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NSDAP-Vergleich von Charlotte Knobloch Die AfD ist nicht die NSDAP

Kommentar von

Klaus Hillenbrand

Ja, es gibt Ähnlichkeiten zwischen der AfD und der frühen NSDAP. Aber Nazi-Vergleiche helfen nicht weiter – nicht mehr.

D as Programm legt sich fest: „Jede weitere Einwanderung Nicht-Deutscher ist zu verhindern“, steht dort, aber auch: „Wir fordern einen großzügigen Ausbau der Alters-Versorgung.“ Wer nun meint, solche Sätze entstammten dem AfD-Programm, irrt. Die Sätze finden sich im Programm der NSDAP von 1920. Da ist von der Vernichtung der Juden oder der Abschaffung der Demokratie nicht die Rede. Die Partei gab sich pflegeleicht wie eine Kuscheldecke.

Charlotte Knobloch, die Grande Dame der deutschen Juden, hat die NSDAP mit der AfD verglichen. Sie sehe „in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP, bevor diese an die Macht gekommen ist“, sagte sie. Sie verhängt damit das denkbar stärkste Urteil über die AfD.

Doch ob dieser Vergleich weiterhilft, ist fraglich. Die Tabuisierung der Rechtsextremen hat lange funktioniert, es gelang keiner Partei, in der Nachkriegsdemokratie Fuß zu fassen. Doch heute ist „Nazi“ in manchen Kreisen kein Schimpfwort mehr. 80 Jahre nach Kriegsende umgibt ein Schleier des Vergessens das Verbrecherregime. Mit einer Tabuisierung lässt sich der Faschismus der 2020er-Jahre nicht mehr bekämpfen.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Vor allem aber: Der Vergleich funktioniert nicht richtig. Knobloch hat über die Frühzeit der NSDAP gesprochen, und dort hat sie nur teilweise recht. Die AfD steht weder auf den Uniform-Fetischismus der Alt-Nazis noch huldigt sie dem Führerprinzip. Ja, es gibt auch Ähnlichkeiten, an erster Stelle das völkische Denken. Doch hängen bleibt nur der Vergleich AfD und NSDAP. Und der ist falsch. Es wäre eine Verharmlosung der NS-Herrschaft, unterstellte man der AfD eine ähnliche Politik wie Adolf Hitler ab 1933. Das hat Knobloch nicht getan. Aber so bleibt es hängen.

Nazi-Vergleiche helfen bei der Bekämpfung der AfD nicht weiter. Sie helfen überhaupt nicht weiter. Denn was die Nazis getan haben, bleibt ein unvergleichliches Verbrechen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Klaus Hillenbrand taz-Autor

Jahrgang 1957, ist Mitarbeiter der taz und Buchautor. Seine Themenschwerpunkte sind Zeitgeschichte und der Nahe Osten. Hillenbrand ist Autor mehrerer Bücher zur NS-Geschichte und Judenverfolgung. Zuletzt erschien von ihm: "Die geschützte Insel. Das jüdische Auerbach'sche Waisenhaus in Berlin", Hentrich & Hentrich 2024
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131 Kommentare

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  • Privatkundig

    M.E. ist die Debatte um 100%ige Vergleichbarkeit ja, oder nein müßig. Man kann doch nicht der Auffassung sein, nur wenn alle Kriterien vollständig übereinstimmen bzw. vergleichbar sind, nur dann bestünde eine Gefahr. Wer sagt uns, dass ähnliches nicht genauso schlimm oder anders schlimm werden könnte. Natürliich muss es anders sein, da auch die Gesellschaft anders ist und nicht genau so wie zur Nazi-Zeit. Trump würde man auch nicht 100 % mit Hitler vergleichen, er ist aber anders schlimm, und diese Strukturen schwappen nach Europa. Sie vernetzen ihre Strukturen noch breiter. Wichtig sind die zugrundeliegenden Wirkmechanismen zu kennen, und welche Möglichkeiten es gibt dem entgegenzuwirken und ob es Menschen gibt, die so mutig sind dagegen zu stehen. Und hierbei gibt es Erschreckendes, wenn ich in die USA schaue, was die Wehrhaftigkeit und Standfestigkeit dieses Systems angeht und wie sich die Europäer dazu verhalten. In dieser Situation eine trügerische Ruhe zu verbreiten uns in einer trügerischen Sicherheit zu wiegen, halte ich für fahrlässig, weil wenn die AfD alleine schon Sicherheitsrelevante Informationen erhält wäre alleine das in einer hybriden Situation unkalkulierbar

    • Perkele

      @Privatkundig:

      Das ist ein sehr guter Kommentar, dem stimme ich voll und ganz zu.

  • Volker Maerz

    Die AgD stellt sich über alle möglichen Rückbezüge auf die NSDAP selbst in diesen Vergleichsrahmen (Alice für Deutschland?) insofern ist sie maximal daran interessiert, ihn voranzutreiben, gerade weil sie sich in einigem natürlich auch davon unterscheidet, mithilfe von Sophistereien darüber eine grundsätzliche Selbstverharmlosung zu betreiben. Aber auch das stellt sie wieder in die Tradition des Vorgehens des NS.

    Fazit: es bleibt eine mit Neonazis durchsetzte faschistoide Partei. Der Rest ist Rhetorik.

  • Deep South

    Na ja, solche Vergleiche sind ja nun nichts Neues. Für mich eskaliert die Sprache schon lange, in nahezu jedem Sektor und mit einer ignoranten Selbstverständlichkeit, dass es kaum noch jemanden auffällt. In sofern finde ich den Artikel zutreffend.



    Es gibt ja kaum noch ein kontroverses Thema, von der AfD bis hin zum Nahostkonflikt, dass ohne -historisch bedingt- eigentlich sensible Maximalbegriffe wie Faschismus, Nazis, Genozid, Holocaust Vergleiche, etc. auskommt. Es wird schon lange nicht mehr differenziert, Kritik am Gegener muss immer so emotional und extrem wie möglich ausfallen. Natürlich "muss" es einen AfD/NSDAP Vergleich geben. Die CDU macht ja auch "rechtsextreme" Politik, Grüne sind "Ökofaschisten". Es reicht nicht Israel schwere Kriegsverbrechen vorzuwerfen, man muss das Land einen "Apartheidstaat" nenen und ihm "Genozid" vorwerfen. Wagenknecht nennt die Ampel "gefährlichste Partei Europas", Böhmermann nennt Merz einen "Nazi". Und wir stehen immer kurz vor der "Machtübernahme der Nazis".



    Es geht scheinbar nirgendwo mehr ohne das absolut Böse. Das ist der aktuelle Zustand der Debattenkultur. Was Frau Knobloch gesagt hat, ist mitllerweile Normalzustand.

  • etroed

    Der Schlusssatz vom "unvergleichlichen Verbrechen" ist so oft schon gefallen, dass er nur noch als Beton-Mantra wahrgenommen werden kann. Zweck: jede Debatte zu diesem Thema im Keim zu ersticken und sei sie noch so differenziert angestoßen. Denn wie differenziert bitteschön soll eine Holocaust-Überlebende bitte argumentieren, damit wir zuhören? Wenn nicht genau so, wie Charlotte Knobloch es tut?



    Noch dazu mit den expliziten Worten: „Man kann es nicht gleichsetzen, aber vergleichen sollte man.“ Auch kann der Autor dieses Textes sich vielleicht mal die Frage stellen: wie the fuck soll Geschichtswissenschaft, soll Politologie etc. pp denn bitte vorwärtskommen - wenn nicht qua Vergleich? Das ist alles so plump gedacht und auch formuliert, dass ich als taz-Lesende seit Dekaden ernsthaft fragen muss: warum, taz, warum? Müssen wir solche Artikel von WELT-Niveau denn jetzt auch hier lesen? I don't get it.

    • Hans - Friedrich Bär

      @etroed:

      "Der Schlusssatz vom unvergleichlichen Verbrechen" ist so oft schon gefallen, dass er nur noch als Beton-Mantra wahrgenommen werden kann. "

      Möchte Ihnen zustimmen. Das ist eine Floskel, die die Opfer anderer Gräuel gering erscheinen lässt.

      z.B.



      Der Völkermord in der Cyrenaika geht den deutschen KZs voraus, an den ersten KZs, Giftgas, Todesmärschen ... haben sich die Deutschen orientiert.



      Den Völkermord jeweils an den Armeniern, Tutsis , Biafra , Kambodscha , Holodomor ... muss man nicht übergehen, um den monströsen Verbrechen, die von Deutschland zwischen 1933-1945 ausgingen gerecht zu werden.

      "Nazi-Vergleiche helfen bei der Bekämpfung der AfD nicht weiter. Sie helfen überhaupt nicht weiter. "

      Das ist nicht falsch, das ist irreführend für die, die Orientierung suchen. Vergleiche helfen immer.

      Wanderin hat den Artikel auf den Punkt gebracht : "Wir sind Gedenkweltmeister, Sie reden uns da nicht rein."

      Dass Stolpersteine das jüdische Empfinden beleidigen muss sich Charlotte Knobloch in einem Diskussionsbeitrag zu diesem Artikel auch noch vorhalten lassen.

      "So bleibt es hängen" : Bei mir bleibt hängen, dass der Kommentarartikel kopflos bis überflüssig war.

  • rero

    Auch andere haben schon eine vergleichbare Position zu Frau Knoblochs öffentlich formuliert.

    Womöglich hätte Herr Hillenbrand sich jemand anderen als Gegenpart suchen sollen.

  • Kreisler

    Ich halte die historische Analogie 1933 nicht nur für falsch, sie verstellt auch den Blick auf die aktuellen Verhältnisse. Unbenommen gibt es in der AfD völkisches Denken. Der Kern des AfD-Denkens ist jedoch "Deutschland zuerst!" in Kombination mit einem dezisionistischen Demokratieverständnis. Deshalb ist die aktuelle Analogie MAGA/Trump und in der Rückschau 1914 als Kulminationspunkt und finale Konsequenz einer "Jeder für sich"-Politik in Absenz demokratischer und rechtsstaatlicher Strukturen.



    Wer AfD wählt, wählt den Krieg.



    Wer AfD wählt, wählt die Isolation.



    Wer AfD wählt, wählt die Willkür.

  • Rosmarin

    Hilft eine Faschismusanalyse weiter?!



    "Die AfD ist noch keine faschistische Partei. Das macht sie aber nicht weniger gefährlich", wie Georg Fülberth feststellt.

    "Eine toxische Kombination der Gegenrevolution von oben und unten findet man in der AfD. Alice Weidel ist keine Plutokratin [wie Musk], wohl aber eine Verehrerin von Musk."

    "Die enorme Konzentration des Reichtums an der ökonomischen Spitze der Gesellschaft führt zu einem neuen Typ kapitalistischer Herrschaft: In der Plutokratie greifen die Eigentümer der größten Vermögen unmittelbar auf die staatlichen Institutionen zu. Die Institutionen der liberalen politischen Demokratie werden nicht gewaltsam beseitigt, sondern ausgehöhlt. Herrschende Ideologie ist ein umfassender, alle Klassen und Schichten erfassender Sozialdarwinismus ... Das sind Ausprägungen der Konterrevolution von oben.



    Was tut sich unten? Angebliche oder tatsächliche Verlierer sammeln sich in Bewegungen, deren Evangelium die völkische Selbstermächtigung ist. ... keine Milliardärs-Revolte, sondern Versuche chauvinistischer Selbstermächtigung von nach wie vor Ohnmächtigen." (Georg Fülberth)

    • Abdurchdiemitte

      @Rosmarin:

      Die Faschismusanalyse von Fülberth - danke übrigens für das Zitat - impliziert die Zulässigkeit, ja, sogar die Notwendigkeit des Vergleichs der AfD mit der NSDAP.



      Ich vermute, das zu zeigen war auch die Intention Ihres Kommentars. Und ich stimme vollinhaltlich zu.

    • Privatkundig

      @Rosmarin:

      Mir ist es egal wie man es konkret benennt, oder ob die Staatsform dann eine Mischform von mehreren erschreckenden Staatsformen ist.



