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Mehr Nachhaltigkeit durch VerzichtIch sage nein, weil ich es kann

Gastkommentar von

Udo Kords

Wer seinen Konsum einschränkt, hat nicht weniger, sondern mehr: mehr Zeit, Gesundheit, Lebensqualität. Man kann immer damit anfangen, zu verzichten.

Schü­le­r:in­nen auf einer Demonstration der Fridays-for-Future-Bewegung setzen sich für weniger Konsum ein Foto: Stefan Boness/visum

F ür überraschend viele individuelle wie gesellschaftliche Probleme gibt es eine bestechend einfache und günstige Lösungsformel: weniger. Weniger Zigaretten, weniger Alkohol, weniger Zucker. Weniger Schulden durch zurückhaltenderes Konsumverhalten. Weniger Umweltzerstörung durch weniger Flüge, weniger Autofahrten, weniger Fleisch. Weniger von all den Dingen, die wir zwar wollen, aber nicht brauchen. Mehr Nachhaltigkeit ist kein Mehr an Technik, sondern ein Weniger an Übermaß. Man könnte zugespitzt sagen: Die ökologische Krise ist weniger ein Erkenntnisproblem als ein Maßlosigkeitsproblem. Die große Herausforderung: zurück zum richtigen Maß zu finden. Das Gefühl dazu ist uns in unser Tiktok-dynamisierten Alles-verfügbar-Welt völlig verloren gegangen.

Das Attraktive am Weniger-Ansatz: Diese Lösung ist sofort verfügbar. Sie braucht keine neuen Infrastrukturen, keine Durchbrüche in der Forschung, keine langen Übergangsfristen, keine neuen Staatsschulden. Wir können den Schalter heute umlegen oder unseren Lebensstil schrittweise herunterregeln. Wir erleben dabei etwas, was gefühlt immer mehr aus unserem Leben verschwindet: Selbstwirksamkeit. Verzicht ist keine Ohnmacht, nicht Konsequenz eines von anderen auferlegten Verbots, sondern die Rückkehr von Gestaltungsmacht ins eigene Leben. Er bedeutet, nicht länger nur Objekt von Marketing, Gewohnheiten und Verlockungen zu sein, sondern wieder Subjekt der eigenen Entscheidungen. Ich sage nein, weil ich es kann.

Udo Kords

ist Politikwissenschaftler und promovierte zur deutschen Klimapolitik. Zentral beschäftigt ihn die Frage, wie die erforderliche Nachhaltigkeitstransformation in Unternehmen gelingen kann.

Zum Ausgleich für den Verzicht gibt es vieles, wovon wir mehr haben könnten – und sollten –, weil es unserem Wohlbefinden guttut und fast nichts kostet: Zeit, Schlaf, Bewegung, Gespräche, Kreativität, Engagement. Weniger Konsum hier und mehr Leben dort: Das wäre ein gigantisches sozial-ökologisches Gesundheitsprogramm. Ein Programm, das nicht auf Zwang, sondern auf Einsicht und Selbstermächtigung beruht. Und doch ist es ein Geschenk, das wir erstaunlich hartnäckig ausschlagen, als hätten wir uns an die Vorstellung gewöhnt, dass ein gutes Leben vor allem eines sein müsse: voll. Wir verschieben die Grenzen dessen, von dem wir erklären, dass wir einen natürlichen Anspruch darauf haben, immer weiter in Richtung möglichst schnelle Selbstvernichtung. Wir wissen es besser, aber sind unfähig, dieses Wissen zu nutzen.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Stattdessen setzen wir auf Technik als Erlösungsversprechen. Kreislaufwirtschaft, CO₂-Speicherung, KI: All das kann sinnvoll sein und ist teilweise unverzichtbar. Doch es dient oft als Beruhigungsmittel. Es nährt die Hoffnung, wir könnten so weiterleben wie bisher – nur effizienter, sauberer, optimierter. Technik wird zum Mythos, der uns die Zumutung erspart, unser eigenes Verhalten grundsätzlich zu verändern. Der einseitig technisch definierte Fortschritt soll richten, was unsere Lebensweise anrichtet. Das ist nichts weiter als Technikchauvinismus. Warum vertrauen wir unsere Zukunft eigentlich lieber technischen Fiktionen an, als sie selbst zu gestalten?

Weil der Verzicht nicht zu unserem kulturellen Verhaltensrepertoire gehört, weil wir uns mit anderen vergleichen, die vermeintlich mehr haben und weil unser Gehirn das Bekannte und Bequeme bevorzugt. Es verteidigt den Status quo, selbst dann, wenn er offenkundig schädlich ist. Was wir „brauchen“, ist selten das Ergebnis nüchterner Abwägung, sondern das Echo unbewusster innerer Impulse. Maßhalten erscheint nicht als Stärke, sondern als Strafe.

Wenn Mäßigung als Freiheit erlebt wird und nicht als Verlust, kann eine Revolution des Alltags entstehen

Wir sind überfordert vom Alltag und sollen auch noch bewusst Nein sagen. Wir fühlen uns benachteiligt und sollen dann auch noch selbst kürzertreten. Wir suchen verzweifelt nach Status und Anerkennung und sollen auf die Dinge verzichten, von denen wir hoffen, dass sie uns genau das verschaffen. Und die anderen machen es ja auch nicht. Warum sollte ausgerechnet ich damit anfangen? Deshalb wird der Wochenendflug zur Identitätsfrage und das Tempolimit zum Kulturkampfthema, weil das Emotionale die Regie übernimmt.

Angst vor Verzicht

Der Aufruf zum Verzicht löst Angst aus. Was das bedeutet, davor hat der Philosoph und Politiker Edmund Burke bereits vor rund 300 Jahren gewarnt: „Kein Gefühl raubt dem Geist in solch einem Ausmaß die Fähigkeit, zu handeln und klar zu denken, wie die Angst.“ Was objektiv sinnvoll wäre, spielt dann kaum noch eine Rolle. Der innere Protest richtet sich nicht nur gegen politische Maßnahmen, sondern grundsätzlich gegen die Idee von Begrenzung. Umweltpolitik und Zukunftsgestaltung werden so zu einem sozialpsychologischen Projekt. Ohne die Fähigkeit, Angst, Verlustgefühle und Kränkungen zu verarbeiten, bleibt jede Nachhaltigkeitspolitik instabil. Psychische Reife ist keine Privatangelegenheit, sondern eine gesellschaftliche Voraussetzung für ein im ökologischen Sinne maßvolles Leben.

Vielleicht liegt der größte Irrtum darin, dass wir Verzicht für Verlust halten. Was wir in der blinden Routine unseres Immer-mehr-Lebens komplett ignorieren: In Wahrheit haben wir durch unsere Maßlosigkeit längst so viel verloren: Aufmerksamkeit, Zeit, Beziehungen, innere Ruhe und den Glauben an eine lebenswerte Zukunft.

Der bewusste Verzicht wäre dann keine Verarmung, sondern eine Rückeroberung: von Autonomie, Würde und Verantwortung. Nicht: „Wir müssen verzichten“, sondern: „Wir entscheiden uns, weniger fremdbestimmt zu leben.“ Verzicht ist in diesem Sinne keine asketische Übung, sondern eine kulturelle Technik. Eine Fähigkeit, die geübt werden muss. Wer nicht verzichten kann, ist nicht frei, sondern abhängig von Gewohnheiten, Erwartungen, Reizen. Vielleicht ist das die unbequeme These: Maßlosigkeit ist keine Freiheit, sondern eine Form der Unmündigkeit. Verzicht könnte zum Maßstab von Fortschritt werden, als Ausdruck von Reife im Umgang mit Grenzen, mit Macht, mit Möglichkeiten und Bedürfnissen.

