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02.09.2026 , 17:10 Uhr
Gut das sie also auch das wissen und bestimmen: Wann ein Buch, ein Gedicht, ein Gemälde, eine Skulptur, ein Song, ein Film etwas mit der kulturell-kollektiven Erfahrung zu tun hat, aus der sie sich äussert.
Der Europäer ist halt ein selbsterdachtes Universalgenie. Zudem gilt stets allein seine Perspektive. Die fraglos stets über jeden -auch moralischen- Zweifel erhaben ist.
Sie kommen nicht einmal auf die Idee, dass Sie möglicherweise keinerlei Ahnung haben. Noch das Sie zugeben könnten, dass Sie bestimmte Ahnung gar nicht interessiert.
Es spielt überhaupt keine Rolle, dass der Rapper in Deutschland geboren ist. Und höchstens nur zum weiteren Verständnis, aus welchen kulturellen und kollektiven Erfahrungen. Die nun mal im Ein- und Auswanderungsland Deutschland seit Generationen unterschiedlich sind. Für die Deutschen. Die sowohl in Deutschland geboren sind, als auch mit ihrer anderen Perspektive Deutsche sind.
Ich bin Kind von Eltern die sich und deren Eltern völlig selbstverständlich für geboren berechtigte Deutsche hielten. Und kann verstehen warum sich jemand den Aufstand, die Erhebung wünscht. Und den Tod einer Armee, die Palästinenser zu Nicht-Menschen erklärt.
zum Beitrag02.09.2026 , 00:24 Uhr
"(...)des, von der Hamas und den islamistischen Terrorgruppen begonnenen, Krieges:(...)"
Schön. Haben Sie das wieder einmal geschrieben. Ist aber falsch. Wissen Sie auch. Ist Ihnen aber gerade argumentativ nicht zu Diensten. Das der Krieg vor Ort seit vielen Jahrzehnten länger tobt. Ist Ihnen vielleicht auch einfach zu kompliziert. Sie hätten es Gerne einfach. Und klar. Und moralisch vor Sauberkeit blitzend. So wie sich fanatische Regierungen Israels verlogener, geschönter, geradezu absurd klitternder Gründungsmythen bedient. In denen der angetroffene Bevölkerung nur zwei Rollen zugedacht sind: Entweder hat sie angeblich nicht existiert. Oder sie sind oder waren Terroristen.
Vor diesem Hintergrund ist es selbstverständlich nur vordergründig-kurzfristig hilfreich darauf zu verweisen, dass arabische Mächte, wie die Palästinenser selbst, mit Erzählungen arbeiten, deren giftigste Versionen heute die Macht haben. Aber so ist es im Staat Israel ja auch. Nach all den Jahrzehnten Krieg, sind heute die toxischsten übrig geblieben und an der Macht. Unter Dieben hört man fortlaufend nichts anderes mehr als "Haltet den Dieb!" Ich bin für aussteigen aus diesem Kreislauf.
zum Beitrag02.09.2026 , 00:07 Uhr
Ich bin ja dann doch immer erstaunt, wieviel am links, liberal, deutschen Wesen, noch einmal die Welt genesen wird. Aus tiefstem Herzen von der eigenen Anständigkeit überzeugt.
Hier belegt durch so manchen Kommentar.
Das Wesen, das einmal mehr der Welt erklärt - hier ist es der Palästinenser, der Araber - was es zu bedeuten hat, spricht er über das Unrecht. Die Erhebung, den Aufstand dagegen In einem Rap. Gesungen von einem Menschen nicht älter als 25 Jahre.
Da weiss das Wesen ganz genau, was Intifada zu bedeuten hat. Dies bestimmt nämlich wie immer der Europäer. Wie seit mehr als 100 Jahren die Grenzen, in denen der Araber, der Palästinenser zu leben hat. Und das nicht nur geografisch. Mit einem Staat der Vertriebenen, Überlebenden und Glücksuchenden. Die einmal mehr in der Geschichte, europäische Mächte und Kräftverhältnisse in entfernte Ländereien trieb. Von denen es in falschen Gründungsmythen, Songtexten und allerlei Popkultur hiess, sie seien vorher menschenleer gewesen.
