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Linke Militanz Die linke Seite der Brandmauer

Gastkommentar von

Andreas Petrik

Linke Gewaltromantik schadet dem Kampf gegen Rechtsextremismus. Sie spielt denen in die Hände, die die wahren Feinde der Demokratie links ansiedeln.

U lf Poschardt ist einer der wirksamsten publizistischen Demokratiegefährder der Republik. In seinem Welt-Kommentar vom 6.7.2026 mit Rio-Reiser-Anspielung „Es ist vorbei, bye, bye, Antifa!“ zum AfD-Parteitag in Erfurt nutzt er linke Gewalt gegen Jour­na­lis­t:in­nen rechtspopulistischer Medien, um Zivilgesellschaft zu dämonisieren: antirassistische Initiativen, Gewerkschaften, NGOs, kritische Medien, Faktenchecker – sowie SPD, Grüne und Linkspartei als ihre politischen Stützen.

Poschardt fantasiert – anschlussfähig an Rechts­ex­tre­mis­t:in­nen – eine wirtschaftlich-kulturelle Zerstörung der Republik durch „linksliberale Verlierer“ und „Shitbürger“ herbei. Aber militante Linke haben ihm erneut die Vorlage geliefert – und damit all denjenigen, die die wahren Feinde der Demokratie links ansiedeln. Ausgerechnet jetzt, da Sachsen-Anhalt das erste rechtsextremistische Versuchslabor der Republik werden könnte.

Andreas Petrik

ist Professor für Politikdidaktik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Mitglied des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ). Er forscht zu demokratischer Identitätsbildung durch handlungsorientierte Methoden. Sein Spielfeld sind Schulen, Lehrerbildung, Verbände und politische Bildungsträger.

Daraus wird eine toxische Dreieckslage: reale Gefahr durch Rechtsextremist:innen, publizistische Stützung durch Pseudoliberale, Steilvorlagen von links außen. Die Brandmauer gegen Rechtsextremismus ist alternativlos. Die AfD lässt sich nicht durch Duldung, Kooperation oder eine Kopie ihrer Migrations- und Kulturkampfpolitik schwächen. Studien zeigen: Wenn demokratische Parteien rechtsextreme Positionen übernehmen, normalisieren sie diese – und stärken das Original.

Der antifaschistische Schutzwall braucht jedoch ein linkes Pendant. Nicht gegen die Lehramtsstudentin Lisa Poettinger: radikale Klima- und Kapitalismuskritik, Ablehnung von Profitmaximierung, Lützerather Baumbesetzungsprotest, schließlich strafrechtliche Vorwürfe nach den Räumungen. Bayern machte daraus zu Unrecht fehlende Verfassungstreue und ließ sie nicht ins Referendariat. Doch das Grundgesetz schreibt keine kapitalistische Wirtschaftsordnung fest.

Pluralismus und Rechtsstaat schützen

Die Grenze von legitimem Aktivismus liegt dort, wo ziviler Ungehorsam in Einschüchterung, Selbstjustiz oder Gewalt gegen politische Gegner kippt – und erst recht dort, wo Unbeteiligte leiden. Wie im Fall der ehemaligen RAF-Aktivistin Daniela Klette: bewaffnete Raubüberfälle, traumatisierte Opfer – und ein Solidaritätsmilieu, das Terrorgeschichte noch immer zu revolutionärem Widerstand verklärt. Oder Lina E.: Wegen Selbstjustiz an Neonazis zu über fünf Jahren verurteilt, aber wegen guter Führung und glaubhafter „Lossagung“ von Gewalt nach zwei Dritteln der Strafe entlassen.

Wer politische Gegner körperlich bestraft, schützt niemanden vor Faschismus

Nun sitzt sie wegen Verweigerung der Aussage zu mutmaßlichen Mittätern in Beugehaft. Politisch zeigen beide Fälle, wie Szeneloyalität innerlinke Aufarbeitung blockiert. Die doppelte Brandmauer ist kein Hufeisen. Linksextreme Gleichheitsutopien jenseits von Stalinismus und Avantgarde-Diktatur haben Schnittmengen mit Demokratie und Grundgesetz; rechtsextreme Ungleichwertigkeitsvorstellungen nie, selbst wenn sie gewaltfrei bleiben.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Demokratiefeindlich wird Linksextremismus dort, wo er Pluralismus, Rechtsstaat und Mehrheiten durch Gewalt, Wahrheitsmonopol oder Erziehungsdiktatur ersetzt. Die größere Bedrohung der Demokratie kommt von rechts; Verfassungsschutzberichte und BKA-Zahlen stützen diese Asymmetrie. Aber lässt sich daraus ein Recht auf gewaltförmigen Widerstand in Demokratien ableiten?

Die Black Panthers zeigen die Ambivalenz von Militanz und Demokratisierung: Sie entstanden unter rassistischer Segregation und systematischer Polizeigewalt. Produktiv waren nicht Strafaktionen gegen politische Gegner, sondern Selbstschutz und soziale Infrastruktur: Polizeibeobachtung, Frühstücksprogramme, Gesundheitskliniken, Rechtsberatung, politische Bildung.

Gewalt führt nicht zu Mehrheiten

Der Hauptbefund der Protestforschung lautet: Wo Wahlen, Gerichte, Öffentlichkeit, Versammlungsfreiheit und legale Opposition noch real funktionieren, verringern gewaltförmige Taktiken oft Unterstützung, erleichtern Repression und beschädigen legitime Anliegen. Radikale Flügel können Moderate manchmal stärken; Gewalt selbst baut aber keine demokratische Mehrheitsmacht. Hingegen beteiligen gewaltfreie Bewegungen mehr Menschen und verändern eher Institutionen. Demokratie braucht Mehrheiten.

Wetten, die Demokratie gewinnt? ​

Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier.

Marx’ Revolutionsmodell lässt sich auf moderne Demokratien nicht übertragen. Es gibt kein einheitliches revolutionäres Subjekt, keine homogene Mehrheit, die nur von falschem Bewusstsein befreit werden müsste. Militante Linke verweisen auf reale, dringliche Krisen: Klimawandel, wachsende Ungleichheit, rechtsextremistische Aushöhlung der Demokratie. Und da die aus Ex­per­t:in­nen­sicht nötigen Maßnahmen zurzeit keine gesellschaftlichen und politischen Mehrheiten bekommen, erscheint ihnen Gewalt als legitime Notwehrstrategie.

Notwehr gegen rechtsextremistische Angriffe ist legitim und legal. Gewaltförmiger politischer Widerstand wird aber erst dort legitimierbar, wo demokratische Strukturen systematisch beseitigt werden und andere Abhilfe nicht mehr möglich ist. Das hat seinen guten Grund: Solange demokratische Institutionen noch tragen, bedeutet politische Gewalt fast immer, dass eine Minderheit sich über den Mehrheitswillen hinwegsetzt. Sie produziert so keine Aufklärung, sondern die sektenartige Selbstbestätigung einer Avantgarde des objektiven Interesses. So verliert sie den Anschluss an die Gesellschaft, die sie aus guten Gründen verändern will.

Wer politische Gegner körperlich bestraft, schützt niemanden vor Faschismus. Er verwandelt Täter in Opferfiguren, stärkt rechte Trotzmilieus und macht demokratischen Antifaschismus angreifbar. Faschismus bekämpfen heißt: bedrohte Menschen schützen, antidemokratische Netzwerke offenlegen, Institutionen verteidigen, pseudoliberale Steigbügelhalter enttarnen, mühsam Mehrheiten gewinnen.

