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Leihmutterschaft und der Fall Spahn Die Frau als Brutkasten

Silke Mertins

Kommentar von

Silke Mertins

Eine Leihmutterschaft degradiert eine Frau zur Gebärmutter auf zwei Beinen. Ähnlich wie beim Organhandel beuten Reiche die Unterprivilegierten aus.

W ir leben im Zeitalter der Regenbogenfamilien. Ein Spitzenpolitiker wie Jens Spahn muss sein Schwulsein nicht mehr verstecken, sondern kann ganz selbstverständlich zum Standesamt marschieren. Verheiratete lesbische Paare haben die Möglichkeit, mithilfe einer Samenspende legal Eltern zu werden. Pflegekinder, Stiefkindadoptionen und Adoptionen im Ausland sind möglich, um als nicht-heterosexuelles Paar eine Familie zu gründen. Wäre es da nicht folgerichtig, auch die Leihmutterschaft zu erlauben?

Nein, die kommerzielle Leihmutterschaft ist keine akzeptable Alternative für schwule oder andere Paare, ein leibliches Kind in die Welt zu setzen, sondern Ausdruck einer besonders krassen Ausbeutung des weiblichen Körpers. Bei einer Leihmutterschaft wird die Frau zum Brutkasten der Reichen herabgewürdigt. Privilegierte Menschen wie Jens Spahn und sein Mann „mieten“ sich für 100.000 bis 200.000 Euro eine Gebärmutter, um eben ein „eigenes“ Kind zu bekommen, eines, das ihre Gene weiterträgt.

Die Leihmütter sind meistens Frauen aus prekären Verhältnissen, die für sich keine andere Möglichkeit sehen, sich eine Zukunft aufzubauen. Wohlhabende Menschen „mieten“ sie neun Monate lang, in denen ihr Bauch nicht mehr ihr gehört. Im Fall von schwulen Männern kommt zudem fast immer noch eine Eizellenspende hinzu – auch das ist übrigens in Deutschland verboten.

Eine Gebärmutter auf zwei Beinen

Eine Leihmutterschaft stellt deshalb auf „moderne“ Weise dar, was patriarchale Strukturen schon immer für die Rolle der Frauen vorsahen: Eine Gebärmutter auf zwei Beinen, die die Fortpflanzung sicherstellt. Sie steht moralisch auf einer Ebene mit Organhandel. Sich eine neue Niere zu kaufen ist ethisch nicht vertretbar. Möchte dagegen ein Angehöriger oder ein anderer nahestehender Mensch eine seiner Nieren spenden, ist nichts dagegen einzuwenden.

Dieser Ansatz könnte auch für einen Kinderwunsch wie den von Spahn eine Möglichkeit sein: Gemeinsam ein Kind zu zeugen, etwa mit einer Single-Frau mit Kinderwunsch, einem befreundeten lesbischen Paar oder mit jemandem aus der Familie. All das ist besser als die eigenen Privilegien zu nutzen, um weniger Privilegierte zu missbrauchen.

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Silke Mertins

Silke Mertins Redakteurin Meinung

Kommentatorin & Kolumnistin, Themen: Grüne, Ampel, Feminismus, Energiewende, Außenpolitik
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152 Kommentare

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  • "Eine Leihmutterschaft degradiert eine Frau zur Gebärmutter auf zwei Beinen."



    Nein.



    Solch eine übergriffige Aussage unterstellt allen Frauen, dass sie nicht Herr ihrer Sinne sein können, sollten sie sich als Leihmutter anbieten.



    Natürlich ist es möglich, dass Frauen die verschuldet sind oder ohne Ausbildung oder ohne Chance auf legale Arbeit in dieses Gewerbe gezwungen werden - aber es gibt eben auch Frauen, die das aus voller Überzeugung tun. Weil sie vllt gerne schwanger sind, weil es - gemessen an normaler Lohnarbeit - eine sehr gut bezahlte Alternative ist, die zudem ein hohes Maß an Freizeit bietet, etc...



    Es gibt mannigfaltige Beweggründe.



    Oder, um es mit den Worten von Frauke Brosius-Gersdorf zu beschreiben:



    "Es gebe ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben, ein Recht auf Rauchen und Alkoholtrinken, auf Hochrisikosport".



    Wir dürfen über unseren Körper frei verfügen - dann muss das natürlich auch das Recht beinhalten, wann wo wie und warum ich schwanger werden will.

  • Man kann sich die Anzahl an altruistischen leihmutterschaften in Kanada und Großbritannien ansehen und in anderen welche auch bezahlte leihmutterschaften erlauben.



    Selbst nur als erste Annäherung betrachtet und tief geschätzt ist das Verhältnis 1 zu 10.

    Man kann sich dann gerne fragen für wen man eigentlich den Kampf führt. Menschen mit viel Geld freuen sich über die legale Möglichkeit sich eine leihmutter kaufen zu können.

    Ist ein bisschen wie mit der Erbschaftssteuer bei der ganz viele, in der Hoffnung selbst mal reich zu werden, dafür kämpfen das es möglichst keine Erbschaftssteuer gibt.

    Oder Arbeitgeber freuen sich wenn mehr und mehr Menschen gezwungen sind mehr zu arbeiten.

    Alle die kämpfe sind verständlich und werden gesellschaftlich diskutiert, was gut so ist. Nur für wenn wir kämpfen und wenn wir dafür opfern oder was wir dafür geht manchmal im Idealismus unter.

  • Staaten wie Kalifornien, Illinois oder New York gelten als besonders "surrogacy-friendly". Hier können Wunscheltern bereits vor der Geburt gerichtlich als rechtliche Eltern eingetragen werden (die sogenannte Pre-Birth Order). Die Leihmutter hat danach keinerlei elterliche Rechte oder Pflichten. Sie ist nur ein "Brutkasten".

    Die USA war ja schon immer das Land der unbegrenzten Idiotien. An jeder Straßenecke steht eine Kirche, damit auch keiner vergisst, dass Gott möchte, dass noch mehr seiner "Geschöpfe" das Land of the Free bevölkern sollen.

    Wer glaubt eigentlich noch an das Märchen, dass es in den USA Frauen gibt, die ein Kind für fremde Menschen aus altruistischen Gründen austrägt? Die USA hat zwar die meisten Milliardäre in der Welt, aber auch immer mehr arme Menschen.

    Der Preis für eine US-Leihmutterschaft liegt zwischen 100.000 und 200.000 US-Dollar. Diese Kosten umfassen Agenturgebühren, Leihmutterentschädigungen und -kosten, Rechtskosten und medizinische Kosten in einer Fruchtbarkeitsklinik. Das ist ein reines Geschäft; und zwar ein Geschäft auf Kosten der Leihmutter, denn die bekommt von den max. 200.000 US-Dollar nur einen Bruchteil inklusive einen seelischen Schaden.

  • Für mich klingt das eher frauenfeindlich.



    Eine Frau, die sich freiwillig für eine Leihmutterschaft entscheidet (egal aus welchen Gründen) ist keine Maschine!

  • Man sollte altruistische und kommerzielle Leihmutterschaft unterscheiden. Wesentlich häufiger scheint die kommerzielle Leihmutterschaft zu sein obwohl belastbare statistische Daten dazu fehlen.



    Die "Leihmutterschaft" ist ethisch m.E. am ehesten mit der Lebendspende von Organen vergleichbar. Die Lebendspende von Organen ist primär nicht verwerflich unter Ehepartnern und unter nahen Verwandten, sonst nur bei Nachweis der persönlichen Verbundenheit oder von besonderen medizinischen Sachverhalten.

    Es gibt einen sehr guten Wikipediaartikel zum Thema "Leihmutter" :



    de.wikipedia.org/wiki/Leihmutter

  • Sehr richtig, aber zuwenig thematisiert wird, dass dahinter der egozentrische und patriarchale Wahn steckt, sich selbst unbedingt perpetuieren und deswegen seine! Gene weitergeben zu müssen. Wer Kinder will, sie aber nicht zeugen kann, soll adoptieren! Das wäre win-win.

    • @dites-mois:

      Genau.



      Aus matriarchaler Sicht, genügt Mutterschaft. Eine Frau bekommt ein Kind, sie ist Mutter, es wird in der Großfamilie aufgezogen, auch von den Brüdern der Mutter (soziale Väter). Wer der Vater ist, interessiert nicht. Muss auch nicht interessieren.

    • @dites-mois:

      Viele dieser Paare würden sehr gerne ein Kind adoptieren, aber das ist in D extrem schwierig. Die Anzahl der Kinder, die für eine Adoption zur Verfügung stehen, ist sehr begrenzt, und die Hürden sind sehr hoch, selbst für "normale" (= heterosexuelle) Paare.

  • Ich empfinde die Argumentation als ideologisch eingeschränkt.

    Natürlich hat Leihmutterschaft einen ausbeuterischen Anteil, den man auch gerne anprangern darf. Ausbeutung findet aber auch bei Putzfrauen statt und vermutlich demnächst auch wieder bei Pflegekräften. Das kann somit nicht das alleinige Argument sein.



    Irgendwie wird in diesem Artikel mal wieder ideologisch über Frauen hinweg festgelegt, was diese dürfen zu haben und was nicht. Jedenfalls kommt es mir so vor.

    Ebenfalls: nur weil Reiche sich mehr leisten können als Arme, kann man nicht einfach alles verbieten.



    Es sei denn, man beginnt beim Besitz von Luxusyachten oder Privatflugzeugen. Da wäre ich dabei.

  • "Leihmutter" ist ein bewertender Begriff. Tatsächlich wird hier nichts ge- oder ausgeliehen (Leihe ist nie an eine Geldleistung gebunden). Tatsächlich handelt es sich hierbei um Frauen, die ihre Kinder (in seltenen Fällen) verschenken oder (meistens) verkaufen.



    Das eigentlich Erstaunliche an der Debatte ist, dass niemand nach den Rechten der Kinder fragt. Am allerwenigsten offenbar die "Väter", die sich die Beschwerden einer Schwangerschaft ersparen und die "Angelegenheit" mit einer Geldüberweisung erledigen. Da wird zumindest der Verdacht einer Gefährdung des Kindeswohls im Raume stehen.

  • Laut Berichten ist in den USA für die Zulässigkeit einer Leihmutterschaft der Nachweis erforderlich, dass die Leihmutter auch ohne das Honorar eine gesicherte Lebensstellung hat, also NICHT aus einer Zwangslage heraus entscheidet. Ist das dann immer noch Ausbeutung, oder darf man schon von Selbstbestimmung sprechen? Oder ist es aus einer bestimmten politischen Sicht per se Ausbeutung, wenn eine Frau ihr Frausein zum Geldverdienen einsetzt?

    • @Normalo:

      Ich muss brutal formulieren.



      Ja, die Ausbeutung wird gemindert. Sie wandelt u. verlagert sich auch.



      Die kommerzielle Leihmutterschaft setzt den Naturvorgang „Schwangerschaft u. Ergebnis“ in Wert als handelbares Gut Geld gegen Ware auf einem Markt. Die Produzentenseite kann die Nachfrage nach dem Standard „gesundes Kind“ nur mit einen dafür geeigneten Lebensstandart erfüllen. Das reduziert die Zahl der Produzenten um die ganz Armen unter ihnen. Der Markt konnte damit aber nicht selbst die Regularien erzeugen, die der Staat einsetzte, um „ausreichend“ menschliche Handelsverhältnisse für Käufer und Produzenten zu erreichen. Produzenten zielen auf Gruppen unterschiedlicher Kaufkraft. Kosten senkend gehen sie deshalb an die unteren Limits der geltenden Regularien für ihre Produktion. Wäre kommerzielle Leimutterschaft in D. erlaubt u. in der Ukraine kein Krieg, könnten ukrainische „Produzenten“ bei geringerem Lebensstandart (Kostenfaktor) gegenüber D. das gleiche „Ergebnis“ billiger anbieten, bzw. Standards evtl. leichter umgehen. Nur um zu zeigen, womit man es nur allein ökonomisch schon zu tun hat.

