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Wahl in Sachsen-Anhalt Die Alternative zur AfD heißt Sozialismus

Leon Holly

Kommentar von

Leon Holly

Wer die AfD besiegen will, muss eine wirkliche Alternative zum Kapitalismus anbieten. Ein anderes Wirtschaftssystem ist nicht nur möglich – sondern nötig.

D er Schock über den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt sitzt der Bundesrepublik in den Knochen. In der direkten Reaktion darauf war aus Politik und Feuilletons wenig zu hören, was man nicht schon tausend Mal gehört hätte. Brandmauer? Jetzt erst recht. AfD verbieten? Jetzt erst recht. Sozialhilfeempfänger? Vielleicht doch ein bisschen weniger quälen (SPD) oder doch jetzt erst recht noch mehr quälen (Amthor).

In einer viel zitierten Umfrage wählten zwei Drittel derer, die ihre finanzielle Lage als schlecht bewerten, die AfD. Der Regionalgeograf Tim Leibert spricht im Surplus Magazin über die „typisch ostdeutsche Kombination“ aus Deprivation bei gleichzeitig schrumpfender und alternder Bevölkerung. Doch der Osten ist als Testlabor des deutschen Neoliberalismus ja nur ein Gradmesser für Entwicklungen, die auch anderswo in Deutschland folgen werden. Und die bürgerlichen Parteien haben keine Antwort darauf.

Es ist auch kein Geheimnis, dass sich Menschen zunehmend eine Alternative zu der herrschenden Politik wünschen. Immer mehr sehen diese Alternative in der AfD. Die Linkspartei schien diese Sichtweise im Wahlkampf bestätigen zu wollen, als sie sich offen und tapfer zur Mehrheitsbeschaffung für die Parteien bis zur CDU bereit erklärte – zur „Rettung der Demokratie“.

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Doch diese Formel von der Demokratierettung klingt hohl in den Ohren jener, die nicht glauben, dass sie im repräsentativen System der Bundesrepublik nennenswert über ihr eigenes Leben bestimmen können. Und das aus gutem Grund: Bei den Wahlen im Vierjahresturnus können sie sich zwar ihre Herrschenden aus dem Angebot der Parteieliten auswählen. Aber fundamentale Veränderungen im Land (Aufrüstung, Migration, Sozialabbau) vollziehen sich ohne das Votum oder Zutun einfacher Bürger.

In Berlin, wo die Bevölkerung per Volksentscheid für die Enteignung von Wohnungskonzernen stimmte, ignorierten die Parteien die Entscheidung. Die „Rettung der Demokratie“ klingt da nur noch wie eine Chiffre für die Bewahrung des Bestehenden. Eine sozialistische Partei, wie die Linke sich selbst nennt, muss sich entscheiden: Will sie eine echte Alternative oder der linke Flügel der CDU sein?

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Die Arbeiter im Mittelpunkt

Vielmehr sollte eine sozialistische Opposition zuerst einmal klarstellen, dass die AfD keine Alternative ist. Mit ihrem Austeritätsprogramm kann sie das Ausbluten des Ostens, von dem sie politisch profitiert, nur verstärken. Über die realen gesellschaftlichen Widersprüche (zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmerin, zwischen Vermieterin und Mieter) pinselt die AfD die Erzählung von Nation und Volksgemeinschaft. „Deutschland muss abschieben!“, sagt sie und meint: „Ein wenig mehr, als es die bürgerlichen Parteien und die EU heute schon tun!“

Wer jedoch eine Alternative will, darf nicht nur die Parteien austauschen, die den Staat verwalten. Vielleicht werden die Wähler der „Alternative“ das nach ein paar Legislaturperioden auch merken. Doch bis dahin regieren in Deutschland waschechte Neonazis. Wenn das nicht passieren soll, dann muss sich eines ändern: das System.

Eine echte Alternative für Deutschland bietet nur der Demokratische Sozialismus. Er stellt die Mehrheit der Bevölkerung – die arbeitende Klasse – in den Mittelpunkt seiner Politik. Er ermöglicht es den Arbeitenden, selbst über die Belange ihrer Betriebe zu bestimmen. Er erkennt, dass die sozialen und ökologischen Krisen des Kapitalismus dem System innewohnen und sich nur mit einer vernünftigen Politik jenseits der Profitlogik lösen lassen.

Gerade in Ostdeutschland könnte eine echte sozialistische Opposition loslegen. Sie könnte der gekränkten Bevölkerung etwas sagen, das die AfD nicht sagen kann: dass die DDR sozialistische Errungenschaften hervorgebracht hat, auf die die Menschen stolz sein können. Und dass es ein Fehler war, dass die BRD den Osten nach dem Mauerfall mit Haut und Haaren geschluckt hat.

„There is no alternative“, sagte Margaret Thatcher. „Alles ist möglich“, stand auf den Wahlplakaten der AfD in Sachsen-Anhalt. Da hat die Partei recht – aber nicht mit ihr. Möglich und notwendig ist eine Synthese aus Sozialismus, gesellschaftlicher Freiheit und radikaler Demokratie. Das ist die echte Alternative – und die einzige, für die es sich zu kämpfen lohnt.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Leon Holly

Leon Holly

Schreibt über gesellschaftliche Konflikte und internationale Politik, mit besonderem Fokus auf die USA und die Levante. Von 2023 bis 2024 Volontär der taz Panter Stiftung. Davor Studium der Politikwissenschaft und Nordamerikastudien in Berlin und Paris.
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126 Kommentare

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  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Was für ein Blödsinn. Zurück zur DDR? Oder zu Venezuela. Oder wohin.

    Sozialismus hatte viele Chancen und hat sie nie genutzt.

    Nein, die Alternative zum Kapitalismus heißt Kapitalismus. Aber ein anderer Kapitalismus als wir ihn heute haben. Das Leistungsprinzip macht schon Sinn, dass der der mehr leistet, auch mehr erhält. Aber genau das ist heute nicht mehr der Fall. Viele, die eine Menge leisten, erhalten kaum noch etwas. Deshalb muss der Kapitalismus wieder gerechter werden und er muss nachhaltig werden. Er darf nicht auf Kosten von Natur und Menschen gehen.

  • Comerade Aardvark

    Nostalgie ist auch ein Hund... genau sowas habe ich selbst vor 30 Jahren auch geschrieben, entsprechend freut mich das.

  • Querbeet

    Na, hoffentlich ist die Alternative nicht der nationale Sozialismus.

  • Ruhig bleiben

    Au weia.

    >Gerade in Ostdeutschland könnte eine echte sozialistische Opposition loslegen. Sie könnte der gekränkten Bevölkerung etwas sagen, das die AfD nicht sagen kann: dass die DDR sozialistische Errungenschaften hervorgebracht hat, auf die die Menschen stolz sein können.

    Ach ja, nicht Alles war schlecht in der DDR. Abgesehen von Todesstrafe, Kindesentzug samt Zwangsadoption, Bespitzelung, Mauertoten, Mangelwirtschaft usw.

    >Und dass es ein Fehler war, dass die BRD den Osten nach dem Mauerfall mit Haut und Haaren geschluckt hat.

    Eine Mehrheit war in der Volkskammerwahl FÜR e8ne schnelle Wiedervereinigung. Hier so zu tun, als wäre dies gegen den Willen der Mehrheit geschehen, ist schlicht falsch.

    >Der Kapitalismus

    Welche Form von "Kapitalismus"? Die soziale Marktwirtschaft? Turbokapitalismus? Freie Markwirtschaft?

  • Gerhard Krause

    Es kann nicht oft genug betont und klargestellt werden, dass "Kapitalismus" ein inhaltlich unbestimmter Begriff ist, sodass die Merkmale von Recht und Wirtschaft der DDR ebenfalls "Kapitalismus" genannt werden können, wie man den "Kapitalismus" der Bonner Republik hätte als "Sozialismus" bezeichnen können. Zumindest ich, gerne alleine, finde es nicht nur in einfacher Weise bedauerlich und schädlich, wenn man in eine Diskussion, welche die geschriebenen und ungeschriebenen Regeln unseres Zusammenlebens betreffen, mit solchen zusammenfassenden und "zusammenklebenden" Begriffen beengt sowie behindert.

  • Carsten S.

    Hoffentlich glaubt niemand, dass ich automatisch den Sozialismus wählen würde, wenn ich mich zwischen dem Sozialismus und der AfD entscheiden müsste.

  • Tom Tailor

    "Eine echte Alternative für Deutschland bietet nur der Demokratische Sozialismus. Er stellt die Mehrheit der Bevölkerung – die arbeitende Klasse – in den Mittelpunkt seiner Politik. Er ermöglicht es den Arbeitenden, selbst über die Belange ihrer Betriebe zu bestimmen. Er erkennt, dass die sozialen und ökologischen Krisen des Kapitalismus dem System innewohnen und sich nur mit einer vernünftigen Politik jenseits der Profitlogik lösen lassen."

    Oh ja, das wird es sein. Zehntausende Beschäftigte bei z.B. "VW" bestimmen selbst und demokratisch über die Belange und Zukunftsstrategien ihres Betriebes ab, dabei selbstverständlich unter der Berücksichtigung das dieser keinen Profit abwerfen darf und zudem ökonomisch wie ökologisch einwandfrei agiert. :D

  • Tom Tailor

    "Vielmehr sollte eine sozialistische Opposition zuerst einmal klarstellen, dass die AfD keine Alternative ist."

    Mich dünkt, das dies seit Jahren versucht wird. Mit übersichtlichem Erfolg.

  • M_Kli

    „Wer die AfD besiegen will, muss eine wirkliche Alternative zum Kapitalismus anbieten.“



    Echt jetzt ? Wir verordnen etwas demokratischen Sozialismus - wo eigentlich, in Sachsen-Anhalt, in Ost-D, in ganz D oder gleich der EU? - und dann sehen alle auch Migration mit ganz anderen Augen.



    Die werden dann alle zu den Guten, so wie wir alle mit der „richtigen“ Einstellung, jawohl.



    Die 44% wollen einen Wechsel in der Politik, die wollen nicht die Guten sein, die wollen Veränderung.



    Und zwar Veränderungen, die uns „Guten“ nicht gefallen, dabei geht es nicht ausschließlich um 2,5 Euro mehr die Stunde, es geht um grundsätzliche Politik. Um ein subjektives Gerechtigkeitsempfinden, dass sich nicht mit „besser erklären“ befriedigen lässt.



    Um die 44% abzuholen braucht es schmerzhafte Kompromisse auch wenn das keiner wahrhaben will.



    Demokratischen Sozialismus - nicht zu fassen!

  • Machiavelli

    Warum nicht gleich Platos Republik? Das Original aller Utopien. Wobei der gemeinsame Besitz an Frauen wohl bei einigen Damen nicht gut ankommen würde. Wir brauchen keine Utopien die scheitern immer. Was wir brauchen ist ein effizienteren Staat der den Menschen mehr Geld lässt dafür aber mehr leistet. Beispiele gibt es in Europa genug.

    • Gerhard Krause

      @Machiavelli:

      Ein wenig Demokratie nach griechisch antikem Vorbild fände ich nicht schlecht.

