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NSDAP-Vergleich von Charlotte Knobloch Die AfD ist nicht die NSDAP

Kommentar von

Klaus Hillenbrand

Ja, es gibt Ähnlichkeiten zwischen der AfD und der frühen NSDAP. Aber Nazi-Vergleiche helfen nicht weiter – nicht mehr.

D as Programm legt sich fest: „Jede weitere Einwanderung Nicht-Deutscher ist zu verhindern“, steht dort, aber auch: „Wir fordern einen großzügigen Ausbau der Alters-Versorgung.“ Wer nun meint, solche Sätze entstammten dem AfD-Programm, irrt. Die Sätze finden sich im Programm der NSDAP von 1920. Da ist von der Vernichtung der Juden oder der Abschaffung der Demokratie nicht die Rede. Die Partei gab sich pflegeleicht wie eine Kuscheldecke.

Charlotte Knobloch, die Grande Dame der deutschen Juden, hat die NSDAP mit der AfD verglichen. Sie sehe „in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP, bevor diese an die Macht gekommen ist“, sagte sie. Sie verhängt damit das denkbar stärkste Urteil über die AfD.

Doch ob dieser Vergleich weiterhilft, ist fraglich. Die Tabuisierung der Rechtsextremen hat lange funktioniert, es gelang keiner Partei, in der Nachkriegsdemokratie Fuß zu fassen. Doch heute ist „Nazi“ in manchen Kreisen kein Schimpfwort mehr. 80 Jahre nach Kriegsende umgibt ein Schleier des Vergessens das Verbrecherregime. Mit einer Tabuisierung lässt sich der Faschismus der 2020er-Jahre nicht mehr bekämpfen.

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Vor allem aber: Der Vergleich funktioniert nicht richtig. Knobloch hat über die Frühzeit der NSDAP gesprochen, und dort hat sie nur teilweise recht. Die AfD steht weder auf den Uniform-Fetischismus der Alt-Nazis noch huldigt sie dem Führerprinzip. Ja, es gibt auch Ähnlichkeiten, an erster Stelle das völkische Denken. Doch hängen bleibt nur der Vergleich AfD und NSDAP. Und der ist falsch. Es wäre eine Verharmlosung der NS-Herrschaft, unterstellte man der AfD eine ähnliche Politik wie Adolf Hitler ab 1933. Das hat Knobloch nicht getan. Aber so bleibt es hängen.

Nazi-Vergleiche helfen bei der Bekämpfung der AfD nicht weiter. Sie helfen überhaupt nicht weiter. Denn was die Nazis getan haben, bleibt ein unvergleichliches Verbrechen.

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Klaus Hillenbrand taz-Autor

Jahrgang 1957, ist Mitarbeiter der taz und Buchautor. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte und der Nahe Osten. Hillenbrand ist Autor mehrerer Bücher zur NS-Geschichte und Judenverfolgung. Zuletzt erschien von ihm: "Die geschützte Insel. Das jüdische Auerbach'sche Waisenhaus in Berlin", Hentrich & Hentrich 2024
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1 Kommentar

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  • Bürger L.

    Mit dem Kommentar von Herrn Hillenbrand stimme ich voll und ganz überein. Meines Erachtens ist die AFD eine rechts-nationale und rassistische Partei. Allerdings scheint ja selbst ein eindeutiger Nachweis der Demokratie- oder Verfassungsfeindlichkeit nicht so einfach zu sein, sonst wäre die Partei vermutlich längst verboten.

    Um nicht missverstanden zu werden: mein Herz schlägt seit jeher links. Von daher liegt mir nichts ferner, als das Wirken der Rechtsnationalen zu verharmlosen.



    Den schon länger festzustellenden leichtfertigen und inflationären Gebrauch der Bezeichnungen Nazis oder Faschisten halte ich auch für problematisch. Wie Hillenbrand schreibt, kann das zur Verharmlosung der tatsächlichen Gräueltaten von Nationalsozialisten und Faschisten beitragen.



    Zudem haben inzwischen "Fascho oder Nazi", z.B. durch die sozialen Medien, zunehmend Eingang in die Alltagssprache junger bis "mittelalter" Menschen gefunden. Ich sehe da durchaus die Gefahr der Gewöhnung und Normalisierung der Begriffe, die der tatsächlichen Gefahr durch rechtsnationale Entwicklung nicht gerecht wird.