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Weimers Pläne für den ÖRR Weimers wilde Privatisierungsträume

Ann-Kathrin Leclere

Kommentar von

Ann-Kathrin Leclere

Medienstaatsminister Weimer schlägt vor, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu privatisieren. Das ist weder seine Aufgabe noch eine gute Idee.

U nser Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer denkt mal eben über die Privatisierung des ZDF nach. Und das passenderweise kurz vor der Woche des internationalen Tags der Demokratie, an dem rund 150 Medienhäuser und Verbände die Aktion „Demokratie braucht viele Stimmen“ starten. ARD, ZDF, RTL, ProSiebenSat.1, Zeitungs- und Zeitschriftenverlage, private Radios – also viele Medien, die sich sonst ziemlich gern gegenseitig Konkurrenz machen – stellen gemeinsam die Frage, was eine vielfältige Öffentlichkeit eigentlich wert ist. Antwort: viel.

Laut KNA sagte Weimer bei einer internen Rede in einer Konferenz der Konrad-Adenauer-Stiftung am vergangenen Donnerstag, man müsse überlegen, „ob es das bisherige System aus ARD und ZDF in der aktuellen Form weiter brauche“. Möglich sei auch, das ZDF zu privatisieren und ARD-Anstalten zusammenzulegen. Am Ende könne es nur noch vier oder fünf Rundfunkanstalten geben. Auch wenn die beiden Aufhänger nicht im direkten Zusammenhang stehen, ist das schon eine bemerkenswerte Abfolge der Dinge.

Während sich die Medienbranche gerade gemeinsam hinstellt und sagt: Wir brauchen viele unterschiedliche Stimmen, sagt der Bundesmedienminister, dass weniger auch reichen würden. Natürlich kann man über Reformen bei ARD und ZDF diskutieren. Auch Weimer kann sich wünschen, dass Doppelstrukturen und Kosten abgebaut und Kooperationen ausgebaut werden. Nur gibt es ein kleines Problem: Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist der Bund gar nicht zuständig.

Aktionswoche: Demokratie braucht viele Stimmen

Im Rahmen der Aktionswoche „Demokratie braucht viele Stimmen“ haben sich über 150 Medien in Deutschland verbündet – die taz ist dabei. Denn "die Pressefreiheit, eine zentrale Säule der Demokratie, ist in Gefahr", wie taz-Chefredakteurin Katrin Gottschalk schreibt. Die Aktionswoche soll darauf aufmerksam machen, dass freie, professionelle, verantwortliche Medien für den demokratischen Zusammenhalt notwendig sind. Organisator ist der BDZV, der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger.

Rundfunkpolitik ist Ländersache, die Länder handeln die entsprechenden Staatsverträge aus. Und damit stellt sich eine interessante Frage: Warum spricht der Kultur- und Medienstaatsminister auf Bundesebene so ausführlich über etwas, das er selbst nicht entscheiden kann? Man muss ihm dabei keine Motive unterstellen. Vielleicht will er tatsächlich eine Grundsatzdebatte anstoßen. Vielleicht hält er die derzeitige Struktur für ineffizient. Das kann man vertreten.

Nicht sein Zuständigkeitsbereich

Aber dann sollte man auch über die Dinge sprechen, bei denen dieser Minister tatsächlich Handlungsmöglichkeiten hat. Big Tech zum Beispiel. Weimer selbst hat immer wieder auf die Macht der Plattformkonzerne hingewiesen. Und er hat eine Digitalabgabe für große Plattformen angekündigt, deren Einnahmen dem Medien- und Kreativsektor zugutekommen sollen. Im Oktober 2025 hieß es von der Bundesregierung, sein Haus arbeite an Eckpunkten.

Im Januar 2026 lag der Vorschlag laut Finanzministerium weiterhin bei Weimer und wurde beraten. Und jetzt, im September, ist die Frage weiter ungeklärt: Wo bleibt der Gesetzentwurf? Werbeerlöse klassischer Medien wandern zu Plattformen. Inhalte werden über Google, Youtube, Meta und andere Plattformen verteilt. Und künstliche Intelligenz wirft noch mal alles durcheinander.

Weimer selbst sagt dazu, die „KI-Revolution“ verändere die Medienlandschaft grundsätzlich. Das Problem ist also erkannt. Aber Weimer scheint wohl etwas abgelenkt und fragt lieber, ob Radio Bremen als eigenständiger Sender erhalten bleiben soll. Dabei sollte uns sein Vorstoß nicht völlig überraschen. Schon 2017 sprach er von mehr als acht Milliarden Euro „Zwangsbeiträgen“, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk erhalte.

Stefan Niggemeier kommentiert dazu aktuell in der Süddeutschen Zeitung: „Am Z-Wort erkennt man die besonders fundamentalen Kritiker von ARD und ZDF.“ Damals war Weimer allerdings noch nicht Medienstaatsminister. In einem Welt-Interview von Anfang 2025 sprach er dann vom „Akzeptanzproblem“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sagte aber gleichzeitig, das System sei ein „großer Gewinn für die politische und journalistische Kultur“ und solle in seinen Grundsätzen nicht infrage gestellt werden. Er regte den ÖRR zu Reformen an.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk unter Beschuss

Heute ist aus „Reformiert euch“ offenbar „Privatisiert euch“ geworden. Womit der öffentlich-rechtliche Rundfunk nur wenige Tage nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD 43,8 Prozent holte, wieder zum politischen Schlachtfeld wurde. Die AfD hatte schon vor der Wahl angekündigt, im Fall einer Regierungsübernahme die Rundfunkstaatsverträge kündigen zu wollen.

So weit ist Weimer zwar nicht. Aber dass ihm die Argumente gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gerade auf dem Silbertablett serviert werden und er sich gern davon bedient, lässt sich zumindest schwer übersehen. Und vielleicht sollte er deshalb noch einmal in seine Jobbeschreibung schauen. Denn er könnte tatsächlich viel bewegen.

Die Medien stehen unter Druck. KI, Plattformmacht und der Kampf um Aufmerksamkeit verändern die Bedingungen, unter denen Journalismus überhaupt noch finanziert werden kann. Genau hier müsste ein Medienstaatsminister ansetzen: bei fairen Wettbewerbsbedingungen, bei der Macht von Big Tech, bei der Finanzierung von Journalismus und bei der Frage, wie Medienvielfalt in Zukunft überhaupt noch möglich sein soll. Er könnte dafür sorgen, dass Medienhäuser wirtschaftlich mehr Luft bekommen, die angekündigte Plattformabgabe vorantreiben oder sich um die Bedingungen für privaten Journalismus kümmern.

Stattdessen diskutiert er lieber über das ZDF. Das ist auch etwas faul, denn man kann sich selbst immer am besten als großer Reformer inszenieren, wenn man nicht für die Reform zuständig ist. Und wenn Weimer das mit seinem eigenen Aufgabenbereich nicht hinbekommt, dann sollte er vielleicht nicht mehr darüber nachdenken, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu privatisieren – sondern sich selbst.

Ann-Kathrin Leclere

Ann-Kathrin Leclere

Aus Kassel, lange Zeit in Erfurt gelebt und Kommunikationswissenschaft studiert. Dort hat sie ein Lokalmagazin gegründet. Danach Masterstudium Journalismus in Leipzig. Bis Oktober 2023 Volontärin bei der taz. Jetzt Redakteurin für Medien (& manchmal Witziges).
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102 Kommentare

  • Alex_der_Wunderer

    Was wir hier von der taz unbedingt brauchen, sind die Anlaufstellen, Meldestelle wo wir die vielen Regionalzeitungen, die in katastrophaler Art & Weise über die vielen Wahlen z. Z. berichten. Viele Regionalzeitung berichten, wenn die AfD durch die Wahlen z. B. statt 1 Sitz jetzt 2 Sitze im Rathaus inne hat als Schlagzeilen mit " Größter Gewinner ist die AfD " oder " AfD verdoppelt Wahlergebnis zu den letzten Wahlen " - es ist nicht zu fassen wie da diese Rechtsextremisten AfD auf Dörfer und Enklaven durch einen künstlichem Hype gestärkt und abgefeiert wird , da bekomme ich als humanistischer Demokrat so einen Hals und könnte 🤑



    Ich habe mir jetzt erstmal durch unsere Rechtsabteilung ein paar Möglichkeiten herausarbeiten lassen, wie durch Netzwerkdurchsetzungsgesetz und Netz DG bezw. Digital Serverce Act [ DSA ] , zum Beispiel jetzt massiv auf die Leserforen in den Regionalzeitung auf diese ganzen rechtsextremistischen Kommentare aktiv vorgehen zu können. Dort in den Foren der Zeitungen, oftmals von den Pro AfD Sympathisanten der Paragraph 130 StGB, und auch Paragraph 185 ff StGB erfüllt wird. Hier müssen WIR mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz gegen arbeiteten ! .

  • Günter Witte

    Aber es gibt ja noch Hoffnung für das ZDF. Jetzt wo sie sich von Böhmermann und seiner unsagbar schlechten Sendung trennen kann es ja nur noch aufwärts gehen.

  • elektrozwerg

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum man sich an Begriffen wie Zwangsgebuehr oder Zwangsbeitrag aufhaengt und daraus sogar irgendeine AFD-affinitaet ableitet. Manchmal hab ich den Eindruck, dass die Empoerung ueber die Nutzung dieser Begriffe nicht dem Zweck dient, eine Debatte zu fuehren.



    Wenn ich jetzt Korinthen kacken wollte, wuerde ich darauf hinweisen, dass es sich um Beitraege handelt. Beitraege zahlt man fuer die Moeglichkeit etwas zu nutzen. Sie sind nicht abhaengig von einer tatsaechlichen Nutzung, deshalb ist der Begriff "Zwangsbeitrag" doppelt gemoppelt.



    Gebuehren zahlt man fuer eine Nutzung. Da man aber auch zahlt, wenn man nicht nutzt, ist der Begriff "Zwangsgebuehren" nicht falsch, beschreibt aber eigentlich nur den Begriff "Beitrag".

    Letztendlich wollen die Leute durch die Verwendung dieser Begriffe doch nur unterstreichen, dass sie etwas finanzieren muessen, was sie nicht nutzen und eventuell aus unterschiedlichen Gruenden auch nicht nutzen wollen. Wenn dieser Zwang zur Finanzierung dann auch noch als "Demokratieabgabe" bezeichnet wird, obwohl der Anschein ensteht, dass er selbst in einer Demokratie nicht beeinflussbar ist, fuehrt das nicht zu Begeisterung.

  • Wortarbeiter

    Hervorragende Analyse! Fehlt nur ein historisches Tupferl: Das ZDF wurde seinerzeit von den Konservativen (CDU) extra gegründet, um den damaligen ÖRR bzw. der ARD etwas entgegenzusetzen - ein gebührenfinanziertes „Privatfernsehen“, das paradoxerweise dann später von derselben CDU unter Helmut Kohl noch um das kommerzielle Fernsehen ergänzt wurde, weil das ZDF nun Teil des Systems war, das Herr Weimer nun, die Gunst der Stunde nutzend, weiter zurecht stutzen möchte - im Dienste des „freien Wettbewerbs“ auf dem Meinungsbild- und Medienmarkt.

  • Captain Hornblower

    Nur mal zur Information, ARD und ZDF sind schon dabei einige



    Sender zu streichen, Radio wie auch TV.



    Alles schon beschlossen und in die Wege geleitet.



    Passiert nur nicht von Heute auf morgen. Hier und da werden schon keine neue Tatorte mehr gedreht. Radioprogramme zusammengelegt, teilweise keine Moderationen ab 18 Uhr u.s.w..



    Einfach mal nach suchen.

  • Der olle Onn

    Nun aus meiner Sicht würde ich ARD und ZDF ungern missen. Genauso wie 3sat und Arte. Warum? Ganz einfach, weil ich im Grunde nur diese Programme einschalte und - wenn es sehr schlimm kommt - auch einmal ein Fußballspiel bei einem Privatsender. Dann läuft die Kiste aber nur genau zwei Halbzeiten lang und dazwischen ohne Ton. Privatfernsehen ist schlicht eine Zumutung für Menschen, die einen wirklich guten Film unzerhackt von Werbung erleben wollen. Dann lieber eine Bluray kaufen. - Und der ganze Dödelrest? Schweigen wir drüber...



    Ansonsten: Ja, es darf gespart werden! Braucht es auf zig Sendern Ausstrahlung über Vor- und Nachmittag? Die stetige Wiederholung der immergleichen flachen Urlaubsziel-Kriminalfälle auf den Regionalsendern? Braucht jemand die vielen Nachtquasselformate - insbesondere, wenn die tatsächlich so teuer sein sollten? Stimmen dabei noch finanzieller Einsatz und Einschaltquote?



    Aber man unterschätze Herrn Weimer nicht. Vermutlich geht es ihm bei seinem Vorstoß weniger um Einsparungen als um inhaltliche Einflußnahme...

    • Nachtsonne

      @Der olle Onn:

      Darüber hinaus haben hat der ÖRR auch noch Werbeinnahmen und Einnahmen aus der Verwertung der Rechte an eigenen Produktionen. Das ist zu einem Selbstbedienungsladen verkommen mit einer Organisation aus den 50er Jahren. Wieviel Geld benötigt man für die Angebote, die kommerziell nicht tragfähig wären? Einen Bruchteil der aktuellen Summe. Darauf bitte reduzieren.

  • Flemming

    Warum ein solcher Vorschlag?



    Was treibt ein Herrn Weimer denn so an?



    Es ist einer dieser kruden Vorstöße die in ihrer Wirkung mehr oder weniger für Aufregung sorgen. Einfach mal was sagen , für Aufmerksamkeit sorgen. Aber auch nicht als lächerlich abtun, es ist ein auf den Busch klopfen, mal sehen was so passiert.



    Wir sollten etwas gelassen mit derartigen Angriffen umgehen.

  • Maxim_Sassnitz

    Ich denke ein öffentlicher und gebührenfinanzierter Rundfunk ist als Gegengewicht zu privaten Angeboten unerlässlich. Nichtsdestotrotz stammt das heutige System noch aus einer Zeit in der es technisch bedingt nur 3 Fernseh- und 4 bis 5 Rundfunkprogramme zu empfangen gab. Diese 5 Radioprogramme sollte man beibehalten da hierdurch die gesamte Spannbreite abgedeckt wird, aber bundesweit ausstrahlen, für regionale Nachrichten einige Lokalredaktionen behalten und den Rest einstampfen. Beim Fernsehen sehe ich immer 3Sat und Arte als gute Beispiele da sie genau das bieten was die privaten nicht leisten. Diese etwas entstauben und im Mix mit hochwertigen Dokumentationen, Berichten und Nachrichten anreichern. Das ganze Neutral, ohne Wertung und Weltanschauung, so dass die Zuschauer wieder zu kritischen reflektierten Bürgern werden können die sich selbst ein Bild machen und eine eigene fundierte Meinung vertreten können.

  • economista

    Ich habe keinen Fernseher und informiere mich nicht über den ÖRR, schon weil es ihm an der Ausgewogenheit fehlt, für die das Gebührenmodell in den Anfangsjahren der Bundesrepublik einmal gedacht war. Warum sollte ich also Gebühren zahlen für ein Angebot, das ich nicht nutze, wenn nicht aus Zwang?

    Wer das Wort Zwangsgebühren nicht mag, sollte sie auf freiwilliger Basis einziehen. Aber soviel Ehrlichkeit wäre wohl zuviel verlangt.

    • Christian Götz

      @economista:

      Guten Tag economista



      Warum sollten Sie Steuern bezahlen für staatliche Einrichtungen, die Sie nicht nutzen?



      Warum sollten Sie Krankenversicherung bezahlen, wenn Sie gesund sind?



      Warum ich eigentlich für Sie in die Krankenversicherung einbezahlen, wenn ich dich gesund bin?



      Verstehen Sie, worauf ich hinaus will?



      Dass es dennoch, wie in jedem gesellschaftlichen Bereich ständige Prüfing braucht, ob Geld gut verwendet wird und ob frühere Ziele noch aktuell sind ist klar.



      "Alles weg, was mich persönlich stört", ist nicht der richtige Weg für eine Gesellschaft.

    • V. Ohneland

      @economista:

      Gebühren dienen der öffentlichen Infrastruktur. Straßen, Abwasser, Rundfunk, Müllabfuhr - alles mindestens zum Teil gebührenfinanziert.



      Die "Ehrlichkeit" bzw. Redlichkeit würde ich mir daher hier von jenen wünschen, die den Kampfbegriff "Zwangsgebühren" nur dort verwenden, wo ihnen der Zweck oder Ausführung nicht in den Kram passt, sonst hingegen nicht.



      Mir jedenfalls signalisiert die Verwendung dieses Begriffs, dass kein ernsthaftes Interesse an einer echten Debatte darüber besteht, wie eine öffentliche Struktur von Information und Unterhaltung besser gestaltet sein könnte.



      So bleibt das ein destruktiver Reflex der offenbar zum Ziel hat, der Öffentlichkeit Informationen nur noch hinter Bezahlschranken oder durch gewerbliche Geldgeber finanziert zur Verfügung zu stellen.



      Armes Deutschland.

    • Wortarbeiter

      @economista:

      „Ich habe keinen Fernseher und informiere mich nicht über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk - warum soll ich dann dafür zahlen?“ Ja, ich habe keine Kinder und informiere mich nicht über Verhütung - warum soll ich dann für Kindergärten und Schulen zahlen? Wirr ist das Volk.

  • ttronics

    Eine Frage hätte ich noch: Wozu brauchte es eigentlich diese Medienstaatsminister - vielleicht kann das jemand im Forum erklären?

    • Ricky-13

      @ttronics:

      **Eine Frage hätte ich noch: Wozu brauchte es eigentlich diese Medienstaatsminister?**

      Eine sehr gute Frage. Übrigens hört sich "Medienstaatsminister" schon sehr nach kontrollierender und autoritärer Zensur an und nicht nach Demokratie.

      Der ÖRR wurde nach 1945 ganz bewusst als Gegenmodell zum staatlichen Propagandafunk der NS-Diktatur geschaffen. Das Bundesverfassungsgericht hat in zahlreichen Urteilen die Rolle des ÖRR als Säule der Demokratie sogar untermauert. Eine komplette Abschaffung oder die von Wolfram Weimer vorgeschlagene Privatisierung des ZDF wäre auch verfassungswidrig.

      Formate wie Monitor, Kontraste, Panorama oder Recherchekooperationen decken regelmäßig politische Skandale und Missstände in Behörden oder der Wirtschaft auf.

      Wer möchte den ÖRR eigentlich gerne verschwinden lassen? Nun ja, die 'Alternative für Dauerempörte' und andere rechtspopulistische Akteure mögen natürlich so eine "vierte Gewalt" in unserem Land nicht, deshalb fordern sie regelmäßig die Abschaffung oder die drastische Beschneidung des ÖRR.

      Damit ist Ihre Frage natürlich nicht beantwortet, aber man hat vielleicht mal eine andere Sicht auf unseren "Medienstaatsminister" Wolfram Weimer bekommen.

  • Astrid Sehnefeld

    Der ÖRR ist viel zu fett.



    Was hat es mit Kultur oder Information zu tun, für Millionen Euro Sendungen wie den Tatort oder das Traumschiff zu finanzieren...🤷



    Wie rechtfertigt der ÖRR 72 Radiosender (aufgeteilt auf 9 Landesrundfunkanstalten) und 21 eigenständige TV-Programme - BR, HR, MDR, NDR, rbb, SR, SWR, WDR ZDFneo, ZDFinfo, tagesschau24, One und ARD-alpha, und so weiter und so fort.



    Völliger Irrsinn.



    Eine Reform ist unumgänglich und unter dem Strich muss massiv eingedampft werden.



    Wer Weimer und Konsorten den Wind aus den Segeln nehmen will, muss konstruktive Vorschläge zur deutlichen Entschlackung des ÖRR vorlegen.

    • Deep South

      @Astrid Sehnefeld:

      Seh ich genauso. Wer bracuht eigentlich zig verschiedene Poilzei oder Arztserien? Es gibt aktuell 8 verschiedene WaPo Serien, 9 SoKo Serien, dazu Großstadtrevier und Co. Aktuell gibt es über 50 wöchentlich laufende Sendeformate aus dem Bereich. Dazu laufen 12 verschiedene Arzt- und Krankenhausserien und 15 Schlager- und Volksmusikformate.



      Keiner kann mir erzählen, dass das notwendig für Bildungsauftrag und ein ausgewogenen Kultur- und Unterhaltungsprogramm ist.



      Weimer mag seine eigene Agenda haben. Aber dieses beschriebene "reformiert euch" les ich seit zig Jahren und nichts passsiert, außer das Beiträge steigen. Wenn das hier wieder mal eine Debatte anstoßen sollte und der ÖRR verschlakt wird, solls mir recht sein.

      • marilyn.hanson

        @Deep South:

        Der ÖRR muss nicht unbedingt verschlankt werden, auch wenn ich den meisten trivialen Formaten keine Träne nachweinen würde. Er muss besser, also kritischer, staatsferner und im abgebildeten Meinungsspektrum pluralistischer werden. Wir zahlen für seine Unabhängigkeit, und er soll sich nicht wie in den letzten 20-30 Jahren aus Bequemlichkeit so an die Herrschenden anbiedern!

  • ttronics

    ich meine, dass ja von mir aus jeder seine Überlegungen und Vorschläge bekannt machen darf, unabhängig von der Zuständigkeit. Wenn es jetzt nicht der Anbiederung an die AFD nur dienen soll. Vielleicht ist der ÖRR zu teuer, vielleicht ist das Konzept nicht mehr aktuell. Aber man muss schon noch mit ernsthaften Reformvorschlägen kommen und nach den großen Mehrheiten suchen, die das dann auch umsetzen können. Vielleicht kann das alles weg irgendwann, aber ich für meinen Teil finde auch die Gebühren für meinen Anteil an Radio und TV inkl. Mediatheken noch im Rahmen und habe die Streaming Accounts nach Tests recht schnell wieder abbestellt.

  • Wirrwicht

    Das ZDF macht immernoch das, wozu es gegründet wurde. Und ist nur "nötig", weil es die ARD gibt. Mit Demokratie haben beide nicht so viel am Hut, wobei es ja teilweise am Welpenschutz für die Agenturmeldungen wiederkäuenden, Klatsch und Unwahrheiten verbreitenden, mit Werbung zu gepflasterten Printmedien liegt.

    • Perkele

      @Wirrwicht:

      Dabei sind die privaten TV- und Rundfunkanbieter ja absolut frei von Klatsch und Tratsch oder Werbung. Das ist echt wirr....

      • Bommel

        @Perkele:

        Wenn Sie das ZDF jetzt tatsächlich mit privaten Runkfunkanstalten vergleichen, sagt das eigentlich alles über die gebotene Qualität beim ZDF aus.

        • Perkele

          @Bommel:

          Wo genau bitte vergleiche ich ZDF und die Privaten?

          • marilyn.hanson

            @Perkele:

            Bei den Punkten Werbung und Tratsch und Klatsch. Und natürlich zu Recht. Sollte rausfliegen aus dem ÖRR. Blöde Anbiederung an den Schund und geisttötenden Stil der Privaten, um ein paar Schäfchen auf dem angenommenen kleinsten gemeinsamen Nenner "abzuholen" und zu "binden". Rechtfertigt natürlich überhaupt nicht die Privatisierung sphantasien des Ministers. Von allem, was er (und die CDU/CSU) will, das Gegenteil machen! War schon immer ein guter Gradmesser für gute Politik.

  • Otto Mohl

    Natürlich hat Weimer recht. Warum braucht es zwei Mediatheken? Warum müssen drei Sender zeitgleich über z.B. die Wahl in Sachsen-Anhalt berichten? Einstampfen und auf Qualität bringen. Man muss nicht für viele Gebühren -ja, es sind Zwangsabgaben- Fußballrechte kaufen und man muss nicht mit dem Unterhaltungsschund der privaten Sender konkurrieren.

    • marilyn.hanson

      @Otto Mohl:

      Sport und Unterhaltung können meinetwegen weg. Aber: "Warum braucht es zwei Mediatheken?" - Im Sinne des Meinungspluralismus würde es eher 100 Mediantheken brauchen, finden Sie nicht? Nur zwei sind irgendwie ein bisschen unzureichend, angesichts zweier schrumpfender, aber noch großer politischer Lager ...

  • Fritz Müller

    "Wir brauchen viele unterschiedliche Stimmen, sagt der Bundesmedienminister, dass weniger auch reichen würden"



    ... dabei übersieht er geflissentlich, dass die privaten Sender rein gewinnorientiert sind — aka kapitalistisch orientiert, maximaler Profit. Dies zum einen.



    Schaut man ins Ausland, sieht man deren "Öffentliche" umzingelt von rechtspopulistischen Formaten und permanenten Einflussversuchen der Regierungen ausgesetzt.



    ... bei den Doppelstrukturen muss ich Chaos-NRW aber Recht geben.

    • Herbarius Zunichten

      @Fritz Müller:

      Ihnen ist anscheinend entgangen, dass auch TAZ, Spiegel, FR etc. kapitalistisch orientierte Privatunternehmen sind und keine öffentlich rechtliche Segnungen.

      • marilyn.hanson

        @Herbarius Zunichten:

        Na, umso schlimmer! Ich würde die taz da ja eher rausgehen, weil genossenschaftlich organisiert.



        Aber natürlich haben Sie Recht: Es braucht auch öffentlich-rechtliche Zeitungen.

