Militärausgaben steigen auf Rekordhoch : Billionen, die es für eine bessere Welt bräuchte
Knapp 3 Billionen Dollar geben Staaten für Aufrüstung aus. Das Geld könnte stattdessen in Bildung, Gesundheit oder ein würdevolles Leben fließen.
E s ist eine wahrlich traurige Statistik, die das Friedensforschungsinstitut Sipri veröffentlicht hat. Satte und unglaubliche 2,9 Billionen US-Dollar gibt die Welt für Militär und Rüstung aus. Es ist das elfte Jahr in Folge, dass die Militärausgaben international steigen. Das Stockholmer Institut spart auch nicht mit Superlativen: Die Staaten sind wieder auf dem Investitionslevel wie zu Zeiten des Kalten Krieges angelangt. Und angesichts der trüben Aussichten und Kriegslagen an den verschiedensten Hotspots der Welt wird es wohl auch im kommenden Jahr die nächsten Erfolgsmeldungen geben.
An der Spitze des Rankings stehen die altbekannten Player mit ihren autokratischen Regimen: die USA, China, Russland. Die Investitionen der Vereinigten Staaten sind leicht rückläufig, aber nur aus dem einen bescheidenen Grund, da US-Präsident Trump entschieden hat, die militärische Ukraine-Hilfe zurückzufahren. Derzeit. Müßig, zu sagen, dass die Investitionen im kommenden Jahr vermutlich auch in den USA wieder steigen werden, schließlich spart der Mann im Weißen Haus nicht mit kriegerischen Drohgebärden Richtung Naher Osten oder mit Blick auf den „Hinterhof“ der USA, Lateinamerika.
Es sind 2,9 Billionen US-Dollar, die in Bildungsprojekte fließen könnten, in Gesundheit, in den Umweltschutz, in ein gutes und würdevolles Leben im Alter. Wenn man so will, sind dies auch alles politische Krisenfelder und friedensstiftende Maßnahmen, die Aufmerksamkeit und Geld brauchen. Aber die Regierungen dieser Welt scheinen keinen alternativen Geschäftsplan für ihre Bevölkerungen zu haben, sondern rühmen sich mit ihrem Investment in Verteidigung.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.
Vielleicht schon mal über Resilienzfaktoren in Sicherheitsfragen anderer Art nachgedacht? Zum Beispiel der Einsatz für internationale Abkommen zur Abrüstung, für mehr Diplomatie oder für Bündnisse, die sich gegen die Klimakrise stemmen, für Gleichberechtigung und gegen soziale Ungerechtigkeit eintreten? Ja, das scheint angesichts der Weltlage eine naive Forderung zu sein, die sich aber langfristig auszahlen würde. Niemand beschönigt oder unterschätzt die Bedrohungslage, die insbesondere vom russischen Aggressor Wladimir Putin für die europäischen Staaten ausgeht.
Doch anstatt sich ihres diplomatischen Instrumentenkastens zu bedienen, rücken sie im Rüstungs-Ranking nach oben. Allen voran Deutschland, das nun auf dem vierten Platz landet und auf die Top Drei hofft. 2027 dürfen wir ziemlich sicher mit dem nächsten Rekordwert rechnen.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert