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Männliche ModeWarum Männer sich nicht anziehen können

Matthias Kalle

Essay von

Matthias Kalle

Zu enge Hosen, Hoodie als Dauerlösung: Der Mann wirkt erstaunlich gleichgültig gegenüber seiner Erscheinung. Er hat nie gelernt, sich selbst zu sehen.

Sprezzatura – die modische Arbeit, die ihre eigene Arbeit versteckt, ist in Deutschland eher eine Seltenheit Foto: Granger/imago

F angen wir am besten mal ganz von vorne an, ist ja auch alles ein bisschen kompliziert. Also: Um das Jahr 1800 verbrachte ein englischer Dandy namens George Bryan Brummell jeden Morgen mehrere Stunden damit, seinen Schlips zu binden. Sein Ziel war es, dass der Schlips am Ende so aussah, als habe das Binden höchstens eine Minute gedauert. Diese gepflegte Nachlässigkeit – das Ergebnis äußerster Sorgfalt, die alle Spuren ihrer selbst tilgt – hat einen Namen. Die Italiener nennen es sprezzatura: gekonnte Nonchalance. Eleganz, die wie Zufall wirkt.

Brummell war der erste moderne Modemann. Vor ihm trugen europäische Aristokraten Kleidung als Machtdemonstration: Perücken, Spitze, Seide, jede Menge Gold. Herrschaft, sichtbar gemacht in Stoff und Tand. Dann kam Brummell, bürgerlicher Herkunft, ohne Titel, kein Vermögen – und zog einen dunklen Wollrock an, schlichte cremefarbene Hose, weißes Leinenhemd; Schnitt, Sitz und Qualität.

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Männer bauen Autokratien auf, Männer bilden Manosphären, Männer üben Gewalt gegen Frauen aus. Aber: Männer leisten auch mehr Care-Arbeit als früher, Männer supporten Frauen, Männer gehen sogar in Therapie (manchmal). Alte Männlichkeitsbilder geraten ins Wanken, zugleich klammern sich manche Männer um so mehr ans Patriarchat und verklären die Vergangenheit. Ein Schwerpunkt über Manfluencer und Maskulinismus, Körperlichkeit und Vater-Sohn-Beziehungen, männliches Altern und diverse Männeridentitäten. Alle Texte der Ausgabe erscheinen unter taz.de/männertaz

Der britische Psychologe John Carl Flügel nannte das, was Brummell da, ohne es zu wollen, etabliert hat, in seinem Buch „The Psychology of Clothes“ 1930 die „Große Männliche Absage“: den Moment, in dem die Männer des aufsteigenden Bürgertums kollektiv auf Farbe, Prunk und Ornament verzichteten. Was blieb, war der Anzug. Das war kein Stilwechsel. Das war eine Gründungsurkunde des Liberalismus in Stoff.

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Und diese Urkunde enthielt von Anfang an ein Paradox. Denn Brummells Anzug verlangte, was Männer bis dahin nie geübt hatten: ein bewusstes Verhältnis zur eigenen Erscheinung. Sprezzatura meint keine Selbstvergessenheit, sondern das Gegenteil. Sie setzt voraus, dass man seinen Körper kennt, weiß, was ihm steht, und dann so tut, als hätte man darüber nie nachgedacht. Brummell verbrachte Stunden vor dem Spiegel, damit es aussah, als habe er gar keinen. Oder als habe er sich morgens einfach durch seinen Kleiderschrank gerollt – und was hängen blieb, zog er halt an.

Quellen der Männermode

Problematisch ist dabei nur, dass Männer historisch nie gelernt haben, Kleidung als persönliches Verhältnis zum eigenen Körper zu denken. Und der Grund dafür sitzt tief in der Geschichte ihrer Kleidung selbst. Folgendes sollte man nämlich wissen: Die Quellen der Männermode sind nicht Eleganz oder Selbstausdruck; die Männermode speist sich vielmehr aus den Bereichen Militär, Arbeit und Sport.

Feldjacken, Trenchcoats, Bomberjacken – Uniformteile, die in die Alltagsmode eingewandert sind. Jeans und Chambray-Hemden trugen Minenarbeiter, und die Canvas-Jacke gehörte auf Baustellen, bevor sie in Boutiquen landete. Seit dem frühen 20. Jahrhundert setzte sich dann die Sportmode durch: erst der Blazer aus dem Ruderclub, dann der Trainingsanzug, heute die Allherrschaft von Sneaker und Hoodie.

Diese drei Quellen haben etwas Entscheidendes gemeinsam: Kleidung war Funktion, nicht Sprache. Männer trugen, was die Gruppe trug, der sie angehörten. Immer hat eine Institution die Wahl der Kleidung vorgegeben – die Armee, der Betrieb, der Verein. Der Mann selbst musste nie entscheiden. Er musste sich nie vor den Spiegel stellen und fragen: „Was bin ich? Wie will ich vor der Welt erscheinen?“

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Das ist natürlich keine Kleinigkeit. Denn wer nie gelernt hat, sich selbst anzusehen, kennt seinen Körper nicht. Die meisten Männer wissen nicht, wo ihre Schulternähte sitzen sollen. Sie wissen nicht, dass eine Hose, die am Bund passt und an der Wade zieht, schlicht die falsche Hose in der falschen Größe ist. Sie wissen nicht, welche Silhouette zu ihrer Figur passt, welcher Kragen ihren Hals verlängert oder verkürzt. Und sie ahnen nicht, dass Passformprobleme meist keine Frage des Geldes sind, sondern des Wissens: Ein günstiger Anzug, der sitzt, schlägt jeden teuren, der schlottert.

Der Anzug – ein kulturelles Versprechen

In unserer Kultur ist es nun einmal so, dass Frauen damit aufwachsen, ihren Körper früh zu thematisieren. Das ist falsch und eine Zumutung. Männer lernen das Gegenteil (das ist auch falsch und eine andere Art der Zumutung): Der Körper soll funktionieren, nicht erscheinen. Also stecken sie ihn in Funktionsjacken, Hoodies, in zu große Hemden. Der Mann in formlosen Zeugs hat sich nicht gegen Mode entschieden. Er hat sich gegen die eigene Sichtbarkeit entschieden. Seine Rettung wäre – na? – genau: der Anzug.

Die Bourgeoisie des 18. und 19. Jahrhunderts hatte eine andere Vorstellung davon, wie Sichtbarkeit hergestellt werden sollte: nicht durch ostentativen Reichtum, sondern durch Selbstkontrolle. Der dunkle Anzug signalisierte Disziplin, Ernsthaftigkeit, Verlässlichkeit. Seine Botschaft lautete: Ich habe mich im Griff. Er war demokratisch an der Oberfläche, weil ihn im Prinzip jeder tragen konnte; in der Praxis verlangte er Wissen – über Schnitt, Stoff, Passform, Kontext —, das man sich aneignen musste.

Der Anzug war somit ein kulturelles Versprechen: Ich bin die Sache, nicht das Spektakel. Dann liberalisierte sich die Mode selbst. Die Grenzen zwischen formell und leger lösten sich auf. Fast Fashion machte Kleidung zu Wegwerfware. Der „Missing Middle“ – gute, bezahlbare, alltagstaugliche Herrenbekleidung – verschwand, zerrieben zwischen H&M und Maßschneider. Und die industriellen und militärischen Kontexte, die die funktionale Männerkleidung einst mit Bedeutung aufgeladen hatten, verschwanden ebenfalls.

Das Problem ist heute nicht, dass Männer sich schlecht anziehen. Das Problem ist, dass niemand mehr sagen kann, was „gut angezogen“ eigentlich bedeutet – und dass Männer nie gelernt haben, diese Frage selbst zu beantworten.

Der formlose Mann und der Hyperkurierte

Kleiderregeln sind keine ästhetischen Absolutheiten, sondern geronnene Geschichte. Schwarze Oxfords passen zum dunkelblauen Anzug, weil das die Uniform von Männern einer bestimmten Klasse war, wenn sie in London Geschäfte machten. Wenn diese Geschichte sich auflöst, lösen sich die Regeln auf. Und wer keine Regeln mehr hat, an denen er sich abarbeiten kann – und nie gelernt hat, jenseits der Regeln selbst zu urteilen —, hat auch keine Sprache mehr für sich selbst.

Charles Baudelaire schrieb Mitte des 19. Jahrhunderts, Mode sei ein Spiegel, der den Geist des Zeitalters reflektiert. Was sich heute im Spiegel zeigt, sind zwei entgegengesetzte Erscheinungen, die dasselbe verraten.

Die erste: der formlose Mann. Nichts passt, weder von der Größe noch von der kulturellen Sprache. Alles ist bequem bis zur Selbstaufgabe – oder funktional ohne Grund.

Die zweite: der hyperkurierte Körper. In bestimmten Ecken des Internets wird Männlichkeit als Optimierungsprojekt betrieben – Training, Ernährung, Disziplin. Der Körper wird zur sichtbaren Leistung, Kleidung zum Rahmen: eng, damit das, was man geschafft hat, zur Schau gestellt werden kann. Aber auch das ist keine persönliche Sprache, sondern Konformität – diesmal nicht zur Gruppe, sondern zum Instagram-Algorithmus. Diese Ästhetik ist keine Marotte, sondern Ideologie. Sie zeigt sich im engen Stoff und ist quasi eine Gegenreaktion auf eine Kulturlandschaft, in der traditionelle Geschlechterbilder unscharf geworden sind.

Beide Erscheinungen – der Formlose und der Hyperkurierte – sind Reaktionen auf dieselbe Leere. Der Anzug war eine Schöpfung des Liberalismus – und er wurde vom Liberalismus getötet. Dort, wo der Anzug als gemeinsamer Code stand, ist nichts nachgewachsen.

Unfähigkeit und politische Orientierungslosigkeit

Brummells vermeintlich zufällig Eleganz war kein Betrug, sondern Kunst. Das Maximum an Luxus im Dienst minimaler Protzigkeit. Sprezzatura – die Arbeit, die ihre eigene Arbeit versteckt.

Genau diese Fähigkeit fehlt. Nicht die Fähigkeit, sich herauszuputzen. Sondern die Fähigkeit, die eigene Erscheinung in der Welt ernst zu nehmen, ohne sich dafür schämen zu müssen. Den eigenen Körper zu kennen, statt ihn zu verstecken. Die Frage zu stellen: Wer bin ich – und wie will ich aussehen?

Der deutsche Mann ist nicht deshalb, wer er ist, weil er schlecht gekleidet ist. Aber es ist auch kein Zufall, wie er rumläuft. Seine Kleidung ist nicht die Ursache der politischen Orientierungslosigkeit – sie ist ihr sichtbarstes Symptom. Sie zeigt, dass das bürgerliche Versprechen, das der Anzug einmal verkörperte, nicht mehr geglaubt wird. Und dass an seiner Stelle nichts steht: kein neues Versprechen, keine neue Sprache, kein neues Bild davon, wie ein Mann in der Welt erscheinen will.

Die große männliche Absage war einmal ein politischer Akt.

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Matthias Kalle
Ressortleiter wochentaz
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26 Kommentare

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  • Also zu Zeiten von Beau Brummel gab es wohl auch einen Dandy, der von seinen Dienern mehrere verschiedenfarbige Puder in den Raum werfen lief, um dann in Ruhe längere Zeit in dem Raum auf und ab zu schreiten, da er sicher war, nur so könne er die richtige Färbung seiner Perücke erreichen. Setzt nur irgendwie voraus, dass man keine Arbeit hat...

  • Die Kommentare weiter unten zu lesen ist extrem beruhigend - angesichts des Anspruchs, den der Autor hier an die Männerwelt richtet...

    Gibt allerhand "Moden", denen man sich sogar auf Teufel komm raus entziehen sollte.



    Zum Beispiel diese hellgraue "Knastwäsche", die jetzt ganz selbstverständlich allenorts getragen wird, gern mit ausgebeultem Hintern, unterm Bauch hängend und angeschmuddelt. Oder Bekleidung, die modehalber schon vorm Verkauf zerstört wird...







    Und sind die persönlichen Körperabmessungen erst einmal jenseits von Gut und Böse angelangt, verhilft der edelste Anzug in der Regel auch beim Wohlmeinendsten nicht mehr zu gesellschaftlichen Höhenflügen.

  • »Der Mann wirkt erstaunlich gleichgültig gegenüber seiner Erscheinung. Er hat nie gelernt, sich selbst zu sehen.«

    Nach diesem Pauschalverdikt hatte ich keine Lust mehr, weiterzulesen. Im Übrigen ist das Internet voll auch mit männlichen narzisstischen Influencern, die sich ausschließlich mit ihrem Aussehen befassen.

  • mehrere Stunden vor dem Spiegel stehen, damit es so aussieht als hätte man keinen.



