Deutsche Botschaft im Iran: Visastelle geschlossen, Wiedereröffnung nicht in Sicht
Wegen der Gewalt des Regimes nimmt die Bundesrepublik in Iran keine Visumsanträge mehr an. Die Grünen üben Kritik und fordern Hilfe speziell für Studierende.
Foto: Vahid Salemi/ap/dpa
Wer auf der Internetseite der Deutschen Botschaft in Teheran nach einem Termin für die Visavergabe sucht, endet an einem roten Warnhinweis. „Die Botschaft arbeitet derzeit in eingeschränktem Umfang. Die technischen und personellen Kapazitäten sind stark reduziert“, steht dort. Beim externen Dienstleister, der die Visaverfahren abwickelt, gebe es bis auf Weiteres keine neuen Termine. Bestehende Termine seien storniert.
In der Antwort auf eine schriftliche Frage der Grünen im Bundestag hat das Auswärtige Amt jetzt bestätigt: Wegen der harten Repressionen gegen die jüngsten Proteste in Iran gibt es im Land momentan keine Möglichkeit, Visa für die Einreise nach Deutschland zu beantragen. Zudem teilte das Ministerium mit, dass eine Rückkehr zu den herkömmlichen Verfahren nicht in Sicht ist.
Wörtlich heißt es in der Antwort, die der taz vorliegt: „Das wegen Maßnahmen der iranischen Regierung bereits ausgedünnte entsandte Botschaftspersonal wurde aus Sicherheitsgründen nochmals reduziert. Wann mit einer Rückkehr zu einem regulären Dienstbetrieb gerechnet werden kann, lässt sich angesichts der weiterhin volatilen Sicherheitslage vor Ort derzeit nicht belastbar sagen.“
Der Grünen-Abgeordnete Boris Mijatović, Mitglied im Menschenrechtsausschuss des Bundestags, kritisiert den Visa-Stopp. „Selbstverständlich ist die Sicherheitslage in Iran auch für die Mitarbeiter:innen der deutschen Auslandsvertretung ein erhebliches persönliches Risiko“, sagte er der taz. Dennoch bleibe die Bundesregierung in der Verantwortung, Wege zu finden, um neue Anträge an der Botschaft anzunehmen und bestehende Anträge schnell zu bearbeiten. „Für die Menschen hinter diesen bürokratischen Vorgängen zählt jeder einzelne Tag“, sagte er.
Fokus auf Studierende
Speziell forderte Mijatović die Regierung auf, „Studierende und Wissenschaftler:innen in Iran bei ihren Visa-Anträgen deutlich stärker zu unterstützen“. Dabei verwies er darauf, dass sich deutsche Universitäten wegen der Verzögerungen Sorgen um Betroffene machten, die bei ihnen studieren oder lehren sollen.
Das Auswärtige Amt gibt an, immerhin vor der aktuellen Krise in Iran „erhebliche zusätzliche Bearbeitungskapazitäten geschaffen“ und dabei einen Fokus auf Studienvisa gelegt zu haben. Im vierten Quartal 2025 habe man hierbei „gut 80 Prozent mehr Anträge bearbeitet“ als im Vorjahreszeitraum.
Was das in absoluten Zahlen bedeutet, gibt das Ministerium in der Antwort aber nicht an. Ebenso fehlen Angaben zu den Bearbeitungszeiten, da diese „nicht statistisch erfasst würden“. Im gesamten Jahr 2025 wurden laut einer Statistik aus dem Januar 3.922 Visaanträge, die in Iran zur Aufnahme eines Studiums in Deutschland gestellt wurden, bearbeitet. Im Jahr 2024 war die Zahl höher und lag bei 5.160.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert