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Die gefährlichste Frau DeutschlandsWer hat Angst vor Elif Eralp?

Seit dem Sieg der Linken in Berlin bebt die politische Landschaft. Die Furcht vor Enteignungen geht um – und die Hoffnung, dass die Partei scheitert.

Der Sinkflug hält an. Auch noch Tage nach der Wahl gibt die Aktie von Vonovia nach. Deutschlands größter Wohnungskonzern zittert vor einer Frau, die vor einem Jahr noch kaum einer kannte. Elif Eralp heißt sie, 45 Jahre alt, Mutter zweier Kinder und bald vielleicht Regierende Bürgermeisterin von Berlin.

Die Autorität dieses Amts allein hat bislang noch niemanden das Fürchten gelehrt. Doch Elif Eralp hat die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am vergangenen Sonntag als Spitzenkandidatin der Linkspartei gewonnen. Das gab es noch nie. Vor allem aber will sie große private Immobilienkonzerne wie Vonovia vergesellschaften. Die Angst der Aktionäre von Vonovia ist berechtigt.

Es geht wieder ein Gespenst um, nicht in ganz Europa, in Deutschland aber schon. Mit der Vergesellschaftung will Eralp ihr wichtigstes Wahlversprechen einlösen und „Berlin bezahlbar machen“. Seit Jahren explodieren die Mieten in der Hauptstadt, die Politik war nicht untätig, blieb aber letztlich machtlos. Mit der Vergesellschaftung, für die bei einem Volksentscheid 2021 fast 60 Prozent der Berlinerinnen und Berliner stimmten, stellen Eralp und die Linkspartei die Eigentumsfrage. Das hat vorher noch kein Regierender getan. Und keine Regierende.

Es geht darum, ein neues Kapitel in Berlin aufzuschlagen und Geschichte zu schreiben

Elif Eralp, Regierende in spe

Seit Eralps Wahlsieg fürchtet nicht nur der Vonovia-Konzern den Untergang des Abendlands, sondern auch das politische Deutschland von SPD bis AfD. SPD-Chefin Bärbel Bas warnt ihre Parteifreunde in Berlin, ein Bündnis mit der Linkspartei und den Grünen einzugehen. AfD-Chefin Alice Weidel schwadronierte von einem „knalllinken Bündnis mit Reiche erschießen, Kapitalisten weg, enteignen, Mietpreisdeckel“.

Die Amerikaner helfen

Ist Elif Eralp also die gefährlichste Frau Deutschlands? Der Wahlsieg gewordene Albtraum aller rechtschaffenen und um ihr Eigentum besorgten Bürgerinnen und Bürger – weit über die Berliner Stadtgrenzen hinaus?

Rückblick: Auf ihrem Parteitag im April beschließt die Berliner Linke nicht nur ihr Wahlprogramm. Er ist auch die Bühne für eine Krönungsmesse. Elif Eralp, geboren auf der Flucht ihrer sozialistischen Eltern aus der Türkei, aufgewachsen in Hamburg, studierte Juristin und seit 2021 Abgeordnete in Berlin, wirbt für eine „rote Metropole“ und hat dabei auch keine Angst vor Pathos. „Wir wollen Licht und Leuchtfeuer sein für alle Menschen“, ruft sie am Ende ihrer Rede den 175 Delegierten zu. „Es geht darum, ein neues Kapitel in Berlin aufzuschlagen und gemeinsam Geschichte zu schreiben.“

Fast amerikanisch mutet dieser Auftritt an. Zu Beginn ihrer Rede läuft Eralp zu Hildegard Knefs Ohrwurm von „Berlin, Berlin, der Perle an der Spree“ auf die Bühne, am Ende wird eine Konfettikanone abgeschossen, und Dutzende Genossinnen und Genossen defilieren an ihrer Frontfrau vorbei.

Amerikanisch war auch das Vorbild für Eralps Wahlkampf. Gleich nach dem Wahlsieg des sozialistischen Kandidaten Zoran Mamdani als Bürgermeister der Millionenmetropole New York war eine Delegation der Berliner Linken an den Hudson River gereist. Die Frage, die sie im Gepäck hatten: Lässt sich Mamdanis Erfolgsrezept auf Berlin übertragen? Kann der Mann, der von Donald Trump zum gefährlichsten Mann Amerikas stilisiert wurde, ein Vorbild sein für den Wahlkampf der Linken in Berlin?

