piwik no script img

Iranische OppositionDer Schah-Sohn ist kein Hoffnungsträger

Daniel Bax

Kommentar von

Daniel Bax

Die Menschen in Iran brauchen unsere Solidarität. Auf Reza Pahlavi zu setzen, der von rechtsextremen Kräften unterstützt wird, ist der falsche Weg.

Make Iran Great Again: Die Trump-Analogie ist beabsichtigt. Anhänger des Kronprinzen bei der Iran-Kundgebung am Samstag in München Foto: AP / Ebrahim Noroozi

N ach dem beispiellosen Massaker des iranischen Regimes mit Tausenden Toten ist es verständlich, dass sich viele dessen baldiges Ende herbeiwünschen. Es ist verständlich, dass viele ihre Hoffnungen auf den Sohn des letzten Schahs richten, und sei es nur aus Mangel an Alternativen oder als kleineres Übel. Und es ist wichtig, Solidarität mit den Menschen in Iran und in der Diaspora zu zeigen – alleine schon um sie wissen zu lassen, dass sie nicht alleine sind.

Es gibt aber gute Gründe, die aktuelle Begeisterung für den Schah-Sohn Reza Pahlavi skeptisch zu sehen. Nicht nur, weil er sich nie von den Verbrechen seines Vaters distanziert hat, oder weil er von extrem rechten Kräften wie Israels Premier Netanjahu und der Trump-Regierung unterstützt wird. Sondern auch, weil seine Anhänger teilweise selbst extrem nationalistische und rassistische Auffassungen vertreten. Das lässt sich an den „Tod den Linken“-Rufen ablesen, die auf ihren Kundgebungen ertönen, und daran, dass manche von ihnen bis heute dem Arier-Mythos von einer angeblichen völkischen Überlegenheit anhängen, der in der Pahlavi-Ära propagiert wurde. Nicht jeder, der das Mullah-Regime ablehnt, ist schon ein Demokrat.

Noch mehr Gründe gibt es, einen Angriff der USA auf Iran abzulehnen, wie ihn Pahlavi fordert. Denn es spricht einiges dafür, dass ein von außen erzwungener „Regime Change“ in Iran katastrophale Folgen haben könnte. Iran ist, mit über 90 Millionen Einwohnern, eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt. Ein von außen beförderter Bürgerkrieg würden die bisherigen Desaster in Libyen (7,5 Millionen Einwohner), Afghanistan (rund 40 Millionen Einwohner) und Irak (fast 50 Millionen Einwohner) verblassen lassen. Das kann niemand wünschen.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Und wer seine Hoffnungen ausgerechnet auf Donald Trump setzt, könnte ohnehin rasch enttäuscht werden. Es war verantwortungslos von ihm, die Protestierenden in Iran zu ermuntern, auf die Straße zu gehen und ihnen „Hilfe“ anzukündigen – und sie dann im Stich zu lassen, wie er es getan hat. Schon jetzt ist mit Blick auf die Verhandlungen der USA mit Iran von Menschenrechten oder Reformen keine Rede – es geht um das iranische Atomprogramm und um Öl.

Ja, der Kampf der Iraner für Freiheit und Menschenwürde braucht unsere Solidarität. Aber er braucht keine naiven und gefährlichen Träumereien von einem starken Mann, der mal eben das Mullah-Regime zur Seite schiebt. Denn so einfach ist es leider nicht.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Daniel Bax
Redakteur
Daniel Bax ist Themenchef im Regieressort der taz. Er schreibt über Politik, Kultur und Gesellschaft in Deutschland und hat bisher zwei Bücher veröffentlicht: “Angst ums Abendland” (2015) über antimuslimischen Rassismus und “Die Volksverführer“ (2018) über den Trend zum Rechtspopulismus. Sein neues Buch "Die neue Lust auf Links" über das Comeback der Linkspartei ist gerade im Goldmann Verlag erschienen.
Mehr zum Thema

108 Kommentare

 / 
  • Wenn Reza Pahlevi dem Land als einigendes Symbol dem Land dient, sehe ich nichts schlechtes darin.



    Wenn er sich zum Alleinherrscher aufschwingt, wäre das etwas völlig anderes.



    Ich wünsche dem iranischen Volk eine glückliche und freie Zukunft.



    Ich traue mir nicht zu, dem iranischen Volk vorzuschreiben, wie es diesen Zustand erreichen soll.

  • "Ja, der Kampf der Iraner für Freiheit und Menschenwürde braucht unsere Solidarität."

    Interessant. Geht's etwas genauer? Wie solidarisiert man sich denn als westlicher Staat/Staatengemeinschaft am besten?

    So wirkt das in diesem außer der Erinnerung und der Warnung vor Krieg und Bürgerkrieg erstaunlich leeren Kommentar nur wie eine Hohlphrase.

  • Mein take-away nach dem Lesen der Kommentare hier: die Konfliktlinien pro / kritisch ggü Palavi entsprechen ziemlich genau denen, die pro / kritisch ggü der Regierung Netanjahu sind.

  • Wäre die Einschätzung "kein Heilsbringer", dann würd ich zustimmen. Aber warum sollte er "kein Hoffnungsträger" sein? Das sehen nämlich durchaus viele Iraner anders. Er ist im Augenblick die einzige Oppositionsfigur mit größerem Rückhalt in der Bevölkerung. Und was der absolute Großteil der Menschen dort will, ist ein Regimewechsel. Weg von brutaler Unterdückung, Folter und Hoffnungslosikeit. Selbst Pahlavi Kritiker sehen in ihm eine Chance für eine Übergangsregierung. Natürlich ist er da ein Hoffnungsträger für die Iraner.



    Das ist es was zählt. Und nicht, was deutsche Linke dazu meinen, weil 50 sie Jahre nach der Islamischen Revolution und Jahrzehnten der Terrorherrschaft immer noch nicht am Reizwort Schah vorbeikommen.

  • Letztendlich ist es allein das Recht der iranischen Bevölkerung zu entscheiden, wen und was sie wollen. Und es kann sein, dass es entweder den linken oder rechten politischen Kräften im Ausland nicht gefällt. Aber das muss es auch nicht.



    Sich aber hinsetzen und einen Kommentar schreiben, der dem iranischen Volk vorschreiben möchte, was gut und was schlecht ist, ist schon arg chauvinistisch, oder?

  • Ich habe den Eindruck, dass viele der Kommentierenden gar nicht wollen, dass das Iranische Regime stürzt.

    Hier finden sich vielen Bedenken, ja abers, so nicht, das klappt eh nicht, die anderen sind auch böse, wenn nicht sogar böser.

    Und noch etwas ist auffällig: viele der Bedenkenträger sind ganz anders drauf, wenn es um Israel geht. Dann geht es um die Menschenrechte. Dann polemisieren sie. Dann ist jedes Mittel recht.

    Was ist los mit euch?



    • Woher kommt diese Diskrepanz?



    • Ist der Feind eures Feindes wirklich euer Freund?



    • Sind die tausenden Opfer des Regimes ein annehmbarer Kollateralschaden, damit die Verhältnisse in der Region stabil bleiben?

    Das sind ernst gemeinte Fragen.

  • Typischer Links-Kommentar.

    Dezidiert sagen, warum etwas nicht geht. Nur eben ohne eine Alternative zu nennen.

    • @CR43:

      Nur zu - wir dürfen gespannt sein - wa!

  • Die Zukunft des Irans lässt sich nicht aus dem Exil und vor allem nicht über Reza Pahlavi gestalten.



    Die Islamische Republik verschwindet auch nicht einfach, zwar deuten viele Zeichen darauf, dass dieses System in der bestehenden Form nicht überlebensfähig ist, aber der Überlebenkampf dürfte noch eine ganze Weile dauern.



    Am bittersten dabei ist eigentlich, dass die Iraner im Iran sich bewaffnen müssen, wenn sie diese Diktatur abschaffen wollen. Hilfe ist nicht auf dem Weg und Reza Pahlavi hat nicht mal 100 Mann, die irgendwo eine militärische Basis bilden könnten.



    Pahlavi hat auch keine echte Ahnung, wie das Leben im Iran konkret aussieht. Er hat nur Kindheits- und Jugenderinnerungen, die von massiven Privilegien geprägt sind.



    Natürlich hat Pahlavi Anhänger, hatt er auch immer, aber 1979 fiel die Monarchie wie ein Kartenhaus in sich zusammen.



    Das hatte tiefe Gründe. Zum einen war das die MIssachtung der iranisch-islamischen Grundkultur des Landes durch Pahlavis Vater, zum anderen war das Land wirtschaftlich und sozial extrem gespalten, 10.000 Familien besassen 60 Prozent des Landes. Die Korruption ging durch die Decke.



    Das taugt alles wenig, um den Iran 2026 zu regieren.

  • der Ruf nach dem Tod der Linken ist mit nichts zu entschuldigen.

    Zur Einordnung gehört aber auch, dass die Linke damals den Mullahs an die Macht verholfen hat (welche direkt nach der Machtergreifung ca. 10.000 Linke Menschen erschießen ließen). Das sollte uns bis heute ein Mahnmal sein.

    • @Sybille Bergi:

      Dass die korrupte Schahdiktatur dringend wegmusste, dürfte Konsens sein.



      Ebenso, dass die Linken sich dann von Khomeini überlisten ließen (und auch im Gegensatz zu dem keine Basis hatten). Gegen den Westen und den Klerus zugleich wäre auch kaum eine Chance gewesen, und als dann Saddam gegen den Iran losgelassen wurde, ging es in die Kerker.



      Khomeini wurde in den Iran gelassen aus Paris, das änderte auch einiges davor.

    • @Sybille Bergi:

      "Zur Einordnung gehört aber auch, dass die Linke damals den Mullahs an die Macht verholfen hat "

      Woher habe Sie denn diese abenteuerliche Konklusion aus historischen Abläufen?



      Weil sie auch das blutige Feudalsystem des Papa-Pahlevis beenden wollten?

      Ich erinnere mich noch gut - in meinem nun 66. Lebensjahr - wie sich die Volksmudschahedin 1979 im Kräfteverhältnis irrten - sie hielten sich für dominanter als die Klerikal-Faschisten.



      Und der Westen -wenn schon der Schlächter Schah Reza Pahlevi fällt- lieber Khomeini in ein Flugzeug von Paris nach Teheran setzten.

  • Ich erinnere daran, dass von Spanien bis Schweden in Europa viele Monarchien vorhanden sind. Es sind gleichwohl Demokratien. Man sollte Herrschafts- und Staatsform unterscheiden. Die meisten Diktaturen als Herrschaftsform sind von der Staatsform her Republiken, die meisten Staatsformen Monarchie sind als Herrschaftsform Demokratien.

    • @Georg Uehlein:

      Das ist einerseits korrekt - andererseits in diesem Kontext aber reichlich deplaziert. Böswillig könnte man Ihnen das als Rationalisierungsversuch der politischen Rechten auslegen.

  • Ich war am Samstag auf der Demo in München.

    Ein wesentlicher, zu kurz gekommener Punkt ist ja vor allem der, dass bei der Demo 250.000 Exiliraner waren. EXILiraner. Nicht Iraner, die im Land Iran leben.



    Aus dem Exil ist noch nie ein Regime Change gekommen. Das muss von innen kommen.



    Die meisten der Kommentare hier sind also völliger Unfug, wenn sie darauf abzielen, dass wir den Iranern nicht erzählen sollen, ob sie für Reza Pahlevi sein sollen oder nicht. Was wir hier sehen, sind ja nicht die Iraner, sondern ein kleiner Ausschnitt der Exiliraner.



    Wie die Situation im Land selbst ist, welche Strategien die dortige Opposition verfolgt, wissen wir im wesentlichen nicht. Das muss man auch anerkennen.



    Zu Herrn Pahlevi im besonderen: lassen wir mal beiseite, von wem er unterstützt wird; lassen wir mal beiseite, dass er die Verbrechen seines Vaters nicht verurteilt; glauben wir ihm mal, dass er nur ein Chef für den Übergang sein will, ok.

    Aber: seine Unterstützer denken so nicht. Wenn sie rufen: "es lebe König Reza Pahlevi", wenn sie die Kaiserstandarte aus den 1970ern schwenken, dann wollen sie nicht den Übergangschef Reza Pahlevi, sondern ein monarchisches-autoritäres Regime!

    • @ManuelaDrüsendieb:

      Monarchie heißt nicht automatisch autoritär, die europäischen Monarchien sind Demokratien.

  • Stimme dem Autor in seinen Warkungen zu Nur, was ist eine realistische Alternative zum Sturz des Regimes, wenn es sonst keine Integrationsfigur als den sog. Prinzen gibt?

    • @Rinaldo:

      Es ist sicher davon auszugehen, dass es im Iran Leute gibt, die die Proteste organisieren. Die aktuell aber aus verständlichen Gründen nicht öffentlich agieren.

    • @Rinaldo:

      Ist der denn überhaupt eine, außer in den interessierten Spindoktor-Nachrichten?



      Gibt es nicht noch andere oppositionelle Frauen und Männer innerhalb und außerhalb?

  • Ein Großteil der Führungspersönlichkeiten der iranischen Opposition ist weiblich.



    Beispiele: Kosar Eftekhari, Maryam Rajavi, Masih Alinejad, Sara Seyed.



    Ich bin mir sicher, dass auch andere Personen, ob nun Männlein oder Weiblein, mehr für die Freiheit im Iran, oft unter Einsatz ihres Lebens, getan haben, als der Knorprinz.



    Wovon lebt der eigentlich. Hoffentlich nicht von den Werten, die der Schah gehortet und außer Landes geschafft hat.

    • @Il_Leopardo:

      Wovon sonst? Oder von den Werten, die andere aus der damaligen "Elite" verfrachteten, plus vielleicht mal eine Apanage von den USA.



