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Kriminalbeamter zu Gewalt gegen FrauenDas Risiko Mann

Kommentar von

Laura Catoni

Ein kritischer Satz über Männer als Gefahr für Frauen geht viral, weil er von einem Mann kommt. Dabei spricht die Statistik für sich.

Für Frauen ist das Leben ohne Mann ungefährlicher, zumindest statistisch gesehen Foto: Juan Moyano/plainpicture

H at er das wirklich gesagt? Im Öffentlich-Rechtlichen? Ein Mann? Keiner, der auf Instagram mit Oberlippenbart über kritische Männlichkeit spricht, sondern einer von der Polizei? Das fragte ich mich, als mein Instagram-Feed mir den Ausschnitt aus dem „heute journal“ vom Montagabend zeigte. Im Netz sorgt er für Beifall und Empörung.

In dem Ausschnitt fragt Moderatorin Dunja Hayali den Vorsitzenden des Bundes Deutscher Kriminalbeamten, Dirk Peglow, was er Frauen raten würde angesichts der gestiegenen Fälle von Vergewaltigungen und Sexualdelikten in der aktuellen Kriminalitätsstatistik der Polizei. Die Antwort: „Wenn man nach der statistischen Anzahl geht, besser keine Beziehung mit einem Mann eingehen. Da ist das Risiko erheblich höher, Opfer von psychischer oder physischer Gewalt zu werden.“

Noch bevor Peglow seinen Rat mit ernster Miene zu Ende gesprochen hat, ist zu hören, wie Dunja Hayali im Hintergrund lacht. Auch ich musste lachen, als ich den Interviewausschnitt sah. Weil ich es im ersten Moment für zu schön hielt, um wahr zu sein.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Er sagte das, was eigentlich schon so lange klar ist. Was Emilia Roig, Beatrice Frasl, Pauline Harmange und andere feministische Autorinnen seitenlang in ihren Büchern aufgeschrieben haben. Was alle Mitarbeiterinnen in Frauenschutzhäusern berichten. Was Social-Media-Trends wie „boysober“ und „decentering men“ oder die 4B-Bewegung in Südkorea auf den Punkt bringen. Was ich und fast ausnahmslos all meine heterosexuellen Freundinnen erlebt haben, seitdem sie romantische Beziehungen mit Männern eingehen.

Dass sie ein Risiko sind. Dass sie der Seele und dem Körper schaden können, Vertrauen erschüttern, Traumata hinterlassen, die nach der Trennung in zahllosen Therapiestunden mühselig aufgearbeitet werden müssen – insofern man das Glück hat, einen Therapieplatz zu finden.

Gefühle und Socken hinterherräumen

Aber nicht alle Männer, werden jetzt wieder viele schreien. Stimmt, nicht alle Männer vergewaltigen oder fügen ihren Freundinnen physische oder psychische Gewalt zu. Oft laden sie auch einfach nur einen Berg an Arbeit auf deren Schultern ab. Hausarbeit. Emotionale Arbeit. Feministische Aufklärungsarbeit. Erziehungsarbeit. Beziehungsarbeit.

Frauen räumen ihren Partnern häufig nicht nur deren liegen gelassene Socken hinterher, sondern auch deren Gefühle, um die sie sich nicht kümmern, Konflikte, denen sie aus dem Weg gehen. Weil die Männer keinen Bock auf „Stress“ haben oder weil es sie überfordert, sich zu reflektieren oder – geschweige denn – zu entschuldigen.

Aber nicht alle Männer, werden jetzt wieder viele schreien. Stimmt, nicht alle Männer führen ihre Freundinnen in den Burn-out. Aber dass die Wahrscheinlichkeit nicht gering ist, dass eine Beziehung zu einem von ihnen für eine Frau bedeutet, dass sie ungesünder, gestresster und ärmer wird als ohne sie, haben in den letzten Jahren genug Studien nahegelegt.

Aber nicht alle Männer, werden jetzt wieder viele schreien. Manche ganz besonders laut. So wie die, die in den Youtube- und Instagram-Kommentaren zu Dirk Peglows Aussage von Gehirnwäsche reden, von der Spaltung der Gesellschaft, von Männerhass, ja gar von einem Männerverbot.

Dass Peglow es unmöglich ernst gemeint haben kann, dachte sich offenbar auch die Bild und hakte nach, wie die Aussage des Kriminalexperten denn jetzt zu verstehen sei mit den Männern und den Frauen. Dass er keinen pauschalen Aufruf gegen Beziehungen zwischen beiden gegeben habe und auch keinen Generalverdacht gegen Männer aussprechen wolle, sagte Peglow dem Boulevardmedium.

Dass er weder das eine noch das andere getan hat, konnte bereits jeder verstehen, der dem Kriminalexperten im Interview richtig zugehört hat, anstatt sich von seinem gekränkten Männerego leiten zu lassen. Peglow spricht von Statistiken – und die sprechen nun mal nicht für die Männer. Wer das nicht aushält, ist selbst Teil des Problems.

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58 Kommentare

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  • Wie im ersten, also untersten, Kommentar von Malnachdenken geschrieben steht:

    "In dem Interview ging es ausdrücklich um schwere körperliche Gewalt. Nicht um Traumata, die unglückliche Beziehungen auslösen können (vermutlich auch bei Männern), nicht um unfair verteilte Hausarbeit und sonst allerlei Misslichkeiten, die es beim Zusammenleben von Männern und Frauen geben kann. "

    Viel mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen.



    Ausser, dass die Aussage des Kriminalen sich natürlich auf die Täter bezog. Die sind zu 98,x Prozent männlich. Die Prävalenzrate für Vergewaltigung liegt aber bei 0,4%. Ob mit der Zahl pauschale Rückschlüsse auf die Verhaltensweisen aller heterosexuellen Männen sinnvoll sind, sei dahingestellt.

  • Es ist so viel "einfacher", das auf die Molwanier zu schieben oder Religion X oder Y oder sonstwen, der "anders" wäre. Und die Bild-Meute verdeckt so die täglichen wirklichen Probleme unseres Lands.

    Es ist so viel klüger, auf die Zahlen zu schauen. Und so provokativ der Satz war, er ist ja leider wahr. Gekränkte Ex-Partner, Partner, das Umfeld: das ist das Risiko für Frauen, aus welchem Hintergrund auch immer.

  • Ist es wirklich eine gute Idee, das Problem "Ich habe Angst, dass mein Partner mich umbringt!" und das Problem "Mein Partner ist ein fauler und selbstgefälliger Sack!" in einem Artikel zu verrühren?

  • Also finde ich das als Mann gelesen schon etwas zu einfach. Klar gibt es sehr viele Menschen, die sich als Mann lesen, die A*Löcher sind. Die Keine sind fallen vielleicht nur nicht so auf, weil sie eben keine sind, und ich behaupte dass es davon sehr viele gibt. Meine Erfahrung ist, dass es egal wie gelesen, nur zwei Kategorien Mensch gibt. A*Löcher und Nicht-A*löcher, und die sind bei allen Geschlechtern zu finden.

  • "Frauen räumen ihren Partnern häufig nicht nur deren liegen gelassene Socken hinterher, sondern auch deren Gefühle, um die sie sich nicht kümmern, Konflikte, denen sie aus dem Weg gehen. Weil die Männer keinen Bock auf „Stress“ haben"

    Meine bescheidene Meinung dazu:

    Es sind in Beziehungen doch meistens Frauen, die die Ansprüche festlegen - etwa was als ordentliche Wohnung gilt, welche Besorgungen zu erledigen sind oder wie und wann soziale Kontakte gepflegt werden etc.

    Der "Mental Load" der Frauen ist doch häufig selbstgewähltes Elend.

  • Ich finde, es ist die "gute" alte Männlichkeit, die logischerweise an Männern klebt. Der "Mann" ist ja erst mal ein biologisch-soziales Konstrukt. Ich erlebe in meinem Beruf leider immer und immer wieder hilflos, wie kleine Kinder "männlich" oder "weiblich" gemacht werden. Das macht mich traurig und wütend. Männlichkeit ist schlicht mit einigen echt toxischen Attributen verbunden, also kann man den Tatsachen einfach ins Auge sehen: Deformationen erzeugen Verhalten, für das man erst Verantwortung übernehmen und dann Alternativen finden muss. Daher wäre mein Traum, die Deformationen genau so ins Visier zu nehmen wie die Ergebnisse.

