piwik no script img

Islamistischer Anschlag auf den CSD Auf einem Auge blind

Jan Feddersen

Kommentar von

Jan Feddersen

Der Feind stehe rechts, war immer das Mantra von queeren Funktionären. Die andere, konkrete Gefahr wollte man lange nicht wahrhaben.

I mmerhin war er ja da beim Gedenkgottesdienst in Berlin nach dem Terroranschlag islamistischen Hintergrunds auf den Berliner CSD: Friedrich Merz hätte es ja wie einst Helmut Kohl halten können, der 1993, nach einem rechtsextremistischen Brandanschlag in Solingen, einen Besuch der Terrorstätte mit der Begründung ablehnte, er wolle keinen „Beileidstourismus“. Merz’ Worte in Berlin standen trotzdem schief: Es war eben kein Anschlag auf alle, sondern einer auf eine queere öffentliche Manifestation, auf lesbische Frauen, schwule Männer und trans Menschen, die für diese ExtremistInnen offenbar eine Provokation gegen ihr religiöses Weltbild verkörpern.

Merz hätte es ausdrücklich sagen können: Der Anschlag galt nicht der Freiheit schlechthin, sondern der Freiheit von queeren Menschen. Dass der Kanzler immerhin versprach, alles zu tun, um Terror gegen Queers zu verhindern, spricht für seine politische Wachheit. Der CSD gehört eben auch konservativen und liberalen Menschen.

Falsch wäre es aber, aus Anlass dieser Terrorattacke die Regierung zu dämonisieren und diverse finanzielle Kürzungsmaßnahmen im queeren Bereich zur Vorstufe von möglichen AfD-Regierungsbeteiligungen zu erklären. Tatsächlich müssen sich die Queerszenen damit auseinandersetzen, dass sie jahrelang die Gefahren von islamistischer Seite bagatellisierten.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Der Feind stehe rechts, sagen so gut wie alle Funktionäre und verweisen – überwiegend zu Recht – auf gewaltsame Attacken besonders im Osten der Republik. CSDs, die angegriffen werden, eine Polizei, auf die man sich nicht verlassen kann: Das ist nicht falsch. Nur fehlt in dieser Klage etwa der Hinweis, dass es islamistische Gewalttäter auf Schwule, Lesben und trans Menschen abgesehen haben – die für sie alles verkörpern, was die Welt verderbt macht.

Angst vor Rassismus-Verdacht

Linke waren in diesen Deutungskämpfen keine soliden BündnispartnerInnen für gewöhnliche Queers. Nie war das Leben für LGBT*-Angehörige in Deutschland so sicher wie jetzt. Kommen daran Zweifel auf, dann verlässlich wegen Rechtsextremisten, nicht wegen Islamisten, denn dies würde ja Rassismus befördern und der AfD nützen. Jetzt will plötzlich auch die linke queere Politwelt vor Islamisten gewarnt haben. Nur: Hat sie nicht. Flüchtlinge etwa aus Syrien durften nicht laut sagen, dass sie in ihren Erstaufnahmequartieren Angst vor Islamisten haben; der Witwer eines in Dresden getöteten schwulen Mannes verwahrte sich gegen ein Mahnmal gegen Homophobie, vielmehr sei eines gegen Islamisten wichtig.

Auf diesem Auge sind viele zeitgenössische Linke blind und bleiben es, wenn sie nicht anerkennen wollen, dass es diese GefährderInnen mitten unter uns gibt.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Jan Feddersen

Jan Feddersen Redakteur für besondere Aufgaben

Einst: Postbote, Möbelverkäufer, Versicherungskartensortierer, Verlagskaufmann in spe, Zeitungsausträger, Autor und Säzzer verschiedener linker Medien, etwa "Arbeiterkampf" und "Moderne Zeiten", Volo bei der taz in Hamburg - seit 1996 in Berlin bei der taz, Meinungs- und Inlandsredaktion, Wochenendmagazin taz mag, schließlich Kurator des taz lab und der taz Talks.. Interessen: Vergangenheitspolitik seit 1945, Popularkulturen aller Arten, politische Analyse zu LGBTI*-Fragen sowie zu Fragen der Mittelschichtskritik. RB Leipzig-Fan. Und er ist seit 2011 mit dem in Hamburg lebenden Historiker Rainer Nicolaysen in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft, seit 2018 mit ihm verheiratet. Lebensmotto: Da geht noch was!
Mehr zum Thema

104 Kommentare

 / 
  • Einige Linke haben die Ähnlichkeiten des menschenfeindlichen Gedankengutes von Islamisten und der AfD durchaus erkannt.

    Die Affinität der extremen Linken zum palästinensischen Volk hat in Deutschland eine lange Geschichte. Beide Gruppen glauben, zu den Unterdrückten dieser Welt zu gehören und daher das Recht zu haben, sich mit allen Mitteln, auch mit Gewalt, gegen die vermeintlichen Unterdrücker zur Wehr setzen zu dürfen. Leider wird in diesem Zusammenhang viel Komplexes stark vereinfacht und verfälscht. So kommt am Ende auch ein merkwürdiges Verhältnis einiger - bei weitem jedoch nicht aller - Linker zum Islamismus zustande.

  • Erscheint mir zwar komisch, aber in einem Punkt muss ich Merz zustimmen:



    Der Anschlag galt der Freiheit schlechthin - nicht nur der Freiheit von queeren Menschen.



    Freiheit ist immer die Freiheit der anders Denkenden hat schon Rosa Luxemburg erkannt.



    Heinrich Niemöller stellte fest, dass niemand mehr da war, der ihm hätte helfen können, als die Nazis ihn holten.



    Wenn irgendeine Gruppe in unserer Gesellschaft Hass und Verfolgung ausgesetzt ist, beschädigt das auch mein Freiheitsempfinden - auch wenn ich nicht dazu gehöre.

  • Ich vermisse eine starke Reaktion der islamischen Gemeinden. Die Verbände reagieren zwar wie immer mit den üblichen, richtigen Worten, aber die Moscheegemeinden halten sich seltsam zurück. Müsste nicht gerade von denen ein Aufschrei angesichts der Verunglimpfung und Instrumentalisierung des Islamischen Glaubens erfolgen?



    Und müsste nicht darauf hingewiesen werden, dass vor allen Dingen die freiheitliche Grundordnung und unsere Verfassung von diesen Islamistischen Verbrechern verteufelt



    wird? Das würde auch allgemein deren Akzeptanz stärken.



    Im Koran kann schliesslich stehen was will. Hierzulande ist eben keine Religion Grundlage unseres Grundgesetztes, sondern die Errungenschaften der Aufklärung und des Humanismus. Auch wenn der Islam möglicherweise freundlich ausgelegt wird. Das gilt auch für die Christen, Juden und alle anderen Anhänger irgendwelcher Religionen.



    Imame sollten also auch mal über das deutsche Grundgesetz reden und nicht nur den Islam zurechtbiegen, um halbwegs kompatibel zu unserer Gesellschaft zu erscheinen.



    Weder in der Bibel, in der Thora noch im Koran steht, was unsere demokratische Grundordnung ausmacht!

    • @ Christoph:

      Wer sich über die fehlenden Reaktionen der Moscheegemeinden wundern, dem sei die Lektüre von Constantin Schreibers Buch "Inside Islam. Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird" (2017) empfohlen.

    • @ Christoph:

      Ich muss dabei immer wieder an an das Buch "thud!" von Terry Pratchett denken. Dieser beschreibt darin das Verhältnis zwischen den modernen Stadtzwergen zu den deep - downer, also den Extremisten unter den Zwergen. So fühlt sich für mich auchnoft dad Verhältnis zwischen Muslimen und Islamisten an.

      "The city dwarfs regarded them with awe, respect, and, it had to be said, a certain amount of embarrassment, like some honoured but slightly loopy relative. Because somewhere in the head of every city dwarf there was a little voice that said, You should live in a mine, you should be in the mountains, you shouldn’t walk under open skies, you should be a real dwarf. In other words, you shouldn’t really be working in your uncle’s pigment-and-dye factory in Dolly Sisters. However, since you were, you could at least try to think like a proper dwarf. And part of that meant being guided by the deep-downers, the dwarfs’ dwarfs, who lived in caves miles below the surface and never saw the sun. Somewhere down there in the dark was true dwarfishness. They had the knowing of it, and they could guide you…"

    • @ Christoph:

      "Ich vermisse eine starke Reaktion der islamischen Gemeinden."



      Und bingo.



      Es reicht nicht, dass diese Gemeinden den Anschalg verurteilen, nein es muss ein Aufschrei sein...



      Ist dieser Maßstab der Empörung gesetzlich vorgeschrieben, oder reicht Ihre Einstellung dazu?

      • @Encantado:

        Es reicht tatsächlich nicht.



        .



        Vielleicht muss es kein Aufschrei sein, aber Muslime sind hier in einem echten Dilemma. Hier: taz.de/-Nach-CSD-Anschlag-/!6199962/



        .



        》Der Islamexperte Bülent Uçar erwartet nach dem CSD-Anschlag in Berlin nicht, dass die muslimische Community in Deutschland die dort weitverbreitete Verurteilung von Homosexualität überdenken wird. Die meisten Muslime lehnten Homosexualität klar ab, sagte der Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Osnabrück dem Evangelischen Pressedienst. Das entspreche der Mehrheitsposition in allen größeren islamischen Strömungen. Maßgebend seien dabei insbesondere Textstellen in den sogenannten Hadithen und der Schrifttradition, die für homosexuellen Verkehr die Todesstrafe fordern.《



        .



        Zur Auflösung skizziert Uçar zwar einen Weg - die Betonung überzeitlicher Gebote zur Abschwächung zeitgebundener Verbote, der aber sehr mühsam sein und lange dauern dürfte.



        .



        Und müsste vor allem von allen gewollt sein. Womit wir vielleicht doch wieder beim "Aufschrei" wären...

      • @Encantado:

        Bemerkenswert, wie plötzlich jeder Maßstab relativiert wird. Nach jeder rechtsextremen Tat werden von Konservativen unmissverständliche Distanzierungen erwartet – und wehe, sie fallen nicht laut genug aus. Dann ist der Faschismusvorwurf nicht weit. Nach islamistischen Anschlägen heißt es dagegen plötzlich, niemand dürfe einen "Aufschrei" erwarten. Nach rechtsextremen Anschlägen folgen regelmäßig große Demonstrationen gegen Rechts. Wo bleiben vergleichbare, breite Mobilisierungen gegen Islamismus? Diese Frage zu stellen ist weder islamfeindlich noch unzulässig, sondern Ausdruck desselben Maßstabs.

      • @Encantado:

        Wo ist denn diese Verurteilung seitens der islamischen Organisationen (zB dtib), in denen sie auch klar den Islamismus benennen?



        Wo sind die Reaktionen, den Islamismus in den eigenen Reihen zu bekämpfen oder sich gar kritisch damit auseinanderzusetzen?

  • klingt als wenn feddersen genau weiss dass dem großteil der deutschen der unterschied zwischen islam, moslems und islamisten so schnell nicht beigebracht werden kann. das islamisten zum großteil werte von völkischen nationalisten teilen, mit dem größten unterschied das die einen schwein fressen und die anderen nicht, aber beide gruppen um macht und einfluss konkurierende rechtsextreme strukturen darstellen ist dagegen offensichtlich

    • @geradenicht:

      Klingt eigentlich so genau nicht.

      Zum einen hat sich ja nun wirklich rumgesprochen, dass nicht jeder Muslim Islamist ist.

      Manche halten nur die Abgrenzung der einen von den anderen nicht für glaubwürdig oder für ein bisschen dünn.

      Zum anderen ist der größte Unterschied nicht die Ernährung.

      Der schwerwiegendste Unterschied ist, dass Linke die einen auf dem Schirm haben, die anderen nicht.

  • Die politische Linke in unserem Land hat – so, wie sie sich gegenwärtig präsentiert – schon verloren. Und damit meine ich sowohl Anti-DEs als auch Anti-Imps. Denn genau das ist das Problem: die Identifikation mit einem Konflikt als einer Art Ersatzbefriedigung, weil man für das eigene Land keine Antworten und wohl auch kein Empfinden hat.



    Dabei war die sozialistische Linke im Osten schon mal bedeutend weiter gewesen. Allen Vorurteilen zum Trotz beruhen auch die sozialistischen Ideen, die Ideen von Marx, Engels und anderen, auch weniger bekannten Denkern, auf den Traditionen und der Kultur des christlichen Abendlandes. Woanders hätten sie schlicht gar nicht entstehen können. Ja, die meisten, die sich als Sozialisten verstehen, sind sicher philosophische Materialisten, aber nicht ausschließlich.



    Und ja, auch in der DDR läuteten die Glocken, was sich vielleicht einige im Westen sozialisierte anders vorstellen. Nur Gebetsrufe gab es eben nicht, da der Internationalismus bei uns anders verstanden wurde.



    Um im Osten noch eine Chance zu haben, müsste an diese Traditionen angeknüpft werden. Das BSW hätte es sein können, vielleicht besinnt es sich noch. DIE LINKE wohl eher nicht mehr.

    • @Traditioneller Sozialist:

      Die Linke wird es garantiert nicht mehr, aber auch nicht das BSW. Die Zerfleischen sich, wer dem Putin tiefer in den Hintern kriechen kann.

      Was es braucht ist eine Linke Partei, die mal auf den Tisch haut. Eine Linke, die sich real(o) so verhält wie in einem klassischen Indymedia-Beitrag, gerne auch wie eine Vullangruppe. Einen "Linken Trump", nur ohne Menschenverachtung. Sichtbar, und nicht immer hinter Worten und durch die Blume versteckt.

      So, dass potentielle Wähler sehen: Boah ey, die tun ja was! Gegen Vermieterschikanen! Gegen Frauengewalt! Gegen den Kapitalismus! Gegen das Abzocken von Rentnern! Stattdessen tut die AfD, und zwar gewaltig hetzen und das zieht beim Wähler, wenn er sieht, wie plötzlich Flüchtlinge schikaniert werden, nur dass er lieber doch das Original wählen will, damit das ganze noch zügiger über die Bühne geht.

      Aber bis dahin streiten sie sich weiterhin. Sollen sie ruhig machen, ich gebe wenigstens Ideen. Glaubwürdig und widerspruchsfrei muss die neue Linke sein.

  • Sehr guter und auch notwendiger Artikel. DANKE dafür.

    Eine Gruppe, die insbesondere unter den Islamisten leidet, sind die Migranten. Und die Migranten, die sich integriert haben und die die Freiheiten unserer Gesellschaft achten und genießen (unsere Familien gehört dazu) verabscheuen die Islamisten. Umso mehr macht es uns fassungslos, dass die Linken die Islamisten verharmlosen und die Gefahr ignorieren.

    WIR WOLLEN DAS NICHT!

    Diese Extremisten müssen bekämpft werden, von ALLEN Parteien. Diese Extremisten zerstören das Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Es ist keine Ausländerfeindlichkeit und auch kein Rassismus, wenn die Linken den islamistischen Terror (auch den alltäglichen) wahrnehmen und etwas dagegen unternehmen.

    Es wird Zeit, dass auch die Linken das merken.

    • @Black & White:

      "Eine Gruppe, die insbesondere unter den Islamisten leidet, sind die Migranten."

      Nein, unter den Islamisten leiden insbesondere die Opfer dieser Anschläge - und die werden nicht ermordet oder schwer verletzt, weil sie möglicherweise auch Migranten sind, sondern weil sie Veranstaltungen besuchen, die charakteristisch für unsere freie und offene Gesellschaft sind (Weihnachtsmärkte, CSD).

      • @Éljen a Magyar:

        Liberale Migrant*innen (und das sind viele) aus islamisch geprägten Ländern leiden durchaus an dem Druck den Islamist*innen auf sie ausüben, den "wahren" Glauben zu praktiziereren. Das geschieht oft durch Drohungen, die schwer justitiabel vorgebracht werden. Dieses Leiden ist von ganz anderer Art als das von Anschlagsopfern und deren Angehörigen, eher langsam entnervend und zermürbend. Da ist es um so schlimmer, wenn sie von dritter Seite wegen Äußerlichkeiten mit denjenigen, die sie vergeblich auf ihre Seite ziehen wollen, in einen Topf geworfen werden. Nur eine Minderheit der Muslime hierzulande ist überhaupt in Moscheevereinen und Verbänden organisiert.

  • "Auf einem Auge blind"

    Als wenn queere Menschen nicht wüssten aus welchen Richtungen ihnen selbst die ganze Zeit Gefahr droht!

    Bitte lieber Gott lass es Hirn regnen und wenn nicht dann zumindest bitte Intelligenz und Logik!

    Vielleicht tut es den einen oder anderen ganz gut, wenn man sich der Wahrheit nähern möchte, vieles diffenziert zu betrachten.

    Ein deutscher Islamistischer Terrorist verübt einen Terroranschlag, die Medien sind voll damit immer wieder zu betonen daß derjenige einen Migrationshintergrund hat, obwohl dieser Terrorist ein deutscher Staatsbürger ist, der hier bei uns geboren wurde. Das ist wirklich sehr peinlich zu fragen wie ein deutscher Staatsbürger der im unseren Land sozialisiert wurde, eine Sympathie für Islamistischen Terrorismus entwickeln konnte.

    Gleichzeitig kommen jetzt Individuen hervor, die härtere Gesetze fordern, genau von denen die zur Erstürmung der CSD's im Osten unter dem Deckmantel von Demo's aufgerufen haben und vor denen die CSD's im Osten polizeilich geschützt werden mussten. Das ist an kranker Komik kaum zu überbieten!

    Queere Menschen wissen ganz genau mehr als jeder andere, von welchen Seiten und Richtungen Ihnen Gefahr droht.

    • @taz.manien:

      Rechtsextremisten bedrohen CSDs. Und ja, islamistische Extremisten bedrohen sie ebenfalls. Beides gleichzeitig anzuerkennen, scheint für manche inzwischen schon zu viel verlangt zu sein.

      Der Täter war deutscher Staatsbürger – aber seine Ideologie war islamistisch. Genau darüber wird diskutiert. Ein deutscher Pass macht den Islamismus weder weniger islamistisch noch den Terror weniger gefährlich. Wer daraus ableitet, Migration oder Integrationsprobleme dürften keine Rolle mehr spielen, führt eine Scheindebatte.

      Und der Hinweis auf Rechtsextremisten widerlegt auch keine Forderung nach konsequenterem Vorgehen gegen islamistische Gefährder. Sicherheit ist kein Nullsummenspiel. Der Staat muss Menschen vor jeder Form von Extremismus schützen.

      Bemerkenswert ist vielmehr, dass nach islamistischen Anschlägen reflexartig auf Rechtsextreme verwiesen wird, als dürfe man über die konkrete Bedrohung nicht sprechen. Nach einem Neonazi-Anschlag fordert schließlich auch niemand, zuerst über Islamismus zu reden. Diese doppelten Maßstäbe sind es, die viele Menschen zunehmend als ideologisch und unglaubwürdig empfinden.

  • Nein, "Die Linken" sind nicht für "die Islamisten" - das will Welt-TV verbreiten um zu verleumden.



    von innen:



    alle Welt der Linken unterstützt Rojava, das Gebiet der kurdischen Selbstverwaltung im NO Syriens. Siehe die vielen Telegram-Kanäle.



    Seit den 90ern gilt die Sympathie den Kurd_innen und Jin, Jiyan, Azadî ist der Slogan seit der ermordeten kurdischen Iranerin Jina Mahsa Amini .



    Auch wenn die FDP und CDU damit schmücken und vereinnahmen.



    Deshalb weil linksradikale FlüchtlingsunterstützerInnen in Rojava einen Lichtblick sehen, seit 2014, deshalb wurden einige andere progressive säkulare Initiativen und Bewegungen in den arabischen Ländern zu wenig beachtet, übersehen.



    Deshalb weil die PKK den Yesiden im Shengal (Irak) das Leben rettete, ist niemand von den Linken für Islamisten oder Daish. Niemand.



    Die meisten Leute, die auf telegram "jugendinfo" mitlesen, hätten statt der Hamas lieber eine säkulare Widerstandsbewegung - wenn diese Leute gegen Israel sind.



    "Free Palestine" und Vanessa E. Thompson in der taz kürzlich übersehen geflissentlich, dass die Hamas dort keinen Raum für andere Parteien lässt.



    Aber die Welt ist groß und 100 linke Gruppen agieren nebeneinander.

    • @Land of plenty:

      Vielleicht mal den Kommentar von Traditioneller Sozialist weiter oben lesen.

      Die politische Linke in unserem Land hat – so, wie sie sich gegenwärtig präsentiert – schon verloren. Und damit meine ich sowohl Anti-DEs als auch Anti-Imps. Denn genau das ist das Problem: die Identifikation mit einem Konflikt als einer Art Ersatzbefriedigung, weil man für das eigene Land keine Antworten und wohl auch kein Empfinden hat.

      Bei Ihnen ein Volltreffer.

    • @Land of plenty:

      Dass Ihnen an dem Satz „Die meisten Leute … hätten statt der Hamas lieber eine säkulare Widerstandsbewegung – wenn diese Leute gegen Israel sind“ offenbar nichts Problematisches mehr auffällt, ist eigentlich die bemerkenswerteste Aussage Ihres gesamten Kommentars.

      Das eigentliche Kriterium ist also gar nicht mehr, ob eine Bewegung demokratisch, friedlich oder menschenrechtskonform ist – Hauptsache, sie richtet sich gegen Israel. Dass man sich lediglich eine „bessere“ antiisraelische Organisation wünscht, statt die antisemitische Gewalt und den Terror grundsätzlich zurückzuweisen, sagt viel über die politische Prioritätensetzung aus.

      Niemand behauptet ernsthaft, alle Linken seien Islamisten. Aber Teile der radikalen Linken haben über Jahre ein Milieu geschaffen, in dem antiisraelischer Aktivismus regelmäßig wichtiger erscheint als eine klare Abgrenzung gegenüber islamistischem Terror. Wer „Free Palestine“ ruft, aber kaum ein Wort über Hamas-Herrschaft, Geiselmorde oder die Unterdrückung der eigenen Bevölkerung verliert, setzt Schwerpunkte – und die sind für viele Außenstehende mehr als aufschlussreich.

  • Vielen Dank für diesen Artikel! Hoffen wir, dass er Ausdruck eines Umdenkens bei den Linken ist.



    Diese Bagatellisierung und das Verschweigen der Thematik von Seiten der Linken haben erst Recht die AfD gestärkt.

  • Der Artikel trifft einen wunden Punkt. Teile der politischen Linken haben die Gefahr des Islamismus über Jahre verdrängt oder verharmlost. Während hinter jeder konservativen Position sofort ein Rechtsruck vermutet wurde, begegnete man islamistischen Strömungen oft mit erstaunlicher Nachsicht – aus Angst, als "islamfeindlich" zu gelten.

    Die Warnsignale waren jedoch seit Jahren sichtbar: antisemitische Demonstrationen, Hassprediger, Einschüchterung von Juden, Frauen und Homosexuellen sowie immer neue Terroranschläge. Statt die Ideologie klar zu benennen, wurden Kritiker nicht selten als "rassistisch" oder "rechts" abgestempelt.

    Die eigentliche Ironie ist: Ausgerechnet diejenigen, die sich als Verteidiger von Vielfalt und Minderheiten verstehen, haben einer Ideologie viel zu lange mit Samthandschuhen begegnet, die genau diese Werte ablehnt. Wer den Islamismus aus ideologischer Rücksicht kleinredet, schützt keine Minderheiten – er lässt ihre Feinde gewähren. Dass diese Debatte erst nach immer neuen Anschlägen ernsthaft geführt wird, ist ein politisches Armutszeugnis.

  • 》Merz’ Worte in Berlin standen trotzdem schief: Es war eben kein Anschlag auf alle, sondern einer auf eine queere öffentliche Manifestation, auf lesbische Frauen, schwule Männer und trans Menschen, [...]



    .



    Merz hätte es ausdrücklich sagen können: Der Anschlag galt nicht der Freiheit schlechthin, sondern der Freiheit von queeren Menschen.《



    .



    Eben genau so nicht! Indem er den Anschlag so einordnet, bekennt er sich ausdrücklich zu queeren Rechten als Freiheitsrechten, sind Queere nicht irgendwelche "Anderen", sondern "Wir"



    .



    Das ist auch die Leistung, die Konservative erbringen müssen, erbracht haben: von einem AfD-Wähler habe ich auf Instagram gelesen, mit dem Anschlag habe es "die Richtigen" getroffen - sowas hat Merz für die Union sofort und unmissverständlich einen Riegel vorgeschoben.



    .



    Hier in der taz gab es kürzlich einen Artikel zur Frage, ob es dem CSD nicht vielleicht doch zu viele "freischwingende Schwänze" gebe - könnte wan sich vielleicht in konservative Wähler*innen doch bitte soweit hineinversetzen, dass es eine Errungenschaft ist, dass die Union (Merz, Wegner) ihnen ausdrücklich vermittelt, dass dieser CSD auch als ihre Freiheit ohne Wenn und Aber schützenswert sei?

    • @ke1ner:

      "Indem er den Anschlag so einordnet, bekennt er sich ausdrücklich zu queeren Rechten als Freiheitsrechten, sind Queere nicht irgendwelche "Anderen", sondern "Wir" (...) von einem AfD-Wähler habe ich auf Instagram gelesen, mit dem Anschlag habe es "die Richtigen" getroffen - sowas hat Merz für die Union sofort und unmissverständlich einen Riegel vorgeschoben."



      Exakt. Und auch wenn ich Merz für unfähig halte, hier hat er tatsächlich genau das richtige gesagt.

  • Vielen Dank für diesen Beitrag (ganz unironisch gemeint). Das hätte ich in der taz nicht erwartet.



    Ein islamistischer Attentäter begeht diese furchtbare Straftat und das erste, was vielen Linken einfällt, ist es, einen Zusammenhang zur AfD herzustellen, weil diese in ihrem Programm die Familie als "Mann, Frau, Kind" definieren. Auch die CDU ist nicht ganz unschuldig, schließlich hängen keine Regenbogenfahnen mehr vor dem Bundestag. Aber die Tat dem zuzuschreiben, der sie begangen hat, einem Islamisten - undenkbar. Hätte irgendjemand einen Zusammenhang zum Islamismus hergestellt, wenn der Attentäter ein AfDler o. ä. gewesen wäre? Ich denke nicht. Ja, es gibt Gemeinsamkeiten zwischen beiden Lagern. Genau so gibt es auch viele inhaltliche Gemeinsamkeiten zwischen AfD und der Linkspartei. Doch aktuell muss man einfach das Kind beim Namen nennen und das heißt "Islamismus". Daher nochmals danke für diesen wichtigen Beitrag!

  • Genau wegen solchen klugen Kommentaren lese ich die taz. Danke, Herr Feddersen. Ich bin wirklich an den extremen Doppelstandards verzweifelt, welche die Linke blase in den letzten Jahren angesetzt hat.

  • Bei Linken gibt es Leute, die sagen, dass das Vorgehen von Hamas berechtigt war. In dem Sinne könnte der Anschlag auch so ausgelegt werden, dass sich manche Leute nur wehren, gegen diese Bourgeoisie, die heiter feierte, nachdem im Namen von deren Schutz Schulkinder in Iran bombardiert wurden.

    Ich selbst bin da aber kein Fan von wie mystischen Narrativen, und statt dessen konkret zu Themen, wie warum ISIS und weitere immer noch Broadcasts sogar auf Handys von Kids haben.

    • @David Lejdar:

      Im Kern verstehe ich, was Sie sagen wollen. Aber da wird dann doch einiges durcheinander geworfen. Vielleicht ein Teil des Problems: Viele Fehlvorstellungen über Islamismen.

      Die Hamas verbindet republikanisch-sunnitischen Islamismus mit palästinensischem Nationalismus. Also die Vorstellung, dass Fellachen (im Sinne von traditionell sesshafte Araber) einen Nationalstaat haben sollten, in dem Drusen, Juden, Tscherkessen, Beduinen usw. -gelinde gesagt- nicht staatstragend seien sollen. Die Hamas erweitert diese Liste noch um Christen, Schiiten, Queere.

      Im Iran ist dagegen der republikanisch-schiitische Islamismus mit Rahbar als zentraler Figur Staatsideologie. Die Ideologie der Hamas oder überhaupt ein palästinensischer Nationalstaat ist damit völlig unvereinbar. Und sobald Israel die schwächere der beiden Staatsideologie wäre, würde die iranische Führungsschicht die Palästinenser (für Iran: nützliches Kanonenfutter) de facto schneller fallen lassen als eine heiße Kartoffel (wie auch schon im 1. Golfkrieg).

      Der IS ist kalifatistisch-sunnitischer Islamismus. Auch für diesen ist Nationalstaatlichkeit nicht minder Feind wie der Zionismus oder die iranische Staatsideologe.

      • @N. Ietsche:

        das ist viel zu gelinde ausgedrückt.



        hier mal ein Auszug aus der Charta:



        ....zitiert die Charta ein Mohammed zugeschriebenes Zitat aus den Hadithen (Nr. 2922 in der Hadith-Sammlung Sahīh Muslim):[2] „Die Stunde (der Auferstehung) wird nicht kommen, bis die Muslime gegen die Juden kämpfen. Die Muslime werden sie töten, bis sich der Jude hinter Stein und Baum verbirgt, und Stein und Baum dann sagen: ‚Oh Muslim, oh Diener Gottes! Da ist ein Jude hinter mir. Komm und töte ihn‘, außer der Gharqad-Baum, denn er ist ein Baum der Juden.

  • Rechts und islamistisch: Ich sehe da keinen Widerspruch. Islamisten sind rechts.

    • @spaltarsch:

      Wie ist die genaue Bezeichnung dieser Extremen Strömung?

      Islam -> Extrem: islamistisch



      Rechts -> Extrem: rechtradikal? oder einfach rechts?

    • @spaltarsch:

      Es ist nicht dasselbe und Sie wissen ganz genau, dass wenn man in der Vergangenheit von der Brandmauer und Rechten gesprochen hat immer nur die (reale) Gefahr durch die AFD gemeint hat.



      Jetzt den xten Kommentar zu lesen, der irgendwie versucht rückwirkend so tut als ob Islamismus immer mit gemeint war ist einfach nur heuchlerisch.

    • @spaltarsch:

      Komisch, irgendwie kommt das bei den Demos gegen rechts nicht rüber.

  • Ja, das ist immer dieser Konsequentialismus:



    au nein, Islam bloß nicht erwähnen, erörtern, das ist "Wasser auf die Mühlen der Rechten."



    Kritik der Eurozone auch nicht?



    Bargeld-Automaten - Zentralisierung?



    Wenn alles nicht mehr erwähnt würde, weil es "Wasser auf die Mühlen der Rechten" wäre, dann hätten nur noch die Rechten Wasser und alle anderen Trockenheit.



    Es gilt da einiges zu verstehen.



    In der Islamischen Welt: geschichtlich und die Gegenwart.



    Es gibt Literatur, z.B. von Reinhard Schulze, auch auf x.com/SchulzeRein?lang=de oder xcancel.com/SchulzeRein mit genauen Einschätzungen zum Geschehen in Syrien, Iran und arabischen Regionen.



    Es ist eben bei den meisten die Befürchtung zu sehr zu verallgemeinern. Was haben nun Muslime mit Islamismus zu tun? Wie sind da die Übergänge? Da kommt immer die Behauptung das eine habe mit dem anderen nichts zu tun. Das ist ein langes Thema.



    Es gibt ja auch ständige Diskriminierungen: bei Arbeit, Wohnen und Gesundheit.



    Aber Jihad-Angriffe leiten sich eben nicht aus Sozialprotest ab!

  • Danke Herr Feddersen für Ihren Beitrag.



    Ich denke es gibt da eine Menge verschiedene Reaktionen und Verhaltensweisen unter Queeren:



    - großstädtisch-urbane die sich mit Queeraspora Menschen verbünden und denen Antirassismus wichtig ist.



    - die ländliche Situation "Allein unter Heteros" - in der schon Verwandtschaft und rechte Bierstuben das Leben eng machen.



    - schwule Männer, die in Berlin Angriffe von türkischen jungen Männern in cruising areas erlebten



    - lesbische Funktionärinnen und Autorinnen, die gegen die Weltpolitik opponieren.



    So weit die Stereotypen.



    Hilfreich finde ich die Arbeit von Derviş Hızarcı und der Kreuzberger Ini gg Antisemitismus KIgA, die z.B. Rollenspiele einsetzen, um mit jungen Menschen migrantischer und islamischer Prägung Familiensituationen und eigene Bedürfnisse zu thematisieren.



    Islamistische Täter wie in taz.de/Militanter-...n-Berlin/!6199509/ sind da schon kaum noch erreichbar. Da muss die Gefährderdefinition und die Überwachung verbessert werden.



    Weiterhin: viel Mut, courage allen Queeren und Verletzlichen!

  • Vor 10 Jahren wurden in Orlando 49 queere Menschen vor einem Islamisten getötet. Es kam damals nicht in der Linken an und ich befürchte, das es auch jetzt nicht ankommen wird.

    Ideologische und politische Linien sind nicht starr, sondern verlaufen fließend. Von der CDU zur Wertunion, von der Wertunion zur AFD und vom Flügel der AFD zu gewaltbereiten Neonazis- das leuchtet jedem Linken ein und trotzdem sind Söder und Merz keine Faschisten, auch wenn man ihnen vorwerfen kann, das sie gerne mal im selben trüben Becken fischen.

    Diese Logik lässt sich auch wunderbar auf konservative Muslime anwenden, die Anschläge dieser Art aufgrund der Gewalt zwar durchaus verurteilen, es aber auch niemals über die Lippen bringen werden einmal zu sagen, das es okay ist queer zu sein.

    So wie sich gewaltbereite Neonazis als handelnde Elite der schweigenden Mehrheit sehen, so sehen sich auch Islamistische Terroristen als die ausführende Gewalt.

    • @R. Mc'Novgorod:

      Das haben Sie gut auf den Punkt gebracht. In den Stellungnahmen der Islamverbände ist auch nirgends zu lesen, dass man sich solidarisch zeigt mit queeren menschen, und ihr Leben schützen will.

  • ""Es war eben kein Anschlag auf alle, sondern einer auf eine queere öffentliche Manifestation, auf lesbische Frauen, schwule Männer und trans Menschen, die für diese ExtremistInnen offenbar eine Provokation .......



    =



    Merz hätte es ausdrücklich sagen können: Der Anschlag galt nicht der Freiheit schlechthin, sondern der Freiheit von queeren Menschen. ""



    ==



    Islamistische Terroranschläge richten sich gegen die gesamte freie Gesellschaft, gegen Demokratie und gegen den Rechtsstaat. Sie treffen Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung – wie Anschläge auf Weihnachtsmärkte, Konzerte, Stadtfeste oder im öffentlichen Raum zeigen. Dennoch nutzen Islamisten gezielt auch queere Veranstaltungen als Symbole, um offene, diverse Lebensweisen anzugreifen.



    =



    Betroffen sind Zivilisten aller Hintergründe, Altersgruppen, Nationalitäten und Lebensentwürfe, wie historische Anschläge in Berlin, Solingen oder Paris verdeutlichen. Radikale Islamisten hegen einen tiefen Hass auf sexuelle Minderheiten und werten abweichende Lebensmodelle ab. Es geht nicht allein um Lebensmodelle von Minderheiten - sondern es geht um die Betroffenheit aller die in einer diversen Gesellschaft leben wollen.

  • Plötzlich werden diejenigen, denen man für gewöhnlich antimuslimische Hetze vorwirft, mit Islamisten in einem Topf geworfen. Nach der Melodie: Rechts ist immer da, wo die Bösen sind. Was sich für viele Linke im ersten Moment verlockend anhört, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Eigentor. Nach dieser Logik sind nämlich auch weite Teile der deutschen Linken rechtsradikal, zum Beispiel diejenigen, die mit Freunden der Hamas gemeinsame Sache machen, wenn es gegen Israel geh. Vielleicht ist es halt doch besser, die Dinge auseinander zu halten.

  • Volltreffer, richtig guter Kommentar der nicht nur durch eine linke Brille geschrieben wurde. Ich persönlich halte den Islamistischen Terror weder für rechts, noch für links. Es sind einfach nur Verbrecher, welche die Religion als Rechtfertigung für ihre Taten missbraucht. Die Linke tut mir zu oft auf "wir sind die Moral", sind sie aber eben auch nicht immer, wie sie treffen schreiben - Danke.

    • @Hans Dampf:

      "einfach Verbrecher" ist, nun, zu einfach. Der radikale Islam ist politisch, sein Ziel ist eine totalitäre Theokratie, die bedingungslose Unterwerfung des Individuums ist eine conditio sine qua non. Darin unterscheidet er sich kaum von anderen Totalitarismen. Allerdings will jeder Totalitarismus die Unterwerfung unter andere, teilweise widersprüchliche Dogmen, und deswegen stehen diese trotz ähnlicher Methoden sich oft feindselig gegenüber. Und wirklich keine der Formen sollte man auf simple Kiminalität reduzieren.

  • Man muss klar trennen zwischen Muslimen und Islamisten. Ebenso wie man Trennen muss zwischen Antisemitismus und berechtigter Israelkritik. Es gibt schon deswegen keinen Grund Gefährder nicht abzuschieben, weil sie in vielen Fällen in ein Land zurückkehren würden, das ihren Vorstellung deutlich eher entspricht. Das man, wenn man die "faulen Äpfel" nicht aussortiert, denjenigen das Feld überlässt, die daneben noch eine weitere Agenda haben, mag ich schon gar nicht mehr schreiben.

    • @Nachtsonne:

      Also im Fall von Palästina (wo die überwiegende Mehrheit eine islamische Terrororganisation unterstützt, Afghanistan und Syrien (wo die Machthaber ebenfalls durch breite Unterstützung der Bevölkerung an die Macht gekommen sind) ist der Übergang zumindest fließend. Es gibt schlicht und einfach keinen liberalen, säkulären und überwiegend muslimisch geprägten Staat.

    • @Nachtsonne:

      Man muss vor allem zwischen Person und Sache trennen. Zwischen den Muslimen und dem Islam.



      Und auf der Sachebene gibt es den Islam und den Islamismus.



      Zumindest wird von Nichtmuslimen immer gemahnt, da doch zu differenzieren.



      Muslime sehen das oft anders: Erdogan "es gibt nur einen Islam"



      Wer hat nun Recht? Kennen die Nicht-Muslime den Islam besser als die Muslime?



      Ich bin unsicher. Ich beobachte nur,dass überall, wo sich der Islam ausbreitet, in jedem Land, auf jedem Kontinent, es auch dem Islamismus gibt.

      • @Klaus Martens:

        Mohammed war zugleich weltlicher Herrscher und Kriegsherr. Das muss man nicht mögen, aber solange die Gläubigen auf dem Boden des Grundgesetztes stehen gibt es dagegen nichts weiter zu sagen. Länder wie die Vereinigte Arabische Emirate gehen deutlich gegen Islamisten vor. Bei uns arbeitet man mit Appeasement und dem Prinzip Hoffnung. Nicht notwendigerweise eine gute Idee.

