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NSDAP-MitgliederkarteiParteilose Mörder

Kommentar von

Gunnar Hinck

Es ist wichtig, dass die NSDAP-Kartei jetzt digital zugänglich ist. Das Problem ist aber: Viele Täter waren gar nicht Mitglied der Nazi-Partei.

Wer war damals schon dabei? Veranstaltung der NSDAP mit dem Führer in Berlin im Februar 1933 Foto: Keystone/Zuma/imago

W ar Opa ein Nazi? Die Frage beschäftigt derzeit viele Leute. Das US-Nationalarchiv, das die NSDAP-Mitgliederkartei (fast) vollständig verwahrt und nun digital zugänglich gemacht hat, verzeichnet seit dem Start bereits über 1,5 Millionen Aufrufe. Die Zeit bietet, begleitet von einer großen Marketingkampagne, ein ähnliches Such-Tool an – natürlich hinter der Bezahlschranke, um mit Vergangenheitsbewältigung fragwürdigerweise Geld verdienen zu können.

Zweifellos ist der einfache Zugang zur Nazi-Mitgliederkartei ein großer Fortschritt. Lügen und Selbstbetrug lassen sich jetzt leicht entlarven. In vielen deutschen Familien dürften Opa und Uropa, vereinzelt auch Oma und Uroma, jetzt in anderem Licht erscheinen, denn nach 1945 war die Beschönigung der eigenen Biografie Volkssport.

Eine Mitgliedschaft wurde geleugnet oder der Eintritt nach hinten verlegt, weil als Faustregel galt: Je später der Eintritt erfolgte, desto kleiner die eigene Überzeugung und desto größer der eigene Opportunismus. Und, so die Lesart, sind wir nicht alle irgendwie Opportunisten?

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So ganz falsch ist das mit Blick auf eine NSDAP-Mitgliedschaft nicht, und genau das zeigt den Schwachpunkt der derzeitigen Kollektivrecherche auf: Nicht jedes NSDAP-Mitglied war überzeugter Nazi, sondern Mitläufer, um etwa den kleinen Beamtenposten zu retten.

Umgekehrt waren viele, die monströse Schuld auf sich geladen haben, nie Mitglied: Da sind, nur als Beispiel, die eigentlich unpolitischen Polizeibataillone, die unter dem Dach der SS an der Ermordung von Tausenden Juden, Polen und Russen „im Osten“ beteiligt waren. „Ganz normale Männer“ waren das, wie der Historiker Christopher Browning schon vor über 30 Jahren nachwies. Zu nennen sind auch jene ganz normalen Wehrmachtssoldaten, die sich an Kriegsverbrechen und am Holocaust beteiligten.

Die Recherche in der NSDAP-Mitgliederkartei ist ein wichtiger Baustein, um Licht in das Dunkel der Biografien der Vorfahren zu bringen. Um die Frage von Schuld und Verstrickung umfassend zu beantworten, sind aber weitere Familienrecherchen nötig – und der Blick dahin, wo es richtig wehtut.

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ist Redakteur im taz-Ressort Meinung.
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64 Kommentare

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  • Ok Ok - cui bono? & was solls? bzw So what!



    ME - muß jeder selber wissen:

    Icke*45 hatte es leicht - vergleichsweise •



    Meine Eltern *03/*04 waren beide 1937f Pg‘s



    (Für Spätgeborene: Parteigenossen)



    Darüber wurde in der Familie ganz offen gesprochen (das war bei meinen Mitschülern durch die Bank complett anders - einschl. III.Reich!)



    Schonn “Sie sprechen ja geradezu ehrfürchtig von Ihren Eltern!“ ein Psychoonkel.



    “Naja - zwei schwere Krankheiten zwei Weltkriege laviert durch die Nazi-Zeit & anschließend beie SBZ/Kotzis kurz & dann zwei solche Rabauken ins Leben bugsiert! Chapeau!“ But.



    “Dein Spitzname im Katzenmuseum war doch “Kommunist aus deinem Heimatdorf!“



    Wieso bist du dann doch in die Partei eingetreten?!“



    “Naja - ich war kein Ohnemichel!“



    Und dann zählte er zu der Zeit das auf - was ich später bei Sebastian Haffner “Anmerkungen zu Hitler“ wiederfand“.



    Er war uk (unabkömmlich) gestellt weil er für Militärkaffee zuständig war. Solche wurden gern “veranlasst“ in NS-Orgs einzutreten.



    Das Bauernkind entging der Reiter-SS indem er seinen alten TN-Ausweis rausholte.



    (Hatte er doch 1918 als Schüler post WK I “Notstandsarbeiten“ vorm Hochofen gemacht



    …ff

    • @Lowandorder:

      ff



      “…(Bis ich merkte: das ist ne StreikbrecherOrg (Bis ich merkte: das ist ne StreikbrecherOrg - ist - da bin ich nicht mehr hin!“ -



      Btw Nachfolgeorg: THW/Heinemann!!)



      de.wikipedia.org/w...echnische_Nothilfe

      Barg Bombenopfer & fälschte Röstbücher um eine diebische Putzfrau vor der Todesstrafe “das geht doch nicht!“ zu bewahren: weil Militärgut Todesstrafe bis auf einen Bagatellbetrag



      (“…der StA hatte ziemlich exakt berechnet!“)



      Habe erst viel später - als ich selbst mal so einen Fall mit frisiertem Papier hatte - überrissen -



      Wie riskant seins damals war.- bin ich nicht mehr hin!“ - Nachfolge THW/Heinemann!!)



      Barg Bombenopfer & fälschte Röstbücher um eine diebische Putzfrau vor der Todesstrafe “das geht doch nicht!“ zu bewahren: weil Militärgut Todesstrafe bis auf einen Bagatellbetrag



      (“…der StA hatte ziemlich exakt berechnet!“)



      Habe erst viel später als ich selbst mal so einen Fall mit frisiertem Papier hatte überrissen:



      Wie riskant seins damals war.

      Btw solche und ähnliche Begebenheiten - deren Auswirkungen teilweise bis in die SBZ-Zeit reichten einschließlich Einquartierungen - abgewendete Enteignung etc wurden eher en passant am Mittagstisch - des abends erzählt.

  • Dass die NSDAP-Mitgliedschaft (10 Millionen!) nichts über Täterschaft aussagen kann, liegt auf der Hand. Darum geht es bei der Kartei auch nicht, eher schon darum, die ganz banale Verstrickung der gesamten Gesellschaft im totalitären, mörderischen Staat am Beispiel der eigenen Familie greifbar zu machen.

    Und da ist es halt ein seltener Glücksfall, daß diese Kartei in die Hände der Besatzer gekommen ist und nicht einfach vernichtet werden konnte. So viel Glück hatten andere Länder mit totalitärer Geschichte nicht.

  • „War Opa ein Nazi. Diese Frage beschäftigt aktuell viele.“

    Ich kenne keinen einzigen, den das beschäftigen würde, steigende Preise, Kriege, drohender Jobverlust, eingebrochener Wohlstand da schon eher.

    Mein Opa wurde 1948 geboren und ich gehe auf die 50 zu. Und meine Kinder und Enkel beschäftigt es auch nicht, was ein ihnen unbekannter Ururopa gemacht haben könnte.

    • @ToMuch:

      Doch. In meinem Umfeld schon.



      Alle 4 Grosseltern waren "dabei".



      Hätt ich nicht gedacht von den Omas.

    • Gunnar Hinck , Autor des Artikels,

      @ToMuch:

      Hallo, sind Sie sich sicher, dass Ihr Opa 1948 geboren wurde und Sie auf die 50 zugehen? :-) MfG Gunnar Hinck, Redakteur und Autor des Kommentars.

      • @Gunnar Hinck:

        Nicht jeder wartet bis ultimo mit dem Kinderkriegen, wir waren alle nicht älter als 20, ich hatte nie mehr soviel Zeit wie während des Studiums für meine Kinder. Also perfekte Lösung für mich.

        • @ToMuch:

          @ ToMuch



          Tja, wenn Kinder - Kinder bekommen...



          Da is nix mit politischem reflektieren der Vergangenheit & Gegenwart, wa...



          Dann mal für die Zukunft fux ein ganz dollet herzliches - toi toi toi gewünscht - wa

        • @ToMuch:

          Nach dem, was Sie schreiben, scheint Ihr Opa keine 30 gewesen zu sein, als Sie geboren wurden ...

      • @Gunnar Hinck:

        Ja, bin ich. Hab noch meinen Ururopa kennen gelernt. Der starb erst, als ich 13 war. Deren Lieblingssatz war immer: Was mir der Russe an Lebenszeit genommen hat, hat mir der Herrgott wieder dran gehängt.

        Baujahr Ururopa 1897, gestorben 1993



        Baujahr Uropa 1919, gestorben 2011

        Asketischer Lebensstil.

        • @ToMuch:

          Das heißt sie sind 1980 geboren und ihr Großvater 1948?

      • @Gunnar Hinck:

        Tja - die Grundrechenarten! 🧐🙀 But.



        Falsa demonstratio non nocet =>



        Icke*45 - mein ältester Sohn geht auf die 50 zu.



        Sodrum wird ein 👞 draus! Woll

    • @ToMuch:

      Ich finde das jetzt doch durchaus spannend.

  • Komplett verzichtbarer „But what about …?“ Artikel. Jetzt ist das Thema die NSDAP Mitgliederliste, nicht mehr und nicht weniger. Das es auch Täter:Innen ohne Parteibuch gab weiß die geneigte Leserin auch alleine.

    „Nicht jedes NSDAP-Mitglied war überzeugter Nazi, sondern Mitläufer, um etwa den kleinen Beamtenposten zu retten.“ Ich kann gar nicht soviel essen, wie ich bei dem Satz …! Und das obwohl ich aus eigener Erfahrung nur in der DDR erlebt habe, das genau diese Leute das System am laufen hielten. Grüße gehen raus an Andrej H.!

