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Kampagne gegen die Linkspartei Keinen Fußbreit dem Antisemitismus!

Gereon Asmuth

Kommentar von

Gereon Asmuth

Mit aller Macht kämpfen CDU sowie Teile der Berliner SPD und einige Grüne gegen eine rot-grün-rote Koalition. Und die Linke ebnet ihnen den Weg dafür.

E s besteht kein Zweifel. Was gerade in Berlin geschieht, ist eine Kampagne gegen die Linkspartei. Zum Teil haltlose, zum Teil durchsichtige Argumente werden abgefeuert gegen eine mögliche rot-grün-rote Regierung. Die ganz große Koalition der Ver­lie­re­r:in­nen aus CDU, SPD und Teilen der Grünen versucht, den Einzug der Wahlsiegerin Elif Eralp ins Rote Rathaus zu verhindern – mit allen Mitteln. Weil das so schön einfach ist, brandmarkt sie die Linke auch als antisemitisch. Und die Linkspartei rollt ihr für diese Kampagne den roten Teppich aus.

Es besteht kein Zweifel – auch das muss klar gesagt werden: Die Linkspartei ist nicht antisemitisch, jedenfalls nicht mehr als andere auch, vielleicht sogar weniger. Aber es nutzt nichts, mit dem Finger auf andere zu zeigen, wenn man selbst nicht ganz klar ist. Das fällt zugegebenermaßen bei allen Debatten um Nahost nicht ganz leicht. Da geht viel durcheinander. Einerseits wird die berechtigt scharfe Kritik an der israelischen Regierung fälschlicherweise als Antisemitismus verunglimpft. Andererseits wird Antisemitismus als angebliche Israelkritik entschuldigt – was gar nicht geht. Denn auch bei Antisemitismus muss gelten: keinen Fußbreit!

Wer aber Rapper auf der Parteibühne von Intifada und vom Tod der israelischen Armee schwärmen lässt, muss sich nicht wundern, wenn andere hier mehr als einen Fußbreit Antisemitismus sehen. Da hilft kein „War nicht so gemeint“, selbst wenn es stimmen sollte. Und es hilft erst recht nicht, wenn dann noch der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak Kontakt zu gewaltaffinen Typen zugeben muss. Hat zwar nichts mit Antisemitismus zu tun, lässt sich aber schlecht verkaufen.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Eine innerparteiliche Diskussion war lange überfällig. Die Distanzierung durch Elif Eralp ist ein Schritt in die richtige Richtung, wird jedoch kaum noch reichen. Es bräuchte eine linke Brandmauer gegen Antisemitismus. Und personelle Konsequenzen, solange auch nur der Hauch eines Zweifels bleibt, auf welcher Seite dieser Mauer jemand steht.

Es geht um Humanismus. Um die Selbstverständlichkeit, dass niemand wegen Herkunft oder Glauben um sein Wohlergehen in der Stadt fürchten muss. Und um noch viel mehr. Denn wenn die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern etwas gemeinsam haben, dann dass ein Großteil der Wäh­le­r:in­nen tatsächlich eines will: Veränderung. Sie finden sie nicht mehr in der bis zur Unkenntlichkeit ausgewogenen Mitte. Die Alternative heißt daher gerade: Linke Politik oder Faschismus. Das darf vor allem die Linkspartei selbst jetzt nicht versemmeln.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gereon Asmuth

Gereon Asmuth Ressortleiter taz-Regie

Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz. 2000 bis 2005 stellvertretender Leiter der Berlin-Redaktion. 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft, Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und ein wenig Kunst studiert. Mehr unter gereonasmuth.de. Bluesky:@gereonas.bsky.social Mastodon: @gereonas@social.anoxinon.de Foto: Anke Phoebe Peters
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114 Kommentare

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  • outsider

    "Wer aber Rapper auf der Parteibühne von Intifada und vom Tod der israelischen Armee schwärmen lässt, muss sich nicht wundern, wenn andere hier mehr als einen Fußbreit Antisemitismus sehen. Da hilft kein „War nicht so gemeint“, selbst wenn es stimmen sollte. Und es hilft erst recht nicht, wenn dann noch der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak Kontakt zu gewaltaffinen Typen zugeben muss." 100% Zustimmung.



    Wie man daraus allderdings ableiten kann, die Linke sei nicht antisemitisch bzw in der Partei sei Antisemitismus doch sehr selten, ist mit ein Rätsel. Es geht immerhin den Neuköllner Linken-Verband, der eine wichtige Rolle spielt.



    Wo bleibt eine klare Ansage der Parteiführung oder von Fau Eralp, die über Lippenbekennisse hinausgeht (und ihr persönlich wirft auch kein ernstzunehemdes Medium Antisimitismus vor.)

  • Elke Weyel

    Gelegentlich lese ich die Kommentare in der TAZ. Es werden sehr viele Meinungen produziert, Statistiken über Tote reproduziert, darüber sinniert, bei wieviel Toten und bei welcher Alters- und Geschlechtsstruktur die Rede von Genozid sein kann und wann nicht oder besser überhaupt nicht. Ich empfehle dringend zur Information und einer eigenen inneren Auseinandersetzung über die Situation in Israel/Palästina eine tägliche Lektüre von Haaretz. Es führt über die Wiederholung von Berliner Bauchspiegeleien hinaus.

    • Janix

      @Elke Weyel:

      Haaretz wies u.a. neulich darauf hin, dass Netanyahu vom 7.10. vorher gewusst hat laut ihren Quellen (ein arabischer Staat sagte es ihm ein paar Tage vorher deutlich). Und er nichts tat. Nichts weitergab. Also schon alterschwach im Kopf, starrsinnig und/oder kriegslüstern das auch wollte.



      Meinten Sie das? Es wurde durch diverse Übertönungsmanöver auch hier kaum wahrgenommen.

      Haaretz ist (anekdotische Aussage, ich lese sie doch selten) deutlich mehr ernstzunehmen als die dortige rechtsnationalistische Kampagnenpresse. Gleichwohl gehören auch palästinensische Perspektiven noch hinzu, die hierzulande in Le Monde Diplomatique, ab und an in der taz, bei der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft und in Büchern zu finden ist. Möchte ich ergänzen.

      Warum in Deutschland noch mal ganz anders über Israel und Palästina diskutiert wird, ist noch mal ein ganz anderes und weites Feld. Das hat wohl viel mit Früherem, Eigenem zu tun. Wohl unvermeidlich, doch als Universalist wünsche ich mir immer, Israels Handeln an denselben Kriterien zu messen, nicht harscher, nicht softer, wie etwa Indonesien mit Ost-Timor damals, Südafrika mit Bantustans damals und Marokko noch aktuell mit der Westsahara.

  • V. Ohneland

    Ach ja, die CDU.



    Hat die nicht gerade gemeinsam mit der AfD die Verlegung von Stolpersteinen untersagt?



    Und ausgerechnet diese Leute, die tatkräftig Fakten gemeinsam mit den (mutmaßlichen) Rechtsextremen schaffen, wollen anderen jetzt Antisemitismus qua freier Assoziation und im Geiste unterstellen?



    Da geht's doch ganz offensichtlich um etwas anderes.

    • outsider

      @V. Ohneland:

      Ja, aber es geht eben bei den Stolpersteinen um eine Kleinstadt und nicht um einen der größten Berliner Verbände, der bei einer Koalition eine gewichtige Rolle spielen wird.



      Und sorry, ich lobe die CDU ungern, aber die Reaktionen aus der Partei waren doch sehr eindeutig.



      Und von der Linken kann man nicht nur Lippenbekenntnisse, sondern klare Antworten erwarten, wie man künftig mit Leuten umzugehen gedenkt, die den Staat Israel verschwinden lassen möchten bzw kumpelhafte Beziehungen zu Kriminellen haben.

  • zartbitter

    Der Wahlkampf ist zu Ende. Populismus wird keinen zusätzlichen Wohnraum und keine bezahlbaren Mieten schaffen.



    Was jetzt benötigt wird ist Fachwissen und grösstmögliche Akzeptanz in der Berliner Bevölkerung - zum Beispiel durch



    =



    Elke Breitenbach – ehemalige Berliner Sozialsenatorin, Klaus Lederer – ehemaliger Berliner Kultursenator, Carsten Schatz – ehemaliger Vorsitzender der Linksfraktion,



    =



    Sebastian Scheel – ehemaliger Berliner Bausenator !!!!!



    =



    Alle linken Ex-Senatoren und andere die wissen wie Koalitionen und Umsetzung ihrer Ziele in ihren Fachbereichen funktionieren haben die Partei "die Linke" wegen Antisemitismus verlassen - und zwar deswegen



    ==



    weil die Mehrheit der Linken während einer Parteiversammlung gegen das versammelte Fachwissen und deren Regierungserfahrung gestimmt haben.



    =



    Warum lässt eine Partei ihre anerkannten Fachkräfte gehen ? Um Pro-Palästinensern mit dem Schlachtruf "Free Palestine" den nötigen Freiraum zu verschaffen und um sämtliche jüdischen Organisationen in der Stadt zu verängstigen?



    =



    Warum wirft die Linke den Ex-Kultursenator und den Ex-Bausenator und andere in den Paperkorb wenn sie jetzt dringend gebraucht werden?

    • Janix

      @zartbitter:

      Ich würde mir einen Lederer auch in der neuen Regierung wünschen. Der schien über alle Grenzen hinweg fachlich und persönlich respektiert zu sein.

      Was die CDU auf diesem Posten danach alles als B-Ware platzierte, lässt aber einen weiteren Grund aufscheinen, dass die bitte die Oppositionsbänke drückt

  • Eichhörnchen99

    Das ist natürlich sehr durchsichtig und tut geradezu so, als gäbe es in der CDU, der SPD und bei den Grünen keinen Antisemitismus, keine Xenophobie und keine Korruption. Dennoch ist mir Korac schon lange ein Dorn im Auge. Er ist ein Populist, nicht gescheit, ein Angeber und ein Klotz am Bein, obgleich er mit seiner Pro-Palästina-Haltung in Neukölln klar Stimmen für die Linke geholt hat. Den eigenen Antisemitismus sollte man immer beobachten und bekämpfen. Das sollte man sich aber nicht von den größeren Antisemiten als öffentlichen Ablass auferlegen lassen. Meine Solidarität gilt einer linken Regierung. Es wird Zeit, dass von den Teilen der SPD und der Grünen, die noch Bürgernähe predigen und nicht die Nähe zu Konzernen, auch Taten folgen. Sie müssen sich laut und offen für Rot-Grün-Rot einsetzen.

    • Eichhörnchen99

      @Eichhörnchen99:

      Entschuldigung. Zu schnell getippt. Ich meinte natürlich „Koçak“.

  • Hatespeech_is_not_an_opinion

    Teile der Berliner Linkspartei sind ganz klar Nachfahren von Migranten. Das führt bei den C-Parteien und den Rechtsextremen zu einer Kernschmelze der besonderen Art. Angefangen von der Roten Socken-Kampagne bis zur Herausstellung der SED-Vergangenheit fast 36 Jahre nach der Wiedervereinigung (hier hat sich der ÖRR am Wahlabend blamiert) wird alles aufgefahren, was sich an Ressentiments über Jahrzehnte aufgebaut hat und in der Anfangszeit der Bundesrepublik in ähnlicher Art gegen die SPD aufgefahren wurde. Das ist unlauter und widerlich.



    Ich habe viel Kritik an der Linken wegen ihrer Haltung zur Ukraine und einigen anderen Punkten. Die Haltung zu Gaza und Israel ist ein delikater Drahtseilakt, nicht nur für die Linke als Partei, sondern für jeden Bürger dieser Republik. Einige Parteimitglieder schlagen da über die Stränge und überschreiten rote Linien. Jetzt liegt es an der Führung der Berliner Linken und der Bundeslinken für Klarheit zu sorgen. Äußerungen zum Nahost-Krieg müssen auf Grundlage des Grundgesetzes erfolgen und jeder noch so kleine Anschein von Antisemitismus muss deutlich und konsequent bekämpft werden, auch wenn es ggf zum Ausschluss Einzelner führen kann.

    • Janix

      @Hatespeech_is_not_an_opinion:

      Sie sagen es. Bei einigen rechtsmittigen Kreisen scheint eine Art eingebaute politische Vorfahrt eingeprägt. Joris Luyendijk hat das für die Niederlande mit seinen "sieben Häkchen" aufgelistet: wer "darf" etwas sagen und wer gefälligst nicht?

      Wo die Linke eigentlich nur die SPD und deren vom Kapital geschleifte Positionen ersetzt, mit den auch von Ihnen genannten wohl kritisch zu sehenden Punkten.

      Berlin braucht rasch wieder eine sozial geprägte Politik. Die Koalition rasch bilden.

  • Querbeet

    Naja, das Anrisemitimus Thema ist nur ein Grund, kein Bündnis mir der Linken zu suchen. SPD und Grüne dürften auch wenig echtes Interesse an der Wahrwerdung linker Enteignungsphantasie haben.

    • Janix

      @Querbeet:

      Mensch kann gerne die Argumente gegen und die Argumente für eine bekannt grundgesetzlich erwähnte und erlaubte Enteignung sehen.



      Ich sehe selbst Pro wie Kontra.

      Bereits Giffeys SPD-Selbstentleibungs-Move zur CDU war wohl neben persönlich-egoistischen Motiven davon geprägt, dass sie schlicht die Umsetzung des Volksentscheids sabotieren wollte.

      Was ist mein Argument, dass mich die Linken am ehesten verstehen lässt?



      Es ist legal, es ist machbar, die klare Mehrheit hat direkt dafür gestimmt, die Wahlen gingen in dieselbe Richtung (dies war laut Umfragen das entscheidende Thema) - warum soll sich Politik da einschnüren lassen, nur weil man das angeblich nicht tue?



      Wollen wir handelnde Politik nur noch den Rechtsreaktionären wie Trump überlassen?

      Faktisch wird es frühestens zum Ende der Periode kommen. Es nicht einmal ernsthaft und tief ausgelotet zu haben, wäre freilich Feigheit oder Wählerbetrug. Wollen Sie denn das?

      • Normalo

        @Janix:

        "Es ist legal, es ist machbar, die klare Mehrheit hat direkt dafür gestimmt, die Wahlen gingen in dieselbe Richtung (dies war laut Umfragen das entscheidende Thema) - warum soll sich Politik da einschnüren lassen, nur weil man das angeblich nicht tue?"

        Es ist ein wenig wie mit dem Brexit: Dass etwas (vielleicht) legal, machbar und an der Urne bevorzugt ist, ändert nichts daran, dass man es auch sehr gut als einen schweren Fehler betrachten kann, dessen Umzusetzung man nicht auf seinem Gewissen haben möchte. Ich habe bislang noch kein Modell für diese "Vergesellschaftung" gesehen, das ohne unerfüllbare oder zumindest höchst fragwürdige Prämissen auskam, um eine wirtschaftliche Machbarkeit mit verfassungsrechtlich haltbaren Mitteln darzustellen. Und um das eigentliche Problem zu lösen, nämlich das Ungleichgewicht zwischen Wohnraumangebot und Wohnraumnachfrage, taugt die Maßnahme ohnehin null.



        Da kann man schon mal auf die Idee kommen, die Wünsche der eigenen Wähler kritisch zu hinterfragen und an der Realität zu messen (wenn es um Handlungsratschläge an die Union oder teilweise auch die SPD geht, ist man hier ja auch immer ziemlich schnell mit dabei...).

        • Janix

          @Normalo:

          Westminster ist so souverän über alles, wie ein Parlament es sein kann, das Referendum war unnötig und kam von oben - der Brexit war auch aus meiner Sicht die Folge einer Riesen-Dummheit eines verwöhnten Oxfordis.

          Sehen Sie die Unterschiede der Rahmenbedingungen zu Berlin gerade auch ein wenig?

          Ich sehe wie gesagt Pro und Kontra in der Sache, aber es einfach aussitzen geht nicht, denn es gab ein Referendum plus eine Wahl in dieselbe Richtung. Sonst soll mensch bitte das Referendum aus der Landesverfassung nehmen (auch hierfür Pro und Kontra) und den Artikel 15 aus der Bundesverfassung (was m.E. eine Riesen-Dummheit wäre, die schon die FDP nie hinbekam)

          • Normalo

            @Janix:

            Ehrlich gesagt ist es vollkommen egal, wie elitär die Leute ausgebildet sind, die ihren Mitmenschen vor so einer Abstimmung das Blaue vom Himmel runterdichten, was sich alles wundersam verbessern wird, wenn man ihrem Vorschlag folgt. Das gilt vor allem für Referenden über reine Herrschaftsfragen - also das "Wer" und nicht das "Wie" der Ausübung von Verfügungsgewalt: Es gewinnt, wer vorhandene Ängste und Begehrlichkeiten besser in die von ihm gewünschte Richtung zu kanalisieren weiß, nicht wer den nüchtern betrachtet vernünftigeren Vorschlag macht.



            Entsprechend sind mir auch direkt-demokratische Elemente lieber, wenn es um grundsätzliche Richtungsfragen geht, nicht bei komplexen Einzelmaßnahmen. Da ist es - auch das haben Brexit- und Enteignungsreferendum gemein - viel zu leicht, mit "selektiver Faktenverwertung" völlig falsche Vorstellungen über die Prämissen oder absehbaren Folgen der jeweiligen Entscheidung zu erzeugen. Entlarvend ist jedesmal wieder, was Menschen nachher sagen, WARUM sie so oder so abgestimmt haben. Das ist viel zu oft meilenweit von dem entfernt, was ihre Stimme tatsächlich bewirkt.

  • Jim Hawkins

    Alles in allem, es ist wohl nur noch eine Frage kurzer Zeit, bis dieser leidige Antisemitismus endlich verschwunden ist.

    Übrig bleibt der so called "instrumentalisierte Antisemitismusvorwurf".

    Der ist natürlich rechts und tritt nur als Kampagne, natürlich als rechte Kampagne auf.

    Die Reihen fest geschlossen.

  • davux

    Ja, die Dynamik ist durchsichtig. Machtpolitische Motive stehen im Vordergrund. Die Antisemitismusforscherin Stefanie Schüler-Springorum nennt die Debatte "überzogen". Es gehe um die Regierungsbildung in Berlin.



    Asmuths Verteidigung bleibt aber unvollständig. Das "nicht mehr als andere" ist genau diese Relativierung. Der Zentralrat der Juden spricht von einem "tiefen strukturellen Problem". Zugleich "personelle Konsequenzen beim Hauch eines Zweifels" zu fordern und die Partei zu entlasten, ist widersprüchlich.



    Die Linke liefert Angriffsflächen. Es gibt Beschlüsse, die über legitime Israelkritik hinausgehen können. Aber diese Vorfälle beweisen keine antisemitische Partei – sie zeigen eine Debatte, die durch die IHRA-Definition und ihren missbräuchlichen Gebrauch jede Orientierung verloren hat. Wer den Vorwurf inflationär erhebt, riskiert den zynischen Effekt: "Dann bin ich eben Antisemit."



    Meine Erfahrung: Mit Linken lässt sich über Antisemitismus differenziert sprechen. In anderen Parteien fehlt oft das Grundverständnis. Die Linke ist nicht das Problem, sondern der Ort, an dem es noch verhandelt wird. Wer sie beschädigt, beschädigt die Debatte.

  • Worgt Michael

    Diese Hetzkampagne war doch voraus zusehen . Man hätte auf alle Fälle etwas gefunden, egal wie blödsinnig es ist.



    Der Springerpresseleser hätte sie gerne geglaubt.



    Linke seit wachsam .

  • Klabauta

    Das Ziel der Kampagne ist durchsichtig, man braucht sich nur die Redebeiträge der CDU und Teilen der SPD in der Aktuellen Stunde gestern anzuhören: Es geht darum, in Berlin eine von der Linken angeführte Koalition zu verhindern. Da kommen die antisemitischen Entgleisungen mancher (!) Linker in manchen (!) Bezirksverbänden gerade recht.



    Was nicht heißt, dass Die Linke mit ebenjenen nicht Klartext reden beziehungsweise auch Konsequenzen ziehen soll.

    • R. Mc'Novgorod

      @Klabauta:

      Natürlich ist das auch eine Kampagne der Besitzstandwahrer/ innen. Dennoch liefert die Partei das benötigte Futter dafür und es gibt diese Leute eben in der Linkspartei und deren Umfeld.

  • Reinhard Muth

    Danke für diesen sachlichen Beitrag! Hoffentlich gibt es in den anderen Medien auch noch Fakten zum Thema statt Hetze gegen den wahlerfolg der Linken.

    • Reinero66

      @Reinhard Muth:

      Sachlich? Im Verhältnis zu AgD Beiträgen?



      Gibt es dort eine ähnliche Toleranz?



      Sorry, aber die Angriffsfläche hat die Linke sehr hasenfüßig selbst gegeben.



      Siehe Vorfeld Veranstaltungen in Neukölln, da hätte man sich distanzierter geben müssen, ähnlich wie in Kassel die Reaktion auf das erschiessen mit den Arbeitslagern. Das sind Steilvorlagen!

  • DoppeltD

    Die Mitte scheint ein sehr leerer Raum geworden zu sein, wo sich keiner mehr richtig zuhause fühlt, bis auf wenige Wohlhabende, weil ihr Status-quo dort nicht infrage gestellt wird und für sie wohl ein weiter so im neoliberalen Konsens, Investoren gut und Arbeiter/ Angestellte können sich einfach mal ein wenig mehr anstrengen, denn jeder ist doch seines Glückes Schmied.



    Anscheinend hat es sich aber zu CDU und SPD noch nicht rumgesprochen, dass man mit dieser Mitte keine Wahlen mehr gewinnen kann und auch kaum einer diese Versprechen glaubt und dringend neue Ideen und und ein breiteres Fundament gefragt ist.



    Bleibt nur zu hoffen das SPD und Grüne trotz dieser Schmier-Kampagne den Mut finden und sich zu neuen Ufern aufmachen für ein Linke Politik. Wird auf jeden Fall spannend bleiben.

  • hedele

    Die deutsche Debatte ist hier wirklich sehr speziell. Unstreitig für fast alle politischen Beobachter sehen wir im Gazastreifen gerade einem Genozid zu.



    Und statt dass wir Deutsche die schlüssigen Lehren aus der Vergangenheit ziehen und uns unverbrüchlich und ohne Rücksicht auf eigene Gefährdung vor die Opfer stellen, verteidigen wir den Soldaten, der mit gezückter Waffe durch Wohngebiete läuft, weil er als Angehöriger einer bestimmten Volksgruppe ja per se keinen Fehler machen kann. Tauscht man "Israeli" gegen "Deutschen" und "Westjordan" gegen "Warschauer Ghetto" aus, dann sieht man, wohin diese programmatische Blindheit führen kann. Auch wir hielten deutsche Soldaten einmal für unfehlbar und über jeden moralischen Zweifel erhaben. Es gibt aber keine per se guten Soldaten, es muss immer ihr konkretes Handeln betrachtet werden.



    Ich wünsche mir daher sehr, dass wir die innerisraelische Debatte befeuert, z.B. Israelis gegen Apartheid massiv unterstützen und Netanjahus Machenschaften so viel Sand wie möglich ins Getriebe streuen. Denn man kann den Verlauf der Geschichte ändern. Israel ist immer noch eine Demokratie.

    • Zippism

      @hedele:

      „Unstreitig für fast alle politischen Beobachter sehen wir einem Genozid zu“ – interessant, wie schnell aus einer politischen Bewertung plötzlich eine feststehende völkerrechtliche Tatsache wird.

      Der Internationale Gerichtshof hat bislang gerade nicht festgestellt, dass Israel einen Genozid begeht. Das Verfahren läuft; die angeordneten vorläufigen Maßnahmen sind keine Verurteilung wegen Genozids. Und auch der Internationale Strafgerichtshof wirft Netanyahu und Gallant Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor – nicht Genozid.

      • EffeJoSiebenZwo

        @Zippism:

        Ich glaube Sie interpretieren das ‚sehen wir zu‘ anders als das im Kommentar gemeint ist.

        Man kann ja als Beobachter selbst für sich zum Schluss kommen, dass es sich um einen Genozid handelt, wohl wissend, dass es noch keine juristische Klärung gibt. Gerade weil es diese noch nicht gibt, und vermutlich auch in x Jahren noch nicht geben wird. Vielleicht lautet das Urteil dann ja anders. Aber falls eben schon: was hilft es dann, Jahre später, wenn der Genozid dann durchgeführt ist?

        • Zippism

          @EffeJoSiebenZwo:

          Natürlich kann jeder Beobachter persönlich zu dem Schluss kommen, dass es sich um einen Genozid handelt. Das habe ich auch gar nicht bestritten. Mein Einwand richtet sich gegen die Formulierung „unstreitig für fast alle politischen Beobachter sehen wir einem Genozid zu“, die eine umstrittene Bewertung wie eine feststehende Tatsache präsentiert.

          Und nein: Dass ein Verfahren Jahre dauern kann, macht die juristische Einordnung nicht überflüssig. Gerade bei einem Begriff wie „Genozid“ ist die Absicht ein zentraler Bestandteil des Tatbestands. Genau darüber hat der IGH bislang kein abschließendes Urteil gefällt. Das Verfahren läuft weiterhin.

          Auch der IStGH hat Netanyahu und Gallant nicht wegen Genozids angeklagt, sondern Haftbefehle wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlassen.

          • Sam Spade

            @Zippism:

            Auch hier gilt es mit einer Legende aufzuräumen.

            Die Arbeitsweise des IStGH ist bei Erlass eines Haftbefehls an das Römische Statut gebunden. Einzelpersonen können nur aufgrund der Beweislast und nicht auf Grundlage von Indizien strafrechtlich verfolgt werden.

            In seinem Haftbefehl hat sich der IStGH daher auf die Punkte beschränkt die beweisbar sind. Bombardierung von Krankenhäusern ist einer der Gründe.

            Ein Haftbefehl stellt noch kein Anklage dar. Sollten dem Chefankläger im Laufe der Zeit Beweise vorliegen aus denen die mens rea auf eine reine Zerstörungsabsicht hindeutet und diese klar ersichtlich einer Person zugeordnet werden kann, so wird der IStGH mit Sicherheit die Anklage erweitern.

            Da es jedoch eine hohe rechtliche Hürde darstellt einer Einzelperson die spezifische Absicht eines Genozids nachzuweisen, dürfte es wahrscheinlicher sein, dass der IStGH es bei einer Anklage wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit belässt.

      • davux

        @Zippism:

        @Zippism: Ein Völkermord ist vom Internationalen Gerichtshof (IGH) noch nicht rechtskräftig festgestellt worden – aber der IGH hat die entsprechenden Vorwürfe als "plausibel" eingestuft und bindende vorläufige Maßnahmen erlassen. Und dass Israel eine Demokratie ist, bedeutet nicht, dass seine Politik nicht von außen rechtmäßig unter Druck gesetzt werden darf.



        Der unabhängige Untersuchungsausschuss des UN-Menschenrechtsrats kam im September 2025 auf Grundlage von rund 16.500 Beweisstücken zu dem Schluss, dass Israels Handlungen Völkermord nach der Völkermordkonvention darstellen.



        Also: Der Völkermordvorwurf hat eine ernste rechtliche und tatsächliche Grundlage, ist aber noch nicht durch den IGH endgültig gerichtlich bestätigt.



        Ich finde "Unstrittig für fast alle politischen Beobachter" ist überdehnt, aber Sie sind nicht genauer.

        • Zippism

          @davux:

          Dass der Genozidvorwurf eine ernsthafte Grundlage hat, bestreite ich überhaupt nicht. Und natürlich kann man persönlich zu der Einschätzung kommen, dass es sich um einen Genozid handelt. Mein Punkt war ein anderer: Man sollte eine solche Bewertung nicht als bereits feststehende völkerrechtliche Tatsache darstellen.

          Auch „plausibel“ sollte man dabei nicht überdehnen. Der IGH hat im Verfahren über vorläufige Maßnahmen bestimmte von Südafrika geltend gemachte Rechte als plausibel angesehen und deshalb Schutzmaßnahmen angeordnet. Er hat damit aber gerade nicht festgestellt, dass Israel einen Genozid begeht. Der Gerichtshof hat ausdrücklich klargestellt, dass er in diesem Stadium keine abschließende Feststellung zur erforderlichen genocidalen Absicht trifft.

          Dass eine UN-Untersuchungskommission später zu einer anderen Bewertung kommt, ist selbstverständlich relevant – aber eben die Feststellung dieser Kommission und nicht ein Urteil des IGH.

          • Sam Spade

            @Zippism:

            Sie bringen in ihren Kommentaren etwas durcheinander.

            Ein Genozid kann nicht nur von Gerichten offiziell attestiert werden.

            Man unterscheidet hier zwischen politischer Anerkennung und juristischen Urteil. Beides ist offiziell gleich stark gewichtet. Der einzige Unterschied besteht bei einem Gerichtsurteil in der Rechtsbindung, welche u.a. Strafverfolgung und zivile Regressansprüche ermöglicht.

            Nationale Regierungen und Parlamente sind befugt einen Völkermord anzuerkennen, wie es die Bundesregierung 2023 bei den Jesiden getan hat, indem es die IS Verbrechen als Völkermord eingestuft hat.

            International gibt es dazu noch die diplomatische Anerkennung wie beim Völkermord an den Armeniern. Dieser wurde von über 30 Staaten ausserhalb der EU anerkannt und bereits 1987 gab es vom Europaparlament die offizielle Einstufung dazu.

            Ebenfalls befugt zur Einstufung ist die UN Generalversammlung in Form einer Resolution sowie UN Gremien wie der Menschenrechtsrat in Form einer offiziellen Erklärung.

            Wenn der Forist Hedele in diesem Zusammenhang von politischen Beobachtern spricht bezieht er sich auf die UN oder auch auf NGOs wie Amnesty International und das ist sachlich korrekt.

    • Machiavelli

      @hedele:

      So unstrittig ist das nicht die Pro-Palaästinenser Fraktion ist mur lauter, die Anzahl toter für krieg in einem urbanen Gebiet ist zu erwarten und die Alters und geschlechtsstruktur der Toten Palästinenser sieht auch eher nach krieg aus.

      In der Ukraine sind die Beweise für Genozid viel deutlicher. Denen will die Linke aber die Unterstützung verweigern.

      • Kaboom

        @Machiavelli:

        In der realen Welt ist der Anteil ziviler Opfer ungewöhnlich hoch, mit einiger Wahrscheinlichkeit sogar der höchste ever. Für Ihre Behauptung über die Anzahl Toter "für Krieg in einem urbanen Gebiet" hätte ich gerne einen Beleg. Spontan halte ich das ganz schlicht für Quatsch.



        Das Gleiche gilt für Ihre Behauptung bezüglich der Ukraine.

      • Residente

        @Machiavelli:

        Haben Sie für Ihre Behauptungen eventuell eine Quelle? Das Max-Planck-Institut für Demografische Forschung hat im November letzten Jahres eine Studie zur Alters-und Geschlechtsstruktur der Opfer in Gaza veröffentlicht, die ziemlich genau das Gegenteil aussagt.