  • Ricky-13

    Sozialismus ist ein Oberbegriff für verschiedene Strömungen, die für soziale Gerechtigkeit, Solidarität und staatliche Kontrolle über wichtige Wirtschaftsbereiche stehen.

    Und Karl Marx (siehe das taz-Foto) sollte man endlich in den Philosophie- und Geschichtsbüchern lassen, denn da gehört er hin. Ebenso den Kommunismus, den Konservative/Neoliberale/Rechte immer aus der Mottenkiste holen, wenn ihnen vernünftige Argumente (Ausbeutung von Mensch und Natur/Klima) fehlen und sie dann die Linken mal wieder als böse Kommunisten hinstellen möchten.

    Einen 'realen Kommunismus' gibt es ohnehin nicht, denn Kommunismus ist nur eine Philosophie, die mit den Menschen nicht funktioniert - aber das wusste schon Platon, der ihn zum ersten Mal in seinem Werk "Der Staat" (um 375 v. Chr.) erwähnt hat.

    Und ja, es stimmt, wir brauchen einen 'menschenfreundlichen Sozialismus'. Den muss man aber auch den einfachen Leuten vernünftig erklären, denn so etwas darf nicht nur hochtrabend in akademischen Seminaren diskutiert werden. Das ist aber ein großes Problem der Linken, dass sie alles bis sind Unendliche sezieren. Darin sind Rechte schlauer, denn die erzählen dem Volk frech ihre sogenannten "Wahrheiten".

    • Alex_der_Wunderer

      @Ricky-13:

      @ Die überwiegende Menschheit ist völlig fehl sozialisiert, wenn sie überhaupt sozialisiert wurden. Ohne böse Absicht ziehen viele Eltern aus purer Unwissenheit und Gedankenlos, ihren Nachwuchs, erst zu kleinen Egomanen und dann zu großen Egomanen herran. Ein Kriterium, warum in diesem Land auch soviel Unverständnis bezüglich humanistischer Werte aufgebracht werden kann, die Menschen haben Humanismus einfach nicht in ihrer Sozialisierung erfahren. Bei vielen ist der Wert eines Berufes nicht die Berufung für eine Tätigkeit, sondern sie wurden auf das Ergebnis, auf der Gehaltsabrechnung trainiert. Gerade heute hörte ich im Fernsehen eine recht bekannte Frau in einer Talkshow sagen, ja wird unser Wert nicht anhand unserer Leistung bemessen ? [ Tja, da sollte man wohl erstmal den Begriff Leistung definieren, oder ? ] Aber ein Applaus hat die Frau bekommen, wir dachten schon - gleich gibt es noch Standig Ovationen. Ich wollte schon beim Sender anrufen oder unseren Rechtsanwalt verständigen. Soweit ist dieses Land scheinbar schon und dann dieser Neid bei den Leuten - unvorstellbar sind z. B. Linke humanistische Wohlhabende, da kommen AfD Wähler und Linke auch kaum drauf klar.

      • Ricky-13

        @Alex_der_Wunderer:

        ***... da sollte man wohl erstmal den Begriff Leistung definieren, oder ?***

        Ja, das Märchen von der "Leistungsgesellschaft" (Meritokratie) wird immer noch gerne erzählt (nicht nur von Black-Rockern), damit die Bürger nicht darüber nachdenken, was für ein Irrsinn der ausbeuterische und klimaschädliche Kapitalismus ist. Den kleinen Bürgern hat man sogar eingeredet redet, dass wir immer noch in dem Dorf von Asterix und Obelix leben, wo jeder seine Aufgabe hat, damit die Gemeinschaft funktioniert. 😅

        Sozialwissenschaftlich betrachtet dient die Erzählung der 'Leistungsgesellschaft' nur als mächtiges Werkzeug, um von strukturellen Privilegien und Vermögensunterschieden abzulenken. Nach dem Wort 'Leistungsgesellschaft' müssten Krankenschwestern und Bauarbeiter doch eigentlich sehr viel Geld verdienen - tun sie aber nicht.

        • Tom Tailor

          @Ricky-13:

          Nicht? Kennen Sie denn die durchschnittlichen Gehälter von Krankenschschwestern und Bauarbeitern? Und was ist für Sie in diesem Zusammenhang "sehr viel Geld"?

          By the way: die "Leistungsgesellschaft" funktioniert tatsächlich. Allerdings sollte man dann keine zu enge Vorstellung davon haben was "Leistung" ist.



          Tipp: die reine Wochenarbeitszeit oder die körüerliche Belastung ist es nicht ;.)

        • Alex_der_Wunderer

          @Ricky-13:

          @ Ricky-13



          👍👍

    • Encantado

      @Ricky-13:

      "...muss man aber auch den einfachen Leuten vernünftig erklären, denn so etwas darf nicht nur hochtrabend..."



      Finde das nur ich hochironisch? Gleichzeitig gegen hochtrabend und einfache Leute argumentieren?

      • Alex_der_Wunderer

        @Encantado:

        @Encantado



        Meine Erfahrungen mit politischen Erklärungen zeigen, es ist Besserung nachhaltiger zu vermitteln, politische Inhalte besser aufzumalen. Oder alternativ auch ertasten zu lassen.

  • Zippism

    Da wird allen Ernstes über die „sozialistische Demokratie“ als mögliche Zukunftsperspektive philosophiert, als hätte die Geschichte bisher nur an einem kleinen Bedienungsfehler gelitten.

    Der Sozialismus hat nicht deshalb „noch nicht funktioniert“, weil die Gesellschaft irgendwann noch nicht reif genug war. Er hat historisch immer wieder daran gekrankt, dass eine Ideologie, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Macht zentralisieren will, zwangsläufig enorme politische Machtkonzentrationen erzeugt. Aus dem versprochenen Übergang zur Freiheit wurde regelmäßig ein ziemlich dauerhafter Übergang.

    Und politisch ist die Sache ohnehin wesentlich weniger mystisch: Für einen sozialistischen Systemwechsel gibt es in Deutschland keine relevante Mehrheit. Nicht ansatzweise. Die Bundesrepublik ist eine soziale Marktwirtschaft, und selbst viele Menschen, die sich mehr Umverteilung oder einen stärkeren Sozialstaat wünschen, wollen deshalb noch lange keine sozialistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung.

    • Gerhard Krause

      @Zippism:

      Das stimmt überhaupt nicht, wie Sie es ausdrücken. Kapitalismus und Sozialismus sind Oberbegriffe. Wenn Sie Regeln ins Leben rufen wollen, die eine Mehrheit gut findet, dann ist deren Einordnung unter einen Überbegriff völlig gleichgültig.

  • Andreas_2020

    Ich würde sagen, die Alternative muss demokratischer Öko-Sozialismus sein, weil der Kapitalismus ein Zerstörungswerk ist. Und die AfD ist die einzige Partei, die mehr oder weniger einen echten Manchester-Kapitalismus einführen will. Dagegen hilft nur ein zeitgemäßer Sozialismus und das wäre in meinen Augen ein Öko-Sozialismus im demokratischen Rechtsstaat.



    Und dazu bedarf es einer Basisarbeit, die ich schlecht beurteilen kann, ich weiß nicht, ob die Parteien Die LInke, die SPD oder die DKP überhaupt in der Lage wären, eine solche Kampagne zu schaffen. Das ist doch das Dilemma, dass die AfD in schwachen Gebieten es schafft, Wähler zu mobilisieren und Anhänger zu gewinnen.

    • Land of plenty

      @Andreas_2020:

      Ich würde sagen, die Alternative muss demokratischer Öko-Sozialismus sein, weil der Kapitalismus ein Zerstörungswerk ist. Und die AfD ist die einzige Partei, die mehr oder weniger einen echten Manchester-Kapitalismus einführen will. Dagegen hilft nur ein zeitgemäßer Sozialismus und das wäre in meinen Augen ein Öko-Sozialismus im demokratischen Rechtsstaat.



      Das würde ich auch sagen.



      Es braucht viel mehr Grass-roots. also sich kennenlernen, verringern der Fremdheitsgefühle, Vertrauen untereinander.



      Das ist viel Arbeit.



      Und in den Arbeitergegenden gibt es in den Discountern v.a. Fertigessen in viel Plastik verpackt: Ready to heat / to eat.



      Bequemlichkeit ist der Gegner aller Differenzierung des Urteilens und des Kochens.

    • Perkele

      @Andreas_2020:

      Du hast die GRÜNEN vergessen. Versehentlich oder absichtlich?

  • Andreas Flaig

    Nach 1945 gab es in ganz Deutschland – über Parteigrenzen hinweg – einen breiten Konsens, dass der Kapitalismus versagt hatte und ein demokratischer Sozialismus die Zukunft sei. Selbst die frühe CDU forderte im Ahlerner Programm von 1947 eine Neuordnung der Wirtschaft. In der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) gab es eine starke, wiedergegründete SPD unter Otto Grotewohl."

    Das Versagen des Kapitalismus- für die Zeitverhältnisse eine eindeutige Kampfansage.



    Der Neoliberalismus hat uns anscheinend den Kampfgeist gestohlen. Vollgestopft mit Popcorn vor der Glotze. Vielleicht sollte man sich, angesichts der schon wieder vor Abschaum stinkenden Ultra Rechten AfD den Kampfesgeist zurück erobern. Nur wie?

    Oh ihr Sozialdemokraten- Ihr habt euch einlullen lassen und Euer Projekt verkam zur



    traurigen Lachnummer. Die einstige Arbeiterpartei, jetzt bei 10%.



    Die Linke. Ja die Linke, die wäre ja eine Alternative. Antisemitismus wird ihnen vorgeworfen. Milliardäre enteignen.



    Geht irgendwie auch nicht, zu radikal?



    Was gibt es noch? "Die Linke Pfote". Hmm.

    Der Neoliberalismus hat einfach zu viel Einfluss und Macht und liebt die Ultra-Rechten, weil die verstehen was von Zucht und Ordnung!

    • Zippism

      @Andreas Flaig:

      „Antisemitismus wird ihnen vorgeworfen“ – dieses gönnerhafte „wird ihnen vorgeworfen“ klingt ja fast so, als hätte sich der Vorwurf irgendeine böse Lobby ausgedacht. Dabei gibt es innerhalb der Linken seit Jahren dokumentierte antisemitische Positionen und Debatten, insbesondere dort, wo Israel pauschal dämonisiert, jüdische Selbstbestimmung delegitimiert oder mit zweierlei Maß gemessen wird. Das ist kein Problem, das man durch ein genervtes „wird vorgeworfen“ verschwinden lassen kann.

      Und nein: Kritik an israelischer Regierungspolitik ist selbstverständlich nicht automatisch antisemitisch. Aber wer diesen Unterschied ernst nimmt, muss eben auch anerkennen, dass es jenseits legitimer Kritik antisemitische Muster gibt – auch in Teilen der politischen Linken.

      • Andreas Flaig

        @Zippism:

        Natürlich wird das denen auch zurecht vorgeworfen. Der Vorwurf bedient sich nicht dem Gönnerhaften oder einer bösen Lobby.



        Deswegen hat die Partei dieses fette Problem am Hals.

  • Duplozug

    Was war nochmal die Definition von Wahnsinn? Ach ja, immer wieder das gleiche probieren und erwarten es würde was anderes dabei rauskommen.



    Wie viele erfolgreiche Beispiele gibt und gab es auf der Welt von demokratischen sozialistischen Staaten?



    Und wie einige schon sagten, ich würde auch ungern meine Zukunft in die Hände von Leuten legen die ihre "Wahrheit" bei tiktok und X her beziehen.



    Ich glaube hier wird massiv unterschätzt wir schnell ein Referendum ( Abschaffung des Asylsystems oder wir fordern härtere Strafen für Straftäter) Erfolg hätte. Aber dann heißt es schnell... Nene, sowas darf man nicht zur Abstimmung stellen. Wir wollen ein Referendum über die Bepflanzung des Rathausgartens.



    Ich weiß, Linke lieben die Utopie. Ich würde auch gerne so wie bei Start Trek leben. Aber solche Aufrufe sind genauso dämlich wie die Ernteeignungsphantasien. Anstatt 30 Milliarden für bestehenden Wohnraum auszugeben könnte man 30 Milliarden ins bauen stecken. Dann hätten wir doppelt so viele Wohnungen.

  • Éljen a Magyar

    "Eine echte Alternative für Deutschland bietet nur der Demokratische Sozialismus. Er stellt die Mehrheit der Bevölkerung – die arbeitende Klasse – in den Mittelpunkt seiner Politik. Er ermöglicht es den Arbeitenden, selbst über die Belange ihrer Betriebe zu bestimmen. Er erkennt, dass die sozialen und ökologischen Krisen des Kapitalismus dem System innewohnen und sich nur mit einer vernünftigen Politik jenseits der Profitlogik lösen lassen."

    Der Autor weiß aber schon, daß wir uns im Jahr 2026 befinden, nicht im Jahr 1926 oder gar 1826? Wir haben in den letzten 100 Jahren vor allem eines weltweit beobachten dürfen: das globale Scheitern jeden Versuchs, den Sozialismus/Kommunismus von den Papierseiten der Lehrbücher/Manifeste in die Lebensrealität der Menschen zu transferieren.

  • Alex_der_Wunderer

    Sachsen-Anhalt hatte Kommunalwahlen, 1,7 Millionen Wahlberechtigte waren zur Wahl aufgefordert.



    576,037 Bildungsferne und Rechtsextremisten haben ihre Stimme der AfD gegeben. Die 576,037 Bildungsfernen und Rechtsextremisten von immerhin 80.000.000 / 80 Millionen Bundesbürgern, leben also insgesamt 576,037 Bildungsferne und Rechtsextremisten in Sachsen-Anhalt.



    Die Konsequenzen können jetzt nur vermehrte , verpflichtene politische Bildungsmassnahmen, in Sachsen-Anhalt sein.

    • Oma

      @Alex_der_Wunderer:

      Verpflichtende Bildungsmassnahme? Und was wählen die Leute hinterher, die man damit zwangsbeglückt hat, weil sie den Depperltest beim Wählen nicht bestanden haben? Doch ganz bestimmt nicht diejenigen, die ihnen das aufs Auge gedrückt haben.

      • Alex_der_Wunderer

        @Oma:

        @Oma



        Legen Sie den Schwerpunkt meiner Aussage doch bitte einmal auf die Zahlen.



        Was sind 576,037 rechtsextremistische Aussenseiter aus Sachsen-Anhalt, gegenüber 80.000.000 / 80 Millionen demokratische, rechtstaatliche Bundesbürger in ganz Deutschland ?

    • Hitchhiker

      @Alex_der_Wunderer:

      Da stimmen sicherlich die Bildungsfernen mit ihnen überein, jedoch sind Sie für sie der Bildungsferne und wahrscheinlich noch ein leugner der Realität. Durch ihre Überheblichkeit sind beide Seiten für sich im Recht und für offene Diskussionen mit der anderen Gruppe nicht offen.

    • Encantado

      @Alex_der_Wunderer:

      "Die Konsequenzen können jetzt nur vermehrte , verpflichtende politische Bildungsmassnahmen, in Sachsen-Anhalt sein."



      Sie meinen jetzt aber nicht, dort einmarschieren und Umerziehungslager einrichten, oder? Schwingt für mich irgendwie so mit...



      Es sei der Hinweis gestattet, dass verpflichtende Bildungsmaßnahmen ohne die dortige Landesregierung irgendwie nicht so wirklich möglich sind.

    • Thutmerwe

      @Alex_der_Wunderer:

      1. Es waren Landtagswahlen, keine Kommunalwahlen.



      2. Bei der letzten Bundestagswahl haben ca 10 Mio (davon der größere Teil im Westen) für die AFD gestimmt. Brauchen die alle eine "verpflichtende Bildungsmaßnahme"?



      3. Solche Maßnahmen sind ja präventiv immer besser als nachgereicht.



      Daraus folgt: Vielleicht starten wir mit so etwas erst einmal in "Ihrem" Bundesland?

      • Alex_der_Wunderer

        @Thutmerwe:

        @ Thutmerwe



        Sorry, stimmt , wir sind hier so mit unseren Kommunalwahlen in Vorbereitung, da kommst echt schon durcheinander.

  • Rene Meinhardt

    Sozialismus hatten wir schon. Wurde wegrevolutioniert. Natürlich kann man die gleichen Fehler mehrfach machen. Aber wer darauf hofft, dass durch die Umbenennung einer Partei dann ein besseres Ergebnis herauskommt ... siehe das Einstein zugeschriebene Zitat.

  • Hans-Peter Arnold

    Schlüssig ist das nicht. Was fehlt, ist im Osten das Gefühl, dass Demokratie funktioniert und der Demos gehört wird. Dasselbe Gefühl hatte man auch schon im realen Sozialismus.



    Das Ost-"Problem" ist meines Erachtens kein ökonomisches, sondern ein soziologisches: Im Westen hatte man seit den 60er Jahren Zeit, sich an gleichberechtigte Minderheiten und Migranten zu gewöhnen, da sind immerhin drei Generationswechsel dazwischen, und reibungslos lief das auch nicht. Zudem wurden die ersten Migranten als Stütze des Wirtschaftswunders wahrgenommen. Im Osten dagegen traf die erste Migrationswelle auf ein Land mit Massenarbeitslosigkeit im Wirtschaftsumbruch.



    Hier fehlt schon immer ein differenziertes Konzept, und weil die Folgen nun endlich dank (noch) funktionierender Demokratie evident werden, wird man nun endlich ... die AfD verbieten?

    • Westlahn

      @Hans-Peter Arnold:

      Nur so als Hinweis: die Mauer ist inzwischen länger weg als sie gestanden hat. Eigene Erinnerungen an deren Wirkung als Erwachsene haben in den östlichen Bundesländern nur noch Ü45. Die mit den meisten Erinnerungen (Ü70) sind die , die in Sachsen Anhalt am wenigsten AfD gewählt und damit die absolute Mehrheit verhindert haben.

  • Treppenwitz

    Viele Kommentare weisen hier schon darauf hin, dass die sozialistischen Staaten der Neuzeit eher nicht mit Menschenrechten und wirtschaftlicher Absicherung glänzen können. Ich glaube aber auch, dass eine Diktatur des Proletariats (Arbeitende) in vielen Belangen stumpf nach hinten losgeht. Ich sage das deswegen, weil gerade diese Wählerschichten überproportional Rechts wählen und auf den Klimawandel pfeifen. Wollen wir das wirklich? Nicht umsonst gibt es in zu unserer extrem arbeitsteiligen Gesellschaft Experten für so ziemlich alles..

    Und: Wie soll die Preisfindung funktionieren, die gewährleistet, dass mit Ressourcen effizient umgegangen wird? Alle Stimmen für das Wunschgehalt und 24 Std. Woche?

    • Schmetterling

      @Treppenwitz:

      Der Treppenwitz ist ja, dass die kapitalistische Staaten der Neuzeit mit Menschenrechten und wirtschaftlicher Absicherung auch wenig am Hut haben. Aber während das in besagten sozialistischen Staaten ein Zeichen dafür ist, dass Sozialismus böse ist und nicht funktioniert, ist das bei den kapitalistischen Staaten gut und notwendig weil Profit.

      Tolle Welt...

  • Sole Mio

    Unser Land ist bislang mit der sozialen Marktwirtschaft sehr gut gefahren.



    Meiner Meinung nach müssten wir an einigen Stellschrauben drehen:

    - Den wirklich bedürftigen und erwerbsunfähigen mehr helfen.

    -Geringverdiener die langjährig (etwa 40 Jahre und mehr) auch eine Bonusrente bezahlen

    -Alleinerziehende mehr unterstützen

    -Erwerbsverweigerer hart sanktionieren

    -Ausreisepflichtige sollen auch ausreisen oder andersweitig menschengerecht untergebracht werden.

    -Wenn Einwanderer, Flüchtlinge, Asylsuchende straffällig werden muss die Möglichkeit bestehen diese unkompliziert in Ihre Heimatländer zurückzuführen. Wer hier Schutz sucht und findet, jedoch unsere Gesetze und unsere Lebensweise nicht akzeptiert, muss sich im klaren sein dass dies überhaupt nicht toleriert wird

    -mehr Politiker die aus dem wahren Leben kommen und im Bundestag auch wirklich das Volk abbilden

    -Bei der Einschulung sollte jedes Kind verpflichtend deutsche sprechen

    -



    -

    • Westlahn

      @Sole Mio:

      "Unser Land ist bislang mit der sozialen Marktwirtschaft sehr gut gefahren."



      Stimmt. Aber das Fahrzeug hat keinen TÜV mehr. Das soziale der Marktwirtschaft hängt ökonomisch am Geschäftsmodell des Exports von Konsumgütern und Investitionsgütern in den Rest der Welt. Das hat China kopiert, skaliert und auf Dauer übernommen. Das deutsche weiter so oder "zurück zu unseren Wurzeln" ist keine Option mehr. Das begreift unser politisches Personal zu langsam. Dazu kommt die "gute Fahrt" war eine Fahrt in eine ökologische Sackgasse, denn es war der Kapitalismus der vornehmlich westlichen Industrienationen inkl. Japan uäm, der den Klimawandel gestartet hat. China macht ihn jetzt nur schlimmer.



      Auch unsere Wirtschafts -und Politikwissenschaft ist auf der Suche nach Alternativen ziemlich blank -insbesondere was dessen Umsetzung in die Realität betrifft.

      • Sole Mio

        @Westlahn:

        Ja, was China hier ökologisch treibt ist ein verbrechen an der Natur und schlussendlich gegen die Menschheit.

        Wäre es nicht auch sinnvoll zuerst einmal unsere Wirtschaft wieder auf stabile Beine zu stellen und dann wieder resilient einen neuen Anfang in Sachen Vorreiter im Umweltschutz zu starten?

    • sociajizzm

      @Sole Mio:

      -Den wirklich bedürftigen und erwerbsunfähigen mehr helfen.



      -Alleinerziehende mehr unterstützen



      -Erwerbsverweigerer hart sanktionieren



      -Bonusrente



      .



      Gegenvorschlag: BGE. Ist finanzierbar und löst alle 4 Aufgaben auf einmal. Wer wirklich nicht in der Lage ist und wer nur "verweigert" ist im Einzelfall tatsächlich sehr aufwändig zu klären. Da werden viel zu viele Menschen unnötig drangsaliert und unnötig Aufwand betrieben.



      .



      Im Ergebnis würden rund 83% der Menschen finanziell profitieren, nur 10% hätten weniger Geld.



      .



      Ich kann den Wunsch der unkomplizierten und schnellen Abschiebung nachvollziehen.



      .



      Scheitert nur an der Realität. Es gibt Gründe, warum das nicht längst gemacht wird.



      Eine "menschengerechte" Unterbringung in einem 3t Land ist absolutes Wunschdenken. D schafft es nicht einmal menschenwürdige Zustände in Lagern in Deutschland zu schaffen, obwohl hier p.P. und Tag teilweise mehr Geld zum Fenster rausgeschmissen wird, als für Hotelzimmer.



      .



      Gegenvorschlag: Integration. Sprachkurse, Aufenthaltsrecht für Ausbilsungsplatz/Arbeitsvertrag + Familiennachzug bei entsprechender finanzieller Lage. Kurz: Mehr Carrot, weniger Stick.

      • Sole Mio

        @sociajizzm:

        Das BGE sehe ich eher kritisch. Dadurch kann Motivation zur Arbeit reduziert und im Gegensatz zur Schwarzarbeit gesteigert werden.

        Klar müssen Menschen gefördert werden. Aber dann dürfen wir bei denjenigen auch fordern.

    • derzwerg

      @Sole Mio:

      Von mir aus gerne, aber ein paar mehr Steuern könnten von den Reichen auch erhoben werden

      • Sole Mio

        @derzwerg:

        Da bin ich bei Ihnen.

        Ich würde sogar wagen zu behaupten die Reichen würden dies dann auch akzeptieren.

  • flo fluse

    Ich teile die Intention des Autors und der Wunsch in welche Richtung es hingehen soll – ich verstehe es als eine Form von "tieferer Demokratie" als wie es bisher haben.



    Die Strategie des Autors dahin sehe ich als ein Aufwärmen von alten "modernistischen" Ideen und sehe wenig Neues, dabei hat sich die Grundkonstellation unserer Gesellschaft seit Anfang des 20. Jahrhunderts stark geändert.



    Was mich inspiriert and antreibt sind Ideen, wie die eines Sozialstaates 2.0 mit einer tieferen, emanzipatorischen demokratischeren Wirkung, anschlussfähig an Regenerativität, wie sie Hanzi Freinacht mit der "zuhörenden Gesellschaft" beschreibt.



    metamoderna.org/wh...welfare-look-like/

    Ich schätze auch sehr seine Gedanken zum Sozialismus & Klassen Thema und wie er es konstruktiv weiterdenkt ohne in den alten Kategorien und Gedankemustern zu verharren, in denen sich die Debatten in Foren dann schnell verhakeln.



    Wie hier: metamoderna.org/is...classless-society/

    Ich finde diese beiden Artikel gerade als konstruktiven Ausweg aus den klassischen Sozialismuskommentaren um den Grundansatz des Artikels mit Blick auf die Zukunft weiterzudenken...

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Hilfe! Da hat einer Sozialismus gesagt 😁

    • Land of plenty

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      ja! der Stimmung nach sollte das Wort schon gar nicht mehr auftauchen. Huibooo!



      Das ist eine der Wirkungen des CPAC - der mentalen und medialen Beeinflussung (Conservative Political Action Comittee, seit Jahren in Budapest).

  • Mafu

    "Kapitalismus" ist ein Kampfbegriff ohne Bedeutung. Was Marx Ende des 19 Jahrhunderts beschrieben hat gibt es heute auf der ganzen Welt kaum noch. Fast überall ist der freie Wettbewerb in irgendeiner Form reguliert, fast überall gibt es Sozialsysteme, Arbeitnehmerrechte ökologische Auflagen und so weiter. Selbst die betriebliche Mitbestimmung gibt es im Großen wie im Kleinen. Wir brauchen also keineswegs einen Systemwechsel, das System muss nur ständig an neue Anforderungen angepasst werden und das in einem demokratischen Prozess.

    Unternehmerische Entscheidungen ganz in Arbeitnehmerhände zulegen, geht mal mehr mal weniger gut. Eine systematische Verbesserung ist davon nicht zu erwarten.

    Im Osten haben 40% gerade entschieden, ihre Entscheidungsbefugnis an Lügner und Zersetzer abzugeben. Sie wollen wieder zurück in einen fürsorglichen und strengen Staat, den sie aus der DDR, dem Nationalsozialismus und noch länger zurück aus Preußen kennen. Auf keinen Fall wollen sie Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen, deren Folgen sie dann ausbaden müssen.

    • Land of plenty

      @Mafu:

      Da sind sie ganz schlecht informiert.



      "Kapitalismus" ist ein Kampfbegriff ohne Bedeutung.



      Die Akkumulation von Kapital und die Widersprüche des Verwertungsprozesses haben seit den 1990er Jahren eine Reihe von marxist. Ökonomien beschrieben mit Daten. Riccardo Bellofiore oder Werner Bonefeld z.B.



      Ein Großteil der Nationalstaaten kennt eben keine sozialen Absicherungen. Nicht mal in der EU. Griechenland, Italien.



      Sozialausgaben in Kongo-Kinshasa: 0.



      Das ist eine der Gründe für den Massenaufbruch aus Marokko nach Ceuta: das sind die in Marokko ganz Armen.



      Das Lieferkettengesetz wurde durchlöchert. Die Umweltschutz-Gesetzgebung in Indien steht auf dem Papier.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Mafu:

      "Was Marx Ende des 19 Jahrhunderts beschrieben hat gibt es heute auf der ganzen Welt kaum noch."

      Nein. Genau das ist immer noch die Grundlage. Schon damals gab es Regeln und Sozialsysteme, die es für den größten Teil der Weltbevölkerung auch heute noch nicht gibt, ändern nichts am Prinzip.

      Max ist top aktuell. Besonders, wenn man die aktuellen Entwicklungen (z.B. die "Reformen" in D) betrachtet.

    • tenwheeler

      @Mafu:

      „ Selbst die betriebliche Mitbestimmung gibt es im Großen wie im Kleinen.“

      Der war gut. Die Realität ist eine vollkommen andere. Nicht mal in den großen Aktiengesellschaften nach deutschem Recht, wie dem Volkswagen-Konzern, gibt es hinreichend betriebliche Mitbestimmung. Ich schaue auf die aktuelle Entwicklung und ihre Vorgeschichte. In kleinen Betrieben gibt es häufig nicht einmal Betriebsräte, die formal in bestimmten Angelegenheiten mitbestimmen könnten. In der Regel ist in den kleineren Betrieben keine Spur von Mitbestimmung zu finden, sondern es wird Macht allein aufgrund des Eigentumsrechts ausgeübt. Selbst engagierte Betriebsräte sitzen allein aufgrund gesetzlicher Bestimmungen am kürzeren Hebel. Und ein Streikrecht gibt es in Deutschland ja auch nur sehr eingeschränkt.

      • Land of plenty

        @tenwheeler:

        sehr wichtiger Punkt!

  • David Lejdar

    - Die „Rettung der Demokratie“ klingt da nur noch wie eine Chiffre für die Bewahrung des Bestehenden. ... -

    Joa, da komme ich noch mit. Aber an für sich ist es Arbeitern doch nicht verwehrt, spezifisch sogenannte "worker co-operative" zu machen, bzw. "Mitarbeiterunternehmen". Und wenn man sowas macht, da kommt man bei dem Punkt an, dass es wie Doppelschicht ist, zum einen Arbeitsleistung zu erbringen, und zum anderen der ganze administrative Bereich, wo idealerweise fachlich zu entscheiden.

    Und ähnliches Problem mit direkter Demokratie, wenn dazu noch zig Unternehmen individuell zu managen sind. Und da komme ich bei Dingen an, wie im Sinne einer Korporation, je Landkreis ÖPNV Betrieb (/Zweigstelle), mit synergisch einheitlicher Software und so, um eben dieses Ding des "Zeit- und Studienaufwands" in der Selbstverwaltung weit zu verringern, ohne solche aufzulösen (wobei kommunale Selbstverwaltung übrigens in Monarchie eingeführt wurde, während NSDAP und SED für Zentralstaat).

  • Agarack

    Die Argumentation hat ein fundamentales Problem: Sozialismus ist unpopulär. Demokratischen Sozialismus gegen die Mehrheit durchzudrücken, wird aber nicht funktionieren - spätestens bei der Frage, wie man Privateigentum in (wie auch immer geartetes) Kollektiveigentum überführt, bekommt man ein Problem. Und die Unpopularität des Sozialismus wird sich auch nicht ändern, solange kein Staat auf der Welt ansatzweise beweist, dass Sozialismus in der Lage ist, den Menschen einen angemessenen Lebensstandard zur Verfügung zu stellen - zumindest der "real existierende Sozialismus" hat bisher nämlich in praktisch jedem Fall eher das Gegenteil bewiesen.

    Mal abgesehen davon, dass die Vorstellung, der Sozialismus würde die "sozialen und ökologischen" Krisen lösen, auch romantisch ist. Auch im Sozialismus müssen Kraftwerke laufen. Auch im Sozialismus müssen Rohstoffe abgebaut werden, wenn Dinge produziert werden sollen. Auch im Sozialismus spawnt nicht im ganzen Land plötzlich ein fuktionierender ÖPNV, so dass die Leute immer noch ein Auto brauchen. Wenn man aber so einen Sozialentwurf derart romantisch auflädt, dann kann das Ergebnis nur enttäuschen.

    • Otto Buchmeier

      @Agarack:

      Es gibt inzwischen zumindest 'real existierende' sozialistische Länder, die wirtschaftlich erfolgreich sind, wie China und Vietnam. Demokratisch sind die halt nicht.

      • Machiavelli

        @Otto Buchmeier:

        Sozialistisch auch nicht.

  • Bodo Sporleder

    In der (parlamentarischen) Demokratie entscheiden die wahlberechtigten Menschen wer die Regierungsverantwortung übernehmen soll. Das ist manchmal schwer auszuhalten, gerade wenn die Mehrheit ganz anders wählt als gewünscht. Wenn dannn etwas schwer auszuhalten ist, könnte Mensch ja auf die Idee kommen seine oder ihre Ideale und deren Umsetzung zu erzwingen. Dann wird also populistisch gewählt um (irgendwas) zu erzwingen, wobei meist niemand weiß was genau.



    Das scheint zu funktionieren, wie sich nun in SA (Sachsen Anhalt) zeigt.



    Darauf zu reagieren andere Ideale und deren Umsetzung zu oktruieren ist auf der einen Seite naheliegend (weil Man ja im Besitz der Wahrheit und der richtigen Moral ist) aber irgendwie auch lustig. Am Ende gibt es dann zwei Ideale, die beide nicht umsetzbar sind. Immerhin werden so demokratische Strukturen augelöst., und nur das Gegeneinander bleibt übrig. Im Übrigen werden beide dogmatische Vorstellungen nicht funktionieren.



    Darauf sollten wir setzen. Am Ende werden die rechten Parolen gegen sozialistische Eiferer gewinnen.



    Demokratischer Sozialismus ist eine Theoretisch klasse Antwort auf die politische Krise. Demokratie aber auch.

  • Demokratischer Segler

    "...Ein anderes Wirtschaftssystem ist nicht nur möglich – sondern nötig...."



    Jetzt wird's gruselig. Nenne Sie mir ein Land, in dem Ihre Vorstellungen von Sozialismus "erfolgreich" umgesetzt und gelebt werden! Es gibt kaum ein Land, welches mit seiner freiheitlich parlamentarischen Demokratie ähnlich gut da steht, wie Deutschland - auch wenn es derzeit unter massiven Druck steht. In Ihrer Welt möchte ich jedenfalls unter keinen Umständen leben.

    • aujau

      @Demokratischer Segler:

      Ein Patentrezept wird schwierig, zugegeben.



      Das Wirtschaftssystem MUSS allerdings allein aus Gründen des Umweltschutzes geändert werden, ob man will oder nicht.



      Das merken auch andere Länder.

      • Machiavelli

        @aujau:

        welche Länder merken das? Und was machen die?

        • aujau

          @Machiavelli:

          China baut Erneuerbare Energien massiv aus. Der Smog in den Grosstädten durch die Kohlekraftwerke wird zum Problem, welches zu Lösungen zwingt. Ich denke, dass auch andere Länder wie z.B. Indien und Brasilien das Thema Umweltschutz vermehrt in den Blick nehmen, weil die Probleme die Wirtschaft beeinträchtigen und die Bevölkerung bedrohen.

          • Machiavelli

            @aujau:

            Die ändern aber nicht ihr Wirtschaft-system, Indien wird under Modi sogar mehr kapitalistisch und China verfolgt diese Strategie primär mit Autarkie im Hinterkopf und Umweltschutz in Brasilien steht auch unter Lula weit hinter Wirtschaftswachstum in der Priorität.

  • Okti

    Da kann ich nur zustimmen. Ohne system change weg vom Ausbeuterkapitalismus wird sich nichts für die große Mehrheit verbessern. Die Linke könnte dies relativ glaubhaft für sich reklamieren. Tut sie aber nicht, weswegen sie, kombiniert mit ihrer Außenpolitik, auf Bundesebene keine Alternative darstellt.

    • Zippism

      @Okti:

      Natürlich könnte die Linke das „glaubhaft für sich reklamieren“. Sie müsste dafür nur konsequent wieder die Positionen vertreten, mit denen sie zuverlässig unter die 5-Prozent-Hürde kommt.

      „System Change“ klingt schließlich immer besonders überzeugend, solange man nicht erklären muss, wie genau das System danach aussehen soll – und vor allem, wer am Ende die Rechnung bezahlt.

      Die Mehrheit verbessern, indem man ihr erst einmal erklärt, dass ihr gesamtes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem „Ausbeuterkapitalismus“ sei, ist jedenfalls ein bemerkenswertes Wahlkampfkonzept

  • Hans Dampf

    Bitte nicht



    Sozialmus ist ein theoretisches Hirngespinst, welches praktisch gar nicht funktioniert und auch noch nie in einem demokratischen Land funktioniert hat. Die Alternative zur AfD heißt ganz sicher nicht Sozialismus. Den Menschen würde es schlechter gehen und noch mehr würden zur AfD wechseln.

  • Dr. M.

    Robert Cialdini, seines Zeichens Sozialpsychologe und Wahlkampfberater von Barack Obama, hat zum Thema der Persuasion das schöne Bild vom "klick und surr" geprägt. Er meint damit, dass es bestimmte Tasten gibt, die man bei uns Menschen drücken kann ("klick"), die mehr oder weniger unweigerlich zu einer bestimmten Reaktion führen ("surr"). Das lässt sich prima nutzen, um Menschen zu Kaufentscheidungen zu bewegen, oder auch um Menschen zu betrügen und nach Strich und Faden auszunehmen.

    Ganz ähnlich funktionieren bestimmte, in der Wahrnehmung der Allgemeinbevölkerung geprägte, Worte. Da sind Valenzen und vermeintliche Bedeutungszusammenhänge so stabil, dass am Ende fast egal ist, was die Begriffe eigentlich meinen.

    Anarchismus wird bspw. nicht korrekt als Abwesenheit von Herrschaft bei allgemeingültigen Regeln, sondern als Chaos und Recht des Stärkeren verstanden.

    Ebenso sind die Begriffe "Kommunismus", "Sozialismus" und "Links" einfach verbrannt. Unabhängig von Inhalten wird sich deswegen mit diesen Schlagworten in Deutschland nie und nimmer sinnvoll Politik machen lassen. Wer einen demokratischen Sozialismus wahr werden lassen will, darf ihn darum auf keinen Fall so nennen.

    • Michael M

      @Dr. M.:

      Und wer setzt in der Anarchie die allgemeingültige Regeln durch, wer hat diese aufgestellt, was passiert, wenn sie mir schnurzpiepegal sind?

    • Anna Bell

      @Dr. M.:

      Ja, ihr Beitrag bringt die Kommentare weiter unten auf den Punkt. Verbrannte Begriffe.

  • vieldenker

    Gibt es in der Praxis irgendwo auf der Welt einen funktionierenden „demokratischen Sozialismus“? Soweit ich weiß, hat das bisher immer nur theoretisch funktioniert. In der Praxis war es auf Dauer entweder nicht demokratisch, oder nicht sozialistisch. Oder gleich Beides.

    • Agarack

      @vieldenker:

      Das hängt ganz davon ab, wie eng man die Kriterien fasst. Wenn man z.B. sagt: "demokratischer Sozialismus ist ein demokratischer Staat, in dem entscheidende Teile der Wirtschaft Kollektiveigentum sind", dann würde ich auf das Vereinigte Königreich nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Thatcher-Ära verweisen, in der die britische Schwerindustrie (insbesondere die Kohle- und Stahlindustrie) praktisch komplett in staatlicher Hand war. Das hat schon "funktioniert" - führte aber mittelfristig nach einer größeren Wirtschaftskrise dazu, dass eine Premierministerin gewählt wurde, die dieses Staatseigentum (und vieles weiteres) binnen kurzer Zeit wieder privatisiert hat. Ob es jemals einen demokratischen Sozialismus geben wird, der nicht nach der ersten großen Krise wieder verschwindet, wage ich zu bezweifeln.

    • Desdur Nahe

      @vieldenker:

      Kann es auch nicht geben, das ist im System so angelegt:



      Wenn alles "dem Volk" gehört, dann gehört es quasi niemandem. Und wenn etwas niemandem gehört, dann fühlt sich auch niemand dafür verantwortlich.



      Schlitzt jemand zu Hause sein Sofa auf? Aber in der Bahn. Zertrümmert jemand sein eigenes Fenster? Aber die an der Bushaltestelle. Etc. Ähnlich mit Produktionsmitteln. Und der Motivation:



      Wenn sich jemand richtig reinhängt, damit der Auftrag noch fristgerecht fertig wird, und als Gegenleistung nur einen Orden bekommt ("Held der Arbeit"), weil leistungsabhängige Entlohnung ja kapitalistisch wäre, dann macht er das das nächste Mal halt nicht. Der Auftrag geht den Bach runter. Was allerdings egal ist, sind ja sowieso alles volkseigene Betriebe.



      Leistungsvermögen, Güterangeobt und Lebensqualität sinken. In nicht-sozialistischen Ländern sieht es anders aus, das sieht die Bevölkerung und begehrt auf.



      An diesem Punkt wird die angeblich überlegene Ideologie bedroht und muss autoritär werden, um zu überleben. Demokratie vorbei, das Volk würde das System ja abwählen. Und wenn man keine Insel ist (Kuba), dann braucht man eine Mauer. Sonst stimmen die Menschen mit den Füßen ab (Venezuela).

      • Dr. McSchreck

        @Desdur Nahe:

        So ist es und wer das nicht glaubt, soll sich einfach den Umgang mit öffentlichen Eigentum - mehr in den Großstädten, weil es da noch weniger soziale Kontrolle gibt - ansehen. Letztlich fängt das Scheitern des Sozialismus schon an, wenn man seinen Müll einfach auf die Straße wirft, weil es bequemer ist und seinen Frust an einem öffentlichen Fahrstuhl oder einer Rolltreppe auslässt, die man kaputt macht. So würden die wenigsten Menschen mit ihrem eigenen Eigentum umgehen.

    • Kaboom

      @vieldenker:

      Wie immer, wenn etwas nicht definiert ist, gibt es darauf keine Antwort. Die Leute in den USA, die sich "demokratische Sozialisten" nennen, fordern Dinge, die hierzulande Allgemeingut sind.



      Z. B. eine öffentliche, für alle zugängliche Gesundheitsversorgung. Kein Mensch käme hierzulande auf die Idee, das Sozialismus zu nennen. Oder kostenlose Bildung. Dito. Oder Wohnen als Menschenrecht. Dito. Oder einen Green New Deal, höhere Steuern für Reiche, die Stärkung von Gewerkschaften. Sicher kein Allgemeingut, aber ebenso sicher kein "Sozialismus".

    • Deep South

      @vieldenker:

      Nein, natürlich nicht. Es gab echte soziale Marktwirtschaft in den 70er, 80ern, in Schweden z.Bsp. Und ich würde auch nicht behaupten, das die Versuche den Sozialismus einzuführen von vorn herein als repressive Dikaturen geplant waren.



      Demokratischer Sozialismus scheitert schon daran, dass man für eine deratige Transformation einer Gesellswchaft eine sehr große Mehrheit der Menschen davon überzeugen müsste komplett mitzuziehen und die dabei erstmal entstehenden Probleme und Nachteile zu akzeptieren. Gerade in Zeiten, wo man in allen möglichen Bereichen Personalmangel hat, kann man nicht einfach Zigtausende ziehen lassen, die das nicht mitmachen. Und dann passiert das, was immer passiert ist, wenn man kurzfristig mit der Brechstange ein System ändern will. Man braucht Ausreisebeschränkungen, Transformation von Arbeitslätzen, Umsiedlung von Arbeitskräften, Repression, etc. Und schon wars das mit der Demokratie. Und wie man dieses Dilemma auflösen will, verrät dir keiner, der davon spricht, wir müssten den Sozialismus einführen, um die Demokratie zu retten.

    • Jesus

      @vieldenker:

      Gibt es denn einen funktionierenden Kapitalismus? In der Theorie super, in der Praxis wird Kapital akkumuliert auf Kosten der Arbeiter, der „Dritten Welt“ und der Umwelt.

      • Dr. McSchreck

        @Jesus:

        Mal wieder wird nur auf die Verteilung geschaut - und nicht darauf, dass es selbst den Ärmsten besser geht.

      • Reinero66

        @Jesus:

        Naja, dieser Kapitalismus hat dazu geführt, dass nur noch 10% der Menschen existentiell Arm sind, vor 40 Jahren waren es noch 30% der Weltbevölkerung. Und die "Dritte Welt" wie sie noch in den Köpfen der Menschen im Westen existiert stimmt so schon lange nicht mehr.



        Und falls sich noch jemand erinnert, der Osten war nach dem Mauerfall Umwelttechnisch eine Katastrophe von Danzig bis zum schwarzen Meer und von Berlin bis nach Sibirien.

