piwik no script img

Migrantisches Leben in Deutschland Warum ich dieses Land nach 15 Jahren verlasse

Gastkommentar von

Zara Rahman

Nicht wegen des Rechtsrucks, sondern des Selbstbetrugs der vermeintlich Liberalen und Progressiven muss ich gehen. Ein Abschiedsbrief.

W enn weiße Deutsche hören, dass ich Deutschland nach 15 Jahren verlasse, fragen die meisten: Warum? Wenn Menschen mit Migrationshintergrund oder People of Colour das hören, gratulieren sie mir.

Ich bin eine britisch-bangladeschische Muslimin, die seit 2011 in Berlin-Neukölln lebt. Für diesen Bezirk habe ich mich aus mehreren Gründen entschieden. Das Gefühl, mich einzufügen, anstatt aufzufallen; die Freundlichkeit in den Spätis und Cafés; und in letzter Zeit auch die sichtbaren Zeichen der Solidarität mit Palästina – all das gab mir in vielerlei Hinsicht das Gefühl, zu Hause zu sein.

Zara Rahman

ist britisch-bangladeschische Schriftstellern und Forscherin. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Macht, Technologie und Gerechtigkeit. Sie ist Autorin der Bücher Machine Readable Me: The Hidden Ways Tech Shapes Our Identities (2023) und It’s About Time: Motherhood’s Most Precious and Contested Resource (2026). Rahman war Fellow an der Stanford University und der Harvard Kennedy School und ist derzeit Visiting Research Collaborator an der Cornell University.

Natürlich ist der Rassismus in Deutschland erschreckend. Ich könnte ein ganzes Buch über den offenen Rassismus schreiben, den ich in Berlin erlebt habe. Diese Geschichten und Erfahrungen sind allgegenwärtig, wenn man sie sehen will. Aber der Hauptgrund, warum ich Berlin verlasse, ist nicht die AfD oder der Aufstieg der Rechten.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Blind für den eigenen Rassismus

Es liegt an der Unehrlichkeit und dem Selbstbetrug der übrigen deutschen Gesellschaft, die sich für progressiv und liberal hält. Es ist der Chefredakteur eines großen deutschen Mediums, der mir erzählt, dass er keine Ahnung hatte, dass die Polizei bei Protesten häufig arabische Parolen verbietet. Es sind die linksgerichteten Aktivist:innen, die mir ernsthaft sagen, dass sie natürlich gegen Gewalt sind – außer gegen die, die sich gerade gegen Pa­läs­ti­nen­se­r:in­nen richtet.

Die guten Deutschen nehmen sogar an Demos teil. Aber nur an solchen gegen die AfD

Es sind „Räume für die Demokratie“, die Bundesbildungsministerin Karin Prien einladen, ohne dabei ein einziges Mal darauf einzugehen, dass sie Israels Genozid unterstützt und pauschale Terrorismusvorwürfe gegen Pa­läs­ti­nen­se­r:in­nen erhoben hat. Es ist die progressive deutsche Stiftung, die (natürlich hinter verschlossenen Türen) sagte, dass sie eine zivilgesellschaftliche Organisation nur finanzieren würde, wenn diese nichts mehr über Palästina sagen würde.

All diese Leute sind von Grund auf davon überzeugt, dass sie die Guten sind. Sie sind empört und verärgert, wenn man ihnen Rassismus vorwirft, und weisen dann auf all die „guten“ Dinge hin, die sie für die deutsche Gesellschaft getan haben. Sie nehmen sogar an Demos teil, aber nur an solchen gegen die AfD, und sie tragen T-Shirts mit antifaschistischen Slogans. Sie weigern sich gleichzeitig, den Zusammenhang zwischen der Islamfeindlichkeit, die sie hinnehmen, und dem Aufstieg der extremen Rechten zu erkennen.

Niemals kämen sie auf die Idee, dass das, was sie tun, in vielerlei Hinsicht tatsächlich mindestens so schlimm sein könnte wie das, was die Menschen tun, die offen rassistisch sind. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich gehe: die Diskrepanz zwischen dem, was deutsche Linke von sich denken, und dem, was sie tatsächlich tun.

Ihre Bereitschaft, die verschiedenen Formen der Gewalt, die sich gegen eine marginalisierte Minderheit richten, zu ignorieren (und sie damit indirekt zu unterstützen), ohne groß darüber nachzudenken. Und ihre Unfähigkeit, auch nur für einen Moment in Betracht zu ziehen, dass sie selbst ein Teil des Problems sind und nicht der Lösung.

Was sich hinter der Erinnerungskultur verbirgt

Als ich aus Großbritannien hierher zog, war ich von der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit beeindruckt: die unübersehbar vielen Stolpersteine und die Überzeugung der Menschen, aus ihren Fehlern lernen zu wollen, um sie nicht zu wiederholen.

Es hat länger gedauert, bis ich gesehen habe, was hinter der Fassade liegt: eine große Bereitwilligkeit, eine andere Minderheit, nämlich Palästinenser und Muslime im Allgemeinen, zu Sündenböcken zu stempeln; die Überzeugung, Antisemitismus sei heute „importiert“; die historische Sonderrolle, die dem Holocaust zugewiesen wird, indem man ihn zum ultimativsten Übel erklärt, das niemals mit anderen Übeln verglichen werden darf, und ein einseitiger Fokus auf den Schutz Israels, dessen staatliche Gewalt man unterstützt.

Nach dem 7. Oktober 2023 habe ich Monate damit verbracht, mit Freunden, meinen Nachbarn und anderen Menschen, denen ich in Cafés und auf Spielplätzen begegnet bin, zu sprechen, um ihre für mich wirklich verwirrende Reaktion zu verstehen. Deutschland, dessen gesamte Identität darauf beruht, aus der eigenen Gewaltgeschichte gelernt zu haben, finanziert, billigt und unterstützt einen Völkermord? Wie soll das Sinn machen?

Das ist der Grund, warum das alles wahrscheinlich mehr wehtut, als es eigentlich sollte. Eigentlich sollte das keine Rolle mehr spielen – aber ich habe mit aller Kraft versucht, mich zu integrieren, was immer das heißt. Ich habe seit 2011 in Deutschland gearbeitet und hier meine Steuern gezahlt. Ich habe einen Deutschen geheiratet, zwei deutsche Kinder bekommen, bin selbst Deutsche geworden und habe in deutschen Organisationen gearbeitet.

Alles, was ich im Moment für Deutschland empfinde, ist Mitleid. Es ist bedauerlich, dass diese Gesellschaft nicht erkennt, was aus ihr geworden ist. Es ist bedauerlich, dass so viele Menschen die Augen vor der Realität verschließen. Es ist tieftraurig, dass so viele Menschen überzeugt sind, die „Guten“ zu sein, während sie so viel Schmerz und Schaden verursachen.

Aufarbeitung muss von innen kommen

Das Einzige, was helfen könnte, wäre eine tiefgreifende Selbstbefragung. Der Anstoß dazu kann aber nicht von jemandem kommen, der so aussieht wie ich. Diese Art der Aufarbeitung muss von innen kommen. Und bisher scheint es mir nicht so, als würde das passieren.

Also, ade, Deutschland. Ihr habt uns nicht verdient, die Millionen von Immigranten, die Deutschland zu ihrer Heimat gemacht haben. Wir haben so viel Schönheit und Gemeinschaft in unseren Herkunftsländern aufgegeben, um hier ein Zuhause aufzubauen. Wenn der Tag kommt – und er wird kommen –, an dem ihr erkennt, was ihr getan habt, und dass ihr eure schlimmsten Fehler wiederholt habt, kann ich nur hoffen, dass genug Menschen noch hier sind, die euch vergeben wollen.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Fotomontage eines wochentaz-Titels und dem Buchcover „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit

10 Wochen taz + Sachbuch „Autoritäre Rebellion“

Zeiten wie diese brauchen Seiten wie diese: unabhängig, konzernfrei und mit klarer Kante gegen Faschismus, Rassismus und Rechtsruck. Teste jetzt die taz und erhalte das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Rechtsextremismus-Experten Andreas Speit als Prämie.