    Geschlechtsunabhängig ist das die augefälligste Dekadenz, die je ein Mensch sich ausgedacht hat. Wer in dieser Gesellschaft von Wert ist, hat keine Zeit sich solange vor den Spiegel zu stellen, nur um Fremde glücklich zu machen. Denn diejenigen, die man kennt und schätzt, würden sich über gemeinsam verbrachte Zeit mehr freuen, als über ein scheinbar lässiges Erscheinungsbild.

    • @Herma Huhn:

      Korrekt. Daumen hoch.

      Nur, "gemeinsam verbrachte Zeit mehr freuen" - das genannte Zurechtmachten ist auch gerne mal Bestandteil des Balzrituals. Manchmal auch das Balzritual für bestimmte Subgruppen in der Gesellschaft.

  • Es gibt nichts Oberflächlicheres als Modetrends, Gesellschafts- oder Szencodes, politische Erscheingsbilder, etc. "Gut angezogen" ist derjenige, der -egal was- mit einem gesunden Selbstbewußtsein trägt und einen feuchten drauf gibt, was irgendwelche Wichtigtuer davon halten.



    Und die "bestimmten Ecken des Internets (wo) Männlichkeit als Optimierungsprojekt betrieben (wird)", sind doch genau solche Artikel, wie dieser hier.

  • Mir fehlt hier völlig ein Grund: WARUM sollte man sich einem Modediktat unterwerfen?



    Es ist doch schon zuviel wenn Frauen das tun, all diese verschwendeten Ressourcen, Tierversuche, weggeworfenes Geld nur wegen der Optik...

    Nein Danke, ich bleibe bei meiner echten Nonchalance.



    Obwohl es in der Industrie einige Bestrebungen gab und gibt, auch Männer zu Modeopfern zu machen. Denn so kann man ja den Umsatz erhöhen.

    • @realnessuno:

      Ich konnte aus dem Artikel keine Forderung herauslesen, sich einem Modediktat zu unterwerfen. Wem der neueste Schrei nicht steht, sieht damit eher doof aus und ein Jahr später, wenn die Sachen aus der Mode sind, noch viel doofer.



      Man drückt sich mit seiner Kleidung immer aus, egal ob man stundenlang vorm Spiegel steht oder ob das eher unbewusst passiert. Was sie als echte Nonchalance bezeichnen, ist auch eine Message ("you go to your closet and you select that lumpy blue sweater, because you are trying to tell the world that you take yourself to seriously to care about what you put on your back"), die von anderen Leuten immer verstanden wird.

  • Interessanter Text mit manch Neuem für mich. Allerdings kommt der Einfluss und die Eigenheiten sogenannter Subkulturen zu kurz (bzw. deren Ausbeutung). Die Mods fallen mir da vor allem im Zusammenhang mit Anzügen ein.



    Ist zwar ziemlich ‚dated‘ aber die Arbeit von Dick Hebdige „Subculture: The Meaning of Style“ (1979) ist da wegweisend.



    www.modetheorie.de...Subkultur_1983.pdf



    Außerdem, man kann ja so Einiges gegen die Popper (Begründung der FDP-Ästhetik) sagen; jedoch sind sie so ziemlich die einzige genuin-deutsche Jugendsubkultur der Nachkriegszeit.

  • Jede Kleidung, auch die von Frauen, sind Zeichen, die wir an unsere Umwelt und Mitmenschen geben.



    Der angebliche Individualismus führt dazu, dass die Leute genau das verlernen. Jeder sollte sich dessen bewusst sein und dafür sorgen, dass Zeichen und Gelegenheit sich wieder decken.

  • Mode? Brauch ich nicht. Sichtbarkeit? Brauch ich auch nicht.

    Die Welt wäre so entspannt, wenn es bezüglich Kleidung keine gesellschaftlichen Erwartungen gäbe, wie sie der Autor offenbar implizit hat. Und es gäbe wohl auch viel weniger Fast Fashion und die Müllberge, die man so hinterlässt.

    Gilt so auch für Kosmetikartikel und sonstige Äußerlichkeiten, die letztlich die menschiche Eitelkeit bedienen - bis hin zu unglaublich teuren Schönheits-OPs. Aber wozu das alles? Mal locker machen! Den Menschen (egal ob Frau oder Mann) nicht als Objekt sehen, das sich schön machen muss oder sich irgendeiner Mode oder Konformität unterwerfen muss.