    • @Mendou:

      Ich habe keine DDR-Erfahrungen, aber als "geneigter Leser" war ich mir dennoch schon vor der Freischaltung der Mitgliederliste über die "tragende Rolle" von Mitläufern bewusst.

      Und was ist an dem von Ihnen zitierten Satz denn falsch?

      Das Problem mit der Liste dürfte eher der sehr späte Zeitpunkt der Veröffentlichung sein. Ich war sehr überrascht, auch den Namen meines Vaters dort zu finden, der dort seit dem 20.04.1944 als Mitglied geführt ist. Da war er 18 Jahre alt. Dass meine beiden Großväter in der Partei gewesen sind, wusste ich längst.

      Nur: Die Großväter seit 1971 bzw. 1982, und mein Vater seit 2010 tot. Ich kann sie also nicht mehr fragen.

      Und beim Blick auf das Eintrittsdatum meines Vaters erinnerte ich mich daran, dass Dieter Hildebrandt und Walter Jens vor Jahren behauptet haben, sie wären gegen ihren Willen als Parteimitglieder geführt worden und im Rahmen eines von der Parteiorganisation ohne ihr Wissen organisierten "Massenbeitritts" ins Mitgliederverzeichnis geraten.

      Ob die Wissenschaft das bestätigen konnte, weiß ich nicht. Aber seit dem Geständnis von Grass, in der Waffen-SS gewesen zu sein, bin ich bei dieser Gruppe bei dem Thema skeptischer geworden.

    • Gunnar Hinck , Autor des Artikels,

      @Mendou:

      " Dass es auch Täter:Innen ohne Parteibuch gab weiß die geneigte Leserin auch alleine." - Sind Sie sich da so sicher? Ich wusste bis zur Lektüre des Buchs von Christopher Browning nicht, dass es z.B. normale Reserve-Schutzpolizisten gab, die im "Osten" mordeten. Das waren im Zivilberuf Kaufleute, Arbeiter usw, die nicht zwingend Parteimitglieder waren. MfG Gunnar Hinck, Redakteur und Autor des Kommentars.

      • @Gunnar Hinck:

        Dass es Täter ohne Parteibuch gab, ist jedem klar, der mal 5 Minuten über das dritte Reich und andere Diktaturen nachgedacht oder mit Menschen, die diese Zeiten erlebt haben, gesprochen hat. Um jemanden bei der Gestapo oder bei der Stasi zu denunzieren, musste man kein Parteimitglied sein.



        Einige meiner Ost-Kollegen, die sich Ende der 90er Einblick in ihre Akten verschafft haben, konnten es kaum fassen, wer sie angeschwärzt hat.



        Ich habe es bis in die 60er Jahre erlebt, dass meine Eltern in Gegenwart mancher Leute plötzlich in den Flüsterton verfallen sind und sich zugeraunt haben "die sind braun".

        • @Oma:

          Ach, eigentlich war die Stasi ja ganz nett und die DDR auch nur ein ganz klein bisschen Diktatur mit kuscheligen Gefängnissen für Staatsfeinde.

        • Gunnar Hinck , Autor des Artikels,

          @Oma:

          Stasi und Gestapo in einem Atemzug - puh, da musste ich kurz schlucken. Die Stasi war schlimm, die Gestapo jedoch schlimmer. Die Stasi hat nicht Leute morgens um 6 aus den Betten geholt und in ein KZ geschickt. MfG Gunnar Hinck

          • @Gunnar Hinck:

            Was wollen Sie uns damit sagen? Dass es die Stasi-Gefängnisse in den Bezirksstädten mit systematischer Zermürbung nicht gab? Dass Stasi-Beamte unter gegenseitiger Affirmierung, man sei schließlich nicht die Gestapo, mit Verhaftungen grundsätzlich bis halb sieben gewartet haben?

            Das macht das Unrecht natürlich sehr viel "anständiger" oder wie ist das gemeint?

            • Gunnar Hinck , Autor des Artikels,

              @Metallkopf:

              Die Gestapo war vom Repressionsgrad her ein anderes Kaliber. Wer von der Gestapo "abgeholt" wurde, hatte eine weit höhere Wahrscheinlichkeit, im KZ oder in "Schutzhaft" zu sterben, als jemand, der von der Stasi abgeholt wurde. Das macht die Stasi nicht weniger schlimm, ist aber doch ein bedeutender Unterschied. Konzentrations- und Vernichtungslager gab es m.W. nicht in der DDR.

          • @Gunnar Hinck:

            Ich sage nur Bad Freienwalde. Und das war Zwangsarbeit und die psychische Folter (bspw. tagelanger Dunkelraum 2 m x 2m oder das gerade Gegenteil: tagelanges Flutlicht und Beschallung). M.E. hatten die das aus dem Handbuch der Gestapo.

            • @Olaf Schröder:

              Auch an @Metallkopf und @Katharina Reichenhall.