      • Christian Götz

        @Herbarius Zunichten:

        Guten Tag Herbarius



        Zumindest für die taz lässt sich eine kapitalistische Ausrichtung nicht erkennen. Siehe taz-Genossenschaft. Es macht einen Unterschied, ob ein Medium mit Geld hantiert, um zu informieren oder ob ein Medien genutzt werden, um damit privat Profit zu erzielen.

  • Perkele

    Während der Innenminister mit seinem Verhalten sich auf eine Koalition mit der AgD vorbereitet, ist der Kulturstaatsminister auf seine Art dabei genau die GLEICHE Linie zu verfolgen. Beide haben offenbar die Hoffnung in der Koa-Regierung Braun/Schwarz ihre Ministertitel behalten zu können.

  • Minderleister

    Vorneweg: Ich halte den öffentlich-rechtlichen Rundfunk für wichtig und unverzichtbar, allerdings auch für dringend reformbedürftig. Vor allem müsste er nach Jahrzehnten des tumorartigen Wachstums in ungebremster Selbstbedienungsmentalität und redundanten Doppelstrukturen von ARD und ZDF wieder auf seine ursprüngliche Funktion reduziert und gesundgeschrumpft werden.



    #



    Was mich ebenfalls massiv stört, ist, dass die Beitragszahler, die das alles zwangsweise finanzieren müssen und daher quasi die Arbeitgeber der dort Beschäftigten sind, offiziell nichts über deren Gehälter und Honorare erfahren, wobei ich in erster Linie an die prominenten Sprecher/‑innen und Moderatoren/‑innen vor der Kamera denke. Eigentlich sollte das für jedermann offen einsehbar und transparent im Internet stehen.



    #



    Aber meine Hoffnung, dass das jemals passieren wird, ist genauso groß wie die, dass irgendwann auch Beamte und Politiker in die Rentenversicherung einzahlen werden, also gleich null. Zu groß sind die individuellen Partikularinteressen, die dem entgegenstehen, denn wer verzichtet schon freiwillig auf seine Pfründe? So selbstlos und sozial ist auch der linkeste WDR-Redakteur nicht!

    • marilyn.hanson

      @Minderleister:

      Naja, Transparenz wäre ja nicht gleich Verzicht und Reduktion. Wäre das so, würden wohl viele Politiker*innen nicht so viele lukrative Nebenjobs haben.



      Aber: Gibt es nicht Transparenz- und Auskunftsgesetze? Es wäre ja doch ziemlich interessant und im Sinne der politischen Hygiene, wenn die Vierte Gewalt in ihren Finanzierungsstrukturen bekannter wäre. Ich fürchte, über die finanziellen Abhängigkeiten und Rücksichtnahmen gerade bei privaten Zeitungen und Sendern sowie umso mehr bei Internet-Formaten wären wir wohl ziemlich entsetzt ...

  • Bmit

    Man muss das ganze Konzept des Rundfunkstaatsvertrags überdenken. Der ist eine Lösung der 1950er für die Probleme der 1920er. Das kommt aus einer Zeit an der politische und kulturelle Diskussionen an der Landesgrenze endeten, und in der die Höhe von Funkantennen bestimmte wer was sehen konnte. Aber heute wird die Medienwelt immer mehr von US Konzernen dominiert - Facebook, YouTube, Twitter, Reddit - und die Konkurrenz dazu kommt nicht aus Europa, sonder aus China mit TikTok. Deswegen spielt es letztlich keine Rolle ob das ZDF privatisiert wird oder nicht, denn auf die sozialen Medien hat das keine Auswirkung. Nur spart das etwas Geld für den Steuerzahler.



    Aus meiner Sicht müsste die Regulierung von sozialen Medien von den Ländern zur EU verschoben werden. Und dort europäische Alternativen geschaffen werden.

  • A.S.

    Wenn ein Sender privatisiert wird, so wird er über Werbung finanziert. Die Werbung durch den Konsumenten finanziert. Also wird es im Laden teuer!



    Egal wie, der Bürger wird es also zahlen!

    • Zippism

      @A.S.:

      Zu einem Großteil der Sendezeit läuft doch bereits auch in den ÖRR Werbung.

      • Der olle Onn

        @Zippism:

        Woran bitte bemisst man den "Großteil"? Wo fängt der an? - Ich für mich schalte nie vor 20.00 Uhr an - und dann hat sich's weitestgehend ausgeworben...

        • Zippism

          @Der olle Onn:

          Von 06:00 bis 20:00 Uhr läuft Werbung. Das ist wohl ein längerer Zeitraum als die werbefreie Zeit ab 20:00 Uhr...

          • Christian Götz

            @Zippism:

            Guten Tag Zippism



            Im ÖRR sind 20 Minuten Werbezeit je Tag erlaubt. Nach 20:00 wird gar nicht geworben



            Im Privatsendebereich dürfen 576 Minuten pro Tag geworben werden



            Bitte denjen Sie nochmal über Ihre Meinung nach.



            Danke.

  • Chaos-NRW

    Die Überschrift ist bereits eine bewusste Verzerrung der Wahrheit. Herr Weimer hat nicht gesagt er wolle "den Öffentlich Rechtlichen Rundfunk privatisieren", es geht alleine um das ZDF. ARD und die ARD-Regionalanstalten sollen auch nach seinen Angaben öffentlich-rechtlich bleiben, wobei letztere in Teilen zusammengelegt werden sollten.

    Und das ist sicher nicht so falsch, wie es hier gemacht wird. ARD und ZDF haben zwei getrennte Strukturen, obwohl sie eigentlich das Gleiche machen. Warum soll da nicht eine Anstalt ausreichen? Man schaue sich doch nur mal die Übertragungen von großen Ereignissen an. Bei olympischen Spielen beispielsweise werden zwei komplette Teams geschickt, damit die Sender abwechselnd berichten können. Doppelte Kosten ohne Grund. Absurd wird es dann oft bei royalen Anlässen oder Ähnlichem, wenn beide Sender das Gleiche übertragen. So entstehen vielfach doppelte Kosten, die nicht nötig wären.



    Und bei den Regionalanstalten ist es doch beispilsweise nun wirklich nicht erforderlich, dass beispilsweise Radio Bremen und Saarländischer Rundfunk eigenständig sind, wenn sie auch ohne Verluste im NDR und SWR aufgehen könnten.

    • Hatespeech_is_not_an_opinion

      @Chaos-NRW:

      Kleine Landesrundfunkanstalten setzen da Akzente, wo es erforderlich ist. Das ist eine ungeheuerliche Verzerrung nach immer größeren Strukturen zu rufen in Anbetracht einer kapitalistischen Verwertungslogik.

    • Arne Babenhauserheide

      @Chaos-NRW:

      Die Salamitaktik der Argumentation Weimers ist doch deutlich zu erkennen.

      Erst gegen das ZDF, dann gegen Dritte, dann gegen ARD, bis er sein Feindbild „Zwangsbeiträge“ zerstört hat.

      Durch den Kontext seiner Aussage 2017 ist der Titel des Artikels hier gerechtfertigt.

      • Zippism

        @Arne Babenhauserheide:

        Die „Salamitaktik“ ist vor allem eine hübsche Unterstellung, kein Argument. Dass Weimer 2017 bereits über eine Privatisierung des ZDF und die „Zwangsbeiträge“ gesprochen hat, ist dokumentiert. Daraus folgt aber nicht, dass jede Diskussion über Doppelstrukturen bei ARD und ZDF bloß der erste Schnitt einer Salami ist.

        Wenn man schon auf den Kontext pocht, sollte man ihn vollständig betrachten: Weimer hat zuletzt ausdrücklich auch die Zusammenlegung von ARD-Anstalten angesprochen – und genau solche Strukturfragen werden seit Jahren diskutiert. Man kann seine Privatisierungsidee für falsch halten. Aber aus „Ich lehne das ZDF als öffentlich-rechtliche Anstalt ab“ wird nicht automatisch „jede Reformforderung ist ein Angriff auf den gesamten ÖRR“.

        Der Hinweis auf 2017 belegt also eine langfristige Position Weimers. Er belegt nicht die behauptete Salamitaktik. Dafür müsste man erst nachweisen, dass die einzelnen Reformschritte tatsächlich bewusst diesem Endziel dienen – und nicht einfach behaupten, dass sie es tun.

    • Jalella

      @Chaos-NRW:

      Das ist eine sehr AfD-nahe Sichtweise. Privatisierung beim letzten Restchen nicht profitorientierter Information und Bildung ist Mist. Was profitorientierte "Information" anrichtet, sehen wir doch überall. Die (a)social media haben zusammen mit den nur auf Klicks heischenden Massenmedien die AfD doch erst möglich gemacht in diesem Umfang.

      Eine Reduktion des Umfangs ist mit der letzten Sparwelle ja sowieso schon unterwegs. Es folgt derselben Denke wie der unserer Familienministerin, die meint, "Vielfalt sei nicht förderungswürdig". AfD talking.

      • Lowandorder

        @Jalella:

        …anschließe mich

      • Andreas Flaig

        @Jalella:

        Auf den Punkt gebracht!

      • Chaos-NRW

        @Jalella:

        Dann will ich mal ganz konkret fragen: Was leistet das ZDF Besonderes, was die ARD und deren Regionalanstalten nicht auch alleine leisten könnten?

        Was die AfD vor allem stark gemacht hat, ist die Unfähigkeit der Politik bestehende Problem zielorientiert anzugehen, zum Teil auch nur diese überhaupt zu benennen. Zuallererst natürlich bei der Migrationsfrage.

      • Mr. Hello

        @Jalella:

        Alles was nicht der eigenen, linken Meinung entspricht ist AfD-nahe, AfD talking. Nicht mal im Ansatz auf die angesprochene Punkte eingegangen. Stattdessen die typische Abwehrreaktion.

      • Stefan Schmitt

        @Jalella:

        Nun, mit dem Framing „AfD-nah“ ist man offenbar schnell bei der Hand. Sicherlich wäre eine Privatisierung hier der falsche Weg, widerspricht sie doch dem gesellschaftlichen Auftrag eines unabhängigen, nicht profitorientierten Rundfunks. Was profitorientierte Medien anrichten können, zeigt sich schließlich auch bei Musk und Trump, die sich ihre eigene Hofberichterstattung leisten.

        Trotzdem besteht in der heutigen Medienlandschaft erheblicher Reformbedarf – bei Social Media und deren Regulierung und Moderation ebenso wie beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dazu gehören auch die Strukturen und die politische Unabhängigkeit der Rundfunkgremien.

        Und gerade mit Blick auf die Wahlergebnisse und den wachsenden Einfluss der AfD in ostdeutschen Bundesländern stellt sich doch die Frage:



        Was passiert, wenn sich politische Mehrheitsverhältnisse in den Ländern verändern und entsprechende Kräfte zunehmend Einfluss auf die Rundfunkgremien gewinnen? Dann haben wir AFD Talking...



        Der Mehrwert einer zweiten Institution wie dem ZDF ist auch nicht nachvollziehbar, ob privatisieren oder abschalten, spielt im Endeffekt keine "Payroll"...

        • marilyn.hanson

          @Stefan Schmitt:

          Gegen Krisen helfen redundante Systeme. Lehnt sich ein Sender des ÖRR zu sehr an politische Kräfte (ich wefe da mal einen kritischen, stechenden Blick Richtung BR), so gibt es noch andere, die den Meinungspluralismus aufrecht erhalten können.

  • Encantado

    "...sagte Weimer bei einer internen Rede in einer Konferenz der Konrad-Adenauer-Stiftung am vergangenen Donnerstag, man müsse überlegen, „ob es das bisherige System aus ARD und ZDF in der aktuellen Form weiter brauche“."



    Und die AfD so: 'Haben wir ja schon immer gesagt. Deswegen wählt uns, wir sind schneller im Erkenntnisgewinn als die Altparteien.'



    Echt prima.

    • Zippism

      @Encantado:

      „Wenn die AfD etwas auch sagt, darf es niemand anderes mehr sagen“-Logik. Ein erstaunlich bequemes Verfahren, um politische Debatten zuverlässig zu beenden.

      Das Problem daran ist nur: Mit diesem Reflex überlässt man der AfD ganze politische Felder. Migration ist dafür ein ziemlich gutes Beispiel. Je länger andere Parteien jede Diskussion über Begrenzung, Steuerung und Rückführung mit dem Hinweis auf die AfD abgebügelt haben, desto leichter konnte die AfD dieses Thema als ihr eigenes besetzen. Dasselbe gilt für Fragen der inneren Sicherheit.

      Und dann wundert man sich anschließend darüber, dass die AfD gerade mit diesen Themen erfolgreich ist.

      Politische Themen verschwinden nämlich nicht dadurch, dass man sie der AfD überlässt. Sie verschwinden erst recht nicht dadurch, dass man jede ähnliche Forderung anderer Parteien oder Politiker reflexartig als „AfD-Position“ abstempelt.

      Im Gegenteil: Wer der AfD ein Thema nicht überlassen will, sollte darüber diskutieren – und zwar mit eigenen Argumenten.

      • Encantado

        @Zippism:

        "Wer der AfD ein Thema nicht überlassen will, sollte darüber diskutieren – und zwar mit eigenen Argumenten."



        Ein eigenes Argumentationsprofil kann ich da nicht erkennen...

        • Zippism

          @Encantado:

          Das „eigene Argumentationsprofil“ besteht zunächst darin, eine Frage nach ihren eigenen Kriterien zu diskutieren, statt sie nach dem politischen Etikett desjenigen zu sortieren, der sie ebenfalls stellt.

          Wenn Weimer fragt, ob die heutige Struktur von ARD und ZDF noch sinnvoll ist, kann man das anhand von Auftrag, Kosten, Doppelstrukturen, Programmangebot, Digitalisierung und Akzeptanz diskutieren. Man kann seine Vorschläge ablehnen oder ihnen zustimmen. Was man daraus aber nicht seriös ableiten kann, ist: „Die AfD sagt das auch, also darf darüber nicht diskutiert werden.“

          Genau diese Logik habe ich kritisiert. Und Ihr Einwand bestätigt sie eher, als dass er sie widerlegt: Statt ein Gegenargument zur Sache zu liefern, wird erneut versucht, die Position über ihre vermeintliche Nähe zur AfD zu erledigen.

          Wenn Sie ein anderes Argumentationsprofil sehen wollen: Dann nennen Sie doch konkret, welcher Sachargumentation Sie widersprechen. Dass die AfD eine ähnliche Forderung vertritt, ist jedenfalls noch kein Gegenargument.

  • Chris89

    Ich begrüße jeden Anstoss für eine Reformierung. Leider, wie so häufig, wird das Thema nicht inhaltlich betrachtet. Die Polemik im Rahmen des Kommentars von Frau Leclere ist in Ordnung, hilft inhaltlich aber nicht weiter.



    Wer sich mit dem Thema auseinandersetzen möchte sollte bspw. klar zwischen Auftrag, Umfang, Organisation und Finanzierung unterscheiden. (Ich könnte ganze Abhandlungen zu jedem Bereich schreiben.)



    Eine Reformierung ist meiner Meinung nach längst überfällig. Die Durchführung dem ÖRR selbst zu überlassen funktioniert aber offensichtlich nicht.

  • MarsiFuckinMoto

    „Privatisiert euch“ passiert DANN, wenn „reformiert euch“ zwar verlangt, allerdings nicht umgesetzt wird. Ich mag den ÖRR wirklich gerne, auch wenn mich 95% des Angebots wirklich NULL interessieren. Die Strukturen und damit verbundenen Kosten sind aber absurd, und für einen öffentlich rechtlichen Sender teils mit zu hohen Gehältern ausgestattet. Das dementsprechend (auch radikal) zu verkleinern finde ich grundsätzlich erstmal völlig in Ordnung. Und wenn es dafür W.W. braucht, weil (aus welchem Grund auch immer) der Rest es nicht angehen will oder kann: Dann meinetwegen. Bevor die Akzeptanz für den ÖRR völlig den Bach runtergeht ist das die deutlich bessere Alternative

    • marilyn.hanson

      @MarsiFuckinMoto:

      Medien werden von Menschen gemacht. Daher finde ich, dass die Gehälter im ÖRR erheblich höher liegen sollten als in der Privatwirtschaft. Ale sollten zum ÖRR gehen wollen und nicht zu den vermaledeiten Privatsendern! Ich bin auch dafür, dass es öffentlich-rechtliche Zeitungen als Gegenmacht braucht.

  • Zippism

    Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine wichtige Funktion erfüllen kann, bestreitet niemand ernsthaft. Aber warum sollte daraus folgen, dass die derzeitige Struktur mit ihren unzähligen Sendern, Spartenkanälen und milliardenschweren Budgets sakrosankt ist? Die Zustimmung zum ÖRR ist seit Jahren Gegenstand kritischer Debatten. Trotzdem wird jede Forderung nach Reformen reflexartig als Angriff auf die Demokratie verkauft.

    Vielleicht wäre es ja tatsächlich einmal an der Zeit, ergebnisoffen darüber zu diskutieren, welche Angebote zur Grundversorgung gehören und welche schlicht aus Gewohnheit mitfinanziert werden. Wer fürchtet, dass eine solche Debatte den ÖRR gefährden könnte, sollte sich vielleicht fragen, wie viel Vertrauen ein System verdient, das sich einer kritischen Bestandsaufnahme verweigert

    • Arne Babenhauserheide

      @Zippism:

      Wenn die Debatte aufgemacht wird, muss sie ehrlich – und damit breiter – geführt werden: nicht nur fragen „was kann weg?“, sondern auch fragen „wo haben wir zu wenig ÖRR?“.

      Das könnte auch bedeuten, dass die Depublikationspflicht fällt, durch die z.B. als ein Fußballspieler auf dem Platz gestorben ist, die Doku zu Schmerzmittelmissbrauch im Fußball gerade seit zwei Wochen nicht mehr verfügbar war.

      Oder dass der ÖRR noch viel stärker in sozialen Medien aktiv sein sollte, damit Leute die Inhalte dort finden, wo sie sich aufhalten.

      Eine offene Diskussion darüber, wo verlässliche Informationen fehlen, so dass Leute in Verschwörungserzählungen abdriften oder ihre Gesundheit durch Falschinformationen aufs Spiel setzen, könnte das Ergebnis haben, dass der Rundfunkbeitrag deutlich steigen muss.

      • Zippism

        @Arne Babenhauserheide:

        Eine ergebnisoffene Debatte bedeutet selbstverständlich auch, darüber nachzudenken, wo es möglicherweise mehr ÖRR braucht. Allerdings sollte man dabei nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen. Bevor über steigende Rundfunkbeiträge für zusätzliche Angebote und Plattformen gesprochen wird, sollte zunächst geklärt werden, welche Aufgaben der ÖRR tatsächlich erfüllen muss und wie effizient er diese heute erledigt.

        Die Akzeptanz des Rundfunkbeitrags ist bereits Gegenstand anhaltender Kritik. Wer in dieser Situation einen deutlichen Ausbau und möglicherweise noch höhere Zwangsbeiträge fordert, sollte sich fragen, wie das die Zustimmung in der Bevölkerung weiter beeinflussen könnte.

        Auch die Depublikationspflicht ist kein Beleg dafür, dass es grundsätzlich mehr ÖRR braucht. Man kann eine längere Verfügbarkeit journalistischer Inhalte befürworten, ohne daraus automatisch einen Ausbauauftrag abzuleiten.

        „Es gibt noch Informationslücken“ ist schließlich kein Freifahrtschein für unbegrenztes Wachstum. Entscheidend sollte sein, welchen konkreten Mehrwert ein Angebot liefert und ob dieser die zusätzlichen Kosten rechtfertigt.

        • Klabauta

          @Zippism:

          Das Framing der Rundfunkgebühr als "Zwangsbeitrag" dient in erster Linie der Delegitimierung des ÖRR und wird vor allem von rechten Medien genutzt. Wer sich wie Herr Weimer dieses Begriffs bedient, stellt sich damit selbst in die rechte Ecke.



          Bei aller berechtigten Kritik an manchen seiner Strukturen sollten Demokrat*innen es doch tunlichst unterlassen, die Finanzierung in Frage zu stellen oder gar für eine komplette Abschaffung des ÖRR zu plädieren.



          Stattdessen mehr Transparenz bezüglich Organisation und Finanzierung der Medienanstalten einzufordern, wäre sicher sinnvoll, um die Akzeptanz gegenüber den Gebühren seitens der Bevölkerung zu steigern.

          • V. Ohneland

            @Klabauta:

            +1, also: Sehe ich auch so, so lässt sich keine Diskussion führen.

  • SGouldo

    Zuerst wird geschrieben, Herr Weimer möchte den ÖRR privatisieren, was unwahr ist. Danach schreibt die Autorin korrekter: Er möchte den ÖRR verschlanken und das ZDF privatisieren, was meiner Meinung nach ein guter Anfang ist.



    Der ÖRR soll nicht abgeschafft, sondern aufgrund von Doppelstrukturen und Überangeboten (die auch alle bezahlt werden müssen) einigermaßen reformiert werden. Der deutsche ÖRR gehört zu dem teuersten der Welt. Sollte dies daher nicht im Interesse der Beitragszahler sein?Könnte sich diese Korrektur sogar positiv auf die schwindende Akzeptanz auswirken? Wir werden es nie erfahren, denn die Autorin hat recht: Herr Weimer ist gar nicht zuständig und die Bundesländer dürften nicht mitspielen.

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Da strebt jemand offensichtlich eine Weiterverwendung nach einer AfD Machtübernahme an. Dass der öffentliche Rundfunk Reformen braucht, steht außer Frage. Eine Privatisierung ist aber so ziemlich das Dümmste, was man machen kann. Musk, Thiele &Co. stehen schon bereit, um zu kaufen und die Sender in ihr rechtes Netzwerk einzubinden...

    • Schneeregen

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      Was Sie scheinbar völlig vergessen: seit eewigen Zeiten gibt es die Aufforderung an die ÖFR, sich zu reformieren, zu verschlanken, darauf weisen Sie ja auch hin.



      Was ist passiert? Richtig, nichts. Dann sollte man sich nicht wundern...

      • ttronics

        @Schneeregen:

        naja es wird schon munter Geld gespart, weil der Beitrag ja keineswegs wie gewünscht und etwa Richtung Inflationsausgleich gestiegen ist -- also gespart wird, wo es gerade so noch geht. Meist funktioniert das nicht so gut, weil man nur an den optionalen Dingen sparen kann. Und nicht am teuren Apparat.



        DAs kann auch das Todesurteil sein auf Dauer, wenn man dann deswegen die wichtigen Sportereignisse nicht mehr übertragen werden oder der DLF ständig alte Sendungen und Beiträge wiederholt.

      • warum_denkt_keiner_nach?

        @Schneeregen:

        Ja. Es ist nicht wirklich was passiert. Allerdings sind die "Ideen" von Herrn Weimer nicht nur nicht hilfreich, sonders sogar gefährlich. So eine "Reform" brauchen wir definitiv nicht.

      • Hatespeech_is_not_an_opinion

        @Schneeregen:

        Das ist faktenfrei, was Sie behaupten. Diverse Sender werden eingestellt und sogar tagesschau. 24. Dabei sind aktuelle Nachrichten die Essenz, die wie als funktionierende DemokratIn benötigen.

        • Zippism

          @Hatespeech_is_not_an_opinion:

          „Faktenfrei“ ist schon eine interessante Ansage, wenn aus der Einstellung einzelner Programme kurzerhand die Abschaffung aktueller Nachrichten gemacht wird. Niemand fordert, dass Nachrichten verschwinden. Die Frage ist, ob man dafür dieselben Strukturen, Sender und Parallelangebote auf ewig mitschleppen muss.

          Wenn tagesschau24 entfällt, bedeutet das nicht, dass die Tagesschau plötzlich keine Nachrichten mehr produziert oder dass aktuelle Berichterstattung aus dem ÖRR verschwindet. Es bedeutet zunächst einmal: Ein konkretes lineares Angebot wird verändert. Genau solche Strukturentscheidungen sind Teil dessen, was seit Jahren unter „Reform und Verschlankung“ gefordert wird.

          Und hier wird es langsam absurd: Erst heißt es, der ÖRR müsse dringend sparen und sich reformieren. Sobald tatsächlich ein Sender gestrichen oder Angebote zusammengelegt werden, wird daraus der Untergang der demokratischen Informationsversorgung.

  • moonwatcher

    Der Mann ist ein Irrläufer. Gutes Beispiel, was passieren kann, wenn man jemand engagiert, der nie ein politisches Amt hatte.

    Bringt ein bisschen Trump Gefühl nach Berlin. Leute in hohen Regierungsämtern, die völlig ungeeignet sind.

  • Tazilo

    Das ZDF wurde von Adenauer ins Leben gerufen, um eine Art Regierungsfernsehen zu installieren. Diese Doppelstruktur ist heutzutage überflüssig, genau wie Kleinstsender wie RB und SR mit teuren Verwaltungen und die 100 Spartensender.

    • Francesco

      @Tazilo:

      Adenauer wollte das ZDF als Privatfernsehen. Das vereitelte aber dann das BVerfG. Daraufhin wurde das ZDF als gemeinsame Anstalt aller Bundesländer gegründet. War also nichts mit Regierungsfernsehen.

  • Hannes Petersen

    Faszinierend, wie sämtliche Kommentare zwanghaft am bisherigen örr festhalten.. 😬

    • Opossum

      @Hannes Petersen:

      Spricht für das Demokratieverständniss aller Kommentare und sollte vielleicht bei Ihnen zur Selbstreflektion führen

      • Andreas Flaig

        @Opossum:

        👍

  • Arne Babenhauserheide

    Hier fehlt noch das zentrale Wort: Interessenkonflikt.

    Medienunternehmer Weimer will als Bundesminister die Konkurrenz des von seiner Frau und seinem Sohn geleiteten Unternehmens ausschalten. Von dem er auch wieder profitieren wird, sobald er kein Minister mehr ist.

