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Wohlstandsverteilung in DeutschlandBis alles brennt

Carolina Schwarz

Kommentar von

Carolina Schwarz

81 Prozent finden die Wohlstandsverteilung ungerecht. Die Politik sollte froh sein, dass die Menschen politische Mittel fordern – und nicht einfach alles anzünden.

Zumindest in den USA sehen immer mehr Menschen „alles anzünden“ als Lösung Foto: Ralf Grossek/plainpicture

V or ein paar Tagen saß ich mit drei Freundinnen beim Kartenspielen in einer Bar, als eine von ihnen uns ihre besten Diebstahltricks verriet. Einer ihrer Tipps war zum Beispiel: immer auch etwas bezahlen und das Diebesgut einfach sichtbar in der Hand halten. Das ist weniger verdächtig.

Sicherlich geht es meiner Freundin auch um den Adrenalinkick beim Klauen, doch es ist auch eine Reaktion auf die Verschlimmerung der Zustände, in denen wir leben. Denn sie klaut nicht beim unabhängigen Klamottenladen oder dem Restaurant von nebenan, sondern bei großen Unternehmen. Es ist also auch ein Versuch, ein kleines bisschen Gerechtigkeit herzustellen.

Das Leben in Deutschland wird immer teurer, doch die Verteuerung trifft nicht alle gleich. Während viele Menschen nicht mehr wissen, wie sie ihre Miete oder ihre Lebensmittel bezahlen sollen, wächst die Zahl der Superreichen in diesem Land. 3.900 Menschen besitzen heute ein Drittel des gesamten Finanzvermögens, das aus Familienunternehmen, Einzelhandel oder Industrie stammt.

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Was also sollte daran verwerflich sein, wenn ich bei einem Discounter eine Bio-Avocado für zwei Euro mitgehen lasse, wenn der Besitzer des Discounters Milliarden auf dem Konto liegen hat und seinen Angestellten einen Lohn zahlt, der oft nicht zum Leben reicht?

Empfinden und Wahlwirklichkeit

Dass mit der Verteilung des Wohlstands in diesem Land etwas falsch läuft, ist mittlerweile Mehrheitsmeinung in Deutschland. Laut einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap, die von der ARD beauftragt wurde und für die 2.000 Menschen aus verschiedenen Alters- und Einkommengruppen befragt wurden, finden 81 Prozent der Deutschen es ungerecht, wie der Wohlstand verteilt ist. Nur 15 Prozent empfinden den Status Quo als gerecht.

Komisch ist, dass sich dieses Gefühl der Ungerechtigkeit nicht in den Wahlergebnissen der Bundes- und Landtagswahlen widerspiegelt. Doch es zeigt zumindest, dass die Mehrheit etwas an den Zuständen ändern möchte. 64 Prozent fänden es demnach gut, wenn die Vermögenssteuer zurückkehrt, 61 Prozent, wenn die Steuer auf hohe Erbschaften angehoben würde.

Es sind einfache Hebel, mit denen man der ständigen Verschärfung der Schere zwischen Arm und Reich entgegenwirken kann. Doch die Regierung plant stattdessen weitere Sozialreformen, die zu noch weiteren Verschärfungen führen werden. Dabei sollte die Politik froh sein, dass die Bevölkerung überhaupt noch an politische Instrumente zur Herstellung von Gerechtigkeit glaubt. Das kann schnell kippen. Gerade in den USA wird sichtbar, was passiert, wenn einige wenige einen Rachefeldzug starten, statt auf politische Veränderungen zu hoffen.

Anderthalb Jahre ist es her, dass Luigi Mangione auf offener Straße Brian Thompson, einen Multimillionär und CEO einer Krankenversicherung, getötet haben soll. Seitdem wird Mangione von vielen als Nationalheld, als eine Art Robin Hood gefeiert. Er wird dafür gefeiert, dass er bereit ist, zu morden, um all diejenigen zu rächen, denen von der Versicherung medizinische Hilfe verweigert wurde. Bislang wartet er noch darauf, dass sein Gerichtsprozess beginnt, doch Nachahmer gibt es bis heute.

Mangione als Vorbild

Vor wenigen Wochen wurde in Kalifornien ein 29-Jähriger angeklagt, weil er ein Papierlager der Kimberly-Clark Coop angezündet hat. In einem Video soll der Mann sich gefilmt haben, wie er mehrere Feuer legte. Dabei ist seine Stimme zu hören, die sagt: „Alles, was ihr hättet tun müssen, wäre uns so zu bezahlen, dass wir davon leben können.“

Gegenüber einem Kollegen soll er sich mit Luigi Mangione verglichen haben. Ein anderer Mann hat kurz darauf einen Molotow-Cocktail auf das Haus von OpenAI-CEO Sam Altman geworfen, er nannte es „Luigi’ing some CEOs“.

Hoffnungsvoller wäre dagegen ein kollektiver Aufstand, eine Revolution

Die Motive hinter den Gewalttaten können sicherlich viele nachvollziehen. Doch es ist eine gruselige Vorstellung, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der einige bereit sind zu töten, um sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren.

Weniger gruselig und hoffnungsvoller wäre dagegen ein kollektiver Aufstand, eine Revolution gegen die ungerechte Wohlstandsverteilung in diesem Land. Denn bislang gilt: Wer von den Armen stiehlt, wird reich. Wer von den Reichen stiehlt, kommt ins Gefängnis. Wenn vier von fünf Menschen das falsch finden, sollte es doch Mittel und Wege geben, daran etwas zu ändern. Vielleicht haben unsere Freundinnen ja ein paar Tipps.

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Carolina Schwarz
Ressortleiterin taz zwei
Ressortleiterin bei taz zwei - dem Ressort für Gesellschaft und Medien. Schreibt hauptsächlich über intersektionalen Feminismus, (digitale) Gewalt gegen Frauen und Popphänomene. Studium der Literatur- und Kulturwisseschaften in Dresden und Berlin. Seit 2017 bei der taz.
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156 Kommentare

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  • Wenn vier von fünf Menschen das falsch finden, sollte es doch Mittel und Wege geben, daran etwas zu ändern.



    Tja, das selbe gilt für viele andere Probleme auch.

    Das Problem allerdings ist, dass wenn die Vermögenssteuer zurückkehrt oder die Steuer auf hohe Erbschaften angehoben würde, es bei der Bevölkerung nicht ankommt. Unsere Regierung hat soviel Geld zu Verfügung wie noch nie und muß Schulden machen. Selbst wenn die jetzt 100Mrd mehr hätten, wären die Diskussionen genau die selben.

    • @Donni:

      Die jetzige Regierung hat u.a. wegen der "Schwarzen Null" eine kaputte Infrastruktur, desolate Armee und wegen Bankenrettungen und Geschenken an Superreiche einiges an Zinszahlungen zu stemmen.



      Da etwas zu investieren erscheint mir als sehr sinnvoll.



      Die neoliberalen Märchen vom pöösen Staat sind doch inzwischen weitgehend empirisch widerlegt.

  • Nach einer Revolution sind immer alle gleich arm.



    Außer denen die gleicher sind.



    Hatten wir doch alles schon.

    • @Herbarius Zunichten:

      Gut, dann können wir ja aufhören. Bringt alles nix, der letzte macht das Licht aus.

  • Schade, das in unserer Gesellschaft viele das entscheidenden noch nicht wirklich verinnerlicht haben! Eine Gesellschaft wie gut oder schlecht sprich wie gerecht oder ungerecht sie ist, wird darin bemessen, wie es den schwächsten in dieser Gesellschaft geht. Wenn man mit offenen Augen durch unsere Gesellschaft geht, muss man schon sehr ignorant sein, um nicht zu erkennen das gehörig etwas schief läuft. Veränderungen werden immer nur als Lippenbekenntnisse und Inhalts leer gefordert, von jene die politisch die Macht hätten, wenn das wirklich gewollt wäre, etwas daran zu ändern! Man bekommt es noch nicht hin, eine notwendige und dringende Kindergrundsicherung einzuführen, das sagt doch schon alles, über den kranken Zustand dieser Gesellschaft, die die dritt reichste Gesellschaft auf dieser Welt ist!

    • @taz.manien:

      Sie nehmen da Rawls' Definition, die m.E. ein guter möglicher Ausgangspunkt ist.



      Gerechtigkeit ist ein durch noch so viele neoliberale Propaganda nicht zu betäubendes Bedürfnis. Wir sollten ihr mehr Raum geben als derzeit. Dafür brauchen wir zuerst eine parlamentarische linke Mehrheit oder aber einen wieder starken sozialchristlichen Flügel der Union. Das Erste scheint mir das Einfachere, so schwer es auch sein wird.

    • @taz.manien:

      "Eine Gesellschaft ... wird daran gemessen, wie es den schwächsten in dieser Gesellschaft geht."



      Es sei denn, man ist diesbezüglich anderer Meinung. Dieser Maßstab ist offenkundig nicht universell. Viele messen die Qualität einer Gesellschaft daran, wie gut es ihnen selber eht.

    • @taz.manien:

      Vielleicht haben " viele" es nicht verinnerlicht, weil die es anders sehen und Ihre Definition nicht teilen?

      Eine gute bzw. schlechte Gesellschaft kann man auch anders definieren als über Gerechtigkeit/Ungerechtigkeit.

      Und die Schwächsten einer Gesellschaft als Maßstab für Gerechtigkeit würde möglicherweise auch nicht jeder nehmen.

      Würden Sie einem meritokratischen Gesellschaftsbild anhängen, würden Sie zu völlig anderen Schlüssel kommen, was in unserer Gesellschaft "gehörig schiefläuft" und worin ihr "kranker Zustand" besteht .

      Man erreicht selten einen gesellschaftlichen Konsens, wenn man nur die eigenen Wertvorstellungen als legitim erachtet.