  • Der Trainingsanzug ist doch der beste Anzug. Passt zu allen Anlässen und zu allen Körperformen. Und trocknet schnell. Wozu braucht man überhaupt etwas anderes?

  • Mein Gott.....Themen gibt's.



    Vielleicht sollte man nicht gleich das gaaanz große Rad drehen.



    Mein nicht immer geschmackskonformer Verpackungsrahmen liegt nicht an politischer Orientierungslosigkeit, sondern schlichtweg daran, das es Wichtigeres gibt. Ich halte es mit" Bernd das Brot " (der meinem Charakter recht nahe kommt), er bemerkte sinngemäß mal:"Zieh ne Hose an, wenn du rausgehst, da liegst du immer richtig ".



    Alles andere ist Lebensenergieverschwendung.....

    • @Andreas Horn:

      Bernd ist schon ein kleiner Philosoph, das muß man ihm lassen. 😁



      Mich hat ein Spruch aus dem Sputnik seit frühester Jugend begleitet: "Die Mode schreitet voran, ihre Opfer bleiben zurück."

  • Vielleicht kann der Autor sich nicht richtig anziehen - aber ich sehe jeden Tag gut gekleidete Männer, die sehr genau wissen, was ihnen steht und was nicht. Gutgeschnittene Anzüge sind in meinem Umfeld der Regelfall, man hilft sich und gibt auch Empfehlungen. Vielleicht ist die Redaktion der taz und die dort getragene Kleidung Ursache für Irritation?

  • Vielen Dank für diesen Artikel. Beim Lesen fand ich mich wieder. Auch ich schaue selten in den Spiegel, kaufe die gleichen Größen in der Hoffnung, dass sie irgendwie passen und trage Fleece mit Regenjacke drüber, weil praktisch.

  • Der dunkle Anzug signalisierte Disziplin, Ernsthaftigkeit, Verlässlichkeit. Seine Botschaft lautete: Ich habe mich im Griff.



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    Deswegen tragen den vortugsweise auch DIE Männer, die von diesen Tugenden weit, weit, entfernt sind.



    Siehe dazu CEO's. Banker, Versicherungsleute ... bis Gebrauchtwagenverkäufer! :-)

    Seine Kleidung ist nicht die Ursache der politischen Orientierungslosigkeit – sie ist ihr sichtbarstes Symptom. Sie zeigt, dass das bürgerliche Versprechen, das der Anzug einmal verkörperte, nicht mehr geglaubt wird.



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    Ich schlage das den Suomi-Style (finnisch) vor.



    Wichtige Dinge werden "in der Sauna" verhandelt! Da kann MANN nichts mehr verstecken & wenns kritisch wird, ein Aufguss & alles verschwindet im Wasserdampf! :-)



    Btw. Netter Versuch Mathias "Mann MODE einzureden". Doch mMn. sollten wir DIE den "Männern" überlassen, die Defizite ausgleichen müssen.



    Ist schlimm, das unsere XX Mitmenschinnen teilweise auf diese "Nummer" reinfallen, sich "aufbrezeln" & sich dann beschweren, das XY "Ihnen hinterherpfeift"!



    Kleidung hat, mMn. in unseren Klimazonen reine/nur Funktion! Damit rumzuspielen, "... überlassen wir den Kindern & den Pfaffen!"H.H. aus dem Kopf zitiert! :-)

  • Ich war nach dem Lesen des Untertitels ziemlich skeptisch, aber Chapeau! Hervorragender Artikel!

  • "Kleiderregeln sind keine ästhetischen Absolutheiten, sondern geronnene Geschichte." usw., TL; DR.

    In Sachen Mode und Kleidung ist bei Männern kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Und wenn der Installateur morgens 2 Stunden vor dem Spiegel steht, hat er noch weniger Zeit, Wärmepumpen einzubauen.

    Natürlich ist es traurig, wenn Männer schluffig aussehen, aber das ist eine Petitesse, verglichen mit den Bergen von fast fashion, die täglich verkauft und dann wieder weggeschmissen werden. Oder den Bergen von teurer Markenkleidung, die dann unausgepackt im Kleiderschrank landen.

  • Das "schlimmste Verbrechen" sind deutsche Männer, die in Horden mit Birkenstock und weißen Frotteesocken rumrennen - und das auch noch in Mailand. Von den unförmigen kurzen Hosen in Kaki will ich erst gar nicht reden.