  • Das neue Buch „Autoritäre Rebellion“ von Andreas Speit als Prämie
  • Die wochentaz jeden Samstag frei Haus + digital in der App
  • Die tägliche taz von Mo-Fr digital in der App
  • Zusammen für nur 28 Euro

10 Wochen taz + Buch „Autoritäre Rebellion“

Jetzt bestellen

73 Kommentare

 / 
  • "Sie weigern sich gleichzeitig, den Zusammenhang zwischen der Islamfeindlichkeit, die sie hinnehmen, und dem Aufstieg der extremen Rechten zu erkennen."

    - Ich sehe dagegen einen Zusammenhang zwischen dem dröhnenden Schweigen der muslimischen Gemeinschaft in Deutschland, wenn mal wieder ein Anschlag wie beim CSD in Berlin geplant oder durchgeführt wurde, sowie ein Schweigen der Autorin zu den bestialischen Verbrechen der Hamas am 7 Oktober, was in der Konsequenz den Rest erst ausgelöst hat- und dem Aufstieg der extremen Rechten, denn langsam ist dieses Schweigen niemandem mehr zu vermitteln.

    Die Leute in Deutschland sehen ja auch, wie angagiert Muslime politisch in Deutschland sein können, wenn es um Gaza, den Iran, die Türkei usw geht. Muslime sind also durchaus nicht Demonstrationsscheu, außer es geht um Themen in Deutschland selbst.

    Wenn es dann um islamistischen Fundamentalismus geht- da sieht man immer nur ein paar Hundert Vertreter aus Verbänden.

  • Als weiße, privilegierte, dennoch linke, auf dem Land lebende christliche Frau über 60 kann ich merkwürdigerweise das Gefühl zunehmender innerer Heimatlosigkeit und Leiden unter Rassismus nachvollziehen. Auch ich denke immer häufiger daran, auszuwandern, nur wohin? Immerhin kann ich noch in meiner Mutter-Sprache denken, singen und schreiben. Es ist die Sprache von Else- Lasker Schüler, Rose Ausländer, Mascha Kaleko und Hannah Arendt, die mich getragen hat in meiner Jugend und die für mich Heimat ausmacht. Es ist heute die Sprache einer May Ayim. Aber die real existierenden und agierenden DeutschInnen kann ich immer weniger ertragen. Es fehlen mir immer häufiger das Zuhören, der Respekt für das Gegenüber, und das Anerkennen, dass es keine einfachen Lösungen gibt.

  • Könnte man ganz ähnliche Dinge nicht über eine ganze Menge Länder und Gesellschaften sagen? Wohin sollte man umziehen, um dem zu entgehen? Vielleicht nach Rom?

    Das Thema Israel und Palästina haben wir hier schon seit Jahrzehnten. Deutschland hat aber schon lange beide Seiten finanziell unterstützt, nicht nur Israel, sondern auch die Palästinenser, aber Palästina leidet bis heute darunter, dass Arafat damals nicht unterschrieben hat und die Zweistaatenlösung damit außer Sichtweite geraten ist.

    Wenn man von "Islamfeindlichkeit" spricht, muss man jedoch stark differenzieren. Vielen MitbürgerInnen fällt beim Thema "Islam" nicht viel Substantielles ein. Den Koran hat ohnehin kaum jemand gelesen. Was mich immer erstaunt, ist, dass unsere jüdischen MitbürgerInnen in früheren Jahrhunderten oft in islamischen Regionen Schutz fanden, während beide heute zutiefst verfeindet sind. Leider sind die meisten islamischen Herrscher heute weit weniger liberal, als manche früher wohl gewesen sein müssen.

  • "Also, ade, Deutschland. Ihr habt uns nicht verdient, die Millionen von Immigranten, die Deutschland zu ihrer Heimat gemacht haben. Wir haben so viel Schönheit und Gemeinschaft in unseren Herkunftsländern aufgegeben, um hier ein Zuhause aufzubauen. Wenn der Tag kommt – und er wird kommen –, an dem ihr erkennt, was ihr getan habt, und dass ihr eure schlimmsten Fehler wiederholt habt, kann ich nur hoffen, dass genug Menschen noch hier sind, die euch vergeben wollen."



    Woher nimmt man bitte diese Einstellung? Man stelle sich mal vor, ich wanderte z.B. nach Indien, Indonesien, Japan oder Brasilien aus, würde dort 15 Jahre leben, und danach genau diese Zeilen über das Land schreiben. Die Leute würden mich doch für einen verrückt gewordenen "White Savior" halten, der allen ernsthaft erzählen will, er habe vieles geopfert, um aus reiner Herzensgüte in diese verlorenen Länder zu kommen, und diese Leute noch um Vergebung bitten würden, dafür, dass sie mich wieder vergrault hätten. Ich sage es ganz direkt: Das finde ich zutiefst befremdlich.

    Wenn Sie wegziehen wollen, tun Sie es - ich finde es schade, aber wenn Sie die deutsche Erinnerungskultur so sehr stört, dann kann ich es nicht ändern.

  • Wenn ich die Kommentare hier so quer lese, habe ich den Eindruck, dass viele versuchen, diesen Abschiedsbrief wie eine politische Debatte zu sezieren.



    Dabei ist es vor allem eine persönliche Bilanz.



    Man muss nicht jede Schlussfolgerung teilen, um nachvollziehen zu können, warum jemand nach 15 Jahren sagt: Es reicht.

    Deutschland ist ein Land mit einer beeindruckenden Bildungs- und Erinnerungskultur. Aber Bildung schützt nicht automatisch vor blinden Flecken.



    Wer sich für liberal und weltoffen hält, ist deshalb nicht automatisch frei von Vorurteilen oder kultureller Überheblichkeit.



    Eine offene Gesellschaft erkennt man nicht daran, dass sie keine Konflikte hat. Sondern daran, wie sie mit widersprüchlichen Erfahrungen umgeht.



    Bildung bedeutet nicht nur Wissen über die Vergangenheit, sondern auch die Fähigkeit, die eigene Gegenwart kritisch zu betrachten.



    Erinnerungskultur verliert ihren Wert, wenn sie ausschließlich rückwärtsgewandt ist. Sie muss auch den Mut haben, sich an aktuellen Debatten zu bewähren.

    Natürlich ist das alles auch ein Spannungsfeld, dass man aushalten muss, insbesondere als kluger und sensibler Mensch.

  • Angesichts der Wurzeln der Dame ist es schon wieder eigentlich lustig: der ganze Artikel offenbart das Denken einer Kolonialherrin, sie sich, beleidigt über die unzureichende Unterwürfigkeit der Eingeborenen, wieder zurückzieht in die Metropole. Für Berlin ist es natürlich ein Verlust.

  • Eine Stimme aus dem goldenen Akademikerkäfig, der die Bodenhaftung fehlt.

    Sagt meine Frau, die einige Parallelen zur Autorin aufweist. Britin, POC mit jamaikanischen Wurzeln, Kardiologin, 9 Jahre in Deutschland gelebt.

    Für sie deckt sich der Bericht überhaupt nicht mit ihren Erfahrungen in Deutschland. Weder ist ihr offener Rassismus widerfahren, noch kann sie es nachvollziehen das Menschen mit Migrationshintergrund oder POC Gratulationen aussprechen für die Entscheidung Deutschland zu verlassen.

    Sie führt das darauf zurück, das die Autorin anscheinend nur Kontakte zu bestimmten Klassen pflegt. Denn bei ihren Patienten, die sich aus unterschiedlichen sozialen Schichten zusammensetzen, und aus ihrem Umfeld ergibt sich da ein ganz anderes Bild.

    Abschließend möchte sie noch anmerken, das es nicht "very british" ist der Gesellschaft des Landes in dem man 15 Jahre lang gelebt und dessen Staatsbürgerschaft man angenommen hat öffentlich pauschal als "Unehrlich" zu bezeichnen, nur weil sich gewisse Kreise aus Sicht der Autorin entgegen ihrer Erwartungen verhalten haben.

    Etwas mehr understatement und Differenzierung wäre hier angebracht gewesen, anstelle einer Pauschalanklage.

  • Wenn man so tut als wäre am 07. Oktober 2023 nichts bemerkenswertes passiert, dann mag man "verwirrende Reaktion[en]" wahrnehmen, die man nicht versteht.

  • Sie sprechen von der Schönheit Bangladeschs, lebten jedoch in Deutschland und heute in England – und profitieren von den Freiheiten westlicher Demokratien. Warum verlassen dann so viele Menschen Bangladesch?

    Ich bin seit fast 30 Jahren mit einem Bangladeshi verheiratet und kenne das Land durch meine Familie. Die Frauen dort erleben seit Jahren wachsenden religiösen Konservatismus. Nach meiner Einschätzung tragen auch islamistische Geldgeber aus den Golfstaaten, darunter Qatar, durch die Förderung konservativ-islamischer Netzwerke dazu bei. Die Frauen, die ich kenne, wollen alle nichts mehr, als nach Deutschland zu kommen.

    Gerade deshalb halte ich es für bedenklich, dass Sie aus meiner Sicht der Instrumentalisierung durch islamistische Akteure aufsitzen. Das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung verdient Mitgefühl. Gleichzeitig wird es genutzt, um Hass auf Israel, Juden und den Westen zu schüren.

    Nicht Deutsche oder Migranten sind das Problem. Entscheidend ist, ob Menschen Demokratie, Rechtsstaat und gleiche Rechte für alle Menschen respektieren. Darüber sollte man offen und ohne Pauschalurteile sprechen.

  • Mich stimmt dieser Artikel hoffnungslos, weil er so deutlich aufzeigt, dass selbst kluge und gebildete Menschen (und sicherlich ist Frau Zara Rahman klug und gebildet) einseitig und verblendet argumentieren. Was dürfen wir dann von Menschen erwarten, die weniger privilegiert sind, was Bildung usw. angeht? Frau Rahman dürfte wissen, weshalb arabische Parolen auf den Demonstrationen verboten wurden, ebenso wie ihr sicherlich die dortigen Feiern des 07.10. bekannt sind; und ganz bestimmt weiß sie auch, dass sich Juden, besonders in ihrem bisherigen Stadtteil, nicht zu erkennen geben dürfen.

    Ich nehme an, sie ist zuversichtlich, für sich und ihre Familie einen besseren Ort zum Leben gefunden zu haben und so soll das ja auch sein.

  • Man könnte schon mehr Mitleid mit den Palästinensern haben. Wie den Beduinen, die von der Hamas beschossen, ermordet und entführt wurden, weil sie auf der falschen Seite der Grenze wohnen. Und von Teilen der jüdischen Mehrheitsgesellschaft oft genug wie Dreck behandelt werden.

    Oder man hat wie die Autorin halt vor allem Mitleid mit Ethno-Nationalisten und deren erfolglosen Bewegungen.

    Aber dann kann man auch Mitleid mit Smotrich haben. Der ist schließlich selbst in der Definition der PLO auch Palästinenser.

    Reisende soll man nicht aufhalten.

  • Vielen Dank für diesen wuchtigen Artikel, der widerspiegelt, was ich von meinen zumeist muslimischen migrantischen Freunden so oft höre: dieses immer weiter wachsende Unverständnis über unseren heuchlerischen Umgang mit dem ‚Nie wieder!‘, das ja universal gedacht sein sollte, hierzulande aber leider nur allzu einseitig zu verurteilende Unmenschlichkeit verurteilt.

    Was ich ebenfalls immer wieder höre: dass sie es als Deutsche leid sind aufgefordert zu werden, sich von Wahnsinnstaten idiotischer Islamisten zu distanzieren, spätestens angefangen bei Habecks ‚Es ist nicht die Zeit zu kontextualisieren‘ -Rede bis nun nach dem feigen und hinterhältigen Anschlag auf den CSD.

    Ich bedauere Ihre Entscheidung, weil ich - wenn das Schule macht - neben dem kulturellen und sozialen zuletzt auch den wirtschaftlichen Schaden für Deutschland sehe, der damit eintritt.

  • Jemand, der gerade mal 15 Jahre in einer Gesellschaft gelebt hat, die er dabei zuerst einmal kennenlernen und sich in sie integrieren musste, erklärt nun, als einer der wenigen zu wissen, welche gesellschaftlichen Veränderungen gerade stattfinden und belehrt diese Gesellschaft, was richtig und falsch zu denken und zu sagen ist - immerhin habe er Schönheit und Gemeinschaft in seiner Heimat aufgegeben um hier etwas aufzubauen und empfinde nun nur noch Mitleid und Bedauern.



    Klingt hier und da ein kleines bisschen herablassend. Auf jeden Fall klingt es nicht danach, als könne man divergierende Meinungen gut aushalten.



    Wobei ich das, was Israel tut, einen Genozid nenne. Das politische Ziel, den Staat Israel notfalls auch gewaltsam und gegen den Willen seiner Bevölkerung abzuschaffen, ist ebenfalls das eines Genozids. Schade, dass so oft verlangt wird, man müsse sich entscheiden, was davon man anprangert.

  • Wo will die denn hin? In ihrem Herkunftsland Bangladesch ist es um die Menschenrechte und Meinungsfreiheit definitiv nicht besser als in Deutschland bestellt.

  • Dass die offensichtlich sehr privilegierte Autorin sich zum Sprecher von irgendwem als ihrer selbst aufschwingt, empfinde ich ehrlich gesagt als anmaßend. Vielleicht kommt sie ja demnächst in Oxford oder Berkeley damit besser an, an den meisten anderen Orten wird man so eine Attitüde wohl weniger goutieren.

  • „…. Das war schon der erste Irrtum: „…. Als ich aus Großbritannien hierher zog, war ich von der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit beeindruckt: die unübersehbar vielen Stolpersteine und die Überzeugung der Menschen, aus ihren Fehlern lernen zu wollen, um sie nicht zu wiederholen. ….“



    Es wurde leider nicht aufgearbeitet. Die schlimmsten Drahtzieher bekamen ihr Betätigungsfeld und bereiteten den Boden für die heutigen Verhältnisse.



    Aber wo möchten Sie hin? Europa wird von Demagogen allerorts überschwemmt, USA entwickelt sich zur Trump-Königs-Diktatur. Und für den Rest der Welt kann man auch noch so Einiges aufzählen.

  • Au weia. Man sollte meinen, mit dieser beachtlichen Borniertheit gäbe es für die Autorin kein besseres Land als Deutschland. Ob die Leute anderswo im Schnitt wohl deutlich "richtiger" ticken? Ich drücke die Daumen.

  • Ich kann die Punkte sehr gut nachvollziehen und bin sehr froh, dass das angesprochen wurde. Danke.

  • Gratulation! Freut noch, dass Sie den Schritt gewagt haben.

    Haben Sie sogar die deutsche Staatsbürgerschaft wieder abgelegt, da Sie sich als britisch-Bangladeschisch bezeichnen? Das nenne ich konsequent! Alles Gute Ihnen.

  • Es gibt wirklich selten Texte, wo ich nahezu jeder Aussage, jeder Ansicht, jeder Meinung widerspreche. Dies hier ist so einer.