Mit großer Euphorie setzen die Wahlkämpfer der Partei die Strategie ihres Vorbilds in Berlin um – Konzentration auf wenige Kernthemen, eine nahbare Kandidatin mit einer verbindenden Geschichte, hochprofessionelle Social-Media-Arbeit. Und die Parteimitglieder, deren Zahl sich in der Stadt binnen kürzester Zeit auf mehr als 19.000 verdoppelt hat, strömen in den Wahlkampfwochen an mehr als eine Viertelmillion Haustüren in allen Bezirken der Hauptstadt.

Die Ökonomen helfen

Der Kandidatin Elif Eralp gelingt es, glaubwürdig wie keinen anderen die große Hoffnung zu verkörpern, wirklich etwas tun zu können gegen den Mietenwahnsinn. Ein Erfolgsbogen führt von der Krönungsmesse im April zur Wahl am vergangenen Sonntag. Mit nahezu 26 Prozent sichert sich die Linke den Sieg – mit sieben Prozentpunkten Vorsprung zur CDU.

Die linke Euphorie aber ist schon wenige Tage später gewichen. Angst haben inzwischen nicht mehr nur die börsennotierten Wohnungskonzerne wie Vonovia, sondern auch Bundespolitiker wie Friedrich Merz und Markus Söder, die Berlin eine Vergesellschaftung per Gesetz verbieten wollen.

Dabei hat eine vom Senat eingesetzte Expertenkommission längst festgestellt, dass die Vergesellschaftung der großen privaten Immobilienbestände, insgesamt etwa 220.000 Wohnungen, rechtlich zulässig ist. Offen ist dennoch, ob sie vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand haben würde. Viel hängt wohl an der Frage der Entschädigung. Die Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen (DWE) und die Linkspartei pochen auf einen Passus im Grundgesetz, wonach sich diese aus der „Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten“ bemisst. Heißt: Entschädigt werden kann unter Marktwert.

Unterstützung gab es dafür am Freitag durch eine Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Die Autoren um den Ökonomen Sebastian Dullien rechnen darin mit einer Entschädigungshöhe von 13,5 Milliarden Euro, die Berlin ohne Zuschüsse aus dem Haushalt zahlen könnte. Die Gegner der Vergesellschaftung dagegen machen pauschal Angst vor einer Pleite der Stadt. Und nun droht der Bund vorzuschreiben, dass eine Vergesellschaftung zum Marktwert erfolgen muss; dabei sind auch die Pläne für eine solche Vorschrift rechtlich höchst umstritten. In jedem Fall wird die Sache dauern.

Als akutere Maßnahme will die Linke den sieben landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften einen Mietendeckel verpassen. Außerdem will sie private Vermieter per Gesetz dazu zwingen, einen Teil ihrer Wohnungen bezahlbar zu vermieten – und sie hat, als einzige Partei, konkrete Vorschläge gemacht, wie die städtischen Wohnungsunternehmen ihre Neubauzahlen erhöhen könnten. Die Machbarkeit dieser Vorhaben hat grundsätzlich niemand infrage gestellt, sie wären wohl auch mit SPD und Grünen möglich.

Die Thüringer helfen

Doch bei den potenziellen Koalitionspartnern ist in der Woche die Angst vor Eralps Linker zum Teil größer geworden. Und gerade auf Bundesebene mehren sich die Stimmen gegen eine Zusammenarbeit.

wochentaz

Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

In einer Aktuellen Stunde im Bundestag mit dem Titel „Fälle von Antisemitismus, Polizeifeindlichkeit sowie Nähe zu Islamisten, Linksextremisten und Clans bei den Linken Berlin“, beantragt von der AfD, verbreiten die Rechtsextremen am Mittwoch die Erzählung, dass die Linke gezielt Antisemitismus verbreite, um mithilfe muslimischer Wähler Demokratie und Rechtsstaat abzuschaffen. Auch die Vertreter der demokratischen Parteien im Bundestag jenseits der Linken sind sich weitgehend einig, dass eine Regierung unter linker Führung eine Gefahr für die innere Sicherheit darstelle – und für Jüdinnen und Juden.