  • Es erscheint mir so, als gäbe es von beiden politischen Seiten "Lieblingsgruppen", die man guten Gewissens pauschal verurteilen darf bzw einen Generalverdacht aussprechen darf. Auf der rechten Seite z.B. Migranten, Nordafrikaner, Muslime und Bürgergeldempfänger, auf der linken Seite (alte weiße) Männer, Israelis, Unternehmer und "die Fossillobby" und von beiden Seiten die "Generation Z"...

    • @ImNetz:

      Jene Fossil-Lobby ist nur leider echt und tötet damit täglich indirekt Leben, saugt Milliarden auf Kosten anderer - hier in der taz und anderswo gut belegt, lesen Sie es bitte gerne nach.



      Über 'GenZ' wäre es mir nicht aufgefallen.



      Weniger Schublade hilft wohl in der Tat, manchmal stimmt eine auch mal.

  • Ich kann dazu nur sagen: Ich habe dieses Art zu diskutieren langsam satt und die hundert Artikel und Kommentare zur Frage, ob der Mann an sich ein Ungeheuer sind, tragen sicher nicht dazu bei, mich damit weiter auseinandersetzen zu wollen. Und, nur, um das mal zu bemerken:



    "Peglow spricht von Statistiken – und die sprechen nun mal nicht für die Männer. Wer das nicht aushält, ist selbst Teil des Problems."



    Wenn man das so banal runterbricht, sprechen die Statistiken auch nicht für schwarze Menschen in Amerika oder Migrant*innen in Deutschland. Das man diese vulgäre, oberflächliche Statistikanalyse mit Zähnen und Klauen bekämpft, wenn es um diese Gruppen geht, aber beim Thema "Männer" plötzlich immer wieder hervorholt, provoziert bei mir nur ein Kopfschütteln. Wenn man wirklich daran interessiert ist, die Situation zu verbessern, muss man mit dem Mikroskop hinschauen und nicht mit den Scheuklappen.

    Ich werde jedenfalls nicht anfangen, mich für etwas zu schämen, was ich nicht beeinflussen kann - genausowenig wie es Schwarze in Amerika oder Migrant*innen in Deutschland sollten.

    • @Agarack:

      Manche Sachen sind schwer/nicht zu ändernder Zufall: Mann, Schwarz, Molwanienhintergrund, Pass X, Familienverhältnisse Y, Erbschaft Z, der genetische Anteil von Intelligenz, Gesundheit, ...

      Das kann privilegierend oder nicht privilegierend ausfallen.

      Für Zufall kann mensch nichts, weder so noch so. Ideal beeinflusst das weder positiv noch negativ Einschätzungen.



      Höchstens in dem Sinne: "X hat sich trotz ... durchgebissen, vielleicht wird sie/er auch dies sich energischer aneignen"

      Schämen sollte sich also höchstens, wer da stehen bliebe und auf Privilegien unreflektiert beharrte. "Ich muss doch als Mann ein höheres Gehalt haben, ich muss ja doch auch die Familie ernähren", solche Sätze habe ich tatsächlich mal gehört. Oder vom Professorensohn: "Es muss doch auch jemand als Müllmann arbeiten, es kann doch nicht jeder studieren" (nein, nicht er selbst war gemeint).

    • @Agarack:

      Exakt DAS! Danke für den Kommentar, dann muss ICH ihn nicht schreiben...

  • Recht hat er.

  • " ... – und die sprechen nun mal nicht für die Männer."

    Oder für die w/m/d die "solche" Menschen als Partner wählen. Nicht alles im Leben unterliegt unserer Kontrolle, aber ich bin der Ansicht, in der Partnerwahl sind reflektierte w/m/d relativ frei (Menschen, die zwangsverheiratet werden, nehme ich aus). Sich bei der Partnerwahl ausschließlich von Gefühlen oder Hormonen leiten zu lassen, ist meiner Meinung nach keine gute Idee. Gefühle und Hormone mögen für nicht-ernsthafte Beziehungen ausreichen, für ernsthafte und auf Dauer angelegte Beziehungen meiner Einschätzung nach nicht.

