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Ukrainische Angriffe auf RusslandVerhandeln ist besser

Bernhard Clasen

Kommentar von

Bernhard Clasen

Ja, die Ukraine hat das Recht, zurückzuschlagen. Aber das Land sollte sich nicht an der moralischen Niedertracht Russlands orientieren.

V ölkerrechtlich gesehen ist es das gute Recht der Ukraine, russische Ziele, wie diese Woche ein Öllager bei St. Petersburg, anzugreifen. Russland greift die Ukraine an, warum also sollte es der Ukraine verboten sein, Russland anzugreifen? Russland hat im Februar vergangenen Jahres die Schutzhülle des ehemaligen AKW Tschornobyl mit einer Drohne angegriffen; nach wie vor fliegen russische Drohnen in gefährlicher Nähe zu ukrainischen Atomanlagen und deren Infrastruktur.

Wenn Russland in der Ukraine Ökozide verübt, warum sollte die Ukraine dann nicht das Recht haben, symmetrisch zu antworten? Doch nicht alles, was erlaubt ist, sollte man auch tun. Wenn ein Terrorist einen Bus entführt hat und droht, ihn in die Luft zu sprengen, darf man diesen Mann töten. Allerdings nur, wenn man sicherstellen kann, dass man nicht gleichzeitig auch unschuldige Passagiere tötet. Längst treffen die ukrainischen Angriffe auch unschuldige Zivilisten.

Ende Mai hatten ukrainische Angriffe 21 Menschen, vorwiegend junge Frauen, im ukrainischen, von Russland besetzten Städtchen Starobilsk getötet. Im ukrainischen Enakiewo (Jenakijewe) wurden am Mittwoch sieben Passagiere eines Busses von einer ukrainischen Drohne getötet. Bei einem ukrainischen Angriff auf eine Ölraffinerie an der russischen Schwarzmeerküste verendeten massenhaft Delfine, Vögel und Fische; die Küstenlandschaft ist auf Jahre verseucht. Nach einem Bericht des ukrainischen Mediums New Voice gibt es nur noch zwei Raffinerien in Russland, die nicht von ukrainischen Drohnen angegriffen worden sind.

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„Auge um Auge“ führt ins Verderben

Eine Politik, die sich an einem „Auge um Auge, Zahn um Zahn, Ökozid um Ökozid“ orientiert, bringt uns ins Verderben. Ein Angriff auf Zivilisten und Ökologie in Russland ist ein Verrat an unseren humanistischen Werten. Orientieren wir uns an diesen humanistischen Werten, sind wir zwar möglicherweise militärisch im Nachteil bei einem Gegner, der sich um diese Werte nicht kümmert. Aber wir sind ihm moralisch überlegen und somit weltweit attraktiver. Ein „Weiter so“ ist keine Alternative. Ein „Weiter so“ bringt uns in eine Eskalation, bei der Bevölkerung, Tierwelt und Natur Opfer werden. Und Gebiete, die uns noch heute wichtig sind, werden dann unbewohnbar sein.

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Im Gebiet Charkiw finden sich Ortschaften, die mehrmals erobert und zurückerobert worden sind und auf denen kein Stein mehr auf dem anderen steht. Heute stehen wir vor der Wahl: weiter so mit einer Eskalation, die auch Unschuldige tötet – oder Verhandlungen mit Russland. Letzteres ist die bessere Wahl.

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Bernhard Clasen

Bernhard Clasen Journalist

Jahrgang 1957 Ukraine-Korrespondent von taz und nd. 1980-1986 Russisch-Studium an der Universität Heidelberg. Gute Ukrainisch-Kenntnisse. Schreibt seit 1993 für die taz.
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41 Kommentare

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  • Schon wieder soll "geredet" werden mit dem Mann, der nicht reden will.

    Wenn ein Angreifer über einem beugt der beständig auf einen einprügelt und laut eigener Aussage nicht damit aufhören will bis er bekommen hat was IHM ALLEINE vorschwebt - wie genau soll man dann noch mal "mit ihm reden"?

    Das habe ich leider bis heute nicht verstanden.



    Und der Angreifer selbst wohl auch nicht. Vielleicht erklärt es ihm der Autor mal.

  • Selensky hat gestern einen offenen Brief an Putin veröffentlicht (der auch auf dem offiziellen diplomatischen Weg zugestellt wird).



    In dem schlägt er Putin vor, mit sofortiger Wirkung einen Waffenstillstand zu vereinbaren und an einem noch zu vereinbarenden neutralen Ort Verhandlungen zu beginnen.



    Jetzt warten wir mal die Antwort der russischen Seite ab, und dann würde ich mich freuen, wenn Herr Clasen darüber einen Kommentar schreibt.

  • Der Autor fordert die Ukraine zu Verhandlungen auf. Das hört sich erst einmal gut an. Doch mit wem soll die Ukraine verhandeln? Russland hat kein Interesse an Verhandlungen. Putin fordert weiterhin die völlige Kapitulation und de facto Auflösung der Ukraine. Derweil bringt seine Armee jeden Tag viele Ukrainer um.



    Was soll die Ukraine also tun? Darauf bleibt der Autor jegliche Antwort schuldig. Den Ukrainern auch noch vorzuwerfen, dass sie sich wehren, in dem sie gezielt Ölraffinerien angreifen, finde ich geradezu zynisch. Die Ukraine muss erst eine Sitaution schaffen, in der Putin sich zu Verhandlungen gezwungen sieht. Wie soll es anders gehen?

  • Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat bis jetzt etwa eine Billion Euro aus der globalen sozial ökologischen Transformation in den Kampf gegen die Tyrannei des modernen Faschismus umgeleitet.



    Jetzt die Ökologie zu beschwören um die ukrainische Verteidigungslinie im Donbass zu sprengen ist daher einfach nur schäbig.

  • Die militärischen Reaktionen gegen das Land des Aggressors Russland sind aus Sicht des ukrainischen Militärs und auch großer Teile der Ukrainischen Zivilbevölkerung als Antwort auf die russischen Angriffe nachvollziehbar und verständlich.



    Sie zeigen ja offenbar auch Wirkung - ziehen allerdings auch Gegenschläge mit vielen Toten und Verletzten nach sich.

    Ich lese in letzter Zeit vermehrt, dass Herr Putin schon lange nicht mehr davon träumt die gesamte Ukraine zu besetzen. Vom russischen "Minimalziel" der Einverleibung des Donbass ist die Rede.

    Wenn ich das richtig verstehe ist diese Region schon seit längerem zu etwa 90% von Russland besetzt.



    Die Vorstellung, dass Russland durch den zunehmenden Ukrainischen Druck im Rahmen von Verhandlungen sagt: "sorry, war ein Irrtum, wir gehen wieder..." halte ich für eine Illusion.

    Die ganze Tragik der Situation wird deutlich, wenn Ukrainer bei Rückeroberungsversuchen zerstörter Orte von ukrainischen Waffen getötet werden.

    Was bleibt ist: Verhandeln ohne Vorbedingungen und Maximalforderungen beider Seiten. Eventuell der nicht besetzte Teil des Donbass als Pufferzone unter internationaler Kontrolle.



    Alles andere kostet Menschenleben.

  • Angesichts von mehr als 1.000 Toten am Tag durch diesen sinnlosen und brutalen russischen Angriffskrieg finde ich es wirklich zynisch der Ukraine vorzuwerfen, dass sie bei Ihren Angriffen auf Ölförderungsanlagen Umweltstandards verletzt und sich nicht in homöopathischen Dosen verteidigt.

    • @hedele:

      Naja, die 1000 Toten pro Tag machen den Ölaustritt ja nicht weniger schädlich.

  • Verhandeln ist besser, auf alle Fälle. Aber Putin & Co haben ja hinreichend bewiesen, was sie von Verhandlungen halten. Man muss dies trotzdem weiter verfolgen. Was bleibt derweil? Sanktionen ausweiten wäre ein Weg, mehr Unterstützung der Ukraine auch. Und dafür müssen sich die EU-Länder einig sein. Aber wenn Deutschland hier schon nicht vollumfänglich mitzieht, wird's schwierig. Nationale Alleingänge innerhalb der EU sollten inzwischen der Vergangenheit angehören. Denjenigen, die immer von Globalisierung reden, sollte das auch klar sein, sollte man denken. Aber diese Fahne wird nur gerne hochgehalten, wenn es um ausreichend Profitaussichten geht. Wenn es um echte Gemeinsamkeit geht, um ein Geben und Nehmen, leben und leben lassen, ducken sich die allermeisten Akteure doch lieber weg.

  • Wieder so ein Kommentar aus der Abteilung "In Schönheit Sterben"... Aufgrund moralischer Überlegeheit "attraktiver" zu sein, erfordert erst einmal, dass man noch existiert. Genau das bei der Ukraine zu ändern, ist das erklärte Kriegsziel Putins. Und bislang zeigt er nicht den Hauch einer Neigung, davon abzugehen: Schlüsselelement JEDES Forderungskatalogs aus Russland ist, dass Russland erst aufhört zu schießen, wenn die Ukraine sich unterwirft oder zumindest so sehr dauerhaft selbst schwächt, dass sie sich später unterwerfen muss.



    Es scheint in etlichen Köpfen immer noch nicht angekommen zu sein, wie wenig Optionen für idealistisches Handeln bei gleichzeitigem Überleben ein Eroberungs- und Vernichtungskrieg lässt. Wenn man dann auch noch die - mit Verlaub: unverschämten - Gleichsetzungen der bescheidenen und gezielten ukrainischen Offensivtätigkeiten mit dem systematischen Terror Putins liest, möchte man meinen, das sei Absicht.



    Sehen Sie der Tatsache ins Auge, dass sie da mit jemandem "verhandeln" wollen, der kein Interesse an moralischem Irgendwas hat und auch kein Ergebnis akzeptiert, was nicht die Ukraine in ihrer Existenz final destabilisiert! WORÜBER verhandelt man mit dem?

  • "Eine Politik, die sich an einem „Auge um Auge, Zahn um Zahn, Ökozid um Ökozid“ orientiert, bringt *uns* ins Verderben." (Hervorhebung von mir)

    Danke für so viel Ehrlichkeit.

    Der Ukraine bleibt nichts anderes, als in Russland maximalen Schaden anzurichten. Das ist nicht schön, aber unvermeidlich.



    Mein Respekt, dass die Ukraine zivile Opfer so weit wie möglich vermeidet. Dass jetzt zwei fehlgeleitete Drohnen zur Anklage hochgejazzt werden, ist m.E. unredlich.

    Entlarvend ist die Sorge um *uns*...

  • Unter diesem Krieg leiden die Menschen und auch die Natur. Wer denkt an die Zeit nach dem Krieg?

    • @Michael Josef Rittel:

      Und was hilft uns bzw. den Ukrainern das jetzt?

  • Man muss mit Putin in der Sprache sprechen, die er auch versteht. Das ist leider nur Gegenangriffe auf die Infrastruktur. Damit kann auch Druck im Land bei der eigenen Bevölkerung aufgebaut werden um ihn schlussendlich an den Verhandlungstisch zu bringen.

    • @Sole Mio:

      Vollkommen richtig. Putin versteht nur Gegenwehr.

    • @Sole Mio:

      Ganz bei Ihnen. Danke

  • Verhandeln wäre besser,



    wenn der Aggressor Putin überhaupt bereit ist zu verhandeln. Ist er dies nicht, und bombardiert er täglich die Ukraine, dann macht es Sinn die Infrastruktur, welche die Kriegskasse des Gegners füllt, anzugreifen und wenn möglich zu vernichten.



    Krieg ist immer ein dreckiges Geschäft.

  • Sehr geehrter Herr Clasen,

    Verhandlungen wurden Russland schon seit Längerem angeboten. Ihre Alternative ist erst eine, wenn Herr Putin überhaupt dazu bereit wäre.

    Es gibt leider Menschen wie Herrn Putin, die sich nur unter Anwendung analoger Mittel überhaupt zu Verhandlungen bewegen lassen.

    Das hat die Ukraine mit ihrer systematischen Beschädigung und Zerstörung der russischen Energieinfrastruktur bewiesen.

    Die bisherige westliche Strategie war besonders auf einen Aspekt ausgelegt: Herrn Putin keinen Anlass zu einer atomaren Kurzschlusshandlung zu geben. Das bedeutete Russland dem allmählichen Aderlass zuzuführen: militärisch, energiewirtschaftlich, alltagsökonomisch.

    Da die Ukrainer aber wirklich um ihre eigene Existenz kämpfen, anders als der bequeme Westen, haben sie nach Strategien gesucht, wie sie einen wesentlich mächtigeren Gegner effektiv bekämpfen können.

    Wo Krieg geführt wird, fallen leider auch paar Späne.

    Wenn Russland also einen schmutzigen Krieg führt, soll die Ukraine dann aus Ihrer Sicht Choregraphien einlegen, weil moralisch überlegen?

    • @Wilfried Wang:

      "Wo Krieg geführt wird, fallen leider auch paar Späne."

      Für solche zynischen Sätze muss man wohl, anders als Herr Clasen, weit weg von den Einschlägen der Drohnen und Raketen leben. Unter den "Spänen" sind auch Kinder.

      Übrigens. Verhandlungen gibt es schon lange. Es kommt nur nichts bei raus, weil beide Seiten noch glauben, sie könnten den Gegner zur Annahme ihrer Forderungen zwingen.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Putins "Rechtfertigungen" zum Überfall auf die Ukraine ist zynisch.

        Kollateralschäden, oder Späne, gibt es in jedem Krieg. So zu tun als ob man fein säuberlich bombardieren könne ist zynisch.

        Von den Ukrainern zu verlangen, dass sie bitte nicht auf ähnliche Weise wie die Russen ökologische Desaster mit ihren Bombardierungen von Energieinfrastrukturen verursachen, weil sie doch die moralische Verwerflichkeit derartiger Schäden kennen, ist zynisch.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Zynisch ist, angesichts der absichtlichen und systematischen Verbrechen der Russen an zehntausenden ukrainischen Kindern nun ausgerechnet auf das Leid von einigen wenigen russischen Kindern hinzuweisen.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        "..., weil beide Seiten noch glauben, sie könnten den Gegner zur Annahme ihrer Forderungen zwingen."



        Perfide, so zu tun, als wären die Forderungen beider Seiten irgendwie gleichartig und die Ukraine müsste nur im gleichen Maße guten Willen zeigen wie Moskau.

  • Von moralischer Überlegenheit hatte die Ukraine in den vergangenen Jahren, als Drohnen und Raketen nur zuhause Schäden angerichtet haben, auch nichts.

    Angriffe auf Ölraffinerien sind auch kein Terror und keine Vergeltung, sondern strategisch gut begründbar.

    • @nihilist:

      👍

  • Ich finde es eine Frechheit der Ukraine ein „Auge um Auge“ vorzuwerfen.

    Die Zivilen toten waren, davon gehe ich aus Unfälle, da Sie sich in der von Russland besetzten Ukraine abspielen sind Sie auch nicht mit den Operationen in St. Petersburg und Co zu vermengen.

    Das die Ukraine die Öllager mit der Intention eine „Ökozid“ angreift um sich für AKW angriffe zu rächen ist auch quatsch. Es geht darum Russland die Finanzgrundlagen zu entziehen - nicht um Vergeltung.

    Auch Völkerrechtlich ist dies was anderes als Nuklearanlagen zu gefährden.

    Dann wenn die Ukraine Zivilisten gezielt tötet oder fahrlässig gefährdet mit dem Ziel Druck auf Russland auszuüben*, dann können Sie den Artikel schreiben. Aber im Artikel haben Sie es nicht aufgeführt.

    *Dieses Motiv kann bei ukrainischen Zivilisierten im von der von Russland besetzten Ukraine gar nicht sein.

  • Natürlich sind Verhandlungen mit Russland zu befürworten, wenn Putin ein wirkliches Interesse dazu zeigt, was bisher nicht zu sehen ist. Die Aussage "....sind wir zwar möglicherweise militärisch im Nachteil bei einem Gegner, der sich um diese Werte nicht kümmert. Aber wir sind ihm moralisch überlegen..." mutet allerdings sehr idealistisch und moralisch an angesichts eines skrupellosen imperialistischen russischen Diktators. Denn was hat die Ukraine von moralischer Überlegenheit gegenüber dem Aggressor, wenn es sie als souveränen Staat nicht mehr gibt? Völkerrechtlich hat die Ukraine das Recht die russische Kriegswirtschaft anzugreifen und zu zerstören. Dass dieser Krieg eine ökologische Katastrophe bedeutet, ist aber allein die Schuld des Aggressor Putin.

  • Es geht doch nicht um Auge um Auge.

    Es geht doch darum Russland dazu zu bringen sowas wie eine von Russland unabhängige Ukraine überhaupt auch nur zu denken.



    Vorher kann es doch gar keine Verhandlungen geben.



    Außer jemand Drittes denkt in den russisch-kolonialistischen Bahnen und macht sich zum Moskauer Erfüllungsgehilfen bei einem Völkermord.

  • Putin will diesen Krieg seit 20 Jahren. Er wird nicht Ruhe geben, bis er die gesamte Ukraine besiegt hat. An einem Frieden ist er nicht interessiert - es sei denn, ihm gehen die Ressourcen aus und er kann den Krieg nicht weiterführen.



    Trump hat offensichtlich das Interesse an weiteren Verhandlungen verloren - seine völlig unerfahrenen Unterhändler sind ohne Ergebnis nach Hause gereist.



    Scholz hat das Gespräch in der Vergangenheit gesucht, Macron ebenfalls - sogar der Pabst. Hat alles nichts gefruchtet.



    Frage: Wenn schon Trump, der mächtigste Mann der Welt, in dieser Frage nicht weiter kam - kann man dann ernsthaft daran glauben, dass er einen Vertreter der EU ernst nehmen würde?

    • @Il_Leopardo:

      Vor allem wenn man sich Dugins Position zur EU vom Forum in St. Petersburg ansieht. Das "optimistische Szenario" aus seiner Sicht endet mit dem Einsatz von Nuklearwaffen und dem Einbezug der EU in die Russische Einflusssphäre. Wer da noch nach Verhandlungen durch die EU ruft hat sich der Realität komplett verschlossen

  • Hier geht es nicht um moralische Überlegenheit. Putin will die Ukraine in ein Großrussland einverleiben. Der Ruf nach Verhandlungen ist Traumtänzerei. Die Welt der alten Friedensbewegung ist 2022 endgültig untergegangen, aber viele Altlinke wollen es einfach nicht wahrhaben.

    • @CarlaPhilippa:

      Wobei es zumindest weniger werden. Ein Glück

  • Als wenn die Ukraine nicht verhandeln wollte. Aber über was, wenn die Gegenseite einfach weiter eskaliert? Der immer wieder mehr oder weniger versteckte Vorwurf des mangelnden Verhandlungswillen gegenüber dem früheren Bruder in Moskau scheint irgendwie zur ideologischen DNA vieler Alt-Linker zu gehören. Wo bleibt die friedliche linke Blockade der russischen Botschaft in Berlin?

  • Was also sollte die Ukraine tun?

    Nicht den militärischen Vorteil nutzen?

    Das ist einer schrägsten Kommentare, die ich zu diesem Konflikt gelesen habe.

    Die Ukraine ist zumindest einigermaßen auf der Siegerstraße gegen ein totalitäres Regime, das jeden in seiner Einflusssphäre unterdrückt, foltert und tötet und das völlig willkürlich.

    Die Ukraine muss siegen.

    • @Jim Hawkins:

      Mr Hawkins, schön mal wieder von Ihnen zu lesen. Und abermals kann man Ihrem Kommentar nur zustimmen. Danke!

  • Ich nehme an, den Herren Selenski und Syrski wird es egal sein, ob jemand hier per "wir" und "unsere humanistischen Werte" eine moralische Gemeinschaft zu konstruieren versucht. Das identitäre Gerede ist doch nur für die Bevölkerung der kriegsfinanzierenden Länder gedacht, in den Generalstäben spielt das gewiss keine Rolle.