      Lassen wir uns da nicht verkürzen: Gegen die Mullahs und für die Menschen, die sich das jeden Tag auch verdienen!

      • @Janix:

        Ich lese gerade, dass das Milliardenvermögen, das der Schah in der Schweiz gebunkert hatte, 1979 nicht eingefroren und an den Iran herausgegeben worden war. Darüber hinaus hatte er wohl andere Konten rund um den Globus.

      • @Janix:

        Möglicherweise ist die ganze Diskussion hier überflüssig:



        „Ich habe keine persönlichen Ambitionen. Ich strebe nicht nach Macht. Ich möchte keine Krone auf dem Kopf oder einen Titel“, sagte der 65-Jährige bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Er wolle das Land so weit bringen, damit die Menschen ihre erste demokratische Regierung wählen könnten. „Das ist für mich das Ziel und die Erfüllung meiner Lebensaufgabe.“



        Ist aus der az-online.de - Keine Ahnung, ob man denen trauen kann.

        • @Il_Leopardo:

          Wenn man ihn beim Wort nehmen kann, würde ihn das für die Moderation des Übergangs qualifizieren.

    • @Il_Leopardo:

      danke für den "Knorprinz"!!

      • @ManuelaDrüsendieb:

        Dafür nich!

        Sind Sie etwa verwandt mit dem sehr bekannten "Daniel Düsentrieb"?

  • Ich hoffe, dass sich die Reza Pahlavi-Anhänger und -Promoter nicht durchsetzen.



    Hauptsache, alle Iraner:innen, im Iran und außerhalb, formulieren stärker was sie für politische Ziele haben. Denn es ist klar, dass es viele verschiedene sind. Im Iran ist der Schah-Sohn nicht die Nr. 1. Wahrscheinlich gar niemand.



    Können nicht auch Räte gebildet werden, ohne Personenkult?



    Wichtig ist die Feststellung, dass die iranische Gesellschaft heute viel säkularer ist als früher.

    • @Land of plenty:

      Räte ohne Personenkult?



      Genau mein Humor.

  • Ich halte es für nahezu bedeutungslos, dass eine (im eigenen Land ohnehin fast einflusslose) deutsche Linke sich darüber zerstreitet, ob eine (demokratische) Zukunft für den Iran nur mit oder ohne Pahlevi möglich ist, Herr Bax in der taz dieses schreibt und andere jenes oder in München Hunderttausende für einen Regimewechsel auf die Straße gehen.



    Die Fakten werden an anderer Stelle geschaffen. Essenziell für die USA (und Israel) sind: Partizipation an den iranischen Öl-Einnahmen, Verzicht auf ein nationales iranisches Atomprogramm, Abkehr des Iran von seiner feindlichen Haltung gegenüber Israel und der Unterstützung seiner Proxys. Das scheinen mir sehr hohe (zu hohe?) Hürden für die Mullahs zu sein und sicherlich ließen sich diese Ziele mit einem Pahlevi an der Staatsspitze leichter umsetzen.



    Und wenn das alles in Verhandlungen nicht durchsetzbar ist, bliebe doch nur der gewaltsame Regimesturz über eine militärische Intervention der USA (um den Schah-Sohn zu implementieren). Das ist eine harte Nuss, die da für den POTUS zu knacken ist. Die Midterms rücken nämlich immer näher und aus dem Iran zurückkehrende Zinksärge machen sich auch bei MAGA-Anhängern nicht gut.

  • Es saß einmal ein brutaler, elitärer Herrscher auf dem Pfauenthron, unterstützt von den ölsüchtigen USA. Das Volk erhob sich gegen ihn, geführt von einer Identifikationsfigur aus Paris, Hauptsache, man wurde den Despoten los.



    Der Mullah entpuppte sich als brutaler, elitärer Herrscher. Nun soll, wieder aus dem Ausland, eine neue Identifikationsfigur das Volk zum Widerstand versammeln, unterstützt von den ölsüchtigen USA. Hauptsache, man wird den Despoten los.



    Fällt nur mir die Ähnlichkeit auf? Kommt hier denn niemand auf die Idee, den iranischen Frauen zu vertrauen, die schon mal einen Aufstand durch-geführt haben, ohne sich hinter einer phallischen Führerfigur zu versammeln?

  • ... und höre das 11. Gebot: Du sollst Menschen, deren Leben du nicht leben musst, nicht erkären, was für sie gut ist und wie ihre Wahl auszusehen hat.

    Wir sollten uns das generell ein wenig mehr in Zurückhaltung üben. Klar ist Pahlevi kein demokratischer Traummann und über Trump müssen wir gar nicht sprechen, dass dem Werte wie Demokratie und Freiheit egal sind, wissen wir längst.

    Aber wo war unsere Unterstützung im Kampf des iranischen Volkes gegen religiöse Spinner und für Demokratie, Menschenrechte und Freiheit? Wir haben immer nur zugesehen, wie Freiheitskämpfer:innen abgeschlachtet wurden, das natürlich angemessen bedauert und mahnende Worte an das Regime gerichtet. Doch im politischen Handeln der EU (und anderer Staaten) standen immer wirtschaftliche Interessen im Vordergrund (das heißt dann kritischer Dialog).



    Wo ist unsere echte Unterstützung der Oppositionsbewegung in Form aller politischen Mittel, die uns zur Verfügung stehen (Ausweisung der Diplomaten, rauf auf die Terrorlisten mit den Mullahs und ihren Schergen, Totalembargo auf Öl und Ölprodukte etc.)?



    Wundert sich da noch jemand, dass selbst Trümmergestalten wie Trump als Hoffnungsträger gesehen werden?

    • @Anne Pipenbrinck:

      Wohl wahr.

    • @Anne Pipenbrinck:

      Wo war jetzt gleich Ihre Zurückhaltung?



      Ich konnte in Ihren Zeilen nur das Framing wiederfinden, Menschen im Iran seien mehrheitlich für Pahlevi. Das wissen Sie doch gar nicht.

    • @Anne Pipenbrinck:

      Sie haben es gut auf den Punkt gebracht.

    • @Anne Pipenbrinck:

      Wohl wahr und gut formuliert! Meine vollste Zustimmung! Gerne würde ich solche Kommentare von Redakteuren in "meiner" taz lesen, anstelle der Beiträge von Herrn Bax, die mich arg an den Duktus der "Jungen Welt" erinnern, wenn auch etwas weniger plakativ formuliert.

    • @Anne Pipenbrinck:

      Danke. Auf die "ölsüchtigen USA" eindreschen war schon immer beliebt, und schön dabei ausblenden, dass unsere eigenen Regierungen ebenso immer vorrangig an guten Geschäften interessiert wären. Das gilt besonders für das Verhältnis Deutschlands zu den Mullahs. Fast schon sympathisch war dabei, dass die USA auf warme Worte und folgenloses Menschenrechtsgefasel zumeist verzichtet und einfach ihre Interessen benannt haben.

      • @dites-mois:

        "einfach ihre Interessen benannt"



        - Den merk' ich mir! :-)

  • Niemand - weder die Gegner noch die Anhänger Pahlevis - hat einen Plan, wie (wahrscheinlich nach einer gewaltsamen, blutigen Revolution, denn freiwillig gehen die Mullahs und ihr Anhang nicht) ein Übergangsprozess hin zu einer stabilen Demokratie für den Iran gestaltet werden kann. Den hat nicht einmal der selbsternannte Friedensapostel im Weißen Haus, sonst wäre er wahrscheinlich längst mit Raketen dazwischen gegangen, um die Mullahs von der Macht zu bomben.



    Aber so einfach scheint das offensichtlich nicht zu sein und jetzt stehen die Signale erst einmal auf Verhandlungen. Mal schauen, ob sich das Regime in punkto Öl und Atomprogramm als geschmeidig (im Sinne der US-Interessen) erweist. Aber so mancher Wolf hat schon Kreide gefressen, um doch noch an die zarten Lämmer heranzukommen.



    Und der POTUS kann seinen Favoriten Pahlevi auch wieder wie eine heiße Kartoffel fallen lassen (wie er es in Venezuela mit der dortigen Opposition tut).



    Ein wesentlicher Knackepunkt scheint mir dabei aber die Sicherheit Israels zu sein. Dass der Iran hier seiner bisherigen feindseligen Linie abschwört, ist für die USA essenziell. Ob aber die Mullahs über dieses Stöckchen springen werden/können?

    • @Abdurchdiemitte:

      "Dass der Iran hier seiner bisherigen feindseligen Linie abschwört, ist für die USA essenziell."

      Möchten/können Sie erläutern, weshalb dies für die USA essenziell ist? Ich bin sehr froh darüber, dass die USA jüdisches und/oder israelisches Leben schützen und verteidigen (was meiner Meinung nach "eigentlich" wir, also Deutschland, tun müssten), nur ist mir nicht so ganz klar, welche Vorteile die USA davon haben. Ebenso denke ich mit Sorge daran, dass ein anderer - demokratischer? - Präsident Israel im Stich lassen würde. Ich weiß nicht, wie autonom Israel mittlerweile in der Landesverteidigung ist. Außer den USA und, wenn auch mit Einschränkungen, Deutschland, steht ja niemand mehr an Israels Seite.

      • @*Sabine*:

        Warum Parlamentarier beider Parteien in den USA als erste Aktion nach der Wahl erstmal einen „Antrittsbesuch“ in Israel machen und warum die USA jedes Jahr zig Milliarden für Israels Unterstützung ausgeben, weiß ich nicht.



        Warum es von den Rechten in den USA zum Skandal aufgeblasen wurde, dass Mamdani den Antrittsbesuch in Israel nicht machen wollte, weiß ich auch nicht.



        Aber ich finde auch nicht, dass das von Relevanz ist.

      • @*Sabine*:

        Die USA stehen immer an der Seite Israels, ob unter einem republikanischen oder einem demokratischen Präsidenten. Und im Grunde reicht das schon aus, Israels Sicherheit zu gewährleisten.



        Die Demokraten würden vielleicht versuchen, die Hardliner um Bibi etwas auszubremsen, aber prinzipiell würden auch sie nichts unternehmen, um eine israelische Annexion des WJL zu verhindern und nie Sanktionen gegen Israel verhängen. Das Veto der USA in den UN ist sicher, wann immer es um eine Verurteilung Israels geht.



        Dass das so ist, ist erst mal ein Fakt, gut vielleicht für Israel - ich behaupte dagegen, der Konfrontationskurs der israelischen Rechten wird dem Land und der Gesellschaft langfristig schaden, weil er Israel alles andere als sicherer macht -, schlecht für die Palästinenser.



        Denn diesen bleibt nur, ihr Land zu räumen oder als Parias unter einem israelischen Apartheid-Regime zu leben.



        Das Argument, Israel hätte (außer den USA) keine Freunde, lässt sich auch umdrehen: die Palästinenser hätten keine Verbündeten in der Region mehr, würde der Iran dabei ausfallen.



        Sie können sich möglicherweise denken, was passieren wird, sollte Reza Pahlevi an die Spitze des iranischen Staates kommen.

  • Danke für diese Einordnung.



    Natürlich wäre Herr Pahlavi ein weiterer autoritärer Herrscher in der Riege der PoltBros rund um Trump.



    Erdöl und geostrategische Interessen machen Iran sehr attraktiv.

  • „die aktuelle Begeisterung für den Schah-Sohn Reza Pahlavi„



    Ich weiß nicht, wie es beim Kommentator ist, ich habe vom Hoffnungsträger Pahlavi zuerst 2019 (!) von einem damaligen Azubi gehört. Der ist als Kind afghanischer Flüchtlinge in einem iranischen Flüchtlingslager aufgewachsen und hat in einem Vorort von Teheran als Bauarbeiter gearbeitet, bis er 2015 nach Deutschland gegangen ist. Das hat mich zunächst frappiert, doch weitere Gespräche mit iranisch(stämmigen) Menschen, bei denen ich dann die Gelegenheit zur Nachfrage genutzt habe, haben mich gelehrt, wie weit verbreitet und genuin diese Überzeugung ist.



    Ich finde, man sollte das einfach ernst nehmen und den Iranern nicht mit paternalistischer Besserwisserei kommen.

    • @Barbara Falk:

      Wenn man sich ein wenig informiert, findet man schnell heraus, dass es Leute gibt, die den Sohn des Diktators unterstützen, und andere, die ihn nicht unterstützen.

    • @Barbara Falk:

      Ja.



      .



      Beim Freitag gibt es gerade einen Artikel zu linkem "Lagerdenken" www.freitag.de/aut...inken-lagerdenkens



      .



      》Dieser Riss geht auch durch die propalästinensische Solidaritätsbewegung, [...] In Teilen [...] zeigt sich eine mangelnde Solidarität mit den Kämpfen in Iranund Rojava. Der Grund: Das iranische Regime versuchte, den palästinensischen Befreiungskampf von Beginn an für seine eigene Politik zu vereinnahmen. Iran gilt als Feind Israels und damit als Verbündeter Palästinas《



      .



      Die blutige Niederschlagung der Proteste hat ganz klar gezeigt, dass nur größtmögliche Solidarität über alle politischen Differenzen hinweg überhaupt eine Chance für einen Regimewechsel bietet.



      .



      Da von außen anzufangen, sich eine zentrale Figur herauszupicken und Einwände zu erheben, kann effektiv nur eine Zersplitterung befördern.



      .



      So wird im Grunde auch z.B. der SPD-Politiker Danial Ilkhanipour, der der taz gerade ein langes Interview zum Thema gegeben hat taz.de/SPD-Politik...hah-Sohn/!6153620/ sehr konkret unter Druck gesetzt, 'mit extrem Rechten', (also, total NoGo, jenseits der Brandmauer) unterwegs'...

