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Studie „Sozialstaatsradar“Großer Wunsch nach starkem Sozialstaat

Viele Menschen wünschen sich eine bessere Absicherung durch den Staat – bei Krankheit, Pflege und Rente. Dafür sind sie auch bereit, mehr zu zahlen.

Vorstellung des Sozialstaatsradars 2026 mit Anja Piel (Mitte) vom DGB Foto: dts Nachrichtenagentur/picture alliance

Nicht einen schwächeren, sondern einen stärkeren Sozialstaat wünschen sich die Menschen in Deutschland. Dafür sind sie auch bereit, mehr zu zahlen – zumindest, wenn die Regelungen als gerecht empfunden werden. Zu diesem Ergebnis kommt das am Mittwoch vorgestellte „Sozialstaatsradar“ 2026.

Wie schon im vergangenen Jahr befragten der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Arbeitnehmerkammer Bremen und die Arbeitskammer des Saarlandes erneut 3.000 Teil­neh­me­r:in­nen zu ihren Erwartungen an den Sozialstaat. Konkret ging es dabei um Gesundheitssystem, Pflege und Rente.

Das Ergebnis fasste Anja Piel, DGB-Vorstandsmitglied, so zusammen: „Die Menschen wollen ein solidarisches System für alle.“ Weiterhin lehne ein Großteil eine Privatisierung der Sicherungssysteme ab. Lieber solle der Staat das regeln.

Schwacher Sozialstaat nur für Millionäre

Bei der Pflege wollen 60 Prozent, dass private Zusatzzahlungen im Pflegefall entweder gedeckelt oder ganz abgeschafft werden. Zusätzlich bis zu 3.000 Euro zu bezahlen, wie es derzeit im Schnitt nötig ist, ist für viele nicht machbar. „Einen schwachen Sozialstaat können sich nur Millionäre leisten“, sagte Piel.

Bei der Rente sind etwa drei Viertel bereit, mehr ins System einzuzahlen. Zumindest, wenn das aktuelle Niveau gehalten wird und die Rente ein sicheres Leben im Alter ermöglicht. Statt Rentenkürzungen fanden die Befragten im Schnitt, dass die Nettorente etwa 70 Prozent des letzten Nettolohns entsprechen solle. Es gehe darum, den Lebensstandard zu sichern – nicht nur Armut zu verhindern, sagte Piel.

Vor dem Hintergrund wäre Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit seiner „Basisrente“ durchgefallen, hätte er es als Schularbeit abgegeben, so Piel über die jüngste Äußerung des Kanzlers. Zu Beginn der Woche hatte Merz von der gesetzlichen Rente als minimale Armutsabsicherung gesprochen.

Der Lohn, nicht das Alter entscheidet

Peer Rosenthal, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, betonte: Es gebe bei der Rentendiskussion nicht um den oft heraufbeschworenen Generationenkonflikt. Die Befragung ergab, dass ein Drittel der unter 30-Jährigen bereit ist, sogar deutlich mehr in eine gesetzliche Rentenversicherung zu zahlen. Nicht das Geburtsjahr, sondern das Einkommen bestimme darüber, ob jemand sich im Alter gut abgesichert fühle, sagte Rosenthal.

Ein wenig anders sehen es die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­te­r:in­nen beim Gesundheitssystem – obwohl auch da viele der Versicherten bereit wären, tiefer in die Tasche zu greifen. Das hält Thomas Otto, Hauptgeschäftsführer der Arbeitskammer des Saarlandes, aber für den falschen Weg, denn eigentlich sei hier genug Geld vorhanden. Aber die Verteilung sei ineffizient. Trotzdem hält er die Botschaft an die Politik für eindeutig: Leistungskürzungen für niedrigere Beiträge wolle niemand.

Alle sollen mitmachen

Ein weiterer Punkt sei wichtig: Damit der Sozialstaat funktioniere, müsse er sich gerecht anfühlen, so Otto. Gerade bei der Kranken- und Pflegeversicherung gebe es aber das Gefühl eines Zweiklassensystems. Das zeige sich etwa, wenn gesetzlich Versicherte viel länger auf einen Termin beim Facharzt warten müssen. „Das ist dem Sozialstaat nicht zuträglich“, so Otto. Die Befragung ergab, dass knapp 80 Prozent eine einheitliche Bürgerversicherung befürworten, mit der die Unterscheidung zwischen Privat- und gesetzlich Versicherten aufgehoben wäre.

Die aktuellen Debatten über Absicherungssysteme verunsichere viele, sagte Otto. Dabei seien Menschen bereit, für gute Absicherung auch Kosten zu tragen – es müsse nur für alle gelten: „Wer in den Sozialstaat investiert, investiert in die Grundfesten der Demokratie.“

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146 Kommentare

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  • Hallo, hier mal der Hinweis, dass Blackrock ein Volumen von 12,53 Billionen $ Vermögen verwaltet, das sind 12.530 Milliarden $.



    Zu der Frage woher nehmen der Sozialstaat sei nicht finanzierbar.



    Das ist falsch. Das Geld ist da. Es wird durch Arbeit produziert. Es ist nur Selbstbetrug sich in Arbeiter und Arbeitslose spalten zu lassen oder Gesunde und Kranke.



    Es ermutigt andere, wenn Sie gemeinsam Demonstrationen organisieren für die gleichen Rechte für alle.

  • Komisch, die Wahlergebnisse und aktuellen Umfragen sehen anders aus. Und eine deutliche Mehrheit i(63%) st zum Beispiel für Verschärfungen beim Bürgergeld. Wer bitte will freiwillig mehr zahlen damit es anderen besser geht? Ich kenne niemanden. Dann lieber weniger zahlen und das gesparte Geld für sich selber anlegen, damit man selbst abgesichert ist.

    • @AmArschderHeide:

      Die Leute wollen den Fünfer und das Weggli. Das geht nicht.



      Aber zumindest sollte der Staat dafür sorge tragen das jeder seinen Anteil auch leistet und nicht hinterzieht siehe CumEx.

  • Nur was bedeutet „gerecht“? Wenn ich wenig habe, ist viel Umverteilung gerecht. Wenn ich viel habe, ist wenig Umverteilung gerecht. Das Gerechtigkeitsgefühl der gleichen Person hängt von seinem Vermögen ab. Selbst wenn einer nichts macht und daher wenig hat, wird er es als gerecht empfinden, von anderen viel zu bekommen. Denn Nehmen macht doch glücklicher als Geben.

  • Ein starker Sozialstaat mit einer asozialen parasitären Regierung geht nicht. Warum rebellieren die Menschen nicht?

    • @AminaMia:

      Haben die Menschen doch bei der letzten BTW. Die Ampel ist weg.

      • @AmArschderHeide:

        Jo - und dabei war der eigentliche Hauptgrund - der Saboteur Lindner nämlich - schon vorher längst weg...

        Schaun Sie sich an, was wir stattdessen haben...

        • @Der olle Onn:

          Das sehe ich tatsächlich deutlich anders. Ich habe damals taktisch FDP gewählt. Und es war je auch das Zünglein der Vernunft. Bzw. Hat uns dann von einer RG Regierung erlöst. Jetzt ist nur Schade dass die CDU ständig von der SPD gebremst wird. Die Hauptprobleme der Deutschen waren laut Umfragen Migration, Bürgergeld und Wirtschaft. Die Maßnahmen gehen dank der SPD nicht weit genug, was die CDU schwächt und der AFD nützt.

          • @AmArschderHeide:

            @AmArschderHeide



            Irrtum, es waren die Indoktrinationen & Meinungsmache vieler Medien, die die Menschen glauben lassen sollten, Migration & Bürgergeld wären ihr Problem.



            Ein fulminantes Ablenkungsmanöver von der eigentlichen, verfehlten Politik.

    • @AminaMia:

      Lenin wird ja das Zitat zugeschrieben: „Wenn die Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen sie sich vorher noch eine Bahnsteigkarte!“. Dieser Satz ist ein bekanntes Klischee über deutsche Ordnungsliebe und Bürokratie. Es symbolisiert, dass Deutsche selbst bei einer Revolution noch Regeln befolgen würden.

      Und solange die Springerpresse (Bild, Welt) Werbung für neoliberale Politik macht - und die einfältigen Bürger nicht merken, dass sie am Nasenring durch die Zirkusmanege der Reichen gezogen werden - wird sich in diesem Land ohnehin nichts zum Guten ändern.

    • @AminaMia:

      Vermutlich geht es den meisten einfach gut genug. Und weil die Frage immer ist, was danach kommt. Insofern unerheblich oder?

  • Der Arme sagte zum Reichen , Du bist reich



    weil ich arm bin " ( frei nach Bert Brecht )



    Es wird sich nichts ändern, solange die



    bürgerlichen Parteien als Intressenvertreter



    des Kapitals regieren .



    Die SPD weiß überhaupt nicht was soziale Demokratie bedeutet , mit einer asozialen kennt sich gut aus , wie ihre Politik der letzten



    Jahrzehnte zeigt.

  • Man behauptet was für alle wo man nur 3000 Menschen gefragt hat? Wer waren die Menschen wo arbeiten und wo wohnen sie? Umfragen sind alle für die Tonne es ist wie mit Tempolimit und Klimaschutz es wird gesagt die Mehrheit ist dafür aber man findet die Mehrheit gar nicht

    • @Marcelo:

      Die Mehrheit - die Sie suchen - steckt in der Statistik. Mit mathematischer Statistik kann man aus einer Stichprobe mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung gewisse Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit schließen. Das Problem ist nur, dass der Bürger nicht mathematisch berechenbar ist und oftmals etwas sagt, was er politisch gerne hätte, dann aber am Ende doch gegen seine Interessen wählt.

      Der Kabarettist Volker Pispers drückte es mal so aus: "Der Durchschnittswähler wählt gegen seine eigenen Interessen. Er wählt die Leute, die ihn ausplündern, und schimpft hinterher auf die, die ihn davor gewarnt haben."

      Politiker setzen oft auf Angst (z.B. vor dem wirtschaftlichen Abstieg oder dem Verlust des Arbeitsplatzes), um Reformen durchzudrücken, die eigentlich nur einer kleinen Elite nutzen. Psychologisch gesehen nutzt die konservative-neoliberale Politik - und ihre "hauseigenen Medien" - tief sitzende Mechanismen aus, die den Verstand des kleinen Bürgers "kurzschließen".