    Und selbstverständlich müssen sich w/m/d besonders die Menschen gut anschauen, mit denen sie Kinder haben möchten.

  • Ohne die Aussage von Hr. Peglow inhaltlich bewerten zu wollen, sei zitiert, was er in der Bildzeitung als Rechtfertigung sagte: „Meine Aussage war erkennbar zugespitzt formuliert. Sie war nicht als wörtlicher Rat gemeint.“ Von einem deutschen Kriminalbeamten erwarte ich, besonders in sensiblen Bereichen, erkennbar präzises Agieren in Wort und Tat. Wenn er meint, etwas verbal zuspitzen zu müssen, dann muss er (und alle anderen) mit zugespitzten Reaktionen rechnen.



    Der Hang und Drang zu den Medien scheint auch vor einem Kriminalbeamten nicht halt zu machen. Wenn ihm dieses Thema tatsächlich so ein Herzensanliegen ist, dann hat der „erkennbar zugespitzte“ Debattenbeitrag seinen Zweck erreicht, weil er danach gleich nochmal in mehreren Medien, „Bild“ stand nicht allein, die Gelegenheit bekam, sich dazu zu äußern.



    Darüber hinaus scheinen mir Statistiken nur sehr bedingt als Argumentationshilfen geeignet, da sie schnell missverständlich sein können, zumal im falschen Kontext. Oder vulgo: Ich traue nur den Statistiken, die ich selbst gefälscht habe.

    • @Vigoleis:

      Wenn die Statistik nicht das zeigt, was Sie gern glauben möchten, dann stellen Sie die Statistik in Frage? Das nennt sich Realitätsverweigerung.

    • @Vigoleis:

      Wie erfrischend anders, interessant, einmal auch etwas anderes zu lesen. Denn ich erwarte von einem Herrn "Kriminal" nämlich genau das; was und wie er es sagte. 👍

  • Die Zahlen von PKS und TVBZ werden relativiert, aber hier wird verallgemeinert. Genau mein Humor.

  • Ich glaube (oder hoffe) schon, dass unter denen, die am Lautesten "aber nicht alle Männer" schreien, auch solche sind, die ehrlich empört sind über die Unterstellung, sie selbst könnten ihrer Partnerin so etwas antun. Ich habe auch lange gebraucht, um zu verstehen, wie ernst die Lage ist und wie viele meiner Mit-Männer eine wirklich befremdliche Einstellung zu Frauen haben. Wie viele Männer es wirklich gibt, die keine Empathie für Frauen entwickeln und Frauen quasi für eine andere Spezies halten.

    Viele Sprüche, die ich mir früher mit "sollte wohl ein Witz sein" erklärt habe, waren wohl leider ernst gemeint. Übergriffe, die ich für Einzelfälle hielt, weil ich selber nur vereinzelt Zeuge davon wurde, sind in Wirklichkeit der Alltag jeder Frau, überall. Und gerade, wenn man(n) selber im Traum nicht auf die Idee kommen würde, so etwas zu tun, ist es eine kognitiv völlig normale Reaktion, sich die Sache schön zu reden. Und ebenso normal ist es, Aussagen auf sich selbst zu beziehen, die gar nicht so gemeint sind. Geduld und Aufklärung bleiben wichtig, um all die "guten" Männer, die es einfach noch nicht gecheckt haben, zu erreichen.

    • @Milchtrinker:

      Da bin ich, selbstverständlich ordne ich Ihre Aussage auch ein wenig ein, vollkommen bei Ihnen.

    • @Milchtrinker:

      Das mit der Empörung und der Überzeugung selbst nicht zu den Tätern zu gehören, ist so eine Sache.



      Die Herrschaft von Männern über Frauen ist eine strukturelle und wird von ideologischen Staatsapparaten tief in die Individuen eingeschrieben. Persönliche Überzeugung ist also nicht wirklich ein verlässlicher Indikator.

    • @Milchtrinker:

      In erster Linie ist mal festzuhalten, dass -zumindest mal hier- niemand "schreit", sondern das schlicht einer Pauschalisierung nicht homogener Bevölkerungsgruppen widersprochen wird. Die ist nämlich komplett themenunabhängig immer die Grundlage für jegliche Ressentiments.



      Man kann sich des Problems absolu bewußt sein, Strukturen ablehnen, die das begünstigen, sich nicht persönlich angesprochen fühlen und trotzdem eindeutig ausnahmslose Zuschreibungen wie "jede Frau, überall" und "jeder Mann" ablehnen.



      Einerseits wird immer die Vielfältigkeit von Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe, Religion und Lebensweise betont, andererseits fordert man ein, dass doch mal alle "checken" sollen, dass mit Pauschlisierung nach Geschlecht eigentlich nicht alle, aber doch irgendwie alle gemeint sind.



      Und Drittens frag ich mich bei deratigen Meinungen immer, ob wirklich geglaubt wird, dass Männer und Frauen in Beziehung/Freundschaft/Umfeld nicht auch über solche Themen sprechen würden, dass Männer nicht auch eigenes Verhalten reflektieren würden.



      Ich halte es nämlich für ziemlich fragwürdig, ob man mit radikal-pauschalen Parolen wirklich etwas Postives und nicht eher ablehnde Abwehrhaltung erreicht.

      • @Deep South:

        Das war jetzt klassische Meinungslenkung durch Meinungsfreiheit. 😆👍

  • Es ist nicht das was, es ist das wie darüber gesprochen wird. Kein Mann, außer er ist vielleicht aus der rechten Ecke, wird abstreiten, dass Männer ein Risiko für Frauen sein können. Ich kann aber nicht auf der einen Seite Männer beschimpfen und beleidigen, und auf der anderen Seite fordern, dass wir Männer Frauen unterstützen. So funktioniert das meiner Meinung nach nicht. Das muss anders gelöst werden.

    • @renegade5555:

      Wer beleidigt und beschimpft denn? Und: wer fühlt sich eigentlich beleidigt, und von wem?

  • Tja, das Leben ist ein Babyhemdchen: Kurz und beschissen.



    Mit Partner ist es scheiße, und ohne Partner auch :-)

    • @sollndas:

      Im Babyhemdchen fängt das Problem an:



      Viele Männer haben das Bedürfnis, von der Frau verhätschelt zu werden wie ein Baby und sie dennoch zu beherrschen wie ein Pascha.



      Ein Leserbriefschreiber hat vor Jahrzehnten mal geschrieben: "Wir Männer müssen begreifen, dass unsere Frauen nicht unsere Mütter sind."

      • @aujau:

        "Viele Männer haben das Bedürfnis, von der Frau verhätschelt zu werden wie ein Baby und sie dennoch zu beherrschen wie ein Pascha."

        Vielleicht ist das so. Ich erlebe eher, dass sich jede/r w/m/d es gerne angenehm hat und sich zeitweise verwöhnen lassen möchte, aber ebenso das Bedürfnis spürt, sich und seine Bedürfnisse durchzusetzen. Ist aus meiner Sicht in Ordnung. Ich kann nur empfehlen: Auslosen. :-)

        Mein Mann und ich ziehen öfter Lose. Mal geht es nach dem Kopf des einen, mal nach dem Kopf des anderen.

      • @aujau:

        Das ist lustig, ist der Versorger und Beschützer doch genauso Vaterfigur wie die Hinterherräumerin Mutterfigur.



        Vielleicht sollten alle mal ein wenig erwachsener werden und sich was auf Augenhöhe suchen.

      • @aujau:

        Und viele Frauen haben das Bedürfnis, ihre Männer zu bemuttern, auch wenn dieselben schon längst erwachsen sind. Was von letzteren nicht immer geschätzt wird :-)



        Sorry, für eine gelungene Partnerschaft gibt es keine Garantie. Das müssen die Beteiligten immer unter sich selbst aushandeln.

    • @sollndas:

      Life is short and then you die.

  • Scene 1



    Auf der Terasse eines SB-Cafés. Ein älteres Ehepaar kommt. Er setzt sich, die holde Gattin nimmt seine Wünsche entgegen und bringt das beladene Tablett. Ich bleibe - meine wissenschaftliche Neugier ist geweckt. Am Ende sammelte die Ehefrau das Geschirr ein und bringt das Tablett zurück. Er bleibt sitzen, bis sie wieder am Tisch steht. Am liebsten würde ich rüber gehen und ihn zusammenstauchen. Aber das wäre ja auch männliche Gewalt.

