content konsumiert, passiert das heutzutage ganz schnell. In den USA gerät gerade der größte linke politische Streamer auf der (Amazon gehörenden) Online-Plattform Twitch, der mit diversen demokratischen Kandidat*innen Wahlkampf machte, in die Kritik, weil er offen die Hisbollah, die Hamas und die Houthis abfeiert. Wenn man sich von so was beschallen lässt, dann bleibt das selten ohne Folgen.
zum Beitrag13.09.2026 , 23:23 Uhr
Wenn eine Person auf der Bühne einer politischen Veranstaltung widerspruchsfrei "Tod der IDF!" rufen kann, und man sich davon erst im Nachhinein distanziert, dann deutet das natürlich auf ein Antisemitismusproblem hin. Wäre dasselbe bei der AfD passiert, würden wir darüber hier auch gar nicht diskutieren.
zum Beitrag10.09.2026 , 18:26 Uhr
Das hängt ganz davon ab, wie eng man die Kriterien fasst. Wenn man z.B. sagt: "demokratischer Sozialismus ist ein demokratischer Staat, in dem entscheidende Teile der Wirtschaft Kollektiveigentum sind", dann würde ich auf das Vereinigte Königreich nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Thatcher-Ära verweisen, in der die britische Schwerindustrie (insbesondere die Kohle- und Stahlindustrie) praktisch komplett in staatlicher Hand war. Das hat schon "funktioniert" - führte aber mittelfristig nach einer größeren Wirtschaftskrise dazu, dass eine Premierministerin gewählt wurde, die dieses Staatseigentum (und vieles weiteres) binnen kurzer Zeit wieder privatisiert hat. Ob es jemals einen demokratischen Sozialismus geben wird, der nicht nach der ersten großen Krise wieder verschwindet, wage ich zu bezweifeln.
zum Beitrag10.09.2026 , 18:22 Uhr
Nein, das ist nicht unbedingt so. Erstmal ist Sozialismus nicht automatisch marxistisch (Marx hat nicht mal den Begriff erfunden), was bedeutet, die Phrase von der "Diktatur des Proletariats" ist auf manche Vorstellungen von Sozialismus gar nicht anwendbar. "Sozialismus" ist in der Regel nur ein Oberbegriff für eine Wirtschaftsform, in der ein Großteil der Wirtschaft Kollektiveigentum ist (sei es genossenschaftlich, staatlich oder wie auch immer organisiert).
Zweitens ist selbst Marx' Entwurf von der "Diktatur des Proletariats" auf die wirtschaftliche Macht bezogen, die Marx im Kapitalismus als "Diktatur der Bourgeoisie" bezeichnet, da Marx politische Macht auf wirtschaftliche Macht zurückführt (ob man das nun richtig findet oder nicht).
Das Problem sehe ich an anderer Stelle: Die Überführung von Privateigentum in Kollektiveigentum ist in Demokratien möglich, aber im großen Stil sehr schwierig - und, wie man z.B. in Großbritannien gesehen hat, im Zweifel binnen sehr kurzer Zeit rückabwickelbar.
zum Beitrag10.09.2026 , 17:06 Uhr
Die Argumentation hat ein fundamentales Problem: Sozialismus ist unpopulär. Demokratischen Sozialismus gegen die Mehrheit durchzudrücken, wird aber nicht funktionieren - spätestens bei der Frage, wie man Privateigentum in (wie auch immer geartetes) Kollektiveigentum überführt, bekommt man ein Problem. Und die Unpopularität des Sozialismus wird sich auch nicht ändern, solange kein Staat auf der Welt ansatzweise beweist, dass Sozialismus in der Lage ist, den Menschen einen angemessenen Lebensstandard zur Verfügung zu stellen - zumindest der "real existierende Sozialismus" hat bisher nämlich in praktisch jedem Fall eher das Gegenteil bewiesen.
Mal abgesehen davon, dass die Vorstellung, der Sozialismus würde die "sozialen und ökologischen" Krisen lösen, auch romantisch ist. Auch im Sozialismus müssen Kraftwerke laufen. Auch im Sozialismus müssen Rohstoffe abgebaut werden, wenn Dinge produziert werden sollen. Auch im Sozialismus spawnt nicht im ganzen Land plötzlich ein fuktionierender ÖPNV, so dass die Leute immer noch ein Auto brauchen. Wenn man aber so einen Sozialentwurf derart romantisch auflädt, dann kann das Ergebnis nur enttäuschen.
zum Beitrag07.09.2026 , 22:16 Uhr
Die Linke ist eben schon so lange im bürgerlich-intellektuellen Milieu angekommen, dass "der Arbeiter" für diese gleichzeitig Projektionsfläche für Sozialromantik ("Der arme, abgehängte Malocher hat kein Geld in der Tasche, weil keiner den Sozialstaat ausbaut!") und für tiefe Verachtung ("Der dumme Pöbel vor der Glotze/dem Internet") darstellt. Das einzige, was nicht versucht wird, ist, tatsächlich Konsequenzen aus dem Gesagten zu ziehen. So beschließt z.B. die SPD das Bürgergeld (de facto ein Ausbau des Sozialstaats), woraufhin Arbeiter*innen der SPD von der Stange gehen und angeben, die SPD kümmere sich mehr um Arbeitslose als um Arbeiter. Daraufhin schreiben linke Intellektuelle hunderttausend Kolumnen, in denen sinngemäß drinsteht, die verführten Arbeiter*innen gingen der SPD nur von der Stange, weil diese zu wenig für den Sozialstaat täte - und es bräuchte endlich mehr Umverteilung. Das hat für mich schon etwas bizarres - es wird absolut alles versucht, außer Arbeiter*innen als Individuen zu sehen und nicht als "Massen".
zum Beitrag07.09.2026 , 20:37 Uhr
"Eine Regierung, die die Rechtsextremen schrumpfen will, sollte mehr für gleiche Lebensbedingungen tun. Für Kapitalismusfan Merz hingegen ist Ungleichheit notwendig und ein Grund, sich mehr anzustrengen." Ich werde, glaube ich, nie verstehen, wieso es bei so vielen Linken im Kopf fest verankert zu sein scheint, dass es ausgerechnet die Unzufriedenheit mit der CDU-Sozialpolitik sein soll, die die Leute dazu bringt, massenhaft eine Partei zu wählen, die noch viel radikalere Kürzungen fordert. Die Arbeiter*innen wählen NICHT rechts, weil Sie sich ökonomischem Druck ausgesetzt fühlen. Das ergeben auch alle Nachwahlbefragungen.
Wenn man die AfD bekämpfen will, muss man soziale Medien regulieren und die Partei verbieten. Den Kopf in den Sand stecken und zum hunderttausendsten Mal linkere Politik zu fordern, während die Wähler*innen immer rechtere Politik wählen, wird zu nichts führen.
zum Beitrag07.09.2026 , 12:32 Uhr
Ich glaube auch, dass der AfD nur noch durch ein Verbot beizukommen ist - und hoffe, dass es dafür nicht schon zu spät ist. Ich glaube, dass die einzige wirksame Maßnahme zur Reduktion der AfD jenseits dessen eine wirksame und umfassende Regulation sozialer Medien ist. Und zwar nicht in Form von Quatsch wie Klarnamenpflicht, sondern in der Form, dass soziale Medien extremistische Propaganda, links wie rechts, wirksam unterbinden und nicht noch aktiv fördern.
zum Beitrag06.09.2026 , 21:43 Uhr
Natürlich hätte er das souveräner formulieren (müssen). Merz ist ein schlechter Kommunikator, da haben wir keinen Dissens. Mir geht es nicht darum, dass er alles richtig gemacht habe, sondern mir geht es darum, dass ich finde, dass die betreffende Influencerin keine Kritik, sondern einfach eine persönliche Schmähung losgelassen hat, und das ich verstehen kann, dass auch für einen Kanzler das Gespräch dann beendet ist. Das man das Gespräch aber wiederum auch souveräner hätte beenden können, ist auch richtig.
zum Beitrag06.09.2026 , 21:40 Uhr
Zu Punkt 1.): Ich glaube, das stellen Sie sich etwas einfacher vor, als es wäre. Sie hat ja gesagt, dass es ihr in diesen Fällen um die Gesundheitsreform ging.
Zu 2.) Doch, um diesen konkreten Eid zu brechen, ist schon Absicht notwendig. Er ist im Wesentlichen eine Absichtserklärung, "Gutes zu tun und Schlechtes zu vermeiden". Um ihn zu brechen, müsste man quasi aus der eigenen Sicht etwas Schlechtes tun - und das erfordert in der Regel Absicht.
Zu 3.) Da sind wir etwas unterschiedlicher Auffassung. Wenn ich gegen Einsparungen bin, muss ich entweder begründen, warum ich diese Einsparungen für nicht notwendig halte - oder wo man besser sparen würde. Ansonsten ist das aus meiner Sicht keine sachliche Kritik, einfach nur niveauloses Gemecker, und ich könnte mich ebenso gut hinstellen und fordern, ab morgen nur noch 10% Einkommensstauer zahlen zu wollen, weil mir mehr einfach zu viel ist.
zum Beitrag06.09.2026 , 10:46 Uhr
Der Kommentator will darauf hinaus, dass Linke in sozialen Medien und auf der Straße großmäulig auftreten, bei Kritik aber auf deutlich zaghaftere Beschlüsse verweisen. So darf ein Mitglied des Bundessprecher*innenrates der Linksjugend in Bezug auf Gaza von einem "fucking Holocaust" sprechen und die Partei sagt höchstens: "Oh, so was sagt man aber nicht". Der Vergleich zur AfD besteht nicht darin, dass es in beiden Antisemitismus gibt, sondern darin, dass beide Parteien in Richtung Öffentlichkeit deutlich radikaler auftreten, als sie es schriftlich festhalten oder offiziell beschließen. Viele der "Remigrations"forderungen der AfD, mit denen diese hausieren geht, sind ja in deren Programm gar nicht zu finden - genausowenig wie Umsturzpläne. Wenn man nun aber hingeht und sagt: "Die Linke ist nicht antisemitisch, sie fasst keine antisemitischen Beschlüsse!", dann muss man folgerichtig auch sagen: "Die AfD ist nicht menschenverachtend, sie fasst keine menschenverachtenden Beschlüsse!".
zum Beitrag05.09.2026 , 22:58 Uhr
Erstens: Wenn Sie etwas unterstellen ("Merz bricht seinen Amtseid"), dann sind Sie in der Beweispflicht und nicht ich.
Zweitens: Ich glaube, der von mir nicht sehr geschätzte Herr Merz tut nach bestem Wissen und Gewissen das, was er für das politisch Richtige hält. Das es sich fundamental von dem unterscheidet, was ich selbst politisch richtig finde, ist kein Beweis dafür, dass er damit absichtlich dem Volk schadet - und das wäre notwendig, um diesen Eid zu brechen.
Drittens: Die konkreten Vorschläge, um die es ging, waren Vorschläge einer eigens eingesetzten Kommission, weil Einsparungen im Gesundheitswesen notwendig waren (und sind). Eine Expertenkommission einzusetzen und deren Vorschläge umzusetzen halte ich weder für menschenverachtend noch für amtseidswidrig. Sie dürfen auch gerne der Meinung sein, dass Kürzungen im Gesundheitswesen generell gar nicht gehen - dann müssten Sie aber auch erklären, wie das Gesundheitssystem dann künftig finanziert werden sollte.
zum Beitrag05.09.2026 , 18:45 Uhr
Ich sehe halt nicht viel "Kritik" in der beanstandeten Passage, sondern schlicht eine Schmähung. Sicherlich hätte man souveräner reagieren können, als es Friedrich Merz getan hat, aber wenn mir einer gegenüber sitzt und einfach sagt: "Agarack, du dummes Arschloch!", dann wäre es mir, denke ich, auch nicht gesteigert übel zu nehmen, wenn ich dann etwas angefasst reagieren würde. Und ungefähr auf diesem Niveau sehe ich diese Passage. Wenn einem ein Teenager so was sagt, okay, aber bei einer erwachsenen Frau (und, wie gesagt, medienerfahrenen Influencerin) ist das kein Fauxpas, sondern Kalkül.
zum Beitrag05.09.2026 , 16:09 Uhr
"Sie brechen Ihren Amtseid und handeln menschenverachtend" ist keine faktenbasierte "Tatsachenbeobachtung", sondern eine Behauptung auf Basis eines individuellen Werturteils. Und diese Wertung darf man aussprechen (es ist ein freies Land), aber wenn mir das jemand an den Kopf würfe, wäre die Diskussion für mich danach auch beendet.
zum Beitrag05.09.2026 , 12:04 Uhr
"etwa Kritik an einer Krankenkassenreform" "Sie brechen Ihren Amtseid und handeln menschenverachtend" ist eben eine tatsächliche Grenzüberschreitung, die über akzeptable "Kritik" weit hinausgeht. Man kann die Reaktion trotzdem dünnhäutig finden, aber man muss sich auch als Bundeskanzler nicht alles gefallen lassen - schon gar nicht von einer Influencerin, die medienerfahren ist und mutmaßlich ganz genau weiß, was sie da sagt und was sie damit bezweckt.
zum Beitrag05.09.2026 , 10:42 Uhr
Ich weiß nur, dass es in Wien noch massiv viel schwieriger ist, eine neue Wohnung zu finden, als in Berlin. Schauen Sie sich doch mal die Quadratmeterpreise dort auf den einschlägigen Immobilienseiten an. Wenn man in Wien nicht bereits wohnt, hat man quasi keine Chance, dort halbwegs bezahlbar hinzuziehen. Das als Vorbild zu nehmen, finde ich nicht überzeugend.
zum Beitrag05.09.2026 , 10:39 Uhr
Naja, es gibt eben solche Initiativen in die andere Richtung auch schon ziemlich lange. Ich erinnere mich noch gut, als mir bei der vorletzten Landtagswahl in BaWü plötzlich "unabhängige, parteilose" Zeitungen zugingen, die im Endeffekt AfD-Propagandablätter waren, von denen die AfD aber behauptete, nichts zu wissen. Mich erinnert das Ganze an die "Political Action Committees" in den USA, die ja ganz ähnlich funktionieren. Wenn man das nicht will, muss man es klar verbieten - ansonsten finde ich es akzeptabel, so was zu machen, auch wenn man darüber streiten kann, wie hilfreich der konkrete Fall am Ende tatsächlich ist.
zum Beitrag05.09.2026 , 10:34 Uhr
Erstens haben Umspannwerke nichts direkt mit fossilen Brennstoffen zu tun, sondern sind für die Funktion des Stromnetzes auch dann unerlässlich, wenn man hauptsächlich erneuerbare Energien im Mix hat. Das ist ein bisschen, als ob man aus Protest gegen Massentierhaltung einen Supermarkt in die Luft sprengt.
Zweitens haben Umspannwerke nichts, aber auch gar nichts mit dem "Genozid in Palästina" zu tun.
Beides klingt aber nach typischen Dingen, die jemand annimmt, der zu viel Zeit im Internet verbringt und anfällig für Propaganda ist. Quatsch eben.
zum Beitrag04.09.2026 , 18:56 Uhr
"Schließlich haben CDU und SPD kein Problem damit, in Thüringen mit dem BSW zu koalieren, dass gegenüber Israel wesentlich schrillere Töne anschlägt." Schrillere Töne als "Yalla Intifada"? Das ist ziemlich schwierig. In der Linken braut sich sehr wohl ein Antisemitismus-Problem zusammen - interessanterweise aber weniger im (weiterhin pragmatischen) Ostteil der Partei als in Berlin und im Westen.
Ich stimme dem Grundtenor des Artikels dennoch in gewissem Maße zu. Das Problem ist, dass eine zu große Nähe zwischen CDU und Linker im Osten auch nach hinten losgehen kann, weil dann alle älteren Leute, für die die Linke immer noch die SED-Nachfolgeorganisation ist, nicht mehr die CDU wählen würden, und für diese nur noch die AfD bliebe. Das ist eine Gefahr, die man auch nicht unterschätzen darf, ob man sie nun unbedingt nachvollziehen kann oder nicht.
zum Beitrag04.09.2026 , 15:26 Uhr
Wenn dieser Mann diese Taten tatsächlich begangen haben sollte, passt das leider erschreckend in das Bild, das zeigt, wie leicht es ist, sich heutzutage allein zu radikalisieren. Man braucht im Grunde nur Zugang zum Internet, und der Quatsch kann sich frei entfalten. Ganz ähnlich war es ja mit diversen Attentätern in den USA (z.B. Tyler Robinson oder der Irre, der vor der israelischen US-Botschaft zwei Juden erschoss und "Free Palestine!" schrie). Solcher Irrsinn wird immer häufiger auf uns zukommen.
In welche Richtung sich der Mann radikalisierte, so er es denn war, ist schwer zu sagen - die "Genozid in Palästina!" und "nieder mit fossilen Brennstoffen!"-Kiste deutet eher auf einen linken Kontext hin, aber es kann auch einfach diffuser konspirativer Schwachsinn sein. So oder so haben wir hier, falls er der Täter ist, ein Exemplar eines weiteren Spinners, der im Endeffekt nichts bewirkt, außer fremden Menschen Schaden zuzufügen und die Blauen zu pushen.
zum Beitrag04.09.2026 , 11:27 Uhr
Also, bei dem, was die Initiative offen tut, sehe ich nichts verwerfliches. Wenn aber in ein paar Jahren mal rauskäme, dass tatsächlich Geldgeber eine solche Werbeagentur als Mittelsmann nutzen, um die eigene Identität zu verschleiern, wäre ich auch nicht schockiert. Das ist ein sehr amerikanisches Vorgehen.
zum Beitrag04.09.2026 , 11:20 Uhr
Wenn man günstiges Leben im Zentrum einer Metropole als konstituierend für ein "gutes Leben" sieht, dann ist ein gutes Leben für die meisten Leute schlicht unmöglich. Das liegt nicht an der bösen, schlimmen "Kapitalistenklasse" - in der DDR gab es das gleiche Problem, da waren es halt die "Funktionärseliten" oder die Leute, die lange auf ihre Wohnung warten mussten, die die Wohnungen bekamen - sondern schlicht daran, dass es in Metropolen deutlich weniger Wohnungen gibt, als es Leute gibt, die dort wohnen wollen.
zum Beitrag04.09.2026 , 11:14 Uhr
Egal, wer hinter diesen Anschlägen steckt, ist es doch naheliegend, dass die Stärkung der AfD durch diese die Intention war.
zum Beitrag04.09.2026 , 08:23 Uhr
Wie stellen Sie sich das bitte vor? Sollen dann für jedes Bauprojekt der Staat, eine Genossenschaft, und ein Investor zusammenkommen MÜSSEN? Dann können Sie das mit dem Bauen gleich ganz sein lassen.
zum Beitrag28.08.2026 , 11:57 Uhr
Was mich persönlich an der Sache - wie an vielen anderen Kriminalfällen - tief befremdet, ist das vielfache Vertreten starker Meinungen von Leuten, die jenseits der rein emotionalen Ebene keinerlei tatsächlichen Zugang zu dem Fall haben. Was stimmt, ist: Wenn Frau Clancy ihre Taten aufgrund einer psychischen Erkrankung (hier: postpartale Psychose) beging, dann trägt sie daran keine Schuld und sollte auch nicht bestraft werden. In diesem Falle wäre es auch völlig legitim, sie als Opfer zu sehen - das ließe sich damit vergleichen, man wache eines Morgens auf und habe schlafwandelnd die eigenen Kinder getötet. Etwas Schrecklicheres vermag man sich kaum vorzustellen.
Hat sie ihre Taten aber aus anderen Gründen begangen, sollte sie natürlich bestraft werden. In diesem Fall könnte ihre Erkrankung ein mildernder Umstand sein - muss es aber nicht. Das herauszufinden, ist Aufgabe eines Gerichtes, und wird vermutlich sehr schwer.
Leuten, die schon ins Internet ballern, sie wüssten jetzt schon ganz genau, dass die Frau ein armes Opfer oder eine eiskalte Mörderin ist, kann ich nur mit Verständnislosigkeit begegnen. Man sollte schon abwarten, bis die Fakten halbwegs geklärt sind.
zum Beitrag28.08.2026 , 11:52 Uhr
Fragwürdig ist, dass "eiskalte Psychopathin" eine Sprechweise ist, die angesichts des heutigen Kenntnisstandes in der Psychiatrie ähnlich angebracht ist, als würde man jemanden als "schwer geistesgestört" bezeichnen. "Psychopathie" im engeren Sinne ist ein veralteter Begriff.
Was vermutlich gemeint ist, ist, dass es Leute gibt, die Frau Clancy ein massives Empathiedefizit unterstellen, aufgrund dessen sie ihre Taten begangen habe. So etwas kann z.B. in Form einer antisozialen Persönlichkeitsstörung auftreten. Diese macht einen aber (in Deutschland) in der Regel nicht schuldunfähig, weil man das Unrecht der eigenen Tat sehr wohl erkennen kann, lediglich das Mitgefühl ist vermindert oder nicht vorhanden.
zum Beitrag28.08.2026 , 11:47 Uhr
Eine Psychose kann die eigenen Entscheidungsprozesse derart durcheinanderbringen, dass solche Entscheidungen in ihrer Tragweite schlicht und ergreifend nicht begriffen werden. Psychosen können deshalb zu völliger Schuldunfähigkeit führen, weil die eigenen Handlungen Entscheidungswegen folgen, die man von außen schlicht nicht verstehen oder gar rational aufarbeiten kann. Ich sprach mal mit einer akut psychotischen Frau, die in einen Fluss gesprungen war, weil der Teufel ihr befohlen habe, sie müsse ihr Haus anzünden. Wenn Sie an diesem Punkt angekommen sind, dann sind Sie zu praktisch allem fähig. Wenn Sie z.B. tatsächlich glauben, ihre Kinder seien von Außerirdischen auserwählt und sie müssten diese jetzt vergiften, damit sie deren Raumschiff betreten können (frei erfundenes Beispiel), dann sind Sie in Entscheidungsprozessen angekommen, die einem psychisch gesunden Menschen derart fremd sind, dass man sie schlicht nicht nachvollziehen kann.
Will sagen: Wenn die Frau zum Zeitpunkt der Tat tatsächlich psychotisch war, dann ist sie absolut ein Opfer und hat nichts getan, was Sie und ich in dieser Lage nicht möglicherweise auch getan hätten.
zum Beitrag28.08.2026 , 09:24 Uhr
Natürlich ist das Argument falsifizierbar. Sie könnten z.B. auf Arbeiten von Historikern verweisen, die Zugang zu Dokumenten in den sowjetischen Archiven verweisen, aus denen hervorging, dass diese Art Kalkulation in den sowjetischen Überlegungen zum eigenen Vorgehen keine Rolle gespielt hat. Oder auf amerikanische Dokumente, die dasselbe für die eigene Seite belegen.