      Alleine das was bei der AfD geäußert wird, wie taktiert wird, welche Handlungen vorliegen, muss in einer Gesamtschau bewertet werden, nur weil die schlimmen Dinge nicht im Partei-Programm stehen, wäre es naiv, sich darauf zu verlassen. Wie dumm müssten die sein, ins Parteiprogramm zu schreiben, Unwertes Leben oder Kranke zu töten, Frauen zu dominieren und in Abhängigkeit zu Mann zu halten, diese zum Gebären zu zwingen...das würden die doch niemals vorher schriftlich geben, weil sie dann verboten würden.



      Und die Putinnähe ist v.a. bei den neusten Gerichtsverhandlungen von AfD und Q-anon-Anhängern aussagekräftig, dass davon ausgegangen werden kann, dass bei der AfD auch die Russen ihre Finger im Spiel haben. Der ehemalige Polizist, der hier vor Gericht steht im Zuge eines aufgedecken Waffenlagers, berichtet, dass er sich damit auf einen Tag X vorbereite, an dem die "Alliierten Armeen der Russen und die USA übernehmen würden".



      Also wenn einem da nicht Angst und Bange wird, was sich da im Hintergrund Zusammenbraut!

  • Hans Dampf

    Wer die AfD mit der NSPAD vergleicht hilft der AfD



    Denn viele Wähler werden sagen, dass dieser Vergleich nicht stimmt und sich fragen, was da wohl noch alles behauptet wird und nicht stimmt.



    Die AfD ist eine Katastrophe für gute Demokraten, aber man muss sie trotzdem mit wahren Argumenten bekämpfen und nicht mit Unterstellungen und pauschalen Nazi-Vorwürfen. Auch und gerade dann nicht, wenn und weil es für wenige tatsächlich zutrifft. Aber war das Filbinger nicht auch so?

    • Andreas_2020

      @Hans Dampf:

      Die Aussage war ja nicht ein pauschaler 1:1-Vergleich, sondern in Teilen gleichen sich NSDAP und AfD.



      Die AfD war mal eine neoliberale, rechts-konservative Partei, inzwischen ist sie auf dem Weg eine klare rechtsextreme Partei zu werden. Ihre Inhalte fangen tatsächlich an, eine Schnittmenge sogar mit der NSDAP zu generieren.



      Gerade Björn Höcke ist der heimliche Stratege der neuen AfD. Und der steuert die Partei nach ganz Rechts. Seine Themen sind emotional, rational eher Müll, aber sie ziehen und da sind wir bei einer Wut und einer Irrationalität, die die AfD immer mehr zu einer klassichen faschistischen Partei machen könnte. Aber die Unterschiede, die es noch gibt, die sollte man klar erfassen und erkennen. Das wäre wichtig, sich eben nicht in die Pauschalisierung zu begeben.

  • Wanderin

    Erinnerungskultur ist entkernt wenn sie dazu dient:



    1. Holocaust - Überlebende mit "Wir sind Gedenk- Weltmeister, Sie reden uns da nicht rein” - Einstellung zu schulmeistern



    2. das Dritte Reich als “singuläre Marke” mit verkapptem Patriotismus auf den Scheußlichkeits-Sonderstatus zu verteidigen (“An die Führungsriege von damals kommt heute keiner ran in der AfD”)



    3. Sich in intellektuellen “Fachidiotien” nach dem Muster “den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen” zu verzetteln, als ob irgendwer behauptet hätte, dass das Dritte Reich 1:1 mit dem selben Personal, den exakt selben Details und dem Design von damals wiederauferstehen würde. Darüber völlig das Schicksal von Mitmenschen ausblenden.

    Da die Erinnerungskultur in Teilen von ihrem eigentlichen Zweck, der Mitmenschlichkeit, entkernt scheint, sollten wir uns fragen, wie sie heute zweckentfremdet wird: Als Hülle eines morbiden, versteckten Patriotismus, der seine "einzigartige" Identität aus den Gräueltaten des 3. Reiches schöpft und paradoxerweise völkische Phänomene der Gegenwart herunterspielt, um den identitären Ausnahmestatus vor jeglicher “Konkurrenz” zu verteidigen.

    • Hans - Friedrich Bär

      @Wanderin:

      "1. Holocaust - Überlebende mit "Wir sind Gedenk- Weltmeister, Sie reden uns da nicht rein” - Einstellung zu schulmeistern."

      Finde ich auch .

      Die TAZ macht bald eine Leser- Genuss Reise nach Castell. Sie kann sich ja mal kundig machen was Castell mit dem BDM zu tun hatte. Charlotte Knobloch war in Arberg versteckt worden, das ist zwar nicht direkt neben Castell, aber auch nicht besonders weit weg.

      Man kann sich das Nachkriegs-Schriftenverzeichnis der NS- Größe Jutta Rüdiger ansehen, dann erkennt man die Nähe von damals und heute.

  • test_name

    Ben Gvir ist nicht Eichmann. Vergleiche wären völlig unpassend. Besorgnis wegen einer angeblich rechtsradikalen israelischen Regierung steht uns nicht zu.

    • Perkele

      @test_name:

      Wenn nicht diese, welche Regierung ist denn dann rechtsradikal? Die ist nicht angeblich rechtsradikal, sie IST es.

    • KnorkeM

      @test_name:

      Handeln gegen offensichtlich ethnische Säuberungen in palästinensischen Gebieten ist Pflicht!



      Ob nach Kant oder Bonhoeffer

  • Rico Benz

    Der Artikel macht drei Dinge:

    - Die Manipulationstsstrategie der Identitären Bewegung und sonstiger neurechter Organisationen reproduzieren

    - Mansplaining gegebüber einer Holocaustüberlebenden

    - Linke und migrantische Menschen in falsche Sicherheit wiegen und sie davon abhalten, sich in Sicherheit zu bringen

    Bei allen drei Aspekten wäre die Frage, warum so etwas in einer linken Zeitung getätigt wird.

    • hedele

      @Rico Benz:

      Stimmt, Sie haben Recht!

    • MarsiFuckinMoto

      @Rico Benz:

      „Linke und migrantische Menschen werden davon abgehalten sich in Sicherheit zu bringen“...

      Im Ernst?!

      Das wäre ja der feuchte Traum eines jeden AFD-Politikers: Wir machen den Linken und Migranten jetzt einfach Angst und verscheuchen sie so aus Deutschland! Schon eine Idee wohin? Österreich (die FPÖ freut sich bestimmt)? Polen? Dänemark? Frankreich? Oder braucht Italien noch ein paar? Mal im Ernst: Wir können uns ja gerne einreden, dass morgen Bernd Höcker mit schmalem Schnauzer von der Reichskanzel brüllt und Weidel den Totalen Krieg ausruft. Aber vielleicht gehts einfach auch ne Nummer kleiner. Dann wird man nämlich auch in Zukunft noch ernstgenommen...

  • AugenhöheStattTribalismus

    Ich verstehe nicht wieso in letzter Zeit die TAZ-Artikel dann einfach gefühlt mittendrin abbrechen - und ohne sinnstiftende Conclusio, Synthese einfach klippenartig enden. Hat das mit einer redaktionsinternen maximalen textlänge zu tun? Die Artikel enden punktgenau dann wenn es gerade spannend wird. Genau wie in diesem, ebenfalls sehr spannenden, Artikel, hört es dann auf wenn es darum gehen sollte Lösungen anzudenken.

    Es fehlt mir hier die persönliche Einschätzung des Autors wie man der chronischen "Nazifizierung" der AfD etwas Fruchtbares entgegen setzen könnte. Wie reagiert man gegen radikal anmutende Wünsche von in D gut eingebetteten Einwanderern, die mit viel Herzblut die AfD wählen wollen, damit auf keinen Fall mehr Ausländer "ins Land" rein kommen - und damit unser Asylrecht untergraben. Bei dem Vorwurf dass die AfD aus "Nazis" besteht, schwingt ja vor allem die Angst mit dass es wieder so werden könnte wie in den 30er Jahren und danach.

  • Lindenberg

    Knobloch hat nicht gesagt, die AFD sei wie die NSDAP (Gleichsetzung), wie die taz-Schlagzeile im Umkehrschluss suggeriert, sondern darauf hingewiesen, sie sehe bei der AfD "in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP, bevor diese an die Macht gekommen ist".

    Das Gefährlichste an der AFD ist, was sie nicht öffentlich sagt.

    Ist es vorstellbar, dass an Schulen in Sachsen-Anhalt jüdische Kinder sicher vor der Diffamierung durch Kinder völkisch denkender AFD-Eltern sind? Wohl kaum. Ganz zu schweigen davon, im öffentlichen Raum seinen jüdischen Glauben offen zu leben. Ein Armutszeugnis für die ganze Gesellschaft.

    Der MDR packte in einem Interview den AFD-Spitzenkandidaten Siegmund in Watte, fragte banalste Fragen (Schuhgröße der Kinder, was wäre, wenn er die Kaulitz-Brüder treffen würde. Siegmund diffamiert daraufhin die Kaulitz-Brüder und der MDR weist nicht darauf hin, dass die Künstler Siegmund kritisiert hatten. Durch das Potsdam-Treffen fühle sich Siegmund gestärkt.



    Kein Wort dagegen von MDR.



    Journalistischer Opportunismus schon bevor diie AFD überhaupt herrscht.

    www.mdr.de/nachric...d-siegmund-100.htm

  • zartbitter

    Zitat Knobloch:



    „Natürlich sahen die Nazis von damals anders aus, hatten Uniformen, waren anders organisiert. Sie hatten von Anfang an klargemacht, was sie vorhatten, wie ihre Politik aussehen würde. Jeder konnte das wissen.“ Zum Vergleich zwischen der agd heute und der NSDAP vor 1933 sagt Knobloch:



    ==



    "" „Man kann es nicht gleichsetzen, aber vergleichen sollte man.“



    =



    Knobloch kommt zu dem Schluss: „Auch die NSDAP hat einmal klein angefangen und ausprobiert, was alles möglich ist. Exakt das passiert bei der agd: Ihre Politiker testen aus, was zumutbar ist.



    =



    Der Bundesverband RIAS dokumenterte 2025 bundesweit 8.725 antisemitische Vorfälle (etwa 24 Fälle pro Tag), während das Bundeskriminalamt (BKA) 6.548 polizeilich erfasste antisemitische Straftaten (ein Anstieg von 5 % ) registrierte.



    =



    ofek-beratung.de/

    • rero

      @zartbitter:

      Was sagt Ihre Einbeziehung der RIAS-Zahl aus?

      Die politische Zuordnung der Täter ist so ja völlig offen.

      Es hat sich inzwischen rumgesprochen, dass antisemitische Vorfälle nicht nur deutschen Rechten anzulasten sind.

  • zartbitter

    ""80 Jahre nach Kriegsende umgibt ein Schleier des Vergessens das Verbrecherregime.""



    =



    Wer hat denn den Schleier des Vergessens durch Weglassen für die nachwachsenden Generationen inszeniert?



    =



    Charlotte Knobloch war 12 Jahre alt, als WW2 zu Ende ging und sie den Holocaust in einem Versteck überlebte. Ihr Vater gründete 1945 die Israelitische Kultusgemeinde wieder. Sie selbst wurde in verschiedenen Funktionen in der jüdischen Gemeinde zur engagierten und kritischen Wegbegleiterin der Bundesrepublik bis heute. In ihrem bewegenden Buch blickt Charlotte Knobloch zurück, vor allem auf die letzten zwanzig Jahre, in denen jüdisches Leben in Deutschland so bedroht ist wie nie seit der physischen Vernichtung von 6 Millionen Juden in der Zeit von 1933 bis 1945.



    =



    de.wikipedia.org/w..._from_Jan_Sehn.png

  • Ricky-13

    Warum die taz jetzt auch schon mit "Relativierung" anfängt, begreife ich zwar nicht, aber viele Medien versuchen sich ja der neuen Zeit langsam anzupassen.

  • Perkele

    Doch es bleiben berechtigte Zweifel, dass die AgD sich nach einer "Machtübernahme" nicht weiter verschärft und brutal ihre Interessen durchsetzen wird. Das ist eine reale Möglichkeit und die sollte man im Auge behalten.

