Leihmutterschaft und der Fall Spahn : Die Frau als Brutkasten
Eine Leihmutterschaft degradiert eine Frau zur Gebärmutter auf zwei Beinen. Ähnlich wie beim Organhandel beuten Reiche die Unterprivilegierten aus.
Foto: Jan Woitas/dpa
W ir leben im Zeitalter der Regenbogenfamilien. Ein Spitzenpolitiker wie Jens Spahn muss sein Schwulsein nicht mehr verstecken, sondern kann ganz selbstverständlich zum Standesamt marschieren. Verheiratete lesbische Paare haben die Möglichkeit, mithilfe einer Samenspende legal Eltern zu werden. Pflegekinder, Stiefkindadoptionen und Adoptionen im Ausland sind möglich, um als nicht-heterosexuelles Paar eine Familie zu gründen. Wäre es da nicht folgerichtig, auch die Leihmutterschaft zu erlauben?
Nein, die kommerzielle Leihmutterschaft ist keine akzeptable Alternative für schwule oder andere Paare, ein leibliches Kind in die Welt zu setzen, sondern Ausdruck einer besonders krassen Ausbeutung des weiblichen Körpers. Bei einer Leihmutterschaft wird die Frau zum Brutkasten der Reichen herabgewürdigt. Privilegierte Menschen wie Jens Spahn und sein Mann „mieten“ sich für 100.000 bis 200.000 Euro eine Gebärmutter, um eben ein „eigenes“ Kind zu bekommen, eines, das ihre Gene weiterträgt.
Die Leihmütter sind meistens Frauen aus prekären Verhältnissen, die für sich keine andere Möglichkeit sehen, sich eine Zukunft aufzubauen. Wohlhabende Menschen „mieten“ sie neun Monate lang, in denen ihr Bauch nicht mehr ihr gehört. Im Fall von schwulen Männern kommt zudem fast immer noch eine Eizellenspende hinzu – auch das ist übrigens in Deutschland verboten.
Eine Gebärmutter auf zwei Beinen
Eine Leihmutterschaft stellt deshalb auf „moderne“ Weise dar, was patriarchale Strukturen schon immer für die Rolle der Frauen vorsahen: Eine Gebärmutter auf zwei Beinen, die die Fortpflanzung sicherstellt. Sie steht moralisch auf einer Ebene mit Organhandel. Sich eine neue Niere zu kaufen ist ethisch nicht vertretbar. Möchte dagegen ein Angehöriger oder ein anderer nahestehender Mensch eine seiner Nieren spenden, ist nichts dagegen einzuwenden.
Dieser Ansatz könnte auch für einen Kinderwunsch wie den von Spahn eine Möglichkeit sein: Gemeinsam ein Kind zu zeugen, etwa mit einer Single-Frau mit Kinderwunsch, einem befreundeten lesbischen Paar oder mit jemandem aus der Familie. All das ist besser als die eigenen Privilegien zu nutzen, um weniger Privilegierte zu missbrauchen.
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