piwik no script img

Verzwergung der SPDTrugschluss „hart arbeitende Mitte“

Stefan Reinecke

Kommentar von

Stefan Reinecke

Die SPD-Spitze glaubt, dass ihr Bürgergeld schuld an den Wahlpleiten ist. Dabei dürfte der Niedergang eher am unsicheren Selbstbild liegen.

Die SPD-Vorsitzenden Bärbel Bas und Lars Klingbeil am Montag nach der Wahlniederlage in Rheinland-Pfalz Foto: Christian Mang/reuters

D ie SPD-Spitze und der rechte Seeheimer Kreis haben den Schuldigen für die Wahlniederlagen der Partei dingfest gemacht: Es war das Bürgergeld. Denn seit diesem Sündenfall glaube das Wahlvolk, die SPD interessiere sich nur für das „untere Fünftel“ und andere Nischenthemen. Diese Analyse ist aus zwei Gründen verblüffend: Seit Monaten beteuern die Parteivorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas fast täglich, Politik für „die hart arbeitende Mitte“ zu machen, kurzum für die normalen Leute, und nicht für Transferempfänger. Diese Botschaft stößt aber bei der als „arbeitende Mitte“ ziemlich diffus beschriebenen Zielgruppe auf taube Ohren. Offenbar fühlen sich WählerInnen in einer extrem individualisierten Gesellschaft als Vertreter des Durchschnitts nicht angesprochen, geschweige denn wertgeschätzt.

Ein gravierender Fehler ist die Kopplung von Wahlniederlage und Bürgergeld. Die SPD hat in der Ampelregierung den Kampf darum gegen die Übermacht von Union, AfD und rechten Medien verloren. Deren Propaganda lautete, dass die SPD mit dem Bürgergeld dafür sorge, dass die harte arbeitende Krankenschwester Arbeitslose finanziere, die es sich auf der faulen Haut gut gehen lassen und außerdem oft keine Deutschen seien.

Gegen diese Kampagne war kein Kraut gewachsen. Die Sozialdemokratie war meist stark, wenn sie Interessen von Unterprivilegierten und Mittelschicht verband. Daran war kaum zu denken.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Dass man Kämpfe verliert, kommt vor. Haarsträubend aber ist, wenn eine Partei nach einer Niederlage die Agitation ihrer Gegner übernimmt – eine Art politisches Stockholmsyndrom. Genau das tut die SPD-Spitze mit den Beteuerungen, nur noch für die arbeitende Mitte da zu sein und nicht mehr für Bürgergeldempfänger. Die Union reißt derzeit vieles ein, wofür die Scholz-Regierung stand. Linken NGOs wird das Geld gestrichen, die Wärmewende wird rückabgewickelt. Die SPD beobachtet diese Abwicklung teils ratlos – und beteiligt sich auch noch daran. Sich Asche auf das Haupt zu schütten, wirkt nicht souverän, sondern verunsichert. Wer wählt eine Partei mit einem unsicheren Selbstbild?

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Stefan Reinecke
Korrespondent Parlamentsbüro
Stefan Reinecke arbeitet im Parlamentsbüro der taz mit den Schwerpunkten SPD und Linkspartei.
Mehr zum Thema

78 Kommentare

 / 
  • War die Soziologie nicht schon einmal so weit, die industrielle Arbeiterklasse im Kontext der allgemeinen gesellschaftlichen (ökonomisch, sozial, kulturell) Millieuveränderungen im Nachkriegsdeutschland für ausgestorben zu erklären? Und somit zugleich eine Erklärung für den Niedergang der SPD zu finden, die (neben der KPD) vor 1933 im wesentlichen von jener damals noch intakten Arbeiterklasse getragen wurde?



    Und jetzt soll diese Arbeiterklasse in der postindustriellen Dienstleistungs-Gesellschaft urplötzlich wieder von den Toten auferstanden sein, um ausgerechnet den Aufstieg der AfD zu begründen? Indem in den Leitmedien auf und ab salbadert wird, die etablierten Parteien - insbesondere die SPD - würden nicht mehr die Sprache dieser Arbeiter sprechen, hätten sich von deren Bedürfnissen immer weiter entfernt. Wohingegen es der AfD gelänge, genau daran anzuknüpfen und so ihre Erfolge zu generieren.



    So die Erzählung. Ich bin jedoch skeptisch, ob sie überhaupt stimmt.



    Vielleicht gibt es noch so etwas wie eine Arbeiterklasse, dann aber ohne Klassenbewusstsein.

  • SÜNDENFALL und Bürgergeld - oder Übermacht von Union, agd und rechten Medien?



    ==



    Na was denn nun - - Übermacht oder taube Ohren?



    =



    In BaWü gewann die agd stark hinzu, insbesonders durch Wählerstimmen von CDU, SPD und vor allem durch ehemalige Nichtwähler - und in RPF verdoppelte die agd ihr Ergebnis dto.- vor allem durch Stimmen ehemaliger Nichtwähler - aber die SPD verlor die Wahl besonders durch Stimmabgabe an die CDU (80.000) und an die agd. (35.000)



    =



    Hinzu kommt nach einer Untersuchung von Infratest Dimap, dass eine Mehrheit der Deutschen eher der agd als der SPD zutraut, Probleme in der Wirtschaftspolitik zu lösen aber auch in anderen Bereichen wie Finanzen oder soziale Gerechtigkeit hat die agd entscheidend zugelegt.



    =



    Die entscheidende Frage stellt sich Reinecke nicht: Die Abwahl des Sozialen hat bereits in Thüringen begonnen als die Linke 2024 - 17,9% ihrer Stimmen(!!!) verlor und Bodo Ramelow sein Ministerpräsidentenamt abgeben misste.



    =



    Das agd Programm ist GEGEN den ärmeren Teil der Bevölkerung gerichtet. Aber warum wählt der ärmere Teil trotzdem die agd? Das ist das Problem der SPD - und das der Linken. Hat sie nur noch nicht begriffen.

  • Es ist doch eigentlich ganz einfach:

    Ein Wahlergebnis spiegelt wider, was die jeweiligen Parteien in der Zeit davor erst versprochen haben zu tun und was diese dann schlussendlich aus ihren Versprechen gemacht haben. Dazu fließt noch ihre politischen Ansichten zu aktuellen Problemen und anstehenden Herausforderungen ein.

    Und wenn sich das Wahlvolk darin nicht finden kann, kommt so etwas wie die AFD daher, die viel versprechen, aber (nicht falsch verstehen) DANK der Brandmauer nichts davon einlösen muss.

    Die Parteien sollten das endlich mal kapieren und berücksichtigen.



    Sagt was ihr machen wollt, wofür ihr steht und macht das dann auch!



    Verlässlichkeit schafft Vertrauen.