  • Christoph

    Jeder Beitrag, der dazu geeignet ist den Aufstieg dieser Nazis, genannt AFD zu verhindern, ist richtig! Punkt.



    Begreift das endlich. Es ist fünf vor zwölf.



    Das Rumnörgeln an Formulierungen nützt nur den Feinden unserer demokratischen Grundordnung!

  • Gerhard Krause

    Für mich hat Frau Knobloch in dem hier sie betreffenden Umfang vollkommen recht.

  • WoliBa

    Was für ein Null-Kommentar! Ihr (die TAZ) könnt das besser und ihr müsst es besser können.



    Der Vergleich sei falsch. "Es wäre eine Verharmlosung der NS-Herrschaft, unterstellte man der AfD eine ähnliche Politik wie Adolf Hitler ab 1933. Das hat Knobloch nicht getan. Aber so bleibt es hängen."



    Also, sie hat es nicht getan und euer Job wäre es, dass es eben so nicht hängen bleibt. Stattdessen kolportiert ihre die falsche Essenz, statt die AfD wirklich und tatsächlich mit der NSDAP zu vergleichen, wohlgemerkt: nicht gleichzusetzen!!!



    Die Bewegung und das Menschenbild dahinter, der gesellschaftliche Zustand, die Emotionen (Angst, Wut, Hass), das Denken (Mindset) der AfD-Wähler und Wählbaren, die geopolitische Lage, die neue Lust an der Zerstörung und der Politikstil, die Verunsicherung bei existentiellen Themen wie: Migration, Islam, Krieg, KI, Klima, Rente/Pflege ...



    Ihr solltet Frau Knobloch beispringen, ihr müsst nicht voll und ganz zustimmen, aber aufzeigen, dass sie möglicherweise aus sehr guten Gründen nicht ganz falsch liegt und ihr es gut verstehen könnt, weil ihr es wollt, weil ihr es nicht besser wissen könnt.



    Tabuisierung ist keine gute Idee, aber Verharmlosung auch nicht.

  • Black & White

    Wie erlangt man Aufmerksamkeit? Durch Übertreibung, Skandalisierung, Provokationen und Dramatisierungen etc.. Dieser rhetorischen Methoden bedienen sich alle politischen Richtungen und Parteien.







    Je härter und extremer ich formuliere, desto stärker ist die Wirkung, zumindest aber ist sie kurzfristig, sprich Schlagzeile, garantiert. Der Nazi-Vergleich/-Gleichstellung ist besonders hervorzuheben, weil die Nazi-Herrschaft so verheerende Auswirkungen mit Millionen Toten gehabt hatte. Möchte man den max. Effekt erreichen, wird häufig der Nazi-Begriff verwendet.







    Allerdings ist das aus folgenden Gründen keine gute Idee:



    1) Die Grausamkeit der Nazis wird heruntergespielt.



    2) Auf der anderen Seite werden Menschen in der heutigen Zeit mit den größten Verbrechern gleichgesetzt/verglichen. Ich halte das für menschenverachtend.



    3) Sachlich ist das (oft) nicht begründet.



    4) Die Gewöhnung an den Gebrauch von "Nazis" und "Faschisten" tritt ein, es verliert an Wirkung.



    5) Da die Wirkung nachlässt müssen immer neue extreme Begrifflichkeiten gefunden werden.



    6) Ein möglicher Diskurs wird dadurch völlig zerstört.



    7) Die Angegriffenen werden auch radikaler.

    • zartbitter

      @Black & White:

      "" Der Nazi-Vergleich/-Gleichstellung ist besonders hervorzuheben, weil die Nazi-Herrschaft so verheerende Auswirkungen mit Millionen Toten....."!"



      =



      Bis Ende 1936 hatten die Nazis die rechtliche Gleichstellung der Juden, die sie seit der Emanzipation im 19. Jahrhundert besaßen, vollständig vernichtet. Juden wurden systematisch isoliert, wirtschaftlich geschwächt und und sind zu Bürgern minderen Rechts degradiert worden.



      =



      Knobloch : ""Man kann es (nsdap & agd) nicht gleichsetzen, aber vergleichen sollte man.“ 2..„Ihre Politiker (der agd) testen aus, was zumutbar ist“ und weiter: "Auch die NSDAP hat klein angefangen und ausprobiert, was alles möglich ist. Exakt das passiert bei der agd: Ihre Politiker testen aus, was zumutbar ist. Und wir sehen: Sie wachsen mit zunehmender Radikalität.“



      =



      Knobloch hat mit 93 Jahren nicht verlernt zu differenzieren - und hat die unterschiedlichen rassistischen Entwicklungsstufen vor einem Progrom verstanden.



      =



      Remigration fordernde agd-Politiker propagieren massenhafte Abschiebung/Ausweisung – sogar von Deutschen. Es sind Historiker die Parallelen zu ethnischen Vertreibungen faschistischer Regime ziehen.



      =



      Was soll daran falsch sein?

      • Black & White

        @zartbitter:

        Falsch im engen Sinne ist es nicht. Falsch ist es in der hervorgerufenen Wirkung, ob gewollt oder ungewollt. Manche Vergleiche sollte man einfach lassen, gerade es es um sensible Themen geht, die leicht mißverstanden werden können.

        Da hilft es auch nicht, wenn man ausdrücklich darauf hinweist, dass es ein Vergleich und keine Gleichsetzung ist. Oder so unkonkret formuliert ("... in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP..."), dass viele Interpretationen möglich sind.

        Stellen Sie sich mal vor, wenn die AfD die Gründungsphase linker Gruppen mit der NSDAP vergleichen würde ("... Auch die NSDAP hat einmal klein angefangen..."). Wie würde man reagieren, etwa so: Ist doch nicht so schlimm, ist ja nur ein Vergleich und keine explizite Gleichsetzung?

        Die rhetorischen Stilmittel von Frau Knobloch können alle Menschen anwenden, ob links, ob rechts. Sie werden dadurch nicht falsch, wenn es auch Rechtsradikale tun.

        Bei diesem sensiblen Thema sollte man m.E. darauf verzichten. Die Gefahr einer gegenseitigen Eskalation ist einfach zu groß. Ich weiss aber auch, das mein Wunsch nur ein frommer Wunsch bleiben wird - und täglich grüßt das Murmeltier.

        • zartbitter

          @Black & White:

          Das OVG Münster bestätigte die Einstufung der agd als rechtsextremistischer Verdachtsfall durch das Bundesamt für Verfassungsschutz. Das Gericht stellte fest, dass der Verdacht besteht, dass Teile der Partei gegen die Menschenwürdegarantie verstoßen. Die Bezeichnung „gesichert rechtsextremistisch“ oder „faschistisch“ für die GESAMTPARTEI ist damit gerichtlich NICHT ABSCHLIESSEND festgestellt - was bedeutet das es auf dieser Ebene der Diskussion eindeutig ist, das Teile der agd gerichtsnotorisch als faschistisch erkannt wurden und es lediglich in den kommenden Urteilen darum geht, ob die Gesamtpartei juristisch als faschistische Partei eingestuft werden kann.



          =



          2. Ein Konsens besteht unter Historikern darüber, dass sich die AfD seit Gründung kontinuierlich nach rechts radikalisiert hat und zentrale Akteure geschichtsrevisionistische sowie völkisch-nativistische Ziele verfolgen.



          =



          3.. Bei Historikern wie Michael Wildt, Hajo Funke, Volker Weiß und anderen geht es parallel zum juristischen Verfahren nur noch darum inwieweit die agd - Gesamtpartei historisch korrekt als faschistisch bezeichnet werden kann.



          =

  • R.L.

    Die NS Traditionen kommen uns ja leicht abgeändert der Welle durch Trumps Einfluss+ die autoritäre Sehnsucht zu Gehorchen des Merz +Reiches Gehorsam verändert zurück.Dass da auch Querverbindun-gen sind zeigt die Doku zur US Historie der Euthanasie von PBS=Public Broadcasting System: die- schnell noch vor Kürzung der staatlichen Subventionen durch Trumps Befehle zur Geschichtsklitterung gemacht-, zeigt diese Doku, wie in den USA Anfang des 20 Jahrhunderts & bis in die 30ger hinein populistische rechte Diskurse Rassismus&Abelismus schührten,die auch dort zu breiten Gefolgschaft für KKK und "uns Adolf "führten. Dass mit Delano Roosewelt ein Millionär Präsident sich für soziale Gerechtigkeit, Kartellrecht +gegen Nazis einsetzte, auch durch Jüdische Frau an der Seite:dies Erbe will Trump abreissen & tat es auch schon mit dem Ostflügel des Weissen Hauses.Die US Kräfte, die uns von den Nazis befreiten, will er vergessen machen.Merz mit seinem SS Opa ist da kein demokratisch starker Antipode, sondern eher kulkturell verwandt auch als ex BlackRock CEO.Diesmal ist es eine terrestrische Antifa, bzw. Demokratie in die Ökonomie! Donut Ökonomie, die wir brauchen! Erd Demokratie #debt4climate

    • Wanderin

      @R.L.:

      Auch Donald Trump ist deutsch in 3. Generation. Der Grossvater Friedrich Drumpf kam aus Bayern und machte als Bordellbetreiber zur Zeit des Goldrausches das erste Vermögen. Er kehrte nach Bayern zurück, heiratete dort, kurz darauf kam der Vater von Donald Trump in NY zur Welt. Die Rückkehr in die USA erfolgte, um den Konsequenzen der nicht nachgekommenen Wehrpflicht zu entgehen.

      Die ältere, mittlerweile verstobene Schwester von Donald T., Maryanne, beschrieb den gemeinsamen Vater als grausamen Patriarchen, der insbesondere den Bruder von Donald zum Sündenbock machte. Dieser ging beruflich eigene Wege und wurde als Abtrünniger vom Familienunternehmen und autoritären Familiensystem zur Dauer- Zielscheibe von Häme, Spott und Abwertung bis in den frühen Tod. Das Handwerk der politischen Hetze musste Donald nicht erlernen. Er hat es mit der Erziehung zuhause mitbekommen.

      • ToMuch

        @Wanderin:

        Trumps Vorfahren kamen aus der Pfalz, genauer gesagt, aus Karlstadt. Wenn man schon protzt, dann bitte richtig.

        Dazu gibt es eine Dokumentation aus Karlstadt: Kings of Karlstadt.

        • Wanderin

          @ToMuch:

          @TooMuch



          Kallstadt, nicht Karlstadt. Kallstadt war damals Teil des Königreich Bayern. Das können Sie gerne hier und an anderen Stellen nachlesen: en.wikipedia.org/wiki/Frederick_Trump

          Wenn man schon korrigieren möchte, dann bitte richtig. :)

          Warum Sie meinen Kommentar als "Protzen" wahrnehmen, erschliesst sich mir nicht- aber danke für den Beitrag.

        • Thomas Böttcher

          @ToMuch:

          Ich kann auch protzen:

          "Frederick Trump (* 14. März 1869 in *Kallstadt*, Pfalz, *Königreich Bayern* als Friedrich Trump; † 30. Mai 1918 in New York City, USA)"

  • Jost Peter

    Ja, sachlich alles richtig. Aber nötig herauszustellen? Ist es nicht vielmehr hinderlich anderen Antifaschist*innen zu erzählen, dass ihre Einwände "nicht weiter helfen"? Brauche ich jetzt als erstes Strategiedebatten mit etwas Mansplaining gewürzt? Ein breites Bündnis und Gegenseitige Unterstützung ist nach meinem Dafürhalten deutlich wichtiger. Vor allem hinein in bürgerliche Kreise und erst recht zu Verfolgten des Naziregimes - auch wenn ich Argumente nicht teile oder bewusst nicht anführe.



    Jost Peter, Essen

  • Abdurchdiemitte

    Wer einen Vergleich des historischen Faschismus (auch des NS) mit dem neuen oder ‚demokratischen‘ Faschismus unserer Zeit nicht zulassen will, ignoriert auch die neuere Forschung zu diesem Thema. Und normalisiert damit die AfD.