Kann Elif Eralp das alles noch einfangen? Ist ihre Autorität groß genug, um nicht nur den Kreisverband in Neukölln auf Distanz zu halten, sondern auch diejenigen in ihrer Partei, die gar nicht erst regieren wollen? Aus Sorge nämlich, wegen des Milliardenlochs im Berliner Haushalt in den nächsten Jahren einen Sparsenat aus dem Roten Rathaus heraus anführen zu müssen.

Um Fragen wie diese gar nicht erst aufkommen zu lassen, haben sich Elif Eralp und ihr Landesvorstand professionelle Hilfe geholt: aus Thüringen, wo die Linkspartei unter Bodo Ramelow zehn Jahre lang erfolgreich und bemerkenswert geräuschlos regierte. Offenbar weiß auch Eralp, dass auf den Wahlkampf nun die nächste harte Etappe folgt. Mit Grünen und SPD müssen erste Gespräche geführt, Kompromisse ausgelotet, muss Vertrauen geschaffen werden. Die Profis aus Thüringen sind da bestimmt auch Türöffner in Richtung der Grünen und der Berliner SPD, die nach ihrem historisch schlechtesten Berliner Ergebnis von 12 Prozent auch laut darüber nachdenkt, in die Opposition zu gehen. Darüber hinaus hat der SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach bereits eine rote Linie gezogen. Mit ihm, sagt er, werde es keine Vergesellschaftung geben.

Elif Eralp ist zurzeit wohl nicht nur die gefährlichste Frau Deutschlands. Sie ist auch eine, auf deren Schultern wohl die größte Last ruht. Scheitern kann sie nicht nur an der Antisemitismusdebatte. Scheitern kann sie auch am Unwillen der eigenen Partei, Kompromisse einzugehen. Vor allem aber kann sie an der Kampagne scheitern, die gerade gegen ein Linksbündnis in Berlin gefahren wird.

Doch aufgeben, das ist ihre Sache nicht. Zur Erfolgsgeschichte von Elif Eralp gehört ihr Ehrgeiz – und die Fähigkeit, andere Menschen zu begeistern. Denn zum Bild der gefährlichsten Frau Deutschlands gehört ja auch die andere Seite: Als erste Politikerin der Linken und als erste Frau mit Migrationsgeschichte könnte sie jetzt selbst Geschichte schreiben. Und sie könnte die Parteipolitik wieder mit den Wählerinnen und Wählern versöhnen.

Wird Berlin unter Rot-Grün-Rot dagegen nicht bezahlbar, dürfte die Enttäuschung groß sein – und die Entfremdung zwischen Politik und Bevölkerung noch wachsen.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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22 Kommentare

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  • A.S.

    Ja, man hat den Eindruck CDU und SPD haben totale Angst vor den Linken. Kein Wunder, wo ist das C bei der CDU und das S bei der SPD geblieben?

  • Okay

    Es macht wieder Mut und Laune, wenn der Tag mit solchen Schlagzeilen beginnt:



    „Bei der Verleihung des Axel Springer Awards bezeichnet der Tech-Milliardär Peter Thiel die Medienlandschaft als ›einseitig‹. Der Springer-Konzern sei eine ›Gegenstimme‹.“



    „Martin Sellner hat die Firma ›Institut für Remigration‹ gegründet. Laut Strategiepapier ist das Ziel, Sachsen-Anhalt zu einem ›Remigrationsmusterland‹ zu machen.“



    „Italien führt Burkaverbot und Obergrenze für ausländische Schüler ein.“



    Umso wichtiger also:



    „Ein neues Kapitel in Berlin aufzuschlagen und gemeinsam Geschichte zu schreiben.“

    Weiter so Elif Eralp

  • Janix

    Die Linke traute sich das Undenkbare. So sozial zu sein wie die SPD vor der Agenda 2010.



    Die Grünen verblieben im Unfriedschen Raum der Bürgerlichkeitssimulation (plus a bissle Feddersen-ESC) und erhielten ein entsprechendes Ergebnis.



