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Reform der Führerscheinprüfung Geradezu mörderisch

Gereon Asmuth

Kommentar von

Gereon Asmuth

Die Bundesregierung will Kosten und Anforderungen für Führerscheine senken. Dabei liegt die Zukunft im autonomen Fahren – ganz ohne Fahrerlaubnis.

R eformbedarf beim Führerschein? Klar, der besteht. Der Name sollte in Fahrerschein abgeändert werden, damit die bei jeder Diskussion ums Thema aufploppenden Witze mit Verweis auf die deutsche Geschichte – Führer! Hohoho! – ein Ende haben.

Aber die Bundesregierung sieht Handlungsbedarf an anderer Stelle. Sie will den Zugang zum Fahrerschein erleichtern, verbilligen vor allem, damit die Jugend von heute sich auch morgen noch schwungvoll hinters Steuer klemmen kann. Das ist, gelinde gesagt, der völlig falsche Weg. Statt sich fröhlich der Zukunft zuzuwenden, wird wie beim krampfhaften Beharren auf dem Aus vom Verbrenner-Aus an einer Gegenwart festgehalten, die schon bald erkennbar gestrig sein wird. Noch schlimmer: Hier wird mit dem Leben vieler Ver­kehrs­teil­neh­me­r:in­nen gespielt.

Denn so viel muss klar sein: Autofahren gefährdet Ihre Gesundheit! Vor allem, wenn junge Menschen – genauer gesagt: Männer – am Steuer sitzen, steigt die Zahl der Unfälle. Und die der Unfallopfer. Genau hier die Anforderungen für die Erteilung von Fahrerscheinen abzusenken, ist geradezu mörderisch.

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Natürlich ist es nachvollziehbar, dass junge Menschen auf einer bezahlbaren Fahrerlaubnis beharren, weil sie ihnen Mobilität und damit Freiheit verspricht. Aber wenn Autofahren zu viel kostet – den einen zu viel Geld, den anderen zu viele Menschenleben –, dann sollte man nicht Prüfungen verbilligen, sondern nach besseren Wegen suchen.

Die liegen auf der Hand: autonom fahrende Autos. Gesteuert von Maschinen, die nicht erst mühsam Verkehrsregeln büffeln müssen, die später missachtet werden. Natürlich verursachen auch die noch Unfälle. Aber so katastrophal selbst überschätzend wie junge Raser können sie niemals sein.

Ex­per­t:in­nen gehen davon aus, dass schon in wenigen Jahren Fahrerlaubnisse allenfalls für Rennstrecken fahrende PS-Fanatiker nötig sein werden. Der Rest glotzt derweil während der Autofahrt ganz entspannt eine coole Serie. Vielleicht über Führer, Fahrer oder andere Oldschool-Typen des 20. Jahrhundert, ohne jemals eine Fahrschule von innen gesehen zu haben. Sicher und billig zugleich.

Gereon Asmuth

Gereon Asmuth Ressortleiter taz-Regie

Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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1 Kommentar

  • nutzer

    Das autonome Fahren wird die finanziellen Kosten nicht senken, das wird die Kosten nur mehr steigern. Wieso sollte es ein Lichtblick sein, wenn Tesla, Google etc. auch noch Kontrolle über die Lenkbewegungen haben?