Sie werden aber keine solchen Arbeiten finden, weil das Gegenteil der Fall war.
zum Beitrag27.08.2026 , 07:16 Uhr
"Der größte Fehler den man machen kann, ist zu glauben man würde historisch auf der richtigen Seite stehen und generell Recht haben. " Es gibt aber nun mal Fälle, in denen jemand, der Freiheit und Demokratie als Werte vertritt, sich klar für eine bestimmte Seite entscheiden kann. Im eben genannten amerikanischen Bürgerkrieg kämpfte eine Seite letztlich dafür, ihre Sklaven auf ewig behalten zu dürfen - und war auch bereit, dafür den Tod sehr vieler Menschen in Kauf zu nehmen. Das halte ich schon für ein ziemlich gutes Argument, dagegen zu kämpfen. Und das Resultat hat, bei allen Schwierigkeiten, die Lage der ehemaligen Sklaven deutlich in Richtung Freiheit verbessert.
Ebenso würde ich erwidern, dass es, wenn es spezifisch um Frieden geht, oft gar nicht so sehr darum geht, tatsächlich zu kämpfen - sondern darum, anderen Ländern zu zeigen, dass man dazu in der Lage ist, damit diese es nicht versuchen.
zum Beitrag27.08.2026 , 07:12 Uhr
Es gibt in der Geschichte sehr wenige tatsächlich monokausale Ereignisse. Nichtsdestotrotz brach im gesamten kalten Krieg kein direkter Krieg zwischen USA und Sowjetunion aus, weil beide wussten, dass sie diesen nicht "gewinnen" könnten bzw. das ein Sieg derart verheerende Konsequenzen hätte, dass er sich nicht lohnt. Das ist schon ein gutes Argument für das tatsächliche Funktionieren von Abschreckung.
zum Beitrag26.08.2026 , 16:27 Uhr
Was Sie gerade machen, nennt sich: "Moving the Goalposts". Sie sagten: "Nicht jeder Fall, in der Demokratien Kriege führen, führt zu Demokratie und Frieden." und "Abgesehen vom 2.WK fällt mir kein Beispiel ein.". Dann nenne ich Ihnen drei spontane Beispiele, die dieser Behauptung entgegenstehen, und Sie sagen: "Ja, aber BÜRGERkriege zählen nicht!!!!". Das ist eine unehrliche Debattentaktik, die sich auch quasi unbegrenzt fortsetzen lässt, weil Sie für absolut jeden Krieg irgendeinen Grund finden könnten, warum dieser auch nicht zählt
Im Übrigen, erstens: Die Eroberung Europas durch Napoleon war kein Bürgerkrieg. Zweitens: Der Spanische Bürgerkrieg wurde - auf beiden Seiten - massiv durch internationale Unterstützung geprägt und durch die Faschisten letztlich nicht zuletzt aufgrund internationaler Unterstützung gewonnen.
zum Beitrag26.08.2026 , 07:41 Uhr
Ich stimme dem Autoren in seinem nachdenklichen, gut formulierten Ansatz grundsätzlich zu. Ich habe mich persönlich allerdings anders entschieden, weil ich im Gesundheitswesen arbeite, und das Töten eines Menschen - egal, wie berechtigt - für mich eine Grenze ist, die ich nicht überschreiten und meinen Beruf danach weiter ausüben könnte. Deshalb habe ich meine Verweigerung nicht zurückgegeben. Dennoch teile ich die Schlussfolgerungen, die hier geäußert werden, im Grundsatz mit.
zum Beitrag26.08.2026 , 07:32 Uhr
"Ja, aber nur wenn es ein Deutschland wie früher wird, anständig, am Frieden interessiert, freiheitlich für seine Bürger. Dieses Deutschland kann ich leider nicht mehr erkennen."
Letzten Endes unterscheidet sich die Argumentation hier nicht groß von AfDlern, die sagen: "Deutschland verteidigen gerne, aber doch nicht dieses linksgrünversifftverschwulte Deutschland!!!!". Entweder, man hält Freiheit und Demokratie für im Grundsatz verteidigenswert, oder nicht. Dass die AfDler das nicht tun, ist wenig überraschend - Sie hingegen sollten darüber noch einmal nachdenken.
zum Beitrag26.08.2026 , 07:30 Uhr
Und die Niederlage der Sowjetunion im kalten Krieg ist für Sie kein "Beweis"?
zum Beitrag26.08.2026 , 07:30 Uhr
"Abgesehen vom 2.WK fällt mir kein Beispiel ein." - Der amerikanische Bürgerkrieg: Hätte der Norden nicht gekämpft, hätte die Sklaverei überlebt und die damals einzige mächtige demokratische Republik wäre untergegangen. - Die französischen Revolutionskriege: Bei aller Aggressivität und Brutalität, die die erste französische Republik an den Tag legte, war es letzten Endes die Eroberung Europas durch Napoleon, die in vielen Ländern - einschließlich dem unseren - die Grundlage des modernen Rechtsstaates importierte. - Der Spanische Bürgerkrieg: Schwierigerer Kasus, da dieser verloren ging - aber dort kämpften republikanisch-demokratische Kämpfe gegen einen faschistischen Machthaber.
Es gibt zahlreiche weitere Beispiele, das sind nur die ersten drei, die mir einfallen.
zum Beitrag26.08.2026 , 07:25 Uhr
Und wenn die Alliierten sich nicht militärisch gegen ebendiesen Angriff verteidigt hätten, wie sähe die Welt - besonders unser Land - aus? Wie viele Millionen Menschen wären zusätzlich gestorben?
zum Beitrag24.08.2026 , 13:47 Uhr
Das freut mich für Sie (ehrlich). Weil Ihr Fall auch gar nicht ungewöhnlich ist, sehen die Leitlinien für die arterielle Hypertonie (=Bluthochdruck) mit guter Evidenz als erste Maßnahme eine sog. "Lebensstiländerung" vor, und Medikamente erst dann, wenn diese alleine nicht den gewünschten Erfolg bringt. Bei echten klinischen Depressionen ist die Lage diesbezüglich aber anders.
zum Beitrag24.08.2026 , 07:20 Uhr
Ich wäre zunächst vorsichtig damit, so zu tun, als sei die Darstellung der Polizei automatisch falsch und die Darstellung der Familie des mutmaßlichen Opfers automatisch richtig. Was mir nämlich in diesem Kommentar fehlt: Die Mutter war bei dem Vorfall nicht dabei (die Info ist im anderen Artikel zu dem Thema zu finden). Es handelt sich also um die Wiedergabe der Sicht ihres Sohnes, der ihr diese im Krankenhaus mitgeteilt hat. Wer letztlich Recht hat, wird sich - leider - wahrscheinlich nicht klären lassen - es sei denn, es gibt Zeugen, die bisher noch nicht zu Wort gekommen sind oder die Medien vermeiden. Wer allerdings angesichts dieses Vorfalles schon wieder eine Demo wegen rassistischer Polizeigewalt anmeldet, bevor die Ermittlungen überhaupt richtig angefangen haben, den verstehe ich nicht. Es ist noch völlig unklar, was letztendlich genau passiert ist.
zum Beitrag23.08.2026 , 22:25 Uhr
Eine leitliniengerechte Therapie für eine Depression besteht aus einer medikamentösen und einer psychotherapeutischen Komponente. SSRI sind dabei oft (aber nicht immer) Mittel der Wahl. Depressionen sind eine echte Erkrankung, die bestmöglich therapiert werden sollte, da gehören Medikamente schlicht dazu.
Ich will jetzt als Mediziner nicht überheblich wirken, aber, ganz ehrlich: Damit ist die Debatte im Grundsatz doch geklärt. Man ist immer frei, sich individuell anders zu entscheiden, aber bei anderen Erkrankungen würde doch niemand ernsthaft allgemein diskutieren, ob die Medikamente dagegen grundsätzlich gut sind - kein Mensch würde sagen: "Sind Medikamente gegen Bluthochdruck wirklich sinnvoll?".
zum Beitrag23.08.2026 , 11:27 Uhr
Das ist wenigstens mal ein konkreter Vorschlag. Ganz ehrlich: Kanzler Günther fände ich auch besser.
zum Beitrag23.08.2026 , 11:26 Uhr
Angenommen, die Autorin habe mit allem Recht.
Wen schlägt sie als neuen Kanzler oder neue Kanzlerin vor, und welche Parteien bilden die Regierung? Ich wäre angesichts der aktuellen bundesweiten Umfragen für eine Antwort dankbar, die zumindest grob der mutmaßlichen Sitzverteilung entspräche, bevor jetzt jemand mit "RRG, die kommen bestimmt, die haben zusammen 35%!!!!" kommt.
zum Beitrag22.08.2026 , 20:47 Uhr
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden der Nationalsozialismus und der Faschismus als Begriffe in Deutschland quasi austauschbar verwenden. Das darf man gern kritisieren, aber wenn man jemandem in Deutschland vorwirft, "Faschist" zu sein, dann wird der sagen, er sei als "Nazi" bezeichnet worden.
zum Beitrag22.08.2026 , 06:58 Uhr
"Wer einen Vergleich des historischen Faschismus (auch des NS) mit dem neuen oder ‚demokratischen‘ Faschismus unserer Zeit nicht zulassen will, ignoriert auch die neuere Forschung zu diesem Thema." Der Vergleich findet in diesem Artikel statt, das Ergebnis des Vergleichs folgt am Ende - es gibt signifikante, offenkundige Unterschiede. Ich hätte noch hinzugefügt, dass die AfD keine paramilitärische Truppe (wie die Nazis die SA) unterhält.
Ich glaube, dass es deshalb immer kritischer gesehen wird, die AfD pauschal mit der NSDAP gleichzusetzen, weil es lange einen gegenläufigen Trend gab, der unterm Strich vor allem Vergleiche mit der NSDAP in ihrer Wirkung deutlich abgeschwächt hat. Wenn alle Nazis sind (siehe z.B. Pantisano), dann verliert das Label "Nazi" seinen Schrecken.
Ich halte aber trotz aller Unterschiede die AfD für so gefährlich, dass sie verboten werden sollte.
zum Beitrag18.08.2026 , 22:57 Uhr
Was waren denn Ihrer Ansicht nach die Kriterien?
zum Beitrag18.08.2026 , 22:47 Uhr
Wollen Sie damit ernsthaft suggerieren, der Uni Cambridge seien diese Geschichten nicht bekannt gewesen und sie habe Arday trotz seines außergewöhnlich niedrigen Alters und seiner damals eher spärlichen Veröffentlichungen angestellt? Obwohl so ziemlich alle Artikel, die Sie aus der damaligen Zeit finden können, die Geschichte vom "stumm sein bis 11 und mit 17 erst lesen und schreiben könnten" erwähnen?
Das glauben Sie hoffentlich selbst nicht - wenn doch, müssten Sie mir zumindest erklären, warum es dann gerade Jason Arday geworden ist.
zum Beitrag18.08.2026 , 06:48 Uhr
"Jason Arday hatte Autismus und konnte als Jugendlicher wahrscheinlich lange Zeit weder lesen noch schreiben." Diese Geschichte wurde von unabhängigen Journalist*innen (The Guardian) in Zweifel gezogen. Herr Arday hat auch laut The Atlantic in seinen noch erscheinenden Memoiren behauptet, er habe als Jugendlicher mehrere Monate im Koma gelegen und ein Locked-In-Syndrom entwickelt. Hinzu kommt, dass Herr Arday in jüngerer Vergangenheit einige Bedrohungsszenarien (wie z.B. das angebliche Verschicken eines Schweinekopfes an seine Eltern) mutmaßlich erfunden hat. Ich wäre dementsprechend sehr zurückhaltend damit, solche Geschichten anzuführen. Denn gerade diese schillernden, die "Diversitäts"kriterien angeblich besonders gut erfüllenden Kriterien könnten es gewesen sein, die ihm letzten Endes den Vorzug vor anderen schwarzen Akademiker*innen gaben, die es im Rückblick mutmaßlich eher verdient hätten.
Die Medienhetze in diesem Fall sollte man trotzdem kritisieren, keine Frage. Aber man sollte nicht dabei den Fehler machen, erneut Geschichten aufzusitzen, deren Wahrheitsgehalt sich jetzt nicht mehr letztgültig klären lassen wird.
zum Beitrag18.08.2026 , 06:21 Uhr
"Mein Vorschlag wäre: Wer mit dem Auto zu schnell unterwegs ist, gibt für jedes Km/H, das zu viel war, einen Monat seinen Führerschein ab." Das ist, ehrlich gesagt, etwas weltfremd. Es würde mehrheitlich dazu führen, dass Leute, die ohnehin gefährlich fahren, dann ohne Führerschein weiterfahren - während Leute, die sich z.B. irren, weil ihnen ihr Navi die falsche Geschwindigkeitsbegrenzung anzeigt und sie das Schild übersehen, dann teilweise ihren Führerschein für fast 2 Jahre verlieren müssten.
Interessanter wäre es, bei Leuten, die die Geschwindigkeitsbegrenzung massiv überschreiten und dabei Leute gefährden, die Möglichkeiten zu erweitern, das jeweilige Auto zu konfiszieren. Das würde Leute davon abhalten, mutwillig so richtig Gas zu geben.
Ebenso müssten die vorhandenen Regeln auch deutlich strenger kontrolliert werden. Ich sehe zu oft Leute viel zu schnell innerorts durch Straßen brettern, ohne, dass die irgendeine Angst haben müssten, dabei jemals erwischt zu werden. Wenn man die vorhandenen Strafen nur mal richtig konsequent anwenden könnte, könnte man sich absurd drakonische Strafen sparen.
zum Beitrag14.08.2026 , 19:44 Uhr
"Das scheint unlogisch und inkonsequent." Ich sehe keinen Logikfehler. Ist die gewaltfreie politische Betätigung wirksam, ist Gewalt illegitim. Ist sie es nicht, ist Gewalt möglicherweise legitim. Das ist absolut konsequent. Betreiben Sie es anders, dann haben Individuen im Grunde das Recht, andere Individuen zu Faschisten zu erklären und mit Gewalt niederzuhalten. Das wäre das Ende der Demokratie.
Nur, das wir uns da nicht falsch verstehen: Ich fasse den Begriff "politische Gewalt" eng, deshalb bin ich auch für ein AfD-Verbot (das letzten Endes ja auch durch die "Staatsgewalt" durchgesetzt werden müsste). Es braucht aber eben einen streng regulierten Prozess, bevor es zu einer solchen Maßnahme kommt. Das Individuen oder Gruppen für sich entscheiden dürfen, es sei jetzt der Punkt gekommen, die "Faschisten notfalls mit Gewalt von der Macht fernzuhalten", darf nicht sein.
zum Beitrag14.08.2026 , 19:36 Uhr
Mit dem ersten Absatz haben Sie nicht Unrecht, aber "der Zustand könnte bald erreicht sein" reicht eben noch nicht, denn das ist quasi durchgehend gegeben. Die Demokratie konnte schon immer jederzeit auch in eine akute Krise rutschen. Zumal es unklar ist, wie sehr die aktuelle AfD-Wählerschaft in Sachsen-Anhalt die Gefährlichkeit der AfD versteht - die mag Ihnen und mir klar sein, aber ich habe Zweifel, ob das dort genauso ist. In Amerika sorgt Trumps faschistische Politik für ein historisches Popularitätstief seinerseits. Wir müssen hoffen, dass es dann nicht schon zu spät ist.
Sie haben zudem nicht zu Gewalt und Attentaten aufgerufen, das ist richtig. Aber das Thema des Artikels ist nun mal politische Gewalt - und wenn Sie andeuten, die friedlichen, rechtsstaatlichen und demokratischen Elemente seien zur Rettung der Demokratie allein nicht ausreichend, dann drängt sich doch die Schlussfolgerung auf, es müssten dann eben andere, auch gewaltsame Mittel her. Darauf bezog sich meine Kritik.
Wo wir uns einig sind, ist: Die faschistische Bedrohung verschwindet nicht von alleine. Die AfD muss verboten werden, und die Demokratie muss wieder attraktiver für die Leute werden.
zum Beitrag14.08.2026 , 18:40 Uhr
Ich teile die Einschätzung des ersten Taz-Artikels zu dem Thema, dass diese ganze Sache albern ist und weit über ihre tatsächliche Bedeutung hinaus diskutiert wird. Warum es danach allerdings noch mehrerer weiterer Artikel hier bedarf, die im Grunde alle noch mal das Gleiche sagen, ist mir auch nicht ganz klar.
zum Beitrag14.08.2026 , 09:54 Uhr
Politische Gewalt ist dann legitim, wenn das System, in dem man lebt, an einem Punkt angekommen ist, an dem es keine andere Möglichkeit mehr gibt, irgendeinen Einfluss auf die Politik zu nehmen. Würde jemand in einem Land wie Russland oder China politische Gewalt ausüben, könnte das - je nach Art und Ziel - durchaus legitim sein.
In einem demokratischen Rechtsstaat hingegen ist politische Gewalt indiskutabel. Unser System gibt den Menschen die Möglichkeit, sich für friedliche Veränderung einzusetzen. Wer sich - wie ich es selbst tue - nachdrücklich für ein AfD-Verbot einsetzt, hat meine volle Unterstützung. Wer hingegen meint, er müsse heute "gewaltsamen Widerstand gegen den Faschismus" leisten, handelt genauso antidemokratisch wie die AfD selbst, weil er für sich in Anspruch nimmt, die Grundsätze des demokratischen Rechtsstaates ignorieren zu dürfen, wenn es gegen "die Richtigen" geht. Das ist ein Weg, der in der menschlichen Geschichte schon immer ins Verderben geführt hat.
Politische Gewalt in einer Demokratie ist nicht falsch, weil sie strategisch dumm ist (auch wenn sie das ist). Sie ist falsch, weil sie inhärent unmoralisch ist. Egal, von wem sie ausgeht.
zum Beitrag14.08.2026 , 09:49 Uhr
" Kann man also wirklich plausibel annehmen die Black Panther hätten ihre Ziele nur mit Frühstücksprogrammen allein erreichen können?"
Haben die Black Panther ihre Ziele denn erreicht? Die zunehmende Abschaffung der offiziell sanktionierten staatlichen Diskriminierung war ein Verdienst der Gesamtheit der Bürgerrechtsbewegung. Die "Black Liberation"-Bewegung hat hingegen insgesamt sehr wenig erreicht, sondern eher dazu beigetragen, massig verhasste moderate Weiße ins Rechte Lager zu schieben und Nixon und Reagan komfortable Wahlsiege einzubringen.
"Und ist es tatsächlich gute demokratische Praxis dem Willen der Mehrheit nachzukommen, wenn diese von Populisten und Demagogen durch Lügen und Propaganda verführt in letzter Konsequenz das Ende der Demokratie will?" Eine Demokratie funktioniert nur, wenn sie von einer Mehrheit der Bevölkerung getragen wird. Das funktioniert nur, wenn alle Leute, die die Demokratie befürworten, sich an ihre Spielregeln halten. Wenn man zur Rettung "unserer Demokratie" zu Gewalt und Attentaten aufruft und damit letzten Endes die Grundsätze des Rechtsstaates einfach aufgibt, dann sägt man selbst an den Pfeilern der Demokratie.
zum Beitrag14.08.2026 , 08:13 Uhr
Das sehe ich leider völlig anders. Richtig ist: Die Linke im Osten ist eine Stabilitätspartei und in manchen Landesverbänden eine quasi-bürgerliche Partei. Das Problem ist zweierlei: 1) Die Westlinke ist das nicht, und für viele Westlinke ist Merz quasi Höcke und der wiederum quasi Hitler. Pantisano kannte schon sein Publikum, als er seine berühmte "Faschisten"äußerung traf. Und solange noch nicht abschließend geklärt ist, wer nach der kürzlich erfolgten deutlichen Verjüngung der Linken am Ende das Sagen hat, ist es sehr riskant, sich allzu sehr an die Linke zu ketten. 2) Für viele CDU-Wähler*innen ist, gerade im Osten, die Linke ein rotes Tuch. Und das ist, angesichts der DDR-Geschichte, auch nachvollziehbar. Wenn die CDU offen mit der Linken zusammenginge, verlöre sie ihr verbliebenes Alleinstellungsmerkmal, und es gäbe nur noch den "AfD"- und den "Anti-AfD"-Block. Das hieße dann fast zwingend, dass früher oder später, wie in jedem "Zweiblocksystem", beide Blöcke mal die Wahlen gewinnen. Das kann man als AfD-Gegner*in nicht wollen.
zum Beitrag14.08.2026 , 08:08 Uhr
Wenn Ihnen das schon reicht, wären für Sie die Grünen und die Linken, die die gerichtliche Überprüfung von Mercosur wissentlich auch nur mit Stimmen der Rechtsradikalen durch das EU-Parlament brachten, auch unwählbar. Ich habe aber Zweifel, dass Sie eine radikale SPD-Anhängerin sind. Insofern wäre es wirklich hilfreich, nicht dauernd irgendeinen Käse hervorzuziehen, um andere demokratische Parteien zu diskreditieren. Das gilt für die CDU ebenso wie für die Linke - und für Sie.
zum Beitrag14.08.2026 , 08:05 Uhr
Viele Wähler*innen waren damals wie heute eben vor allem gegen die Republik und weniger für die konkrete Partei. Der (vorsichtig optimistisch) stimmende Unterschied ist, dass die heutige Linke, anders als die damalige KPD, Stand jetzt eine eindeutig demokratische Partei ist. Das BSW ist eine andere Nummer, die aber mit etwas Glück in der Bedeutungslosigkeit verschwindet, ehe es zu gefährlich wird.
zum Beitrag12.08.2026 , 07:10 Uhr
Bodo Ramelow ist in vielerlei Hinsicht zu vernünftig für die deutsche Politik. Hätte er in der Linkspartei das Sagen, wäre ich niemals ausgetreten.
zum Beitrag29.07.2026 , 22:36 Uhr
"wer sich mit der geschichte und den geschehnissen viel befasst hat, kommt zwingend zu einen anderen schluss. " Dann haben sich die meistpublizierten Historiker dieses Konfliktes wie Tom Segev oder Benny Morris, die zu völlig anderen Schlüssen kommen, wohl einfach nicht genug damit befasst. Gut, dass "the real günni" da helfen kann.
Nur mal unverbindlich gefragt: Ist im Oktober 2023 vielleicht etwas passiert, das eine gewisse Solidarität mit der israelischen Bevölkerung (NICHT automatisch mit der israelischen Regierung) zur Folge hatte? Wenn Sie diese Frage recherchieren, bekommen die "absurden" Reaktionen vielleicht ein bisschen Sinn.
zum Beitrag29.07.2026 , 22:03 Uhr
Über Japan weiß ich zugegebenermaßen diesbezüglich nichts, ich hätte allerdings auch das (keineswegs besonders israelfreundliche) Vereinigte Königreich nennen können, in denen es mehrere parteilose "Gaza-Kandidaten" zur letzten Wahl ins Unterhaus geschafft haben - oder das (ebenfalls nicht herausragend israelfreundliche) Frankreich, in dem die LFI-Abgeordnete Rima Hassan durch ihre extremen Positionierungen teilweise großen Zuspruch von linksgerichteten Jugendlichen erfährt. Deshalb sprach ich auch bewusst von der gesamten "westlichen" Welt.
zum Beitrag28.07.2026 , 22:28 Uhr
Ich finde, es hat etwas von einem umgekehrten White-Savior-Komplex: Sieh her, hier kommt die intellektuelle Migrantin, die dem tumben deutschen Michel mal erklärt, wie Erinnerungskultur eigentlich gehen sollte. Leider will der das nicht, so dass sie leider gehen muss - aber nicht, ohne noch mal kräftig nachzutreten. Der Michel soll dabei bloß nicht glauben, importierter Antisemitismus sei ein Problem, auch dann nicht, wenn in der gleichen Stadt, in der die Autorin lebt, am 7. Oktober Hamas-Sympathisanten Süßigkeiten verteilten, um den Massenmord an jüdischen Menschen zu feiern.
Ich weiß wirklich nicht, wen das überzeugen soll.
zum Beitrag28.07.2026 , 22:21 Uhr
Da irren Sie sich leider. Wenn Sie in die USA schauen, und nachvollziehen, wie dort über den Konflikt berichtet wird, ist es dort nicht anders. Dieser Konflikt ist aufgrund seiner immensen internationalen Social Media-Präsenz bei jungen Leuten leider in der gesamten westlichen Welt ein sehr wichtiges Thema.
zum Beitrag28.07.2026 , 22:19 Uhr
"Also, ade, Deutschland. Ihr habt uns nicht verdient, die Millionen von Immigranten, die Deutschland zu ihrer Heimat gemacht haben. Wir haben so viel Schönheit und Gemeinschaft in unseren Herkunftsländern aufgegeben, um hier ein Zuhause aufzubauen. Wenn der Tag kommt – und er wird kommen –, an dem ihr erkennt, was ihr getan habt, und dass ihr eure schlimmsten Fehler wiederholt habt, kann ich nur hoffen, dass genug Menschen noch hier sind, die euch vergeben wollen." Woher nimmt man bitte diese Einstellung? Man stelle sich mal vor, ich wanderte z.B. nach Indien, Indonesien, Japan oder Brasilien aus, würde dort 15 Jahre leben, und danach genau diese Zeilen über das Land schreiben. Die Leute würden mich doch für einen verrückt gewordenen "White Savior" halten, der allen ernsthaft erzählen will, er habe vieles geopfert, um aus reiner Herzensgüte in diese verlorenen Länder zu kommen, und diese Leute noch um Vergebung bitten würden, dafür, dass sie mich wieder vergrault hätten. Ich sage es ganz direkt: Das finde ich zutiefst befremdlich.
Wenn Sie wegziehen wollen, tun Sie es - ich finde es schade, aber wenn Sie die deutsche Erinnerungskultur so sehr stört, dann kann ich es nicht ändern.
zum Beitrag27.07.2026 , 14:02 Uhr
Auch, wenn ich es grundsätzlich begrüße, dass die Islamverbände so schnell und so klar die Angriffe verurteilen, bleibt ein schaler Beigeschmack. Denn die hier veröffentlichen Distanzierungen lassen sich mit einem Satz zusammenfassen: "Das hat alles nichts mit dem Islam zu tun". Das ist mir aber, ehrlich gesagt, ein bisschen zu wenig. Wenn es immer wieder zu Anschlägen kommt, bei denen Täter (und selten auch Täterinnen) angeben, im Namen "des Islam" zu handeln, dann würde ich von den großen Islamverbänden erwarten, dass sie auch sagen, was sie zu tun gedenken, um das zu unterbinden. Nicht falsch verstehen, bitte: Natürlich begehen die Täter ihre Taten nicht im Namen von Ditib oder Millî Görüş. Aber dennoch sind es doch gerade die Islamverbände, die die Möglichkeiten hätten, solchen Entwicklungen innerhalb der eigenen Community entgegenzusteuern, wenn sie es denn wollten. Das würde Anschläge zwar nicht verhindern, aber es wäre ein starkes Signal echter Solidarität - und nicht bloß ein: "Das hat mit uns aber nichts zu tun". Schon eine Demo gegen islamistische Gewalt durch diese Verbände (zu der dann nicht nur 50 Leute kommen) wäre da sehr hilfreich.
zum Beitrag27.07.2026 , 09:43 Uhr
Ich würde das stärker differenzieren.
Wenn eine Organisation, die jetzt für viele LGBTQI*-Personen gerade in der Vergangenheit nicht unbedingt positiv in Erscheinung getreten ist (wie die katholische Kirche) jetzt Trauer bekundet und Fürbitten für die Opfer durchführt, sollte man das annehmen. Gleiches gilt für Teile der CDU - auch jene Teile, die vielleicht nicht vorher mit der Regenbogenfahne herumgerannt sind, aber jetzt ehrlich entsetzt sind. Wenn man nicht will, das sich Rechte und Konservative "zusammenrotten", dann sollte man auch nicht alle Konservativen verprellen, die jetzt aktiv auf einen zugehen.
Wenn natürlich die AfD oder andere Rechtsradikalen, die den CSD verbieten würden, wenn sie es denn könnten, das Gleiche tun bin ich ganz bei der Autorin - bei so was ist Distanz das einzige Mittel.
zum Beitrag26.07.2026 , 11:38 Uhr
Mein Mitgefühl an die Opfer und deren Familien.
zum Beitrag25.07.2026 , 13:44 Uhr
Zu Herrn Sesay: Wenn der Mann keinen Asylgrund hatte, und nur deshalb nicht abgeschoben werden konnte, weil er keinen Pass besaß, halte ich es nicht für unvertretbar, Druck in Richtung Ausreise zu erzeugen. Natürlich kann man der Ansicht sein, nach seiner gefährlichen Flucht stünde dem Mann eine Chance zu, sich hier zu integrieren. Doch die Intention unseres Rechtssystems ist das eigentlich nicht.
Die anderen Fälle sind schwieriger. Insbesondere der Fall mit der lesbischen Frau bleibt rätselhaft: Sie hat zwei Kinder mit einem schwulen Freund, die beide in Deutschland geboren sind? Da hätte mich schon interessiert, wie das zustande kam (gibt ja durchaus mögliche plausible Erklärungen) - mit diesen vagen Angaben drängt sich der Eindruck aber auf, dass eine gewisse Skepsis jetzt nicht völlig aus der Luft gegriffen wäre. Auch das rechtfertigt aber nicht den brachialen Versuch, die Familie auseinanderzureißen, selbst wenn die Homosexualität letzten Endes vorgeschoben wäre.
Und ich glaube, Leute aus der Psychiatrie abzuschieben, ist so bodenlos, dass man dazu nichts mehr sagen muss. Die Psychiatrie nimmt einen nicht einfach so aus Spaß stationär auf.
zum Beitrag22.07.2026 , 23:06 Uhr
Biologisch gesehen gibt es zwei Geschlechter, weil der Mensch ein anisogames Wesen ist, das zwei verschiedene Arten von Keimzellen produzieren kann. Zu behaupten, das wäre gar nicht so, wäre, als würde man sagen, es gäbe tausend magnetische Pole, weil alle Punkte zwischen den Polen auch irgendwie geladen sind. Das ist schlicht und ergreifend Unsinn, und jedes Argument, das darauf aufbaut, ist dementsprechend ebenfalls Unsinn. Über Geschlechterrollen und die Zahl der sozialen Geschlechter kann man gern bis zur völligen Ermüdung diskutieren, aber die Biologie ist eindeutig.
zum Beitrag21.07.2026 , 15:16 Uhr
Nein, aber er verteilt bekanntermaßen seine DNA zu Reproduktionszwecken an zahlreiche Frauen.
zum Beitrag20.07.2026 , 22:11 Uhr
Jetzt wünschte ich noch, Ihre Worte würden Elon Musk erreichen.
zum Beitrag20.07.2026 , 22:05 Uhr
Einige hier weisen auf einen Widerspruch dazwischen hin, Prostitution in Ordnung zu finden, aber Leihmutterschaften nicht. Denen, die das so sehen, kann ich nur sagen: Sehe ich genauso, deshalb finde ich, beides sollte verboten sein, Sexkauf ebenso wie Leihmütterschaft. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der sich reiche Menschen die Körper armer Menschen kaufen können, um sich eigenen Komfort zu erkaufen, und um nichts anderes geht es in beiden Fällen.
zum Beitrag20.07.2026 , 14:58 Uhr
Bis zu welchem Schweregrad eines Gewaltverbrechens ist denn der gezielte und explizite Gruß an die Täter mit einem "Ich lasse ihn jetzt einfach mal im Raum, den Elefant Ist eh klar was zu tun ist, ich sag’ nichts mehr dazu" davor NICHT als Gewaltaufruf zu verstehen? Wenn Sie mir einfach nur sagen wollten, dass der NSU schlimmer ist als die Hammerbande, ist das offensichtlich wahr, hat aber mit dem inhaltlichen Kern des Kommentars, nämlich, das hier eindeutig ein Gewaltaufruf vorliegt, den man in ähnlicher Formulierung im anderen politischen Lager auch problemlos als solchen identifizieren würde, absolut nichts zu tun.
zum Beitrag20.07.2026 , 14:52 Uhr
Sprich, wenn der hypothetische Rechtsradikale keine Mörder, sondern ein paar verurteilte Nazischläger gegrüßt hätte, dann wäre aus dem hypothetischen Lied Ihrer Ansicht nach kein klarer Gewaltaufruf herauszulesen?
Wenn dies nicht Ihrer Ansicht entspräche, wäre Ihr Einwurf nämlich irrelevant.
zum Beitrag20.07.2026 , 11:37 Uhr
Ich möchte kurz darauf hinweisen, dass exakt dieselben Argumente, die Sie zur Verteidigung der Leihmütterschaft anbringen, ebenfalls zur Wiedereinführung der vertraglich vereinbarten Schuldknechtschaft (in den USA als "indentured servitude" bekannt) ohne Veränderung anwendbar wären. Schließlich konnte man einen solchen Vertrag auch aus eigenem Willen abschließen, manche haben die Arbeit gerne gemacht, auch wenn das schwer nachvollziehbar ist - und alle konnten sich ja vorher überlegen, ob sie einen solchen Vertrag unterschreiben. Auch hierfür wurden teilweise religiöse Begründungen herangezogen. Praktisch führte diese Regelung jedoch zur Ausnutzung von Menschen in Not, die mangels jeder Perspektive in ihren Heimatländern in die USA flohen, aber nicht die Mittel für die Reise hatten. Diese wurden dann gerne für gefährliche Arbeit eingesetzt und kamen vielfach zu Tode - letzteres ist auch im Falle einer Schwangerschaft ein nicht auszuschließendes Risiko.
Denken Sie mal darüber nach.
zum Beitrag19.07.2026 , 21:52 Uhr
"Den in dem Song zum Ende hin formulierten Gruß an inhaftierte Antifas kann man als einen etwas koketten künstlerischen Appell an eine allgemeine Solidarität verstehen. Ein Aufruf zur unmittelbaren stumpfen Gewaltanwendung ist es nicht."
Man stelle sich einfach vor, ein bekanntermaßen mit dem Rechtsextremismus sympathisierender Künstler hätte ein Lied geschrieben, das mit: "Juristisch ist mal wieder die Grauzone geschrappt
Ich lasse ihn jetzt einfach mal im Raum, den Elefant
Ist eh klar was zu tun ist, ich sag’ nichts mehr dazu
Liebe Grüße an Beate, die Uwes und Ralf" geendet hätte.
Wäre dann ernsthaft irgendjemand auf die Idee gekommen, darin KEINE stumpfe Gewaltaufforderung zu sehen? Danger Dan hat nicht einfach irgendwelche Antifas gegrüßt, sondern die Hammerbande und Maja T. Wer das als Aufruf zur "allgemeinen Solidarität" verstanden sehen will, bei dem habe ich, offen gesagt, den Eindruck, er will mich für dumm verkaufen. Man darf Lieder schreiben, die Gewalttäter anhimmeln (hat ja in beiden politischen Lagern durchaus auch Tradition). Aber man sollte dann nicht noch versuchen, den Leuten ein X für ein U vorzumachen und so zu tun, als wäre das reiner Zufall.
zum Beitrag17.07.2026 , 21:47 Uhr
Es muss ja nicht nur irgendwas an Hinterbliebenenrente erarbeitet werden, sondern auch etwas, das genug ist, dass am Ende mehr rausspringt als Grundsicherung, und das ist ehrlich gesagt ziemlich viel.
Und das Setting hier beschreibt ja ein Setting, wo man von der Grundsicherung lebt, und diese ist halt zumindest zum Teil ein Gängelungssystem für die Leute, die sie beziehen.
zum Beitrag17.07.2026 , 19:05 Uhr
Das Beispiel war frei erfunden und sollte eine Situation illustrieren, in der Schüsse in den Rücken rechtlich gesehen Notwehr oder Nothilfe sind. Das war die Frage der ursprünglichen Kommentatorin. Ein direkter Bezug dieses Beispiels zur Situation um Lorenz A. besteht nicht.
In diesem konkreten Fall waren, wenn ich es nicht alles falsch verstanden habe, verschiedene Polizist*innen an verschiedenen Orten involviert, und der Beamte muss nicht unbedingt sich selbst haben schützen wollen, das hängt von den Gesamtumständen der Situation ab.
zum Beitrag17.07.2026 , 08:37 Uhr
Naja, da Arbeitsämter in der Regel Briefe der Marke: "Seien Sie bitte in einer Woche Donnerstags um 13:30 da und stellen Sie sich drauf ein, lange zu warten!" schreiben, ist das mit einem pflegebedürftigen Kind und einem Teilzeitjob sicherlich durchaus manchmal ziemlich schwierig. Nicht, das es dauernd passieren sollte - aber so verstehe ich auch den Artikel nicht.
Abgesehen davon: Warum wird kein Unterhalt gezahlt? Es sind viele Antworten darauf möglich. Der Vater eines Freundes von mir war z.B. ins Ausland geflüchtet und war dort dem deutschen Staat nicht zugänglich. Andere sind selbst so krank oder so arbeitsunfähig, dass sie schlicht nichts haben, was sie abdrücken könnten (und was nicht einfach mit dem Bürgergeld verrechnet wird). Schließlich kommt es leider auch hin und wieder vor, das Väter versterben, bevor sie einen relevanten Hinterbliebenenrentenanspruch erarbeitet haben.
zum Beitrag17.07.2026 , 07:55 Uhr
Wenn jemand mit einem Messer auf Ihre Frau oder Ihren Mann losgeht und Ihnen dabei den Rücken zudreht und Sie haben eine Pistole in der Hand und sind davon überzeugt, dass das Messer gleich benutzt werden wird, um Ihre*n Partner*in schwer zu verletzen oder zu töten, dann haben Sie eine Lage, in der es gerechtfertigte Nothilfe wäre, dieser Person in den Rücken zu schießen. Genauso, wie es in diesem Falle streng genommen mutmaßlich nicht um Notwehr (=Die Polizisten dachten, sie selbst würden angegriffen), sondern um Nothilfe (=Die Polizisten dachten, jemand Anderes würde angegriffen) geht.
Ich kann Ihnen auch gern andere Fallkonstellationen nennen, in denen das Schießen in den Rücken nach deutschem Recht gerechtfertigte Notwehr sein kann. Aber ich schlage Ihnen stattdessen einfach vor, den Paragraphen 32ff einfach mal selbst durchzulesen und einen passenden Kommentar dazu zu konsultieren.
zum Beitrag17.07.2026 , 07:51 Uhr
Natürlich kommt in diesem Falle eine Putativnotwehr in Frage. Wenn die Polizist*innen dachten, dass Lorenz A. im Begriff wäre, mit einem Messer Menschen zu töten, und dies nicht anders abzuwenden sei, als durch den Einsatz tödlicher Gewalt, wäre dieser Fall gegeben. Das heißt nicht, dass das tatsächlich so gewesen sein muss (das wird die Hauptverhandlung untersuchen), sondern nur, dass die Möglichkeit besteht und untersucht werden muss. Das ist in einem Rechtsstaat nun mal so.
zum Beitrag14.07.2026 , 21:19 Uhr
Aber es wird doch gerade den Grünen dauernd vorgeworfen, junge Männer nicht ausreichend anzusprechen. Das war ja der Sinn dieses ganzen Manifestes. Wie soll man denn bitte Leuten vermitteln, was man von ihnen will, ohne sie direkt und gezielt anzusprechen? Wenn das Männermanifest plötzlich dauernd gesagt hätte: "Wie übrigens Frauen auch!", hätte es geheißen: "Aha, es geht euch also gar nicht um Männer!". Sorry, aber das ist selbst für mich zu erbsenzählerisch.
Ein Krah sitzt ja auch da und sagt: "Schaut keine Pornos!" und es sagt trotzdem keiner: "Aha, also ist JEDER Mann ein potenzieller Wichser?".
zum Beitrag13.07.2026 , 18:59 Uhr
"Jetzt kommt "neue Männlichkeit": Der Grüne Pumper. Der 60-jährige Religionslehrer und Ringer. Der Discodancer mit lackierten Nägeln. Und auch der klassische Familienvater. Ja wieso denn nicht? Mann kann das. Und Frau freut das auch. Oder wo lieg ich falsch?" Sie liegen nirgends falsch, aber Sie - genau wie der Artikel - berücksichtigen nicht, dass der Wind, der gerade vor recht kurzer Zeit auch noch von den Grünen herwehte, stark in die Richtung ging, bei klassischen "Genderthemen" eher den Fokus auf Transidentität zu legen. Und es gibt eben an einem gewissen Punkt einen Widerspruch zwischen: "Geschlechterrollen sollten grundsätzlich überwunden werden!" und: "Wer sich seiner Geschlechterrolle nicht zugehörig fühlt, kann sich auch ein anderes Geschlecht auswählen, mit dem er/sie etc. sich identifiziert". Und die Grünen haben eben lange auf die zweite Art reagiert und damit zwar viele Leute inkludiert, die sich damit identifizieren können (was gut ist), aber eben auch andere massiv abgeschreckt, die sich nicht unbedingt mit klassischen Männlichkeits/Weiblichkeits-Klischees abfinden möchten, ohne grundsätzlich an ihrer Geschlechtsidentität zu zweifeln.
zum Beitrag13.07.2026 , 18:54 Uhr
"Stellen wir uns mal vor, die Grünen (inklusive der von rechts nach wie vor verhassten Lang) würden "väterlich" den jungen Männern raten: "Schau keine Pornos": Die rechte Sphäre würde einen massiven Shitstorm lostreten, "die Lang will Pornos verbieten 1!11". Wäre das hilfreich?" Es ist eben was anderes, ob einem eine Person, die sich als männliches Vorbild inszenieren will, etwas sagt - oder ob eine ganze Gruppe etwas sagt. Wenn Felix Banaszak sich entsprechend inszenieren würde und sagen würde: "Schau keine Pornos!", fänden das viele wahrscheinlich etwas seltsam, aber aufregen würden sich die wenigsten. Wenn eine Frau das sagen würde - und zwar egal, ob es Ricarda Lang oder Beatrix von Storch wäre - käme das völlig anders rüber, ebenso, als wenn eine ganze Partei es sagen würde.
zum Beitrag13.07.2026 , 18:50 Uhr
Es tut mir Leid, aber ich tue mich auch mit Überlegung wirklich schwer, die simple Aussage: "Sei kein Arschloch" negativ zu verstehen. Wenn es darum geht, was man von Männern verlangen möchte, ist das doch wohl hoffentlich auch jenseits der Grünen ein Minimalkonsens, auf den man sich einigen kann - sofern man ihn im gleichen Maß bei Frauen gelten lässt.
zum Beitrag13.07.2026 , 18:42 Uhr
Das hatte es Deutschland gegen das (eindeutig kleinere) Paraguay aber auch nicht, dort wurden 50/50-Entscheidungen (insbesondere im Zusammenhang mit dem nicht zählenden 2:1) nämlich ziemlich maßgeblich gegen Deutschland entschieden. Spricht aus meiner Sicht insgesamt auch eher für Zufall.
zum Beitrag12.07.2026 , 12:43 Uhr
Habe mir den Auftritt selbst angesehen. Fand die Publikumsreaktion nicht wirklich außergewöhnlich oder bemerkenswert. Lediglich ein junger Mann mit Schnurrbart in der ersten Reihe sah tatsächlich tief beleidigt aus, die meisten Anderen sahen ungefähr so aus, wie ich mir das Publikum auch bei Helene Fischer vorgestellt hätte Wenn man tatsächlich ein überfordertes Publikum sehen will, empfehle ich diesen Auftritt aus den USA (wo sonst): www.youtube.com/watch?v=iViMrXn5IIs
zum Beitrag11.07.2026 , 00:15 Uhr
Dann hoffen wir mal, dass es was nützt.
zum Beitrag27.06.2026 , 20:40 Uhr
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was Sie mir sagen wollen. Selbstverständlich ist der Arbeitgeberanteil ein indirekter Lohnbestandteil. Das ändert nichts daran, dass er bei einem Selbstständigen mit vom Bruttoeinkommen abgezogen wird und bei einem abhängig Beschäftigten nicht, und die Rentenversicherung somit für Selbstständige unattraktiv ist, was in Berufen, in denen ein außergewöhnlich hoher Anteil der Beschäftigten selbstständig ist, eine berufsständische Versorgungseinrichtung nicht völlig abwegig erscheinen lässt. Man muss das wie gesagt weder gerecht noch zeitgemäß finden, aber es ist nicht nur einfach eine Folge banaler Raffgier.
zum Beitrag27.06.2026 , 09:18 Uhr
Ich weiß nicht, inwiefern das irgendetwas von dem, was ich gesagt habe, widerlegt. Ja, in der Frühzeit gab es viele irreguläre Arbeitsverhältnisse, weshalb die Arbeitslosigkeit in der Zeit mutmaßlich auch untererfasst war (weil Leute in diesen Verhältnissen oft nicht arbeitslos gemeldet waren). Als zunehmend abhängige Arbeitsverhältnisse wieder gefragt waren, schnellte die erfasste Arbeitslosigkeit sprunghaft nach oben. Insofern: Der Weltkrieg führte - in Deutschland - zu Massenarbeitslosigkeit und nicht zu Arbeitskräftemangel.
Steht alles in dem von mir verlinkten Artikel (der ist auch nicht so lang, ich verstehe nicht ganz, warum Sie den nicht einfach gelesen haben, bevor Sie über die darin genannten Zahlen spekulieren).
zum Beitrag26.06.2026 , 15:51 Uhr
In der Krankenpflege (heute: Gesundheits- und Krankenpflege) verdient man für einen Ausbildungsberuf heutzutage ziemlich gut, das Durchschnittsgehalt liegt laut Arbeitsagentur bei ca. 4329€ Brutto im Monat. web.arbeitsagentur...ltatlas/beruf/8791 . Der Beruf ist nicht wegen des Verdienstes unattraktiv, sondern wegen der Arbeitsbedingungen - alle mir bekannten Pflegekräfte, die den Beruf gewechselt haben, taten dies nicht des Geldes wegen.
Bezüglich der Kinderbetreuung haben Sie allerdings völlig Recht - in Deutschland wird frühkindliche Bildung oft vernachlässigt und Kindergärten dienen eher als "Aufbewahrungs"- denn als Bildungsstätten. In anderen Ländern ist Erzieher*in auch ein höher qualifizierter Beruf.
zum Beitrag26.06.2026 , 13:30 Uhr
Erstens: Diese Berufe von der "hart arbeitenden Mitte" auszuschließen, ist unverschämt und weltfremd. Insbesondere das Apotheker*innenbashing trotz eines im Bundesdurchschnitt wirklich nicht überragenden Einkommens ist völlig unangemessen.
Zweitens: Diese Berufe haben nicht deshalb Versorgungswerke, weil sie eine so tolle Lobby haben, sondern weil sie Berufe mit einem außerordentlich hohen Anteil an Selbstständigen sind, die ebenfalls eine Altersversorgung wünschen und benötigen, die nicht (wie im Falle der Rentenversicherung aufgrund des fehlenden Arbeitgeberanteils) für Selbstständige horrend teuer ist. Ob das gerecht und/oder zeitgemäß ist, kann man ja durchaus kritisch sehen, aber man sollte zumindest die tatsächlichen Gründe berücksichtigen, warum diese Systeme existieren.
zum Beitrag26.06.2026 , 11:21 Uhr
Nein, in dieser Pauschalität lehne ich das ab.
"Längere Beitragszahlung" = "Körperlich anstrengender Beruf" ist nicht automatisch richtig. Auch Schreibkräfte oder Bürokaufleute fangen typischerweise direkt nach der Schule an zu arbeiten. Diese sind auch durchaus körperlich in der Lage, länger zu arbeiten.
Hinzu kommt: Das hier immer wieder aufkommende Akademikerbashing nervt mich auch. Zu sagen, wer z.B. Medizin oder Jura studiert und vielleicht noch nebenbei arbeiten musste, der hat nicht genug Vollzeit gearbeitet und soll gefälligst länger schuften, geht mir auf den Keks, weil es im Endeffekt Leute dafür bestrafen soll, sich anstrengende und hochqualifizierte Berufe ausgesucht zu haben.
Leute in körperlich anstrengenden Berufen sollten in Rente gehen können, bevor sie kaputt sind. Das gilt für den Dachdecker, aber auch für den Chirurgen oder den Ingenieur. Mit pauschalen Klischee-"Lösungen" erreicht man sicherlich keine gerechte Lösung.
zum Beitrag26.06.2026 , 11:11 Uhr
Das stimmt so nicht: www.bpb.de/shop/ze...schland-nach-1945/
Kurz zusammengefasst: Die Arbeitslosigkeit nach 1945 in Deutschland war mutmaßlich zunächst offiziell niedrig, aber mutmaßlich untererfasst, und stieg bis 1950 auf über 10% (mit manchen Regionen mit bis zu 25% Arbeitslosigkeit.
zum Beitrag26.06.2026 , 11:06 Uhr
Ich verstehe nicht, wie man: "Um das klarzustellen: Die Frage ist nicht, worüber Comedians Witze machen dürfen. In einer Demokratie, in der die Kunstfreiheit ein hohes Gut ist, dürfen sie sich erst einmal über alles lustig machen." mit: "Bleibt die Frage, warum die Öffentlich-Rechtlichen solchen Kabarettisten eine Bühne bieten." zusammenkriegt. Herr Nuhr hat einen schlechten Witz erzählt - insoweit nichts neues (ich kann mich nicht an einen guten Witz von Herrn Nuhr erinnern). Aber diese reflexhaften Cancelforderungen sind ermüdend und letzten Endes auch etwas albern. Keine spezifische Person wurde durch Herrn Nuhrs Witz abgewertet, und wenn einem nur das in den Witz (vielleicht mit Recht) hineininterpretierte "Weltbild" nicht gefällt, dann ist das kaum ein Grund, ihn abzusetzen. Das ständige: "Was darf Satire?" hat noch nie irgendjemanden überzeugt.
zum Beitrag26.06.2026 , 07:56 Uhr
Nur mal am Rande: Ein Börsencrash auf dem Niveau des "Schwarzen Freitags" oder eines Weltkriegs (wie ihn die Autorin hier als Beispiel für die Gefährlichkeit kapitalgedeckter Altersvorsorgen zitiert) würde auch ein umlagefinanziertes System auf einen Schlag in massive Schwierigkeiten bringen, weil die daraus resultierende Massenarbeitslosigkeit zu einem sprunghaften Rückgang der Beiträge bei gleichbleibenden Ansprüchen führen würde. Das ist deshalb nahezu das schlechtestmögliche Argument.
zum Beitrag24.06.2026 , 21:06 Uhr
Notwehr muss im deutschen Recht nicht "verhältnismäßig" sein. Sie muss "geboten" sein (also geeignet, die Rechtsverletzung abzuwehren) und sie muss "erforderlich" sein (also das mildeste zur Verfügung stehende Mittel) sein. Vereinfacht gesagt: Wenn ich nachts alleine im Rollstuhl unterwegs bin und niemand ist um mich herum außer einer Person, die mir die Brieftasche stiehlt, darf ich diese Person gegebenenfalls auch erschießen, wenn ich keine andere Möglichkeit habe, die Tat zu vereiteln.
zum Beitrag21.06.2026 , 16:27 Uhr
So hat nun die Linke einen Architekten, der CDU und AfD gleichsetzt, an die Spitze eines neuen Vorstandes gewählt, der, wie ich einem anderen Artikel hier entnehmen durfte, jetzt auch noch um eine Anglistin, eine Soziologin und eine Politikwissenschaftlerin verstärkt wurde. Diese haben gemeinschaftlich beschlossen, endlich wieder die Interessen der Arbeiter*innenschaft zu bearbeiten. Angefangen wurde damit, dass laut Medienberichten am Samstagabend das WM-Spiel nach dem Parteitag geguckt werden konnte, dort allerdings Fahnen laut Flyer ausdrücklich unerwünscht waren, während Delegierte den anwesenden Medien Aussagen wie: "Deutschland verrecke!" in die eifrig gezückten Notizen diktierten und einzelne Delegierte (laut Focus) sagten, sie würden mit Personen, die es wagten, dort mit Trikot aufzutauchen, ein "ernstes Wörtchen reden".
Da darf man ja gespannt sein. Das revolutionäre Konzept, zum besseren Verständnis der Arbeiter*innen tatsächlich Arbeiter*innen aufzustellen, scheitert in dieser Partei ja schon vielerorts an deren Abwesenheit - da braucht man sich über das Gesamtergebnis auch nicht mehr wundern.
zum Beitrag21.06.2026 , 16:17 Uhr
Ich fordere den Kommentatoren auf, künftig den Namen einer anderen ehemaligen Kolonie, Nordkorea, nicht mehr zu übersetzen, sondern lieber den latinisierten Namen Chosŏnminjujuŭiinmin'gonghwaguk konsequent zu verwenden. Schließlich verbittet auch dieser Staat sich die falsche Benennung, und alternative Namen sind auch dort nicht erlaubt.
Im Ernst: Es als koloniale Sprache zu werten, einen Namen wörtlich zu übersetzen, ist aus meiner Sicht schon etwas absurd. In diesem Falle würde sich ja auch der Begriff: "Vereinigte Staaten von Amerika" aus denselben Gründen verbitten.
zum Beitrag20.06.2026 , 22:03 Uhr
"Und wer Höcke, Gauweiler & Co. für Idealisten hält, hält wohl auch Hitler für einen Sozialisten." Denken Sie denn, Höcke ist nicht zutiefst von dem überzeugt, was er sagt? Ich habe wenige Leute in der Politik gesehen, denen ich mehr glaube, dass sie ihre rassistischen Aussagen zutiefst ernst meinen. Ebenso waren es hehre Ideale, in deren Namen auch die Gulags einst errichtet wurden: Nur noch diese paar "Volksfeinde" ausschalten, dann bricht morgen der glorreiche Kommunismus aus. Dass Sie nicht akzeptieren können, dass Leute "Idealisten" sein können, die zutiefst menschenfeindliche Ideale vertreten, ist offenbar Ihr Manko.
Generell scheint mir, dass sich in Ihrem Kommentar ein weitestgehend in Schwarzweiß gehaltenes Weltbild wiederfindet. Eine Parole wie: "Anti-Volks-Kurs" würde ich sicherlich nicht verwenden - ich mag die FDP nicht, aber dass sie sich zusammensetzte, um zu überlegen, wie sie dem Volk am besten schaden könne, ist doch eine eher absurde Vorstellung.
zum Beitrag20.06.2026 , 21:54 Uhr
Klar, würde ich gar nicht dagegen reden. Ich finde nur das Argument, es säßen Anwälte anstelle kompetenter Leute im Bundestag, wie es mein Vorkommentator vortrug, etwas gruselig.
zum Beitrag20.06.2026 , 10:49 Uhr
"Wer sich bei eh schon hohem Einkommen nur für Linke engagiert, wenn dafür seine Kasse klingelt, mag kompetent sein (in welchem Fach eigentlich?), aber auch glaubwürdig?" In dem Fach, in dem die Person eine Qualifikation erworben hat, durch die sie außerhalb des Parlamentes mehr verdienen würde. Ich finde es nicht "glaubwürdig", nach langen Jahren harter Arbeit zur Qualifikation für eine solche Tätigkeit plötzlich auf den dadurh erarbeiteten Gewinn zu verzichten, sondern eher etwas fragwürdig, aber das darf man gerne anders sehen.
Ich finde nicht, dass es Glaubwürdigkeit ist, die in unserer Politik gerade fehlt. Die FDP hat sich sehr glaubwürdig für einen radikalen Anti-Staats-Kurs entschieden, der sie geradewegs in die Bedeutungslosigkeit katapultiert hat. Was vielmehr fehlt, ist Kompromissfähigkeit und die Fähigkeit, ein positives Narrativ zu transportieren, wie man gemeinsam das Land nach vorne bringen will - und dafür braucht man nicht Idealismus, sondern Pragmatismus.
zum Beitrag19.06.2026 , 17:34 Uhr
Ich würde behaupten, da das Parlament ein gesetzgebendes Organ ist, sind kompetente Anwälte im Kern eigentlich sehr gut geeignet, um dort zu arbeiten. Fachpolitiker*innen für andere Bereiche gibt es ja durchaus auch.
zum Beitrag19.06.2026 , 07:26 Uhr
"Dem entgegen steht, was Gysi in dem Interview noch sagte: „Wenn alle Abgeordneten aber eines Tages nur noch ein Durchschnittsgehalt verdienten, säßen im Bundestag vor allem Idealisten.“
Dazu wird es sicherlich leider nie kommen."
Ich teile das "leider" überhaupt nicht. Ich will nicht von Idealisten regiert werden, sondern von kompetenten Leuten. Idealisten sind nämlich auch Herr Höcke, Herr Gauweiler und Andere. Und das Leute mit sonst hohem Verdienst sich nur für die Linke engagieren, wenn die Kasse stimmt, ist kein "bösartiger Vorwurf", sondern schlicht real, weil viele Leute doch nicht jahrelang studieren und sich weiterqualifizieren, um sich dann mit einem besonders anstrengenden Job für einen besonders schlechten Verdienst. Wollen wir, dass eine Partei nur aus Leuten besteht, die entweder machtgeil oder verbohrt sind? Gerade, wenn man irgendwann regieren will, kann man es sich schlicht nicht leisten, dort nur Selbstdarsteller und Idealisten sitzen zu haben.
Ich erlaube mir zudem die Bemerkung, dass die PCI, die hier als eines der Vorbilder genannt wird, seit Jahrzehnten nicht mehr existiert.
zum Beitrag14.06.2026 , 14:31 Uhr
Ich finde diese ganze Affäre bedauerlich. Wer Kunst veröffentlicht, auch schlechte Kunst, der muss den Mut haben, sich von einer Seite zu zeigen, die unerfreulich, unangenehm und für manche im Nachhinein auch peinlich ist. Man muss sich öffentlich verwundbar präsentieren.
Dass nun ausgerechnet so viele Feminist*innen einen Mann, an dem es inhaltlich wahrhaftig viel zu kritisieren gibt, der sich vor langer Zeit traute, Gedichte zu veröffentlichen, die ihn nicht unbedingt in einem positiven Licht dastehen lassen, dafür angreifen und ihn peinlich und verächtlich machen wollen, finde ich traurig.
Letzten Endes ist das nämlich auch ein weiterer Schritt hin zur (angeblich von niemandem gewollten) Glattpolitur öffentlicher Persönlichkeiten: Wehe, du hast dich mal getraut, irgendwas zu veröffentlichen, was kein banales Kinderbuch oder eine akademische Arbeit war, und was dir im nachhinein peinlich ist.
Herr Weimer macht aus meiner Sicht grottige Arbeit und ist eine Fehlbesetzung. Ihm aus seinen schlechten Gedichten einen Strick zu drehen, ist hingegen kleingeistig, engstirnig, spießig und - um es auf den Punkt zu bringen - kunstfeindlich.
zum Beitrag14.06.2026 , 14:24 Uhr
Ich bin enttäuscht.
Wenn man hier jetzt schon das Niveau des durchschnittlichen Influencers nachäfft, dann wäre doch zumindest mal Platz für eine schöne Produktplatzierung für fragwürdige Nahrungssupplemente oder wenig schmackhafte Energydrinks möglich gewesen. Da ist noch Luft nach oben!
zum Beitrag14.06.2026 , 14:21 Uhr
Maßnahmen mit dem einfachen Ziel, die Abschiebungszahlen nach oben zu drücken, soweit es geht, führen eben genau dazu: Diejenigen, die sich an die Regeln halten und sich Mühe geben, sich zu integrieren, werden als Erste abgeschoben - denn dieser wird man am leichtesten habhaft und diese folgen am ehesten offiziellen Aufforderungen. Wer seinen Pass wegwirft, bei seinem Alter mogelt, oder einfach so lange prozessiert, bis er/sie geduldet werden muss und dann im Zweifel "nicht auffindbar" ist, ist hingegen fein raus. Das nützt letzten Endes niemandem und wird mittelfristig die Problematik eher verschärfen, weil man im jetzigen System die Leute, die tatsächlich Probleme machen, gar nicht loswird - von dem menschlichen Leid, das dadurch unnötig verursacht wird, mal ganz abgesehen.
zum Beitrag11.06.2026 , 11:42 Uhr
Danke! Ein sehr guter Vorstoß, den ich vorbehaltlos unterstütze.
Die aktuelle Gesetzeslage führt dazu, dass Leute wegen Äußerungen belangt werden, die man selbst mit viel bösem Willen höchstens als grenzwertig bezeichnen kann (klassischstes Beispiel: "Pinocchio"). Dass diese Verfahren meistens eingestellt werden, ist nicht entscheidend, denn Ziel eines Strafverfahrens zu werden, ist für eine*n Normalbürger*in schon für sich genommen belastend genug. Das führt im Endeffekt dazu, dass es für viele Leute schwer zu erfassen ist, ob ihre Äußerungen jetzt legal sind oder nicht. Das ist demokratieschädigend.
Bevor jetzt jemand empört ruft, "die csdU will doch nur rechte Hetze im Netz legalisieren!", sollte man sich bewusst machen, dass die meisten Strafanträge nach diesem Paragraphen die AfD stellt (was zu der schönen Schlagzeile u.a. in der Tagesschau führte, die "Gewalt gegen Politiker" habe massiv zugenommen, insbesondere gegen die AfD - gemeint waren ganz überwiegend Strafanzeigen wegen Äußerungsdelikten in der PKS, die bekanntlich unabhängig von deren letztendlichem Erfolg). Den Rechten nützt dieser Paragraph mehr, als er ihnen schadet.
zum Beitrag11.06.2026 , 11:29 Uhr
Anscheinend ist hier vielen eine Grundproblematik nicht bewusst: Es studieren sehr viel mehr Leute bestimmte Fächer mit dem Ziel, in die Forschung zu gehen, als dort gebraucht werden. In Fächern mit guter beruflicher Perspektive (wie es lange die Ingenieurswissenschaften waren) gab es die Probleme mit prekärer Arbeit nie in dem Maße, weil die Unis mit gutbezahlten Festanstellungen konkurrieren und dementsprechend bessere Bedingungen anbieten mussten. Wenn man jetzt alle Postdocs fest anstellt, wird die Folge sein, dass es schlicht noch weniger Stellen gibt, und der Flaschenhals im System früher ansetzt, nämlich vor der ersten Postdoc-Stelle - die dann für die meisten gar nicht mehr vorhanden sein wird. Dann beschweren sich alle Doktoranden nicht mehr über prekäre Arbeit, sondern gar keine Arbeit. Das Grundproblem wird immer vorhanden sein, um das zu lösen, müsste man wie in der DDR nur noch exakt so viele Leute zum Studium zulassen, wie perspektivisch gebraucht werden - was aber nicht wahnsinnig gut funktioniert hat und zudem mit der freien Berufswahl nicht vereinbar ist.
zum Beitrag10.06.2026 , 17:38 Uhr
"Wirtschaftlichkeit" ist eine grundlegende ethische Maßgabe ärztlichen Handelns, weil medizinische Ressourcen begrenzt sind und deshalb nicht verschwendet werden dürfen. Das hat nichts mit "Kinderfeindlichkeit" zu tun, sondern ist allgemein so. Würde man diesen Grundsatz verlassen, dann wäre die Konsequenz eine allgemeine Kostenexplosion und eine massive Zunahme der Verteilungsungerechtigkeit.
zum Beitrag07.06.2026 , 10:35 Uhr
Ich finde es falsch, das Bafög nur als "Zubrot" zu einer Tätigkeit, der neben dem Studium gefälligst nachgegangen werden soll, zu sehen. Ansonsten gewinnen immer nur die, deren Eltern gut verdienen, weil die weiterhin nicht nebenbei arbeiten müssen - die Studiengänge werden sicherlich nicht leichter dadurch. Will man eine qualitativ hochwertige akademische Bildung, in der sich tatsächlich die Klügsten und Fähigsten durchsetzen, muss man Bedingungen schaffen, in denen die Kinder aus ärmerem Elternhaus nicht schon von vornherein massiv benachteiligt sind.
zum Beitrag07.06.2026 , 10:32 Uhr
Und hätten dann wirklich alle die gleichen Anforderungen, wäre das auch sinnvoll, aber so ist es nicht, weil Kinder wohlhabenderer Eltern dann weiterhin fein raus wären und der Anreiz von "Leistungsbereitschaft" sich dann schnell in der Praxis als weitere Hürde für sozialen Aufstieg erweisen würde, weil die Studierenden, die parallel arbeiten, dann mit den bildungsbürgerlichen Kindern konkurrieren müssen, die ihre Zeit nur mit dem Studium verbringen müssten. Dabei gewinnen dann nicht die Leistungsbereitesten.
zum Beitrag31.05.2026 , 21:57 Uhr
Also, das Pizzabeispiel ist geradezu bizarr.
Die billigste Tiefkühlpizza kostet im Dreierpack bei Rewe 3,99€. Die teureren Tiefkühlpizzen hingegen kosten ca. 3,49€. 10€ ist viel zu hoch angesetzt, wenn Sie nicht ins Restaurant oder zum Lieferdienst gehen (dann sind 10€ wiederum ziemlich günstig).
Für die Zutaten für eine selbst gemachte Pizza hingegen 1-2€ zu berechnen, ist viel zu wenig. Das kriegt man sich ganz vielleicht so hingerechnet, wenn man alle Zutaten komplett immer für Pizza verbrauchen kann und nichts übrig bleibt (was angesichts der verschiedenen Packungsgrößen ziemlich schwierig ist).
zum Beitrag31.05.2026 , 16:22 Uhr
Unverschämtheit. Ein wirksames Bafög sollte sich eine Gesellschaft dringend leisten. Die Sätze sind jetzt schon zu niedrig. Das Bafög ist auch bezüglich seiner Zuverlässigkeit dringend reformbedürftig, wie jeder, der verzweifelt auf eine Bafög-Überweisung warten musste, weil der Antrag wieder über Wochen nicht bearbeitet wurde, bestätigen kann.
zum Beitrag31.05.2026 , 14:45 Uhr
Eine vernünftige FDP, die eine nach beiden Seiten anschlussfähige Partei der Mitte sein will, wäre in diesem Lande dringend nötig und sehr bereichernd. Eine liberale Partei mit sozialem Gewissen hätte auch ein großes Potenzial, wie die Grünen in Baden-Württemberg, die im Grunde eine solche Partei darstellen, eindrucksvoll beweisen - die Grünen anderswo hingegen kann man diesbezüglich leider weitgehend vergessen. Insofern wäre es mir schon sehr lieb, die FDP würde wieder versuchen, konstruktiv Politik zu machen.
zum Beitrag31.05.2026 , 10:42 Uhr
Aber es hat ja wahrscheinlich ihre eigenen Chancen geschmälert. Eine halbstündige Rede braucht zudem keine zwei Wochen Vorlauf, schon gar nicht für eine Politikerin, die auch Mitarbeiter*innen beschäftigt. Hätte sie von vornherein gesagt, dass sie antritt, hätte sie ja auch besser abschneiden können.
zum Beitrag31.05.2026 , 10:39 Uhr
Welche Bauernorganisation war es denn konkret, die zu dem Zweck gegründet wurde, diese Straftaten zu begehen und die aus Ihrer Sicht dementsprechend eine kriminelle Vereinigung darstellt?
zum Beitrag30.05.2026 , 20:36 Uhr
"Das durchschnittliche Mietniveau steigt demnach auf 7,71 Euro pro Quadratmeter, nachdem es im letzten Mietspiegel 2024 noch 7,21 Euro betragen hatte – ein Plus von 6,9 Prozent. Beschrieben wird damit der Median: Die Hälfte aller Mieten liegt darüber, die andere darunter. Legt man den Durchschnittswert aller Mieten zugrunde, sind es gar 8,32 Euro; 2013 waren es noch 5,33 Euro."