  • Der Gedanken Fehler bei der Analyse der Ungleichverteilung liegt darin, zu glauben, dass durch Verteilung mehr Gleichheit entsteht. Das ist ein typisch neoliberal Denken. Gleichheit entsteht durch intensive Investitionen des Staats in die Infrastruktur einer Gesellschaft. Das war auch der Motor des Aufbaus Deutschlands. Unter Kohl wurde diese Linie verlassen und der Glaube auch bei der SPD war plötzlich das durch Bildung und Umverteilunggleichheit entstehen könne. Die entsteht aber eher dadurch, dass der Staat dort wo der Markt versagt, selbst aktiv wird. Schönes Beispiel Wohnungsbau in den fünfziger Jahren investiert der Staat in diesem Bereich und es wurden bis zu 750.000 Wohnungen pro Jahr fertig gestellt bei der damaligen technischen Ausstattung. Heute sind wir stolz, wenn es 300.000 Wohnungen sind die Abkehr von diesem klassischen Modell von der ordolibareln Schule zu einer neoliberalen Konzeption produziert mehr Ungleichheit. Man muss nur Nobelpreisträger wie ein Stieglitz lesen, das ist alles wunderbar beschrieben.

    • @Crassus:

      @ Crassus



      Sorry, bei allem guten Willen, merken Sie den Widerspruch in Ihrem Beitrag ?



      Erstens - beinhaltet die neoliberale Denke / Idiologienfalle nicht Gleichheit durch Umverteilung, sondern befürwortet die Macht des Stärkeren, der Rücksichtslosen. Motto " Erst komm ICH und dann kommt ersteinmal lange gar nix..."



      Zweitens - wenn der Staat für staatlichen Wohnungsbau sorgt, findet doch eine Umverteilung statt, da die Wohnungen von welchem Geld finanziert / gebaut werden ? R ICHTIG - von unser aller Steuergeldern.



      Trotzdem, danke für Ihren Kommentar.

  • Hier sind die Hindernisse:



    1. Die Staaten stehen in einem ruinösem Wettbewerb gegeneinander um niedrigere Steuern, Sozialabgaben, Subventionen, öffentliche Investitionen im Umfeld, um Investoren anzulocken. Die Reichen können deshalb die Staaten gegen einander ausspielen.



    2. Das Recht der Gesetzgebung im Steuerrecht ist in relativ kleinen Staaten angesiedelt.



    3. Das Grundrecht auf Eigentum ist ein starkes Privileg zur Steigerung der Tendenz zum Neofeudalismus. An dem kommt man nicht so leicht vorbei.



    4. Der obere Mittelstand wird leicht ebenfalls getroffen von allen Restriktionen gegen Superreiche. Das kann man durch die Methoden des Staates von Rechtsstaat, Gleichheitsgrundsatz schlecht vermeiden. Dadurch verlieren die Linken Unterstützung bei den Leistungsträgern in der Justiz, des Militärs, der Staatsverwaltung, der technischen Intelligenz.



    5. Das relative Mehrheitswahlrecht in den USA steigert die Spannungen und Spaltung der Gesellschaft



    6. Die Linken Parteien konzentrieren sich zu sehr auf Neben- Schauplätze wie gendergerechte Sprache, Abtreibung oder Rechte für Transpersonen, sodass sie für konservative Arme jede Anschlussfähigkeit verlieren.

    • @Christoph Strebel:

      Alles richtig, aber das Recht auf Eigentum ist wohl die Ursache der Stabilität unserer liberal-demokratischen Gesellschaften. Das sollte man überdenken und in die Bewertung einbeziehen, meine ich.

      Mir persönlich geht dieses Recht - das ja nur bedingt wirklich so stark ist s. Steuergesetzgebung - heute viel zu weit.

  • Klauen aus echter Not, wie z.B. Hunger, ist nachvollziehbar und wird wohl von jedem Mitglied unserer Gesellschaft verstanden. Klauen wegen des Kicks mit einer anschließenden Begründung wie "... es ist auch eine Reaktion auf die Verschlimmerung der Zustände.." ist weniger als peinlich.

    • @Nachtsonne:

      "Klauen aus echter Not, wie z.B. Hunger, ist nachvollziehbar und wird wohl von jedem Mitglied unserer Gesellschaft verstanden."



      Deswegen gibt es neben dem Diebstahl ja auch den Tatbestand des Mundraubs.

      • @Encantado:

        Den gibt es nicht

    • @Nachtsonne:

      So ist es.

    • @Nachtsonne:

      Solche Freunde hätte ich nicht, bzw. denen kräftig die Meinung gegeigt.

      Dies lässt tief Blicken, was in unserer Gesellschaft los ist

  • Es wird befragt, es wird berichtet, es wird beraten, es wird verkündet, es wird nichts gemacht.

  • Beim Überfliegen einiger Kommentare stelle ich zweierlei fest:



    1. warum sich nichts ändert, obwohl 80% unzufrieden sind



    2. dass vielen entgangen zu sein scheint, dass der Artikel bewusst provokativ ist.

    Zumindest habe ich das so verstanden.



    Und ich finde es gut, dass jemand mal ausspricht, was hier eigentlich wirklich auf dem Spiel steht. Denn irgendwann wird es selbst dem trägen Deutschen zu viel. Und ob AfD wählen dann die bessere Alternative ist - oder nicht nur die zwischen Teufel und Beelzebub -, das mag jeder für sich entscheiden.



    Es muss etwas geschehen.



    Und früher oder später wird etwas geschehen, weil Menschen sich nicht dauerhaft knechten lassen.

    • @Dreja:

      "Es muss etwas geschehen.

      Und früher oder später wird etwas geschehen, weil Menschen sich nicht dauerhaft knechten lassen."

      Jo, solange es der eigenen Meinung entspricht, warum "etwas geschehen muss" is ja alles gut. Der Amokfahrer von Magdeburg war auch der der Meinung es müsse etwas geschehen. Auch die Attentäter des Anschlags auf die israelische Botschaft in Washington oder am Bondi Beach. Und rechtsextreme Attentäter glauben auch, sie hätten das Recht mit Gewalt ihrem kruden Gerechtigkeitsempfinden Ausdruck zu verleihen.



      Aber ich bin mir sicher, dass es weit mehr als 80% der Unzufriedenen sind, denen solche Gedankengänge, soziale Fragen mit extremistischer Gewalt lösen zu können, völlig fremd sind.

      • @Deep South:

        Okay, aber was sagen sie z.b. zur französischen Revolution?

  • Die Autorin scheint das „Rechtsempfinden“ ihrer Freundin in



    Ordnung bzw. sogar zu unterstützen, in dem sie ein paar Tricks verrät.



    Die Logik des Artikels: wenn jemand sehr viel mehr hat als ich, kann



    ich ihn beklauen. Man kann das beliebig vervielfältigen: wenn jemand



    schlauer ist als ich kann ich ihn betrügen ( ich wehre mich nur gegen



    seinen intellektuellen Vorteil). Aber: nur weil eine Mehrheit der



    Meinung ist, der Wohlstand sei ungleich verteilt, kann ich mich doch nicht rechtswidrig bereichern.

  • "Komisch ist, dass sich dieses Gefühl der Ungerechtigkeit nicht in den Wahlergebnissen der Bundes- und Landtagswahlen widerspiegelt."

    Doch, es spiegelt, und wie. Für die AFD geht es seit Jahren nur aufwärts. In den neuen Bundesländern z.B.: AFD gut 30 bis fast 40% bei der letzten Bundestagswahl; SPD, Grüne und FDP nur marginal gewählt. Selbst im gutgenährten Ländle und im weißblau-behimmelten Bayern konnte die AFD ihre Ergebnisse von unter 10% auf rund 20% verdoppeln. Die einen grün regiert, die anderen von Marrguss&Hubsi bespaßt.

    • @Josef 123:

      Vielleicht lesen Sie mal das Programm der Alternative für Putin. Gegen die AfD ist die FDP geradezu ein Sozialverein. Abschaffung aller Subventionen (was u.a, das Ende der bäuerlichen Landwirtschaft in D, und eine Explosion der Energiekosten bedeutet), Arbeiten bis 75 und länger, Zwangsarbeit für Arbeitslose, etc. pp.



      Wer die Neubraunen wählt, ist gegen den Sozialstaat. Entweder man hält das für gerecht, oder aber man ist politisch inkompetent.

      • @Kaboom:

        Vielleicht lesen sie mal die Wahlprogramme von CDU und SPD und sie werden feststellen, dass Parteiwahlprogramme das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben stehen.

      • @Kaboom:

        Vielleicht ist das Parteiprogramm der AfD weitgehend unwichtig?

        Wähler, egal welcher Partei, favorisieren eine Partei extrem selten wegen ihres Programms.

        Wenn Sie aber Menschen zuhören, die sich der AfD nahe sehen, sagen die oft, dass Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft für sie ein entscheidender Punkt ist.

        Politisch inkompetent sind immer nur die anderen. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der sagt, die anderen wüssten politisch besser bescheid.

      • @Kaboom:

        Vielleicht lesen Sie mal meinen Kommentar. Sehen Sie da irgendwo, daß ich die Braunen empfehle?

  • Liebe Frau Schwarz, sorry, aber das sind alles Gedanken, die schon vor Jahrzehnten falsch waren und die die damalige Linke direkt in eine bis heute andauernde Existenzkrise geführt haben. Wie erklären sie, dass sich so viele Menschen ausgerechnet der AFD zuwenden. Es läuft vieles schief in diesem Land, aber wir haben diese Politiker gewählt. Rot/Grün ohne die marktradikale FDP hätten vielleicht noch was Positives erreicht. Aber jetzt bewegt sich fast alles politisch nach rechts. Ohne uns Wähler wäre das nicht so. Hören wir auf uns wie nörgelnde Kinder zu betragen und wachen wir endlich auf. Gerechtigkeit ist ein hohes Gut und es gilt für alle. Also seien zuallererst wir selbst gerecht, unseren Mitmenschen gegenüber, unserer Familie gegenüber. Hören wir mit dem Ich, Ich, Ich auf. Beginnen wir endlich mit dem Wir.

    • @shitstormcowboy:

      Ich ist aber deutlich wichtiger als wir. Glücklicherweise sehen das in meiner Bubble alle so.

  • "Anderthalb Jahre ist es her, dass Luigi Mangione auf offener Straße Brian Thompson, einen Multimillionär und CEO einer Krankenversicherung, getötet haben soll. Seitdem wird Mangione von vielen als Nationalheld, als eine Art Robin Hood gefeiert."

    Materielle Armut ist ganz sicher ein Grund, zu protestieren, sich aufzulehnen, sich auch zu verweigern, vielleicht auch zu Klauen.



    Aber Mörder als Helden zu feiern ist Armut an Menschlichkeit und Moral. Niemand hat das Recht, sich als mordender Rächer für irgendeine Ungerechtigkeit aufzuspielen. Da kann es in einer zivilisierten Gesellschaft keine zwei Meinungen geben.



    Und nein, diese Motive sind in keinster Weise nachvollziehbar. Kein Mensch ist weniger arm, keine Gesellschaft wird gerechter, weil eine Fabrik brennt oder irgendein Manager erschossen wird.

    • @Deep South:

      Ist das jetzt nicht die falsche Kommentarseite?

  • Passend zum Thema gab es gestern im NDR die Sendung "Die Lüge vom sozialen Aufstieg?



    Meine Erkenntnis: Nicht alle können oben sein. Diejenigen, die bessere Startbedingungen haben, haben größere Chancen für den Aufstieg. Beispielsweise fangen 80% der Kinder aus Akademikerfamilien ein Studium an.



    Alle anderen müssen sich verdammt anstrengen, um nach oben zu kommen. In der Regel dauert das sechs Generationen.



    In den 70ern hat die Einführung des BAföGs geholfen, wird aber immer weniger beantragt, da es (in großen Teilen) zurückzuzahlen ist. Wer will schon sein Arbeitsleben mit Schulden begnnen!



    Es steht also inzwischen schlechter um die Mobilität in den sozialen Schichten.



    Noch einmal: Nicht alle können nach oben kommen und sich dort auch halten.



    Lösung: Der Wohlstand, den gerade auch diejenigen erwirtschaften, die "wirkliche" Knochenarbeit leisten, muss umverteilt werden. Alles andere ist sozial ungerecht!

    • @Il_Leopardo:

      Beispielsweise fangen 80% der Kinder aus Akademikerfamilien ein Studium an.

      Inzwischen sind es nur noch 73%....

    • @Il_Leopardo:

      Das Geld anderer verteilen zu wollen ist niemals gerecht.

    • @Il_Leopardo:

      Naja, wie auch immer das BAföG gewährt wird, ausreichend war es nie. Ich hab damals im Studium mehr oder weniger kontinuierlich gearbeitet (war damals noch Brutto für Netto). Kostete natürlich Zeit. Aber das Studium war damals auch nicht so verschult wie heute, dauerte eben länger, hat niemanden wirklich gestört. Erst mit den neoliberalen Spinnereien fingen die Probleme an. Jobben während man in 8 Semestern fertig werden muss, das ist kein Spaß. Dazu kommen die Begrenzungen ....



      Spiegelt sich ja auch gut in den Statistiken zur Abhängigkeit des Abschlusses vom Geldbeutel der Eltern wieder. Fast nirgendwo bestimmt Pappis Geldbeutel den Abschluss der Kinder so sehr wie in D.

      • @Kaboom:

        Ich habe es ähnlich gehandhabt. In den Wintersemesterferien (nur die deutsche Sprache kennt solche Wortungetüme) habe ich gejobt - brutto wie netto, wie Sie schon sagten) und im Sommer dann regelmäßig ab nach London. Mit dem übrigen Geld habe ich das Bafög aufgestockt. Ich habe mir auch Zeit für's Studium gegönnt - 10 Semester. Es war die schönste Zeit meines Lebens!

    • @Il_Leopardo:

      " In der Regel dauert das sechs Generationen. "

      Ok, wenn man mit einrechnet, dass im 19 Jhrd kaum jemand studiert hat. Hat aber mit der Realität wenig zu tun.

      BaföG ist immer noch die günstigste Kreditart. Man zahlt nur die Hälfte zurück und das auch noch zinsfrei und erst 5 Jahre nach Ende des Studium, wenn man dann genug verdient. Bafög sollte keinen vom Studium abhalten, sondern ist, neben dem kostenlosen Studium, eine sehr gute soziale Errungenschaft.

      • @fly:

        Und Sie meinen also, dass es im 19. Jh. oder früher kein "Oben und Unten" gegeben hat?

    • @Il_Leopardo:

      Das Studium ist faktisch kostenlos. Das Bafög ist ein zinsfreies Darlehen. Viel mehr kann man nicht machen, um das Studium zu fördern.

      • @Strolch:

        Als ich studierte gab es das Bafög noch als Zuschuss. Der Gedanke damals war, dass die Kinder der Arbeiter nach Abschluss des Studiums genauso schuldenfrei dastehen sollten wie die Kinder der Besserbetuchten: also gleiche Startbedingungen ins Berufsleben!

        • @Il_Leopardo:

          Es gibt auch das duale Studium. Da kann jeder auch ohne wohlhabende Eltern und ohne BAFÖG-Schulden einen Hochschulabschluß erlangen. So schlecht ist das System in Deutschland nicht, aber man muß schon wollen.

          • @Moby Dick:

            Ich weiß. Ich habe nach meinem Studium ein 4-jährige Zusatzausbildung absolviert - neben meinen 39 Stunden im Job. Das war schon recht anstrengend, hat sich aber gelohnt.

        • @Il_Leopardo:

          Der Gedanke heute ist, dass irgendwie die Renten derer bezahlt werden müssen, die damals das BaföG spendiert bekamen und für alles Andere eigentlich kein Geld da ist.

  • Wohlstand kann man nicht verteilen.



    Dieses dauernde "von oben nach unten verteilen" gibt es nicht, gab es noch nie, wird es nie geben. Also sind solche Forderungen eine reine Luftnummer.



    Damit jeder die gleiche Chance auf Wohlstand hat, brauchen wir ein deutlich besseres Bildungssystem. Im Besonderen für die, welche jung die Bildung "verpasst" haben. Denn Bildung=Qualifikation und Qualifikation=gute Bezahlung. Statt irgendwelcher sinnloser ABMs brauchen wir echte Weiterbildung. Wer sich zwar nachbilden könnte, es aber nicht will, an den braucht man auch nichts "verteilen".

    • @Hans Dampf:

      Ist das der Grund, warum während Corona und danach die Pflegekräfte auf die Barrikaden gegangen sind? Weil sie wegen ihrer guten Qualifikation so gut bezahlt werden? Oder all die Akademikerinnen (Studium, gute Qualifikation) jetzt arbeitslos sind oder Taxi fahren? Oder ich trotz Masterstudium mit meinem Vollzeitjob als Alleinerziehende von drei Kindern nicht allein meine Lebenshaltungskosten bezahlen kann, sondern auf Kinderzuschlag und Wohngeld angewiesen bin?

      Ich halte es doch für SEHR naiv zu glauben, dass mensch durch "Arbeit allein und gute Ausbildung" hier noch gut leben kann. Es ist eben nicht "jeder seines Glückes Schmied".

      Es gibt sehr viele gute politische Instrumente, um Wohlstand gerechter zu verteilen. Solange man aber nach unten treten und nach oben buckeln kann, weil man sich von der von Ihnen dargestellten Erzählung blenden lässt, wird das natürlich nicht passieren.

      Wir fühlen uns selbst besser und reicher - obwohl wir es nicht sind und von den wirklich Reichen ausgelacht werden - solange es immer noch Ärmere und weniger Privilegierte Gruppen gibt, auf die wir herabschauen können und denen wir erzählen können, sie seien selbst Schuld ihrer Armut.

    • @Hans Dampf:

      **Damit jeder die gleiche Chance auf Wohlstand hat, brauchen wir ein deutlich besseres Bildungssystem.**

      Und wenn alle Menschen so schlau sind wie die KI und so stark wie ein Roboter, dann wird 'alles gut'. 😄

      In einer Welt voller Maschinen, Computer, Automaten, Regelungstechnik, Roboter und Künstliche Intelligenz (KI), wird der Mensch als Arbeitskraft überflüssig werden. Außerdem sieht der Kapitalismus den Arbeitnehmer schon lange nur noch als Kostenfaktor an - und dieser "Kostenfaktor" wird von Jahr zu Jahr immer mehr eliminiert.

      Wenn die Menschheit überleben will (der Klimawandel spaßt nämlich nicht), dann muss sie ohnehin endlich mal mit einer 'Wirtschaftsschrumpfung' anfangen und den profitgierigen Wirtschaftsleuten ihr zerstörerisches Monopolyspiel "Wirtschaftswachstum" wegnehmen, Dazu muss aber endlich mal über ein neues Wirtschaftssystem nachgedacht werden, denn ganz ohne Wirtschaft geht es ja auch nicht - und ohne ein gutes Sozialsystem ohnehin nicht. Aber dazu braucht man weltweit mal intelligente Politiker, die nicht auf dem Schoß der umwelt- und klimazerstörenden Wirtschaftsbosse sitzen. Wir haben in Deutschland aber sogar Wirtschaftslobbyisten zu Politikern gemacht.

      • @Ricky-13:

        Nun ich hätte da vielleicht einen Vorschlag, was die Verdrängung von regulären Arbeitsplätzen angeht:

        Die Zitat: Maschinen, Computer, Automaten, Regelungstechnik, Roboter und Künstliche Intelligenz (KI) könnten doch mit einer Lohnsteuerpflicht.. ehmm.. Industriesteuerpflicht belegt werden. Das heißt, lebende Mitarbeiten entrichten Lohnsteuer, künstliche Mitarbeiten entrichten halt das andere.. Sagen wir 20% von dem, was sie erwirtschaften. Und von dem Geld finanziert man dann endlich mal das bedingungslose Grundeinkommen für Alle.

        Entschuldigung, ich träume.

      • @Ricky-13:

        @ Ricky-13



        Und als Krönung der Frechheit die uns Wähler von unserem Parlament geboten wurde, war ja wohl, wie sich die durch unser Vertrsuen legitimierten Parlamentarier, für sich - im zweiten Wahlgang einen BlackRocky Bundeskanzler gewählt haben,



        UNGEHEUERLICH ❗️

    • @Hans Dampf:

      Natürlich kann man das. Schauen Sie in andere Jahrzehnte und andere Länder.



      Einfach behaupten funktioniert hier nicht. :)



      Ein Bildungsaufstieg funktionierte in den 1970ern noch halbwegs, dank der SPD und teils auch FDP. Heute sieht das anders aus.



      Bildung ist an sich jedem und jeder zu gönnen. Ausbildung, was nicht dasselbe ist, auch.



      Vergessen wir nur nicht: _Macht ist anders als Bildung v.a. Ausschluss anderer, die angucken bringt mehr.

    • @Hans Dampf:

      Eine geänderte (angemessene) Besteuerung der Kapitaleinkünfte aus geerbten Milliardenvermögen wäre noch keine Umverteilung. Die Bezieher:innen der Kapitaleinkünfte sind ja nicht alle Self-mad Wo:men.

    • @Hans Dampf:

      Und ewig grüsst das neoliberale Murmeltier mit der Bildungskeule......



      Und wer nicht will, wird " ausumverteilt".



      Ich mach mir die(zukünftige) Welt, wie sie mir gefällt.....wer mit Langstrumpfphilosophie arbeitet, sollte den eigenen Bildungsstand, und Standpunkt hinterfragen!

    • @Hans Dampf:

      "Wohlstand kann man nicht verteilen."

      Warum nicht?

    • @Hans Dampf:

      Stimmt, denn es wird ja von unten nach oben gebaggert.

    • @Hans Dampf:

      Für Wohlstand benötigt es neben einem besseren Bildungssystem eine massiv geringere Abhängigkeit des Bildungsganges vom Geldbeutel der Eltern.. Diese Abhängigkeit ist nämlich in D so groß, wie fast nirgendwo anders in der OECD bzw. der EU.



      Achja, Weiterbildung hängt primär vom Willen der Arbeitgeber ab, ihren Mitarbeitern dies zu gestatten. Nicht jeder Arbeitgeber will das.



      Und selbstverständlich kann man Wohlstand verteilen. Man muss das allerdings WOLLEN.

  • Es wäre doch interessant zu wissen, wie viele derjenigen auch die Wohlstandsverteilung innerhalb dieser gut 80% der Bevölkerung ungerecht finden.

    Nicht jeder, der es ungerecht findet, dass andere mehr haben als er, findet es auch ungerecht, dass es Leute gibt, die weniger haben als er. 😎

    Aber genau da liegt der Prüfstein für die Zustimmung zu konkreten Maßnahmen: Vermögenssteuer eher ab dem Existenzminimum oder eher ab 10 Millionen? Etc etc

  • Die Situation in der USA ist aber eine komplett andere und Deutschland ist eines der Länder wo der Wohlstand noch relativ gleichmäßig verteilt ist. Wir haben hier nicht diese extremen Kluft zwischen Arm und Reich wie in fast allen anderen Teilen der Welt.

    Ein paar Demos bei Treffen der Kassenärztliche Vereinigungen fände ich für den Anfang aber durchaus angebracht. Von der Revolution träumen können wir nachher bei einem veganem Latte Macchiato.

    • @Mendou:

      Das stimmt nicht. Deutschland ist im internationalen Vergleich eins der Länder mit der größten Ungleichheit. Das wird mit dem Gini-Koeffizienten gemessen, siehe z. B. hier:



      www.lmu.de/de/news...bene-2a055d8d.html

      "Pfeffer: Es heißt ja gerne, dass Deutschland dank seiner Anstrengungen, die Ungleichheit etwa dank unserer wohlfahrtsstaatlichen Investitionen im Zaum zu halten, im internationalen Vergleich noch relativ gut dastehen. Das gilt allerdings nur für die Verteilung der Einkommen. Auch dort ist die Ungleichheit in den letzten Jahren gewachsen, aber sie fällt geringer aus im internationalen Vergleich, da liegt Deutschland vielleicht im Mittelfeld. Aber bei den Vermögen sind wir nicht so weit hinter den USA. Wir messen Ungleichheit oft mit dem sogenannten Gini-Koeffizienten, der geht von 0 bis 1 ist. 0 würde bedeuten, alle Haushalte hätten das genau gleiche Vermögen. Das andere Extrem: 1 hieße, einer besäße alles. Deutschland liegt hier bei ungefähr 0,80."

      oder hier, eine Tabelle zum Vergleich der EU-Länder: www.boeckler.de/de...ches-land-3658.htm

      • @Meinsoderdeins:

        Der Gini-Koeffizient ist (wie beschrieben) ein einfaches statistisches Werkzeug, um Abweichungen von einer Gleichverteilung zu bemessen.



        Soziale Ungleichheit ist hingegen ein sehr komplexes Thema. Was wird überhaupt umverteilt, was wird als Vermögen und was als Einkommen gezählt, welche Verteilung wird angestrebt und aus welchem Grund, welche Sekundäreffekte nimmt man in Kauf?

        "Deutschland ist im internationalen Vergleich eins der Länder mit der größten Ungleichheit" ist irgendwo zwischen grob vereinfacht und sachlich falsch.

    • @Mendou:

      Wenn 1% der Bevölkerung Deutschlands etwa 33 % des Vermögens besitzen und die nächsten 9 % weitere 33 %, dann sollte man nicht von " noch relativ gleichmäßig verteilt" reden, nur weil es woanders noch doller ist.

  • "Denn sie klaut nicht beim unabhängigen Klamottenladen oder dem Restaurant von nebenan, sondern bei großen Unternehmen. Es ist also auch ein Versuch ein kleines bisschen Gerechtigkeit herzustellen."



    Wenn man dann nachts besser schlafen kann. Ich bin mir sicher, einige der CumEx-Banker werden sich untereinander auch erzählt haben, dass sie das Geld ja niemandem wegnehmen, sondern nur verhindern, dass der "böse Staat" es ihnen wegnimmt. Wenn man "Gerechtigkeit herstellen" wollte, würde man das Geklaute an die Tafel spenden. Macht komischerweise keiner.

    Linke reden in der Regel davon, dass sie in einer regelbasierten Welt leben wollen, in der Reiche tatsächlich an die Regeln gebunden sind. Das ist ein schönes Ziel. Wer aber selbst die Regeln (ohne echte Not) bricht, weil man gerne Dinge haben möchte, die man sich eigentlich nicht leisten kann, der kann sich nicht beklagen, wenn Andere das im Rahmen ihrer Möglichkeiten dann eben auch tun, wenn diese Möglichkeiten viel größer sind. Das zeigt für mich nur, dass die einzige Ungerechtigkeit, die viele empfinden, jene Ungerechtigkeit ist, dass sie selbst weniger bekommen, als sie "verdienen".

  • "Was also sollte daran verwerflich daran sein, wenn ich bei einem Discounter eine Bio-Avocado für zwei Euro mitgehen lassen, wenn der Besitzer des Discounters Milliarden auf dem Konto liegen hat und seinen Angestellten einen Lohn zahlt, der oft nicht zum Leben reicht?"

    Der Denkfehler. Den Schaden aus dem Diebstahl zahlt nicht der Unternehmer. Er wird auf die anderen Kunden, von denen viele auch nicht in Geld schwimmen, umgelegt.

    Ist der selbe Fehler, wie der mit den individuellen Anschlägen. Sie festigen das System, weil schnell der Ruf nach "Ordnung" ertönt.

    Tatsächlich könnte eine echte Revolution helfen. In D ist so etwas aber verboten 😉

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Ist gar nicht so lange her da haben wir hier in unserem Teil von Deutschland eine richtige Revolution gehabt. Der hier im Kommentarteil immer wieder reklamierte Satz In Deutschland ließe sich ja gar keine Revolution machen ist eigentlich eine weitere Herabwürdigung.

      • @Šarru-kīnu:

        Wenn Sie das so lesen. Ja mit 40 Jahren Anlauf hat es mal geklappt. 1918 auch.

        Allerdings sehe ich in unserer trägen Gesellschaft aktuell keine signifikanten revolutionären Tendenzen. Eher eine Entwicklung zum Schlimmen.

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Vorbidden? Aber nur - weil es keine - 🙀 -



      Bahnsteigkartenautomaten mehr gibt! Wollnich

  • Ende März stellte Finanzminister Klingbeil Reformprojekte vor.



    Unter anderem wollte er 95% der Menschen entlasten und die reichsten 5% mehr belasten.



    Vorgeschlagen wurde außerdem eine Veränderung der



    Erbschaftssteuer, die "das kleine Häuschen" schützt.



    Mittelstand soll ebenfalls geschützt werden, da ein Betrieb bis 5 Millionen nicht steuerlich belastet werden soll, die anfallende Erbschaftssteuer darüber hinaus kann, nach Bedarf, über 20 Jahre abbezahlt werden.



    Neu war weiterhin, dass für Privatvermögen 1Million erbschaftssteuerfrei bleiben soll. 100.000€ davon sollen steuerfrei auch an Nichtfamilienmitglieder gezahlt werden können. Das wäre eine



    zeitgemäße Anpassung an die Gesellschaftsentwicklung und "Wahlverwandtschaften".



    Die Umfrage zeigt, dass eine Mehrheit der Deutschen derartige Ideen schätzt.



    Derartige Ansätze mögen in den Augen Einiger revolutionär sein, sie wären allerdings eine Möglichkeit gesellschaftliche Gräben zu überwinden. Ich bin nicht der Meinung, dass Gewalt irgendwelche Probleme löst, gute Ideen hingegen schon!

    • @Philippo1000:

      Nichts davon ist neu. Großzügige Freibeträge und die Option zur Streckung der Zahlungen sind seit Ewigkeiten in der Erbschaftsteuer.



      Das interessiert nur niemanden, wenn die Stiftung Familienunternehmen wieder mal den Untergang der Wirtschaft und des Eigenheims ausruft, sobald die Regeln auch konsistent angewendet werden.

      • @nihilist:

        Die Freibeträge sind seit Ewigkeiten in der Erbschaftssteuer - was daran (insbesondere in den Steuerklassen 2ff) einmal großzügig war, hat die Inflation inzwischen aufgefressen.

        Und die "Möglichkeit" zur Streckung gibt es nur, wenn das zuständige Finanzamt nach eigenen Ermessen zum Schluss kommt, die sofortige Zahlung würde den Steuerpflichtigen überfordern. Wenn es eine Immobilie oder Unternehmensanteile zu verkaufen gibt, ist das meist nicht der Fall (es sei denn, es geht um zweistellige Millionenbeträge 🤑) - da werden eher noch für die Zeit zwischen Steuerbescheid und Verkauf (die wesentlich von der Dauer der Umschreibung im Grundbuch abhängt) Verzugszinsen gerechnet...

  • Bevor solche Diskussionen geführt werden. Muss definiert sein. Was denn gerecht ist. Erbschaftssteuer ist für mich das Ungerechteste was es überhaupt gibt. Soll gerecht sein, dass jeder das gleiche besitzt oder bekommt egal was er leistet, was er spart, was er nicht ausgibt, etc. Sind Entbehrungen, die man für Kinder, Enkel und Urenkel macht vom übersättigten Staat zugreifbar? Schlimm, dass da jetzt schon so zugegriffen wird.

    • @Klaus Schwarzmüller:

      "Sind Entbehrungen, die man für Kinder, Enkel und Urenkel macht vom übersättigten Staat zugreifbar? Schlimm, dass da jetzt schon so zugegriffen wird."

      Sehen Sie, deshalb zahlen Sie Erbschaftssteuer, wohingegen jemand, der 300 Wohneinheiten vererbt, nicht. Wegen der Gerechtigkeit. Die Regelung ist btw. Trademark CSU.

      • @Kaboom:

        Die Höhe der Vererbung ist nicht relevant, da diese Steuer einfach falsch ist

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Danke für diese Verzerrung, die zeigt wie die Lobbyarbeit der Superreichen in diesem Land funktioniert.



      Selbst als wir noch eine Erbschaftsteuer hatten gab es gerade für die üblichen kleineren Erbschaften ausreichend Freigrenzen. Es geht hier doch auch darum, dass Reiche sich hier Null am Sozialstaat und dem Steueraufkommen beteiligen wollen, sich aber die Vorteile eines noch stabilen Staats zunutze machen um ihren Reichtum zu geniessen und auf Kosten der Allgemeinheit zu mehren. Von Merz als Reichem und Reiche als Lobbyistin war da von Anfang an nichts zu erwarten.

      • @Axel Schäfer:

        Es geht nicht um Freibeträge. Die Erbschaftssteuer ist einfach unmoralisch, grundsätzlich

      • @Axel Schäfer:

        Das "Reiche" sich "Null" am Steueraufkommen beteiligen halte ich für ein Gerücht.

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Mir scheint, Sie sind schon auf die Propaganda der Erbschaftssteuergegner hereingefallen.



      Es geht bei der Erhöhung der Steuer auf hohe Erbschaften nicht um das Elternhaus, das die Kinder weiter bewohnen wollen. Es geht auch nicht um die Sparkonten, die den Enkeln den Start ins eigene Leben erleichtern soll.



      Es geht um die Großerbschaften, die eine Familie nur erwirtschaften konnte, weil andere Menschen harte Arbeit für sie abgeliefert haben. Es geht um extreme Schieflagen, die einmal pro Generation wieder ins Lot gebracht werden sollen.



      Natürlich sollen Firmen weiter wirken können. Aber dafür müssen sie nicht im Erbfall steuerfrei weitergegeben werden.



      Wenn getönt wird, eine höhere Erbschaftssteuer würde Unternehmen ruinieren, ist das ein Jammern auf extrem hohem Niveau. Diejenigen, die am lautesten Jammern, könnten die Erbschaftssteuer am einfachsten schultern.

      • @Herma Huhn:

        Aber dafür müssen sie nicht im Erbfall steuerfrei weitergegeben werden.

        Das erklären Sie mal bitte.



        Aber keine Angst, sehr viele (Familien) Unternehmen lösen sich inzwischen sowieso auf. Nachfolgermangel. Wer hat schon Bock auf 80Stundenwochen ?

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Es gibt doch bei Erbschaftsteuer immer einen Freibetrag. Das heißt das "mühsam" gesparte an direkte Verwandte wird doch garnicht versteuert. Ich finde es schlimm dass meine Nichten und Neffen sehr viel mehr Erbschaftsteuer bezahlen müssen als anderer Leute Enkel. Das finde ich sehr ungerecht. Außerdem sehe ich wie sehr reiche Leute durch rechtzeitiges und geschicktes Schenken gar keine Erbschaftssteuer zahlen.



      Und jetzt erzählt mir nicht das Geld wurde doch schon mal versteuert. Das ist bei Steuer immer so. z.B. Mehrwertsteuer ist auch von schon versteuertem Geld und sie trifft jeden Cent vom Taschengeld. Sie hat einzig den Vorteil, dass sie leicht zu kassieren ist, während das Eintreiben der Vermögenssteuer irgendwie unwirtschaftlich war.

    • @Klaus Schwarzmüller:

      @ Klaus Schwarzmüller



      Selbstverständlich müssen bei Erbschaften Freibeträge festgelegt werden. Zum Beispiel Erbschaften unter einer Million Euro inklusive Immobilien sollten Erbschaftssteuer befreit sein.



      Eine Erbschaftssteuer darüber hinaus sollte genauso wie eine Vermögendsteuer schon erhoben werden, um einer unkontrollierten Akkumulation von Vermögen entgegenzuwirken. Unkontrollierte Vermögen einzelner Mitmenschen / Mitglieder unserer Gesellschaft, erhöhen die Gefahr von undemokratischer Einflussnahme von Vermögenden Mitmenschen auf unsere Regierenden und würde somit eine große Gefahr für unsere Demokratie bedeuten können.

      • @Alex_der_Wunderer:

        Daran wird eine Erbschafts- bzw. Vermögenssteuer auch nichts ändern, insbesondere wenn es sich um "unkontrollierte" Vermögen handelt die dem Zugriff des deutschen Staates ohnehin entzogen sind.

        Der von Ihnen oft wiederholte Ansatz ist m.E. nicht tauglich für das angestrebte Ziel, da sind andere Maßnahmen sinnvoller.

        • @Tom Tailor:

          @Tom Tailor



          Dann lassen Sie mal bitte lesen, mit welchen anderen, sinnvolleren Maßnahmen, Sie meinen einer Akkumulation von Vermögen einiger weniger Mitmenschen entgegen wirken wollen.



          Die Spannung auf eine kompetente, möglichst belegbare Ausführung Ihres Lösungsansätzes steigt gerade.

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Erbschaften sind nichts anderes als leistungsloses Einkommen. Sie entstehen ohne eigene Arbeit, ohne Risiko und ohne Gegenleistung. Im Kern unterscheiden sie sich funktional kaum von Schwarzgeld oder Steuerhinterziehung – mit dem entscheidenden Unterschied, dass sie legalisiert und politisch geschützt sind. Über Generationen hinweg werden so Vermögen und Privilegien weitergereicht. Die übliche Emotionalisierung über „Familie“ oder „Kinder“ verdeckt, worum es tatsächlich geht: die dauerhafte Absicherung leistungsloser Einnahmen. Es ist letztlich eine Abzocke gegenüber der arbeitenden Bevölkerung.

      • @Okay:

        Das ist halt einfach falsch, alles was ich jetzt zur Seite lege, die Zeit, die ich arbeite, all das zahlen jetzt schon meine Kinder. Es gibt keinen großen Urlaub, etc. Alles was ich erwirtschafte erwirtschafte ich für meine Nachkommen, dass die win gutes Leben, bzw. guten Einstieg haben.

      • @Okay:

        Wenn man das sieht, werde ich sofort auf Teilzeit wechseln. Win-Win für alle. Ich zahle weniger Steuern (keine Einkommenssteuer und die von Ihnen angedachte Erbschaftsteuer auch nicht). Nur, wer finanziert dann das Bürgergeld, wenn es mir viele Menschen gleich tun? Und wenn am Ende des Lebens noch was übrig ist, werde ich es verprassen.

      • @Okay:

        "Erbschaften sind nichts anderes als leistungsloses Einkommen. Sie entstehen ohne eigene Arbeit, ohne Risiko und ohne Gegenleistung. "

        Korrekt, aber ist kein Besteuerungsgrund und trifft auf andere leistungslose Einkommen (z.B. Lottogewinne) ebenfalls zu.

        "worum es tatsächlich geht: die dauerhafte Absicherung leistungsloser Einnahmen. Es ist letztlich eine Abzocke gegenüber der arbeitenden Bevölkerung."

        Nein, das ist kein Widerspruch. Ich z.B. beziehe ein leistungsloses Einkommen aus vermieteten Immobilien, gehe aber weiterhin einem Vollzeitjob nach. Ich sehe nicht das ich abgezockt werde oder desgleichen jemandem anderen antue.

      • @Okay:

        "Erbschaften sind nichts anderes als leistungsloses Einkommen."



        Abgesehen von denen, die es eben nicht sind. So zum Beispiel Menschen, die den Erblasser bis zum Tode gepflegt haben.



        Gibt es nämlich.



        Pauschalurteile sind immer falsch. Und ich weiß, dass das eine pauschale Aussage ist... ;-)

        • @Encantado:

          Ob man den Erblasser gepflegt hat, ist fürs Erbrecht irrelevant. Sich sein Erbe so zu "verdienen", ist aller Ehren wert, aber vollkommen optional und wird natürlich auch steuerrechtlich nicht berücksichtigt - wegen der Gerechtigkeit. Sonst müssten die prospektiven Erben von mittelständischen Unternehmen sich auch ernsthaft Sorgen machen.

          • @nihilist:

            "Ob man den Erblasser gepflegt hat, ist fürs Erbrecht irrelevant."



            Das ist richtig. Darauf bezog ich mich aber auch nicht, sondern auf die Aussage, Erbschaften wären per se leistungsloses Einkommen. Das ist schlicht falsch.

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Jaja, die Mär von der Enteignung hart arbeitender selbstständiger Mittelständler. Um die geht es hier nicht. Erben ist ungerecht, Erben machen keinen Finger krumm, um reich zu sein und es zu bleiben.