  • Einmal mehr ein klassischer Bax. Aber Ihre Argumentation funktioniert eben auch andersherum. Die Vergangenheit hat ja nun auch gezeigt: Nicht jeder, der den Schah stürzen wollte, war Demokrat.

    Es ist doch eben wie immer: Lassen Sie doch bitte die Menschen entscheiden. Warum sind kolonialistische Gedanken noch so verbreitet? "Wir lassen die mal machen, solange es in unserem Sinne ist, aber wenn es dann doch politisch nicht passt, erklären wir denen da unten lieber, was das beste für sie ist!". Schrecklich undemokratischer Ansatz übrigens.

    Recht geben ich ihnen selbstredend in der Aussage, dass eben nicht jeder Gegner der Mullahs ein Demokrat ist. Dazu ist die Region zu heterogen und zersplittert politisch

    • @DerLurch:

      Die Aufgabe von Daniel Bax als Journalist ist, zu berichten und zu kommentieren. Die Gefahr, dass er für die Menschen im Iran irgendetwas entscheidet, halte ich für nicht besonders groß....

    • @DerLurch:

      Wenn die Menschen im Iran selbst entscheiden könnten, wäre das Mullah-Regime vermutlich schon 2009 hinweggefegt worden.



      Was hat denn der iranischen Opposition in den zurückliegenden Jahrzehnten mehr geschadet? Ihre ideologische Zerstrittenheit, die beispiellose Härte und Brutalität, mit der das Regime immer wieder gegen seine Gegner vorgegangen ist oder die Indifferenz des Westens, der Irrglaube, das Regime ließe sich durch wirtschaftliche Zusammenarbeit (über kurz oder lang) zu demokratischen Reformen bewegen?



      Vermutlich ist es eine Mischung aus allen drei Faktoren, die dafür gesorgt haben, dass der Knoten noch nicht geplatzt ist. Und jetzt ist die Situation für das iranische Volk dermaßen verfahren, dass das Heil in einer militärischen Intervention der USA und ausgerechnet der Inthronisierung des Schah-Sohnes Reza Pahlevi gesucht wird.



      Nein, verübeln kann man das dem (von seiner eigenen Führung) geschlagenen und erschöpften iranischen Volk nicht. Aber es ist alles andere als ein Ausdruck des Rechtes auf nationale Selbstbestimmung, wenn von außen (von den USA) über die Zukunft des Iran entschieden wird. Aber danach sieht es derzeit aus.

      • @Abdurchdiemitte:

        "Aber es ist alles andere als ein Ausdruck des Rechtes auf nationale Selbstbestimmung, wenn von außen ... entschieden wird."

        War bei uns nach dem 2. WK auch nicht anders. Ich weiß, wir waren damals die Aggressoren, aber der Iran ist das im Irak, Jemen, Gaza und Libanon auch. Der Iran greift meiner Meinung nach alle diese Länder durch seine "Söldner" an. Insofern finde ich den Vergleich nicht ganz und gar unpassend.

        (In Anbetracht dessen, wie der Iran in Deutschland agiert, würde ich Deutschland auch gerne hinzufügen, aber das wäre wohl eine vermeidbare Ausweitung.)

      • @Abdurchdiemitte:

        Es ist ein klassisches Dilemma: Ein Regimewechsel ohne Unterstützung von außen ist zurzeit kaum vorstellbar, da das Mullah-Regime zur Verteidigung seiner Macht zu allem bereit zu sein scheint und weder von den Revolutionsgarden noch dem Militär ein Putsch zu erwarten ist.



        Leider sind die "Unterstützer" Trump und Netanjahu zweifelhafte Figuren mit sehr eigenen und sich nicht unbedingt mit jenen des iranischen Volkes deckenden Interessen. Herr Pahlawi hat keine Qualifikation vorzuweisen außer seiner Rolle als hauptamtlicher Sohn eines verstorbenen Autokraten.

        Die Einwände von Herrn Bax sind einleuchtend, sich aber auf eine wie auch immer geartete "Solidarität" zu verlassen ist mir zu billig. Die Jahrzehnte dauernden Sanktionen lassen das Volk zunehmend verarmen, laufen aber ins Leere.

        Was also tun? Ich fürchte, es wird keine irgendwie "saubere" Lösung geben.

  • Absolut richtig! Aber viele IranerInnen sagen sich mit den Bremer Stadtmusikanten "was Besseres als den Tod finden wir überall". Heißt: er mag nicht das Gelbe vom Ei sein, aber besser als das mörderische Regime jetzt, wird er wohl sein.

    Besser wäre es, wenn wir reichen, westlichen, angeblich werteorientierten, Nationen endlich unser moralisches Geblubber ernst nähmen und den IranerInnen helfen. Wo unterstützen wir den die Opposition? Wo unternehmen wir was gegen das Regime? Gegen Putin schnell, gegen andere nichts. Unsere rechtsextreme Regierung überlegt eher noch, wie man am besten Menschen in diese Hölle abschieben kann.

  • Der Text enthält nur ein echtes Argument: Das Pahlavi sich nicht von Taten seines Vaters distanziert hätte. Danach nur Nebenschauplätze.



    "Tod den Linken" hab ich auf keiner Demo gehört.



    Pahlavi tritt für einen demokratischen Übergang ein.



    Ich sehe da kein Problem.

  • "... Ja, der Kampf der Iraner für Freiheit und Menschenwürde braucht unsere Solidarität. ..." Davon habe ich jetzt noch nichts gesehen, außer beim unsäglichen NWRI laufen ein paar Verwirrte wie Altmaier rum. Die anderen müssen ja für die Hamas-Terroristen demonstrieren. Wird eigentlich auch schon für die Hamas gesammelt, wenn kein Geld mehr von Khamenei kommt?



    "... Aber er braucht keine naiven und gefährlichen Träumereien von einem starken Mann, der mal eben das Mullah-Regime zur Seite schiebt. Denn so einfach ist es leider nicht. ..."



    Nö, so naiv sind die wenigsten, man sucht nur eine Figur die möglichst viele der Kräfte zusammenfassen kann. Auf der linken Seite stehen einige kurdische Organisationen und die fünften Kolonne NWRI, sonst tut sich da nicht viel. Wenn von links nur ein Schönreden des islamofaschistischen Regimes kommt, weil die ihre Machtergreifung immer noch als "Revolution" bezeichnen, muss man notgedrungen andernorts Unterstützung suchen. Weiterhin ist die Verbindung der Iraner zu Israel auch unabhängig von der rechten Regierung Netanjahus.

  • "Der Schah-Sohn ist kein Hoffnungsträger"

    Solche Aussagen gehen doch alleine die Iraner etwas an. Es ist schon sehr anmaßend und typisch kolonial, wenn Herr Bax hierzu Feststellungen trifft.

    "Die Menschen im Iran brauchen unsere Solidarität."

    Warum sollte das so sein? Unsere Solidarität wird an den Realitäten im Iran nichts ändern. Unsere Solidarität hat dort überhaupt keinen Mehrwert. Solche Aussagen sind naiv.

    • @DiMa:

      Anmaßend und kolonial ist wohl eher die Idee, jemand, der seit Jahrzehnten den Iran nicht betreten hat, zum "Führer" auszurufen.

    • @DiMa:

      "typisch kolonial"

      Bitte???

      Also, wenn der Außenminister (lassen wir Taz-Redakteure mal beiseite) sagen würde: Trump ist kein Hoffnungsträger. Oder Maduro. Oder Putin. Oder oder. Dann ist das "kolonial"?



      Was für ein Quatsch. Und Solidarität ist nie naiv. Zynisch hingegen, das zu behaupten.

  • Was macht Herr Bax nur, wenn die Mehrheit der Iraner das ganz anders sieht? Ruft er dann die Mullahs auf um jeden Preis an der Macht zu bleiben, bis die richtigen „linken“ Heilsbringer ohne israelische oder amerikanische Unterstützung eine Mehrheit haben?

    • @vieldenker:

      ich denke nicht, dass sich aus daniel bax' argumentation eine derartige menschenverachtung herauslesen läßt, wie Sie sie ihm hier unterstellen. zu wenig nachgedacht, würde ich sagen. zumal die frage berechtigt ist: ist ein autoritärer regime-change, der eine neue form autoritärer herrschaft nach sich ziehen würde, wünschenswerter, nur weil ihn die mehrheit der bevölkerung für wünschenswert hält? ich kenne dazu zwar keine zahlen, finde das aber auch mit blick auf die geschichte des europäischen faschismus ein viel zu kurz gegriffenes, geradezu obszönes plädoyer für demokratische verfahrensweisen. gerade wenn man sich mit den menschen im iran zu solidarisiert, macht es doch sinn, zu hoffen, dass es eine bessere lösung lösung für sie gibt, als den sohn des schah, und entsprechend zu argumentieren.

      • @Pflasterstrand:

        König Charles III. ist, denke ich, nun wirklich nicht so ganz schlimm; er spricht sogar mit Pflanzen, wie ich aus gut unterrichteten Quellen weiß. ;-) Und wenn sich das iranische Volk in Entsprechung dessen einen König/Schah Cyrus Reza Pahlavi wünscht, kann das durchaus eine zusätzliche Einkommensquelle für die iranische Staatskasse sein, die den Bürger*innen zugutekommt. Ich meine es durchaus ernst, dass sich damit Tassen, Teller, Geschirrtücher usw. verkaufen lassen. Auch touristisch würde Persien, ich hoffe, sie benennen das Land dann wieder um, profitieren. Da König/Schah Cyrus Reza Pahlavi Geld (vielleicht durch seinen Vater dem Volk gestohlen, stark verkürzt) mitbringt und die Paläste ohnehin schon stehen, würde das durchaus Möglichkeiten eröffnen. Die Mullahs eröffnen meiner Meinung nach keine Möglichkeiten und bringen nur den Tod.

      • @Pflasterstrand:

        Ihre Argumentation zeigt eine gewisse „koloniale“ Überheblichkeit, würde ich meinen. Dazu neigen bekanntermaßen nicht nur rechtskonservative, sondern gerne auch linksliberale Menschen, wie auch unsere und die Geschichte des europäischen Kommunismus immer wieder zeigt. Vielleicht denken Sie darüber nochmal nach, bevor Sie sich evtl. wundern, dass die Menschen vor Ort ihre Bedürfnisse ganz anders reflektieren, als so mancher bundesdeutsche Stubenhocker es sich vorstellen kann.

        • @vieldenker:

          du liebe güte, schweres geschütz! man drückt den wunsch aus, die menschen im iran mögen eine möglichkeit haben, ihr selbstbestimmungsrecht so auszuüben, dass ihnen nicht schon wieder autoritarismus droht und handelt sich den vorwurf kolonialer überheblichkeit ein. da mausert sich einer vom viel- zum querdenker. reichlich zynisch allerdings, denn das argument, das diesem vorwurf zugrunde liegt, liefe in letzter konsequenz darauf hinaus, auch die mullahs mit all ihrer barbarei letztlich anzuerkennen, wenn nur die mehrheit der iraner*innen entschieden hätte, sich von selbigen beherrschen und umbringen zu lassen. ich hingegen gehe davon aus, dass die meisten menschen im iran ihre bedürfnisse als menschen reflektieren, die frei von willkür, unterdrückung, hunger, todesangst und terror leben wollen und dass es zu diesem erkenntnisgewinn keine teilnehmende beobachtung braucht. und auch wenn das nicht auf die meisten menschen im iran zuträfe, erschiene mir ein solches anliegen immer noch richtig. wenn das dann koloniale überheblichkeit ist, dann sei es so. ich vermute aber eher, der vorwurf ist ein kleiner gaslighting-versuch.

          • @Pflasterstrand:

            Mann Bax drückte eger den Wunsch aus, dass man vor Ort bloß nicht den Führer wählt, den man sich selbständig allerwenigsten vorstellen kann. Soviel Ehrlichkeit sollte dabei sein.

          • @Pflasterstrand:

            "... ich hingegen gehe davon aus, dass die meisten menschen im iran ihre bedürfnisse als menschen reflektieren, die frei von willkür, unterdrückung, hunger, todesangst und terror leben wollen ..."

            Das klingt schön. In (manchen von?) uns Menschen scheint aber auch der Wunsch nach Macht(ausübung) angelegt zu sein; das macht es so schwierig. Denn auch die Anhänger und Unterstützer der Mullahs, vielleicht auch diese selbst, wollen vermutlich "frei von willkür, unterdrückung, hunger, todesangst und terror leben".

        • @vieldenker:

          Wenn die USA, die maßgeblich an der Zerstörung der iranischen Demokratie beteiligt waren, wieder ihre Finger im Spiel haben und den Sohn des damals von ihnen unterstützten Monarchen an die Macht bringen will, hat das keinen "kolonialen" Beigeschmack für sie?



          Mohammad Mossadegh wollte damals die iranischen Ölvorkommen verstaatlichen, damit die Einnahmen dem Volk zugute kommen. Was die USA und GB durch Unterstützung des Putschs, verhindert haben. Das war sozusagen der Urknall der Probleme im Iran.



          Damit, Reza Pahlavi als Heilsbringer zu sehen fällt mir schwer. Genauso wie darüber zu urteilen, wie die Iranische Bevölkerung das sieht. Außer das das Regime weg muss, kann ich nichts dazu sagen. Es fehlen die Infos.

          • @Andreas J:

            Ich bin weit davon entfernt den Amis eine weiße Weste zu verpassen. Das wollen auch die Iraner sicher mehrheitlich nicht. Aber de facto sind die Amerikaner zusammen mitIsrael zur Zeit die Einzigen denen man vor Ort wohl eine Beendigung des Mullahregimes zutraut. Vielleicht sollten wir da doch noch mal über den eigenen Komfortrand schauen.