    • @Normalo:

      Papier ist geduldig.

      Mit Hilfe der cleveren Rechtsanwälte, die bei solchen Geschäften meist am üppigsten verdienen, dürfte so ein Nachweis leicht zu bekommen sein.

  • Viele Argumente pro und contra Leihmutterschaft hier.







    Ganz unabhängig davon, ob man nun Leihmutterschaft ablehnt, toleriert oder befürwortet, bleibt aber der Fakt, dass Spahn aktiv für ein Verbot für alle Menschen in Deutschland mit gleichem Wunsch eingetreten ist und selbst dieses Verbot umgangen hat. Er ist damit das Gegenteil eines Volksvertreters und sollte so schnell wie möglich komplett von der politischen Bühne verschwinden.

  • Mir ist das mit Leihmutterschaft und Reproduktionsmedizin eine sehr sehr fremde Welt. Warum nicht einfach akzeptieren, wenn kein Kind kommen will? Bzw. kann?

    Aber ich zögere, zu fordern, das Zulässige auf das "Natürliche" zu beschränken und Anderes zu verbieten. Was ist schon natürlich?

    Meinem Rechtsgefühl nach ist die Frau, die das Kind geboren hat, Mutter. Auch dann, wenn die Eizelle (und das Sperma; dies gilt sowieso) nicht von ihrem Körper sind. Sie ist Mutter und sie hat das Sorgerecht und die Erziehungsberechtigung. Und durch kein Rechtskonstrukt kann dies abgegeben werden, weder verkauft, noch verpfändet, noch überlassen werden. Sie kann andere hinzuziehen, einen größeren Kreis, aber sie bleibt Mutter. (Adoption ist ein Problemfeld für sich). Soweit mein Rechtsgefühl.

    Das hieße, sollen die beiden Männer halt die Mutter in ihre Familie aufnehmen, samt Kind. Patchwork-Familie. Oder das Kind in den USA bei der Mutter lassen.

  • Einige hier weisen auf einen Widerspruch dazwischen hin, Prostitution in Ordnung zu finden, aber Leihmutterschaften nicht. Denen, die das so sehen, kann ich nur sagen: Sehe ich genauso, deshalb finde ich, beides sollte verboten sein, Sexkauf ebenso wie Leihmütterschaft. Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der sich reiche Menschen die Körper armer Menschen kaufen können, um sich eigenen Komfort zu erkaufen, und um nichts anderes geht es in beiden Fällen.

  • Irgendwie... "niedlich" - hätten Herr und Herr Spahn ein Kind adoptiert, wäre er vermutlich (leider!) immer noch CDU-Fraktionsvorsitzender.

    Komischerweise kräht über das Leid, von "uns" Adoptivkindern selten ein Hahn! Die Sorge, es wohl nicht wert zu sein, geliebt zu werden, oder ein zweites Mal vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, verlässt einen wohl nie so ganz!

    • @Altbayer:

      Sehr richtig, danke für den berechtigten Einwand. Ich finde auch, dass es in dieser Diskussion zu wenig um das eigentliche Thema geht: Nämlich das Wohl und die Rechte der Kinder.



      Adoptivkinder entstehen fast ausnahmslos ungeplant und die leiblichen Eltern sehen sich außerstande, das Kind selbst groß zu ziehen. Die Adoption ist somit immer ein Ausweg aus einer Notsituation und zwar für beide, Mutter und Kind. Die Konsequenzen sind schmerzhaft, für beide. Beide leiden unter der Trennung, meist ein Leben lang.

      Die Leihmutterschaft hingegen, ist eine Form der Adoption, die nicht aus einer Notlage heraus entsteht, sondern meist aus finanziellen Gründen auf der einen und den Kinderwunsch auf der anderen Seite. Win-Win für zwei Seiten, der Verlierer ist das Kind.



      Es muss für ein klassisches Adoptivkind schon hart sein, mit dem Wissen zu leben, abgeben worden zu sein, weil sich Mama nicht kümmern konnte. Doch wie fühlt ein Kind, wenn es weiß, das es verkauft wurde?

    • @Altbayer:

      "Irgendwie... "niedlich" - hätten Herr und Herr Spahn ein Kind adoptiert, wäre er vermutlich (leider!) immer noch CDU-Fraktionsvorsitzender."

      Ja. Natürlich. Adoption ist der richtige Weg für Menschen, die selbst keine Kinder bekommen können...

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Siehe mein anderer Kommentar weiter oben. Es ist erstaunlich. dass niemand weiß, wie schwierig es ist, in D ein Kind zu adoptieren. Ich kenne mehrere Paare in meinem weiteren Bekanntenkreis, die diesen Weg versucht haben und irgendwann aufgegeben haben. Die einzige Alternative zur Leihmutterschaft ist die Adoption eines ausländischen Kindes. Das wird aber auch immer schwieriger.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        "Adoption ist der richtige Weg für Menschen, die selbst keine Kinder bekommen können..."

        Aus meiner Sicht eher:



        Adoption ist der richtige Weg, Kindern, die sonst keine Chance hätten eine zu bieten.

  • Eine Mutter auf zwei Beinen ohne IHR Baby.



    Ein Baby ohne seine Mutter, auf der Suche nach ihrem Geruch und ihrer Stimme, die das Baby schon im Bauch seiner Mutter zwischen 20. & 28. Woche kennengelernt hat, um sich nach der Geburt auf der Welt zurecht zu finden. Unterbewusst wird dieser Mensch immer seine ersten Sinne irritierend wahrnehmen, und weiter ein Gefühl des ewigen suchen entwickeln. Wieder ein traumatisierten, kranker Mensch mehr in unserer Gesellschaft.



    Wie blöd müssen die neuen Eigentümer des Baby eigentlich sein ?

    • @Alex_der_Wunderer:

      Das bringt´s auf den Punkt. Die Prägung auf die Mutter und umgekehrt erfolgt auch im letzten Drittel der Schwangerschaft.

      "Wieder ein traumatisierten, kranker Mensch mehr in unserer Gesellschaft. " Würde ich nicht so absolut sagen :



      Elke Kahr wurde m.W. als Dreijährige adoptiert.

      "Wie blöd müssen die neuen Eigentümer des Baby eigentlich sein ?" "Eigentümer" stimmt. Ich würde sagen, sie sind so rücksichtslos, dass sie ihre eigene Rücksichtslosigkeit nicht erkennen.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Ihre Einwände gegen Leihmutterschaft in Ehren, aber finden Sie es wirklich OK, ein kaum geborenes Baby als krank zu bezeichnen?

  • Klare Worte, die das Problem auf den Punkt bringen.



    Es ist erschreckend, auf was für Ideen Menschen - ich würde nicht sagen, nur Männer, auch wenn es in diesem Fall so ist - kommen, weil sie nicht akzeptieren wollen, dass es ethische Grenzen für die eigenen Sehnsüchte gibt. Und dass manche Entscheidungen einfach Konsequenzen haben.



    Aber in einer Zeit, in der es einfach nicht sein darf, dass man irgendwie an Grenzen stößt, dass nicht alles geht, was man gern hätte, geht das anscheinend nicht.



    Komisch nur, dass man ausgerechnet denen, die unterprivilegiert sind, und das sind in diesem alle die, die nicht zu den Reichen gehören, gerade in letzter Zeit ständig Grenzen gesetzt werden, die noch dazu das Potential haben, gesellschaftlichen Unfrieden zu erzeugen.



    Aber es ist ja nur eine Frage des Geldes, ob man sich dann sonstwohin absetzen kann.



    Irgendwas läuft kolossal falsch in dieser Welt.

  • Fortsetzung Nr. 2 und letzte)

    Ich habe ein Muster eines Leihmuttervertrages (26 Seiten) gefunden.



    Hier der Link: purposedrivenlawyers.com (Law and Mediation Offices of Kelly Chang)



    Oder Ihr gebt als Suchbegriff "Example Contents Contract Surrogacy" ein.

  • My body my choice, war da irgendwas?

    • @elektrozwerg:

      Ja, das ist ein Slogan gegen das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen. Bei Prostitution ist das Ganze schon anders gelagert, bei Organhandel würde dem kaum noch jemand zustimmen. Selbstbestimmung ist ein komplexes Thema.

  • (Fortsetzung)

    3. Leihmutterschaftsvertrag



    Bei einem dann letztlich zu gestaltenden Leihmutterschaftsvertrag wird es (erneut) aus deutscher Rechtssicht spannend. Der Vertrag sieht die N u t z u n g der Leihmutter (Hervorhebung durch SH-St) und ein dementsprechendes Entgelt, soweit nicht altruistisch, vor. Die Entgelte sind in vielen Ländern bereits in den Agenturverträgen oder Klinikverträgen geregelt, sodass die Leihmutterschaftsverträge nur die jeweiligen besonderen Rechte und Pflichten beinhalten. Neben dem Verzicht der Leihmutter auf alle Rechte an dem Kind geht es u.a. darum, wie sie sich während der Schwangerschaft verhalten muss, welche Untersuchungen sie durchführen lassen und welche Informationen sie weiterzugeben hat. Häufig werden entsprechende Verhaltenskodexe aufgestellt, die bis hin zur sexuellen Enthaltsamkeit gehen. An dieser Stelle müssen individuelle Vorstellungen und Absprachen erfolgen."

    Unter www.surrogacy.com erfahren die Leihmütter ebenfalls, was sie zu tun und zu lassen haben ...

    Unter www.adoptioart.org (Academy of Adoption and Assisted Reproduction Attorneys) finden sich weitergehende Informationen, die sich alle furchtbar lesen.

  • Hier ein Auszug von der Homepage von Rose & Partner:







    Keine ärztlichen Garantien möglich



    Die ärztlichen Leistungen einschließlich von IVF und Transfer in den Uterus der Leihmutter sehen in keinem Fall Garantien für ein gesundes Kind vor. Sollte also ein wiederholter Versuch nicht zu einer Einnistung und Schwangerschaft der Leihmutter führen oder bereits im Vorfeld Probleme bei der künstlichen Befruchtung entstehen, sind die verschiedenen Verträge aufeinander bezogen. Es geht um die Zahlungsverpflichtung für ärztliche Leistungen sowie Dienstleistungen der Agentur, aber auch um etwaige Rückzahlungsansprüche für den Fall, dass es bspw. durch sorgfaltswidriges ärztliches Vorgehen zu Problemen gekommen ist. In diesem Fall muss eine Überprüfung und gegebenenfalls Durchsetzung von Ansprüchen nach dem maßgeblichen Landesrecht erfolgen.

    (Fortsetzung folgt)

  • Danke, für den Kommentar. Frauen und Kinder sind keine Ware und es handelt sich hier nicht nur einen technischen Vorgang. Das Recht des Kindes auf Bindung und psychische Gesundheit und wird in diesem Zusammenhang noch noch nicht einmal erwähnt - weil das Kindeswohl für Viele offensichtlich keine Rolle spielt, sondern im Zweifel nur die eigenen Begehrlichkeiten.

    • @Andrea Kornak:

      Bei einer Leihmutterschaft kann man wohl ausschließen, dass das betreffende Kind überhaupt auf die Welt käme, wenn NICHT von vornherein feststünde, dass es ohne ein besonderes Nähe Verhältnis zu seiner leiblichen Mutter aufwächst. Wäre das besser für dieses Kind - gar nicht erst zu existieren?

  • Frauke Brosius-Gersdorf wurde 2025 für die Wahl zur Bundesverfassungsrichterin nominiert. Nach Widerstand aus der Unionsfraktion zog sie ihre Kandidatur zurück.



    "»Wer Frauen als ›Brutkästen‹ bezeichnet, will nicht diskutieren«



    Die Verfassungsrechtlerin Brosius-Gersdorf hat Verständnis für die Inanspruchnahme einer Leihmutter durch Jens Spahn"

    www.zeit.de/politi...ahn-ruecktritt-cdu

    taz.de/Verfassungs...iert-CDU/!6197645/

    • @Eulennest:

      Vielleicht war es doch gut, dass die Dame nicht zur Richterin am BVG berufen wurde.

  • Wahrscheinlich gibt es keinen Fall, in dem sich eine nach Maßstäben des jeweiligen Landes sehr wohlhabende Frau als Leihmutter zur Verfügung gestellt hat.



    Das ist zwar meinerseits nur eine Annahme, aber wenn es so ist, würde sich sich jede weitere Diskussion erübrigen. Es wäre demnach einzig ein System der Ausbeutung.

  • Nicht nur die Leihmutterschaft ist fragwürdig. Die ganze Reproduktionsmedizin ist es auch.

    Wer die eigene DNA-Sequenz weitergeben möchte, sollte es schon aus Gründen der Qualitätskontrolle auf die evolutionsbiologisch entstandene Methode versuchen. Wem das nicht gelingt oder keine Lust darauf verspürt, dem steht die Möglichkeit der Adoption offen.

    Es gibt kein Recht auf Weitergabe der eigenen DNA und von einer erwachsenen Person kann erwartet werden damit klarzukommen.

    • @R.I.P.:

      Jetzt wünschte ich noch, Ihre Worte würden Elon Musk erreichen.

      • @Agarack:

        Ach, hat er jetzt auch die globale Reproduktionsmedizin übernommen?

  • Gemeinsam ein Kind zu zeugen, mit jemandem aus der Familie? Hab ich das richtig gelesen?

    • @Marcus Bauer:

      Ist mir auch aufgefallen. Kommt aber auch dran, wie der Begriff Familie abgegrenzt bzw. definiert wird. Verschwägerte? Zusammen-Lebende? ...

  • Ich kenne sehr, sehr viele Eltern, die Kinder bekommen könnten, aber keine wollen. Eltern, die gerne Kinder möchten, aber keine bekommen können, kenne ich nicht.



    Ich weis nur, dass diese oft genug viel Geld, Geduld und Spucke in die Verwirklichung ihres Kinderwunsches stecken. Manchmal hatte nach Sichtung der Berichte und Dokus das Gefühl, dass der Kinderwunsch nahezu in eine Neurose einmündete.

    Ja, es mag schwer sein, einzusehen, dass nicht jeder Wunsch im Leben erfüllt wird - auch nicht ein offensichtlich für viele so zentraler Wunsch. Es gibt neben Elternschaft aber auch andere Wege, doch zu einem erfüllten Leben zu kommen, z.B. indem man sich um die Kinder der Geschwister oder von befreundeten Ehepaaren kümmert. Ich habe mich z.B. sehr intensiv um die Kinder meines Bruders gekümmert - mindestens zweimal pro Woche. So konnten Bruder und Schwägerin auch mal entspannen und ich konnte meine Vatergefühle "austoben". Geblieben ist ein auch heute noch nahes Verhältnis zu meinen Neffen. Auch mein Beruf als Jugendsozialarbeiter war hilfreich. Als "professionelle" Vaterfigur konnte ich da über viele Jahrzehnte Erfüllung zur Genüge finden.

    • @Il_Leopardo:

      "Eltern, die gerne Kinder möchten, aber keine bekommen können, kenne ich nicht. " Abgesehen davon, dass es ein leichter Versprecher ist, gab/gibt es Paare , die gerne Kinder möchten, aber keine bekommen können schon immer. Das waren/sind ca. 10% der Paare. Das hat häufig körperliche Gründe, über die, würde ich sagen, man/frau eigentlich nicht spricht weil das als zu heikel empfunden wird. Man/frau kommt so am besten damit zurecht.

    • @Il_Leopardo:

      Leute, die sich Kinder wünschen, aber keine bekommen (können), sind meistens auch keine Eltern. Vielleicht liegt es daran.

      • @nihilist:

        Also die wollen insgeheim gar keine Kinder.

        Nein, ich hab' Sie verstanden - ich meinte natürlich Eheleute.

  • Man kann Silke Mertins nur zustimmen. Das Thema mag auch mit Moral zu tun haben, in erster Linie geht es aber um eine kleine reiche Elite, die glaubt mit ihrem Geld jedes Problem lösen zu können. Da wird genug Geld auf den Tisch gelegt, bis sich jemand findet, da werden Verträge gemacht die klar regeln, was passiert, wenn das Kind unerwartet behindert ist. Die Mutter tritt alle Rechte an dem Kind ab, als ob es sich um ein Musikstück handelt. Freiheit heißt hier Freiheit zur ethisch und moralischen Rücksichtslosigkeit.

  • Warum soll hier eigentlich nicht eine der zentralen Parolen der Frauenbewegung gelten: My Body, my choice?

    • @Bommel:

      Arme Leute beauftragen keine Leihmutterschaft.



      Reiche Frauen werden nicht Leihmutter.







      Leihmutterschaft ist keine "choice" sondern das Produkt aus finanziellen Nöten. Aus Freude an der Schwangerschaft macht das keine Frau. Schon gar nicht für einen fremden reichen Mann aus dem Ausland.

    • @Bommel:

      Weil die oft prekäre Situation dieser Frauen ausgebeutet wird.

  • ... und ergänzend zu meinem vorigen Kommentar: Vielleicht sollte man einfach mal mit der Leihmutter im aktuellen Fall sprechen. wie sieht sie ihre Schwangerschaft? Warum und wieso hat sie das mit Herrn Spahn und seinem Partner durchgezogen? // Wer weiß ggf. war das ja eine gänzlich selbstbestimmte Entscheidung? So selbstbestimmt es halt sein kann, denn innerhalb von mitbestimmenden Faktoren treffen wir alle unsere Entscheidungen. Die Leihmutter aber ohne Kenntnis des konkreten Falls als Ausgebeutete und Opfer zu betrachten, dass halte ich für Viktimisierung

    • @Jaehn:

      gute Idee, die Leihmutter zu fragen. Aber will sie das? Traut sie sich zu, von heute auf morgen in der großen Öffentlichkeit zu stehen? Und darf sie reden oder hat sie in einer Vertragsklausel sich zum Schweigen verpflichtet?

    • @Jaehn:

      Würde mich auch interessieren, jedoch könnte man genauso gut mit einem ausländischen Nierenspender sprechen, der für viel Geld eine seiner Nieren verkauft hat. Die meisten werden sich das erst mal schönreden, da sie das dabei geflossene Geld gut brauchen können. Dass den meisten Cash die Medizin-Agenturen gemacht haben, wissen die in der Regel nicht. Die körperlichen Langzeitfolgen (bei einer Schwangerschaft durchaus vergleichbar oder sogar schlimmer als bei einer Nierenspende) machen sich erst mit Verzögerung bemerkbar. Ich will keiner Frau und auch keinem Nierenspender verbieten, seinen Körper altruistisch zur Verfügung zu stellen. Dann sollte Geld aber kein Motiv sein und dementsprechend nicht entlohnt werden.



      Spahn und sein Mann hätten eine alleinstehende Frau oder ein lesbisches Paar für ein solches Vorhaben suchen können. Offensichtlich war ihnen das zu anstrengend. Oder gibt es etwa doch nicht so viele Frauen, die so etwas freiwillig mit ihrem Körper machen lassen, nur um einem konservativen Politikerpaar ein Kind zu "schenken"? Hmm, warum wohl...?!

  • Wo soll man anfangen wo enden. Frauen nieder schichten verrichten schon lange, die Arbeit höherer. Die Leihmutterschaft findet sich schon in der Bibel. Unerwähnt bleibt dort was die niedere Magd Bilha, davon hielt dem Willen ihrer Herrin Rahel folgend Jakob einen Sohn zu gebähren.

    Eventuell wäre es einfacher, die Option der frühen Adoption anstelle, einer Abtreibung stärker zu fördern. Dann ist jedoch das Kindeswohl und nicht die Selbstbestimmung der Mutter im Vordergrund. Die gesundheitlichen Risiken der Mutterschaft in einem Land wie Deutschland sind heute jedenfalls niedriger und die psychischen Folgen der Abtreibung ebenso wenig zu negieren und keineswegs alls rein sozial konstruiert anzusehen.

    • @T.Laforêt:

      Ich habe selbst kein Kind aber von meinen Nichten weiß ich, dass es bei weitem nicht so harmlos ist, eine Schwangerschaft 9 Monate durchzustehen. Nur, weil die Frauen nicht mehr so leicht sterben, heißt das gar nichts.

    • @T.Laforêt:

      Es gibt nicht zwangsläufig emotionales Leiden bei einer Abtreibung. Ich würde vielleicht sogar behaupten, dass die wenigsten wirklich einschneidende Probleme davontragen.



      Aber wieso gehts hier überhaupt um Abtreibung? Und wer bitte fördert diese?

    • @T.Laforêt:

      Diese biblische Geschichte hat auch schon irgendein Freund von Spahn in den Medien als Rechtfertigung zum Besten gegeben. Bin ich die einzige, die es fast schon komisch findet, dass das genau die selbe Story ist, die im „Report der Magd“ als Grund für die Richtigkeit der Vergewaltigung und Zwangsschwangerschaften der Mägde im Stellung gebracht wird? Das ist echt Realsatire. Und Frauen im Zweifel die Abtreibung zu erschweren oder zu verbieten um mehr Kinder für die Adoption zu produzieren ist nicht besser.

  • Vielen Dank, dass du dieses wichtige Thema angesprochen hast. Es ist beeindruckend – und zugleich erschreckend –, wie leicht die Würde von Frauen zur Verhandlungsmasse wird. Die patriarchale Gesellschaft, in der wir alle leben, überlebt genau dadurch, dass sie Frauen entmenschlicht und uns auf einen Körper reduziert, der den Wünschen von Männern zur Verfügung stehen soll. In dieser Gesellschaft müssen der Mensch in diesem Körper, ihre Wünsche, ihre Talente und ihre Würde ausgelöscht werden. Alle Frauen wissen, was eine Schwangerschaft bedeutet: wie sie unseren Körper verändert, wie sie unsere Gefühle beeinflusst. Und wir alle wissen, dass eine Frau ihren eigenen Körper nur dann verkauft, wenn ihr keine andere Alternative mehr bleibt. Eine Frau in einem solchen Ausmaß der Verletzlichkeit auszubeuten und dann zu hören, wie leichtfertig Menschen sagen: „Sie hat es getan, weil sie es wollte“, zeigt, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben, bevor wir echte Geschlechtergerechtigkeit erreichen.

    • @Mariana Lopes Simoes:

      Hola, Signora Lopes Simoes. Sie dürfen glauben, dass ich oft zu hören bekam, dass es wohl einfacher gewesen wäre, wenn sich meine Mutter eine Abtreibung hätte leisten können, anstatt mich zur Adoption freizugeben.

      Frei nach dem Motto: Wäre nicht die CSU in Bayern an der Macht gewesen, wärst Du gar nicht hier.

      So könne ich doch stolz darauf sein, dass ihr das Geld gefehlt habe, um in die Niederlande zu reisen, und dies Werk dort zu vollziehen.

      U.a. einmal auch von einem katholischen Pfarrer! Dem war wohl zuwider, dass ich Protestant bin.

  • Ich halte es für unreflektiert antifeministisch von Gebärmutter auf zwei Beinen zu sprechen, wenn sich eine Frau dazu entschieden hat für Dritte ein Kind auszutragen. Ist in anderen europäischen Ländern zB erlaubt, wenn kein Geld fließt. Zumindest die Variante finde ich vollkommen akzeptabel. Mein Bauch gehört mir, ist ja nicht nur ein Recht auf Abtreibung sondern auch ein Recht eine Schwangerschaft einzugehen // Ob ein eventueller Geldfluss das ändert, daran zweifel ich allerdings auch. Ist eine ganz ähnliche Debatte zur Prostitution. Entweder man überlällt es der (dem) Einzelnen mit seinem Körper tun und lassen zu können was man will, auch sexuelle und Gebärdienstleiungen oder man meint das aus moralischen Gründen einschränken zu dürfen. zu meinen Leihmutterschaft und Prostitiution sei eo ipso Ausbeutung und damit nicht mehr zu unterscheidunen zw. Vergewaltigung und Prostitution und quasi selbstbestimmer Leihmutterschaft und Gebärzwang nivelliert den betroffenen weiblichen Menschen völlig als Subjekt, weil dessen Einwilligung und Selbstaussage anscheinend überhaupt nicht zählt ...

    • @Jaehn:

      Nehmen Sie doch einfach die neue anvisierte Unterhaltsregelung, die neue Bürgergeldregelung und die Mietenexplosionen dazu, von denen bekannt ist, dass sie nicht zu den Reichen gehörenden Alleinerziehenden und ihren Kindern nur schaden. Und dann überlegen Sie nochmal, bevor Sie davon reden, dass Frauen selbstbestimmte Entscheidungen bzgl ihre Körpers treffen, wenn sie finanziell kaum noch über die Runden kommen.



      Um selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen, muss man frei sein. Das sind Frauen immer noch nicht. Aber es ist mir klar, dass das für manche Leute schwer zu verstehen ist. Man muss dazu schon ein bisschen tiefer ins Menschsein hineinschauen, statt Freiheit nur daran festzumachen, ob jemand Ja oder Nein sagen kann.

    • @Jaehn:

      Ich halte es für grob verkürzend, diese Diskussion auf die Zustimmung der Leihmutter zu fokusieren und in den privaten Bereich zwischen Leihmutter und Mietern zu verschieben. Mit Deiner Argumentation wäre auch Organhandel völlig problemlos möglich, wenn alle zustimmen. Leihmutterschaft hat aber eine gesellschaftliche Dimension. Sie ist eine Frage wie wir gemeinsam Leben möchten und ob finanzielle Macht alle Bereiche des Lebens dominieren darf.

  • Mich würde interessieren - was passiert eigentlich, wenn das 'gekaufte' Kind nicht gesund , also nicht 'perfekt' im Sinne der 'Kunden' ist. Wer trägt das Risiko? Wird dann die Leihmutter zur 'richtigen' Mutter und haftet für die Folgen ? Und was ist, wenn sich der 'Mangel' erst später herausstellt ? Gibt es ein 'Rückgaberecht' ?



    Und das Kind? Was macht das eigentlich mit dem Kind? Wenn sich ein schwules Paar für diesen Weg entscheidet, ist ja auch noch eine Eizellenspende nötig. Das Kind wird also seine wahren Wurzeln nie erfahren. Gibt es da psychologische Untersuchungen dazu?

    Wahrscheinlich wird das alles vertraglich geregelt, aber ich hoffe mit dieser Frageliste unterstreichen zu können, wie absurd diese Idee einer geliehenen Mutterschaft eigentlich für alle Beteiligten sein sollte.

    • @B. Trübt:

      Dafür sind die Leihmütter und im Zweifel der Staat, also unser Gesundheitswesen, wir alle, verantwortlich.



      Wieder einmal werden Risiken auf Frauen abgewälzt bzw. letzten Endes verstaatlicht, zu Gunsten einiger Priviligierter, die meinen, sich Leben und Glück kaufen zu können.

    • @B. Trübt:

      als Ergänzung zu IhrenAusführungen:



      ich denke, dass mit Eizell- und Samenspende auch gleichzeitig eine "genetische Optimierung" angeboten wird und dass während der Schwangerschaft eine ausgiebige pränatale Diagnostik ausgeführt wird, damit die "Kunden" ein gutes und "gesundes" Kind bekommen. Alles Dinge, die ebenfalls in Deutschland -aus gutem Grund- verboten sind.

  • Wir müssen endlich aufhören, über Leihmutterschaft zu sprechen, als ginge es um niedliche Babys für arme kinderlose Paare, deren Kinderwunsch wir aus Mitgefühl erfüllen sollten. Es geht nicht um mildtätiges Handeln. Worüber wir sprechen sollten, ist die Kommodifizierung des weiblichen Körpers in einer Welt, in der Frauenkörper Brutkästen und Babys Handelsware sind, und deren Produktions- und Lieferketten rund um den Globus führen. Das Produkt, das wirtschaftlich nutzbar gemacht wird, ist die weibliche Reproduktionsfähigkeit.

    Leihmutterschaft ist kein gelebtes Mitgefühl, sondern ein ausbeuterischer Markt, der unsere Gesellschaft verändert. Wenn wir uns jetzt nicht entscheiden, wird es der Markt in seinem Sinne richten. Wenn wir uns dagegen entscheiden, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, den Widerstand auszuweiten.

    Weitere Informationen



    frauenheldinnen.de...-leihmutterschaft/

    • @OAP:

      Danke! Volle Zustimmung.

    • @OAP:

      Stimme Ihnen voll zu. Und abgesehen von der Seite der Frauen - das Kindeswohl wird auch überhaupt nicht gesehen. Dass die Trennung von der es austragenden Mutter immer eine Wunde im Kind hinterlässt, wird geflissentlich völlig übersehen. Diese Wunde betrifft die Tatsache, dass die Leihmutter gar keine echte Liebe empfinden darf, sonst würde sie ja daran zugrunde gehen, und dass das Kind von dem einzigen Mensch verlassen wird, den es gekannt hat.



      Und was ist eigentlich mit epigenetischen Vererbungen? Bekommt es die der Leihmutter oder die der echten Gene aus Samen- und Eizelle, und wie wirkt das zusammen mit den Verhaltensweisen des Paares, das sich mit Hilfe der Leihmutter ein Kind besorgt hat?

    • @OAP:

      Aber das ist doch genau der Punkt:



      Aus feministischer Sicht ist es unabdingbar dass Frauen völlig selbstständig über sich und ihren Körper verfügen können, also muss Leihmutterschaft genauso wie auch Abtreibung und Prostitution grundsätzlich erlaubt und legal sein! Es gilt Missbrauch und Abhängigkeiten zu verhindern, ja, aber ansonsten entscheidet nur die Frau alleine was sie mit ihrem Körper macht und ob sie diesen eventuell für Dienstleistungen zur Verfügung stellt.

      • @Saile:

        Ich denke nicht, dass man Leihmutterschaft mit Prostitution oder Abtreibung gleichsetzen kann. Es ist richtig, jede Frau sollte selbst über ihren Körper bestimmen dürfen. Bei Prostitution und Abtreibung trägt sie schließlich auch allein die Konsequenzen aus ihrer Entscheidung. Bei der Leihmutterschaft trägt noch jemand zusätzlich die Konsequenz: Das geplante Kind, das abgeben wird.

  • Mindestens ebenso problematisch - wenn nicht sogar noch problematischer - ist dass dem Kind verwehrt wird mit seiner leiblichen Mutter aufzuwachsen. Man weiss ja, dass das insbesondere in Säuglings- und Kleinkindalter sehr wichtig ist.

    • @T-Rom:

      Ist ja doch garnicht die leibliche Mutter... Und solange ein Kind Personen um sich hat, die es liebevoll großziehen, ist es egal, ob weiblich, männlich oder irgendwas dazwischen..

    • @T-Rom:

      Eine Leihmutter ist nicht mit dem Baby verwandt, welches sie austrägt - sie ist nicht die leibliche Mutter, sondern "nur" austragende Person. Wärme, Nähe und Zuneigung kann ein Baby auch bei seinen biologischen Eltern erfahren. Es stellt sich die Frage, wie ein Baby den Unterschied überhaupt bemerken soll. Wenn, dann wohl nur über den Geruch. Meine Kinder haben mich als Vater erst nach ihrer Geburt das erste Mal gerochen. Wir haben trotzdem ein inniges Verhältnis zueinander.

  • taz: *Die Leihmütter sind meistens Frauen aus prekären Verhältnissen, die für sich keine andere Möglichkeit sehen, sich eine Zukunft aufzubauen.*

    Und da haben wir sie wieder, die 'erdrückende Armut' in dieser Welt, die arme Frauen sogar schon ihren Uterus für 9 Monate an reiche Menschen "vermieten" lässt. Reiche Menschen nutzen solche arme Frauen als Brutofen aus, geben ihnen max. 250.000 US-Dollar und dann wird das fertige "Produkt" am Ende mitgenommen und die Frau - wahrscheinlich noch mit einem seelischen Schaden - wieder in die Freiheit entlassen, wie immer diese "Freiheit" dann auch aussehen mag. So ist er aber nun einmal, der brutale Kapitalismus, der dafür sorgt, dass reiche Menschen sich (fast) alles kaufen können und die Armen systematisch ausgebeutet werden.

    Wir haben uns ja schon an solche Ungerechtigkeiten in der Welt gewöhnt, aber dass ein "christlicher" Unionspolitiker jetzt so etwas macht und nicht ein einziges Mal darüber nachdenkt, was er und sein Partner da anstellen, und wie es so einer Frau wohl geht, wenn sie ihr Baby (ja, es ist ihr Baby) an zwei fremde Menschen abgeben muss, dann ist das alles mehr als erbärmlich - selbst für diesen CDU-"Volksvertreter".

    • @Ricky-13:

      Die Frau kann das Baby nur dann für sie selbst schadlos an zwei fremde Menschen abgeben, wenn sie keinerlei Liebe während der Schwangerschaft für das heranwachsende Wesen in ihrem Bauch empfunden hat. Das allerdings ist wieder schädlich für das Kind, denn die vorgeburtliche Zeit ist ja nicht unwichtig, wie man inzwischen weiß.

  • Und weshalb sollte uns dieser ethische Ansatz in der Realität weiter bringen?

    Wenn nicht eine hinreichende Anzahl an Frauen in Deutschland findet, die aus altruistischen Gründen bereit sind, ein Kind für andere auszutragen, bleibt es weiter beim Gebährtourismus.

    • @DiMa:

      Muss nicht. Man kann es auch wie Italien Handhaben und die Adoption von durch Leihmütter ausgetragene Kinder ablehnen. Natürlich kann man auch im Ausland begangene Straftaten ahnden. Grade entscheidet sich der Staat für Straffreiheit bei Eizellenspende und Leihmutterschaft. Das muss so nicht sein. Im Ausland begangene Straftaten können verfolgt werden.

