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Senkung der LuftverkehrssteuerBeim Klimaschaden ganz vorne dabei

Kommentar von

Svenja Bergt

Die Bundesregierung senkt die Luftverkehrssteuer. Das ist nicht nur unsozial und klimaschädlich – sondern wird auch ein Problem für die Branche.

A n der Senkung der Luftverkehrssteuer, die die Bundesregierung am Donnerstagabend beschlossen hat, ist so viel falsch, dass man gar nicht weiß, wo anfangen: Dass sie mitten in der Klimakrise eine extrem umweltschädliche Fortbewegungsart fördert. Dass sie einem ohnehin schon immens auf Sparen getrimmtem Haushalt einen weiteren dreistelligen Millionenbetrag entzieht. Dass voraussichtlich nicht einmal Ver­brau­che­r:in­nen davon profitieren werden, weil die ersten Fluggesellschaften schon andeuten, die niedrigere Steuer nicht weitergeben zu wollen.

Dass also eine Branche gepampert wird, die sowieso schon in großem Stil Gewinne privatisieren und Kosten sozialisieren darf. Dass mit den sinkenden Kosten der Anreiz für die Airlines, effizientere Maschinen zu entwickeln, die besonders kerosinschluckende Business Class abzuschaffen oder auf E-Fuels zu setzen, noch weiter abnimmt.

Dass Konzerne hier ein Steuergeschenk bekommen, während die Regierung gleichzeitig etwa im Sozial- und Gesundheitsbereich auf Einsparungen setzt. Dass die Senkung darüber hinwegtäuscht, dass eigentlich nicht einmal eine Beibehaltung der bislang geltenden Steuer gerechtfertigt wäre.

Denn eigentlich müssten beim Fliegen endlich sämtliche schädlichen Folgen eingepreist werden. Nur so könnte sich aus dem momentan hoch subventionierten ein realistischer und zukunftsfähiger Markt entwickeln.

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Japan natürlich

Und ja, dann müssten gerade im Bereich kurzer und mittlerer Distanzen die Verbindungen wegfallen. Doch wie schnell Hochgeschwindigkeitszüge fahren können, lässt sich in anderen Ländern beobachten – Japan natürlich, aber auch schon Frankreich. Da ist also in Deutschland und bei der europäischen Anbindung noch sehr viel möglich.

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Mit dem Mehr an Subventionen zementiert die Bundesregierung eine so nicht zukunftsfähige Branche. Das wird sich noch rächen. Für die Umwelt, für die Menschen – und für die Branche selbst.

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Svenja Bergt Redakteurin für Wirtschaft und Umwelt

schreibt über vernetzte Welten, digitale Wirtschaft und lange Wörter (Datenschutz-Grundverordnung, Plattformökonomie, Nutzungsbedingungen). Manchmal und wenn es die Saison zulässt, auch über alte Apfelsorten. Bevor sie zur taz kam, hat sie unter anderem für den MDR als Multimedia-Redakteurin gearbeitet. Autorin der Kolumne Digitalozän.
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10 Kommentare

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  • "Die Koalition hat der Luftverkehrswirtschaft nachgegeben und der ohnehin schon hoch subventionierten Branche ein weiteres Steuergeschenk von mehr als 350 Millionen Euro gemacht. Die Entscheidung des Koalitionsausschusses, das umweltschädlichste Verkehrsmittel noch weiter zu subventionieren, wird zu keiner Senkung der Ticketpreise führen, sondern in den Taschen der Airlines und ihrer Aktionäre landen.



    Ein weiteres Wachstum, wie es von der Luftverkehrswirtschaft propagiert wird, ist ökologischer Irrsinn. Bereits heute ist der Luftverkehr für mehr als acht Prozent der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich - ohne über eine tragfähige Strategie zur Minderung der Treibhausgase zu verfügen."



    Quelle: germanwatch



    Dem ist hinzuzufügen, dass Kerosin in der gleichen Höhe wie Diesel besteuert werden müsste. Es gibt kein Recht auf billiges Fliegen!

  • Um das hehre, zweifellos dringend notwendige Ziel des Klimaschutzes zu erreichen, muss man das freilich wollen. Nur diese Regierung will erklärtermaßen eben NICHT Klimaziele erreichen sondern sie will die Wirtschaft schützen. Das ist der Unterschied.



    Der Meineid bei der Vereidigung ins Amt wird damit offensichtlich: Schaden will man von Profiten fernhalten und nicht von der Bevölkerung. So einfach ist das.

  • "Und ja, dann müssten gerade im Bereich kurzer und mittlerer Distanzen die Verbindungen wegfallen. Doch wie schnell Hochgeschwindigkeitszüge fahren können, lässt sich in anderen Ländern beobachten – Japan natürlich, aber auch schon Frankreich. Da ist also in Deutschland und bei der europäischen Anbindung noch sehr viel möglich."



    Auch die Schweiz investiert pro Einwohner mehr in d. Bahn.