              Gut möglich, dass die Gestapo Blaupausen für spätere Stasi-Methoden geliefert hat, sogar sehr wahrscheinlich.



              Über die Parallelen zwischen NS und Stalinismus wurde ja schon viel diskutiert. Das darf jedoch nicht dazu führen, die Monstrosität des Nazi-Regimes zu relativieren.



              Wer das tut - wenn auch nur in der Absicht, die (die von mir nicht bestrittenen) Schrecken des real existierenden Sozialismus in der DDR ins öffentliche Bewusstsein zu rücken -, stellt sich nur in eine Linie mit denjenigen, die die besagten zwölf Jahre als einen „Vogelschiss der Geschichte“ betrachten.



              Es muss möglich sein, über die DDR-Vergangenheit zu sprechen, ohne derlei Nazi-Vergleiche (oder noch schlimmer, Gleichsetzungen) anzustellen.

          • @Gunnar Hinck:

            Hat die Stasi nicht sogar ehemalige Gestapo-Leute für sich rekrutiert?

          • @Gunnar Hinck:

            Spielt nur für manche Zeitgenoss*innen offenbar keine Rolle, der Unterschied zwischen Gestapo und Stasi. Schließlich war Hitler ja eigentlich auch ein Linker, nicht wahr?



            Die Saat der Umdeutung, Verharmlosung und Relativierung der Schrecken des Nationalsozialismus - die weiß Gott nicht erst mit der AfD begonnen hat, sondern von konservativer Seite schon immer betrieben wurde - scheint ja wunderbar aufzugehen.

            • @Abdurchdiemitte:

              Oder man will die Stasi damit verharmlosen, dass die Gestapo noch viel schlimmer war?



              Ich halte jeglichen Schönheitswettbewerb zwischen Diktaturren für ziemlich schräg. Der Punkt, um den. es mir geht, ist die Funktionsweise aller Diktaturen: in einem Klima von Angst und Repression kann keiner mehr den anderen über den Weg trauen. Das verhindert Solidarität, das Erstarken einer Opposition und stabilisiert das Regime.

              • @Oma:

                Wie wäre es, sich mal mit dem Gedanken anzufreunden, dass eine Mehrheit der Menschen, die unter den Bedingungen eines repressiven Systems leben (müssen), überhaupt keinen Regime Change wünschen. Oder zumindest sich nicht aktiv daran beteiligen werden. Denn auch wenn diese Bevölkerungsmehrheit nicht zu den direkten Profiteuren eines solchen Zwangssystems zählt, so zählt sie doch auch nicht zu dessen Opfern.



                Es lohnt sich, genauer auf den Lebensalltag des ‚kleinen‘ Mannes und der ‚kleinen‘ Frau unter diktatorischen Bedingungen zu schauen und Sie werden feststellen, dass es sich (in deren Wahrnehmung) keineswegs um ein einziges großes Gefängnis handelt, solange die kleinen Fluchten und Freiräume - sozusagen die Datscha, in der man, fernab der großen Politik, in Ruhe und Frieden seine Gurken ziehen kann - genießen kann. Da irritiert es nicht, wenn eine kleine Gruppe von Dissidenten hart verfolgt wird. Man bekommt es u.U. überhaupt nicht mit oder blendet es einfach aus seinem Alltag aus.



                So, jetzt würde ich mal die (steile?)These aufstellen, dass dieser Mechanismus in Putin-Russland heutzutage genau so funktioniert wie er seinerzeit in der DDR und in Nazi-Deutschland funktionierte.

  • Befor man den Stab über seine Vorfahren bricht. Jeder sollte sich ganz ehrlich fragen wie er sich verhalten hätte, wenn er damals unter den Nazis leben musste. Wäre er still gewesen oder in den Wiederstand gegangen mit allen für ihn und seine Familie damit resultierenden Konsequenzen.



    Wer kann das für sich ehrlich beantworten.

    • @Filou:

      Niemand. Die Nachfolgenden sind in einer völlig anderen Umgebung aufgewachsen.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Das stimmt nur teilweise. Noch heute habe ich von meiner Mutter die Erzählungen über die Erziehungsmethoden in den 150er Jahren in den Ohren. Ein großer Unterschied zu denen der Jahrzehnte davor ist nicht zu erkennen. Das hat auch dann eine Wirkung, wenn die äußeren Umstände verändert sind.



        Es bleibt allerdings die Frage, ob man eine Wahl hatte, über das Ducken hinaus VerbrecherIn zu werden.

        • @aujau:

          Aber auch Ihre Mutter hat nach 45 eine langsame Veränderung erlebt. Das hatten die Menschen vor 45 nicht.

          Es bleit also die Frage, wie sich heutige Generationen verhalten hätten, wenn sie aufgewachsen wären wie ihre Vorfahren.

          Ich werden immer misstrauisch, wenn Menschen vollmundig erklären, dass sie in jedem Fall Widerstand geleistet hätten.

          Vielleicht auch, weil ich nach 89 jede Menge Wendehälse erlebt habe...

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Meine Mutter ist 45 geboren und hat die Erziehungsmethoden eines Blockwarts überlebt. Wir haben unseren Teil davon abbekommen. Untertanengeist, Mutlosigkeit und Vergeltungswünsche werden teilweise vererbt. Man hat zu tun, das abzubauen.



            Veränderungen müssen im persönlichen Bereich teilweise mühsam erzeugt werden. Die Frage nach unserem Verhalten in der Nazizeit können wir als Individuen und Kollektiv der Nachgeborenen nicht beantworten.

            • @aujau:

              Sie haben aber um sich rum gesehen, dass es auch anders geht. Vor 45 waren die Menschen von Propaganda eingemauert. Da ist der Ausbruch ungleich schwerer.

              • @warum_denkt_keiner_nach?:

                Als Kind habe ich um mich herum in erster Linie Gewalt und Schuldzuweisung gesehen. Später haben dann andere Einflüsse eine neue Perspektive gegeben. Der Alltag hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss.

                • @aujau:

                  "Der Alltag hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss."

                  Natürlich. Aber zu Ihrem Alltag gehörte kein Trommelfeuer von Großmachts- und Nazipropaganda.

    • @Filou:

      Sie haben vollkommen Recht, nur das wirklich erschreckende ist das es heute fast noch leichter scheint die Bevölkerung zu manipulieren als damals. Die Nazis hatten "nur" Volksempfänger und Presse als Medien, heute hat man Internet und KI und damit den ganzen Mist wenn man es für seine Zwecke ausnutzt. Das keiner was gelernt hat von Damals sieht man daran das es immer noch den Rattenfängern von Rechts und Links gelingt große Teile der Bevölkerung hinter sich zu bringen.

    • @Filou:

      Seien wir schlichtweg froh, dass unsere Gewissensprüfsteine andere sind, verglichen damit Kiesel.







      Wer in Damals-Deutschland etwas werden wollte, passte sich in irgendeiner Form an, sonst wurde er eben nichts, von vereinzelten Fachkräften oder Spezialbegabungen abgesehen, wurde im Keller zusammengeschlagen oder musste das zumindest täglich befürchten.



      Und zugleich war es das richtige Verhalten, da nicht mitzumachen. Ich ziehe den Hut vor allen, die ihre Heimat aufgaben, die widersprachen oder gar im Lande unter Lebensgefahr handelten.



      Die Lehre ist wohl, es nie mehr dazu kommen zu lassen.

      • @Janix:

        Auch heute machst du keine Karriere, wenn du nicht nach oben kriechst und nach unten trittst und wenn du die falsche Meinung hast, wirst du schon mal gar nichts.

  • Viel wichtiger als die Frage der Verstrickung oder Beteiligung



    einzelner Familienangehörigen in Naziorganisationen ist doch



    die „Systemische Frage“, wie konnten die Menschen in Deutschland einer rassistische Ideologie



    u. einem totalitären u. imperialistischen Herrschaftssystem bis zu seinem Exodus blind folgen?

    • @behr Behr:

      Nicht unbedingt "blind". Die Nazis haben Minderheiten brutal verfolgt, aber auch immer dafür gesorgt, dass die Mehrheitsbevölkerung zufrieden war und den Eindruck hatte, dass das Regime etwas für sie tut. Und das war nicht nur Propaganda. Unzählige "kleine Leute" haben von der Naziherrschaft profitiert und sind in ihr aufgestiegen. Die Kriegsvorbereitungen haben viele Arbeitsplätze und zahlreiche Aufstiegsmöglichkeiten bei der "Wehrmacht" geschaffen. Und von den Eroberungskriegen der Nazis mit der Ausplünderung der besetzten Länder und der Versklavung von Millionen von Zwangsarbeitern haben ebenfalls zahlreiche Deutsche profitiert, ebenso von den "Arisierungen". Das Regime hat es geschafft, die Mehrheitsbevölkerung zu seinen Komplizen zu machen.

      Die Nazis haben sich, nachdem sie an die Macht gekommen waren, zwar nie einer freien Wahl oder Volksabstimmung gestellt. Aber das Ergebnis der Volksabstimmung im Saarland am 13.01.1935 über die "Rückgliederung" des unter Verwaltung des Völkerbundes stehenden Saarlandes an das Deutsche Reich ergab bei einer Wahlbeteiligung von 98 % eine Zustimmung von über 90 % für die "Rückgliederung" an Nazideutschland. Das spricht für sich.

    • @behr Behr:

      Indem auch heute noch, beispielsweise bei den PNU (Post-Nachfolge-Unternehmen), Bossing, Mobbing, und eingekaufte Betriebsräte, nicht ungewöhnlich sind, Druck ohne Ende herrscht, und freie Tage schon fast als Frechheit dargestellt werden, da der arme Kollege für "Dich" doch umso mehr arbeiten muss - garniert mit der Aussage die Arbeit wäre systemrelevant.

      Haben Sie "Die Welle" gelesen?

      Dann verstehen Sie ausgezeichnet, warum Ungerechtigkeit auch heutzutage noch funktioniert.

      Und keine Sorge: Die eingangs erlebten Punkte habe ich selbst durch- & -erlebt.

      Seit 2014 fiel die Dienstherren-Rolle an jenen Weltkonzern (!) aus den USA - unter dem Deckmantel einer deutschen AG.

      Den Rest können Sie sich bitte selbst denken, bzw. recherchieren, Nutzer Behr. Einen schönen guten Morgen noch!

  • Deutschland könnte sich ja an der Stelle mal ein Beispiel nehmen und selbst die Archive digital und unbürokratisch öffnen. Meine Stasiakten darf jeder gern lesen zum Beispiel.

  • "Die Zeit bietet, begleitet von einer großen Marketingkampagne, ein ähnliches Such-Tool an – natürlich hinter der Bezahlschranke, um mit Vergangenheitsbewältigung fragwürdigerweise Geld verdienen zu können."

    Es ist tatsächlich peinlich, dass so etwas nicht gratis von Seiten des Staates angeboten wird. Oder von einer linken Tageszeitung.

  • "Studien, darunter das Projekt "Rosenburg", zeigten, dass bis 1973 über 50 % der Führungskräfte im Bundesjustizministerium ehemalige NSDAP-Mitglieder waren.



    Renazifizierung der Justiz: Da eine konsequente Säuberung nach 1945 ausblieb, konnten viele NS-Juristen nach kurzen Pausen wieder Karriere machen. Bis in die 1960er/70er Jahre hinein waren viele Richter und Staatsanwälte in der BRD tätig, die bereits im NS-Staat Unrecht legitimiert hatten.



    Parteien und Politik: Ehemalige Nazis waren in allen großen Parteien (CDU, SPD, FDP) vertreten. Beispiele sind der ehemalige Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) oder der frühere Bundespräsident Walter Scheel (FDP), die NSDAP-Mitglieder waren.



    Ende der Karrieren: In den 1970er Jahren erreichten die meisten dieser "Altnazis" das Rentenalter, was allmählich zu einem generationellen Wechsel in den Behörden führte.



    Öffentliche Diskussion: Erst in den späten 60ern und 70ern, verstärkt durch die 68er-Bewegung und Ausstellungen wie "Ungesühnte Nazijustiz", begann eine breitere öffentliche Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit dieser Funktionsträger."

    Ein Björn Höcke "feilt" schon wieder.



    AfD Wähler, tut uns das nicht an!!!

  • Wenn es uns nur das bringt, daran zu erinnern, wie auch nette Opas sich überanpassten oder auch überzeugt waren, wie sie an der Wolga wüteten, nach entsprechender jahrelanger Abrichtung und Abstumpfung ... Wie wir Gutes wie Böses als Potenzial in uns haben und Widersprüche die Regel sind.

  • ... denn nach 1945 war die Beschönigung der eigenen Biografie Volkssport.



    ----



    Bekannt! Von "Wenn DAS der Führer wüsste!" zum "Wir haben nichts gewusst!" war der Weg recht kurz! Nie viel länger als der Wechsel zw. Reichswehr & Alliierten! :-(



    Doch war eine NSDAP Mitgliedschaft gleich aus welchem Grund wichtig?



    Mal kurz die Zahlen der Nazis aus dieser Zeit:



    06.1932 = 37,3 % + 19 %



    11.1932 = 33,1 % - 4,2 %



    03.1933 = 43,9 % + 10,8 %



    Nachdem KPD usw. Abgeordnete "in Schutzhaft" kamen, die Mehrheit!



    11.1933 = 92,11 % NUR 7,89 % ungültige Stimmen!

    Bei aller "Rücksicht" auf die Parteien & Menschen die noch "widerstanden", lässt das o.a. NUR den Schluss zu:



    "Die Wahlbürger um die o.a. Zeit wollten die NSDAP & Hitler!"



    Unabhängig ob DIE innerhalb oder außerhalb der Nazipartei standen! :-(



    Btw: "Mein K(r)ampf" war schon im Handel zu kaufen. Die "Sprüche" bei den Wahlen waren auch bekannt, ...



    Also den Satz: "Konnten wir doch nicht ahnen!" mussten jeder "Glauben" wollen! :-)



    Ps. Scheint sich, wenn wir uns die Wahlergebnisse & Umfragen so anschauen, wieder möglich zu sein! :-(



    Pps. "Nur die aller dümmsten "Kälber wählen ihren Metzger selber!" (c) B.Brecht zugeschrieben,"Kälbermarsch!"

    • @Sikasuu:

      Die Verkaufszahlen von Mein Kampf sind 1939 nochmal angestiegen weil die Volksgenossen wohl gerne noch mal nachlesen wollten, was der Führer so im Osten alles vorhat.

  • Was soll das bringen, von den wirklichen Tätern lebt keiner mehr. Ich wusste, dass meine Opas in der NSDAP waren, das war und ist mir immer egal - sie waren und sind immer noch meine Vorbilder (natürlich nicht wegen der Parteimitgliedschaft).

    • @FraMa:

      Ich verstehe nicht warum Familienmitglieder Vorbilder sein müssen. Sie sind ja nur Menschen nicht besser und nicht schlechter als andere. Ich finde man sollte daher kritischer und distanzierter seine Familie bewerten und sie nicht positiver sehen als sie sind, nur weil sie Teil deiner Familie sind.

      • @mbo:

        Natürlich sehe ich meine Kinder weitaus positiver als die Kinder anderer Menschen. Und natürlich steht mir mein Bruder doch näher als ein Fremder. Ich glaube, dass nennt sich Liebe.

        • @ToMuch:

          Ja, aber diese Liebe darf nicht dazu führen, etwaige Verbrechen zu verharmlosen oder zu relativieren, nur weil sie von eigenen Familienmitgliedern begangen wurden.



          Im Fall meines Großvaters weiß ich nicht einmal, was er als Wehrmachtssoldat an der Ostfront gemacht hat. Die Wehrmachts-Ausstellung von 1990 bzw. die Forschungsarbeiten einer jüngeren Historikergeneration wie etwa die von Hannes Heer haben mir erst die Augen geöffnet, dass es eben nicht so war, wie es der Opa seinem Enkel erzählte: hier die „saubere“ Wehrmacht, da die bösen Nazis und die SS, die für all die unmenschlichen Kriegsverbrechen verantwortlich waren.

      • @mbo:

        Traurig, wenn man so denkt.

      • @mbo:

        Das liegt wohl daran, dass die Familie einen am stärksten prägt, wer kümmert sich denn um einen? Die Partei ist es nicht, meistens auch keine NGOs oder sonstige Organisationen. In den meisten Fällen ist die Familie das Fangnetz in schlechten Zeiten.

        • @Hans Werner:

          Ja, die Familie prägt einen am stärksten, im Guten wie im Schlechten.



          Sich mit den familiären Schattenseiten jener Zeit auseinanderzusetzen, ist auch Aufgabe jeglicher „Vergangenheitsbewältigung“, auch dann, wenn es weh tun sollte oder dabei (großväterliche) Denkmäler vom Sockel gestürzt werden.

          • @Abdurchdiemitte:

            Und daran scheiden sich die Geister. Mein Opa war auch im Krieg und hat mir davon erzählt, wie er es erlebt hat und was er getan hat. Schauen Sie sich Bilder dieser Generation an, Man erkennt was 6 Jahre anrichten, dafür reichen die Zeilen hier nicht aus.



            Er hat immer nur zu meinen Geschwistern und mir gesagt „ich bete dass ihr niemals Krieg erlebt“.



            Also warum sollte mich interessieren was irgendwelche Archive erzählen könnten. Ich behalte ihn so in Erinnerung wie ich ihn kennen und lieben gelernt habe.

            • @Hans Werner:

              Ihre Großvater-Erfahrung kann ich aus eigener Anschauung bestätigen.



              Wie kann es sein, dass ein Großvater, der an der Ostfront möglicherweise an Kriegsverbrechen beteiligt war, nach dem Ende der NS-Zeit (wieder) zum Sozialdemokraten und Kriegsgegner wird, so als ob dazwischen nichts gewesen wäre? Meinem Opa habe ich (als junger Mensch) diese Frage zu Lebzeiten nie gestellt, weil ich ihn zu sehr bewunderte und Respekt vor ihm hatte.



              Mein Großvater gehörte auch nicht zu den Ewiggestrigen, die den Krieg verharmlost oder gar verherrlicht haben. Also keine Heldenerzählungen. Aber da sind eben jene Jahre der Zeit als Hitlers Soldat, über die er sich ausschwieg. Oder seinem Enkel von der Wehrmacht als einer Armee erzählte, die im Osten einen „sauberen“ Krieg führte, im Gegensatz zur bösen SS, die allein für die Kriegsverbrechen verantwortlich gewesen sei.



              Ein Narrativ, mit dem erst ab 1990 die Wehrmacht-Ausstellung gründlich aufgeräumt hat. Und mich als Enkel interessiert schon, was mein Großvater in diesem Krieg tatsächlich getan hat.

  • Das die Zeit die Suche hinter der Bezahlschranke hat, ist verständlich, zumal sie den Zugang aufgearbeitet hat. Man kann aber auch ein Null Euro Probeabo starten und dann die Kündigung nicht vergessen.



    .



    Was macht die Suche mit den Leuten? Die die jetzt trotz „Blick dahin, wo es richtig wehtu[n könnte]“ keinen Nazi in der Familie finden, sind jetzt die Erhabenen, gegen die, die damals verstrickt waren. Ein Gefühl der moralischen Überlegenheit, wohlig genossen im Sessel mit Blick nach draussen. Oder?



    .



    Interesse ist da. Aber wer interessiert sich warum? Die Boomer wegen der Familienforschung, die Millenials sind gerade busy, die Gen Z hat was anders zu tun, als eine Schuld aus fast 100 Jahren alten Dateien abzuleiten. Oder?

    • Gunnar Hinck , Autor des Artikels,

      @fly:

      Guten Tag, also die taz bietet ein freiwilliges Bezahlmodell an :-) Und die Zeit/ Holzbrinck verdient genug Geld, um dieses Tool ausnahmsweise mal kostenlos anzubieten. MfG Gunnar Hinck, Redakteur und Autor des Kommentars.

    • @fly:

      ... die Gen Z hat was anders zu tun, als eine Schuld aus fast 100 Jahren alten Dateien abzuleiten. Oder?



      ----



      Richtig gesehen. Die o.a. wählen deshalb wieder die "gleichen Ansätze", weil sie aus unserer Geschichte nicht lernen können, wollen, oder die gar nicht mehr kennen! :-(



      Ist ja 100 Jahre her! Was interessiert mich das denn. Hat doch "keinen" realen Bezug mehr zu unserer Jetzt-Zeit! :-(((

      • @Sikasuu:

        Ja genau, an den Zoomern liegt es. Die wählen sogar so fleißig AfD, dass die viel mehr Stimmen hat als es überhaupt junge Leute gibt.



        O tempora, o mores.

  • 1. finde ich es ok, wenn die Zeit, einen Euro für ein Probeabo verlangt, durch das man dann Zugriff auf eine Datenbank hat, deren Bearbeitung und Bereitstellung bestimmt auch nicht umsonst war.



    2. Wenn man davon ausgeht, dass alle Menschen normal sind, ergibt der Hinweis, dass auch „normale Männer…normale Wehrmachtssoldaten“ an Ermordungen beteiligt waren keinen Sinn.



    Erschreckend ist doch, dass so viele bereit waren, sich an den Ermordungen zu beteiligen, die dann nie bestraft wurden.



    3. waren auch Frauen an den Ermordungen in der Nazizeit beteiligt.



    4. dürfte der Zeitpunkt für intensive Familienrecherchen ohne besonders großen für die meisten Familien verstrichen sein.



    5. habe ich nach meinem Einblick in die Kartei verstanden, warum mein Opa, ein eingefleischter Sozialdemokrat, keinen Kontakt zu seinem Bruder mehr hatte, der am 5.9.1939 in die NSDAP eingetreten war. Es wurde nie drüber gesprochen.

  • Danke. Greif nur mal das wg eigenem Erleben*45 post WK II heraus.



    “Umgekehrt waren viele, die monströse Schuld auf sich geladen haben, nie Mitglied: Da sind, nur als Beispiel, die eigentlich unpolitischen Polizeibataillone, die unter dem Dach der SS an der Ermordung von tausenden Juden, Polen und Russen „im Osten“ beteiligt waren. „Ganz normale Männer“ waren das, wie der Historiker Christopher Browning schon vor über 30 Jahren nachwies.…“



    So normal - zB Mitglieder PolizeiBtl - HH 101 - taten - wiede!! - wie zuvor ganz normalen Streifendienst - durch die Bank ausgewiesene Mörder - waren die “Hein Zackig“ Bullerei meiner Jugend!



    Das galt auch für die PoliizeiOffiziere als Polizeiräte.



    Einer - der Vater meiner Freundin, ich ging dort ein&aus holte seine Tochter mal ab.



    “Den bringst du bitte aber nicht wieder in die Familie “Küß die Hand Gnädige Frau & Hackenzusammenschlagen, nicht so meins!“



    Unsere alte Dame*04



    & damit aber nicht genug



    StA Böttcher (Sohn dann StA zu Barschel) ermittelte gegen “den Rat“ wg Partisanen Erschießungen in Yogoslavia!



    Das nahm meine spätere Tätigkeit als junger Richter für KriegsfolgenR vorweg:



    “Ich war dort nie!“ “Ich hatte Urlaub“ -



    Namensverwechslung ff

    • @Lowandorder:

      Was „den Rat“ fuchste - daß er wg des schwebenden Verfahrens nicht befördert wurde. Ausgang - Hornberger Schießen!



      Die WehrmachtsAusstellung war noch in weiter ferne.



      Meiner Erinnerung nach veröffentlichte der Spiegel anfang der 70er über PolBtl HH 101 erstmals.



      Daß Rudolf Augstein hohe SS/SD Leute an verantwortlicher Position beschäftigte paßt dazu. Angeblich will er das nicht gewusst haben

  • Immerhin haben die Amis damit im Gegensatz zu den hiesigen Dateiverwaltern einen einfachen basisdemokratischen Zugang zu den Parteiajten aus alten Zeiten geschaffen. Vielleicht führt das dann ja auch in unserer Bürokratierepublik noch zu einem Umdenken bei den Zugangsprozessen für öffentliche Archive. Wen interessiert noch wer was warum abfragt, wenn die Inhalte diverser Archive über ausländische Anbieter einfach per Mausklick geordert werden können?