Dazu muss die demokratische Linke mit linker Gewaltromantik brechen – so eindeutig, wie sie zu Recht von Konservativen die Abgrenzung vom Rechtsextremismus verlangt. Antifaschismus wird nicht stärker, wenn er nach alter RAF-Manier den Ausnahmezustand vorwegnimmt, auf den der Faschismus abzielt. Leider kann das neue Lied von Danger Dan genau so gelesen werden, zumal er darin Lina E. explizit grüßt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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25 Kommentare

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  • David Lejdar

    Ich bin allgemein gegen sogenannte Selbstjustiz bzw. Vigilantismus. Und bei dem wie es weitergehen soll... ich habe z.B. die Memoiren von Otto Braun gelesen, wo sich auch mit den Landtagswahlen von 1932 befasst - und es ist nicht so, dass zumindest im Nachhinein eine magische Formel gefunden hätte, mit welcher die Wahlen noch für die bürgerliche Mitte hätte gewinnen können, wenn so viele Wähler/innen dem nächsten Typen Mandat geben, um "diese Migranten zu entsorgen", u.ä.

    Und mein Ansatz ist da, dass man als Staatsoberhaupt von Preußen wohl Medienaufmerksamkeit bekommt, und so eher mal thematisiert, dass EU und Bund mit den Return Hubs zu sagen scheinen, dass Deutsche als Ausländer pauschal in ein solches Hub z.B. in Uganda abgeschoben werden können - und somit vielleicht eher mal sachliche Debatte, statt wie totaler Quark, der sich nicht weiter damit befasst, dass EU-Bürger viele Straftaten ausmachen, wo auch eher Kriminologie gefragt, statt Parolen.

    Auch weiteres, wie z.B. Nachbarschaftsversammlung aller hier lebenden Nationalitäten, womit man paar Dinge koordinieren kann, wie z.B. Unterstützung für Journalisten im Exil, und ziemlich andere Dynamik der Dinge.

  • Ingo Bernable

    "Linke Gewaltromantik" mag man kritisieren, gleichzeitig stellt sich aber schon die Frage ob die Vorstellung der bislang ungehinderte Aufstieg rechtsextremer Positionen bis hin in greifbare Nähe absoluter Mehrheiten ließe sich mit dem zwanglosen Zwang des besseren Arguments aufhalten sich nicht inzwischen auch als bürgerliche Sozialromantik erwiesen hat. Und wo ist es denn bislang tatsächlich gelungen dem allgemeinen und dem diskursiven Rechtsruck durch linke Anschlussfähigkeit ans bürgerliche Lager etwas entgegenzusetzen?



    Kann man also wirklich plausibel annehmen die Black Panther hätten ihre Ziele nur mit Frühstücksprogrammen allein erreichen können?



    Und was sind die historischen Beispiele in denen die Spaltung des eigenen Lagers in legitime Moderate und illegitime Radikale eine Bewegung tatsächlich gestärkt und nicht in Abspaltungen und Lagerkämpfe geführt hätte?



    Und ist es tatsächlich gute demokratische Praxis dem Willen der Mehrheit nachzukommen, wenn diese von Populisten und Demagogen durch Lügen und Propaganda verführt in letzter Konsequenz das Ende der Demokratie will?

  • Dr. McSchreck

    Die wahren Feinde der Demokratie sind nicht "links oder rechts", sondern in den Extremen "links und rechts" - und beide Seiten bekennen sich ja auch dazu.

    Trotzdem guter Artikel.

  • Tiene Wiecherts

    Die Argumentation ist die gleiche wie damals:



    Demokraten, Linke, fügt euch allen Gewaltexzessen der Nazis, lasst euch abschlachten, wenn es sein muss. Hauptsache ihr liefert den Faschisten und ihren Helfershelfern keine Argumente; auf das sie vollkommen ohne Gegenwehr ihren faschistischen Staat errichten können.



    Aber die Hoffnung dieser Helfershelfer, die Faschisten würden sich dafür dankbar erweisen, wird genauso verfliegen, wie seinerzeit die gleiche Hoffnung der Zentrumsleute, die damals in Zuchthaus und KZ geendet sind.

  • Wolferich

    Was mir hier fehlt, ist wie man die AfD-Wähler zurückgewinnen möchte. Denn das sollte das Ziel sein. Die Strategie derAusgrenzung der AfD und somit auch der AfD-Wähler ist jedenfalls krachend gescheitert. Man holt AfD-Wähler jedenfalls nicht zurück, indem man ihnen sagt: "Du böser Nazi, du wählst eine rassistische Partei". Ich bezweifle stark, dass alle Wähler der AfD rassistisch sind. Die AfD würde aktuell auf 29% der Stimmen kommen, wenn Bundestagswahl wäre. Und man darf nicht vergessen, dass es auch poltisch-konservativ eingestellte Menschen gibt, die den gleichen Respekt wie andere Wähler verdienen, statt sie zu diffamieren und und auszugrenzen. Denn genau das treibt diese Menschen in die AfD.

  • Tiene Wiecherts

    Es ist die gleiche Debatte wie vor knapp 100 Jahren. Aber genauso wie die Faschisten diese Zeit nochmal genauso wiederholen wollen, müssen ja nicht auch die Linken diesen gewaltvollen Untergang auch wieder genauso erleben müssen.

  • Stefan Haker

    Sehr guter Artikel. Für mich stellt sich hier die Frage, was führt Menschen zu solchen Taten? Die glauben wohl kaum, „ich haue jetzt mal ein paar Nazis mit dem Hammer auf den Kopf, dann ist die Welt ein Stück besser“. Da müsste ,man wohl schon sehr verzweifelt sein und hat die Demokratie quasi schon ad acta gelegt.



    Das Rechtsradikale*r niemals befürchten müssen unter einer Linkspartei geführten Regierung zu leben liegt sicher auch an solcher Form vom Bärendienst und die „Wir sind ja gegen Gewalt, aber…“-Rhetorik zerlegt dann den Rest linker Glaubwürdikgeit.

  • DiMa

    Der Autor ist also nicht gegen Gewalt, weil Gewalt ganz grundsätzlich schlecht ist, sondern weil sie keine Mehrheiten bringt und dem falschen nützt.

    Ich lehne einfach jede Form von Extremismus ab - egal ob links oder rechts.

  • Sybille Bergi

    Man sollte als demokratisch gesinnter Mensch prinzipiell keine Gewalt anwenden gegen die politische Konkurrenz

  • Hymynameis

    Mir fehlt hier:

    · Eine Abgrenzung von Gewalt und Militanz.

    · Eine klare Definition linker Gewalt anhand von Beispielen. "Hammerbande"? RAF? Erstere eine Kleinstgruppe ohne breite Unterstützung, letzere seit '98 aufgelöst.

    · Die Benennung institutionalisierter rechter Strukturen (hoher Anteil von Faschos bei Polizei, Feuerwehr, VS, …) einerseits, versprengter Grüppchen von (lauten) Aktivistis (jedoch ohne nennenswerte Macht) andererseits.

    · Viele Faschos (zB der III. Weg) WOLLEN linke Gewalt, um darauf ihrerseits a) gewaltsam reagieren zu können und b) ALLE Linken als schlecht darzustellen.

    · Und dann zu guter letzt die Frage, warum Menschen überhaupt militant werden?

    Ich lese den Artikel als eine Warnung über eine brennende Kerze im Dachstuhl, während das Erdgeschoss bereits voll in Flammen steht.

    Allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz bleibt für mich hier ein gebogenes Stück Metall erkennbar.

    Umfragen zufolge liegt die Zustimmung zu politischer Gewalt im einstelligen Prozentbereich. Also ~90% Ablehnung von Gewalt, übrigens über alle politischen Lager hinweg.

