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18-Jährige beantworten Briefe nichtDie Bundeswehr ghosten

Kommentar von

Adrian Breitling

Über ein Viertel der jungen Männer ignoriert die Briefe der Bundeswehr. Angesichts der Intransparenz der Politik ist das nur konsequent.

Viele junge Männer haben keine Lust auf Musterung und Bundeswehr Foto: Felix Zahn/imago

W er einen dieser Sticker mit der Aufschrift „Keine Werbung“ auf den eigenen Briefkasten gepfapft hat, der weiß vermutlich: Das klappt wirklich. Meistens jedenfalls. Doch auch der größte Sticker wird nicht verhindert haben, dass in diesem Jahr rund 200.000 Werbezettel der Bundeswehr ihren Weg in die Briefkästen 18-Jähriger gefunden haben.

Bei diesen Zustellungen handelt es sich nämlich nicht um „normale“ Werbung, sondern um Anwerbeversuche des Staates. Per Brief erfragt die Bundeswehr aktuell, wer von den 18-jährigen Lust auf Schlammkriechen und Ballern hat. Sie will wissen, wie viel die Jungs wiegen, was sie gelernt und vor allem wie viel Bock auf Bundeswehr sie auf einer Skala von 0 bis 10 haben.

Für junge Männer ist eine Rückmeldung Pflicht. Laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland beantworteten trotzdem 28 Prozent von ihnen die Briefe nicht. Zehntausende Jungs ghosten den Staat. Das ist nicht nur im Sinne ihrer Generation konsequent, sondern auch politisch. Der Unklarheit der Bundeswehr begegnen sie nämlich mit deren eigenen Waffen.

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So war die Bundesregierung mit ihrer Reaktivierung des Wehrdienstgesetzes zum 1. Januar kein Vorbild in Sachen Transparenz. Die Gesetzesmacher drücken sich davor, zu sagen, was sie wirklich wollen: Kontrolle.

Neulich etwa wurde bekannt, dass nach dem zurechtgeschusterten Gesetz Männer zwischen 17 und 45 Jahren eine Genehmigung von der Bundeswehr brauchen, wenn sie das Land länger als drei Monate verlassen wollen. Doch das Verteidigungsministerium versuchte zu beschwichtigen: Es gibt jetzt eine Ausnahmeregelung, Reisen ohne Genehmigung bleibt erlaubt. Als müsse man dafür dankbar sein.

Verweigert oder vercheckt?

Ob so viele Jungen die Bundeswehrbögen nun aus politischen Gründen ignorieren oder einfach übersehen haben, ist unklar. Für manch einen der angeschriebenen Digitalgebürtigen könnte immerhin auch eine ganz andere Frage im Fokus stehen, nämlich die, was ein Brief eigentlich ist.

Immerhin hat sich seit 2007 die Zahl der verschickten Briefe in Deutschland fast halbiert. Und vor ein paar Tagen ist die Deutsche Post, ganz konsequent, auch namentlich im Mutterkonzern DHL aufgegangen.

So ein echter Brief aus totem Baum erinnert zumindest daran, dass es beim Wehrdienst um greifbare, physische Konsequenzen geht

Dass die Bundeswehr trotzdem versucht, per Papier an neue Rekruten zu kommen, ist insofern zwar altmodisch, aber wahrscheinlich besser, weil seriöser als die Versuche vergangener Jahre, die Jugend mit Youtube-Dokus über Einsätze in Mali oder Besuchen auf der Gamescom ungefragt da abholen zu wollen, wo sie steht. So ein echter Brief aus totem Baum, der erinnert zumindest ein bisschen daran, dass es beim Wehrdienst um greifbare, physische Konsequenzen geht.

Auch die Briefe der Bundeswehr haben schon jetzt Konsequenzen. So will das Verteidigungsministerium den Fällen der Ghoster nachgehen und notfalls Bußgelder verhängen. Dass eine Musterung inklusive „Eiergriff“ noch keine Pflicht ist, liegt auch nur daran, dass es bisher keine ausreichenden Kapazitäten gibt.

Auf all das hat ein erheblicher Teil der Jungen offensichtlich keine Lust. Die Bundeswehrbriefe ungeöffnet zwischen zwei Pizzakartons ins Altpapier zu schmeißen, ist dabei nicht ihre einzige Methode, sich gegen den Wehrdienst zu wehren. Auf das gute alte Recht auf Kriegsdienstverweigerung beriefen sich allein im ersten Quartal dieses Jahres gut 2.600 Menschen. Die Zahlen sind damit auf Rekordkurs.

Und dann gibt es noch eine andere, ganz analoge Variante, zu der Zehntausende greifen: sie streiken. Für Freitag, den 8. Mai haben die Organisatoren der Schulstreiks gegen den Wehrdienst einmal mehr auf die Straße gerufen. Statt per Brief antworten die jungen Leute mündlich, sozusagen per analoger Sprachnachricht. Die Verantwortlichen sollten hinhören. Auch ohne Pflicht.

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103 Kommentare

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  • Vielleicht gelingt uns ja beides.



    - Putin von weiteren Angriffe für eine Sowjetunion II abzuhalten und dafür die Bundeswehr wieder verteidigungsfähig zu machen



    - Nicht Abermilliarden den Großaktionären der Rüstungsfirmen zuzuschanzen und Klugheit und Effizienz stattdessen walten zu lassen; auch nicht in den Altsprech von "dem Russen" zurückzugehen

  • Am Ende des Fragebogens steht dieser Punkt:



    "Datenschutz*



    [Kästchen zum Ankreuzen] Ja, ich akzeptiere die Datenschutzinformation zur Bereitschaftserklärung (Online-Fragebogen)"



    (Pflichtfelder sind mit einem Stern (*) markiert).

    Damit dieser Punkt Sinn ergibt, müsste es auch die Möglichkeit geben, das Einverständnis zu verweigern, zumal es völlig unsicher ist, wohin die Daten weitergegeben werden und wer sie wie lange speichert.



    Wer allerdings das "Einverstädnis" nicht gibt, kann den Fragebogen nicht absenden und riskiert somit eine heftige Geldbuße.

    Eine auf diese Weise erzwungene "Einverständniserklräung" ist offensichtlich ungültig. Die mit dem Fragebogen erhobenen Daten dürfen somit weder gespeichert noch sonst irgendwie weiterverarbeitet werden!

  • Ich bin nichts, ich kann nichts, bekomme ich auch eine Uniform?

    • @Retsudo:

      Ich meine, dass diese Rückmeldung der Bundeswehr auch schon wieder helfen würde. Dann können sie feststellen, dass schon mal X Prozent irgendwie nicht so richtig geeignet sind, wenn man die Wehrpflicht zieht.

      Ich bin optimistisch, dass sich einige Leute als sehr motiviert zeigen, wenn sie sagen wir mal 5.000 EUR im Monat und eine ordentlich Unterkunft und erstklassige Verpflegung erwarten können, oder?