    Nicht, dass das Wahl-Ergebnis das letzte Ziel wäre! Richtige Positionen auch im Wahlkampf vorzubereiten wird häufig wichtiger sein als noch einen mehr im Parlament.

    Egal, jetzt freue ich mich, was das Land Berlin unter widrigen Bedingungen und entgegen allem Gegenhusten durch manche hieraus machen wird.

  • Reiner Wadel

    Wer soll denn das Märchen glauben, dass 220 000 Wohnungen für 13,5 Mrd € enteignet werden können?

  • Bolzkopf

    Ich habe auch Angst vor Enteignung.



    Rasende Angst.

    Mit jeder Rechnung die hereinflattert - denn ich hoffe dass ich sie bezahlen kann.



    Mit jedem Brief vom Vermieter.



    Mit jeder Nebenkostenabrechnung.



    Mir jedem Breif vom Finanzamt.

    Und nicht zuletzt jedesmal an der Tankstelle.

    Und von den Politikern kommen noch nicht mal Worte die einem Hoffnung machen.



    Nur Merzgeschwafel und Laberlaber.

    Mit Phrasen wie immer.



    Gesten wie immer.



    Ohne Inhalt - wie immer.

  • Querbeet

    Mal angenommen, der wenig wahrscheinlich Fall tritt ein, und Berlin enteignet 210.000 Wohnungen für 13.5 Mrd. €, d.h. für rund 64.000€ pro Wohnung.

    Was dann? Es dürfte rund 2 Mio. Wohnungen in Berlin geben. 10% davon wären dann in staatlicher Hand. Die Mieten dieser belegten, nicht freien Wohnungen würden ggfs gesenkt. Was haben all jene davon, die eine Wohnung suchen? Gibt es eine Einkommensgrenze bis zu der man ein Anrecht auf eine solche Wohnung hat? Wer mehr verdient, muß ausziehen?



    Da es duch die Enteignung nicht eine einzige Wohnung mehr gäbe, ist der Mietdruck der gleiche und eine Senkung des Mietniveaus durch private Vermieter ist nicht zu erwarten. Neubauen wird auch kaum einer mehr wollen, und die bankrotte Stadt kann es nicht.



    Wo genau liegt jetzt der Gewinn diese angedachten Aktion?

    Ich erwarte, dass es erst gar nicht dazu kommt, oder vor Gericht zu Ungunsten von Berlin endet. Außer horrenden Prozesskosten wird dann nix bleiben.

  • PVC

    Die Angst vor Vergesellschaftung geht um,nicht vor Enteignung.



    Zwei verschiedene paar Schuhe.

  • outsider

    Mal ehrlich, natürlich kriegt die Parei im Moment einen rechten Shitstorm ab, wie man ihn sleten erlebt hat, das war leider zu erwarten. Augerechnet von Springer, die einen Herrn Thiel auszeichnen.



    Trotzdem sind die Fragen nach dem Umgang mit offenichtlich antisemitisch Strömungen, egal ob einfach von "links" oder aus muslimischen oder palästinensichen Kreisen, oder die Frage nach dem Kontakt von Abgeordneten mit Vertretern organisierter Kriminalität (ob man die jetzt Clans, Familienstruktureon oder sonstwie nennt) vollkommen berechtigt und die Antworten der Partei sind unbefriedigend. Wie im Artikel richtig erwähnt, "Scheitern kann sie auch am Unwillen der eigenen Partei, Kompromisse einzugehen." Man möchte hinzufügen, daran, gewisse Gruppen einzuhegen.



    Dass SPD und Grüne hier klare Linien erwarten, die dann auch durchgehalten werden, ist mehr als verständlich.

  • So,so

    Die ehem. spd (eine €DU II) wird leider wahrscheinlich alles blockieren und verunmöglichen.



    "Wenn unsere Klientel uns nicht mehr mag, dann mögen wir unsere Klientel auch nicht mehr!"



    Fassungslos Chancen verpassend.



    Hündisch einknickend vor der Immobilienmafia und ihrem €DU-Kanzler Fritz Merz.



    Wo bleibt eigtl. die Grüne Partei, die Vergesellschaftung zur Bedingung für eine Schwarz-Rot-Grüne Koalition macht?



    Hmmmh.



    Ich warte.

