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Wahlen in MeckPomm und Berlin Schlechte Aussichten

Rainer Rutz

Kommentar von

Rainer Rutz

Wahlumfragen können täuschen. Und so könnten die anstehenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin anders ausgehen, als manche glauben.

N ur weil etwas besser aussieht, ist es noch lange nicht gut. Das gilt für die am 20. September anstehende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Und das gilt für die zeitgleich stattfindende Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Dass in beiden Ländern die Umfragen eine Mehrheit für ein Mitte-links-Bündnis ausweisen, heißt zunächst gar nichts.

Die Wahlen in Sachsen-Anhalt haben einmal mehr gezeigt, dass Umfragen nur bedingt zu trauen ist. Zwar zweifelte niemand ernsthaft daran, dass die AfD das Rennen machen wird. Aber wer hatte die Wagenknecht-Partei BSW auf dem Schirm? Um es deutlich zu sagen: Das Beben von Magdeburg könnte sich zumindest in Mecklenburg-Vorpommern wiederholen. Auch hier droht die Schwerregierbarkeit. Sicher, die SPD steuert ausnahmsweise auf ein starkes Ergebnis zu. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ist populär. Dass sie in Dauerschleife gegen die unbeliebten Reformen der unbeliebten Bundesregierung holzt, trägt mit dazu bei. Es ändert nur nichts daran, dass es trotzdem zu einem hässlichen Wahlausgang kommen kann.

Eine Möglichkeit: Vom Ergebnis in Sachsen-Anhalt gepusht, fährt die extreme Rechte ihren nächsten Triumph ein. Eine weitere: Schwesigs SPD holt auf den letzten Metern weiter auf, aber alle für eine stabile Regierung links der Mitte nötigen Partner werden rasiert.

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Die Sozis plakatieren seit der Sachsen-­Anhalt-Wahl im ganzen Land Schwe­sig-­Porträts mit dem Slogan „Die Frau gegen Blau“. Schwesig selbst sagt: „Ich bitte um die Stimmen von allen, die verhindern wollen, dass die AfD die Macht in MV übernimmt.“ Ich, ich, ich. Schwesig almighty. Doch was ist, wenn die Linke erneut schwächelt? Zudem könnten die Grünen an der Fünfprozenthürde scheitern, zumal sie nicht wie in Sachsen-Anhalt durch eine „Taktisch wählen“-Kampagne befeuert werden. Auch in Mecklenburg-Vorpommern könnte überdies das BSW ins Parlament einziehen – und dann nur einen überparteilichen Ministerpräsidenten von Sahra Wagenknechts Gnaden akzeptieren. Dann war es das mit stabilen Verhältnissen.

Die Fundis der Hauptstadt-Linken sind dem BSW näher, als ihnen bewusst ist

Im Stadtstaat Berlin sind die Dinge anders gelagert. In Umfragen liegen CDU, Linke, AfD und Grüne so nah beieinander, dass die jeweils aufgeregt vermeldeten aktuellen Wasserstände weitgehend unbrauchbar sind.

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Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

Nur zwei Ergebnisse scheinen halbwegs sicher. Zum einen wird die ausgelaugte Dauerregierpartei SPD in diesem Fall wohl ordentlich abschmieren. Zum anderen dürfte es trotzdem wie bei den vorangegangenen Berlinwahlen wieder für eine rot-grün-rote Mehrheit reichen. Gut möglich auch, dass die Linke mit Spitzenkandidatin Elif Eralp im Mitte-links-Lager stärkste Kraft wird. Eralp lässt auch keinen Zweifel daran, dass sie Berlins erste Linke-Regierungschefin werden will.

Dass es dazu kommt, ist mehr als unsicher. Das liegt nicht allein daran, dass sich die SPD querstellt beim Lieblingsthema der Linken, der Enteignung von Immobilienkonzernen. Schwerer wiegt schon, dass Eralps Partei gezeigt hat, dass sie nicht in der Lage ist, ihr Antisemitismusproblem in den Griff zu bekommen. Der bei einer Parteiveranstaltung von den Anwesenden abgefeierte Auftritt eines Vernichtungsfantasien gegenüber Israel skandierenden Rappers ist hier ja nur die Spitze des Eisbergs. Das größte Problem mit der Linken ist nun mal die Linke selbst.

Teile des Landesverbands sind dabei von der Obsession beherrscht, alles unter ihren Maximalforderungen sei Verrat. Und wer eine Koalition mit SPD und Grünen eingehe, sei ein Verräter. Die Linke habe „die einzige Opposition gegen Sozialstaatsabbau, Aufrüstung und Militarisierung“ zu sein, machte eine führende Vertreterin des Neuköllner Bezirksverbands jüngst die Wagenknecht. Wie durch Zetern auf der Oppositionsbank „Sozialstaatsabbau, Aufrüstung und Militarisierung“ verhindert werden können, sagte sie nicht. Aber offenkundig geht es auch nicht ums Verhindern, sondern ums urdeutsche Rechthaben. Der Fundiflügel der Hauptstadt-Linken ist an diesem Punkt dem BSW näher, als ihm bewusst ist. Fehlt nur noch, dass auch von dieser Seite ein überparteilicher Faschingsprinz gefordert wird.

Was bliebe: ein fragiles Bündnis aus einer rückwärtsgewandten CDU, den in Berlin besonders linken und damit besonders inkompatiblen Grünen und einer hadernden SPD. Danke für nichts.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Rainer Rutz

Rainer Rutz Redakteur

Redakteur in den Ressorts Inland und Regie, berichtet u.a. über das BSW und Ostdeutschland. Davor Ressortleiter des Berlin-Teils.
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13 Kommentare

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  • Bürger L.

    Ich gehe mal davon aus, dass Herr Rutz genauso wenig wie alle anderen Kommentator*innen weiß, wie die Wahlen ausgehen werden.



    Aufgefallen ist mir allerdings, dass er der Berliner Linken pauschal ein Antisemitismusproblem unterstellt das sie nach seiner Auffassung nicht in den Griff kriegen.

    Er begründet das damit, dass sich auf einer Wahlkampf-Veranstaltung der Neuköllner Linken ein Rapper in seinem Text unter anderem auch antisemitisch geäußert hätte.



    Mal abgesehen von der Tatsache, dass sich die Berliner Spitzenkandidatin der Linken umgehend von der gegen Israel gerichteten Aussage distanziert hat, frage ich mich nach der Verhältnismäßigkeit bei dieser Einschätzung des Herrn Rutz.

    Die Berliner Linke hat zurzeit über 18.000 Mitglieder - denen ein Antisemitismusproblem zu unterstellen schaffen sonst nur die Springermedien, oder z.B. Herr Amthor der in der letzten "Hart aber fair" Talkrunde gleich der gesamten Bundesdeutschen Linken eine antisemitische Haltung vorwarf.

    Es gibt viele Wege, sich durch eigene Aussagen selbst zu disqualifizieren .... das betrifft aber offenbar nicht nur Rapper.

  • zartbitter

    Das Beben von Magdeburg könnte sich in Mac-Pom mitnichten wiederholen - weil



    =



    die Kampagne der SPD macht Schwesig zum zentralen Gesicht und kann so von ihren hohen Beliebtheitswerten profitieren. Der SPD-Wahlkampf wirbt ausdrücklich mit dem Gedanken: „Wer Schwesig will, muss SPD wählen.“ Das erinnert an den Wahlkampf von Woidge in Brandenburg der mit dieser Strategie den Wahlkampf gewonnen hat.



    =



    Neben dem hohen Beliebheitswert fährt Schwesig eine klare Abgrenzung zur agd : Das ist der 2. große Pfeiler im Wahlkampf. Schwesig greift die agd agressiv an und bezeichnet sie als GEFÄHRLICH . Gleichzeitig positioniert sie den Kampf gegen die agd nicht ausschließlich auf den Rechtsextremismus, sondern Schwesig charakterisiert die agd als Partei, die den Interessen der OSTDEUTSCHEN ARBEITNEHMER KLAR widerspricht.



