piwik no script img

Krieg und Frieden Rüstungswettlauf ohne absehbares Ende

Gastkommentar von

Christoph Butterwegge

Abschreckung und Aufrüstung sorgen selten für Frieden, sondern befeuern weitere Eskalation. Wer das verhindern will, muss den Sozialstaat stärken.

A ngst vor einem (potenziellen) Angreifer macht die militärische Abschreckung plausibel, der zwangsläufig Aufrüstung folgt. Wenn sich der übermächtig erscheinende Feind dadurch seinerseits bedroht fühlt, wird er gemäß der Abschreckungsphilosophie gleichfalls aufrüsten – was einen permanenten Rüstungswettlauf zur Folge hat.

Auch ist stets von Abschreckung und Verteidigung gegen einen Angreifer die Rede, wenn ein Krieg vorbereitet wird. Deshalb muss, wer den Frieden erhalten will, die Abschreckungsideologie widerlegen und versuchen, die militärische Bedrohungslüge zu entkräften.

Christoph Butterwegge

hat von 1998 bis 2016 Politikwissenschaft an der Universität zu Köln gelehrt und zuletzt die Bücher „Deutschland im Krisenmodus“ sowie „Umverteilung des Reichtums“ veröffentlicht.

Warum gelingt es „Sicherheitsexperten“, die zu Dauergästen in deutschen TV-Talkshows avanciert sind, mit ihren apokalyptischen Bedrohungsszenarien eine Vorkriegsstimmung zu erzeugen? Vermutlich nur deshalb, weil die Legende einer „Gefahr aus dem Osten“ hierzulande eine jahrhundertelange Tradition hat und bereits im sogenannten Dritten Reich ebenso wie im Kaiserreich bewusstseinsbildend war.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Historisch widerspricht der Bedrohungshysterie die Tatsache, dass russische Soldaten nie ein westeuropäisches Land überfallen haben, Russland hingegen sechsmal aus Westeuropa und allein viermal aus Deutschland angegriffen worden ist: zuerst von Napoleons Grande Armée im Jahr 1812, später von Frankreich und Großbritannien im Krimkrieg 1853 bis 1856 sowie vom Deutschen Kaiserreich im August 1914.

Danach von 14 Staaten, darunter Deutschland, Großbritannien und Frankreich, in den Interventionskriegen nach der Oktoberrevolution 1918 bis 1920 und schließlich von Nazi-Deutschland im grausamsten Eroberungs-, Vernichtungs- und Ausrottungsfeldzug der Weltgeschichte von 1941 bis 1945.

All diesen Kriegen ging ein massives Wettrüsten voraus, das von den beteiligten Staatsmännern mit der vermeintlichen Notwendigkeit begründet wurde, die potenziellen Feindstaaten abzuschrecken. Man wollte „kriegstüchtig“ werden, wie SPD-Verteidigungsminister Boris Pistorius gesagt hätte, um den Frieden zu sichern.

Warum gilt die Abschreckung als wirksames Mittel der Kriegsverhütung? Fast jeder hat es als Kind schon mal erlebt: Ist man selbst etwa mit einem Stock oder einem Messer bewaffnet, schreckt der gewalttätige Nachbarsjunge vor einem Angriff zurück.

Beschafft er sich einen größeren Stock, holt man sich einen zweiten. Tut er das auch, nimmt man einen dritten Stock zur Hand. Und so weiter … Würde die Verteidigungspolitik sämtlicher Staaten der Welt dieser primitiven „Sicherheitsphilosophie“ à la Pistorius folgen, versänke die Menschheit im Rüstungswahn. Dabei schadet nichts der Umwelt, der Natur und dem Klima mehr als das Militär – durch seinen immensen Land-, Ressourcen- und Energieverbrauch auch in Friedenszeiten, von Manöver- und Personenschäden ganz zu schweigen.

Der frühere Bundeskanzler Olaf Scholz sprach am 27. Februar 2022 in seiner Regierungserklärung zum russischen Angriff auf die Ukraine von einer historischen „Zeitenwende“, die bald auch die Sozialpolitik erfasste. Das erste Opfer der sozialpolitischen Zeitenwende war die Kindergrundsicherung, mit der man die Familienarmut verringern wollte.

Von der FDP und ihrem Finanzminister Christian Lindner bereits auf Bonsai-Format geschrumpft – zudem von der grünen Familienministerin Lisa Paus unprofessionell gemanagt –, waren am Schluss nicht einmal mehr 2,4 Milliarden Euro jährlich für das familien- und sozialpolitische Prestigeprojekt der Ampelkoalition übrig. Allerdings wurden damals für rund 8,5 Milliarden Euro Waffen in die Ukraine geliefert.

Nötig ist Armutsbekämpfung durch Umverteilung des Reichtums statt Sozialabbau zur Finanzierung der Hochrüstung

Wachsende Ungleichheit

Das zweite Opfer dieser Zeitenwende war das Bürgergeld, ein weiteres Schlüsselprojekt der Ampelkoalition und eine Herzensangelegenheit der SPD. Die wenigen Erleichterungen und Verbesserungen, mit denen SPD und Bündnisgrüne Hartz IV „überwinden“ wollten, wurden mit Einführung der „neuen Grundsicherung“ wieder gestrichen.

Das dritte Opfer der sozialpolitischen Zeitenwende droht die Alterssicherung zu werden. Das Rentenniveau soll weiter sinken, die Altersvorsorge mit Einführung der „gesetzlichen Kapitalrente“ stärker auf den Finanzmarkt verlagert werden, das Renteneintrittsalter mit der Lebenserwartung steigen und der abschlagsfreie Rentenbezug nach 45 Beitragsjahren abgeschafft werden. Wohlgemerkt von einer Regierung, an der die SPD beteiligt ist.

Das von Boris Pistorius ständig vor sich her getragene Abschreckungsmantra Si vis pacem para bellum (Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor) müssen wir hinter uns lassen. Ersetzt werden sollte es durch eine Maxime, die auf dem Grundstein des Ursprungsgebäudes der Internationalen Arbeitsorganisation eingraviert wurde: Si vis pacem cole iustitiam (Wenn du Frieden willst, sorge für Gerechtigkeit).

Nur wenn das Kardinalproblem unseres Planeten – die wachsende Ungleichheit sowohl innerhalb der einzelnen Gesellschaften wie zwischen ihnen – gelöst und die sich global vertiefende Kluft zwischen Arm und Reich geschlossen wird, kann die Menschheit überleben, ohne dass es zu einem Krieg zwischen Atommächten und/oder einer sich bereits anbahnenden Klimakatastrophe kommt.

Wer die Demokratie und den Sozialstaat erhalten will, muss verhindern, dass die für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die öffentliche Daseinsvorsorge sowie die soziale, Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur unseres Landes nötigen Mittel in die Aufrüstung der Bundeswehr zur „stärksten konventionellen Armee Europas“ (Friedrich Merz) gesteckt werden.

Hochrüstung verschärft die soziale Ungleichheit, weil sie von den Armen finanziert wird, während Vermögende von ihr profitieren: Die Reichen, denen Aktien von Rüstungskonzernen gehören, werden reicher. Und die Armen, deren Transferleistungen man entweder teilweise jahrelang nicht erhöht, verringert oder gleich ganz streicht, werden zahlreicher. Nötig ist Armutsbekämpfung durch Umverteilung des Reichtums statt Sozialabbau zur Finanzierung der Hochrüstung.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

16 Kommentare

 / 
  • Suryo

    Historisch gesehen, wurde der Warschauer Pakt totgerüstet, nachdem die Hochrüstung zuvor jahrzehntelang das Gleichgewicht des Schreckens und damit den Frieden aufrechterhalten hat.

    Was Butterwegge schreibt, stimmt also schlicht und einfach nicht.

    • Nansen

      @Suryo:

      Und genauso lange wie der Warschauer Pakt existierte gab sich der westeuropäische Kapitalismus Mühe, sowas wie eine soziale Marktwirtschaft zu simulieren. Die Welt ist eben kompliziert.

  • Christoph Frohn

    Ich fasse zusammen: wenn wir das Bürgergeld wieder erhöhen, zieht sich Putin aus den besetzten Gebieten in der Ukraine zurück?

    Dann sollten wir das tun!

  • Donald Duck

    Die Lösung sind Kernwaffen. Das wird gerade vorgeführt.



    Länder ohne Kernwaffen können überfallen werden. Länder mit Kernwaffen können andere Länder überfallen.







    Ohne Kernwaffen hätte Russland seinen Angriffkrieg schon 2023 verloren. Kernwaffen haben Russland z.B. davor geschützt, daß Deutschland den Taurus liefert. 2023 saß ein Großteil der russischen Kernarmee nördlich des Dnjepr in Cherson fest und konnte unbehelligt abziehen, weil Russland mit dem Einsatz von Kernwaffen drohte.

    Sollte Russland am Ende dieses Krieges Erfolg haben, werden sowieso etliche Länder den Atomwaffensperrvertrag kündigen und sich zur Sicherheit Kernwaffen beschaffen.

    Selbst Staaten mit großen Armeen - aber ohne Kernwaffen -werden sich im Zweifel beugen müssen. Kleine Armeen können durchaus ausreichend sein.

    • Nansen

      @Donald Duck:

      Irgendwann hat einer zuviel Kernwaffen. Und dann wird es endgültig.