    Von T-Shirts im Büro, insbesondere wenn sie durch Maschinen-Wäsche unförmig geworden sind, halte ich ebenfalls nicht viel. Ein Oberhemd oder Kurzarmhemd mit Kragen wäre angebrachter.



    Turnschuhe, insbesondere weiße, gehören auch nicht ins Büro, sondern auf den Tennisplatz. Die wenigsten Männer haben überhaupt das Recht, Sportschuhe zu tragen - sie sehen nämlich absolut unsportlich aus.



    Jogging-Hosen sind ein absolute No-Go. "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ (Karl Lagerfeld). Gürtel oder Hosen, die unter dem Bauch hängen ebenso. Jacketts, die über dem Gesäß enden sehen furchtbar aus - ebenso Hosen, die 6-10 cm zu kurz sind.



    Ich könnte jetzt die Liste fortsetzen, will aber Gnade zeigen und belasse es bei der Aufzählung der Hauptsünden.

    • @Il_Leopardo:

      "Die wenigsten Männer haben überhaupt das Recht, Sportschuhe zu tragen - sie sehen nämlich absolut unsportlich aus."

      Klingt ja fast so, als wollten Sie Personen das Recht aberkennen, Kleidung zu tragen, die Sie für unpassend halten. Ist das Ihr Ernst?

      • @Katharina Reichenhall:

        Vermutlich will Forist II_Leopardo das nicht...



        Aber was stimmt, stimmt nun mal.



        Die meisten Citywandler in Highspeed-Trainingsschuhen sehen schlicht aus als seien sie besonders ungeschickte Hochstapler. - Nur sagt ihnen das kein Verkäufer vorher...

    • @Il_Leopardo:

      Der Karl hat das nur über das Draußen gesagt. Zuhause ist Jogging-Hose ok. Und ich habe über zwei Ecken gehört Sandale mit Socke sei jetzt wieder "in". Es gibt nichts was mir mehr egal ist als Mode. Kleidung muss funtional sein, unkomliziert, gedeckte Farben (meistens, sogar ich habe ein, zwei Ausreißer). Mode überlasse ich gerne den selbsternannten Fashionistas. Was hauptberufliche Designer so gelegenlich auf die Laufstege schicken ist noch schlimmer als die Sandaletten.

    • @Il_Leopardo:

      Das "schlimmste Verbrechen" ist diese individualistische Dekadenz, Mode einen deutlich höheren Stellenwert zuzuteilen, als sie haben sollte. Wir haben so viele große Probleme in der Welt.

      Was Menschen an Geld, Ressourcen und CO2 ausstoßen, nur um letztendlich irgendwelchen gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen, ist einfach nur absurd.

      Wer sich ernsthaft für so erhaben hält, anderen vorschreiben zu wollen, was sie wo anzuziehen haben, hat offensichtlich keine anderen Sorgen.

      Wie wäre es, wenn wir uns mit ernsthaften Problemen auseinandersetzen würden, als darüber, wer wie in seiner Kleidung aussieht und was er zu tragen hat?

      Dieser Artikel versucht der männlichen Mode künstlich irgendeine höhere Bedeutung zu geben - ist aber am Ende nur ein Mitschwimmen im immerwährenden Strom von Konsum und Selbstdarstellung.

      Das Symbol der politischen Orientierungslosigkeit ist nicht die Kleidung "des deutschen Mannes", sondern, dass sich eine Kolumne einer linkten Tageszeitungen ernsthaft solche Gedanken darüber macht.

      • @Turban:

        Danke für diesen Kommentar - dem ich mich gern anschließe 👍

    • @Il_Leopardo:

      Da verlangen sie überraschend viel Fügsamkeit und Hörigkeit. Ich habe nichts gegen Dresscodes in Maßen, aber dieser moralische Anspruch über Körper und Erscheinung anderer Menschen zu bestimmen wird nicht besser wenn er sich gegen Männer richtet. Karl Lagerfeld hat die Kontrolle über seinen moralischen Kompass verloren.

      Es gibt genug modische Trends und Fehlgriffe die mir auch nicht gefallen, aber wenn die "Sünder" mich nicht um meine Meinung fragen, dann kann und sollte es ihnen egal sein was ich davon halte.

      Es ist geradezu die Essenz des Konservativen: Jeder sollte die Freiheit haben sein Leben nach meinen Vorstellungen zu gestalten.