    Kritik an Gewalt ist notwendig, eine rhetorische Gleichsetzung via "linke Brandmauer" mMn völlig verfehlt.

  • MichiMichi

    Spannender Artikel.

    Eine Sache erschließt sich mir aber nicht:



    „ Dazu muss die demokratische Linke mit linker Gewaltromantik brechen – so eindeutig, wie sie zu Recht von Konservativen die Abgrenzung vom Rechtsextremismus verlangt.“

    Also während Konservative diverse Positionen von rechts übernehmen und sich erneut zum Steigbügelhalter derer machen die ebenfalls keine Distanz zu Neonazis und Gewaltbereiten haben – sollen sich jetzt ausgerechnet Linke distanzieren.



    Ich verstehe den Vergleich, die Gleichsetzung nicht.



    Was hat die Distanzierung von radikaleren Positionen innerhalb der politischen Linken mit dem rechtsruck und kuschelkurs der Konservativen zu tun? Und wie soll das in irgendeiner Weise diesen Rechtsruck zurückdrängen? Ist es nicht einfach nur eine Fortführung des Rechtsrucks im eigenen politischen Lager?

    • Cornelia Gliem

      @MichiMichi:

      ... weil man vielleicht einfach vernünftiger und moralisch integrer sein sollte?

  • Encantado

    "Aber militante Linke haben ihm erneut die Vorlage geliefert – und damit all denjenigen, die die wahren Feinde der Demokratie links ansiedeln. Ausgerechnet jetzt, da Sachsen-Anhalt das erste rechtsextremistische Versuchslabor der Republik werden könnte."



    Offensichtlich mit recht bereitwilliger Unterstützung seitens Frau Wagenknecht, deren BSW angeblich links steht. Sollte nicht verschwiegen werden.



    "Dazu muss die demokratische Linke mit linker Gewaltromantik brechen."



    Ganz sicher, aber das reicht nicht, siehe oben.

  • Thomas O´Connolly

    Wenn der Widerstand gegen Autoritarismus und Faschismus nicht bürgerlich und handfest ist, wird er scheitern. Das ist leider so klar wie Kloßbrühe.

  • Zippism

    Der Artikel kommt zu einem eigentlich ziemlich einfachen und richtigen Schluss: Wer politische Gegner körperlich bestraft, schützt damit keine Demokratie. Warum muss daraus aber unbedingt wieder ein kompliziertes „linke Gewalt ist problematisch, weil sie der Rechten in die Hände spielt“ gemacht werden?

    Gewalt gegen politische Gegner ist nicht deshalb falsch, weil sie der AfD nutzt. Sie ist falsch, weil sie Gewalt gegen politische Gegner ist. Punkt.

    Und genau diese Unterscheidung wäre wichtig. Wer Rechtsextremismus bekämpfen will, sollte nicht ständig erklären müssen, dass man linke Gewalt vor allem deshalb ablehnt, weil sie eine „Steilvorlage“ für die Rechte liefert. Das klingt fast so, als wäre die Gewalt unter anderen politischen Vorzeichen weniger problematisch.

    Eine Demokratie braucht keine Gewalt von links oder rechts, sondern Rechtsstaat, Meinungsfreiheit, politische Auseinandersetzung und Mehrheiten. Das ist eigentlich viel banaler als die ganze Hufeisen-Debatte – aber offenbar auch viel schwerer konsequent durchzuhalten.

    • behr Behr

      @Zippism:

      Genauso ist es, das Strafrecht bildet die einzige zulässige



      Grenze legaler und verbotener Handlungen, es ist schon bezeichnend, wenn in einem Artikel diese rechtsstaatliche



      Grundlage nicht ein einziges Mal erwähnt wird. Und zB.



      wird bei Begriffen wie „ziviler Ungehorsam“ diese rechtsstaatl.



      Grenze ideologisch zurechtgebogen.

  • aujau

    Haudrauf kann als Lösung nicht funktionieren, auch wenn es noch so verführerisch ist. Nun müssen Notwehr und Schutz diskutiert werden.

  • Andreas_2020

    Die Antifa leistet schon gute Arbeit, aber sie kann auch schnell zu einem Irrschiff werden.



    Solange die AfD nicht verboten ist, muss selbst die Antifa diese Partei möglichst gut und sachlich bekämpfen, wenn man denen auch noch Schlagzeilen und Vorurteile selber liefert, ist das nicht zielführend.



    Und überhaupt, was ist eine gute Antifa.



    Das ist eine gute Frage, weil in ganz Deutschland demokratische Parteien nicht unbedingt besonders gut aufgestellt sind, die demokratischen Parteien machen aber das echte Gegengewicht gegen die AfD, Heimat und Neonazis aus.



    Das ist nicht besonders angenehm, in öden SItzungssälen zu sitzen, das Für- und Wieder einer Ampel zu diskutieren und sich Beschwerden von Bürgern reinzuziehen.



    Noch weniger geil ist es, in Parteien mit anderen zusammen zu arbeiten, die einem gerne abmessern möchten, auch das passiert in demokratischen Parteien.



    Am Ende ergibt die Summe aber eine gewaltige Leistung für dieses demokratische System.



    Und die Antifa mag ne Sitzblokade hinbekommen, besonders engagierte Aktivisten schaffen noch Infos ran, die selbst der Verfassungsschutz nicht hat, aber das löst das Grundproblem der Demokratie nicht: Engagement in Gremien.

  • GregTheCrack

    "Der antifaschistische Schutzwall braucht jedoch ein linkes Pendant."

    Am Jahrestag des Baus des antifaschistische Schutzwalles unbeabsichtigt sehr erhellend.

    • rero

      @GregTheCrack:

      Ja, dieses Wording ist krass.

      Der Mann ist Professor für Politikdidaktik der Uni Halle-Wittenberg. Dem Foto nach ist er bestimmt älter als 30.

      Ist das wirklich unbeabsichtigt?

  • elektrozwerg

    Dankeschoen. Treffender und benoetigter Artikel.

    Und fuer den naechsten Parteitag bitte keine Blockaden mehr. Bildet stattdessen Gassen, stellt jeweils jemanden mit ner Bimmel hin und ruft "Shame", aber ohne wie in der Vorlage was zu werfen.

  • AugenhöheStattTribalismus

    Danke für den Text! War sehr notwendig und tut der TAZ imagemäßig sehr gut, weil es eine Objektive jenseits von links und rechts herstellt.

    Ich klinge immer wie ein Papagei wenn ich in Foren rein schreibe: Solche Dinge lassen sich komplett über Tribalismus (Stammesdünkel) erklären. Nicht alle sind diesen neurologisch in uns verankerten Befindlichkeiten ausgeliefert - und man kann daran arbeiten.

    Fakt ist aber dass wir endlich global neu darüber diskutieren müssen und wir Tribalismus zurück treiben müssen.

    youtu.be/14XSzWT4v...i=ierg_-SnkTQR-A6E

  • Astrid Sehnefeld

    Sehr sachlicher und kluger Kommentar. Toll.

  • Frauke Z

    Dem Autor scheint Gewaltablehnung und andere Rechtsbrüche wichtiger zu sein, was mit der öffentlichen Meinung passiert.



    Ehrlich gesagt ist es ziemlich zweitrangig, welche politische Überzeugung Gewalttäter haben - oder ob sie "unpolitisch" sind. Wichtig ist vor allem, damit aufzuräumen. Was glauben Sie, wie findet jemand solche Traktate über die "Debatte", wer sich bedroht fühlt oder bereits Opfer geworden ist?

  • Don Geraldo

    Erstaunlich klare Worte, ich bin beeindruckt.



    Aber die Adressaten werden Augen und Ohren verschließen und den Appell ignorieren.