      • @Ricky-13:

        Gut erkannt und ebenso beschrieben

      • @Ricky-13:

        @ Ricky-13



        Politiker steuern & lenken im Interesse der Industrie-, Wirtschaft- & Kapitalstrukturen. Sehr gut zu beobachten gerade in Bezug auf unsere Automobilindustrie, der Schwerpunkt wird z. Z. deutlich auf die Förderung / Subventionierung der Rüstungsindustrie gelegt.



        Die Mitarbeiter für die Rüstungsindustrie versucht man nun aus den freigestellten Mitarbeitern der Automobilindustrie zu akquirieren.



        Nichts wird dem Zufall überlassen und mit Kriegen wurde schon immer auf Kosten und des Lebens der Bevölkerung mega gut Geschäft gemacht.



        Für Kriege braucht man auch keine zufrieden Bürger, sondern unzufriedene Bürger und keine satten, trägen Untertanen.

  • Ein kleiner Funken zarter Protest sehe ich in der Präsentation dieser Umfrage. Eine Gegenstimme.



    Unglaublich wie da rumposaunt wurde, die SPD sei zu sehr die Partei der Bürgergeldempfänger. Als wäre der Seeheimer Kreis nach den Wahlen in BaWü und RLP auf die Afd eingeschwenkt.



    Alle müssen in Bündnissen für die Umverteilung der Vermögen von oben nach unten kämpfen. Es ist notwendig und möglich.



    Die Regierungen signalisieren immer, das sie das genau vermeiden wollen und schaufeln Summen von A nach B wie Jacques Tati. Schnapps! Die Schnapssteuer wollten sie vor kurzen erhöhen!



    Und wenn alle Arbeitslosen und alle Arbeitenden nun ganz viel Angst vor Strafe und Kürzungen haben - was ändert sich darmit? Wird dann ihre Arbeit oder das Bewerbungsschreiben besser? Ist es toll, wenn die Syrer/nnen in Dt. Angst haben? Wie dumm ist diese Ausgrenzungsmasche.



    Oliver Welke sagte bereits mehrmals in der ZDF-heuteshow, es gäbe nichts mehr zu verteilen. Beweisen wir das Gegenteil.



    Keine Kreuzfahrtschiffe, keine Privatjets, keine Superreichen.

    • @Land of plenty:

      Ob Supperreiche früher SPD gewählt haben, kann ich nicht sagen. Ich jedenfalls schon. Bürgergeld benötige ich nicht, ich sorge selbst für meinen Lebensunterhalt. Unverändert hätte ich gerne "gutes Geld für gute Arbeit". Das Problem ist allerdings nicht mehr mein Arbeitgeber - der sucht zB gerade verzweifelt Elektriker - sondern es sind die Abgabenmim Sizalversicherungsbereich, von denen ich selbst nichts habe. Die müssen runter und nicht rauf. Und zwar deutlich. Vorher ist das Thema SPD für mich gestorben, da diese Partei mich seit Jahren nicht mehr vertritt.

      • @Nachtsonne:

        @Nachtsonne



        Sozialversicherungsbereiche von denen Sie persönlich nichts haben ?



        Wir alle profitieren von dem sozialem Frieden im Land.

      • @Nachtsonne:

        Aber sollten Sie einmal arbeitslos werden, könnte es eben schnell anders aussehen. Diesen Schutz, den Sie dann genießen, müssen Sie eben auch zahlen.



        Viele Menschen finden aus verschiedenen Gründen keine Arbeit. Und wollen gern arbeiten.



        Und diese Menschen müssen wir eben auch unterhalten. Insofern eher mehr als weniger Abgaben.

  • LOL. Und von denen, die einen besseren Sozialstaat wollen, wählen dann 25 % AfD. Es gibt wohl keinen beredteren Beweis für politische Inkompetenz. Obwohl ... vor ein paar Monaten gabs ja eine Umfrage, in der sich eine Mehrheit der Befragten für Maßnahmen gegen den unkontrollierten Anstieg der Mieten aussprach. Und auch von denen wählen dann 25 % AfD. Ist ein ähnlich lächerliches Niveau.

    • @Kaboom:

      @ Kaboom



      Wir waren neulich bei unseren neuen Nachbarn in der Straße eingeladen, da lief RTL auf Großleinwand, haben Sie schonmal von diesem Sender gehört ? Solange so eine Volksverdummung nicht verboten wird, brauchen wir uns über die Wahlentscheidungen der Bevölkerung nicht wundern....

      • @Alex_der_Wunderer:

        Also alle nur ARTE schauen? Das Volk will nun mal Brot und Spiele und selbst wenn ich selbst kein RTL schaue, so fällt mir die Arroganz, die aus Ihrem Beitrag spricht doch sehr unangenehm auf.

        • @Fran Zose:

          @ Fran Zose

          Brot und Spiele - inklusive staatliche Indoktrination & Meinungsmache, bekommt die Bevölkerung auch bei den öffentlich rechtlichen Sendern. Die geballte Ladung 2 - 3 Stunden in der ARD am Samstagsabend zur besten Sendezeit.



          PS : Keine Arroganz - Realität.

        • @Fran Zose:

          Schließe mich an, auch wenn ich sonst oft die Meinung vom Wunderer teile.



          Das ist wie mit der SPD und der versenkten Wahl, was bekanntlich nur daran lag, dass die doofen Büger*innen das Programm nicht verstehen.



          Also Erziehung durch Medien hat schon etwas autokratisches

        • @Fran Zose:

          Das ist keine Arroganz, sondern die Wahrheit.

          Nach seinem Amtsantritt 1982 setzte sich Helmut Kohl (CDU) vehement für privates Fernsehen ein, um ein Gegengewicht zum damals als zu "links" empfundenen öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu schaffen.

          Panem et circenses (Brot und Spiele) = Die Bevölkerung soll damit von politischen Missständen, Korruption und dem Verlust demokratischer Mitsprache abgelenkt werden.

          In seinen Satiren (um 100 n. Chr.) kritisierte Juvenal das römische Volk, das seine politische Macht und Verantwortung aufgegeben habe und sich stattdessen nur noch zwei Dinge wünsche: kostenloses Getreide (Brot) und öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen wie Gladiatorenkämpfe oder Wagenrennen (Spiele).

          Das hat sich bis heute nicht geändert. Nur das Brot wird immer härter in der Merz-Union.

  • Kleine aktuelle Anektode. Als Selbstständiger, freiwillig gesetzlich krankenversichert, muss ich jedes Jahr einen Einkommensfragebogen und aktuellen Steuerbescheid einreichen. Um das online zu machen, muss ich bei meiner KV einen Einmalcode beantragen. Damit habe ich dann vor knapp 3 Monaten wie immer alles eingereicht. Daraufhin kam ein Brief mit dem gleichen Fragebogen und nochmal einen für 2023. Service angerufen, der bescheinigte, für 24 ist alles da, aber 23 wird noch benötigt. Obwohl schon erledigt, hab ich den nochmal postalisch eingereicht. Daraufhin ein neuer Brief, sie hätten jetzt 2023 und bräuchten noch 2024, der dem Brief beiliegt. Nochmals KS angerufen und wieder Bestätigung bekommen, dass alles da ist. Eine Woche später, der gleiche Brief mit Fragebögen füpr 23 und 24. Nochmals angerufen, und wieder Bestätigung bekommen, es ist alles da. Vorgestern ruft mich meine Bearbeiterin an und meint, sie wisse nicht, wo ihre Kollegen dass gefunden haben, sie fände es nicht schickt mir online nochmals den Fragebogen. Ingesamt zum 5. Mal. Kein Witz!



    Ich weiß nicht, was der Verwaltungsaufwand dafür kostet, aber die Probleme des Sozialstaats sehe ich eher nicht bei den Einnahmen.

    • @Deep South:

      Bis zur endgültigen Rente mit 70 war ich in genau solch einer Erwerbs- und Versicherungssituation. Bei meiner GKV klappte das alles einwandfrei. Ich durfte immer den Höchstbeitrag bezahlen. 45 Jahre lang.😃

    • @Deep South:

      Glauben Sie mir, diese (oder ähnliche) Anekdoten könnte wohl jede/r von uns erzählen.



      Indes glaube ich auch nicht mehr dem Merzschen Narrativ bzw. denen der (neo)liberalen Adepten - um die es ohnehin auffallend leise geworden ist - , dass die Einkommensteuererklärung auf einen Bierdeckel passe.



      Den Sozialstaat mit weniger Bürokratie als bisher zu erhalten, wird nicht funktionieren. Den Gedanken können wir uns abschminken, alles andere wäre (neoliberaler) Populismus (wie die Idee, parlamentarische Demokratie könne ohne langwierige, zähe, komplizierte Aushandlungsprozesse und zuweilen ‚faule‘ Kompromisse auskommen).



      Also werden auch Ihnen solche bürokratischen Possen in Zukunft wohl nicht erspart bleiben. Oder Sie müssten konkret benennen, wie es anders laufen könnte.

      • @Abdurchdiemitte:

        Solche Possen könnte man sich sparen, wenn das Sozialsysteme die Bürger als Kunden und sich selbst als Dienstleister sehen würden. Stattdessen definiert jedes Ministerium das Einkommen anders. Die Ressourcen die wir hier vergeuden, sollten lieber in ein positives Kundenerlebnis investiert werden. Konkret: das Einkommen wurde bereits von Finanzamt festgestellt. Warum braucht die GKV überhaupt Daten vom Versicherten. Die könnte man sich auch vom Finanzamt ziehen. Wie gesagt: das sind Dienstleister. Diese ganze Bürgerfeindliche Bürokratie kostet nur Geld und muss weg. Jeder Anruf in der obigen Geschichte kostet Zeit und damit Geld. Geld das die Kassen eigentlich für Gesundheitsleistungen benötigen.

        • @MK:

          Positives Kundenerlebnis? Finde ich gut, das vermisse ich zuweilen auch. Übrigens nicht nur im Umgang mit dem deutschen Amtsschimmel, sondern auch mit dem angeblich ‚goldenen‘ Handwerk. Was, wenn mal wirklich die Wasserleitung platzt …?

        • @MK:

          „Die könnte man sich vom Finanzamt ziehen.“ Wie stellen Sie sich das vor? Das ruft die Datenschutzbeauftragten sowohl der GKV als auch des Finanzamts auf den Plan. Unsere Nervenheilanstalten sind voll mit ITlern, die sich mit Datenschutbeauftragten ins Vernehmen setzen mussten.

      • @Abdurchdiemitte:

        "Den Sozialstaat mit weniger Bürokratie als bisher zu erhalten, wird nicht funktionieren."

        In Deutschland vielleicht. Möglicherweise ist das auch eine Mentalitätssache. Es gibt aber genug Beispiele aus anderen Ländern, wo behördliche Prozesse -auch durch längst erfolgte Digitalisierung- wesentlich besser und effizienter laufen. Fälle, wie den von mir beschriebenen, lassen die Vermutung aufkommen, dass bei uns mit Digitalisierung um so mehr Verwaltungsaufwand betrieben wird. Wenn das alle 94 GKKs so machen, Hut ab.



        Und klar kann ich Beispiele nennen, wie das besser geht. Um mich in mein KV Postfach einloggen zu können, muss ich die 2 Faktoren Authentifizierung durchführen. Draufhin bekommen ich einen Vermittlungscode per Post zugesendet. Nur damit am Ende nix davon funktioniert und Bearbeiterin A findet, was Bearbeiterin B nicht findet.



        Z.Bsp. beim Onlinebanking kommts auch auf Datenschutz an. Da reicht aber merkwürdiger Weise die 2 Faktoren Authentifizierung völlig aus.



        Das hat nichts mit demokratisch notwenigen Prozessen, sondern schlicht mit dysfunktionalen Verwaltungsstrukturen zu tun. Zbsp. in NL, den baltischen Staaten oder in Skandinavien läuft das alles viel besser.

        • @Deep South:

          „Zbsp. in NL, den baltischen Staaten oder in Skandinavien läuft das alles viel besser.“



          Na, wenn das in den genannten Ländern alles so viel besser läuft, warum haben wir uns das nicht schon längst abgeguckt.😉 Scheint hierzulande ja echt der Wurm drin zu stecken.



          Dass Sie mich nicht missverstehen: ich wollte mit meinem vorherigen Kommentar keineswegs die nun wirklich zähflüssige deutsche Bürokratie verteidigen, aber ich würde tatsächlich gerne konkrete Verbesserungsvorschläge hören. Das hierzulande leider üblich gewordene destruktive Rumgemeckere sollten wir doch der AfD überlassen, die bekannterweise sonst nichts Konstruktives auf der Pfanne hat.



          Und das Argument mit der typisch deutschen Mentalität, die Reformen stets verhindere, erscheint mir doch als reichlich ausgelutscht.



          (Das Beispiel mit der missglückten Online-Authentifizierung kenne ich auch von meiner elektronischen Steuererklärung - möglicherweise bin nur ich selbst zu doof dafür.)

          • @Abdurchdiemitte:

            "Na, wenn das in den genannten Ländern alles so viel besser läuft, warum haben wir uns das nicht schon längst abgeguckt."

            Ja, warum? Warum bauen wir Toll Collect Stationen, wo bei anderen eine Vignette reicht? Warum eine PKW nur für Ausländer, obwohl wir wissen, dass das nicht EU konform ist? Warum beharren wir auf den Verbrennern, obwol alle Welt längst auf Elektro setzt? Warum bauen wir NS 2, obwohl uns alle Welt vor der Abhängigkeit von russischem Gas warnt? Wieso sind wir bei Digitalisierung in Europa auf den hintersten Plätzen? Warum schaffen wir es nicht, die Bürger bei der Energie zu entlasten, wo alle um uns herum das schaffen? Warum schaffen wir es nicht, Hilfen für Bedürftige ganz unkomliziert per Direktzahlung zu leisten? Warum brauchen wir im Schnitt 6 bis 8 Jahre von der Planung bis Umsetzung um ein Windrad zu bauen? Wozu brauch man für einen Online Vorgang zusätzlichen Briefverkehr?

            Meine Meinung: Weil wir ein Volk von besserwisserischen Bürokraten sind, die glauben, dass man es immer besser kann als alle Anderen. Und weil wir glauben, dass es gar nicht anders sein könnte, als für alles 5 Verwaltungsakte zu benötigen.

  • Ich will auch gerne einen starken Sozialstaat und dafür mehr bezahlen. Ich will darüber hinaus gerne reich sein, nicht mehr arbeiten müssen und jeden Tag lecker Steak essen.

    Ich will das gar nicht übermäßig ins Lächerliche ziehen. Mich erinnert aber dieses Muster an die Umfragen zu Klimaschutz: Angeblich wollen alle mehr Geld bezahlen, um das Klima zu retten, wenn es aber ins Konkrete dient, dann ist plötzlich jedem das Hemd näher als die Hose.

    Wenn man wirklich einen stärkeren Sozialstaat will (und das will ich zum Beispiel), dann benötigt es eine Partei, die ein tragfähiges und konkretes Konzept vorlegt, also klar sagt, wer wie viel mehr für was bezahlen soll. Und wenn diese Partei dann keiner wählt - eine Erfahrung, die gerade die SPD immer wieder machen musste - dann darf man sich dann aber auch nicht einfach nur an diese Studien klammern und sagen, eigentlich wollten die Leute ja was ganz Anderes als das, was sie immer wieder gewählt haben.



    (Und bitte komme mir jetzt keiner mit der Linken, die versucht gar nicht erst, ihre Konzepte realitätstauglich zu machen, weil sie gar nicht regieren will).

    • @Agarack:

      Mehr Sozialstaat heißt für die meisten: ich profitiere, andere zahlen. Natürlich ist soziale Absicherung wichtig, aber wem es nicht genug ist, der muss ggf. Privat vorsorgen.

      • @Emsch:

        Erklären Sie das mal Kindern in Armut, Behinderten und allen denen, die nicht genug verdienen, aber die gesellschaftlich wichtigen Arbeiten machen. Geschweige denn, dass Sie bestimmt nicht in der Lage sind, für alle Eventualitâten vorzusorgen.

        • @Anna Bell:

          Inhaltlich ganz bei Ihnen. Aber bitte schreiben Sie doch "Menschen mit Behinderung". Wir müssen niemanden auf ein Handycap reduzieren

      • @Emsch:

        @ Emsch



        Klingt plausibel, darum lieben Unternehmen ja auch den Sozialstaat, sie profitieren und die Arbeitnehmer zahlen...

        • @Alex_der_Wunderer:

          Sie wissen schon, dass die Arbeitgeber die Hälfte der Beiträge zahlen

  • Eigentlich bieten die Ergebnisse dieser Studie viel Potential für die sich im Sinkflug befindende SPD, wenn sie es nur für sich nutzen könnte.



    Das funktioniert jedoch nicht in einer Koalition mit dieser Merz-CDU, denn es gilt, was der Volksmund sagt: mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen. Und da die SPD an Wählerzustimmung weit weniger zuzusetzen hat als die Unionsparteien, trifft es sie nur noch dramatischer als den konservativen Koalitionspartner.



    Indes ist die Union unter Merz und Söder eigentlich jetzt schon gut aufgestellt für eine Koalition mit der AfD, sozialpolitisch ohnehin. Das bisschen innerparteilichen Widerstand in Gestalt der CDA und der Seniorenunion ließe sich leicht wegwischen.



    Wenn dann noch eine Kubicki-FDP den Sprung über die 5%-Hürde schaffen würde, wäre die rechtskonservative Allianz für Deutschland perfekt.



    Eingekeilt zwischen Union und FDP ließen sich die aussenpolitischen Eskapaden der AfD nämlich unter Kontrolle bringen. Ansonsten sind diese drei Parteien ohnehin auf gemeinsamen Kurs



    Rechte Blütenträume, mal frei assoziiert.



    Aber der SPD bliebe in der Opposition die Chance, zum organisierenden Zentrum einer künftigen Mitte-Links-Option zu werden.

  • Solange die Umverteilung von unten nach oben stattfinden, liegt ein gerechter Sozialstaat in weiter Ferne. Solidarität betrifft alle im Land, auch die, dies übrig haben. Leider wird dort nie was gefordert sondern nur Geschenke verteilt. Erbschaftssteuer- dort sollte auch angesetzt werden, diese Menschen haben Reichtum geerbt und teilweise gar nichts dafür gearbeitet. Aus erhöhten Steuern, die sich im Geldbeutel der "Betroffenen" kaum bemerkbar machen, könnte enorm Solidarität geschaffen werden. Aber diese Leute sind in diesem Land anscheinend unantastbar.

  • Im Alter kann mensch auch noch schlecht mit Streiks Gehaltserhöhungen ertrotzen, gut bezahlte Überstunden schieben, ...



    Was bei Pensionären oder Kapitalbonzen der Fall ist: vorheriger Lebensstandard halbwegs gesichert, das werden mehr als gewünscht empfinden.



    Gerechtigkeit ist weiterhin ein ganz zentrales menschliches Thema. Auch deswegen ist die Kupierung/Neoliberalisierung der Sozialdemokratie als deren klassischer Anwältin so traurig.

    Es erscheint nicht gerecht, wenn ausgerechnet Arbeit und täglicher Konsum bis aufs Knochenmark besteuert und mit Abgaben belegt werden und Kapital, Erbe, Export, Höchsteinkommen, Umweltverdreckung weniger. Wenn GKVler so viel früher sterben als die PKV-Schicht, die den Großteil der Entscheidungsträger stellt.

    Wer keine stille oder laute Revolte will, wer Gerechtigkeit und Solidarität schätzt, sollte bei Wahlen das einbeziehen.

  • Ich verstehe das Ergebnis der Studie. Ich möchte nur anfügen, dass man für diesen Wunsch auch entsprechend wählen muss. Merke: CDU/FDP/AfD sind diesem Wunsch nicht zuträglich, die SPD würde dies nur in einer linken Koalition umsetzen, bei den Grünen bin ich optimistischer und die Linke hat es als Programm. Man sollte schon so wählen, dass die eigenen Interessen repräsentiert werden. So ganz verantwortungslos sind wir als Wählende nun tatsächlich auch nicht. Wer hat uns denn regiert all die Jahre?

    • @Christian B.:

      @ Christan B.



      C - wie christlich 🤑



      ...war an der Regierung - nur mit dem regieren für die Bevölkerung haperts wohl immernoch...



      Datt wird wohl auch nix mehr mit diesem BlackRocky werden. Da haben uns unsere Parlamentarier ein Kuckucksei ins Nest gewählt - im zweiten Wahlgang.

    • @Christian B.:

      Ich sehe das nicht anders als Sie. Allerdings fürchte ich, der deutsche Wähler muss zuvor durch die „harte Schule“ einer rechtskonservativen Regierung gehen (bestehend aus AfD und Union, möglicherweise unter Einschluss einer rechtspopulistischen Kubicki-FDP), bevor sich wieder die Chance einer Mitte/Links-Option für dieses Land ergibt.



      Schlechte Aussichten, allerdings machen mir die Beispiele Ungarn und Polen Mut, dass sich das Blatt wieder wenden kann. Andererseits: wie hoch wird der Preis für diese Hoffnung sein, wenn der Sozialstaat von den Rechten erst komplett zertrümmert wurde?

  • Wieso noch mehr zahlen ?

    Jetzt müsste mal so langsam geliefert werden !

    • @Alex_der_Wunderer:

      Wenn Sie schauen wie wenig die Menschen teilweise vom Staat bekommen denken Sie sicher anders. Das ist kein würdevolles Leben

  • Es ist schon irgendwie merkwürdig, wie ein Land, dass ja angeblich wirtschaftlich bisher in der Welt so toll ist oder war, so erbärmlich mt seinen Rentnern umgeht. Basisabdeckung, als wenn man nie gearbeitet hätte? Fast alles aufbrauchen, wenn man in die Pflege muss, bevor der Staat einspringt - genauso, als wenn man nie etwas gehabt hätte. Erspartes fließt ins System zurück. Blöd, wer das Geld schön sichtbar auf Konten hat. Besser vorher sinnlos verjubeln oder verteilen (aber heimlich und in bar).

    • @migra:

      Im Kapitalismus ist ein nicht produktiver Menschen, weil alt oder krank, wie eine kaputte Maschine, die es nicht lohnt zu reparieren. Am besten verschrotten.

      Gerade aktuell, die CDU fordert eine stark eingeschränkte Krankenversorgung für Transferempfänger. Etwas ähnliches wünschen sich einige auch für Rentner, eine Überprüfung ob sich teure Medikamente oder eine OP noch lohnt.

      Ihr wählt sie.



      Es gibt nur eine Alternative, Grün oder Links

      • @Marco Martens:

        Wie kommen immer nur alle auf "Grün", wenn es um soziale Belange geht? Anna-Lena Baerbock auf Insta-New-York-Tour, Habeck "Ich habe so viel Geld, ich kann's gar nicht ausgeben." Jan van Aken (Linke), promovierter Biologe - 2800 Euro statt der über 10.000 - ich habe aus verschiedensten Gründen nicht links gewählt, doch diese 2.800/Monat als Bundestagsabgeordneter überzeugen mich irgendwie.

      • @Marco Martens:

        „Es gibt nur eine Alternative, Grün oder Links.“



        So ist es. Allerdings: nicht umsonst bewerbe ich in letzter Zeit in meinen Kommentaren hier im taz-Forum intensiv die Option RGR, auch wenn das derzeit als unrealistisch oder utopisch erscheint. Denn: OHNE SPD wird es eine Mitte/Links-Option zur gegenwärtigen Regierungspolitik auch nicht geben. Ich kann das nur gebetsmühlenartig wiederholen.



        Also, liebe Sozialdemokraten, Grüne und Linke, ich kenne ja eure Grabenkämpfe: reißt euch mal an Arsch und Kragen und kommt endlich aus euren ideologischen Wagenburgen heraus!



        Das ist es (nicht mehr und nicht weniger), was ich als ‚freiberuflicher‘ Linker von euch erwarte. Es sei denn, ihr wollt eine schwarzbraune Haselnusskoalition (spätestens in 2029) überhaupt nicht verhindern.

  • Also das Gesundheitssystem gehört definitiv auch reformiert. Einfach mehr Geld reinwerfen macht es nichts automatisch besser. Es gibt andere westeuropäische Länder die weniger zahlen und ähnliche Ergebnisse liefern.



    Bei Pflege ist das korrekt. Das kann sich doch kein normaler Arbeitnehmer mehr leisten.



    Und was Rente angeht. Schaut nach Österreich oder die Niederlande was die besser machen

    • @Duplozug:

      Auch bei der Pflege wird haufenweise Geld verschwendet. Die Mehrzahl der im Alter Pflegebedürftigen könnte die Pflege aus dem eigenen Vermögen bezahlen, hätte dann aber weniger zu vererben. Die Leistungen der Pflegeversicherung für stationäre Pflege bewirken, dass mehr Geld ins System kommt und die Pflegeheime, die häufig von profitorientierten Kapitalgesellschaften betrieben werden, immer höhere Vergütungen für immer schlechtere Leistungen verlangen. Und das Pflegegeld für die häusliche Pflege ist nicht an eine bestimmte Verwendung gebunden; wer in Pflegegrad 2 oder höher eingestuft wird, bekommt einfach Geld und kann es für Pflegeleistungen verwenden, muss es aber nicht. Das bietet einen hohen Anreiz für Betrug, und das wird auch entsprechend genutzt.

      • @Budzylein:

        Was ein Unsinn. Und dein Fazit ist damit kein Geld für Pflege.

        • @Marco Martens:

          Nein. Die Alternative ist: Wer seine Pflege selbst bezahlen kann, soll sie selbst bezahlen, wer es nicht kann, für den zahlt der Sozialstaat.

      • @Budzylein:

        Ich habe Pflegegrad 2 und werde alle 6 Monate kontrolliert



        und das obwohl feststeht das sich bis zu meinem Ableben



        an meiner gesundheitlichen Situation nichts mehr verbessert.



        Ich habe seit 10 Jahren nur noch eine funktionierende



        Hand (links).

        • @Captain Hornblower:

          Kontrolliert oder erneut wegen der Einstufung begutachtet?



          Die Praxis ist nicht in allen Fällen gleich. Bei alten Menschen, bei denen die Pflegekasse davon ausgeht, dass sich ihr Hilfebedarf nicht mehr verringern werde, wird normalerweise keine erneute Ermittlung des Pflegegrades mehr durchgeführt. Aber vielleicht glaubt ihr Sachbearbeiter, dass Sie irgendwann eine Prothese bekommen könnten, die Ihren Hilfebedarf mindert.

          • @Budzylein:

            Die rechte Hand ist noch dran nur kann ich mit der so gut wie nichts mehr machen weil ich nicht greifen kann.



            Dieser Zustand wird sich nicht mehr ändern weil irreparabel.



            Nein es wird kontrolliert damit das Geld weiter läuft.

      • @Budzylein:

        1.



        "Die Mehrzahl der im Alter Pflegebedürftigen könnte die Pflege aus dem eigenen Vermögen bezahlen, hätte dann aber weniger zu vererben."



        Ist das so? Meine Mutter hatte mühsam ca. 30000€ angespart, das Geld ist (bis auf das Schonvernögen) nach nicht mal einem Jahr in der Pflege (Pflegegrad 5) weg. Sie hätte das Geld wohl besser verjubeln sollen und sich gleich am ersten Pflegetag in die soziale Hängematte legen sollen. Schön blöd, wenn man ein paar Piepen übrig hatte.



        2.



        " wer in Pflegegrad 2 oder höher eingestuft wird, bekommt einfach Geld und kann es für Pflegeleistungen verwenden, muss es aber nicht. Das bietet einen hohen Anreiz für Betrug, "



        Moment mal. Die Einstufung nimmt aber der Medizinische Dienst vor. Die werden sicher genug Erfahrung haben, um Missbrauch weitestgehend zu erkennen und zu verhindern.

        • @migra:

          Die Gutachten sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Ich habe neulich 2 Gutachten des Medizinischen Dienstes für dieselbe Person gelesen, die in einem Abstand von weniger als 3 Wochen erstellt wurden. Das erste Gutachten kam nach häuslicher Untersuchung auf Pflegegrad 1, das zweite - ohne erneute persönliche Untersuchung - auf Pflegegrad 3.

          Und nicht selten übernehmen die Gutachter einfach die Angaben der Antragsteller oder ihrer Angehörigen. Man kann ja auch nicht alles nachprüfen; dafür haben die Gutachter nicht genügend Zeit.

          • @Budzylein:

            Manchmal ist es tatsächlich kurios, das kann ich aus persönlicher Erfahrung bestätigen. Während ich im direkten Anlauf meine Erwerbsminderungsrente durch bekam - andere kämpfen selbst mit Unterstützung der Sozialverbände jahrelang dafür -, habe ich erst nach der dritten Begutachtung durch den MD den Pflegegrad 2 bewilligt bekommen.



            Einfacher hingegen war es wieder, eine Schwerbehinderung durch das städtische Sozialamt anerkannt zu bekommen. Möglicherweise liegt die (subjektiv empfundene) Intransparenz der verschiedenen sozialen Hilfesysteme in ihrer extremen ‚Versäulung‘ bzw. unterschiedlichen Zuständigkeiten, d.h. die linke Hand weiß nicht, was die rechte tut.



            Das kann bei den Betroffenen/Hilfeberechtigten zu einem Gefühl der (staatlichen) Willkür und eigenen Ohnmacht führen. Es dürfte klar sein, dass das wiederum politisch aufs Konto der AfD einzahlt, da die ja bewusst Ressentiments gegen unser Sozialsystem schürt und vermeintliche ‚‚Schmarotzer‘ davon ausschliessen möchte (Ausspielen der verschiedenen Hilfeberechtigten-Gruppen).

            • @Abdurchdiemitte:

              Die Unterschiede in den verschiedenen Systemen liegen aber auch daran, dass es um unterschiedliche Kriterien geht. Schwerbehinderung, Erwerbsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit sind ganz unterschiedliche Begriffe. Man kann z. B. (wie es bei meiner Frau der Fall ist) schwerbehindert mit GdB 100 sein und zugleich keinerlei Hilfebedarf in der Pflegeversicherung haben, weil man in allen Lebensbereichen völlig selbstständig und nicht auf fremde Hilfe angewiesen ist.

        • @migra:

          Im Durchschnitt hat ein Rentnerhaushalt in Deutschland ein Vermögen von 319.000€. 72% der Rentnerinnen können das Pflegeheim für 5 Jahre aus der eigenen Tasche zahlen laut Statistiken. Immer mit Extremfällen argumentieren bringt uns nicht weiter.

          • @Šarru-kīnu:

            Vielleicht sollte man doch differenzieren und vor allem einmal genau schauen. Es gibt in Deutschland 10% überdimensionale Vermögen. Diese werden geschützt. Es gibt aber auch die Masse der durchschnittlich Verdienenden mit Gehältern um die 2800 Euro. Davon wurde in Humankapital investiert und zum Teil auch in eigene Häuser. Viele haben das auch gemacht, weil die Mieten exorbitant gestiegen sind. Jetzt wollen Sie allen Ernstes im unteren Einkommensbereich ansetzen, Oma die mühsam ersparte Hütte abnehmen und sie auf die Straße setzen? Finden Sie nicht, dass ein Umbau mal bei den oberen 10% ansetzen sollte? (Mich irritiert dieses Denken - Strukturen im Kapitalismus gehen auf Vernutzung und Ausbeutung (was für ein hässliches Propaganda-Wort) der unteren Schichten. Merz sagt das ziemlich klar. Er führt das Land wie mancher Chef eine Firma - es soll möglichst viel rauskommen - für die oberen 10 % und die eigene Klientel - es wird gebrüllt, mit Angst, Druck und Kontrolle gearbeitet und möglichst wenig investiert - so läuft der Laden)

          • @Šarru-kīnu:

            Mit Immobilie. Das bedeutet, wenn ein Partner Pflegefall wird, muss der andere das Haus verkaufen und ausziehen?!

            • @Ahnungsloser:

              Na klar muss dann das Haus verkauft werden. In meiner Generation werden die Meisten im leben kein Haus besitzen. Wieso sollten wir das Rentnern dann subventionieren?

              • @Šarru-kīnu:

                „Na klar muss dann das Haus verkauft werden.“



                Sie sprechen gelassen aus, was die Mehrheit der Bevölkerung in ihrem Besitzstandsdenken (noch) nicht akzeptieren will (obwohl mittlerweile den meisten dämmert, dass wir längst das Ende unserer Wohlstandsgesellschaft erreicht haben).



                Die ‚Flucht‘ aus dieser bitteren Erkenntnis bietet indes die AfD mit ihrer neurechten Ideologie an, indem sie behauptet, die Wohlstandswahrung ließe sich weiter gewährleisten durch Begrenzung auf das nationale/völkische Kollektiv und Ausschluss aller ‚Schmarotzer‘ und ‚Störenfriede‘ aus dieser nationalen Gemeinschaft.



                Wer daran glaubt, glaubt auch an den Klapperstorch bzw. (Im Westen) den real existierenden Kapitalismus oder (im Osten) den zu DDR-Zeiten real existierenden Sozialismus als weltbeste aller Gesellschaften. Das völkisch-nationale ‚Angebot‘ der AfD ist da nur eine dritte (ebenso in die Irre gehende) Variante.

          • @Šarru-kīnu:

            Das ist doch kein Extremfall. Es ist völlig üblich, dass Rentner "nur" 30.000€ gespartes haben. Bei meinen Großeltern war das auch so im dem Dreh. Und denen wurde quasi auch alles genommen.



            Als älterer Mensch etwas sparen auf dem Konto ist wirklich nicht zu empfehlen.

            • @sneaker:

              Wieso wird einem denn etwas "genommen", wenn man vom eigenen Vermögen die Pflegedienstleistungen für sich selbst bezahlt? Das Geld kommt doch dem zugute, der es ausgibt. Andere Dienstleistungen muss man auch selbst bezahlen.

          • @Šarru-kīnu:

            Ironie und Sarkasmus bitte kennzeichnen ;-)

            • @migra:

              Das sind diese arithmetischen Mittel, die vom Median kaum zu unterscheiden sind. [/ironie]

          • @Šarru-kīnu:

            Extremfälle?



            Meine Frau und ich haben sehr früh schon (gleich nach der "Eingemeindung" West) begonnen alle denkbaren Vorteile über Arbeitnehmersparzulage u. Fondssparen genutzt. Als ohnehin immer schon sparsamer Haushalt ist es uns gelungen bis zur Rente noch einen erklecklichen Betrag zurückzulegen. In unserem ehemaligen Kollegenumfeld sind wir damit vermutlich eher privilegiert. - Von Ihren kolportierten 319.000 Euro bleiben wir dennoch meilenweit entfernt. Mag sein, dass diese Statistik nicht allzusehr verfälscht ist.



            Im Osten sind dennoch eher solche Summen Extremfälle...

            Am Rande: Meine Mutter hatte vor nur vier Jahren noch das Glück durch die Pflegestufe außer ihrer Rente nur ein paar Hunderter monatlich zuzahlen zu müssen. Furchtbare Angst davor, dass ihre niedrigen zweistelligen Rücklagen aus dem Arbeitsleben zweier Rentner vor ihrem Tode zu Ende sein könnten, hatte sie trotz meiner gegenteiligen Beteuerungen dennoch. Sie musste es nicht mehr erleben.



            Heute, nur wenige Jahre später, wäre das viel schneller gegangen...

            • @Der olle Onn:

              Statistisch verfügen Rentnerhaushalte (Pensionäre nochmal mehr) über ein höheres Haushaltseinkommen als die arbeitende Bevölkerung. 50% aller Millionäre sind Renter oder Pensionäre. Allein bei dem Immobilienwerten die da gehalten werden schlackern einem die Ohren. Die Boomer sind im Westen im Schnitt eben sehr vermögend da 3 Generationen Vermögen ansammeln konnten. Hier wird immer so getan als würde die systematische Altersarmut nicht erst meine Generation betreffen.

              • @Šarru-kīnu:

                Klar - wir sind sowas von vermögend...

                Vielleicht haben Sie mitbekommen, dass ich von ostdeutschen Verhältnissen geschrieben habe?



                Wohl eher nicht? Tschuldigung...

                Jedenfalls bleibt mir schleierhaft, auf welcher Grundlage Sie davon ausgehen, dass unter DDR-Verhältnissen durchgängig Vermögen angesammelt werden konnte... Selbst ein echt nennenswertes wäre zur Währungsunion auf Kleingeldniveau eingedampft worden.

                Und dass unser gemeinsames Rentner-Haushaltseinkommen weit unter dem durchschnittlichen Verdienst der arbeitenden Bevölkerung liegt (zumindest, wenn es sich um zwei Arbeitende handelt) versichere ich Ihnen auch gern eidesstattlich.

              • @Šarru-kīnu:

                Ich bin verwirrt, was hat der Immobilienwert mit dem Einkommen zu tun?

          • @Šarru-kīnu:

            So ist es. Nicht wenige haben eine abbezahlte Immobilie, die sie nach dem Umzug ins Heim nicht mehr benötigen und die mehrere hunderttausend Euro wert ist (und gern als "kleines Häuschen" verniedlicht wird).

            • @Budzylein:

              Abbezahlte Immobilie ist verdammt relativ.



              Versuchen Sie mal eine zügig zu Geld zu machen, die im Landkreis Mansfeld Südharz liegt, dabei nicht auf wirklich allerneuestem Standard ist und noch dazu auf einem Dorf liegt.



              Da geraten Sie in Gefahr schon dafür zahlen zu müssen um überhaupt einen Käufer oder Makler zum Anschauen zu bewegen. Für das, was ein wirklich kleines Anwesen im Speckgürtel von München oder Potsdam kostet, bekommen Sie hier einen ganzen Straßenzug. Und nicht nur im erwähnten Landkreis.



              Die vermutlich bevorstehende Übernahme Sachsen-Anhalts durch die A+D wird das Ganze wohl zusätzlich verschärfen.



              Warum? Das Angebot übertrifft angesichts massiven Leerstands halt wesentlich die Nachfrage.



              Und was zwischen 1970 und 1990 erbaut wurde hat der Eigentümer später halt genutzt und selten renovieren können, weil im Umbruchzeitraum das Geld nicht da war. Nach 2000 waren die meisten Besitzer solcher Gebäude nah an der Rente und nur daran interessiert solange wie möglich wohnen zu bleiben.

              • @Der olle Onn:

                In ihrem Beispiel ist die abbezahlte Immobilie eben nicht mehrere hunderttausend Euro wert wie die Immobilien, von denen in meinem Kommentar die Rede ist. Das ändert aber nichts daran, dass es anderswo zuhauf Immobilien gibt, die sich leicht zu (viel) Geld machen lassen.

          • @Šarru-kīnu:

            Bei Sympathie für Ihren Punkt der Selbsthilfe-zuerst.

            Wir haben ja leider bei Vermögen und Einkommen eine recht schräge Verteilung, hätten Sie da noch den Medianwert? Und könnte es sein, dass die Schere da aufgeht bzw. sich Rentenhöhen gerade massiv verschoben haben. Im Osten (die 1990ff.-Disruption vs. gleich mal übernommene Langzeitjahre davor) vielleicht noch stärker als im Westen.



            In beiden Teilen wurden seither Gewinne durch politlobbyistische Regeländerungen gemacht und zu wenig durch Innovation. Vielleicht auch ein Ansatzpunkt, diesen Teil des Kuchens wieder ins Licht zu rücken.

  • Umfragen und Pfeerdefüße sind so eine Sache: "Mehr zu zahlen" klingt natürlich vergleichsweise harmlos (und wird so oder so passieren). Die harte Frage wäre: "WIEVIEL mehr?", bzw. konkret nach dem, wo die Beiträge sich hinbewegen müssten, damit auch z. B. ein heute 40jähriger sich auf eine dem "starken" Sozialstaat würdige Umlagerente freuen kann. Wer ist DANN noch so freimütig bereit mitzuziehen?



    Es ein wenig wie mit dem Tempolimit: Die meisten sind dafür, aber wenn man dann da "hinfragt", wo es liegen müsste, um klimatechnisch auch signifikant zu helfen, also z. B. "100 auf der Autobahn und 80 auf der Landstraße", war's das mit der Mehrheit.

    • @Normalo:

      Tja, die Kosten. Wie hatte es der Nutzer Machiavelli mal gesagt vor wenigen Tagen? Der Mensch muss als schwarze Null rauskommen, sonst versagt der Sozialstaat?

      Also, auch wenn ich ihm nicht einer Meinung bin, heißt es wohl, die bittere Pille zu schlucken. Egal, ob's das mit der Mehrheit war.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Die Frage ist halt: WELCHE bittere Pille? Die Wirtschaftswissenschaft redet hier gern vom Minima-l und vom Maximalprinzip, also entweder setzt man sich ein bestimmtes Ziel (hier Leistungsumfang X) und schaut, dass man es mit minimalem Aufwand erreicht, oder man definiert den Aufwand Y, den man bereit ist zu treiben ist und schaut, dass man daraus das Maximum an Leistung rausholt.



        Da - worüber wir uns hoffentlich einig sind - die gern propagierte Mischform "Minimaler Aufwand, maximaler Erfolg" nicht etwa ein Mittelweg sondern einfach utopischer Blödsinn ist, muss man sich am Ende für eine Grundstrategie entscheiden. Und DAS wird letztlich die Mehrheitsmeinung tun. Die entscheidet also auch, WER dann die Pille schlucken muss - die Beitraagszahler oder die Leistungsempfänger. Auch wenn am Ende so ziemlich jeder Mensch beides irgendwann irgendwo mal ist, sind das doch recht verschiedene politische Zielgruppen.



        Und am Ende ist die der Beitraagszahler die größere. Deshalb ist auch das AfD-Programm immer noch stramm auf der antisozialstaatlichen Linie: Mehrheiten für starken Sozialstaat findet man dann doch eher in solchen Wünsch-Dir-Was-Umfragen.

    • @Normalo:

      Genau - ich hätte gerne eine Art Subsumtion. "Wer" will "Was" von "Wem" und "Woraus". Dann können wir informiert als Gesellschaft über die "vier W's" entscheiden.

  • Ein starker Sozialstaat kostet erheblich mehr, als die Leute realistisch tatsächlich zu zahlen bereit sind.

    Irgendwann geht einem das Geld anderer Leute aus.

    • @Metallkopf:

      Erstmal dafür sorgen, dass alle ihren Beitrag zum Gemeinwohl leisten. Dann kann man sagen, was finanzierbar ist und was nicht. Deutschland muss erstmal aufhören ein Niedrigsteuerland für Vermögende zu sein. Das Sozialsystem darf auch nicht mehr als ein Selbstbedienungsladen für die Wirtschaft und deren Investoren dienen. Die bedienen sich am Geld anderer Leute, mit Schützenhilfe der Politik.

      • @Andreas J:

        100 Mrd, vorsichtig, 200 Mrd wahrscheinlich. Jedes Jahr.



        Da ist eine Vermögens und Erbschaftssteuer gar nicht drin.



        Das witzige, mit dem Geld könnte man auch noch die Wirtschaft ankurbeln.



        Es könnte so einfach sein wenn da nicht Politiker wären die ihre Hand aufhalten.

  • Ich will nicht dass der Staat sich um alles kümmert.



    Notvorsorge für das notwendigste und Konzentration auf weniger aber effektive Hilfen.



    Das pausenlose erfinden von immer neuen Ideen um auch die letzte Verantwortung des Einzelnen zu minimieren führt zu der endlosen Regelungswut und dem aufgeblähtesten Verwaltungsapparat aller Zeiten.

    • @Herbarius Zunichten:

      Was ist eigentlich an der "Verantwortung des Einzelnen" so toll? 1. Muss man sich diese Verantwortung leisten können - pendelnd zwischen Jobs zum Mindestlohn - gerne befristet - und dem JobCenter gelingt das eher mäßig. 2. Selbstverständlich könnte man die soz. Sicherungssysteme einfacher gestalten - bspw. mit einem bedingungslosem Grundeinkommen (das Bürgergeld, Sozialhilfe, BaföG, Grundsicherung im Alter, Kindergeld und Kinderzuschlag und Unterhaltsvorschuss, einen Teil der Leistungen der AV und RV, einen Teil von betrieblichen Subventionen z.B. in der Landwirtschaft, den steuerlichen Grundfreibetrag) ersetzen könnte. Mindestens - vermutlich fehlt in meiner Aufzählung einiges. Das wäre das steuerfreie Existenzminimum, dafür würde ab 1 € Lohn und Kapitalertrag zum persönlichen Steuersatz versteuert - mit verminderten Absetzungsmöglichkeiten für Werbungskosten. 3. Dieses System wäre sehr viel unbürokratischer - eine Stelle für die finanzielle Absicherung aller.

    • @Herbarius Zunichten:

      Schön das es ihnen gut geht. Anderen aber nicht. Was soll das bedeuten: weniger aber effektive Hilfen? Weniger ist mehr, ist neoliberales Gelaber, um die Solidargemeinschaft zu zerstören und die Demokratie zu unterwandern.

    • @Herbarius Zunichten:

      Der Staat könnte sich halt mal um grundlegende Soziale Sicherheit kümmern. Also nicht um "alles" und v.a. auch ohne große Regelungswut und Bürokratie. Stichworte "Effektivität" und "Effizienz".



      Bisher wird das aber nicht gewollt, weil Bürokratisierung eben auch Macht - im Sinne von Herrschaft - bedeutet.

      Dazu der US-Kulturanthropologe David Graeber: www.youtube.com/watch?v=BEb4Bda_06c

      • @Eric Manneschmidt:

        Sie haben zwar Recht mit dem, was Sie über Bürokratie schreiben, aber das ist nicht der wesentliche Grund für ihre Ausdehnung. Die Regeln und aufwendigen Verfahren sind - in den Augen der Regler - ein notwendiger Begleiter der gewaltigen Mengen an staatlichen Leistungen: Wo immer der Staat den Markt ungerecht findet und selbst Mittel requiriert und selbst verteilt, entsteht eine Dynamik, die zum jeweiligen Eigennutz jene Gerechtigkeit zu untergraben sucht, die der Staat schaffen will. Regeln lassen sich dann genauso missbrauchen wie das Machtgefüge von Angebot und Nachfrage. Geschieht das, reagiert der Staat instinktiv mit noch mehr Regeln, deren Befolgung noch aufwendiger überwacht werden muss usw.. "Macht doch bloß einfache, gerechte Regeln, und dann ist gut!“ KLINGT also zutiefst logisch, springt aber zu kurz.

        • @Normalo:

          Ihr Kommentar erstaunt mich.



          Ich hatte von "Sozialer Sicherheit" geschrieben, nicht von "Gerechtigkeit".



          Andere Zielsetzung, völlig andere Baustelle.

          Der Schlüssel ist: Universalität und Bedingungslosigkeit.



          Das erfordert (so gut wie) keine Bürokratie.

          Beschäftigen Sie sich halt mal mit David Graeber, es lohnt sich.

          • @Eric Manneschmidt:

            "Soziale Sicherheit" funktioniert nicht ohne Gerechtigkeit. Zum Einen ist es schwer zu vermitteln, dass der Staat die für diese Sicherheit notwendigen Mittel aus der individuellen Wertschöpfung abgreift, wenn er nicht halbwegs garantieren kann, dass sie auch zweckgerichtet verwendet werden. Und sorry, BGE oder hehre Zielsetzungen wie "Jedem nach seinen Bedürfnissen" sind genau KEINE solchen Garantien, denn sie sind genau die Sorte Regelwerke, die man prima - entweder durch Leistungsverweigerung oder durch Betrug oder Untreue zur Eigennutzotimierung missbrauchen kann. Von der völlig irren Hoffnung, Menschen würden sich massenhaft von den Vorteilen von Konsumverzicht und damit auch dem Verzicht auf Eigennutzoptimierung überzeugen lassen, will ich gar nicht erst anfangen.

            • @Normalo:

              Entschuldigung, es geht einfach nur um die Umsetzung des Rechts auf Leben in Würde nach dem GG. Das gilt für alle Menschen, auch die deren Nase Ihnen nicht gefällt.



              Da ist nichts dran missbrauchbar.

              Andererseits werden haufenweise mit der Gießkanne nicht-monetäre Leistungen erbracht, z.B. Straßen. Die KÖNNEN Sie in der Tat missbrauchen, sich zum Beispiel auf den Weg zum einem Banküberfall machen. Trotzdem würden wahrscheinlich auch Sie nicht auf die Idee kommen, dass an jeder Ecke überprüft werden soll, ob sie jetzt gerade einen "guten Grund" haben, diese Straße oder diesen Fahrradweg zu nutzen.

              Dass alle was zum Essen brauchen und ein Dach über dem Kopf ist hingegen IMMER ein guter Grund.

              (Analog dazu übrigens der Freibetrag in der Einkommenssteuer, den auch alle bekommen.)

              Konsumverhalten ist ein anderes Thema, muss jede/r selbst entscheiden, was er/sie braucht oder nicht (was nicht ausschließt, dass externe Kosten in den Preisen abgebildet werden).

              Übrigens: Die Feuerwehr kommt auch zu Ihnen, wenn es brennt. Ganz ohne Diskussion über "Gerechtigkeit". Sie würde sogar zu einem verurteilten Massenmörder kommen...

              • @Eric Manneschmidt:

                Ja, wenn das Leben so einfach wäre. Aber leider ist es das nicht. Da braucht man nicht nur ein Dach überm Kopf und was zu Essen sondern auch Gesundheitsvorsorge, also z. B. Ärzte, die nicht in Ketten gelegt werden müssen, damit sie ihren Job machen. Aber jetzt die erste spittfindige Frage: Kriege ich den Arzt auch dann, wenn der mein,t, unbedingt eine Finca auf den Balearen zu "brauchen" und nur bereit ist eine Kaasenpraxis zu betreiben, die genug für so eine Notwendigkeit abwirft? Oder braucht der Pflegedienst, den ich brauche, schon wieder einen neuen Fuhrpark (oder fünf Lohnbuchhalterinnen pro hundert Mitarbeiter, oder, wenn sie mit einer auskommt, stattdessen die Finca neben der des Arztes für den Pflegedienstbeteiber? All das, damit ich an meine "ganz einfache" Versorgung mit dem Nötigsten komme. Und solange ich die nicht brauche, fragt die Solidargemeinschaft natürlich, was ich mit meiner Zeit anfange - bringe ich mich auch "nach meinen Fähigkeiten" ein und behalte nicht zu viel für mich (die dritte Finca...) oder gebe es für unnützes Zeug aus, das garnicht meine Produktivität steigert?



                Alles Fragen, die über die Machbarkeit der "würdigen" Versorgung Aller entscheiden.

    • @Herbarius Zunichten:

      Völlig richtig. Nebenbei frisst der Verwaltungsapparat einen nicht unerheblichen Teil der verfügbaren Mittel und Arbeitskraft. Die Reibungsverluste sind schon viel zu hoch und werden immer höher.

  • >Bei der Rente sind etwa drei Viertel bereit, mehr ins System einzuzahlen... <

    ...als sie selbst herauskriegen?

    • @test_name:

      Woher willst du wissen wie viel du raus bekommst?



      Du zahlst keine Versicherung weil du mehr bezahlst als du raus bekommst?

      So funktionieren solche Systeme.



      Ein großer Teil zahlt immer mehr ein als er rausbekommt. Es sichert dich aber ab für den Fall du brauchst mehr als du eingezahlt hast.

      • @Marco Martens:

        @test_name:



        Woher willst du wissen wie viel du raus bekommst?

        19% vom brutto Arbeitseinkommen - das sind schon erhebliche Beträge. Wie alt man wird, weiß man natürlich nicht. Wo man sich versichert aber schon.

        Das Desaster bei der Rentenversicherung war schon absehbar, als ich in das Berufsleben eingestiegen bin. Ich habe mir meinen Beruf sehr gezielt danach ausgesucht, nicht mit der Rentenproblematik belastet zu werden - versichert über ein berufsständisches Versorgungswerk.

        Die GRV ist nur für den dummen Rest, der diese Möglichkeit nicht hat.

        Mich wundert nur warum sich die Leute das - Pflichtversicherung bei der GRV - gefallen lassen.

        Die, die über die GRV entscheiden, sind überwiegend nicht in der GRV. Sonst sähen die Entscheidungen anders aus.

      • @Marco Martens:

        "Woher willst du wissen wie viel du raus bekommst?"

        Für die Abschätzung, dass man mehr eingezahlt hat als man bekommen wird, reicht bei vielen im höheren Alter schon die Rentenmitteilung. Da steht drin, was man eingezahlt hat und was man voraussichtlich pro Monat bekommt. Wenn man die eine Zahl durch die andere dividiert und mit einem realistischen Wert für seine restliche Lebenserwartung vergleicht, kann man in etlichen Fällen schon eine verlässliche Aussage treffen...

  • Der "Sozialradar" ist eine Auftragsarbeit mit vorhersehbarem Ergebnis und damit völlig Erkenntnisfrei. Er dient der Lobbyarbeit, nicht der Abbildung von Tatsachen. Natürlich wollen alle mehr Leistung vom Staat erhalten und niemand Kürzungen in irgendeinem Bereich. Die Preisfrage ist doch, wie das funktionieren soll. Und nein, höhere Rentenbeiträge sind überhaupt keine Lösung: Unsere Rente ist ein Umlagesystem, bei dem die aktuellen Beiträge den aktuellen Rentner übergeben werden. Wir zahlen die Rente unserer Eltern, während unsere Rente mal von unseren Kindern bezahlt werden soll. Würde man wirklich ein gerechtes und auskömmliches Rentensystem wollen, dürften Kinderlose gar keine Rente bekommen (bei gleichzeitiger Zahlung in die Rentenversicherung) und Menschen mit nur einem Kind nur die halbe Rente.

    • @Samvim:

      Was ist nur aus der Bildung geworden?



      Dann zahlen Kinderlose auch weniger Steuern. Warum soll ich für die Kita, Schule, Jugendarbeit, usw bezahlen?



      Warum sollte ich für eine Rente bezahlen aus der ich nichts bekomme?

      Das hört sich sehr nach AfD an. Zwangs Ehe, mindestens Kinder Zahl, Frauen an den Herd, usw.

      • @Marco Martens:

        "Warum sollte ich für eine Rente bezahlen aus der ich nichts bekomme?"



        Das hat nichts mit Afd oder Zwangsehe zu tun. Es ist ein Umlagesystem. Wir alle zahlen die Rente der Eltern mit unseren Beiträgen. Unsere Kinder sollen unsere Rente zahlen. Es gibt kein Konto mit dem eigenen Namen drauf. Ohne Kinder Rente zu verlangen ist wie Investitionsgewinne zu fordern ohne investiert zu haben. Und eine solche Regelung ist gerecht, kosten Kinder rein statistisch 250.000€ + Vollzeitjob Erziehung (pro Kind).



        "Was ist nur aus der Bildung geworden?" - Frage ich mich auch

    • @Samvim:

      "...dürften Kinderlose gar keine Rente bekommen..."

      Das ist einfach so beknackt argumentiert, da verbietet sich eigentlich jede ernsthafte Antwort...



      Ich könnte jetzt den vom Captain und Budzylein bereits erwähnten Gründen, die das sichtbar machen, noch weitere hinzufügen. Aber einen nennenswerten Sinn sehe ich darin nicht.

      • @Der olle Onn:

        Wenn sie bessere Argumente haben, gerne her damit

    • @Samvim:

      Und was ist mit den Leuten die nie den passenden Partner gefunden haben oder gar nicht Zeugungsfähig waren?

    • @Samvim:

      Und sollen Kinderlose, die nach Ihren Vorstellungen keine Rente bekommen sollen, trotzdem Rentenbeiträge zahlen? Wäre das gerecht? Was ist mit Eltern, deren Kinder Beamte werden oder zur Erwerbstätigkeit ins Ausland gehen und keinen Cent in die deutsche Rentenversicherung einzahlen? Und mit Eltern, deren Kinder so krank oder behindert sind, dass sie keinen sozialversicherungspflichtigen Job ausüben können, und deshalb auch nichts einzahlen? Sollen die Eltern dieser Kinder auch keine Rente bekommen? Das ist doch völlig unausgegoren, wenn man es mal konkret betrachtet.

      • @Budzylein:

        "Und sollen Kinderlose, die nach Ihren Vorstellungen keine Rente bekommen sollen, trotzdem Rentenbeiträge zahlen? Wäre das gerecht?" - Wie ich bereits dargelegt habe: Ja, das wäre tatsächlich gerecht. Meine Lösung wäre es aber nicht.



        Und Beamte zahlen für die Altersversorgung durch den Dienst den sie leisten, da die Bezahlung meist deutlich niedriger ist als in vergleichbaren Berufen der freien Wirtschaft. Da hier "Arbeitgeber" und Alterssicherung in Personalunion bestehen gibt es nur keine zahlenmäßige Darstellung. Die anderen Beispiele sind zahlenmäßig so gering, sass man sie durchaus mitfinanzieren kann. War früher(tm) mit den Kinderlosen auch so, heute ist es ein großes Problem.

        • @Samvim:

          „da die Bezahlung meist deutlich niedriger ist als in vergleichbaren Berufen der freien Wirtschaft“



          Ist so nicht richtig, und auch schon oft widerlegt worden, ich behaupte noch dazu: viele Beamte würden in der freien Wirtschaft definitiv keinen Job finden, über die Gründe darf man spekulieren😉

          • @kiwitt:

            Das ist meiner Kenntnis nach noch nie wiederlegt worden.



            Ein Beispiel: Ein erfahrener Werksfeuerwehrmann bekommt rund 70-80k brutto jährlich. Ein verbeamteter Hauptbrandmeister in der letzten Erfahrungsstufe 50k.



            Oder mal von oben: Die Berliner Polizeipräsidentin bekommt Besoldung nach B7. Das sind runde 12k brutto im Monat. Dafür führt sie eine Behörde mit 25000 Mitarbeiter. In der freien Wirtschaft leitet für dieses Geld niemand auch nur 250 Leute an. Sie dürfen mir gerne Gegenbeispiele nennen.

  • Was sich die 3000 Befragten in Bremen und dem Saarland wünschen ist vielleicht unrealistisch, bzw. ist ja gar nicht klar, wie das realisiert werden kann und rechnerisch aufgeht.



    Bzw. unsere Diskussion aus alten Zeiten: Jeder sollte 6000€ pro Monat verdienen. Zustimmungsquote: 98%. Warum also kein Gesetz dafür machen?

  • Ich weiß ja nicht, wer da befragt worden ist, ich bin nicht bereit mehr zu bezahlen und möchte lieber selbst zusätzlich vorsorgen. Der Staat kann es nämlich nicht.

    • @Phil82:

      Das können sämtlich nur welche aus dem Osten gewesen sein - die sind doch sowas von berühmt dafür, dass sie nix selber machen wollen...

      Läge doch nahe, oder?



      (Ach ja, sicherheitshalber: das war ironisch gemeint...)

    • @Phil82:

      Ja, aber andere Menschen können sich das eben nicht leisten. Und diese könnten Sie so im Sinne der Solidargemeinschaft mit unterstützen.



      Insofern führen höhere Abgaben da zu einer gerechteren Verteilung. Und da Sie sich die private Vorsorge leisten können, können Sie auch andere zusätzlich unterstützen

      • @DerLurch:

        Wie hoch sollten die Sozialabgaben denn sein?

      • @DerLurch:

        Jetzt wird ein Schuh draus. Die Leute sind bereit mehr zu zahlen, wenn sie am Ende deutlich mehr herausbekommen, was aber vor allem andere bezahlt haben. Schon jetzt sind diejenigen, die das Sozialsystem und den Sozialstaat am laufen halten, die „Besserverdienenden“. Was jemand, der privat vorsorgt, sich leisten kann und ob er für andere mitzahlen kann, hängt auch davon ab, wie er mit dem eigenen Geld umgeht. Vielleicht wird auch nicht essen gegangen oder nicht in den Urlaub geflogen?

        • @Strolch:

          Also sollten die mit wenig Geld noch auf Urlaub oder mal ein bisschen Erholung beim Essen gehen verzichten? Das kann doch nicht der Anspruch sein. Wer arm ist muss sich auch mal erholen dürfen ohne dafür verurteilt zu werden oder später Altersarmut ausgesetzt zu sein

      • @DerLurch:

        Das tue ich bereits mit meinen Abgaben. Aber anscheinend reicht den Leuten das nicht. Die wollen noch mehr. Dazu bin ich aber nicht mehr bereit. Der Staat sollte erstmal die Ausgaben prüfen und reduzieren.



        Und ich verdiene nicht soviel daß ich in die PKV wechseln könnte. Und selbst dann würde ich das nicht tun.

        • @Phil82:

          Hab Die denn gute Vorschläge zum kürzen? Realistisch umsetzbare? Es werden perspektivisch eher mehr Zahlungen an den staat nötig sein. Stichwort Rente

    • @Phil82:

      Richtiger Einwand. Und daher sind solche Gewerkschaftskisten unbrauchbar und keinesfalls wissenschaftlich valide. Daher weiß ich auch gar nicht, warum für derlei Berichte Gewerkschaftsgeld ausgegeben wird. Das ist kaum werthaltig, außer für das eigenen Klientel.



      Oder andersrum: Fragen Sie mal 3000 Leute am Starnberger See und Innenstadt Frankfurt. Und was dann die Gewerkschaft dazu sagen würden.



      Alles spalterisch und Quatsch. Keine Ahnung wie wir da als Gesellschaft weiter kommen wollen.

  • Mein Vater hat nach seiner Pensionierung in 1976 bei der Kreisverwaltung 75% seines letzten Arbeitsgehaltes als Pension bekommen. Ich glaube das haben die Angestellten damals auch bekommen, das ist akzeptabel. Daß das Renten-Niveau so weit heruntergedrückt wurde, ist eine Schande für den deutschen Staat. Über die Lohnnebenkosten wurde sich immer wieder beklagt. Die einen guten Job haben sollen sich nicht über eine kleine Mehrbelastung beklagen.

    • @Uwe Bosse:

      Tja ihre Generation hätte dann aber im Gleichenmaße wie ihr Vater Kinder kriegen müssen und dürfte auch nicht länger leben.

    • @Uwe Bosse:

      Durchschnittliche Lebenserwartung und damit der Bezugszeittraum lag damals fast 10 Jahre niedriger. Außerdem gab es kriegsbedingt in dieser Generation sehr wenig Rentenempfänger denen sehr viele Einzahler gegenüberstanden. Die Boomer hatten ja selbst sehr wenig Rentner zu versorgen. Das kann halt heute nicht funktionieren wenn bald auf jeden Beitragszahler mehr als ein Rentner kommt.

    • @Uwe Bosse:

      Jedes Jahr steigen die Belastungen dank erhöhter Sozialabgaben. Das muss ein Ende haben. Leistung muss sich wieder lohnen und nicht dazu führen daß man gleich eine kleine Mehrbelastung erhält als Dankeschön.

      • @Phil82:

        Das Problem ist doch, dass "Leistung" kein objektiver Begriff - und auch gar nicht quantifizierbar ist.

        Da hätten Sie jetzt eigentlich auch von alleine drauf kommen können. Wo Sie doch sonst so leistungsfähig sind.

      • @Phil82:

        Leistungsgesellschaft ist bestimmt toll, wenn alle gleich sind. Aber in unserer Welt bedeutet es einfach, dass Menschen mit weniger guten Voraussetzungen weniger Geld bekommen als andere. Das ist unfair.

        • @DerLurch:

          Und Fleißige bekommen mehr Geld als Faule. Ist das auch unfair?

        • @DerLurch:

          Wenn alle gleich arm sind, sind dann aber alle glücklich? Sollen die Putzkräfte genauso viel verdienen wie ein Chirurg? Wenn ja, werden wir uns gegenseitig die Wohnungen putzen und für ne OP in die Schweiz fliegen.

          • @Phil82:

            Nein genau soviel nicht aber der Realität angemessen..



            Wenn man selber nur von billigen Arbeitskräften profitiert



            aber sich dann darüber aufregt das die auch mehr Rente wollen.

        • @DerLurch:

          Das stimmt doch absolut nicht. Ich kenne genug Selbstständige, die nicht die besten Voraussetzungen hatten, aber durch Mut, Fleiß und Wochenendarbeit viel erreicht haben. Das ist Leistungsgesellschaft und es ist nicht unfair, wenn diese Menschen auch belohnt werden.

          • @Otto Mohl:

            Nur um die Menschen geht es gar nicht. Wer sein eigener Chef ist soll das auch verdienen, darüber regen sich auch die wenigsten auf.



            Es geht eher um die die vor lauter gier andere nicht angemessen bezahlen oder alles versuchen um nicht einen Beitrag an die Gesellschaft zurück zu geben.



            Es ist auch ein Beitrag zum sozialen Frieden in dem Land.

            • @Captain Hornblower:

              "Wer sein eigener Chef ist"

              Ist in rund 95% der Fälle auch der Chef anderer.



              Wohingegen das "Manager-Feindbild" vieler Linker eben in aller Regel "nur" angestellt ist. Viel Spaß bei einem zielgerichteten und gleichzeitig rechtssicheren Konzept 😎

            • @Captain Hornblower:

              Vielen Dank. Beruhigend zu sehen, dass es keine verlorene Position ist hier für Solidarität einzustehen

  • Das müssen wir jetzt nur noch Merz und seinen Lobbyistenkumpels und den Richtern, Beamten, Parlamentariern und den Reichen erklären, die sich ja für "gleicher" halten.

  • Wenn ich das richtig sehe, werden die großen Probleme des heutigen Sozialstaats hier gar nicht behandelt:



    - Viele Leistungen zu Existenzsicherung erreichen gar nicht die Menschen, die darauf angewiesen sind. Das Problem der Nichtinanspruchnahme aufgrund von 1. Unwissenheit, 2. Bürokratischen Hürden, 3. Scham und Stigmatisierung.



    - Die Menschen, die Transferleistungen beziehen, werden (zumindest bei vielen Leistungen) stigmatisiert, beschämt und gedemütigt. Das ist erstens ungesund und zweitens ein Einfallstor für die Spaltung der Gesellschaft.



    - Menschen, die Transferleistungen beziehen, profitieren (je nach Leistung) oft kaum durch die Aufnahme einer Erwerbsarbeit, da das erzielte Einkommen angerechnet wird. Dadurch wird die Motivation zur Erwerbsarbeit beschädigt - und zugleich wieder die Erzählung von den "faulen Sozialschmarotzern" gestärkt.

    Durch die Erwerbszentrierung des ganzen Systems entstehen außerdem starke Anreize, (volkswirtschaftlich) sinnlose oder sogar offensichtlich schädliche Arbeitsplätze zu retten oder zu schaffen (ggf. mit Steuermitteln) - und Rationalisierungspotenziale nicht zu nutzen.

    Ein starker Sozialstaat wäre eine gute Sache - gerne auch mit Hirn.

    • @Eric Manneschmidt:

      Ich denke eher, dass das größte Problem des Sozialstaats darin besteht, dass immer weniger Produzenten immer mehr Konsumenten versorgen sollen. Das kann auf Dauer nicht funktionieren. Finanzierungslücke, Scham und Stigmatisierung sind die Symptome, nicht die Ursache.

      • @Samvim:

        Aha.



        Aber Produzenten von was?



        Ich möchte persönlich gar nicht mit Zigaretten, Autos, Flugreisen, Smartphones oder Raketenwerfern "versorgt" werden.



        Und haben Sie sich mal mit der Produktivitätsentwicklung beschäftigt?

        Witzigerweise wird ja immer parallel zum Narrativ "es reicht einfach nicht für alle" auch noch das Narrativ "es geht uns die Arbeit aus" - durch die KI und so - verbreitet.

        Beide Erzählungen verbreiten lustig Angst in der Bevölkerung - und sind hanebüchen, realitätsfern und offensichtlich auch widersprüchlich.

        • @Eric Manneschmidt:

          Sie persönlich. In einer Demokratie muss man sich leider mit den persönlichen Vorlieben seiner Mitmenschen arrangieren.



          Das Charmante an der Marktwirtschaft ist, dass jeder als Konsument mitentscheidet, was produziert wird.

          • @Oma:

            Wirklich?



            Also erstens muss man sich keineswegs mit allen "Vorlieben seiner Mitmenschen arrangieren", insbesondere nicht, wenn diese nachweisbar zu Schäden bzw. externen Kosten führen. Siehe dazu www.zeit.de/politi...rationen-parlament

            Zweitens ist die Frage, inwieweit wir in einer "Marktwirtschaft" leben. Schauen Sie sich mal die Intensität staatlicher Eingriffe ins Wirtschaftsleben an, nicht nur durch (Steuer-)Subventionen. Und das Phänomen der Monopolbildung. Außerdem können Sie überhaupt nur als Konsument (ein bisschen) mitentscheiden, wenn Sie über Kaufkraft verfügen. Deswegen hat Musk ich weiss nicht wieviele Superyachten und andere Menschen nix zum Fressen.

            Und drittens leben wir in der Tat noch so weit in einer Demokratie, dass Sie damit leben müssen, dass jemand das Dogma "wir müssen mehr/möglichst viel produzieren" in Frage stellt...(und da bin ich ja keineswegs der Einzige).

        • @Eric Manneschmidt:

          Sind sie nicht. Wenn Sie etwas gelernt haben, was die KI übernimmt, ist Ihr Job weg. Sie können aber dann nicht einfach den Job machen, der eventuell gebraucht wird, weil sie diesen nie gelernt haben.

        • @Eric Manneschmidt:

          Ja, das Leben fordert eigenes Denken: Das Narrativ, die KI macht uns alle frei von Arbeit kommt von Anteilseignern dieser Branche... Dass irgendjemand unsere Nahrung, Kleidung, Wohnungen produzieren, die Kinder betreuen, die Alten pflegen muss (Kleiner Spoiler: Die KI machts nicht) etc. ist ein Fakt.

  • Für den Sozialstaat zu kämpfen ist auch Aufgabe der Gewerkschaften .



    Wann war der letzte Generalstreik- 1948 ,



    also ziemlich lange her .



    Leider gibt es ein streng rguliertes Streikrecht



    , um eben solche Generalstreike zu verhindern.



    Also weg mit den Streikverboten , dann können die Gewerkschaften auch für den Sozialstaat



    wirkungsvoll kämpfen.

    • @Worgt Michael:

      Man kann für alles Streiken, aber wer bezahlt es dann ? Die Gewerkschaften sicher nicht !

    • @Worgt Michael:

      Generalstreiks dürften die Produktivität nur noch weiter senken.

      Resultat: Mehr auf dem Papier, aber real weniger, weil nur Produktivität in der Lage ist, Sozialleistungen zu finanzieren!