Große Transformationen beginnen selten mit Gesetzen. Sie beginnen mit neuen Gewohnheiten. Millionen kleiner Entscheidungen formen neue Normalitäten. Wenn Mäßigung als Freiheit erlebt wird und nicht mehr als Strafe oder Verlust, kann eine leise, aber tiefgreifende Revolution des Alltags entstehen. Ich verzichte, also bin ich. Das ist das Narrativ des ökologischen Aufbruchs.

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102 Kommentare

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  • Verzicht? Was sagt die Zeit dazu? ZB die aktuellen Streiks von Verdi, Lokführern und Piloten dienen nicht nur dem Inflationsausgleich, sondern um mehr Netto vom Brutto zu haben. Wenn erfolgreich, ergeben sich dann auch mehr Möglichkeiten zum Konsum, sei es Urlaubsflug, sei es Kaffeevollautomat, sei es Avocadocreme. Bei den meisten geht es eben um etwas mehr, als nur um die nächsten Runden zu kommen.

    Das sei ihnen gegönnt, aber so wie das Kapital keinen Konsumverzicht möchte, so möchten die Arbeitnehmenden Konsummöglichkeiten haben. Verzicht kommt da nirgendwo vor.

  • Eine geringere Bevölkerungszahl kommt der Sache vom Ergebnis her gleich. In wirtschaftlich florierenden Gebieten steigen die Bevölkerungszahlen nicht, sie sinken. Von daher schlage ich statt pauschalem Verzicht Bildung und vernünftige staatliche Strukturen gerade in Ländern mit erheblichem Bevölkerungswachstum vor. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, Entwicklungshilfe an der Umsetzung dazu geeigneter Forderungen gegenüber den Empfängerländern zu spiegeln.

  • Ich empfehle einen Blick auf die LinkedIn Seite des Autors. Der hat im Investmentbereich von PRA Group Deutschland, Atradius, J.P. Morgan, Geneva-ID in hohen Posten gearbeitet. Aus der Position lässt sich leicht Verzicht predigen.

    • @Mendou:

      Natürlich ist gemeint, dass jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten verzichten sollte.

  • Prinzipiell ist viel dran am Gesagten. Und ich versuche auch, im Leben danach zu handeln, indem ich (fast) immer vorher überlege, ob etwas tatsächlich notwendig ist. Hat auch etwas Befreiendes.

    Mir ist aber auch klar, dass es Millionen Menschen gibt, die unfreiwillig ständig verzichten müssen. Auf diese wirkt der Artikel evtl. etwas abgehoben.

  • Die alten Griechen wussten es bereits. "Reich" ist nicht der, der rafft, raubt oder prasst. Es ist der, der genug hat, also die Bedürfnisse zu zügeln weiß. M/W/D.



    Wer Action, Spiel, Spaß und Leistung will, hat da also mal einen Ansatz: Genügsamkeits-Challenge!!



    Wer vom Privatauto, Alkohol, ... abhängig wäre, hätte schon weniger Freiheit.

  • "Die Erde hat genug für alle Bedürfnisse aber nicht für die Gier aller." Danke für den Artikel Herr Kords und diese wichtigen Impulse, die meines Erachtens genau die richtige Richtung weisen. Nach mittlerweile gut 15 Jahren aktiver und praktischer Arbeit im Feld der sozialökologischen Transformation ist für mich die Rückgewinnung der Zeit zu einem Schlüsselthema geworden. Wenn es uns gelingt, auch zunächst ganz kleine, Zeitfenster für authentische Begegnungen, echtes Zuhören und ehrliches miteinander Sprechen zu öffnen werden Beziehungen (wieder) möglich. Das wird möglich, wenn ich in der Lage bin auch abweichende Positionen zuzulassen und vllt sogar zu integrieren. Dann können wir beginnen uns darüber zu verständigen, wie und unter welchen Umständen wir eigentlich genau miteinander leben wollen. Wenn wir gemeinsam eine Idee davon bekommen, wie dieses Leben aussehen kann, dann können wir uns auf den Weg machen und unsere Energie und unser Potenzial dafür einsetzen. Unsere Politiker*innen brauchen dafür unsere Unterstützung, denn auch sie sind genau so überfordert, ratlos und oft verzweifelt, wie wir alle. Danke für Eure Zeit!

  • Sehr alter Wein im neuen Schlauch. So ähnlich argumentierten schon Diogenes von Sinope und Epikur (ja, genau der). Eremiten, Mönche und Nonnen suchten ihr Seelenheil in selbstgewählter Armut. Schopenhauer sah, angeregt vom Buddhismus, die Erlösung in der Freiheit von Wünschen und Begierden.

    Zum Mainstream ist das trotz teils guter Argumente nie geworden. Die menschliche Natur ist einfach nicht so. Schon kleine Kinder wollen haben, haben, haben. Das wächst sich bei den wenigsten aus. Gier und Völkerei sind altbekannte Todsünden, die die Menschheit nie ablegen wird.

  • Liest sich schön, gehört Haltung und Selbstkontrolle dazu - und das nötige Kleingeld für die bewusste Entscheidung zu Bioprodukten oder Einkaufen im Unverpackt Laden.



    Verzicht ist für mich das Mönchtum der Moderne - bewundernswert, aber nichts für die Masse.



    Ich lebe lieber als zu verzichten.



    Nicht exorbitant oder absichtlich möglichst schädlich, aber ich liebe die Berge, ich liebe das Meer. Die Welt bietet es, man kennt es, also vermisst man es auch regelmäßig.



    Konsum ist eine Droge. Fraglos.



    Das wir uns dessen entledigen können, ja nur soweit einschränken, dass der Verbrauch die Regeneration nicht übersteigt, puh, seh ich nicht kommen.



    Nicht bei mir, nicht in Deutschland und schon gar nicht global.

  • Wie wäre es mit weniger weniger? Das Leben ist nicht schwarz-weiß.



    Ich habe 5 Jahre Minimalismus gelebt bis ich erkannte das es mich nicht erfüllt und ich mich damit nur davor drückte meine Wünsche zu kategorisieren und in mein Leben zu integrieren.



    Ich bereue nicht die Erfahrung Leidenschaften aufgegeben zu haben, wohl aber dass ich den Weg wieder von vorn begann als sich herausstellte das diese Leidenschaften mir wichtig sind.



    Kurz gesagt: Jeder kann die minimalistische Wohung aufräumen und ordentlich halten - wenn man dies kann obwohl man seine positiven Motivatoren und Hobbys auslebt und genießt ist man wirklich Profi.



    Aber das ist nur mein Weg, der sieht bei jedem anders aus.



    Wie wäre es also damit weniger auf andere zu schauen und wie diese ihr Leben ändern oder führen sollten sondern sich mit dem eigenen Leben ehrlich und konsequent auseinander zu setzen?



    Wir bewegen damit nichts und das sollte nicht das Ziel sein. Das Ziel ist nur soviel zu haben wie man wirklich braucht, selbst wenn das die meisten als zu viel betrachten.



    Die meisten leben nicht das persönliche Leben sondern man selbst. Wer meint, dies für andere entscheiden zu können lebt sein Eigenes nicht ausreichend.

  • Was der Autor merkwürdigerweise komplett übersieht: Es braucht auch einen Verzicht auf (möglichst viel bzw. den Zwang zur) Erwerbsarbeit.



    In manchen Kommentaren ist es schon erwähnt worden: Wir müssen ja möglichst viel Ramsch kaufen, damit sog. "Arbeitsplätze" geschaffen und gerettet werden (die EU hat z.B. bis 2010 Subventionen für Tabakanbau gezahlt, die Schweiz tut es noch heute...).



    Die Obrigkeit möchte uns möglichst die ganze Zeit "beschäftigen" (und meint damit kein Ehrenamt und keine unbezahlte Sorgearbeit...) - und viele Leute scheinen da auch voll drauf abzufahren.

    Bedingungsloses Grundeinkommen – ein Schlüssel zur Suffizienz?



    www.oekologisches-...cle/view/1773/1716

    Günther Moewes: Beschäftigungsstaat oder Vermeidungsgesellschaft? (Aus: Weder Hütten noch Paläste) - online:



    bge-rheinmain.org/...idungsgesellschaft

    Sowie ein 2-Minuten-Statement von Harald Welzer: www.youtube.com/shorts/sFC81TgIEq0

  • Kostet fast nichts? Hm, um aufs Auto zu verzichten braucht man erstmal mehr - Infrastruktur. Und auch eigene Investition in eine nähergelegene Wohnung an der Arbeit. Um aufs Rauchen zu verzichten braucht es Gesetzte, Therapien etc, das ist nämlich keine Marotte sondern eine Sucht. Kein Alkohol oder Zucker mehr - nicht ohne Gesetze, die das Kennzeichnen oder günstigere Alternativen sichern. Ein klein wenig komplizierter ist es ja schon , man macht all diese Dinge ja gerade weil sie bequem sind

  • Verzicht ist zu negativ konnotiert. Für mich ist es eher Boykott. Sich von Werbung und ähnlichen Kampagnen nicht einlullen zu lassen, kommt mir zu Gute und schafft tatsächlich Lebensqualität. Die kostenlose Dinge sind häufig die, die wirklich gut tun. Ein Spaziergang im Wald, joggen gehen, Yoga oder ein Gespräch mit Menschen.



    Aber ich verstehe auch, dass Menschen, die finanziell benachteiligt sind, nichts mehr möchten als ein neues IPhone oder einen Mercedes, um eben jenes Gefühl der nicht Zugehörigkeit zu verlieren

  • Das Schön ist, dass Gutverdiener Herr Kords auch gleich darauf verzichtet hat, konkrete Beispiele für Verzicht zu nennen. So verzichtet es sich doch gleich am Besten :)

  • Die einen wollen bewusst den Verzicht praktizieren, weil sie schon genug Übermaß und Reizüberflutung in den ihrem Leben hatten. Die anderen kennen nix anderes als Verzicht, weil sie durch das kapitalistische ausbeutersystem derart geknechtet werden. Ach, der Hohn.

    Systemische Probleme durch individuelle Lösungen anzugehen erinnert so schön an BP's CO2 Fußabdruck. Möglichst nichts ändern indem mensch jeden selbst entscheiden lässt, was bei über 80 Mio Einwohnerinnen natürlich in alle Richtungen divertiert.

    Aber mensch kann ja hoffen.

  • 100% Zustimmung.







    Allerdings arbeitet eine ganze Industrie Tag für Tag daran das Gegenteil zu bewirken. Gemeint ist natürlich die Werbeindustrie, die ständig auf sehr geschickte art künstlich Bedürfnisse erzeugt. Wobei deren Adressaten in dem Glauben verharren, sie seien dagegen immun.







    Doch weit gefehlt.!!







    Von daher besteht ein besonders wichtiger Schritt darin, sich von diesen Manipulationen frei zu machen und wieder zu den wahren Bedürfnissen zurück zu finden.







    Ab da geht dann alles seinen natürlichen Gang. Man erkennt wieder unbeeinflußt worauf es im Leben wirklich ankommt. Konsum verschafft einem vlt eine gewisse Befriedigung. Glück ist allerdings etwas viel tieferes und grundlegenderes.







    Und so wird dann, recht verstanden und wohl gelebt, aus dieser *Beschränkung auf das Wesentliche* eine Quelle von Leichtigkeit und Glück..

    • @Wunderwelt:

      Habe mir nie ein Auto gekauft, das mehr als 3000 DM jetzt Euro kostete. Auf meinen Volvo fuhr ich fast 600 000km. Mein Freund, der eine Zulieferfirma für die Autoindustrie leitete, meinte: " Wenn das viele so machen, wie du, dann können wir die Firma schließen. Und recht hatte er.



      Das Problem ist doch folgendes: Dieses ganze Wachstum ist doch abhängig vom Konsum! Und damit möglichst viel und unnötig konsumiert wird, braucht man eine perfekt funktionierende Werbeindustrie. Der Industrie ging es noch nie in erster Linie um das "tiefere und grundlegende" Glück des Menschen. Es geht um Profit, Kapitalvermögen und Machterhalt. Und da dazu passt: Dass wir einen Kanzler haben, der dem weltgrößten Vermögensverwalter in Deutschland vorstand. Was erwarten die Wähler denn von Merz? Natürlich Wachstum, Sicherheit, Wohlstand, Ordnung und Freiheit. Auf wesssen Kosten das geschieht, steht auf einem anderen Stern.

  • "Wer seinen Konsum einschränkt, hat nicht weniger, sondern mehr: mehr Zeit, Gesundheit, Lebensqualität. "

    Hängt davon ab was konsumiert wird. Die meisten Dinge die ich konsumiere steigern meine verfügbare Zeit, Gesundheit und Lebensqualität.

    • @Tom Tailor:

      Beinahe jeder theoretisch überflüssige Konsum schädigt die Gesundheit und kostet Zeit.



      Diese beiden Faktoren beeinflussen die Lebensqualität enorm.



      Was konsumieren sie bitte, das ihnen Zeit verschafft?!

    • @Tom Tailor:

      @Tom Tailer



      Klaro, mehr Lebensqualität auf jeden Fall - denn mancher Konsum dient zudem der Erweiterung unseres Bewusstseins...

  • Das ist vor allem eine Möglichkeit für die, die die Wahl haben. Sozusagen eine Luxusentscheidung.

    • @Gustav Gantz:

      Es ist erst dann eine Entscheidung, wenn mensch es nicht ohnehin machen muss.



      Doch umso wichtiger also, um Genug-für-sich mit Genug-für-alle zu kombinieren, finden Sie nicht?

    • @Gustav Gantz:

      Im Gegenteil - es ist für fast alle eine freie Entscheidung sich so mehr "Luxus" zu ermöglichen. Sprich Zeit oder einfach Geld für andere, wichtigere Dinge auszugeben. Die Wahl hat eigentlich jeder, der selber Geld ausgibt (für Dinge, Kleider, Zigaretten, ....)

      • @T-Rom:

        Kommt immer drauf an. Es gibt Verzichte, die schonmal Geld kosten anstatt zu sparen.



        Aber auch ansonsten ist es einfacher mit Freude auf den 3. Urlaub im Jahr zu verzichten, als mit Freude auf die einzige Urlaubsreise im Jahr zu verzichten.



        Deswegen ist ein solcher Gastkommentar von einer Person, die wahrscheinlich zu den oberen 20% der Geschellschaft gehört immer etwas schwierig.

      • @T-Rom:

        Sag das mal der 8% Weltbevölkerung, die aktuell an Hunger leiden.

      • @T-Rom:

        Und wer bestimmt, was wichtig ist? Ich glaube, diese Entscheidung obliegt in einer freien Welt jedem Einzelnen, und konsumiert wird von denen am meisten, die das Geld dazu haben. Der Autor als Investment Director bspw. muss vermutlich alles andere als den Euro zweimal umdrehen… und hat entsprechend gut reden, ist seine Lebenswelt vermutlich von Verschwendung geprägt.

  • Man sollte Verzicht aber auch nicht derart romantisieren, denn in der Regel verzichten diejenigen, die ohnehin schon recht bewusst leben, während die anderen, die eigentlich wirklich im Überfluss leben, überhaupt nicht darüber nachdenken. Und von dem Verzicht, den nicht unwesentliche Teile unserer Bevölkerung leben müssen, weil sie eben nicht anders können, müsste man auch mehr sprechen. Verzicht als Tugend können sich nämlich nur die leisten, die ohnehin schon privilegiert genug sind.

    • @White_Chocobo:

      Fordern wir doch die Feisteren auch mal wieder moralisch, warum denn auch nicht.



      Einige haben so extrem viel: Wenn die das komplett durchprassen statt auch mal anzuhalten und nachzudenken, und auch wenn wir viele das täten, dann liefe es offensichtlich falsch.

  • Aber bitte nicht vergessen oder -wie meist - geschehen, dass das Menschsein immer "im Schatten von Trieb, Lust und Gewalt" funktioniert.

  • Der Autor arbeitet mehrfach heraus, warum Verzicht uns nicht leicht fällt, nicht als Individuum oder als Gesellschaft. Er postuliert aber, dass Verzicht uns eigentlich zum Vorteil gereicht, unser Leben gar bereichert. Leider arbeitet er diesen, aus meiner Sicht, entscheidenden Punkt nicht heraus. Er bleibt abstrakt. Aber gerade wenn man versucht, unsere Perspektive auf Verzicht zu ändern, braucht es mehr als abstrakte Beschreibungen. Beispiel Reisen: Wenn ich nicht reise, um meine Familie zu besuchen, ist das Verzicht, aber für mich keine Bereicherung, im Gegenteil. Letztlich postuliert der Autor ein ganz neues Gesellschafts- und Wirtschaftssystem und verpasst es, dies greifbar zu untermauern.

  • Man sollte aufhören in diesen Zusammenhängen von Verzicht zu sprechen. Kein Auto zu fahren beispielsweise ist ein großer Gewinn für Gesundheit, Umwelt, Geldbeutel, soziales Miteinander usw..

    • @guzman:

      Das ist zwar einerseits richtig, nämlich gesamtgesellschaftlich, aber halt auch für die meisten Unfug, individuell.



      Wenn man in Berlin Mitte oder Hamburg lebt ist das natürlich das eine, an anderer Stelle heißt das kein Weicheneinkauf, deutlich längere Arbeitswege, deutlich eingeschränkte Freizeitoptionen, etc pp.



      So einfach ist das halt nicht wirklich

    • @guzman:

      Kein Auto zu fahren...

      sprach der Bewohner einer Großsstadt, bevorzugt Berlin. Wer auf dem Dorf wohnt, guckt dumm aus der Wäsche.

    • @guzman:

      Aber kein Verzicht wenn man keinen Führerschein/Fahrzeug hat.



      Dann ist es einfach Konsequenz, natürlich mitsamt positiven sowie negativen Aspekten.



      Wenn ich stattdessen mit den Öffis fahre und mich anstecke oder auch nur psychisch malträtiert werde, ist es zB nicht so mit den + an Gesundheit.



      Ich sehe das Auto als absolutes plus an sozialen Miteinander da man mobil und unabhängig ist, sowie noch jemanden mitnehmen kann.



      Wären Öffis mich jedes Mal sozial anstumpfen und an der Menschheit verzweifeln lassen (ok säße ich am Steuer wäre das vermutlich genauso.

    • @guzman:

      Kein Auto zu fahren ist sicherlich kein Gewinn für das soziale Miteinander. Das soziale Miteinander in Berlin ist für mich der Hauptgrund, ein Auto zu fahren.

  • Freiheit ist für mich zu wissen, dass ich könnte, wenn ich wollte.



    Marina Schwarzmann:



    www.youtube.com/watch?v=Vz7DNFNWbIw



    Wenn meine Grundbedürfnisse (saubere Luft zum Atmen, sauberes Wasser zum Trinken und für Hygiene, genügend und gesundes zu Essen, warme Klamotten, ein trockenes Dach über dem Kopf, eine funktionierende Gemeinschaft um mich) befriedigend gedeckt sind, ist alles weitere eine Zugabe bzw. Luxus.



    Ob ich das brauche, kann ich selbst entscheiden => das ist für mich Freiheit

    • @Karl Theurer:

      Im Prinzip stimme ich ihnen zu. Allerdings, wenn die wirklich lebensnotwendigen Dinge abgedeckt sind, kommen noch die Dinge, die das Leben erst lebenswert machen - wobei die wohl jeder anders bestimmt und auch, wo die Grenze zwischen Lebensverschönerung/Zusatznutzen und Luxus beginnt. Ist ein gelegentlicher Restaurant- , Kino- oder Fußballspielbesuch noch ein sinnvolles Freizeitvergnügen oder schon Luxus? Als Student war das für mich aus finanziellen Gründen Luxus, heute stelle ich mir eher die Frage, ob ich dafür meine Freizeit nutze, oder lieber für was anderes. Den Luxus, den ich mir heute gönne, ist eine schöne Uhr, die ich mir selbst zu Weihnachten schenke, oder ein teueres Hotel im Sommerurlaub. An einem langen Wochenende dagegen in einer fremden Großstadt genügt mir auch ein einfaches, preiswertes Hotel, Hauptsache, das Zimmer ist sauber und Bad und Toilette sind dabei, denn außer zum Schlafen werde ich das Zimmer nicht nutzen. Für andere dagegen sind Urlaub an sich schon ein Luxus.

    • @Karl Theurer:

      Ihre Grundbedürfnisse machen sie aber unfrei. Denn nicht jeder kann sich ein eigenes Dach über den Kopf leisten, oder Hygiene, oder auch nur Nahrung (ob gesund oder nicht).



      Bei der Befriedigung von Luxusbedürfnissen spielt übrigens oft die Psyche mit rein. Schön dass sie sich da frei wähnen.



      Sind Sie aber unter Umständen nicht den Rest Ihres Lebens, was ich Ihnen natürlich trotzdem wünsche.

  • "Psychische Reife ist keine Privatangelegenheit, sondern eine gesellschaftliche Voraussetzung für ein im ökologischen Sinne maßvolles Leben."



    Wohl wahr. Allerdings wird die Bildung psychischer Reife durch gewisse Traditionen in den verschiedenen Gesellschaften systematisch verhindert.

    • @aujau:

      Das, was sie antworten, tut gut! Darf ergänzen: Auch Religionen verhindern psychische Reife und schaden der psychischen Gesundheit. Erlaube mir noch den Hinweis: Wäre es denn von Übel, wenn dieses Monster Mensch von dieser wunderschönen Erde verschwinden würde?

      • @Struppo:

        Das Monster Mensch sollte vor allen Dingen am Anfang seines Lebens Verständnis, Zuneigung, Geborgenheit und Sicherheit erfahren. Dann sähe die Welt in vieler Hinsicht anders aus. Leider ist die Tradition weltweit oft eine Andere. Alternativen gibt es in einigen Gesellschaften durchaus. Man lese dazu u. A. Alice Miller.

      • @Struppo:

        Und wer soll dann diese wunderschöne Erde bewundern? Deshalb sind wir doch auf die Welt gekommen - damit wir bezeugen, dass es diese schöne blaue Insel inmitten der unendlichen Weiten des Alls auch wirklich gibt. Also sollten wir alles dafür, unseren Planeten zu erhalten, damit auch die, die nach uns kommen, ihn genießen und bewundern können.



        P.S. Nur der Mensch hat diese Fähigkeit - dem Tier ist der Planet wurscht. Das Tier steht nicht auf einem Berg, blickt ins Tal hinab und ist von der Schönheit der Landschaft bewegt und manchmal sogar überwältigt.