      Für einen lebensgefährlichen Job wäre das doch nun wirklich nicht so viel und man kann sich bestimmt den Versand der Fragebögen vermeiden, weil sich über die Webseite schon genug Leute mit Belegen für sportliche Fähigkeiten melden.

      Oder Drohnenpiloten mit 10 Jahren Computerspieltraining...

      Wenn man das so macht

    • @Retsudo:

      Nach dem Frontaufenthalt sind Sie nicht mehr, können nichts mehr und bekommen vielleicht ein Grab.

    • @Retsudo:

      Nee, für solche Leute hat die Bundeswehr keine Verwendung.

      • @Biker-Ffm:

        Ich denke ich würde mir den Anforderungen gut reinpassen oder muss man noch sein Hirn abgeben um sich zu qualifizieren?

  • Wehrdienst / Wehrpflicht, wohl eher den Kopf hinhalten sollen für missratende Leutz, die sich als Politiker bezeichnen möchten und deren inkompetente, oftmals nicht einmal abgebende Arbeitsergebnisse. Für angebliche " Volksvertreter " die im Sinne der Interessen von Industrie-, Wirtschafts- & Kapitalstrukturen agieren, anstatt ihrer Aufgabe, unser Volk zu vertreten - agieren.

    • @Alex_der_Wunderer:

      Glauben Sie, dass irgendein Politiker Putin von seinen imperialistischen Träumen abbringen könnte?

      Wenn ja - was müsste der können?

      Merkel hat es über enge wirtschaftliche Einbindung probiert - und ist damit gescheitert.

      Bzw. lief es nich mehr, nachdem sie abgedankt hatte.

      Trump umwarb ihn als Freund.

      Nutzte auch nichts.

      Die Position von AfD und Linke verspricht eine gewisse Wirksamkeit.

      Nur müsste man dann verschiedene andere Gesellschaften die Solidarität aufkündigen.

      Ohne Putins Angriff würden wir heute die Bundeswehr nicht in Schuss bringen wollen.

      • @rero:

        „Glauben Sie, dass irgendein Politiker Putin von seinen imperialistischen Träumen abbringen könnte?

        Wenn ja - was müsste der können?“



        Er müsste aus einfachen Verhältnissen stammen, russischen Energieprojekten verbunden sein, eine Agenda haben, bodenständig und nicht zu groß sein, Flaschenbier trinken, Zigarre rauchen, öfter mal verheiratet sein, auf Haarfärbung verzichten und Verstimmungen mit Lafontaine pflegen.

  • taz: *Per Brief erfragt die Bundeswehr aktuell, wer von den 18-jährigen Lust auf Schlammkriechen und Ballern hat. [...] Die Bundeswehrbriefe ungeöffnet zwischen zwei Pizzakartons ins Altpapier zu schmeißen, ist dabei nicht ihre einzige Methode, sich gegen den Wehrdienst zu wehren.*

    Das Vorgehen der Bundeswehr ist ein klassischer Verwaltungsakt mit Zugangsfiktion (§ 41 Abs. 2 VwVfG). Das bedeutet: Ein Brief gilt drei Tage nach der Aufgabe bei der Post als bekannt gegeben. Die Bundeswehr verschickt die Wehrdienst-Fragebögen derzeit als einfachen Brief per Post und nicht als Einschreiben - denn das zusätzliche Geld für ein Einschreiben möchte man sich wohl sparen. Da über 70 % der jungen Männer aber brav antworten, funktioniert dieses Massenverfahren wohl sehr gut.

    Braucht man tatsächlich wieder so viele Soldaten in Deutschland? Nun ja, es sieht eher danach aus, dass Rüstungskonzerne für ihre Kriegswaffen Soldaten brauchen. Und das Rüstungslobbyisten Einfluss auf das politische Geschehen nehmen, ist ja schließlich auch kein Geheimnis. Für das Jahr 2026 plant Deutschland eine massive Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf über 108 Milliarden Euro.

  • Was passiert eigentlich, wenn jemand einfach Unfug in den Fragebogen einträgt? So in der Art:

    Gewicht 350 kg



    Größe 0,3 m



    usw.

    Die sollen ehrlich sein, die Wehrplicht wieder einführen und den Jugendlichen statt Müll über einen "interessanten" Beruf die Wahrheit erzählen. Armee ist ein nicht schön, sondern ein großer Haufen Sch... Aber eben notwendige Sch....

    • @warum_denkt_keiner_nach?:

      Wieso Unfug?

      • @Yes:

        Ein 30 cm hoher Mensch mit einem Gewicht von 350 kg ist unmöglich 😉

  • In der einstigen DDR war ein echtes Verweigern nicht möglich. Alternativ bekam man die 18 Monate Pflicht eben als Spatensoldat aufgedrückt, was eher noch schlimmer war, der zu erwartenden Schikane wegen.



    Ich kenne nur einen persönlich, der sich das damals antun ließ. Der hatte dennoch und ebendeswegen meine vollste Hochachtung.

    Selbst "durfte" ich mit Reserve insgesamt 21 Monate abdienen. In dieser Zeit habe ich so viele Grenzdebile unter meinen Vorgesetzten aller Dienstgrade erlebt, dass ich jedem nur davon abraten kann sich zum Militär und damit unter irgendeine Befehlsgewalt zu begeben. Und erzähle mir keiner das sei in einer demokratisch geführten Armee natürlich ganz anders...

    Insofern habe ich vollstes Verständnis für jeden, der sich von vornherein dem ganzen Procedere verweigert. Würde ich heutzutage wahrscheinlich genauso machen.



    Sich als Außenstehender, von dieser Maßnahme "Nichtbedrohter" darüber zu erregen ist mir zu einfach. Egal was man den Verweigerern unterstellt.



    Jeder Tag, an dem ein Mensch nicht selbst über sein Tun und Lassen bestimmen kann, ist für die allermeisten letztlich vor allem verlorene Lebenszeit.

    • @Der olle Onn:

      Dem kann ich aus eigener Erinnerung völlig zustimmen (mit dem einzigen Unterschied, dass ich den Reservedienst mithilfe einer Sportverletzung vermeiden konnte :-))

      Aktuell hätte meine Ablehnung aber noch weniger mit erwartbaren inkompetenten Vorgesetzten zu tun, sondern vor allem mit einer m.E. gänzlich fehlgeleiteten politischen Führung, für deren Ziele ich nicht den Kopf hinhalten wollte ... selbst wenn meine unmittelbaren Vorgesetzten super wären.

    • @Der olle Onn:

      "Bei der Fahne (NVA) findest du die größte konzentrierte Sammlung von Idioten." O-Ton von meinem Vater. Und ich mußte ihm recht geben.



      Wenige Jahre später hatte ich durch Bekannte noch ein paar Einblicke, dann gab es noch die eine oder andere Doku, verändert hat sich da nicht wirklich etwas.



      Ich verstehe jeden, der sich nicht als verheizbares Menschenmaterial für diesen Staat zur Verfügung stellt, der nur noch Politik für die oberen zehn Prozent macht.

  • Ich finde eine Rückmeldung plus gleich dazu KdV besser als keine Antwort. Es wäre doch ganz gut, wenn man doch schneller statistisch Erkenntnisse hat. Und dann vielleicht diese absurde Wehrpflicht nie erforderlich wird.

  • "Das ist nicht nur im Sinne ihrer Generation konsequent, sondern auch politisch"

    Na ja, alle, die jetzt nicht geantwortet haben, für eine politische Agenda zwangszurekrutieren, halte ich für schwierig.



    Manche werden auch ganz schlicht keine Lust gehabt haben...wir reden hier schließlich von (mehrheitlich) 18 jährigen.

  • Da ist es anscheinend einigen schon zuviel zu sagen was sie bereit wären für ihr Land zu tun. Und das wo jede Antwort akzeptiert wird.

    Traurig.

    • @metalhead86:

      Ich finde das ermutigend. Der alte Spruch "Stell dir vor ..., und keiner geht hin", den alle nur noch für belanglos naive Nostalgie gehalten haben, bewahrheitet sich am Ende doch. Wir sind ja nicht in der Ukraine, und selbst da hat sich das Bild gewandelt und viele entziehen sich.

      • @Günter Picart:

        Man sollte den Spruch auch immer vollständig zitieren. Denn es geht nach dem "... und keiner geht hin" noch weiter und so isses leider mit Putin

      • @Günter Picart:

        Bei den Ukrainern bin ich mal gespannt wie man die Rückkehrer später wieder auf nimmt sollte der Krieg zu Ende gehen?

  • Das fast 3/4 den Brief beantwortet haben ist doch erstmal gar nicht so schlecht. Bei den restlichen Jugendlichen ist mit Sicherheit auch nicht bei allen der politische Protest der Grund, das sie (noch) nicht geantwortet haben.



    Wehrpflicht gibt es schon seit vielen Jahren, sie wurde nur vorübergehend ausgesetzt und jetzt werden aufgrund der veränderten Lage wieder Wehrpflichtige gebraucht. Es ist also keine neue Erfindung, aber aktuell ist der Wehrdienst noch freiwillig. Das mit der Verweigerung war in meiner Jungend noch schwieriger.



    Die Regelung mit Genehmigung für längeren Auslandsaufenthalt war damals schon im Gesetz. Und mit ein bisschen gutem Willen weiß jeder, dass diese Regelung unter normalen Umständen nicht zur Anwendung kommt.

  • Die Bundeswehr ist ja eine urdeutsche Behörde, da dauern Verwaltungsvorgänge schon mal länger. Daher gehe ich mal davon aus, die haben sich die Vorgänge auf Wiedervorlage gelegt, für nächstes Jahr Ostern.

  • Die Wehrpflicht war für ein paar Jahre ausgesetzt. Es gibt also ein paar Jahrgänge, für die es kein Thema war. Jetzt fällt die Wehrpflicht ja nicht vom Himmel, bestenfalls das Ende der Aussetzung. Was aber auch irgendwie absehbar war. Und da argumentieren die nun wieder Betroffenen, als wäre das Ganze eine ganz neue Erfindung, nur um ganz speziell sie zu drangsalieren. Da bitte mal den Blickwinkel neu justieren.



    Wer nicht freiwillig möchte, darf das gerne so angeben. Wer nie und nimmer möchte kann und soll bitte verweigern. Aber eine Antwort ist geboten. Auch schon wegen der von anderen erwähnten selbstverständlich in Anspruch genommenen Leistungen.



    Überspitzt: Der Bafög-Satz mag den Betroffenen zu niedrig sein. Nicht auf besagten Brief antworten ist aber im Vergleich wie gar keinen Bescheid und somit auch kein Geld bekommen. Bitte zumindest dazu mal aufraffen.

  • Das ist schon alles wieder sehr deutsch - Paperland mit Drangsalierungsexpertise.



    Per Brief verschickt und Bußgeld, falls man nicht antwortet? Oh Mann, sie könnten bei keiner Reaktion ja auch einfach skandinavisch locker die Fiktion ins Gesetz hineinschreiben, dass das Interesse dann wohl "0 von 10" ist.



    Es sind doch eh nicht genug Plätze da. Und wenn die Hälfte verweigert, müssten auch erst einmal so viele Ziviplätze geschaffen werden.



    Aber es geht wohl nicht gar um Effizienz, sondern um eine Machtdemonstration der Boomer gegenüber widerspenstigen Postmillenials.

    • @hedele:

      Wenn sie bei Nichtbeantworten einfach sagen: Dann werten wir das als "kein Interesse", dann können sie sich den Quatsch mit der Beantwortungspflicht auch gleich sparen.

    • @hedele:

      Letzteres würde nur Sinn ergeben, wenn die "Boomer" etwas forderten, was sie selbst nicht bereit waren zu leisten. Spätestens an diesem Punkt fällt die "Böse-Boomer"-Argumentation in sich zusammen.

  • F.W. Bernstein merkte fein an:



    „ [....]



    Der Griff an die Eier des Gastes:



    Skandal! Nur selten passt es.



    (ZUGRIFF)"



    taz.de/picture/618...00/32500455-1.jpeg

  • Ich habe mich mit 16 oder 18 auch quer gestellt, wenns um etwas ging, was mir nicht in dem Kram passte. Und natürlich tue ich das heute auch noch, wenn ich etwas nicht i.O. finde.



    Briefe zu ignorieren ist aber grundsätzlich keine gute Sache und bringt auch selten Erfolg, sondern eher Ärger. Spätestens mit dem ersten Einschreiben ist es mit Ignorieren eh vorbei.

    Positiv finde ich, das viele offenbar das Ganze hinterfragen. Auch die Sinnhaftigkeit der ganzen Aufrüstung und sich die Frage stellen, ob der Russe wirklich nächstens vor unseren Türen steht. Da hat die Diskussion über die Wehrpflicht dann doch noch etwas Gutes.

  • Trotz der Intransparenz der Politik lebt man immer noch in einem Land, aus dem man sich ohne Probleme in ein anderes, in dem ja alles so viel besser ist, abseilen könnte.



    Die Rosinen im Kuchen werden immer weniger, vielleicht muss man auch irgendwann mal den Kuchen berücksichtigen.

    • @Erfahrungssammler:

      Sollen die halt Kuchen essen, wenn die Rosinen alle sind...

  • Die meisten weigern sich nicht die nicht antworten sondern sie antworten einfach nicht weil sie es vergessen!

    • @Marcelo:

      Worauf stützen Sie Ihre These?

      • @DerLurch:

        weil es der Realität entspricht, es ist wie Hausaufgaben machen, man soll sie machen aber die meisten machen sie auch nicht und sie wissen ganz genau das es Konsequenzen gibt

  • Dann muss es wohl einfach so wie früher gemacht werden.



    Verpflichtende Musterung.



    Dann kann man immer noch verweigern.



    So war das bei mir und ich habe Zivildienst gemacht.

    Und noch so ganz nebenbei:



    Freiheit muss verteidigt werden, dafür muss gekämpft werden. Sonst ereilen einen weit schrecklichere Dinge als ein Pflichtdienst.

    • @si tacuisses:

      Achwas. Gegen die AfD muss gekämpft werden, aber dafür brauchen wir keine Soldaten. Und Ballermänner finden sich im Fall der Fälle immer genug, im Ernstfall strömen die Freiwilligen an die Gewehre, das ist immer so. Da sollte man dann aber nicht dabei sein und sich schon gar nicht im Voraus zu irgendwas verpflichten.

    • @si tacuisses:

      Die Kapazitäten die allgemeine Wherpflicht wiederzubeleben sind leider sehr gründlich abgeräumt worden. das dauert Jahrzehnte bis das wieder geht. Die Kreiswehrersatzämter wurden geschlossen, die Gebäde verkauft, das Personal abgebaut. Und wir leben in einer Zeit des allgemeinen Arbeitskräftemangels.

      Die Wehrpflicht wurde ja nicht ausgesetzt, weil man nicht mehr wollte oder nicht mehr konnte, sondern zu Guttenberg Budgetkürzungen durch Merkel hinnehmen musste.

  • Konsequent wäre es dann aber auch alle Schreiben von staatlichen Stellen zu ignorieren und auch auf die soziale Hängematte zu verzichten. Ist es wirklich so viel verlangt einen Brief zu beantworten? Man verpflichtet sich damit ja nicht zum Militärdienst.

    • @FraMa:

      Es gibt keine soziale Hängematte. Das ist ein konstruiertes Feindbild.

  • Wo kommen wir hin, wenn mit einem Mal „normale“ Briefe unter Androhung einer Ordnungsstrafe beantwortet werden müssen?



    Bin gespannt, wie diese Konstruktion weiter trägt.



    Testen könnte man so etwas sinnvoll auch mal, indem die Behörde alle Besitzer einer Gasheizung anschreibt und diese (unter Androhung einer Ordnungsstrafe) um Erklärung zur Zukunft bittet. Würde die Energie-Planung erleichtern.

  • Ich denke viele Briefe kommen nicht an. Die Post funktioniert in doch schon lange nicht mehr. Und der tolle E Brief die Deutschland macht alles besser Version der E-Mail war ja auch ein Rohrkrepierer. Nun scheitert der Staat an der Infrastruktur die er Kaputtgespart hat.

  • Mal so ganz praktisch gedacht:



    Briefe die nicht per Einschreiben kommen hätte ich nie erhalten.

    • @Schängel:

      §41 (2) S.1 VwVfG: "Ein schriftlicher Verwaltungsakt, der im Inland durch die Post übermittelt wird, gilt am vierten Tag nach der Aufgabe zur Post als bekannt gegeben."

    • @Schängel:

      "Briefe die nicht per Einschreiben kommen hätte ich nie erhalten."

      Dann keine Beschwerden wenn die Behörden wegen gestiegener Bearbeitungskosten auch die Gebühren erhöhen.

  • Einfach den Staat ghosten, von dem man ansonsten alle Leistungen ganz selbstverständlich erwartet (z.B. kostenlose Bildung für junge Menschen) ist vor allem eins: unhöflich.

    Wie schwer kann es sein, diesen Brief zu beantworten? "Nein, ich habe kein Interesse am freiwilligen Wehrdienst" ist ja eine erlaubte Antwort. Und mal 10 Minuten über das eigene Leben nachzudenken und was man damit anfangen will, hat schon jedem jungen Menschen gutgetan.

    Im Rahmen der Gleichberechtigung wäre ich im Übrigen dafür, dass hierbei keine Diskriminierung nach Geschlecht stattfindet.

    • @Winnetaz:

      Vielleicht wirds Ihnen so deutlicher, was ich meine: Echt jetzt? Den Protest als "unhöflich" abzutun, ist ein ziemlich billiger Trick. Bildung ist ein Grundrecht und kein Gutschein, den man mit militärischem Gehorsam einlöst. Und der Vergleich mit Diktaturen? Reiner Whataboutism. Nur weil es woanders mies läuft, heißt das nicht, dass man hier jede neue Kontrolle einfach durchwinken muss.

      Ob der Zivildienst früher mal "lustig" war, ist für die aktuelle Rechtslage mit Datensammlung und Bußgeldern auch völlig egal. Wer Kritik als "undankbar" oder "bequem" abstempelt, weicht der eigentlichen Debatte über staatliche Transparenz nur aus. Am Ende wird hier bloß moralischer Druck aufgebaut, um die berechtigte Skepsis gegenüber neuen Pflichten kleinrede.

    • @Winnetaz:

      Wollen oder können sie die Argumente nicht verstehen? Das bedeutet ja nicht gleich anerkennen.

      Im Übrigen, wenn das Ignorieren sanktionsbehaftet ist, ist Höflichkeit ja nicht der Maßstab.

      • @Davin_112:

        Er brachte Argumente. Was meinen Sie zu denen?

      • @Davin_112:

        Also das Argument, dass der Staat hier "Kontrolle" erlangen will, ist doch Blödsinn. Der Staat kennt seine Bürger so oder so. In den meisten Fällen, um ihnen mit staatlichen Leistungen zu dienen (Bildung, Gesundheit, Vorsorge, Sicherheit, Papiere für Urlaubsreisen). Ein bisschen Mitarbeit kann man da schon erwarten. Wir schieben hier in Deutschland als Bürger schon eine ruhige Kugel in Frieden und Freiheit. Vergleichen Sie einfach mal mit dem Rest der Welt und den vielen Diktaturen und "failed states", was für paradisische Zustände wir haben - dank eines funktionierenden Staates!!

        Ich hab zu meiner Zeit übrigens BW verweigert und zivil gedient. War sinnvoll und sogar ein Stück weit lustig.

        • @Winnetaz:

          Warum darf man das Procedere in D nicht kritisieren, nur weil es woanders noch schlimmer ist? Wir diskutieren ja nicht, ob wir uns wehren können müssen, oder ob Bürger nichts für den Staat tun müssen.



          Es geht hier um etwas sehr konkretes, während Sie, rhetorisch hier manipulieren.



          Als nächstes setzen Sie allgemeine Verwaltung mit einer spezifischen, verpflichtenden Datenerhebung für militärische Zwecke gleich - auch das ist unlauter, weil falsche Äquivalenz. Es besteht ein qualitativer Unterschied, ob der Staat Daten zur Bereitstellung von Infrastruktur nutzt oder ob er junge Männer unter Androhung von Bußgeldern verpflichtet, Auskunft über ihre physische Verfassung und ihre psychische Bereitschaft zum Kriegsdienst („Bock auf Bundeswehr auf einer Skala von 0 bis 10“) zu geben.



          Der taz-Artikel kritisiert nicht die Existenz des Staates an sich, sondern die Art und Weise der Kommunikation und die Intention hinter den Fragebögen. Zu behaupten, der Staat funktioniere nur wegen dieser "Mitarbeit", ist eine unbelegte Behauptung, die die eigentliche Frage nach der Verhältnismäßigkeit umgeht.



          Wie Sie ihr persönliches Leben gestaltet haben ("zivil gedient" tut nichts zur Sache.

        • @Winnetaz:

          Meine Zustimmung.



          Es scheint uns hier einfach zu gut zu gehen. Ich bin noch mit der Gefahr des Kalten Krieges aufgewachsen. Die war in den 80ern da und als Kind ständig präsent.



          Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks kam die Überzeugung das wir in eine Friedensphase mit Annährung gehen. Die kam dann auch erst mal und haben alle in trügerischer Sicherheit wiegen lassen. Und man hat das gerne so angenommen.



          Leider war das trügerisch.



          Das müssen die jungen Menschen heute anerkennen und verstehen, dass man sich gegen Gefahren wappnen muss. Am besten so stark, dass niemand auf die Idee kommt, die Abwehrfähigkeit auszutesten.



          Die paradiesischen Zustände die wir in West- und Mitteleuropa haben sind keine Selbstläufer. Das kapieren viele einfach nicht. Auch hier im Forum.

          • @si tacuisses:

            Ich glaube nicht, dass bei den "jungen Menschen" oder generell bei denen, die Aufrüstung kritsch sehen, ein Verständnisproblem vorliegt.



            Im Gegenteil, sie verstehen die Situation sehr gut, ziehen aber andere Schlussfolgerungen daraus. Das ist mindestens genauso legitim, wie die Position der Aufrüstungsbefürworter. Historisch vielleicht sogar deutlich besser begründbar.

    • @Winnetaz:

      Der Staat ghostet ja viele Bürger auch regelmäßig, wenn sie sich mit verschiedensten Anliegen an Behörden / Ämter wenden.

    • @Winnetaz:

      Vielen Dank, das sehe ich auch so.



      Ich finde es bizarr, wie dieses unhöfliche Verhalten hier abgefeiert wird.



      Naja, unerwartet ist es ja nicht.

      • @Katharina Reichenhall:

        @ Katharina Reichenhall



        Echt, Sie finden es auch unhöflich, wenn man Sie von der Regierung auffordert, sich zum Abschlachten bereit zu erklären.



        Hätte ich jetzt bei Ihnen, nicht so direkt erwartet, schon fast etwas Aufmüpfig...

        • @Alex_der_Wunderer:

          Sich auf dem "Feld der Ehre" abschlachten zu lassen. 💀

          In den beiden Weltkriegen nutzten übrigens Generäle und Politiker den Begriff ("Feld der Ehre") massiv, um von der grausamen Realität des Sterbens abzulenken und die Soldaten ideologisch zu binden.

          Politiker waren allerdings schon damals nur sehr selten auf dem Schlachtfeld und Generäle waren auch eher im sicheren Kommandostand. Man fragt sich schon, wo deutsche Politiker bei einem Krieg wohl heutzutage wären.

          Das massive Aufrüsten, was Deutschland jetzt betreibt, ist ja auch schon so eine Art "Säbelrasseln". Vielleicht sollte unsere Regierung mal einen Gang herunterschalten, aber dann würden wohl die Lobbyisten aus der "Kriegsindustrie" mächtig 'Sturm laufen'.

          • @Ricky-13:

            @Ricky-13



            Nun ja, Schlachtfelder sollten im 21. Jahrhundert eh passe' sein. Schlachtfelder haben auch eher mit Dummerhaftigkeit und Vollversagen zu tun als mit Heldentum - & Politiker, was sollen da denn die Maulhelden verzapfen & mit Ehre, wissen wir doch - haben Maulhelden es eh nicht so sehr...



            Verantwortung übernehmen heißt ja auch bei Maulhelden - erst Scheiße bauen und dann ganz fix wechlaufen...🤑

  • ...oder die Angeschriebenen können nicht antworten, weil ihnen die sprachliche Kompetenz fehlt. Das Konzept gehört überarbeitet: Kontaktaufnahme per App Bildchen im Memphis-Corporate-Stil, Zustimmen oder Ablehnen per Knopfdruck - das funktioniert.

    • @Kelkin:

      Da der Brief einen QR-Code enthält, sollte die Kommunikation in der Theorie durchaus herstellbar sein.

    • @Kelkin:

      Der Mensch sollte sich nicht zum leichten hin orientieren. Salopp gesprochen wird dann auch das Gehirn leichter und hat mehr Platz für App-Bildchen.



      Um zu wachsen und zu reifen muss man sich halt zum schweren und lustigen hin orientieren. Macht halt keinen Spaß und tut manchmal auch weh.



      Oder mit Rilke: "Die Menschen haben alles zum leichten hin gelöst, und nach des leichtesten leichter Seite..."



      Dabei stellt sich dann aber schon die nächste Frage: Soll man diejenigen, welche nur noch App-Bildchen im Kopf haben überhaupt noch schützen und verteidigen?

  • Ich selbst bin mit 75 Jahren schon lange jenseits des Alters das von der Wehrpflicht betroffen sein könnte.

    Angesichts der Intransparenz der Politik und der sich steigernden Kriegsrethorik kann ich das Verhalten der betroffenen jungen Männer durchaus nachvollziehen, wenn es mir auch nicht gerade sinnvoll scheint.

    Der Weg sich beraten zu lassen und einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung zu stellen ist da m.E. zielführender.

    Russland versucht seit mehr als vier Jahren - mit verheerenden Folgen aber bisher erfolglos - die Ukraine militärisch zu unterwerfen.



    Trotzdem wird in Teilen der Presse regelmäßig so getan, als stünde "der Russe" direkt vor unserer Tür, bereit mit seiner Übermacht uns oder andere Nato-Staaten anzugreifen. Es wird z.B. spekuliert, ob die Insel Rügen als erstes Ziel für eventuelle Angriffe in Frage käme.... oder Estland, oder.... und die Rüstungsindustrie hat Hochkonjunktur.

    Momentan ist keine Rede mehr von Abrüstung, oder längerfristigen diplomatischen Initiativen um künftig die Kriegsgefahr in Europa wenigstens zu senken.



    Unter diesen Bedingungen von jungen Männern Bereitschaft zum freiwilligen Kriegs- bzw. Wehrdienst zu erwarten ist abwegig.

    • @Bürger L.:

      "Ich selbst bin mit 75 Jahren schon lange jenseits des Alters das von der Wehrpflicht betroffen sein könnte."

      Sind Sie da sicher ? 😁

    • @Bürger L.:

      "Unter diesen Bedingungen von jungen Männern Bereitschaft zum freiwilligen Kriegs- bzw. Wehrdienst zu erwarten ist abwegig."

      Weil sie tatsächlich zur Landesverteidigung gebraucht werden könnten (nur zur Klarstellung: Rügen ist kein russisches Territorium, über seine Verteidigung nachzudenken also auch keine offensive Tätigkeit)? Da steht tatsächlich in unserer Verfassung etwas Anderes.

      Und mal generell:



      Wenn man es mit Leuten zu tun hat, die bereits bewiesen haben, dass bei ihnen das Kardinalargument gegen Invasionen ("Friedenserhalt und Diplomatie sind NIE schlechter als Angriffskrieg") nicht wirklich zieht, sollte man nicht ausschließlich in Szenarien denken, wo die vorher fragen, ob sie auch gewalttätig werden dürfen.



      Besser sind Szenarien, wo besagtes Kardinalargument besonders anschaulich und zwingend dasteht, namentlich die Option "Angriff" auch militärisch suizidal erscheint. Teil der Schaffung eines solchen Szenarios ist die Überlegung, wie der Kriegsbeginn aussehen könnte, was man im Schrank hätte, um dem entgegenzutreten, und was da noch alles reinmuss, damit ein Angriff aussichtslos würde.

      Übrigens: Kaliningrad - Rügen ca. 5 Stunden mit dem Luftkissenboot.

      • @Normalo:

        Grundsätzlich glaube ich, dass sich die Situation anders darstellen würde, wenn nicht - wie seit einiger Zeit - ständig Horrorszenarien an die Wand gemalt würden.

        Die Sache mit Rügen habe ich mir nicht ausgedacht - das war eine von vielen Einschätzung irgendeines Experten, die ich kürzlich irgendwo online gelesen habe.

        Ich halte es durchaus für sinnvoll die "Verteidigungsfähigkeit" Deutschlands - möglichst im Verbund mit anderen Europäischen Ländern - zu stärken.



        Ob dazu unbedingt Einsätze im außereuropäischen Ausland gehören, so wie Bundeswehrsoldaten angeblich unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt haben, ist in dem Zusammenhang nochmal zu hinterfragen.

        Für die Verteidigung unserer Freiheit werden natürlich auch Soldat*innen gebraucht, die notfalls freiwillig ihre Gesundheit oder ihr Leben aufs Spiel setzen.

        Mit dem Wissen von "Kriegstüchtigkeit" statt von "Verteidigungsfähigkeit" zu sprechen, wenn es zeitgleich "Experten" gibt die glauben einschätzen zu können in welchem Jahr Herr Putin Angriffsbereit sein könnte,



        sorgt dafür, dass berechtigte Angst geschürt wird.

        Wen wunderts, wenn sich die Bereitschaft junger Menschen " ihrem Land zu dienen" in Grenzen hält.

        • @Bürger L.:

          Ich weiß, dass das Rügen-Szenario keine aus den Fingern gesogene Horrorfiktion ist sondern das Ergebnis eines Denkprozesses, an dessen Anfang im Zweifel ein oder mehr Berufssoldaten sich gefragt haben, wie SIE einen Angriff auf Westeuropa beginnen würden. Dass der Realismus dahinter nicht so einfach in den eigenen friedfertigen und friedensgewohnten Schädel zu kriegen ist, gehört zu den strategischen Parametern, die Leute wie Putin nutzen. Er ist in der Ukraine unter anderem deshalb nicht durchmarschiert, weil er die mentale Bereitschaft der Ukrainer unterschätzt hat, so einen Angriff wirklich für ein realistisches Szenario zu halten. Fakt ist, dass im Fall der Ukraine die "Alarmisten" und "Büttel der Rüstungsindustrie" Recht behalten haben und es die Ukraine nicht mehr gäbe, wenn Bevölkerung und Regierung nicht in erheblichem Maße auf sie gehört hätten.



          Überlegen Sie einfach mal, warum Sie die Meinung vertreten, dass das doch alles Panikmache wäre - angesichts dessen, was in der Ukraine passiert. Könnte es sein, dass Ihnen einfach die Implikationen zu schrecklich erscheinen, wenn die Alarmisten auch diesmal wieder Recht behielten?

        • @Bürger L.:

          @Bürger L.



          Eh Unsinn " seinem Land zu dienen " - wer wurde denn bei seiner Geburt gefragt, welches Land er, sie, es für seine Geburt bevorzugt ?



          Alles Dummerhaftigkeiten , um die Leutz für Blöde zu verkaufen !

  • Alter Schwede, das ist ja Angstsarkassmus pur. Angst, sich für Andere und die Gesellschaft mit seiner immer noch FDGO einzusetzen. Und ja tatsächlich auch ggf das eigene Leben. Streiken und Verweigern ist das gute Recht eines jeden zur Untersuchung Verpflichteten. Auch das ist Teil unserer FDGO. Nur die vorgeschobenen Begründungen sind Bulls*it.

    • @Jo Poppen:

      Schon crazy, dass junge Menschen Angst haben, wie Sie sagen, ihr eigenes Leben für die FDGO zu opfern.

      • @Schleicher:

        Das ist nicht "crazy", dass ist Unfug. Niemand muss "Angst haben, sein Leben zu opfern", wenn er diesen Brief beantwortet. Das ist weder eine Musterung, noch irgendeine Verpflichtung. Wenn man nix damit zu tun haben will, kreuzt man halt 0 an. Und wenn sich über diese Anwerbeversuche genügend Freillige melden, um so besser. Dann brauchs gar keine Wehrpflicht, für diejenigen, die nicht wollen.

  • So als mittelalter Ausgemusteter; ich war und bin gegen irgendeinen Zwangsdienst, hätte also den Brief versucht vor meinen Eltern und Oma abzufangen und dann entsorgt*lol*.



    (Die waren auch früher (mitte 90er) zumindest mit Einwurfbestätigung oder komplizierterem@Aurego.)

  • Privilegien – wie etwa jene, solche Briefe ignorieren zu können, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen – werden leider erst bemerkt, wenn sie weg sind. Aber dann ist es oft schon zu spät.

    Was mich an der Debatte zudem ankotzt: Das Boomer „Eiergriff“ Gelaber. Fakt ist, dass Männer viel zu selten zur Vorsorge gehen. Die Musterung war für viele eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen überhaupt mal ein Check stattfand.

    • @Mendou:

      Ich wurde nicht auf Hodenkrebs untersucht, mein Hodensack wurde in eine Pendelbewegung versetzt.



      Sie haben sicher Erkenntnisse, wie das der Krebsvorsorge dient. Wichtiger wären da zb Darmspiegelungen. Also nehmen wir die jetzt in die Musterung auf?