      • Zippism

        @Jesus:

        „Gibt es denn einen funktionierenden Kapitalismus?“ – Eine erstaunliche Frage angesichts dessen, dass wir gerade in einer Gesellschaft sitzen, die ihren Wohlstand, ihre medizinische Versorgung, ihre Infrastruktur und ihren Lebensstandard nicht zuletzt diesem verhassten Kapitalismus verdankt.

        Natürlich produziert Marktwirtschaft Probleme. Deshalb gibt es ja Wettbewerb, Sozialstaat, Arbeitsrecht, Umweltauflagen und Kartellrecht. Die spannende Frage wäre also nicht, ob der Kapitalismus perfekt ist, sondern welches System in der Praxis mehr Wohlstand, Freiheit und Lebensqualität für möglichst viele Menschen erzeugt.

    • Perkele

      @vieldenker:

      Wie wär's denn mit den Jahren als Willy Brandt Kanzler war?

      • vieldenker

        @Perkele:

        Willy Brandt hat vieles bewegt, aber spätestens seit „Godesberg“ hatte die SPD nicht mehr den Sozialismus als Ziel. Sonst wäre Brandt wohl auch nie Kanzler geworden.

    • Hans Dampf

      @vieldenker:

      Volltreffer und versenkt. Guter Kommentar.

  • Bla Stauchert

    Niemand wählt eine wirtschaftsliberale Partei, weil er sich noch mehr Sozialismus wünscht.



    Im Übrigen sind es Parteien wie Die Linke und die SPD, die ein Austeritätsprogramm verfolgen mit dem sie möglichst viele Menschen im Sozialnetz gefangen halten und damit vom Staat abhängig machen wollen.

  • Donald Duck

    "... der Demokratische Sozialismus. Er stellt die Mehrheit der Bevölkerung – die arbeitende Klasse – in den Mittelpunkt seiner Politik. Er ermöglicht es den Arbeitenden, selbst über die Belange ihrer Betriebe zu bestimmen."



    Erfahrungsgemäß fällt im Sozialismus für große Teile der Bevölkerung weniger ab als in der sozialen Marktwirtschaft. Die DDR hat es nicht gepackt, Cuba versucht es immer noch, die Bevölkerung Venezuelas - ein eigentlich reiches Land mit großen Erdölreserven - ist wegen dieses Gedankenspiels verarmt. Große Teile der Bevölkerung mußte aus wirtschaftlichen Gründen fliehen. Aber wo sollen die Menschen aus sozialistischen Staaten noch hinfliehen können, wenn weitere Staaten den demokratischen Sozialismus einführen.



    Simbabwe - ehemals Agrarexpoteur - hat Farmen enteignet und es den Arbeitern ermöglicht, selbst über die Belange ihrer Betriebe zu bestimmen. Die Lebensmittelproduktion brach schnell ein. Für die viele Bürger Simbabwes blieb so wenig übrig, daß sie nach Südafrika fliehen mußten.



    Der Vorschlag des Autors würde die Ziele der AfD - Stopp des Zuzugs oder gar Umkehr der Fluchtbewegungen - mit anderen Mitteln ebenfalls erreichen. Er ist eine schlechtere Lösung!

  • Mendou

    "Sie könnte der gekränkten Bevölkerung etwas sagen, das die AfD nicht sagen kann: dass die DDR sozialistische Errungenschaften hervorgebracht hat, auf die die Menschen stolz sein können. " Welche genau sollen das gewesen sein? Irgendwas muss ich in meinen 18 Jahren DDR verpasst haben.

    • Lernkern

      @Mendou:

      Moin.

      Vorweg: ich bin alter Wessi, kann also über die Errungenschaften der DDR nur vom Hörensagen berichten. Und dass es eine Diktatur war, die ihre Bürger unterdrückt hat, steht für mich außer Frage.

      Dennoch möchte ich flächendeckende Kinderbetreuung und in Konsequenz die Werktätigkeit von Frauen (ich alter Patriarch;-) nennen. Und gab es nicht auch ausreichend bezahlbaren Wohnraum?

      Beste Grüße

      Jörg

      • Walterismus

        @Lernkern:

        Zum Wohnraum: Den würde es auch heute noch ausreichend geben, wenn man die Baustandards nur wieder runter setzen würde. Macht man nicht und genauso erlaubt man es der Bevölkerung gegen Baumaßnahmen zu demonstrieren. Auch das könnte man verbieten.

        Flächendeckende Kinderbetreuung ist eine Sache des Personals, auch das könnte man aktuell wieder haben, nur wenn man 2026 Menschen in Jobs zwängt, die sie nicht wollen, dann wird sofort von Unterdrückung der Armen gesprochen.

        Heute kann jede Frau arbeiten in Deutschland, dass hat sich durchgesetzt, aber war auch bereits im Westen bereits Standard.

        Bemerkenswert: Im Sozialismus wird das gefeiert, was aktuelle verpönt und als Unterdrückung deklariert wird.



        Immer wieder Bemerkenswert, dass diese Wiedersprüche ausgeblendet werden und in dem einen Wirtschaftssystem gefeiert und dem anderen Grund ein Grund zum lautstarken Protest sind.

      • Mendou

        @Lernkern:

        Kinderbetreuung und Rolle der Frau meinetwegen, wobei wir halt auch schon im Kindergarten Grenzsoldatenlieder gelernt haben.



        Ausreichend Wohnraum gab es leider nicht, schau dir mal Bilder der Dresdner Neustadt um 1989 an. Um überhaupt eine Wohnung zu bekommen musste man verheiratet sein und möglichst ein Kind unterwegs.

      • Maja Kero

        @Lernkern:

        "Dennoch möchte ich flächendeckende Kinderbetreuung und in Konsequenz die Werktätigkeit von Frauen (ich alter Patriarch;-) nennen."

        Jedes Mal wenn ich diese Beispiele höre dafür, was die DDR richtig gemacht hat, muss ich ungläubig eine Augenbraue heben:

        Warum gab es denn flächendeckende Kitas in der DDR? Um die Gleichstellung von Mann und Frau zu erreichen? Das glauben Sie ja wohl selber nicht. Das war kein feminstisches Projekt, sondern generierte sich ganz simpel aus dem Bedarf an Arbeitskräften in den Betrieben.

        Die klassische Rollenverteilung war zementiert und wurde auch nicht in Frage gestellt.

        Dies lässt sich auch gut daran erkennen, dass

        A. die DDR-Frauen trotzdem noch fast 100% der Care-Arbeit leisteten (im Osten waren die Männer nämlich genauso Chauvies wie im Westen)

        und

        B.dass in den Führungsriegen des Staates und der Betriebe fast auschließlich Männer saßen.

        Diese strukturellen Merkmale eines Patriachats waren in der DDR genauso vorhanden wie in der BRD. Da war der Job für die Frauen eher noch eine Doppelbelastung als ein feministisches Emanzipationsprojekt.

  • Il_Leopardo

    Ist die „sozialistische Demokratie“ nur eine ansprechendere Bezeichnung für die "Diktatur des Proletariats" des vergangenen Jahrhunderts" oder war etwas dran an der Idee?



    Ursprünglich sollte die Diktatur des Proletariats ja nur ein Übergangsstadium hin zur freien Gesellschaft sein.



    Es stellt sich nun die Frage, warum dieser Prozess ins Stocken geriet. War die Gesellschaft vielleicht noch nicht reif, Verantwortung zu übernehmen? Möchten viele keine Verantwortung übernehmen und sich lieber "führen" lassen. Man könnte zu diesem Verdacht kommen, wenn man sich in diesen Tagen in Sachsen-Anhalt umhört.

    • Kaboom

      @Il_Leopardo:

      "Es stellt sich nun die Frage, warum dieser Prozess ins Stocken geriet. War die Gesellschaft vielleicht noch nicht reif, Verantwortung zu übernehmen?"

      Nö. Weil Diktatoren nun mal ihre Macht nicht wieder abgeben. Das ganze Konzept kann IMO nicht funktionieren, wenn zwischendurch mal Diktatur angesagt ist. Und zumindest bisher ist das immer so gelaufen.

      Ich glaube aber eher nicht, dass Helmut Schmidt einen demokratischen Sozialismus nach obigem Muster angestrebt hat. Obwohl das im SPD-Programm stand und steht.

    • Zippism

      @Il_Leopardo:

      Das ist schon eine bemerkenswerte Umdeutung der Geschichte: Die Diktatur des Proletariats scheiterte also möglicherweise gar nicht am Sozialismus, sondern daran, dass die Menschen einfach noch nicht „reif“ genug für die Freiheit waren. Praktisch genial – wenn das Experiment nicht funktioniert, ist eben der Mensch schuld.

      Nur stellt sich dann die unangenehme Frage: Wer entscheidet eigentlich, wann die Gesellschaft endlich reif ist? Die Partei? Das Zentralkomitee? Der „fortgeschrittene“ Sozialist, der den Rest erst noch zur richtigen Erkenntnis führen muss? Genau dort wurde aus dem angeblichen Übergangsstadium historisch ziemlich zuverlässig ein Dauerzustand.

      Und die Menschen in Sachsen-Anhalt, die nicht sozialistisch wählen, als Beleg für ihre angebliche Unreife zu nehmen, ist fast schon unfreiwillig komisch. Vielleicht haben sie nach den Erfahrungen des real existierenden Sozialismus einfach eine andere Vorstellung davon, wie viel „Führung“ eine freie Gesellschaft benötigt.

      • Il_Leopardo

        @Zippism:

        Ich weiß nicht, ob Sie es mitbekommen haben. Die Menschen dort haben sich für eine Partei entschieden, die gegen die pluralistische Idee ist und eine "Gleichschaltung" anstrebt.

        • Zippism

          @Il_Leopardo:

          Doch, das habe ich mitbekommen. Nur ist Ihre Schlussfolgerung bemerkenswert bequem: Weil Menschen eine Partei wählen, deren Positionen Sie für antipluralistisch halten, sind diese Menschen offenbar selbst schon gegen Pluralismus. Das ist ungefähr so differenziert wie: Wer die falsche Partei wählt, hat Demokratie nicht verstanden.

          Man kann die AfD wegen konkreter antidemokratischer Positionen, autoritärer Tendenzen oder einzelner Funktionäre kritisieren – völlig legitim. Aber aus dem Wahlergebnis kurzerhand eine kollektive Entscheidung „gegen die pluralistische Idee“ zu basteln, ist selbst eine ziemlich unpluralistische Betrachtung.

          Und genau deshalb war mein Einwand ein anderer: Wer behauptet, bestimmte Wähler müssten erst „reif“ für Demokratie werden und würden sich deshalb von der richtigen politischen Führung überzeugen lassen müssen, sollte vielleicht vorsichtig sein, anderen mangelnde demokratische Reife vorzuwerfen.

          • Il_Leopardo

            @Zippism:

            Die Menschen dort bewegen sich fort von der repräsentativen Demokratie hin zur repräsentativen Diktatur - das ist doch viel bequemer. Am Ende des Prozesses hat man nur ein paar Buchstaben ausgetauscht: AfD statt SED.

  • Carsten Weide

    Eines der Hauptprobleme ist das Denken in den geschlossenen Ideologien von Kapitalismus und Sozialismus. Die AFD ist eine neoliberale PArtei, die wie alle anderen auch auf Konkurrenz, Auslese und Verdrängung setzt. Es braucht ein kooperatives Wirtschaftssystem, in dem das Wachstumsdogma keine mehr Rolle spielt und sich an den ERdsystemgrenzen und den sozialen Erfordernissen orientiert.