Und DAS ist jetzt ernsthaft die Situation, über die seit Jahren Zeter und Mordio geschrien wird? Das eine Familie für eine 100m²-Wohnung in der gefragtesten Großstädte in Deutschland im Median 832€ Miete bezahlt? Das ist doch, Verzeihung, lächerlich. Die Hälfte wohnt also noch günstiger. Seit Jahren wird diese Diskussion geführt, als ginge es um die Existenz, dabei bedeutet diese Zahl im Ergebnis, dass man mit einem Monatshaushaltseinkommen von 2000€ netto sich immer noch problemlos eine 100m²-Wohnung leisten kann. Das Problem ist eher, dass Neuvermietungen mangels Angebot so horrend teuer sind, dass sie den Spiegel nach oben ziehen - wogegen aber alle tollen Maßnahmen wie Massenenteignung und Mietpreisbremsen überhaupt nichts tun.
zum Beitrag30.05.2026 , 18:47 Uhr
Ich glaube, Strack-Zimmermann hätte echte Chancen gehabt, wenn das nicht so eine Last-Minute-Aktion gewesen wäre. Eine entsprechende Vorbereitung dieser Kandidatur wäre sinnvoll gewesen. So bleibt ein etwas fader Beigeschmack. Ich bin gespannt, was Wolfgang Kubicki mit der FDP anstellt - eine echte liberale Partei wäre eine Bereicherung für unsere Demokratie, aber ich traue ihm nicht unbedingt eine Erneuerung dieser Partei zu - und die wäre dringend nötig, denn wer noch vor anderthalb Jahren mit "mehr Musk und Milei wagen" zur Bundestagswahl angetreten ist, der hat einige Hausaufgaben zu machen, wenn man eine Partei der demokratischen Mitte und nicht der populistischen Spinnereien sein will.
zum Beitrag30.05.2026 , 15:58 Uhr
" Sonst wären ja auch die Proteste gegen Atomstrom bei denen der Transport des Mülls blockiert wurde, FEMEN, die Bauernproteste usw. alles "kriminelle Organisationen" gewesen." Nein, da fehlt jeweils etwas maßgebliches, nämlich die Organisationsstruktur. Das maßgebliche für eine kriminelle Organisation sind nämlich auch gefestigte organisatorische Strukturen, wie sie bei der Letzten Generation vorlagen, bei den anderen genannten Fällen jeweils nicht.
zum Beitrag29.05.2026 , 08:29 Uhr
"Bothsidesism", "Sanewashing" - ein Grund, warum solche Medientheoretiker*innen kaum in der Lage sind, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen, ist, dass sie eine Sprache sprechen, die weitestgehend aus den USA kopiert wird und hierzulande ohne weitere Erklärungen praktisch unverständlich ist. Dabei werden solche Begriffe gerne einfach genommen und den deutschen Verhältnissen quasi "übergestülpt", ohne, dass sie in diesem Kontext wahnsinnig sinnvoll sind (z.B. "bothsidesism" ergibt als Begriff wesentlich mehr Sinn, wenn es tatsächlich nur zwei Seiten gibt, wie im amerikanischen Zweiparteiensystem - bei uns gibt es aber wesentlich mehr). Ich empfehle diesbezüglich, eine Sprache zu sprechen, die auch der oder die Durchschnittsangestellte versteht.
Dass "Remigration" als "normalisierter Begriff" außerhalb von AfD-Zirkeln verwendet wird, kann ich zudem nicht bestätigen. Wenn ich "Nius Remigration" google, finde ich zwei Kommentare von 2024, die sich darüber in diesem Medium streiten, ob man den Begriff verwenden sollte. Neuere Wortmeldungen dazu finde ich nicht - und in den Medien, die ich selbst tatsächlich konsumiere, ist der Begriff immer noch ein absolut rotes Tuch.
zum Beitrag24.05.2026 , 17:53 Uhr
Sie haben nicht völlig Unrecht mit Ihrer Kritik an Merz und Söder während der Ampelzeit, nur hat die linke Presse dieses Vorgehen durchgehend massiv kritisiert, und das Ganze ist insgesamt eher nach hinten losgegangen, weil ein Teil der potenziellen CDU-Wählerschaft darauf mit einem gewissen Befremden reagiert hat.
Sich jetzt aber hinzustellen und zu sagen: "Merz und Söder haben angefangen, also schnell die Boxhandschuhe ausziehen!" halte ich für falsch. Stattdessen wäre jetzt eine Chance da, eine Versachlichung und Abkühlung des Diskurses zu erzwingen.
zum Beitrag24.05.2026 , 17:51 Uhr
"Wer rot/rot/grün als Linke Alternative grundsätzlich ausschließt, treibt Wähler*innen in die Arme der Rechten" Auf Landesebene sind solche Bündnisse gar nicht so ungewöhnlich (je nach Bundesland). Auf Bundesebene stellt sich ein fundamentales Problem:
Was würde die Linke tun, wenn sie an der Regierung ist und Russland in einen Baltikumsstaat einmarschiert? Die Linke, wie sie sich bisher gibt, würde mutmaßlich eine Erklärung rausgeben, die mit: "Böser Putin, das macht man aber nicht >:(" zusammengefasst werden kann - und gleichzeitig alle darüber hinausgehenden Hilfen verweigern. Das ist schon ein großes Problem.
zum Beitrag24.05.2026 , 17:48 Uhr
Ich kenne Sie nicht. Aber ich halte es für zumindest theoretisch möglich, dass Sie irgendwann vielleicht einen Femizid begangen haben, der Ihnen nicht nachgewiesen wurde. Ich fordere Sie deshalb dazu auf, unverzüglich zu beweisen, dass Sie noch nie einen Femizid begangen haben. Können Sie das nicht, dann finden Sie sich bitte unverzüglich zum Antritt der zu erwartenden lebenslänglichen Haftstrafe für Mord in der nächsten Haftanstalt ein.
(Dies war eine Illustration der potenziellen Konsequenzen der Forderung des Kommentators. Selbstverständlich sind die "Anschuldigungen" rein fiktiv).
zum Beitrag23.05.2026 , 21:53 Uhr
Ich habe leider in meinem Bekanntenkreis eine ähnliche Erfahrung gemacht, wie die, die die Autorin hier auch - indirekt - schildert: In vielen offenen Beziehungen ist eine Partei deutlich interessierter an der Offenheit als die Andere, und das führt regelmäßig zu großen Schwierigkeiten.
Ich habe tatsächlich noch nie eine Beziehung gesehen, die monogam anfing, und sich erfolgreich öffnete. Ich habe durchaus Bekannte, die in offenen Beziehungen leben, aber die Öffnung einer geschlossenen Beziehung hat in jedem mir im Bekanntenkreis beobachteten Fall zum Ende der Beziehung geführt. Ich glaube auch nicht, dass man eine so fundamentale Veränderung eines Beziehungsmodelles nach langer Zeit durchführen sollte, denn es führt - unbemerkt und ungewollt - zu einer Vielzahl kleiner und großer Verletzungen, die sich schnell potenzieren.
zum Beitrag23.05.2026 , 20:42 Uhr
Genau, die Autorinnen und Initiatorinnen des "Nein heißt Nein"-Gesetzesvorschlag haben bestimmt perfide eine Hintertür für die schnelle Verjährung von Vergewaltigung in den Gesetzesvorschlag eingebaut, um dadurch... ähm.... Können Sie mir da helfen?
zum Beitrag23.05.2026 , 20:32 Uhr
"Wir haben uns aus verständlichen moralischen Gründen dafür entschieden, kein Gas und Öl mehr von Russland zu kaufen."
Das sind keine "moralischen" Gründe. Russland hat bewiesen, dass es bereit ist, zur Vergrößerung des eigenen Territoriums andere Staaten direkt anzugreifen, mit der offiziellen Begründung, diese Staaten wollten heimlich der NATO beitreten. Sich mit einem solchen Staat zu verbünden, ist strategischer Irrsinn. Sich mit einem derart agierenden Staat zu verbünden, ist historisch betrachtet noch nie gut ausgegangen - fragen Sie Josef Stalin.
zum Beitrag23.05.2026 , 20:29 Uhr
Jetzt bin ich aber gespannt: Was sind denn ein paar der vielen Möglichkeiten, die "wirksam im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung" wären?
zum Beitrag23.05.2026 , 20:27 Uhr
So ist inzwischen leider der Diskurs geworden. Es wird ein neues Deutschlandticket eingeführt? Ist Mist, viel zu teuer! Die Zusatzbeiträge zu den Krankenkassen steigen? So ein teurer Mist, sofort Leistungen kürzen - aber bitte keine, von der irgendjemand jemals vielleicht irgendwie profitieren könnte, sonst ist man ein finsterster Lobbyist der jeweiligen Gegenseite. Klimaneutralität bis 2035 als Ziel der Ampel? Solange das Dorf Lützerath, das vorher keiner kannte, weggebaggert wird, ist das alles Mist!
Ich habe das Gefühl, das in Zeiten des Internets Empörung der stets dominante Modus der Kritik ist. Einig sind sich die Leute immer nur darin, dass alle Politiker*innen doof sind, außer vielleicht ein paar aus der Lieblingspartei, aber wehe, die regieren jemals, dann sind sie ganz schnell wieder böse, weil sie tatsächlich Entscheidungen treffen müssen, die nicht jedem gefallen.
Es würde vielen Leuten guttun, den Diskurs etwas abzukühlen.
zum Beitrag23.05.2026 , 20:21 Uhr
" Die cdU/csU macht schon länger AfD-Politik als es die AfD gibt."
Warum die AfD dann fürchten? Die CDU regiert seit 2005 mit kurzer Unterbrechung von 2021 bis 2024. Wenn die CDU die gleiche Politik macht, und es Deutschland insgesamt noch relativ gut geht, dann braucht man doch keine Angst vor der AfD haben - und wenn doch, dann müssten Sie mir erklären, warum.
zum Beitrag23.05.2026 , 20:19 Uhr
Das ist aber nicht das, was AfD-Anhänger*innen unter "Altparteien" verstehen, sondern diese beziehen sich auf deren institutionelle Verankerung, die für die sonstigen aktuellen Parteien (mit Ausnahme der Linken in großen Teilen Westdeutschlands) eine ganz Andere ist. Dass die AfD weiterhin als institutionsfern wahrgenommen wird, gibt ihr seit langem die Chance, als der "hippe Außenseiter" wahrgenommen zu werden. Dass das Quatsch ist, mag sein, aber es verfängt.
zum Beitrag23.05.2026 , 20:15 Uhr
Ich möchte bemerken, dass der Machtübernahme der AfD von beiden politischen Rändern gerade der Weg geebnet wird. Die linke Rhetorik, auch hier in der Taz, schießt nämlich in ihrer Kritik an der aktuellen Regierung auch oft weit über das Ziel hinaus. In den Kommentaren hier finden sich regelmäßig Bemerkungen der Marke: "Die csdU will doch längst mit der AgD zusammengehen!!!!!", und in der Zeitung selbst werden selbst absurde Unflätigkeiten wie die plumpe Beleidigung mit Merz und den Eiern noch verteidigt und z.B. von "Ostereiern" gesprochen. Die jetzige Regierung könnte die letzte sein, die noch eine Chance hat, die AfD tatsächlich abzuwehren. Wem etwas an der liberalen Demokratie liegt, der sollte ihr - bei aller Kritik - Gelingen wünschen und nicht hämisch ihr baldiges Scheitern heraufbeschwören.
Hinzu kommt die noch viel katastrophalere Rhetorik, welche die Merz-CDU und AfD direkt gleichsetzt - wer diese ultimative Verharmlosung der AfD praktiziert, der sollte sich wirklich schämen.
Linke sollten wieder stärker zwischen politischem Gegner und Feind unterscheiden. Die Merz-CDU ist ersteres, die AfD ist letzteres, und wer beides verwischt, hilft der AfD.
zum Beitrag22.05.2026 , 18:48 Uhr
"Aber was wäre ein guter Kanzler, ein guter Präsident in kapitalistischen Systemen, die nicht ihren Bürger_innen dienen, sondern dazu da sind, sich selbst zu erhalten und Reiche reicher zu machen?"
Wenn man eine liberale Demokratie so darstellt, dann braucht man sich auch nicht wundern, wenn sie kaputtgeht. Wenn man das wirklich so sieht - warum dann überhaupt gegen die AfD protestieren?
Dass die hierfür zitierten Beispiele ("Waffendeals in Milliardenhöhe" vs. "70 Stunden-Woche") in der Sache nicht miteinander zusammenhängen - geschenkt. Einem findigen Satiriker könnte allerdings auffallen, dass die "Waffendeals in Milliardenhöhe" auf Jahrzehnte der Abrüstung folgten - da haben Merkel, Schröder und Kohl wohl massiv versagt. Ein weniger findiger Satiriker mit Hang zum Flachwitz könnte auch bemerken, dass die Anschuldigung, es sei der Zweck eines kapitalistischen Systems, unsere aktuelle Wirtschaftsministerin reicher zu machen, dieser doch sehr viel Ehre zubilligt.
zum Beitrag21.05.2026 , 18:27 Uhr
Erstens: Sie meinen wahrscheinlich "Rendite", nicht "Dividende". Die überwiegende Mehrheit der privaten Trägergesellschaften von Pflegeeinrichtungen sind keine AGs.
Zweitens: Selbst wenn Sie ansonsten komplett Recht hätten und alle Pflegeheime von gemeinnützigen Trägern übernommen würden und alles tatsächlich dadurch um die von Ihnen geschätzen Prozentpunkte billiger würde (was ich nicht glaube), würde dies das beschriebene Problem nicht im Ansatz lösen.
zum Beitrag20.05.2026 , 22:53 Uhr
Nein, würde es nicht. Pflegekosten bei gemeinnützigen Trägern sind ähnlich hoch, weil ein halbwegs würdevolles Leben in Pflegebedürftigkeit nun mal Geld kostet. Auf den bösen, bösen Kapitalismus schimpfen ist zwar einfach, aber manchmal auch einfach nicht hilfreich.
zum Beitrag20.05.2026 , 14:45 Uhr
"Ist es fair, wenn die Immobilie verkauft werden muss und dann nicht mehr an die Erb:innen weitergegeben werden kann?" Ja! Unbedingt, bitte.
Es geht mir sehr gegen den Strich, dass dieses Land so sehr auf eine rigide, nach oben und unten fixierte soziale Ordnung fokussiert ist. Hier wird regelmäßig Zeter und Mordio geschrien, wenn man irgendwie suggeriert, es sei eventuell ungerecht, wenn manche Leute schon mit einem leistungslosen Vorsprung ins Leben starten, während Aufsteiger*innen, die sich nach Studium und folgender Ausbildung irgendwann hart ein hohes Einkommen erarbeitet haben, immer als "starke Schultern" geframet werden, die doch endlich mehr beitragen könnten. Wer hierzulande z.B. sich im mittleren Alter irgendwann ein Bruttojahreseinkommen über 100.000 Euro erarbeitet hat, wird - jenseits aller weiterer Kriterien - einfach mal als so wohlhabend gewertet, dass er doch für die eigenen Eltern aufkommen könne - während Viele es völlig normal finden, dass jemand, der sich in seinem Leben nie besonders angestrengt hat, einfach so ein Haus von den Eltern bekommen darf und die Solidargemeinschaft dies auch noch indirekt finanzieren soll, indem sie Pflegekosten deckt.
zum Beitrag20.05.2026 , 12:34 Uhr
"Wenn sie erst einmal hier sind, wollen die allermeisten Geflüchteten arbeiten, sie werden aber viel zu oft vom repressiven Asylsystem daran gehindert." "Arbeiten wollen" heißt aber nicht: "sinnvoll eingesetzt werden können". Schon vor 20 Jahren gab es in Deutschland die Diskussion, dass niedrig qualifizierte Tätigkeiten (klassische Fließband- oder Hilfsarbeit) zukünftig kaum noch gebraucht werden könnten - die Problematik hat eher zugenommen und wird sich angesichts des industriellen Arbeitsplatzabbaus eher verstärken. Wer ohne gerade benötigte Qualifikation und ohne Sprachkenntnisse hier herkommt, der wird so schnell so oder so keinen Arbeitsplatz finden können - auch deshalb, weil niemand einen Asylbewerber mit fraglichen Erfolgsaussichten langfristig ausbilden will, weil das Risiko zu groß ist. Die Sprachbarriere kommt hinzu.
Das Problem ist nicht monokausal, und es nervt, dass Populist*innen von links und rechts es immer wieder als monokausal darstellen.
zum Beitrag20.05.2026 , 12:28 Uhr
"Wer glaubt mit der Bezahlkarte Menschen abzuschrecken, die vor Krieg, Verfolgung und Hunger fliehen, der glaubt auch dass Zitronenfalter Zitronen falten. " Das glaubt niemand. Deshalb sollen diese ja auch nicht abgeschreckt werden, sondern diejenigen, die aus anderen (wirtschaftlichen) Gründen nach Deutschland flüchten.
Im übrigen: Unser Asylsystem, so, wie es funktioniert, macht es vielen Leuten, die vor "Krieg, Verfolgung und Hunger" fliehen, ziemlich schwer, hierherzukommen - während Leute, die vor wirtschaftlicher Not und Perspektivlosigkeit flüchten, es teilweise leichter haben, weil sie eher die Möglichkeit haben, die Schlepper zu bezahlen, die sie überhaupt hierherbringen. Für diese ist aber das Asylsystem schlicht nicht gemacht.
zum Beitrag17.05.2026 , 22:07 Uhr
Ihre Behauptung und die überwiegend zustimmenden Kommentare zu ihr illustrieren für mich bezeichnend, warum Begriffe wie "Faschist" oder "Nazi" an echten Faschisten wie Herrn Höcke inzwischen wirkungslos abprallen - wenn schon Dieter Nuhr ohne konkrete Belege einfach ein "Faschist" ist, dann entkernt man den Begriff so sehr, dass ihm jede abschreckende Wirkung genommen wird. Das ist eine Entwicklung, die aus meiner Sicht nach 2015 massiv zugenommen hat. Das ist so eine "Junge, der Wolf ruft"-Geschichte: Wenn der Wolf am Ende tatsächlich da ist, wundert man sich, warum keiner mehr reagiert.
zum Beitrag16.05.2026 , 23:30 Uhr
Hier ist ein guter Artikel dazu: www.focus.de/earth...-3a950cfc87b8.html
Man kann sicher darüber streiten, ob China im Ergebnis "klimafreundlicher ist als wir", das war meinerseits hyperbolisch gesprochen. Was aber China in jedem Fall widerlegt, ist das Narrativ, Deutschland würde "im Alleingang das Klima retten".
zum Beitrag16.05.2026 , 20:52 Uhr
Erstens: Ich mag Dieter Nuhr nicht. Seine mit leiser, besorgter Stimme vorgetragenen Traktate darüber, dass alles immer schlimmer wird, sind für mich schwer zu ertragen - das trifft aber auf viele deutlich linkere Kabarettisten bei mir genauso zu.
Zweitens: Schön, dass der Artikel lauter Anhaltspunkte sammelt, warum Herr Nuhr ganz schlimm ist, aber der einzige Punkt, der mit dem Thema Antisemitismus überhaupt zu tun hat, ist ein Kontaktschuldvorwurf, weil sich Dieter Nuhr nicht von Lisa Eckhart distanziert. Das ist dünn. Seine Meinungen zum Gendern und zu Alice Hasters haben hingegen mit dem Thema ungefähr so viel zu tun wie seine Meinung zu Pizza Hawaii - und merkwürdiges Geraune über "machtvolle Eliten" finden Sie in jedem Kabarett, beim linken Kabarett nennt man das "Lobby", die für absolut alles Schlechte verantwortlich ist, was auf der Welt so passiert, vom Krieg bis zu den Zahnschmerzen.
zum Beitrag16.05.2026 , 11:30 Uhr
"Wir retten das Klima im Alleingang auf eine möglichst teure Art." Unfug. Wirtschaftlich aufstrebende Nationen wie China sind heute schon wesentlich klimafreundlicher als wir.
"Wir holen Millionen von Flüchtlingen nach Deutschland zu Lasten der Mieter und Sozialsysteme." Wir HOLEN uns keinen einzigen Flüchtling. Das ist ein Teil des Problems. Die kommen von ganz alleine, weil wir ein Grundrecht auf Asyl haben. Wenn wir uns Leute HOLEN würden, dann wäre die Verteilung von Alter und Geschlecht bei den Geflüchteten eine ganz andere - wir spielen hier aber stattdessen "Survival of the fittest" und lassen die hier, die am ehesten den Weg überleben - und das sind überwiegend einsame junge Männer. Es gibt andere Migrationskonzepte, die aber im Ergebnis das Grundrecht auf Asyl in Deutschland abeschaffen würden und deshalb vielfach abgelehnt werden.
zum Beitrag16.05.2026 , 11:21 Uhr
So ein Unsinn. Die AfD ist das Problem. Wenn sie eine verfassungsfeindliche Partei ist - und ich bin der Ansicht, dass sie das eindeutig ist - dann muss sie verboten werden. Man rettet die Demokratie ganz sicher nicht, indem man jeder partikularen Quatschpartei Sitze in Land- und Bundestag sichert. Das einzige Ergebnis davon wäre, dass die AfD dann nicht allein, sondern mit ProDM, Bündnis Deutschland, Team Freiheit und der Heimat zusammen regieren müsste. Mir ist nicht klar, was das bringen soll.
zum Beitrag16.05.2026 , 11:18 Uhr
"Parteiverbot, die Legitimation wäre ja da, weil das Souverän Rechtskonservative, Rechtsradikale und Rechtsextreme eine signifikante Macht zuspricht, wird nicht beantragt." Das diese Begriffe für Sie gleichbedeutend zu sein scheinen, zeugt auch von einem fragwürdigen Demokratieverständnis. Rechtskonservative sind Teil des demokratischen Spektrums, Rechtsradikale und Rechtsextremisten nicht. Und wenn Sie glauben, "die Mitte und weniger die Nazis" hätten die Demokratie beendet, rate ich Ihnen dringend, ein Geschichtsbuch hinsichtlich der Frage zu konsultieren, welche Kräfte es waren, die damals die Macht übernahmen.