    =



    Der Wahlkampf ist stark auf Begegnungen als Landesmutter mit den Burgern ausgerichtet – als Kümmerin die sich unmittelbar für die Nöte und der Bürger einsetzt. Schwesig hat begriffen, das gegen die gefühlte Marginalisierung der Menschen im Osten die Fürsorge ein wichtiges Element ist.



    =



    Wer Rechtsradikal nicht will - wählt Schwesig. So einfach & unkompliziert.

  • *Sabine*

    "Das größte Problem mit der Linken ist nun mal die Linke selbst."



    Auf mich wirkt die Linke tragisch und gleichzeitig ärgere ich mich enorm über die Linke.Eine Partei die so wichtig ist,gebraucht wird und die ich ebenso wie viele andere "eigentlich" wählen müssten und-auf mich persönlich bezogen-möchte.Aber genau das,was die Linke so wichtig und unentbehrlich macht,nämlich für alle Menschen,auch weltweit,ein gutes und auskömmliches Leben zu erreichen,ist genau das,woran sie dann,meiner Meinung nach,letztendlich scheitert,weil ihre Einflussmöglichkeiten begrenzt sind und die Linke,statt sich im Hier und Jetzt in beispielsweise Berlin darauf zu konzentrieren,die Lebensmöglichkeiten zu verbessern,sich im u.a. Palästina-Konflikt aufreibt.Mir erscheinen Linke immer mehr wie Kinder,die alles haben wollen,sofort und gleich.Mit grenzenlosen Allmachtsphantasien,die eher von Revolution träumen,als den ganz normalen Alltag gestalten zu wollen.Wenn ich beispielsweise etwas über u.a. Enteignungspläne lese,denke ich,weshalb ist die Einsicht so schwer,dass nicht jede/r dort wohnen kann,wo m/w/d es sich wünschen.Das ist gelebter Alltag überall auf dieser Welt.Und dass bereits der Berl. Stadtrand al

  • Hierjetzt

    Taktisch wählen hat vor allem die PDL stimmen gekostet zugunsten von rechten Parteien wie SPD und Grünen. Toller Erfolg, ich freue mich auf die Neuwahlen. Dann können sich alle wieder über ihr stabiles Ergebnis freuen während die AFD dann 55% hat und uns wieder erzählen wie sehr wir mit ihnen auf jeden Fall rechnen können.

  • Stavros

    Zunächst einmal war Sachsen-Anhalt eine spezifische Situation: Ein populärer CDU-Ministerpräsident trat ab, der neue hatte nicht genug Zeit, sich zu etablieren.

    Mein Eindruck des Wahlverlierers Schulze: Der Unsympathischste war er nicht, eher das Gegenteil.

    Die AfD stellte keinen negativen Meckerer auf, sondern einen Spaßwahlkämpfer, der sich die Namen und Geschichten seiner Gesprächspartner merken und die Sozialen Medien meisterhaft bespielen kann.

    Damit sollen die 43 Prozent für die AfD nicht entschuldigt werden, aber die Sitiation ist in Meck-Pomm oder Brandenburg eine ganz andere. Schwesig und Woidke haben lange erkannt, wie man Wahlen gegen die AfD gewinnt. Es könnte sogar sein, dass die SPD am Ende in Schwerin vorne liegt und dann mit Linken und Grünen regieren kann. Die interessantere Frage dort wird sein, ob die CDU es in den Landtag schafft.

    Berlin ist ein anderes Thema: Es wäre gut, wenn einmal keine der beiden Sumpfparteien CDU und SPD den Regierenden stellen würde. Ich hoffe, dass es die Linke schafft und glaube es trotz allem. Sie sollte aber endlich zu einer erwachsenen Partei werden, die die Stadt nach vorne bringt.

  • Meister Petz

    Auch wenn es nur ein zufälliger Fotoausschnitt ist, aber eine „Frau gegen Bla“ (im Sinne von Politikerphrasen“) würde ich wählen.

    • ja wirklich?

      @Meister Petz:

      Manuela Schwesig wird in MV zutreffenderweise angekündigt als "die Frau gegen Blau". Ich hoffe, dass das viele Menschen dazu bringt, die SPD zu wählen. Würde der / die Ministerpräsident_in direkt gewählt, so bekäme sie nach den Umfragen eine deutliche Mehrheit. - Wie es wo auch ausgeht: 40 Jahre DDR waren keine Lehrzeit für Demorkatie. Das merkt man immer wieder und immer stärker.

  • dites-mois

    Berlinwahl treffend kommentiert. Am Ende ist es immer Die Linke selbst, die ein progressives Bündnis unmöglich macht. Zum kotzen.

    • MarxhatteRecht

      @dites-mois:

      Zum Kotzen dass die Linke was zum besseren lenken will für die Menschen in Berlin, wie können die nur???

    • Don Geraldo

      @dites-mois:

      Dieses "progressive Bündnis" hat von 2016 bis 2023 so toll regiert, daß die Leute in ihrer Verzweiflung sogar eine Null wie Wegener gewählt haben.



      Ein Neuauflage braucht kein Mensch.

  • Pico

    Wer die AfD klein halten möchte, muss gute Politik und gute Angebote machen. Was aus Berlin kommt ist alles andere nur keine gute Politik und kein gutes Angebot. Ferner halte ich es immer für angebracht in der Sache zu diskutieren und zu streiten, auch mit der AfD. Mauern hochziehen haben noch nie was gebracht. Und was Umfragen, speziell mit dem BSW betreffen, so ist doch sehr, sehr auffällig, dass diese fast immer "heruntergerechnet" werden, um vielleicht "mitzuteilen", dass diese doch nicht ins Parlament käme. Und wenn ich weiß, wer hinter welchem Umfrageinstitut steht bzw. wer der Auftraggeber war, dann sind doch solche "Ergebnisse" nicht besonders verwunderlich. Deswegen schaue ich NIE auf diese Schönrechnerei, sondern wähle das von dem ich überzeugt bin. Und taktisch wählen tue ich vereinzelt NUR, bei der Erststimme.

    • MeinerHeiner

      @Pico :

      Schon mal dran gedacht, dass in Vorwahlbefragungen oft sozial erwünschte Antworten gegeben werden? Das erklärt immer noch am besten, warum AfD und BSW in Umfragen eher unter- als überschätzt werden – unabhängig davon, wer der Auftraggeber ist. Was Sie als "Herunterrechnen" behaupten, ist bei Parteien wie dem BSW, die zuvor noch nicht zur Wahl standen, eher ein Modellierungsproblem: Es fehlen schlicht die historischen Vergleichsdaten für die Verrechnung unentschlossener Wähler:innen.

      Wenn Sie schon den heftigen Vorwurf erheben, dass Umfrageinstitute Ergebnisse frisieren, sollten Sie das auch konkret belegen können. Der Verweis auf den Auftraggeber ist da doch arg schwach.

      • Pico

        @MeinerHeiner:

        Man kann es doch drehen und sehen wie man will. Das BSW wurde bei 3% gesehen oder "gerechnet". Erhalten haben sie 5,3%. Das sind fast 77% mehr als "geschätzt, gefunden, gesehen oder sonst was errechnet". Wer das BSW über Monate deutlich über 5% sieht und kurz vor der Wahl "plötzlich" nur noch 3% findet, so auch bei der Bundestagswahl oder eben jetzt in Sachsen-Anhalt, der kann keine seriöse Umfrage präsentieren. Das ist Murks. Die Wählerschaft hat das Ergebnis korrigiert.