  • ... Auf gewaltsame Attacken besonders im Osten der Republik ... Alle ostdeutschen Bundesländer liegen bei Gewalttaten gegen LGBTQ+ im unteren Mittelfeld der Statistik. Einsamer Spitzenreiter wie bei fast allen Deliktsformen ist das Bundesland Berlin. Weiß nicht warum diese Vorurteile trotzdem jedes mal ihren Weg in unsere Hauptstadtpresse finden.

    • @Šarru-kīnu:

      Weil es unbequem ist, sich aus linker Perspektive mit dem politischen Islam auseinanderzusetzen. Dann werden nämlich sogenannte marginalisierte Gruppen schnell zu Tätern.

    • @Šarru-kīnu:

      Es ist doch viel bequemer, das Problem an "die Ossis" auszulagern, als eine differenzierte Analyse zu machen.



      Wenn selbst Linke implizit so denken - Islamisten sind für sie natürlich auch rechte Gewalttäter - darf man sich nicht wundern.

    • @Šarru-kīnu:

      Projektion? Letztlich der gleiche psychologische Mechanismus, der auch hinter Homophobie steckt. Man projiziert das, was einem zu schaffen macht, auf andere.

    • @Šarru-kīnu:

      Ist Berlin nicht auch im Osten?

      • @Hans Dampf:

        Berlin ist kein ostdeutsches Bundesland. Queerfeindliche Straftaten und Hasskriminalität gegen LSBTIQ*-Personen konzentrieren sich in Berlin vor allem auf die Bezirke Tempelhof-Schöneberg, Neukölln, Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg.

        • @Šarru-kīnu:

          Und in Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg auch nicht um den Hackischen Markt (Mitte) bzw. die Samariterstraße.... schon wieder so ein Kommentar von H. Dampf, den keiner braucht.

      • @Hans Dampf:

        Touché.

        Allerdings kann man einwenden, dass es neben der räumlichen auch eine geistige Geographie geben könnte...

        • @Comerade Aardvark:

          Das ist absurd und Sie wissen das.

          • @Nachtsonne:

            Wieso soll das absurd sein? Ostberlin war nicht mal Teil der DDR wenn sie mal Nichtberliner aus der DDR befragen. Berlin als ostdeutsches Bundesland zu bezeichnen nach dem in den 20 Jahren nach der Wende 70% der ostdeutschen Bevölkerung des inneren S-Bahnrings weggentrifiziert wurden ist doch ein Witz?

      • @Hans Dampf:

        Die wissen schon was gemeint ist. Wenn schon Osten: Wahrscheinlich sind queerfeindliche Handlungen in Köpenick und Bernau nicht so zahlreich gesäht wie in Neukölln und Gesundbrunnen. Mann oh Mann.

  • Selbst aus der eigenen Reihen kann die Gefahr kommen. Siehe Leipzig wo sich zwei linke Gruppen aufeinander los gegangen sind.

  • Danke, wenigstens ein Artikel der nicht mit Whataboutismus kommt und das Problem klar benennt.

  • Bitte hören sie auf, die Marginalisierung Bisexueller selbst in so einem Text zu reproduzieren. Der CSD demonstriert für die Rechter aller queeren Leute, schwuler, lesbischer und bisexueller, aber natürlich auch trans, nicht-binärer oder anderweiter queerer Leute.







    Abgesehen davon, muss ich leider zustimmen, dass die islamistische Bedrohung zum einen aus (durchaus legitimen) politischen Gründen, namentlich der Sorge, von Rechts instrumentalisiert zu werden, verschwiegen wurde.

    Gleichzeitig trifft in meiner Erfahrung islamistische und migrantische Queerfeindlichkeit queere muslimische und migrantische Deutsche deutlich stärker als andere deutsche Leute, ihre Stimmen werden in der Öffentlichkeit aber weniger gehört.

    • @MinaL:

      Das ist der Vorteil der Parallelgesellschaft. Wir in unseren Akademikermilieus bleiben von islamistischer und migrantischer Queerfeindlichkeit verschont. Wir schicken unsere Kinder aufs humanistische Gymnasium. Die müssen ihre Pubertät nicht in Neukölln durchmachen.

  • Wer Zweifel an der These des Autoren hat, dass der Islamismus als Gefahr für das Schwule Leben , auch durch die Autoren der TAZ, gelinde gesagt vernachlässigt wurde, der muss nur mal die Artikel zum CSD hier scrollen. Es reiht sich ein Artikel an den Nächsten, in welchen vor Nazis und Afd gewarnt wird, das natürlich auch zu recht. Aber das Thematisierung von Islamismus und auch sonstiger religiöser geprägter Hass gegen Schwule und Queere Menschen findet quasi wenig bis kaum wahrnehmbar statt.

  • Islamismus als Instrumentalisierung einer Religion ist grundsätzlich abzulehnen und mit allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu unterbinden, egal wo er sich gegen wen oder was auch richtet. Da ist unsere Regierung auf beiden Augen blind.

  • Danke für diesen Text. Der ist so wahr.

    "der Witwer eines in Dresden getöteten schwulen Mannes verwahrte sich gegen ein Mahnmal gegen Homophobie, vielmehr sei eines gegen Islamisten wichtig."

    Wenigstens aus Respekt könnte man den Hinterbliebenen der Opfer zuhören. Der Hinterbliebenen von Ehrenmorden, der Hinterbliebenen der Messerattacke von Solingen, vom Attentat in Berlin auf den Weihnachtsmarkt, den Hinterbliebenen von Mannheim.

    Wie oft habe ich gelesen, dass "alle Religionen" ja irgendwie schuld sind (als hätten es Homosexuellen in der linken Sowjetunion so super gehabt!?). Aber es stimmt nicht. Zwischen unangebrachter Ablehnung und Mord liegt noch immer himmelweiter Unterschied. Eine Grenze die nur Islamisten bisher überschreiten. Und die Links-Jugend Solid nennt solche Islamisten "Widerstandskämpfer". Diese falsche Solidarität muss ein Ende finden



    Andernfalls Verrät eine aufgeklärte Linke alle die sie vermeintlich zu schützen glaubt.

    • @Pawel_ko:

      Der Hinweis auf den Witwer ist sehr wichtig, weil er zeigt, dass es nicht um einzelne Versuche der Umdeutung geht (wie jetzt wieder die Linke Neukölln), sondern systematisch abgelenkt wird.

      Statt Islamismus wird dann das "Zirkuszelt" bemüht, als hätte das irgendeinen Einfluss auf diesen jungen Mann gehabt.

  • Islamismus ist auch rechtsradikal!

    • @jan ü.:

      Judith Butler, eine echte linke Ikone in LGBTQ+-Fragen, sagt mit voller Überzeugung dass sowohl die Hamas wie die Hisbollah linke, progressive Bewegungen sind. Wollen Sie da widersprechen? ;-)

    • @jan ü.:

      Wie lustig. Genau das wollte ich schreiben. Islamismus ist die rechtsradikale Ausprägung in mehrheitlich islamischen Ländern. Das nicht zu begreifen bedeutet all die anderen Menschen dort nicht zu sehen. Linke, moderat konservative, Sufianhänger, Atheisten, Feministen, queere Menschen, Anarchisten. Es gibt dort eigentlich alle möglichen Richtungen. Auch welche die es hier nicht gibt.

    • @jan ü.:

      Islamismus ist religös radikal. Da schwört man auf einen Gott und seinen Propheten. Und Islamisten handeln nicht aus politischen Gründen, sondern sind mit unserer westlichen Lebenweise nicht zufrieden. Die mögen keine Musik, keine Frauen die kurze Röcke tragen. keine Männer die in kurzen Hosen Fußball spielen und Zb. keine Homosexuellen. Ich habe noch nie gehört das die Hamas rechtsradikal ist.

