Konsequenzen aus dem Irankrieg : Flugverzicht gegen die Ölkrise
Wer nicht unbedingt fliegen muss, sollte nun darauf verzichten, damit der Ölverbrauch sinkt. Die Bundesregierung muss mit gutem Beispiel vorangehen.
Foto: Carsten Koall/dpa
D ie Bundesregierung muss wegen der Ölkrise an die Bevölkerung appellieren, auf nicht unbedingt nötige Flüge zu verzichten. Der Staat sollte mit gutem Beispiel vorangehen, indem er Flugreisen für Beamte und Kabinettsmitglieder stärker begrenzt. Bahn fahren oder Videokonferenzen – das geht auch.
Denn die Welt muss angesichts des Irankriegs Rohöl einsparen. Sollten die Ölpreise weiter so hoch bleiben, wird die Inflation auch in Deutschland nochmal zunehmen, die Wirtschaft könnte schrumpfen, die Arbeitslosenquote steigen. Umso wichtiger ist es, den Ölverbrauch dort zu senken, wo es vergleichsweise leicht fällt. Der Luftverkehr gehört dazu. Schließlich werden bisher laut Internationaler Energieagentur (IEA) weltweit rund 7 Prozent des Rohöls für Kerosin verbraucht.
Gleichzeitig ist ein großer Teil des Flugverkehrs verzichtbar. Das Gros der in diesem Sommer geplanten Starts hierzulande geht dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zufolge nach Spanien, in die Türkei, nach Italien und Griechenland. Die Mehrheit der Passagiere dürften Urlauber sein. Sie könnten ihre Ferien auch im Inland oder in Nachbarstaaten verbringen, die sich gut mit der Bahn erreichen lassen.
Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.
Inlandsflüge haben immer noch einen Anteil von 14 Prozent. Selbst die Strecke Berlin-Stuttgart schafft der ICE in etwa 5 bis 6 Stunden, in denen sich auch gut im Zug arbeiten lässt. Innerdeutsche Flüge sollten gerade während einer Ölkrise stark reduziert werden.
Hände weg vom Emissionshandel
Auf keinen Fall darf die Politik dagegen Forderungen der Flugbranche nachgeben, den Emissionshandel im EU-Luftverkehr einzuschränken. Die Fliegerei ist für mehr als 3 Prozent des Treibhausgas-Ausstoßes in der Europäischen Union verantwortlich. An diesem Problem hat sich durch den Irankrieg nichts geändert. Die Emissionen der Jets ließen sich verhältnismäßig leicht senken, weil sie eben zu einem großen Teil Luxus sind. Etwa in Frankreich statt in Indonesien zu urlauben, mindert die Lebensqualität kaum.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert