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Wahlverhalten in Sachsen-AnhaltEs sind Faschisten – und nicht bloß unglückliche Dödel

Niemand, der die AfD wählt, soll sich auf Frustration und Zukunftsängste berufen. Wer Faschisten wählt, nimmt freudig die Jagd auf Andersdenkende auf.

D ie Wahllokale in Sachsen-Anhalt waren gerade erst eröffnet, da setzten schon die verharmlosenden Sprachspiele ein, die stets wie eine tibetanische Gebetsmühle in Schwung gebracht werden: Sind ja nicht alles Nazis, die meisten AfD-Wähler seien einfach frustriert. Doch nach diesem Wahlkampf kannte wohl jeder die radikalen Figuren hinter dem dauergrinsenden Uli mit dem Hamsterblick. Jede Wählerin konnte wissen, welch eine radikale Partei die AfD in Sachsen-Anhalt ist. Niemand hat sich hier aus Frust verwählt.

Wer im vollen Bewusstsein eine faschistische Partei wählt, ist ein Faschist, und nicht bloß ein unglücklicher Dödel, der nicht weiß, was er tut. Gewiss wäre die Sache weniger katastrophal ausgegangen, wenn es nicht ein gut begründetes Gefühl der Verunsicherung, Zukunftsangst und auch Kränkungen gäbe, die viele Menschen empfinden; vermutlich wäre es auch glimpflicher gekommen, würde in Berlin nicht eine weitgehend dysfunktionale Koalition regieren, mit Friedrich Merz an der Spitze, der personifizierten Unfähigkeit.

Aber nichts davon schafft die Verantwortung der Wählerinnen und Wähler aus der Welt, die bereit waren, bei Hasspredigern ihr Kreuz zu machen – und die das sogar noch in weiten Teilen mit Begeisterung taten. 43,8 Prozent in Sachsen-Anhalt, das ist wie ein Beweis aus dem Labor, wie die Verwandlung von Menschen geschieht, wie man sie durch Agitation und Propaganda dazu bringt, die Häme, die Bösartigkeit zu bejubeln und die Freude daran, Rache an den scheinbaren Feinden zu nehmen.

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

Seien das Künstler, innere Feinde, die „Betrüger“ aus den „Altparteien“, die Ausländer, wer auch immer. Die Agitation und Propaganda, mit der die Faschisten und ihre Helfershelfer in Boulevard und Pseudomedien die Menschen Tag für Tag beschießen, versetzt diese in einen Zustand permanenter Erregung und Empörung und in eine paranoide Pseudorealität, indem ihnen in den Kopf gehämmert wird, dass die Welt ein düsterer Ort ist, in dem sie täglich unter die Räder kommen; ein Gewaltpfuhl und Kriminalitätsloch.

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Sadismus ersetzt Empathie

Im zweiten Schritt wird ihnen erklärt, dass das nicht einfach ein beklagenswerter Prozess ist, sondern hinterhältig von sinistren Kräften und betrügerischen Feinden des Volkes so eingefädelt wird. Dann aber, drittens, wird ihnen zugerufen: Die Rettung naht, in Gestalt des Anführers oder der Gruppe an Heilsbringern, die nicht nur die Erlösung bringen, sondern mit den Kräften des Bösen abrechnen werden. Was diesen angetan werden wird, das ist sogleich Gegenstand lustvoller Ausmalung, von Grausamkeitsrausch und Härteekstase.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Mit der Botschaft der Angst und dem Schüren der Lust an der Grausamkeit werden die Menschen allmählich in andere verwandelt. Empathie wird ausgeschaltet, Sadismus gesteigert, und bei allen anderen wird ein Prozess der Gewöhnung verstärkt. Der Prozess der Faschisierung ist ohne diese Massenpsychologie nicht zu verstehen, zumal die Anhängerschaft nicht einfach „verführt“ ist, sondern mit ihrem hoch affektiven Mittun sich wechselseitig auch noch radikalisiert.

Anhänger werden in Wütende verwandelt, in Raserei versetzt, das Ressentiment wird ihnen zur zweiten Natur, die Verbitterungsstörung zu einem zentralen Charakterzug. Zugleich kann das auch, wie wir sehen, mit Euphorie einhergehen. Studien haben gezeigt, dass Menschen, kommen sie in die Fänge dieser Agitation, zunächst deutlich unglücklicher werden – bis sich die (Un-)Glücklichkeitskurve wieder leicht nach oben bewegt.

Der Zornesmensch, dessen Negativismus radikalisiert wird, empfindet ein Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe der anderen Rasenden, was seine Stimmung wieder hebt. Dieses Gemeinschaftsgefühl hat man in diesem Wahlkampf gut erkennen können, nicht zu Unrecht haben Beobachter beschrieben, dass die AfD-Kampagne Züge einer euphorischen „Bewegung“ angenommen hatte.

Nur keine abfälligen Kommentare

Da man dies alles ohne das Vokabular der Massenpsychologie gar nicht akkurat beschreiben kann, wird man die Verwandlung der Anhänger in Rasende und Verbitterte nicht verstehen können ohne die Begrifflichkeiten der Psychologie. Ironischerweise bekommt man gelegentlich zu hören, man solle doch Menschen mit anderen als den eigenen Ansichten nicht pathologisieren. Was natürlich theoretisch richtig wäre, wenn es sich bloß um Ansichten handeln würde und nicht mit hohem affektivem Furor vorgetragene Besessenheiten.

Wer im vollen Bewusstsein eine faschistische Partei wählt, ist ein Faschist und kein Dödel

Aber gerade diese sind es ja, die die Anhänger der faschistischen Bewegungen zu erbitterten Gefolgsleuten machen. Die Agitation zielt direkt auf deren psychischen Apparat. Und im Übrigen wissen wir natürlich auch aus anderen, persönlicheren Krisen, was Instabilität, Reizbarkeit, Verdunklung des Seins, chronische Belastungen und anders mit uns machen können, nämlich eine schleichende Verwandlung unseres Wesens. Genauso ist es da, wo sich das Soziale und das Individuum kreuzen.

Somit ist die politische Krise, in der eine Gesellschaft steckt, in der abermals Rechtsradikale einen solchen Zuspruch erfahren, eine, die in einem eminenten Sinne „Heilung“ verlangt als bloß im metaphorischen. Man kann beinahe sagen, dass es eine Maxime aus dem Themenkreis des „Woken“ geworden ist, nur ja nichts Abwertendes über den psychischen Zustand von Menschen zu sagen, während die Rechtsradikalen sich verständlicherweise dagegen wehren, irgendwie als durchgeknallt dargestellt zu werden.

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Lustigerweise ist das wahrscheinlich die einzige Thematik, bei der es eine Woke-Faschisten-Allianz gibt. Theodor W. Adorno hat in einer Ära ohne solche Empfindsamkeiten, Jahrzehnte nach den „Studien über den autoritären Charakter“ in der 60er-Jahre-Bundesrepublik davon gesprochen, dass das Individuum, das den Autoritären nachläuft, „ähnlich wie in einer bestimmten Form der Geisteskrankheit, nämlich in der Paranoia“ gefangen ist und in einen Zustand gerät, in dem die „Aggression kein Ende“ nähme.

Der Rechtsradikalismus verspricht seinen Anhängern sadistischen Lustgewinn. Brandmauern gegen Parteien reichen nicht. Die halten nicht ohne Dämme gegen die Gefühlsrohheit.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Robert Misik

Robert Misik

Geboren 1966, lebt und arbeitet in Wien. Journalist, Sachbuchautor, Ausstellungskurator, Theatermacher, Universaldilettant. taz-Kolumnist ("Das Schlagloch"), als loser Autor der taz schon irgendwie ein Urgestein. Schreibt seit 1992 immer wieder für das Blatt. Jüngste Buchveröffentlichung: "Erziehung der Grausamkeit" (Suhrkamp-Verlag) Davor Autor von Büchern wie "Genial dagegen", "Marx für Eilige", "Die falschen Freunde der einfachen Leute" oder "Das große Beginnergefühl. Moderne, Zeitgeist, Revolution" usw. Österreichischer Staatspreis für Kulturpublizistik 2009, Preis der John Maynard Keynes Gesellschaft für Wirtschaftspublizistik 2019.
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128 Kommentare

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  • Bürger L.

    Na toll, dann können sich ja alle die schon immer auf der richtigen, antifaschistischen Seite standen bequem zurücklehnen und im tausendsten Artikel oder Kommentar sich gegenseitig darin bestätigen, dass die Leute die die Rechts-nationalen Rassisten gewählt haben, selbst Faschisten sind.

    Was machen wir denn nun mit den verblendeten Falschwähler*innen.



    Ausbürgern können wir sie ja nicht....



    Ich spreche die Rechtswähler*innen nicht von ihrer Verantwortung frei, aber wenn ich der erschreckenden Entwicklung entgegenwirken will, stellt sich schon die Frage welche Bedingungen dazu beitragen, dass Menschen dazu neigen, rechten Rattenfängern hinterher zu laufen.



    Genau so wenig wie es geholfen hat, gebetsmühlenartig darauf hinzuweisen, dass der Verfassungsschutzdie Partei als rechtsextrem eingestuft hat, hilft es jetzt zu behaupten, die Wähler*innen seien Faschisten.



    Eine andere, menschlich gerechte Politik auf Bundesebene könnte schon mal ein erster Ansatz sein. Eine SPD die sich auf ihre Wurzeln besinnt und längerfristig offen für Linke Mehrheiten ist könnte dazu beitragen, dass den rechts-nationalen Rassisten der Nährboden entzogen wird.

  • Newjoerg

    Um dauerhaft vor einer Wiederholung von Nationalsozialismus und Faschismus geschützt zu sein, ist es wichtig mit diesen Begriffen sorgfältig umzugehen und die monströsen Verbrechen dieser Regimes nicht dadurch zu relativieren, indem die Begriffe „Faschist“ und „Nazi“ inflationär und reflexartig verwendet werden. Leider ist aber in den letzten Jahren genau das Gegenteil passiert, wenn jemandem etwas nicht passt, wir die N-F-Keule rausgeholt. selbst Erdogan hat das gegenüber Frau Merkel getan, die CDU kriegt das hier täglich zu hören….

    Die Gefahr durch die AFD wird hinreichend damit beschrieben, dass ein nennenswerter Teil der Partei extreme und verfassungsfeindliche Ansichten vertritt und umsetzen möchte. Das reicht. Alle AFD Wähler und Wählerinnen in eine Faschistenschublade zu stecken dient nur dem Aufbau eigener Feindbilder.

    • Wanderin

      @Newjoerg:

      Jaja. 2023 war der Remigrationsgipfel der AfD in Potsdam, der den "Masterplan Remigration" vorgestellt hat. Jetzt können wir natürlich noch lange sehr schlau fachsimpeln, dass die Wahl des Ortes sowie der Name der Agenda nicht mit der Wannseekonferenz zu vergleichen sind und wir erstmal "die Vollstreckung des Masterplans abwarten müssen", um danach Vergleiche korrekt anwenden zu können.

      Ordnung muss sein. Das ist ganz wichtig im Sinne der semantischen Sorgfalt. Denn anders als Menschen und ihre Würde darf die Ordnung keinesfalls verletzt werden!

  • Nachtsonne

    Der Artikel wirf einige Grundsatzfragen auf. Wie kann eine Partei, die nicht aktiv gegen die verfassungsgemäße Ordnung vorgeht faschistisch sein (anderfalls könnte man sie verbieten)? Warum sollte ein faschistisches Gesetz nicht von den Verfassungsgerichten kassiert werden? Warum sollte auf Bundesebene der Bundesrat faschistischen Gesetzen zustimmen, wenn die Mehrheit der Bundesländer nicht faschistisch ist. Und zu guter Letzt: Warum sollte der Bundespräsident einem solchen Gesetz zustimmen? Es könnte besser sein der AFD politisch, aber mit Maß, entgegen zu kommen, statt offensichtliche Misstände zu ignorieren und den Menschen lediglich Angst zu machen. Dadurch würden viele Wähler bei SPD und CDU verbleiben. Überzeugte AFD Wähler machen sich über diese Ängste mittlerweile öffentlich lustig (siehe YT) und selbst Protestwähler schütteln die Köpfe.

  • Andreas Flaig

    Dem Autor Robert Misik sei ganz herzlich gedankt!

  • Šarru-kīnu

    Wer so sinnfreie Thesen in die Welt setzt den lade ich gern mal in mein Geburtsdorf ein. Wahlergebnisse in den letzten Jahren immer ca. 80% AfD und trotzdem wirst du hier weniger Faschisten finden als anderswo. Der Autor möge mal erklären wieso die sorbische Minderheit die unter dem deutschen Hitlerfaschismus zu leiden hatte, jetzt mehrheitlich Faschisten sein sollen. Selbst hier wo es immer noch regelmäßig zu rassistischen Anfeindungen durch Deutsche kommt, wird ja inzwischen trotzdem AfD gewählt.



    Diese verzweifelten Rundumschläge nur weil sich nicht mit den eigenen Fehlern auseinandergesetzt werden soll, wird langsam wirklich langweilig. Von diesem namedropping lässt sich inzwischen sowieso keiner mehr beeindrucken. Wir sind jetzt tausendmal dumme Ossis, Hinterwäldler oder gleich ganz Nazis genannt worden. Das juckt hier inzwischen keinen mehr.

    • Abdurchdiemitte

      @Šarru-kīnu:

      Und noch was: mir persönlich ist es doch vollkommen wumpe, ob man die AfD-Wähler in Ost UND West als Nazis bezeichnet oder nicht. Entscheidend ist, dass sie der menschenverachtenden AfD-Propaganda unhinterfragt hinterherlaufen,



      Über so viel durchschnittliche Schulbildung, um die Bezüge zwischen der NS-Ideologie und der AfD-Programmatik zu erkennen, müsste doch eigenlich noch jede/r verfügen, oder etwa nicht?



      Wenn nicht, kann ich nur sagen: Armes Deutschland!



      Es geht dabei doch längst nicht mehr um das Thema Wessis vs. Ossis. Diese Zwietracht zu säen, darüber kann sich nur die AfD freuen.

    • Abdurchdiemitte

      @Šarru-kīnu:

      Ich finde die Sorben ja sehr sympathisch, weil sie sich über die Jahrhunderte ihre Sprache und kulturelle Identität bewahren konnten, ähnlich wie die Dänen und Friesen in Schleswig-Holstein, die als nationale Minderheiten in Deutschland anerkannt sind. Aber sie sind in den Augen der Rechten auch keine ‚Kulturfremden‘, die dem völkischem Verständnis von nationaler Identität und Staatsvolk irgendwie gefährlich werden könnten.



      Anders verhält es sich da schon mit den deutschen Sinti&Roma, die zwar seit etwa 600 Jahren unter uns leben und lange um ihre Anerkennung als nationale Minderheit kämpfen mussten, von den Nazis - leider auch immer noch von einem Großteil der Bevölkerung - als kulturfremd betrachtet werden. Auch sie könnten zu Opfern der Remigrations-Pläne der AfD werden.



      Was unter Remigration zu verstehen ist, lässt die AfD in der Öffentlichkeit bewusst offen.



      Geht es ‚nur‘ um die Abschiebung von 300 - 400.000 sich hier ohne gesicherten Status aufhaltenden Geflüchteten oder um die Vertreibung:/Deportation von 18 - 20 Mio. ‚Kulturfremden‘?



      Man muss dazu nur die Schriften eines Martin Sellner nachlesen. Hinterher kann dann niemand mehr sagen: DAS haben wir nicht gewusst!

    • Axel Schäfer

      @Šarru-kīnu:

      Und die Umsetzung des Wahlprogramms der AgD bringt den Wählern dort jetzt was?



      Was ist dort die konkrete Erwartung und welche Erwartungen wurden in der Vergangenheit enttäuscht?

    • Retsudo

      @Šarru-kīnu:

      Zu DDR Zeiten hielt man sich im Klassenkampf überlegen und wollte es den Wessis zeigen, der Staatsbankrott trotz Planwirtschaft, der weitverbreitete Betrug im Sport(Doping) zeugen von einem.Verständnis das die Fehler immer die anderen begehen, die Opfermentalität der Ossis, mit ihren trotzigen Reaktionen die auf ihren Minderwertigkeitskomplexen beruhen sind wirklich langweilig. Dumm sind sie weil sie in kritischen Zeiten,sich mit einfachen Antworten zufrieden geben und somit dem Land insgesamt schaden. Das gilt nicht nur für afd sondern für die konservative Politik der cdu genauso. Da ich vor der Wiedervereinigung keine Ossis kannte im Südwesten von Deutschland,.denke ich seit den 90ern was für Jammerlappen der Kommunismus hervorgebracht hat. Die Russen jammern auch gerne, kommt das daher?

      • celcon52

        @Retsudo:

        Bös aber gut!

      • Petros

        @Retsudo:

        geht mir genau so wie Ihnen.



        Das Problem ist, daß es den SAern mit einer AFD Regierung dann wirklich schlecht gehen wird die Schuld aber wieder alle anderen haben werden.

      • Abdurchdiemitte

        @Retsudo:

        Sie verweisen anhand der Vertuschung der Schattenseiten in der DDR auf die Überheblichkeit der Staatsführung, sich als ein dem kapitalistischen System überlegenes (real)sozialistisches Modell zu präsentieren.



        So weit kann ich Ihnen folgen.



        Aber finden Sie es selbst nicht Ihrerseits ein bisschen überheblich, diese Haltung der SED-Bonzen auf die gesamte Bevölkerung der DDR zu übertragen?



        Selbst wenn Sie einen kollektiven Minderwertigkeitskomplex diagnostizieren, ist die Analyse doch etwas eindimensional, nicht anders als die Feststellung einer vermeintliche Arroganz der Westdeutschen gegenüber ihren ‚Brüdern und Schwestern‘ im Osten. Mit beidem ist uns nicht geholfen, wenn es um das Zurückdrängen der AfD geht.



        Die Eindrücke des Mitforisten, die ja auch von sehr vielen anderen Menschen in Ostdeutschland geteilt werden, sollten daher viel ernster genommen und nicht bloß als Jammerei und Minderwertigkeitskomplex abgetan werden.

  • Zippism

    Was für ein bequemes Weltbild: AfD-Wähler sind für die Politik der Partei persönlich verantwortlich, ihre Motive irrelevant und wer sie trotzdem verstehen will, „bemuttert“ sie. Dann sollten wir diese Logik doch konsequent anwenden.

    Wer in den vergangenen Jahren CDU, SPD, Grüne oder FDP gewählt hat, ist demnach ebenfalls persönlich für die politische Bilanz dieser Parteien verantwortlich. Angesichts von Bürokratie, Wohnungsnot, Energiepreisen, maroder Infrastruktur und einer vielfach ungelösten Migrationspolitik müsste man diese Wähler ganz im Duktus des Artikels dann wohl ebenfalls als ziemliche Dödel bezeichnen.

    Oder gilt persönliche Verantwortung für die Wahlentscheidung immer nur dann, wenn das Kreuz beim politischen Gegner landet?

    Man kann die AfD ablehnen, ihre Positionen bekämpfen und sie für rechtsextrem halten. Aber aus „Ich halte diese Wahl für falsch“ folgt nicht, dass Millionen Menschen keine legitimen politischen Motive haben. Dann muss man sich auch nicht wundern wenn sie beim nächsten Mal wieder AfD wählen.

    Die eleganteste Methode, politische Gegner zu stärken, ist schließlich, ihnen zu erklären, dass man ihre Wähler für zu dumm hält, um ernst genommen zu werden.

    • Kaboom

      @Zippism:

      "Was für ein bequemes Weltbild: AfD-Wähler sind für die Politik der Partei persönlich verantwortlich [...]"

      "Wer in den vergangenen Jahren CDU, SPD, Grüne oder FDP gewählt hat, ist demnach ebenfalls persönlich für die politische Bilanz dieser Parteien verantwortlich"

      Selbstverständlich sind sie das.



      Aber durch die Wahl demokratischer Parteien sind keine Leute verletzt oder ermordet worden. Nach dem Wahlsieg der AfD hingegen wurde eine Frau angeschossen und es gab mehrere Angriffe auf Queers.



      Es ist davon auszugehen, dass bei einer Machtergreifung der AfD in SA Menschen durch rechtsextrem motivierte Angriffe sterben werden. Leute werden verletzt werden. Leute werden eingeschüchtert werden. Leute werden SA verlassen.

      An all dem haben die Wähler der AfD SELBSTVERSTÄNDLICH eine Mitverantwortung.

    • gerdos

      @Zippism:

      Zippism: "Wer in den vergangenen Jahren CDU, SPD, Grüne oder FDP gewählt hat, ist demnach ebenfalls persönlich für die politische Bilanz dieser Parteien verantwortlich. Angesichts von Bürokratie, Wohnungsnot, Energiepreisen, maroder Infrastruktur und einer vielfach ungelösten Migrationspolitik müsste man diese Wähler ganz im Duktus des Artikels dann wohl ebenfalls als ziemliche Dödel bezeichnen."

      Ja sie sollten auch so bezeichnet werden. Die Menschen sind sehr nachsichtig in der Beurteilung von Zuständen, die sie selbst »frei« herbeiwählen durften. Würden sie diese Zustände nachträglich kritisieren wollen, müssten sie sich – da sie sie frei gewählt haben – eine Mitschuld daran geben. Das tun sie nicht, bewahre!



      Und was die Demut betrifft: Es ist die Verneigung vor der Attraktivität des Kapitalismus. Wer wollte es denn wagen, diese Attraktivität, die auf Ausbeutung der »dritten Welt« beruht, ernsthaft zu kritisieren? Der müsste sich sofort fragen lassen, ob er denn die »Mangelwirtschaft« der DDR wiederhaben möchte, und schon wäre seine Kapitalismuskritik verpufft.

      • Zippism

        @gerdos:

        Das ist ja eine bemerkenswert praktische Theorie von Demokratie: Wer eine Partei wählt, haftet anschließend für jeden Zustand, der unter ihrer Regierungsbeteiligung entsteht – unabhängig davon, ob dieser Zustand tatsächlich auf diese Wahlentscheidung zurückgeht. Dann ist der Wähler offenbar nicht nur Souverän, sondern gleich noch persönlich haftender Geschäftsführer der Bundesregierung.

        Und natürlich gilt das dann konsequent für alle: Wer CDU, SPD, Grüne oder FDP gewählt hat, darf sich über Bürokratie, Wohnungsnot, Energiepreise, Infrastruktur und Migrationspolitik nicht beschweren, weil er diese Zustände schließlich „frei herbeigewählt“ hat. Wer AfD gewählt hat, darf sich umgekehrt für jeden Fehler einer künftigen AfD-Regierung persönlich schuldig fühlen. Ein ziemlich simples Weltbild – nur mit Demokratie hat es wenig zu tun.

    • Flix

      @Zippism:

      Wer in Anbetracht der deutschen Geschichte Faschisten wählt, ist entweder extrem dumm oder selbst Faschist.



      Es gibt keine „legitimen politischen Motive“ die AfD zu wählen.

      • Zippism

        @Flix:

        Wer AfD wählt, ist entweder Faschist oder dumm. Das ist natürlich eine bemerkenswert komfortable Weltsicht – man muss sich mit den Motiven von Millionen Menschen gar nicht erst beschäftigen, wenn man sie vorher einfach für minderbemittelt erklärt.

        Und „es gibt keine legitimen politischen Motive“ ist besonders hübsch. Damit ist die Debatte dann auch gleich beendet: Alles, was nicht ins eigene Weltbild passt, wird zum Beweis der Dummheit oder des Faschismus erklärt. So lässt sich politische Realität wunderbar auf eine überschaubare Schwarz-Weiß-Malerei reduzieren.

        Nur eine kleine Schwierigkeit bleibt: Wenn diese Menschen tatsächlich allesamt Faschisten oder Vollidioten wären, warum wächst die AfD dann seit Jahren? Vielleicht liegt es ja nicht ausschließlich daran, dass plötzlich Millionen Deutsche den Verstand verloren haben. Vielleicht wäre es tatsächlich sinnvoller, sich einmal zu fragen, warum Menschen diese Partei wählen, statt ihnen aus sicherer moralischer Höhe mitzuteilen, dass sie zu blöd für legitime Motive sind.

        • Volker Scheunert

          @Zippism:

          Ich finde kaum etwas widerwärtiger als die Ausrede "Ihr zwingt mich, die AfD zu wählen".

        • Petros

          @Zippism:

          um mal Heiner Müller zu zitieren:



          "10 Deutsche sind natürlich dümmer als 5 Deutsche."



          Ich gebe Flix recht. Alle komplizierten Erklärungsversuche laufen letztendlich auf seine Reduzierung hinaus.

      • Retsudo

        @Flix:

        Wahre Worte!

      • aujau

        @Flix:

        In Anbetracht der deutschen Geschichte sollte man die politischen Motive auch mit dem zu erwartenden Ergebnis vergleichen, aber wem sag ich das.

      • Optimist2015

        @Flix:

        So ist es!

  • derzwerg

    Lauter Leute, die über Politik diskutieren und selbst nicht einmal in einer Partei sind. Das wäre z.B. mal ein erster Schritt

  • Markus Wolf

    Um zu verstehen, wie der Aufstieg der Faschisten politisch bekämpft werden kann, empfehle ich das Buch von Sebastian Hafner: Jekyll & Hyde- Deutschland von innen betrachtet. Da stellt er ganz klar, das der Aufstieg der Nazis auch dadurch gefördert wurde, das die Mittelschicht Angst vor dem sozialen Abstieg hatte. Eine Ähnliche Situation wie heute.



    Solange die soziale Frage in der Politik weiter vernachlässigt wird, so lange wird es nicht gelingen den Faschismus zurück zu drängen.

    • Il_Leopardo

      @Markus Wolf:

      Ich habe das Buch nicht gelesen. Beantwortet der Autor die Frage, warum der Wähler in solchen Zeiten "rechts" wählt und nicht "links"?

      • Markus Wolf

        @Il_Leopardo:

        ja. er begründet es damit das die bürgerliche Mitte durch die Angst vor dem sozialen Abstieg ins Proletariat eher zu rechten vergangenheitsverherrlichenden Parteien neigen.



        Die Forschung zeigt auch, dass organisierte Arbeiter den Nazis weniger auf den Leim gingen. Im Unterschied zur jetzigen Situation.

        • Il_Leopardo

          @Markus Wolf:

          Vielen Dank für die informative Antwort. Zum zweiten Absatz eine Anmerkung: Vielleicht liegt das daran, dass es den Proletarier gar nicht mehr gibt, sondern den Facharbeiter, der sich als Angehöriger der Mittelschicht sieht.

  • Karin Steinbüchel

    Danke, Danke, Danke für die klaren und wahren Worte.

  • Wanderin

    Teilweise scheinen ja auch schon taz Autoren im Euphorie-Taumel vom AfD Wahlkampf zu berichten: "Nicht die AfD ist ausmobilisiert, wie man lange hoffte. Die Demokraten sind es. (...) Warum? Eine Antwort ist: AfD wählen macht gute Laune. (...) Nun aber hat die schlechte Laune die Seiten gewechselt. Es sind die Parteien der Mitte, die sagen, was alles nicht geht. Die Rechtsextremen dagegen laden zum Selfie ein, strahlen und schreiben auf ihre Plakate: Alles wird gut."



    .



    Die Medienstrategie hinter dem Personal Branding des AfD Kandidaten wird unhinterfragt übernommen ( "Sunnyboy") und vervielfältigt. Ich habe die Auftritte nicht gesehen, aber von der Beschreibung klingt die Masche, die mit Siegmund angetestet wurde, wie der Stil der US- Tele-Evangelisten oder säkularen US-Motivations-Coaches wie Tony Robbins.

  • Wanderin

    "Lustigerweise ist das wahrscheinlich die einzige Thematik, bei der es eine Woke-Faschisten-Allianz gibt."

    Ich kann die Seitenhiebe auf die Woken nicht mehr hören. Die waren die Kanarienvögel in der Grube, die vor 10 Jahren gesagt haben: der Rechtsextremismus ist nicht nur am Rand, er kommt aus der Mitte und ist breit anschlussfähig. Denn sie haben den rauen Wind am eigenen Leib gemerkt, anders als die Linken, die mit, sorry, aber: männlich, weiß, hetero-Norm- Status vor solchen Realitäten gut gepolstert waren oder nicht wirklich hinhören wollten, was in ihrer Umgebung für Bemerkungen fallen.



    .



    Anders als viele aus der linken Mitte wussten die Woken schon lange mit wem sie es zu tun haben. Diese Klarheit wurde ihnen ständig perfiderweise von Mitte links vorgeworfen- denn sie hätten mit ihrer Existenz die AfD provoziert und seien überhaupt erst Schuld am Entstehen der AfD.



    .



    Es sind nicht die Woken, die AfD- Wähler bemuttern und infantilisieren und davon reden, sie mit mehr "Daseinsfürsorge" und sozialer Politik zu belohnen. Es sind mittig Linke, keine Woken, die sich mit den AfD Wählern identifizieren und ihre Probleme in sie reinprojizieren, die der AfDler gar nicht hat.

    • Chris McZott

      @Wanderin:

      Nein die "Woken" haben etwas viel schlimmeres gemacht. Sie haben durch Kulturrelativismus die Universalität von linken Grundsätzen radikal in Frage gestellt und damit völkisch/rassisches Denken (wieder) hoffähig gemacht.

      Wer sagt dass es spezifisch "weiße Eigenschaften" gäbe, die die Welt zu einem schlechteren Ort machen steckt tief im rassistischen Denken. Die Rechten haben das dankbar aufgenommen. Durch die vielen offensichtlichen Widersprüchlichkeiten - alleine der ganze Amerikazentrismus obwohl jede Form von Ethnozentrismus böse sein soll - wurden u.a. anti-rassistische Aussagen völlig unglaubwürdig.

      Die Aufblasung von Kleinstproblemen (z.B. Intersexualität, viele andere -ismen), selbst wenn sie abstrakt logische Anwendungen inklusiver Grundsätze sind, hat die breite Bevölkerung von den linken Akademikern entfremdet und zu harten Spaltungen geführt.

      Anders als in der Physik werden die Gesetze des sozialen Zusammenlebens eben nicht in Rand- und Extrembereichen definiert.

      • Wanderin

        @Chris McZott:

        Verdrehung von Ursache und Wirkung. Die AfD wurde 2013 gegründet. Das Denken in "Untermenschen"- Kategorien hat Thilo Sarrazin 2010 sehr salonfähig gemacht, aber es war auch gar nicht so viel Nachhilfe nötig. Vor diesem Zeitpunkt lagen bereits Jahrzehnte medialer rassistischer Hetze gegen türkische Deutsche. Die Hetze gegen Flüchtlinge begann ab 2016. Die Woken ( die Rassismus- Aufklärung betrieben) waren erst um 2021 medial sichtbar.



        .



        Der europäische Imperialismus war mit einem Bündel an Ideologien unterfüttert, die auch in die Siedlerkolonie Amerika exportiert wurden. Das ist die gemeinsame Wurzel. Und wie Sie heute sehen, besteht zwischen US-Rechtsextremismus und deutschem Rechtsextremismus eine Wechselwirkung. Die AfD will ethnisch säubern und die Geschichte und Lehrpläne umschreiben, Elon Musk mit seinen AfD Kontakten und Deutschamerikaner Peter Thiel haben sehr tiefe Taschen, um Deutschland zur Sandkiste für ihre ideologischen Spielchen zu machen.. Und Sie ärgern sich, weil eine Person irgendwann drauf hingewiesen hat, dass diese neo-imperialistischen Akteure schon wieder Männer weißer, westeuropäischer Herkunft sind und halten DAS für den eigentlichen Eklat? :)

    • Duplozug

      @Wanderin:

      Dieser Kommentar zeigt das Problem wunderbar auf.



      Nein die Linke Mitte in der Mehrheit bemuttert weder die AfD Wähler noch hat sie die woken als Sündenbock deklariert. Die Linke, urbane akademische Milieu war das. Und dieses verachtet die Wählergruppen die hier gemeint sind und würde am liebsten diesen vorschreiben was diese zu denken und zu wählen haben. Und auch diese bestimmen den woken Zug. Von Mitte kann man hier wenn überhaupt nur sprechen wenn es um die finanziellen Möglichkeiten dieser Klientel geht.



      Die arbeitende Linke Mitte fragte sich schon damals: haben wir nicht dringender Probleme?

    • rero

      @Wanderin:

      Die Woken waren bestimmt keine Kanarienvögel.

      Der Wokismus meinte, man könnte im politischen Diskurs Identitätspolitik auf Kleingruppen beschränken.

      Wovon Woke völlig überrascht wurden, war der Effekt, dass auch andere eine Identität verstärkt ausbildeten.

      Eigentlich ist es eine alte Kamelle, dass das Reden über Identität mehr Identität erzeugt als vorher da war.

      Das Gerede von den alten weißen Männern war toxisch.

      Es geht nicht nur um Seitenhiebe.

      Wer sich ansieht, womit die AfD wirbt, findet reihenweise Antiwokes.

      Das ist kein Zufall.

      Du fragst aus Interesse jemanden, wo er/sie herkommt?



      Du Rassist!

      Du findest, Geschlecht habe auch was mit Biologie zu tun?



      Voll transfeindlich!

      Du findest beim Sprechen den Glottisschlag verwirrend?



      Du transfeindlicher Sexist!

      Die Woken haben oft Leute vor den Kopf geschlagen, die sie hätten für ihre Sache gewinnen können und die sie heute als Verbündete bräuchten.

      Ein wichtiger Punkt ist, dass die AfD den „Abgelehnten“ ein mentales Gefühl von Zugehörigkeit und Akzeptanz.bietet,

      „Komm zu uns. Wir akzeptieren dich, wie du bist. Auch wenn du A- bis Z-Wörter und das generische Maskulinum benutzt.“

      Das ist eine Botschaft der AfD.

    • Mondschaf26

      @Wanderin:

      Einen Seitenhieb auf die Woken sehe ich hier nicht. Robert Misik hat doch direkt vorher im Text erklärt, dass eine fälschliche Schonung der Faschisten aus Gründen der Behutsamkeit vorliegt. Das ist kein Seitenhieb, das ist klare Analyse.



      Da fällt mir nur Tucholsky ein. „Rosen auf den Weg gestreut"



      www.deutschelyrik....-weg-gestreut.html

      • Wanderin

        @Mondschaf26:

        Zur Erinnerung, die Woken sind POC-und-migrantische Deutsche. Die, welche die AfD ethnisch säubern will. Rhetorische Frage: Ist der Begriff "Woke-Faschisten-Allianz", der Gemeinsamkeiten bzw. Komplizenschaften insinuiert, vor dem Hintergrund besonders glücklich?



        .



        Zum anderen ist interessant, dass der Begriff ein Schmähwort geworden ist, das auf alles gestülpt wird, was man von links für irgendwie verwirrt hält. Diese Wertung wurde von rechts übernommen.



        .



        Die falsche Schonung von Faschisten kommt von Linken, die sich mit dem "armen AfD - Wähler" identifizieren und immer noch nicht wahrhaben wollen, dass der rassistisch ist. Mit der Verwirrung haben die Woken nichts zu tun, das muss man ihnen nicht auch noch falsch andichten.

        • Wanderin

          @Wanderin:

          * Natürlich gehören zu den Woken auch die LGBTQ und alle, die sich mit Inklusion beschäftigen, aber ich habe diejenigen mit Migrationshintergrund spezifisch erwähnt, weil der Remigrationsgipfel auf sie bezogen ist.

  • Westlahn

    Ich persönlich akzeptiere keine "Begründungen" oder "Entschuldigungen" mehr dafür, dass Menschen AfD wählen. Die Aussagen der Art: die Partei ist weitgehend faschistisch, aber die meisten ihrer WählerInnen nicht. Wer FAschisten an die Macht wählt, ist verantwortlich. Wasauchimmer Menschen für Probleme mit der etablierten Politik oder dessen Personal haben - und da gibt es wahrlich eine Vielzahl von Punkten, die ihre volle Berechtigung haben - mensch kann den Teufel nicht mit dem Belzebub austreiben.



    Es gibt genug Mittel und Methoden gegen eine als falsch wahrgenommene Politik aktiv zu werden.



    AfD wählen gehört nicht dazu. Es ist ein No-Go.

    • Michael Fischer

      @Westlahn:

      ob du die Begründungen akzeptierst ist unerheblich,



      Lt. Kurt schumacher kann auch die Betrachtung der Wirklichkeit hilfreich sein. Dazu könnte ein Blick in die Kriminalitätsstatistik helfen auch in die dänische die die Zahlen in Relation zur Einheimischen Bevölkerung setzt.



      Art.1 GG Die Würde. Zu dieser gehört das Recht auf körperliche Unversehrtheit, hierzu 80 Messerangriffe täglich. Bitte nachschauen!! Denken sie an Sylvester, das sind nur einige der Treiber für den Erfolg der AfD.



      Die Einwanderungspolitik der Angela, der Grünen, Linken ect. Auch eine der Gründe warum die Mieten vor allen in den städten steigen.,



      Wer also Ursachen für den Erfolg der AfD sucht wird schnell fündig. So, du hast mich ganz sicher schon als Nazi festgemacht aber bitte nicht ärgern (macht hässlich).

    • Zippism

      @Westlahn:

      Dann müsste man diese Logik allerdings konsequent anwenden: Wer eine Regierungspartei wählt, trägt demnach auch persönliche Verantwortung für deren politische Bilanz.

      Wer in den vergangenen 15 Jahren CDU, SPD, Grüne oder FDP gewählt hat, wäre dann folgerichtig mitverantwortlich für Wohnungsnot, hohe Energiepreise, marode Infrastruktur, Bürokratie, steigende Staatsausgaben, verfehlte Migrationspolitik oder was man der jeweiligen Regierung sonst noch vorwerfen möchte.

      • Hatespeech_is_not_an_opinion

        @Zippism:

        Ja, genauso ist es. Ein aufgeklärter, in der Demokratie aktiver oder an der Demokratie interessierter und verantwortungsvoller Bürger trägt die Folgen und zieht daraus Schlüsse.



        Für mich persönlich habe ich das auch getan und werde eine bestimmte Partei, der ich in der Vergangenheit Soziale Verantwortung zugetraut habe, nicht mehr wählen. Weder im Bund, noch im Land oder kommunal, auch wenn dort einige KandidatInnen sich redlich Mühe geben.

    • Libuzzi

      @Westlahn:

      Stimmt -- es ist aber das einfachste Mittel, etwas "gegen eine als falsch wahrgenommene Politik" zu tun. Funktioniert wie ein Button in Social Media. Und hat den Vorteil, dass man sich damit als "selbstwirksam" und handlungsmächtig erlebt. Die Nachteile regnen ja (hoffentlich) woanders runter.



      Ich kann das Geschwätz der AfD-Wähler auch nicht mehr hören, dass sich jetzt vielleicht endlich mal was ändert. Die zentrale Frage ist nämlich: Welche "Kollateralschäden" nehme ich in Kauf, damit sich etwas ändert? Dass ein größerer Teil der hier lebenden Bevölkerung zum Abschuss (oder zur Abschiebung) freigegeben wird, stört die Damen und Herren, die diesen Verein wählen, offenbar wenig.

  • Strenge Susanne

    Vielen Dank für diesen Artikel, genau so ist es- es sind die niedrigsten Instinkte, die Personen dazu bringen, ihr Kreuz bei Blau zu setzen.

  • Philippo1000

    Danke für den Hinweis!



    Zur Lage:



    eine Rechtsextreme Partei hat in einem sehr kleinen Bundesland mit sehr wenig Stimmen einen Erfolg erzielen können.



    Das ist nicht schön, aber auch kein Weltuntergang.



    Es ist der „Schuss vor den Bug“.



    Es bedeutet, dass wir nicht mehr automatisch damit rechnen können, „dass Alles gut wird“.



    Wir müssen statt dessen dafür arbeiten, dass es gut bleibt.



    Wie wir auch in diesem Artikel erfahren, geht es dem „afd“ Wähler weniger um Inhalte, als darum Teil von Etwas zu sein.



    Und das ganz ohne irgendetwas leisten zu müssen.



    Die Einstellung „Schuld an Allem sind die Anderen“, reicht.



    Wer nun aber die Demokratie ganz O.k. und für erhaltenswert hält, sollte nicht ins gleiche Horn tuten.



    Die Regierung ist keineswegs „dysfunktional“, sie funktioniert ja. Ob die eine oder andere Entscheidung von X oder Y nicht erwünscht ist, ändert daran nichts.



    Die außerparlamentarische Opposition muss sich auch anpassen. Es reicht nicht mehr die Schuld auf Andere zu schieben,



    das können die Rechten schlicht besser.



    Es gilt, die Demokratie zu stärken und nicht in die gleiche Kerbe zu hauen um sie zu Fall zu bringen.



    Gegen Rechts geht nur zusammen (-arbeiten nicht: - meckern!)

  • Filou

    Ach wie schön wäre es wenn man sich Wähler nach seinen Vorstellungen backen könnte. Kann man nicht, also muss man sich mit dem Vorhandenen abfinden.



    Wie wäre es die Sorgen und Nöte der Menschen anzuhören, ernst zu nehmen und beim politischen Handeln zu berücksichtigen.



    Nach meiner Meinung wurde in Sachsen -Anhalt die AfD nicht so stark weil alle ihre Wähler rechtsextrem sind, sondern weil diese mit der bisherigen Politik unzufrieden waren und eine echte Veränderung wollen.



    Wählerschelte sollte man lassen.

  • ja wirklich?

    Nicht bloß, aber auch "unglückliche Dödel" - wie werden sie in drei Jahren gucken?

  • ja wirklich?

    Danke, Robert Misik. Hut ab. Fundiert, gut beobachtet und eingeordnet. Ich stimme Ihnen voll zu. Kennen Sie "Cynthia Fleury, Hier liegt Bitterkeit begraben" ? Fundiert Ihre Thesen und Setzungen in Zusammenhänge aif's Feinste und, da sie praktizierende Psychiaterin in Paris ist, auch in der Klinik, schöpft sie auch aus ganz lebenspraktisch-therpautischen Erfahrungen. Wer auf der Suche nach tieferem Verständnis dieser Orientierung ist, die sich ja nicht nur bei den Anhängern des Abgrunds für Deutschland findet, der wird aus diesem Band viele Erkenntnisse ziehen.

  • Passionsblumenstrauß

    Was sollen sie denn wählen?

    • Okti

      @Passionsblumenstrauß:

      Alles außer Faschisten und Nazis? Übrigens, mensch kann auch eine Partei gründen, wenn nix dabei ist im aktuellen Parteienspektrum.

  • Lowandorder

    Wat denn nu?



    AfD - rechtsradikalistisch oder doch rechtsextremistisch ?



    unterschied 🤖



    Der Hauptunterschied liegt im Verhältnis zur Demokratie: Rechtsradikale wollen gesellschaftliche oder politische Strukturen radikal verändern, erkennen aber die Grundregeln der freiheitlich-demokratischen



    Grundordnung an; Afd - Hä? =>



    Rechtsextreme hingegen lehnen die parlamentarische Demokratie und die Menschenwürde als Grundprinzip ab und wollen sie aktiv beseitigen



    Rechtsextremismus



    Haltung zum Staat: Extremismus ist per Definition verfassungsfeindlich und antidemokratisch. Das Ziel ist es, die Grundwerte der freiheitlichen Demokratie, , den Pluralismus und die Gleichheit aller Menschen abzuschaffen.

    Suchts euch raus

    • Uwe Kulick

      @Lowandorder:

      So ist es.