      In Paris Islamisten am 13.11 2015 auf Männer und Frauen geschossen die vor und in Cafes/Bars Alkohol getrunken haben,hat bei einem Konzert im Batataclan 80 Menschen ermordet. Ein Atentäter wollte in das volle Pariser Fußbalstadion um sich mit einer Bombe selbst in die luft zu sprengen. Man hat ihn nicht reingelassen und er hat seine Tat ausserhalb vollbracht.

      Es bringt gar nichts wenn man Islamismus vesucht in rechtsradikal umzudeuten. Die IS, Taliban, Al Quaida, Hamas sind religiös radikal.

      www.domradio.de/ar...eligionsmissbrauch



      Die Hamas ist eine radikalislamische und terroristische Organisation.

      www.bpb.de/lernen/bewegtb



      Religiöser Radikalismus bedeutet, dass Menschen eine Religion sehr streng und unnachgiebig auslegen

      • @Martin Sauer:

        Ist das nicht ein Streit um des Kaisers Bart? "Rechts" ist ein schillernder Begriff.



        Ja, "Religiös" und "Rechts" (im engen Sinn von "völkisch", "nationalistisch" oder "rassistisch") sind in ihren Unterscheidungskriterien nicht notwendigerweise deckungsgleich, aber die Exklusivitätsdenke und die einhergehende Intoleranz und Gewaltbereitschaft sind doch SEHR eng verwandt.

        • @Normalo:

          Die "Exklusivitätsdenke" ist eben nicht vergleichbar - Sie oder ich könnten sich mit einem relativ simplen Akt Konvertieren und dem Kalifat (oder ähnlich) unterwerfen, aber andersherum geht es nicht - die Exklusivitätsdenke "unserer" Extremisten hat keinen Platz für einen PoC-Muslim, egal wie.



          Das mag zwar ein wenig wie Scheiße nach Geruch sortieren anmuten, ist aber doch ein nennenswerter Punkt.

          • @Comerade Aardvark:

            Natürlich kann man theoretisch mehr an seiner Weltanschauung ändern als an seiner Hautfarbe oder Herkunft (bei der sexuellen Orientierung wird es freilich schon schwieriger). Aber in einer auf Freiheit und Toleranz aufgebauten Gesellschaft ist nunmal GESETZT, dass das niemand tun muss, nur um in das Weltbild Anderer zu passen, und dass entsprechend die allermeisten Menschen auch nach ihrem gusto ihr Leben und ihre Überzeugungen leben. Entsprechend unveränderlich ist auch der Konflikt zwischen diesen Menschen und der sie einschließenden Gesellschaft einerseits und jenen Extremisten andererseits, die sich einbilden, die gesellschaftlichen Verhältnisse mit egal welchen Mitteln ihren Vorstellungen anpassen zu dürfen.

      • @Martin Sauer:

        Naja. Ihr Begriff von "Islamismus" oder des "radikalen Islam" ist sehr vage und auch irreführend. Ich bevorzuge eigentlich die Begriffe "islamischer Fundamentalismus" und "politischer Islam". Ersterer weist bereits darauf hin, dass es um Autoritarismus und Anti-Pluralismus geht. Letzterer macht zudem klar, dass es sich um eine Ideologie für eine bestimmte Form der politischen Herrschaft handelt: Es geht letztlich eben nicht nur um private Strenggläubigkeit oder Frömmeleien, sondern um die Errichtung eines Kalifats.

      • @Martin Sauer:

        Beide "Bewegungen" sind antidemokratisch, antiliberal, frauenfeindlich, queer-feindlich, autoritär bis faschistisch, militaristisch, kulturell rückwärtsgewandt und antiaufklärerisch bzw. wissenschaftsfeindlich. Lediglich beim Nationalismus und beim religiösen Fanatismus könnte man Unterschiede definieren. Aber auch hier gibt es breite Schnittmengen, z.B. bei islamistischen Regimen.

        • @jan ü.:

          Ließt sich so als wenn sie krampfhaft Punkte nennen um ihre These zu verteidigen nur Martin Sauer hat Recht. Das ist nicht miteinander vergleichbar

        • @jan ü.:

          Trotzdem sind beides unterschiedliche Gruppen und wenn man über Rechtsradikale redet, dann sind da Islamisten normalerweise nicht mitgedacht. Im Gegensatz zu den schon erwähnten Grauen Wölfen.

    • @jan ü.:

      Da braucht man sich nur Mindset der Grauen Wölfe und die Kontakte zum rechten Spektrum anzuschauen.

      • @Xanyd:

        Die Grauen Wölfe sind eindeutig rechtsextrem, jedoch sind sie, auch wenn die meisten Muslime sind, keine Islamisten.

  • So ist es. Und Islamisten sind nicht nur für queere Menschen eine Gefahr, sondern für alle. Dies Jahrzehnte nicht nur ignoriert sondern wahrheitswidrig negiert zu haben war die Geburtshilfe für solche Gruseligkeiten wie die Afd. Um die jemals wieder klein bekommen zu können wird die Linke an sich selbst arbeiten müssen und nicht an den anderen Demokraten.

    • @Samvim:

      Super Kommentar. Was habe ich immer gehört? Halbieren, inhaltlich Stellen, Verbotsverfahren....Blablabla. Wo steht die AFD heute à propos?

  • Danke für diesen wachen Blick auf die Verhältnisse.



    Es ist immer besonders ehrenvoll, den kritischen Blick auf Verantwortung im Umfeld zu lenken, statt sie weit von sich zu weisen.



    Kritischer Jounalismus braucht genau das: nicht nur mit dem Finger auf Andere zu zeigen, sondern auch Aufmerksamkeit und Selbstkritik nicht zu übersehen.

  • Danke für diesen sachlichen Artikel. Die Reaktion der Linken in Neukölln auf den islamistischen ist ein treffende Beispiel für das blinde Auge.

  • Ja, vollkommen richtig. Es ist nie verkehrt und auch absolut notwendig die Dinge beim Namen zu nennen. Dazu gehört eben auch, dass Linke sich nicht eine Welt erträumen können, sondern schon mal die Augen öffnen sollten. Dazu gehört halt auch, dass der nicht hätte frei rumlaufen dürfen. Die "Bewährung" war bei dem nicht angebracht.

    • @Pico :

      Und es waren ausgerechnet Linke, die ihn aus dem Knast entlassen bzw. seine Freilassung gefordert haben?



      Nenn' doch bitte als Quelle auch nur einen einzigen, namhaften 'Linken', der islamistischen Terror gutheißt.

      • @Tiene Wiecherts:

        "Quelle auch nur einen einzigen, namhaften 'Linken', der islamistischen Terror gutheißt"



        Alle, die den Terrorangriff der Hamas auf Israel als Freiheitskampf glorifiziert und/oder verteidigt haben. Das waren so viele, das können Sie sich sicherlich auch selber raussuchen.

        • @Encantado:

          Das war aber kein islamistischer Terror, sondern eine widerliche jedoch politisch motivierte Tat. Der Islam stand dort in keiner Weise im Vordergrund.

          Sie verdrehen hier Dinge und ich glaube das tun sie absichtlich um die Hamas so absolut zu delegitimieren und zu verteufeln wie es nur geht.

          Israel - Palästina ist nicht zuvorderst ein religiöser Konflikt sondern einer um Land und das war sogar schon vor der Staatsgründung so! Gewisse Dinge wie eine Allianz mit dem Iran ändern daran nichts. Die Allianzen der USA überall auf der Welt zum Beispiel Saudi Arabien oder besser noch früher Apartheid-Südafrika machen die Amerikaner auch nicht zu religiösen Fundamentalisten, da wird Politik betrieben, da wäscht eine Hand die andere und man benutzt sich gegenseitig.

          Ich bin empört von ihren Verdrehungen. Wenn eine Seite im Konflikt Israel - Palästina die Religion in den Vordergrund stellt und mit ihr ihr Tun rechtfertigt, ist es eher nicht die palästinensiche Seite!



          und ich bin empört dass sie - freilich nicht alleine man liest es häufig - den Palästinensern implizit eine eigene politische Identität absprechen! Das ist ebenfalls unlauter.

