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Militärausgaben steigen auf RekordhochBillionen, die es für eine bessere Welt bräuchte

Tanja Tricarico

Kommentar von

Tanja Tricarico

Knapp 3 Billionen Dollar geben Staaten für Aufrüstung aus. Das Geld könnte stattdessen in Bildung, Gesundheit der ein würdevolles Leben fließen.

Verkaufserfolg: Leopard 2A 4 Panzer bei Rheinmetall in Unterlüß Foto: Fabian Bimmer/reuters

E s ist eine wahrlich traurige Statistik, die das Friedensforschungsinstitut Sipri veröffentlicht hat. Satte und unglaubliche 2,9 Billionen US-Dollar gibt die Welt für Militär und Rüstung aus. Es ist das elfte Jahr in Folge, dass die Militärausgaben international steigen. Das Stockholmer Institut spart auch nicht mit Superlativen: Die Staaten sind wieder auf dem Investitionslevel wie zu Zeiten des Kalten Krieges angelangt. Und angesichts der trüben Aussichten und Kriegslagen an den verschiedensten Hotspots der Welt wird es wohl auch im kommenden Jahr die nächsten Erfolgsmeldungen geben.

An der Spitze des Rankings stehen die altbekannten Player mit ihren autokratischen Regimen: die USA, China, Russland. Die Investitionen der Vereinigten Staaten sind leicht rückläufig, aber nur aus dem einen bescheidenen Grund, da US-Präsident Trump entschieden hat, die militärische Ukraine-Hilfe zurückzufahren. Derzeit. Müßig, zu sagen, dass die Investitionen im kommenden Jahr vermutlich auch in den USA wieder steigen werden, schließlich spart der Mann im Weißen Haus nicht mit kriegerischen Drohgebärden Richtung Naher Osten oder mit Blick auf den „Hinterhof“ der USA, Lateinamerika.

Es sind 2,9 Billionen US-Dollar, die in Bildungsprojekte fließen könnten, in Gesundheit, in den Umweltschutz, in ein gutes und würdevolles Leben im Alter. Wenn man so will, sind dies auch alles politische Krisenfelder und friedensstiftende Maßnahmen, die Aufmerksamkeit und Geld brauchen. Aber die Regierungen dieser Welt scheinen keinen alternativen Geschäftsplan für ihre Bevölkerungen zu haben, sondern rühmen sich mit ihrem Investment in Verteidigung.

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Vielleicht schon mal über Resilienzfaktoren in Sicherheitsfragen anderer Art nachgedacht? Zum Beispiel der Einsatz für internationale Abkommen zur Abrüstung, für mehr Diplomatie oder für Bündnisse, die sich gegen die Klimakrise stemmen, für Gleichberechtigung und gegen soziale Ungerechtigkeit eintreten? Ja, das scheint angesichts der Weltlage eine naive Forderung zu sein, die sich aber langfristig auszahlen würde. Niemand beschönigt oder unterschätzt die Bedrohungslage, die insbesondere vom russischen Aggressor Wladimir Putin für die europäischen Staaten ausgeht.

Doch anstatt sich ihres diplomatischen Instrumentenkastens zu bedienen, rücken sie im Rüstungs-Ranking nach oben. Allen voran Deutschland, das nun auf dem vierten Platz landet und auf die Top Drei hofft. 2027 dürfen wir ziemlich sicher mit dem nächsten Rekordwert rechnen.

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Tanja Tricarico
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Schreibt über Außen- und Sicherheitspolitik, Entwicklungszusammenarbeit, früher auch Digitalisierung. Host der Fernverbindung, dem Auslands-Podcast der taz. Privat im Einsatz für www.geschichte-hat-zukunft.org
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7 Kommentare

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  • "2027 dürfen wir ziemlich sicher mit dem nächsten Rekordwert rechnen."



    Üble Aussichten.

    Was mir jedoch spontan einfällt ist "der tödliche Witz" von Monty Python.



    youtu.be/2PYqSjg1Wmg

  • "Vielleicht schon mal über Resilienzfaktoren in Sicherheitsfragen anderer Art nachgedacht? Zum Beispiel der Einsatz für internationale Abkommen zur Abrüstung, für mehr Diplomatie..." Diese Naivität ist zum Weinen. Was hat denn der ganze "Einsatz für internationale Abkommen zur Abrüstung, für mehr Diplomatie..." der vergangenen Jahrzehnte gebracht? Fakt ist auf internationaler Ebene: Wer sich mit Gewalt nehmen kann, was er will, tut das auch und zerreißt jegliches "Abkommen". Dagegen hilft leider nur eins: Sich wappnen, sonst geht es einem so, wie es der Ukraine beinahe in wenigen Tagen ergangen wäre, wenn sie keine entsprechende Unterstützung erfahren hätte.

  • Und wer sorgt wie dafür das diplomatisch Erreichtes, AKA Verträge auch eingehalten werden? Was machen wir mit Akteuren, die einfach so lange mit Krieg und Gewalt drohen und im Zweifel auch ausführen bis der Vertragsentwurf so aussieht, wie sie das möchten, ohne dass so Dinge wie Klima oder Menschenrechte darin Eingang finden?

  • Es ist eine Riesensumme Geld und es ist zu verurteilen, aber man sollte nicht vergessen, dass zur Zeit ähnliche Summen in KI gesteckt werden, eingesammelt von den irrsinnigen Gewinnen von Global Playern und Spekulanten. Diese Summen (Meldung heute, NVIDIA ist gerade 5 Billionen US$ wert) könnte man über ordentliche Steuern auch vielen sinnvolleren Zwecken zuführen.

  • Vermutlich muss die Welt wieder in ein komplettes Chaos namens Weltkrieg oder ähnlich dimensionierte einzelne Regionalkriege gestürzt werden, die Wirtschaft und Gesellschaft zerstören, bevor man wieder an gemeinsame Friedensbemühungen denken kann.

  • Oh Mann, immer dieses Gejammert bzgl. besserer Welt. Das ist so schwammig so unkonkret und zum Teil auch einfach falsch und vor allem naiv. Heute noch zu denken man könnte irgendjemandem der Staatsführer per Diplomatie ändern ist so vergangenheitsausblendend

  • Weder Putin noch andere autokratische Regime kriegt man mit Montagsdemonstrationen weg. 1989 ist so nicht wiederholbar.