      Milliardenkonzerne , die auf dem Rücken prekär bezahlter Angestellter entstanden sind, dürfen nicht einfach weiterverschenkt werden können.

      Und erzählen Sie mir jetzt nicht, dass jeder superreich werden und die nächsten Generationen der Familie mit seinem Geld vorm entbehrungsreichen Arbeitsleben bis zur Armutsrente bewahren kann. Das stimmt nämlich nicht.

      Schlimm, dass noch immer gegen mehr Steuer- und Vermögensgerechtigkeit agitiert wird.

      • @Lahmarsch:

        "Um die geht es hier nicht."

        In diversen politischen Vorschlägen zur Erbschaftssteuer aber faktisch schon...

        "Milliardenkonzerne , die auf dem Rücken prekär bezahlter Angestellter entstanden sind, dürfen nicht einfach weiterverschenkt werden können."

        Wer glaubt, dass man mit einer deutschen Erbschaftssteuer saran etwas ändern kann, glaubt auch an den Weihnachtsmann und den Osterhasen... 😂🤣😅

  • Vielleicht gibt es einen ganz stillen Protest auch schon. Viele Leute sind ausgestiegen, versuchen kaum noch im System zu funktionieren, weil es auch nicht funktioniert.



    Nicht zu vergessen die vielen Menschrn, die jährlich das Land verlassen. Die Allerbesten, das wird aber auch meist ignoriert. Und es wollen auch garnicht genug kommen?

  • "Doch es ist eine gruselige Vorstellung, dass wir in einer Gesellschaft leben, in denen einige bereit sind zu töten, um sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren."

    Und es ist noch gruseliger, dass Journalist:innen nicht dauerhaft thematisieren wie viele Menschen direkt oder indirekt umgebracht werden durch die grenzenlose Gier der Überreichen.

    Aber wie dem auch sei. Lange wird dieser Frieden ohnehin nicht dauern. Und friedlich wird ein systemischer Wandel weg von Kapitalismus nicht gehen.

    • @Okti:

      "...friedlich wird ein systemischer Wandel weg von Kapitalismus nicht gehen."



      Kaum anzunehmen. Schließlich waren die historischen Alternativen, die es bislang so gab, selber nicht unbedingt gewaltfrei zu nennen.

      • @Encantado:

        Es geht nur um das Erschaffen neuer Eliten....

  • "Komisch ist, dass sich dieses Gefühl der Ungerechtigkeit nicht in den Wahlergebnissen der Bundes- und Landtagswahlen widerspiegelt."



    tut es doch.... Die hohen Umfragewerte der aphde, fallen nicht vom Himmel, sind aber ganz sicher ein Ausdruck von " es läuft etwas falsch".

    • @nutzer:

      28% müssen auch irgendwo herkommen. Wenn man natürlich immer zu die Augen verschliesst und in der Blase sich gegenseitig nach dem Mund redet, ist man schon sehr überrascht.

    • @nutzer:

      @ Nutzer



      Nur ist es ein eklatanter Irrtum, zu hoffen, etwas Falsches mit etwas noch Falscherem wieder gut machen zu können.

      • @Alex_der_Wunderer:

        Und wie nennt man das, wenn man immer wieder das gleiche macht und auf andere Ergebnisse hofft?

  • Na wunderbar: Ladendiebstahl=ein klein bisschen Gerechtigkeit herstellen??



    Ist ja berechtigt, denn der Chef vom Discounter hat Milliarden auf seinem Konto!! Stimmt zwar nicht, aber für diese taz Redakteurin scheint es wirklich nur um Klassenkampf zu gehen. Edeka und Rewe jedenfalls sind genossenschaftlich organisiert, Lidl und Kaufland werden von einer Stiftung geführt. Vielleicht klaut die Freundin nur bei Aldi, diesen Ausbeutern.

    • @bvbfan:

      Genossenschaftlich organisiert klingt ja erstmal nett. De facto diktieren Rewe & Co. aufgrund ihrer Marktmacht die Erzeugerpreise und erhöhen gleichzeitig die Verbraucherpreise. Zurzeit prüft das Kartellamt die Übernahme von 200 Tegut-Filialen durch Edeka und weiteren Rewe, die deren Marktmacht noch weiter vergrößern würde.

      "Im November 2025 stellte ein Sondergutachten der Monopolkommission fest, dass sich die Gewinnmargen weg von der Landwirtschaft hin zum Handel verschieben. Gleichzeitig geht die Schere zwischen Verbraucher- und Erzeugerpreisen immer weiter auseinander."

      Quelle: Oxfam

  • "Die Politik sollte froh sein, dass die Menschen politische Mittel fordern – und nicht einfach alles anzünden."



    Leichtsinnig, mutig oder "Schwarz'er" Humor?



    Neulich habe ich Aussagen von Ronen Steinke angeschaut und gehört: Bei Lappalien gab's für "Laien" ohne Presseausweis Besuch zur Ermittlung wegen verbaler Unklarheiten im Umgang mit Regel-Konformität.



    Ich unterstelle jetzt den intendierten verschärften Aufruf zum Diskurs...

  • "Denn sie klaut nicht beim unabhängigen Klamottenladen oder dem Restaurant von nebenan, sondern bei großen Unternehmen. Es ist also auch ein Versuch ein kleines bisschen Gerechtigkeit herzustellen."



    Wie oft genau war Karstadt-Kaufhof nun schon pleite?

    • @Frauke Z:

      So viel, wie die glorreichen Investoren da abgeschöpft haben, kann niemand klauen. Rein physisch kann das nicht funktionieren.

    • @Frauke Z:

      Ich fürchte, Kaufhof/Karstadt mitsamt Belegschaft und öffentliche Hand ist ganz anders ausgeraubt, gefleddert worden als durch den Kleindieb (wenngleich das auch nicht okay ist). Im großen Stil abgenagt von Middelhoff, Berggruen und Benko und natürlich deren Hintermännern.

  • Es ist zu befürchten, dass die anstehenden nationalen Verteilungskämpfe, wie jetzt schon die internationalen, mit Waffengewalt ausgetragen werden. Und es ist ebenfalls zu befürchten, dass diese Kämpfe, einhergehend mit der Klimakatastrophe, dieses Jahrhundert prägen werden.

  • „Unter Kanzler Kohl wurde die Vermögensteuer noch erhoben und der Spitzensatz der Einkommensteuer war deutlich, nämlich um ca. 25%(!), höher als heute.“

    Heute ist dieser bei 42% + 25% dazu sind wir bei 67% die es damals unter Kohl gegeben haben soll?

    Es waren damals erst 56% und am Ende 53%. Dazu gab es jedoch Steuersparmodelle, die diese Sätze erheblich minderten und locker um die Hälfte reduzierten.

    • @Sole Mio:

      „Unter Kanzler Kohl wurde die Vermögensteuer noch erhoben und der Spitzensatz der Einkommensteuer war deutlich, nämlich um ca. 25%(!), höher als heute.“

      Nur ist die Grenze, ab der der Spitzensteuersatz bezahlt werden muss, weder mit der Lohnentwicklung noch mit der Inflation gestiegen, so daß der Anteil der Spitzensteuerzahler kontinuierlich steigt - genauso wie der Anteil derer, bei denen der Steuersatz dank Steuerprogression mit jeder Lohnerhöhung steigt.

      Dass Sie mit Ihrer Prozentsatz-Deklination deren Gerechtigkeitsgefühl treffen, wage ich zu bezweifeln...

    • @Sole Mio:

      25% von 42 sind 10,5. 42 + 10,5 = 52,5. Folglich ist 53 um ca. 25% größer als 42.

      Prozente sind immer relative und keine absoluten Einheiten. Um dieses Missverständnis zu vermeiden, spricht man von Prozentpunkten wenn man die Differenz zweier %-Werte angeben will.

    • @Sole Mio:

      42% + (25% von 42%) = 52,5%

    • @Sole Mio:

      Leider falsch.



      Was sie rechnen sind Prozent*punkte*. 25% von 42% sind 10,5%.



      Anders gesagt, 25% mehr als 42% sind 52,5%. Die Aussage "die Einkommenssteuer war unter Kohl um etwa 25% höher als heute" ist also zutreffend.

    • @Sole Mio:

      Sie kennen den Unterschied zwischen Prozent und Prozentpunkte?

      • @Ahnungsloser:

        Da lag das Problem beim überlesen.



        Danke an alle für die Richtigstellung!

  • Wer soziale Gerechtigkeit will, sollte sie auch wählen und sich nicht durch "Aber Gendern" oder "Ausländer raus" oder andere Nebelkerzen ablenken lassen.



    Wenn nämlich noch mehr Leute verstehen, dass sie inzwischen recht wenig Chancen haben, und wenn sie ihr Verhalten entsprechend ändern, haben wir ein massives Problem - das jetzt auch in die Richtung der anderen angemerkt.

  • Fast alle Diskussionen drehen sich nur noch darum, wie man den immer kleiner werdenden Kuchen am besten und gerechtesten aufteilt.

    Die Zuversicht, dass es zukünftig mal wieder besser laufen wird in Deutschland, ist komplett weg.

    • @gyakusou:

      Woher soll die kommen, wenn sich Deutschland mehrheitlich in die Vergangenheit zurückwünscht?

    • @gyakusou:

      So viel Rezession haben wir jetzt auch nicht, dass man von einem kleiner werdenden Kuchen reden kann. Der Kuchen bleibt in etwa gleich groß und ein paar wenige nehmen sich den Löwenanteil davon.



      Außerdem würde eine bessere Verteilung dem Konsumklima gut tun und die Wirtschaft eher ankurbeln, als wenn man den Leuten mehr Geld gibt, die sowieso schon nicht mehr wissen wo sie das alles ausgeben sollen.

      • @esgibtnureinengott:

        Mehrere Jahre mit minimalem Wachstum (wenn überhaupt) sind im Kapitalismus praktisch ein schleichender wirtschaftlicher Niedergang.