    Wenn vor anderthalb Jahren Verhandlungen angemahnt wurden, dann hieß es oft: Putin rückt gerade vor, und solange das so ist, wird er nicht oder nur zum Schein verhandeln.

    Jetzt rückt er nicht mehr vor, sondern Russland ist im Hinterland angreifbar geworden. Es stellt sich die Frage: Was ist, wenn Putin jetzt den Deal annehmen würde, der ihm vor Jahresfrist vorgeschlagen worden war? Also Verzicht auf den nicht besetzten Teil des Donbass und auf völkerrechtliche Anerkennung der besetzten Gebiete als Teil der RF?

    Wenn "wir" empört sind über zivile Opfer und ökologische Katastrophen auf beiden Seiten, dann müssten "wir" darauf drängen, den Krieg schnell und ohne weitergehende strategische Spekulationen zu beenden, oder? Also nicht vom Endsieg zu träumen, sondern den Moment russischer Schwäche für ein Abkommen zu nutzen, bevor das Pendel wieder zurückschwingt.

  • Genau, verhandeln. Nur dies verhindert weiteres Blutvergießen.

    • @Pico :

      Mit wem? Da muss auch auf der anderen Seite des Tisches jemand sitzen, den das Blutvergießen nicht erst kümmert, wenn er gewonnen hat.

  • Wären die Alliierten seinerzeit der Intention des Autors gefolgt und hätten es bei der moralischen Überlegenheit belassen, dann würde der Autor wahrscheinlich jetzt aus dem Reichskomissariat Ukraine berichten und Europa sähe heute anders aus.

    Für mich persönlich ein weltfremder Text, zumal der Autor zum x-ten Mal in seinen Kommentaren für Verhandlungen mit Russland plädiert, es aber tunlichst vermeidet den Gegenstand dieser zu benennen.

    Passend zum Kommentar seine "Auge um Auge" Interpretation. Ohne es zu weit auszuführen, sei nur darauf hingewiesen, das es sich beim Talionsprinzip um einen Rechtssatz handelt, der auch Einzug in das deutsche Recht gehalten hat. Zu finden im BGB unter Paragraph 249 und zu verstehen als Grundsatz des angemessenen Schadenersatzes.

    Ius talionis stellt daher kein niederes Prinzip der Rache, sondern ein weises Prinzip der Mäßigung von Rachegelüsten dar. Es verzichtet sogar auf Strafe und sucht den gerechten Ausgleich zwischen allen Gliedern der Gesellschaft. Seit der französischen Revolution hat dieses Prinzip, um den Zusatz ergänzt "ohne Ansehen der Person und des Standes", Einzug in die Rechtssprechung der meisten europäischen Länder gehalten.

    • @Sam Spade:

      Naja - wiki - zur Fehldeutung -

      Dagegen rechtfertigten christliche Obrigkeiten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ihre eingeführten grausamen Körperstrafen mit den wörtlich aufgefassten biblischen Beispielen. Die verbreitete Kurzform des Talionsprinzips „Auge um Auge“ ist eine Fehldeutung, die als Metapher für Rache, Vergeltung und Selbstjustiz in die Umgangssprache einging.



      de.wikipedia.org/wiki/Talion

      ps es passt leider zur relaunchten taz



      Daß sich mit dem Tailonprinzip ebenso wenig kundig auseinandergesetzt wird - wie unlängst mit der Präambel der UN-Charta •



      “An einer Seite Prosa arbeiten wie an einer Säule. So siehste aus.“ Tucho

  • Der Artikel stimmt bis auf den letzten Satz. Denn : Worüber man nicht reden kann, darüber soll man schweigen.



    -



    "Orientieren wir uns an diesen humanistischen Werten, sind wir zwar möglicherweise militärisch im Nachteil bei einem Gegner, der sich um diese Werte nicht kümmert. Aber wir sind ihm moralisch überlegen und somit weltweit attraktiver."

    Wir sind nicht nur weltweit, sondern für uns selbst attraktiver.