    Und selbst, wenn jemand der Meinung ist, die AfD sei in ihrer Gesamtheit keine faschistische Partei - und deshalb ein Vergleich mit der NSDAP unstatthaft -, sollte er/sie doch zur Kenntnis nehmen, dass die AfD Faschisten/Nazis in ihren Reihen duldet, wie die NSDAP einem ethnonationalistischen Weltbild frönt und ständig durch öffentliche geschichtsrevionistische Äußerungen ihrer Vertreter auffällt.



    Woher bloß kommt der Reflex, die AfD vor NS-Vergleichen in Schutz nehmen zu wollen, während Antifaschisten pauschal als Gewalttäter, Antidemokraten und Linksextremisten angeprangert werden? (Siehe dazu auch den heutigen Beitrag von Jörg Uthoff hier in der taz.)

    • Agarack

      @Abdurchdiemitte:

      "Wer einen Vergleich des historischen Faschismus (auch des NS) mit dem neuen oder ‚demokratischen‘ Faschismus unserer Zeit nicht zulassen will, ignoriert auch die neuere Forschung zu diesem Thema."



      Der Vergleich findet in diesem Artikel statt, das Ergebnis des Vergleichs folgt am Ende - es gibt signifikante, offenkundige Unterschiede. Ich hätte noch hinzugefügt, dass die AfD keine paramilitärische Truppe (wie die Nazis die SA) unterhält.

      Ich glaube, dass es deshalb immer kritischer gesehen wird, die AfD pauschal mit der NSDAP gleichzusetzen, weil es lange einen gegenläufigen Trend gab, der unterm Strich vor allem Vergleiche mit der NSDAP in ihrer Wirkung deutlich abgeschwächt hat. Wenn alle Nazis sind (siehe z.B. Pantisano), dann verliert das Label "Nazi" seinen Schrecken.

      Ich halte aber trotz aller Unterschiede die AfD für so gefährlich, dass sie verboten werden sollte.

      • hedele

        @Agarack:

        Was sind denn die identitäte Bewegung, die Sportbünde zur "Selbstverteidigung" und Martial Arts sowie die Vernetzung zur Hooliganszene anderes, wenn nicht paramilitärische Truppen, derer sich die AfD gerne bedient?



        www.t-online.de/na...gesetzt-haben.html



        Schon jetzt agitiert die AfD gegen eine spätere strafrechtliche Verfolgung solcher gefährlicher Körperverletzungen und will die politische Gesinnung darin nicht mehr strafschärfend berücksichtigt wissen.

      • Klabauta

        @Agarack:

        Pantisano sprach von "faschistischer Politik", nicht von Nazis. Insofern geht Ihre Kritik ins Leere.



        Man sollte, ich kann es nicht oft genug betonen, nicht ständig Faschismus und Nationalsozialismus gleichsetzen. Das führt tatsächlich zu einer Verharmlosung des genozidalen Nationalsozialismus, der ihn signifikant von anderen Faschismen unterscheidet (womit ich Letztere nicht verharmlosen will).

        • Agarack

          @Klabauta:

          Im allgemeinen Sprachgebrauch werden der Nationalsozialismus und der Faschismus als Begriffe in Deutschland quasi austauschbar verwenden. Das darf man gern kritisieren, aber wenn man jemandem in Deutschland vorwirft, "Faschist" zu sein, dann wird der sagen, er sei als "Nazi" bezeichnet worden.

    • Wanderin

      @Abdurchdiemitte:

      "Woher bloß kommt der Reflex, die AfD vor NS-Vergleichen in Schutz nehmen zu wollen, während Antifaschisten pauschal als Gewalttäter (..) angeprangert werden?"-



      .



      Ja, instinktive, reflexhafte Solidarisierung mit der Täterseite.



      Tut man das von links, winkt ausserdem die Gelegenheit, sich als Volks- Versteher zu profilieren..



      .



      Zum anderen ist zu bedenken, dass viele im letzten Jahrzehnt vielleicht schon so oft im Bekanntenkreis bei bestimmten Stammtischparolen bewusst weggehört, normalisiert und weggeschaut haben, dass konsequentes Weiter-Verharmlosen der einzige mögliche Fluchtweg vor dem Eingestehen der eigenen Feigheit ist.



      .



      Jeder ist den AfD-lern schon begegnet! Das macht das Thema, wie man gesellschaftlich mit der AfD umgeht, zu einem sehr persönlichen und keinem rein theoretischen. Spielt man das Problem konsequent herunter, hat man bequemerweise auch keine Verantwortung. Weder für versäumtes Handeln noch für zukünftiges.

  • Joachim Petrick

    Charlotte Knobloch macht Punkt bei Vergleich AfD mit NSDAP 1920 vor Hitler/Ludendorff Putsch 9.11.1923 Marsch auf die Feldherrenhalle München. Quelle: Hansjörg Wiesel 1980: “Der Schriftsteller Oskar Maria Graf erinnerte sich an Hitler wahlweise als „Wotan­deutschen“ oder „Spitzel“, der in den Künstler­ateliers und Kaffeehäusern im Schwabing der 1920er Jahre herumschnüffelte, die Leute ungefragt mit seiner Ideologie belästigte und dabei geiferte wie „ein totaler Hysteriker, der seinen Tenor nicht halten kann“. Man hätte Hitler damals leicht aufhalten können" Text will wohl Punkt machen, dass die nach Hitlers Entlassung aus der Festungshaft Landsberg mit Hess 1925 neugegründet eine andere war, die sich auf Parlamentsweg begab, bei der verfassungskonformen Macht Übergabe an die NSDAP mit einer Wette auf Unwägbarkeiten der Hefe des Volkes unterwegs war, schon am 20 Juni 1926 strauchelte, indem NSDAP nicht Goebbels, Strasser sondern Hitler folgte, sich mehrheitlich von der Hefe des Volkes beschlossenem Fürstenenteignungsvolksentscheid entgegenzustellen zugunsten Fürsten Adels, Ruhr-und Rheinstahl Baronen. Die Hefe des Volkes ruhte still nach Hindenburgs Machübergabe an NSDAP 30.1.1933

  • Apfelesser

    Erstaunlich, wie die Aussagen von Frau Knobloch kritisiert werden. Einer Frau, die aus erster Hand weiß wovor sie warnt.

  • StefTack

    Lieber Herr Hillenbrand,

    mit Ihrer These, "was die Nazis getan haben, bleibt ein unvergleichliches Verbrechen", tappen leider auch Sie in jene Falle, die Justus Bender in seinem gestern erschienenen Buch "Deutschland 2033" u.a. auf Seite 12 wie folgt kommentiert: "Doch weil wir so geduldig sind in der über Jahrzehnte gewachsenen



    Souveränität unseres Geschichtsverständnisses, hätten



    wir eine ruhig formulierte Antwort parat: Wir können unsere



    Rede von der Singularität der Jahre 1933 bis 1945 nicht durchhalten,



    wenn wir irgendetwas aus der Geschichte lernen wollen."

    Wir lernen eben nichts (!) aus unserer Geschichte, wenn wir uns immer weiter bequem auf irgendwelchen (behaupteten) Singularitäten ausruhen. Wir dürfen diese Singularitäten schlicht nicht weiter als argumentative Monstranz vor uns hertragen, weil dadurch nicht nur fast jeder kritische Diskurs von vorneherein abgewürgt wird, sondern auch, weil wir uns dadurch gewissermaßen selbst blind machen bzw. in unserem Wahrnehmen-WOLLEN beschneiden, bis es wirklich zu spät ist.

    Schon in seiner Einleitung dekliniert Bender durch, warum "Nie wieder" nur noch eine leere Phrase ist und warum es mittlerweile mehr als das braucht!

    • Christoph

      @StefTack:

      Genau das wollte ich schreiben. Sie haben es exzellent ausgedrückt!

  • amigo

    Vergleichen heißt nicht Gleichsetzen – wer die AfD reflexhaft als bloße „NSDAP 2.0“ abtut, macht es sich historisch und politisch zu einfach. Dennoch offenbart der Blick auf die Strukturen erschreckende Parallelen und entscheidende Unterschiede.



    ​Die Parallelen: Beide Parteien speisen sich aus der völkischen Ideologie, dem schamlosen Schüren von Ängsten und der Verächtlichmachung der parlamentarischen Demokratie. Wie einst die NSDAP nutzt die AfD die Instrumente der Republik, um sie von innen heraus zu untergraben. Begrifflichkeiten wie „Remigration“ fungieren als moderne Tarnsprache für altbekannte Vertreibungsfantasien, während parlamentarische Institutionen als Vorfeld der Machtübernahme missbraucht werden.



    ​Die Unterschiede: Die NSDAP war eine offen paramilitärisch organisierte Bewegung mit SA-Terror auf den Straßen, getragen von Massenarmut und den Trümmern der Weimarer Republik. Die AfD dagegen agiert aus einer satten Wohlstandsgesellschaft heraus als digital aufragender TikTok-Populismus und völkische Parlamentsfraktion.



    ​Die Lektion der Geschichte lautet: Eine Bedrohung muss nicht erst im Gleichschritt marschieren, um die Demokratie zu vernichten.

    • Andreas_2020

      @amigo:

      Die AfD profitiert nicht von einer satten Wohlstandsgesellschaft, sondern sie kommt so richtig auf Touren, wenn es vor Ort an Infrastruktur, Wirtschaftsbetrieben, kulturellen Angeboten und medizinischer Versorgung mangelt. Im Grunde wählen Menschen in strukturschwachen Gebieten überproportional die AfD. Und die AfD fängt an, sich zu militarisieren, aggressiver zu werden. Sie entwickelt sich mehr oder weniger seit einigen Jahren immer rechtsextremer und ihre innerparteiliche Demokratie wird mehr oder weniger immer stärker von den extremen Kräften bestimmt, sprich die internen Diskussionen werden Stück für Stück zurückgebaut. Das macht die AfD zu einer sehr merkwürdigen Partei, weil sie von Menschen gewählt und favorisiert wird, die eigentlich nicht das erhalten würden, was sie sich wünschen.

  • RenitenterBoomie

    Richtig. Charlotte Knobloch ist manches Mal nicht so auf den Punkt. Weiss nicht ob Sie Ihr Gefühl inzwischen überwunden hat, mit den "Stolpersteinen" trete man die Opfer der Verbrechen mit Füßen.

    Hier scheint mir das Problem aber etwas anderes zu sein.



    Es handelt sich um den reflexhaften Reflex des Affektes, der unmittelbar in einen Wettbewerb, eine Challenge, also den allgegenwärtigen "Markt" eintritt. Der bekanntlich alles regele.



    Während nicht mehr präsent ist, wohin das Marktförmige Ökonomisierte was wohin regelt.

    Der Bezug zur NSDAP ist richtig, nicht weil die AfD "genauso" oder "schlimmer" oder "weniger schlimm" ist.



    Sondern weil es die kollektive und zu kollektivierende (historische) konkrete Erfahrung, Geschichte der Gesellschaft Deutschlands ist.



    Das nächste -eigentlich inzwischen immer falsch eingesetzte- Argument lautet: Es handele sich um ein "Verharmlosung der Verbrechen der Nazis" So als sei es das Recht, der späte Sieg des deutschen Faschismus die Messlatte gesetzt zu haben. Unterhalb derer Dies-Das -Achtung: Challenge! - weniger schlimm sei.

  • Andreas_2020

    Natürlich ist die AfD nicht die NSDAP. Die eine Partei ist als neoliberale, rechts-konservative Partei gegen die CDU entstanden, die andere Partei aus der Deutschen Arbeiter Partei hervorgegangen, im Grunde genommen, als eine Waffe gegen die Arbeiterbewegung, die 1918/19 die Macht in Deutschland übernehmen konnte. Später lebte die NSDAP von einer Demokratie, die nicht wehrfähig war und keinen Kompass für Extreme hatte. Das ist heute anders, die AfD ist inzwischen eine völkisch-rassistische, immer noch neoliberale Partei, die aber wie die NSDAP auch den Systembruch anstrebt. Anders als die NSDAP hat die AfD noch interne Demokratie, die allerdings zusehends von rechtsextremen gesteuert wird. Ich würde die Parteien nicht gleichsetzen, auch wenn es sehr überzeugende Gemeinsamkeiten gibt, so fordert die AfD Dinge, die sich gar nicht miteinander verbinden lassen, verspricht Wohlstand, will aber Ausländer und vor allem ausländische Arbeitskräfte deportieren. Die NSDAP hat sofort alle Institutionen gleichgeschaltet, die AfD will den staatlichen Rundfunkt reduzieren und praktisch unbrauchbar machen, um aber private ihr genehme Medien zu etablieren. Insofern sollte man die nicht gleichsetzen

  • TaAl

    „Die AfD steht weder auf den Uniform-Fetischismus der Alt-Nazis noch huldigt sie dem Führerprinzip.“

    Noch nicht. Muss ja nicht so bleiben.

