Ostdeutsche selten in Führungspositionen : Nicht abgehängt, sondern rechts
Ostdeutsche sind zu selten in Führungsetagen vertreten, Ostdeutsche fühlen sich nicht vertreten. Deswegen AfD zu wählen, ist fatal und geschichtsblind.
E s gibt Nachrichten, bei denen man nicht weiß, ob sie aktuell sind oder ob sie aus dem Geschichtsspeicher stammen. Dass Ostdeutsche in Führungspositionen unterrepräsentiert sind, ist so eine. Seit der Wiedervereinigung wird beklagt, dass Ostler:innen in den Toppositionen zu selten vertreten sind. Aktuell beträgt der Anteil Ostdeutscher in Spitzenämtern laut Elitenmonitor gerade mal 12 Prozent. Zu Recht beklagt die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser, dass sich hier etwas ändern muss.
Doch Appelle wie diese verhallen, unter anderem weil die Entscheidungsträger:innen vor allem aus ihrem kulturellen Pool rekrutieren. Sprich, sie stellen Menschen ein, die ihnen ähnlich sind und ihrer Meinung nach am besten zu ihnen, zum Unternehmen, zum Betriebssound passen – und damit am wenigsten Probleme machen. Dabei haben diverse, heterogene Unternehmen bessere Betriebsergebnisse als solche, die weitgehend homogen sind. Auch das ist seit Jahren bekannt.
Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.
Nun erscheint der neue Elitenmonitor ausgerechnet wenige Tage vor einer Wahl in Ostdeutschland, die die politische Landschaft erschüttern dürfte – in Sachsen-Anhalt wie auch auf der Bundesebene. Und nicht wenige glauben, dass der Zuspruch zur AfD auch damit zu tun hat, dass es zu wenige Ostdeutsche in Spitzenpositionen gibt. Man fühle sich nicht gesehen, nicht wertgeschätzt, abgehängt. Das mag für einen Teil der Ostdeutschen genau so stimmen. Deswegen aber eine (West-)Partei zu wählen, die sich „das Land zurückholen“ will, ist so fatal wie falsch.
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Denn das Land, das sich die AfD zurückholen will, hatte Mitte der 1990er Jahre eine Arbeitslosenquote von über 13 Prozent, heute ist sie nicht einmal halb so hoch. Damals hatten die Menschen eine fünf Jahre niedrigere Lebenserwartung, auch der Lebensstandard war im Osten geringer. Die Selbstwahrnehmung vieler Ostdeutscher und deren AfD-Affinität ist so diffus wie verschroben. Und sie wählen die AfD nicht, weil sie abgehängt sind – sondern weil sie rechts bis rechtsradikal sind.
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