        „Infolge dieser beispiellosen Entwicklung Sterblichkeit sank die Lebenserwartung in Gaza im Jahr 2023 um 44 Prozent und im Jahr 2024 um 47 Prozent. Im Vergleich zu Zahlen ohne Krieg entspricht das einem Verlust von 34,4 bzw. 36,4 Jahren“, erklärt Gómez-Ugarte. Die Studie ergab zudem, dass die Alters- und Geschlechtsverteilung der gewaltsamen Todesfälle in Gaza zwischen dem 7. Oktober 2023 und dem 31. Dezember 2024 den demografischen Mustern ähnelt, die bei mehreren von der Inter-Agency Group for Child Mortality Estimation (UN IGME) der Vereinten Nationen dokumentierten Völkermorden beobachtet wurden."



        www.demogr.mpg.de/...enserwartung_14870

      • EffeJoSiebenZwo

        @Machiavelli:

        ‚ … und die Alters und geschlechtsstruktur der Toten Palästinenser sieht auch eher nach krieg aus‘

        Wie sähe denn diese Struktur im Genozid-Fall aus, und wie unterscheidet sich das von dem von Ihnen angeführten Kriegs-Fall?



        Im Übrigen geht’s bei den Tatbestand Genozid nicht nur um Tote, sondern auch um zB das Vernichten von zB Lebensgrundlagen, kulture Basis etc

        ‚In der Ukraine sind die Beweise für Genozid viel deutlicher‘‚

        —> Whataboutism

      • davux

        @Machiavelli:

        @Machiavelli: Ich finde das Argument der Alters- und Geschlechtsstruktur äußerst fragwürdig.



        Der UN-Untersuchungsausschuss stellt ausdrücklich fest, dass Israels "vorsätzliche Zielrichtung auf palästinensische Kinder" ein Schlüsselelement für die Feststellung von Völkermordabsicht ist.



        Wenn die Todesstruktur "eher nach Krieg aussieht", dann hat dieser Krieg das Merkmal, dass massiv Zivilisten, insbesondere Kinder, systematisch getötet werden. Das schließt Kriegsverbrechen nicht aus, sondern kann den Vorwurf "vorsätzliche Zielrichtung auf geschützte Gruppen" sogar verstärken.



        Kurz gesagt, Krieg und Völermord schließen einander nicht aus.

      • test_name

        @Machiavelli:

        Wo fängt der Genozid an - schon bei 70.000 oder erst bei 150.000 Toten?

        Das ist doch völlig egal. Es geschehen unstreitig Kriegsverbrechen der Netanjahu-Regierung und das müsste für die deutsche Regierung endlich Konsequenzen haben.

        Deutsche Staatsraison muss endlich die Zweistaaten-Lösung sein - nicht nur Israel hat ein Existenzrecht.

        • Machiavelli

          @test_name:

          Kriegsverbrechen ja. Genozid sehe ich nicht genügend Beweise. Und viele Tote bedeutet nicht Genozid im urbanen Kampf sterben einfach viele Zivilisten das hätte sich die Hamas vor Beginn des Krieges überlegen sollen. Israel tut viel um zivile Opfer zu vermeiden. Hätte Israel Genozid verüben wollen wäre der Gazastreifen jetzt leere Wüste.

          • EffeJoSiebenZwo

            @Machiavelli:

            Sie meinen das urbane Umfeld, auf das Gaza schon vor 2023 zurecht geschrumpft wurde? Sehr zynisch.

          • Residente

            @Machiavelli:

            Am Anfang ihres Beitrags geben Sie zu, dass Israel Kriegsverbrechen begangen hat. Später schreiben Sie erstens, dass die Hamas sich das, also die Verbrechen der IDF, vorher hätte überlegen müssen und zweitens, "Israel tut viel um zivile Opfer zu vermeiden". Ersteres ist sehr zynisch, da die Kriegsverbrechen Zivilisten, also gerade nicht Hamasleute, treffen und zweiteres ist einfach logisch widersprüchlich, denn wäre das wahr hätte Israel ja keine, oder zumindest nicht so enorm viele Kriegsverbrechen begangen.

  • FtznFrtz

    Auf beiden Seiten wird mit der größtmöglichen Keule aufeinander eingeschlagen. Israelkritiker, besser, Kritiker der rechten israelischen Regierung, sind Antisemiten. Kritiker der Hamas sind Völkermörder, mindestens Untestützer von Völkermördern.



    Dass hier eine halbwegs sachliche Debatte kaum möglich ist verwundert kaum. Von Empathie für die Gegenseite gar nicht zu reden, diese wäre aber nötig, um die für beide Seiten untragbare Situation zu verbessern.



    Wer hier, wie manche in der Linkspartei, einseitig Partei, meistens für die Palästinenser, ergreift, blendet Angst. Leid und Probleme der anderen Seite aus. Denn weder besteht das palästinensische Volk nur aus der Hamas noch das israelische aus verkommenem Likud und Rechtsextremen. Man setzt sich damit ins Unrecht und füttert den politischen Gegner, AfD, Nius und wie sie alle heißen. Die Linke muss sich für eine Lösung des Konfliktes unter Einschluss beider Seiten einsetzen. So utopisch das angesichts der Führungen auf beiden Seiten derzeit auch aussieht.

    • Deep South

      @FtznFrtz:

      Da unterschreib ich wirklich jedes Wort! Geht mir schon seit Jahren maximal auf den Zeiger. Aber was jetzt grad abgeht, ist rational nicht mehr erklärbar. Wenn universelle Menschlichkeit und Werte nicht mehr im Vordergrund stehen, verabschiedet sich die Szene von jeder Glaubwürdigkeit.

  • Michael Freiberg Freiberg

    Ich habe keine Ahnung, warum die Berliner Linke, bzw. Die Linke überhaupt, glaubt, irgendeinen positiven Beitrag zum Frieden in Nahost liefern zu können. Und warum sie die ganz konkreten Chancen in Berlin, das Leben der Menschen in Berlin zu verbessern, ihrem Antisemitismus opfert.

    • *Sabine*

      @Michael Freiberg Freiberg:

      U.a. weil Die Linke dadurch die Wählerstimmen der Pro-Palästinenser erhält. Diese Wählergruppe ist in Berlin so groß, dass es sich wahltaktisch lohnt. Es ist meiner Meinung nach die Tragik der jüdischen und/oder israelischen Menschen, dass sie überall auf der Welt, außer in Israel, in der Minderheit sind, ihnen jedoch in vielen Ländern Minderheitenschutz verweigert wird. Wie sich das in Berlin entwickeln wird, sofern Die Linke an der Regierung beteiligt wird, werden wir sehen. Aber wenn schon unter einem CDU-Bürgermeister u.a. auf Demonstrationen zum Mord an jüdischen Menschen aufgerufen werden kann, will ich im Moment noch gar nicht darüber nachdenken, was mit einer linken Regierung passieren kann.

      • EffeJoSiebenZwo

        @*Sabine*:

        Vielleicht ist die Wählergruppe ‚Menschen jüdischen Glaubens in Berlin‘ aber gar nicht so homogen, wie Sie es sich gerne vorstellen ?

        taz.de/Richtungsst...n-Berlin/!6215892/

      • Klabauta

        @*Sabine*:

        Klären Sie mich auf. Wie groß genau ist diese Wählergruppe? Gibt es belegbare Zahlen oder ist das nur ein Bauchgefühl?

    • Montagsdepression

      @Michael Freiberg Freiberg:

      Weil der Anteil Menschen mit Bezug zum nahen Osten in Berlin besonders hoch ist vielleicht?

      • Deep South

        @Montagsdepression:

        Das mag sein, kann aber den linken Konflikt nicht erklären. Da muss nur mal in irgendein ein beliebiges linkes Jugenzentrum schauen, auch weit weg von Berlin. Da wird nämlich deutlich, dass die Obsession zu Nahost längst zu DER identitätstiftenden Projektionsfläche innerlinker Konflikte geworden ist und gerade an der Basis die Szene quer durchs Land förmlich zerreist. Für Berlin ist das natürlich besonders dumm, da die Partei dort tatsächlich mal in Gestaltungsfunktion kommen könnte.

        • Residente

          @Deep South:

          Warum halten Sie es für eine Obsession, wenn sich junge Menschen jedweder Herkunft damit beschäftigen, dass die eigene Regierung Kriegsverbrechen unterstützt? Und warum passiert das in den Jugendzentren, oder meinetwegen Studentenverbindungen, der Konservativen nicht?

          • Deep South

            @Residente:

            Die Obsession liegt darin, dass der Streit um die Deutungshoheit dieses Konflikts mitllerweile alle anderen Themen überlagert. Dass zwei Gruppen den Ton angeben, die sich bedingungslos auf jeweils eines Seite dieses Konfliktes schlagen, ihn durch eine völlig unreflektierte Gut/Böse Schablone pressen und Leid und Verbrechen nur dort wahrnehmen, wos der eigene Tellerrand hergibt. Dass Künstler, Bands, Veranstalter genötigt werden, sich einseitig zu positionieren. Dass wegen dieses Konfliktes Clubs schließen, Festivals gecancelt werden, dass Linke gegen Linke demonstrieren und sogar wie im Fall La Casa gewalttätig angreifen. All das, weil man die Debatte zu einen Konflikt, auf den man nur sehr geringen Einfluss hat, zum Ersatzkampfplatz einer der innerlinken Indentitätskrise gemacht hat. Ich hab Schlägereien wegen eines Palestina FC Shirts gesehen, Hass-Parolen, die an Eingangstüren geschmiert wurden, E-Mails gelesen, in denen Bands massiv bedroht wurden.

            Hier mal ein Beispiel, was gerade so passiert:

            paranoyafestival.d...-finally-canceled/

            Und nochwas, es interessiert mich nicht die Bohne, was woanders passiert. Das ist hier nicht das Thema.

            • EffeJoSiebenZwo

              @Deep South:

              ‚Ich hab Schlägereien wegen eines Palestina FC Shirts gesehen‘

              Was war denn da? Wann / Wo? Und wer war beteiligt?

            • Residente

              @Deep South:

              Ich denke, ich verstehe Ihren Gedanken weitgehend. Und natürlich haben Sie Recht, dass die Debatte deutlich sachlicher und mit weniger Schaum vorm Mund geführt werden sollte. Sie aber gar nicht oder zaghaft zu führen, wenn wesentliche Teile der linken Szene Kriegsverbrechen verharmlosen und andere Teile in Antisemitismus abdriften kann auch nicht die Lösung sein. Beim Blick auf innerlinke Debatten zu Kriegen und Besatzungen der Vergangenheit fällt zumindest auf, dass die Parteinahme sich als links verstehender Gruppen für den Besatzer, und vor allem die Vermischung der Debatte mit dem Schutz einer diskriminierten Gruppe in anderen Ländern extrem ungewöhnlich ist, vielleicht liefert das einen Erklärungsansatz für die Intensität der Auseinandersetzungen.



              Sie schreiben von einem "Ersatzkampfplatz einer innerlinken Indentitätskrise"; was wird mit dieser Debatte ersetzt und auf welche der vielen linken Identitätskrisen beziehen Sie sich?

              • Deep South

                @Residente:

                Ich finds völlig legitim, sich mit diesem Konflikt zu beschäftigen und Ungerechtigkeiten anzuprangern, Waffenlieferungen und "bedingungslose Staatsräson" zu kritisieren. Es ist aber schon auffälig, dass diesem Thema emit einer Vehemenz daherkommt, die keinem anderen Konflikte beigemessen wird und dabei die Fronten, aufgrund absurd verengter Debatten innerhalb der Linken so verhärtet sind, dass sie so esklaieren, wie ich das erlebe.



                Ersetzt wird meiner Meinung nach eine visionäre Auseinandersetzung, wie die Linke gesellschaftliche Zukukunftsfragen abseits gescheiterter Systemkonzepte und Parolen von vorgestern realistsich beantworten will. Wie man wieder zu einer glaubwürdigen Kraft für die Lösung sozialen Themen werden kann, wie eine ernsthafte Alternative zu Politikverdrossenheit, Zukunftsangst und Rechtsruck sein könnte.



                Ich hätte vor ein paar Jahren noch zugestimmt, dass die Scheuklappenmentalität zumeist im Antideutschen und Pro Israel Lager zu finden ist. Was seit dem 7.Oktober aber an unreflektierter Parteinahme und Grezüberschreitung im anderen Lager passiert, stellt das klar in den Schatten.



                Und natürlich ist deutsche Israelkritik historisch bedingt ein sensibleres Thema.

  • Karla Columna

    Zu einer linken Brandmauer gegen Antisemitismus würde es ja auch gehören, Betroffenen zuzuhören, also das Gespräch zb mit dem Zentralrat der Juden zum Beispiel zu suchen und die Ängste von Juden und Jüdinnen ernstzunehmen. Es würde auch damit beginnen, nicht alles einfach als Kampagne ab zu tun. Das würde aber wiederum all diejenigen in der Partei vergrämen, die bestreiten, überhaupt antisemitisch sein zu können, weil eben links und antikolonial und immer im Recht, also ohne jegliche Selbstreflexion. Insofern bin ich eher pessimistisch, denn dazu kommt, dass auch der Umgang mit Firat Kocak ziemlich schwach wirkt. Ich meine, der hielt eine Rede gegen den Begriff Clankriminalität und pflegt dann Kontakte genau zu dem Sohn des Clan- Oberhaupts. Diesen Irrsinn hätte ich mir vorher wirklich nicht vorstellen können. Ich hab die Linke nicht gewählt, aber für ein paar Stunden dachte ich, es könnte ganz interessant sein, eine linke Regierung in Berlin zu haben. Das Geefühl ist mir dann sehr schnell vergangen.

    • esgibtnureinengott

      @Karla Columna:

      "Diesen Irrsinn hätte ich mir vorher wirklich nicht vorstellen können. Ich hab die Linke nicht gewählt, aber für ein paar Stunden dachte ich, es könnte ganz interessant sein, eine linke Regierung in Berlin zu haben. Das Geefühl ist mir dann sehr schnell vergangen."

      Ich verstehe nicht ganz, was passieren soll, wenn spd, grüne und linke jetzt eine Koalition bilden. Wie sollte diese das Leben von Jüdinnen und Juden verschlechtern? Angenommen die ganze Partei die linke wäre antisemitisch, was ich für absurd halte. (Bei einigen Akteuren mag das stimmen). Sie hätten doch niemals die Chance Gesetze durchzusetzen ohne ihre Koalitionspartner. Was ist also die reale Gefahr hier?

      • Axotono

        @esgibtnureinengott:

        Strukturelle ist es wie bei der AFD (ohne dass dieser Vergleich weitertragen würde): Menschen fühlen sich auf der Straße durch eine Regierungsübernahme bestätigt und dadurch im Recht, erkennbare "Zionisten" anzugreifen. Diese Gefahr besteht durchaus.

    • RenitenterBoomie

      @Karla Columna:

      Ja. ich schlage vor, dass wir das mit dem Antisemitismus und ob der eigentlich wie derzeit behauptet vor allem natürlich selbstverständlich von Linken und DIE LINKE zu verantworten ist, in der Festhalle in Stuttgart bei einem grossen Kongress besprechen,



      Die Festhalle heisst übrigens nach SS-Untersturmführer a.D. Hanns-Martin Schleyer. Einem Laufburschen Reinhard Heydrichs in Prag.

      • Worgt Michael

        @RenitenterBoomie:

        Schleyer wa nicht nur Laufbursche .



        Er hat sich selbst gern als Altnazi



        bezeichnet.



        Eine Willi- Bleicher- Halle wäre



        besser , wird es aber nicht geben.

  • Hans - Friedrich Bär

    "...Ein bißchen Salonantisemitismus, etwas politische und religiöse Gegnerschaft, Ablehnung des politisch Andersdenkenden, an sich ein harmloses Gemengsel, bis ein Wahnsinniger kommt und daraus Dynamit fabriziert. Man kann diese Synthese begreifen, wenn Dinge, wie sie in Auschwitz geschehen sind, in Zukunft verhütet werden sollen. Wenn Haß und Verleumdung leise keimen, dann, schon dann heißt es wach und bereit sein. Das ist das Vermächtnis derer von Auschwitz..."

    Steht bei Lucie Adelsberger : Auschwitz ein Tatsachenbericht , 1957

    Das kann man den Linken und ihren palästinensischen Anhängern nicht deutlich genug sagen. So war das in Deutschland!

    Auch wenn die Linke, wie jeder, den Palästinensern Verständnis für ihre erbärmliche Lage schuldet.

    Das muss sie hinbekommen, das ist die Kunst der Politik.

    • Hatespeech_is_not_an_opinion

      @Hans - Friedrich Bär:

      Kluger Kommentar. Ja, sie muss es hinbekommen, und zwar sehr schnell.

  • Hildebrand Felixflash

    Danke.

  • Dobro

    Kein Zweifel? Solche Formulierungen passen nicht zusammen: kein Zweifel und dann kaskadierende Relativierungen. Kampagne kann man behaupten - aber



    natürlich bestehen Zweifel.



    ‚Es besteht kein Zweifel – auch das muss klar gesagt werden: Die Linkspartei ist nicht antisemitisch, jedenfalls nicht mehr als andere auch, vielleicht sogar weniger.‘

    • Luisa mit a

      @Dobro:

      Das kann doch nicht ihr Ernst sein. Es ziehen Schwule/lesbische Menschen weg, nicht weil nicht genug- sondern wegen der Ausformung des aktuellen Linken. Es gehen jüdische Menschen und artikulieren die Begründung auch klar in eine Richtung.

      Es gibt zuhauf Videos in welchen auf arabisch oder türkisch von Seiten künftiger Mandatsträger:innen der Linken klar polarisiert wird.

      Wer diese erfahrbare und prüfbare Wirklichkeit, als Polemik der Rechten abtut, ist kein Stück besser als diese. Das ist Gaslighting in Reinform.

  • Montagsdepression

    Es ist eine Hetzkampagne von rechts, mehr nicht. Die LINKE ist die einzige Partei, die offen Israel zurecht kritisiert, das mögen die Konservativen und Rechten nicht. Um mehr geht es hier nicht. Natürlich zieht eine Partei in Deutschland mit solch einer Position Menschen an, die vom israelischen Terror gegen Gaza und Vertreibung im Westjordanland oder den etlichen Bombardierungen umliegender Länder direkt oder indirekt betroffen sind.

    Die LINKE muss hier standhaft bleiben.

    • Budzylein

      @Montagsdepression:

      "Die LINKE ist die einzige Partei, die offen Israel zurecht kritisiert, das mögen die Konservativen und Rechten nicht." Soso. Nachstehend ein Auszug aus einem Bericht der Amadeu Antonio Stiftung:



      "Ein Aufkleber der Neonazi-Gruppierung Junge Nationalisten zeigte eine blutige Israel-Fahne mit der Parole „Israel mordet und die Welt schaut zu“. Einige Tage zuvor hatte Die Heimat (früher: NPD), die Mutterpartei der Jungen Nationalisten, in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) eine Palästina-Fahne und ein großes Transparent mit der Parole „Der Staat Israel ist unser Unglück!“ aufgehängt. Immer wieder wird der Krieg gegen Israel mit Angriffen auf die Erinnerung verknüpft. So sagte Hans-Thomas Tillschneider, AfD-Fraktionsmitglied im Landtag Sachsen-Anhalts, auf seinem TikTok-Kanal: „Was Israel zur Zeit im Gaza-Streifen anrichtet, geht nicht. Israel straft die Palästinenser kollektiv für die Verbrechen der Hamas.“" (Quelle: www.belltower.news...rman-guilt-153641/ ).

      Gerade die Extremisten unter den Rechten lieben es, Israel "offen zu kritisieren", und werden sich über den "Genozid"-Vorwurf der Linkspartei gegen Israel gefreut haben.

      • Kaboom

        @Budzylein:

        "Ein Aufkleber der Neonazi-Gruppierung Junge Nationalisten zeigte eine blutige Israel-Fahne mit der Parole „Israel mordet und die Welt schaut zu"

        Dabei müssten die deutschen Faschisten doch begeistert sein von der aktuellen rechtsradikalen bis faschistischen Regierung Israels.

    • Pawel_ko

      @Montagsdepression:

      "vom israelischen Terror gegen Gaza"

      7. Oktober?

      "Die LINKE ist die einzige Partei, die offen Israel zurecht kritisiert"

      Auf der Wahlparty der Berliner Linken nach der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 war Ibrahim Ibrahim anwesend. Er wird von mehreren Medien als Unterstützer der PFLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas) eingeordnet. Die PFLP wird in Deutschland als terroristische bzw. extremistische Organisation eingestuft.



      Ibrahim wurde dort auch zusammen mit dem Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak fotografiert.

      Fotos mit Terrorismusunterstützern sind also "Israelkritisch"?

      • Montagsdepression

        @Pawel_ko:

        >7. Oktober?



        Mehr als 71.000 Tote in Gaza?

        Sicherlich eine gerechte Antwort auf einen anderen terroristischen Anschlag mit 1.700 Toten?

        Sie brauchen mir diese Fragen nicht stellen, bei denen Sie selber keine Antwort haben.

        >Fotos mit Terrorismusunterstützern sind also "Israelkritisch"?



        Die Aktion von Ferat ist zu kritisieren, darf aber nicht auf die Gesamtpartei übertragen werden. Genau das wird aber jetzt gemacht, damit die Partei insgesamt denunziert wird, um eine Machtübernahme zu verhindern.



        Man fürchtet eine Veränderung in den Besitzverhältnissen. Für mich und auch viele andere, sind das durchschaubare Abläufe.

        • Kaboom

          @Montagsdepression:

          "Mehr als 71.000 Tote in Gaza?

          Sicherlich eine gerechte Antwort auf einen anderen terroristischen Anschlag mit 1.700 Toten?"

          Aha. Das ist eine schöne Rechtfertigung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ich gratuliere Ihnen zu dieser Meinung.

          Konsequenterweise bedauern Sie sicherlich, dass die Nakam 1945 keinen Erfolg hatte, vermute ich?

        • Budzylein

          @Montagsdepression:

          Wie verhält sich denn die Gesamtpartei gegenüber Kocak? Der ist doch immer noch Mitglied der Bundestagsfraktion der Linkspartei und kassiert weiter Diäten. Hier ein Link zu einem sehenswerten Video der Thüringer Linkspartei-Landtagsabgeordneten Katharina König-Preuss, die ihn zur Niederlegung seines Bundestagsmandates auffordert: www.ruhrbarone.de/...derzulegen/267419/

        • Zippism

          @Montagsdepression:

          „Hetzkampagne von rechts, mehr nicht.“ – Herzlichen Glückwunsch, damit ist die politische Analyse offenbar bereits abgeschlossen. Die Beweislage ist zwar dünn, aber dafür passt das Etikett umso besser.

          Die Argumentationskette ist beneidenswert simpel: Die Linke kritisiert Israel → Rechte mögen das nicht → Kritik an der Linken ist deshalb eine rechte Hetzkampagne → folglich muss die Linke „standhaft bleiben“. So muss man sich wenigstens nicht mit den unangenehmen Details beschäftigen.

          Besonders praktisch ist die Behauptung, die Linke sei „die einzige Partei“, die Israel kritisiere. Damit hat man Union, SPD, Grüne und zahlreiche andere Stimmen elegant aus der Realität herausdefiniert. Ein beeindruckendes Maß an politischer Vereinfachung.

          Und natürlich können Menschen mit persönlichem Bezug zum Nahostkonflikt politische Positionen vertreten. Daraus folgt allerdings nicht, dass jede daraus entstehende Position automatisch über Kritik erhaben ist.

          Wer jede Kritik an der eigenen Partei reflexhaft zur „Hetzkampagne“ erklärt, zeigt vor allem ein ziemlich autoritäres Verständnis politischer Debatte: Widerspruch wird nicht argumentativ beantwortet, sondern als illegitim abgestempelt.

  • Stavros

    Erinnert sich noch jemand an Jeremy Corbyn?

    Dieser alte Gewerkschafter und Labourlinke hatte es geschafft, enttäuschte Wähler wieder für seine Partei zu mobilisieren. Er hatte die richtigen Rezepte für viele der sozialen Probleme Großbritanniens. Er hätte die gesellschaftliche Spaltung ein Stück weit überwinden können.

    Jeremy Corbyn konnte es aber nicht lassen, Vertreter der Hamas öffentlich als „Freunde“ zu bezeichnen. Und er schaffte es nicht, Antisemitismus in seiner Partei wirksam einzudämmen.

    Den Palästinensern wurde dadurch nicht geholfen. Den Briten – unter ihnen viele nichtprivilegierte Menschen palästinensischer Herkunft – auch nicht.

    Stattdessen gewann Boris Johnson 2019 eine große Mehrheit. Es folgten Jahre des Tory-Chaos.

    • Janix

      @Stavros:

      Corbyn wurde professionell abgesägt, denn er war echt links und mit Machtperspektive. Er holte für Labour ein mit Starmer vergleichbares Ergebnis, nur in einer anderen Parteienkonstellation, was beim Mehrheitswahlrecht etwas ausmacht! Corbyn hätte den Starmer-Wahlsieg auch geholt und dann gewusst, was er damit anstellt. Das ging nicht, also wurde gegen m.E. berechtigte Palästina-Solidarität mit Dauerfeuer und Aufblasen und -häufen von Kleinkrams virtuos gespielt.



      Es sollte doch inzwischen ein Handbuch mit Gegenstrategien geben, oder jemand möge es für Linke schreiben, die tatsächlich sich erfrechen wollen, links auch zu sein.

    • Kaboom

      @Stavros:

      "Jeremy Corbyn konnte es aber nicht lassen, Vertreter der Hamas öffentlich als „Freunde“ zu bezeichnen. Und er schaffte es nicht, Antisemitismus in seiner Partei wirksam einzudämmen."

      In der realen Welt stammen Ihre Behauptungen aus der erfolgreichen Diffamierungskampagne der Rechten gegen Corbyn. Corbyn hat seine Wortwahl damals erklärt. Und würden die gleichen Maßstäbe bezüglich Antisemitismus heute an die CDU angelegt, müsste man bei dieser nach den Äußerungen des Bochumer CDU-Mannes wohl konstatieren, dass es Merz nicht gelungen ist, Antisemitismus in der CDU erfolgreich einzudämmen.

      • Comerade Aardvark

        @Kaboom:

        Corbyn war einfach seiner Zeit voraus. Heute würde das Bisschen "Israelkritik" gar nicht mehr erwähnenswert auffallen. Jetzt haben wir Zack Polanski, der eifrig am Overton-Fenster schiebt

  • Ugandan

    Dieser Kommentar ist ein wirklich gelungenes Sowohl-Als-Auch! Die Linke hat mit antisemitischer Folklore Wahlkampf geführt. Sie hat nicht die Kraft, Herrn Kocak auszuschließen, und sei es nur aus taktischen Gründen. Er wird nur versteckt. Offenbar schuldet die Partei dem islamischen Milieu so viel Rücksicht. Statt den Antisemiten den Stecker zu ziehen, ergeht man sich im Bundestag in Arabischnachhilfe für Beatrix von Storch, über die sich nicht streiten lässt. Zugleich ist die Linkspartei genauso wie Gereon Asmuth gegen den Faschismus. Natürlich ist die Partei auch gegen Antisemitismus und Menschenfreundlichkeit, wahrscheinlich auch gegen schlechtes Wetter. Aber so genannter Antizionismus ist in Ordnung, selbst wenn Ibrahim Ibrahim ihn vertritt. Die Linke hat es versammelt.

  • Zippism

    Ich stimme dem Artikel in einem Punkt ausdrücklich zu: Kein Fußbreit dem Antisemitismus – egal ob von rechts, links oder aus der politischen Mitte. Gerade deshalb irritiert mich aber die Aussage, die Linkspartei sei „nicht antisemitisch, jedenfalls nicht mehr als andere auch, vielleicht sogar weniger“.

    Wie man angesichts der gehäuften antisemitischen Vorfälle, Äußerungen und Kontroversen gerade im Berliner Umfeld der Linkspartei zu dieser Einschätzung kommt, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Natürlich wäre es falsch, daraus pauschal zu schließen, die gesamte Partei sei antisemitisch. Aber das Gegenteil ist eben auch keine überzeugende Beschreibung der Realität.

    Wer Antisemitismus wirklich bekämpfen will, sollte ihn nicht relativieren, indem man auf andere Parteien verweist oder ihn mit einem „anderswo ist es auch schlimm“ kleinrechnet. Gerade eine Partei, die sich selbst als konsequent gegen Diskriminierung versteht, muss sich an den eigenen Ansprüchen messen lassen.

    • Janix

      @Zippism:

      Es wird wiederholt, da sei etwas "antisemitisch".



      ("antisemitisch" ist auch schon u.a. in New York bei Mamdanis linken Wahlsieg probiert worden.)



      Beim näheren Hinsehen sind es arg selektive Berichterstattung, Netanyahukritisches entlang des Völkerrechts und auch mal echter Antisemitismus. Mensch sollte sich bei 1 und 2 bitte nichts einreden lassen und zugleich bei 3 deutlich Kante zeigen. In allen Parteien.

      • Zippism

        @Janix:

        „Beim näheren Hinsehen ist es eigentlich nur selektive Berichterstattung und völkerrechtlich begründete Israelkritik“ ist letztlich genauso pauschal wie das Gegenteil. Dann müsste man bei den konkreten Fällen eben hinschauen und unterscheiden: Was ist legitime Israelkritik? Was ist ein doppelter Standard? Was ist BDS-Nähe? Und wo liegt tatsächlich antisemitisches Denken oder Verhalten?

        Genau diese Differenzierung fordere ich doch. Ich möchte weder jeden Israelkritiker zum Antisemiten erklären noch antisemitische Positionen dadurch relativieren, dass man reflexartig auf berechtigte Kritik an Israel verweist.

        Und „das gibt es in allen Parteien“ ist ebenfalls kein Gegenargument. Wenn innerhalb der Linkspartei konkrete antisemitische Vorfälle oder problematische Positionen auftreten, darf man diese benennen und die Reaktion der Partei darauf hinterfragen – unabhängig davon, ob es solche Fälle auch bei CDU, SPD, Grünen oder AfD gibt.

        • Janix

          @Zippism:

          Hatten Sie Punkt 3 oben auch gesehen? Ich fordere damit genau diese Differenzierung und gleiche Maßstäbe.

          Anders vielleicht als Sie sehe ich schon wie der taz-Artikel ein jähes Anschwellen des Themas bei der politischen Konkurrenz und der Springerpresse, sobald ein "falscher" Wahlsieg und nun eine "falsche" Koalition droht. Wer sich etwa über Remmobesuch II aufregt, sollte Remmobesuch I ähnlich messen und nicht unterschlagen, dass Remmo dort als nicht erwünscht erklärt wurde.



          Eralp wie andere haben die Linie gezogen. Und eine weitere Linie gegenüber Rechten auch für Palästinenser sollte es nie geben. Traurig, dass viele andere Parteien hierzulande die Berücksichtigung noch nicht sauber hinbekommen. Oder - siehe die UN-Generalversammlung gerade - zu zumindest laut Btslm Genozid nicht die Zähne richtig auseinander bekommen. Wer die Ukraine vor der militärischen Landnahme schützen will, darf das Prinzip gerne auch anderswo vertreten.

          • Zippism

            @Janix:

            Ja, Punkt 3 habe ich gesehen – und genau deshalb verstehe ich nicht, warum Sie mir anschließend vorwerfen, ich würde nicht differenzieren. Ich fordere doch gerade, bei den konkreten Fällen hinzuschauen.

            Beim Remmo-Besuch etwa: Natürlich muss man vergleichen, wie mit früheren Besuchen umgegangen wurde. Aber aus dem bloßen Auftauchen eines ungeladenen Gastes folgt noch keine politische Nähe. Eralp hat ausdrücklich erklärt, Remmo sei nicht eingeladen gewesen und wieder hinausgeschickt worden. Das kann man kritisieren oder prüfen, aber es ist etwas anderes als eine Einladung durch die Partei.

            Bei den anderen Fällen ist die Lage wiederum eine andere: Wenn Parteimitglieder oder Mandatsträger Kontakte zu Personen aus einem israelfeindlichen bzw. extremistischen Umfeld haben, wenn auf Veranstaltungen der Partei entsprechende Akteure auftreten oder wenn problematische Aussagen geteilt werden, muss man eben konkret fragen: Was wurde gesagt? Wer war beteiligt? Wie wurde reagiert? Wurde sich distanziert? Gab es Konsequenzen?

            • Janix

              @Zippism:

              Nicht so als Vorwurf gedacht wie angekommen. Ich bin bei diesen Ihren Sätzen gerade wahrscheinlich zu 100 %.

              Ich wehre mich allgemein dagegen, dass, bevor die Linke das klären konnte, schon eine angebliche Koalitionsunverträglichkeit von sehr interessierten Kreisen herbeigeredet wird. Oder ein Eintreten auch für Palästina plötzlich ehrenrührig wäre.



              Nicht von Ihnen, um es noch mal ausdrücklich zu sagen. Ich setze auch gerne etwas unter Beiträge, die ich nicht komplett abweise : ) (nehmen Sie Mr. Hello hier als Kontrast für einen m.E. Schnellschusskommentar)

      • Mr. Hello

        @Janix:

        Es wird wiederholt, das sei arg selektive Berichterstattung, Netanyahukritisches und Israelkritik.

        Beim genaueren Hinsehen ist es echter Antisemitismus und Verbindungen zu vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuften Gruppierungen. Mensch sollte sich hier bitte nichts einreden lassen.

  • Günter Witte

    Kampagne ? weil die Linke und die ihr nahestehenden Medien es ja nie machen würden Missstände bei Politischen Gegnern zu ihrem Vorteil zu nutzen. Nur ist es ein Vorteil ? Wenn jetzt eine Regierungsbildung von RRG daran scheitert kann sich der Wahlsieger die Linke als Opfer der Medien verkaufen, also eine AfD 2.0. Das Ausgrenzung die ausgegrenzten stärker macht, siehe AfD. Wie löst man jetzt so ein Problem ?

    • Perkele

      @Günter Witte:

      Das löst man ganz einfach indem man fair und nüchtern diesen Komplex behandelt. Der cdU traue ich bei diesem Palaver bestenfalls Krokodilstränen zu, von der sPD ist das zu erwarten, was sie seit einger Zeit liefert: Herumdrucksen, Drumherumreden und auf andere zeigen.

  • Ruediger

    Wenn es die anderen machen, ist es immer eine "Kampagne".



    Tatsache ist, egal ob SPD, Grüne und CDU mehr oder weniger Stimmen bekommen haben, als bei der letzten Wahl, sie haben eine Mehrheit. Auch in MV bilden jetzt die Verliererparteien eine Koalition und in Sachsen-Anhalt steht zu hoffen, dass sich die Verlierer zusammentun. CDU-Grün-SPD ist in Berlin eine legitime Option.



    Es hängt an den Linken, sie: Sind sie bereit, inhaltliche Positionen (Enteignungen zum Beispiel) aufzugeben, um SPD und Grüne davon zu überzeugen, die bessere Option zu sein? Können Sie überzeugen, dass Berlin auch mit einer linken Bürgermeisterin auf der Seite Israels steht und Antisemitismus bekämpft wird? Hat Frau Eralp die Führungskompetenz, eine Stadt zu führen, oder gelingt es ihr nicht einmal, Hamas-freundlixhe Stimmen in ihrer Partei verstummen zu lassen? Oder wollen sie lieber als Oppositionspartei Teile des taz-Milieus glücklich machen?

    • FancyBeard

      @Ruediger:

      Die Bürgermeisterin muss ja nicht an der Seite Israels stehen, aber Vermichtungsphantasten und generell Leute, denen nicht das Wohl der Berliner sondern außenpolitische Abenteuer im Fokus stehen, die sollte man rauskriegen.

      • Comerade Aardvark

        @FancyBeard:

        Genau das. Sie muss ja nicht den israelischen Botschafter knuddeln, aber den Bezirksverband Neukölln ihrer Partei wieder einfangen.

  • Duplozug

    Natürlich ist das Manöver durchsichtig. Aber die Linke nicht als lupenreine Antisemiten bezeichnen zu können geht halt auch nicht. Allein die taz hat über die letzten Jahre oft genug berichtet über "vorfälle". Die gibt es zuhauf. Vor allem in Berlin.

  • SchMERZlassnach

    In Bayern macht man es noch geschickter: man sagt: „ach, hör mir doch auf mit den Grünen…und die Linke? Da ist man noch einiger und verweigert eine Aussage.



    .PS: Steuerberater und Rechtsanwälte stüzen ihre Gebühren auf ein Gesetz (BraGo)…ich nenne das Ignoranz und Arroganz: man tut so, als ob es „Kommunismus“ hier nicht gäbe.



    Wenn man aber Dinge für die Bürger tut: das ist immer Kommunismus. Auch wenn z.B. der Markt absolut UNFÄHIG ist, die Wohnungsnot zu bekämpfen.(aber ne gute Ausrede für Söder und co.



    Nein, wir Bürger werden von Wohnungsgesellschaften gemobbt! Habe einen Prozess verloren gegen eine Firma mit 30.000 Wohnung. Wer sowas will,bitte…

  • Astrid Sehnefeld

    Koçak ist kein unglücklicher negativer Ausreißer der Partei, er ist nur die prominente Spitze des Eisbergs.



    Das sich Medien nun auf ihn werfen ist logisch ob seiner Bekanntheit - es gibt da aber noch ganz andere Kaliber in Die Linke, die völlig untragbar sind, beispielsweise Hannah Bruns, über die selbst die taz sich schon gezwungen sah ,kritisch berichtet zu müssen.



    Die Brandmauer gegen die AfD wird seit Jahren auch an einzelnen Politikern rechtfertigt, beispielsweise dem Faschisten Hoecke, ebenso muss eine klare Mauer auch auf der anderen Seite des extremen Randes abseits der Demokratie gezogen werden.



    taz.de/Berliner-Linkspartei/!6215575/

    • Kaboom

      @Astrid Sehnefeld:

      "Die Brandmauer gegen die AfD wird seit Jahren auch an einzelnen Politikern rechtfertigt, beispielsweise dem Faschisten Hoecke, "

      Und jetzt mal zurück in die reale Welt. Die Brandmauer gegen die AfD wird damit "gerechtfertigt", dass die Partei zumindest zu signifikanten Teilen rechtsextremistisch und verfassungsfeindlich ist. Und es geht keineswegs ausschließlich oder auch nur hauptsächlich um Herrn Höcke.

      Achja, und bei Herrn Kocak geht es um Kontakte zu Leuten aus dem Bereich Clankriminalität.

      • Zippism

        @Kaboom:

        Dass die Brandmauer gegen die AfD nicht allein wegen Björn Höcke existiert, sondern wegen der dokumentierten rechtsextremistischen Bestrebungen innerhalb der Partei, ist richtig. Der Verfassungsschutzbericht beschreibt entsprechende Strömungen und Positionen innerhalb der AfD ausführlich.

        Aber genau deshalb funktioniert dein Einwand gegen Astrid nur teilweise. Denn niemand muss behaupten, die gesamte Linke sei wegen Koçak „extremistisch“, um zu fragen, wie eine Partei mit solchen Vorgängen umgeht.

        Und bei Koçak geht es inzwischen eben auch nicht lediglich um „Kontakte zu Leuten aus dem Bereich Clankriminalität“. Es gibt einen bestätigten Chat mit Firas Remmo, in dem Koçak unter anderem seinen Vater grüßte und später einräumte, dass er nach Kenntnis der Identität weiter mit ihm kommunizierte. Koçak bezeichnete das selbst als Fehler und zieht sich vorerst aus dem Innenausschuss zurück.

        Das ist deshalb durchaus ein politisch relevanter Vorgang, ohne daraus automatisch eine „extremistische Linke“ zu konstruieren.

        • Kaboom

          @Zippism:

          "Und bei Koçak geht es inzwischen eben auch nicht lediglich um „Kontakte zu Leuten aus dem Bereich Clankriminalität“. Es gibt einen bestätigten Chat mit Firas Remmo,"

          Sollten Sie nicht wissen, wer Firas Remmo ist: Das ist der Sohn vom bundesweit bekanntesten Chef einer Organisation, die man dem Bereich Clankriminalität zuordnet. Meine Formulierung beschreibt also EXAKT den Sachverhalt.

  • Philippo1000

    Das Problem ist ja nicht neu.



    Klaus Lederer und einige Andere traten bereits vor 2 Jahren aus der Berliner Linken aus, weil sie der Meinung waren,



    das Thema Antisemitismus werde innerparteilich nicht wirklich ernst genommen.



    Nachdem die Kritiker*Innen ausgetreten waren, scheint das Thema eher Stiefmütterlich behandelt worden zu sein.



    Kritik wurde abgebügelt.



    Nun fällt das Problem den Linken zur Unzeit auf die Füße.



    Wenn sich Petra Pau zum Verhalten von Kocak äußert, würde ich das auch nicht gerade eine " Kampagne von Außen" nennen.



    Nein, die Linke hat die ehrliche Aufarbeitung des parteiintern Problems verschlafen.



    Nun, da es offensichtlich wird, die Schuld bei Anderen zu suchen ist einfach nur peinlich.

  • Thomas O´Connolly

    Dem kann ich nur zustimmen.

  • Sam Spade

    Die Blindheit der Linken im Umgang mit dem islamischen Fundamentalismus und das Verschweigen oder Verharmlosen der Probleme in der eigenen Partei hat doch erst dazu geführt, das Nationalisten und Populisten die Bedingungen für die Auseinandersetzungen bestimmen konnten. Sich jetzt über deren Kampagnen zu wundern ist schon ziemlich naiv.

    Das Teile der Linken israelbezogenen Antisemitismus praktizieren indem sie Jüdinnen und Juden zu weißen Kolonisatoren erklären und zudem den Islam als Religion der Unterdrückten betrachten, ist kein Geheimnis und wurde oft genug öffentlich kundgetan.

    Reicht von Verbänden in Niedersachsen, Bremen bis nach Berlin. Von der Linksjugend, die Israel gar das Existenzrecht abspricht, ganz zu schweigen.

    Wenn dann noch Teile der Linkspartei ein Pro Palästina Camp unterstützen welches von Thawra Hamburg organisiert wurde und in dem Hamas Sympathisanten und stadtbekannte Islamisten zu gegen waren, der braucht sich auch über einen Auftritt von Ibrahim Ibrahim bei der Wahlpartie in Berlin nicht zu wundern.

    Antisemitische Baustellen hat die Linke seit Jahren zur genüge, da hilft auch die offizielle Haltung der Bundespartei nicht weiter.

    • Deep South

      @Sam Spade:

      Genau so siehts aus. Natürlich wird da eine Kampagne gefahren. Die kommt aber nicht aus dem Nichts, dafür hat man genügend Vorlage geliefert. Und scheinbar haben diejenigen, die die Partei jetzt nur als Opfer der rechten Presse wähnen, auch die Parteiaustritte vergessen. Allein au dem Berliner Abgeordnetenhaus haben 5 Leute die Partei verlassen. Ich glaube, der Mangel an Reflektion bei diesem Thema innerhalb der eigenen Reihen ist das wirkliche Problem. Ansonsten wäre das Gequake von Rechts ziemlich belanglos.

    • Budzylein

      @Sam Spade:

      Danke für Ihre Ausführungen. Ergänzend möchte ich erwähnen, dass die auf dem letzten Bundesparteitag beschlossen offizielle Haltung der Bundespartei darin besteht, Israel einen Völkermord vorzuwerfen.

      Und der Bundesverband der Jugendorganisation der Linkspartei hatte bereits 2025 einen entsprechenden Beschluss gefasst und hierbei - anders als die Mutterpartei - zusätzlich die folgenden Aussagen beschlossen:

      "Konfrontiert mit einem Völkermord, haben wir als linker Jugendverband versagt. Wir haben versagt,



      1. den kolonialen und rassistischen Charakter des israelischen Staatsprojekts, der sich von seinen Anfängen bis heute in der Eroberung neuer Gebiete und in der Vertreibung ihrer Einwohner:innen ausdrückt, anzuerkennen ...".



      (Quelle: www.linksjugend-so...kermord-schweigen/ )

      Widerlich. Wenn man solche Beschlüsse fasst, bedarf es keiner "Kampagne", um festzustellen, in welche üble Richtung sich die Partei entwickelt.

    • AliceMirrow

      @Sam Spade:

      Ja, diese "Kampagne" ist leider hausgemacht und traurig, dass das nicht geklärt werden kann.

    • Suryo

      @Sam Spade:

      Absolut richtig, vielen Dank.

      Und wenn der Zentralrat der Juden in Deutschland, der sonst keineswegs als besonders rechts gilt, seine Sorge äußert, dann sollte man das ernstnehmen. Gerade als deutscher, linker Nichtjude.

    • Agarack

      @Sam Spade:

      Volle Zustimmung, danke für den Kommentar.

  • kma

    Ich verstehe die Entweder-Oder-Haltung vieler Linker nicht. Es gibt in Israel und auf palästinensischer Seite nicht die große politische Kraft, die ich unterstützen würde. Man kann einen historischen Streit führen, ob die Gründung Israels wirklich ein guter Schritt war, wie er war, ob das Kolonialismus war, man kann diskutieren, wer was falsch gemacht hat. Da gibt es viel Stoff. Man kann die Instrumentalisierung durch beide Seiten im Kalten Krieg kritisieren. Jede Vertreibung ist zu viel, jeder Terroranschlag auch und alles was nur entfernt nach Völkermord oder Angriff auf Zivilisten riecht, geht gar nicht. Aber was diesen Konflikt ausmacht ist, dass die Positionierung auf einer der beiden Seiten nicht dazu führt, ihn zu lösen. Ich bin fast 60. Ich hab mit Beginn der Schulzeit diesen Konflikt erstmals wahrgenommen, hauptsächlich durch die von der DDR vorgehaltene Brille. Das Denken kam später und das Resultat war die Erkenntnis, wenn nicht beide Seiten und alle Beteiligten zu einem Miteinander kommen, wird das nicht zu lösen sein.



    Und solange Menschen, die in Berlin leben andere Leute, die das auch tun, als Bestandteil des Konflikts sehen, sind diese Menschen ein Problem.

  • Semon

    Je häufiger die Antisemitismus-Keule geschwungen wird, desto kleiner wir sie. Das ist schon keine Keule mehr, eher ein Schlagstock, wie sie die Lehrer in Preußen hatten.

    • Zippism

      @Semon:

      Genau diese Logik kann allerdings in beide Richtungen funktionieren: Wenn der Begriff „Antisemitismus“ ständig pauschal als Keule abgetan wird, verschiebt sich ebenfalls die Grenze dessen, was als problematisch wahrgenommen werden darf. Das erinnert tatsächlich an eine Kommunikationsstrategie, die man auch von der AfD kennt: Die Grenze des Sagbaren wird Schritt für Schritt weiter verschoben, indem zunächst jede Kritik als Übertreibung oder „Keule“ zurückgewiesen wird. Irgendwann gilt selbst der berechtigte Hinweis auf ein Problem als eigentlicher Tabubruch.

  • Janix

    Der Linken bei der Abgrenzung von Einzelfällen helfen: ok. Sich aber von Kapital und Springerpresse ernsthaft ablenken lassen: natürlich nicht und dann erst recht die linke Mehrheit auch nutzen für Berlin!

  • Brückentechnik1058

    Während in Rom hundert Priester, darunter der ehemalige Patriarch von Jerusalem unter dem Motto "Preti contro il Genocido" (Bete gegen den Genozid) für Frieden im Nahen Osten demonstrieren; während sich Ed Sheeran entschuldigt; während ein israelischer Film über Gaza in Venedig standing ovations bekommt; während England und elf weitere Länder Importverbote über israelische Siedlerprodukte verhängen und deshalb das britische Konsulat schließen muss....



    wird sich in Deutschland weiter standhaft geweigert, einen Unterschied zwischen Antisemitismus und Israelkritik zu machen. Nicht mal Raed Saleh aus Sebastia hat auch nur ein einziges Mal den Mund aufgemacht. (Obwohl ich 2019 israelische Sniper in seinem Dorf mit eigenen Augen gesehen habe.) Hat ihm auch nichts genützt.

    • Zippism

      @Brückentechnik1058:

      Das Schöne an solchen Aufzählungen ist, dass sie beeindruckend lang wirken, aber am eigentlichen Argument vorbeigehen. Ja, in Rom haben rund hundert Priester gegen den Krieg und das Leid in Gaza demonstriert, und zwölf Staaten haben Maßnahmen gegen Waren aus israelischen Siedlungen angekündigt. Das ist dokumentiert.

      Der entscheidende Punkt ist vielmehr, was konkret gesagt wird und warum. Israelkritik ist nicht automatisch Antisemitismus – aber der Hinweis auf Israelkritik macht eine antisemitische Aussage ebenfalls nicht plötzlich zu legitimer Kritik.

  • balaban

    Eine richtige Mahnung an die LINKE.



    Und ohne Trennung von Kocak wird die Glaubwürdigkeit eine starke Delle bekommen. Petra Pau hat die richtigen Worte gewählt.



    Es geht nicht um einzelne Personen sondern um Verantwortung für eine linke Haltung, die nicht relativiert werden darf.

  • Kohlrabi

    Zitat - "Um die Selbstverständlichkeit, dass niemand wegen Herkunft oder Glauben um sein Wohlergehen in der Stadt fürchten muss."

    Völlig richtig. Und zu ergänzen. Kein Christ, Jude, Muslim oder Konfessionsloser sollte von einer Zwangsräumung in die Wohnungslosigkeit bedroht sein. Denn das ist dem Wohlergehen stärker abträglich als alles andere.

    Die Linke sollte sich nicht reflexhaft von der Kampagne einschüchtern lassen. Die Kampagne gibt es, weil die Linke von den Bürgerlichen eben nicht mehr als die zahnlose Kuschel-Linke wahrgenommen wird wie noch zu Lederers Zeiten.

    Wichtiger ist die Frage, wie man wohnungspolitisch das auf Landesebene maximal Mögliche rausholt, ohne die Vergesellschaftungsdrohung wirklich umsetzen zu müssen. Ich hoffe da auf Realismus & Verhandlungsgeschick.

  • PfoteMila

    Was Politiker der Union, leider auch von Teilen der SPD, ja sogar scheinbar von den Grünen und vor allem auch Kommentatoren mit Reichweite im Öffentlich Rechtlichen Fernsehen über die Linke ausschütten und andichten - ist schlichtweg niederträchtige Ehrabschneidung und Verleumdung. Daraufhin muss man sie Verklagen auf öffentliche Richtigstellung und Entschuldigung!



    Zum Nachlernen:



    Die Linke setzt sich für die Sicherheit von Menschen mit jüdischem Glauben in Deutschland ein. Sie alles andere als antisemistisch!



    Die Linke verurteilt aber die ultra rechte Regierung und das Miitär von Israel, das von einem international gesuchten Kriegsverbrecher regiert wird.



    Die Linke ist nicht sozialistisch sondern sozial -was SxD und CxU nicht mehr sind.

    Die Linke in Verbindung mit dem Holocaust zu bringen wie in einem Fernsehkommentar geschehen - ist sowas von infam und disketritiert beides - den Sender und den Kommentator.



    Es offenbart ein weiteres mal die absolute geschichtliche Unkenntnis unseres Kanzlers und seiner Lobbymannschaft, der entsprechenden Medien inklusive.



    Vielleicht kann man mangelnde Bildung nicht unterstellen - dann aber böse Agitation sehr wohl!

    • Saile

      @PfoteMila:

      Und auch hier wieder die Umschreibung: „Menschen mit jüdischem Glauben“…was soll das? Warum nicht einfach Juden (und Jüdinnen)? Von diesen sind nämlich viele explizit eben nicht gläubig!

  • Peter Schütt

    Es sind aber einige prominente Mitglieder wegen Antisemitismus aus der Partei ausgetreten. Hätte man das in dem Artikel nicht auch erwähnen sollen?