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Boni für Bahn-Manager Warum erst jetzt?

Simon Poelchau

Kommentar von

Simon Poelchau

Verkehrsminister Bilger will das Gehalt der Bahn-Manager an die Pünktlichkeit auf der Schiene knüpfen. Wieso ist das nicht längst der Fall?

I nteressierte Bahn-Reisende dürften anlässlich der jüngsten Einlassungenen des neuen Bundesverkehrsministers gestaunt haben. „Es wird sich konkret auf die Bonuszahlungen von Bahn-Managern auswirken, wenn die Ziele, die der Bund vorgibt, nicht eingehalten werden“, sagte Steffen Bilger (CDU) Springers heißem Blatt. Boni sollen nun an Pünktlichkeitsvorgaben geknüpft werden.

Echt jetzt? Das ist kein Aprilscherz im Sommerloch? Nicht falsch verstehen. Den Bahn-Manager die Boni zu nehmen, wenn die Züge nicht pünktlich kommen, ist wirklich eine gute Idee. Aber sie ist sogar so gut und naheliegend, dass sich die Frage aufdrängt, warum es noch kein Verkehrsminister vor Bilger es geschafft hat, auf diese Idee zu kommen.

Überall in der freien Wirtschaft sind Boni für Manager an konkrete Zielvorgaben geknüpft. Weil es bekannt ist, dass Vorstände gerne tricksen und die Zahlen kurzfristig schönrechnen, ist es auch gang und gäbe, die Sonderzahlungen an den langfristigen Erfolg des Unternehmens zu koppeln und erst nach ein paar Jahren auszuzahlen.

Nun ist die Bahn kein normales kapitalistisches Unternehmen. Weil ihre Privatisierung während der letzten großen Finanzkrise abgeblasen wurde, ist sie noch immer komplett in Staatshand. Das ist auch gut so, denn sie erfüllt einen sehr wichtigen Zweck der öffentlichen Daseinsvorsorge: Menschen und Güter auf der Schiene von A nach B zu befördern. Das sollte auch so bleiben. Und deswegen sollten Bahn-Manager auch nach Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Verbindungen und nicht nach irgendwelchen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen bezahlt werden.

Dass es unter Bilger bei der Bahn wirklich besser wird, scheint dennoch unwahrscheinlich. Schließlich gab er als offizielles Ziel für den Fernverkehr bis 2029 eine Pünktlichkeitsquote von 70 Prozent bekannt. 100 Prozent werde es auf absehbare Zeit nicht geben, so der Politiker. Und insofern sind die Ankündigungen des neuen Verkehrsministers dann leider doch nicht so überraschend.

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Simon Poelchau

Simon Poelchau Redakteur

ist für Ökonomie im taz-Ressort Wirtschaft und Umwelt zuständig.
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16 Kommentare

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  • Mondschaf26

    Das ist bill'ger Populismus.

  • Ricky-13

    taz: *Verkehrsminister Bilger will das Gehalt der Bahn-Manager an die Pünktlichkeit auf der Schiene knüpfen. Wieso ist das nicht längst der Fall?*

    Warum Bahn-Manager ein Millionengehalt plus Boni bekommen, während ein Lokführer - der eine riesige Verantwortung für Menschen trägt - nur 42.000 € bis 46.000 € brutto pro Jahr bekommt, ist ohnehin unbegreiflich. Das hat aber nichts damit zu tun, weshalb es seit Jahren keine Pünktlichkeit auf der Schiene gibt.

    Man hat damals - weil die Deutsche Bahn ja unbedingt eine Aktiengesellschaft werden sollte - rund 59.000 Weichen/Kreuzungen und ca. 8.000 Kilometer Schienen herausgerissen; und die Folgen dieser "Abriss-Ära" spüren Bahnreisende heute täglich durch chronische Unpünktlichkeit und Zugausfälle. Wenn heute eine einzige Weiche blockiert ist, oder ein Zug eine Panne hat, dann staut sich der gesamte Verkehr meilenweit dahinter, weil die Züge nicht mehr auf das Gegengleis oder auf Nebengleise ausweichen können.

    *Im Zeitraum von der Gründung der Aktiengesellschaft 1994 bis zum Jahr 2006 wurden im deutschen Schienennetz insgesamt 58.616 Weichen und Kreuzungen zurückgebaut.* [WIKIPEDIA]

    "Zurückgebaut" hört sich doch Klasse an - oder? 😎

  • Ramelow Cathrin

    Wenn dann wenigstens das Geld für die Infrastruktur genutzt wird, hätte es ja noch ein wenig Sinn. Aber vermutlich dient das nur zum sparen.



    Die Information die dazu fehlt ist, wieviel Geld denn mehr in Schienenwege gesteckt wird, für eine echte Verkehrswende mit besseren Ticketpreisen. So ist das nicht mal mehr Populismus sondern nur Dummheit.

  • Lowandorder

    Jaja - Glaube Liebe Hoffnung -



    Und das Geld ist das wichtigste von den dreien

    Seit - als es noch “Ma na ger“ hieß - am Spielfeldrand unterwegs!



    & Däj



    Mitte 60er: “Booey - hier verdient einer



    1 Million!“



    Unisono “Eine Million (hück 17 Mio) - verdient niemand!“ xxlfacher 3. Chef Blohm Caracas & miin Ohl!



    “Steht hier doch aber!“



    “Jung - nun hör mal zu!“



    Und dann - dazu “USA hands off“ (United Fruits & Cie usw usf) - erklärten diese **1900 ++ concerngestählten Koofmichs - aus welchen Gründen genau das Quatsch sei und eine unheilvolle Entwicklung made in 🇺🇸 da ins Haus stünde.



