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09.09.2026 , 15:52 Uhr
Das ist doch wenn wir uns ehrlich machen das Problem aller anderen Probleme auch: dringende, grundsätzliche und moderne (das können wir Deutschen besonders schlecht) Reformen braucht das Bildungssystem genauso wie die Sozialversicherungssysteme, Infrastruktur und die ganzen anderen Dinge, die auf der Liste stehen und in tausenden (vielleicht mittlerweile Millionen?) Kommentaren immer erwähnt werden.
Ich glaub nicht mehr dran. Wir sind im Gesamten einfach zu behäbig und reformfaul. Wir können wohl nicht fassen, dass das Modell Deutschland, dass die letzten Jahrzehnte funktioniert und uns Wohlstand gebracht hat nicht mehr für diese moderne Zeit zu funktionieren scheint.
Wir sind zu verkrustet, zu kompliziert und gleichzeitig wollen wir die höchsten Standards erfüllen. Ich meine: ich finde Inklusion super, aber wenn wie jüngst in einer Doku gesehen in einer Schule ein Kind mit Autismus den Unterricht stört, weil nicht genug Geld da ist die 1zu1 Betreuung die gesamte Woche über zu finanzieren, gleichzeitig aber auch die Toiletten der Schule öfters mal nicht funktionieren, kann ich nur feststellen, dass es eine ziemliche Diskrepanz gibt zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
zum Beitrag07.09.2026 , 08:23 Uhr
Das ist ein Zeichen. Deutschland wird sich weiter verändern in den nächsten Jahren. Es wird ungemütlich werden.
Zu viel ist liegen gelassen worden und selbst wenn die aktuelle Bundesregierung nicht so desolat agieren würde, hätte sie fast nur verlieren können angesichts der massiven Herausforderungen unserer Zeit.
Klar, die Alternativen bieten einfache Antworten heißt es immer. Das ist aber egal. Mittlerweile ist der Vertrauensverlust in die etablierten Parteien zu groß. Ich vergleiche das immer mit einer Beziehung. Stellt euch vor ihr wurdet von Freunden (Altparteien) mehrfach enttäuscht und angelogen. Ihr wollt dann irgendwann nichts mehr von denen wissen. Und da kommt ein neuer daher (AfD), der deinen Frust und deine Wut teilt. Dann kommen deine alte Freunde und sagen, dass dein neuer Freund nicht gut ist. Automatisch -und das ist menschlich- denkt man "ausgerechnet IHR wollt mir sagen, mit wem ich befreundet sein darf?". Und je mehr Druck deine alten Freunde aufbauen, desto mehr treibt man sie in die Arme des neuen "Freundes".
Dieses Gefühl vieler Leute wird aber nicht verstanden. Lieber den Leuten erzählen, dass sie zu viel krank machen, nicht wahr Friedrich?
zum Beitrag11.08.2026 , 17:55 Uhr
Ich befürchte das eine begünstigt das andere.
Das offensichtliche Versagen der etablierten Parteien in Sachen Vermögensungleichheit sowie fehlende Investionen in Infrastruktur und der restliche "Kram" ist ja bekannt. Die dadurch entstandenen wirtschaftlichen Folgen werden seit einigen Jahren von der AFD als Transporter genutzt für die Ideologien.
Das bereits erwähnte tatsächliche Versagen der etablierten Parteien wird vermischt mit "Ausländer sind schuld", "Radwege in Peru" und "Grüne sind auch schuld, Atomkraft yay und Klimawandel gibt es nicht" bla bla.
Der wirtschaftliche Aspekt IST also bereits Teil der pöbelnden Ideologie geworden und ich sehe nur durch ein krasses Wirtschaftswunder da überhaupt eine Möglichkeit diese Leute wieder zurück zu holen.
zum Beitrag10.08.2026 , 16:41 Uhr
Schöne Idee welche an der Wirklichkeit zerschellt.
Die Autorin kämpft sichtlich mit sich, das Wunschdenken kollidiert immer wieder mit der Wirklichkeit. So wird weiterhin relativiert und ignoriert, dass in religiös geprägten arabischen Communities Queerfeindlichkeit einfach dazugehört, siehe den bereits in einem anderen Kommentar geposteten Schwulissimo Beitrag. Und selbst wenn es keine Feindseligkeit ist, ist es zumindest eine gewisse Form von Unverständnis dieser bunten und manchmal selbst für Queere wie mich überfordernden Community.
Es ist der Wunsch der Autorin, dass "einfach mal alle" sich gegen "die da oben" vereinen, denn - das scheint das Selbstverständnis einiger Linker zu sein - es müssen ja süß Prinzip alle unterdrückten Minderheiten zusammenhalten.
Schöner Gedanke. Naiv, aber ein schöner Gedanke.
zum Beitrag06.08.2026 , 10:57 Uhr
Ein Forist meinte, dass die Basis für das Problem das Bild der Politik der letzten Jahrzehnte darstellt (Lobbyarbeit, Cum-Ex und co.). Ja, ist es! Aber es ist eine toxische Kombination aus vielen Dingen.
Generell hat der öffentliche Sektor (in dem ich arbeite) einfach keinen Respekt vor Steuergeldern. Die Politik hat sich daran gewöhnt scheinbar ohne große Kontrollinstanzen das Geld herauszuwerfen, weil die Steuergelder sprudelten ja. Und das schlimme ist: wir wissen heute, dass das Geld nicht in Infrastruktur, Digitalisierung, Bildung und co. geflossen ist.
Nächster Punkt: Man muss man rückblickend einfach eingestehen, dass die Migrationskrise ab 2015 nicht gut gemanagt wurde. Und das Gefühl was da Entstand war sehr gefährlich: "Ihr da oben" könnt schon die aktuellen Probleme nicht lösen, warum macht ihr uns neue? Dann kamen Ukraine und Corona on top. Bei Corona wurde den Leuten noch mal klarer wie "steinzeitlich" dieses Land agiert, weil Gesundheitsämter die Zahlen faxen müssen.
On top kommen nun die Folgen des verschlafenen demografischen Wandels. Klar haben die Menschen Frust und trauen den Etablierten nicht mehr. Und leider ist der größte Profiteur davon die AfD.
zum Beitrag31.07.2026 , 20:28 Uhr
Ich stimme Ihnen im Kern ja zu. Dieses WIR ist wichtig.
Ich glaube nur nicht mehr daran. Zumindest nicht in der nahen Zukunft. Zu viele Scherben sind zerschlagen. Nicht nur durch für die von mir im ersten Post genannten progressiven linken Strömungen (die Rechten sowieso), sondern auch und insbesondere durch die Politik, ohne darauf genauer einzugehen. Das Versagen der Politik ist ja reichlich bekannt.
Und wenn ich im Bezug auf das WIR zum Schluss noch mal auf die linken Strömungen einschlagen "darf". Nur zu häufig habe ich von linker Seite vernommen, dass man nicht an Deutschland im Sinne der Grenzen glaubt, dass man Deutschland sogar ablehnt, regelrecht scheiße findet. "Deutschland verrecke" heißt es da ja unter anderem. Ja, ein "gesundes" WIR bräuchten wir. Aber so?
zum Beitrag31.07.2026 , 17:58 Uhr
Das ist gerade der Kern meiner Aussage, den Sie wohl überlesen haben: dieses ominöse gesellschaftliche "wir" in Deutschland existiert nicht.
Auf den Spruch mit dem Loch gehe ich jetzt mal nicht ein.
zum Beitrag31.07.2026 , 10:01 Uhr
Verzeihen Sie mir lieber Autor, dass ich zynisch werde, aber ... Jetzt auf einmal?
