Iranische Opposition: Der Schah-Sohn ist kein Hoffnungsträger
Die Menschen in Iran brauchen unsere Solidarität. Auf Reza Pahlavi zu setzen, der von rechtsextremen Kräften unterstützt wird, ist der falsche Weg.
N ach dem beispiellosen Massaker des iranischen Regimes mit Tausenden Toten ist es verständlich, dass sich viele dessen baldiges Ende herbeiwünschen. Es ist verständlich, dass viele ihre Hoffnungen auf den Sohn des letzten Schahs richten, und sei es nur aus Mangel an Alternativen oder als kleineres Übel. Und es ist wichtig, Solidarität mit den Menschen in Iran und in der Diaspora zu zeigen – alleine schon um sie wissen zu lassen, dass sie nicht alleine sind.
Es gibt aber gute Gründe, die aktuelle Begeisterung für den Schah-Sohn Reza Pahlavi skeptisch zu sehen. Nicht nur, weil er sich nie von den Verbrechen seines Vaters distanziert hat, oder weil er von extrem rechten Kräften wie Israels Premier Netanjahu und der Trump-Regierung unterstützt wird. Sondern auch, weil seine Anhänger teilweise selbst extrem nationalistische und rassistische Auffassungen vertreten. Das lässt sich an den „Tod den Linken“-Rufen ablesen, die auf ihren Kundgebungen ertönen, und daran, dass manche von ihnen bis heute dem Arier-Mythos von einer angeblichen völkischen Überlegenheit anhängen, der in der Pahlavi-Ära propagiert wurde. Nicht jeder, der das Mullah-Regime ablehnt, ist schon ein Demokrat.
Noch mehr Gründe gibt es, einen Angriff der USA auf Iran abzulehnen, wie ihn Pahlavi fordert. Denn es spricht einiges dafür, dass ein von außen erzwungener „Regime Change“ in Iran katastrophale Folgen haben könnte. Iran ist, mit über 90 Millionen Einwohnern, eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt. Ein von außen beförderter Bürgerkrieg würden die bisherigen Desaster in Libyen (7,5 Millionen Einwohner), Afghanistan (rund 40 Millionen Einwohner) und Irak (fast 50 Millionen Einwohner) verblassen lassen. Das kann niemand wünschen.
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Und wer seine Hoffnungen ausgerechnet auf Donald Trump setzt, könnte ohnehin rasch enttäuscht werden. Es war verantwortungslos von ihm, die Protestierenden in Iran zu ermuntern, auf die Straße zu gehen und ihnen „Hilfe“ anzukündigen – und sie dann im Stich zu lassen, wie er es getan hat. Schon jetzt ist mit Blick auf die Verhandlungen der USA mit Iran von Menschenrechten oder Reformen keine Rede – es geht um das iranische Atomprogramm und um Öl.
Ja, der Kampf der Iraner für Freiheit und Menschenwürde braucht unsere Solidarität. Aber er braucht keine naiven und gefährlichen Träumereien von einem starken Mann, der mal eben das Mullah-Regime zur Seite schiebt. Denn so einfach ist es leider nicht.
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