(Im Übrigen: "Ich habe nichts gegen die Mitte, aber...." ist ähnlich glaubwürdig wie: "Ich habe nichts gegen Ausländer, aber...")
zum Beitrag14.05.2026 , 18:53 Uhr
Moment: War es jetzt eine "Männerdemo" oder eine "All-Gender-Demo"? Beide Informationen finden sich im Artikel, und ich finde diese Informationen durchaus widersprüchlich.
zum Beitrag14.05.2026 , 18:47 Uhr
Ich verstehe das Problem nicht, sie können doch einfach immer so einkaufen, dass Sie immer exakt genug für 105 Scheiben Brot mit Schinken und Käse kaufen. Da müssen Sie eben ein bisschen mehr essen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten und ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung zu setzen.
zum Beitrag13.05.2026 , 11:38 Uhr
Das ist doch kein sinnvolles Argument gegen meine Bedenken. Mit der gleichen Logik könnte ich mich dagegen aussprechen, Möglichkeiten zur Steuerhinterziehung zu reduzieren, solange noch andere Möglichkeiten zur Steuerhinterziehung offenbleiben.
zum Beitrag12.05.2026 , 19:12 Uhr
Ich meine gar nicht unbedingt nur klassische Korruption im Sinne von direkter Bestechung, denn auch die Abhängigkeit von Nebenjobs kann ja, je nach Beruf, durchaus zu Interessenkonflikten führen. Wenn ich z.B. für eine große Firma arbeite, deren wirtschaftliche Lage maßgeblich von der aktuellen Politik abhängt (was praktisch immer der Fall ist), dann bin ich ja auch beeinflussbar, selbst wenn ich es nicht sein möchte. Auch die anwaltliche Vertretung einer Firma kann diesbezüglich schon problematisch sein.
Insofern haben Sie völlig Recht.
zum Beitrag12.05.2026 , 19:08 Uhr
taz.de/Kuerzungen-...npolitik/!5946021/
taz.de/Elterngeld-...dienende/!5941934/
taz.de/Umstrittene...erzungen/!5942065/
Eine kurze Suche zum erstgenannten Themenkomplex ergibt alleine hier bei der Taz zwei Kolumnen, in denen unser Haushaltseinkommen als Kennzeichen dafür gewertet sind, das wir "reich" (erster Kommentar) oder "besonders reich" (zweiter Kommentar) sind. Im dritten Kommentar wäre ich gar "ein schlechter Vater", wenn ich gar auf die dumme Idee gekommen wäre, kurz nach Erreichen dieser Einkommenshöhe (die übrigens im Vergleich zu meinem vorherigen Einkommen einer Steigerung von deutlich über 50% entsprach) ein Kind zu bekommen und noch nicht sofort massive Rücklagen angespart hätte.
Für Sie mag das nach Paranoia klingen. Es ist aber eine real vorhandene Rhetorik, die auch gerne in der Praxis zum Tragen kommt - wie das Beispiel mit der Beitragsbemessungsgrenze zeigt.
zum Beitrag12.05.2026 , 18:54 Uhr
Mord zieht keine Strafe von 15 Jahren nach sich, sondern eine lebenslange Freiheitsstrafe - und zwar zwingend.
zum Beitrag12.05.2026 , 10:39 Uhr
Das finde ich schräg: der Begriff des "Patriarchats" soll "genau" sein (schließe ich daraus, das andere Formulierungen als "ungenau" abgelehnt werden)? Wie soll denn eine "patriarchale" Beziehung nachgewiesen werden? Und wann liegt diese vor - wenn der Mann als einziger arbeiten geht, wenn er gewalttätig wird, oder wie genau soll das dem Bestimmtheitsgrundsatz entsprechend ausgeführt werden? Das finde ich, ehrlich gesagt, nicht wirklich überzeugend.
Und ob eine Tötung im einzelnen aus "patriarchalem Besitzdenken" heraus erfolgte, dürfte im einzelnen schwer nachzuweisen sein - und wenn es tatsächlich nachweisbar ist, dürfte standardmäßig von niederen Beweggründen auszugehen sein. Ich verstehe nicht, was das bringen soll. Die Behauptung, Gerichte würden "aus Mitleid mit dem Täter" bei tatsächlich vorhandenen niederen Beweggründen diese trotzdem verneinen, finde ich zudem ziemlich populistisch, insbesondere, weil sie an keinem konkreten Fall belegt wird.
Das Strafrecht ist nicht der Ort, um politische "Zeichen zu setzen" oder seinen Abscheu gegenüber bestimmten Verbrechen auszudrücken, sondern um angemessene Strafen zu formulieren.
zum Beitrag12.05.2026 , 08:38 Uhr
Entschuldigung, aber: So ein Quark. Die Arbeit als Bundestagsabgeordnete*r ist, wenn man sie richtig ausführt, arbeitsintensiver, umfangreicher und geistig anstrengender als der Durchschnittsberuf und sollte auch höher vergütet werden. Die Geschichte hat gezeigt, dass eine zu schlechte Bezahlung von Abgeordneten letztendlich eine Einladung zur Korruption ist, weil diese dann nicht ausreichend Geld zurücklegen können, um für den Fall vorzusorgen, dass sie plötzlich ihr Mandat verlieren, was mit jeder Wahl passieren kann. Nicht in jedem Beruf kann man sofort danach wieder starten, und wenn man dann keine Rücklagen hat, verarmt man plötzlich. Das kann doch nicht das Ziel sein.
Wer ein konkretes historisches Beispiel will, sollte sich die sog. "Gilded Age" in den Vereinigten Staaten ansehen, in der Abgeordnete auf Bundesstaatenebene gar nicht (!) bezahlt wurden und Korruption so normal war, dass man als Idiot galt, wenn man sich nicht bestechen ließ.
zum Beitrag11.05.2026 , 15:18 Uhr
Wissen Sie, das ist eine tolle Rhetorik, die sich aber oft nicht bewahrheitet. Ich kann mich beispielsweise an zwei Fälle erinnern, in denen ich in der Taz als "superreich" bezeichnet wurde - einmal wegen des Elterngeldes (als beschlossen wurde, dieses ab einem gewissen Monatseinkommen zu stornieren), und einmal wegen der Anhebung des Spitzensteuersatzes. Ich bin aber weder Milliardär noch Millionär, und habe das entsprechende Einkommen nach langem Studium und weiterer Ausbildung mit Mitte 30 erreicht, nachdem ich vorher lange nichts oder sehr viel weniger verdient habe. Ich bin seitdem sehr vorsichtig, wenn Linke mir immer versichern, ich wäre mit Sicherheit nicht gemeint, wenn es um "Superreiche" geht - während sie mich z.B. als freiwillig Versicherten gleichzeitig weiter zum Deppen machen wollen, indem sie die Beitragsbemessungsgrenze anheben, ohne dafür wenigstens die Deckelung des Krankengeldes aufheben zu wollen.
zum Beitrag11.05.2026 , 15:13 Uhr
Man darf gerne "etwas versuchen". Es sollte aber etwas sinnvolles sein. Die meisten Länder auf der Welt, insbesondere der westlichen Welt, erheben keine Vermögenssteuer mehr. Diese Reform macht man gemeinsam rückgängig, oder man lässt es bleiben - sonst verliert man mehr, als man gewinnt.
zum Beitrag11.05.2026 , 15:12 Uhr
Die deutsche Wegzugssteuer erfasst nur einen Bruchteil der Vermögenswerte von Einzelpersonen (Anteile an Kapitalgesellschaften). Einen Großteil der Kapitalflucht würde das nicht verhindern. Und wenn man das "so gestaltet, dass auch ein Kapitalabfluss entsprechend besteuert wird", dann wird ein Großteil des potenziell abfließenden Kapitals eben vor Inkrafttreten dieser Steuerreform außer Landes geschafft.
zum Beitrag11.05.2026 , 08:31 Uhr
Eine Vermögenssteuer auf nationaler Ebene wäre, wie die zuletzt von der Linken beauftragte Studie zeigt, Unsinn. Frankreich hat dies vor ca. 10 Jahren versucht - erinnert sich noch jemand an die schöne Schlagzeile "Obelix wird Russe"? Besteuert man Vermögen, wird bewegliches Kapital aus dem Land geschafft. Das produziert nicht nur neue Ungerechtigkeiten, sondern hemmt auch Investitionen. Besser wäre eine vernünftig konzipierte Erbschaftssteuer - oder, wenn es denn eine Vermögenssteuer sein soll, eine gesamteuropäisch konzipierte, bei der ALLE (!) EU-Länder mitziehen müssen.
zum Beitrag11.05.2026 , 08:22 Uhr
Ich stimme dem Autoren zu. Als jemand, der sich selbst nicht als "Autofan" bezeichnen würde, kann ich nur sagen: Lebte ich in Berlin, hätte ich dem niemals zugestimmt. Eine bekanntermaßen chronisch überforderte Verwaltung, die es nicht einmal hinbekommt, eine Wahl richtig zu organisieren, soll als Zusatzaufgabe mal eben kurz für sämtliche (!) Einwohner des Innenstadtringes ein Register anlegen, auf dem die 12 Fahrten, die jeder machen darf, registriert sind? Dabei dann eine Meldestelle, um jede Fahrt registrieren zu können, und ein massives Polizeiaufgebot, das nötig wäre, um bei den Leuten einzeln nachzuprüfen, ob sie die Fahrt auch angemeldet haben? Von Sondergenehmigungsstellen, die Anträge auf mehr Fahrten wegen z.B. Pflege von Angehörigen bearbeiten, mal ganz zu schweigen.
Der Volksentscheid wäre eine Jobbeschaffungsmaßnahme für Mittzwanziger*innen, die nach dem geistes- oder sozialwissenschaftlichen Studium eine attraktive Stelle im öffentlichen Dienst suchen. Der praktische Nutzen kann da nicht mithalten.
zum Beitrag11.05.2026 , 08:09 Uhr
Würde ihr Vorschlag umgesetzt, dürfte man schon den ersten Unfall erwarten, der passiert, weil die Elektronik die Autobahnauffahrt als Spielstraße interpretiert und eine unangekündigte Vollbremsung macht.
zum Beitrag08.05.2026 , 00:44 Uhr
Ich wundere mich, wie viele Kommentare hier wieder eine Rückbesinnung auf linke Politik fordern. Linke Politik ist unpopulär. Labour hat mit linken Spitzenkandidaten in den letzten 50 Jahren nichts gerissen, es waren immer nur die bösen, bösen, "neoliberalen" Mitte-Politiker, die tatsächlich gewinnen konnten. Starmer scheitert daran, dass er persönlich eine katastrophale Personalpolitik verantwortet hat und dies weiterhin tut - und er hat, wie viele andere Regierungschefs, keine Antwort auf die allgemeine Diskurszuspitzung und -verblödung, die dadurch zustande kommt, dass die sozialen Medien seit Corona den traditionellen Medien den Großteil der meinungsbildenden Wirkung entrissen haben.
zum Beitrag08.05.2026 , 00:40 Uhr
"Diese Fixierung der Politik auf die Börse verliert die Bedürfnisse der Bürger aus den Augen." Genau das ist eine Parole. Der Satz ist, näher analysiert, absolut nichtssagend. Die effektivste Politik gegen die Börse macht gerade Donald Trump, nur eben nicht mit Absicht.
Linke, die meinen, sie würden nicht genauso gerne plumpe Parolen verwenden wie die Gegenseite, sind auf dem Holzweg. "Kein Mensch ist illegal" ist letzten Endes nicht komplexer oder inhaltlich realistischer als "Festung Europa".
zum Beitrag08.05.2026 , 00:36 Uhr
Tony Blair hat alle seine Wahlen gewonnen, Gerhard Schröder wurde nach 7 Jahren überraschend knapp abgewählt und erzielte dabei ein höheres Ergebnis als jeder andere SPD-Kandidat (gendern leider nicht nötig) nach ihm.
zum Beitrag07.05.2026 , 19:20 Uhr
Nachtrag: Ich meine natürlich "kann diesbezüglich problematisch sein"
zum Beitrag07.05.2026 , 17:42 Uhr
Sie sagen hier mit vielen Worten sehr wenig substanzielles.
" Übrigens ist Rauchen auch nicht nachgewiesen physiologische Abhängigkeit und kaum jemand geht dafür ans Äußerste." Das ist schlicht falsch. Es gibt zahlreiche nachgewiesene physiologische Wirkungen, die Nikotin entfaltet, und die die Abhängigkeit plausibel erklären können. Lesen Sie z.B. hierzu das Kapitel zur Pharmakologie des Rauchens: www.dhs.de/fileadm...ngigkeit_BFREI.pdf
" Wieso konsumiert man denn überhaupt Zucker wenn er doch nachweislich nichts als schädlich ist?" Sie glauben gar nicht, wie seltsam diese Aussage für jemanden ist, der im Studium mal Biochemie gelernt hat. Zucker ist eine einfache, schnelle Energiequelle für Menschen. Die Energiebilanz für Zucker ist nicht sehr gut, aber Zucker kann schneller als andere Nährstoffe in Energie umgewandelt werden. "Nichts als schädlich" ist absurd.
" Diabetes ist also auch freie Entscheidung, falls man nicht damit geboren wird." Nein, Diabetes ist eine hauptsächlich genetisch bedingte Erkrankung, die im Falle von Typ 2 durch falsche Ernährung begünstigt werden kann.
zum Beitrag07.05.2026 , 15:48 Uhr
"Einmal geht es um den Wunsch des Gewillten, sterben zu wollen. Dieser sollte ihm gewährt werden." Das ist mir zu pauschal. Wenn jemand z.B. sagt: "Meine Familie sagt, ich würde ihr auf der Tasche liegen, also möchte ich gerne sterben, damit die es leichter haben" - sollte dieser "Wunsch" dann wirklich gewährt werden? Aktive Sterbehilfe ist immer auch etwas, was über dem Kopf von Leuten schwebt, die in schwierigen, aber prinzipiell lösbaren Situationen schweben. Bereits ärztlich assistierter Suizid kann diesbezüglich sein, aber bei aktiver Sterbehilfe sind die Hürden noch mal deutlich niedriger, weil die Leute sich nicht letzten Endes selbst töten müssen.
zum Beitrag06.05.2026 , 13:19 Uhr
Die Thematik ist sehr, sehr schwierig und hochkomplex. Ich persönlich finde jedoch, aus ärztlicher Sicht ist bei aktiver Sterbehilfe - also der direkten Verabreichung tödlicher Medikamente mit dem expliziten Ziel der Herbeiführung des Todes - durch den Arzt oder die Ärztin eine fundamentale Grenze überschritten. Das ist natürlich abzugrenzen von der Einstellung einer Therapie (z.B. dem Verzicht auf eine Magensonde oder auf eine Beatmung) oder der Inkaufnahme einer Lebensverkürzung als Nebeneffekt (z.B. der Verabreichung von Morphin im Sterbeprozess).
Ich kann den Sterbewunsch von terminal kranken Patient*innen durchaus nachvollziehen. Der Gedanke jedoch, als Arzt im Zweifel Patient*innen töten zu müssen, wäre für mich persönlich unerträglich, und ist für mich tatsächlich auch nur schwer mit dem "primum non nocere"-Grundsatz vereinbar. Das soll natürlich nicht die Menschen abwerten oder diffamieren, die hier dargestellt werden und das hier durchaus reflektiert beschreiben, ich sehe aber durchaus die Gefahr eines Dammbruches und des daraus folgend allzu leichtfertigen Rückzuges in den Tod als Ausweg aus einer schwierigen - auch ökonomisch schwierigen - Situation.
zum Beitrag06.05.2026 , 10:55 Uhr
Sorry, aber das glauben Sie doch selber nicht. "Fressen" ist normalerweise kein Wort, das in einem sachlichen Diskurs über das Verhalten von Menschen vorkommt. Im Grunde zeigen Sie gerade genau das Verhalten, das ich in meinem Ursprungskommentar kritisiere.
zum Beitrag05.05.2026 , 19:13 Uhr
Erstens: Wer entscheidet denn unter diesen Gesichtspunkten, wenn man ehrverletzend beschimpfen darf, und wen nicht? Die Grünen? Das Taz-Forum? Julian Reichelt? Wann ist die Schwelle erreicht, ab der "sich jemand nicht so anstellen soll"?
Zweitens: Habeck kann auch ganz gut austeilen. "Fetischhaftes Wurstgefresse" ist nun auch kein Beitrag zur Diskursabkühlung gewesen. Ob man ihn deshalb aber beschimpfen darf, ist eine andere Frage.
Drittens: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, worauf Sie mit dem "Aufzählen von Fakten" hier anspielen. Könnten Sie das bitte noch etwas weiter ausführen?
zum Beitrag05.05.2026 , 19:07 Uhr
Ich halte es nicht für respektlos gegenüber Sterbenden, Formulierungen in dieser Art zu verwenden. Ansonsten wäre es ja auch respektlos gegenüber Hypertonikern, wenn man sagen würde: "Wenn ich XYZ höre, krieg ich Blutdruck". Nicht alles, was auf etwas Bezug nimmt, ist dadurch respektlos den entsprechenden Personen gegenüber.
zum Beitrag05.05.2026 , 19:03 Uhr
Ich Dummerchen habe natürlich nur in Quellen wie DSM V (keine Zuckersucht) oder ICD-11 (keine Zuckersucht) geschaut, statt einfach zu googlen. Deshalb habe ich das nachgeholt. Erster Treffer: www.aok.de/pk/maga...-eine-zuckersucht/
Ich zitiere mal: "Bisher gibt es keine Studie, die eine Zuckersucht nachweisen konnte. Auch dass Süßes eine Sucht auslösen kann, gilt nicht als bewiesen. Dies liegt daran, dass man bei einer Sucht von einer physiologischen und psychologischen Abhängigkeit ausgehen muss. Typisch für eine Sucht ist außerdem, dass der Süchtige immer wieder versucht, Nachschub vom süchtig machenden Mittel zu bekommen, um die Entzugserscheinungen (zum Beispiel Schmerzen) zu verhindern – dafür ist er oft bereit, bis zum Äußersten zu gehen. Davon kann beim Zucker nicht die Rede sein."
zum Beitrag05.05.2026 , 06:16 Uhr
Man macht sich etwas vor, wenn man glaubt, Mélenchon sei es jemals darum gegangen, die extreme Rechte aufzuhalten. Er hat sich geweigert, im zweiten Wahlgang zur Wahl Macrons gegenüber Le Pen aufzurufen. Der Mann hat auch kein Interesse daran, die Linke zu vereinigen - außer unter seiner Fuchtel. Das merkt man schon daran, dass Menschen wie Rima Hassan, die trotz ihrer recht offenen Hamas-Sympathie in LFI noch gefeiert wird.
Hinzu kommt: Mélenchon ist ein EU-Gegner, ein privater Freund von Lafontaine und ein Russlandfreund. Er ist im Vergleich zu Bardella nicht die große Alternative, sondern die andere Kante des Hufeisens. Wäre ich Franzose und die Stichwahl wäre zwischen Mélenchon und Bardella, bliebe ich zuhause.
zum Beitrag04.05.2026 , 19:08 Uhr
Sorry, aber das ist Unsinn. Eine definierte Suchterkrankung für Zucker existiert - anders als für alle Substanzen, die wir als "Drogen" bezeichnen - nicht. Wenn man den Begriff auf alles erweitert, was ungesund für Menschen ist, aber von diesen gerne genutzt wird, dann kann man auch gleich Sofas als Drogen bezeichnen. Das erweitert den Begriff bis zur Sinnlosigkeit.
zum Beitrag04.05.2026 , 19:05 Uhr
Mal abgesehen davon, dass ich den Einwand, diese Redewendung sei "falsch", etwas pedantisch finde: "Schnappatmung" folgt oft dem Herzinfarkt und dem daraus folgenden Herzversagen. Da Aufregung akute Herzinfarkte auslösen kann, ergibt die Redensart auch in diesem Kontext Sinn: Jemand regt sich so sehr auf, dass er daran verstirbt.
zum Beitrag04.05.2026 , 18:59 Uhr
Nö, die Leute denken, die Politik würde sie unangemessen gängeln, und wenden sich ab oder wählen die AfD. Wenn Sie daran zurückdenken, wie sehr sich die Öffentlichkeit einst von einer (lächerlich geringfügigen) Forderung nach einem "Veggie Day" in Kantinen in Wallung bringen ließ, dann können Sie sich vielleicht ausmachen, wie die Reaktion auf einen tatsächlich signifikanten Eingriff dieser Art aussehen könnte.
zum Beitrag04.05.2026 , 16:33 Uhr
Das ist zwar ein durchaus interessanter Einwand, der aber mit der aktuellen Thematik sehr wenig zu tun hat, da die betreffenden Getränke, über die wir sprechen, meines Wissens nach kein Fett enthalten.
zum Beitrag04.05.2026 , 08:31 Uhr
Das sehe ich genauso. Ich finde es schon einigermaßen bedenklich, wie ganz gezielte staatliche Konsumsteuerung an einer Stelle, an der (anders als bei Zigaretten und Alkohol) nicht von einer klassischen Suchtentwicklung auszugehen ist und an der ein Konsum bereits durch Kinder und Jugendliche in problemlosem Umfang bereits jetzt möglich ist, gar nicht mehr groß hinterfragt wird. Die Grünen wollten vor kurzem die "neuen Liberalen" sein - davon scheint nicht viel übrigzubleiben. "Der Staat muss dich vor dir selber schützen" ist weder ein populäres, noch in einer Demokratie besonders überzeugendes Mantra.
zum Beitrag03.05.2026 , 20:35 Uhr
Ich habe zunehmend das Gefühl, dass Artikel zum Thema "Politiker*innenbeleidigung" grundsätzlich völlig anders ausfallen, je nachdem, um welche*n Politiker*in es geht. Der Doppelton aus "Merz, hab dich nicht so" und "schlimme rechte Hetze im Netz gegen linke Politiker*innen muss endlich gestoppt werden" ist für mich schwer verdaulich.
Entweder ein*e Politiker*in muss ehrverletzende Angriffe einfach ertragen, oder nicht. Muss er oder sie dies, dann kann man sich gerne über Merz auf diese Art lustig machen - darf dann aber nicht wieder jammern, wenn z.B. ähnlich schlimme Dinge über Heidi Reichinnek oder Robert Habeck geäußert werden. Muss er oder sie dies NICHT ertragen, dann ist Häme gegenüber Merz in dieser Hinsicht völlig fehl am Platz.
P.S.: "Das war so um Ostern herum und jeder würde sofort an Ostereier denken." - Genau, und wenn Ikkimel immer wieder sagt, sie sei eine "Fotze", redet sie bestimmt breites bayrisch und meint, sie sei ein großer Mund.
zum Beitrag01.05.2026 , 19:41 Uhr
Das meine ich gar nicht. Wenn Leute, die sich nicht gut kennen, miteinander Sex haben, ist da natürlich ein sehr hohes Maß an Kommunikation nötig und sinnvoll. Ich will eher darauf hinaus, dass es bei Leuten, die z.B. seit Jahrzehnten zusammen sind, relativ normal ist, dass nicht jede einzelne Handlung besprochen werden muss. Deshalb fordert die geplante "Ja heißt ja"-Regelung ja auch keine "ausdrückliche" Zustimmung, sondern eine implizite reicht in der Regel aus, und darauf wollte ich hinaus.
zum Beitrag01.05.2026 , 19:36 Uhr
Schon klar. Dennoch ist es in einer Zeit, in der "Brüssel" oft als Regulierungsmonster gesehen wird und Rechte vielerorts antieuropäische Stimmung machen, aus meiner Sicht strategisch etwas ungeschickt, wenn man ausgerechnet bei diesem Thema öffentlichkeitswirksam Vorgaben macht - selbst wenn diese nicht bindend sind (können sie auch gar nicht sein, da Strafrecht in der EU komplett national geregelt wird). Aber es gibt sicherlich schlimmere Fehler, die kommunikativ gemacht werden, und inhaltlich ist der Vorstoß ja völlig in Ordnung.
zum Beitrag01.05.2026 , 19:32 Uhr
Ja, das klingt überzeugend. Wie gesagt, inhaltlich habe ich keinen Dissens mit "Ja heißt ja" - und was Sie vorbringen, klingt für mich plausibel. Vielleicht unterschätze ich tatsächlich, wie sehr sich das in der Praxis auswirkt - da die Regelung, denke ich, früher oder später kommen wird, werden wir es wahrscheinlich erleben.
zum Beitrag01.05.2026 , 12:46 Uhr
Das mit dem "ausdrücklichen" Ja ist so eine Sache. Wenn ich die Ansätze richtig verstanden habe, ist der Ansatz, dass ein zustimmendes Signal ausreichen KANN (abhängig vom konkreten Kontext). Es ist also kein "ausdrückliches" (also explizites) Ja nötig, sondern ein implizites. Ansonsten müsste man ja tatsächlich vor jeder einzelnen Handlung explizit nachfragen, was ziemlich unrealistisch wäre.
Ich habe kein Problem mit der "Ja heißt ja"-Regelung, glaube allerdings nicht, dass sie viel bringt - die meisten Fälle werden immer noch in "Aussage gegen Aussage"-Fällen enden, und von den wenigen Fällen abgesehen, in denen jemand tatsächlich durchgehend völlig "erstarrt" und weder verbal noch nonverbal eine Ablehnung zum Ausdruck bringen kann, dürfte die Regelung in den wenigsten Fällen einen entscheidenden Unterschied ausmachen.
Das sich jetzt die EU diesbezüglich engagiert, finde ich allerdings fragwürdig, denn eigentlich hat die EU kein Recht, ihren Staaten das Sexualstrafrecht vorzuschreiben.
zum Beitrag01.05.2026 , 10:17 Uhr
Das ist schon ein Statement: "Wer konservativen Journalismus will, kann ja Julia Ruhs anschauen" - und darunter ist ein Meinungsbeitrag verlinkt, in dem der (damals scheinbar dem Stand der Dinge entsprechende) Rauswurf von Julia Ruhs als "Qualitätssicherungsmaßnahme" bejubelt wird.
Es gibt zudem mehrere Studien, die zeigen, dass Journalist*innen deutlich überproportional progressiven Parteien zuneigen. Das muss man nicht generell für ein Problem halten, aber zumindest der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll eben das gesamte demokratische Meinungsspektrum abdecken - und wenn man sich mal anguckt, was für einen Wirbel dezidiert konservative Kommentare in der "Tagesschau" bis heute teilweise verursachen, dann sehe ich da durchaus ein gewisses Ungleichgewicht.
zum Beitrag28.04.2026 , 06:42 Uhr
"Denn sie klaut nicht beim unabhängigen Klamottenladen oder dem Restaurant von nebenan, sondern bei großen Unternehmen. Es ist also auch ein Versuch ein kleines bisschen Gerechtigkeit herzustellen." Wenn man dann nachts besser schlafen kann. Ich bin mir sicher, einige der CumEx-Banker werden sich untereinander auch erzählt haben, dass sie das Geld ja niemandem wegnehmen, sondern nur verhindern, dass der "böse Staat" es ihnen wegnimmt. Wenn man "Gerechtigkeit herstellen" wollte, würde man das Geklaute an die Tafel spenden. Macht komischerweise keiner.
Linke reden in der Regel davon, dass sie in einer regelbasierten Welt leben wollen, in der Reiche tatsächlich an die Regeln gebunden sind. Das ist ein schönes Ziel. Wer aber selbst die Regeln (ohne echte Not) bricht, weil man gerne Dinge haben möchte, die man sich eigentlich nicht leisten kann, der kann sich nicht beklagen, wenn Andere das im Rahmen ihrer Möglichkeiten dann eben auch tun, wenn diese Möglichkeiten viel größer sind. Das zeigt für mich nur, dass die einzige Ungerechtigkeit, die viele empfinden, jene Ungerechtigkeit ist, dass sie selbst weniger bekommen, als sie "verdienen".
zum Beitrag27.04.2026 , 12:14 Uhr
Warum Sie hierfür spezifisch eine bedingte Wahrscheinlichkeit benötigen, verstehe ich nicht. Um zu berechnen, wie viele Prozent der Männer (nach Ihrer Definition) Täter sind, erfüllt es keinen zusätzlichen Zweck, die Wahrscheinlichkeit dafür, dass jemand ein Mann ist, als Bedingung in die Berechnung aufzunehmen. Wenn Sie von vornherein nur die Subpopulation "Mann" anschauen, können Sie die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die betrachtete Person ein Mann ist (=Bedingung) einfach mit 1 angeben und rauskürzen.
Selbst dann scheitern Sie aber am fundamentalen Problem, dass Sie die A-priori-Wahrscheinlichkeit für das Ereignis "Mann wird zum Täter" gar nicht seriös angeben können, weil Ihnen die Daten dazu schlicht fehlen - denn Sie können, wie schon vorher gesagt, die Wahrscheinlichkeit für dieses Ereignis (P(A)) nicht einfach aus der Zahl der Opfer herleiten, weil diese Zahlen logisch nicht direkt zusammenhängen. Somit ist eine Berechnung anhand Ihrer Daten nicht seriös möglich.
zum Beitrag26.04.2026 , 22:05 Uhr
Welche konstruktive Selbstkritik kann ein Mann, der keine Straftaten begeht, aus diesem Kommentar herleiten?
zum Beitrag26.04.2026 , 21:55 Uhr
Männer stecken bei dieser Rhetorik in einem Catch 22 - verschweigen sie ihren Frust, sind sie toxische Männer ohne gesunde Prozesse zur Emotionsverarbeitung, äußern sie sich aber verletzt, sind sie fragile Männer, die sich nicht so anstellen sollen. So kann man auf beide Gruppen gleichzeitig herabblicken.
zum Beitrag26.04.2026 , 19:30 Uhr
"Da hapert es aber gewaltig an der Logik. Nur ein Beispiel: Wenn 2 von 3 Frauen in Deutschland sexuelle Belästigung erfahren haben, kann von einer Mehrheit von rechtschaffenden Männern in Deutschland kaum mehr die Rede sein."
Sie werfen jemandem vor, dass es an der Logik hapere, indem Sie einen logischen Fehlschluss begehen. Die Aussage: "Zwei Drittel aller Frauen haben sexuelle Belästigung durch Männer erfahren" sagt tatsächlich rein gar nichts über den Anteil der Männer aus, die diese Belästigungen begehen.
Um das mal an einem Gedankenexperiment zu illustrieren: Stellen Sie sich vor, hundert Frauen begegnen an einem Arbeitstag jeweils den gleichen insg. hundert Männern. Zufällig kommen alle diese hundert Frauen zu unterschiedlichen Zeitpunkten an diesem Tag an einer Mauer vorbei, auf der ein betrunkener Mann sitzt. Dieser belästigt alle vorbeigehenden Frauen sexuell (durch klassisches "Catcalling"). An diesem Tag haben im genannten Beispiel alle (!) erfassten Frauen sexuelle Belästigung durch Männer erfahren - der Anteil der Männer, die diese begangen haben, liegt jedoch bei einem Prozent.
zum Beitrag26.04.2026 , 17:16 Uhr
" Alle ergeben ein eindeutiges Bild. Die große Mehrheit der Männer hierzulande verhält sich alles andere als rechtschaffend."
Das ist schlicht unwahr, das folgt aus den Statistiken nicht. Laut verlinktem Artikel zur PKS gab es 2025 5,5 Millionen erfasste Fälle von schweren Gewalttaten in Deutschland. Nehmen wir mal an, jeder dieser Fälle wäre jeweils von einem einzelnen, immer anderen Täter tatsächlich begangen worden (was unwahrscheinlich ist). Nehmen wir zusätzlich (um die Rechnung zu vereinfachen) an, dass nicht 80%, sondern 100% der Täter Männer wären. Nehmen wir zudem an, dass das Dunkelfeld der nicht erfassten Fälle noch mal doppelt so hoch ist (also 11 Millionen), und das auch hier alle Taten jeweils von einem anderen Mann begangen wurden, insgesamt also 16,5 Millionen Männer eine schwere Straftat begangen hätten. Selbst in dieser (groben und für Männer absurd negativ überzeichneten) Statistik blieben von den 41,2 Millionen Männern in Deutschland immer noch eine deutliche Mehrheit (24,7 Millionen), die KEINE entsprechende Straftat begangen hätten. Über diese Mehrheit sagt diese Statistik - und auch die weiteren von Ihnen genannten Statistiken - schlicht nichts aus.
zum Beitrag26.04.2026 , 11:13 Uhr
Die Antwort auf Ihre rhetorische Frage lautet offenkundig "nein". Sie haben hier aber keinen "Bericht" verfasst, sondern einen "Kommentar", also nicht nur die Statistiken widergegeben, sondern Ihre Meinung hinzugefügt. Meine Kritik bezieht sich - aus meiner Sicht offenkundig - auf den Meinungsanteil und nicht auf die zugrundeliegende Statistik. Und dieser nutzt praktisch den gesamten Baukasten einer Sprache, die bei anderen in der Kriminalstatistik überrepräsentierten Gruppen in dieser Form so niemals akzeptabel wäre - würden Sie z.B. nicht Männer, sondern Migrant*innen oder Arbeitslose als "haarige Monster" bezeichnen, wäre dieser Kommentar hier nie erschienen, und das ist auch gut so.
Diese rohe Sprache ersetzt zudem keine Analyse, die für mich in diesem Kommentar nicht erkennbar über "Männer sind schlecht" hinausgeht.
zum Beitrag25.04.2026 , 20:29 Uhr
Die Taktik, Menschengruppen zu beschimpfen, und dann "Oh, da wurde wohl ein Nerv getroffen, mimimi!" zu rufen, wenn diese sich darüber beschweren, kenne ich ganz gut von den radikaleren Rechten. Krah und Höcke machen das z.B. gerne - ist eben eine beliebte Trolling-Taktik, wenn man in der Substanz verliert.
zum Beitrag25.04.2026 , 11:00 Uhr
Ich frage mich manchmal wirklich, wie manche Taz-Autor*innen einschätzen, wie ihre Artikel und Überschriften auf eine nicht bereits von einer spezifischen Richtung des Feminismus überzeugten Person wirken - oder ob sie dieses überhaupt interessiert. Ich glaube, vor einem jungen Mann, der liest, das Männer an sich alle schlimme Verbrecher sind, und sich denkt: "Ja, das ergibt Sinn", hätte ich mehr Angst, als vor einem jungen Mann, der darauf abgeschreckt und irritiert reagiert.
Man darf diese halbsatirischen Texte (die gerade genug Satire enthalten, um klar durchscheinen zu lassen, dass der Autor es im Kern eigentlich ernst meint) für die eigene Bubble ja schreiben. Meine persönliche Meinung ist aber, dass man dadurch die Welt ein bisschen schlechter macht, weil man jungen Männern dadurch vermittelt, dass die muskulösen Manosphere-Vollpfosten, die ihnen erzählen, dass Feminist*innen sie sowieso hassen und sie diese deshalb ignorieren sollten, damit nur bestätigt werden. Ironisch dabei ist, dass gegenüber dieser Gruppe immer wieder genau die Empathie völlig fehlt, die von Männern in diesen Artikeln (vorgeblich) eingefordert wird.
zum Beitrag24.04.2026 , 14:44 Uhr
Ich habe kein Problem damit, mein Selbstverständnis zu hinterfragen. Genausowenig habe ich ein Problem damit, patriarchale Strukturen und meinen Anteil an deren Aufrechterhaltung kritisch zu durchleuchten. Aber es gibt eine klare Grenze, und die ist überschritten, wenn Menschen kategorisch abgewertet werden. Wenn man sagt: "Man sollte sich von Männern fernhalten, weil diese statistisch gewalttätiger sind" ist eine "logische Schlussfolgerung", dann ist es: "Ich nähere mich Ausländern nicht, weil diese statistisch gewalttätiger sind" auch. Ich halte beides für holzschnittartig und plump.
Und "die Statistiken in den richtigen Kontext einzubetten und Ursachenforschung zu betreiben" ist ja genau das, was ich einfordere. Das ist aber nicht das, was jemand tut, der von "boysober" oder "Das Risiko Mann" spricht, denn wer das tut, schaut sich die Zahlen an und zieht die erste Schlussfolgerung, ohne genauer hinzusehen, und genau darauf will ich hinweisen.
zum Beitrag24.04.2026 , 11:31 Uhr
Ich will auch gerne einen starken Sozialstaat und dafür mehr bezahlen. Ich will darüber hinaus gerne reich sein, nicht mehr arbeiten müssen und jeden Tag lecker Steak essen.
Ich will das gar nicht übermäßig ins Lächerliche ziehen. Mich erinnert aber dieses Muster an die Umfragen zu Klimaschutz: Angeblich wollen alle mehr Geld bezahlen, um das Klima zu retten, wenn es aber ins Konkrete dient, dann ist plötzlich jedem das Hemd näher als die Hose.
Wenn man wirklich einen stärkeren Sozialstaat will (und das will ich zum Beispiel), dann benötigt es eine Partei, die ein tragfähiges und konkretes Konzept vorlegt, also klar sagt, wer wie viel mehr für was bezahlen soll. Und wenn diese Partei dann keiner wählt - eine Erfahrung, die gerade die SPD immer wieder machen musste - dann darf man sich dann aber auch nicht einfach nur an diese Studien klammern und sagen, eigentlich wollten die Leute ja was ganz Anderes als das, was sie immer wieder gewählt haben. (Und bitte komme mir jetzt keiner mit der Linken, die versucht gar nicht erst, ihre Konzepte realitätstauglich zu machen, weil sie gar nicht regieren will).
zum Beitrag24.04.2026 , 09:57 Uhr
Das sehe ich genau wie Sie, und auf der Ebene zu diskutieren, macht mir auch nichts aus. Ich habe selbst im persönlichen und beruflichen Umfeld genug Sexismus gegenüber jungen Frauen erlebt, um das auch für dringend notwendig zu halten, diesen zu thematisieren und zu überwinden. Patriarchale Strukturen sind in unserer Gesellschaft offenkundig vorhanden, und ich habe mit Sicherheit auch schon von diesen profitiert - und das ist ein Problem.
Wenn aber die Ebene erreicht wird, wo aber einfach nur immer wieder plump "Das Risiko Mann" geschrieben wird, dann bin ich eben raus, denn ich finde das weder differenziert genug noch konstruktiv. Das Hinterfragen von Privilegien darf nicht mit der pauschalen Abwertung der privilegierten Menschen einhergehen.
zum Beitrag24.04.2026 , 07:26 Uhr
Ich kann dazu nur sagen: Ich habe dieses Art zu diskutieren langsam satt und die hundert Artikel und Kommentare zur Frage, ob der Mann an sich ein Ungeheuer sind, tragen sicher nicht dazu bei, mich damit weiter auseinandersetzen zu wollen. Und, nur, um das mal zu bemerken: "Peglow spricht von Statistiken – und die sprechen nun mal nicht für die Männer. Wer das nicht aushält, ist selbst Teil des Problems." Wenn man das so banal runterbricht, sprechen die Statistiken auch nicht für schwarze Menschen in Amerika oder Migrant*innen in Deutschland. Das man diese vulgäre, oberflächliche Statistikanalyse mit Zähnen und Klauen bekämpft, wenn es um diese Gruppen geht, aber beim Thema "Männer" plötzlich immer wieder hervorholt, provoziert bei mir nur ein Kopfschütteln. Wenn man wirklich daran interessiert ist, die Situation zu verbessern, muss man mit dem Mikroskop hinschauen und nicht mit den Scheuklappen.
Ich werde jedenfalls nicht anfangen, mich für etwas zu schämen, was ich nicht beeinflussen kann - genausowenig wie es Schwarze in Amerika oder Migrant*innen in Deutschland sollten.
zum Beitrag23.04.2026 , 17:05 Uhr
Das ist eine verdrehte Widergabe der Tatsache. Die Republikanische Partei hat in mehreren Bundesstaaten massives Gerrymandering betrieben, um sich der Repräsentation ihrer politischen Gegnern zu entledigen. Jetzt gab es in den Bundesstaaten Kalifornien und Virginia als Reaktion (!!!) darauf eine Reform der Wahlkreise, die dieses Gerrymandering mit gleichen Mitteln bekämpft - während die Demokraten im Kongress einen Gesetzesvorschlag unterbreiten, der das Gerrymandering durch Parteien regulieren soll, aber von den Republikanern seit Jahren blockiert wird. Das hier ist KEIN "beide Parteien"-Problem, außer, man erwartet von den Demokraten ernsthaft, dass sie auf die Entdemokratisierungsversuche der Republikaner mit dem gehobenen Zeigefinger und einem entschiedenen: "Oh, das macht man aber nicht!" reagieren.
zum Beitrag23.04.2026 , 12:06 Uhr
Die aus meiner Sicht richtige Reaktion ist das, was die Amadeu-Antonio-Stiftung auch getan hat: Das Projekt vorerst einstellen, sich entschuldigen, und den Vorfall aufarbeiten. Alles darunter wäre aus meiner Sicht zu wenig gewesen.
Und dass man sich bei der AfD über den Vorfall gefreut haben dürfte, weil er die Möglichkeit bietet, mal wieder gegen Queere zu hetzen, steht auch außer Frage. Aber das sollte einen nicht "mannschaftssportartig" dazu bringen, dann den Vorfall selbst zu verharmlosen, nur, weil Rechte ihn ausnutzen.
zum Beitrag23.04.2026 , 12:02 Uhr
Sie spielen hier Wortspiele. Wenn verantwortliches Personal in der Schule Material austeilt, dann zeigt sie dadurch den Schüler*innen dieses Material. Und laut Artikel ist genau das passiert. Ganz unaufgeregt und sachlich.
Dass die Verantwortlichen angemessen reagiert haben, habe ich in meinem Kommentar schon geschrieben.
zum Beitrag23.04.2026 , 11:58 Uhr
Wir befinden uns aber nicht in Norwegen, der Schweiz, Schweden oder Dänemark, sondern in einem Land, in dem Pornographie ab 18 freigegeben ist und Leute ihre Kinder mit der Erwartung an die Schule schicken, dass diese dort ebensowenig pornographische Inhalte gezeigt bekommen wie die "Saw"-Filme oder "Human Centipede".
Und es ist ein himmelweiter Unterschied, ob ein*e Jugendliche*r sich aus eigenem Antrieb heraus verbotenerweise Pornos anschaut, oder ob diese in der Schule durch verantwortliches Personal verfügbar gemacht werden. Ich glaube, darauf können wir uns einigen.
zum Beitrag22.04.2026 , 09:26 Uhr
Liebe Mitkommentator*innen,
man muss wirklich nicht jeden Mist verteidigen, nur, weil die Protagonist*innen auf der "richtigen" Seite stehen oder einem sympathisch sind. Minderjährigen in der Schule Pornos zu zeigen ist so offenkundig inakzeptabel, dass man sich das Schreiben von Kommentaren der Marke: "Stellt euch nicht so an" wirklich verkneifen sollte. Die Reaktion der Amadeu-Antonio-Stiftung, dem Projekt sofort die Finanzierung zu streichen und sich für den Vorfall zu entschuldigen, ist völlig angemessen.
P.S.: Damit keiner damit hier ankommt, ist es vielleicht eine wichtige Zusatzinformation, dass das hier beschriebene Projekt NICHT durch das "Demokratie leben"-Programm (und somit durch öffentliche Fördermittel) gefördert wurde.
zum Beitrag20.04.2026 , 22:12 Uhr
Entschuldigung, aber bei Geld, das bereits regelmäßig gezahlt wird, ist "das Geld gibt es gar nicht, wo wollen Sie das herzaubern" ein sehr seltsames Argument. Der Unterschied ist nur, wer die Zeche zahlt - die gesetzlich Versicherten oder alle Steuerzahler.
Ich habe da eine klare Präferenz.
zum Beitrag20.04.2026 , 20:17 Uhr
"Außerdem traut er sich an ein Problem, das allen reichen Ländern gemein ist: Einwanderer ohne Papiere. Während überall in der EU auch die Sozialdemokratie nicht davor zurückschreckt, von härterem Vorgehen gegen Immigranten zu reden." Die undokumentierten Einwanderer in Spanien sind überwiegend katholische Lateinamerikaner*innen mit spanischer Muttersprache. Das ist ein bisschen eine andere Hausnummer als Menschen, die aus völlig anderen Kulturkreisen kommen und eine völlig andere Sprache sprechen.
zum Beitrag18.04.2026 , 15:41 Uhr
Wenn Menschen nicht vor der Trennung zum Therapeuten gehen, dann kann man da auch nicht "ansetzen". Sie können ja nicht auf Verdacht bei allen Familien einfach klingeln und fragen: "Guten Tag, brauchen Sie Familientherapie?".