  • Korny

    Da wird der militärisch aggressive russische Imperialismus, dessen Vollinvasion in ein westlich gelegenes Nachbarland nun länger läuft als der Erste Weltkrieg, einfach mit sozialer Ungleichheit erklärt. Dugin, Putin, Russki Mir, ach was, "Bedrohungslüge".

    "Historisch widerspricht der Bedrohungshysterie die Tatsache, dass russische Soldaten nie ein westeuropäisches Land überfallen haben," - na, da hatten bzw. haben die Polen (1939), die Finnen (1939-1940), die baltischen Staaten (1940), Rumänien (1940), und die Ukraine (seit 2014) einfach Pech, nicht zu Westeuropa zu hören.

    • Suryo

      @Korny:

      Nach der gleichen Denke ist Russland "unser Nachbar". Und alle, die zwischen uns und unserem lieben Nachbarn leben, sind hysterische Russophobiker, die sich von uns Deutschen erstmal den Russen erklären lassen sollten - schließlich kennt ihn niemand so gut wie wir.

  • TomDePhazz

    Naja, der Artikel blendet die politische Realität wohl doch ein bisschen aus und ist eher von der persönlichen Einstellung des Autors und seiner Tätigkeit als Armutsforscher geprägt. Sei es drum.

    Problematisch ist die Zeichnung Russlands als in der Historie der stets Angegriffene. Das war im Krimkrieg und im Russisch-Türkischen Krieg im 19 Jh. anders, und auch im (vergessenen) polnisch-sowjetischen Krieg 1920.

    Wenn wir diesen historischen Bezug wirklich nehmen wollen, dann müssen wir auch akzeptieren, dass China in der Vergangenheit nie territoriale Expansionsbestrebungen hatte. Auch dafür würde ich heute meine Hand nicht mehr ins Feuer legen.

  • David Lejdar

    Wie es der Bund angeht, davon bin ich auch kein Fan. Aber in einer Welt, wo mehrere UN Sicherheitsratsmitglieder teils dagegen verstoßen, wofür "letztens" noch verurteilt hatten (Nürnberger Prozesse usw.), da möchte ich solchen Typen auch nicht ausgeliefert sein. Und entsprechend bin ich schon Fan von professionellem stehendem Heer. Dies aber auch in Anbetracht des finanziellen Aufwandes, wo wenn man z.B. Drohne für 40.000 mit Schuss von 1.000 runterholt, da Gegner Verlust macht.

    Ähnlich auch bei weiterem, wie z.B. zu den Ausgaben für all die gepanzerten Fahrzeugen - wo meines Erachtens nicht wirklich Sinn macht damit dann Wagenburg bauen zu wollen (oder wie auch immer ein Politbüro gerade Lust hat), während man unterdessen paar Bunker in Verteidigungslinie machen könnte, um befestigte Stellungen zu haben, um zumindest Vorstöße wie damals 1760 zu verhindern (als unter Zarin Elisabeth Berlin geplündert wurde, und mit Zar Peter III. gab es dann bessere Beziehung).

  • Lowandorder

    Danke .…anschließe mich

    unterm——-



    „Nachrüstung kommt Krieg“



    Stand jahrelang an der FH in Kölle am Ubierring

  • pumble

    So ist es!

  • Helge Schneider

    achso.....russland/udssr hat nie ein westeuropäisches land überfallen?



    ich weiss jetzt nicht, wo sie die grenze ziehen? finnland? baltikum? polen?



    und warum überhaupt nur westeuropäische länder? sind osteuropäische länder, wie die ukraine oder polen weniger wert?

    wie ist denn russland entstanden? russland ist zu der größe gekommen, in dem es imperialistisch immer seine nachbarn überfallen und annektiert hat.

    wie ist denn die udssr entstanden? keine der nachfolgerepubliken des zarenreiches wollte teil der udssr werden. auch nicht die ukraine. diese republiken sind vom roten terror gewaltsam in die udssr gezwungen worden.

    by the way, die russen waren die ersten, die im 1.wk mobilisiert haben. deutschland hat noch bis kurz vorm ende versucht durch persönliche briefe der verwandten königshäuser einen krieg zu verhindern. mal abgesehen davon, was russland eigentlich für beweggründe in einem krieg fern der eigenen grenzen hatte.

    2. wk vergessen sie den hitler-stalin-pakt? der 2.wk war ein gemeinsames geschäft von deutschland und der udssr.

    krimkrieg....wer hat denn dem osmanischen reich ein unannehmbares ultimatum gestellt? wie ist russland denn an die krim gekommen?