  • Ruediger

    Hört doch mal auf die Skepsis gegenüber Eralp als irgendeine irrationale Kommunistenangst zu framen und abzutun. Das mag es irgendwo bei den Rechten auch geben, aber es gibt eben auch ernstzunehmende Kritikpunkte:



    - Die Kritik an der Wohnungspolitik ist nicht nur Interessenpolitik der Wohnungskonzerne. Ob es wirklich sinnvoll ist, denen für Milliarden Steuergelderr oder Schulden ihren Berliner Bestand abzukaufen, darüber kann man nun wirklich geteilter Meinung sein, weil es wahnsinnig teuer ist, davon nur die Bestandsmieter profitieren und die eigentliche Ursache der hohen Mieten nicht angegangen wird, nämlich dass es zu wenig Wohnungen gibt und damit das Angebot viel höher ist als die Nachfrage.

    - Die Berliner Linkspartei hat offensichtlich ihren Reihen Leute, die der Hamas nahestehen, Israel ablehnen und antisemitisch sind.

    SPD und Grüne haben 2 Optionen. Sie sollten schauen, bei wem sie diesen Vorteil besser nutzen können und ob sie bei den Linken oder bei der CDU mehr rausholen können, bevor sie sich festlegen. Wer SPD oder Grüne gewählt hat, hat eben nicht Eralp oder Enteignungen gewählt.

  • Michael Andreas

    " Vor allem aber will sie große private Immobilienkonzerne wie Vonovia vergesellschaften. " Nö. Der Konzern biebe privat. Es geht darum, den Konzern zum Verkauf seiner Berliner Wohnungen an das Land zu zwingen.



    Nicht zu vergessen, laut taz: "Vor 20 Jahren verkauft Rot-Rot die landeseigene GSW mit über 65.000 Wohnungen. " Gestern so, heute so, morgen wieder so.

  • Andreas Braun

    Also ein Wahlsieg ist meinen Augen mehr, als wenn mann 25 % der Stimmen bekommt (es ei den es gibt eine Mathe - Reform ).



    Nun muss die Linke erstmal Koalitionspartner finden (da hat sie selbst schon wieder Hürden geschaffen). Im Vorfeld wurde gar nicht geklärt, inwieweit die Vorhaben auch rechtlich machbar sind. Dazu , wie man an Herr Merz sieht, ist nicht alles realisierbar, was man vor hat. Es gibt viel zu viele Seilschaften, die ihre Interessen und ihre Macht einbringen.



    Änderungen sind wünschenswert, aber bei allem die Realität nicht aus den Augen verlieren und positiv entspannt bleiben.

  • amigo

    Die Hysterie um den Wahlerfolg der Linken und Elif Eralp zeigt: Unser Wohnungsmarkt ist tiefgreifend erkrankt. Während Spekulanten um Renditen zittern, stehen Mieter vor unbezahlbaren Mieten. Doch die Debatte zwischen Verstaatlichung und freiem Markt greift zu kurz. Der beste Ausweg liegt im Grundgesetz selbst: Artikel 14 Absatz 2 bestimmt klar: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“



    ​Reine Spekulation bricht mit diesem Verfassungsauftrag. Gleichzeitig schaffen Enteignungen keine einzige neue Wohnung. Wir brauchen eine Baugenossenschaft der Zukunft, in der Mieter selbst zu Miteigentümern werden!



    ​Wenn Menschen als Genossen Eigentümer ihrer Häuser sind, entziehen sie Wohnraum dem Finanzmarkt. Kein Investor kassiert ab, kein Amt entscheidet über ihre Köpfe hinweg. Jeder Euro fließt in Erhalt, Neubau und bezahlbare Mieten.



    ​Statt Milliarden für Entschädigungen zu verbrennen, muss Berlin Genossenschaften fördern und Grundstücke exklusiv an sie vergeben. Macht Mieter zu Miteigentümern!

  • Christoph

    Erklärt doch den Menschen mal den Unterschied zwischen Enteignung und Vergesellschaftung.



    Die Wohnungen waren mal zum grossen Teil im Besitz der Öffentlichen Hand. Sind dann an Investoren verhökert worden und sollen einfach nur zurück in den Besitz der Allgemeinheit. Die Investoren werden entschädigt. Das ganze im Sinne des Grundgesetzes.