          • @Andreas J:

            "Genauso wie darüber zu urteilen, wie die Iranische Bevölkerung das sieht. Außer das das Regime weg muss, kann ich nichts dazu sagen. Es fehlen die Infos."

            Zu "Es fehlen die Infos":



            Ich weiß weder, was iranische Bürger*innen in der Mehrzahl wollen, noch was afghanische Bürger*innen in der Mehrzahl wollen. (Und, auch wenn das hier nicht das Thema ist, weiß ich nicht einmal, obwohl darüber die letzten ca. zwei Jahre wirklich sehr viel geschrieben, veröffentlicht, reflektiert und analysiert wurde, was die gazanischen Bürger*innen wollen.)

      • @Pflasterstrand:

        In der Tat, wo kämen wir denn hin, wenn man sich nach den Wünschen der Bevölkerung richten würde? Es ist schon erstaunlich, wie der ein oder andere auf einmal gar nicht mehr so für die Demokratie ist, wenn das Ergebnis nicht ins eigene Weltbild passen könnte. Fakt ist: Die Bevölkerung leidet unter den Mullahs und je eher dieses Regime fällt, desto besser.

        • @Fran Zose:

          falls ich mich ungenau ausgedrückt haben sollte: ich bin sehr für freie demokratische wahlen im Iran und würde natürlich deren Ergebnis akzeptieren. Ich wünsche mir aber gleichzeitig, dass die iraner*innen dann bessere alternativen haben, als den sohn des vorherigen autoritären herrschers. im übrigen bin ich davon überzeugt, dass demokratie und rechtsstaatlichkeit zusammengehören – um sicherzustellen, dass diejenigen vor staatlicher willkür geschützt werden, deren stimmen in der gesellschaftlichen minderheit sind. so war mein hinweis auf die faschismusgeschichte zu verstehen. vielleicht passt aber ein blick in die USA sogar besser: da läßt sich unschön beobachten, was passiert, wenn demokratiefeinde, die sich um rechtsstaatlichkeit einen dreck scheren, über demokratische wahlen an die macht gelangen und die checks and balances aushebeln können, weil sie die dafür wesentlichen machtzentren besetzen. sie stützen sich dann auf einen plebiszitären demokratiebegriff, der ihnen als grundlage dient, jeden gegner ihrer politik als feind der gesellschaft zu markieren – und als solchen dann einfach auf der Straße abzuknallen. das wünschen wir uns beide nicht, nehme ich an.

        • @Fran Zose:

          Was wissen wir eigentlich, was die Mehrheit der Bevölkerung will?

          • @Peter Teubner:

            Ich weiß nicht, was die Mehrheit der bevölkerung im Iran will und das habe ich auch nicht behauptet. Ich beziehe mich lediglich auf die Aussage des Foristen Pflasterstrand, dem es offensichtlich egal zu sein scheint was die dortige Bevölkerung für wünschenswert hält und von außen zu wissen meint, was für den Iran die bessere Lösung sei. Eine bedenklich Einstellung wie ich finde.

    • @vieldenker:

      Nun bleiben Sie einen Beleg dafür schuldig, dass die Mehrheit der Iraner hinter Pahlavi steht. Präsenz in westlichen Medien ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit Popularität in Iran.

      • @O.F.:

        Ach ja, da ist er wieder. Natürlich kann im Moment niemand einen entsprechenden Beweis vorlegen, daher habe ich das auch gar nicht behauptet. Aber wenn es denn de facto so wäre, würden Sie denn den Iranern ihre eigene Wahl gestatten, oder nicht doch eher darauf bestehen, dass aufgrund ihrer Analyse das doch gar nicht sein kann.

        • @vieldenker:

          Faktenverdreher, niemand will sich gegen den demokratischen Willen des iranischen Volkes stellen.



          Der Vorwurf des "kolonialen" ist total kindisch und fern der Debatte.



          Aber man muss in Deutschland auch keine Monarchen unterstützen. Check das Mal.

          • @Schleicher:

            Kindisch Sites eher nicht zur Kenntnis zu nehmen, dass die europäischen Initiativen vor Ort wohl eher als zu schwache Alternative gesehen werden. Ich hätte das auch nicht gedacht, aber es schadet auch uns ja nicht lernfähig zu bleiben.

        • @vieldenker:

          Stimmt, Sie haben es als Frage formuliert – suggestiv genug ist das aber. Also bitte… Im übrigen habe ich den Iranern das Recht auf eine eigene Wahl gar nicht abgesprochen (was ohnehin nicht in meiner Hand liegt). Aber hier geht es ja um etwas anderes, nämlich darum, ob der Westen einen Kandidaten, der politisch genehm, aber dessen Rückhalt mehr als fragwürdig ist, unterstützen soll – notfalls, wie von Pahlavi gefordert, sogar mit militärischen Mitteln. Einen Satrapen an die Macht zu bomben, ist keine Solidarität mit den Iranern, sondern vulgärer Imperialismus (den Rubio in München schamlos zum Programm gemacht hat).

          • @O.F.:

            Viele kluge Worte - und doch am Kern vorbei. Letztlich geht es um eine ganz einfache Frage: Wenn die Menschen im Iran ihre Hoffnung auf ein Ende des Regimes eben nicht auf die Ihnen und Herrn Bax gefälligen politischen Führer setzen, sondern aufgrund ihrer Lage und Erfahrung lieber den Sohn des ehemaligen Monarchen wählen und eher auf die militärischen Möglichkeit der Amerikaner und Israelis setzen, als auf die bisher erfolglosen europäischen Diplomaten, ist es dann die richtige Antwort ihnen die Unterstützung zu verweigern? Und wenn ja mit welcher Begründung jenseits der eigenen politischen Befindlichkeiten?

  • Wenn est mal die Mullahs und ihre Revolutionsgarden weg wären, wären die gefährlichsten Akteure eines möglichen Bürgerkriegs beseitigt.

    Am wichtigsten wäre daher Einheit der Opposition - egal unter welcher Gallionsfigur. Wenn diese auch von Trump oder Netanjahu unterstützt wird - wen kümmert es?



    Ob er das iranische Volk aus der Ferne zu leichtfertig zu Protesten aufgerufen hat, kann ich nicht beurteilen. Er bringt auch keine Art der Machtbasis mit, die einer Demokratisierung sofert gefährlich würde.

  • Nun, da Linke auf den Iran-Demos aktuell vergeblich zu finden sind, dürfen sie auch keinen Anspruch erheben, die "richtigen" Solidaritätspartner zu sein. Im Übrigen dürften die Iraner selbst entscheiden, wem sie vertrauen, auch wenn es den deutschen Linken nicht passt.

    • @Manfred MIlde-Büttcher:

      Jau, und die Linke darf sich darüber austauschen, wie man zu Monarchen steht. Ob Ihnen das passt oder nicht.

  • Pahlavi wird gerade mit allen PR-Tricks nach vorne geschoben. Als ob es nicht noch andere Männer und auch Frauen im Iran gäbe. Die auch weniger abhängig wären. Wir brauchen Mossadegh II, nicht Schah III.