      • @Davin_112:

        Wäre interessant zu wissen wie eine Darmspiegelung bei der Hodenkrebs Früherkennung helfen soll xD

    • @Mendou:

      Es stimmt, dass Männer gerne die Vorsorgeuntersuchungen "schwänzen". Allerdings müsste man - würde man Deiner Aussage folgen - die Musterung noch um eine Darmspiegelung und vieles mehr erweitern. Gerade Darmkrebs nimmt bei den Jüngeren zu; eine rektale Untersuchung reicht zur Früherkennung nicht mehr aus. Und ob ich es als Frau - gesetzt den Fall, auch die holde Weiblichkeit müsste zur Musterung - goutieren würde, dass man mich oben "drückt" und unten inwendig untersucht, weiß ich nicht.

      Zugegebenermaßen betrifft es mich als Endsechzigerin nicht mehr. Wäre ich jünger und hätte die gleiche Anschauung, wie ich sie seit vielen Jahrzehnten habe, würde auch ich den Brief negieren und gleich den Kriegsdienst verweigern. Aber zumindest hatte ich bereits Anfang der 80-er Jahre vorsorglich den Dienst nach Artikel 12a Abs. 4 GG verweigert. Das war eine Aktion der damaligen Friedensbewegung.

  • Es ist ganz einfach: Wenn man an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen möchte, kann man verweigern. Wahrscheinlich passt dieses ganze Konzept vom „verpflichtenden Dienst“ nicht in die Work-Life-Balance.

    • @Puky:

      Das "ganze Konzept vom verpflichtenden (Kriegs-)Dienst" (der auch noch geschleschtsspezifisch ist) passt nicht zu freiheitlichen Grundrechten, und freiheitlich-liberalen Gesellschaften im Allgemeinen.

      • @T-Rom:

        Das negiert dann aber eben die Pflicht, Freiheit zu verteidigen und führt ins Paradoxon.

        • @metalhead86:

          Länder wie die Niederlande, USA oder Grossbritannien haben offenbar keine Probleme mit diesem angeblichen Paradoxon.



          Im Übrigen scheint ein Freiheitsbegriff der einen Automatismus zur Verteidigung mit Waffengewalt beinhaltet, noch dazu als Pflichtdienst ausschliesslich für junge Menschen männlichen Geschlechts, doch relativ eng gefasst, ja vielleicht sogar paradox.

  • Viele der 18-Jährigen kriegen wahrscheinlich sowieso nicht mit, was Sache ist. Der Anteil der AfD -Wähler in dieser Kohorte ist nicht umsonst so hoch. Ausserdem wollen viele dieser 18 -Jährigen nicht nur Nicht-im-Schlamm-Kriechen, sondern im klassisch libertären Sinne, das sich der Staat nicht einmischt - in die private erachtet Lebenswelt.



    Und mit dem Ballen gibt's eigentlich kein Problem. Ballerspiele am PC gehen immer.

    • @NormalNull:

      Früher war mehr Lametta!

    • @NormalNull:

      Ballerspiele am PC Zocken ist aber schon noch was anderes als im Ernstfall dem Risiko ausgesetzt zu sein im Schützengraben von einer chinesischen 30$ Drohne zerfetzt zu werden.

      • @Zippism:

        Eben. Schlimm ist ja, dass in der Werbung für die BW Krieg gern als eine Art Computerspiel verkauft wird.

  • Natürlich nicht vergnügungssteuerpflichtig!



    "Ergebnisse der Fragebögen werden im Sommer vorgestellt



    Die Bundeswehr plant, die Ergebnisse der Fragebogenaktion im Sommer 2026 auszuwerten und vorzustellen. Diese Rückmeldungen dienen als Grundlage für Musterungen und Assessments, um geeignete Kandidaten für den Wehrdienst zu identifizieren. Verteidigungsminister Boris Pistorius hat sich verpflichtet, halbjährlich über die Fortschritte zu berichten."



    bei stuttgarter-zeitung.de



    Weiter dort:



    "Von denjenigen, die geantwortet haben, hat etwa die Hälfte Interesse an einem freiwilligen Wehrdienst bekundet. Dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie den Dienst auch antreten werden. Viele Interessenten machen ihre Entscheidung davon abhängig, ob ein wohnortnaher Einsatz möglich ist. Längere Entfernungen verringern die Bereitschaft, den Dienst anzutreten."



    Aus der Erfahrung vor einigen Jahrzehnten halte ich es für plausibel, davon auszugehen, dass man aus keiner der angelegten Erfassungen per Datei wegen der Nichtbeantwortung des Briefes verschwindet.



    Die nächste Stufe der Spirale wird sicher eine Analogie z. Kreiswehrersatzamt werden, was die meisten hier schon aus d. Gedächtnis verloren.

  • Oder die reisen gerade.



    Reaktions-Pflicht ist aber Pflicht. Die Pflichterfüllung anderer bequem zu beobachten ist nicht verallgemeinerbar. Verweigerung bleibt übrigens möglich dank Grundgesetz.

  • Wenn die ersten Geldbußen kommen, kommen die Rückmeldungen schnell rein.

    Also keine Sorge, am Ende melden sich die meisten.

    • @Andi S:

      Wie wollen sie Bußgelder eintreiben wenn sie nicht beweisen können dass diejenigen die Briefe auch wirklich erhalten haben?

  • Sehr gut Junx's 👍👍



    Schreit den Parlamentariern samt ihrem Bundeskanzler & seinem Ex-Bürgermeister von Osnabrück, eure Antwort auf den Straßen am 8. Mai entgegen.



    ☮️ https:www.friedenskooperative.de

  • Viele davon sind wohl einfach unabkömmlich, da sie gerade aktiv gegen die nationalen Feinde im Inland vorgehen müssen, von denen es immer mehr gibt, weil Innenminister und die Regierung nichts dagegen unternimmt, also die Verteidigung bewusst vernachlässigt.



    Manche der Angeschriebenen sind aber auch gerade aktiv dabei sich um ihre Zukunft zu kümmern, da die Regierung immer weniger eine stabile Zukunft garantierern will; der Schuldenberg wächst, die Fossilen kommen wirder zurück, das Land wird anfälliger für Cyberangriffe, das Überleben in diesem Land wird sauteuer. Also fehlt den jungen Männern doie Zeit für die alten analogen Kriegsspielchen der alten Herren in der Regierung. Derzeit kannst du als heranwachsender schnell mal zwei bis drei Tode sterben für Dein sog. "Vaterland", denn die "alten Väter" in der Regierung stellen sich an wie die ersten Steinies.



    Solange die Einladungen nicht per Einschreiben kommen sollte Mann die Briefe einfach als ungebetene Werbung verstehen und auch so damit umgehen.



    Unfassbar wie schon wieder Menschenleben geopfert werden, nur weil die Politik keine Strategie hat den Staat ausreichend resilient zu organisieren.

    • @Sonnenhaus:

      Den Staat ausreichend resilient organisieren? Frag Platon:

      „Die vornehmste Grundlage eines glückseligen Lebens aber ist dies, dass man weder Unrecht tut noch von anderen Unrecht erleidet. Hiervon ist nun das Erstere nicht so gar schwer zu erreichen, wohl aber so viel Macht zu erwerben, dass man sich gegen jedes Unrecht zu sichern vermag, und es ist unmöglich auf eine andere Weise vollkommen zu derselben zu gelangen als dadurch, dass man selber vollkommen tüchtig dasteht. Und ebenso ergeht es auch einem Staate, ist er tüchtig, so wird ihm ein friedliches Leben zuteil, ist er es nicht, so bedrängt ihn Fehde von innen und außen.



      […]



      Steht es aber so damit, so muss sich jeder nicht erst im Kriege, sondern schon in Friedenszeiten auf den Krieg einüben, und darum muss eine verständige Bürgerschaft in jedem Monat nicht weniger als einen Tag Kriegsdienste tun, wohl aber noch mehrere, wenn es den Behörden nötig erscheint, und dabei weder Frost noch Hitze scheuen.“

      Zusammengefasst: Si vis pacem para bellum

      • @Schorsch59:

        Und scheuen Sie weder Frost noch Hitze und verrichten schon brav Ihren Kriegsdienst? Sonst soll man derselben Fundstelle zufolge nämlich nicht solche Lieder singen dürfen. Abschreckung war für Platon jedenfalls keine Tugend, sondern diente allenfalls deren Schutz. Aufrüstung hätte er vermutlich nicht zuerst geopolitisch betrachtet, sondern moralisch und staatsphilosophisch. Dient sie tatsächlich dem Schutz der Menschen oder handelt der Staat aus Ehrgeiz, Angst, Prestige oder Gewinnstreben? Werden die Debatten von sachkundiger Urteilskraft getragen oder von Gefühlen, Medienlogik und populistischem Druck? Erzeugt Rüstung gegenseitige Angst, die die Staaten immer aggressiver macht? Was ist das Ergebnis? Wie mag permanente Bedrohungsrhetorik den Charakter und Zusammenhalt der Menschen verändern, werden sie besonnener oder ängstlicher und feindseliger? Platon stellte das Gute über materielle Interessen, Tugend wäre für ihn wichtiger als wirtschaftlicher Wohlstand: wird Rüstung wirklich ethisch begründet oder dominieren Besitzstands- und wirtschaftliche Interessen? Handelt der Staat überhaupt maßvoll? Nicht „Wie werden wir kriegstüchtig?“, sondern „Welche Art von Staat wollen wir sein?“.

    • @Sonnenhaus:

      "Viele davon ... aktiv gegen die nationalen Feinde im Inland (...) Manche der Angeschriebenen sind aber auch gerade aktiv dabei sich um ihre Zukunft zu kümmern,"



      ...und die meisten dürften schlicht keine Lust haben, sich um irgendwas außer sich selber zu kümmern.



      Meistens ist die einfachste Erklärung die richtige. Aus einer Nichtreaktion politische Aktivität abzuleiten, dürfte schlicht übertrieben sein.

  • Leck' Eier, Wehrpflicht!

  • "Auf das gute alte Recht auf Kriegsdienstverweigerung beriefen sich allein im ersten Quartal dieses Jahres gut 2.600 Menschen."



    Souverän das so zu handhaben. Ghosten ist Kacke. Ich habe 1979 verweigert, nach "Afghanistan" und es war heftig in der Kommission, aber ich wollte das so. Die Smartphone Generation hat scheinbar zu nix recht Lust....

    • @Hans-Peter Elbcher:

      Smartphone Generation? Warum so abschätzig?



      Ganz davon abgesehen, dass intensiver Smartphone Gebrauch mit dem Alter nix zu tun hat. Meine 75 jährige Nachbarin ist der beste Beleg....

    • @Hans-Peter Elbcher:

      Man ghostet Personen, keine Institutionen.



      Und es nicht so, als stünden diese Institutionen für effiziente Kommunikation.



      Antwort auf meinen Antrag auf Wohngeld während des Studiums gab es immer nur nach monatelanger Verzögerung und Androhung einer Untätigkeitsklage.

  • Vielleicht sind einige dieser 18-Jährigen ja gar nicht in Deutschland, sondern studieren z. B. in Österreich oder der Schweiz.



    Wurden diese Briefe eigentlich per Einschreiben mit Rückschein verschickt oder verlässt sich die Bundeswehr darauf, dass die Post gewöhnliche Briefe korrekt zustellt?

    • @Aurego:

      Habe nachgefragt, ist ein normaler Brief.



      Hätte mich auch sehr gewundert, wenn da die höhere Gebühr für das Einschreiben plus die Logistik für den Empfang der Empfangsbestätigung finanziell drin gewesen wäre.



      Die Bußgelder werden also nicht wirklich eintreibbar sein.

  • eine völlig falsche interpretation. es ist das desinteresse an der gesellschaft, die überforderung, die bequemlichkeit, ... und sicherlich nicht eine politische auseinandersetzung.

    • @xeiner:

      Und das können sie mit Sicherheit sagen weil sie mit jedem gesprochen haben?



      Oder in alle Köpfe hinein schauen können?

      Ich denke eher sowohl als auch ist treffender.

  • Es ist ein göttliches Vergnügen zu beobachten, wie gerade die AfD-Anhänger unter den Drückebergern plötzlich ihre Liebe zur Pazifistik entdecken, kaum dass die neue Musterung vor der Tür steht. Jahrelang wurde in den sozialen Medien von „Zucht und Ordnung“, „wehrhafter Männlichkeit“ und der „Wiederherstellung der nationalen Ehre“ schwadroniert. Doch sobald der Staat ernst macht und nach der persönlichen Einsatzbereitschaft fragt, mutieren die strammen Internet-Kämpfer zu zitternden Attest-Sammlern.



    ​Wenn es darum geht, in der Anonymität des Netzes die „Festung Europa“ zu fordern, ist das Gebrüll groß. Steht aber die reale Musterung an, scheinen ausgerechnet in diesen Kreisen plötzlich chronische Rückenleiden und mysteriöse Allergien gegen Gehorsam zu florieren. Es entlarvt die ganze Verlogenheit dieser Truppe: Das Vaterland soll bitte von anderen verteidigt werden, während man selbst lieber gemütlich vom Sofa aus den Untergang herbeiredet. Wer „Remigration“ brüllt, aber beim „Antreten“ kneift, ist kein Patriot, sondern ein politischer Schwindler. Eure Wehrhaftigkeit ist so hohl wie eure Phrasen – im Ernstfall seid ihr die Ersten, die den Kopf einziehen!

    • @amigo:

      Das passt doch sehr gut zusammen.



      Das doitsche Faterland soll bitte von den lieben russischen Soldaten verteidigt werden, die vom Parteifreund Putin hergeschickt werden, um uns vor den bösen Imperialisten zu schützen.



      Als Bundeswehrsoldat käme man ja vielleicht in die Verlegenheit, gegen die Gesinnungsgenossen geschickt zu werden.