    So sieht es nämlich aus!

  • Pico

    Ich würde sagen: Der Einstieg Vonovia-Aktien zu kaufen ist günstig. Und ich würde sagen: Ein Regierungsauftrag liegt bei den Linken. Deswegen gilt erst einmal abwarten und für jene die jetzt Vonovia Aktien kaufen die Hoffnung, dass die auch wieder steigen werden.

  • Josef 123

    Die Enteignung von Wohnkonzernen wird nicht kommen. Frau Eralp wird ohne Koalitionspartner nicht Bürgermeisterin werden, und sie wird kaum Koalitionspartner finden, die da mitspielen. Und falls doch wird es nicht finanzierbar sein bzw. werden die Wohnkonzerne klagen bis zum Sanktnimmerleinstag, da gibt es dann schon längst andere Bürgermeister. Das Ergebnis wäre: Ausser (Prozesskosten-) Spesen in Millionenhöhe nix gewesen.

    So oder so: Wieder mal Wahlversprechen, bei denen von vornherein klar war, daß sie nicht erfüllt werden können. Oder ist die Linke in Berlin schon so selbsttrunken, daß sie von einer absoluten Mehrheit ausgegangen ist?

  • Astrid Sehnefeld

    Die entscheidende Frage ist doch: WER hat die Wohnungen an Deutsche Wohnen und Vonovia in Berlin verkauft?



    Muss ja sicher einzig die böse kapitalistische Union gewesen sein, oder?🥸



    Schauen wir mal nach: der Senat Diepgen (CDU/SPD) verkaufte 1998 die GEHAG. 85% der Anteile der landeseigenen Gemeinnützigen Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft (GEHAG) mit rund 33.000 Wohnungen ging damals an die Hamburger Hypothekenbank und die GEHAG wurde schrittweise in die Deutsche Wohnen umgewandelt.



    Böse Union. Die SPD wusste sicher nicht was sie tat - unschuldig wie immer.



    Mal schauen, wer noch🤔



    Oh, den größten Einzelverkauf beschloss eine rot-rote Koalition😯



    Wie bitte?🫨



    Ja, 2004 veräußerte das Land während des Senat Wowereit die Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft (GSW) mit rund 65.000 Wohnungen an ein Konsortium der Finanzinvestoren Cerberus und Goldman Sachs.



    Ja so eine 💩



    Und die PDS war auch noch federführende Kraft, weil sie den Wirtschaftssenator stellte - Harald Wolf...😂🤷



    65.000 Wohnungen für viel 💸💸💸 verkauft und jetzt 20 Jahre später wollen sich Die Linke und ihre Wähler an diesen Deal nicht mehr erinnern und enteignen...😂



    Lächerlich, peinlich.

  • Philippo1000

    Es ist ganz gut, dass zum Thema „die Linke in Berlin“ diverse Journalist*Innen, auch in der taz, ihren Kommentar abgeben .



    Kritische Stimmen kommen nämlich nicht nur von Außerhalb, sondern auch von linken Bürger*Innen, die vielleicht eine andere Partei wählen.



    Somit also ein vorsichtiger Kritikversuch, damit der nicht gleich an der Zensur scheitert.



    Die Kritik von der SPD zur Berliner Linken bezieht sich auf antisemitische Tendenzen.



    Dass die vorhanden sind, streitet ja, glücklicherweise, noch nicht einmal der vorliegende Artikel ab.



    Die Parallele „Mandami“ ist insofern irreführend, als dass der NY Wahlkampf tatsächlich ein Personen Wahlkampf war.



    Der Wahlkampf in Berlin war geprägt von Kandidat*Innen, die unbekannt, oder noch unbekannter waren.



    Elif Eralp gewinnt in dem Fall mit der „die Linke“ ganz im Gegensatz zum erfolgreichen Wahlkampf in MV, wo die SPD mit, sprich aufgrund, der Person Manuela Schwesig einen erfolgreichen Wahlkampf führte.



    Bei der Nachwahlbefragung gaben nur 15% an, die „die Linke“ aufgrund der Person Elif Eralp gewählt zu haben.



    Es ist daher fragwürdig, diese Fakten im Nachhinein zu ignorieren.