      • @Maxime Musterfrau:

        Die inanspruchnahme einer Leihmutter ist - wie auch die Leihmutterschaft selbst - in Deutschland nicht strafbar. Nur der Dienstleister - hoffentlich Arzt - der die Befruchtung und Implantation durchführt, macht sich strafbar.

      • @Maxime Musterfrau:

        Die Verfolgung einer im Ausland begangenen Straftat setzt voraus, dass die Tat auch im Ausland strafbar ist. Das ist ja gerade nicht der Fall. Insoweit scheidet eine Strafverfolgung aus.

        Ein Adoptionsverbot klappt auch nicht, da der Vater ja der leibliche Vater ist und dies dann nicht im Sinne des Kindeswohles wäre.

        Die von Ihnen angestellten Überlegungen sind daher nicht zielführend.

  • Ich mag Spahn nicht, aber genausowenig mag ich diese Diskussion.

    Ja, eine Leihmutterschaft ist körperlich und psychisch belastend. Aber das gilt für annähernd sämtliche Erwerbsarbeit.

    Samenspende ist erlaubt, Abtreibung ist annähernd erlaubt, Eizellenspende und Embryonenspende sind verboten. Dass diese Umstände Kohärenz haben, ist mir nicht ersichtlich.

    Eine herkömliche Adoption ist keine Alternative. Dafür ist Jens zu alt und wahrscheinlich beruflich auch zu eingespannt (wenn er denn Fraktionsvorsitzender geblieben wäre).

    Das Lesbenpaar oder die Single-Frau, die mit dem Power-Couple ein Kind gezeugt hätte, muss erstmal gefunden werden. Denn es ist ja nicht nur die Zeugin. Es muss dann ja eine elterliche Kompromissbildung in allen Fragen erzielt werden, die nicht in eine Liebesbeziehung eingebettet ist. Und dass neben der aufzehrenden Arbeit im politischen Berlin. Zwischen dem konservativen Jens, seinem bärbeißigen Ehemann und dem Lesbenpaar. Horror pur!

    Der große Koch Ottolenghi hat auch Leihmütter in Anspruch genommen und dies etwas humorig beschrieben.

  • Wie war das, my body, my choice?



    Wenn das die freiwillige Entscheidung des Menschen mit weiblichen Reproduktionsorganen ist, warum nicht?



    Und es gibt durchaus Menschen die schwanger sein toll finden.

    Ja, dass sich nur wenige diesen Weg leisten können ist ungerecht.



    Aber in Deutschland gibt es keine andere Möglichkeit ein leibliches Kind zu bekommen wenn keine, oder nur eine nicht funktionierende, Gebärmutter vorhanden ist.

    Und alle „dann adoptiert doch“ Menschen hier, ganz so einfach ist das nicht.



    Und nicht alle die ein eigenes Kind wollen sind bereit die doch eher großen Unsicherheiten die bei einer Adoption im Spiel sind zu ignorieren.

    • @clas_hannes:

      Herr Spahn findet Leihmütter in Deutschland unethisch und unchristlich. Daher hat er mit dafür gesorgt das es in Deutschland ein Gesetz gibt das Leihmutterschaft verbietet.

      Und dann geht er in die USA und bezahlt und engagiert dort eine Leihmutter. Sind Frauen in den USA weniger wert. Ist das nicht schon Rassismus?

  • Entscheidend ist die Interpretation der Leihmutterschaft als "Ausdruck" einer besonders krassen Ausbeutung [...].

    Leihmutterschaft ist nicht das primäre Problem sondern lediglich ein Symptom eines ungerechten und zerstörerischen Systems.

  • Die Ethik des Beitrags überzeugt mich nicht. Er setzt Entgelt, soziale Ungleichheit und Ausbeutung gleich. Wirtschaftliche Motive machen eine Entscheidung aber nicht automatisch unfrei – sonst wären weite Teile der Erwerbsarbeit ethisch unzulässig. Entscheidend ist, ob eine Frau informiert, ohne unzulässigen Druck und zu fairen Bedingungen einwilligt.



    Auch die Gleichsetzung mit Organhandel greift zu kurz: Bei der Leihmutterschaft wird kein Körperteil dauerhaft veräußert, sondern eine zeitlich begrenzte, risikoreiche körperliche Leistung übernommen. Deshalb braucht es strenge Regeln: unabhängige Beratung, medizinische Entscheidungshoheit der Schwangeren, angemessene Vergütung, Kranken- und Erwerbsausfallversicherung, Absicherung von Langzeitfolgen und eine Begrenzung solcher Schwangerschaften.



    Ein Verbot kann zum Schutz vor Selbstausbeutung gerechtfertigt sein. Dann müsste aber gezeigt werden, dass Ausbeutung und Fremdbestimmung durch Regulierung nicht beherrschbar sind. Diesen Nachweis führt der Beitrag nicht. Die Bezeichnung der Frau als „Brutkasten“ ist selbst entwürdigend: Sie schützt ihre Autonomie nicht, sondern spricht sie ihr ab.

    • @Peter Rabe:

      Man muss sich nur mal fragen: wie viele Frauen, die das machen, würden das tun, wenn sie Geld auf andere Weise verdienen könnten? Ich bin sicher, dass das nicht allzu viele sind. Genauso wie bei der Prostitution.



      Die Gesellschaft lässt es nicht zu, dass Care Arbeit angemessen vergütet wird, dass Sozialberufe angemessen vergütet werden, weil sie keinen - wie mein Neffe jüngst sagte - "Mehrwert" erzeugen wie IT-Arbeit. Die Kehrseite ist, ihnen für die Selbstausbeutung ihres Körpers, und ihrer Seele, denn das kann man nicht trennen, besonders viel Geld anzubieten, während andere Berufe mit hohem Frauenanteil immer noch in niedrigen Bereichen darben.



      Und da soll es keinen Zusammenhang geben?

      • @Dreja:

        Der Zusammenhang zwischen schlechter Bezahlung typischer Frauenberufe, wirtschaftlicher Abhängigkeit und besonders hoch vergüteten körperlichen Leistungen ist nicht zu bestreiten. Er belegt aber noch nicht, dass jede Entscheidung unter sozialer Ungleichheit unfrei oder ausbeuterisch ist. Die entscheidende Gegenfrage lautet nicht, ob eine Frau die Tätigkeit auch ohne Geld ausüben würde – das gilt für fast jede Erwerbsarbeit. Maßgeblich ist, ob akute Not ihre Wahlmöglichkeiten praktisch beseitigt und ob die stärkere Vertragsseite diese Lage zu unangemessenen Bedingungen ausnutzt.



        Gerade daraus folgt ein Regulierungsauftrag: Existenzsicherung unabhängig von solchen Tätigkeiten, angemessene Vergütung von Care- und Sozialarbeit, Prüfung der Freiwilligkeit sowie vollständige gesundheitliche und soziale Absicherung. Liegt akute existenzielle Not vor, kann eine wirksame Einwilligung zweifelhaft sein. Aber armen Frauen pauschal jede Fähigkeit zu einer autonomen Entscheidung abzusprechen, wäre ebenfalls paternalistisch. Soziale Ungleichheit ist ein starkes Indiz für ein Ausbeutungsrisiko – nicht automatisch der Beweis für Ausbeutung im Einzelfall.

    • @Peter Rabe:

      Der Zwang zur Erwerbsarbeit ("Wer nicht arbeitet, soll nicht essen") IST ethisch unzulässig.



      Insofern ist Ihr Einwand valide.

      Wir haben genau das gleiche Problem bei der Diskussion über Prostitution: Wie "frei" oder "unfrei" ist die in einer Welt, in der Du kein Existenzrecht an sich hast - wenn Du nicht entweder reich geboren oder ggf. ganz offziell für krank oder behindert erkärt wurdest?

    • @Peter Rabe:

      Danke für Ihren Beitrag - den ich zwar inhaltlich nicht ganz teile, der aber die andere Seite aufzeigt. Versuchen wir es mit einem anderen Punkt:

      Bei "normaler" Erwerbsarbeit kann die Agentur für Arbeit verlangen, dass man einen Termin bei einem potentiellen Arbeitgeber wahrnimmt. Bei einem Maurer (schwere körperliche Arbeit) wird sich wohl kaum Widerstand regen, wenn man von einem Arbeitslosen verlangt, dort vorzusprechen. Wenn es so "normal" wäre, könnte man doch auch von einer Frau verlangen, eine Leihmutterschaft zu übernehmen. Ich bin mir sicher, dass Sie hier durchaus sehen, dass dies nicht möglich sein soll. Aus welchem Grund regt sich aber in diesem Fall ein Störgefühl? Es ist eben nicht nur bloße Arbeit.

      • @Strolch:

        Das Störgefühl ist berechtigt: Eine Schwangerschaft ist keine „normale“ Erwerbsarbeit. Sie greift über Monate tief in körperliche Integrität, Gesundheit und persönliche Lebensführung ein und kann nicht wie ein gewöhnliches Arbeitsverhältnis beendet werden. Deshalb dürfte der Staat niemanden durch Sozialleistungsrecht zu einer Leihmutterschaft drängen – ebenso wenig zu einer Organspende oder zur Teilnahme an medizinischen Studien.



        Daraus folgt aber nicht zwingend ein Verbot jeder freiwilligen Leihmutterschaft. Im Gegenteil: Dass die Entscheidung höchstpersönlich ist, begründet sowohl das Recht, sie unter keinen Umständen aufzuzwingen, als auch das Recht, sie nicht ohne Weiteres staatlich zu untersagen. Der Maurervergleich zeigt daher nur, dass Leihmutterschaft besonderen Schutzregeln unterliegen muss: keine Vermittlung durch Arbeitsbehörden, keine Sanktionen bei Ablehnung, jederzeitige medizinische Entscheidungshoheit und Schutz vor wirtschaftlichem Zwang. „Keine gewöhnliche Arbeit“ bedeutet nicht automatisch „unzulässige Tätigkeit“. Entscheidend bleibt, ob eine freie Entscheidung unter Bedingungen möglich ist, die Frau und Kind vor Instrumentalisierung schützen.

    • @Peter Rabe:

      Das ist mehr als "nur" Organhandel, es ist getrost als Sklaverei zu bezeichnen. Anders kann man das Verkaufen eines Kindes wohl kaum bezeichnen.

      • @Perkele:

        „Sklaverei“ ist hier der falsche Begriff: Sie setzt eigentumsähnliche Herrschaft über einen Menschen voraus. Auch wird nicht zwingend ein Kind „verkauft“. Vergütet werden können vielmehr Zeit, körperliche Belastung, Gesundheitsrisiken und Erwerbsausfall.



        Ethisch unvertretbar wird Leihmutterschaft, wenn die Zahlung von der Übergabe eines gesunden Kindes abhängt oder die Schwangere ihre Entscheidungsfreiheit über Lebensführung, medizinische Eingriffe, Schwangerschaftsabbruch oder Geburt verliert. Dann werden Frau und Kind tatsächlich zu Objekten eines wirtschaftlichen Geschäfts.



        Entscheidend ist daher nicht, ob Geld fließt, sondern wofür und unter welchen Bedingungen. Eine vertretbare Regelung müsste die Vergütung vom Erfolg entkoppeln, die körperliche Selbstbestimmung uneingeschränkt sichern sowie unabhängige Beratung und vollständige gesundheitliche Absicherung gewährleisten. Wer dennoch jede Form als Sklaverei bezeichnet, müsste erklären, weshalb selbst die freie, informierte und widerrufliche Entscheidung der Frau unbeachtlich sein soll.