Seit Jahren haben verschiedene laute links-progressive Bubbles es sich durch im Kern moralisch gute, aber in der Durchführung dilettantisch und im Ton von oben herab geführte Debatten mit einem Teil der Zivilgesellschaft versaut. Also mit den im Text genannten Leuten im Schützenverein, Feuerwehr, usw. . Diese Bubbles haben, vermutlich weil sie in der falschen Annahme waren sie würden die Mehrheit repräsentieren und damit den Diskurs bestimmen können, aktiv zur Entfremdung und Spaltung beigetragen. Spätestens beim Gendern wollte ich nur laut aufschreien. Ja, ich verstehe was man damit bezwecken wollte, aber es war im Kern eine blöde Idee. Immerhin hat die Linke durch Reichinnek und Dank Friedrich Merz mit seiner blöden Idee der Abstimmung mit der AFD die Kurve gekriegt und den Weg in die Realpolitik zurück gefunden.
Burgfrieden hat es jemand hier genannt. Das wird nicht passieren. Längst hat man die Leute entweder in die Arme der AFD gerieben oder diese sind verbittert ausgestiegen. So wie ich, der sich mal als "eher mittig links" bezeichnet hat. Lang ist es her... .
zum Beitrag28.07.2026 , 21:26 Uhr
Es ist nicht dasselbe und Sie wissen ganz genau, dass wenn man in der Vergangenheit von der Brandmauer und Rechten gesprochen hat immer nur die (reale) Gefahr durch die AFD gemeint hat. Jetzt den xten Kommentar zu lesen, der irgendwie versucht rückwirkend so tut als ob Islamismus immer mit gemeint war ist einfach nur heuchlerisch.
zum Beitrag28.07.2026 , 10:28 Uhr
Ich bin weder Optimist noch Pessimist. Ich bezeichne mich selbst als Realist. Daher stimme ich dem Titel zu: das war kein Versagen des Multikulturalismus. Meine "Analyse" ist aber eventuell noch härter: der Anschlag war ein natürlicher Nebeneffekt davon.
Was ich mit Nebeneffekt meine, als Beispiel: Eine Gesellschaft die immer weniger Kinder bekommen hat und nun Geflüchtete hauptsächlich in den Jobs arbeiten lassen möchte, für die sich viele Bio Deutsche zu schade sind, muss in Kauf nehmen, dass gleichzeitig einige durch das Raster fallen durch entweder psychische Folgen der Fluchterfahrung, kultureller Unterschiede, Religiosität, Sprachbarriere usw.. In harter Sprache ausgedrückt: wenn du selbst nicht deine Eltern pflegen willst und deine Kinder dir zu schade sind für Pakete ausliefern, wirst du mit den negativen Folgen des Multikulturalismus leben müssen. Und ja, ich weiß dass der Täter Deutscher war. Macht es keinen deut besser.
Damit bin ich weder bei linker (Multikulturalismus ist super!) und rechter (Multikulturalismus ist unser Untergang!) Rhetorik. Beides finde ich nämlich falsch und naiv. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte.
zum Beitrag31.12.2025 , 11:06 Uhr
Dass auch deutsche Männer Täter sind, widerlegt nicht, dass kulturelle Prägung ein Faktor ist. Das eine ist kein Gegenargument gegen das andere. Wer bei dieser Frage reflexhaft ablenkt, vermeidet Analyse – und nennt das dann Humanismus.
zum Beitrag31.12.2025 , 10:55 Uhr
Man kann und darf nicht ernsthaft behaupten, dass „Kultur“ Menschen zu Straftaten zwingt. Aber zu sagen, Kultur spiele generell keine Rolle, ist eine Überkorrektur. Normen zu Geschlechterrollen, Sexualität und sozialer Sanktionierung entstehen nicht im luftleeren Raum. Westliche Gesellschaften haben diese Normen über Jahrzehnte – 68er, Feminismus, Rechtsdurchsetzung – aktiv verändert. Andere Gesellschaften haben diese Entwicklung so nicht durchlaufen. Das anzusprechen ist keine Pauschalverurteilung, sondern eine notwendige Voraussetzung für Prävention und Integration. Wer kulturelle Unterschiede vollständig ausblendet, ersetzt Analyse durch Naivität.
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