    Und wer das nicht macht, schafft sich ab!

  • Die SPD verliert bei jeder Wahl Wähler vor allem an die CDU und die AFD. Warum ist das so? Ist den Exwählern die SPD zu links? Auf der anderen Seite finden viele die SPD zu rechts und schimpfen über die Seeheimer. Bei solch einer Ausgangslage ist es gar nicht so einfach, an der Wahlurne Erfolg zu haben.

  • Genau das ist das Problem:



    Die SPD meint alles sei so einfach und monokausal.



    Ist es aber nicht.

  • "Seit Monaten beteuern die Parteivorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas fast täglich, Politik für „die hart arbeitende Mitte“ zu machen, kurzum für die normalen Leute, und nicht für Transferempfänger."



    Die SPD Spitzen eher in edlem Tuch in Lodenmänteln gewandet als in Arbeitnehmer Blaumann in Bund, Land, Regierung sitzen im SPD Willy Brandt Haus downstairs im Fahrstuhl und feiern jedes weitere Abwärts bei Wahlniederlage SPD Kladderadatsch in Bund, Ländern, Kommunen als Zuwachs an Höhenluft auf der SPD Karriereleiter und Beleg ihre persönlichen Leidensfähigkeits Resilienz bereit noch tiefer im Fahrstuhl unter die Wasserkante zu sinken



    Dabei fehlt in der SPD Spitze allerorten sonders in Berlin der Atem für Kenntnis, dass 860 000 Lohnaufstocker zugunsten privater, kirchlicher, kommunaler Arbeitnehmer auch im SPD Willy Brandt Haus? 1,2 Millionen Privathaushalte in Deutschland auf Wohngeld angewiesen sind,1,029.000 Menschen in Deutschland wohnungslos. 56 000 obdachlos sind, beide Gruppen absehbar ohne zustellbare Adresse keine Wahlunterlagen erhalten deshalb oder aufgrund Alltags-, Überschuldungsstress nicht wählen können. Dabei erweist SPD Hoffnung Bärbel Bas als Totalausfall

  • Das AfD-Dilemma zwingt die SPD in Koalitionen. Meist als Juniorpartner:in. Da ist es schwierig kraftvolle Oppositionsarbeit zu machen.



    Willy Brandt und Gerhard Schröder siegten gegen eine abgewirtschaftete Union. Olaf Scholz gewann gegen einen favorisierten Unions-Kandidaten, der sich selbst besiegt hatte...

  • taz: *Die SPD-Spitze glaubt, dass ihr Bürgergeld schuld an den Wahlpleiten ist.*

    Die SPD wird immer mehr ein Fall für die "Psychiater-Therapie-Couch". Aber mit etwas 'nachdenken' kann die SPD sich den Psychiater sparen. Wer hat denn damals die Axt an dem "S" in SPD angelegt und damit der SPD ihren Markenkern genommen?

    Gerhard Schröder (SPD) sagte 2005 in Davos (Weltwirtschaftsforum): "Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt."

    Mit diesem Satz von Gerhard Schröder fing alles Unsoziale in der SPD an. Dann wurde auch noch ein Überwachungsapparat (Jobcenter) für Arbeitslose geschaffen, während die Schröder-SPD gleichzeitig den Spitzensteuersatz für die Reichen von 53% (noch unter dem CDU-"Sozialisten" Helmut Kohl war der nämlich bei 53%) auf 42% gesenkt und die Veräußerungsgewinne von Kapitalgesellschaften auch noch steuerfrei gestellt hat.

    Die 'soziale Brandt-SPD' ist schon lange tot und wird auch nicht mehr auferstehen. Die heutige Klingbeil-SPD ist nur noch der "Steigbügelhalter für BlackRock-Merz".

    Wer noch sozial denken kann, der wählt nicht mehr die SPD, sondern 'Die Linke'.

  • Eine SPD, die das Rentensystem nicht versteht und darauf abziehlt 45 Beitragsjahre zum Maßstab zu machen und damit für gut ausgebildete die Rente noch mehr kappen will und das als Gerechtigkeit framed verliert auch diese Zielgruppe.

    Eine Partei, die sich nicht benüht, die versicherungsfremden Leistungen des Sozialsystems durch höhere Steuern am oberen Ende auszigleochen sondern denjenigen, die das System benötigen, durch Streichungen höhere Lasten aufbürdet, haben wir schon: CxU. Da braucht es keine SPD, die das gleiche propagiert.

    Es gibt viele Möglichkeiten andere Botschaften zu verbreiten. Die sozialen Medien sind hker eine enorme Chance. Und selbst wenn Bild und Co. rummaulen, alles ist besser als ein blases Abbild der CxU sein zu wollen und git abgesichert in den Untergang zu schreiten, wo voele Menschen auf eine funktionierende SPD angewiesen sind.

  • Eine SPD, die seit Hartz-IV, Schuldenbremse, ... im wesentlichen CxU-light abgibt, ist schlichtweg überflüssig am politischen Markt. Wir braicjen nicht noch eone neoliberale Partei



    Es ist einfach viel zu wenig, das immer üblere geringere Übel als Aisrede zu nutzen.

    Wir brauchen seit 25 Jahren eine sozialdemokratische Partei, die die Errungenschaften von 100 Jahren zuvor offensiv verteidigt und ausbaut. Eine, die versteht, dass für 2/3 der Bevölkerung materielle und soziale Sicherheit Kernthemen sind. Eine Partei, die den Top3% auf den Sack geht.

    Eine SPD, die nicht in der Lage ist zu vestehen, dass es absolut kontraproduktiv ist, unten die Steuern zu senken, damit auch die oben maßgeblich profitieren zu lassen und das ganze über die Erhöhung der MWST, zu finanzieren, was für die Zielgruppe höhere Kosten als Nutzrn erzeugt, kann ich nur als dämlich bezeichnen.

  • Die SPD braucht vor allem eine eigene neue, zeitgemäße und visionäre Agenda. Wo sind die praxisfähigen Entwürfe für 2040? Dieses ganze kleinkarierte Kommunikationschaos gesellschaftlich irrelevant gewordener Flügelfunktionäre begeistert doch keine Unterstützer*innen mehr für den sozialdemokratischen Wahlkreuzzug. Denn wer noch nicht völlig in seiner jeweiligen sozialen Bildungsblase blubbert, ahnt, dass kaum was so bleiben kann und wird, wie es ist. Da wird sich auch die Sozialdemokratie ganz neu sortieren und definieren müssen, bestenfalls wieder als verlässliche visionäre Kraft mit pragmatischem Politikstil. So hat sie jedenfalls seit ihren Gründungstagen in diesem Land mehr bewegt, als alle anderen gesellschaftlichen Gruppen.

    • @vieldenker:

      So ähnlich habe ich es auch in der Süddeutschen gelesen.



      Aber was konkret soll die SPD tun?

      Für mich ist sie seit Schröder auf dem falschen Weg, wie schon hier zu lesen ist, hat diese Partei das "S" abgeschafft.



      Sie muss endlich wieder Politik für die Menschen machen, welche nichts davon haben, dass der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent ist, und das ist eindeutig die Mehrheit.



      Wenn man dazu die Koalition mit der Union platzen lassen muss, wäre das wirklich so schlimm? Vielleicht warten da drauf viele der enttäuschten ehemaligen SPD-Wähler?

  • Die "Willy-Wahl" 1972 hatte mit 91% die höchste Wahlbeteiligung in der "alten BRD " und mit 45,8% das höchste Ergebnis für die SPD je. Das war nach dem Warschauer Kniefall von 1971.



    Wem das zweithöchste Amt im Staat nicht gut genug war, wer seinem Nachfolger im Land bei absehbar knappem Ausgang nicht beisteht bekommt solche Ergebnisse.

    • @Hans - Friedrich Bär:

      Ich verstehe Ihre Anspielung nicht. Wem war das zweithöchste Amt im Staat nicht genug: Und wer ist seinem Nachfolger im Amt nicht beigestanden?

  • "Wir müssen mehr abschieben" ist in dieser Form natürlich falsch. Denn nicht die Zahl der Abschiebungen ist die Messgröße, dahinter stehen ja immerhin auch Menschen und Schicksale.

    "Wir müssen konsequenter und die Richtigen abschieben!" wäre schon eher der Ansatz.

    Der große Zulauf zu den braunen Menschenfängern an den Urnen liegt vor allem in einem mangelnden subjektiven Sicherheitsgefühl der Bevölkerung begründet und in der Illusion, dass mit Blick auf das Ausländerrecht nicht konsequent gegenüber denjenigen, die hier vor allem durch Kriminalität auffallen, agiert wird.

    Integration kommt, vor allem hinsichtlich des Rechtssystems unseres Landes, auch an einem gewissen Maß an Assimilierung nicht vorbei.

    Seine kulturelle Identität muss wirklich niemand abgeben, der hier zu Gast ist, oder sich hier eine eigene wirtschaftliche Existenz aufbauen will. Aber er darf sich eben auch nicht als über den hiesigen Gesetzen stehend wähnen.

    • @Metallkopf:

      Vielen Dank für Ihren Kommentar, er spricht mir aus der Seele. Ergänzen möchte ich, dass bei vielen Menschen das Gefühl entstanden ist, dass über viele Probleme nicht mehr geredet wird. Insbesondere im Zusammenhang mit der Zuwanderung. Mir erzählte neulich ein ehemaliges SPD-Mitglied, dass das Singen inzwischen in Verruf geratener Songs in einem Club in Brandenburg bei seinen ehemaligen Genossen in Form von Pressemeldungen mehr Empörung auslöst, als das Entdecken von Zuwanderern mit zum Teil 15 verschiedenen Identitäten (und damit auch 15 mal Bürgergeld).

  • Ich verstehe die hier vorgeschlagene Strategie nicht so ganz.



    Die SPD müsste einfach nur das Wahlprogramm der Linken übernehmen und alles wird gut?



    Gibt es dann plötzlich mehr als 10% antisemiten und und Studenten die diese Politik wählen?

    • @Notizen Nt:

      Ich denke, niemand, der sich noch im Umfeld der SPD bewegt, ob Mitglied oder nicht, oder sich ihr irgendwie verbunden fühlt, stellt sich unter einer sozialdemokratischen Linkswende vor, dass man die Programmatik der Linken einfach übernimmt bzw.. genau so wird wie die Linkspartei. Das zu glauben, wäre wohl auch ein bisschen naiv - oder schlicht böswillig, um der SPD-Linken etwas unterzujubeln, was sie nie war.



      Schon aus historischer Perspektive haben beide Parteien derart unterschiedliche Wurzeln, dass sie sich wie Feuer und Wasser unterscheiden (z.B. hätte Antisemitismus in der SPD niemals irgendeinen Platz).



      Es geht um die Rückbesinnung auf eine soziale Politik, die die gesamte Bevölkerung adressiert, nicht bloß eine Teilgruppe oder ein bestimmtes Klientel. Und es geht um ein Zusammendenken von Sozialem, Ökonomie und Ökologie. Das war früher mal die Stärke der SPD und es wäre ein Alleinstellungsmerkmal.



      Und dahin müsste sie zurück, um sich im Parteienspektrum nicht selbst überflüssig zu machen.



      Einige SPD-Genoss*innen schauen (in ihrer Verzweiflung) nach Dänemark. Ich bin nur skeptisch, ob sich die Verhältnisse einfach so übertragen lassen.

    • @Notizen Nt:

      Sie haben keine Ressentiments?

      Natürloch nicht das Wahlprogramm der Linke, aber ein sozialeres Prpgramm für "die Motte". Eines, dss den Top3% an den Säckel geht, statt der "arbeitenden Mitte".

  • Jeder Ruf aus dem neoliberalen Kreis in "Seeheim" in Richtung der Freunde in der CDUCSUFDP, zu fördern und zu fordern, sich um das Land zu kümmern, Aufbruchstimmung zu erzeugen (und oder zu missbrauchen), führt ständig dazu, dass es dem Eigentümeradel oben besser geht und den Leuten Unten schlechter. .. Lars, mach mit dem Papst eine Herren-Boutique auf.

  • Tja - Wer seinen Erich Kästner nicht kennt! Woll

    „Was auch immer geschieht: Nie dürft Ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man Euch zieht, auch noch zu trinken!“

    Na Mahlzeit



    ( Vorneweg mal Münte Sundern/Westfälisch Sibirien “…wer nicht arbeitet - soll auch nicht essen • ;((

    • @Lowandorder:

      Sundern ist das westfälische Sibirien ?? Ich kenne Sundern aus meiner Jugend gut. So kalt war es dort gar nicht. Nur regnerisch. ;-)



      Stammt dieser Spruch "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen" wirklich von Müntefering?

      • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

        Die taz sagt, ja, er habe das mal gesagt, taz.de/Wer-nicht-a...trolliert/!434214/

        Prof. Roland Rosenow hat in einem Vortrag in 12/2025 darglegt, dass das Sankionsregime des SGB II härter als die Sanktionen im BSHG und (angeglich) auch härter als die Reichsgrundsätze zum Fürsorgwesen 1925 sei.



        www.kh-freiburg.de...rm-vortrag-rosenow



        So geht Fortschritt.

  • "dass die SPD mit dem Bürgergeld dafür sorge, dass die hart arbeitende Krankenschwester Arbeitslose finanziere, die es sich auf der faulen Haut gut gehen lassen und außerdem oft keine Deutschen seien."

    Jetzt mal nüchtern demoskopisch betrachtet:



    Wenn 50% der Bürgergeldempfänger keine Deutschen sind und daher gar nicht wählen dürfen und die anderen 50% nur unterproportional wählen gehen und dann auch eher der AfD zuneigen, ist es wirklich im Sinne der SPD diese Klientel, und sei es auch nur "gefühlt", in den Mittelpunkt zu stellen?

    • @Chris McZott:

      Sie schwer brauner Dauerbrenner - wa!

      Wissens - was “krude“ bedeutet? Nich - wa!



      Hörens was 🤖 ehna auf die Treppe legt:



      “Krude bedeutet roh, grob, unausgegoren oder ungeschliffen. Es beschreibt Dinge, Pläne oder Aussagen, die nicht ausgearbeitet, primitiv oder unfein sind, wie z.B. „krude Theorien“ oder „krude Umgangsformen“. Der Begriff stammt vom lateinischen crudus für „roh“.“



      Synonyme für krude:



      Unausgegoren, unausgereift, roh



      Grob, derb, ungeschliffen, unfein, vulgär



      Primitiv, einfach, unkultiviert



      Abwegig, konfus, wirr



      Rüde, ruppig, rücksichtslos.“

      …anschließe mich

    • @Chris McZott:

      Wo stellt doe SPD diese Menschen in den Mittelpunkt?



      Das propagandistische Geschrei darüber ist schlicht faktenfremde Desinformation von CxU und AfD.

  • Ist schon lustig, die Herden in der Politik. Die AfD treibt die CDU vor sich her und bestimmt deren Politik und die CDU treibt nun die SPD vor sich her und bestimmt deren Politik.

    Gut, dass alle erwachsen sind und nur das Beste für uns Burger wollen!

    • @Edda:

      Bitte Ironie kennzeichnen. Sonst nimmt das noch jemand ernst ;-)

      Aber sie weisen da auf ein ernstes Problem hin. In unserem Grundgesetz gibt es nichts, was die Parteien dazu anhält oder auch nur davon abhält, eine Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung zu machen. Dadurch waren in der letzten Ampel schon 70-80% der Bevölkerung mit der Politik unzufrieden und jetzt auch schon wieder 75%.



      Eine kleine Ergänzung im Grundgesetz würde dies ändern:



      innn.it/diedemokratiemussbesserwerden

      • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

        Was würde dadurch besser, vor allem aus linker Perspektive?

  • Sagte Kevin Kuhnert nicht kürzlich im Interview, er wähle keine Partei aus Artenschutzgründen? In Frankreich führt ein neuer politischer Wille sofort zur Gründung einer neuen Partei, mit der Masche kam Macron an die Macht; hätte er nicht geschafft, wenn er versucht hätte, eine bestehende Partei umzugestalten.

  • Es ist bei weitem nicht nur die Abkehr vom Bürgergeld, die die SPD unwählbar macht. Von der Forderung nach einer Bürgerversicherung, der Wiedereinführung der Vermögenssteuer, einer Erbschaftssteuerreform usw. ist nichts mehr zu hören. Stattdessen Abkehr vom Klimaschutz, mehr Straßenbau, Verschwendung des Sondervermögens, Rückbau des Sozialstaats, nicht unbedingt unbedingt unter Führung, aber unter willfähriger Beteiligung der SPD.



    Ruft man sich das Titelbild des Spiegels mit Scholz und dem in vielerlei Hinsicht falschen Satz „Wir müssen mehr abschieben“ und Politik seiner Innenministerin Nancy von Storch, äh Faeser in Erinnerung, stellt sich mir schon die Frage, wofür die SPD überhaupt steht. Wenn ich AfD-Politik möchte, wähle ich AfD, nicht SPD.



    Hinzukommt mit Klingbeil ein Vorsitzender, mit der Aura eines pensionierten Finanzbeamten, der sich bisher vor allem durch die Umsetzung seiner eigenen Karriereplanung ausgezeichnet hat.



    Tucholsky hat die SPD einst als „Partei des kleineren Übels“ bezeichnet, selbst diese Funktion füllt sie nicht mehr aus.

    • @Flix:

      'Aura eines pensionierten Finanzbeamten..', klasse! 😂😂 Nichts gegen Finanzbeamte; Teilnehmer dieser "Branche" hatten sich gegen CumEx gestemmt, oder es gewagt größere Unternehmen zu prüfen.

      • @Gerhard Krause:

        Wo haben sich Finanzbeamte gegen CumEx gestemmt? In Hamburg hat eine Finanzbeamtin der Warburg-Bank sogar 43 Millionen Steuern erlassen, die sie wegen CumEx Einnahmen hätten zahlen müssen, weil die Bank sagte, sie hätten Probleme, die Steuer zu bezahlen

  • Die SPD hat v.a. keinen Bock, sich mit der Realität zu befassen (die anderen auch nur sehr eingeschränkt):



    - Der größere Teil der Arbeit in Deutschland (in Stunden, siehe Statistisches Bundesamt) ist komplett unbezahlt. Notwendige Arbeit, die v.a. von Frauen gemacht wird und unserer Obrigkeit völlig gleich ist.



    - Unser sozio-ökonomisches System ist hochgradig dysfunktional (auch das "Bürgergeld" hat wenig Verbesserung gebracht): Viele kommen kaum über die Runden (jedenfalls nicht ohne ihre Gesundheit zu ruinieren), einigen wird's im Schlafe gegeben. Alle haben Angst, dass es mal sie erwischen kann. Leistung fürs Gemeinwesen lohnt sich nur sehr eingeschränkt, Spaltung und die Fähigkeit durch die kafkaeske Bürokratie zu navigieren schon.



    - Da unsere "Eliten" den Bürger*innen nicht (mehr) vertrauen (und umgekehrt), müsste man an genau der Stelle ansetzen. Es gibt eigentlich keinen echten Mangel, noch ist sogar der Planet bewohnbar. Umschalten von Angst zu Vertrauen.



    Der Thüringer Theologe und Demokratie-Aktivist Ralf-Uwe Beck hat's verstanden: www.ekmd.de/glaube...rundeinkommen.html

  • Nö. Die langjährigen Versuche der SPD in den Gewässern von Linkspartei und Grünen zu fischen ist gescheitert (weil da ja schon Linkspartei und Grüne sind). Die besten Wahlergebnisse in den letzten 50 Jahren hatte man mit Schmidt und Schröder. Auch ein Blick nach Dänemark gibt einen kleinen Hinweis. 2021 gewann die SPD, weil sie trotz erheblicher Bauchschmerzen einen Olaf Scholz zum Kanzlerkandidaten machte (der dann leider nicht Olaf Scholz lieferte) und keinen aus der linken Riege. Die Schlussfolgerungen der SPD sind schon richtig, spannend wird zu sehen, ob sie auch konsequent umgesetzt werden. Merke: Nur wer Politik für die Mehrheit macht bekommt auch eine Mehrheit

  • Die Probleme der SPD haben doch schon viel früher angefangen.