      Rechtsradikal ist zum Beispiel Dobrindt. Grenzen eher zu als auf, ein Abschiebflug mehr als früher üblich aus Prinzip, und das ganze noch rhetorisch unterstrichen, als ob noch mehr passiert. Passiert aber nicht, der rechtsradikale Politiker geht aber wenn möglich bis an die Grenzen des Rechtsstaates, kriegt gelegentlich eine Abfuhr von Gerichten für seine Maßnahmen. Ideologie zumeist bürgerlich-konservativ. Nicht relevant für den Verfassungsschutzbericht.

      Rechtsextrem: Vertritt politische Ansichten, die weit über die Grenzen des Rechtsstaates hinausgehen, versucht die Institutionen des Rechtsstaat einzuhegen vor allem durch Gefolgsleute der eigenen Ideologie auf Amtsführung- und Richtersesseln, wenn dazu die Mittel nicht da sind durch Angstmache und Einschüchterung von AmtsträgerInnen, toleriert Gewaltübergriffe wie Rostock-Lichtenhagen usw.



      Relevant für den Verfassungsschutzbericht, u.U. auch für Parteiverbot

      Rechtsextremist: Setzt alles daran, seine Ideologie mit allen Mitteln umzusetzen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingeschlossen, auch eigenhändig.



      Relevant für Staatsschutz, top-relevant für Parteiverbote, sonstige Gruppierungsverbote, Terrorbekämpfung etc.

  • Thomas Günther

    Genauso sehe ich das auch: Wer die AfD wählt, tut dies in der Regel nicht aus Protest, sondern ist ein überzeugter Faschist, eine überzeigte Faschistin.

    • Nahuelbuta

      @Thomas Günther:

      Aber sowas von an der Realität vorbei.....



      Mit solch einer Sichtweise kann man nicht erwarten, ernstgenommen zu werden!



      Kenne in meinem (breiten) Umfeld viele, die AfD wählen bzw. mit ihr sympathisieren, ALLE sind Lichtjahre von irgendwelchen faschistoiden Ideen entfernt.

      • Petros

        @Nahuelbuta:

        und warum wählen Sie dann eine faschistische Partei?



        Sie könnten ja auch die Tierschutzpartei wählen wenn sie ach so enttäuscht von den "etablierten" Parteien sind oder Protestwähler sind. Aber nein - sie wählen bewußt eine offen faschistische Partei.



        Vielleicht sollten Sie ihr Umfeld mal genauer betrachten.

      • Volker Scheunert

        @Nahuelbuta:

        Sowas kann man immer behaupten - da würde ich mir schon etwas detailliertere Beschreibung gen der demokratischen Gesinnung dieser AfD-Sympathisanten wünschen ...

      • Kaboom

        @Nahuelbuta:

        "Kenne in meinem (breiten) Umfeld viele, die AfD wählen bzw. mit ihr sympathisieren, ALLE sind Lichtjahre von irgendwelchen faschistoiden Ideen entfernt."

        Und ehm – nur mal so gefragt – wie kommen diese Leute mit den 110 Rechtsextremisten klar, die bei AfD-BT-Abgeordneten angestellt sind? Oder den diversen ehemaligen HDJ-Spitzenfunktionären, die sich im engsten Kreis um Siegmund befinden? Oder mit den Mordphantasien der AfD-Funktionäre in den gelakten Chats? etc. pp.

    • Querbeet

      @Thomas Günther:

      So einfach kann man es sich natürlich machen. Alles Faschos außer Mutti!



      Und dann? Was macht man mit einem Land, in dem 44% Faschisten sind?

  • Heideblüte

    Danke für die Klarheit des Kommentars!



    Diejenigen, die ernsthaft meinen, dass man AfD-Anhängern, also Fans von Hass, Fremdenfeindlichkeit und Rache gegen Andersdenkende, mit Verständnis und Sanftheit verändern kann, die/der versteht nicht, wie hasserfüllt und verblendet Menschen in einer kultähnlichen Vereinigung wirklich sind. Die Geschichte hält genügend Beispiele bereit, in denen die Überzeugten freudig Familienmitglieder und Freunde ans Messer geliefert haben. Übrigens auch in der DDR - von daher gibt es bei den AFD-Wählern eine gewisse Kontinuität des Handelns.

  • My Sharona

    Ja und Nein, die faschistische Propaganda richtet die Menschen zu wie beschrieben, aber warum schafft sie das? Weil sie so gut ist? Oder weil die Menschen in einem wirtschaftlichen System leben, dass sie auslaugt, ihnen die Kraft für Engagement und Toleranz raubt, sie dauerhaft Dinge erfahren lässt, die sich als Demütigung erleben lassen? Der Boden für die Wirksamkeit faschistischer Propaganda wird durch den Kapitalismus bereitet.

    • Petros

      @My Sharona:

      Nein. Die Menschen im Westen leben im selben System und sind weit davon entfernt 50% Faschisten zu wählen. Habe das BSW einfach mal dazu gerechnet da ich finde wer Faschisten zur Macht verhilft ist selber ein Faschist. Bei Politikern noch mehr als bei Wählern da diese genau wissen was sie tun.

  • Il_Leopardo

    Man muss sich nur anschauen, wer in den Landtag einziehen wird:



    Ein Ex-Stasi-Offizier, Leute mit Neonazi-Vergangenheit und Vorstrafen. Niemand kann später behaupten, er habe das alles nicht gewusst. Sie wussten es nicht nur - es war ihnen so auch recht. Diese verrohten Gestalten sind ausdrücklich erwünscht.

  • Uwe Kulick

    Endlich mal klare Kante. Aber während es Faschismus bisweilen ausreicht, die Opposition wegzusperren ohne Rücksicht auf Haftbedingungen, Beispiel Austrofaschismus vor 1938, ist es Nazismus, der politische Ziele wie "Remigration" verfolgt. Also extreme Programmatik gegen diverse Bevölkerungsgruppen. Massenpsychologie nutzt bösonders der Nazismus, quasi kollektive Phobien im Volk hochzüchtend!

    Das dumme an allem "Nazis raus" ist eben, daß das gar nicht geht. Und wenn, würden sie Exil ihren Nazismus weiter pflegen und bei nächster Gelegenheit ausleben wollen. Es ist wie mit Orks.

    "Remigration", das erinnert an die Ausweisung aller Juden aus Spanien am Ende des Mittelalters. Ein ungeheuerliches politisches Verbrechen.

    Ein Deutschland, das auch nur im geringsten stolz auf sich sein will, muss auf Veranstaltung solcher Menschheitsverbrechen verzichten.

    Was tun? Die politische Landkarte gestalten wie Berlin: Da gibt es Metropol-Bezirke in allen wichtigen politischen Farben schwarz, rot, dunkelrot, grün und leider auch blau. Unter den Bundesländern sollten auch nur zwei drei "leider blau" werden, Rest grün, rot, schwarz und temporär bei Auftauchen von Talent wie Ramelow auch dunkelrot.

  • ImNetz

    Stimme dem Autor des Artikels zu, dass die meisten AFD-Wähler die AFD wegen der programmatischen Inhalte wählen und nicht, weil sie uninformiert, ängstlich, unterpriveligiert, abgehängt etc sind. Daher wird auch die Strategie nicht funktionieren, man müsse einfach die eigene Politik besser erklären. Wo ich nicht übereinstimme, ist deren Zuschreibung, Faschisten zu sein. Aus extrem linker Sicht, die bereits Abschiebungen von nicht anerkannten Flüchtlingen und das Schützen der eigenen Grenzen vor illegaler Einwanderung als faschistisch empfinden, ist diese Zuschreibung nachvollziehbar, aus eher liberal-konservativer Sicht jedoch nicht. Die AFD füllt die Lücke im rechten Spektrum, die die Merkelpolitik hinterlassen hat. Man kann enttäuschte konservative CDU-Wähler als Faschisten bezeichnen, weil man CDU-Wähler sowieso schon unter Generalverdacht hatte, muss man aber nicht.



    Der inflationäre Gebrauch des Wortes Faschist als sozialistischer Kampfbegriff ist m.E. mit ein Grund, warum diese Waffe stumpf geworden ist.

    • Nahuelbuta

      @ImNetz:

      Ihrem letzten Satz stimme ich voll und ganz zu!

  • Flix

    So ist es. Man wählt, sofern noch ein Quäntchen Verstand vorhanden ist, Faschisten nur aus einem Grund: Die Übereinstimmung mit deren Ideologie.



    Für alle anderen sogenannten Protestwähler gibt es genügend alternative Angebote im politischen Spektrum.

    • Nahuelbuta

      @Flix:

      Welche (mit Chancen auf's Parlament) da wären..... ?

      • Petros

        @Nahuelbuta:

        Wenn 44% aus Protest z.B. die Tierschutzpartei wählen und nicht die Faschisten wären die im Parlament.



        Verstehe ihre Logik nicht. Imdirekt sagen sie ja, daß die Leute genau deswegen die Faschisten wählen damit die Faschisten ins Parlament kommen.

      • sociajizzm

        @Nahuelbuta:

        BSW? Hat sogar große Ähnlichkeit mit der AFD in vielen Punkten.

  • Clobert

    Volle Zustimmung!Diesem Kommentar kann ich mich nur anschließen.

    • Lowandorder

      @Clobert:

      …anschließe mich

  • Elke Weyel

    Sehr gute Analyse

  • Abdurchdiemitte

    Ich stehe noch etwas unter dem Eindruck eines Videos des YouTube-Bloggers Marcant. Darin interviewte er Teilnehmer eine AfD-Festes in Querfurt in SAH.



    Die Interviewten, vornehmlich ältere Herren, machten keineswegs einen frustrierten, vielmehr einen hochmotivierten und aggressiven Eindruck.



    Vor laufender Kamera kam es sogar zu unmissverständlich antisemitischen Einlassungen.



    Das macht mir Angst, viel mehr Angst als lautstarke Proteste und ‚Yalla, Yalla Intifada‘-Rufe palästinensischer Aktivisten auf Berlins Straßen.



    Denn auf diesem AfD-Straßenfest in Querfurt hatte sich die neue Mitte der Gesellschaft versammelt.

  • oldshatterhand

    Tatsächlich die konistenteste und erklärungsmächtigste Analyse, die ich kenne. Wer & was sich dermassen von Sachlogik entkoppelt muss es aushalten, dass er/sie in psychologisierenden Begriffen beschrieben wird. Massenwahn.

  • Rinaldo

    Danke für diese klare Analyse und Darsteliung der Mechanismen der Massenpsychogie des Faschismus.

  • Perkele

    Niemand soll/darf sagen, er/sie hätte "...das nicht gewusst..." Bei den heutigen Gelegenheiten sich zu informieren, tausendfach, ist das kein Argument, eher Feigheit und Scham.

  • Deep South

    "Ironischerweise bekommt man gelegentlich zu hören, man solle doch Menschen mit anderen als den eigenen Ansichten nicht pathologisieren."

    Ach, kann man alles machen. Und im Prinzip isses ja nicht falsch zu sagen, wer Faschisten wählt und unterstützt macht sich verantwortlich. Die Frage ist, hat das unentwegte "Pathologisieren" der AfD geschadet? Hat es die Menschen davon abgehalten, ihr Kreuz dort zu machen? Hat es irgendeinen Mehrwert für den Kampf gegen Rechts gebracht, pauschal "den AfD Wähler" abzuheften?



    Wenn nicht, dann isses nichts als blasierte Selbstvergewisserung, dass man zu den Guten gehört. Die Rechten haben über die letzten Jahre hinweg kontinuierlich Menschen Millionen Wähler aus allen anderen Lagern abgezogen. Warum ist das so? Warum sind aus ehemaligen Demokraten Faschisten geworden? Warum wird nicht nur den GroKo Parteien mißtraut, sondern auch denen, die sich als Alternative wähnen? Das "linke Lager" hatte in SA 2011 52,3%. Heute jubelt man über die Hälfte. Weshalb hat man die Leute verloren?

    Da find ichs wirklich schwierig, dass man als Reaktion auf den Wahlsieg der AfD mit einem (Achtung Sarkasmus!) "Man wird doch wohl noch Faschist sagen dürfen" reagiert.

    • Westlahn

      @Deep South:

      Wir können doch die Analyse, ob AfD Mitglieder(oder Ohneglieder ;-)) oder auch deren WählerInnen pathologisch gestört sind, einer Massenpsychose folgen , oder was auch immer die psychologische Qualifizierung ergibt, nicht davon abhängig machen, ob das -veröffentlichte- Ergebnis der AfD nutzt oder nicht.



      Wenn da ein psychisches Massenphänomen ganz gezielt geschaffen und gestaltet wird - und Menschen darauf hereinfallen, dann muss eine solche Erkenntnis dafür verwendet werden, taugliche Gegenstrategien zu entwickeln, die erfolgreicher sind als die bisherigen.



      Ich versuche mal eine Analogie: Um erfolgreich zu verhindern, dass Menschen durch Schockanrufe a la Enkeltrick oder ähnliche VArianten um ihr Vermögen gebracht werden, ist es nötig zu wissen, mit welchen psychischen Tricks diese Kriminellen arbeiten. Denn die einfachen Hinweise a la "fall nicht darauf rein" funktionieren ja als Immunisierung nicht.



      Es braucht die korrekte Analyse, was geschieht, um dagegen agieren zu können.

      • Deep South

        @Westlahn:

        Das Problem ist, dass zu einer korrekten Analyse eben nicht nur die Beschreibung der oder Pathologioserung der Gegenseite notwendig ist. Das les ich hier seit Jahren gefühlt jeden Tag. Und es ist so suppenklar, wie todlangweilig und offensichtlich auch nutzlos, dass mir am Fließband erklärt wird, dass Faschismus schlecht, die AfD faschistisch und sie zu wählen falsch ist. Ja, weiß ich alles. Seit jahren. Und weiter?



        Ich würde mir eine tiefgreifende Analyse des linken Spektrums wünschen, warum man von Politikverdrossenheit, zukunfstangst und Frust keinerlei Profit schlagen kann. Warum nach außen und zunehmend nach innen echte, ergebnisoffene, auch mal selbstkritische Debatten kaum noch möglich sind. Warum Stadt und Land immer weiter auseinderdriften, Ost und West wieder tief gespalten sind, warum alle in ihrer eigenen Bubble leben und der Tellerand zu hoch ist, um Empathie für Menschen mit anderen Sichtweisen, Lebensumständen, Biografien hat. Warums nur noch ums Recht haben und belehren geht. Undf was man tun muss, damit man wieder einen Draht raus aus der Bubble bekommt, wie man relevant große Menschenggruppen überzeugt, Mehrheiten bekommt.



        Und da sind die Analysen echt dünn.

    • Sonderzeichen

      @Deep South:

      Das war auch mein Gedanke: stimmt schon irgendwie alles, aber was außer nicken und "so isses" sagen sollen wir jetzt damit anfangen?



      Selbstvergewisserung der besser-seienden und damit einhergehend noch mehr Abgrenzung und Spaltung hilft: nichts.

  • Hans Hauke

    Es gibt im Osten eine riesige, oft leise Mehrheit, die sich in Vereinen, Initiativen und der Zivilgesellschaft für Toleranz und Geflüchtete einsetzt. Diese geht in den lauten Medienberichten über Wahlergebnisse und Proteste oft unter. Das muss ich mir selbst immer wieder vor Augen halten, seit etwa zehn Jahren aus dem Westen kommend hier ansässig, nicht zu Hause.

    Ich kann die Hinweise auf Fehler der Treuhand und fehlende Anerkennung der Lebensleistung nicht mehr hören, sie verdecken die fehlende Aufarbeitung eines wirtschaftlich und soziokulturell gescheitertes System. Das Ergebnis sieht man in der Wahl vom vergangenen Sonntag in Sachsen-Anhalt.

    Es flossen Milliarden, wenn nicht Billionen und die Renten werden immer noch vom verhassten Westen subventioniert. Es gibt keinen Grund, zu übertriebener Rücksicht. Der Westen hat mehr als seine Schuldigkeit getan, unbenommen aller entstandener Härten. Jetzt muss der Westen darauf bestehen, dass die Verfassung durchgesetzt wird.

    Wir haben immer noch eine der besten Verfassungen der Welt und leben in einem der lebenswertesten Ländern der Erde

    • Pilzlibelle

      @Hans Hauke:

      "sie verdecken die fehlende Aufarbeitung eines wirtschaftlich und soziokulturell gescheitertes System."

      Damit meinen Sie wohl den Sozialismus, oder?

  • Nuklon

    Aber was bringt es die Wähler als Faschisten zu bezeichnen? Reaktion: dann bin ich halt einer, wenn ich die AFD wähle.



    Sie sehen es als Auszeichnung, nicht als Schandmal.



    Ich kann ihnen aber keine Alternative anbieten. Die anderen Parteien kommen mit ihrem Programm nicht an. Die merken dass ihnen bei der Wahl 2 Monate Aufmerksamkeit kommen, dann wieder Jahrelang vernachlässigt werden. Die AFD tourt seit 10 Jahren durch die Kneipen und verankert sich. Diffamiert erfolgreich alles andere ( Parteien, Schule, Institute).



    Immer nur mit der Gießkanne bissl Geld werfen funktioniert nicht, wenn die AFD emotionalisiert.



    Und selbst nach dieser Wahl werden die Parteien sich noch härter in Verteilungskämpfen zerfleischen, statt die großen Würfe zu machen.



    Jede Interessengruppe sieht ihr Thema als Lösung an, Experten werden weiterhin ignoriert und Lösungen aufgeweicht.



    Es wird nicht besser..

    • Westlahn

      @Nuklon:

      Follow the money. Wenn die "etablierten" "klassischen" Parteien offenbar größere Probleme haben, ihre politischen Aktionen, ihre Werbung uäm zu finanzieren, gleichzeitig die AfD aber offenbar keine Probleme hat, "flächendeckend" mit Personal und Propagandematerial aktiv zu sein, dann stellt sich die Frage: wo kommt das notwendige Geld dafür her? Aus der klassichen Parteienfinanzierung wohl kaum.



      Könnte da ein Fan aus Übersee eine Rolle spielen? Immerhin ist die AfD Parteivorsitzende ja einmal in Erklärungsnot gekommen, wo und wie Spendengelder obskurer Herkunft über die Schweiz den Weg in die Partei gefunden haben...



      Warum sollte ausgerechnet Deutschland von solchen Einflußversuchen verschont bleiben, wenn die Rechtsganzweitaußen-Parteien und Populisten in Frankreich und Großbritannien ebenfalls den finanziellen Zuwendungen aus dem interessierten Ausland offenbar kaum widerstehen können undoder wollen.

    • nihilist

      @Nuklon:

      Die Union hat vor der letzten BTW auch erfolgreich emotionalisiert. So ist Merz Kanzler geworden. Endlich wieder Ordnung, kompetente Führung, Wirtschaftswachstum, Ende der unkontrollierten Migration in die Sozialsysteme und anderem Missbrauch - wer kann das nicht wollen, außer linksgrüne Ideologen?

      Man muss dann irgendwann auch liefern.

  • Offebacher

    Das Problem ist, was sollen die Menschen wählen, wenn in ihren Augen alle Parteien versagt haben? Dazu sagt Herr Misik leider nichts.



    In Ostdeutschland kommt dazu noch die Erinnerung an die Blockparteien, da konnte man zwar wählen, aber eben nur die Einheitsliste der Blockparteien - oder man hat das Wählen eben gelassen bzw. eine ungültige Stimme abgegeben, was an den Parlamentssitzen genau gar nichts geändert hat.



    Mir fällt da nur eine einigermassen praktikable Lösung ein, nach der auch nicht abgegebene oder ungültige Stimmen ein gewisses Gewicht haben, dass die Parteien auch bemerken: Wenn die Wahlbeteiligung gewisse Schranken unterschreitet, sinkt die Anzhal der Abgeordneten. Das ändert dann zwar nichts an der prozentualen Verteilung der Sitze, aber die Abgeordneten, die Angst um ihre persönliche Zukunft haben, würden dann vielleicht eher gegen unfähige Regierungen rebellieren. Außerdem wäre es ein Ventil, um die Wähler zu besänftigen, die einfach nur entäuscht und verärgert von den jetzigen Abgeordneten sind und diese durch Wahlverweigerung auch aus dem Parlament "rauswählen".

    • Petros

      @Offebacher:

      Hier sind alle 15 Parteien, die zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026 am 6. September 2026 angetreten sind:

      CDU



      SPD



      Die Linke



      AfD



      FDP



      Bündnis 90/Die Grünen



      Freie Wähler



      BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht)



      Tierschutzpartei



      Die PARTEI



      Volt Deutschland



      NPD



      MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands)



      Die Basis



      Piratenpartei



      Das hätten die Menschen wählen können. Ist Ihnen das nicht genug Auswahl?

    • Kaboom

      @Offebacher:

      "Das Problem ist, was sollen die Menschen wählen, wenn in ihren Augen alle Parteien versagt haben? Dazu sagt Herr Misik leider nichts."

      Es gibt gefühlt 30 Parteien, die man wählen kann, wenn man die etablierten Parteien nicht wählen will. Seltsamerweise wählen fast alle eine Partei. Zufall? Statistisch ist das nicht sehr wahrscheinlich.

    • Westlahn

      @Offebacher:

      Es haben ja nicht alle Parteien versagt. Zum einen könnte es also bei "in ihren Augen" an ebendiesen Augen mit ihrem Tunnelblick liegen.



      Zum anderen ist es keineswegs die notwendige Folge AfD zu wählen, wenn es nur um eine "message" an die etablierten politischen Akteure geht. Da stehen noch eine Menge andere Parteien auf dem Wahlzettel, von denen die allermeisten diese Demokratie nicht zerstören wollen. Und die nicht mit offensichtlichen Clan-Strukturen die öffentlichen Kassen mit "Arbeitsverträgen" ausplündern.

  • shitstormcowboy

    So genau ist. Und deshalb ist die Verweigerung des Verbotsantrags durch Merz Und Söder unverantwortlich, menschenverachtend und menschengefährdend.

    • Westlahn

      @shitstormcowboy:

      Ja, ich fänd's auch schön, wenn es die AfD nicht gäbe.



      Aber von jedem AfD-Verbots-Befürworter möchte ich hören, bzw lesen, was er oder sie glaubt, das nach einem AfD Verbot mit Blick auf die WählerInnen und Unterstützer passieren würde: Kehren die zu "Altparteien" zurück? Ziehen sich komplett von Politik zurück ? Gründen den nächsten Populistenverein? Oder besteht nicht die Gefahr, dass ein kleiner aber bedeutender Teil in den Untergrund geht - und auf die Unterstützung hoffen kann. Das kann allerhand Gewalt zur Folge haben. Genug Aggression ist in der AfD dafür allemal vorhanden.

    • Offebacher

      @shitstormcowboy:

      Und warum hat es die vorherige Regierung nicht getan? Spätestens, nachdem die FDP raus war, hätte sie den Antrag beim Verfassungsgericht einreichen können,. Oder die vorvorherige unter Frau Merkel?



      Warum stellen die linken Parteien im Bundestag nicht dort einen Antrag, dann müssten auch SPD und CDU/CSU Farbe bekennen. Analoges gilt für den Bundesrat: auch dort könnte z.B. die rot-rote Regierung von Mecklenburg-Vorpommern einen Antrag einreichen, dann müssten die anderen Landesregierungen Farbe bekennen,



      Für mich die einzig logische Erklärung: Die Politikerinnen und Politiker glauben oder wissen sogar, dass der Verbotsantrag vor dem Verfassungsgericht scheitern wird.

  • EchteDemokratieWäreSoSchön

    Der Autor schreibt: "Wer im vollen Bewusstsein eine faschistische Partei wählt, ist ein Faschist"



    Ich finde einen solchen Satz absolut inakzeptabel. U.a. weil damit ca. 1 Million Menschen in Sachsen-Anhalt wohl als Faschisten abgestempelt werden sollen. Entspricht ein solcher Satz der Netiquette der taz? Oder gilt die Netiquette nicht für Autoren der taz selbst?

    Aber mal abgesehen davon, dass ich es für völlig inakzeptabel halte, 1 Millionen Menschen einfach mal so zu Faschisten zu erklären, hätte ich gedacht, dass das Verständnis der Problematik "Zu viele Wähler für die AfD" inzwischen weiter ist. Ein Teil der Wähler der AfD sind sicher Rechtsextremisten und vielleicht auch Faschisten. Aber ein großer Teil wählt die AfD, weil sie von diesen Parteien in den letzten Jahren und Jahrzehnten übel im Stich gelassen wurden. Und solange die AfD nicht verboten ist und solange die etablierten Parteien kein Angebot an diese Wähler machen für eine Politik, mit der diese zufrieden sind, haben die etablierten Parteien eine genauso große Schuld an diesem Problem wie die AfD-Wähler. Und AfD-Wähler zu verteufeln, ist weder zielführend noch gerechtfertigt. Wie Schulze sagte: Das ist Demokratie.

    • Petros

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      die werden nicht als Faschisten abgestempelt. Die haben sich selber abgestempelt. Und sind scheinbar noch mächtig stolz darauf es den woken Demokraten mal so richtig gezeigt zu haben.



      Und wie schon oft hier geschrieben - es gab nicht nur die AFD zur Auswahl. Hätten ja auch alle Die Partei wählen können. Die ist aber leider nicht ausländerfeindlich.

    • Suryo

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Rechtsextremismus ist der Appell an den inneren Schweinehund, an die niedersten Instinkte. Welches Angebot könnten demokratische Parteien denn da machen?

      Wenn AfD-Wähler zB sehen, was ICE in den USA macht, wenn kleine Kinder nachts gefesselt aus dem Haus gezerrt werden, dann sagt sich der AfD-Wähler nicht etwa: „Um Himmels Willen, wie schrecklich“. Nein, er lacht und sagt: „Geil! Genau das will ich hier in Deutschland auch.“

    • Suryo

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Diese Wähler sind erwachsen!

      Gerade WEIL man sie ernstnimmt, gerade WEIL man ihnen ihre Wahl zurechnet und sie nicht belächelt und als unmündige Kinder betrachtet, nennt man sie Faschisten.

      Waren die Millionen Wähler der NSDAP etwa auch keine Faschisten? Doch, natürlich.

      Im Übrigen habe ich diese Weigerung, Wählern einer Partei ihre Wahl zuzurechnen, noch nie in Bezug auf andere Parteien gehört.



      „Wer Grüne wählt, ist doch nicht automatisch grün“ - said nobody ever.

    • Felis

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Wer mit der Polirik der "etablierten"Parteien unzufrieden ist, muss seinen Unmut nicht ausdrücken, indem er/sie eine rechtextreme Partei wählt. Es standen 15 Parteien zur Wahl. Eine Stimme für die Tierschutzparzei oder die Gartenpartei wäre auch eine Möglichkeit gewesen.



      Nicht die "etablierten" Parteien tragen die Schuld daran, wenn jemand eine rechtsextreme Partei wählt, sondern der/diejenige, der/die seine Stimme so einer Partei gibt. Bitte nehmen Sie doch die Extremisten-WählerInnen nicht in Schutz, das haben die nicht verdient.

      • FriedrichHecker

        @Felis:

        "Eine Stimme für die Tierschutzparzei oder die Gartenpartei wäre auch eine Möglichkeit gewesen."

        Nur wenn man seine Stimme einfach verschenken will, aber nicht, wenn der Protest bei den etablierten Parteien - also die, die die AfD (nicht die Tierschutzpartei, nicht die Gartenpartei, nicht die Piratenpartei, nicht die Partei für schulmedizinische Verjüngungsforschung und schon gar nicht die Nichtwähler) halbieren oder ähnliches wollen - ankommen soll.

        • Petros

          @FriedrichHecker:

          wenn 44$% die Gartenpartei wählen ist die Stimme aber nicht verschenkt. Komischerweise haben sich aber alle auf die AFD geeinigt - scheint dann doch am ehesten dem menschenverachtenden Weltbild der 44% zu entsprechen. Ausländerhass war also wichtiger als Tierschutz.



          Es gab mal Zeiten da war AFD wählen auch eine verschenkte Stimme.

    • Lenchen

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Wenn Sie Faschisten mit Nazis gleichsetzen, haben sie gewiss recht. Nazis, sind AfD-Wähler größtenteils gewiss nicht. Aber eben Faschisten, die eine rechtsextreme = faschistische Partei unterstützen. Also ja, in Sachsen-Anhalt leben offenbar 576.037 Faschisten (abzüglich einiger Dödel). Ist doch nicht so schwer zu verstehen. Oder?

    • Axel Schäfer

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Wer mit voller Absicht, und das ist ja bei einer freien Wahl zu unterstellen, Faschisten wählt muss einer sein, warum sollte er das sonst tun? Soll man jetzt in Frage stellen, dass die für ihre Wahl verantwortlich sind? Sind es dann alles fehlgeleitete Opfer oder war etwa die Hand Gottes im Spiel und hat das Kreuzchen gemacht?

    • Abdurchdiemitte

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Ich denke, dass Sie den sozialpsychologischen Ansatz in der Argumentation Misiks nicht verstanden haben.



      Die AfD-Wählenden sind zunächst ganz normale Bürger, wie wir anderen auch und nichts anderes. Das hat Misik doch nicht bestritten



      Mit der hasserfüllten, menschenverachtenden Agitation, die die AfD ja nicht erst seit gestern betreibt - Pegida und Querdenker beispielsweise waren ideologische Durchlauferhitzer für den Erfolg der AfD, sie haben ihr sozusagen den Boden bereitet - , ist sie für ihrer Anhänger also zum neue Normal geworden. Nicht sofort, es ist ein schleichender Prozess.



      Das Fatale ist, dass ein Teil ihrer Gegner in der Auseinandersetzung mit den Faschisten selbst ihre Sprache und ihren Gewaltkult übernimmt und ihnen so immer ähnlicher wird.



      Sie sind also Faschisten, weil der Faschismus selbst schon längst normalisiert wurde - von der gesellschaftlichen Mitte, die diesen Faschismus möglicherweise überhaupt nicht (mehr) als solchen wahrnimmt bzw. ihn ebenfalls für normal hält. Eskludiert werden dabei nur die Randständigen und Fremden.



      Und beruft sich der deutsche Faschismus noch auf seine NS-Traditionen, können seine Anhänger dann auch als Nazis identifiziert werden.

    • nihilist

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Was ist denn das angebliche Ziel, dem die Benennung von Faschisten widerspricht?



      Wenn es in Ordnung ist, Faschisten zu wählen, dann kann man doch nicht guten Gewissens als Ziel setzen, dass Leute weniger oft Faschisten wählen. Wo bliebe da die Demokratie?



      Nein, küsst sie wo ihr sie trefft.

    • R.I.P.

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Vielleicht nehmen die verirrten Seelen, die ihr Kreuz bei der AfD machten, die Etikettierung als Faschist*Innen, als Grund zum Nachdenken, ob es nicht eine andere Möglichkeit gib, ihre Unzufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen auszudrücken, als eine gesichert rechtsextreme Partei zu wählen?

    • PeterArt

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Die ohne Überzeugung und nur mal so Faschisten wählen sind die eigentlich Schlimmsten. Den ohne die hätte der Faschismus keine Chance.

    • PeterArt

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Nein, bei einer Wahlbeteiligung von 75% und 43,8% Wählern "nur" ungefähr 560.000. Und die müssen das aushalten.

    • Klabauta

      @EchteDemokratieWäreSoSchön:

      Faktencheck: Es waren keine 1 Million, sondern genau 576.037 Menschen, die mit ihrer Zweitstimme die AfD gewählt haben.



      Was immer noch genau 576.037 zu viele sind.

  • Volker Scheunert

    Ganz soweit, wie der von mir hochgeschätzte Robert Misik, AfD-Wähler in ihrer Gänze als Faschisten zu bezeichnen, würde ich nicht gehen, aber Adornos "autoritärem Charakter" entsprechen sie wohl so ziemlich alle - und daher würde ich für keinen AfD-Wähler in Sachen demokratische Gesinnung (Eintreten für Gewaltenteilung, gleiches Recht für alle, Aushandeln von Kompromissen, Mehrheitsbeschlüsse unter Berücksichtigung von Minderheitenschutz, Unantastbarkeit der Würde JEDES Menschen) meine Hand ins Feuer legen...

    • Abdurchdiemitte

      @Volker Scheunert:

      Ich verstehe den autoritären Charakter Adornos so, dass er nicht unbedingt an die Ideologie des Faschismus gebunden sein muss. Nicht umsonst wird im innerlinken Diskurs auch von der autoritären Linken gesprochen.



      Er ist Produkt einer autoritären Sozialisation der verschiedenen gesellschaftlichen Institutionen (Elternhaus, Schule, Kirche, aber auch das Militär,, siehe auch Heinrich Manns ‚Untertan‘) - und er scheint sich extrem hartnäckig zu halten, bedenkt man z.B. den gesellschaftlichen Wandel von der Kaiserzeit bis in die Gegenwart.



      Heute wird der Begriff der autoritären Persönlichkeit überwiegend negativ konnotiert. Niemand möchte gerne als autoritär erscheinen, im Zweifel ist es stets der Chef, der einen ständig runterputzt, der unsympathische Nachbar, der pedantisch darauf insistiert, dass sich das Unkraut im eigenen Gartsn nur ja nicht auf seinen sorgsam gepflegten englischen Rasen breit macht usw.



      Wenn genannte Personen sich dann noch als AfD-Wähler outen, ist mit ziemlicher Sicherheit davon auszugehen, dass sie es tatsächlich auch sind - autoritäre Persönlichkeiten.

      • Volker Scheunert

        @Abdurchdiemitte:

        Da haben Sie vollkommen recht: Autoritäre Persönlichkeiten sind nicht auf AfD-Wählerinnen und -Wähler beschränkt.



        Auch Konservative haben oftmals einen Hang zum Autoritären. Und ich kann mir gut vorstellen, dass vor einigen Jahrzehnten auch bei Kommunistens und Sozialdemokratens zuhause Vater oft noch ein strenges Regiment führte - das hat sich aber, Gott sei Dank, größtenteils geändert.



        Allerdings ertappe ich mich selbst manchmal dabei, dass meine autoritäre Seite sich äußert - vielleicht ist sie ja in uns allen angelegt und muss immer mal wieder eingehegt werden ...

        • Hugo

          @Volker Scheunert:

          Von der nie weggewesenen "Ausländerfeindlichkeit" usw. usf. als Grund der Wahl einer Fascho-Partei ma ab, wollen die Leute durchaus mehrheitlich Autoritätspersonen in Autoritätspositionen. Also des, wo die in dem Zusammenhang gerne verbratenen Platone und Macchiavelli ne "Diktatur light" basteln wollen. Geht heutzutage nimmer auf, weil auch ein Großteil der hier irgendwo mit ca, 560.000 bezifferten sachsen-anhalter AfD-Fans ned demokratiefeindlich* sind. Irgendwo sind die halt jetzt am Liefernmüssen.



          *inwieweit sich des Demokratieverständnis mit dem in Sonntagsreden gerne hochgelobten deutschen FDGO überschneidet, ist ne andere Geschichte...

  • MarsiFuckinMoto

    Kann man so schreiben, bringt halt nichts. Herr Misik sollte es (eigentlich) besser wissen, er kriegt es in Österreich doch hautnah mit: hat es was gebracht, die FPÖ Wähler zu beschimpfen? In der letzten Umfrage stand die Partei bei knapp 40%... Oder auch hier, in Richtung der TAZ: Es gibt zig Kommentatoren, die hier die AFD und deren Wähler beleidigen. Ich persönlich habe damit kein Problem (ich bin ja nicht gemeint), aber zu glauben, dass eine Shurjoka, ein Staiy (linke Influenzer, wobei das für viele Linke wohl eine Beleidigung wäre, aber vielleicht ist das auch mein Problem mit „Tastaturaktivisten“ oder auch ein Herr Misik mit platter und pauschaler „Fascho-Kritik“ auch nur irgendwas an zukünftigen Wahlergebnissen ändern: das ist halt naiv und wohl auch nicht die Intention. Letztere ist wohl eher, die eigene Bubble zu bedienen, die aber EH schon dieser Meinung ist. Wie sagte Maxim von KIZ: „Das Einzige was mich zum Schweigen bringt ist Applaus“... Schafft man mit solchen Texten sehr schnell, nachhaltig ist bes halt null Komma null. Schade, wertvollen Platz in der TAZ verschenkt

    • My Sharona

      @MarsiFuckinMoto:

      Der Text von Misik ist zugespitzt und verbal aufgerüstet - keine Frage, aber Wählerbeschimpfung sehe ich nicht. Oder anders gesagt: jede*r, die*der sich schon mal konfrontiert sah mit einer soziologisch und massenpsychologisch fundierten Beschreibung der eigenen Gruppe, wird sich - bei entsprechender Neigung und Bereitschaft - davon beleidigt fühlen. Beim Aussprechen harter Wahrheiten darf es aber nicht bleiben. Was folgt daraus, das ist doch die Frage. Wie gehen wir mit diesen zugerichteten Menschen individuell und kollektiv um. Welche politischen Folgerungen müssen gezogen werden, die sich auch in konkrete Maßnahmen übersetzen lassen? Da hat der Meinungsbeitrag wenig zu bieten. Aber: ein Text kann auch nicht alles leisten.

    • Abdurchdiemitte

      @MarsiFuckinMoto:

      „. … hat es was gebracht, die FPÖWähler zu beschimpfen?“



      Ich sag’s mal so: es hilft in erster Linie der eigenen Selbstgewissheit und politischen Standortbestimmung.



      Ob Wählerbeschimpfungen ansonsten irgendeinem von Nutzen sind - außer die FPÖ-(oder AfD-)Wähler noch stärker an ihre Partei zu binden - würde ich mal hinterfragen wollen.



      Aber, Herrgott nochmal, der politische Gegner, insbesondere der Nazi, sollte ruhig wissen, wie ich zu ihm stehe.

      • MarsiFuckinMoto

        @Abdurchdiemitte:

        Genau das sage ich doch:

        "Ob Wählerbeschimpfungen ansonsten irgendeinem von Nutzen sind - außer die FPÖ-(oder AfD-)Wähler noch stärker an ihre Partei zu binden - würde ich mal hinterfragen wollen.“ MEINE Intention wäre das als linker Journalist auf jeden Fall nicht. Und wenn ich als Journalist tatsächlich die Beschimpfung zur eigenen Standortbestimmung brauche, dann würde ich mir mal Gedanken machen. p.s.: Dem „Nazi“ ist es halt völlig egal wo ich persönlich stehe, und DEN kann ich auch nicht von anderen politischen Inhalten überzeugen. Ich will aber nicht glauben, dass es in Sachsen über 40% „Nazis“ gibt, dementsprechend glaube ich sehr wohl, dass ein großer Teil noch von Medien und Politik beeinflussbar sind. Nur halt nicht auf diese Art und Weise. Weder von Herrn Misik, noch von diesen ganzen Influencer-Dullis...

        • sociajizzm

          @MarsiFuckinMoto:

          87% der AFD Wählerinnen halten die Partei für eine Partei der Mitte.



          .



          Ich glaube nicht, dass Menschen die so verblendet sind groß beiflussbar sind. Am denen prallt eh alles ab, wie an Teflon, denn die leben längst in ihrer eigenen Realität. Anders sind solche Aussagen einfach nicht erklärbar.

    • nihilist

      @MarsiFuckinMoto:

      Applaus!

  • apfelkern

    Genau so.



    AgD-Wählende wissen genau, wen sie wählen und haben eine hämische Freude, allen, die als Gegner:innen ausgedeutet wurden, eins auf den Deckel geben zu können.



    Remigration gibt ihnen ein Gefühl der Macht.



    Sie wollen genau diese "wohldosierte Grausamkeit" wie Höcke es nennt.



    Es sind Rassist:innen und Faschist:innen per defintionem.

    Danke für den Hinweis im Artikel auf die Forschung zur Massenpsychologie.

  • Andreas_2020

    Der Stand der politischen Bildung ist in Deutschland m.M. nicht besonders hoch. Gerade Geschichtsunterricht ist in vielen Bundesländern kein durchgehendes Fach mehr, sondern Teil einer Fächerkombination aus Wirtschaft, Gesellschaft, Geschichte, Erdkunde. Und das bedeutet, dass viele Menschen inzwischen wenig Ahnung von deutscher Geschichte haben und viele auch nie einen echten Politik-Unterricht hatten. Viele Kinder und Jugendliche fahren nie mit ihrer Schule zu einer NS-Gedenkstätte oder besuchen ein ehemaliges KZ.



    Dass diese Menschen keine Hemmungen haben, eine Partei zu wählen, die mehr oder weniger immer mehr auf einen utlrarechten, rechtsextremen und rassistischen Kurs einschwenkt, das überrascht mich nicht.



    Und richtig. Wer so wählt, der handelt, der läuft nicht mit oder schluckt was runter. Und die Problemlösungsideen der AfD sind mehr oder weniger Müll. Rein sachlich will diese Parteie eine Menge Mist erreichen, aber sie sind rassistisch und nationalistisch, sie werten die niedrigsten Nationalgefühle der Menschen auf.

    • Wanderin

      @Andreas_2020:

      Ich bin auch immer wieder überrascht, wenn ich in den Kommentaren so was lese wie, in etwa: "Hää was für Rechtsextremismus? Die Nazis sind doch schon tot."

      Und das ist völlig ernst gemeint.

      Ideologische Kontinuitäten, die nicht nur Antisemitismus umfassen, scheinen nicht verstanden zu werden? Darum gelten auch alle als enorm nervig, die auf diese hinweisen.

      Gleichzeitig wird gerne selbstgewiss behauptet, man sei schon weltweit einsame Spitze im Aufarbeiten der Vergangenheit, eine weitere Vertiefung des Themas sei gar nicht nötig.

    • Reinero66

      @Andreas_2020:

      Es fährt auch niemand nach Bautzen.



      Die Linken waren aber auch nicht anders Stichwort: Kulturrevolution.



      Dito Klima jeder der nicht sofort in Hysterie verfällt ist Klimaleugner, etc. also die Linke kann das auch ganz gut und einige Zitate von Frau Reichinnek zu Thema Reiche, sind auch nicht menschenfreundlich.

  • Fritz Müller

    "das ist wie ein Beweis aus dem Labor, wie die Verwandlung von Menschen geschieht, wie man sie durch Agitation und Propaganda dazu bringt, die Häme, die Bösartigkeit zu bejubeln und die Freude daran, Rache an den scheinbaren Feinden zu nehmen

    Anhänger werden in Wütende verwandelt, in Raserei versetzt, das Ressentiment wird ihnen zur zweiten Natur, die Verbitterungsstörung zu einem zentralen Charakterzug.

    Der Rechtsradikalismus verspricht seinen Anhängern sadistischen Lustgewinn"

    ... sehr gute Analyse des erfolgreichen Arbeitens an den niedrigen Instinkten.



    Ein Beispiel sich für ein Verbot der sozialen Medien einzusetzen.

  • Jürgen aus Nürnberg

    Tja - was muß passieren, damit Freilandhühner keine Käfighaltung mehr wählen?

    Oder anders formuliert - MUSS man in einer freiheitlichen Gesellschaft immer alles machen, was man will ... aus eigenem Entschluß?!

  • Bommel

    Von den bisherigen Analysen zur Wahl in Sachsen-Anhalt, die ich gelesen habe, ist diese hier eine der leichteren.

  • nihilist

    Und wieder werden es die Deutschen erst begreifen, wenn sie in einer Trümmerwüste dastehen und es doch nicht so gemeint haben.

    • Westlahn

      @nihilist:

      Wer sollte da trümmern ? Die ehemaligen "Alliierten" haben alle den gleichen Virus: Trump. Farage. Le Pen, Melloni. Die Liste ließe sich fortsetzen.

      • nihilist

        @Westlahn:

        Och, es gab da noch einen Alliierten aus dem Osten. Den wünscht man sich dort ja auch wieder zurück.