  • Seit Köln hat sich etwas verändert in Deutschland. 2016 hat sich noch kein Busfahrer getraut eine hochschwangere Mutter mit Kleinkind und Migrationshintergrund einfach stehen zu lassen. (Habe ich aus 1.Hand glaubhaft erzählt bekommen.) Die Frustration kann ich nachvollziehen. Verstehen könnte ich sie wenn ich das gelobte Land kennen würde in dem alles besser ist. So kommt mir doch zumindest der Anfangsverdacht einer konstruierten Wirkung.

  • Ich komme aus baltischen Staaten. In Pubertät Mitte 90er wurde ich Linker, was lange angehalten hat. In den letzten 15, insbesondere 10 Jahren habe ich mit der Linken (Szene, Partei und diese Zeitung!) abgeschlossen.



    Inzwischen finde ich Linkspartei zusammen mit AFD, FDP und BWS unwählbar. Lee Spiegel, FAZ, Zeit und Welt und TAZ um einen breiten Überblick über die Blasen zu erhalten und finde TAZ und Leserkommentare zum 50 % nur noch zum Kopfschütteln so wie bei Die Welt, so weit ist es gekommen! Für mich ist die Hufeisentheorie absolut wahr geworden (nicht was Kriminalität, Angriffe und Morde angeht, da sind die Rechten klar führend und gefährlicher, kann man alles statistisch nachlesen) was ideologische Verblendung und Weltfremdheit angeht!



    Grund ist der Umgang mit dem Islam! Aus meiner Erfahrung und ich allem was ich gelesen habe, sind nur die wenigsten Muslime libertär, die meisten sind dermaßen konservativ bis rechts. Das wird von Linken derma0en ignoriert. In meiner Heimat ist man froh, keine Anschläge, Messerstechereien, keine Kriminalitätstatistik- oder Gefängnisinsassen-Verteilung wie hier zu haben. Froh ungeschützte Weihnachtsmärkte, Volksfeste & Co. zu haben!

  • Kein kritisches Wort zur eigenen Meinung. Alle anderen verhalten sich falsch, nur sie selber macht alles richtig.

  • Soso, man verlässt dieses Land also, weil nicht die gesamte Gesellschaft und der Staat als solches das Wohl von Muslimen im Allgemeinen und jenes der Palestinenser im Speziellen als oberstes Primat allen Denkens und Handelns zum Ziel hat?

    Als Neuköllner sag ich mal ganz salopp mit den Worten eines großen Neuköllner Denkers:



    "Alles Gute und Tschüssikowski"

  • Der problematischste Teil des Artikels ist nicht die Schilderung persönlicher Erfahrungen, sondern der unterschwellige Vorwurf, die deutsche Erinnerungskultur sei vor allem ein Hindernis für Solidarität mit Palästinensern. Damit wird ein gefährlicher Gegensatz konstruiert. Die Erinnerung an den Holocaust ist keine politische Marotte Deutschlands, sondern eine historische Verantwortung. Wer sie als Ursache für angeblich eingeschränkte Debatten darstellt, verschiebt die Maßstäbe.

    Kritik an der israelischen Regierung ist selbstverständlich legitim. Problematisch wird es dort, wo unter dem Etikett der "Palästina-Solidarität" antisemitische Narrative, die Relativierung des 7. Oktober oder einseitige Schuldzuweisungen an Israel salonfähig werden. Genau das ist in Teilen der Pro-Palästina-Bewegung leider zu beobachten.

    Der Artikel vermittelt den Eindruck, Deutschland müsse seine Erinnerungskultur relativieren, um moderner oder gerechter zu werden. Das Gegenteil ist richtig: Gerade die Lehren aus der Geschichte verpflichten dazu, Antisemitismus entschieden entgegenzutreten – egal, ob er von rechts, links oder islamistischen Gruppen ausgeht.

  • Nicht ganz verständlich wird, warum die Entscheidung zur Auswanderung fiel – der gesellschaftliche Diskurs (Solidarität mit Palästina ABER auch Unterstützung der israelischen Regierung selbst bei Kriegsverbrechen) war ihr ja offenbarbekannt. Dieser Diskurs wird in fast allen westlichen Ländern geführt; es bleibt die Frage, welcher Diskursstatus genügt hätte, um zu bleiben.

    Menschen in Deutschland, nicht nur aus dem linken Spektrum, wird sowohl Antisemitismus vorgeworfen (oft zu Unrecht bei berechtigter Israelkritik, teils zu Recht) als auch, das Leid der Palästinenser zu ignorieren. Meron Mendel hielt nach dem 7. Oktober fest, dass sich sowohl mit Israel als auch mit Palästina verbundene Menschen in Deutschland gleichermaßen „enttäuscht“ von der öffentlichen Debatte fühlten – ein weiteres Zeichen für die schwierige Debatte.

    Dass bspw. die Unterstützung einer rechtsradikalen Regierung angesichts von Kriegsverbrechen dem Ansehen eines Landes schadet, ist ein valides Argument. Wer aber erwartet, dass der politische Diskurs eines Landes klar der eigenen Position entspricht, stellt eine Erwartung, die auch anderswo kaum erfüllbar wäre. Was wäre die "Bedingung" gewesen, nicht zu gehen?

  • Die Autorin wirft Liberalen oder Linken vor sich für die Guten zu halten während sie in Wahrheit Schaden anrichteten. Ihr eigener Text urteilt nach demselben Muster.

    Die Autorin verwandelt einen politischen Streitpunkt in ein Bekenntniszeichen anstatt ihn zu verhandeln. Wer „Palästina" nicht so setzt wie sie dem unterstellt sie stillschweigend einen angeblichen Genozid oder Kriegsverbrechen gutzuheißen. „Palästina" wird zum Lackmustest für Aufrichtigkeit, das Wort ersetzt die Sache um die es angeblich geht. Jeder Widerspruch bestätigt im Voraus ihre These vom Selbstbetrug.

    Genau wie manche protestantischen Strömungen lehren man könne Jesus nie genug lieben, können die (selbstverständlich als Fellows in Stanford und der Harvard Kennedy School akkreditierten) Slop-Produzentinnen ihr Symbol „Palästina" nie genug lieben. Die Hingabe an das Zeichen ersetzt jede Prüfung der Sache.

  • Kann der Autorin nur zustimmen, bin allerdings noch nicht an dem Punkt, an dem ich bereit bin, das Land, in dem ich geboren bin und mein gesamtes Leben verbracht habe, zu verlassen.

  • Aucn nach zweimaligem Lesen: Der Text ist eine einzige Pauschalisierung ohne jegliche Differenzierung.



    Schon der Einstieg: Alle POC mit Einwanderungsgeschichte gratulieren Sara Rahman für ihre Auswanderung. Halte ich für wenig glaubhaft. Dann: Wer auf der nicht näher ausdiffernzierten "Linken" unterstützt die rechtsextreme, korrupte Netanjahu-Regierung bei ihrem völkerrechtswidrigen, menschenfeindlichen Terror? Ich kenne niemanden, auch wenn nicht alle in meiner "linken Blase "das Wort Genozid benutzen. Dass die Regierung hier allzu zaghaft reagiert, hat natürlich auch mit unserem besonderen Verhältnis zu Israel zu tun. Ich wünschte mir deutlich härtere Maßnahmen - aber geschenkt, der Typ mit seiner Mischpoke darf hoffentlich bald das Schicksal von Orban und Konsorten teilen.



    Komplett irritiert mich aber der Absatz zum 7. Oktober. Kein Wort zum Terroranschlag auf überwiegend der israelischen Regierung gegenüber kritisch eingestellten jungen Menschen. Kein Wort zur von über 60 Prozent der Palästinenser*innen gewähten Hamas bei der einzigen und letzten demokratischen Wahl 2006.