    Als sie den Kanzler stellten und die Agenda 2010 verabschiedet hatten, sind sie danach hart aufgeschlagen. Dann haben sie versucht, die Agenda wieder zurückzudrehen und sich zu distanzieren. Nun wollen sie die Agenda 2030 wieder mittragen, die diesmal die CDU initiiert. Der Kreis wiederholt sich.

    Die SPD findet kein eigenes Bild. In die Verhandlungen für den Koalitionsvertrag schickt sie den linkeren Anteil der Partei. Die Posten bekommt dann der Wirtschaftsflügel. Das kann man schwer verkaufen.



    Sie könnte wenigstens durch Beobachtung lernen. Die CDU übernimmt die Themen der AfD und erntet keine höhere Zustimmung. Die Leute bleiben bei dem Original. Nun möchte die SPD die Themen der CDU übernehmen. Das wird genauso wenig funktionieren.

    Vor 30 Jahren stand die SPD für mich für einen moderat linken Ansatz. Noch viel Wirtschaft drin, aber mit einer Tendenz, sich für Geringverdiener, Mittelschicht UND Sozialhilfeempfänger einzusetzen.

    Die Themen schließen sich nicht aus, liebe SPD. Es sei denn, man möchte nicht an das Geld wirklich reicher Menschen, die immer reicher werden.

    • @KlausT15:

      Der letzte Satz zeigt das Problem.



      Dann muss man aber such mal in Koalitionsverhsndlungen hart bleiben.



      BTW: Die CxU würde soch bei einer offenen Zusammenarbeit ,it der AfD suizidieren.

    • @KlausT15:

      "Vor 30 Jahren stand die SPD für mich für einen moderat linken Ansatz."



      Stimmt, und ich möchte behaupten, dass ein großer Teil ihrer Noch-Wähler ebendiesem Bild anhängen.



      Wer ist eigentlich inzwischen in dieser Lücke? Die Grünen?

  • "Im Rahmen der geplanten Steuerreform drängt der Finanzminister darauf, auf das bisherige Splittingmodell künftig zu verzichten. [...]. Demnach will Klingbeil mehr Anreize für Ehepartner schaffen, eine Arbeit aufzunehmen oder mehr zu arbeiten."

    So wird es ganz sicher was mit dem Einsatz für die "arbeitende Mitte". Steuerlast erhöhen, damit mehr gearbeitet wird/werden muss.

    • @Querbeet:

      "Demnach will Klingbeil mehr Anreize für Ehepartner schaffen, eine Arbeit aufzunehmen oder mehr zu arbeiten."



      Und man fragt sich, inwiefern er sich damit von Merz 'Die Deutschen arbeiten zuwenig' abgrenzen zu können glaubt.

  • Briliante Analyse!

  • Vielleicht liegt es auch an der medialen Präsentation mit mangelndem Charisma, wenig Emotion und eher staatstragenden Worten ohne Polarisierung, dass mit der SPD wenig Gefühle verbunden werden.



    Vertrauen und Verlässlichkeit sind essenziell.



    b. fr.de



    "Matthias Quent: „Die Zivilgesellschaft kann sich auf die Politik nicht mehr verlassen“



    Weiter äußert Quent dort:



    "Aber bei Wahlentscheidungen spielen Emotionen eine große Rolle, auch Rachegelüste. Das Gefühl, doch irgendwie selbstwirksam zu sein, weil man mit der eigenen Stimme „linke Eliten“ eingrenzen kann. Dabei gilt: Haben rechte Kräfte erst mal die Macht, führt das immer zu Entrechtung und mehr Ohnmacht aller."



    Quent:



    "Was die AfD sehr erfolgreich macht, ist ihre „Kümmerer-Politik“. Sie ist bürgernah und nah dran an den Menschen vor Ort, das merkt man in Ostdeutschland besonders stark. Diese Basisarbeit muss man ihr streitig machen. Die Linke macht Ähnliches, etwa mit Mietpreis- und Sozialberatungen, und war damit etwa in Städten wie Leipzig sehr erfolgreich. In New York hat der demokratische Bürgermeister Mamdani auf diese Weise Trump-Wähler zurückgewonnen. Früher war das auch für die SPD selbstverständlich, in allen Vereinen..."

  • Der Artikel stellte immerhin noch eine Frage.



    Es ist nämlich beachtlich, wie viele "Expert*Innen" derzeit das Ergebnis erklären, obwohl diese vor der Wahl ein Kopf an Kopf Rennen voraus gesagt haben.



    Ein Teil der Erklärung ist, dass Rheinland Pfalz ein recht kleines Bundesland ist. Bei 4 Mio. Einwohnern und noch weniger Wahlberechtigten sind schon 40.000 Wähler, die zu einer anderen Partei wandern, viel.



    Leider ist die Erkenntnis aus den beiden letzten Landtagswahlen, dass die "afd" gewonnen hat.



    Ging es bei den absoluten "WahlsiegerInnen" um wenige Prozentpunkte, verdoppelten die Rechten ihre Ergebnisse.



    Und das, Gott sei's geklagt, im Westen.



    Die Grünen und die Linke konnte nicht profitieren, Häme von dieser Seite ist unangebracht. Tatsache ist, dass die Wählerschaft sich komplett von linken Ideen abwendet.



    Wer Bürgergeld bezieht ist leider auch ein potenzieller "afd" Wähler.



    Was macht also die "afd" richtig?



    Konzepte, Lösungen sind es nicht.



    Die Argumentation "Der Andere ist schuld", ist eigentlich kein Konzept. Dennoch geht es auf.



    Die Fehlersuche von links ist genauso falsch .



    Was können "wir" besser machen? Da steht Kommunikation an erster Stelle, auch auf tiktok...

  • Die SPD hat schon längst den Draht zur Wählerschaft verloren, und macht mittlerweile fast nur noch Politik für das obere Fünftel. Es ist gut, dass die Partei langsam verschwindet, da wir keine weitere Rechtspartei brauchen.

