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Deutschlands UN-NiederlageDas war kein Fauxpas

Pauline Jäckels

Kommentar von

Pauline Jäckels

Deutschlands Ansehen hat insbesondere im Globalen Süden gelitten. Man ist zu Recht unzufrieden über den Umgang des Landes mit dem Völkerrecht.

G uten Morgen, Deutschland! – das ist wahrscheinlich der erste Gedanke, der nach dem UN-Fiasko vom Mittwoch all jenen in den Sinn kam, die die deutsche Außenpolitik der vergangenen Jahre kritisch beobachten. Weit überraschender als die Tatsache, dass Deutschland bei der Wahl für den UN-Sicherheitsrat gegen Österreich und Portugal so haushoch verloren hat, ist, dass man in Berlin das Ergebnis nicht hat kommen sehen. Von einem „engen Rennen“ sprach Außenminister Johann Wadephul im Vorhinein.

Dabei warnen deutsche Menschenrechts-, Entwicklungsorganisationen und Kulturdiplomaten die Bundesregierung seit Jahren vor einem Verlust von Softpower – insbesondere in den Ländern des Globalen Südens und mit Blick auf die deutsche Unterstützung der genozidalen Kriegsführung Israels in Gaza. Zumindest hätte Deutschland eine solche Superblamage vermeiden können, hätte man hier genauer hingehört, realistisch eingeschätzt, wie es um Deutschlands Ansehen in der Welt steht – und auf die Wahl verzichtet.

Dass Deutschland aber sein Ansehen überhaupt so gravierend verspielt und so die Wahl letztlich verloren hat, war nicht einfach ein Fauxpas. Es ist die Konsequenz aus den strategischen Entscheidungen, die erst die Ampelregierung und später Schwarz-Rot bewusst getroffen haben. Nämlich immer wieder kurzfristige deutsche Interessen über das Völkerrecht und die Interessen der globalen Mehrheit zu stellen. Israel hat man mit Waffen beliefert, um die strategisch wichtige Allianz nicht zu gefährden. Bei der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA wollte man sich nicht festlegen, ob diese denn nun völkerrechtswidrig war; den US-israelischen Angriffskrieg im Iran hat man bejubelt, um Donald Trump an seiner Seite zu bewahren.

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Viele sprechen jetzt von der „deutschen Doppelmoral“, unter anderem, weil Deutschland gegenüber Russland das Völkerrecht hochhält und gegenüber seinen Freunden nicht. Dieser Begriff ist aber irreführend, wie der Journalist Stephan Kaufmann im neuen deutschland anmerkte. Denn um Moral geht es auch schon bei der deutschen Verurteilung russischer Kriegsverbrechen nicht. Sondern um dieselben deutschen Machtinteressen, die im Falle Israels und der USA eine gegenteilige Gewichtung des Völkerrechts notwendig machten.

Deutschland hat sich also für nahezu blinde Loyalität gegenüber den zwei westlichen Mächten entschieden, die ihre Interessen mit roher Militärgewalt in der ganzen Welt durchsetzen – statt gegenüber jenen Ländern, die zumindest langsam einen eigenständigeren Weg suchen: Spanien, Frankreich, Belgien, Kanada. Und genau wie die USA hat auch Deutschland massiv bei der globalen Entwicklungshilfe gekürzt, auf die insbesondere die Länder des Globalen Südens sich verlassen hatten. Warum sollte die Mehrheit der UN-Mitgliedstaaten wollen, dass ausgerechnet dieses Deutschland im Sicherheitsrat die Trump-Netanjahu-Flanke stärkt? Da wählt man lieber Österreich, dessen Loyalitäten zwar nicht grundlegend anders gelagert sind, das sie aber mit weitaus weniger Gewicht verfolgen kann.

Berlin hat immer wieder bewusst eigene Machtinteressen über das Völkerrecht gestellt

Das UN-Fiasko könnte theoretisch Anlass für einen Kurswechsel sein. Nur müsste Deutschland dafür zum einen kurzfristige Machtinteressen zurückstellen, um langfristig neue Allianzen aufzubauen. Dann müssten deutsche Entscheidungsträger auch noch ihre Selbstüberschätzung ablegen.