    • @Janix:

      Wie viele Leute plötzlich Monarchisten werden, verblüfft mich, 106 Jahre nach Wilhelm II.



      Es wirkt vielleicht so einfach als "Lösung". Interessierte Kreise stecken gerade echt viel Aufwand hinein, um ihn als "Lösung" darzustellen.



      Doch anders als damals der bescheidene Ex-König in Rumänien hat er nur Geburtszufall, kein Profil, kein Land.

      Noch mal: Es gibt sehr viele andere Frauen (ja, es darf auch eine Frau sein) und Männer im Iran. So simpel sollten wir es uns nicht machen, denn die Demo ist gegen die Mullahs.



      Und den Schah will keiner mehr, der Geschichtsbewusstsein hat. No kings!

    • @Janix:

      Der letzte "PR-Trick" war die Demonstration am 14.02.2026 in München mit 250.000 Teilnehmern. Und die haben das größtenteils etwas anders gesehen als Sie.

      Und es gibt in der Tat auch andere Frauen und Männer im Iran. Aber wissen Sie, ob diejenigen, an die Sie möglicherweise dabei denken, überhaupt noch leben und nicht schon vom Mullah-Regime getötet worden sind?

    • @Janix:

      Wer ist denn "wir"? Sind Sie aus dem Iran und sprechen für Ihre Landsleute?

    • @Janix:

      Mossadegh war, trotz viel Propaganda um seine Person, kein Demokrat und regierte diktatorisch. Das iranische Volk braucht eine echte Demokratie. Wenn das eine mit König á la Niederlande wird warum nicht. Reza Pahlavi könnte als Figur das Volk vereinen.

      • @Machiavelli:

        Was sie über Mossadegh schreiben ist Unfug. Er hat umstrittene Entscheidungen getroffen, die man nur unter Berücksichtigung der politischen Verhältnisse beurteilen kann. Er hat das Parlament mit einem Referendum aufgelöst, mit der Begründung, das halbe Parlament währe von GB korrumpiert worden. Historiker halten das für plausibel. Es ging auch darum, welche Macht der Shah in der neuen Demokratie haben sollte. Mossadegh wollte ihm lediglich eine repräsentative Funktion zusprechen, was den Royalisten, GB und den USA nicht passte.

        • @Andreas J:

          "Er hat umstrittene Entscheidungen getroffen, die man nur unter Berücksichtigung der politischen Verhältnisse beurteilen kann"

          Sorry, aber so werden auch MAGA Anhänger derwinst über Trump urteilen.

  • Indeed, Rücke gern Lovando - ein paar Blätter zuvor ein

    Hola! Bin wg Physio & Co in den Wochentagen 2/3x am Tag mit 🚖 unterwegs & als früher mal auf dem Bock durch die Bank im Gespräch. Klar “Iraner“ sind lieber Perser einige Aserbaidschaner oder Kurden. Noch nie hat davon auch nur ein gutes Haar an diesem aus der Zeit gefallenen Schahzögling gelassen. Sorry - aber da wird auf einen toten Klepper mit abgehalfterten Hofschranzen gesetzt: zum Scheitern verurteilt! Nothing else •

  • Ist das jetzt ein "Zurück in die Zukunft"? Stellen Sie sich vor, der Kornprinz landet im Jahr 1959. "Dort angekommen, verhindert er unbeabsichtigt, dass seine Eltern sich treffen und sich ineinander verlieben – stattdessen verliebt sich seine Mutter in ihn. Hierdurch verändert sich die zukünftige Zeitlinie (Wechsel von Zeitlinie 1 auf Zeitlinie 2)." Und was ist dann? Na gut, wenn das alles so klappt, dann wird er gar nicht geboren und wir müssen uns hier nicht Gedanken darüber machen, ob er sich als "Retter" des Irans eignet.

  • Wie ich auf der Demo in Düsseldorf am 24.01.2026 gesehen habe, dass auf manchen Plakaten Vater und Sohn Pahlavi als "Heilsbringer" gepriesen wurden, habe ich auch erst mal geschluckt. Muss aber auch feststellen, andere sind mir nicht bekannt. Und unsere Linken und Grünen haben sich als Unterstützer von wem auch immer zurückgehalten, weil ihnen die vergangene Kopftuchdebatte im eigenen Land schon über war. Bei uns war/ist ja scheinbar in der Beziehung alles in Ordnung. Wollten die internationalistische Linke und die Grünen uns jedenfalls glauben machen. Mich hat das nicht überzeugt. Wieder ein Chance vertan.

    • @BS:

      Es gibt eine große Menge Leute, die nach dem Sturz des Schah ins Ausland geflohen sind. Leute, die vom Regime des Mannes profitiert haben. Diese Leute haben eine Riesenmenge Geld mitgebracht.

  • Endlich ! Vielen Dank für den klaren Artikel. Übrigens interessant auch in Haaretz, "The Israeli Influence Operation Aiming to Install Reza Pahlavi as Shah of Iran", Megiddo und Benjakob, 3.10.2025.

    • @Jo Lang:

      @Fisherman: das oben gesehen?

  • "Ja, der Kampf der Iraner für Freiheit und Menschenwürde braucht unsere Solidarität."

    Aber schon die bloße Zusammenarbeit mit Netanjahu und Trump wäre zuviel verlangt, da sieht man lieber vom Spielfeldrand den Mullahs zu wie sie den Aufstand niederschlagen. Mit besorgtem Blick und nichts als warmen Worten, "solidarisch". Kann weg.

    • @Descartes:

      Ihr plädoyer für die zusammenarbeit mit faschisten und antidemokraten zum vermeintlichen wohle des iranischen volkes scheint mir auch nicht gerade ein besonders gefestigter ausdruck von solidarität zu sein. zumal auch Sie kein bisschen weniger "am speilfeldrand" stehen.

      • @Pflasterstrand:

        Anders als die Mullahs wurden Trump und Netanyahu gewählt, aber klar: Letztere sind eindeutig schlimmer und können keine Guten sein, anders als die Mullahs, die ja in einer sehr verqueren Wahrnehmung in manch linken Kreisen die Guten sind und das nur aus dem einzigen Grund, dass sie eben nicht die USA oder Israel sind. Ihre Solidarität ist extrem wohlfeil, davon hat das iranische Volk nämlich genau nichts.

  • Leider typisch linker Kommentar- die perfekte Lösung ist nicht möglich- dann lieber doch gar keine Veränderung und wir unterstützen weiter ein patriarchalisches, nationales, religiöses, faschistisches Regime.



    Tausende Tote Demonstranten interessieren nicht, solange sie nicht gegen Juden oder gar für einen Schah demonstrieren.



    Wie wärs mit Pragmatismus? Dem



    Kleineren Übel? Das was das Volk will?

    • @Notizen Nt:

      Gut beobachtet.

    • @Notizen Nt:

      :-)