Die niedrige Geburtenrate ist zudem ein globales Phänomen, dass mit sinkender Kindersterblichkeit überall zu finden ist.
zum Beitrag18.04.2026 , 10:03 Uhr
Dass dieser Grundsatz rein rechtlich längst besteht, ist mir natürlich bewusst, ich behaupte aber, dieser Grundsatz war immer nur ein de jure-Grundsatz, an den sich zu keinem Zeitpunkt gehalten wurde. Die Sowjetunion hat quasi von Tag 1 an diesen Grundsatz ignoriert, indem sie alles dafür getan hat, die Souveränität der späteren Ostblock-Staaten den eigenen Interessen unterzuordnen. Die Amerikaner und Briten mit ihren Interventionen in z.B. Guatemala oder Persien waren nicht zimperlicher. Und das Problem mit dem vorgesehenen Durchsetzungsmechanismus ist aus meiner Sicht, dass er in der überwiegenden Mehrheit der Fälle nicht funktioniert - und wenn er es doch mal tut, dann naturgemäß immer nur dann, wenn die Großmächte nicht direkt involviert sind. Das Vetorecht der Großmächte im Sicherheitsrat stellt dies sicher, und dieses Vetorecht will niemand aufheben, um sich nicht selbst zu schaden. Das Problem ist, dass, solange Staaten Interessen haben - und diese überschneiden sich in Demokratien erstaunlich oft, wenn auch nicht immer, mit den Interessen ihrer Bevölkerung - ein Völkerrecht, wie hier entworfen, keinen realen Bestand haben wird, sondern ein schönes Konzept ohne Macht bleibt.
zum Beitrag18.04.2026 , 09:57 Uhr
Das Problem ist in Deutschland, dass an sehr vielen Stellen einfach bei der Verkehrsplanung überhaupt nicht auf verschiedene Verkehrsmittel Rücksicht genommen wurde. Hier in meiner Stadt gibt es ein paar Kurven, bei denen man einfach an schlecht übersichtlichen Stellen quer über den Fahrradweg fahren muss, um dort entlang zu kommen. Ich habe da jedes Mal Bammel, wenn ich da rüberfahre - auch wenn ich sehr aufmerksam gucke. Tempo 30 würde da nicht helfen, es bräuchte an vielen Stellen auch einfach sicherere Fahrbahnführung und eine klarere Trennung von Radwegen, wie ich es vielerorts aus meiner Geburtsstadt Hannover kenne.
zum Beitrag18.04.2026 , 09:52 Uhr
Vorab: Ich verstehe Ihre Sorge um Ihren Sohn.
Sie müssten allerdings jetzt bitte noch erklären, was ein Abbiegeunfall eines LKWs mit der Forderung nach Tempo 30 flächendeckend zu tun hat. Ich halte es für ziemlich unwahrscheinlich, dass der LKW beim Abbiegen mehr als 30 fuhr. Diese klassischen Abbiegeunfälle durch LKWs sind IMMER eine Gefahr.
zum Beitrag18.04.2026 , 09:36 Uhr
Als Mittrekkie hoffe ich bei Ihrem Nickname, dass Sie gerne ein "einfacher Schneider" werden wollen - und wünsche Ihnen so oder so alles Gute!
zum Beitrag18.04.2026 , 00:34 Uhr
Naja, ich glaube, als jemand, der selbst Medizin studiert hat, kann ich mir erlauben, zu sagen, dass das für jemanden, der halbwegs fleißig ist, schon auch ohne Liebe und Begeisterung ganz gut möglich ist. Das Studium ist zwar sehr arbeitsintensiv, aber ansonsten eher leichter als naturwissenschaftliche Studiengänge. Man muss eben viel büffeln, dann kommt man durch. Und die Spezies "Arztkind aus Arztfamilie soll Praxis von Mama/Papa übernehmen" trifft man im Medizinstudium durchaus öfter an.
zum Beitrag17.04.2026 , 21:01 Uhr
Ja, volle Zustimmung. Eine Kürzung der Mittel für Kinder und Jugendliche ist schon alleine volkswirtschaftlich kurzsichtig - von der Gerechtigkeitsproblematik, wenn man gerade bei den Alleinerziehenden kürzt, mal ganz abgesehen.
zum Beitrag17.04.2026 , 20:59 Uhr
"Dass das eine schräge Haltung für Linke ist, sollte klar sein."
Das finde ich eine durchaus interessante Schlussfolgerung, vor allem angesichts dessen, dass diese "Verteidigung des Porschefahrens" ebenfalls fleißig in der Taz stattfand: taz.de/Shitstorm-u...ine-Wahl/!6109228/
zum Beitrag17.04.2026 , 20:35 Uhr
Ich habe sehr konkrete Kritikpunkte genannt. Sie kommen mir jetzt als Antwort quasi mit: "Oh, sind Sie etwa getriggert?". Das finde ich ein bisschen schwach.
Es gibt in diesem Land viele Leute, die aus armen Verhältnissen kommen, und bei denen das "Zocken" mit der Chance zu studieren weniger attraktiv ist, weil das Leben in Armut keine theoretische Möglichkeit ist, sondern eben lange gelebte Realität. Den Leuten das noch zum Vorwurf zu machen (und ihnen nebenbei zu unterstellen, sie könnten nicht kritisch denken) halte ich für unangemessen. Wenn man aus einem Hintergrund kommt, wo man sich relativ sicher sein kann, so oder so nicht dauerhaft von Hartz IV leben zu müssen, dann sagt sich so was eben leichter.
zum Beitrag17.04.2026 , 14:41 Uhr
Also, grundsätzlich finde ich es sehr lobenswert, sich etwas mehr für das Prestige der (wichtigen!) Geistes- und Kulturwissenschaften einzusetzen. Der arrogante Ton dieser Kolumne ist jedoch äußerst unangenehm, da unterstellt wird, man könne "kritisch denken" nur durch ein Studium der Geisteswissenschaften erlernen. Das ist jedoch völlig weltfremd und im Endeffekt eine Herabwürdigung vieler kluger Menschen.
Mein persönlicher Eindruck ist hingegen, dass eine gewisse Interdisziplinarität hilfreich ist. Man kann deutlich intelligenter über z.B. die Ethik von Abtreibungen diskutieren, wenn man die zugrundeliegende Biologie ebenso versteht wie die relevanten ethischen Prinzipien und Maßstäbe. Das gleiche gilt für viele andere Sachen - die Frage, unter welchen Umständen eine Coronaimpfung sinnvoll ist, kann kein*e Geisteswissenschaftler*in ohne zusätzliche naturwissenschaftliche Kenntnisse kritisch evaluieren.
Mal abgesehen davon ist: "Folgt euren Träumen" ein Ratschlag, bei dem einem klar sein muss, dass er für viele Menschen nicht funktioniert. Wenn man ein familiäres Sicherheitsnetz hat, das einen im Zweifelsfall auffängt, ist das deutlich leichter, als wenn man das nicht hat.
zum Beitrag17.04.2026 , 14:33 Uhr
Kann ich genausowenig, wie Sie beweisen können, das ich existiere und nicht nur ein Figment Ihrer Vorstellungskraft bin, welche als Boltzmann-Gehirn in einem Labor herumliegt. Das ist ein Totschlagargument. Ich glaube, wir können uns durchaus darauf einigen, das menschliche Kunst eine emotionale Komponente hat, die KI - Stand jetzt - nicht einmal simulieren kann.
zum Beitrag17.04.2026 , 14:27 Uhr
Joa, ziemlich genau das meine ich weiter oben in meinem Kommentar: "Wieso sollte ICH solche Nachbarn neben MIR haben wollen, die nur das nachbarschaftliche Klima vergiften würden." - mit anderen Worten: Wenn die woanders wohnen, dann ist es nicht mein Problem. Als ob Nius, deren Wirkung zu 99% im Internet stattfindet, irgendwie dadurch eingeschränkt wäre, woanders hinziehen zu müssen. Finde ich weder sinnvoll noch links, dieses Denken.
zum Beitrag17.04.2026 , 11:02 Uhr
Hinzuzufügen ist, dass "Coach" kein geschützter Begriff ist, und jede*r Leser*in dieses Artikels sich nach dessen Lektüre daher ebenfalls "Zyklus-Coach*in" nennen dürfte. Insofern wäre diese Info durchaus entscheidend.
zum Beitrag17.04.2026 , 11:00 Uhr
Es gab nie ein "Völkerrecht der Gleichen", und das wird es auch niemals geben, es sei denn, alle Staaten der Erde schlössen sich in einem Mechanismus zusammen, der die Möglichkeit beinhaltet, Brüche des Völkerrechtes mit Gewalt zu ahnden. Das ist aber gar nicht realistisch, weil dafür das Potenzial einzelner Mächte, die Welt in ein Armageddon-Szenario zu stürzen, viel zu groß ist.
Zu glauben, man könne ein solches Völkerrecht erreichen, indem man globale soziale Gerechtigkeit befördert, klingt sehr nach altmarxistischer Romantik á la "Solidaritätslied" ("reden erst die Völker selber, werden sie schnell einig sein"). Das Problem dabei ist, dass die Interessen der "Oligarchie" und die Interessen des Restes im Zweifel erstaunlich deckungsgleich sein können. Wenn Sie in Deutschland z.B. plötzlich den Zugang zu Öl deutlich erschweren (siehe aktuelles Szenario), ist es keineswegs die "Oligarchie", die darunter am meisten leidet. Genausowenig, wie nur "die Oligarchie" von den ungleichen Handelsbedingungen, die wir der sog. "dritten Welt" aufzwingen, profitiert - wer das glaubt, lügt sich in die Tasche. Die Oligarchie kann sich Bananen auch noch leisten, wenn sie 10€ statt 40 Cent kosten
zum Beitrag17.04.2026 , 09:12 Uhr
Schön, dass Sie die Frage gleich selbst beantworten. Ich selbst war noch nicht dort - habe aber mehrere gute Freunde, die dort in eher ländlichen Regionen wohnen, und frage in der Regel diese, wenn ich wissen will, wie dort etwas läuft.
zum Beitrag17.04.2026 , 09:11 Uhr
Genau darauf wollte ich hinaus, ja. Deshalb ja auch "mehr ÖPNV auf dem Land" etc. - und Carsharing auf dem Land fehlt es zum Teil einfach an Zuverlässigkeit, weil man sich eben nicht drauf verlassen kann, dass immer eins da ist, wenn man es braucht.
zum Beitrag16.04.2026 , 22:10 Uhr
Auch, wenn ich mich von der Linken als Partei inzwischen deutlich entfremdet habe, wünsche ich Herrn van Aken selbstverständlich alles Gute und eine gute Gesundheit - und glaube, dass es für die Linke ein Verlust ist, dass er sein Amt aufgibt.
zum Beitrag16.04.2026 , 18:03 Uhr
Singapur und Japan sind schon deshalb sehr schlechte Beispiele, weil diese ungleich dichter besiedelt sind als Deutschland. Singapur ist sogar auf Platz zwei der am dichtesten besiedelten unabhängigen Staaten der Welt (hinter Monaco). Solche Beispiele auf Deutschland zu übertragen ist, offen gesagt, ziemlich weltfremd.
Ich bin nicht gegen mehr ÖPNV und Carsharing auf dem Land. Ich bin, wie Sie, der Meinung, dass in dieser Hinsicht in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden. Aber bitte verzichten Sie doch auf solche Vergleiche.
zum Beitrag16.04.2026 , 14:41 Uhr
Nius ist in Kreuzberg genauso ein unangenehmes Hetzportal, wie es das in Buxtehude oder Hintertupfingen wäre. Solche Proteste haben etwas NIMBYhaftes, was letzten Endes Nius im besten Falle etwas nervt, ihnen aber auch die Chance gibt, sich mal wieder als Opfer zu inszenieren. Sollte man lieber lassen und lieber gegen Nius an sich protestieren.
zum Beitrag16.04.2026 , 13:41 Uhr
Schön zu sehen, dass die Grünen, die sich neuerdings als "Stimme des Liberalismus" sehen wollen, dies bei den eigenen Herzensangelegenheiten dann doch lieber nicht so genau nehmen. Das grundsätzliche Weigerungsrecht von Institutionen, Abtreibungen durchzuführen, kann man tatsächlich kritisch sehen - ich würde aber argumentieren, dass, von Sonderfällen wie in Lippstadt abgesehen, es eher selten vorkommt, dass ein*e Gynäkolog*in, der oder die unbedingt Abtreibungen anbieten möchte, dann in einem katholischen Krankenhaus arbeitet. Ich vermute deshalb, dass der Effekt einer solchen Maßnahme sich vielerorts nicht wesentlich auswirken wird - so dass dann als nächstes über das individuelle Weigerungsrecht diskutiert werden wird, schließlich darf man sich anderen medizinischen Maßnahmen auch nicht aus Gewissensgründen pauschal verweigern.
zum Beitrag16.04.2026 , 13:24 Uhr
Der Nachteil eines direkt steuerfinanzierten Gesundheitssystems ist, dass die Politik sehr viel direktere Einflussmöglichkeiten hat. Dann kann schnell so etwas rauskommen wie in Großbritannien, wo das Gesundheitssystem bewusst und dauerhaft unterfinanziert ist, sehr viel mehr als hier. Und wollen wir wirklich, dass eine Bundestagsmehrheit einfach entscheiden kann, dass es z.B. ab 75 Jahren keine neue Hüfte mehr gibt?
zum Beitrag13.04.2026 , 17:39 Uhr
Wenn Sie denken, dass Menschen, die bei Hochgeschwindigkeitsunfällen mangels Sitzgurt durch die Gegend geschleudert werden, "wirklich nur sich selbst gefährden", dann haben Sie nicht genug über das Thema nachgedacht. Ich hätte wenig Lust, bei einem Unfall einen meiner Mitmenschen ins Gesicht zu bekommen.
zum Beitrag12.04.2026 , 00:11 Uhr
Das ist im Iran nicht "im Moment" so, sondern seit 47 Jahren. Und solange dort die Mullahs regieren, wird das auch so bleiben. Das zu ändern, ist ungefähr so realistisch, als würden Sie den IS zu religiöser Toleranz auffordern.
zum Beitrag11.04.2026 , 12:01 Uhr
Weil den Iran die Siedler, die Nakba und das Rückkehrrecht nicht interessieren, genausowenig wie eine Zweistaatenlösung. Der Iran hat die Vernichtung Israels zum Ziel, und hat da nie einen Hehl draus gemacht. Zu glauben, man könnte den Iran jemals zu einer Zweistaatenlösung überreden, ist nicht nur jetzt, sondern auch perspektivisch illusorisch. In Israel ginge es mit der jetzigen Regierung auch nicht - aber dort könnte es zumindest zukünftig entsprechende Perspektiven geben.
zum Beitrag11.04.2026 , 11:44 Uhr
" Innerhalb der Grünen ist eine Kritik an der Ausbeutung des Globalen Südens mittlerweile ein No Go - wie auch an massiver Aufrüstung mit staatlichen Geld ohne Ende." Wie kommen Sie darauf? Die Kritik ist durchaus wahrnehmbar vorhanden. Sie kommen allerdings bei den Grünen mit Sprüchen der Marke: "WIR müssen endlich alle verzichten und dem globalen Süden weniger wegnehmen" nicht mehr weit, weil die Grünen jetzt in Regierungsverantwortung waren und eben verpflichtet waren, tatsächliche Forderungen auch in die Tat umzusetzen, was deren Affinität für Sprücheklopfen reduziert hat.
Und die Kritik an "massiver Aufrüstung mit staatlichem Geld ohne Ende" ist bei den Grünen deshalb nicht vorhanden, weil die Weltlage eine Situation ergeben hat, in der diese tatsächlich mehr oder weniger alternativlos ist - außer, man möchte sich zukünftig eben denen anschließen, die von den anderen Großmächten untergebuttert werden.
zum Beitrag11.04.2026 , 11:41 Uhr
Nur, um das klarzustellen: Die Grünen, auch die Berliner Grünen, sind natürlich keine kommunistische Partei, die gerne alles enteignen möchte. Was ich mit "dogmatische Enteignungsfans" meine, ist, dass die Befürwortung der staatlichen Übernahme der besprochenen Wohnungen etwas dogmatisches hat und eher ideologie- als zahlenbasiert gefordert wird.
zum Beitrag11.04.2026 , 11:39 Uhr
Ja, Liberalismus hat viele Seiten. Aber Frau Brantner und Herr Onay berufen sich im verlinkten Artikel selbst u.a. auf John Stuart Mill, den klassischen Gründervater des Liberalismus - und dieser hält das Recht auf Privateigentum für ein unumstößliches Grundrecht und stellt den Grundsatz auf, die Freiheit des Einzelnen sollte nur so weit staatlich reguliert werden, dass sie die Freiheit der Anderen nicht einschränkt - was einem immer noch viel Interpretationsspielraum gibt.
Selbst, wenn ich die wirtschaftliche Seite außen vor lasse, bin ich mir aber sicher, dass die Grünen auch gesellschaftlich diese Ansichten nicht im Grundsatz vertreten. Wenn es z.B. um die Verfolgung von Sexualstraftätern geht, sind die Grünen plötzlich auch gerne ganz obrigkeitsstaatlich (siehe Fr. Nietzard: "Die Unschuldsvermutung darf in einer progressiven Partei nicht gelten"). Hinzu kommt, dass die Grünen sehr viel eher bereit sind als die FDP, ihre gesellschaftliche Vision regulatorisch zu erzwingen (z.B. durch Frauen- und Minderheitenquoten).
Die Grünen sind sicher nicht illiberal - sie sind glaubwürdige Verteidiger der liberalen Demokratie. Aber als Stimme des Liberalismus sehe ich sie auch nicht.
zum Beitrag11.04.2026 , 00:18 Uhr
Ich bezog mich natürlich nicht auf lizensierte Rennfahrer in registrierten Rennen, sondern auf die Fahrer von illegalen Straßenrennen.
zum Beitrag10.04.2026 , 22:27 Uhr
Ich halte die Grünen im Kern nicht für eine liberale Partei. Das wollen sie, meinem Eindruck nach, auch gar nicht sein. Das Menschenbild passt einfach nicht - das Image als "Verbotspartei" ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Die Grünen, insbesondere die grüne Jugend, würden zudem wohl kaum das Recht auf Privateigentum an sich für fundamental wichtig halten, was nun mal eine der Grundlagen des Liberalismus ist (sonst wäre man, insbesondere in Berlin, nicht so ein dogmatischer Enteignungsfan).
Alle diese Ansichten sind völlig legitim, aber eben nicht liberal.
zum Beitrag10.04.2026 , 16:31 Uhr
Das ist doch ein völlig anderes Niveau. Wenn ich die Wahl hätte, ob mein 10-Jähriger eine Kippe, einen Schnaps oder eine Cola trinken dürfte, fiele mir die Wahl nicht schwer. Anders als bei den beiden Suchtmitteln ist ein unproblematischer Konsum im Kinder- und Jugendalter nämlich grundsätzlich möglich.
zum Beitrag09.04.2026 , 11:54 Uhr
Zu viel Obst ist auch ziemlich ungesund, da Obst auch ziemlich zuckerhaltig ist - und dann erst die Säfte!
Dass Fleischalternativen niedriger besteuert werden sollten, da stimme ich Ihnen völlig zu.
Aber mal im Ernst: Zur Regulierung von Alkohol und Tabak hat man das Argument des Schutzes anderer Menschen: Menschen, die viel Alkohol konsumieren, sind aggressiver, eher gewalttätig, und neigen eher dazu, andere Leute mit ihrem Konsum zu behelligen. Beim Tabak haben wir das Problem mit dem Passivrauchen, dem, meiner Erfahrung nach, gut 90% der Raucher*innen keinerlei Beachtung schenken (ich MUSS die Fluppe unbedingt direkt am Bahnsteig neben der Kindergruppe durchziehen, der Raucherbereich ist ja 20m weit weg!). Hinzu kommt bei beiden Mitteln die Möglichkeit, dass Kinder und Jugendliche sie in die Finger bekommen, bevor sie damit wirklich umgehen können.
Welches Argument gilt, um den Konsum ungesunder Lebensmittel staatlich zu regulieren?
zum Beitrag09.04.2026 , 10:31 Uhr
Da haben sie Recht. Ich bin deshalb dafür, für alles rote Fleisch eine Steuer von 200% einzuführen (ungesund, erhöht das Krebsrisiko), für Nudeln von 300% (zu viele Kohlenhydrate), für Obst und Fruchtsäfte von 200% (zu viel Zucker, den viele gar nicht auf dem Schirm haben), und wer sich im Urlaub mehr als 4 Stunden täglich draußen aufhalten will, muss einen Sonnenpass kaufen, um vor Hautkrebs geschützt zu werden. Wären alles Steuern und Abgaben zum Schutz der Gesundheit.
zum Beitrag09.04.2026 , 10:28 Uhr
Eines muss ich der Taz lassen: Je mehr ich sie lese, desto mehr verstehe ich, warum arme Menschen in der Vergangenheit öfters FDP gewählt haben.
Erstens: Es gibt für jeden erdenklichen Softdrink bereits eine zuckerfreie und eine zuckerreduzierte Version - Pepsi z.B. enthält sehr viel weniger Zucker und mehr Süßstoff als Coca Cola. Diese schmecken dadurch selbstverständlich aber auch anders Wer sich zuckerärmer ernähren will, ohne zu verzichten, kann das bereits tun.
Zweitens: Wenn die offene Hoffnung ist, dass die Hersteller ihre Rezepturen anpassen, dann heißt das im Ergebnis, die zuckerarmen Optionen existieren (teurer) weiter, die zuckerreichen sind dann einfach weg, dann schmeckt eben alles wie Pepsi, die dann zusätzlich noch teurer ist. Wer gerne die alte Rezeptur mag, bekommt sie wahrscheinlich dann schlicht nicht mehr, auch nicht für mehr Geld. Man nimmt im Ergebnis allen etwas weg, und sagt: "Vertraut mir, das ist gut für euch, ihr seid zu blöd, das selber hinzubekommen". Finde ich ziemlich daneben.
Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge wie z.B. strengere Regulierungen von Werbung für Zucker sind fein. Aber diese Art Maßnahme hat etwas paternalistisches.
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