    Sagten voraus - heute ja state of art - daß die Zahlen völlig ungerechtfertigt - Raffke takes it all - durch die Decke gehen würden.

    Und richtig geraten - so kam es auch •

    Mir bis heute Richtschnur & Joseph Vogl



    de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Vogl



    liefert über de. Tellerrand hinaus den passenden Rahmen.



    “.…Vogls Buch zeigt die Entwicklung der kapitalistischen Finanzökonomie auf und offenbart deutlich, dass wir nicht in Demokratien leben, sondern in oligarchischen Systemen globalkapitalistischer Profitmaximierung, die von politischen und ökonomischen Eliten regiert werden. …“

    So geht das •

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Pünktlicher kann die Bahn vorerst nicht werden. Dazu müssen erst viele Sanierungsarbeiten umgesetzt werden. Daran sollte man also aktuell die Boni knüpfen.

  • Otto Bronnert

    Bilger geht in die richtige Richtung, allerdings sollte er dabei nicht stecken bleiben; um wieder die gesamte Kontrolle der Verkehrsminister herzustellen ist es unerläßlich, dass das Unternehmen Bahn entflochten wird, alle unterschiedlichen Rechtsverhältnisse, auf die das Verkehrsministerium keinen Einfluß hat, müssen eleminiert werden.

  • Dobro

    So neu sind die Ideen nicht!

    Solche Kürzungen sind nicht zwingend gut, sie können sich auch schlecht auf die Kultur auswirken und jene vertreiben, die Leistungsträger sind.

    Auch gibt es Führungskräfte, die ihren Job verdammt gut machen, sie werden dann aber plump für das Versagen anderer bestraft.

    Ich halte aber persönlich ‚Realitäts-Kontakt‘ für eine gute Sache, und gut für die Kultur, wenn sie sinnvoll und mit bedacht umgesetzt werden. Man kann nicht einfach nur sagen, ich mach doch meinen Job.

    Erstaunlich, finde ich, dass dieser Ruf in der TAZ laut wird: Leistungskontrolle, leistungsorientierte Bezahlung etc. Das wäre doch auch zum Beispiel was bei Lehrern!

  • Janix

    Und wenn auch - klimafreundlicher wäre es auch noch - alle Entscheidungsträger dienstlich die Bahn und ÖPNV nehmen müssten mit, sagen wir, max. 12 Ausnahmen pro Jahr?



    Der berüchtigte Mehdorn oder war es der Dürr, der doch Berlin-München nicht mit der Bahn fahren "konnte": das sollte Vergangenheit sein.

  • Nickalsname

    Warum wird das Einkommen unserer Politiker nicht an ihren Versprechungen fest gemacht?

    • Oleg Fedotov

      @Nickalsname:

      Weil diesen keine Bank der Welt einen so hohen Dispo einräumen würde.

    • Tom Tailor

      @Nickalsname:

      Weil diese bereits durch Koalitionen verwässert werden. Ihr Vorschlag würde zur Unregierbarkeit führen.

  • Andreas Severidt

    Bis jetzt war Pünktlichkeit kein Topziel, offensichtlich eher so viel Verkehr wie geht zu bewältigen und so wenig wie möglich für Instandhaltung ausgeben. Das Ergebnis ein voll gestopftes marodes Netz. Wenn Pünktlichkeit Topziel wird, ist die Konsequenz, weniger Züge mit längeren offiziellen Fahrzeiten. Das heißt es wird nicht besser nur anders.

    • Xanyd

      @Andreas Severidt:

      Wenn Pünktlichkeit Topziel wird, ist die Konsequenz, weniger Züge mit längeren offiziellen Fahrzeiten. Das heißt es wird nicht besser nur anders.

      Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, ergo Kalkulierbarkeit einer Bahnfahrt haben für mich eine höhere Priorität als ein Zeitgewinn von 15 min auf 300km und eine höhere Taktzahl halte ich für sinnbefreit wenn mir die Anschlusszüge wegen Unpünktlichkeit vor der Nase wegfahren.

  • Bernd Schroeder-Oestereich

    Bonuszahlungen und Zielvereinbarungen abhängig zu machen von etwas, dass man kaum beeinflussen kann, wird auch nicht funktionieren.

    Die Verspätungen sind ein komplexes systemischen Problem, dass gar nicht einzelnen zugeschrieben werden kann.

  • Philippo1000

    Das ist keine gute Idee, sondern purer Populismus.



    Der neue Verkehrsminister schiebt somit jegliche Verantwortung von sich.



    Es dürfte deutlich geworden sein, dass die Infrastruktur die nächsten 10 Jahre verstärkt renoviert bzw. Erneuert werden muss.



    Derzeit gibt es 75.000 Baustellen bei der Bahn. Es ist im wahrsten Sinne kontraproduktiv nun wieder Pünklichkeit an die Spitze der Forderungen zu stellen.



    Mit diesem Statement hat der neue Verkehrsminister seine Inkompetenz unter Beweis gestellt.

  • gyakusou

    Das ist doch der falsche Anreiz in der derzeitigen Situation. Das wird doch nur dafür sorgen, dass notwendige Sanierungen nur halbherzig und provisorisch umgesetzt werden, damit diese betroffenen Bahnlinien so schnell wie möglich wieder genutzt werden können. Damit die Zahlen zur Pünktlichkeit nicht zu schlecht werden.

    Man müsste stattdessen ehrlich sein: die nächsten 10-15 Jahre wird die Pünktlichkeit katastrophal sein, wenn man alle Bahnlinien vernünftig saniert und ausbaut.