  • Jörg Lodemann

    Ich lese hier von 7 bereits existierenden landeseignen WBGs, in anderen Artikeln von sechs. Warum so viele? Was haben die in den letzten 10 Jahren gebaut? Was planen sie aktuell zu bauen? Wie hoch ist die Durchschnittskaltmiete im Bestand? Wie hat die sich in den letzten 10 Jahren verändert? Wie zufrieden sind die Mieter dieser WBGs? Um mal für einen Vergleich mit Vonovia mehr Fakten zu haben.

  • Uwe Kulick

    Mit was will Berlin verstaatlichen? Vielleicht hat es die richtigen PolitikerInnen, aaaaber: In der Kasse liegen vielleicht gerade noch ein paar Wowereitgedenkmünzen mit der Aufschrift "Sparen dass es quietscht".

    Verstaatlichen ohne Entschädigung der Eigentümer geht halt nicht. Vielleicht kann man Übergewinne der Eigner aus überhöhten Mieten abziehen aus der Entschädigungsberechnung.

    Zitat KI: "In der Bundesrepublik Deutschland ist eine Verstaatlichung oder Enteignung grundsätzlich nur gegen eine Entschädigung zulässig. Das Grundgesetz schließt eine entschädigungslose Enteignung (wie sie etwa in der DDR stattfand) strikt aus."

    Und Mietendeckelung?

    Zitat KI: "Das Bundesverfassungsgericht hat 2021 entschieden, dass das Mietpreisrecht in die ausschließliche Gesetzgebungskompetenz des Bundes fällt."

    Bleibt nur Bauen, Bauen, Bauen. Die Berliner Landesbauanstalt möge mietspiegelsenkende Wohnungen bauen. Soviel man halt für Wowereitgedenkmünzen gebaut kriegt. Für ein Landessondervermögen zum Wohnungsbau ist eine stabile rotrotggrüne Koalition notwendig.

    SPD und Grüne sind verdammt, so ner Koalition beizutreten. Bausondervermögen=Wählerwillen aller Linke-, SPD- und Grüne-WählerInnen.

  • Il_Leopardo

    Verkauf des Tafelsilbers in den Neunzigern und Nuller-Jahren:



    Im geeinten Berlin war die Kasse knapp, deswegen entschied sich die Senatsbauverwaltung in den Neunziger- und Nullerjahren für den Verkauf ehemaliger Sozialwohnungen und landeseigener Wohnungsbestände. "Die meisten sind nun in der Hand der Big Five", sagt Wohnraum-Experte Bernt. Gemeint sind größere, private Immobilienkonzerne. "Bei ihnen ist es ziemlich klar: Sie investieren möglichst wenig und ziehen die Mieten möglichst schnell hoch. Also man wohnt da teuer und schlecht."



    www.rbb24.de/wirts...mietwohnungen.html

  • Stavros

    Es war klar, dass es eine solche Kampagne gegen RGR wegen der Antisemitismusvorfälle in der Partei geben würde. Sie begann ja bereits in der Endphase des Wahlkampfs.

    Sozialisten sollten sich darüber klar sein, dass ihr Ziel die Verbesserung der Lebensumstände aller Menschen ist, gleich welcher Herkunft. Damit ist jedes „Anti-irgendwas“ ausgeschlossen – und 2026 sollten das alle Linken verstanden haben. Hass führt zu nichts.

    Das heißt nicht, dass man Israel nicht kritisieren oder das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung benennen darf. Es heißt lediglich, dass man Kritik an israelischer Politik nicht mit Zuschreibungen gegenüber Juden vermischt.

    Was die hohen Mieten anbelangt: Hier ist die Linke glaubwürdig. RRG führte den Berliner Mietendeckel ein, der wegen fehlender Gesetzgebungskompetenz des Landes gekippt wurde.

    Es ist nötig und möglich, wirklich etwas gegen zu hohe Mieten zu tun. Obwohl Berlin seine Wohnungen früher verkauft hat, muss auch Vergesellschaftung zum Repertoire gehören.

    Dagegen stehen Interessen. Deshalb muss die Linke mit Gegenkampagnen professionell umgehen – und berechtigte Kritik ernst nehmen.