    Die Tagesschau berichtete: www.tagesschau.de/...a-anteile-100.html

  • Max Daniel

    Ahhh… da kommt sie dann doch noch die berühmte Wirtschaftskompetenz der Unionisten - Regel 1 für Karriere in großen Organisationen (Konzernen):



    Sehe und zeige immer auf die Verbesserungsmöglichkeiten und Fehler die außerhalb Deines Verantwortungsbereiches liegen. Damit lenkst Du a) vom eigenen Versagen ab und b) suggerierst Weitblick und „integrierte bzw. holistische“ Denkweise.

    Zufälligerweise greift auch Regel 2 - „bis meine Fehler entdeckt werden bin ich schon längst woanders“ und was interessiert mich, dass mein Handeln langfristig schädlich ist (Angriff auf die 4. Säule der Demokratie und Benzin für die Partei ohne Namen).

  • Ingo Bernable

    Ich halte verhältnismäßig viel vom ÖRR und verhältnismäßig wenig von Herrn Weimer, finde aber trotzdem, dass man die Frage ob es wirklich in Summe über 20 TV- und über 70 Radiosender braucht ebenso diskutieren können sollte, wie die, ob die Gebühren in immer teureren Lizenzgebühren für durchkommerzialisierte Sportevents oder grottigen Degeto-Produktionen wirklich gut und auftragsgemäß investiert sind oder ob man das Ganze nicht doch mal etwas konsolidieren und fokussieren sollte.

    • PartyChampignons

      @Ingo Bernable:

      Sehe ich genauso. Ich selber schaue auch gerne einige Formate im ÖRR und es kommen auch regelmäßig sehr interessante Dokus. Diese Diskussion aber einfach reflexhaft abzuwürgen und rechten Politikern zu überlassen ist ein großer Fehler. Man könnte z.B. auch mal über die absurd hohen Gehälter im ÖRR sprechen. Als Beispiel: ein Jan Böhmermann verdient fast 700.000 im Jahr, Markus Lanz ca. 2Mio. .....natürlich kratzt das an der Akzeptanz der ÖRR

      www.joyn.de/bts/th...-lanz-und-co-10651

      • FancyBeard

        @PartyChampignons:

        Dafür muss man aber keine Privatisierungsdiskussion vom Zaun brechen und Nebelkerzen zünden, wenn man das öffentlich rechtliche Angebot verringern will um Koszen zu sparen.

  • Flix

    Alles, was Weimer bisher angestoßen hat, ist in meinen Augen näher an der AfD-Linie, als an der demokratischer Parteien. Der Mann ist ein rechter Kulturkämpfer, der offenbar genau aus diesem Grunde auf dem Posten des Staatsministers gehievt wurde.



    Man kann vom ZDF halten, was man will, aber einen weiteren überflüssigen Privatsender braucht die deutsche Medienlandschaft nun wahrlich nicht.

    • MarsiFuckinMoto

      @Flix:

      Der „weitere überflüssige Privatsender“ ist aber dann, wie Sie ganz richtig selber anmerken „privat“. Dementsprechend wird er sich am Markt halten oder auch nicht, kommt ganz auf den Inhalt an. Aber: Das zahlt dann nicht der Steuerzahler. Mir kann man tatsächlich auch nicht klarmachen, warum man neben der ARD und den ganzen dritten Kanälen noch einen zweiten großen Kanal braucht. ARD, Phoenix, ARTE und 4-5 regionale Sender. Das gleiche gilt fürs Radio. Ich bin komplett dafür, dass der Staat mit unabhängigen, also öffentlich finanzierten Medien, die nicht dem Werbezwang unterliegen, zur politischen Bildung (und auch zur Volksbespaßung) beitragen sollte. Aber geht das nicht auch billiger?! Die TAZ würde bestimmt auch gerne noch 50 Journalisten und Fotografen mehr einstellen, aber das muss halt irgendwie bezahlt werden...

    • MakeEconomyGreatAgain

      @Flix:

      Wenn Du sagst, keiner benötigt einen weiteren überflüssigen Privatsender, bestätigst Du Dich, dass der Sender überflüssig ist. Niemand benötigt einen überflüssigen öffentlichen rechtlichen Sender.



      Wenn die Inhalte von den Zuschauern als gut/ interessant/ wichtig empfunden wird, dann wird er sich auch als Privatsender durchsetzen. Ansonsten ist es doch nicht erklärbar, warum der Sender von allen Bürgern finanziert werden muss.

      • Arne Babenhauserheide

        @MakeEconomyGreatAgain:

        Durch die Privatisierung würde die Bindung der Sender an ihren Programmauftrag wegfallen.

        Es ist daher nicht möglich, Öffentlich-Rechtliche Sender zu privatisieren, ohne ihr Wesen zu zerstören.

        Der Programmauftrag: www.bpb.de/themen/...4/programmauftrag/

      • Flix

        @MakeEconomyGreatAgain:

        Das sehe ich ein wenig anders. Wenn das ZDF privatisiert würde, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass das Niveau auf das der vorhandenen Privatsender (Schrott und Werbung) absinken würde. Da zahle ich doch lieber die Rundfunkgebühren als Einschränkungen beim ÖRR hinzunehmen.

        • FancyBeard

          @Flix:

          Wer würde denn das ZDF kaufen wollen? Die Diskussion ist doch völlig absurd.

        • Schneeregen

          @Flix:

          Flix, jetzt mal im Ernst: Welches Niveau haben denn die 3. Programme? Das waren mal echt innovative Sender, ist aber leider schon sehr lange her. Der HR bspw. strotzt vor Serienwiederholungen oder infantilen Quizsendungen wie "Graf Yoster gibt sich die Ehre", zum 180 Mal die "Familie Hesselbach" oder die 50 schönsten Bäume Hessens oder ähnlicher Schwachsinn. Wer schaut sich denn sowas an?



          Dieser Irrsinn kostet derart viel Geld uns natürlich entrüstet mich auch die Zwangszahlung.



          H. Weimer kann ich nun wirklich nicht viel abgewinnen, aber er versucht wenigstens mal was...

        • MarsiFuckinMoto

          @Flix:

          Wenn das Niveau absinkt, dann nur deswegen, weil die Menschen dies sehen wollen. Glauben Sie an eine große Verschwörung der Privatsender, die die deutsche Bevölkerung verdummen wollen? Nein! Die Sender setzen um, was die (meisten) Menschen der Marktforschung nach sehen wollen. Das ZDF würde dem folgen. Und „Einschränkungen“ würde es zwar partiell geben, aber doch ehrlicherweise hauptsächlich im linearen Fernsehen. Die Mediatheken sind ja weiterhin da, „Platz genug“ ist also vorhanden. Und ob das ZDF jetzt nonstop für Qualität steht, lasse ich mal dahingestellt. Als Beispiel: Heute laufen neben den Nachrichten 3x SOKO Stuttgart, die „Küchenschlacht“, „Bares für Rares“, 2x "Notruf Hafenkante“, die „Rosenheim Cops“, die „Bergretter“ und am Abend Markus Lanz und Maybrit Illner. Lanz verdient dabei ca. 2 Millionen, Frau Illner ca. 480.000€ im Jahr. Ob das in der Form gerechtfertigt ist kann ja jeder für sich selbst entscheiden, ob die beiden diesen Betrag im Privatfernsehen kriegen würden, darf bezweifelt werden, ebenso die durchgehende „Qualität“ der Inhalte im restlichen Programm...

  • Okti

    Das ist halt das Problem wenn inkompetente Schwurbler in Führungspositionen, denen sie offensichtlich nicht gewachsen sind, hineingehievt werden. Aber damit passt er durchaus zum Rest der Regierung und seine Gesinnung passt ja zumindest, wie er schon ausführlich bei anderen Gelegenheiten bewiesen hat.

  • Axel Schäfer

    Man müsste den Mann mal zwingen sich eine Woche ausschliesslich den Privat-TV-Müll anzuschauen. Dann können zwei Zustände eintreten, beim ersten hat er Hirnerweichung und muss behandelt werden, beim zweiten merkt er nichts weil da nichts ist was erweichen kann.



    Wie kann man ein Land so hassen, das man ihm noch mehr von dem Müll wünscht?

    • Jochen Laun

      @Axel Schäfer:

      Naja, eine Woche nonstop ZDF kann Dich auch ins Koma versetzen.

    • MakeEconomyGreatAgain

      @Axel Schäfer:

      Den „Müll“ muss niemand schauen. Kann sich der Privatsender nicht finanzieren, verschwindet er vom Markt.



      Öffentlich-rechtliche haben ihren Wert nur wenn sie sachlich, vielseitig und ohne politische Richtung und moralische Agenda informieren.