  • Er beschäftigt sich laut Profil damit, wie die Nachhaltigkeitstransformation in Unternehmen gelingen kann.



    Da wundert es mich doch sehr, dass er bei seiner Aufzählung, auf was man verzichten kann "Flüge, Autofahrten, Fleisch, Alkohol, Zucker, Zigaretten, TikTok..." eine Sache vergißt: Profit.



    Wieviel mehr wäre gewonnen, wenn Unternehmen einfach mal auf etwas Profit verzichten und z.B. sagen: Gut, mit e-Autos verdienen wir im Augenblick zwar weniger als mit Verbrennern. Aber wir konzentrieren uns trotzdem auf e-Autos. Oder sagen: Ok, durch die Transformation zu erneuerbaren Energien ist unser Profit im Augenblick zwar etwas geringer, aber wir machen es trotzdem.



    Nur so kann unsere Gesellschaft klimaneutral werden. Wenn ich 20% weniger mit meinem Verbrenner fahre, ist das zwar besser für die Umwelt. Aber klimaneutral werden wir nur, wenn nur noch e-Autos statt Verbrenner produziert werden. Und wenn wir 20% weniger Strom verbrauchen, ist das zwar besser für die Umwelt, aber klimaneutral wird es erst, wenn der gesamte Strom durch erneuerbare Energien erzeugt wird.

    Daher ist dieser Artikel für mich ein Versuch mehr, von der Verantwortung der Unternehmen für die Katastrophe abzulenken.

    • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      "Wieviel mehr wäre gewonnen, wenn Unternehmen einfach mal auf etwas Profit verzichten und z.B. sagen: Gut, mit e-Autos verdienen wir im Augenblick zwar weniger als mit Verbrennern. Aber wir konzentrieren uns trotzdem auf e-Autos."

      Ein Unternehmen, welches nicht gewinnorientiert arbeitet, ist keines. Und ein Unternehmen, welches aus ideologischer Sicht Produkte herstellt die vom Konsumenten verschmäht werden, macht nicht "weniger Gewinn", sondern Verlust.

    • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      "Profit" ist so ein schöner, marxistischer Kampfbegriff, der die Sinne vernebelt. Nennen wir es lieber Gewinn.



      Was ist Gewinn? Er ist das einzige, das ein Unternehmen hat. Alle anderen Einnahmen sind schon weg, bevor sie eingehen. Löhne und Gehälter mögen noch nicht ausbezahlt sein, aber die Arbeitsverträge gelten. Für Mieten, Steuern und Materialeinkäufe gilt dasselbe.



      Ausnahmslos alle unternehmerischen Entscheidungen, sei es die Umstellung einer Produktionslinie vom Verbrenner auf Elektro oder sonst etwas, haben zuerst einmal dies gemeinsam, sie kosten Geld. Ohne Gewinn, bleiben sie Wunschtraum.



      Ein Unternehmen ohne Gewinn ist tot, es weiß es nur vielleicht noch nicht. Es atmet zwar noch, liegt aber reglos und kann sich nicht bewegen.

      • @Axel Berger:

        "Ein Unternehmen ohne Gewinn ist tot, es weiß es nur vielleicht noch nicht. Es atmet zwar noch, liegt aber reglos und kann sich nicht bewegen."

        Das gilt für kleine und mittlere Unternehmen. Ist ein Unternehmen groß genug, und börsennotiert, siehts anders aus.

        Uber ist nur ein Beispiel unter vielen. Der erste ausgewiesene Gewinn war 2023. Tesla ein weiteres, da war 2020 das erste Mal Gewinn vorhanden.

      • @Axel Berger:

        Ich habe nicht davon gesprochen, dass ein Unternehmen keinen Gewinn haben soll, sondern davon, dass es mit sich für eine bestimmte Zeit mit weniger Gewinn zufrieden geben soll. Damit es mehr investieren kann und dann eben nicht in naher Zukunft reglos und tot ist, sondern dann später wieder gedeiht. Wie die deutschen Autohersteller, die jetzt mal eine Phase akzeptieren müssten, bei der sie nicht jedes Jahr 10 Milliarden oder mehr an Gewinn einfahren, sondern eine Zeitlang in die e-Automobilität investieren müssten, damit sie nicht in dem Augenblick, in dem andere e-Autos billiger herstellen können als Verbrenner, tot sind.

    • @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Wieso - wenn der Konsument nur noch e-Autos kauft, dann muss sich der Produzent anpassen. So einfach ist das!

      • @Il_Leopardo:

        Genauso ist es. Und wenn Verbraucher zu wenig eAutos nachfragen, werden eben hauptsächlich Verbrenner produziert.

      • @Il_Leopardo:

        Nein so einfach ist das nicht. So einfach machen sich dies verschiedene Personen!



        Das ist die neoliberale Märchenerzählung, dass Unternehmen für nichts verantwortlich sind, weil sie ja das produzieren, was die Menschen kaufen. Das missachtet, dass Menschen manchmal viel lieber etwas anderes kaufen würden, wenn sie denn die Chance hätten, das zu kaufen.



        Und die Entscheidung der Unternehmen geht oft nicht danach, was Menschen kaufen möchten, sondern danach, womit die Aktionäre das meiste Geld verdienen können. Die Theorie dahinter ist, dass es moralisch einwandfrei ist, so viel Geld verdienen zu wollen, wie immer es geht, selbst wenn man damit die Natur zerstört, das Klima zerstört, die Gesundheit von Menschen schädigt oder sogar zum Tod von Menschen beiträgt. Nein, das ist es nicht. Das ist nicht moralisch einwandfrei.

  • Ich boykottiere neu gekaufte Kleidung. Weil diese unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt werden. Weil das Neukaufen und Wegschmeißen die Umwelt belastet. Weil Mode Menschen psychisch manipuliert.

    Wenn ich also mit kaputten Turnschuhen oder zerissener Hose in der Rigaer laufe, sollte ich deswegen Applaus bekommen. Stattdessen Unverständnis. Warum?

    Ist es so schwer, etwas zu kritisieren, es also zu boykottieren, und nicht nur Theorie ist oder ein simpler Gedankengang, sondern gleich in die Praxis umsetzen? Ist es der Neid der anderen, die im System gefangen sind?

    Und ich will garnicht mit Veganismus bzw. der allgemeinen Esskultur anfangen. Alle schreien, McDonalds soll niedergebrannt werden, alle schreien #lapcoffeescheiße, was ja gute Gründe hat. Haben wir sie etwa vertrieben? Stattdessen laufen welche mit "Smash Capitalism"-Jacke im Burger King herum.

    Reisen geht auch garnicht, solange es nicht zu Fuß, auf dem Rad oder mit der Bahn ist. Vor wenigen Jahren aber meinten Klimaaktivisten nach Bali zu fliegen.

    Da hat es die politisch andere Seite leichter. Unsere Feinde stört es nicht, widersprüchlich zu handeln: Den Chinesen scheiße finden, aber bei Temu bestellen.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Sie müssen keine neu gekaufte Kleidung tragen, es gibt auch Second-Hand-Boutiquen. Aber warum sollte ich ihnen für zerissene Kleidung Beifall spenden, können sie die Kleidung nicht flicken oder stopfen? Das wäre wirklich nachhaltig, denn dann hält die Kleidung auch länger, weil angerissene Stellen immer weiter aufplatzen und weiter einreissen.



      Es gibt übrigens die Möglichkeit, neue Kleidung auch mehr als einmal zu tragen, sie müssen nur ein bisschen auf Qualität achten. Meine "schwere" Winterjacke ist inzwischen 15 Jahre alt, hält aber immer noch bei tiefsten Temperaturen warm. Lediglich die Ärmel mussten mal genäht werden, die waren an den Rändern etwas ausgefranst. Die "leichte" Winterjacke habe ich vor vier Jahren gekauft und sieht aus wie neu. Beide Jacken habe ich in Offenbach im Laden/Kaufhaus kurz nach Weihnachten gekauft, als die Preise sich im inoffiziellen Winterschlußverkauf halbiert hatten. Die dicke Winterjacke wurde sogar in Deutschland hergestellt, die leichte ist allerdings "made in Vietnam".

      • @Offebacher:

        Nirgendwo habe ich geschrieben, dass ich Secondhand boykottiere. Nur NEU gekauft.



        Manchmal hole ich aber auch was aus dem Altkleidercontainer, was z.B. einfach so neben dran liegt, statt im Container.

        Und mittlerweile wissen Textilkonzerne den Trick des Reparierens. Versucht man, den Flicken zu Nähen, reißt um die neue Naht die Kleidung wieder nach wenigen Male Tragen ein. Weil die Webtechnik so gestaltet ist, dass eine Reparatur mit der Nadel die feinen Maschen lockert, und so größer werdende Löcher produziert.

        Aber um das geht es mir nicht, es ist doch immer dasselbe, auch bei den Linken: Adidas, Puma, Shein, Temu kritisieren, aber selbst was gekauft haben. Die rechte Seite findet Heuchelei in Ordnung, aber bei den Linken kommt die Erklärungsnot. Und wenn ich eine Lösung finde, dann gibt es Empörung. Wie, wenn klammheimlich das Shopping doch den eigenen Geist befriedigt. Ist halt keine Vorbildfunktion.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Gucken Sie sich mal Wijld an. Produzieren in Portugal, Klamotten aus Holz, produziert nachhaltig, umweltfreundlich.



      Und fühlen sich ziemlich gut an, die Sachen.



      Und nein, ich bekomme keine Prämien für Werbung.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Ich finde nicht "den Chinesen" unangenehm, sondern unsere eigene Staatsführung, die uns in die totale Abhängigkeit führt. Wenn ich für sehr viel mehr Geld bei einem "deutschen" Anbieter auch nur "made in China" kaufe, hilft das gegen das eigentliche Problem gar nichts. Ich unterstütze nur mit meinem Geld diejenigen, die aus der Zerstörung auch noch Profit ziehen.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Man kann ja auch gebrauchte Kleidung kaufen, ohne dass diese zerrissen oder kaputt sein muss, für kaputte Turnschuhe würden sie von mir auch keinen Applaus bekommen, gebrauchte Kleidung heißt ja nicht automatisch, dass ich wie der letzte Ussel rumlaufen muss. Wenn sie das tun wollen ist das voll okay, aber dann erwarten sie bitte auch keinen Applaus.....

    • @Troll Eulenspiegel:

      Na ja, nicht gleich so übertreiben. Zwischen Kaufwahn und Herumlaufen in zerrissener Kleidung gibt es ja noch verschiedene andere Möglichkeiten - z.B. die Kleidung second-hand zu kaufen.

  • Grundsätzlich stimme ich dem Artikel voll und ganz zu. Im puncto Reisen schränken wir uns schon längst ein, kaufen, soweit möglich, biologisch erzeugte Lebensmittel und ökologisch erzeugte Produkte und versuchen, nicht unbedingt nötige Anschaffungen zu vermeiden. Der Haken ist aber der, dass ich, wie eine ganze Reihe andere Menschen, die nicht jeden Cent umdrehen müssen, dies kann. Ein großer Teil der Bevölkerung aber kann sich gar nicht mehr einschränken, weil er sich schon am unteren Existenzrand befindet. Wer zusehen muss, dass das Geld noch bis zum Monatsende reicht, kann nicht schauen, ob das Produkt, das er gerade kauft, nachhaltig ist. Er muss auf den Preis gucken und dann das billigste Produkt nehmen. Ein ökologisches Bewusstsein und Handeln erfordert immer auch Gerechtigkeit. Solange wir diese aber in unserer Gesellschaft nicht hinbekommen, bleibt der Verzicht ein Privileg der Besserverdienenden.

    • @StephanBerlin:

      "Verzicht" bedeutet nicht, dass man ein hochwertigeres (nachhaltiges, biologisches,....) Produkt kauft.



      Verzicht bedeutet dass man das Produkt gar nicht kauft.



      Nebeneffekt: man hat Geld übrig für andere Dinge (die einem vielleicht sogar im Endeffekt wichtiger sind)

    • @StephanBerlin:

      „Biologisch erzeugte Lebensmittel“ (was sind dann nicht-biologisch erzeugte Lebensmittel? Steine?) als Beispiel für „Verzicht“ zu nennen, ist bei bis zu 25% höherem Flächenverbrauch für jene Lebensmittel schon ein bisschen witzig.

  • Absolute volle Zustimmung. Weniger ist Freiheit und Selbstbestimmung.



    Wir müssen die Diskussion über "Was ist Wohlstand?" führen. Das denke ich jedes Mal, wenn ein Politiker von "Wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen, dann müssen wir...." spricht.

    • @sujall:

      Ich denke jedes mal, dass die Majestäten nur im königlichen Ich "unseren" Wohlstand meinen können.



      Wie viele Unternehmen kennen Sie wo der Gewinn wirklich denen zufällt die ihn erarbeiten?



      Schon immer so. Das ist der Wohlstand von den da gesprochen wird.

  • Der Verzicht auf Dreck in der Umwelt, Lärm und andere Dinge, auf die man gut verzichten könnte, scheitert daran, dass mehrheitlich darauf verzichtet wird, den Verstand einzusetzen.

    • @Erfahrungssammler:

      Es liegt an Ihnen auf Freizeit zu verzichten und den Müll aus der Umwelt zu entfernen.



      Lärm ist doch super easy zu begegnen in Zeiten von Oropax und Noise-Chacelling usw.



      Wie kommen sie darauf für andere entscheiden zu können auf was diese verzichten können?



      Leben sie doch vor wie das ganze mit Verstand geht, das Ergebnis sollte ihnen recht geben wenn sie es richtig machen ;)

      • @Das B:

        Mir war bisher gar nicht bewusst, über was ich für andere entscheiden kann.

        Mir geht es mit ungefragten Ratschlägen wie Ihnen mit nicht getroffenen Entscheidungen.

  • Ich habe kein Fahrzeug. Mache keinen Urlaub, der würde eh nicht mehr helfen, und besitze kein Eigenheim. Benutze Kleidung bis sie praktisch irreparabel ist. Ansonsten mache ich von dem Konsumtheater eh nicht viel mit. Ohne Belege wirkt der Autor auf mich verdächtig nach einem weinsaufenden Wasserprediger.

    • @Wirrwicht:

      Bei mir auch so. Also zumindest was Fahrzeug (kein FS), Urlaub (Kulturbanause), Eigenheim (Arbeiterkind das selber nur arbeitet - also keine Kohle für sowas) und Kleidung nutze ich ebenso und dann noch meist Secound Hand (weil es mir egal ist solange es warm hält). Nur ist nichts davon Verzicht. Denn ich möchte das nicht. Verzichten kann man nur auf Dinge die man eigentlich will.



      Allerdings haben wir dafür genauso wenig Belege. Wie soll man auch etwas belegen das man nicht hat?



      Ich halte solche Texte auch für unglaubwürdig - jeder hat sein eigenes Leben und sollte auch nur dieses bewerten, jedoch sind ihre Vorwürfe ebenso haltlos ;)

  • Ich bin ja grundsätzlich sehr einverstanden und ganz mit dabei, ewig nicht geflogen etc.

    Praktisch ist aber selbst das ganz einfache Leben nicht ganz billig.



    Einfache Wohnungen oder Häuser werden z. B. energetisch saniert, wie auch immer. Sinnvoll wie auch die teuren E-Autos, die durch schlechte Öffis auch unentbehrlich bleiben könnten. Alles aber leider sehr technisch. Und nicht so einfach.

    Wir können auch nur in der Großstadt leben, weil wir sehr früh unter Nutzung aller Subventionen eine kleine Wohnung kaufen könnten. Wäre heute unmöglich, die gleiche Wohnung zur Miete spätestens als Rentner unbezahlbar.

    Naja, wir arbeiten dran.

  • "Let's go shopping!":



    "Es gibt glaubwürdige Daten dafür, dass die Erde die Exzesse des Menschen nicht überstehen kann. Die Entwicklung von Atomwaffen, unkontrollierte Vermehrung, die Verschmutzung des Meeres, des Landes, der Luft, der Umwelt. Die "Verrückten", die den Untergang vorhersagen, haben doch recht. Und das Motto des Homo sapiens "Gehen wir einkaufen" ist der Verzweiflungsschrei des wahren Irren. (aus The Twelve Monkeys, 1975).

  • Verzichtkultur ist sicher gut, aber: es ist erwiesen, dass die Lebensweise von einzelnen weniger Einfluss hat als Engagement um gesellschaftliche Zustände zu verändern. Ein Beispiel: es ist definitv anstrengender und zeitaufwendiger mit dem Bus/Zug nach Spanien zu reisen, als zu fliegen. Da fliegen subventioniert wird, Klimaschäden nicht eingepreist werden, ist es dann oft auch billiger, genauso wie billiges Fleisch uvam, was dann auch noch alles massiv beworben wird. Unter diesen Umständen die Verantwortung auf die komplett Einzelnen zu schieben, ist m.E. kontraproduktiv und nützt den Hautverantwortlichen, wie den fossilen Energeikonzernen. Nicht umsonst hat BP den individuellen CO-Fussabdruck gehypt. Der maßlose Luxus der Superreichen und der wachsenden Ungleichheit ist ebenso Teil des Problems. Dem ist mit individuellem Verzicht nicht beizukommen. Es braucht, vor allem, politische Maßnahmen, eine andere Wirtschaft, system change!

  • Der Gastkommentar bringt es sehr gut auf den Punkt.

    Ich hoffe, dass dieser auch von den Moderatoren wahrgenommen, verstanden und berücksichtigt wird, wenn es darum geht, im Wahlkampf hohle Phrasen wie "Wir lösen die Probleme nicht durch Verbieten, sondern durch Technik und Innovation" (FDP, Linder).



    Diese Narrative fanden ungehinderte Verbreitung, weil die Moderatoren in Funk und vor allem Fernsehen derart oberflächlich moderieren, dass man nur fassungslos abschalten kann.

  • Konsequent zu Ende gedacht, bedeutet das aber auch einen anderen Anspruch an Gleichheit. Ich habe in meinem Leben einige glückliche Menschen kennengelernt, die den Wert ihres Lebens nicht an den materiellen Maßstäben anderer ausgerichtet haben - und gut mit diesem Ansatz gelebt haben. So unterschiedlich, ja insgesamt inkompatibel die jeweiligen Begründungen und Erwartungen auch waren, für sich genommen hatten sie aus meiner Sicht alle recht. Aber gesamtgesellschaftlich hätte man selbst den selbst als sinnstiftend erfahrenen Verzicht nicht massenkompatibel formulieren können. Von daher wäre es vielleicht wirklich sinnvoller, nicht so sehr auf gleiche Einschränkungen für alle zu setzen, sondern eher die Lust auf individuelle Beschränkungen zu fördern. Davon sind wir in diesem Land mit unseren derzeitigen Vorstellungen allerdings weit entfernt.

  • Hm: Und was sagt Kommentator Nr 1 Helmut van der Buchholz?

  • Kann man, wird aber wahnsinnig schwer werden weil der Schaumschlägerfeudalismus (Promis aus Fernsehen, Internet, Sport) immer dazwischen funkt. Da wird ja in der Werbung so mit dem Arsch gewackelt, dass die Türen der Konsumtempel von alleine aufgehen. Wer kann da widerstehen?

    Oder wie zuletzt der Jan Hofer, der sich ironisch beim NABU bedankt hat, dass der gegen die Freigabe von Streusalz in Berlin geklagt und gewonnen hatte. War ja in der Presse ein großer Aufriss mit riesiger Zustimmung. Sich für andere Möglichkeiten stark zu machen war ihm nicht möglich. Auch hat er vergessen zu sagen, bei wem sich die Alten bedanken können, die sich zu Hause durch einen Sturz einen Oberschenkelhalsbruch holen. Das dürften um den Faktor 10000 mehr sein. Im Zweifelsfall ist aber bestimmt auch der NABU schuld.



    Da müssen sich die Parteien aus dem linken politischen Spektrum an die eigene Nase fassen, denn die haben diese Entwicklung bis heute nicht kapiert und deshalb nicht auf der Agenda. Können sich also eine Mitschuld daran geben, wenn das mit der gerechteren Gesellschaft nicht so richtig klappen will. Wer zuletzt kommt, den bestraft das Leben. Ist aber auch schon länger bekannt.

  • Es geht doch nicht darum was ein Herr Merz dazu sagt.



    Was sag ich selbst dazu, und kann ich danach handeln.

  • Der Autor des zum Verzicht aufrufenden Artikels ist "Investment Director" der PRA Group Deutschland GmbH sowie als Lehrbeauftragter bei der FOM - Fachhochschule für Oekonomie und Management, Hamburg, Dozent für Vertriebsmanagement und digitale Transformation (s. hier: www.xing.com/profile/Udo_Kords ). Investment und Vertrieb - so richtig nach Verzicht sieht das nicht aus. Investment soll Gewinne abwerfen, und Vertrieb funktioniert durch das Wecken von neuen (Konsum-)Bedürfnissen bei den Kunden. Wahrscheinlich sind mit dem "Wir", das hier zum Verzicht aufgefordert wird, mal wieder die anderen gemeint.

  • Eigentlich kann ich voll zustimmen. Sowohl im Ausweg als auch den psychologischen Schwierigkeiten das umzusetzen. Oder um es kurz und knapp zusammenzufassen:

    Wir machen Jobs, die wir hassen,



    um Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen,



    um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen….

    • @Strolch:

      Dazu sollte aber das private Einkommen und Vermögen begrenzt werden. Denn wer es sich leisten kann, der kauft sich eher neue Gebrauchtgegenstände. Ob die alten dann immer wiederverwertet werden ist die große Frage. Wir kaufen ja zum großen Teil auch, weil manche Sachen nicht mehr so gut oder schön sind und das Geld zur verfügung steht. Dem werden sie nicht beikommen, solange oben vorgemacht wird, dass das doch ein ganz schönes Leben ist. Ohne Umverteilung kein Klima- und Umweltschutz. Und unten die bekommen dann das Geld nicht, um schön shoppen zu gehen, sondern sich ökologisch und menschenwürdig hergestellte, teurere Waren, leisten zu können. Wenn wir den Sinneswandel nicht hinbekommen, können wir einpacken.

    • @Strolch:

      "Am Ende hängen wir doch ab von Kreaturen, die wir selbst machten" ;O) Faust 2

  • Danke für diesen Beitrag!

  • Da rüttelt einer aber ganz schön am System. Ich höre schon die Bedenken: Wenn alle verzichten, wie gibt es denn genug Arbeit? Und die viele Arbeit braucht man doch, damit die Leute konsumieren können. Das will man uns auf einmal nehmen? Und was wird ein Friedrich Merz dazu sagen?

    • @Helmut van der Buchholz:

      Arbeit im Umweltschutz und sozialen Bereichen gibt es genug. Mehr als genug.

      • @aujau:

        Ja, aber die produzieren nichts, die leben von anderen. Schaffen Sie das Produzierende Gewerbe ab, ist nichts mehr da was Umweltschutz und sozialen Bereich finanziert.

        • @Donni:

          So manches produzierende Gewerbe schädigt die Umwelt. Bekleidungsindustrie zum Beispiel könnte viel umstellen und auch dadurch vielleicht Arbeitsplätze schaffen. Umweltsanierung, Recyclingwirtschaft fallen mir da auch noch als Korrektiv für den Produktionssektor ein. Man müsste da mal mehr forschen und investieren anstatt immer nur in das Drill Baby Drill und Überproduktion. Brauchen wir wirklich z. B. jedes Jahr ein neues Handy?

        • @Donni:

          Das ist ja wieder mal eine total lustige Aussage bzw. Verdrehung der Realität. Es fängt schon mit der Arbeit Ihrer Mutter an. Sie ist zu keinem Zeitpunkt darauf angewiesen gewesen, dass da draußen Leute Artilleriegranaten produzieren, um Sie auf die Welt zu bringen und zu versorgen (das haben Menschen übrigens schon Jahrtausende lang ohne "Produzierendes Gewerbe" getan). Aber Sie wären nie erst in die Lage gekommen, Artilleriegranaten zu produzieren, wenn nicht Ihre Mutter zuerst mal die "Arbeit im sozialen Bereich" gemacht hätte...

          Die andere Frage ist, allerdings - wie immer - ob Arbeit per se erwerbsförmig sein muss. Sie ist es heute - rein statistisch - jedenfalls schon mal nicht.

    • @Helmut van der Buchholz:

      Es gibt so viele Stellen, an denen gerade tatsächlicher Verzicht notwendig wird. Einrichtung von Schulen zum Beispiel. Betreuung von Kindern, Kranken und Betagten. Renaturierung von zerstörten Habitaten. Ausbildung von Menschen mit wie auch immer gearteten Startschwierigkeiten. Soziale Teilhabe für Menschen, die sich die Theaterkarten nicht leisten können. Mit mehr Zeit würde mir sicher noch mehr einfallen.

    • @Helmut van der Buchholz:

      Eine Gesellschaft, die es sich leistet, jedes Jahr Arbermilliarden in ein werbefinanziertes Free-TV und Internet zu buttern, hier überweist die Wirtschaft Geld an die Wirtschaft und macht nebenher noch A-Z "Promis" die auskömmlich unterhalten werden, übrigens vom Geld was den Arbeitern*innen zusteht, wird das schaffen können, wenn sie sich entscheiden kann, was ihr wichtig ist. Oberflächlichkeit und Konsum oder eine soziale Gesellschaft.

    • @Helmut van der Buchholz:

      Das wird Onkel Merz aber gar nicht gefallen ;-)

    • @Helmut van der Buchholz:

      Naja, wie das eben so ist mit der Gewohnheit und dem täglichen Trott, worin man sich eben irgendwie eingerichtet hat...



      Arbeit wird es aber auch weiterhin genug geben. Nur die klassische Vollzeiterwerbstätigkeit wird's wohl nicht mehr sein.

    • @Helmut van der Buchholz:

      Wer weniger konsumiert, braucht weniger Geld, also auch weniger Arbeit oder?

    • @Helmut van der Buchholz:

      Und da wir nicht wissen was uns dann erwartet, machen wir lieber weiter wie bisher, da wissen wir wenigstens wo es hinführt.

    • @Helmut van der Buchholz:

      Der Punkt ist, dass der Verzicht die Lebensqualtät sichern kann, den Konsum aber reduziert. Diese Konsumreduktion ist Sand im Getriebe des global herrschenden Wirtschaftssystems, das seinen Wohlstand durch Wachstum generiert.



      Es prallen zwei Systeme aufeinander.



      Das eine ist ein menschengemachtes Wirtschaftssystem, das über Jahrzehnte steigenden Wohlstand generiert hat, das andere sind die Naturgesetze, die wir nicht verändern können und die uns auf den Boden der Tatsachen zurückholen werden.



      Wir wissen, ja, das unser Lebensmodell "Wirtschaftswachstum" drei Planeten benötigt. Der erste ist bald aufgebraucht. Nach Wachstum kommt der Zerfall. Die Transformation, die den Verzicht als Lebensweisheit begreift, hat die Chance, dem vorzeitigen Zerfall zu entkommen.

  • Ja, das ist alles richtig und nachvollziehbar und anzustreben, von denen die das so kennen und im Überfluss leben und nachvollziehen können mit dem 'Zuviel'. Jedoch ist das nur ein Bruchteil der Menschheit. Alle anderen haben dieses Gefühl (noch) nicht, dass von allem zuviel da ist. Die wollen da erst hin. Oder eben das alte Bonmot: "Wenn du verzichten willst nennt man das Reichtum, wenn du verzichten musst ist das Armut".



    Fazit: Alle die Herrn Kords zustimmen, den geht es sehr gut, ggf. zu gut!

    • @Tom Farmer:

      Die gesamte Menschheit betrachtet, mögen Sie recht haben.



      Doch hier in Europa verfügen selbst die Ärmsten über Konsumgüter, die für ein gutes Leben nicht wirklich notwendig wären.



      In dieser Schicht mit der Werbung für Verzicht anzufänge wäre dennoch falsch. Aber auch hier würden die meisten sich eher befreit fühlen, wenn wir mit dem Verzicht auf Werbung beginnen würden.



      Viele Bedürfnisse werden doch erst dadurch geweckt, dass es ein Konsumgut gibt, um es zu befriedigen.

  • Also auch weniger Gehalt? Weniger Urlaub? Weniger kulturelle Teilhabe? etc.

    • @Chris McZott:

      Kommt drauf an, was Sie mit Urlaub und kulturelle Teilhabe meinen.



      Weniger Urlaubszeit ist nicht nötig, weil weniger Produzieren die Wirtschaft nicht töten würde.



      Weniger spektakulärer Urlaub in Form von Kurztrips ans andere Ende der Welt, wäre durchaus ein sinnvolles Weniger.



      Das gleiche gilt auch für kulturelle Teilhabe. Es ist sinnvoller die Künstler um die Welt zu fliegen, als die Fans. Noch sinnvoller ist es, die Kunst selbst zu verteilen oder für Live-Auftritte regionale Künstler zu fördern. Konzerte von Mainstream-Artists sind nicht das Maß aller Kunst.

  • Ihr Artikel über Verzicht gefällt mir sehr! Vielen Dank für die guten Anregungen und wertvollen Geda.

    • @Karina65:

      I see what you did there. Also zumindest hoffe ich, dass es Absicht war.

  • Verzicht ist, wenn man trotzdem lacht.



    (Eigenzitat - Kommunemotto)

  • Ein Dozent für Vertriebsmanagement sowie Investment Director der PRA Group Deutschland in Hamburg präsentiert uns heute eine salbungsvolle Ansprache zum Thema Glücklichsein in Armut und Demut. Reiche können ja gern verzichten, mögen uns aber bitte mit diesem Nonsens verschonen wie gut sie sich dabei fühlen. Das ist ja noch ärgerlicher als die Scheinheiligkeit der Katholiken bei uns.

    • @Šarru-kīnu:

      Danke. Wie so oft bei Ihnen, genau auf den Punkt.