Zutiefst verantwortlich verwickelt, ohne tiefere Einsicht, muss da der Aufstand, die Erhebung gegen solche Selbstgewissheit selbstredend pauschal, unmittelbar und entschlossen als Verbrechen gelten.
zum Beitrag01.09.2026 , 01:17 Uhr
"ein Konflikt in rund 3.000 Kilometer Entfernung ist kein gutes Thema für einen Landtagswahlkampf."
Schon bin ich raus.
Denn das in Berlin-Neukölln "ein Konflikt in 3000 Kilometer Entfernung..." - ähem - "kein gutes Thema ist" entspricht halt nicht der vorzufindenden Wirklichkeit. Soooorrrry Leute! Die Wirklichkeit ist ein Biest.
Da leben viel die Leute, für die das ständiges "Thema" ist. Weil es ihre Verwandten, Freunde, die Menschen ihrer Geschichte und ihres Kulturkreises betrifft.
Und deshalb darf ein kaum über die 25 Lebensjahre Rapper auch zum Aufstand, zur Erhebung - also arabisch: Intifada aufrufen. Muss sich in seinem Text, seinem künstlerischen Ausdruck nicht daran orientieren, was die europäischen Bravmittelstandsliberalbürger zusammen mit ihren Regierungen und der Regierung Israels festlegt, was Intifada ist.
Er darf auch jener Armee den Tod wünschen, deren Regierung ansagt, das routinemässige Töten von Palästinensern sei Ok und staatsräsonabel notwendig.
Feine Gesellschaft das. Erlegt einen Rapper. Um dann wahrheitswidrig zu phantasieren, der repräsentiere das Programm, die Praxis, die Rhetorik, die Agenda der DIE LINKE.
zum Beitrag22.08.2026 , 18:22 Uhr
"Links hatte schon immer ein Herz für Straftäter(...)"
Ja ist klar. Erzählung einer wühlenden jüdisch-bolschewistischen Verschwörung. Die alle sowieso am Ende natürlich einfach Verbrecher, "Straftäter" und deren Leibhaber sind. Kulturelle Hegemonie und so. Faschisten lassen Gramsci ja nicht nur im Knast verrecken. Sein Zeug lesen sie dann schon aufmerksam.
Heute sagt der taktisch zweifelsfrei nicht vollkommen verblödete Rechte halt das mit dem "jüdisch" nicht mehr. Der Markt regelt alles. Und nun gibt es auf dem Demagogie-Markt für denselben Zweck andere Parolen
Und natürlich die Parolen modernisieren. Updaten wie man heute sagt. Das Bolschewistische ist halt heute einfach "links" was dasselbe wie "grün" ist. "jüdisch" wäre taktisch unklug. Also ist es nun der Migrant, Ausländer, Kulturfremde, Geflüchtete, welcher mit der die das Linke und Grüne für alles verantwortlich ist. Vor allem natürlich wenns schief läuft. Oder auch nur der Wasserhahn beim reichsweissen Bevorrechtigten-Herrenmenschen tropft. Nie käme er auf die Idee, er selbst sei einmal für die Mehrheit ungefragt, Zufalls-Eltern-Geburtsörtig über den Uterus in die Sozialsysteme eingewandert.
zum Beitrag22.08.2026 , 09:47 Uhr
"Ich kenne unzählige frustrierte Polizisten, die es leid sind, Intensivtäter, Taschendiebe oder die Bettelmafia (...)"
Ja klar kennen Sie die. Die kennt jede und jeder. Schon immer. Überall.
