piwik no script img

Tankrabatt und TabaksteuerDie höhere Tabaksteuer geht zu Lasten der Ärmeren

Gastkommentar von

Dirk Engelmann

Um den Tankrabatt zu finanzieren, wird die Tabaksteuer erhöht. Das ist ungerecht, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Dirk Engelmann.

Rauchen soll teurer werden Foto: Sven Hoppe/dpa

D ie Bundesregierung hat eine erstaunliche Leistung vollbracht, nämlich weitgehende Einmütigkeit unter Öko­no­m:in­nen zu erzeugen. Allerdings liegt diese in der Bestürzung über die Pläne zum Tankrabatt.

Bisher wenig beachtet in der Diskussion ist allerdings die Verteilungswirkung der steuer- und abgabenfreien Entlastungsprämie und ihrer Gegenfinanzierung durch die Erhöhung der Tabaksteuer. Ein verteilungspolitisches Problem vieler Verbrauchsteuern ist, dass diese regressiv wirken, also Ärmere relativ stärker belasten als Reichere und damit zu einer Erhöhung der Ungleichheit führen – im Gegensatz zu progressiven Steuern wie der Einkommensteuer.

Die meisten regressiven Steuern sind solche, bei denen Reichere zwar absolut mehr zahlen als Ärmere, Letztere aber einen höheren Anteil ihres Einkommens aufwenden, beispielsweise bei der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel. Schon solche Steuern erhöhen die relative Ungleichheit. Umfragen legen aber nahe, dass der Tabakkonsum in Deutschland – wie in vielen anderen Ländern – unter Ärmeren höher ist als unter Reicheren.

Damit ist die Tabaksteuer ein Extremfall, da die Ärmeren nicht nur relativ zum Einkommen, sondern sogar absolut mehr zahlen als die Reicheren. Die Tabaksteuer ist vermutlich die am stärksten regressiv wirkende Steuer überhaupt, zumindest unter allen nicht trivialen.

Wer dagegen von der Entlastungsprämie profitieren wird, ist unklar. Bezahlen werden sie jedoch die Rau­che­r:in­nen und damit überproportional die Ärmeren. Zwar gibt es gute gesundheitspolitische Gründe für eine Tabaksteuer. Wenn sie aber zur Finanzierung von Umverteilungsmaßnahmen herangezogen wird, sollte man die Verteilungswirkung auch konsequent bedenken.

Die Bundesregierung verteilt also um – von den Ärmeren zu irgendjemandem – und sie weiß selbst nicht, wohin. Rauchen hat keine Lobby, Autofahren schon. Ein Argument scheint zu sein, auf Rauchen könne man auch verzichten. Rauchen ist aber eine anerkannte Sucht, und damit ist Aufhören schwer, auch bei höherer Tabaksteuer. Wäre es anders, könnte die Bundesregierung durch die Tabaksteuererhöhung auch nicht die Einnahmen erhöhen.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

5 Kommentare

 / 
  • Hallo Herr Engelmann.

    Hohe Kosten heben erwiesenermaßen die Hürde bei Jugendlichen für den Einstieg bei Tabak! Deutschland wurde oft kritisiert, auch von der WHO, soweit ich mich erinnere, für die im internationalen Vergleich zu niedrige Tabaksteuer. Und langjährige, süchtige Konsument*innen hören auch auf nach Erhöhungen. Jeder hat seine Prioritäten!

    Ihre Argumentation ist extrem einseitig und lässt viele Aspekte aussen vor. Auch in einem Kommentar darf man eine Bandbreite an Fakten nennen!

    Bitte die ganzen E-Zigaretten entsprechend auch hoch besteuern. Gesund sind die übehaupt nicht.

  • Jetzt könnte man natürlich frech die Frage stellen, warum Ärmere überhaupt rauchen. Es kostet Geld, birgt jede Menge Gesundheitsrisiken und der Tabakanbau fristet in Deutschland eher ein Nischendasein. Aber Polen und Tschechien freuen sich über die hohe Nachfrage in Deutschland.

  • Ja, Rauchen ist eine Suchterkrankung.



    Doch wenn man bei Experten für Suchtprävention fragt, wird dort nahezu einmütig eine höhere Tabaksteuer als positives Instrument zur Sucht-Prävention genannt.



    Nur, weil es vor allem Ärmere trifft, ist es noch lange nicht gegen die Ärmeren.



    Wenn die höheren Preise dazu führen, dass weniger geraucht wird, ist schließlich auch vor allem den Ärmeren geholfen.



    Der Zeitpunkt mag nicht klug gewählt sein. Dennoch ist eine Erhöhung der Tabaksteuer für alle Betroffenen langfristig eine gute Sache.

    • @Herma Huhn:

      Aus Sicht der Betroffenen ist das aber leider gar keine gute Sache. Wie kommen Sie den darauf? Für wen ist denn eine höhere finanzielle Belastung eine gute Sache? Dass eine Mehrheit nun steuerbedingt das Rauchen aufgibt, ist doch sehr unwahrscheinlich. Würde man dies erwarten, könnte man mit der Steuer nichts gegenfinanzieren.

      Im Übrigen kosten Raucher dem Staat insgesamt im Schnitt weniger Kosten als Nichtraucher. Bereits jetzt liegen die Tabaksteuereinnahmen deutlich über den direkten Gesundheitskosten, die durch das Rauchen entstehen.

      • @Kurzweil:

        Ich schrieb "langfristig"



        Und langfristig wird jedem Raucher zumindest soweit geholfen, dass die Menge der täglich gerauchten Zigarretten zumindest nicht noch weiter ansteigt. Dieser Effekt ist über die gesamte Population gemessen nachweisbar. Höhere Preise senken die Menge an konsumiertem Tabak. Und jede Zigarrette weniger ist ein Vorteil für den Raucher. Selbst wenn das vollständige Aufhören nicht jedem gelingen wird.