  • Danke. Man kann sich wirklich nur wundern, vor allem über eine SPD-Spitze, die das übernimmt. Dass sie der CDU alles rechtmachen, ist das Problem. Denen sollte man klarmachen, wenn es nur nach ihrer Pfeife geht, dann eben keine Koalition. Es ist wie mit Trump, es wird weiter so getan, als hätte man es mit klassischen Politikern zu tun, die gar was bewegen wollen nicht nur im Interesse von ein paar stakeholdern. Da nicken dann auch die Grünen Sondervermögen ab und wundern sich dann, wenn was ganz anderes gemacht wird. Dabei muss man wie der Iran deutlich machen, wir wissen, wie wir unsere Interessen durchsetzen, deal with it.

  • Offensichtlich wählen Teile dieser mehr oder weniger arbeitenden Mitte jetzt die AfD, weil die so rassistisch ist, wie dieser Teil der mehr oder weniger arbeitenden Mitte,vielleicht schon immer war. Vielleicht ist die interessantere Frage, warum die früher überhaupt die SPD gewählt haben? Vielleicht, weil die attraktive aktuelle "Alternative", einfach andere für alles Verantwortlich zu machen, früher nicht so breit im Parteienspektrum aufgestellt war.

  • Ich behaupte: wer SPD wählt, weiß nicht, was er bekommt. Es gibt einen wortgewaltigen linken Flügel, der Gesine Schwan wegen einer Deadname- Nennung aus der Partei mobben wollte, zu politisch korrekt ist für Clan- oder Islamismus- Kritik, andererseits den Seeheiner Kreis oder Boris Pistorius

  • Nach der Landtagswahl in BW meinten in Nachwahlbefragungen 59% der Leute, die SPD würde sich mehr um Bürgergeldempfänger kümmern als um Leute, die hart arbeiten und wenig Geld verdienen. 57% meinten, die SPD tue zu wenig für die "arbeitende Mitte". Quelle: www.tagesschau.de/.../umfrage-spd.shtml

    Nur, um das klarzustellen: Das Bürgergeld war eine gute und richtige Idee, und ich bin gegen seine Verschärfung. Aber der Eindruck, den die SPD hier wahrnimmt, ist nicht aus der Luft gegriffen, sondern Ausdruck einer realen Stimmung. Aus dieser gäbe es zwei Auswege: Entweder, man stellt sich hin und sagt: "Das Bürgergeld ist gut, und es war eine richtige Sache" - was aber nicht geht, wenn man es gleichzeitig abräumt, was für die Union aber nicht verhandelbar ist. Deshalb bleibt so recht für die SPD nur noch Option 2 - sich so laut und so schnell wie möglich davon zu distanzieren. Ob das fruchtet, wird sich zeigen, eine richtig sinnvolle Alternative sehe ich nicht.

  • Der Niedergang der SPD hatte doch schon vor Jahrzehnten begonnen, sogar noch unter dem Parteivorsitz Willy Brandts. Zwar schleichend, aber es war nicht so, dass das nicht schon registriert und diskutiert wurde (z.B. der Machtverlust in Frankfurt/Main, z.B. die sinkende Attraktivität für Jungwähler). Damit fing es an.



    Dass die SPD unter Schröder dann noch mal so etwas wie einen vorübergehenden Boom erlebte (im Schlepptau übrigens von Blairs New Labour in GB), ist Gegenstand vieler Analysen und Debatten. Danach ging es dann nur noch steil bergab, wer kann sich noch an den hohen Verschleiß an Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten sowie v.a. an deren Namen erinnern?



    Dass die Scholz-SPD sich 2021 noch einmal knapp vor die Union setzen konnte, liegt nur daran, dass auch der Status von CDU und CSU als Volksparteien langsam, aber sicher bröckelt. Die Ampelkoalition unter Scholz hat nicht einmal eine ganze Legislaturperiode gehalten.



    Und jetzt greift der Niedergang sichtbar auch auf die ehemaligen SPD-Hochburgen und die Länderebene über. Auf kommunaler Ebene kann die SPD vereinzelt (wie z.B. in Schweinfurt) durchaus noch Erfolge feiern. Da sollten die Genossen mal genauer hinschauen.

    • @Abdurchdiemitte:

      Scholz hat die Wahl nur deshalb gewonnen, weil er in aller Ruhe zugeschaut hat, wie Söder Laschet abgesägt und Baerbock sich selbst ins Knie geschossen hat. Selbst hat er im Wahlkampf nicht viel gemacht und genauso hat er dann als Kanzler weiter seelenruhig zugeschaut, wie sich seine Koalitionspartner aneinander aufgerieben haben.

    • @Abdurchdiemitte:

      "Die Ampelkoalition unter Scholz hat nicht einmal eine ganze Legislaturperiode gehalten."

      Das hatte man freilich zuallererst aber Christian Lindner und seiner Bande zu verdanken. Ich glaube, die FDP in diese Regierung zu integrieren, war ein Fehler, der uns zu erheblichen Teilen die heutige Situation eingebrockt hat.



      Besser nicht regieren als mit denen regieren, wäre angesagt gewesen.



      Klar natürlich auch: Die Richtlinienkompetenz des Kanzlers war eher ausbaufähig...

      • @Der olle Onn:

        Für den Niedergang der SPD ist allerdings kaum die FDP verantwortlich zu machen.



        Genau genommen kann man das auch nicht auf Schröder und sein Einschwenken auf einen neoliberalen Kurs schieben (so wie das einige Foristen hier in entsprechenden Diskussionen immer wieder behaupten), denn es begann schon viel früher mit dem Abstieg.



        Soziologische Ansätze (demografische Entwicklungen in Deutschland, das Verschwinden traditioneller Millieus etc.) können viel besser als Verweise auf Programmatik und Personal erklären, warum die SPD politisch scheitern muss(te).



        Auch Klingbeil - was man auch immer von ihm halten mag (und ich persönlich halte nicht sehr viel von ihm) - kann nichts für diesen Abwärtstrend. Er verstärkt ihn höchstens. Selbst Godfather an der Parteispitze könnte nicht verhindern, dass die SPD eines Tages komplett obsolet wird.

  • "die SPD interessiere sich nur für das „untere Fünftel“ und andere Nischenthemen."

    Der Wähler ist halt leider nicht so vergesslich wie gewünscht. Daran ändern auch 2 Monate der Beteuerungen im Wahlkampf nichts.

    Am Ende geht's doch um die Geldbörse. Die SPD möchte den Armen weiter spendieren, den Arbeitern aber immer neue Belastungen zumuten. Wieso sollten die sie dann wählen? Es gibt dazu wahrlich null Gründe...

    Dazu kommen dann noch die gesellschaftspolitischen Themen.. Die Linkspartei gibts, dazu noch die Grünen. Das reicht.

    Die Mehrheit im Land will schön wohnen, Urlaub machen, nicht zu hart arbeiten, ist in festen hetero-Beziehungen und hätte gern Kinder, die behütet und sicher aufwachsen. Versprich genau das und nichts anderes und werd gewählt SPD..

  • Die SPD schneidet so ab, wie sie abschneidet, weil sie inzwischen nichts weiter als ein Erfüllungsgehilfe für schwarz und blau ist.

  • Wenn die Arbeiter mehrheitlich AfD wählen, dann weil eine SPD nicht ihre Interessen nicht mehr vertritt.

    Da kann man jetzt auf der AfD rumhauen, Bürgergeld fordern usw.



    Es hilft nix.

    Sie wählen keine SPD mehr.

  • Spannend finde ich den Satz, dass "linken NGOs das Geld gestrichen" wird. Als hätten der Staat die Pflicht oder als wäre es auch nur normal, dass in Zeiten, wo vieles nicht mehr finanzierbar ist, "linke NGOs" oder überhaupt "NGOs" Steuergelder bekommen müssen. Wofür steht der Begriff noch mal und betonen diese NGOs nicht immer, sie wären die "Zivilgesellschaft" und stünden für die "Demokratie".

  • Warum sollte man eine spd wählen, die selbst dann massiv einknickte als sie den Bundeskanzler "stellte" (v.a. vor lindners Epressungen).



    Auf Plakaten "Steuerschlupflöcher stopfen"- an der Regierung: Nix.



    Ohne Rückgrat und langfristige Visionen= keine Wählerstimmen.



    zu müde um alles aufzuschreiben.

    • @So,so:

      Langfristige Visionen oder ein glaubwürdiges Narrativ von einer besseren Zukunft hat doch gerade keine Partei zu bieten.

      Bestenfalls noch die AfD für ihre Zielgruppe. (Muss man halt mögen.)

      Das wäre also kein markanter Punkt, der den Absturz der SPD begründen würde.

      • @rero:

        meines wissens nach hat die afd ihren wähler*innen weder eine "langfristige vision" noch ein "glaubwürdiges narrativ" zu bieten, schon gar nicht für eine "bessere zukunft". und zwar unabhängig davon, ob man mag oder nicht mag, was die partei so erzählt. könnten Sie also mal ausführen, was sie damit gemeint haben?

    • @So,so:

      Ja, das Gefühl von Müdigkeit (und Sprachlosigkeit) stellt sich leicht ein, wenn man an den derzeitigen Zustand der SPD denkt. Ich kann und will dagegen nicht mehr aufbegehren, dazu bin ich der Partei zu lange entfremdet.



      Gibt es unter den immerhin noch über 300.000 SPD-Genoss*innen denn niemanden, der aus diesem Gefängnis der Koalition mit der Merz-CDU entfliehen möchte und sich gegen das eigene Parteiestablishment stellt? Es ist doch eine Schande, dass ausgerechnet ein Markus Söder sich offenbar mehr Sorgen um die Zukunft der SPD macht als die eigene Parteispitze um Bas und Klingbeil.



      Die SPD wird aus dieser Regierung ausgepresst wie eine Zitrone hervorgehen. Zuweilen vermisse ich SPD-Politiker vom Schlage des vor kurzem verstorbenen Marco Bülow.

    • @So,so:

      Knickt die SPD ein oder hat sie nicht bei ihren Handlungen die gleiche Klientel im Sinn wie CDU und FDP?

      Wer hat Still und heimlich die EU Mindestlohnrichtlinie nach Brüssel geschickt? Wer hat behauptet durch die Entlastungen hätten alle mehr,dabei traf das nur auf die besservienenden zu? Wer hat es ermöglicht dass jemand eine Milliarde als steuerfreie Schenkung bekommen konnte?

      Alles die SPD.

      Wobei ich unterscheiden möchte zwischen der Basis und der Führung.der Basis Kauf ich es ab,dass sie die Menschen in der Gesamtheit im Blick hat.

      Leider scheint die Basis auch nicht viel anders als die Mehrheit der Wähler zu sein. Wer sich gut ausdrückt wird gewählt und Worte sind gewichtiger als taten. Das trifft gefühlt auch auf die Medien zu.

      Aber gut meine Sichtweise kann auch totaler Mumpitz sein.

  • " Die Sozialdemokratie war meist stark, wenn sie Interessen von Unterprivilegierten und Mittelschicht verband."



    Ich denke, dass das nicht den Fakten entspricht. Weder Schmidt noch Schröder und selbst Scholz haben Unterprivilegierte im Fokus gehabt. Weder im Wahlkampf noch in der Regierung. Es scheint eher das Gegenteil richtig: Als Schröder Kumpel der Bosse war, da wurde die SPD gewählt, weil eine gute Wirtschaft steigende Löhne versprach.

    • @Tom Farmer:

      Richtig.

    • @Tom Farmer:

      Völlige Zustimmung. Vermutlich hat Gerhard Schröder sogar den Sozialstaat gerettet - hat meine 16jährige Tochter jedenfalls aus dem Politikunterricht so mitgenommen.

      • @Zuversicht:

        Und auch @hans Dampf , bar dieser Offensichtlichkeit kann ich immer nicht verstehen, dass der linke Teil der SPD oder auch JUSO Chef Türmer so renitent darauf bestehen, dass weitere Umverteilungen Wählerstimmen bringen.



        Ich behaupte mittlerweile: Das Wort Umverteilung wirkt mittlerweile allergisch auf 90% der Bevölkerung..... da ein angebliches Rezept für allesund total ausgelutschter Begriff.

        • @Tom Farmer:

          Das Wort Umverteilung wirkt vielleicht allergisch auf viele, weil viele dann gleich Angst haben, dass ihnen etwas weggnommen werden soll.



          Aber das Wort Gerechtigkeit wirkt nicht allergisch auf viele. Und eine höhere Besteuerung für Milliardäre und Superreiche (mehr als 100 Mill. € Vermögen) hat ebenfalls eine große Unterstützung in der Bevölkerung.

          • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

            Schon wenn das Geld dann in niedrigere Steuern für die Mittelschicht investiert wird. In günstige Energieversorgung dann bringt das Wählerstimmen. Wenn es in bürgergeld,ngo Förderung und Entwicklungshilfe fließt bringt es der AfD noch mehr Stimmen.

          • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

            "Das Wort Umverteilung wirkt vielleicht allergisch auf viele, weil viele dann gleich Angst haben, dass ihnen etwas weggenommen werden soll."



            Eine solche Sorge ist ja nun auch nicht von der Hand zu weisen. Wem wird denn in der Regel genommen? Dem oberen Drittel? Eher nicht...

          • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

            Die Frage ist nicht ob, sondern für exakt 'was' und das 'wie'.



            Und da hört man nix, aber bei jedem Problem: Mehr Geld und alles wird gut. Nervig.

  • Dass das Bürgergeld schuld an den Wahlpleiten sei, ist offenkundiger Unsinn. Denn dieses wurde ja kurz zuvor in seiner ursprünglichen Form abgeschafft und durch eine Regelung ersetzt, welche die Grenze der Verfassungsmäßigkeit hart austestet. Weiter rechts hätte hier auch eine schwarz-blaue Regierung kaum noch segeln können. Jenes Narrativ dient nur dazu, die SPD sturmreif zu schießen, damit diese sich auch weiterem Sozialabbau nicht verweigert (etwa im Bereich Gesundheit). Der ginge dann aber sehr wohl zu Lasten der "hart arbeitenden Mitte". Die Bürgergelddebatte war nur der Dosenöffner, um dann später auch die noch größeren Übel aus Pandoras Büchse lassen zu können.

    • @Kohlrabi:

      "Denn dieses wurde ja kurz zuvor in seiner ursprünglichen Form abgeschafft und durch eine Regelung ersetzt, welche die Grenze der Verfassungsmäßigkeit hart austestet. Weiter rechts hätte hier auch eine schwarz-blaue Regierung kaum noch segeln können. "

      Na, jetzt lassen wir die Kirche mal im Dorf. Die neue Grundsicherung ist in etwa die alte Grundsicherung von vor dem Bürgergeld und wahrlich kein rechtsextremes Konstrukt.

    • @Kohlrabi:

      Diese Einschätzung halte ich für richtig.

  • Das Problem der SPD war und ist ein anderes.



    Es ist richtig, dass Bärbel Bas vor den Kameras sagte, dass man nun eine Politik für die arbeitende Mitte machen wolle und dazu habe man ja auch schon die Regeln für Bürgergeld-Empfänger und Migranten verschärft und werde das auch weiter tun.



    Das Problem dabei ist, dass Bärbel Bas und die SPD offensichtlich nicht begriffen haben, dass nur weil die CDU und einige aus der arbeitenden Mitte sich darüber beklagen, dass man zuviel an Bürgergeld-Empfänger und Migranten gebe, diese nicht dadurch wieder SPD wählen, dass man Bürgergled-Empfängern und Migranten Gelder kürzt. Sondern erst dann, wenn man der arbeitenden Mitte mehr gibt. Und der arbeitenden Mitte hat die SPD in der Tat in den letzten Jahren zu wenig gegeben. Sondern eher der Wirtschaft, den Unternehmen und Unternehmern und sonstigen Personen, die sowieso schon viel haben. Z.B. die Stromsteuer wurde zwar für große Konzerne gekürzt, für Privatpersonen war dann aber kein Geld mehr da.



    Die SPD braucht eine Vision aus deinem Guss, mit der sie 50-70% überzeugen könnte. Hier wäre eine solche Vision: demokratieingefahr...ratie-und-die-spd/

    • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Eine Vision hat man - oder man hat sie nicht. Die spd hat sie nicht.

      Die spd-Funktionäre stammen überwiegend nicht aus der "hart arbeitenden Mitte". Dass sie die Interessen dieser "hart arbeitenden Mitte" vertreten wollen, nimmt man ihnen einfach nicht ab.

      • @test_name:

        Genau das ist das Problem. Man nimmt es ihnen nicht ab. Weil es auch einfach nicht so ist. Sonst hätten sie z.B. die Stromsteuer für die Arbeiter und Privatpersonen gesenkt.

    • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Danke für den interessanten Link. Schön, dass sich da noch jemand Gedanken zur Rettung der SPD macht. Ich persönlich habe das schon vor längerer Zeit aufgegeben.



      Klar ist aber auch, dass es eine linke Regierungsperspektive ohne bzw. mit einer derart geschwächten SPD niemals geben wird (die Grünen glaubten ja, die SPD beerben zu können, merken jetzt aber, dass ihre Bäume auch nicht in den Himmel wachsen).



      Aber wissen Sie was? Die Ursachen für den Niedergang der SPD sind vielschichtig und sie liegen weit zurück. Selbst mit besserem Personal und Programmatik stünden die Sozialdemokraten heute auch nur mit 15% da.

      • @Abdurchdiemitte:

        Ursachen für solche schwerwiegende Dinge wie den Niedergang einer Partei wie die SPD sind immer vielschichtig. Aber meinen Sie nicht, dass ein der wichtigsten Ursache darin liegt, dass die SPD unter Schröder den Unternehmern und Wohlhabenden unter Schröder mehr gegeben hat in der Hoffnung, dass dadurch es auch den Arbeitern und abhängig Beschäftigten wieder viel besser geht. Aber dass es im Endeffekt nur den Wohlhabendsten unglaublich viel gebracht (deren Vermögen ist seitdem explodiert), aber die unteren 30-70% haben davon nur wenig gehabt.



        Eine Programmatik, die besagen würde, dass alle von den Wohlstandsgewinnen gleichermaßen profitieren müssen (nicht vor allem die reichsten 1-10%), würde der SPD meiner Meinung nach erheblich mehr Stimmen bringen als 15%.



        Natürlich war das nicht nur Schröder, sondern auch Blair mit New Labour etc. Das war damals Mode, weil es die neoliberale Propaganda allen eingebläut hat, dass Deregulation allen hilft. Aber im Endeffekt hat es vor allem den reichsten geholfen und die anderen mussten die Zeche bezahlen durch immer mehr Staatsverschuldung und dadurch immer schlechtere Bildung, Gesundheitsversorgung , Infrastruktur etc.

        • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

          War es wirklich Schröder mit seiner neoliberalen Agendapolitik, der die SPD kaputt gemacht hat? Die einen sagen dies, die anderen sagen das. Selbst unter SPD-Genoss*innen ist das umstritten. Vielen von denen wäre ein programmatischer Linksrutsch doch der reinste Horror. Mehrere Versuche der Parteilinken und der Jusos, einen Linksschwenk zu erzwingen (z.B. die NoGroko-Kampagne, z.B. der im Wahlkampf allzu schnell entgleiste Schulz-Zug, z.B. aktuell das Mitgliederbegehren zum Bürgergeld), sind krachend gescheitert.



          Ich sage nicht, dass ich persönlich Schröders Hartz IV-Reformen für richtig gehalten habe. Aber die SPD-Basis für ein linkes Pedant zur rechten Parteiführung zu halten, sozusagen für einen schlafenden Riesen, der nur geweckt werden müsse, um die SPD wieder auf den richtigen Kurs zu bringen, halte ich für eine eklatante Fehleinschätzung.



          Von der SPD-Basis ist in dieser Frage nicht viel mehr zu erwarten wie von Bas oder Klingbeil. Und Pistorius sowie andere Parteigranden haben sich nach der RLP-Wahl doch sehr beeilt, diesen Selbstaufgabe-Kurs der SPD-Vorsitzenden in der Merz-Koalition unisono den Rücken zu stärken.