Kann man schon daran sehen , dass diese Figur schon lange, vielfach popkulturell, literarisch, cineastisch präsentiert und verbreitet ist: Der Polizist der die Schnauze voll hat und nun nicht nur Exekutive sein will, sondern auch Legislative und Judikative zugleich.
Merkwürdiger Weise steht kaum ein Polizeigewerkschaftsführer, Polizeibeamter vor den Mikros und spricht über die handwerklich-fachliche Seelenpein, dass die Benkos, Gröners, Spahns, Marsaleks, unzählige kommerziell-kriminelle in der Anlage- Immobilien- und Wohnungswirtschaft gewöhnlich so unerkannt oder glimpflich davonkommen.
Und wer die lange Geschichte der bundesdeutschen Staatschutzjustiz gegen sogenannte "Linksextremisten" ignoriert, der glaubt halt auch das "Verurteilte Gewalttäter©" des antifaschistischen Widerstandes keine Grüße verdienen. Nicht einmal die.
Wo schon nicht gewusst werden will, dass ihnen für die Verurteilung gar keine Tat belastbar, konkret, zweifelsfrei nachgewiesen werden muss.
zum Beitrag21.08.2026 , 10:35 Uhr
"Die NSDAP war eine singuläre historische Erscheinung mit einer konkreten Ideologie, einem konkreten historischen Kontext und letztlich beispiellosen Verbrechen. "
Das ist nahezu vollumfänglich und absolut falsch.
Aber offenbar weit verbreitet. Nehme an, es dient allein dem Selbstgefühl, Selbstkonzeption, mit solch scheinbar kompakt-radikaler Erkenntnishaltung, ein für alle mal alles Leugnen, alles Relativieren zu eliminieren. Das ist mehr Psychologie des kollektiven Traumas, das der bürgerliche NSDAP-Faschismus im bürgerlichen Gemüt hinterliess. Zudem immer mit einem unangenehmen Nachgeschmack: Selbst beim Verbrechen unangefochten Sieger, Einzigartig, Unvergleichlich zu sein.
Fraglos sprengt die Shoa in jeder Hinsicht - schon aufgrund ihrer organisatorisch-industriellen-zeitlichen Kompaktheit alle Grenzen.
Aber für die Indigenen Nord-Südamerikas, ist ihre kollektive Erfahrung des dort jeweils ganz konkreten, einzigartigen, singulären Völkermordes, sowenig im Wettbewerb mit der Shoa, wie sich Armenier, Tutsis, Palästinenser, Kurden,(...) hinten anzustellen haben. Wird in Deutschland -letztlich- einmal mehr die Weltspitze beansprucht. Um Völkermord nicht Völkermord zu nennen.
zum Beitrag21.08.2026 , 09:57 Uhr
Richtig. Charlotte Knobloch ist manches Mal nicht so auf den Punkt. Weiss nicht ob Sie Ihr Gefühl inzwischen überwunden hat, mit den "Stolpersteinen" trete man die Opfer der Verbrechen mit Füßen.
Hier scheint mir das Problem aber etwas anderes zu sein. Es handelt sich um den reflexhaften Reflex des Affektes, der unmittelbar in einen Wettbewerb, eine Challenge, also den allgegenwärtigen "Markt" eintritt. Der bekanntlich alles regele. Während nicht mehr präsent ist, wohin das Marktförmige Ökonomisierte was wohin regelt.
Der Bezug zur NSDAP ist richtig, nicht weil die AfD "genauso" oder "schlimmer" oder "weniger schlimm" ist. Sondern weil es die kollektive und zu kollektivierende (historische) konkrete Erfahrung, Geschichte der Gesellschaft Deutschlands ist. Das nächste -eigentlich inzwischen immer falsch eingesetzte- Argument lautet: Es handele sich um ein "Verharmlosung der Verbrechen der Nazis" So als sei es das Recht, der späte Sieg des deutschen Faschismus die Messlatte gesetzt zu haben. Unterhalb derer Dies-Das -Achtung: Challenge! - weniger schlimm sei.
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