    Ich denke, wir werden die Probleme nicht lösen, wenn wir die von der westlichen Lebensweise erzeugten Probleme allein mit westlichen Lösungsansätzen beheben wollen. Ein Blick über den Tellerrand auf andere, nichtwestliche Gesellschaften könnte hilfreich sein.



    Grüße aus der Wirtchaftsethnologie.

    • Oleg Fedotov

      @Carsten Weide:

      Die Frage ist dann aber, welche nichtwestlichen Gesellschaften solche Lösungsansätze bieten könnten. Russland ist eine faschistische Scheindemokratie und scheidet direkt aus, China ist kapitalistisch verpackte Kommunistische Diktatur. Also auch nicht. Kuba tauscht eine Krise gegen die nächste und ist alleine nicht überlebensfähig. Auch kein wünschenswertes Vorbild. Und alle anderen, nicht westlichen Staaten sind mehr oder weniger offen sichtbare Unrechtsregime. und mit Yoga oder QuiGong lassen sich halt keine Probleme wirklich lösen.

  • Astrid Sehnefeld

    Ein spannender Artikel. Zwei Punkte sehe ich aber anders:



    1. "Eine echte Alternative für Deutschland bietet nur der Demokratische Sozialismus. Er stellt die Mehrheit der Bevölkerung – die arbeitende Klasse – in den Mittelpunkt seiner Politik."



    Die Mehrheit der Jugend will nicht mehr arbeitende Klasse sein. Ursprünglich Abiturientenquote: 5%. Heute: knapp 50%.



    "Arbeiten", sprich Handwerk, Monteur,... = Erwirtschaftender will kaum einer mehr werden.



    Consulting = reden für Geld ohne Verantwortung übernehmen zu müssen, Influencer oder 'was Soziales', das idR den Staat Geld kostet statt welches zu erwirtschaften, ist Trend.



    2. "In Berlin, wo die Bevölkerung per Volksentscheid für die Enteignung von Wohnungskonzernen stimmte, ignorierten die Parteien die Entscheidung."



    Stimmt, trifft aber auch das konservative Lager. Deren Wähler wollten weiterhin Diesel fahren, mehr Abschiebungen und niedrigere Spritpreise. Sie wählen dementsprechend Parteien - die dann aber nicht regieren dürfen (AfD) oder Versprochenes nicht umsetzen (Union).



    Wenns um Ignoranz des Wählerwillens geht, werden alle Gruppen gleich missachtet von unseren Politikern.



    Deshalb wachsen ja beide politischen Ränder stetig an...

    • Il_Leopardo

      @Astrid Sehnefeld:

      Wie kommen Sie auf 50%. Hier meine Zahlen:



      Die Abitur Statistik Deutschland zeigt, dass im Jahr 2025 rund 341.700 Schüler in Deutschland die Hochschulreife oder Fachhochschulreife erworben haben. Dies entspricht einem Rückgang von 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Abiturquote ist in den letzten Jahren gestiegen, mit einem Höchststand von 4,6 Prozent im Jahr 2023

      • Chris McZott

        @Il_Leopardo:

        Studienanfängerquote 2024: 58,2%

        genesis.destatis.d...81-0003/chart/line

        Der absolute Rückgang der Abiturienten 2025 ist auf die Rückkehr zum neunjährigem Gymnasium in Bayern zurückzuführen. Da fehlt also ein Jahrgang...

  • Tom Farmer

    Sag ich auch immer: Die Arbeiter und Angestellten sollen über ihre Betriebe bestimmen. Ed ergo Mitarbeiterbeteiligung via GmbH Anteilen oder Aktien bei AGs.



    Wenn man das dann aber konsequent weiterentwickelt, also Rentenvorsorge über Aktien oder Firmenanteile, dann ist das plötzlichTeufelszeug derlei Idee.



    Also was nun?

  • gyakusou

    Es gibt Länder in Europa, in denen keine Rechtsextremen an der Macht sind oder kurz vor der Machtergreifung stehen. Vielleicht mal schauen, was dort besser läuft.

  • Fridolin

    Oh je, ob Sozialismus wirklich die Antwort auf unsere Probleme ist, da bin ich mir mehr als unsicher.



    DDR und sozialistische Erungenschaften steht für mich als ein System das eine Gesellschaft richtig vollkommen und gründlich runtergewirtschaftet hat.



    Das grundsätzuliche Menschenbild des Sozialismus ist nicht stimmig für uns Menschen.



    Ein Wettbewerbssystem wie der Kapitalismus ist dem Menschen angepasster, um diesen zu notwendiger Leistung und Fortschritt zu motivieren. Wir müssen hier jedoch die Kapitalakumulation in den Griff bekommen und das Thema moralische Verantwortlichkeit für sein Handeln dem Menschen beibringen.



    Hierzu finde ich die religiöse Komponente des Menschseins wichtig um den Mensch vom "Egozentriker sein" abzuhalten.

    • Montagsdepression

      @Fridolin:

      "Hierzu finde ich die religiöse Komponente des Menschseins wichtig um den Mensch vom "Egozentriker sein" abzuhalten."

      Klappt ja bei der CDU/CSU hervorragend!

      Schön gedacht, aber wir sehen doch heute schon, dass alles religiöse in der Politik keinen Bestand hat.

      Die Kapitalakkumulation ist nicht vermeidbar, das hat Marx doch ausgiebig dargelegt. Eine Einzäunung wird nie funktionieren, weil es immer zu starke Kräfte geben wird, die dagegen agieren.

      Das damit die Forderung nach einem Sozialismus erstarkt, ist eben die logische Folge. Eine wirklich gemeinwohlorientierte Gesellschaft würde ALLE auf den gleichen Stand und Status bringen.

      Das genau das den jetzigen Mitinhabern widerspricht, ist auch logisch. Einen Konsens zu finden ist ein ewiger Kampf, der Generationen überragt.

      Das perfide dabei ist doch, dass bei gemeinwohlorientierter Politik viel mehr Menschen es besser gehen würde, als bei dem, was wir heute haben. Wenn die Masse der Menschen das realisieren würde, wäre schon viel getan. Jedoch sind in unseren Land dann doch zu viele Menschen nicht bereit Abstriche in Kauf zu nehmen (höhere Steuern), damit es uns insgesamt noch besser geht.

      Es ist echt schade.

      • Fridolin

        @Montagsdepression:

        Ich meine nicht Religiöses in der Politik oder gar in Parteiprogrammen. Ich meine Religiöses in der Gesellschaft bei jedem/r einzelnen. Große Religiöse Menschen wie Martin Luther King, Albert Schweizer oder Mahatma Gandhi haben ein faires Miteinander aus ihrer Religion heraus gelebt und viele Menschen zu einem besseren Miteinander motiviert.

      • Zippism

        @Montagsdepression:

        „Eine gemeinwohlorientierte Gesellschaft würde ALLE auf den gleichen Stand und Status bringen.“ Das klingt tatsächlich so schön, dass man fast vergessen könnte, dass dafür irgendjemand entscheiden müsste, was dieser „gleiche Stand“ ist – und vor allem, wer darüber verfügt, wer davon abweicht.

        Und dass es „viel mehr Menschen besser gehen würde“, wenn nur endlich die Masse der Bevölkerung sozialistische Wahrheit erkennen würde, ist schon bemerkenswert. Der Bürger ist also nicht etwa anderer Meinung, sondern hat bloß die Erleuchtung noch nicht erfahren. Genau diese gönnerhafte Haltung gegenüber dem Menschen war historisch allerdings selten ein gutes Zeichen.

        Auch die Kapitalakkumulation ist keineswegs ein Naturgesetz, das automatisch zum Sozialismus führt. Sie lässt sich durch Eigentumsrecht, Wettbewerb, Steuern und Kartellrecht begrenzen.

        Und das Argument mit den „höheren Steuern“ ist besonders hübsch: Man müsse den Menschen nur erklären, dass er mehr abgeben soll, damit es allen besser geht. Das wurde im Sozialismus tatsächlich konsequent umgesetzt. Nur beim anschließenden Wohlstand hat die Theorie dann leider etwas Lieferverzug gehabt.

        • sociajizzm

          @Zippism:

          Realistisches Beispiel: Ein BGE bei dem über 80% der Menschen mehr Geld hätten als jetzt. Eine politische Mehrheit für mehr Umverteilung gibt es längst.



          .



          Es gab in SA eine signifikante Korrelation zwischen "prekäre finanzielle Lage" (persönliche Einschätzung) und der Wahl der AFD. Das ist schon paradox, insb. da sich das nicht bei linken Parteien beobachten lässt.



          .



          Und das Problem mit der Kapitalakkumulation ist, das diese mit ihrem Einfluss auf Politik eine vernünftige Besteuerung oder Regulierung verhindert oder verwässert. Bsp: Superreiche zahlen in Deutschland % deutlich weniger Steuern als Menschen mit hohem Gehalt. Vereinfacht 15% vs 45%! Erbaschaftssteuer wird sowieso eine "Dummensteuer" genannt.

  • Šarru-kīnu

    Als jemand der schon 89 für einen demokratischen Sozialismus und gegen eine sofortige Wiedervereinigung war, würde ich dem Artikel sofort zustimmen.



    Das derzeitige System muss weg. Wir brauchen eine demokratische Alternative nur gibt es dafür leider derzeit keine Angebote im Parteienspektrum. Ich habe nur die Wahl zwischen rechtem Dreck oder eine Verlängerung des StatusQuo mit Fremdherrschaft aus dem Westen. Das ist doch keine Wahl.

    • Perkele

      @Šarru-kīnu:

      Ach!? Gibt es denn im Osten keine Wahlen? Das ist mir neu....

  • passthedutchie

    Problem:



    Mit dem Begriff Sozialismus kann und sollte man nicht mehr arbeiten, auch wenn das, was eigenltich dahintersteckt, völlig richtig ist. Ich bin da voll d'accord.

    Aber dank jahrhundertelanger uns sehr erfolgreicher Dämonisierung seitens allen Rechten von konservativ-moderat bis ultraextrem - löst der Begriff nur Abwehrreflexe aus. Da ist eine Debatte schon verunmöglicht und die Haltungen fest betoniert, bevor das Gespräch überhaupt begonnen hat.

    Das haben wir doch schon zu Zeiten Merkels deutlich sehen können: Mit der Linkspartei darf keinesfalls auch nur geredet werden, wohingegen zu Pegida und der AfD muss man den Dialog suchen.



    Was denn jetzt?



    Entweder ich meide den Kontakt zu allen Radikalen (wobei ich die Linkspartei nicht unbedingt wirklich als radikal bezeichnen würde; aber das ist ein anderes Thema) , oder ich suche den Kontakt zu beiden Seiten.



    Aber da haben wir es wieder:



    Das Messen mit zweierlei Maß.

  • Bommel

    Warum genau sollte der Sozialismus nach den vielen Versuchen, die es weltweit dazu gab, jetzt funktionieren? Manchmal drängt sich ein wenig der Verdacht auf, dass so etwas besonders gerne Leute fordern, die den Sozialismus nicht selbst gespürt haben.



