piwik no script img

Union und der Länderfinanzausgleich Die Wunderwaffe gegen linke Politik

Jonas Wahmkow

Kommentar von

Jonas Wahmkow

Eine von der Linken regierte Hauptstadt will die Union nicht mitfinanzieren. Bei der AfD in Sachsen-Anhalt war CSU-Chef Söder nicht so rigoros.

D ie Union will Berlin den Geldhahn zudrehen. Die Fraktionschefs von CDU und CSU bekräftigten ihre Drohung, sowohl den Länderfinanzausgleich als auch den Hauptstadtfinanzierungsvertrag „überarbeiten“ zu wollen. Sollte in Berlin eine links geführte Regierung zustande kommen, die „Antisemitismus und Judenhass im Programm“ habe, würden die unionsgeführten Bundesländer eine „gemeinsame Initiative starten“.

Es wäre ein Fehler, diese Drohung als eine rechtlich ohnehin nicht umsetzbare Nebelkerze abzutun. Die Union und deren Freunde aus der Immobilienwirtschaft würde nichts mehr freuen, als den Aufschwung der Linken in der Hauptstadt mit restriktiver Haushaltspolitik gleich wieder im Keim zu ersticken. Dabei geht es der CSU um mehr als nur den aus ihrer Sicht ungerechten Länderfinanzausgleich. So bezeichnete Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nach dem Wahlsieg der gesichert rechtsextremen AfD in Sachsen-Anhalt die Idee, dem Bundesland die Gelder zu streichen, als „absurd“.

Söder wird nicht vom vermeintlichen Antisemitismus der Linkspartei auf die Barrikaden getrieben, sondern von der geplanten Vergesellschaftung von Immobilien. Eigentum ist aus Sicht der Konservativen heiliger als bezahlbare Mieten. Da wundert es kaum, wenn allein die Möglichkeit einer Vergesellschaftung massive Abwehrreaktionen auslöst.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Haushaltsdisziplinierung ist weltweit ein bewährtes Instrument gegen linke Wirtschaftspolitik. „Make the economy scream“ hieß es schon in einem Kommuniqué der CIA in Reaktion auf die Wahl Salvador Allendes in Chile. Auch in Afrika verhinderte der internationale Währungsfonds sozialistische Entwicklungsmodelle, indem die Institution den Zugang zum Kapitalmarkt an neoliberale Privatisierungspolitik koppelte.

In Europa verhinderte die Troika mit ihren harten Sparvorgaben, dass die linke Syriza in Griechenland progressive Politik vorantreiben konnte. Es wenig überraschend, wenn der Bundesregierung nichts einfallen sollte, um den Haushalt einer links-regierten Hauptstadt zu torpedieren.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Jonas Wahmkow

Jonas Wahmkow

Schreibt Geschichten aus dem Spätkapitalismus. Redakteur für Arbeit, Wirtschaft und Care im Berlin Ressort.
Mehr zum Thema

3 Kommentare

 / 
  • Nina Janovich

    Die aktuelle Berliner Regierung hat sich in besonderem Maße mit Ignoranz gegenüber explodierender Mieten (70 % in 10 Jahren) und rücksichtslosen Kürzungen im Kinder und Jugendbereich (Regelschulen, sowie im Freizeit-, Kulturbereich) hervorgetan. Betroffen sind auch Menschen im gehobenen Mittelstand, die die CDU eigentlich als Wählende adressiert. Fast niemand findet mehr eine Wohnung, schon gar nicht im "Heimat"-Kiez. In Berlin wohnen 85 Prozent zur Miete. Gegen diese betroffene Mehrheit kann man angesichts der krassen Wohnungskrise nicht mehr regieren. Die aktuellen Drohungen (auf SPD und Grüne gezielt doch ja mit dem Wahlverlierer CDU zu koalieren) wird die CDU in Berlin in Zukunft noch stärker abstürzen lassen.

  • Liebknechto

    Die CDU ist unser Gegner wenn man unter uns die Arbeitende Angestellte Bevölkerung sieht. Das hat sich nicht geändert und wird es nicht. Auf die CDU ist kein Verlass gegen Faschismus.

  • HRMe

    Ohne jetzt dramatisieren zu wollen, sondern nur um daran zu erinnern, wie Bürgertum und Finanzkapital auf linke demokratische Wahlsiege reagieren, sei an Chile 1973 erinnert. Der Putsch wurde übrigens von FJS (CSU) ausdrücklich begrüßt.