  • "der ständigen Verschärfung der Schere zwischen Arm und Reich" nach allen schrägen Scherenmetaphern (die Schere wird größer ;) jetzt eine neue: Die Schere wird schärfer ;)

    • @PeterArt:

      Danke für's genau Hinlesen.

  • 21 Millionen Rentner müßen jetzt auf die Straße gehen. Schluß mit der Selbstbedienung von Politikern, Beamten und Pensionären. Die eklatante Ungleichbehandlung von Rentnern und Pensionären ist durch Nichts zu rechtfertigen. Die Rentenkommission der Bundesregierung muss jetzt reagieren. Alles Erwerbstätigen, also auch Politiker und neue Beamte müßen in die Rentenversicherung einzahlen.

  • Das Känguruh bringt es ziemlich gut auf den Punkt, wenn es die Geschichte von dem Deutschen, dem Migranten und Donald Trump erzählt:

    Die drei sind beim Grillen. Auf dem Grill liegen 100 Würstchen. Donald Trump nimmt sich 99 Würstchen und sagt zu dem Deutschen: "Pass auf, der Migrant will Dir Dein Würstchen wegnehmen!"

    Und jetziger Bundeskanzler, der früher - hab ich irgendwo gelesen - bei einer Kanzlei gearbeitet haben soll die CumEx-Raubzüge beratend begleitet haben soll, hat im Wahlkampf genau diesen Trick angewandt: "Die Flüchtlinge nehmen Euch die Zahnarzttermine weg!"

    Und leider, leider funktioniert dieser Trump-Trick bei nicht wenigen Menschen: Wir haben derzeit mit AfD und CDU/CSU eine Mehrheit von Parteien im Bundestag die nach diesem Muster arbeiten.

  • Endlich mal ein Artikel in der taz, in der diese Zahl vorkommt: 3900 - die Zahl der Superreichen (mehr als 100 Mio. € Vermögen). Und dass die ein Drittel des gesamten Finanzvermögens besitzen, ist wirklich eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit.



    Unter anderem deswegen, weil ein erheblicher Teil dieses Vermögens nicht durch eigene Leistung entstanden ist, sondern durch die Rettungspakete der letzten 20 Jahre. Denn bei diesen Rettungspaketen wurde von Staaten und Zentralbanken enorm viel Geld in die Finanzmärkte gepumpt, damit die nicht zusammenbrechen. Dadurch sind die Aktienkurse nach oben gegangen. Und davon haben natürlich am meisten die profitiert, deren Vermögen sowieso schon zum größten Teil aus Aktien besteht. Und da fast alle Aktien nach oben gegangen sind , brauchten die nicht einmal die richtigen Aktien auswählen. Ein Teil dieses Geldes muss wieder zurückgeholt werden (hier ist beschrieben wie es geht, ohne dass irgendetwas zusammenbricht: demokratieingefahr...serer-demokratie/) , sonst wird dieser Staat nicht mehr funktionieren und es werden irgendwann wirklich Menschen auf die Straße gehen. und Feuer legem.

  • Ich bin einigermaßen Fassungslos über diesen Artikel.

    Straftaten, Diebstahl öffentlich zu rechtfertigten ist schon eine harte Nummer!

    Klar, wer arbeiten geht, sollte von dieser auch seinen Lebensunterhalt bestreiten können. Darüber sollte nicht diskutiert werden müssen.



    Was Sie jedoch hier schreiben ist harter Tobak!

    • @Sole Mio:

      Sie sollten den Artikel bis zum Schluss lesen!



      "Doch es ist eine gruselige Vorstellung, dass wir in einer Gesellschaft leben, in denen einige bereit sind zu töten, um sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren."



      Und so ein kleiner Ladendiebstahl ist doch wirklich eine Petitesse!

  • Fast zwei Drittel der Bevölkerung fordern also eine Vermögensteuer und eine höhere Erbschaftsteuer.

    Es ist interessant, dass außer bei der Linken diese Forderungen von PolitikerInnen kaum formuliert werden. Unter Kanzler Kohl wurde die Vermögensteuer noch erhoben und der Spitzensatz der Einkommensteuer war deutlich, nämlich um ca. 25%(!), höher als heute.

    Nach der Grundsteuerreform hätte man leicht dieselben Daten, die für die Grundsteuer erhoben wurden, verwenden können, um die Vermögensteuer verfassungsrechtlich wieder in Ordnung zu bringen (wir erinnern uns: Beim Beschluss des BVerfG zur Vermögensteuer ging es im Wesentlichen um Immobilienbewertungen). Für die Erbschaftsteuer wird inzwischen der aktuelle Verkehrswert der Immobilien zugrunde gelegt. Dasselbe sollte bei der Vermögensteuer auch funktionieren.

    Bedenken sollten wir auch, dass sowohl die Vermögen- als auch die Erbschaftsteuer Landessteuern sind: Sie werden an das Bundesland entrichtet.



    Warum verzichten die Bundesländer also auf diese Steuereinnahmen, jammern uns jedoch gleichzeitig die Ohren voll, dass sie zu wenig Geld hätten?

    Brandstiftung, Diebstahl und Gewalt sind keine Lösung des Gerechtigkeitsproblems!

    • @Aurego:

      "wir erinnern uns: Beim Beschluss des BVerfG zur Vermögensteuer ging es im Wesentlichen um Immobilienbewertungen"

      Wir erinnern uns: Wenn den BVerfG ein prägnanter Punkt für sein Urteil reicht, hat es noch nie eine abschließende Aufzählung der Kritikpunkte geliefert.

      Im Übrigen hat sich die Welt weitergedreht. In Luxemburg kann man inzwischen legal Einkünfte erzielen, ohne dass ein deutsches Finanzamt davon (und vom eingesetzten Kapital) erfährt.



      Schwierig bewertbare aber leicht mobile Sachwerte (Kunstwerke, Oldtimer, ...) sind inzwischen eine gängige Anlage - und Helmut Achenbach, der gezeigt hat, wie gefragt "Vermögensverschleiernde Wertanlagen" in Form von Kunst sind - und wie man damit alle Beteiligten behumpsen kann - hat inzwischen seine Haftstrafe abgesessen, ohne dass die Finanzverwaltungin der Zwischenzeit auch nur die geringste Lernkurve gezeigt hat. Weder in puncto Vermögensverschleierung noch in punkto Geldwäsche...

    • @Aurego:

      53 sind 25% mehr als 45?

    • @Aurego:

      @Aurego



      Gewaltausübung & Diebstahl an dem von der Bevölkerung, durch deren Arbeitsleistung erwirtschaften [ BIP ] Bundesinlandsprodukt & Wohlstands, durch inkompetente und nicht Willens wollenden Parlamentariern, die ja sonst immer gleich externe Beraterfirmen mit Juristen und sogenannten Wirtschftsfachleuten, im übrigen auch von unseren Steuergeldern finanziert, beauftragen können, sind scheinbar nicht einmal dazu in der Lage. Ein schon jahrzentelanges, längst überfälligen Gesetz zur Bewertung von Immobilien extern des Bundestages ausarbeiten zulassen, um endlich die Vermögenssteuer und eine ausgewogene Erbschaftssteuer auf den Weg zubringen. Da hilft uns Bürgern & Wählern nur eines, in Zukunft nur vor den nächsten Wahlen duch vorzulegenden Nachweis, kompetente Parlamentarier zu legitimieren, die die Interessen der Bevölkerung umsetzen und keine Faselkinder oder Faselgreise mehr an die Regierung UNSERES Staates zu lassen❗️

    • @Aurego:

      Schön wie Sie hier die Länder beschuldigen, wo der Bund die Arbeit verweigert.

  • Ganz sicher ist die Wohlstandsverteilung ungerecht. Wir wissen doch spätestens seit Karl Marx wie der Laden hier läuft: Der Mehrwert ist Marxismus, die bei der kapitalistischen Wertschöpfung erzielte Differenz zwischen Warenwert und der Wertsumme aus variablem Kapital (Arbeitskraft) und konstantem Kapital (Produktionskosten).



    Einfacher ausgedrückt: diejenigen, die den Mehrwert schaffen, erhalten zu wenig für ihre geleistete Arbeit.



    Gut, Klauen oder Morden ist sicher keine Lösung. Eine Lösung wäre sicher ein Generalstreik. Aber hat dieses Volk den Mumm dazu?

    • @Il_Leopardo:

      Generalstreik ist in D verboten 😎

      • @Kaboom:

        Ganz so einfach sind die Dinge nicht:



        "Ein Generalstreik als arbeitsrechtlicher, auf tarifliche Regelungen gerichteter Streik ist nach deutschem Streikrecht nur dann rechtens, wenn die Gewerkschaften eine tarifvertragliche Regelung für alle Arbeitnehmer aller Wirtschaftszweige anstreben und die Form totaler Arbeitsniederlegung zur Erreichung tarifpolitischer Ziele dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entspricht." (Wikipedia)

        • @Il_Leopardo:

          Ja, da steht was von Tarifpolitik, also betrifft das nur diesen Bereich. Ein Generalstreik zur Durchsetzung politischer Forderungen (und da würde ich auch Dinge wie z. B. Steuerrecht mit einbeziehen) ist verboten. Welchen Grund hat so ein Verbot eigentlich? Vielleicht das sich hier nichts ändert und alles so bleibt, wie es ist? Eine Demo ist zwar ganz hübsch, aber dann bitte außerhalb der Arbeitszeit. 😂

          • @Wurstfinger Joe:

            Mich würde eher interessieren, was die eigentlich dann tun werden, wenn angenommen gleich morgen früh, ganz Deutschland einfach zu Hause bleibt und Kaffee trinkt, statt ihren Chef zu bereichern.



            Werden die uns alle in den Knast stecken?

            • @Arafna:

              Ein Generalstreik besteht nicht darin, zu Hause Kaffee zu schlürfen, sondern auf der Straße den eigenen Forderungen Ausdruck zu verleihen. Und damit ist das Ganze von staatlicher Seite sehr wohl angreifbar. Man braucht nur ein paar Exempel zu statuieren, denn meist ist die Opferbereitschaft der breiten Masse eher marginal ausgeprägt.