      Dazu würde auch ein Sender reichen.



      Wobei man auch durchaus zweifeln kann, dass die Öffis ihrem Auftrag sinnvoll nachkommen.

  • Ricky-13

    taz: *Medienstaatsminister Weimer schlägt vor, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu privatisieren.*

    So einen Vorschlag wird die AfD bestimmt freudig unterstützen.

    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ÖRR) wird in Deutschland als eine der tragenden Säulen der Demokratie verstanden. Seine Existenz und sein Auftrag sind mit dem Anspruch verknüpft, eine freie, informierte und pluralistische Gesellschaft zu sichern. Eine reine Privatisierung des ZDF widerspricht dem aktuellen Verfassungsauftrag. Auf gut Deutsch: Eine komplette Abschaffung oder die von Wolfram Weimer vorgeschlagene Privatisierung des ZDF wäre verfassungswidrig.

    Das sollte Medienstaatsminister Weimer eigentlich alles wissen.

    • MakeEconomyGreatAgain

      @Ricky-13:

      Aber es ist doch nirgends festgelegt, wie viele Sender es geben muss.



      Und ob das ZDF seinem Auftrag tatsächlich nachkommt, kann wohl auch bezweifelt werden.



      Ich finde, dass der Apparat viel zu groß und zu teuer ist und zahlreiche Spartenprogramme betreibt, die definitiv nicht dem ursprünglichen Zweck dienen.



      Da sollte man doch wohl über eine Verschlankung nachdenken können.

  • Land of plenty

    Aha. Noch so jemand, der den Informationsfluss der politischen Öffentlichkeit abschaffen und die Kommunikation weiter fragmentieren will.



    Wie die Rechtsradikalen. Alles in Privateigentum und mit Werbung - für Vitaminpräparate und Duftstoffe.

    • Zippism

      @Land of plenty:

      „Den Informationsfluss der politischen Öffentlichkeit abschaffen“ – wenn das wirklich der Maßstab ist, müssten wir heute beim ZDF aber schleunigst anfangen: zwischen „Die Küchenschlacht“, „Bares für Rares“, „Bettys Diagnose“, „Ein Fall für zwei“, „SOKO Leipzig“, „heute-show“ und dem „ZDF Comedy Sommer“ scheint die demokratische Grundversorgung ja geradezu unterzugehen.

      Keine Sorge: Die Nachrichten um 19 Uhr und das „heute journal“ um 22 Uhr bleiben trotzdem übrig.

      Vielleicht ist es deshalb etwas gewagt, jede Diskussion über die Struktur des ÖRR so darzustellen, als stünde unmittelbar die politische Öffentlichkeit vor dem Aus. Der öffentlich-rechtliche Auftrag ist schließlich nicht identisch mit dem Anspruch, dass jeder Sender rund um die Uhr alles Mögliche für alle anbieten muss.

      Und falls die Privatisierung am Ende tatsächlich an Vitaminpräparaten und Duftstoffen scheitert: Bei „Bares für Rares“ findet sich bestimmt noch irgendwo eine passende Vase dafür.

      • marilyn.hanson

        @Zippism:

        Ihre Apologetik eines Lobbyisten der privaten Medienwirtschaft mit Ministerrang ist mir suspekt. Die Stoßrichtung des viel zu sehr durch Interessenskonflikte gekennzeichneten Ministers ist doch ziemlich klar.



        Die wirklich interessante Frage ist doch, warum es trotz unabhängiger Gebührenfinanzierung nicht gelingt, die seit 20-30 Jahren immer mehr zunehmende Staatsnähe der Öffentlich-Rechtlichen zurückzuschrauben.

  • elektrozwerg

    Zum Fremdschaemen. Aber vielleicht brauchts neue Inhalte fuer seine Plattform, nachdem das RAUBKOPIEREN (sorry, das musste sein) aufgeflogen ist.



    Privatmedien sind anfaellig fuer Einfluesse des Kapitals, der oeffentliche Rundfunk ist anfaellig fuer Einfluesse aus der Politik. Aus diesem Grund braucht es zwingend beides.



    Demokratie funktioniert nur mit unabhaengigen Medien, der obrige Kompromis ist das Beste was wir haben. Vollkommen unabhaenig von den Inhalten von ARD und ZDF duerfen jene deshalb nicht privatisiert werden.



    Offensichtlich haben wir auch in den Ministerien ein Pisa-Problem, solche Grundlagen sollten doch nun wirklich bekannt sein.



    Mit Verlaub, wenn ich Verfassungsrichter waere wuerde ich dem Herrn mal kraeftig das Hirn durchlueften. Aber beim naechsten Mikrofon wieder ein auf Demokratieretter machen, unglaublich.

    • Zippism

      @elektrozwerg:

      „Vollkommen unabhängig von den Inhalten“ – spätestens da wird es unfreiwillig komisch. Der ÖRR ist natürlich nicht frei von politischen Einflüssen, nur weil der Einfluss hier nicht „Kapital“ heißt. Rundfunkräte, politische Entsendungsrechte, Staatsverträge und die immer wieder geführten Debatten über parteipolitische Nähe sind schließlich keine Fata Morgana.

      Die Logik lautet also: Private Medien sind gefährlich, weil sie vom Kapital beeinflusst werden können. Öffentlich-rechtliche Medien sind sicher, obwohl sie politischen Einflüssen ausgesetzt sein können. Und weil zwei mögliche Einflussquellen existieren, müssen natürlich beide Mediensysteme für alle Ewigkeit unangetastet bleiben. Das ist weniger Medienwissenschaft als institutioneller Selbstschutz mit Gebührenschein.

      Und dann noch jemandem wegen einer abweichenden medienpolitischen Position vorzuwerfen, er müsse sich von einem Verfassungsrichter „das Hirn durchlüften“ lassen: Herrlich. Wenn das Ihr Verständnis von demokratischer Debattenkultur ist, würde ich mit dem Begriff „Demokratieretter“ vielleicht etwas sparsamer umgehen.

      • elektrozwerg

        @Zippism:

        Weder habe ich von gefaehrlichen Privatmedien gesprochen, noch von sicheren Oeffentlich-Rechtlichen.



        Es geht allein darum, wie die Unabhaengigkeit von Medien, die fuer eine Demokratie unerlaesslich ist, gewaehrleistet werden kann. Wenn Ihnen eine bessere Loesung als die Kombination aus privaten und oeffentlich-rechtlichen Medien einfaellt, wieso lassen Sie uns nicht daran teilhaben, statt hier Strohmaenner aufzubauen?



        Wer die oeffentlich-rechtlichen Medien privatisieren will, hat eben nicht nur eine abweichende medienpolitische Position, an der ich ueberhaupt nichts auszusetzen habe, sondern eine zur Rechtssprechung des Verfassungsgerichts entgegengesetze verfassungsrechtliche Meinung, und wer wenn nicht das Verfassungsgericht waere besser geeignet als dieses richtigzustellen?

        • Zippism

          @elektrozwerg:

          Nun wird es etwas abenteuerlich. Aus der Forderung, die bestehende Struktur des ÖRR politisch zu überprüfen, machen Sie plötzlich eine „zur Rechtsprechung des Verfassungsgerichts entgegengesetzte verfassungsrechtliche Meinung“. Das ist ungefähr so, als würde man eine Diskussion über eine Gesetzesänderung mit dem Hinweis beenden, dass das Gesetz derzeit nun einmal anders lautet.

          Das Bundesverfassungsgericht hat den verfassungsrechtlichen Auftrag des Rundfunks und die derzeitige Finanzierung beurteilt. Es hat damit aber keineswegs verfügt, dass ARD und ZDF in ihrer heutigen konkreten Struktur bis in alle Ewigkeit unveränderbar sind. Verfassungsrecht setzt Rahmenbedingungen – es ersetzt keine medienpolitische Debatte.

          Und nein, ich muss Ihnen auch kein alternatives Mediensystem aus dem Ärmel zaubern, um Kritik am bestehenden System äußern zu dürfen. Wer Reformen diskutieren will, muss nicht vorher eine komplette neue Rundfunkordnung fertigentwickelt haben.

          Sonst könnten wir uns politische Debatten tatsächlich sparen: Einfach feststellen, wie es heute ist, und anschließend das Verfassungsgericht als Diskussionsabkürzung benutzen. Praktisch.

          • elektrozwerg

            @Zippism:

            Ergaenzend moechte ich anmerken, dass ich bei meinem ersten Beitrag davon ausgegangen bin, dass Weimar *den* oeffentlich-rechtlichen Rundfunk privatisieren will. Deshalb habe ich im 2. Beitrag auch die abstrakte Form "Wer die oeffentlich-rechtlichen Medien privatisieren will" benutzt.