    Sozialismus kann niemals wirklich demokratisch sein, weil er dann bspw. abweichende ("nicht-sozialistische") Meinungen ertragen müsste. Und dazu ist er nicht in der Lage, er reagiert regelmäßig mit Knast auf soetwas.

    • curiouscat

      @Bommel:

      Naja, der Sozialismus ist ja im Grunde, wenn es Wirtschaft angeht, eine Planwirtschaft indem die Produktionsmittel nicht einigen wenigen, sondern allen gehören. Geplant wird auch jetzt schon in unserem System. Und demokratisch würde ich unswr derzeitiges System auch nicht nennen. Wirklicher Kapitalismus und Marktwirtschaft, also vor allem die Aspekte, die als Besser propagiert werden (bessere Warenverfügbarkeit etc.) sind in dem derzeitigen Marktsystem ausgehebelt wurden. Monopolmacht am Markt ist das Antidemokratischste und auch irgendwie antikapitalistische was es gibt und Neoliberalismus bedeutet eigentlich einen Starken Staat der stark und streng reguliert und Monopole konsequent zerschlägt.

      Aber zurück zur Demokratie. Das erste Problem ist dass in unserem System Unternehmen als juristische Personen konstruiert sind. Und diese haben mehr Einfluss und Möglichkeiten als reale Personen. Arbeitgeber als ominöse Entität die abgelöst zu sein scheint von der Tatsache dass sie auch nur dem Unternehmen dienen. Diese haben Zugang zur Politik. Und dieser Zugang ist nicht transparent. Und die derzeitige Regierung will ein Programm umsetzen was mindestens so radikal ist wie Elon Musks...

      • Zippism

        @curiouscat:

        Natürlich wird in einer Marktwirtschaft reguliert und natürlich gibt es Monopole und Lobbyismus. Das ist aber kein Beweis gegen Marktwirtschaft, sondern ein Grund für Wettbewerbspolitik und transparente Regeln. Dass der Staat Fehler macht oder Unternehmen politischen Einfluss haben, macht eine zentral gelenkte Wirtschaft nicht plötzlich demokratischer.

        Vor allem bleibt die entscheidende Frage unbeantwortet: Wer entscheidet in deinem „alle gehören alle“-System, was, wie viel und für wen produziert wird? Irgendjemand muss planen und Prioritäten setzen. Und dieser Jemand braucht Macht über Ressourcen und Eigentum. Genau dort wird es politisch interessant.

        Die historische Erfahrung zeigt jedenfalls nicht, dass sozialistische Planwirtschaft an zu wenig Regulierung gescheitert wäre. Sie zeigt, wohin es führt, wenn wirtschaftliche und politische Macht konzentriert werden.

        Aber schön, dass wir inzwischen wieder bei der Erkenntnis angekommen sind: Der Sozialismus wäre eigentlich eine großartige Idee – man müsste ihn nur endlich einmal richtig ausprobieren. Nach ein paar Dutzend Versuchen ist das bestimmt bald soweit.

        • marilyn.hanson

          @Zippism:

          "... macht eine zentral gelenkte Wirtschaft nicht plötzlich demokratischer."



          Demokratischer als heute wäre es ja wohl aber doch schon, wenn die Entscheider*innen in der Wirtschaft demokratisch legitimiert wären (das waren sie im "real existierenden Sozialismus" ja eben gerade nicht). Die Beschäftigten könnten ihre Chefinnen und Chefs ja vielleicht wählen?



          Gewählte Chefetagen gibt es nämlich heute bei uns kaum.



          Man kann ja gern der Meinung sein, dass "zu viele Köche den Brei verderben" in Wirtschaftsfragen, aber warum nur da? Und "demokratisch" ist das dann schonmal nicht - sondern, wie ich finde, verdammt nah an autoritären Vorstellungen, die man dann ja auch auf alle möglichen anderen Bereiche übertragen könnte - Wissenschaft, Kultur etc.



          Oder eben gleich auf die Politik mit dem Ruf nach einem "starken Entscheider", der alles besser wisse als das dumme Volk.



          Umgekehrt erscheint es doch eigentlich rechtfertigungsbedürftig, warum ausgerechnet ein so vital wichtiger Bereich der Gesellschaft wie die Wirtschaft gar nicht demokratisch legitimiert sein darf.

  • GregTheCrack

    "Möglich und notwendig ist eine Synthese aus Sozialismus, gesellschaftlicher Freiheit und radikaler Demokratie."

    oder Synthese von Eichhörnchen und Pferd: das könnte dann den Baum rauf galoppieren.

  • JSch

    Noch nie hat der Sozialismus demokratisch funktioniert und kann es auch nicht, weil der Sozialismus per Definition eine Diktatur ist und auch nur ein kurzer Übergang zum Kommunismus sein soll. Es kann doch nicht sein, dass die Alternative zu einer faschistischen Diktatur, einfach eine andere Diktatur ist.

    • Agarack

      @JSch:

      Nein, das ist nicht unbedingt so. Erstmal ist Sozialismus nicht automatisch marxistisch (Marx hat nicht mal den Begriff erfunden), was bedeutet, die Phrase von der "Diktatur des Proletariats" ist auf manche Vorstellungen von Sozialismus gar nicht anwendbar. "Sozialismus" ist in der Regel nur ein Oberbegriff für eine Wirtschaftsform, in der ein Großteil der Wirtschaft Kollektiveigentum ist (sei es genossenschaftlich, staatlich oder wie auch immer organisiert).

      Zweitens ist selbst Marx' Entwurf von der "Diktatur des Proletariats" auf die wirtschaftliche Macht bezogen, die Marx im Kapitalismus als "Diktatur der Bourgeoisie" bezeichnet, da Marx politische Macht auf wirtschaftliche Macht zurückführt (ob man das nun richtig findet oder nicht).

      Das Problem sehe ich an anderer Stelle: Die Überführung von Privateigentum in Kollektiveigentum ist in Demokratien möglich, aber im großen Stil sehr schwierig - und, wie man z.B. in Großbritannien gesehen hat, im Zweifel binnen sehr kurzer Zeit rückabwickelbar.

      • Comerade Aardvark

        @Agarack:

        Wobei man gerade im Fall von Großbritannien anmerken kann, dass die Verstaatlichung oft auch eine Form der Sozialisierung von Verlusten war...

  • Kaboom

    Hmm. Der demokratische Sozialismus also.



    Kann mal irgendjemand eine Definition liefern?



    Das Ziel des demokratischen Sozialismus findet sich so ziemlich in jedem SPD-Parteiprogramm. Ich vermute aber mal, dass Helmut Schmidt etwas anderes darunter verstand, als es Heidi Reichinnek tut. Und die wiederum etwas völlig anderes, als es vor 20 Jahren Sarah Wagenknecht tat.

    • Kohlrabi

      @Kaboom:

      Der Begriff ist gewiss etwas unbestimmt. Ich würde als Beschreibung anbieten: Ein Wirtschaftssystem, in dem die produzierende Wirtschaft überwiegend privat- und marktwirtschaftlich organisiert sein kann, durchaus auch kapitalistisch. Gesellschaftlich organisiert sein sollten aber diejenigen Bereiche, die systemrelevant sind und der Daseinsvorsorge dienen oder bei denen sogenannte natürliche Monopole eine Rolle spielen (Wohnen, Gesundheitswesen, Energie- und Wasserversorgung, Netze ...) Hier können neue Formen der Demokratie wie Bürgerräte eine Rolle spielen. Privateigentum an Grund und Boden sollte sich auf selbstgenutzten Besitz beschränken. Persönliche Eigentumskonzentration sollte unterbunden werden, Eigentumstitel transparent sein. Arbeit und Geld sollten ebenso wie der Boden keine Waren sein (nach Karl Polanyi).

      Das klingt aus heutiger Sicht natürlich (wieder) utopisch. Es ist aber alles nichts Neues. Die Linke sollte sich m.E. wieder mehr darauf einlassen, und sie sollte nicht in erster Linie als Verteidigerin des Status Quo gegen die AfD daherkommen. Die Rolle kann sie der SPD überlassen.

      • Zippism

        @Kohlrabi:

        Das ist tatsächlich eine bemerkenswert hübsche Definition: Die Wirtschaft darf „überwiegend privat- und marktwirtschaftlich“ bleiben – nur Grund und Boden, Wohnen, Energie, Wasser, Netze, Gesundheit, Eigentumskonzentration, Arbeit und Geld sollen möglichst dem Markt entzogen werden. Und wenn das nicht reicht, helfen noch Bürgerräte.

        Man fragt sich fast, welcher Teil der Marktwirtschaft am Ende eigentlich noch übrig bleiben soll.

        Besonders charmant ist der Satz, Arbeit und Geld sollten keine Waren sein. Wie genau das funktionieren soll, ohne dass Arbeit gegen Geld getauscht wird, wäre vermutlich der spannende Teil des demokratisch-sozialistischen Gesellschaftsentwurfs. Aber wahrscheinlich wird das im nächsten Bürgerrat geklärt.

        Und genau deshalb hat @Kaboom ja völlig zu Recht nach einer Definition gefragt. „Demokratischer Sozialismus“ scheint inzwischen vor allem ein Sammelbegriff für den Wunsch zu sein, die Vorteile der Marktwirtschaft zu behalten und gleichzeitig möglichst viele ihrer Funktionsbedingungen abzuschaffen.

        Dass das „utopisch“ klingt, ist dabei kein Gegenargument – es ist vermutlich die präziseste Beschreibung des Konzepts.

        • Kohlrabi

          @Zippism:

          Na da haben Sie es sich aber ein bissel einfach gemacht ... Zunächst bedeutet Marktwirtschaft ja nicht zwangsläufig Kapitalismus. Märkte sind uralt, kapitalistisches Wirtschaften ist dagegen ein weltgeschichtlich relativ neues Phänomen. Die einfachste historische Definition für K. wäre (nach Fernand Braudel) vielleicht die ökonomische Herrschaft des Kaufmanns oder Finanziers über den Produzenten.

          Es erschließt sich nicht, warum es eine "Funktionsbedingung von Marktwirtschaft" sein soll, wenn etwa Krankenhäuser der Kapitalverwertung ausgesetzt sind. Weiterhin erschließt es sich nicht, warum die Bodenrente als leistungsloses Einkommen eine solche Funktionsbedingung sein soll. Fiele sie weitgehend weg, gäbe es mehr Verteilungsspielraum zwischen Arbeit und Kapital.

          Und mit dem Warencharakter von Geld ist nicht dessen Funktion als Zahlungsmittel gemeint, sondern der Umstand, dass die Verfügung über Geld von privaten Geschäftsbanken zu einem oligopolistischen Preis (Kredit- und Sparzinsen) gehandelt wird. - Ich räume aber ein, kein Fachmann für alternative Geldschöpfungsmodelle zu sein.

          Ansonsten wollte ich bewusst nicht "definieren", sondern ein paar mögliche Reformebenen benennen.

  • MarsiFuckinMoto

    Man kann für die Linke nur hoffen, dass sich solche Meinungen nicht innerparteilich durchsetzen. Falls doch, landet sie bei der nächsten Bundestagswahl unter Umständen wieder bei der 5%-Hürde...