    Wo zieht Frau Rahman denn nun mit Gatte und Kindern hin? Würde mich wirklich interessieren...

    • @Tazacorte:

      Der Absatz zum 7. Oktober, eigentlich der gesamte Artikel ist der diesjährige Tiefpunkt. Die Autorin hätte sich leicht informieren können, was an dem Tag "passiert" ist.

      Ich selbst bin übrigens immer dann ins Ausland gezogen, wenn es woanders ein gutes Jobangebot gab.

    • @Tazacorte:

      (1) Wer … auf der Linken? Antideutsche, zB? War vor kurzem hier im Forum ein Thema.

      (2) Kein Wort zum Terroranschlag? Ist das, glauben Sie, wirklich das Thema dieses Kommentars? Würde es seine Aussage irgendwie ändern? Nein. Indirekt belegen Sie durch diese Irritation aber die Einschätzung der Autorin.

      (3) Wohin? Geht uns / Sie vermutlich nix an, sonst hätte sie es uns wohl verraten.

  • @taz, beleuchtet doch bitte die britische Rolle bei der Gründung von Israel. ... man kann gern bestätigen, das in D. nicht alles perfekt ist, aber wo ist es denn besser? Doch nicht bei den Britten? Oder gar in Indien?



    Es scheint mir eher, dass es schon wieder, wie in der Weimarer Republik es los geht und zu viele Kräfte an der Republik in alle Richtungen zerren. Da fragt man sich, ob dieser Artikel in dieser Hinsicht nicht ebenfalls zur (Über)belastung beiträgt.



    Ich würde mir auch lieber wünschen, wenn unsere Regierung sich unparteiischer in der Außenpolitik geben würde und die alten Fesseln abstreifen würde.



    Außerdem könnte man sich auch wünschen, dass deutsch-jüdische Orga. sich ein Beispiel an den deutsch-islamischen Orga. nehmen bei der Verurteilung von Greul jeweiliger Extremer.



    Und D. ist nicht allein Berlin. Der der überwiegende Teil D. ist gegen die gr. Unverhältnismäßigkeit der israelischen Mittel. Und der überwieg. Teil D. ist auch gegen die Politik die haupts. den oberen Schichten zugutekommt. Leider ist aber der überwieg. Teil D. nicht fähig sich für die eigenen Interessen zu finden, sondern hofft auf die Obrigkeit. Aber wo ist es tatsäch. besser...

  • Linksgerichtete Aktivist:innen werden von der Autorin zitiert, die gegen Gewalt sind außer gegen die, die sich gerade gegen Pa­läs­ti­nen­se­r:in­nen richtet.



    Ich würde gerne erfahren, um was es konkret geht. Welche Gewalt richtet sich wo gerade gegen Palästinenser:innen? Hat die Autorin mit diesen linksgerichteten Aktivist:innen gesprochen oder geht es um veröffentlichte Texte?



    In Europa ist Deutschland gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien an der Seite Israels im Schutz des Landes und der Menschen im Land vor Angriffen von Staaten (Iran) und terroristischen Vereinigungen (Hamas, Hisbollah). Deutschland ist zudem ein Finanzier der gewählten palästinensischen Autonomiebehörde und humanitärer Hilfe für Gaza. Was möchte die Autorin?

  • Traurig folgende Kommentare lesen zu müssen:

    "Ich wünsche Ihnen viel Glück bei der Suche nach einem Land, wo Sie auf weniger Rassismus und einen Ihnen genehmeren Umgang mit der Palästina-Frage bei gleichzeitig vergleichbarem Lebensstandard und hoher sozialer Sicherheit treffen."

    Im Grunde genommen und inhaltlich die Aussage von Herrn Merz, die ich persönlich (als Betroffener) als zutiefst rassistisch empfinde. Der Schritt zur AfD Parole: wenns dir hier nicht gefällt kannst du ja dahin gehen wo du herkommst, hier gelten unsere Regeln.

    Nein hier gelten auch meine Regeln, weil ich seit 57 Jahren hier lebe und genug für dieses Land und diese Gesellschaft getan habe um über die zu geltenden Regeln mitbestimmen zu können.

    Zudem sehr verwirrend der Zusammenhang der zwischen Lebensstandard - Rassismus - Palästinenserfrage hergestellt wird. Bedeutet das, dass ich über Fragen der Ungerechtigkeit nicht diskutieren darf, weil ich sonst den Lebensstandard nicht verdiene, oder es einen kausalen Zusammenhang dazwischen gibt den ich akzeptieren muss? Eine andere Interpretation fällt mir leider nicht ein...

  • Kann man machen. Ob es dann anderswo besser ist sei mal dahingestellt.



    Erfahrungsgemäß hängt vieles von den Menschen ab, mit denen man zu tun hat. Da kann man es an verschiedenen Orten besser oder schlechter treffen.



    Insgesamt kann ich dem Kommentator @fly zustimmen, der Text ist nicht sonderlich reflektiert oder überhaupt stichhaltig. Alles was beklagt wird trifft auf viele Gruppen, viele Nationalitäten, viele Überzeugungen zu. Auch wird viel pauschalisiert. Bspw. jemandem "rassismus vorzuwerfen" löst natürlich in den meisten Fällen eine Abwehrreaktion aus. Das haben Vorwürfe so an sich. Deswegen sollte man sich ja zum Beispiel mit Ich-Botschaften ausdrücken statt sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. So lernt man das zumindest in der Therapie.



    Wie auch immer, ich wünsche viel Glück und Erfolg im Anderswo!

    • @Sonderzeichen:

      Na, Sie bestätigen unfreiwillig selbstentlarvend die Aussage der Autorin. Sie gehen selbstverständlich davon aus, dass jemand, dem Rassismus vorgeworfen wird, "natürlich" abwehrend reagieren wird. Dass Sie das als Reaktion so selbstverständlich und ganz natürlich finden, spricht Bände, genauso wie der pädagogische Rat an die Autorin, ihre Gesellschaftskritik in Watte zu packen, damit die Deutschen weiterhin den Kopf in den Sand stecken können.. und sich hinter dem Alibi der Erinnerungskultur und sehr viel Selbstmitleid vor jeder berechtigten Kritik verschanzen können wie gehabt. Zuhören, Nachdenken, Lernen? Fehlanzeige.

      Es grenzt an Verdrängung, das Thema Rassismus rein in der Vergangenheit zu betrachten und Kontinuitäten nicht zu erkennen. Gelebter Antirassismus im Hier und Jetzt ist schwieriger.

      Die Autorin hat 3 Heimatländer, dazu kommen evtl Forschungsaufenthalte in weiteren Ländern. Diese länderübergreifende Erfahrung qualifiziert sie durchaus, gewisse Vergleiche anzustellen. Sie steht mit diesen Feststellungen ja wirklich nicht alleine da- auch wenn das für viele Neuland ist.

  • Zunächst: In Deutschland wird über Palästina und Israel über Gebühr viel berichtet. Dies liegt an der Vergangenheit von Deutschland. Andernfalls würde es bei diesem Krieg keinen besonderen Fokus geben. Der Bürgerkrieg im Sudan ist im Vergleich dazu nur eine Randnotiz in den Medien, obwohl er mehr Leid verursacht. Und in der Berichterstattung kommen durchaus beide Seiten vor.

    Wenn die Autorin den 7. Oktober 2023 anspricht und mitteilt, dass sie die Reaktionen irritiert haben. Dann frage ich zurück: Mich haben die Reaktionen in Berlin irritiert. Die feiernden Menschen auf den Straßen, die gefeiert haben, das in Israel Menschen abgeschlachtet wurden. So einen offengelebten Antisemitismus habe ich in Deutschland nach 1945 noch nicht gesehen.

    Und ja, bei den Bildern konnte man durchaus den Eindruck bekommen, dass wir ganz viel Antisemitismus importiert haben. Die Autorin tut gerade so, als sei dies eine Erfindung und in ihrem Umfeld gäbe es keinen.

    Wenn die Autorin eine differenzierte Sichtweise will: Warum schweigt sie dann zum 7. Oktober und zur Hamas?

    • @Strolch:

      Da irren Sie sich leider. Wenn Sie in die USA schauen, und nachvollziehen, wie dort über den Konflikt berichtet wird, ist es dort nicht anders. Dieser Konflikt ist aufgrund seiner immensen internationalen Social Media-Präsenz bei jungen Leuten leider in der gesamten westlichen Welt ein sehr wichtiges Thema.

  • Ich respektiere die Konsequenz, mit der die Autorin ihre politischen Überzeugungen lebt, wundere mich aber ein wenig über die Monokausalität ihrer Sichtweise. Entscheidet es wirklich über die "Bewohnbarkeit" eines Landes, dass ein Teil(!) der dortigen linken Szene in einem Konflikt nicht eindeutig genug Partei für die "richtige" Seite ergreift?



    Davon abgesehen ist auch der Blick auf die Holocaust-Bewältigung nach meinem Empfinden etwas einseitig, wenn er die Zwiespältigkeit ausblendet, der sich Deutsche hier zwangsläufig ausgesetzt sehen. Israels Existenz inmitten von Feinden, die ihrerseits kein Problem mit genozidalen Ansätzen zur Beendigung dieser Existenz haben, ist schließlich eine direkte Folge des Holocaust. Der gestrenge Anspruch, mit diesen Feinden nur ja superkorrekt umzugehen, geht da nicht leicht von der Zunge.



    Letzter Punkt: Das Ausleben der Israelfeindschaft - einschließlich ebenfalls untragbarer Gewaltverherrlichung und leider auch echter Aggression gegen deutsche Juden - gehört zu den Dingen, von denen sich Jemand ruhig auch mal ausdrücklich distanzieren könnte, wenn er oder sie schon umgekehrt von Anderen maximale Distanzierung von israelischem Handeln erwartet.

  • Seit dem 7. Oktober 23 müssen jüdische Menschen unter falschem Namen in Restaurants reservieren und Taxis bestellen. In der U-Bahn trauen sie sich nicht, hebräisch zu sprechen oder ein hebräisches Buch zu lesen. Halsketten mit Davidstern verschwinden unter Pullis, Kippas unter Baseballkappen. Jüdische Studenten fühlen sich in den Universitäten nicht mehr willkommen. Im Kulturbetrieb werden sie angefeindet. Es ist bedauerlich, dass die Autorin die Augen vor der Realität verschließt. Es ist tieftraurig, dass so viele Menschen überzeugt sind, die „Guten“ zu sein, während sie so viel Schmerz und Schaden verursachen. Die Autorin ist leider ebenfalls unfähig, auch nur für einen Moment in Betracht zu ziehen, dass sie selbst ein Teil eines Problems ist.

  • Ich finde, dass der Anstoß zur Veränderung sehr wohl von einer kommen kann, die so aussieht wie du. Warum nicht?



    Hilfreich kann eine Kultur der fehlerfreundlichkeit sein. Wenn es zu schlimm ist, sich selbst bei Rassismus zu ertappen, werden wir leugnen und abstreiten, insbesondere vor uns selbst.



    Dasselbe gilt auch für Frauenfeindlichkeit. Geben wir es doch zu. Wir sind alle Rassisten und Frauenfeinde. Selbst Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund. Ich erinnere mich noch an türkische Mädchen im Kindergarten. "Mal mal eine Fee." Ich male. "Nein! Eine Fee muss blond und schlank sein!" Ich denke nur: "Uff!"



    Es ist schwer dem dauerden Beschuss durch Märchen, Geschichten, Filme, standzuhalten. Davon sind wir alle nicht frei. Der blonde Engel und der schwarze Teufel sind tief in unserem Unterbewusstsein verankert worden. Butter zu die Fische! Packe wir es an!

    • @Nadja Hula:

      Na danke, da rettet ja doch noch jemand die Linke und nebenbei den gesunden Menschenverstand! :D



      Genau so sieht es aus.



      Es ist überall mal schlechter gewesen, sogar in uns selbst, bis JEMAND gekommen ist und ETWAS verbessert hat. Und dieser Jemand kann praktisch jeder sein. Oder alle zusammen. Oder auch beides.



      Hier die Hoffnung aufzugeben um sie dann andernorts zu finden - das kann für einen einzelnen und das persönliche Leben schon funktionieren. Aber für die Menschen insgesamt muss es ja auch irgendwie weitergehen. Da ist Umzug keine Lösung.

  • Auch manche Intellektuelle scheinen dieser Tage große Schwierigkeiten zu haben, die Welt in ihrer Vielschichtigkeit und Komplexität zu begreifen, oder es auch nur zu versuchen. Diese Nabelschau aus der Perpektive der eigenen Bubble ist jedenfalls ein eher bescheidener als bewegender Abschiedsbrief.

    • @hessebub:

      Die Frau hat etwas getan, was sie nicht tun würden und was dafür verantwortlich ist, dass wir im Relativismus ertrinken: Sie hat eine Seite gewählt, während wir hier in der BRD bestenfalls Aristoteles mit seiner Mesotes Lehre kopieren, aber damit tun wir so, als hätten wir damit etwas vollbracht. Ich sage es ihnen deutlich:



      Mit "der Komplexität der Welt" wurde und wird sehr viel Nichthandeln und Nichteinstehen begründet und das ist etwas, was diese Frau implizit auch anspricht.

      Nichts gegen sie persönlich, aber das ist etwas, was sich in den reichen bürgerlichen progressiven Gesellschaften sehr wohl eingebürgert hat: Es ist so aber auch so und es gibt keine wirklich Bösen und man kann unmöglich in solchen Fragen urteilen und also darf z.B. die Beziehung zu Israel nicht deutlich verändert werden; das ist der eine "progressive" Stamm dre so denkt. Der andere den es natürlich auch gibt un der wenigstens direkt ist und handelt, der sagt: Die Hamas ist das Böse, Israel ist Opfer, Gaza "hat es sich selbst zuzuschreiben" und wenn Israelis jemanden totschiessen war es eigentlich ja doch die Hams aus diesem und jenem Grund, in Gaza gerne weil sie ja "menschliche Schutzschilde" nutzen.

      Etc

    • @hessebub:

      Danke für diesen Kommentar. Sie bringen es auf den Punkt.

  • Wer sich D wegen der progressiven Gesellschaft als Wohnort ausgesucht hat, der hat schon mal einen Fehler gemacht. Zumindest wenn man über die Berliner Blase hinausblickt. Wer nach Neukölln zieht, aber sich über die Gesellschaft in anderen Kiezen aufregt, macht vielleicht noch einen Fehler. Egal.



    Die Forderung "Das Einzige, was helfen könnte, wäre eine tiefgreifende Selbstbefragung. " gilt sicher für sehr viele, auch für Leute mit migrantischen Wurzeln, auch und gerade in der hier angesprochenen einzigen Frage, der Israel-Palästinafrage. Dazu passt aber der Schluss "Also, ade, Deutschland. Ihr habt uns nicht verdient,..." Das ist leider nicht sehr reflektiv. Die Sichtweise findet man fast überall aus einer Ich-Perspektive.

    PS: Die Info korrigieren. Frau Rahman ist nicht nur britisch-bangladeschisch, sondern auch deutsche Schriftstellerin.

  • Schon im ersten Absatz dieses Gastkommentars ist die Einteilung der Welt in gut/böse, weiß/poc, meine Meinung/alle anderen Meinungen zu spüren, die ich etwas arg vereinfachend und selbstgerecht bezeichnen möchte. Mir fallen übrigens auf Anhieb viele PoC ein, die der Autorin widersprechen, und "weiße Deutsche", die ihr absolut zustimmen würden So liegt der Verdacht nahe, dass die Autorin in ihrer Blase lebt und alles ausblendet, was den eigenen Standpunkt - zumindest ein bisschen - in Frage stellen könnte. Das, was sie den anderen Linken vorwirft, nämlich, dass die sich für gut halten, aber es offenbar ihrer Meinung nach nicht sind, trifft damit genauso auf sie selbst zu. Mitgefühl eben auch nur für die eigene Agenda. Außerdem habe ich den Verdacht, dass die Autorin in der sich in der akademischen und publizistischen Welt aussuchen kann, wohin es sie verschlägt. (die Stelle an einer sehr renommierten Uni in USA wird in der Autorenbeschreibung ja erwähnt). Mir scheint daher, das ist ein Nachtreten aus einer privilegierten Situation heraus.

    • @Karla Columna:

      Ich möchte nur deutlich darauf hinweisen, dass die Frau es kritisiert, dass weiße POC-Deutsche in irgendeiner verantwortlichen oder politisch abhängigen Position, die "eigentlich" oder "angeblich" progressiv und für Menschenrechte überall eintreten, in der Frage um die es der autorin geht "einknicken", "verstummen" oder tatsächlich gar die deutsche Staatsräson sich zu eigen machen. und die deutsche Staatsräson ist vieles aber sicher nicht das was sie unter "äußerst komplex" verstehen und auch nichts, was es an "Gut-Böse"-Implikationen vermissen lässt. So sehe ich das jedenfalls.

  • Gute Entscheidung, viel Erfolg, wo auch immer. wenn alle diese "progressiven" weiterziehen, werden vielleicht endlich wieder ein paar Wohnungen in Berlin frei, wenn das Schule macht. Ich hoffe die Autorin reflektiert etwas über ihr Privileg sich den Wohnort nach der Gesinnung der dort Lebenden auszusuchen.



    Ich habe selbst Migrationserfahrung und gelernt dass es selten gut ankommt, wenn Zugezogene Alteingesessenen meinen beibringen zu müssen was richtig und falsch ist. Man kann ja meinen was man will, aber muss halt auch andere Meinungen aushalten.

    • @Egil:

      Sie merken, dass sich Ihre beiden letzten Sätze widersprechen (dann zumindest, wenn "man" nicht nur für die Zugezogenen steht).

  • Es wäre interessant zu erfahren, ob sie nach England oder nach Bangladesch zurückgeht. Oder ob sie sich für ein ganz anderes Land entscheidet

  • Die traurige Entscheidung von Zara Rahman kann ich leider nachvollziehen. Die Heuchelei der sogenannten „Linken“ hierzulande bezüglich des ungeheuerlichen Massenmords in Palästina ist so unfassbar, dass ich selbst nach 35 Jahren Berlin verlasse.



    Hasta la vista



    Marco Canevacci

  • Ok, es geht wieder um eine Israel-Obsession.

    • @fourorty:

      Weil Juden nunmal Menschen sind, die aufgrund der Historie und der zahlreichen, jahrhundertelangen Verfolgungen einen Sonderstatus haben. Finde ich richtig so.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Kein Sonderstatus für niemand. Universalismus. Vor dem Recht sollten alle gleich sein.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Das haben Sie falsch verstanden, fourorty meint die Israel-Obsession von Frau Rahman ( "Genozid", "Kindermörder", "Landräuber", "zionistische Rassisten" "Kolonialherren") - das ist zwar alles nicht ganz falsch, blendet aber aus, welchen Anteil die Vertretungen der Palästinenser, allen voran die Hamas, am Nahoskonflikt, speziell seit dem 7. Oktober 2026 haben - und manchmal sind Halbwahrheiten eben schlimmer als Lügen ...

  • "die Bereitschaft, eine andere Minderheit [...] zu Sündenböcken zu stempeln". Bei aller Zustimmung zu vielem, was in diesem Kommentar geschrieben wurde möchte ich der Autorin doch fast empfehlen, mal z.B. mit einer Davidstern-Kette durch ihr Noch-Heimatviertel Neukölln zu laufen. Da wird sich nochmal eine ganz andere Perspektive eröffnen darauf wer sonst noch so bereit ist eine Minderheit zum Sündenbock zu machen.

  • Wenn sie das persönlich so empfindet. Sie hat natürlich in Bezug auf sehr viele Deutsche völlig Recht. Aber sie tut so, als gäbe es niemanden hier, der ihre Meinung nicht teilt und gegen die idiotische Haltung der Regierung und auch vieler Linker (die sich teils so gegen die völlig schwachsinnigen Antisemitismusvorwürfe de Rechten wehren wollen) kämpft. Ich finde es schade, dass ausgerechnet sie diesen Kampf jetzt einfach aufgibt und wegläuft.

    Möge sie in einem Land ankommen, das in dieser oder anderer Hinsicht besser ist. Und sie soll mal sagen, wo das ist - vielleicht nehmen die dann noch Asylanten auf wenn es hier wieder knallt in ein paar Jahren.

    • @Jalella:

      Die Autorin muss sich und ihre Kinder nicht heroisch für Deutschland aufopfern.

      Man sieht ja an den Kommentaren, dass Außenansichten auf die Gesellschaft als störend empfunden werden und mit Etikettierungen ("privilegiert") und Unterstellungen abqualifiziert werden, damit man sich mit dem Gesagten nicht auseinandersetzen muss. An dem Punkt ist Diskurs dann auch nicht mehr wirksam..

  • Die Autorin schreibt diesen Kommentar scheinbar aus einer sehr priviligierten Position heraus. Ich entnehme dies aber nur aus der kurzen Information die uns hier gegeben wird.

    Ich bin mir nicht sicher ob Menschen denen in Ihrer wunderschönen Heimat, wegen Ihrer politischen Meinung oder sexuellen Orientierung die Todesstafe iin ihrer droht ihre Heimat als wunderbare Gemeinschaft beschreiben würden.

  • Ich habe den Eindruck, dass die Dame ihren positiven Einfluß, die Abhängigkeit Deutschlands von ihr etwas überschätzt. Und ob jemand, der quasi noch nie auch nur ein Wort über die Hamas verloren hat trotz zig Kommentare zu den Palästinensern, als moralischer Richtwert gelten darf, bezweifle ich auch.

    • @dave777:

      Ich finde, es hat etwas von einem umgekehrten White-Savior-Komplex: Sieh her, hier kommt die intellektuelle Migrantin, die dem tumben deutschen Michel mal erklärt, wie Erinnerungskultur eigentlich gehen sollte. Leider will der das nicht, so dass sie leider gehen muss - aber nicht, ohne noch mal kräftig nachzutreten. Der Michel soll dabei bloß nicht glauben, importierter Antisemitismus sei ein Problem, auch dann nicht, wenn in der gleichen Stadt, in der die Autorin lebt, am 7. Oktober Hamas-Sympathisanten Süßigkeiten verteilten, um den Massenmord an jüdischen Menschen zu feiern.

      Ich weiß wirklich nicht, wen das überzeugen soll.

  • Reisen bildet



    und es war eine der größten Freiheiten für ehemalige DDR BürgerInnen endlich reisen zu dürfen.



    Dass die Autorin nun diese Freiheit wählt, sei auch Ihr gegönnt.



    Auch gibt es heutzutage ja eine Art modernes Nomadentum, das gar nichts mit finanziellen Ressourcen zu tun haben muss.



    Eine Art des Lebens und Arbeitens, das ich auch aus eigener Erfahrung kenne.



    Somit wünsche ich eine gute Weiterreise im besten Sinne!



    Der Analyse der deutschen Gesellschaft widerspreche ich allerdings.



    Zuerst einmal gibt es "die" deutsche Gesellschaft nicht und der linke Teil der Gesellschaft ist ebenfalls vielfältig.



    Ich halte natürlich den Holocaust für ein unvergleichliches Verbrechen und wenn Jemand da schon anderer Ansicht ist, wird es für mich schwierig.



    Es enttäuscht etwas, wenn die Möglichkeit, die Existenz Israels nicht anzuzweifeln und gleichzeitig für die Rechte der Palästinenser einzutreten, versagt wird.



    Natürlich ist das schwierig, ausschließlich für das Eine oder Ander zu sein, wäre aus humanistischer Sicht allerdings falsch.



    Rassismus will ich nicht schön reden - doch in welchem Land gibt es ihn nicht?



    Wo beginnt Rassismus?



    Allein das ist für mich Aufgabe genug, zu bleiben.

    • @Philippo1000:

      "Die Existenz Israels" ist weder faktisch bedroht, wenn dann nur durch Israel selbst und die Wunden an der eigenen Integrität. Zweitens aber ist "Die Existenz Israels" jetzt so unendlich spannend, weil der Begriff doch eigentlich so viel ungesagt lässt. Beginnen wir: Welches Israel, in welchen Grenzen? Dann sofort: welche Gebiete denn nicht, auch vond enen, die Israel gegenwärtig besetzt?

      Wenn sie eine "Existenzfrage" mit einer Territorialfrage zur Deckung bringen, können sie sich sparen "für die Rechte dre Palästinenser einzutreten" denn das bedeutet denen ihr eigenes politisches Gemeinwesen zu geben und das geht nach Lage der Dinge nur dort wo die eben herkommen und leben also in derzeit von israel besetzten oder abgeriegelten Gebieten. also muss man sagen: Israel muss etwas abgeben. Wenn sie das aber nicht so sehen, sind ihre Worte zu den Palästinensern völlig leer. Und wenn die deutsche Staatsräson das auch so handhabt, ist deren Palästinenserunterstützung genauso leer und etwaige Zahlungen nach Gaza z.B. sind dann maximal Linderung unendlich fortgesponnenen Leides oder moralischer Ablasshandel.

  • Ich danke Ihnen, Sara Rahman, für Ihren Gastbeitrag. Deutschland hat viel mit Aufarbeitung der Vergangenheit geleistet, aber seine Regierung muss endlich lernen, zu den Menschen- kulturellen und umweltlichen Genozid gegen Palestinenser — nach der Definition der Vereinten Nationen — als solchen anzuerkennen und danach zu handeln. Nur so eine Haltung ist Ausdruck der Mündigkeit Deutschlands und der meisten EU Länder. Spanien und Irland sind immer noch unter den Einzeilreitern.



    Allerdings bin ich nicht mit Allem einverstanden. Die Shoah zeigt Karakteristiken, die weiterhin einzigartig bleiben und das dürfen wir nie vergessen. Dabei ist diese Analyse gar keine Berechtigung von anderen Völkermorden und -demütigungen wegzusehen. That’s double standards indeed!



    Dieser Satz: “Wir haben so viel Schönheit und Gemeinschaft in unseren Herkunftsländern aufgegeben, um hier ein Zuhause aufzubauen” ist eine übergrosse Vereinfachung der realen Situation — wobei ich emotional auf Ihrer Seite bin.



    I sincerely wish your article finds deep resonance in Germany, a little more nuance would have helped, but you make a powerful point. and I thank you for that,



    Grüsse aus Frankreich

  • Ich wünsche Ihnen viel Glück bei der Suche nach einem Land, wo Sie auf weniger Rassismus und einen Ihnen genehmeren Umgang mit der Palästina-Frage bei gleichzeitig vergleichbarem Lebensstandard und hoher sozialer Sicherheit treffen.

    • @Bussard:

      Bei so viel Süffisanz würde ich mal sagen: touché 😉

    • @Bussard:

      In Skandinavien und Teilen Belgiens und Frankreichs wird sie gleichgesonnene finden können. Frau Thunbergs Haltung ist dort nicht zufällig entstanden.

      Vielleicht ist es für beide Seiten besser sich zu trennen.

  • Natürlich kann sie von der Freundlichkeit in B-Neuköln sprechen, von der Solidarität mit Palästina, und dass ihr all das das Gefühl gegeben hat, zu Hause zu sein. Zum kompletten Bild gehört aber auch der grassierende Antisemitismus in B-Neuköln und alltägliche, religiös begründete Homophobie. Nicht ganz so freundlich, und ein Grund, warum sich andere Menschen dort nicht (mehr) zu Hause fühlen.

    Natürlich kann man über Islamfeindlichkeit und extreme Rechte reden. Zum kompletten Bild, und das nicht erst seit gestern, gehört auch Islamismus. Man sollte meinen, dass dies gerade in B-Neuköln lebenden, progressiven Kräften wichtig ist.

    Natürlich kann man darüber reden, dass manche meinen, Antisemitismus sei importiert. Das ist aber keine Mehrheitsmeinung. Und zum kompletten Bild gehört, dass es in der Gesellschaft keine Gruppe gibt, in der die Zustimmungswerte zu antisemitischen Aussagen derart hoch sind wie unter Muslimen.

    Natürlich kann man darüber reden, dass Menschen mit migrantischen Wurzeln nach dem 7.10 verwirrt waren. Zum kompletten Bild gehört, dass dies auch auf viele weiße Menschen zutraf ob der Reaktionen auf den 7.10 in migrantischen Communities, gerade in B-Neuköln.

  • Die Autorin hat recht - die Merz-Regierung unterstützt die Kriegsverbrecher Trump und Netanjahu und niemand regt sich darüber groß auf.

    • @test_name:

      vor allem geht es aber um die Linke und die Bevölkerung allgemein....

    • @test_name:

      Sie haben Recht mit der Beschreibung unserer Gesellschaft, finde ich, aber nicht mit der Intention des Artikels. Es werden gezielt diejenigen kritisiert, die sich als Links bezeichnen oder bezeichnet werden und die sich weder ,aufregen‘ noch ihren Rassismus gegenüber Palästinensern und Muslimen reflektieren. Die Autorin hatte Hoffnungen auf und Erwartungen an eine kleine, aber aus ihrer Sicht vielversprechende Gruppe innerhalb der deutschen Gesellschaft gerichtet und wurde leider enttäuscht. Aber von denen, auf die sie setzte, gibt es in allen Gesellschaften zu wenige.



      Auch für Jüdi*innen hat sich in Deutschland, noch vor der sogenannten Machtergreifung, fast niemand stark gemacht. So gesehen wiederholt sich Geschichte.

      Es ist soweit gekommen, dass Menschen emigrieren.

      Soweit ich weiß wollen Leute wie Sellner genau das erreichen. Es soll ein Klima entstehen, das Menschen vergrault.

      Mir fällt dazu nur ein, dass man eigentlich nichts mehr machen kann, wenn die Mobber den Laden übernommen haben. Man muss präventiv arbeiten, es darf gar nicht erst soweit kommen, aber dafür scheint es fast zu spät zu sein. Wer gehen muss, ist meist das Mobbing-Opfer, nicht der Mobber.

      • @gleicher als verschieden:

        "Wer gehen muss, ist meist das Mobbing-Opfer, nicht der Mobber."

        Vor 2 oder 3 Monaten wurde eine Studie zu Auswanderwilligen veröffentlicht.

        Unter den Auswanderwilligen fühlten sich die meisten der AfD nah.

        In meinem persönlichen Umfeld gibt es auch jemanden, der in die Schweiz wollte, weil es dort mit den Ausländern " weniger schlimm" ist.

        Er hatte dort schon einen gut bezahlten Job.

        Ich würde mich deshalb vor Pauschalisierungen hüten.

        Kann nach hinten losgehen.