          • @JK83:

            "Das war aber kein islamistischer Terror, sondern eine widerliche jedoch politisch motivierte Tat. Der Islam stand dort in keiner Weise im Vordergrund."



            Sicherlich reiner Zufall, dass es von Muslimen gegen Juden ging.



            "...um die Hamas so absolut zu delegitimieren und zu verteufeln wie es nur geht."



            Was die Hamas angeht, kann ich mit Ihrer Behauptung problemlos leben.



            "Israel - Palästina ist nicht zuvorderst ein religiöser Konflikt..."



            Wenn Sie allerdings Hamas und Palästina gleichsetzen, werden Sie unterkomplex.



            "ich bin empört dass sie - freilich nicht alleine man liest es häufig - den Palästinensern implizit eine eigene politische Identität absprechen."



            Da ich kein Wort über Palästina verloren habe, sondern ausschließlich Hamas, ist Ihre Empörung unpassend.



            Sie könnten sich stattdessen daran versuchen zu erläutern, inwiefern die Hamas nicht islamistisch ist. Viel Spaß dabei.

          • @JK83:

            Empört sollten Sie über das Massaker vom 7. Oktober sein – nicht darüber, dass man die Hamas beim Namen nennt. Die Hamas ist keine säkulare Befreiungsbewegung, sondern eine islamistische Terrororganisation. Das ist keine "Verdrehung", sondern die Einschätzung praktisch aller westlichen Demokratien und der EU.

            Dass der Nahostkonflikt politische Ursachen hat, bestreitet niemand. Daraus folgt aber nicht, dass der Überfall auf israelische Zivilisten, Massenvergewaltigungen, Folter und Geiselnahmen plötzlich kein islamistischer Terror mehr seien. Dass zahlreiche Linke genau diesen Terror relativiert oder als "Widerstand" romantisiert haben, ist keine Erfindung, sondern gut dokumentiert.

            Wer den ideologischen Kern der Hamas ausblendet, betreibt Geschichtsklitterung. Die Charta, die Selbstdarstellung und die Propaganda der Hamas sprechen eine deutlichere Sprache als Ihre Empörung.

          • @JK83:

            Und ich bin empört darueber, dass Sie versuchen, Encantados verständliche Empörung über das Relativieren des Massakers vom 07.10.23 zu diskreditieren. Es war noch einfach "widerlich" (das ist Ihr Sermon), sondern in höchstem Maße verbrecherisch und menschenfeindlich!

  • Also Islamisten sollen nicht rechts sein? Interessante These

    • @TGV:

      "Islamisten sollen nicht rechts sein?"



      Soweit ich weiß, war die iranische Revolution seinerzeit nicht nur gegen den Schah, sondern auch durchaus gegen den Kapitalismus gerichtet. Da sehe ich durchaus linke Anknüpfungspunkte.



      Letztendlich ist es einfach so, dass Islamismus nicht ins Rechts-Links-Schema passt.

    • @TGV:

      Rechtsextremismus ist eine politische Ideologie, die auf ethnischer oder nationaler Überlegenheit, Rassismus, Antisemitismus oder autoritären Vorstellungen basiert.

      Islamismus ist eine Form des religiösen Extremismus. Denen ist es egal ob sie Türke, Deutscher oder Amerikaner sind. Solange sie "Kuffar" oder Apostaten nach islamischen Recht richten handeln sie in ihrem Verständnis richtig.

      Es gibt viele Überschneidungen, aber es ist nicht das gleiche. Und solange wir Islamismus als "rechts" labeln wird das Problem bestehen. Was nützen alle Prgramme gegen Rechte Gewalt, wenn "Tim" seine Springerstiefel an den Nagel hängt aber "Abdul" ein Attentat begeht? Beides muss gesehen werden. Beides muss gesellschaftlich geächtet werden. Wenn Teile der Linken aber durch das "Nazi"-Label jede Diskussion im Keim erstickt, wird es keine Aufklärung über Islamismus geben.

      • @Pawel_ko:

        Islamisten sind kulturpolitisch rechts, aber eigentlich ist die begriffliche Schwammigkeit von "rechts" bzw. "links" hier das Problem. Heutzutag werden die beiden Begriffe auf zu viele Dimensionen angwwandt.

  • Queere Verbände und NGOs weisen seit Jahren darauf hin, dass LGBTIQ*-Feindlichkeit in jeder Form von religiösem oder politischem Extremismus existiert. Dabei wird ein holistischer Ansatz verfolgt. Amnesty International weist beispielsweise seit vielen Jahren weltweit kontinuierlich darauf hin und macht vor keinem Land halt. Zudem fordern linke Initiativen und queere Geflüchteten-Netzwerke seit Langem eigene Schutzräume, separate Unterkünfte und einen besseren Schutz für LGBTIQ*-Geflüchtete in Erstaufnahmeeinrichtungen, da diese dort Mehrfachdiskriminierungen ausgesetzt sind. Das Problem wird in der praktischen Sozialarbeit sehr wohl thematisiert. Angriffe auf Minderheiten oder Symbole einer offenen Gesellschaft (wie den CSD) werden auch von vielen Politikern als Angriff auf die Grundwerte der gesamten demokratischen Gesellschaft interpretiert. Das Argument lautet hierbei, dass die Bedrohung einer spezifischen Gruppe letztlich die Freiheit aller Bürgerinnen und Bürger im Land gefährdet.

    • @Hannah Remark:

      Richtig: "fordern linke Initiativen und queere Geflüchteten-Netzwerke seit Langem eigene Schutzräume, separate Unterkünfte und einen besseren Schutz für LGBTIQ*-Geflüchtete in Erstaufnahmeeinrichtungen"



      Seit langem, in den Städten.



      Und es gibt Neuangekommene bzw. seit ein paar Jahren anerkannte Geflüchtete, die selbst zwischen den Gruppen antirassistisch aktiver Queers und geflüchteten Landsleuten vermitteln und klug übersetzen. Z.B. ist in den studentischen und kreativen Szenen in Aleppo / Syrien das alles auch schon seit nach 2000 Thema gewesen.



      Denken wir an die Stadt- und Land-Milieu-Unterschiede in jedem Herkunftsland.

    • @Hannah Remark:

      Hallo, Hannah Remark,



      "das Problem" mag in der praktischen Sozialarbeit sehr wohl thematisiert werden. Nur ist die praktische Sozialarbeit kein zentraler Ort, an dem linke Ideologie ausgehandelt wird, sondern eher ein Hotspot des wahren Lebens. Haben sich Ihrer Kenntnis nach denn schon die "Queers for Palestine" zu dem Verbrechen positioniert?

  • Der CSD ist Eigentum von niemanden.

  • Linke haben jetzt damit angefangen, islamistischen Extremismus einfach als Kategorie des Rechtsextremismus zu bezeichnen – damit kann man wunderbar weiter im eigenen Weltbild bleiben: Der Feind steht rechts.

    Und schon muss man sich nicht mehr intensiv mit den Gefahren des radikalen Islams beschäftigen.

    • @gyakusou:

      Welche Linke machen das wo?



      Bitte Nachweise.

      • @Land of plenty:

        Presse lesen kann Ihnen weiterhelfen.

      • @Land of plenty:

        Mal das Statement der Neuköllner Linken gelesen?

      • @Land of plenty:

        Schauen Sie sich das TV-Interview von Panzisano, dem Berliner Queer-Beauftragten, an.

      • @Land of plenty:

        Nichts leichter als das: Scrollen Sie mal etwas durch die hiesigen Artikel und deren Kommentare.



        Kein in die Ferne schweifen notwendig.

    • @gyakusou:

      Ich finde es einfach nur Wahnsinn und ich kann es einfach nicht glauben. Ich habe sowieso schon lange den Eindruck, dass sich bestimmte Kreise der Linken sehr weit von dem Ursachen-Wirkung-Prinzip des historischen Materialismus entfernt haben und irgendeine - Ihnen genehme - Agenda durchdrücken. Mir stellt sich natürlich die Frage: Wem nützt es? Bzw. wer hat davon (auch materielle) Vorteile?