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Grüne und Linke nach Mercosur-AbstimmungBrandmauer für An­fän­ge­r*in­nen

Tobias Schulze

Kommentar von

Tobias Schulze

Vielleicht haben Grüne und Linke im EU-Parlament nur aus Versehen mit der AfD gestimmt. Die Folgen für die Zukunft der Brandmauer sind trotzdem enorm.

Äußert sich zerknirscht über das Abstimmungs-Debakel zum Mercosur-Abkommen im Europaparlament: die Grünen-Abgeordnete Anna Cavazzini Foto: Martin Bertrand/picture allance

F ür Grüne und Linke ist das eine neue Erfahrung. Für gewöhnlich bringen Brandmauer-Debatten nur das Mitte-Rechts-Lager ins Hadern – durch die größere inhaltliche Nähe zur AfD sind Union und FDP schließlich viel häufiger versucht, mit den Rechten zu stimmen. Das Abstimmungs-Debakel zum Mercosur-Abkommen im Europaparlament bietet nun zur Abwechslung dem linken Lager die Gelegenheit, sich Zweck und Funktionsweise der Brandmauer zu vergegenwärtigen. Offenbar ist das auch dringend nötig.

Das zeigt sich an Erklärungsversuchen wie dem der Grünen-Abgeordneten Anna Cavazzini. Sie äußert sich zerknirscht, legt aber gleichzeitig Wert darauf, dass die enorm heterogene Parlamentsmehrheit zu Mercosur – inklusive deutschen Grünen, Linken und der AfD – ein Zufallsergebnis gewesen sei. Keine „strukturierte Zusammenarbeit“, anders als bei „Konservativen mit den Rechtsextremen“ vor ein paar Monaten an gleicher Stelle zum Lieferkettengesetzen.

Das kann gut sein. Allerdings ist der Unterschied irrelevant. Tatsächlich gibt es verschiedene Formen der Kooperation zwischen AfD und demokratischen Parteien. Die direkteste und seltenste Variante ist die Zustimmung zu Anträgen der AfD oder gemeinsam vereinbarte Mehrheiten. Knapp unter diesem Level bewegt sich das, was Friedrich Merz vor einem Jahr im Bundestag mit seinen Abschiebe-Anträgen gemacht hat: Er griff AfD-Inhalte auf, verpackte sie in eigene Anträge und brachte sie zur Abstimmung – wohl wissend, dass sie nur mit AfD-Stimmen eine Mehrheit finden würden.

Bei Mercosur ließen sich Grüne und Linke zwar nicht inhaltlich von der AfD treiben. Beide Seiten kamen aus gegensätzlichen Motiven zu einer einheitlichen Position. Mit etwas Wohlwollen kann man Cavazzini und anderen auch abnehmen, dass sie nicht damit kalkuliert haben, ihren Antrag nur dank AfD-Stimmen durchzubekommen. Mit acht Fraktionen und ohne Fraktionszwang ist das EU-Parlament so unübersichtlich, dass Fahrlässigkeit zumindest plausibel erscheint.

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Doch für die Folgen des Abstimmungsverhaltens spielt das keine Rolle. Ein zentraler Sinn der Brandmauer ist es, die AfD nicht zum Machtfaktor in Parlamenten werden zu lassen. Schlimm genug, dass es der Partei seit Jahren gelingt, den Diskurs zu verschieben und ihren Wäh­le­r*in­nen dadurch glaubhaft zu vermitteln, einen Unterschied zu machen. Die De­mo­kra­t*in­nen sollten ihr nicht auch noch die Möglichkeit schenken, Abstimmungen direkt zu entscheiden – völlig egal, ob es um Abschiebungen im Bundestag, Freihandel im EU-Parlament oder den Abhol-Kalender der Müllabfuhr im Stadtrat geht.

Selbst eine vermeintlich harmlose Abstimmung kann eine Kettenreaktion auslösen. In einem Papier aus dem Jahr 2025 unterschieden Politikwissenschaftler um Wolfgang Schroeder ebenfalls zwischen unterschiedlichen Formen der Kooperation mit der AfD und entsprechend zwischen Brandmauern erster und zweiter Ordnung. Beide hängen ihnen zufolge jedoch eng zusammen: „Metaphorisch gesehen stehen beide Brandmauern hintereinander – wird die erste Mauer durchbrochen, ist es daraufhin einfacher, auch die zweite Mauer zu durchbrechen.“

Nun ist es unwahrscheinlich, dass Grüne und Linke im zweiten Schritt gemeinsam mit der AfD weitere Verschärfungen des Asylrechts durchboxen werden. Auf die Zukunft der Brandmauer bei CDU und CSU kann sich die Mercosur-Abstimmung vom Mittwoch aber durchaus auswirken.

Den deutschen Konservativen muss man bei allen Ausreißern zugutehalten: In der weit überwiegenden Zahl der Fälle verzichten sie bislang auf gemeinsame Abstimmung mit der AfD und damit auf taktische Vorteile und die Durchsetzung eigener Positionen. Diese noch einigermaßen stabile Haltung könnte die Union jetzt verstärkt infrage stellen: Warum sollte sie weiterhin auf Mehrheiten verzichten, wenn die Gegenseite bei der ersten Gelegenheit die Stimmen der AfD mitnimmt? Verbunden womöglich mit dem Verdacht: Geht es den Mitte-Links-Parteien mit ihren Brandmauer-Predigten gar nicht so sehr um den Schutz des demokratischen Systems – sondern viel mehr um den eigenen Vorteil gegenüber den demokratischen Mitbewerbern?

Es ist daher richtig, dass die grünen EU-Abgeordneten nach Kritik aus den eigenen Reihen Besserung geloben. Tatsächlich ginge es ja selbst im unübersichtlichen EU-Parlament anders: Vor Abstimmungen systematisch Gespräche mit allen De­mo­kra­t*in­nen führen, Stimmen durchzählen, und, wenn eine Mehrheit ohne Rechtsextreme nicht sicher ist, eigene Anträge zur Not zurückziehen, statt zur Abstimmung zu stellen. Das ist mühsam und unbefriedigend, aber so funktioniert die Brandmauer. Im Mitte-Rechts-Lager weiß man das längst.

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Tobias Schulze
Parlamentskorrespondent
Geboren 1988, arbeitet seit 2013 für die taz. Schreibt als Parlamentskorrespondent unter anderem über die Grünen, deutsche Außenpolitik und militärische Themen. Leitete zuvor das Inlandsressort.
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149 Kommentare

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  • Irgendwie haben die Parlamentsgrünen den Schuss nicht gehört, der in Davos insbesondere vom kanadischen MP Carney abgeschossen wurde: Die Zeiten haben sich geändert und der Kuschelkurs, der auch von ihren ehemaligen 'Koalitionspartnern' CDU und/oder SPD praktiziert wird, das 'weiter so' in einer neuen brutalen Realität funktioniert einfach nicht mehr in einem sich selbst zerstörenden brutalen, Demokratie-verachtenden globalen Wirtschaftskrieg, den niemand mehr gewinnen kann und alle verlieren, wenn -immer weniger- Reichere weiter die Klima-verändernde Überflußproduktion, die sinnlos Rohstoffe hergibt, vergeblich am Laufen halten wollen. Die Mercorsur-Staaten sind eigentlich reich genug, wenn es gelingt, die Bevölkerung nachhaltig und ohne verzichtbaren technologischen Schnickschnack zu versorgen. Solche Abkommen -von den Eliten hier wie dort verabredet- vergrößern auch in Südamerika weiter die Kluft zwischen arm und reich und erhöhen auch hierzulande den Druck auf Erzeuger, die eh' schon unter dem Kartell von LIDL, Aldi & Co in die Selbstausbeutung getrieben werden. Grüne, Klima und globalisierte Ökonomie, das ist ein Trauerspiel und hat mit 'links' auch gar nichts mehr zu tun.

  • In Konsequenz bedeutet strikte parlamentarische (!) Brandmauerpolitik den Zwang zum Schulderschluss zwischen ökologischen und linken Kräften mit der rechts/konservativen und Rechts/liberalen 'Mitte'.



    Genau das ist es allerdings, was der starken Drift nach Rechts eine weitere Beschleunigung und Fixierung beschert.



    Derweil ist (erneut) unter Deutschem Kanzler ein Bündnis mit dem faschistisch regierte Italien eingegngen worden.



    Aus dem Olivgrünen Lager ist Kritik kaum zu vernehmen, was nicht verwundern sollte, eröffnet sich doch so das weitere Aufwachsen des europäischen Militarismus und weiterer Hochrüstung gegen die 'feindlichen Blöcke'.



    Fehlt noch Japan, dann ist das Trio wieder komplett, während in den Parlamenten seitens der 'Mitte' noch ne Weile 'Brandmauer' geheuchelt wird ...

  • Es freut mich, dass es in der taz möglich ist,



    einen kritischen Artikel über das Verhalten der Linken und Grünen zu veröffentlichen.



    Die Kritik ist - erwartungsgemäß - verhalten.



    Da der Begriff "instinktlos" ein Zitat zur Wahl zur falschen Zeit ist, hoffe ich, dass der Begriff diesmal nicht zensiert wird.



    Neben der klar ausgeführten Kritik, sendet die Abstimmung klare Signale:



    - Europa ist zerstrittenen



    -die EU ist unzuverlässig



    - Demokratie hat abgewirtschaftet



    - Linke und Grüne sind Bremser



    -Linke und Grüne sind entweder schwach in Mathe oder schwach in Diplomatie.



    Ich hoffe, man/frau lernt nie aus...

    • @Philippo1000:

      Versteh ich nicht, die härteste Kritik der taz ist immer an den Grünen. Da kommt sogar Dauergrinser Dobrindt geschonter weg.

  • Die Brandmauer ist dazu da eine sonst längst vorhandene konservative Mehrheit zu verhindern und Grün als Machtoption für beide Lager zu erhalten. Grüne und Linke selbst können also gar nicht dagegen verstoßen. Ich verstehe die Aufregung hier gar nicht.

  • Grüne und Linke haben hier alles richtig gemacht, hier nicht abzustimmen, nur weil die rechten das schon getan haben, wäre ein einknicken vor eben diesen gewesen und man hätte nicht für seine eignenen Überzeugungen eingetsnaden. Das sehe ich übrigens bei allen Abstimmungen die mit den rechten zusammen stattfinden so. Wenn man sein Abstimmungsverhalten von denen abhängig macht und nicht nach Überzeugung abstimmt, dann hat man schon verloren.

  • Man kann zur Unumstößlichkeit der Brandmauer in allen möglichen Fällen sicher unterschiedliche Ansichten haben. An vielen Stellen sicher richtig, manchhmal aber auch ein gutes mittel für die Rechten, die demokratischen Parteien vor sich herzutreiben und gegeneinander auszuspielen. Kann und muss man vielleicht diskutieren.



    Was aber gar nicht geht, ist die unerträgliche Heuchelei und die windigen Ausreden, mit der man versucht, das im eigenen Lager zu zurechtfertigen, für was mit dem man Andere aufs Schärfste kritisiert.



    Dieser Mangel an Konsistenz, an Ehrlichkeit und Selbstreflexion mach Politik unglaubwürdig. Im Ernstfall ist das Hemd dann doch näher als die Hose. Und das merken die Menschen.

  • Ich versuche mal ein persönliches Fazit aus dieser Diskussion:

    1. Die Brandmauer ist an sich eine fragliche Strategie, insbesondere wenn sie das zentrale oder sogar einzige strategische Mittel zur Bekämpfung der AfD sein soll. Das liegt nicht zuletzt daran, dass dadurch die Freiheit der Abgeordneten für oder gegen das zu stimmen, was sie für sinnvoll halten, noch weiter eingeschränkt wird, als sie es eh schon ist. Außerdem gibt es Abgrenzungsschwierigkeiten, wo genau "Kooperation" mit der AfD beginnt - und offenbar ist die Brandmauer gar nicht auf allen Ebenen einzuhalten.

    2. Andererseits funktioniert das EP anders als der Bundestag. Erstens viel geringere Fraktionsdisziplin. Zweitens keine nationalen Themen - keine nationale Politik.



    Von daher halte ich die Parallelsetzung der Abstimmung im EP mit Abstimmungen im Bundestag für sachlich falsch - ohne damit sagen zu wollen, dass diese hier diskutierte Abstimmung dadurch völlig unproblematisch wäre.

    Unterm Strich brauchen wir m.E. um mit der AfD fertig zu werden einen grundsätzlichen Politikwechsel mit viel mehr "power to the people" und weniger taktischen (Macht-)Spielchen.



    Gilt auch für GRÜNE und LINKE.

  • Ich persönlich finde das Vorgehen von den Grünen und Linken gut.



    Sie sind für ihre Ziele eingestanden und haben entsprechend gestimmt. Das sollte unabhängig davon bleiben,ob die AFD oder andere Rechte entsprechend zustimmen.



    Die Brandmauer führt auf Dauer zu Stillstand, wenn jedesmal taktiert werden muss, ob ein Gesetz nur wegen der AFD durchgewunken wird.



    Vielleicht geht es jetzt mal wieder voran und es wird Politik mit Verstand gemacht und ohne Blockanden mit Veweis auf eine Brandmauer.



    Die AFD wird viel mehr verlieren, wenn unsere Bürger wieder vertrauen in die etablierten Parteien haben und diese ihre Bedürfnisse und Erwartungen erfüllen.



    Die Frage ist und bleibt, was ist schlimmer - werden Themen wegen der AFD aus Prinzip blockiert oder geht es voran, evtl. auch mit deren Zustimmung... wenn die SPD und CDU vernünftige Politik betreiben, dann braucht es deren Zustimmung nicht, die Mehrheit ist vorhanden. Und für den Rest kann auch die restliche Opposition zustimmen, Wenn es gut ist und Deutschland voranbringen kann, braucht man ja nicht dagegen stimmen nur um in die Brandmauer Diskussion zu gelangen...

    • @MatB1012:

      Aber nicht rumnölen, wenn es demnächst heißt, die Union habe "für ihre Ziele eingestanden und [...] entsprechend gestimmt.". Und gemeinsam mit der AfD Mehrheiten jenseits der Brandmauer verwirklicht.

      • @Kaboom:

        Momentan wird die Politik der Union durch die Brandmauer stark eingeschränkt, in dem andere Parteien diese bewusst ausnutzen.



        Eine gute Zusammenarbeit in der Regierung die zu Erfolg im Sinne der Bevölkerung führt, macht eine AfD überflüssig… momentan geht es eher am Volk vorbei…. Wen wundert es, dass anders gewählt wird?

  • "Es ist daher richtig, dass die grünen EU-Abgeordneten nach Kritik aus den eigenen Reihen Besserung geloben."



    Auch hier der Vollständigkeit halber: Wer keine Besserung gelobt hat, sondern es wohl - verstehe ich die Stellungnahme richtig - genau so wieder machen würde, ist die Linkspartei dielinke-europa.eu...igentlichen-sache/

  • "Keine „strukturierte Zusammenarbeit“, anders als bei „Konservativen mit den Rechtsextremen“ vor ein paar Monaten an gleicher Stelle zum Lieferkettengesetzen."



    Es ist halt immer was anderes, wenn ein anderer dasselbe macht.



    Aber ja, ich sehe hier eher Naivität als Konspiration.



    Was es nicht unbedingt soviel besser macht.

    • @Encantado:

      Naivität wäre noch schlimmer. Das bedeutet dass Grüne und Linke Personal aufstellen, das nicht die Konsequenzen ihres Handelns durchdringen kann. Das würde die Parteien aus meiner Sicht unwählbar machen.



      Darum nehme ich wohlwollend an, dass man ganz bewusst die Stimmen von Rechtsaußen in Kauf genommen hat.

      • @MK:

        "Naivität wäre noch schlimmer."



        Ich wollte Wörter wie Dummheit oder so vermeiden... ob das jetzt schlimmer wäre als strategische Bösartigkeit, bin ich mir allerdings nicht so sicher.



        "Darum nehme ich wohlwollend an..."



        Es fällt mir bei unseren Politnasen zunehmend schwerer, so etwas wie Wohlwollen zustandezubringen.

  • Die Grünen – unterstützt von vielen hier im Forum – verzichten bislang darauf, einen simplen Fehler einzugestehen: den Antrag trotz unklarer Mehrheitsverhältnisse überhaupt zur Abstimmung gestellt zu haben. Genau dieses Wegducken ist das eigentliche Problem.

    Denn so bestätigen sie unfreiwillig das AfD-Narrativ, wonach die Brandmauer nie ein Instrument der Selbstbegrenzung war, sondern ein Machtmittel: eigene Interessen werden durchgesetzt, während anderen dieselbe Praxis als moralischer Sündenfall ausgelegt wird. Wer bei sich selbst Zufall und Komplexität gelten lässt, bei politischen Gegnern aber Prinzipienbruch diagnostiziert, zerstört die Glaubwürdigkeit der Regel.

    Damit wird die Brandmauer nicht zur Gefahrenabwehr, sondern zum Brandbeschleuniger. Sie erscheint nicht mehr als Schutz der Demokratie, sondern als Begründung eines Repräsentationsdefizits, das immer größere Wählergruppen in ein angeblich „nicht-demokratisches Lager“ treibt.

    Indem sie den Antrag trotz ungewisser Mehrheiten gestellt haben, wirken sie weniger wie eine Schutzinstanz gegen Extremismus, sondern eher wie ein Akteur, der Wählerwillen bewusst ignoriert.

    Die AfD klatscht Beifall.

    • @Moralapostbote:

      Die Grünen haben das eingestanden.

      taz.de/EU-Abstimmu...Abkommen/!6148028/

      Das Schönreden passiert exklusiv hier im Forum.

      • @Kaboom:

        Ah okay, dann nehme ich das in Bezug auf die Grünen zurück.

  • Was hier ausgeführt wird ist irrelevant. Der ganze Aufschrei verdeckt die faktischen Probleme, die Mercosur mit sich bringt. Warum wird darüber nicht diskutiert?

  • Vor allem haben die Grünen im Europaparlament gezeigt, wie viel sie von Wirtschaft verstehen, nämlich nichts. Bei der derzeitigen Weltlage wäre es klug, neue Verbündete und auch neue Absatzmärkte zu suchen und nicht mit den bei uns gültigen Moral- und Wertvorstellungen in der Welt hausieren zu gehen.

  • Wenn eine linke Partei nicht mit heiligem Eifer predigt, dann kann man in solchen Fällen auch großzügig sein. So frage ich mich dann immer, welche von den angeblich unumstößlichen Glaubenssätzen denn noch nichts als dreiste Lügen sind...

    Das sind meiner Meinung nach die die wichtigsten Sätze des Artikels:

    "Schlimm genug, dass es der Partei seit Jahren gelingt, den Diskurs zu verschieben und ihren Wäh­le­r*in­nen dadurch glaubhaft zu vermitteln, einen Unterschied zu machen."

    Mach die AfD denn keinen Unterschied?

    "Geht es den Mitte-Links-Parteien mit ihren Brandmauer-Predigten gar nicht so sehr um den Schutz des demokratischen Systems – sondern viel mehr um den eigenen Vorteil gegenüber den demokratischen Mitbewerbern?"

    Ach was?! Wer hätte das gedacht. Natürlich geht es (auch) darum, mit der Brandmauer konservative Politik als faschistisch zu brandmarken und somit eine Politik rechts der SPD zu verhindern.

  • Man stimmt nicht angesichts der bekannten Positionen der AfD u.a. Rechtspopulisten und Rechtsextremen zum Mercosurabkommen "aus Versehen" mit diesen zusammen. Das war bekannt und zuvor sogar (bei den DE-Grünen) mit der Parteiführung angesprochen worden.

  • Mehr Import von billigem Fleisch aus Südamerika für mehr Autoverkauf nach Südamerika? Da habe ich aus Gründen von Tierwohl, Gesundheit und Klima meine Probleme das zu befürworten. Wohlstandssicherung durch mehr Autoverkauf dorthin und dafür billiges Fleisch hier her? Zwar ist vor allem die Autoindustrie der Wirtschafts-motor,aber kann Deutschland nicht effizienter ,billiger Autos produzieren? Sorry,aber VW -Mitarbeiter verdienten schon immer überdurchschnittlich und haben eine starke Lobby. Die "Brandmauer " wird immer mal wieder getestet,in Ostdeutschland ist schon alltäglich das AFD und andere Parteien,selbst Grüne,BWS und Linke manchmal etwas gemeinsam abstimmen. Ich würde da keinen Aufschrei von machen,immerhin ist die AFD demokratisch gewählt. Einen Aufschrei sollte es eher geben,wenn CDU, SPD ,oder Grüne eine Regierung mit AFD machen würden

  • Ich verstehen die ganze Brandmauerdiskussion nicht. Die AFD wird bei jeder Abstimmung eine der beiden Seiten einnehmen. Wollen wir jetzt jedes mal die Parteien brandmarken, auf deren Seite sich die AFD stellt? Wie soll man das verhindern? Gegen die eigene Überzeugung stimmen?

    Übrigens haben zusammengenommen auch knapp 80 Konservative und Sozialdemokraten dem Antrag zugestimmt bei einem nur knappen Abstimmungsergebnis mit 10 Stimmen Vorteil.

    Aus dem Artikel: "... Ein zentraler Sinn der Brandmauer ist es, die AfD nicht zum Machtfaktor in Parlamenten werden zu lassen..."



    --> Das ist Wunschdenken! SIE IST ein Machtfaktor. Sie ist in der Lage, jede Abstimmung entscheidend zu beeinflussen. Und bei jeder Abstimmung wird die eine oder andere Seite zwangsläufig unfreiwillig zum Komplizen der AFD gemacht. Außerdem liegt die Macht der AFD darin, von wichtigen politischen Diskussionen abzulenken. Hier geht es gar nicht mehr um die Sache selbst, sondern nur noch um die AFD. Es gibt kaum Artikel darüber, die bemerken, dass eine rechtliche Überprüfung des Abkommens sinnvoll ist, damit Standards eingehalten werden und das ganze Konzept nicht am Ende gerichtlich gekippt werden kann.

    • @Sisone:

      Diese Messlatte haben halt die Grünen gesetzt.

      • @DiMa:

        Ja, das stimmt. Und auch bekennender Grünenwähler halte ich das für falsch.

    • @Sisone:

      Besonders kompliziert ist die Brandmauer eigentlich gar nicht, trotzdem wird sie erstaunlich oft missverstanden. Es geht eben nicht darum, dass die Demokraten zwangsläufig immer gegenteilig wie die AfD abstimmen sollen. Wenn richtigerweise gefordert wird, dass die AfD nicht zu einem Machtfaktor in den Parlamenten werden soll, bedeutet das ihre Stimmen durch die Achtung und Berücksichtigung demokratischer Mehrheiten zu 'neutralisieren'. Wenn es also unter den demokratischen Parteien eine Mehrheit gibt ist es völlig egal ob die AfD dafür oder dagegen stimmt. Wenn es diese demokratische Mehrheit nicht gibt und die Entscheidung nur(!) durch die Unterstützung der Rechtsextremen zustande kommen würde, ihre Stimmen also wirksam würden, dann sollten auch jene demokratische Minderheit die dafür wäre ihre Hand nicht heben.

      • @Ingo Bernable:

        "Wenn es diese demokratische Mehrheit nicht gibt (...) dann sollten auch jene demokratische Minderheit die dafür wäre ihre Hand nicht heben." Und wenn es die demokratische Mehrheit für ein demokratisches Anliegen nicht gibt, dann kommt die Spieltheorie ins Spiel. Alles gar nicht so kompliziert.

      • @Ingo Bernable:

        Dieses Missverständnis der Brandmauer haben doch die Grünen geschaffen.

        Die CDU lehnt im Zusammenhang mit der "Brandmauer" die Zusammenarbeit und Koalitionen mit der AFD ab. Eine nicht abgesprochene Abstimmungsentscheidung bei Einzelfragen ist davon nicht betroffen.

        Erst die Grünen (und teile anderer Parteien) verstehen darunter auch den Ausschluss eines jeden Abstimmungsverhaltens, wenn nur hierdurch der jeweilige Antrag durchgeht. Das halte ich für höchst problematisch, den es sorgt für eine Selbstbeschränkung der Parteien.

        Da sich jetzt die Grünen selbst nicht daran halten, ist die Frage, wie die Parteien zukünftig mit der Brandmauer umgehen werden.

    • @Sisone:

      Bei der Brandmauer geht darum, dass man eigene Anträge nicht nur durch ddie Hilfe der Rechtsextremisten durchbringt. entweder man bringt den Antrag mit anderen Demokraten durch, sodass es egal ist, wie die AfD abstimmt. Oder man lässt den Antrag.

      Gemeinsam einen Antrag ablehnen geht.

      • @R R:

        "...entweder man bringt den Antrag mit anderen Demokraten durch, sodass es egal ist, wie die AfD abstimmt. Oder man lässt den Antrag..."

        Das bedeutet aber eben auch, dass Linke und Grüne nur noch Anträge einbringen dürften, die sicher die Zustimmung der CDU/CSU/SPD bekommen; und umgekehrt. Und zusätzlich sicher die Ablehnung der AFD.

        Damit wäre dann jedes Parlament gelähmt, weil das fast nie der Fall ist. Und die AFD gewinnt.

  • Man muss den gleichen Maßstab anlegen wie vor einem Jahr mit der CDU! Somit ist jede Kritik an Grüne und Linke berechtigt. Alles andere wäre Doppelmoral

    • @Marcelo:

      Sie haben vollkommen Recht. Wie groß war die Empörungd als EVP zusammen mit den Rechten gegen das Lieferketten Gesetz gestimmt hatten und wird bei Mersosur alles relativiert

      • @Stephan Heibges:

        Es geht ja noch weiter, Jetzt rudern Leute wie Frau Dröge zurück und wollen Mercosur schonmal.in Gang setzen, bevor das Gericht entschieden hat. Bedeutet das nicht das Parlament zu übergehen? Wozu braucht man es noch? Oder ist das Parlament dann überhaupt noch nötig? Man könnte sagen wer das Parlament nicht beachtet gefährdet die Demokratie.



        Ich habe mir den ,, schwarzen Kanal " von Frau Blüchel und Herrn Fleischhauer angehört. Wenn es wirklich stimmt das die Leute nach Dr Abstimmung einen großen Sieg gefeiert haben , dann hat man den Bruch nicht einmal bemerkt.

  • Schade, dass sich der Artikel mit einem Nebenkriegsschauplatz begnügt.

    Worum es bei dem Antrag ging, wird leider nicht erwähnt.

    Die EU kennt zwei Arten von Handelsverträgen.

    1. einfache Verträge, die regeln nur die Bedingen für Handel. Sie werden beschlossen vom EU-Parlament und dem europäischen Rat, also der Versammlung der Regierungschefs der EU-Mitgliedsstaaten.



    2.gemischte Verträge, hier werden auch andere Themen jenseits von Handel geregelt.

    Bei gemischten Verträgen müssen auch nationalen Parlamente abstimmen.



    Und hier liegt die eigentliche Ursache für den Antrag der Grünen/Linken.



    Die EU-Kommission hat das Mercosur-Abkommen, ein gemischtes Abkommen, in zwei Teile aufgespalten.

    Einen Teil, für den Handel, für das EU-Parlament und den europäischen Rat, der andere Teil, für andere Themen, für die nationalen Parlamente.

    Ob die Kommission das darf, weis keiner. Das ist der Kern des Problems.



    Die Kommission hebelt mit einem Verfahrenstrick die nationalen Parlamente aus.

    Bleibt die Frage, was ist wichtiger, ein rechtlich korrektes Verfahren oder die Brandmauer.



    Ich bin für rechtlich korrekte Verfahren.

    • @Gegenklang:

      Wer von den EU-Grünen hat denn so argumentiert? Handelspolitik liegt doch unstrittig in der Verantwortung der EU. Wenn die nationalen Parlamente hier ein Vetorecht hätten, dann wäre das das Ende des Mercosur-Abkommens. Wollen die Grünen das? Ich habe Gegenteiliges gehört.



      Dazu kommt, wenn man diesen Vorwurf an die Kommission, sie würde hier die nationalen Parlamente übergehen, als "Hauptkriegsschauplatz" ansieht, dann verschwindet auf einmal der Dissens mit der AfD, denn dass sich die EU zu viele Kompetenzen anmaßt, ist ja seit jeher ein zentrales Thema der AfD. Die Grünen hätten somit also tatsächlich gemeinsam mit der AfD abgestimmt, und nicht aus gegensätzlichen Positionen.



      Insgesamt mäandert die Zustimmung zum Abstimmungsverhalten der Grünen zwischen gegensätzlichen Polen: erstens das Abkommen ist schlecht, und muss daher abgelehnt werden. Zweitens, das Abkommen ist gut, daher muss auf Rechtssicherheit geachtet werden, damit es später nicht zu Fall gebracht werden kann. Wo die EU-Grünen stehen, ist mir auch nach Lektüre der Statements von Cavazzini und Marquardt nicht klar.

    • @Gegenklang:

      Danke! Es ist eine sehr deutsche Debatte mit sehr viel Nabelschau, die zudem ausgerechnet von Jürgen Trittin (auf X) mit ausgelöst wurde. die FASZ fabuliert sogar von grünen "Trumpisten" im EP! In Frankreich, Italien oder auch in Spanien hält sich die Empörung hingegen in Grenzen, da ist man eher über die deutsche Hegemonie in der EU besorgt.

      • @Gerhard Dilger:

        Nur der Aspekt Brandmauer ist eine deutsche Debatte. In Schweden beispielsweise ist die Bestürzung über die Verzögerung der Mercosur-Ratifizierung sehr groß. Die Angst vor Trump (Grönland) und Putin (Ukraine) ist in den skandinavischen Ländern generell viel ausgeprägter als bei uns. Es gibt da kaum Dissens zwischen den Parteien. In Schweden wünscht man sich in der aktuellen Weltlage eine starke EU, möchte nicht Spielball von Trump, Putin und Xi werden. Der Ausgang der Abstimmung wird als ein falsches Signal gesehen.

    • @Gegenklang:

      Danke für die Klarstellung bzw. Erklärung hier und im Kommentar weiter unten.

      Ist in der Tat ein wichtiger Punkt, dass es nicht um die rechtliche Prüfung des Abkommens an sich geht.

    • @Gegenklang:

      ... und deshalb ist es natürlich voll okay, wenn links-grün mit blauen gemeinsam abstimmt.

    • @Gegenklang:

      Endlich wird die Sache mal inhaltlich beleuchtet. - (So auch schon weiter unten von @ke1ner mit dem Link zu Greenpeace, auf den auch @ES direkt unter Ihnen Bezug nimmt.)

      Ich möchte zustimmen, insbesondere auch Ihren letzten beiden Sätzen. Und auch dem Kommentator deutlich weiter unten, der die m.E. sehr berechtigte Frage aufwirft, was man eigentlich mit der Brandmauer in einem Parlament will, in dem es eh keinen Fraktionszwang gibt und wo oft wild durcheinander abgestimmt wird.

    • @Gegenklang:

      Guter Beitrag

    • @Gegenklang:

      Das kann man so sehen, wie Sie und danke für die Auflistung der Standpunkte.

      Aber darf ich daran erinneren, welche Empörung auch bei den Grünen oder hier im Forum ausgebrochen war, als die AfD im Bundestag mit der CDU gestimmt hat? Und wie man der Partei und Merz jegliche moralische Autorität abgesprochen hatte und manche drüber raunten, diese Abstimmung diene der der Vorbereitung einer künftigen Zusammenarbeit von CDU und AfD?

      Und dann stimmen die Grünen mit der AfD, in einem Fall, wo das Abstimmungsergebnis weitaus größere Folgen hat als beim CDU-Antrag.

      Dieselbe Grüne Partei, die in Rheinland-Pfalz gerade die Unterstützung eines AfD-Verbots zur Bedingung einer Regierungspartei gemacht hat.

      Dieselbe Grüne Partei, die von vielen Menschen im Land immer noch als die Partei des "erhobenen Zeigefingers" wahrgenommen wird.

      Das sollte man nicht völlig unter den Tisch fallen lassen, denn ein Grund für die Geringschätzung der "politischen Klasse" ist die durch solche "Wendungen" immer wieder befördert wird.

      Von der auch bei den Grünen längst etablierten hemmungslosen Jagd nach lukrativen Posten bzw. "Anschlussverwendungen" (A. Baerbock) ganz zu schweigen.

      • @ PeWi:

        Ich stimme Ihnen vollkommen zu

  • Mercosur-Freihandelsabkommen, das grünt nicht nur zur Sommerzeit ...



    Was da in über 25 Jahren ausgehandelt worden ist, entpuppt sich nicht nur als Machwerk, an dessen Rechtmäßigkeit erhebliche Zweifel aufkommen, sondern vor allem als Vertagswerk, dass jedem grünen Politikverständnis einfach zuwiderläuft.



    Greenpeace benennnt folgende Punkte:



    - Import von Billigfleisch und dadurch Begünstigung von Brandrodungen, sowie Förderung von Fleischproduktion in den Vertragsstaaten



    - Export von Pestiziden durch die Chemiegiganten



    - Ausbremsung der Mobilitätswende



    - Verhinderung der Agrarwende durch Festlegung auf Monokulturen und genveränderte "Hochleistungspflanzen"



    - Begünstigung einer reaktionären, neokolonialen Wirtschaftsentwicklung, die im Wesentlichen die Importabhängigkeit gewährleistet und eine eigenständige Entwicklung verhindert



    -Der Vertrag beinhaltet nichts zu Arbeit, Umwelt und Menschenrechten



    Einfach unverständlich, wie sich die Grüne Partei dieses Abkommen als ihr Erfolg an die eigene Brust heften kann.



    Unglaublich auch, denjenigen, die Vorbehalte gegen eine Befürwortung bei der Abstimmung hatten, ein "Hand in Hand mit Rechtsradikalen" vorzuwerfen.

    • @Eckart Schirrmacher:

      Danke. Sachbezogen. Mercosur ist eine Katastrophe und die versuchte Vorbeimogelei typisch.

  • Lasst doch die afd in Ruhe die 3x die sie sinnvoll abstimmen

    Was wollt ihr tun wenn afd mal etwas sinnvolles tut?aus trotz das Gegenteil?

    • @Todesfister:

      Gilt das dann auch für die CDU, darf die dann auch Anträge stellen, auch wenn die AfD zustimmen könnte? Alles andere wäre Doppelmoral

      • @Walterismus:

        Ja, darf sie.

  • Nach den nächsten -wenn es so weiter geht, nach den übernächsten - Landtagswahlen im Osten ist die Brandmauer Geschichte. Dann geht das große Weinen los, so wie beim ersten Mal zweistellig im Osten, so wie bei Trumps erster Wahl, so wie bei der letzten Wahl in Italien, so wie bei Trumps zweiter Wahl.... immer der große Weltuntergang.

    • @Otto Mohl:

      „Wehre den Anfängen!“ … geht auf das lateinische „Principiis obsta“ des römischen Dichters Ovid in seiner Schrift Remedia amoris (Heilmittel gegen die Liebe) zurück.

      de.wikipedia.org/w...3%BCgelter_Worte/W

    • @Otto Mohl:

      Die Kritiker des grün-linken Abstimmungsverhaltens im Europarlament sollten sich überlegen, WAS genau sie eigentlich kritisieren wollen: a) das vermeintliche Schleifen der Brandmauer gegen Rechts durch die politische Linke oder b) eine fundierte inhaltliche Begründung abliefern, WARUM es in der Sache falsch war, das Mercosur-Abkommen abzuschmettern. Dafür, Mercosur aus linker Sicht die Absolution zu erteilen, sehe ich tatsächlich KEINE guten Gründe.



      Von daher erledigt sich auch der Vorwurf, Linke und Grüne hätten hier irgendwelche Brandmauern eingerissen, an die sich Konservative ohnehin nie zu halten gedachten.



      Möglicherweise fürchtet man sich auf bürgerlicher Seite auch nur vor weitergehenden politischen Kooperationen zwischen Grünen und Linken - denn wer weiß: vielleicht gelingt es denen eines schönen Tages, doch mal wieder politische Mehrheiten jenseits des perspektivlosen CDU/SPD-Gewurschtels zu organisieren.

      • @Abdurchdiemitte:

        Die Brandmauer führt dazu, dass sich keine konservative Mehrheit finden lässt - trotz konservativer Mehrheit bei den letzten beiden Wahlen. Daher halten Grüne und die SPD die Brandmauer hoch. Inhaltliche Argumente lassen sie nicht gelten - selbst bei unpolitischen Themen darf die CDU keine AFD Stimmen nutzen, sonst erlebt man einen großen Aufschrei. Die CDU hätte längst eine Minderheitsregierung unter Duldung der AFD machen können - daher halt ich Ihren Vorwurf, die wollen sich eh nicht dran halten, als recht dünn. Die CDU hält sich an die Brandmauer, was ihr selbst schadet. Aber wehe, es gibt ein Thema, bei denen Grün und AFD auf einer Linie sind. Dann soll das alles nicht mehr gelten, sondern es kommt auf den Inhalt an? Daher gehen a) und b) fehl. Es ist die Doppelmoral und der klare politische Nutzen. Und die Antwort lautet im Übrigen c). In einer Welt in der die EU von ihrem wichtigsten Handelspartner mit Zöllen überzogen wird, braucht es neue Handelspartner. Ansonsten können wir uns viele Sozialleistungen bald nicht mehr leisten. Daher war es falsch Mercosur zu verhindern.

        • @Strolch:

          Ich teile Ihre Meinung vollständig.

  • In Sachen Plausibilität ist im Verständnis vieler Anhänger:innen grüner Politik der Partei in dieser Kardinalfrage der Begriff Pragmatismus aus (Staats-/Partei-)Räson offensichtlich ein Fremdwort.



    Auf der Zielgeraden werden bei Kontexten mit weitreichenden Folgen für unser Land vergleichsweise immer noch zu häufig Fehler gemacht, die dann auch interne Kommunikationsschwächen offenlegen und bei der Reparatur weitere produzieren.



    Der Nachhall als Imageschaden ist evident.

  • Ich muss scrollen. Wie vehement und vernichtend waren eigentlich meine Kommentare, als Merz und seine Unionsfraktion damals im Bundestag die Brandmauer zur AfD eingerissen haben?



    Aber wie war das noch mit den schärfsten Kritikern der Elche? Und ich persönlich könnte mich als parteiungebundener Linker noch billig vom Acker machen.



    Die Performance von Linken und Grünen zur Mercosur-Abstimmung im Europaparlament war sicherlich alles andere als optimal, aber man sollte auch nicht mehr daraus machen als es war.



    Bei Merz & Konsorten geht es dagegen weniger um Kritik an punktuellen inhaltlichen Übereinstimmungen mit der AfD - in der Kommunalpolitik lässt sich das Brandmauer-Konzept ohnehin nicht durchhalten -, sondern um die der fehlenden ideologischen Abgrenzung des politischen Konservatismus zum Rechtsextremismus. Allein um dieses Kriterium sollte es gehen, wenn man Konservative und Neoliberale für eine Zusammenarbeit mit Faschisten kritisieren will. Linken und Grünen ist diese ideologische Nähe wohl kaum zu unterstellen.



    Und schließlich: vielleicht sollte man Feuer mit Feuer bekämpfen statt ständig wackelige Brandmauern zu errichten, was den Umgang mit der AfD betrifft.

    • @Abdurchdiemitte:

      "... die der fehlenden ideologischen Abgrenzung des politischen Konservatismus zum Rechtsextremismus."



      Mit Verlaub: das ist nun wirklich blanker Unsinn. Leute wie Höcke und seine Schnellrodaer Einflüsterer berufen sich auf die antidemokratischen Protagonisten der sog. "Konservativen Revolution", Moeller van den Bruck, Schmitt, Jünger, Spengler, Niekisch etc. Davon werden Sie bei CDU/CSU nichts finden. Letztere vertritt nun eine eindeutig härtere Haltung in der Migrationspolitik als Linksgrün, ist aber von den Remigrationsforderungen eines Sellner und seines AfD-Anhangs nun wirklich meilenweit entfernt.



      Im übrigen geht es beim regelmäßigen Beschwören der Brandmauer seitens Grüne und Linkspartei mitnichten nur um die gemeinsame Abstimmung von CDU/CSU und AfD im Herbst vergangenen Jahres, sondern ganz grundsätzlich um das Abstimmungsverhalten. Allein schon die Zustimmung der AfD zu Anträgen von CDU/CSU gleich welchen Inhalts gilt da ja schon als massivster Verstoß gegen die guten demokratischen Sitten. DAS ist der Maßstab, an dem sich eben auch Grüne und Linke messen lassen müssen. Aber es ist schon erstaunlich, wieviele hier im Forum plötzlich inhaltlich argumentieren.

  • Input (Studien) aus der Wissenschaft, der gegen das Abfeiern von Mercosur durch die Medien und die Grünen spricht.

    Kaum gab es ein wenig Gegenwind (Brandmauer!), knickten die EU-Grünen ein und kasteiten siich selbst. Dabei sind die Gründe, die Diskurs, dass Wissenschaftsnetz aus Österreich, gegen Mercosur benennt, vielfach und stark. Link unten.

    Warum also das vollkommene Ignorieren der starken wissenschaftliche Gründe, die gegen Mercosur sprechen in den Leitmedien und das Zünden einer Nebelkerzendiskussion zur angeblichen Brandmauer in der EU, die für die BRD wichtig sein mag, aber in der EU kaum eine Rolle spielt?

    www.diskurs-wissen...mappe_20.10.25.pdf

    SWR-Reportage Schnellstraße durch den Regenwald

    www.swr.de/swrkult...026-01-13-100.html

    Die geplante Schnellstraße führt durch Waldgebiete, die das Amazonasgebiet schützen, weil sie eine Barriere für die Abholzung darstellen. Es droht ein ökologischer Zusammenbruch sowie aufgrund unbekannter Viren neue Pandemien, die einem globalen Bioterrorangriff gleichkommen.

  • Wenn man seinen eigenen moralischen Anspruch an der Brandmauer orientiert, dann muss man sich auch daran messen lassen. Dieses gilt für die Grünen und die Linke.

    Auf Kommunalebene ist dies schon häufiger passiert, nun auch bei einer wichtigen Abstimmung im Europa-Parlament.

    Ob die Wähler diese "moralische Rosinenpickerei" auch so entspannt sehen wie die Grünen/Linke? Ich vermute, dass die Wähler bei Wortbruch und Unaufrichtigkeit mehr als nur "not happy" sind.

  • Es ist schon erstaunlich, dass die Grünen Abgeordneten nun aus dem gesamten politischen Spektrum, inklusive des eigenen Lagers, Prügel dafür beziehen das Abkommen gerichtlich überprüfen zu lassen, was unter rechtsstaatlichen Bedingungen ja nun wirklich kein völlig außergewöhnlicher Vorgang ist. Eine breitere Auseinandersetzung über die inhaltlichen Bedenken und Kritikpunkte aber findet scheinbar nirgends statt.



    Wozu braucht es ein EU-Parlament wenn die allgemeine Erwartung zu sein scheint, dass dessen Aufgabe lediglich darin bestehen soll die Entscheidungen der Kommission einfach nur abzunicken? Und wie kann es eigentlich sein, dass man so eine Abstimmung nach 25 Jahren Verhandlung offenbar ansetzt ohne vorher mal mit den Fraktionen Rücksprache zu halten ob sie das mittragen würden oder ob sie noch Bedenken und man keine Mehrheit hat?

    • @Ingo Bernable:

      Eine Rücksprache der EU-Grünen mit der Grünen-Spitze hat es gegeben. Nur werden die eigentlichen Gründe der EU-Grünen (vermutlich die Kritik von Greenpeace und Co) geheimgehalten, nachdem die Brandmauerdiskussion aufflammte. Dann erst zogen die EU-Grünen zurück versteckten sich aber hinter angeblich unsicheren EU-Rechtsstandards.



      Dieses Einknicken der EU-Grünen vor den eigenen ökologischen und menschenrechtlichen Standards (siehe Entwaldung der Amazonasregion für den Sojaanbau, Bergbau) ist der eigentliche Skandal!

    • @Ingo Bernable:

      Die CDU hat doch erst vor einem Jahr Prügel bezogen, weil ein von ihr eingebrachten Antrag mit den Stimmen der AFD durchging. Alles eigentlich nur eine demokratische Normalie.

      Wesentlicher Kritiker damals: die Grünen. Daher ist es schon verwunderlich, wie leichtfertig jetzt die Grünen mit den Rechten stimmen.

      Die Grünen halten sich halt nicht an die von ihnen selbst gesetzten Standards.

      Worum es in der Sache geht war damals egal, ist es im Ergebnis dann heute auch.

      • @DiMa:

        Offensichtlich haben sie noch nicht so richtig verstanden worum es bei der "Brandmauer" eigentlich geht. Nämlich darum den Rechtsextremen keinen Einfluss auf Gesetzte und Gestaltung der Gesellschaft zuzugestehen. Deshalb war die Absttimmung der Union vor einem Jahr so ein Problem, es wurden Entscheidungen getroffen die NUR durch Kooperation mit der AfD möglich war. Das Problem bestand also nicht darin, dass das Abstimmungsverhalten von Union und AfD identisch war, sondern, dass es keine Mehrheit im demokratischen Spektrum gab. Hätte es die gegeben wäre es völlig egal gewesen ob die AfD dafür oder dagegen stimmt.



        Im aktuellen Fall wurde aber gar keine Entscheidung mit gesellschaftlicher Auswirkung getroffen, denn die angestrebte Veränderung wäre ja die Mercosur-Ratifizierung gewesen, sondern eine Entscheidung für die es keine demokratische Mehrheit gab nicht getroffen.

        • @Ingo Bernable:

          Es wurde über einen Antrag der Linksfraktion im EU-Parlament abgestimmt, das Mercosur-Abkommen vom EuGH überprüfen zu lassen. Und das war schon eine "Veränderung", denn sonst wäre das bereits unterzeichnete Abkommen sogleich in Kraft getreten. Die Mehrheit, die u. a. mit 8 Stimmen der deutschen Grünen-Abgeordneten zustande kam und nicht zustande gekommen wäre, wenn diese 8 Abgeordneten den Antrag abgelehnt hätten, betrug 334 Ja-Stimmen zu 324 Nein-Stimmen. Ohne die 13 AfD-Abgeordneten, die mit "ja" gestimmt haben, wäre die Mehrheit für den Antrag nicht zustande gekommen. Und es war eigentlich schon vorher klar, dass die AfD-Abgeordneten mehrheitlich für die Prüfung des Abkommens durch den EuGH stimmen werden, weil es grundsätzlich auf AfD-Linie liegt, Regelungen der EU abzulehnen, die den Spielraum der Nationalstaaten einschränken. Man kann das Abkommen und seine entdemokratisierende Einschränkung der Gestaltungsmöglichkeiten inländischer Parlamente auch aus linker Sicht mit guten Gründen ablehnen. Aber dieses Abstimmungsverhalten hat der AfD entscheidenden Einfluss auf die Gestaltung der Gesellschaft gegeben und auch nach Ihrem Verständnis der "Brandmauer" selbige durchbrochen.

        • @Ingo Bernable:

          Wie hieß es bei den Römern? quod licet Iovi, non licet bovi.

        • @Ingo Bernable:

          Es gab damals keine "Kooperation mit der AFD". Die Union hat einen Antrag zur Abstimmung gestellt und die anderen haben entweder zugestimmt oder halt nicht.

          Ganz genau das ist jetzt auch auf der Ebene der EU (Mercosur) und vor kurzem in Kiel (ein paar Bäume) passiert. Bei den beiden Abstimmungen gab es auch keine "Mehrheiten im demokratischen Spektrum".

          Die damalige Kritik an der Union war seitens den Grünen nicht inhaltlich, sondern bezog sich im Wesenlichen auf das Abstimmungsverhalten an sich.

          Die Grünen müssen sich an den von Ihnen selbst gesetzten Standards messen lassen.

          Aus meiner Sicht handelt es sich damals wie heute um demokratische Abstimmungen.

      • @DiMa:

        Und was spricht dagegen mit den Falschen das Richtige zu tun?

        • @TOM1976:

          Hat ja schon Herr Merz im Bundestag gesagt: „was richtig ist wird nicht dadurch falsch wenn die Falschen mitstimmen, es bleibt richtig.“



          Sie stimmen daher mit Herrn Merz überein?

        • @TOM1976:

          Das müssen Sie die Grünen fragen. Vermutlich ist das mit dem "Richtig" aber nicht ganz so einfach.

        • @TOM1976:

          Nichts!

          Nur waren es ja die Grünen, die in ihrer Radikalität jede Zusammenarbeit angeprangert haben.

          Daher müssten Sie Ihre Frage an die Grünen richten.

        • @TOM1976:

          Nichts, aber dann darf man es halt eben auch nicht bei dem politischen Gegner kritisieren und den moralischen Zeigefinger heben und das Ende der Demokratie beschwören. Wie bei der CDU Abstimmung am 28.01.25.

          Dieser momentane Skandal gibt es eben nunmal, weil man damals im Dreieck gesprungen ist.



          Damit dürfen Grüne sich nun nichtmehr darüber aufregen, wenn die CDU einen eigenen Antrag durch Mehrheitsbeschaffung der AfD durchbringt.



          Den Antrag ansich können sie dann noch kritisieren, aber das Zustandekommen mit AfD Stimmen nicht mehr.

          Das ist nun der bittere Preis für die Abstimmung. Doppelmoral ist eines der größten Übel in unserer Gesellschaft!

  • 》Geht es den Mitte-Links-Parteien mit ihren Brandmauer-Predigten gar nicht so sehr um den Schutz des demokratischen Systems – sondern viel mehr um den eigenen Vorteil gegenüber den demokratischen Mitbewerbern?《



    .



    Rot-Grün hätte einen Verbotsantrag in Karlsruhe stellen MÜSSEN , als sie ihre Erkenntnismöglichkeiten zur AfD ausgeschöpft hatte - das war am 2.5.25 der Fall taz.de/-AfD-Jugend...bb_message_5131157 , da kann es keinen Ermessensspielraum geben.



    .



    Umweltpolitisch greenpeace.at/hint...-einfach-erklaert/ ist es das Mindeste, Mercusosur wenigstens einer rechtlichen Prüfung zu unterziehen - wenn die Abstimmung nun nur noch unter "Brandmauer" diskutiert wird, sind insbesondere die Grünen inhaltlich entkernt (zu "strukturierter Zusammenarbeit" (oben) Konservativer mit Rechtsradikalen sei an die inhaltlichr erinnert, als der Grüne Habeck 'das ganze Ding mit der Kettensäge (Milei und Musk lassen grüßen!) wegbolzen' wollte www.fr.de/wirtscha...lzen-93336067.html )



    .



    Es glaubt dann niewand mehr, dass es um Inhalte geht.

    • @ke1ner:

      Ins breite Bewusstsein gerückt ist der Begriff Brandmauer ja mit den Massenprotesten gegen rechte 'Remigrationsfantasien', gegen das Potsdamer Geheimtreffen de.wikipedia.org/w...3%96sterreich_2024



      .



      Aber schon da hat Habeck, seinerzeit grüner Vizekanzler und Wirtschaftsminister, die Brandmauer inhaltlich zur Farce gemacht, als er, auch 2024, nach dessen Tod, den Putin-Gegner Nawalny als 》Patriot, der sich für Demokratie und den Rechtsstaat einsetzte und sein Land und die Menschen dort liebte. Mehr als sein eigenes Leben《gewürdigt hat



      .



      www.instagram.com/...ducnk1eTJteDczcg==



      .



      Denn der - heute noch abrufbar! m.youtube.com/watch?v=ICoc2VmGdfw - hatte Vorschläge zur "Remigration", die das Potsdamer Treffen weit übertreffen: als Zahnarzt verkleidet empfiehlt er zur Sanierung eines maroden Gebiss' - Deportation!



      .



      Oder Migranten als Kakerlaken - noch 2017 wollte Nawalny sich von sowas nicht distanzieren www.theguardian.co...mes-come-to-an-end



      .



      Hier "Brandmauer", verabscheuungswürdig, dort vorbildlich, "Patriot"?

  • Lassen wir mal zu, dass es wirklich aus versehen mit der AFD gemeinsam abgestimmt wurde - Dass man diese Falle nicht erkennt - das sagt schon mal viel aus über den IQ! Viel schlimmer finde ich das es die Grünen überhaupt nicht kümmert, wie die Arbeitsplatzsituation in Deutschland ist. Wie kann man in Zeiten von einer Zollpolitik der USA und einer Abhängigkeit von China, das einzige Freihandelsabkommen torpedieren! Es vergeht kein Tag wo die Insolvenzwelle in Deutschland nicht zuschlägt .Gerade in BW wo die Grünen ja den Ministerpräsident stellen, ist diese Frage mittlerweile in den Mittelpunkt geraden, aber die Grünen bleiben isch treu, was interessiert mit das Volk uns wählen eh nur woke Städter. diese Arroganz ist echt unglaublich! Ach ja man hätte das Abkommen 25 Jahre juristisch überprüfen können, das war dann den Grünen doch nicht so wichtig! Es ging nur ums verzögern. Aber es zeigt mal wieder wie schlecht die EU regierbar ist!

    • @Thomas Zwarkat:

      Jaja, die Arbeitsplätze. Was sind dagegen schon Menschenrechte oder die Bewahrung der Lebensgrundlagen - Gedöns!



      Vielleicht kriegen wir ja bald wieder einen großen Krieg - und damit endlich "Vollbeschäftigung". Freuen Sie sich drauf!

      (Lesetipp: "Arbeit ruiniert die Welt" von Günther Moewes)

      • @Eric Manneschmidt:

        Wissen Sie, was bei und nach einem Krieg (den Sie hier herbeifantasieren) von Menschenrechten übrigbleibt und welchen Wert die Bewahrung der Lebensgrundlagen dann noch haben? Können SIe glaube selbst beantworten.



        Wirtschaftliche Interessen können bestenfalls sogar vor Krieg bewahren.

  • Den ersten Satz dieses Artikels finde ich sehr bedenklich: "Vielleicht haben Grüne und Linke im EU-Parlament nur aus Versehen mit der AfD gestimmt."



    Es war allen klar, dass die Rechten gegen Mercusor stimmen. Die Demos der Bauern europaweit waren nun wirklich nicht zu übersehen und die Stimmen aus einschlägigen Kanälen auch nicht.



    Das war genau so ein Versehen von Grün und Links, wie es das von Merz und der Union im Bundestag war.



    Und genau hier liegt der Schaden: "Die Folgen für die Zukunft der Brandmauer sind trotzdem enorm", das stimme ich dem Artikel komplett zu. Denn der moralische Zeigefinger ist nun auf immer verbrannt. Wann immer Grün oder Links sich zukünftig echauffieren wollen, wenn EVP mit Rechten stimmt, können die ins Feld führen: 'ihr habt das genau so gemacht.'



    Gerade von den Grünen wurde immer wieder gefordert, dass man demokratische Mehrheiten suchen müsse, wenn absehbar ist, dass sonst eine Mehrheit nur mit der AfD zu Stande käme. Und jetzt machen sie genau diese Dummheit selbst.



    Völlig unverständlich für mich. Und völlig unnötig.



    Mercusor wird (wahrscheinlich) so oder so kommen. Dafür die Brandmauer abzufackeln war sehr ungeschickt, ein ungleich höherer Preis.

  • was ist noch von einer Demokratie zu halten wenn man seine Meinung nicht mehr vertreten darf nur weil unliebsame Gegenparteien mal gleicher Meinung sind.



    Die Präsens der rechten Parteien ist einfach nicht zu leugnen. Wer nicht in der Lage ist im politischen Alltag damit umzugehen hat den Anschluss an die Realität in der Welt verloren.



    Sich künstlich über die Rechten aufzuregen um dann selbst ihre unsozialen oder demokratiefeindlichen Inhalte zu übernehmen ist wohl um einiges tragischer als seine eigene Meinung mal auch von gegenerischen Parteien bestätigt zu sehen.



    Nach den nächsten Wahlen wird wohl zumindest in einigen Bundesländern und wahrscheinlich auch im Bund ein grosses Augenwischen los gehen.

    • @Conrad:

      "...übernehmen ist wohl um einiges tragischer als seine eigene Meinung mal auch von gegenerischen Parteien bestätigt zu sehen."

      So würden auch Konservative in Bezug auf ausländerrechtliche Verschärfungen argumentieren.

      Strukturelle Zusammenarbeit mit der AfD betreiben ja immer nur die anderen.

    • @Conrad:

      Kann mich da nur anschließen. 👍

    • @Conrad:

      die anderen definieren sich über die AfD

  • Deutlicher kann man kaum noch aufzeigen, wie absurd in einer Demokratie das Konzept einer Brandmauer ist. Wem der Aufstieg der AFD in Rekordzeit zur stärksten Partei Deutschlands trotz der Brandmauer nicht zum Nachdenken gebracht hat, der sollte vielleicht jetzt damit anfangen. Oder möchte jemand ernsthaft behaupten, ohne Brandmauer läge die AFD jetz bei 30%? Und ja. Friedrich Merz hat recht: Der Vorschlag einer demokatischen Partei bleibt demokratisch, auch wenn Nicht-Demokraten zustimmen. Was für eine Farce!

    • @Nachtsonne:

      Man muss sich nur die Entwicklung rechtsradikaler Parteien in anderen europäischen Ländern ansehen, um zu erkennen dass die Brandmauer entgegen der Propaganda von rechts erfolgreich ist.

    • @Nachtsonne:

      Brandmauer bedeutet ja auch nicht, dass man immer anders als die Rechtsextremen stimmen, sondern sicherzustellen, dass Entscheidungen nur mit demokratischer Mehrheit zustande kommen. Wenn es die gibt ist es völlig egal ob die Braunen dafür oder dagegen votieren. Es fordert also niemand, die Ansicht verteidigen zu müssen, dass die Welt eine Scheibe sei, wenn die Rechtsradikalen sie als Kugel beschreiben, sondern lediglich, dass demokratische Entscheidungen auch demokratische Mehrheiten brauchen und nicht nur mit Hilfe von rechts-außen zustande kommen.



      Dass es gegenüber einer Partei die verbal und inhaltlich zunehmend weniger Distanz zum NS hat, die beispielsweise im letzten Bundestagswahlkamp mit einem an eine SS-Parole angelehnten Slogan antrat, eine Brandmauer braucht sollte man angesichts der historischen Erfahrungen als selbstverständlich betrachten. Wenn sie den Versuch solche Leute von der Macht fernzuhalten für undemokratisch und "absurd" halten, sei ihnen dringend die Lektüre eines Geschichtsbuchs angeraten.

      • @Ingo Bernable:

        Um in Ihren Beispiel zu bleiben: Wie verhält es sich, wenn ich überzeugt bin, dass die Welt rund ist, aber alle anderen Parteien außer der AfD der Meinung sind, sie sei eine Scheibe? Darf ich dann einen Antrag einbringen, der besagt die Erde sei rund, auch wenn er nur mit der AfD durchkommt? Ihre Definition der Brandmauer geht meines Erachtens zu weit: Es darf nicht sein, dass eine Partei ihre Anträge nicht einbringen darf, nur weil die Gefahr besteht der Antrag könnte zu Stande kommen ohne Stimmen der anderen Demokraten aber mit denen der AfD. Damit würde sich diese Partei eines großen Teils ihrer Gestaltungsmacht berauben. Brandmauer muss heißen nicht mit der AfD gemeinsam Gesetzesvorhaben auszuarbeiten und Anträge einzubringen; nicht mehr und nicht weniger.

      • @Ingo Bernable:

        "...Brandmauer bedeutet ... sicherzustellen, dass Entscheidungen nur mit demokratischer Mehrheit zustande kommen..."

        Es lässt sich ganz einfach nicht vermeiden, dass bei nahezu jeder Abstimmung die AFD mit Ihrem Stimmenanteil das Zünglein an der Waage spielen kann. Mit Ihrer Logik können nur noch Abstimmungen vorgenommen werden, bei denen sich fast alle aus CDU/SPD/Grüne/Linke einig sind. Wann ist das mal der Fall?

      • @Ingo Bernable:

        Ein Hinweis zur Geschichte für Interessierte. Im Gegensatz zu Weimar sind Konservative heutzutage durch und durch demokratisch. Es besteht also mit SPD, FDP und CDU/CSU eine echte demokratische Mitte. Solange Gesetzesvorlagen aus dieser Mitte kommen, muss man sich um die Demokratie in Deutschland keine Sorgen machen. Wer zustimmt ist dabei bei unerheblich. So funktioniert Demokratie. Ihr Vorschlag ist lediglich der durchsichtige Versuch Konservative in der CDU/CSU daran zu hindern konservative Politik zu machen. Man kann die Geschichte zitieren, wenn man mit ihr vertraut ist, ansonsten ist es eher Whatabouttismus. Viele Wähler springen über die Brandmauer, weil sie sich im Bundestag wg der Brandmauer nicht mehr vertreten fühlen. Aus dem Grund lehnt sich die AFD bis zur nächsten Bundeswahl inhaltlich entspannt zurück - die Brandmauer erledigt den Job bestens. Alice Weidel macht daraus übrigens keinen Hehl.

      • @Ingo Bernable:

        Ja und diese Mehrheit gab es jetzt in dem Fall nicht und man hat trotzdem mit der AfD gestimmt.



        Selbiges hat man bei Merz noch heftigst verurteilt.



        Dieses Urteil können Grüne und Linke so nicht mehr abgeben. Die Brandmauer ist eingerissen.

        • @Walterismus:

          Das würde ich in diesem Fall anders sehen. Es ist eben nicht so, dass hier eine Beschluss nur durch die Stimmen der Rechtsextremen zustande kam. Was zustande kommen sollte war die Ratifizierung des Abkommens, das aber war auf die Stimmen der Grünen angewiesen, die ja nun zweifelsfrei Demokraten sind und man hat es versäumt sie von dem Vorhaben zu überzeugen. Deshalb noch einmal: Kern der Brandmauer ist es demokratische Mehrheiten jenseits der Extremen zu organisieren, nicht immer-anders-als-die-AfD abstimmen zu müssen. Hier wurde aber eben nicht nur durch die Stimmen von rechts-außen gesetzliche oder gesellschaftliche Veränderung herbeigeführt, sondern ein Beschluss der keine demokratische Mehrheit hatte - vorerst - nicht gefasst. Der bisherige status quo gilt also weiterhin und wenn das Abkommen als europarechtskonform bestätigt werden sollte, dürften auch die grünen Abgeordneten ihre Hand dafür heben.

          • @Ingo Bernable:

            "Es ist eben nicht so, dass hier eine Beschluss nur durch die Stimmen der Rechtsextremen zustande kam."

            Das ist inhaltlich schlicht falsch.

            "Was zustande kommen sollte war die Ratifizierung des Abkommens"

            Es ging nicht um die Ratifizierung des Abkommens.

            "Deshalb noch einmal: Kern der Brandmauer ist es demokratische Mehrheiten jenseits der Extremen zu organisieren"

            Richtig. Und nachdem die Grünen keine Mehrheit innerhalb des demokratischen Spektrums organisieren konnten, haben sie sich ihre Mehrheit bei den Braunen gesucht.

            " sondern ein Beschluss der keine demokratische Mehrheit hatte - vorerst - nicht gefasst."

            Nö, es ging schlicht um etwas völlig anderes. Nämlich darum, Mercosur gerichtlich überprüfen zu lassen.

          • @Ingo Bernable:

            Es war ein aktives Abstimmen darüber, ob das Mercosur Abkommen zum EUGH weitergeleitet werden soll oder nicht, auf Antrag eben dieser Grünen. Die Weiterleitung ans EuGh wäre gar nicht passiert, wenn die Grünen dafür nicht den Antrag gestellt hätten und gleichzeitig abgestimmt hätten.

            Sie machen es sich hier zu leicht und drehen sich die Welt, wie Sie ihnen gefällt. Das ist Doppelmoral. Der Beschluss kam nur durch die AfD zustande und das war vorher bekannt.



            Daher ist die Brandmauer nun weg. Wenn die CDU nun Anträge mithilfe der AfD durchbringt, dann kann Sie das machen. Kritisieren kann die Grüne das nun nicht mehr.



            Und das ist der Fall einer Brandmauer!

    • @Nachtsonne:

      Was ist daran Demokratie, immer das Gegenteil der gegnerischen Thesen für wahr zu halten?

  • Seeehr merkwürdig finde ich, daß wirklich alle, alle Kritiker:innen am Abstimmungsverhalten der B'90/Grünen, die ich bisher gehört und gelesen habe, ausschließlich parteipolitisch oder geostrategisch argumentiert. Als hätte der Inhalt des "Mecosur-Abkommens" keinerlei Wert und Bedeutung. Außer für die B'90/Grünen? ... und das auch nur in Europa, und nichtmal bei den Parteigenossen im Bundestag? Die sog. "Realpolitiker" interessieren sich offenbar gar nicht für den Schutz und die Rechte von Natur, Verbrauchern, kleinen Produzenten, usw., ... weder in Europa noch in Südamerika ... was für ein Armutszeugnis!

    • @Selbstauslöser:

      "Brandmauer" bedeutet doch gerade, bei parlamentarischen Abstimmungen auch dann keine auf AfD-Stimmen gestützte Mehrheit herbeizuführen, wenn man das Ergebnis befürwortet, das durch diese Mehrheit zustande kommt.

  • Worum ging es in der Sache? Nicht darum, den Handel einzuschränken, Zölle zu erheben oder dergleichen. Sondern darum, ein Handelabkommen rechtlich überprüfen zu lassen. Das scheint mir nur vernünftig. Freihandel ist ja nicht per se gut oder schlecht, sondern es kommt auf die Rahmenbedingungen an. Wenn die AfD-Abgeordneten mit ihrer Fraktion im EP da jetzt plötzlich für eine rechtliche Kontrolle stimmen, dann sollte man doch stillschweigend drüber grinsen, und eigentlich hätten die Hayekianer in der AfD einen Grund, sich aufzuregen. Aber stattdessen werden wieder ermüdende Mauerrituale gepflegt, und am Ende kann die AfD drüber grinsen.

    • @Kohlrabi:

      Hört sich für mich genauso an, wie die Rechtfertigung von Fritze nach der Zusammenarbeit mit den Braunen im BT.

      • @Kaboom:

        Wieso? Gegensätzlicher könnten die beiden Vorgänge doch kaum sein. Merz hat bewusst ein genuines AfD-Thema (Zuwanderung) aufgegriffen und im sicheren Wissen um die AfD-Zustimmung die anderen Fraktionen damit unter Druck zu setzen versucht. Linke und Grüne im EP haben dagegen ein genuin eigenes Thema (Freihandelsskepsis wegen sozialer und ökologischer Kriterien) zur Geltung gebracht, die AfD war da erst mal egal. Politisch-inhaltlich dürfte das Thema für die AfD durchaus problematisch sein, das gerät bei dem ganzen Brandmauerformalismus völlig aus dem Blickfeld.

        • @Kohlrabi:

          "Merz hat bewusst ein genuines AfD-Thema (Zuwanderung) aufgegriffen"

          Das ist schlicht Unsinn. Zuwanderung ist auch ein Thema bei den Konservativen. Seit Anno Dunnemals, Jahrzehnte bevor es die AfD überhaupt gab.

          "Linke und Grüne im EP haben dagegen ein genuin eigenes Thema [...]"

          Grüne und Linke haben in Kenntnis nicht vorhandener Mehrheiten schlicht exakt dasselbe gemacht wie die Union.

          "Politisch-inhaltlich dürfte das Thema für die AfD durchaus problematisch "

          "Politisch-inhaltlich" ist die Ablehnung internationaler Abkommen bei Nationalisten selbstverständlich keineswegs problematisch, sondern gehört zum Genpool.

          • @Kaboom:

            Sie scheinen zu übersehen, dass die AfD - anders als etwa der RN in Frankreich - eine entschieden marktradikale Partei ist. Es gibt auch Überschneidungen mit der Hayek-Gesellschaft.

    • @Kohlrabi:

      Bei einem Vertrag, für den man 25 Jahre brauchte um sich zu einigen, hatte man nicht die Zeit um ihn zu prüfen ?



      Das in Südamerika nicht nach Europäischen Standards produziert wird ist auch seit 25 Jahren bekannt, zumindest Personen die sich damit befassen, also kann es schon sein das die Parteien ohne jegliche Ahnung hier überrascht waren ....

      • @Günter Witte:

        Nein die Zeit hatte man nicht, denn es ging nicht um das Abkommen, sondern um einen rechtlich problematischen Trick der Kommission, um die nationalen Parlamente von einer Abstimmung auszuschließen.

  • Sie sind schon ein lustiges Völkchen, die Linken und die Grünen. Wenn die jetzt der CDU/CSU nochmal vorwerfen, die Brandmauer zur AfD einzureißen, dann wird's echt peinlich. Zumal es ja noch andere Schnittmengen beider Parteien mit den unsäglichen Rechten gibt, z.B wenn man an die Einstellung zur Wiedereinführung der Wehrpflicht denkt.

    • @Die_Mitte_machts:

      Der Teufel liegt im Detail. Und dort bleibt die Brandmauer wichtig und offensichtlich, dass Konservative mit der extremen Rechten liebäugeln, Linke nicht.

      Unter geht hier, dass Mercosur nur gut scheint, wenn immer noch Wirtschaftswachstum als heiliger Gral gilt. Am Treten auf der Stelle geht dann die Welt zugrunde.

      • @TV:

        Nein liegt er nicht. Das ist Doppelstandard in Reinform um sich irgendwie reinzuwaschen, damit man selber mit der AfD stimmen kann, die CDU aber nicht.



        Das bestätigt nur, dass die Brandmauer hauptsächlich existiert um Rot-Grün Machtoptionen zu sichern.

        • @Walterismus:

          Für "Machtoptionen" braucht man eine Kanzlermehrheit. Ihr Argument ist daher eher volatil.

    • @Die_Mitte_machts:

      Die Brandmauer ist Geschichte, eingerissen von den Grünen mit der Mercosur Abstimmung.

      • @Stephan Heibges:

        Das würde ich so nicht behaupten. Die EVP arbeitet seit Monaten mit rechten Parteien zusammen. Auch mit der AfD

        • @TOM1976:

          Und der Chef der EVP, Weber argumentiert exakt genauso, wie es hier die Verteidiger des Grünen Abstimmungsverhaltens tun.

      • @Stephan Heibges:

        Aha. Nach Ihrer Logik dürfen Linke und Grüne also keine Anträge mehr einreichen, weil die AFD ja zustimmen könnte. Ihnen ist schon klar, dass das der endgültige Sieg der AFD wäre, oder?

        Antworten Sie doch mal konkret auf die Frage, was man hätte tun sollen, wenn man Zweifel am Abkommen hat, was langfristige Rechtssicherheit und Einhalten von EU-Standards angeht. Die Klappe halten, weil die AFD aus ganz anderen Gründen grundsätzlich gegen das Abkommen ist? Wäre auf Ihre Antwort gespannt.

        • @Sisone:

          Linke und Grüne dürfen natürlich Anträge stellen, die von einer Zustimmung der AFD abhängig sind. Sie sollten das anderen Parteien halt auch zugestehen.

        • @Sisone:

          Wie war das beim Lieferketten Geserz? Der Antrag wurde von der EVP gestellt, Rechte haben mitgestimmt, was zu einer großen Empörung der restlichen Parteien führte. Nun Mersosur, ein ähnlicher Fall, nur das diesmal Grüne und Linke mit Rechts stimmten. Endweder es gibt eine Brandmauer, dann war die Mersosur Abstimmung falsch oder es gibt keine Brandmauer, dann war die damalige Empörung scheinheilig.

        • @Sisone:

          Aber es ist doch seit Jahren so, dass die CDU keine Anträge einreichen kann, weil die AFD zustimmen könnte.



          Nach der Logik der Brandmauer wäre genau das erforderlich gewesen: Die Klappe halten. Man kann die Brandmauer in Zweifel ziehen. Aber wenn man sie hochhält, ist das die Konsequenz. Es wurde sogar verlangt, dass die CDU gegen einen eigenen (!) Antrag stimmt, der vor dem Zerbrechen der Ampel gestellt wurde (ohne Aussicht auf Erfolg) und nach dem Zerbrechen der Ampel plötzlich Erfolg versprach.

        • @Sisone:

          "Aha. Nach Ihrer Logik dürfen Linke und Grüne also keine Anträge mehr einreichen, weil die AFD ja zustimmen könnte. Ihnen ist schon klar, dass das der endgültige Sieg der AFD wäre, oder?"

          Aha. Entsprechend ist es für Sie konsequenterweise völlig in Ordnung, wenn CDU und CSU im Bundestag Anträge stellen, die nur mit den Neubraunen Mehrheiten finden?

          • @Kaboom:

            Ich finde es absolut normal und in Ordnung, wenn die CDU Anträge gemäß ihrer Parteipolitik stellt. Die Zustimmung der AFD muss man in Kauf nehmen. Und das habe ich auch schon Januar 2025 gesagt, als die CDU ihren unseligen Migrationsgesetzantrag eingebracht hat (gerne nachlesen, mein Kommentar vom 30.01.2025).



            Meine damalige und jetzige Meinung dazu ist, dass die AFD durch den Versuch der Ausgrenzung bei Abstimmungen genauso viel Macht hat, wie ohne Ausgrenzung. Ganz einfach dadurch, dass durch Ausgrenzung eigene Vorstellungen nicht mehr eingebracht werden dürfen, weil man Zustimmung der AFD befürchten muss.

            Eigene Vorstellungen nicht einzubringen, weil der Gegner sie gut finden könnte, halte ich nicht für richtig und auf Dauer auch nicht durchhaltbar. Nicht AFD wählen, ist die einzige Option, die wir haben, solange sie nicht verboten wird. Und natürlich argumentativ andere davon zu überzeugen, das gleiche zu tun. Alles andere ist Kindergarten.

          • @Kaboom:

            Also stellen wir jetzt Anträge nicht mehr nach Sinnhaftigkeit, sondern nur noch danach wer (vermutlich!?) zustimmen oder nicht zustimmen könnte? Na dann gute Nacht Deutschland :D



            Also ich sage ganz klar, lieber einen sinnvollen Antrag mit der AFD stellen, als einen sinnvollen Antrag wegen der AFD nicht zu stellen.... und am besten garnicht darüber nachdenken wie die AFD dazu stehen könnte, denn ab diesem Punkt hat sie bereits Macht über einen

  • Ein Abstand zu und einen Pakt nicht mit rechten oder linken Extremisten zusammenzuarbeiten ist nachvollziehbar.

    Man sollte diese links und rechts liegen lassen und bei Abstimmungen schlichtweg nicht beachten.



    Ihnen die kalte Schulter zeigen, frei nach dem Motto „uns egal, wie ihr abstimmt, wir bringen ein was unseren Vorstellungen entspricht und stimmen auch so ab“

    Oder wollen wir uns indirekt von ihnen beeinflussen lassen?

  • Was ist bei den Grünen los? Gemeinsam mit „Rechts“ gegen Mersosur gestimmt. Gilt die Brandmauer nicht mehr oder gilt sie nur für die EVP? Jedenfalls haben die Grünen mit dieser Abstimmung die Brandmauer endgültig ins Aus befördert.

  • In dem Artikel wird so getan als hätte die AfD den Antrag eingebracht - das war aber nicht so.



    Wenn man den moralisierenden Geist des Artikel weiter bedenkt könnte die AfD bei allen knappen Abstimmungen das "Zünglein an der Waage " sein

    • @javali:

      Wie war das noch im Bundestag? Genau. Das war ein Antrag der Union, von dem die Union wusste, dass er nur eine Mehrheit finden würde, wenn die Neubraunen zustimmen. EXAKT so wie in diesem Fall.

    • @javali:

      Richtig. Wie rechtfertigen es eigentlich die Rechts-außen-Parten, daß sie mit den verhassten Grünen gemeinsame Sache gemacht haben?

      • @Selbstauslöser:

        Die AFD ist eine EU-feindliche Partei. Die freuen sich, dass sie die EU sabotieren konnten. Und dass Grüne und Linke dabei eine schlechte Figur gemacht haben, ist für sie das Sahnehäubchen drauf.

        • @Oma:

          Ein legitimer und rechtlich korrekter Vorgang ist mit Sicherheit keine Sabotage, die EU hat sich eher selber sabotiert, weil sie nicht im Vorfeld die noch vorhandenen Bedenken aus dem Weg räumen konnte bzw. wollte.

        • @Oma:

          Sie haben natürlich recht. Meine Frage war auch eher satirisch gemeint. Sorry, daß das nicht so deutlich wurde. Ernsthaft gefragt: eine schlechte Figur machen B'90/Grüne und Linke in wessen Augen? Ehrlich, mich erschreckt, daß anscheinend sämtliche "Fachleute" und Journalisten ihre Kritik ausschließlich partei- und marktstrategisch begründen. Das, worum es den europäischen B'90/Grünen geht, wird nichtmal angeschaut. Selbst hiesige Parteigenossen fallen ihnen in den Rücken, und gehen damit den selben Weg, den schon die SPD zurückgelegt hat. Charakterlos und marktkonform, wie schon "Mutti" unsere Demokratie haben wollte.

      • @Selbstauslöser:

        Dort liegt das Erreichen des eigenen Ziels im Vordergrund.



        Die rechts außen haben keine Brandmauer

      • @Selbstauslöser:

        Die Rechts-Außen-Partein haben keine Brandmauer gegen die Grünen errichtet. Die müssen es daher gar nicht rechtfertigen, weil eine Abstimmung in der Sache zusammen mit den Grünen für sie kein Problem ist.

    • @javali:

      Im Grunde ist genau das gleiche passiert wie am 28.01.25 im Bundestag als Merz mit der AfD einen Antrag durchbrachte. Der wurde auch von der CDU eingebracht.

      Hier muss man schon dann auch den gleichen Maßstab ansetzen. Ich kann nicht hier relativieren und bei der CDU verurteilen.

      • @Walterismus:

        Um in Ihren Beispiel zu bleiben: Wie verhält es sich, wenn ich überzeugt bin, dass die Welt rund ist, aber alle anderen Parteien außer der AfD der Meinung sind, sie sei eine Scheibe? Darf ich dann einen Antrag einbringen, der besagt die Erde sei rund, auch wenn er nur mit der AfD durchkommt? Ihre Definition der Brandmauer geht meines Erachtens zu weit: Es darf nicht sein, dass eine Partei ihre Anträge nicht einbringen darf, nur weil die Gefahr besteht der Antrag könnte zu Stande kommen ohne Stimmen der anderen Demokraten aber mit denen der AfD. Damit würde sich diese Partei eines großen Teils ihrer Gestaltungsmacht berauben. Brandmauer muss heißen nicht mit der AfD gemeinsam Gesetzesvorhaben auszuarbeiten und Anträge einzubringen; nicht mehr und nicht weniger.

        • @Fran Zose:

          Ich bin ja völlig bei Ihnen, nur weil die AfD eine Meinung hat, darf das die anderen Parteien nicht daran hindern eigene Anträge zu stellen und eigene Politik zu machen.



          Daher ist an dem Abstimmverhalten der Grünen auch nichts verwerflich.

          Verwerflich ist nun allerdings die Kritik der Grünen an der CDU wegen der Abstimmung vor einem Jahr. Das ist Doppelmoralistisch und diese Doppelmoral ist der Skandal an der Sache.

          • @Walterismus:

            Lieber Walterismus, ich muss mich entschuldigen, mein Kommentar sollte eine Replik auf bzw. Frage an den Mitforisten Ingo Bernable gemeint und ist aus mir nicht erfindlichen Gründen verrutscht. Vielleicht einfach nur, weil ich Ihnen zustimmen wollte auf Ihren Post.

      • @Walterismus:

        Do ist es!

  • Das die Rechten und konservativen Bauernfreunde dem Antrag zustimmen werden, war abzusehen. So wurde zumindest eine Mehrheit mit den Rechten billigend, zum erreichen einer Mehrheit, in Kauf genommen.



    So wir es schwerer die CSU/CSU von gemeinsamen Abstimmungen, bei einzelnen Themen, zusammen mit der AFD abzuhalten.



    Warum auch (aus Sicht von CDU/CSU), wenn es die Grünen und Linken, auch machen. Brandmauer ade.

  • Vielleicht merkt man langsam, dass der Götze Brandmauer ein riesen Quatsch ist. Man legt sich selbst und anderen Fesseln an und Rechtsaussen feiert die Dummheit der anderen und die dadurch faktisch verliehen bekommene Macht.

  • "In der weit überwiegenden Zahl der Fälle verzichten sie bislang auf gemeinsame Abstimmung mit der AfD und damit auf taktische Vorteile und die Durchsetzung eigener Positionen"

    Genau, und damit gräbt sich die CDU das Waser / die eigene Wähler ab, schwächt sich und macht sich gleichzeitig abhängig von SPD, Grünen und Linken. Die das genau wissen und die CDU und Merz vorführen. Am Ende, längerfristig stärkt das doch die AfD weil die CDU WählerInnen sich sagen dass sie wenn sie CDU wählen eben rot-grün bekommen. Dann doch lieber AfD. Die Brandmauer ist eine geniale Erfindung um rot-grün trotz Minderheit die Macht zu sichern, aber derartige Maipulationen des Wählerwillens kommen nicht ohne Nebenwirkungen.

    • @Gerald Müller:

      Egal wie man zu den Parteien steht und dieser Beitrag soll auch keine politische Richtung darstellen:

      Man hat schon deutlich den Eindruck das die SPD einen höheren Einfluss hat, als das Wahlergebnis es hergibt. Dazu kommt die oft jugendliche linke Seite der SPD.

      Irgendwie wieder nicht das, was an der Urne entschieden wurde.



      Das schafft in allen Richtungen Unzufriedenheit und manch einer rückt an die Ränder ab, weil dazwischen nur noch (oft faule) Kompromisse herauskommen. Keine Partei einen der eigenen Punkte so wie gewollt durch bringt.

      Und das wird auch anderen Partei-Konstellationen so gehen.

      • @Sole Mio:

        Was wurde denn an der Urne entschieden und den Wählern verwehrt?



        Alle wussten, dass es keine Regierung unter AfD-Beteiligung geben wird. Da keine absolute Mehrheit für die Union herauskam und eine Minderheitsregierung keine Option war, muss nun mal mit irgendwem koaliert werden.

    • @Gerald Müller:

      Also die Politik der Merz Regierung würden sie als rot grün bezeichnen? Da Frage ich mich an welchen Gesetzen Sie das festmachen. Aus meiner Sicht hat sie spd bisher kaum starke Positionen durchgesetzt sondern ist eher der cdu gefolgt.

      • @esgibtnureinengott:

        Tja, der Eine sieht es so, die Andere so. Es ist eine Frage des politischen Blickwinkels.



        Sollten CDU-Wähler es so sehen wie Hr.Müller es beschreibt, spielt es keine Rolle wie Sie oder SPD-Wähler es sehen. Das Ergebnis kann dann eine Wählerwanderung von der CDU zur AfD sein, mit entsprechenden Ergebnissen.

      • @esgibtnureinengott:

        Das schon, aber die SPD entschärft schon sehr viel von dem was die CDU plant umzusetzen. Das ist mehr oder weniger auch der Punkt, warum die SPD in die Regierung ist, um das schlimmste zu verhindern.



        Denn die SPD weiß mittlerweile nach Scholz schon, dass ihre präferierte Politikrichtung momentan kaum gefragt ist. Man aber trotzdem das schlimmste verhindern will.

        • @Walterismus:

          Aus linker Sicht verhindert die SPD das Schlimmste. Aus konservativer Sicht verhindert sie das beste.

  • Polemik für Anfänger.



    Es ist schon interessant zu lesen, wie gespalten die Redaktion der TAZ bei diesem Thema ist. Weil sachliche Argumente fehlen, wird von den Befürwortern der neoliberalen Ausbeutung mittels "Freihandel" eine Welle der polemischen Empörung gestartet. - Grüne und Linke haben diesen Antrag eingebracht, nicht die AfD. Das auch Abgeordnete der anderen Fraktionen für den Antrag gestimmt haben wird, gleich mal ausgeblendet.

    • @Reinhard Muth:

      Die Lage ist nicht so viel anders im Vergleich zum Entschließungsantrag der Union am 28.1.2025. Nur wer das Handeln der Union damals verteidigt hat darf Linke/Grüne heute verteidigen. Wer es damals verurteilt hat, sollte sich auch heute Verurteilen.

    • @Reinhard Muth:

      Dann stimmt es also was Herrn Merz im Bundestag gesagt hatte „was richtig ist wird nicht dadurch falsch wenn die Falschen mitstimmen, es bleibt richtig“.

      • @Stephan Heibges:

        Sehr richtig, Ihr Kommentar. Das hat Herr Muth leider ausgeblendet. Wie viele andere auch, die meinen, das Verhalten der Linken und Grünen bei dieser Abstimmung schönreden zu müssen.

    • @Reinhard Muth:

      "Dass auch Abgeordnete der anderen Fraktionen für den Antrag gestimmt haben, wird gleich mal ausgeblendet."

      Danke für den Kommentar. Dieser Punkt wäre mir jetzt wirklich durchgerutscht.



      Und es haben auch nicht alle GRÜNEN FÜR den Antrag gestimmt.



      Es stellt sich mithin die Frage, ob die Brandmauer (die ich an sich für sinnvoll halte) im Europäischen Parlament - ohne Fraktionszwang - überhaupt genauso anwendbar ist wie im Bundestag und den Landtagen.

      • @Eric Manneschmidt:

        Im Bundestag und den Landtagen gibt es auch keinen "Fraktionszwang". Was es gibt, ist ein fraktionsinternes Disziplinierungsinstrument, das den grundgesetzlichen Auftrag der Abgeordneten nach Art. 38 Abs. 1 Satz 2 untergräbt

        • @Kawabunga:

          Das stimmt zwar und ich hatte auch schon überlegt, darauf noch hinzuweisen. Es tut hier allerdings praktisch nichts zur Sache.



          Andererseits könnte man die Gelegenheit auch beim Schopfe ergreifen, um über genau dieses demokratieschädliche Phänomen eine Diskussion loszutreten. Wie ließe sich der faktische "Fraktionszwang" aufbrechen (und damit vermutlich die Demokratie stärken)?



          Ein Vorschlag wäre, einen Teil der Abgeordneten zu losen. Ein anderer: Einen Teil der Abgeordneten durch die Landtage entsenden zu lassen, so dass sie u.U. sich mehr ihrem Ländle verpflichtet fühlen als ihrer Partei (den Bundesrat bräuchte es dann nicht mehr).



          Was fällt Ihnen ein?

      • @Eric Manneschmidt:

        Was Sie eigentlich meinen, ist vermutlich: Es stellt sich die Frage, ob die Brandmauer auf die Grünen genauso anwendbar ist wie auf die Unionsparteien...

        • @Jochen Laun:

          Vorschlag: Lesen Sie einfach, was ich geschrieben habe.

          Und vielleicht noch, was Cavazzini schreibt (im Artikel verlinkt): "So haben neben der Linken und uns [Grünen] auch 43 Konservative (EVP), 34 Sozialdemokrat*innen (S & D) und 24 Liberale (RE) Abgeordnete für den Antrag gestimmt."

          • @Eric Manneschmidt:

            Genau, also das ist wohl mehr ein inhaltliches Problem als eine dieser sog. Brand Mauer. WENN zum jetzigen Zeitpunkt die Hälfte des Parlamentes die Sache an den EuGH weitergeben will, dann ist der ganze Prozess garnicht gut gelaufen. Und Frau von der Leyen hat sich verkalkuliert. Gut bezahlte Juristen werden schauen, ob es trotzdem losgehen kann oder ob das zu wackelig ist.