        • @Peter Rabe:

          Das ist eine rein pragmatische Beurteilung des Begriffs, die jede Empathie für das Kind als auch die Mutter vermissen lässt. Spitzfindigkeiten in der Formulierung können dieses ungeheuerliche Vorgehen nicht entschuldigen oder auch nur erklären. Ich bleibe dabei, solche Praktiken als Sklaverei zu beschreiben.

          • @Perkele:

            Empathie ersetzt keine begriffliche Genauigkeit. Gerade weil die Interessen von Frau und Kind ernst zu nehmen sind, sollte man zwischen Sklaverei, Kinderhandel und einer – möglicherweise ausbeuterischen – Leihmutterschaft unterscheiden. Diese Begriffe bezeichnen unterschiedliche Formen des Unrechts. Ihre Gleichsetzung verstärkt zwar die moralische Empörung, erklärt aber nicht, worin die konkrete Verletzung liegt.



            Wenn eine Frau aus existenzieller Not handelt, ihre körperliche Selbstbestimmung verliert oder die Vergütung von der Übergabe eines gesunden Kindes abhängt, bestehen gravierende ethische Einwände. Dann drohen Instrumentalisierung und Kommerzialisierung von Frau und Kind. Das muss klar benannt und verhindert werden.



            Aber auch eine freiwillige, widerrufliche und abgesicherte Leihmutterschaft „Sklaverei“ zu nennen, setzt das Ergebnis voraus, statt es zu begründen. Es spricht der Frau zudem pauschal die Fähigkeit ab, über ihren Körper zu entscheiden. Empathie verlangt Schutz vor Zwang und Ausbeutung – nicht den Verzicht auf Differenzierung.

        • @Peter Rabe:

          Es kam durchaus in Südafrika vor, dass, wenn das Baby behindert war, es einfach nicht „abgeholt“ wurde… Also sehr wohl wird darauf Wert gelegt, dass es für soviel Geld gefälligst gesund zu sein hat.

          Interessant das Männer das hier so okay finden…

          • @ToMuch:

            Wenn Wunscheltern ein Kind wegen einer Behinderung nicht übernehmen, bestätigt das einen zentralen Einwand: Das Kind wird faktisch nach gewünschten Eigenschaften bewertet, während Verantwortung und Risiken bei der austragenden Frau und dem Kind verbleiben. Solche Fälle sind ethisch nicht hinnehmbar.



            Jede denkbare Regelung müsste deshalb die Elternschaft und volle Verantwortung der Wunscheltern bereits vor der Geburt verbindlich festlegen – unabhängig von Gesundheit oder Behinderung des Kindes. Ausgeschlossen sein müssten insbesondere Gesundheitsgarantien, erfolgsabhängige Zahlungen, Abbruchvorgaben und jedes Rücktrittsrecht der Wunscheltern. Andernfalls entsteht tatsächlich eine Bestelllogik.



            Das beweist jedoch nicht, dass jede Leihmutterschaft notwendig so ausgestaltet ist. Es zeigt vielmehr, welche Bedingungen unter keinen Umständen zulässig sein dürfen.



            Der Hinweis auf „die Männer“ ersetzt kein Sachargument. Ob eine Position trägt, hängt von ihren Gründen ab, nicht vom Geschlecht der Person, die sie vertritt. Ich halte Leihmutterschaft nicht pauschal für „okay“, sondern unterscheide zwischen einem ausbeuterischen Markt und einer allenfalls streng regulierten Form.

          • @ToMuch:

            Ja, allerdings. Erschreckend, genau gesagt. Extrem erschreckend.

    • @Peter Rabe:

      Wenn man so wenig hat, dass man ständig am Existanzminimum ist, dann ist soziale Ungleichheit Ausbeutung. Denn das Individuum hat keine Chance mehr zu überleben wenn es nicht selbst seinen Körper noch verkauft. Ich würde mal versuchen, mich in jemanden zu versetzen, der am 15. des Monats nicht mehr weiß, wo er was zu beißen herbekommen soll.



      Und es ist kein Wunder, dass das ausgerechnet in den USA ("the land of the free and the brav", welch Hohn!) erlaubt ist. Denn dort ist der Lebensstandard der Armen teilweise unter dem von Menschen in echten Armutsregionen.

      • @Jalella:

        "enn das Individuum hat keine Chance mehr zu überleben wenn es nicht selbst seinen Körper noch verkauft."

        Das wage ich zu bezweifeln. Oder verhungern Männer in gleicher Situation etwa? Denen steht diese Möglichkeit schließlich schon aus biologischen Gründen nicht offen.

        • @Normalo:

          Das beim Kampf um knappe Ressourcen der körperlich Stärkere im Vorteil ist, sollte bekannt sein. Genau wie die Tatsache, dass in vielen Gesellschaften Männer in der besseren Position sind. Nennt sich Patriachat...

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Wir reden hier beide von einer zivilisierten Gesellschaft (und nicht von einer Steinzeit-Anarchie), hoffe ich, wo die meisten wirklich einträglichen Erwerbstätigkeiten, die rein auf körperlicher Überlegenheit basieren, verboten sind. Davon abgesehen produziert das Patriarchat reichlich männliche "Verlierer", die schauen müssen, wo sie bleiben.



            In dieser Gesellschaft gibt es jedenfalls auch für ungelernte, körperlich nicht so starke Menschen (egal welchen Geschlechts) Möglichkeiten des Broterwerbs oder der Aufbesserung der sozialstaatlichen Bezüge, die ohne den "Verkauf des eigenen Körpers" - oder nüchterner: der entgeltlichen Dienstleistung unter Einsatz insbesondere der Sexualorgane - auskommen. Die sind nur im Zweifel weniger einträglich, weshalb nicht wenige Menschen ihnen den "Verkauf" vorziehen. Nur sind halt die Erwerbsmöglichkeiten in diesem Bereich weit überwiegend Menschen mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen vorbehalten, so dass sich die Möglichkeit für Männer gar nicht erst eröffnet (natürlich kann mann für kleineres Geld Samenspenden gehen, und auch für Gigolos, Pornodarsteller etc. gibt es Märkte, aber die sind begrenzt und daher in der Regel deutlich selektiver).

      • @Jalella:

        @jalella



        Sie haben schon recht, nur hat das praktisch nichts mit Leihmutterschaft zu tun.



        Menschen die Angst davor haben müssen zu verhungern oder obdachlos zu werden oder von ähnlich schweren sozialen Gefahren bedroht sind, kann man natürlich zu allem möglichen erpressen (Prostitution fällt mir da sofort ein).

        Genau deshalb will ich in einer Gesellschaft leben, die ein vernünftiges Sozialsystem hat, damit diese Sorte von Erpressbarkeit möglichst nicht existiert.

        Leihmutterschaft ist hier nur eines der vielen Dinge zu denen man erpresst werden kann; und damit sehe ich in diesem Zusammenhang nichts besonderes.

        • @lundril:

          Aus dieser Sicht mag das sein.



          Aber den Körper zu vermieten, damit sich fremdes Leben darin einnisten kann, ist doch noch was anderes. Der Körper ist der Kern unserer Identität, und eine Schwangerschaft wird eine Leihmutter nicht unverändert zurücklassen, auch psychisch nicht, nur weil sie das Kind weggibt. Entweder man muss Schmerz unterdrücken und lieblos gegenüber dem Kind werden, dann prägt das aber dessen Stoffwechsel von früh an. Oder man versucht das Kind zu lieben und ihm alles zu geben, aber ich glaube nicht, dass viele so altruistisch sind, dann hinterher nicht unter dem Verlust zu leiden, wenn das Kind weg ist.



          Deshalb ist ja auch das Austragen für z.B. die Schwester erlaubt - weil man davon ausgeht - und das las ich mal in einem Beispiel auch so -, dass die Beziehung der Austragenden Leihmutter zu dem Kind nach der Geburt bestehen bleibt. Da muss nichts unterdrückt werden, da kann Liebe zur Schwester und Liebe zum Kind nebeneinander bestehen. Und das Kind wird wissen, woher es kommt.

      • @Jalella:

        Existenznot kann Freiwilligkeit erheblich beeinträchtigen. Daraus folgt aber nicht, dass soziale Ungleichheit stets Ausbeutung bedeutet. Sonst wäre jede körperlich belastende Arbeit, die aus finanzieller Not angenommen wird, notwendig ausbeuterisch. Entscheidend sind vielmehr Handlungsspielraum, Vergütung, Risiken und Schutzbedingungen.



        Gerade deshalb darf Leihmutterschaft kein kurzfristiger Ausweg aus akuter Not sein. Erforderlich wären eine unabhängige Prüfung der Freiwilligkeit, Beratung ohne Beteiligung der Vermittler, eine angemessene und nicht erfolgsabhängige Vergütung sowie vollständige medizinische und soziale Absicherung. Die Schwangere müsste jederzeit allein über ihren Körper entscheiden.



        Auch der pauschale Verweis auf die USA trägt nicht. Soziale Not kann dort Abhängigkeiten erzeugen, beweist aber nicht, dass jede Leihmutter aus Existenznot handelt. Wer armen Frauen unterschiedslos jede autonome Entscheidung abspricht, schützt sie nicht nur, sondern entmündigt sie zugleich. Aufgabe des Rechts ist es, konkrete Zwangslagen auszuschließen und Ausbeutung zu verhindern – nicht wirtschaftliche Motive generell mit Unfreiheit gleichzusetzen.

        • @Peter Rabe:

          Arbeit wird nahezu ausnahmlos aus finanzieller "Not" (nicht reich genug zu sein, um vom Kapital zu leben) heraus angenommen, ist fast ausnahmslos (in unterscheidlichen Maßen und auf unterschiedliche Weise) anstrengend und somit ausbeuterisch. Allein die Dosis macht's, wie schon Theo aus Hohenheim wusste. Und da - es geht um die Preisgabe des Innersten des eigenen Körpers - ist Leihmutterschaft schon ganz, ganz weit vorne dabei.

          • @Comerade Aardvark:

            Der Hinweis auf das Ausmaß ist richtig: Leihmutterschaft ist wegen Schwangerschaft, Geburt, Gesundheitsrisiken und emotionaler Bindung offensichtlich keine gewöhnliche Erwerbsarbeit. Gerade deshalb gelten hier wesentlich höhere Anforderungen an Freiwilligkeit und Schutz.



            Der Begriff der Ausbeutung verliert jedoch seine Trennschärfe, wenn bereits jede Arbeit, die zur Sicherung des Lebensunterhalts angenommen wird, als ausbeuterisch gilt. Dann lässt sich ein rechtmäßig vergütetes Arbeitsverhältnis kaum noch von der gezielten Ausnutzung einer Notlage unterscheiden. Entscheidend ist nicht allein, dass wirtschaftlicher Druck besteht, sondern wie stark er die Wahlmöglichkeiten einschränkt und ob die andere Seite daraus unangemessene Vorteile zieht.



            Bei Leihmutterschaft kann diese Schwelle besonders schnell überschritten sein. Das rechtfertigt strenge Grenzen oder möglicherweise ein Verbot kommerzieller Modelle. Es beweist aber noch nicht, dass jede denkbare Form notwendig Ausbeutung ist. Paracelsus’ Satz passt insofern: Die Dosis macht das Gift – sie muss jedoch im konkreten Modell geprüft und darf nicht lediglich unterstellt werden.

      • @Jalella:

        Land of the free waren die USA noch nie so wirklich. Aber die Doppelmoral ist dort passend für Herrn Spahn.

  • Völlig richtig.

    Kommerzielle Leimutterschaft ist ist der Ausdruck eines Turbokapitalismus, der alles zur Ware macht. Eben auch Frauen und Kinder.

  • Ich sehe es ähnlich. Wer einen Kinderwunsch hat und nicht selber Kinder bekommen kann (aus was für Gründen auch immer) kann adoptieren.

    • @Pawel_ko:

      Kleine Einschränkung: nach Hörensagen gibt es wohl deutlich mehr Interessentens als zur Adoption freigegebene Kinder.







      (Kinderwunsch, so dringend der sich anfühlen mag, kann dabei nie heißen, das Kind für sein Glück zu (ge)brauchen.)

  • Adoption gibt es. Ohne Kind es aushalten ist durchaus eine Option. (Wer sich genetisch als Mann unbedingt glaubt fortpflanzen zu müssen, hätte auch noch die Samenspende).

    Ein zukünftiges Kind als Mittel zum Wohlergehen der Eltern zu sehen und nicht als Menschen, das ist nie eine gute Idee. Wie weit Leihmutterschaft da auch noch in die Richtung Mittel zum Zweck geht, kommt wohl auf die Umstände an.

    Spahn musste sowieso aus anderen Gründen längst gehen. Der Mann eines Lobbyisten in irgendwie einflussreicher Position? Der Masken-Megalomane? Der Teilzeit-Rechtsaußenschmuser?



    Schade, dass die CDU weiterhin ein Personalproblem hat: entweder reißt sie woanders eine Lücke oder muss gar einen erfolgarmen Niederrheiner vorschieben.



    Thorsten Frei ist im Kanzleramt ohnehin keine glückliche Figur, er wäre wohl das kleinste Übel.

  • Da gibt es ja wohl auch in den Ländern in denen das zulässig ist starke Defizite hinsichtlich der Frauenrechte.

    • @Axel Schäfer:

      Sie bezeichnen einen größeren Entscheidungsspielraum als Defizit?



      Wie kommen Sie darauf?



      Die Frauen werden nicht gezwungen, sie haben lediglich die Möglichkeit dazu.

  • Genau das! Ich empfinde das Prinzip der Leihmutterschaft als krass ausbeuterisch. Keine einzige reiche Frau würde auf die Idee kommen, für wildfremde Menschen mit all den Risiken gratis ein Kind auszutragen.



    Die Leihmütter unterschreiben Verträge, die teils bis Detail ihren Alltag regeln. Arztbesuche werden ihr vorgeschrieben. Es ist eigentlich schon fast eine Sklaverei.

    • @TaAl:

      Da unterstellen Sie den Frauen jetzt aber eine Entscheidungsunfähigkeit, die ebenso diskriminierend ist, wie die Ausbeutung, die in dem Fall durchaus möglich ist.



      In den USA gibt es Regelungen, die Ausbeutung verhindern sollen. Ob diese ausreichen oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.



      Aber die Regeln dort gehen davon aus, dass eine Frau durchaus in der Lage ist, eine solche Entscheidung aus eigenem Willen zu treffen.



      Und zu den Gründen sich als Leihmutter zu melden, gibt es wohl gerade in den USA recht viele fundamental christliche Vorstellungen, die das in die Welt setzen von Kindern weit über den eigenen Kinderwunsch hinaus als erstrebenswert ansehen. Keine Vorstellung, die ich nachvollziehen könnte, Ausbeutung ist das an der Stelle aber definitiv nicht.



      Es soll Frauen geben, die tatsächlich gerne schwanger sind. Und es soll vor allem auch Frauen geben, die in der Lage sind, sich vorher zu überlegen, ob sie einer Vertragsbedingung zustimmen möchten.

      • @Herma Huhn:

        Und diese Frauen, die gerne schwanger sind, geben dann auch das Kind, das sie monatelang im Bauch hatten, gerne ab gegen einen fürstlichen Obulus? Mein Gott, wie naiv kann man sein.

        • @tazziragazzi:

          Mein Gott, wie arrogant kann man sein, Frauen, die sich für eine Leihmütterschaft entschieden haben, pauschal abzusprechen, zu wissen, für was sie sich entscheiden?

      • @Herma Huhn:

        Ich möchte kurz darauf hinweisen, dass exakt dieselben Argumente, die Sie zur Verteidigung der Leihmütterschaft anbringen, ebenfalls zur Wiedereinführung der vertraglich vereinbarten Schuldknechtschaft (in den USA als "indentured servitude" bekannt) ohne Veränderung anwendbar wären. Schließlich konnte man einen solchen Vertrag auch aus eigenem Willen abschließen, manche haben die Arbeit gerne gemacht, auch wenn das schwer nachvollziehbar ist - und alle konnten sich ja vorher überlegen, ob sie einen solchen Vertrag unterschreiben. Auch hierfür wurden teilweise religiöse Begründungen herangezogen. Praktisch führte diese Regelung jedoch zur Ausnutzung von Menschen in Not, die mangels jeder Perspektive in ihren Heimatländern in die USA flohen, aber nicht die Mittel für die Reise hatten. Diese wurden dann gerne für gefährliche Arbeit eingesetzt und kamen vielfach zu Tode - letzteres ist auch im Falle einer Schwangerschaft ein nicht auszuschließendes Risiko.

        Denken Sie mal darüber nach.

        • @Agarack:

          Die „kommerzielle“ Leihmutterschaft bewegt sich nach meiner Einschätzung zwischen diesen Polen. Für mich sagt @Herma das Richtige. Dem Ideal nach sind Frauen in unseren demokratischen u. kapitalistischen Gesellschaften gleichberechtigt u. setzen das auch individuell in ihren Entscheidungen über eine Leihmutterschaft ein. Doch ist die Gefahr sehr groß, dass sich über das zu beobachtende sozioökonomische Gefälle und dem daraus resultierenden Machtgefälle zwischen den Vertragspartnern tatsächlich neo-feudale Strukturen verfestigen. Wie Sie es am Beispiel „moderner“ Schuldknechtschaft anführen. Marx sah in der Lohnarbeit auch die Befreiung von solchen „vorkapitalistischen“ Verhältnissen, soweit ich weiß. Mit dem Gedanken an die „Aufhebung“ solcher Verhältnisse eben auch als noch weiter existierende, vielleicht variierend so gedacht: Aus dem genannten Grund verformt sich die errungene Vertragsfreiheit zwischen „Arbeitern und Kapitalisten“ strukturell in solchen dem alten Feudalismus ähnlichen Strukturen. Mit sozioökonomischen u. soziokulturellen Folgen. Während formal die „modernen Rechte“ weiterbestehen aber faktisch nicht mehr wirken. Nach Marx geschieht es wie hinter unserem Rücken.

  • Ich finde es immer wieder spannend, wenn sich Frauen zwar für die Selbstbestimmung von Frauen einsetzen, aber natürlich nur solange, als diese in die eigenen Vorstellungen passt. Wehe, eine Frau entscheidet sich anders! Dann ist sie entweder keine richtige Frau, oder unterdrückt, manipuliert, oder es fehlt ihr an Bewusstsein oder sonstwas.

    Ich bin nicht naiv. Manches geschieht unter Zwang, und das natürlich geht gar nicht. Aber wenn wir alle Entscheidungen ablehnen, die «Frauen aus prekären Verhältnissen, die für sich keine andere Möglichkeit sehen, sich eine Zukunft aufzubauen» fällen, dann müssen wir auch Putzfrauen, Servierpersonal, Verkäuferinnen im Supermarkt etc. pp. sofort verbieten. Denn für die wenigsten dieser Frauen ist das der Traumjob, sie führen ihn nur aus, weil sie irgendwie Geld verdienen müssen – also quasi Zwangsarbeit. Das gilt natürlich auch für Männer.

    Ja, wir müssen sicherstellen, dass es freiwillig ist, und krumme Touren streng verfolgen. Aber nein, wir müssen es nicht verbieten. Und dass sich Reiche Dinge leisten können, von denen Arme allenfalls Träumen können (z.B. eine Putzfrau), finde auch ich ungerecht, aber die Welt ist nun halt mal so.

    • @K.M.:

      Seltsame Idee „Putzen“ und „Kind austragen“ gleich zu setzen.

    • @K.M.:

      Ohne Ihren Gedanken im Kern abzuweisen, zum letzten Satz: Ungleiche Verteilung von Vermögen, Einkommen, Chancen ist kein Naturgesetz, sondern bis zu einem gewissen Grad auch im jetzigen System gut heilbar. Wie manche Gesellschaften, auch unsere früher, zeigen.

      • @Janix:

        @Janix



        Ich gebe ihnen im Kern schon recht.

        Nur: So zu tun als ob das Gegenteil gerechter wäre, nämlich jeder bekommt exakt das gleiche, egal was er leistet halte ich auch nicht für besser.

        Deshalb: Ich kann mir sehr wohl vorstellen, dass Menschen und in diesem Fall Frauen unterschiedlich genug sind, dass eine Frau sagt: Ich mache lieber eine Leihmutterschaft in der ich medizinisch bestens versorgt werde, als dass ich 3 Jahre lang als Putzfrau arbeite.

        Menschen sind in ihrem Charakter eben sehr unterschiedlich; und Selbstbestimmung heißt eben genau, dass man den Menschen selbst diese Art von Entscheidung überlässt.

        Nur Erpressung muss da verhindert werden: Wenn die Wahl ist: Verhungern oder Leihmutterschaft, dann ist das eben keine Wahl.

        Nur lässt sich hier das Wort "Leihmutterschaft" durch alles mögliche ersetzen; und dabei kann man das auch leicht verdrehen, z.B.



        so:



        Wenn die Wahl ist: Verhungern oder Arbeiten, dann ist das eben keine Wahl.

        Und so schließt sich der Kreis.

  • Wo wir schon bei den Techbros sind (Spahn zähle ich jetzt auch mal dazu, gehört ja immerhin zur Werkstatt Peter Thiel): die sind ja ganz große Genetikfans, da ist die Eizellspende keine Spende von irgendwoher, die kommt aus dem Katalog und ist auf IQ, Haarfarbe, Erbkrankheiten und anderen lebensbornierten Schnickschnack hin optimiert

  • Endlich sagt es mal eine! In sämtlichen deutschen Zeitungen habe ich die letzten drei Tage diesen Artikel vermisst. Es geht nicht um die Kinder, nicht um “ wir sind eine völlig normale Familie”, sondern um die Ausbeutung von prekär lebenden Frauen.



    Der Vergleich zur Prostitution ist der Beste. Allerdings kann man Leihmutterschaft unterbinden, Prostitution nicht. Und während der Prostitution gehört der Körper kurz, wenn auch häufig jemand anderen und nicht 9 Monate am Stück. Ideel das Gleiche, quantitativ nicht.

    • @Mtyp:

      Ich bin mir nicht sicher, ob das alle Frauen unterschreiben würden. Die eine mag über eine Leihmutterschaft nachdenken und die Prostitution für sich selbst ablehnen. Und bei einer anderen Frau ist es umgekehrt. Und vermutlich lehnen die meisten für sich selbst beides ab.

  • Sechs Frauen, und dann kam Elisabeth die I. Mit Leihmüttern wäre es für Henry 8. einfacher gelaufen. Wäre vermutlich ein "ehelicher" Sohn bei rumgekommen. Yeah.



    Hagars Vergewaltigung war mit guten Wünschen bedacht, Ismael aber nur 2., das Original hat dann noch gebärt. Feudale, patriarchalische Verhältnisse beuten Unterleibe aus. Persönliche Träume , Wünsche oder sogenanntes Privatleben räumen für Finanzstarke alle Bedenken beiseite.

    • @Zuversicht:

      Henrys drei legitime Kinder Mary, Elizabeth und Edward stammten aus seinen ersten drei Ehen.

      • @Meister Petz:

        Und alle drei durften England bis zu ihrem Tode beherrschen. Für eine Monarchie ganz fair.

  • Und endlich kann sich das Patriarchat so ausleben, wie es schon immer sein sollte: Ein schwules Ehepaar kauft sich ein Kind. Frauen werden endlich nicht mehr benötigt, und Peter Thiel und Konsorten arbeiten an der künstlichen Gebärmutter.

    • @Cededa Trpimirović:

      Die schwulen haben sich mühevoll emanzipiert von der "schrillen Minderheit" zu möglichen Familienpapas.

      Vor ca. 12 Jahren im Zuge der Einführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes war es noch in der "Mitte" der Gesellschaft vielfach vertretene Meinung, dass man schwulen Männern keine Kinder anvertrauen kann. Das ist jetzt offenbar anders.

      Und jetzt ist es "Patriarchat", wenn ein ein schwules Paar ein Kind per Leihmutterschaft austragen lässt.

      • @Eugen-Emilio :

        Mächtige Männer nutzen ihr Kapital, um über andere zu bestimmen. Da ist "schwul" komplett egal

        • @Comerade Aardvark:

          Das ist in der Mehrzahl der Arbeitsverhältnisse nicht anders.

          Die Zeugung eines Kindes finde ich aber weitaus sympathischer, als das meiste, was im Arbeitsleben so getan wird.

          Gesellschaftlicher Fortschritt wäre mithin, das Machtgefälle zwischen Jens Spahn und der Leihmutter zu verringern und die Leihmutterschaft rechtlich so auszugestalten, dass die Interessen der Leihmutter geachtet und geschützt werden. Nicht jedoch, Leihmutterschaft zu verbieten.

      • @Eugen-Emilio :

        Es besteht ein Unterschied zu den gleichgeschlechtlichen Paaren, die sich untereinander einigen (bzw. zu den Adoptionswilligen) und teurer „Mietung“ eines Frauenbauches.

        • @snowgoose:

          Ja, das ist richtig. Aber wie soll jemand, der sich nicht bereits in einer entsprechenden "Szene" befindet, aufgeschlossene gleichgeschlechtliche Paare finden? In der Kirchengemeinde? In der Bundestagsfraktion?

          Auch das Ehepaar Spahn hat sich mit der Frau geeinigt. Halt auf einem anderen Weg, als die beschriebenen Paare.

          Auch zwischen den "gleichgeschlechtlichen Paaren, die sich untereinander einigen" können Machtgefälle und hässliche Konflikte entstehen, für deren Lösung es meines Erachtens einen rechtlichen Rahmen geben sollte. Ein Machtgefälle ist bereits dann vorgezeichnet, wenn es drei bis vier Personen gibt, die sich als Eltern fühlen und nur zwei Personen die rechtliche Elternstellung haben. Und diese Konflikte finden ggf. im Nahbereich des Kindes statt.

  • Wieso man seine Gene weitergeben möchte, um glücklich zu sein, habe ich noch nie verstanden. Es warten eine Menge Babys oder Kleinkinder darauf, Eltern zu finden - sprich: adoptiert zu werden.

    • @Il_Leopardo:

      Dann sag ich mal denen, die mir geantwortet haben: Es geht auch ganz ohne Kinder.

    • @Il_Leopardo:

      Das ist, zumindest in Deutschland und auch in Westeuropa allgemein, falsch. Es gibt sehr viel weniger Babys, die zur Adoption freigegeben wurden, als willige Adoptiveltern. Und fremde, ältere Kinder werden kaum noch adoptiert, zu schwierig, sie als eigene Kinder zu empfinden. Deswegen kommt es auch zu Adoptionen aus Drittländern, bei denen sie aber dann wieder die gleichen Probleme haben: wie stellen sie fest, dass die Eltern (oder die allein dastehende Mutter) das Kind freiwillig zur Adoption freigegeben hat oder es "gekauft" wurde?

      • @Offebacher:

        Man steht ca. drei Jahre auf einer Art Warteliste.



        Nicht jedes aufnehmende Paar versteht sich mit jeder Mutter.

        Wie auch umgekehrt. Zumindest wurde dies mir damals beim Adoptionsgespräch so erklärt.

        Noch habe ich ja Zeit die Wurzeln zu suchen! :)

    • @Il_Leopardo:

      Wenn Sie in Deutschland zuerst auf "natürlichem Wege" versuchen ein Kind zu bekommen, sich dann medizinisch beraten lassen und auch die künstlichen Befruchtungen nicht fruchten, werden Sie meist an dem Moment, an dem Sie entscheiden, es doch mit Adoption zu versuchen, zu hören bekommen, dass Sie jetzt aber zu alt sind, um noch zu adoptieren. Wie wäre es mit Pflegekindern, bei denen Sie auch nach zehn Jahren noch Angst haben müssen, dass die leiblichen Eltern diese wieder zurückverlangen?

    • @Il_Leopardo:

      Es geht nicht um abstrakte "Gene". Und es geht auch nicht maßgeblich darum, ob Sie es verstehen. Jeder soll sich sein Leben für sich einrichten.

      Meine Schwester ist jung gestorben. Ich finde es sehr anrührend, Züge meiner Schwester und mir selber nun in meinen Kindern zu sehen.

      Es geht vermutlich auch darum, dass man in mittlerern Lebensjahren kein drittes Elternteil oder viertes Elternteil im Leben seines Kindes haben möchte, mit dem man Kompromisse schließen muss. Ich jedenfalls finde die "eheliche Kompromissbildung" schon schwierig. Wenn ich dann noch Leute im "Elternteam" hätte, mit denen mich einzig der Kinderwunsch verbindet, wäre das eine Vervielfachung der möglichen Konflikte.

    • @Il_Leopardo:

      Hast du das mal versucht, mit dem adoptieren? Ist nicht ganz so einfach.

  • Warum eigentlich wird der Buchstabe "C" in staatstragenden Parteien wie eine Monstranz vor sich hergetragen?

  • "meistens Frauen aus prekären Verhältnissen, die für sich keine andere Möglichkeit sehen, sich eine Zukunft aufzubauen."



    Trifft diese "Ausbeutung durch Vermögende" nicht auch auf Prostituierte und Menschen mit Mindestlohn zu.



    Aber ja, ich bin gegen jede kommerzielle Leihmutterschaft.

  • Das ist eine völlig legitime Meinung, aber konsequenterweise müsste man dann auch ein Sexkaufverbot unterstützen, nicht? Und diese Forderung scheint mir unter den meisten Linken aktuell eher unbeliebt zu sein.

    • @Claudio M.:

      Tatsächlich ist die Linke für eine Entkriminalisierung der Protitution:

      www.dielinkebt.de/...icht/prostitution/

      Aber da geht es um selbstbestimmte Prostitution. Natürlich ist sie gegen Menschenhandel und Zwang, auch wirtschaftlichen.



      Die Menschen wirtschaftlich zur Prostitution zu zwingen und diese dann auch noch zu kriminalisieren ist ja wohl auch das Allerletzte, oder? Das ist dann schon cdU/csU-Politik und so weit nach unten wollen wir im Niveau ja wohl nicht sinken.

    • @Claudio M.:

      Eine Leihmutterschaft mit Sexkauf zu vergleichen ist wohl etwas weit hergeholt.



      Laut Paulo Coelho geht es beim Sex um "Elf Minuten", Schwangerschaften dauern meines Wissens deutlich länger.

      • @celcon52:

        Für den einzelnen "Kunden" sind es vielleicht im Schnitt "nur" elf Minuten. Aber wie oft man als Prostituierte diese elf Minuten pro Tag durchleben muss, wie lange der Ekel darüber andauert... Da kommen schon Fragen auf, die es zu diskutieren lohnt.

        Sicherlich wird es auch vereinzelt Prostituierte, wie auch Leihmütter geben, bei denen kein Problem vorliegt. Aber denen stehen vermutlich Legionen gegenüber, bei denen das leider doch der Fall ist.

        Und ein klassisches Problem der Leihmutterschaft ist die aufgrund neunmonatiger Schwangerschaft kaum abzusprechende Bindung der Mutter an das Kind, die dann irgendwann jäh durchbrochen wird, wenn das Kind dann den "Bestellern" übergeben wird.

        Ich sehe Leihmutterschaft gegenüber Prostitution jedoch nicht als rundheraus unvergleichbar, aber gleichwohl weitaus problematischer an.

    • @Claudio M.:

      Geschlechtsverkehr und Schwangerschaft haben verschiedene physische Risiken. Dammriss, Prolaps, Inkontinenz, Diabetes. Bei Kaiserschnitt Infektionen, Verwachsungen, Embolie. Ihre Gleichsetzung ist doch etwas weit hergeholt.

    • @Claudio M.:

      Wem genau machen Sie nun zum Vorwurf, nicht konsequent zu sein?

    • @Claudio M.:

      Ein erheblicher Unterschied besteht darin, dass Sex Work, genau wie Drogenhandel, sich durch Verbote kaum bis gar nicht unterbunden werden kann. Statt dessen gibt man selbst die wenigen (und in Deutschland definitiv unzureichenden) staatlichen.Kontroll- und Schutzmechanismen völlig aus der Hand. Es existiert kein Land auf der Erde ohne Sex Work, auf Leihmutterschaft trifft das nicht zu. Außerdem können prinzipiell auch Männer Sex Work anbieten, das findet momentan zwar vor allem im homosexuellen Kontext statt, das ist aber primär gesellschaftlich bedingt. So wirklich passt der Vergleich also nicht.

    • @Claudio M.:

      Ich würde einen Unterschied darin sehen, dass eine Schwangerschaft deutlich lebensgefährlicher ist und länger dauert als - sagen wir mal - eine Stunde gekauften Sex.

  • Im Kapitalismus wird alles zur Ware und an alles wird ein Preisschild geklebt; auch an das menschliche Leben selbst.



    Für Kapitalisten hat kein fremdes Leben einen Wert an sich, nur deren Ausbeutbarkeit ist für sie von Interesse. Zu allererst natürlich zur Produktion von Mehrwert/Profit; aber gerne auch als menschliche Verfügungsmasse, die z.B. im Krieg nach Belieben verheizt werden kann.



    All das scheint auch im Umgang mit einer 'Gebärmutter auf zwei Beinen' auf; aber so genau will das fast niemand wissen, erst recht nicht die Christlichsozialen mit ihren Krokodilstränen.

  • Im Verlauf der Evolution hat sich das Prinzip "männlich-weiblich" entwickelt und diese Kombi dazu befähigt, Nachwuchs zu zeugen.



    Gleichgeschlechtliche Paare könne dies eben nicht.

    Dafür aber gibt es das Prinzip "Adoption".

    Daher schließe ich mich dem obigen Text uneingeschränkt an.



    "Gebärmutter auf 2 Beinen" nur weil wir das Geld dazu haben, ist absolutes No Go!

    • @Juhmandra:

      Ähem! Wenn ich mir vorstelle, dass ich von Herrn Spahn und Herrn Spahn adoptiert worden wäre, und nicht von einem Ehepaar mit erst einem, dann einem zweiten eigenen Kind...

      Bei aller Verständlichkeit bitte auch an uns Adoptivkinder denken. Wir können nicht aussuchen, wir werden ausgesucht!

      Übrigens ein wunderbares Argument, um so mancher lauthals Feministin mal einen ordentlichen Konter zu geben, die behauptet, dass Frau niemals in eine wirtschaftliche Notlage käme, in der man zur Adoption freigeben müsse...