    Scene 2



    SPSS-Kursus (Statistik) an der Uni. Ich richte eine Abfrage an die Datenbank. Ergebnis: Männer mit Ehefrau werden älter als Männer ohne eine solche.



    Frauen ohne Ehemann werden älter als Frauen mit Ehemann.



    Das war vor 40 Jahren. Heute, mit der Doppelbelastung der Frauen, sehen die Zahlen vermutlich noch düsterer für die Frauen aus.



    Ist das eine Form der Gewalt von Männern gegenüber ihren Frauen?

    Wie die Situation in der jüngeren Altersgruppe ausschaut, vermag ich (im Moment) nicht zu sagen. Am hellen Nachmittag werden die Terrassen halt überwiegend von älteren Menschen frequentiert.

    • @Il_Leopardo:

      Es gibt den wunderbaren Satz: Ich helfe meiner Dame in den Mantel. Dies ist eine Art Vertrag, dass meine Dame mir in den Mantel hilft, wenn ich es selbst nicht mehr kann.

      Ein Ehemann, vor Dekaden selbst ü70, und eben noch ein Kavalier der alten Schule.

      • @Altbayer:

        Top! 👍

    • @Il_Leopardo:

      "Männer mit Ehefrau werden älter als Männer ohne eine solche. Frauen ohne Ehemann werden älter als Frauen mit Ehemann."

      Mir persönlich ist die Zeit mit meinem Ehemann das ggf. kürzere Leben wert, auch wenn ich öfter Salat essen und Sport machen "muss". ;-)

      • @*Sabine*:

        Sie dürfen Ihre Ehe getrost weiterführen.



        Ich schreibe hier von Statistiken.



        Komisch, dass hier so viele nervös bis gereizt darauf reagieren.

    • @Il_Leopardo:

      Männer mit Ehefrau sind größer und wohlhabender als ohne eine solche. Man wird nicht nur gesünder, man wächst sogar noch und das Geld fällt von den Bäumen. Sapperlot, was Frauen alles schaffen.

      • @swordeli:

        Das liegt vermutlich daran, dass "Mutti" Sie ständig ermahnt, gerade zu gehen. Und es gibt nicht so häufig Dosenfraß. wie bei ledigen Männern. Und was das Geld angeht, "Mutti" verwaltet das Einkommen und wirtschaftet einfach besser. Das ist dann Ihr erwähnter "Das-Geld-fällt-von-den-Bäumen-Effekt".

    • @Il_Leopardo:

      Szene 1:



      Unter Umständen sehen Sie nicht, ob es einen gesundheitlichen Grund für das Verhalten gibt.



      Ich hatte im letzten Jahr ein Knieproblem. Meine Frau hat mir vieles abgenommen. Wenn ich langsam lief, musste ich nicht humpeln.



      Ich befürchte, manche hielten das für Paschaverhalten.



      Kann natürlich auch sein, dass Sie die Szene völlig richtig eingeschätzt haben.

      Szene 2:



      Ist die Frage, welche Daten Sie hatten.



      Da Frauen im Durchschnitt älter werden als Männer, haben Sie möglicherweise die Witwen bei den Frauen ohne Ehemänner dringehabt. Die würden aber die Statistik verzerren.



      (Ich schätze, der Unterschied zwischen einer Korrelation und einem Kausalzusammenhang ist Ihnen ohnehin bewusst.)

      • @rero:

        Danke!

      • @rero:

        Ich sitze dort bei gutem Wetter dreimal pro Woche. Immer das gleiche Bild. Glauben Sie mir, die haben nicht alle Knieprobleme.



        Das war damals eine große Datenbank. Selbstverständlich wurde zwischen verheirateten und verwitweten Frauen differenziert.



        Aber Sie erinnern mich daran, dass mal darüber nachzudenken, ob verwitwete Frauen länger leben als diejenigen, die sich um ihre Männer kümmern mussten.



        Des weiteren erinnere ich mich an eine Stunde über irische Nonnen, die allesamt uralt wurden. 8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Gebet und 8 Stunden Nachtruhe. Keine Männer, wenig Unterleibserkrankungen, eine gesunde Kost etc.

    • @Il_Leopardo:

      Frauen werden älter als Männer.

      • @Winnetaz:

        Studien in Klöstern wo Mönche und Nonnen unter gleichen Bedingungen leben haben gezeigt, dass es keine Unterschiede in der Lebenserwartung gibt. Männer sterben früher weil sie gefährlichere Berufe und Hobbies haben sowie öfter Opfer von Gewaltverbrechen und Kriegen sind.

        • @Šarru-kīnu:

          Wir haben in diesem Land seit 80 Jahren keine Kriege mehr. Das mit den gefährlichen Hobbies und Berufen sind doch vernachlässigbare Zahlen.



          Sie wollen einfach nicht wahrhaben, was längst die Vögel von den Dächern rufen: Die Frauen reiben sich in den Ehen auf - die Männer lassen es sich gutgehen.

      • @Winnetaz:

        Das stimmt zwar. Aber es geht um die Frage, ob verheiratete Frauen länger leben als ledige Frauen.

        • @Il_Leopardo:

          "Frauen ohne Ehemann werden älter als Frauen mit Ehemann."

          Was denn jetzt? Ohne Ehemann oder ledig? Ohne Ehemann schließt Witwen ein. Und damit ist die Kausalität andersrum: Die Frauen, die sehr alt werden, sind häufig verwitwet.

  • In einer Sache geb ich der Autorin aber natürlich recht: Körperliche Gewalt von Männern ist und bleibt ein Problem. Das kann man nicht weg diskutieren. Aber man kann es erklären! Kurzer Mansplaining-Biologie-Exkurs:



    Personen mit XY-Chromosomen (oft gelesen als "Männer") haben im Schnitt 10-20x mehr Testosteron als Frauen. Testosteron fördert primär Dominanzstreben, nicht direkt Aggression. Die kommt ins Spiel, wenn dieser Anspruch bedroht wird – zum Beispiel im Wettbewerb um Fortpflanzungszugang. Mehr Muskelmasse, mehr Aggressionspotenzial – über Jahrtausende selektiert: Jagd, Säbelzahntiger, harter Alltag. War mal evolutionär nützlich. Heute gefährdet das Frauen und macht die Welt kaputt. Lässt sich aber nicht von heute auf morgen ändern – außer vielleicht durch flächendeckende Zwangskastration.

    Wichtig: Das erklärt Tendenzen in der Gesamtpopulation, nicht das Verhalten jedes einzelnen Mannes. Was sich verändern lässt: Sozialisation, Männlichkeitsnormen, Jungs beibringen mit Gefühlen umzugehen. Biologie ist schwer veränderbar. Kultur schon.

    Leute: We're all in this together! Wir kriegen das - wenn überhaupt - nur zusammen hin.

    • @HandMueller:

      Dafür muss man aber auch wollen. Und genau das sehe ich eher nur bei einer Minderheit der Männer.

    • @HandMueller:

      Kein Beitrag zu diesem Thema in dem nicht wenigstens ein Kommentator die Testosteron - Karte zieht.

      Ihre Darstellung hinsichtlich männlicher Aggressivität gegenüber Frauen auf Testosteron zurückzuführen sind wissenschaftlich nicht haltbar. Wie verträgt sich ihre Theorie damit das ein höherer Testosteronspiegel bei Frauen zu einer Verringerung der Aggressivität führt?

      Es gibt zahlreiche Faktoren die aufzeigen warum Männer eher zu Gewalt tendieren als Frauen.

      Einige Erkenntnisse liefern die Neurowissenschaften hinsichtlich der Hirnstrukturen sowie die Sozialwissenschaften in Bezug auf soziale Normen. Biologische Prozesse bilden lediglich eine Komponente in diesem Zusammenspiel, erklären aber noch lange nicht "Tendenzen in der Gesamtpopulation".

      Wird aber gerne herangezogen die Theorie, besonders von Männern "kann man nichts machen, wir sind halt so", ist ein bewährtes Schema. Erklärt nur nichts und entschuldigt erst recht nichts.

  • Viele Frauen haben ja selbst zufällig noch irgendeinen Mann zuhause rumstehen und können sich daher selbst ein Bild machen. Tatsächlich ist wohl nicht alles von Genen und Hormonen vorbestimmt, aber es stimmt schon, als schwuler Mann darf ich es sagen: Es ist wie beim Airfryer, mit dem Auspacken fangen die Probleme erst richtig an.

    • @hedele:

      Um in Deinem Bild zu bleiben: "AEG - Auspacken - Einpacken - Gutschrift" - kannst Du auf den Airfryer, aber auch auf den zuhause "herumstehenden" Mann verwenden.



      Nein, Scherz beiseite: Ich war über den Satz des BDK-Vertreters mehr als erstaunt, aber er hat schon sehr viel Bezug zur Wirklichkeit und ist deshalb nicht falsch.

    • @hedele:

      Was haben sie gegen Airfryer, die sind günstig, sparen Strom und schneller geht's meistens auch noch.

  • Hm, wenn aufgrund der Polizei Statistik pauschal gegen Ausländer gehetzt wird wird das zurecht stark kritisiert. Wenn aufgrund der Polizei Statistik pauschal über Männer geurteilt wird ist es anscheinend witzig und richtig. Na ja, ich bin halt männlich und deshalb Teil des Problems, da ich Menschen weder nach Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung oder sonstwas beurteile oder vorverurteile, sondern nur danach wie er oder sie sich anderen gegenüber verhält. Schöne neue Welt.

    • @Müller Christian:

      Vielleicht hat das einfach etwas damit zu tun, dass Männer sich - und das stimmt leider in weiten Teilen - diesem Diskurs nicht stellen. Sie reagieren tendenziell beleidigt und abwehrend, immer nach dem Motto " ich bin ja nicht so ein Typ und will mit Gewalttätern nicht in einen Topf geworfen werden", aber sie haben auch kaum Lust, über typisch männliches Alltagsgehabe (Körpersprache), Verhalten von Männern innerhalb rein männlicher Gruppen, typische Sprüche/ Witze, wenn man unter sich ist, sexistische Bemerkungen anderer Männer, zu denen man dann nichts sagt, etc. etc. zu reflektieren.



      Viele Männer wollen einfach nicht wahrhaben, dass sie natürlich auch vom Patriarchat geprägt sind und damit in ihrer Menschlichkeit unter Umständen reduziert.



      Es ist da inzwischen eine unglaubliche Schieflage zwischen den Geschlechtern eingetreten, wenn es darum geht, sich den Problemen im Geschlechterverhältnis zu widmen und sich selbst dabei zu hinterfragen.

      • @cazzimma:

        Welche pauschal kriminalisierte Gruppe reagiert denn nicht empört?

        Sich dem Diskurs zu entziehen ist eben sehr leicht wenn der Ankläger auf moralisch/rechtlich extrem dünnen Eis agiert....

        viele Frauen wollen auch nicht wahrhaben dass sie natürlich auch vom Patriarchat geprägt sind.

        "Es ist da inzwischen eine unglaubliche Schieflage zwischen den Geschlechtern eingetreten, wenn es darum geht, sich den Problemen im Geschlechterverhältnis zu widmen und sich selbst dabei zu hinterfragen." Das war nie anders...

  • Die Struktur des Patriachats - gelebt von allen Geschlechtern, Klassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit als Ursache näher zu betrachten kommt bei der Betrachtung von statistischen Zahlen, Göttin sei Dank, nicht in Frage. Es darf einfach sein...

  • In dem Interview ging es ausdrücklich um schwere körperliche Gewalt. Nicht um Traumata, die unglückliche Beziehungen auslösen können (vermutlich auch bei Männern), nicht um unfair verteilte Hausarbeit und sonst allerlei Misslichkeiten, die es beim Zusammenleben von Männern und Frauen geben kann. Ich finde es schade, dass das ernste Thema häusliche, oft tödliche Gewalt in diesem Kommentar banalisiert wird. Ich bin Peglow dankbar, dass er mit seiner sarkastischen Warnung, die sich bestimmt nicht auf hinterhergetragene Socken bezog, Menschen wachgerüttelt hat, die sich über das zu Grunde liegende Problem bisher wenig Gedanken gemacht haben dürften.

    • @Malnachdenken:

      Gute, sachliche Analyse. Danke!