  • Helge Schneider

    by the way.....ein schande den aufruf wagenknechts zu unterschreiben! einer frau, die die afd hofiert. eine schande einem volk, dass sich verteidigt, die möglichkeit der verteidigung zu entziehen! und auch komplett zu vergessen, dass die udssr zusammen mit adolf den 2.wk begonnen hat.



    vll hätten die amis damals die russen nicht unterstützen sollen. it den geld/und waffenlieferungen haben die amis den krieg ja nur eskaliert......richtig? wenn die udssr schnell besiegt worden wäre, wären ja weniger menschen im krieg gestorben....richtig?

    wie kann man nur mit so zweierlei maß messen.

    russland ist ein terrorstaat. und ich will vor diesem beschützt werden. meine zeit in der ddr hat mir gereicht.

    und hej, sie können gerne nach moskau fahren und mal mit putin sprechen.....achwas, der hat wieder einmal einen friedensprozess ausgeschlagen.....kann ja nicht sein.

    wie der will noch weiter aufrüsten.......ich dachte der will frieden. ist das nicht eine bedrohungslüge?

    ich mag die taz....aber das geht gar nicht.

  • Helge Schneider

    was bitte ist das für ein kommentar.....???



    gleich am anfang geht es los:

    "die militärische Bedrohungslüge"

    ich weiss nicht, aber die ukraine sieht die bedrohung sicher nicht als lüge. auch kasachstan sicher nicht. moldau sicher auch nicht. das baltikum sicher auch nicht.

    man kann auch nicht von einer aufrüstungsspirale sprechen. wir müssen überhaupt erst einmal wieder gerüstet sein.

    und ihr behauptung wird schon allein dadurch widerlegt, dass europa praktisch nichts in die verteidigung investiert hat, aber die russen trotzdem massiv aufgerüstet haben.

    wo sie natürlich recht habe, ist dass im fall russlands abschreckung und verteidigung vorwand für einen angriffskrieg waren.

    by the way, dass aufrüstung nichts bringt, sollten sie alleine daran sehen, dass staaten, die nukleare mächte geworden sind, nicht erpressbar, angreifbar sind. nordkorea hat es dank der aufrüstung geschafft unangreifbar zu sein.....etwas, was venezuela oder die ukraine nicht geschafft hat. und aus dem iran-krieg werden einige die lehre ziehen......sich besser nicht mit aufgerüsteten ländern anlegen.

    hatten eigentlich die niederland, dänemark, norwegen 1940 ausgerüstet?

  • zartbitter

    ""All diesen Kriegen ging ein massives Wettrüsten voraus, das von den beteiligten Staatsmännern mit der vermeintlichen Notwendigkeit begründet wurde, die potenziellen Feindstaaten abzuschrecken.""



    =



    Die mangelnde Wehrhaftigkeit & Entschlossenheit von UK & Frankreich in den 1930er Jahren gelten in der Geschichtswissenschaft als zentrale Faktoren, die dem nationalsozialistischen Deutschland den Weg in WW2 ebneten. Diese anhaltende Zurückhaltung wird historisch unter dem Begriff Appeasement-Politik zusammengefasst. Mehrere miteinander verknüpfte Gründe führten dazu, dass die beiden Westmächte der deutschen Expansion lange Zeit kaum funktionierenden Widerstand entgegensetzten.



    =



    Die Gründe für die mangelnde Wehrhaftigkeit der Westmächte



    waren das Trauma des Ersten Weltkriegs: In Frankreich und UK saß der Schock über die Millionen Toten des Krieges von 1914–1918 tief. Die Bevölkerung und die politischen Führungen wollten einen erneuten europäischen Großkonflikt um fast jeden Preis verhindern - und haben damit den 2. Weltkrieg -- angezettelt durch die Deutschen -- erst damit ermöglicht.

  • Ruediger

    "Historisch widerspricht der Bedrohungshysterie die Tatsache, dass russische Soldaten nie ein westeuropäisches Land überfallen haben ..."



    Die Ukraine wurde aber angegriffen, weil sie sich nach Westen orientiert hat. Ich lese in diesem merkwürdigen Text kein Wort der Verurteilung dieses Angriffs, obwohl er die Ursache für die Aufrüstung ist und kein Wort der Solidarität mit der Ukraine. Damit macht sich der Verfasser zum Werkzeug Putins.



    Abgesehen davon ist die Grundthese falsch: Es spricht vieles dafür, dass der Kalte Krieg kein heißer wurde, weil die Abschreckung durch die Hochrüstung für beide Seiten so groß war, dass ein direkter Angriff unmöglich wurde. Mehr noch: Der Sowjetunion und ihren Satellitenstaaten ging wirtschaftlich die Puste aus, weil sie zu viel Geld in die Rüstung gesteckt haben, was letztlich zum Zusammenbruch des Kommunismus geführt hat (wobei ich nicht sicher bin, ob Herr Butterwegge das überhaupt als positives Ereignis sieht).



    Ja, wir sollten in ganz Europa (!) mehr Geld für Soziales ausgeben, aber der beste Sozislstaat nutzt nichts wenn er von außen bedroht ist. Zur Solidarität gehört auch, bedrohten Nachbarn zu helfen!