    Ich finde diesen Debatten-Text ein bisschen zu kurz und zu unspezifisch als das mich dieser Artikel beruhigen würde.



    Ja, der geschichtliche Rahmen ist heute etwas anders. Und ich glaube auch nicht, dass sich Geschichte 1:1 wiederholt oder wiederholen kann. Aber der Nukleus allem Nazi- oder NSDAP-haften besteht in der Ausländerfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Behindertenfeindlichkeit und in der Geld- und Machtgier.

    Nazis wollen vor allem anderen nur unser Bestes: Unser Geld!



    Damals wie heute.

    • Swaggart

      @TaAl:

      Etwas eigenartige, ja schlichte Vorstellung von dem, was „wir“ als „unser Bestes“ ansehen. Aber ich kann mir schon vorstellen, woher sie rührt.

    • Marcelo

      @TaAl:

      Aber eine Partei was unterstellen, das sie das machen könnten sollte man auch nicht.

      • Der olle Onn

        @Marcelo:

        TaAI unterstellt nichts. Da steht lediglich, dass die Entwicklung in der Zukunft noch offen ist...



        Und was das Geld betrifft, das über Posten und Pöstchen zu erlangen ist - da brauchen wir wohl nicht weiter drüber zu diskutieren.

        • Marcelo

          @Der olle Onn:

          Das lese ich anders

  • Zippism

    Dem Artikel kann ich tatsächlich nur zustimmen. Der zwanghafte NSDAP-AfD-Vergleich ist historisch wie politisch ziemlich absurd. Natürlich kann und soll man die AfD für konkrete rassistische, völkische oder demokratiefeindliche Positionen kritisieren. Dafür braucht es aber nicht ständig den Umweg über Hitler und die NSDAP.

    Geradezu grotesk wird es, wenn aus jedem Unterschied zwischen AfD und NSDAP ein „Aber damals war es 1928 auch noch nicht so weit!“ konstruiert wird. Damit wird Geschichte nicht analysiert, sondern eine Vergleichsmaschine gebaut, die am Ende immer beim gleichen Ergebnis landet: AfD = Vorstufe 1933.

    Die NSDAP war eine singuläre historische Erscheinung mit einer konkreten Ideologie, einem konkreten historischen Kontext und letztlich beispiellosen Verbrechen. Wer diese Geschichte ernst nimmt, sollte sie nicht zur politischen Universalkeule degradieren, mit der jede unliebsame rechte Partei zwangsläufig zum nächsten Hitler erklärt wird.

    Man kann die AfD scharf bekämpfen, ohne sie zur NSDAP 2.0 zu fantasieren. Und vielleicht ist gerade das die angemessenere Form, aus der Geschichte zu lernen.

    • RenitenterBoomie

      @Zippism:

      "Die NSDAP war eine singuläre historische Erscheinung mit einer konkreten Ideologie, einem konkreten historischen Kontext und letztlich beispiellosen Verbrechen. "

      Das ist nahezu vollumfänglich und absolut falsch.

      Aber offenbar weit verbreitet. Nehme an, es dient allein dem Selbstgefühl, Selbstkonzeption, mit solch scheinbar kompakt-radikaler Erkenntnishaltung, ein für alle mal alles Leugnen, alles Relativieren zu eliminieren.



      Das ist mehr Psychologie des kollektiven Traumas, das der bürgerliche NSDAP-Faschismus im bürgerlichen Gemüt hinterliess. Zudem immer mit einem unangenehmen Nachgeschmack: Selbst beim Verbrechen unangefochten Sieger, Einzigartig, Unvergleichlich zu sein.

      Fraglos sprengt die Shoa in jeder Hinsicht - schon aufgrund ihrer organisatorisch-industriellen-zeitlichen Kompaktheit alle Grenzen.

      Aber für die Indigenen Nord-Südamerikas, ist ihre kollektive Erfahrung des dort jeweils ganz konkreten, einzigartigen, singulären Völkermordes, sowenig im Wettbewerb mit der Shoa, wie sich Armenier, Tutsis, Palästinenser, Kurden,(...) hinten anzustellen haben. Wird in Deutschland -letztlich- einmal mehr die Weltspitze beansprucht. Um Völkermord nicht Völkermord zu nennen.

    • Andreas_2020

      @Zippism:

      Die AfD trifft auf eine wehrhafte Demokratie und entstand aus einer rechtskonservativen Partei. Das macht einen großen Unterschied aus.

  • Petzi Worpelt

    "Doch heute ist „Nazi“ in manchen Kreisen kein Schimpfwort mehr. 80 Jahre nach Kriegsende umgibt ein Schleier des Vergessens das Verbrecherregime."

    Dass "Nazi" kein Schimpfwort mehr ist, liegt auch daran, dass 90% der Bevölkerung schon mal als Nazi betitelt wurden. Weil sie gegen ein Windrad demonstriert haben, Kölndomplatte schlimm fanden, Corona-Maßnahmen überzogen fanden, gegen Habeck demonstriert haben, Fleisch essen, usw.. Das war komplett überzogen, hat aber immer noch keiner draus gelernt, alle machen munter weiter.. Und jetzt ists den Leuten schlichtweg egal.

    Demnächst ist auch jeder zweite Faschist. Was kommt danach?

    • Carcano

      @Petzi Worpelt:

      Ihrer Kritik an der Verwässerung des Begriffs "Nazi" durch seine Ausweitung auf alles, was einem nicht gefällt, kann ich nur zustimmen.

      Dieser eigentlich recht genau definierte Begriff verliert dadurch jede Trennschärfe und wird dadurch ebenso beliebig wie jedes andere Schimpfwort.

  • Anna Bell

    Ich behaupte mal, dass der Autor den Unterschied zwischen “vergleichen” und “gleichsetzen” nicht verstanden hat. Zumindest drängt sich mir das mit dem Aussagen im vorletzten Absatz auf.

    • rero

      @Anna Bell:

      Ihre Behauptung stimmt offensichtlich nicht. Er hat es verstanden.

      „in vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP, bevor diese an die Macht gekommen ist“

      Das ist ein Gleichsetzen.

      Auch im letzten Absatz geht es um beides.

      Weil die politischen Akteure immer beim Vergleichen das Gleiche herausstellen und alarmieren wollen.

      Der Vergleich der AfD mit den Nazis mündet quasi immer in eine Fleichsetzung.

      Wenigstens in Teilen.

      Oder wieviele Linken-Politiker haben Sie in Erinnerung, die sagten:“Ok, die AfDler sind schlimm, aber im Vergleich zur NSDAP ist sie harmlos.“?

      • Abdurchdiemitte

        @rero:

        „Der Vergleich der AfD mit den Nazis mündet quasi immer in eine Gleichsetzung.“



        Okay, ich frage mal etwas provokativ: was ist daran so schlimm, die AfD als Nazi-Partei zu bezeichnen?



        Programmatisch ist sie es in weiten Teilen, ideologisch ohnehin. Das gilt übrigens auch dann, wenn die Mehrheit ihrer Wähler KEINE Nazis sind (was ich persönlich ohnehin nie behaupten würde).



        Auch schon die Tatsache, dass die AfD gerichtsfest erwiesene (Neo)Nazis (meinetwegen können wir auch von Faschisten sprechen) in ihren Reihen duldet (auch in hohen Funkionen, s. Björn Höcke als thüringischer Landesvorsitzender) macht es vollkommen legitim, sie als Nazi-Partei, NS-Nachfolgerin oder NSDAP 2.0 zu betrachten.



        Die historischen Bezüge zum historischen Faschismus bzw. NS MÜSSEN wir von daher sogar in den Blick nehmen, nicht nur in der Rechtsextremismus-Forschung, auch in der politischen Auseinandersetzung mit der AfD.



        Gut, dass Frau Knobloch diese Debatte noch mal angestoßen hat.

        • rero

          @Abdurchdiemitte:

          „Ich behaupte mal, dass der Autor den Unterschied zwischen “vergleichen” und “gleichsetzen” nicht verstanden hat.“

          Das war das, worum es mir geht.

          Und da nehme ich den Autor in Schutz.

          Nur weil er eine andere Meinung vetritt, heißt es nicht, dass er etwas nicht verstanden hat.

          Wenn Frau Knobloch gleichsetzt, halte ich es nicht für schlimm.

          In der Sache halte ich es für nicht korrekt.

          2026 ist nicht 1930 und die AfD ist nicht die NSDAP.

          Frau Knobloch tritt aber weder als Historikerin noch als Parteipolitikerin auf.

          Sie agiert als Holocaustüberlebende und als Vertreterin der jüdischen Gemeinde.

          Da ist das völlig legitim.

          Weil neben dem wissenschaftlichen Vergleich andere Aspekte eine Rolle spielen.

          Deshalb hätte ich mir gewünscht, dass der Autor jemand anderen zitiert, um seine Sichtweise darzulegen.

  • Martin Rees

    Erst aus d(ies)er Matrix konnte das Monster werden, das alte mitigierende Muster der frühen und fortgesetzten Verkennung einer im Wesen ihrer Arme, u.a. der bereits entsprechend apostrophierten Landesverbände, antidemokratisch geführten "Bewegung", die sich zum Ziel gesetzt hat, die alten führenden Parteien der Bundesrepublik Deutschland zu zerstören.



    Wehret...(Ovid)



    thecolumnists.org/...ret-den-anfaengen/



    Hier spricht der eingefügte Text von Michel Friedman für sich!

  • Encantado

    "Der Vergleich funktioniert nicht richtig."



    If it walks like a duck and talks like a duck, it probably is one.

    • Mustardmaster

      @Encantado:

      Ich empfehle mal den Begriff "Konvergente Evolution" zu googeln.

    • Saile

      @Encantado:

      Den infantilen Spruch konnte ich noch nie leiden, jedes schlaue Kind kontert dann: „Aber vielleicht ist es ja auch nur ne besonders kleine Gans!“

      • Altbayer

        @Saile:

        Und um Muttern ganz auf die Palme zu bringen: Was war zuerst da: Die Henne oder das Ei?

  • Profilbild

    Viele verstehen den historischen Vergleich nicht richtig. Wenn die NSDAP als Vergleich herangezogen wird, dann bezieht sich das auf die Phase zwischen etwa 1927 und 1933 – also jene Jahre, in denen die NSDAP erstarkte, aber ihre rassenideologischen Ziele noch nicht offen im Parteiprogramm deklarierte.

    In dieser Hinsicht ist die NSDAP eine Blaupause für die AfD; Björn Höcke macht dies besonders deutlich.

    In jener frühen Phase war weder von der Vernichtung der Juden noch von der Abschaffung der Demokratie die Rede. Dass heute keine Gaskammern mehr errichtet werden, dürfte klar sein. Dennoch hat Höcke unmissverständlich gemacht, dass die AfD eine wohltemperierte, aber systematische Grausamkeit gegenüber anderen ethnischen Gruppen anstrebt.

    Und wer könnte sie daran hindern, wenn die AfD erst einmal in der Regierung sitzt, Besetzungen am Bundesverfassungsgericht beeinflusst und ihre Wähler dies unterstützen? Diese Frage sollten sich alle stellen, die die Gefährlichkeit der AfD verharmlosen.

    • Andreas_2020

      @Profilbild :

      Der Kreis um Björn Höcke könnte auch ganz aussteigen und mit Gewalt sich an die Macht bringen, von den Zahlen und den Anhängern wäre das jetzt bereits möglich. Man sollte die AfD so wie sie jetzt ist ernst nehmen. Ich glaube zwar, dass dann eine Art Bürgerkrieg ausbricht, aber das vielleicht auch nur in Berlin, Hamburg, Bremen und Köln. In einigen Städten und Gebieten könnten die Menschen das einfach schlucken. Die NSDAP konnte auch putschen, aber das brauchten sie am Ende nicht. Die AfD hat m.M. deutlich andere Ideen als die NSDAP. Aber beide Parteien lehnen eine liberale Demokratie ab und lehnen auch eine Presse- und Meinungsfreiheit ab. Dazu kommt noch ein krudes, selektives Bild vom Menschen, das auf Feind- und Freundbilder hinausläuft.

    • Zippism

      @Profilbild :

      Die „Blaupause“ ist schon deshalb ein ziemlich gewagtes Argument, weil man sich die Geschichte hier passend zurechtstutzt: Man nimmt die NSDAP von 1927–1933, blendet ihre damals längst offen erkennbare antisemitische, rassistische und antidemokratische Ideologie aus und erklärt anschließend, genau diese zurechtgeschnittene Version sei das entscheidende Vergleichsmodell für die AfD.

      Besonders interessant ist der Satz, damals sei „weder von der Vernichtung der Juden noch von der Abschaffung der Demokratie die Rede“ gewesen. Das ist historisch schlicht falsch. Die NSDAP hatte bereits lange vor 1933 einen offen antisemitischen Parteiprogrammpunkt und bekannte sich keineswegs heimlich zur Demokratie. Man muss die späteren Vernichtungspläne nicht rückprojizieren – aber man sollte auch nicht so tun, als sei die NSDAP bis 1933 eine harmlose Protestpartei gewesen, die erst nach der Machtübernahme plötzlich ihre wahre Natur entdeckte.

    • Fairchild670

      @Profilbild :

      Ich vermisse den historischen Kontext bei diesen Vergleichen. Sie schreiben von 1927. Damals war die Demokratie in Deutschland nicht mal 10 Jahre alt und alles andere als gefestigt - um nur einen der vielen historischen Unterschiede aufzugreifen. Natürlich sind auch die heutige Bundesrepublik und ihr Volk nicht immun gegen Nationalismus und völkisches Denken, aber sie haben ein deutlich an stärkeres Immunsystem. Und damit meine ich nicht irgendwelche Parteiverbote, sondern dass die meisten Menschen nichts anderes als Demokratie am eigenen Leib erfahren haben. Und im Westen gilt das oft sogar für deren Eltern.

    • Goodfella

      @Profilbild :

      Als wenn alle anderen Parteien nicht die Besetzung am Bundesverfassungsgericht zu beeinflussen versuchten.

  • Land of plenty

    Hierzu zur Diskussion gestellt:



    Dagmar Herzogs schmales Büchlein "Der neue faschistische Körper" 2025 behandelt die Behindertenfeindlichkeit und die eugenischen Vernichtungsfantasien und -taten der historischen biologistischen Ausmerze-Bewegung und vergleicht sie mit heutigen abilistischen Plakaten und Botschaften der Afd.



    NSDAP 1920?



    Die Bewegung gegen das Leben von Behinderten / Eingeschränkten beginnt ca. 1895 mit Arthur Ploetz Traktat "Die Tüchtigkeit unsrer Rasse und der Schutz der Schwachen." Eine Menge akademische Anhänger sammelten sich: von Gerhard Hauptmann bis K.L. Binding und A.E.Hoche "Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens" 1920.



    Die Afd-Bewegung orientiert auf: Nichtfühlen und affektive Abstumpfung. Empathie, Solidarität und Sensibilität für Verletzlichkeit systematisch demobilisiert. vgl. www.sfb-affective-...5-22-boettger.html



    Rassismus werde mit Sexualität aufgeladen, ästhetisiert, sexy.



    Die Libertarian-Forderung die Schulpflicht aufzuheben zielt auf das Nicht-mehr-zusammenleben-Müssen mit den abgelehnten Anderen.



    Die CDU kürzt bei Eingliederungshilfen und Schulassistenz - beide sind laut gegen Inklusion.

    • Zippism

      @Land of plenty:

      Das ist schon eine bemerkenswerte Eskalation der Argumentation: Von Kritik an der Inklusionspolitik der CDU geht es über ein paar Schlagworte direkt zur historischen „Aktion T4“. Wenn man Kürzungen bei Eingliederungshilfen und Schulassistenz ernsthaft in eine gedankliche Linie mit der systematischen Ermordung von Menschen mit Behinderungen im Nationalsozialismus stellt, sollte man vielleicht irgendwann erklären, wo genau die Grenze zwischen politischer Kritik und historischem Gleichsetzungsfetisch verläuft.

  • Wanderin

    Dieser Text ist ein Beispiel für eine Erinnerungskultur, die ad absurdum geführt wird: "Ich sehe vor meinem Fenster keinen Zeppelin, auf dem "Hindenburg" steht und Uniformen seh ich auch keine - Ergo, ist es kein Faschismus. Und Frau Knobloch, Sie als Holocaust- Überlebende tragen zur Verwässerung des Holocausts bei! Das erkläre ich Ihnen!"

    Es ist absurd, die Erinnerungskultur als Scheuklappe anzuwenden, mit der 1. alles ausgeblendet wird, was nicht exakt dem selben Schema entspricht wie damals und 2. alles Leiden ignoriert wird wenn es noch nicht das Niveau von Gaskammern erreicht hat. 2023 fand eine Tagung mit AfD Mitgliedern statt, bei der ein Masterplan zur Remigration vorgestellt wurde.



    .



    Warum ist man mehr damit beschäftigt, den Holocaust als Gedenkheiligtum vor inkorrekter Semantik zu beschützen als Menschen im Hier und Jetzt?

    • Wanderin

      @Wanderin:

      Mit inkorrekter Semantik meine ich das Wort "Nazi". Korrekt heisst es "Neo- Nazi".

  • Cornelia Gliem

    Hm. Ok, die Nsdap ist nicht afd. Aber die afd sind Faschisten. Da gibt es keinen Zweifel mehr. Ja, nazi und Faschist wird oft falsch als Begriff verwendet. Das gilt aber auch für zb links oder auch "psycho" etc.



    Dennoch kann man weiterhin als Experte oder von der Definition her korrekt diese Begriffe nutzen.



    Ja, "zu sagen, was ist" stellt sogar einen wichtigen Aspekt dar für Erwachsene im politischen oder philosophischen Gespräch.

    Ja man kann afd-programm und afd-äußerungen/Handlungen unterscheiden und je gesondert vergleichen mit zb den nazis der Hitlerzeit.



    Letztendlich aber entscheiden die Taten.

    • Marcelo

      @Cornelia Gliem:

      Was ist für Sie ein Faschist und woran machen Sie das fest das die AFD es ist! Das würde mich mal interessieren, da gefühlt jeder Faschismus anders definiert

      • Abdurchdiemitte

        @Marcelo:

        Seufz, natürlich sollte man nicht willkürlich festlegen, wer alles faschistisch ist (das könnte tatsächlich auf eine Verharmlosung des historischen NS hinauslaufen). Aber es gibt hinreichend historische, sozial- und politikwissenschaftliche Grundlagen, die definieren, was unter Faschismus zu verstehen ist.



        Und letztlich outet sich die AfD permanent selbst. Ihre Charakterisierung als faschistische Partei erfolgt also nicht aus dem ‚blauen Dunst‘ heraus.



        Dass AfD-Verbotsgegner verfassungsrechtliche Bedenken äußern, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt - kann aber nicht als Beleg dafür genommen werden, dass die AfD NICHT rechtsextremistische und verfassungsfeindliche Ziele verfolgt.

        • Marcelo

          @Abdurchdiemitte:

          Dann ist die Linke es auch! Was gerade in Berlin anging geht gar nicht. Bekämpfen Klassenkampf mit Klassenkampf, da kann man nur mit dem Kopf schütteln

          • Abdurchdiemitte

            @Marcelo:

            Ablenkungsmanöver! Ich sehe durchaus auch kritische Entwicklungen bei der Linken, habe das zu gegebenem Anlass auch entsprechend kommentiert.



            Hier aber geht es um rechtsextremistische und verfassungsfeindliche Tendenzen in derAfD. Ob diese Tendenzen ausreichen, ein Verbotsverfahren gegen zu begründe, darüber können wir gerne streiten (ich meine, dass das der Fall iist).



            Aber doch bitte beim Thema bleiben. Und das ist in diesem Kontext nun mal die Vergleichbarkeit von AfD und NSDAP.

            • Marcelo

              @Abdurchdiemitte:

              Ich finde der Vergleich hinkt, den man kann nur das vergleichen was bisher passiert ist und da die AFD an der Regierung noch nicht war ist ein vergleich nicht möglich! Hinzu kommt die NSDAP hatte andere vorraussetzungen als die AFD. Die AFD hat andere Ziele als die NSDAP. Ein Verbot halte ich als falsch an, den bisher seh ich kein GG verstoß

              • Abdurchdiemitte

                @Marcelo:

                Klar hat die AfD andere Ziele als die NSDAP, denn wir leben in einer komplett anderen Zeit und Gesellschaft als 1933. auch die Methoden haben sich verändert.



                Worauf ich hinauswill, ist, den ideologische Wesenskern des Faschismus zu analysieren und zu verstehen. Und der hat sich nicht so sehr geändert, behaupte ich mal. Nicht ohne Grund spricht man auch vom neuen Faschismus oder - wie bei Fratelli d‘Italia - von Postfaschismus sprechen. Ob sich dieser neue Faschismus ideologisch und programmatisch so weit wandelt, dass er die liberale, diverse parlamentarische Demokratie als Grundlage des gesellschaftlichen Zisammenlebens akzeptiert, wird gerade am Beispiel Italiens spannend zu beobachten sein..



                Das gilt selbstverständlich auch für die deutsche AfD. Von der Gründung der AfD 2014 bis heute kann ich allerdings nur eine weitere Radikalisierung Richtung Rechtsextremismus erkennen. Ich sehe nicht, dass der Zug in eine gegenteilige Richtung läuft. Sie etwa?



                Bleibt das Argument der Verharmlosung des NS durch den historischen Vergleich mit heutigen Entwicklungen. Aber wenn wir etwas aus der Geschichte lernen können, dann das, dass sich der Schrecken des NS jederzeit wiederholen kann.

    • Uwe Kulick

      @Cornelia Gliem:

      "Letztendlich aber entscheiden die Taten."



      Was zu vermeiden wäre. Sellner und seine "Remigration" stehen hoch im Kurs in der AfD. Die konsequente radikale Umsetzung wäre definitiv extremistische Politik, die zu Arbeitskräftemangel aka mindestens 4 Jahre Rezession dank AfD-politik führen würde! Die AfD ist die wahre antideutsche Partei!

  • Andreas Flaig

    "Sie helfen überhaupt nicht weiter, denn was die Nazis getan haben, bleibt ein unvergleichliches Verbrechen."Absoluter Zuspruch.

    Das diese Verbrechen in der deutschen Seele, als tiefschwarzer Punkt, von immer mehr Menschen als entschuldbar aufflackert und dass jetzt gleichzeitig diese Partei, scheinbar offenkundig, sich neben das "Konzept" der NSDAP stellt, sollte zu denken geben.Die AfD verheimlicht diese Ansätze nicht mal.



    Alleine schon die Vorstellung, ein Konzept wie dieses zu akzeptieren und als verbesserungswürdig zu deklarieren, hat schon eine enorme Tragweite.



    Natürlich ist die AfD nicht gleichzusetzen mit der NSDAP, aber sie liebt das Konzept dahinter und möchte es nach ihrer Vorstellung (wie immer sie auch ist) umsetzen. Sie spielt mit den Opfern des Holocost- wir versprechen eine "humane" Lösung.



    Das ist Infame daran.

  • Worgt Michael

    Die Nazis , also die NSDAP gaben sich auch



    bürgerlich bzw.w. arbeiternah je nach Belieben , und wurden überschätzt, selbst noch nach 1933.



    Sollte man nicht aus der Geschichte lernen ?



    1926 nahm die NSDP niemand für voll.



    1933 war es zu spät.



    Was wird 2033 sein ?

    • Marcelo

      @Worgt Michael:

      Man hat aus der Gesichte gelernt, Was 2033 passiert wissen wir nicht und bis dahin kann noch so viel passieren. Da die AFD anders ist als die NSDAP müssen wir abwarten was passiert

    • rero

      @Worgt Michael:

      Sehen Sie, da fängt es schon an mit der Unsicherheit im Vergleich.

      Die Natis wollten die Klassenschranken aufheben.

      Das haben sie auch umgesetzt.

      Zum Narrativ der Nazis gehört die klassenlose Gesellschaft. Was zählt, ist nur noch die Volkszugehörigkeit.

      Die Natis waren unter anderem so erfolgreich, weil sie vielen den sozialen Aufstieg ermöglichten.

  • -martin-

    Herr Hillenbrand hat richtig erkannt, dass Frau Knobloch nicht behauptet hat, dass die AfD mit der NSDAP nach 1933 vergleichbar wäre. Trotzdem schreibt er, dass sie falsch läge.

    Man muss schon sorgfältig betrachten, was sie gesagt hat.

    Wir können nicht wissen, was die AfD nach einer Machtübernahme tun würde, aber wir wissen recht genau, was die NSDAP vor der Machtergreifung getan hat. Dadurch ist genau diese Zeit vergleichbar.

    Die AfD ist von der NSDAP vor 1930 nicht mehr zu unterscheiden. Frau Knoblich hat völlig recht.

    Das muss so gesagt werden können, denn es ist absolut richtig.

    Die AfD kann heute noch verboten und bekämpft werden. Die NSDAP konnte man nach 1933 nicht mehr wirksam bekämpfen.

    Wir brauchen dringend ein Verbotsverfahren, bevor es zu spät ist.

    • Encantado

      @-martin-:

      "Die AfD ist von der NSDAP vor 1930 nicht mehr zu unterscheiden."



      Kommt drauf an, wie sehr man ins Detail geht. Unterschiede lassen sich immer finden.



      Wer mehr daran interessiert ist, solche Unterschiede zu finden, sollte sich vielleicht fragen wieso.

  • Aurego

    Es gibt zu viele rechtsradikale, rassistische und völkisch denkende Mitglieder und MitläuferInnen der AfD. Einfach zu sagen, die AfD sei nicht die NSDAP, mag zwar in Details stimmen, ist aber eine reichlich billige Argumentation. Ich habe eine ebenfalls über 90-jährige Bekannte, die mich oft vor der Wiederkehr des "Hitlerismus" warnt. Insofern habe ich volles Vertrauen in das sicherlich durchdachte und fundierte Urteil von Frau Knobloch.



    Wir sollten endlich aufhören, die Gedankenwelt, die in der AfD-Basis grassiert, zu verharmlosen und den Schutz unserer sozialen und demokratischen Verfasstheit endlich ernster nehmen.

    • Marcelo

      @Aurego:

      Man sollte aber auch nicht übertreiben

      • Aurego

        @Marcelo:

        Man sollte aber auch nicht unsere Geschichte vergessen.

        • Marcelo

          @Aurego:

          Desto mehr alles mit unsere Geschichte verglichen wird, desto weniger wollen die Leute hören wenn die Geschichte immer weiter weg ist. So ehrlich muss man sein

  • Uwe Kulick

    Also bitte: Am Ende bleibt nur der Vergleich AfD mit NSDAP, und der stimmt soweit! Wenn Frau Knobloch schon damit kommt, vertraut ihr.



    Auf europäischer Ebene hegen Rechtsaußenparteien anderer Länder Vorbehalte gegen den sehr extremen Extremismus der AfD! Deutschland hat kein Faschismus-Problem, es hat ein Nazi-Problem!



    Unter Nazis gibt es viele die feige Holocaust und die anderen Massenmord-NSDAP-Verbrechen z.B. an sowjetischen Kriegsgefangenen, Queers, Behinderten etc. leugnen. Diese Leugnung allein ist ein Verbrechen.



    Parteiobere, die "gemäßigte AfDler" sein wollten sind reihenweise gescheitert - z.B. hat selbst Meuthen nationalistisch rückwärtsgewandte Sätze rausgehauen solange er Vorsitzender war. Mittlerweile ist er bei der Werteunion. Petry war noch schlimmer, weil sie das "Völkische" wieder zur erlaubten Diskurvokabel proklamierte. Sie scheiterte mittlerweile mit ihrer "Blauen Partei". Aber das Völkische feiert dank Österreicher Sellner wieder "fröhliche Urständ" in AfD und Umfeld: "Remigration" rufen die AfDler nun - statt "Sieg Heil".

    Unvergleichbarkeit der Naziverbrechen bis 1945? IMHO durch Hutu und Rote Khmer teilrelativiert: Rassismus und Vernichtungsdeologien morden.

  • Axel Schäfer

    Geht es jetzt nur um den Begriff? Dann von mir aus Neonazis oder Faschisten. Muss man bei diesem Destillat aus rechtem Gerätzel der Vergangenheit (NPD, WSG, Kühnen, Schönhuber und was schon alles geritten und gefahren kam) jetzt über jede Nuance der Abstufung des Rassimus der Menschenverachtung und der Demokratieverachtung diskutieren und zu irgendwas in Relation setzen? Wenn man sich ja auch mal die Einzeläußerungen die von der GFF dokumentiert wurden ansieht, ist die Vergleichsgröße "Nazi", die AgD und ihre Vorfeldorganisationen hat jetzt noch nicht die Macht die feuchten Träume ihrer Gefolgschaft umzusetzen, ähnlich wie die Nazis vor 1933, was nach einer möglichen Machtübernahme erfolgen könnte ist spekulativ, aber die AgD ignoriert ja bewusst Lehren, die man auf der Nazizeit gezogen haben sollte und möchte so gerne in eine ferne Vergangenheit zurück, die einen vielleicht eher in Richtung 1933ff. die im Osten vielleicht auch mehr Richtung DDR 1949ff. auf jeden Fall antidemokratisch.

  • Sonnenhaus

    "Denn was die Nazis getan haben, bleibt ein unvergleichliches Verbrechen". Ist das nicht ebenfalls verharmlosend? Gerade wenn die Verbrechen der Nazis nicht mit anderen Verbrechen immer wieder in Relation gesetzt werden, kann sich eine Sonderstellung der Unvergleichbarkeit entwickeln, die ein Wiederaufkommen neuer brauner Bewegungen nicht erkennen lässt. Nur die Auseinandersetzung mit neuen Nazibewegungen mit deren historischen Vorbildern lässt uns frühzeitig erkennen, wie weit die verbrecherische Entwicklung bereits vorangekommen ist, und welche akute Gefahr besteht.



    Es ist eine unschätzbare Bewertung von Frau Knobloch, die sie als Zeitzeugin veröffentlicht hat.



    Aus verschiedenen vergleichenden Tatsachen lässt sich sehr wohl eine parteilich historische Strategie der AfD erkennen, welche durch einzelne Parteimitglieder über Jahre hinweg entwickelt und dem Parteiprogramm strategisch implementiert haben.



    Wehret den Anfängen, bevor es zu spät ist!

    • Encantado

      @Sonnenhaus:

      "Wehret den Anfängen..."



      Das ist ja genau der Punkt: über die Anfänge sind wir bereits hinaus.

      • Zippism

        @Encantado:

        „Wehret den Anfängen …“

        Ja, und genau deshalb wäre ein Blick auf die tatsächlichen Anfänge der NSDAP vielleicht ganz hilfreich. Die waren nämlich nicht einfach eine Partei mit „falschen Ansichten“, sondern geprägt von politischen Morden, brutalen Saalschlachten, paramilitärischen Verbänden und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen SA und kommunistischen bzw. sozialistischen Kampfbünden.

        Wenn man schon historische Vergleiche bemüht, sollte man vielleicht auch die historischen Maßstäbe ernst nehmen. Sonst bedeutet „Wir sind über die Anfänge hinaus“ irgendwann nur noch: Die AfD gefällt mir politisch nicht, also sind wir jetzt ungefähr 1932.

        Das macht den Nationalsozialismus nicht weniger schlimm – es macht nur den Vergleich zunehmend beliebig. Und wenn jeder zugespitzte Wahlkampf, jede migrationspolitische Forderung oder jede rechte Provokation bereits als „über die Anfänge hinaus“ gilt, stellt sich irgendwann die ziemlich unangenehme Frage, was man eigentlich noch als echten Anfang des Nationalsozialismus bezeichnen will.

  • Bürger L.

    Mit dem Kommentar von Herrn Hillenbrand stimme ich voll und ganz überein. Meines Erachtens ist die AFD eine rechts-nationale und rassistische Partei. Allerdings scheint ja selbst ein eindeutiger Nachweis der Demokratie- oder Verfassungsfeindlichkeit nicht so einfach zu sein, sonst wäre die Partei vermutlich längst verboten.

    Um nicht missverstanden zu werden: mein Herz schlägt seit jeher links. Von daher liegt mir nichts ferner, als das Wirken der Rechtsnationalen zu verharmlosen.



    Den schon länger festzustellenden leichtfertigen und inflationären Gebrauch der Bezeichnungen Nazis oder Faschisten halte ich auch für problematisch. Wie Hillenbrand schreibt, kann das zur Verharmlosung der tatsächlichen Gräueltaten von Nationalsozialisten und Faschisten beitragen.



    Zudem haben inzwischen "Fascho oder Nazi", z.B. durch die sozialen Medien, zunehmend Eingang in die Alltagssprache junger bis "mittelalter" Menschen gefunden. Ich sehe da durchaus die Gefahr der Gewöhnung und Normalisierung der Begriffe, die der tatsächlichen Gefahr durch rechtsnationale Entwicklung nicht gerecht wird.

    • Encantado

      @Bürger L.:

      "Allerdings scheint ja selbst ein eindeutiger Nachweis der Demokratie- oder Verfassungsfeindlichkeit nicht so einfach zu sein..."



      Diese Schlussfolgerung daraus abzuleiten, dass bestimmte Kreise sich weigern einen Antrag zu stellen, hat allerdings keine wirkliche Grundlage.



      Aber genau das passiert, wenn man keinen Antrag stellt aus Angst er käme nicht durch.

    • Martin Sauer

      @Bürger L.:

      Rechte You Tuber Zb. sagen "Ich werde immer wieder Nazi genannt, ich bin kein Nazi, aber inzwischen sehe ich das als Orden an." Und so denken leider viele junge Leute. Ja, da haben sie Recht, das Wort verliert langsam seinen Schrecken und normalisiert sich.

      • Uwe Kulick

        @Martin Sauer:

        Meine Mutter hat die Nazizeit bis zum 12 Lebensjahr erlebt. Sie erzählte genau das: Es gab Menschen, die schimpften die Nationalsozialisten "Nazis", die Beschimpften aber hatten längst das Schimpfwort als stolze Selbstbezeichnung für sich selbst entdeckt.

        Es wiederholt sich offenbar. Den Anfängen wehren? Heute, wie schon bei den Nachwendepogromen, sehen wir, ist Auswüchsen längst erfolgter Anfänge zu wehren. Und der Mut zu Konsequenzen, zu denen wir durch den "Nie wieder"-Schwur unserer Vorfahren verpflichtet sind (Parteiverbot), den Mut bringt keiner auf ... :-(

        Dan ist nicht die "danger"

    • Ingo Bernable

      @Bürger L.:

      Ist es wirklich "nicht so einfach" zu sagen welche Positionen mit Demokratie und Grundgesetz vereinbar sind und welche nicht? Ist es wirklich eine annähernd unüberwindbare intellektuelle Hürde zu benennen was Faschismus ist (es gibt da übrigens wissenschaftlich anerkannte Definitionen)? Und soll man wirklich erst dann von Faschismus reden wenn Gaskammern und Krematorien in Betrieb sind (im italienischen und spanischen Faschismus gab es zwar Konzentrations- aber keine Vernichtungslager)? Und was genau wären die Punkte die die NSDAP von 1932 zu Nazis machte, etwa ihr Uniformfetisch (das Führerprinzip kam nämlich erst ´33 mit dem Ermächtigungsgesetz)? Oder ist man mit einer Argumentation die das Offensichtliche zu einem diffus Unbestimmbaren verklärt nicht längst der Diskursverschiebung der Rechten auf den Leim gegangen?

      • Klabauta

        @Ingo Bernable:

        Sehe ich genauso. Hierzulande werden Nationalsozialismus und Faschismus gerne gleichgesetzt. Der Nationalsozialismus ist eine speziell deutsche Ausprägung des Faschismus. Vielleicht kann man die AfD also nicht als nazistisch bezeichnen, als faschistisch hingegen schon.



        Was daraus werden könnte, lässt man sie gewähren, steht auf einem anderen Blatt.

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Ja, Nazi-Vergleiche und Verteufelungen helfen nicht, die Stimmenanzahlen der AfD nach unten zu bringen.

    Was helfen würde, wäre eine Politik, mit der weniger Menschen unzufrieden und mehr zufrieden wären. Im Augenblick wird aber das genau Gegenteil gemacht . 80% der Bevölkerung findet, dass die Rente nach 45 Beitragsjahren beibehalten werden sollte. Aber CDU und SPD haben vereinbart sie abzuschaffen.

    Und 80% der Menschen sind der Meinung, dass Milliardäre und Superreiche (>100 Mio. €) höher besteuert werden sollten. Aber das macht die Politik nicht, obwohl damit eine Politik gemacht werden könnte, mit der wesentlich weniger Menschen unzufrieden sind.

    Daher muss sich niemand wundern, dass die CDU von 28 % auf 20% gefallen ist, die SPD von 16 % auf 12% gefallen und die AfD von 20 % auf 28% gestiegen ist.

    Im Gegenteil. Wenn weiter eine solche Politik gemacht wird, wird es nicht mehr lange dauern, bis die CDU unter 20% gefallen ist, die SPD einstellig und die AfD über 30% gestiegen ist.

    Dazu muss man kein Hellseher sein. Das ist einfach logisch.

    • _Mephisto_

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Das kann ja wohl nicht ernst gemeint sein, dass die AfD deswegen stärkste Partei geworden ist, weil die anderen keine Milliardärssteuer beschlossen haben. Ich gebe mal einen Denkanstoss: 2015 lag die AfD in Umfragen zwischen 3 und 4 Prozent. Dann gab es ein Ereignis, ausgelöst von einem bestimmten Präsidenten, der solche Ereignisse für seine hybride Kriegsführung nutzt, um gleichgesinnte Parteien in der EU zu stärken.

    • Leser Schreiber

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      " Daher muss sich niemand wundern, dass die CDU von 28 % auf 20% gefallen ist, die SPD von 16 % auf 12% gefallen und die AfD von 20 % auf 28% gestiegen ist.

      Im Gegenteil. Wenn weiter eine solche Politik gemacht wird, wird es nicht mehr lange dauern, bis die CDU unter 20% gefallen ist, die SPD einstellig und die AfD über 30% gestiegen ist.

      Dazu muss man kein Hellseher sein. Das ist einfach logisch"

      Das nennt man aber auch Demokratie.

    • Marcelo

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Wenn 80 % der Bevölkerung wirklich für eine Reichensteuer sind warum wählen dann so wenig die Linke? Ich glaube nicht das 80 % der Bevölkerung dafür sind genauso wenig nicht das 80 % der Bevölkerung für die Rente nach 45 Beitragsjahren ist

      • Der olle Onn

        @Marcelo:

        "...warum wählen dann so wenig die Linke?"



        Vielleicht weil die Linke insbesondere in altbundesdeutschen Landesteilen noch immer mit "den Kommunisten, die uns armen Bürgern alles wegnehmen wollen" gleichgesetzt wird?

    • fly

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Mit „x% der Bevölkerung möchte..“ kann man nicht die Politik kritisieren.



      Fast 100% der Bevölkerung möchte viel weniger Steuern zahlen - geht aber nur in begrenztem Umfang.



      In der Lokalpolitik, mehr als 60% möchte mehr Parkplätze und weniger Ausgaben für Grundsicherung - geht aber auch nicht.



      Nein, Politik muss Ziele vorgeben, auch mal für unpopuläre Massnahmen, die für die Gemeinschaft insgesamt doch notwendig sind.

    • Encantado

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      "Was helfen würde, wäre eine Politik, mit der weniger Menschen unzufrieden und mehr zufrieden wären. Im Augenblick wird aber das genau Gegenteil gemacht . 80% der Bevölkerung findet, dass die Rente nach 45 Beitragsjahren beibehalten werden sollte. Aber CDU und SPD haben vereinbart sie abzuschaffen.



      Und 80% der Menschen sind der Meinung, dass Milliardäre und Superreiche (>100 Mio. €) höher besteuert werden sollten."



      Ich irre mich wahrscheinlich, aber ich würde behaupten, dass die AfD ebenfalls nichts dergleichen in ihrem Wahlprogramm hat.



      "Wenn weiter eine solche Politik gemacht wird, wird es nicht mehr lange dauern, bis die CDU unter 20% gefallen ist, die SPD einstellig und die AfD über 30% gestiegen ist.



      Dazu muss man kein Hellseher sein. Das ist einfach logisch."



      Eben nicht. Das ist offensichtlich durch die linke Brille gedacht. Sonst wäre nämlich nicht die AfD, sondern die Linke bei bald 40%.

      • Zippism

        @Encantado:

        Womöglich liegt es ja auch daran, dass manche Menschen bei der Linken nicht einfach nur „Milliardäre höher besteuern“ hören, sondern Vermögensteuer. Und dann vielleicht überlegen, was das für Menschen mit einem größeren Eigenheim, angespartem Vermögen oder einem gutverdienenden Haushalt bedeutet. Die Linke hat zwar einen Freibetrag von einer Million Euro Nettovermögen pro Person vorgesehen – aber darüber beginnt ihre Vermögensteuer bei 1 Prozent und steigt bis auf 5 Prozent ab 50 Millionen Euro; für Milliardenvermögen sind 12 Prozent vorgesehen.

        Das kann man politisch völlig legitim finden. Aber daraus folgt eben nicht, dass jeder, der höhere Steuern für Milliardäre befürwortet, automatisch Die Linke wählen müsste.

        Vielleicht ist die Welt doch etwas komplizierter als „Die Menschen wollen Superreiche höher besteuern, also müssten sie eigentlich links wählen“.

  • Ruhig bleiben

    Entmenschlichung von Queers und trans*Personen, geistig behinderte Kinder werden als Störfaktor für "normale" angesehen, Muslim*innen im Wahlprogramm aktiv ausgegrenzt usw.

    Doch, der Vergleich mit dem Programm ist durchaus angebracht.

  • Sabine Hofmann-Stadtländer

    Ich tue mich immens schwer mit diesem Artikel. Verfolgten des Naziregimes zu unterstellen, dass - ich drücke es mal ein wenig drastisch aus - ihre "Vergleichsfähigkeit" etwas getrübt sei, finde ich sehr vermessen! Überlebende wie z. B. Frau Knobloch oder Dr. Leon Weintraub nehme ich in ihren Erinnerungen und Befürchtungen sehr ernst (Dr. Weintraub spricht sich z. B. für ein AfD-Verbot aus). Und wenn diese Menschen sich bezüglich des Auftretens der AfD an die Anfänge der NS-Zeit erinnert fühlen, dann steht es mir nicht zu, dies anzuzweifeln. Wenn man dann noch hergeht und schreibt, dass diese Vergleiche nicht (mehr) weiterhelfen, finde ich es schon fast eine Geringschätzung gegenüber den Verfolgten. Als - ich wiederhole meinen Hinweis - Tochter eines ehemaligen KZ- Häftlings reagiere ich auf solche Artikel äußerst empfindlich.

  • guzman

    Seltsame Logik, die NS Schergen haben die „unvergleichlichen Verbrechen“ ja nicht 1920 begangen, sondern erst nach der Machtübernahme.

    • Sonnenhaus

      @guzman:

      Waren zuvor aber vergleichbar in Aktion wie die AfD. Schlägerfreunde in den schlagenden Verbindungen, ein "Parteiprogramm" in Form eines Buches, etc.

  • Ingo Bernable

    "Ja, es gibt auch Ähnlichkeiten, an erster Stelle das völkische Denken."



    Und das ist eben der Kernpunkt dieser Ideologie der Ungleichheit, die Gewissheit der Überlegenheit der eigenen Gruppe, egal ob man dabei nun von "Rasse" oder Kultur spricht und doch dasselbe meint. Genau dieser Wahn der eigenen Überlegenheit war es doch der Begründung und Rechtfertigung für die Vernichtung von Juden, Kommunisten, Homosexuellen, Roma und Sinti, "Asozialen", ... und allen anderen Gruppen war die man innerhalb des völkisch-rassisch definierten Weltbildes für schädlich hielt. Genau diese Distinktion zwischen "dem [homogenen] Volk" und jenen 'Anderen' die man für schädlich und in ihrem Dasein für illegal erklärt findet sich exakt so auch in der Argumentation der heutigen Nicht-Nazis. Menschenrechte werden bereits heute regelmäßig auch von demokratischen Akteuren gebrochen, Menschen bewusst und gewollt tausendfach ohne Rettung dem Tod überlassen und eine Mehrheit goutiert das.



    Was also spricht für die Annahme, dass aktiver Mord eine absolute Grenze bleiben wird, auch dann wenn die AfD feststellen wird, dass die "millionenfache Remigration" sich als praktisch undurchführbar erweist?

  • Il_Leopardo

    Stimmt - es gab damals die "Schmach von Versailles" und die Weltwirtschaftskrise. Die Probleme heutzutage sind gemessen daran "Peanuts".



    Aber: Warten wir es mal ab, wie die Entwicklung weitergeht. Im Moment geht es nur um Bundesländer. Was aber ist, wenn die ganze Republik immer narzisstischer wird.



    Erst werden die Schlagbäume an den Grenzen geschlossen und die Fahnen an den Schulen hochgezogen. Dann wartet die Partei ab, wie das so ankommt.



    Na, und dann kann man die nächste Dosis, wird die nächste Pille verabreicht. Vielleicht das Migrationsrecht verschärfen und alle Moslems, die noch nicht deutsche Staatsbürger sind, nach Hause schicken, so mit ein wenig Nachdruck.



    Dann wird wieder gewartet. Mal sehen, wie das Volk darauf reagiert. Schön, es hält still. Wir können weitermachen.



    Ich sage, wehret den Anfängen. Vielleicht hat Frau Knobloch eine ähnliche Denke.

    • Encantado

      @Il_Leopardo:

      "Was aber ist, wenn die ganze Republik immer narzisstischer wird."



      Meinen Sie jetzt tatsächlich narzisstisch oder doch nazistisch?

      • Il_Leopardo

        @Encantado:

        Ich ziehe mich elegant aus der Affäre: narzisstische Persönlichkeitsstruktur als Basis für Nazismus!

        Sie haben natürlich recht: ich habe mich da etwas vergaloppiert.

  • Markus Wendt

    „Denn was die Nazis getan haben, bleibt ein unvergleichliches Verbrechen.“ Völlig richtig. Aber wollen wir ernsthaft das Risiko eingehen, dass eines Tages doch ein Vergleich angestellt werden muss?

    • Zippism

      @Markus Wendt:

      Was für eine putzige Fragestellung: „Wollen wir ernsthaft das Risiko eingehen, dass eines Tages doch ein Vergleich angestellt werden muss?“ Als gäbe es nur zwei Möglichkeiten: NSDAP-Vergleich – oder sorgloses Zuschauen. Vielleicht könnte man politische Entwicklungen auch einfach kritisieren, ohne reflexartig die NSDAP als universellen Maßstab aus dem Hut zu ziehen. Nicht jede fragwürdige politische Entwicklung wird automatisch zur Vorstufe von 1933.

      • Sonnenhaus

        @Zippism:

        Doch bieten gerade Menschen wie z.B. der Geschichtslehrer Höcke mit seinen Aussagen keine andere Möglichkeit des Vergleiches mit der NSDAP. Wen eine Partei die Zusammenarbeit mit Schlägertruppen billigend in Kauf nimmt, verhält sich wie Hitlers Schergen vor der Machtergreifung.