            • @Arafna:

              Nö - die kacken sich dann vor Angst in die Hosen.

          • @Wurstfinger Joe:

            Stimmt so nicht. Streiks, gerade wenn von den Gewerkschaften ausgerufen, binden immer während der Arbeitszeit statt.

            • @Il_Leopardo:

              Ja, das stimmt. Das betrifft aber eben nur Tarifstreitigkeiten, Arbeitsbedingungen etc., in anderen Bereichen haben die Gewerkschaften nichts zu melden.

  • erinnert sich noch jemand an den Roten Punkt an der windschutzscheibe, zum zeichen, daß man andere im eigenen auto mitnimmt bei irgendeiner der sog. klima-krisen vor zig-jahren? das war so ein kleiner, kollektiver aufstand.



    da eine revolution nicht in sicht ist, könnten vermehrt menschen 0-tarif im öpnv praktizieren.



    dario fo hat mal ein köstliches stück geschrieben: bezahlt wird nicht. auch das keine revolution, aber anregung zum gesellschaftlichen ungehorsam.



    es braucht dazu: starke nerven, lust am komödie (wenn ich beim schwarzfahren erwischt werde, bin ich schlagartig die hilflose alte, die mit den modernen bezahltechniken nicht klar kommt. was ja auch stimmt: prepaid-karten (in hamburg) für busse sind in meinem penny immer aus. die (wenigen) fahschein-automaten verstehen mich nicht.)

  • Klauen geht gar nicht. Das ist unsolidarisch. Dann lieber Sozialabgaben rauf und dafür die Auszahlung an diejenigen erhöhen, die es brauchen. Da muss niemand kriminell für werden. Den "Anderen" vorwerfen, ihr besitz sei ungerechtfertigt und sich dann selbst ungerechtfertigt bereichern. Wo bitte ist da die moralisch bessere Position? Dann einfach mal Renten rauf, Arbeitslosengeld hoch, Kindergeld verbessern. Das kommt an und niemand muss klauen

    • @DerLurch:

      Aber das passiert ja nicht, deswegen fangen menschen an zu klauen!

      • @Bastel 25:

        Nö! Nervenkitzel.

  • Unklar ob der Artikel gut durchdacht war, auch wenn der Kern wichtig und richtig ist

  • Die Zustände hat Deutschland sich selbst zuzuschreiben. Im Zuge der Globalisierung begann der Niedergang der Gewerkschaften in Deutschland und zwar unter Beteiligung von Wirtschaft, Politik und Arbeitnehmern. Heute ist nur jeder sechste Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert.

    Niedriglohn und prekäre Beschäftigungsverhältnisse sind nicht naturgegeben sondern hausgemacht. Starke Gewerkschaften sind auch ein Garant für eine gerechte Verteilung des Wohlstands.

    Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Ära Schröder haben sich aber nur die wenigsten über eine ungerechte Verteilung des Wohlstands Gedanken gemacht. Von der Neoliberalisierung hat damals die breite Masse profitiert, nicht nur die Reichen. Jetzt im Zuge von Mieten- und Energiekostenexplosion und steigender Inflation hat sich der Wind gedreht. Und schon entbrennt eine Diskussion über die ungerechte Verteilung im Land in der dann auch so konfuse Argumente herangezogen werden, das Diebstahl schon in Ordnung geht, solange es einen Reichen trifft.

    Das jetzige Billiglohnland Deutschland stützt sich auf viele Säulen. Nur für die wirklich armen Menschen hat sich nichts geändert. Die werden seit 25 Jahren benachteiligt.

    • @Sam Spade:

      "Von der Neoliberalisierung hat damals die breite Masse profitiert, nicht nur die Reichen."

      Sind Sie sich da so sicher? Mit der Agenda 2010 wurde ein riesiger Niedriglohnsektor geschaffen.

      Anteil Beschäftigungsverhältnisse mit Niedriglohn im EU-Durchschnitt: 14,7%



      Deutschland: 19%

      Zum Vergleich



      Frankreich: 9,7%



      Finnland: 6,5%

      Zahlen für Norwegen finde ich leider keine, da nicht EU-Mitglied.

      www.destatis.de/Eu...driglohnquote.html

      • @Klabauta:

        Eine Neoliberalisierung hat in Norwegen auch nicht stattgefunden. Hier reguliert der Staat die Märkte und steckt den Rahmen ab.

        Daher haben in Norwegen die Gewerkschaften auch viel Einfluss, was sich auf das Lohnniveau auswirkt. Einen Niedriglohnsektor in diesem Sinne gibt es hier nicht. Der Wohlstand der unteren 10% der Lohnempfänger ist vergleichbar mit dem der deutschen Mittelschicht.

        Es gibt hier auch keinen gesetzlichen Mindestlohn. Der Einstieg liegt meist bei 23€ die Stunde.

        Im Gini Index der die Einkommensverteilung misst, hat Norwegen seit Jahrzehnten einen sehr niedrigen Koeffizienten was auf eine gleichmäßige Verteilung hindeutet.

        Der Staat betreibt zudem eine Steuerpolitik die Einkommensungleichheiten verringert durch Umverteilung. Zum Beispiel über die Vermögenssteuer.

        In Bezug auf die Vermögensverteilung ist die Ungleichheit naturgemäß für Volkswirtschaften ähnlich hoch wie in Deutschland. Jeder 83 Norweger hier ist Dollar Millionär. Das Vermögen wurde bei den meisten aber nicht erarbeitet, sondern stammt aus Anlagespekulationen oder Erbschaft.

        Ein anderes Feld ist die Armutsgefahr unter den Erwerbslosen. Die steigt auch in Norwegen kontinuierlich an.

        • @Sam Spade:

          Wenn es die KI richtig wiedergibt, ist der Spitzensteuersatz in Norwegen bei maximal 27 % und die Vermögenssteuer bei 1,1% .

          • @Strolch:

            27%? Da würden sicherlich bei vielen Norwegern die Sektkorken knallen.

            Der Grundsteuersatz liegt schon bei 22%. Der Spitzensteuersatz beträgt in Norwegen 39%.

            Norwegen hat ein progressives Steuersystem, welches zudem regionale Faktoren berücksichtigt. So sind die Steuersätze in strukturschwachen Regionen wie der Finnmark niedriger.

            Der Satz der Vermögenssteuer liegt bei 1,1%. Hört sich niedrig an, ist es aber nicht, wenn man die Erhebungen berücksichtigt. Bei Einkommen liegt er bei 150.000€ dazu werden aber auch Bankeinlagen oder Aktiengewinne gezählt.

            Im Gegenzug entfällt die Erbschaftssteuer damit nicht noch mehr norwegische Milliardäre und Millionäre Steuerflucht begehen und sich in der Schweiz oder Monaco niederlassen.

            Der Ölsektor macht zwar gut 20% des norwegischen BIP aus und ist der wichtigste Wirtschaftszweig, für das Lohnniveau in anderen Branchen wie der Fischindustrie oder im Bergbau ist das aber unerheblich. Und diese Branchen zahlen, abgesehen von den Lachsfarmen, ähnlich hohe Löhne wie sie in Teilen der Ölindustrie anzutreffen sind.

        • @Sam Spade:

          Norwegen hat aber auch massive Öleinnahmen für eine geringe Bevölkerung. Dieser Punkt spielt für den Wohlstand auch eine massive Rolle.

  • Die Politik hat sich soweit von den Menschen in dieser Welt entfernt dass die Damen und Herren Politiker selbst den schwarzen Qualm brennener Autoreifen und Strassenblockaden für den Rauch eines rauschenden Barbeque-Festes halten würde.

    Hören sie sich doch nur die markigen Sprüche an, lauschen sie den Worthülsen : Nichts als heisse Luft.

    Aus allen Lagern und aus vollem Halse.

  • Aber was, wenn Aldi mit allen Arbeitsplätzen auf die Cayman-Inseln auswandert???!!!

    • @nihilist:

      Aldi wird nicht auf die Caymans auswandern, solange ein Firmensitz in Zypern, Malta, Irland oder auch Luxemburg volle Niederlassungsfreiheit und Kapitalverkehrsfreiheit innerhalb der EU mit steuerlichen Vorteilen kombiniert. Gerne noch mit einer Gesellschaft in den Niederlanden, die Markenrechte besitzt und dem Restkonzern kostenpflichtig die Nutzung der Marke erlaubt. 😉

    • @nihilist:

      "Im Geschäftsjahr 2023 hatte Aldi Nord in Deutschland mehr als 40.000 Beschäftigte und 2.200 Filialen. Bei Aldi Süd gab im gleichen Jahr in Deutschland 52.269 Beschäftigte in 2.011 Filialen."

      Quelle: Verdi

      Macht zusammen 92.269 Beschäftigte.



      Einwohnerzahl Cayman Islands: 69.914

      Sind 69.914 Beschäftigte, die gleichzeitig Aldi-Kunden sein müssten, wenn die Arbeitsplätze dort geschaffen würden. Lustige Vorstellung.



      Spaß beiseite. Zum Thema Steuerflucht können Sie hier nachlesen:



      www.oxfam.de/syste...erflucht_final.pdf

      • @Klabauta:

        "69.914 Beschäftigte, die gleichzeitig Aldi-Kunden sein müssten, wenn die Arbeitsplätze dort geschaffen würden"

        Und dann müssten die auch noch alle ihre Arbeitszeit um 32% erhöhen, damit sich das ausgeht. Aber gegenüber der grenzenlosen Mobilität des Kapitals sind das bloß operative Details, die von der Steuerersparnis locker wieder wettgemacht werden.

    • @nihilist:

      Dann fliegen die Kunden zum Wochenendeinkauf dorthin 😁

  • Für sowas fehlt mir jedes Verständnis. Durch Anzünden, Klauen und Töten erreicht man weder Gerechtigkeit noch sozialen Ausgleich. Hier wird asoziales Verhalten gefeiert. Unmöglich.

    • @Otto Mohl:

      Wie kommen Sie darauf?

      "Doch es ist eine gruselige Vorstellung, dass wir in einer Gesellschaft leben, in denen einige bereit sind zu töten, um sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren."

      schreibt die Autorin.