    Den Anschluss an d. Schweiz u. den optimalen Transit n. Italien haben wir hier versemmelt.



    Der Unterschied zu Frankreich:



    Es gibt die Vorzeigeprojekte, die immer adressiert werden.



    "So vernachlässigt ist das Schienennetz abseits der TGV-Strecken



    Der französische Hochgeschwindigkeitszug TGV gilt in Deutschland als Vorbild. Doch tatsächlich ist der Investitionsstau in Frankreich noch größer als bei der Deutschen Bahn."



    handelsblatt.com



    "Frankreich sei vor allem auf dem Hochgeschwindigkeitsnetz besser, sagt Andreas Geißler vom Interessenverband Allianz pro Schiene. Auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken gebe es keinen Mischverkehr, „die schnellen Züge sind dort allein unterwegs“. In Deutschland muss sich der ICE die Schienen dagegen mit Regionalbahnen und dem Güterverkehr teilen."



    Genau das Problem hier!

  • Die Luftverkehrsabgabe ist schlecht konzipiert, weil sie u.a.



    ● leere Plätze im Flugzeug freistellt (auch wenn ein leeres Mittelsitz bestellt und bezahlt wird),



    ● beim gleichen Flugzeugtyp und gleicher Auslastung die Gesellschaften benachteiligt, die mit engerer Bestuhlung mehr Passagiere befördern,



    ● nicht auf die Treibstoffeffizienz der Flugzeuge bezogen ist (nicht nur bei Privatjets problematisch),



    ● Inländer bei Abflug von Auslandsflughafen freistellt,



    ● bei Umsteigeverbindungen ermäßigt ist und



    ● die Entfernung auf problematische Weise berücksichtigt - z.B. die Kanaren werden viel zu günstig eingestuft und die südliche Türkei wohl auch, bloß weil die "Hauptflughäfen" im Madrid oder Istanbul näher liegen.



    ● Elektrische oder mit Grünem Wasserstoff betriebene Flüge müssten auch zahlen

    Besser wäre ein CO2-Preis nach dem berechneten oder tatsächlichen Spritverbrauch in Abhängigkeit von der Entfernung.

    Unpassend ist die Kritik "dass mit den sinkenden Kosten der Anreiz für die Airlines, effizientere Maschinen zu entwickeln, die besonders kerosinschluckende Business Class abzuschaffen oder auf E-Fuels zu setzen, noch weiter abnimmt."

  • Diese minimalen Beträge spielen für den einzelnen Fluggast keine Rolle, sondern schädigen nur den Staatssäckel. Wenn sie nicht weitergegeben werden -wie bei der Mehrwertsteuer-Reduzierung in der Gastronomie- sind beides für mich unerlaubte Subventionen und damit ein Fall für die EU.

  • Leider ist der Artikel nicht rund. Das Reduzieren der Steuer wird ohne Kontext dargestellt.



    Aktuell passiert im Flugverkehr das gleiche, wie in vielen anderen Branchen. Firmen verlagern Produktion (hier:Flüge) ins Ausland, weil es dort billiger ist. Man fliegt von Luxemburg, Amsterdam etc. nach Asien oder USA anstatt von deutschen Flughäfen.



    Dem Klima bringt das Reduzieren dieser Flüge in D gar nichts. Es sorgt nur für eine weitere Marginalisierung Deutschlands im internationalen Wettbewerb. Die Steuererleichterung soll ein Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit sein.

    • @Jens Köster:

      Die mögliche Verlagerung ist ein Webfehler der Abgabe. Wer in Deutschland lebt und in der Regel den Flug in Deutschland (online) bucht, sollte auch bei einem Abflug von Luxemburg die Abgabe zahlen. Man zahlt ja auch für Kapitaleinkünfte aus Luxemburg deutsche Kaitalertragsteuer.

      Zu den Niederlanden weiß Wikipedia: Die Luftverkehrsteuer "betrug 2023 pro abfliegendem Passagier 29,05 Euro. Transfers sind ausgenommen. Die Luftverkehrsteuer wird ab 2027 deutlich erhöht, es gibt künftig entsprechend der Entfernung drei Distanzklassen."

      www.merkur.de/verb...ssiv-94274880.html

      • @meerwind7:

        Und das Ergebnis wäre: Fluggäste mit Sitz in D Zahlen immer mehr als andere. Das dürfte weder für das Klima noch für D ein Gewinn sein.

    • @Jens Köster:

      Ich mag es nicht recht glauben, daß 2,50 € auf Kurzstrecken und 12,40 € auf Langstrecken für die Fluggesellschaften irgend etwas ändern. Dem Staatssäckel entgehen halt ein paar hundert Millionen.

      • @Josef 123:

        Die Zahlen kenne tatsächlich nicht, nur die Tatsache, dass Flüge aus D abwandern und statt dessen aus dem nähen Ausland starten. Unsere Kosten müssen runter. 12,40€ alleine werden das nicht ändern vermutlich, da stimme ich Ihnen zu.