Forderung wie die der CDU-geführten hessischen Landesregierung, Deutschland solle nun seine UN-Mitgliedsbeiträge kürzen, wenn man nicht den Einfluss bekomme, den man verdient habe, deuten in die entgegengesetzte Richtung. Das wäre das Trump-Drehbuch nach dem Muster: Unsere Gelder sind gar nicht für den Weltfrieden gedacht, sondern eine reine Investition in unseren politischen Einfluss in der Welt. Immerhin ehrlich.

Das Problem ist nur: Die USA können sich diese arrogante Ehrlichkeit aufgrund ihrer militärisch-ökonomischen Dominanz leisten. Den USA geht so keine Macht verloren, im Sicherheitsrat sitzen sie ohnehin. Deutschland dagegen ist bei der Verfolgung seiner Machtinteressen auf gute Beziehungen zum Rest der Welt angewiesen. Ob Washington die deutsche Loyalität, auf die Berlin alle Karten gesetzt hat, auch erwidern wird, wenn es darauf ankommt – man darf es bezweifeln. Falls nicht, steht Deutschland ohne Freunde und Einfluss da.

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Pauline Jäckels

Pauline Jäckels Meinungsredakteurin

Redakteurin im Meinungsressort seit April 2025. Zuvor zuständig für die parlamentarische Berichterstattung und die Linkspartei beim nd. Legt sich in der Bundespressekonferenz gerne mit Regierungssprecher:innen an – und stellt manchmal auch nette Fragen. Studierte Politikwissenschaft im Bachelor und Internationale Beziehungen im Master in Berlin und London.
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87 Kommentare

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  • So sehnsüchtig ich mir auch wünsche, dass der Grund für die verlorene Wahl in den Sicherheitsrat die Tatsache ist, dass Deutschland einen Völkermord mit Waffenlieferungen und auch politisch unterstützt, ich glaube es nicht. Wenn man sich ansieht, mit wem man im Sicherheitsrat zusammensitzt (USA, Russland, China ...), ist es schwer vorstellbar, dass ausgerechnet Doppelmoral im Völkerrecht der Grund sein soll.

  • Vielleicht wäre es am besten, sich in Zukunft rauszuhalten und das Feld Ländern wie Österreich, Portugal und anderen kleineren Staaten zu überlassen, wie es jetzt auch schon der Fall ist. Zu melden haben weder diese noch das größere Deutschland etwas. Die 5 ständigen Mitglieder sind allesamt Atommächte, was will Deutschland in dieser Runde? Und solange Aggressoren wie Russland Stimm- und Vetorecht haben sind wir von einer Farce zumindest nicht weit entfernt.

    Und wer weiß, welche Regierung 2035/36, dem von Merz angepeilten nächsten Zeitraum, bei uns das Sagen hat. Vielleicht wird die sich nahtlos in den Reigen der bis dahin endgültig installierten Diktaturen in Russland und USA einfügen. Was die Rechten in Frankreich und England bis dahin anzetteln bzw. erreichen werden ist ebenfalls völlig offen, d.h. es ist keineswegs sicher, daß bei den 5 ständigen Mitgliedern in zehn Jahren auch nur ein Land demokratisch regiert wird.

  • "Israel hat man mit Waffen beliefert, um die strategisch wichtige Allianz nicht zu gefährden."

    Ob das der einzige Grund war, bleibt zu bezweifeln. Denn es gibt eben auch den ganz Punkt, dass Israel wirklich in seiner Existenz bedroht ist.

    Dieses Spannungsfeld nicht klar zu benennen und auch von anderen zu erwarten, dass sie diese Komplexität aushalten, ist ein Fehler.

    Das klar zu benennen bedeutet auch, die Grenzen der eigenen Einflussmöglichkeiten öffentlich anzuerkennen. So viel Deutschland in anderen Bereichen erreichen kann: eine Entwaffnung der Hamas konnte es nicht bewirken.

    Wobei ein Eingeständnis dieser Schwächen Deutschland global auch schwächen und damit in anderen Bereichen Probleme bringen könnte. Ich weiß daher nicht, ob ich es wirklich besser weiß …

    • @Arne Babenhauserheide:

      Man darf wohl unterstellen, dass all die Länder, die eine so eindeutige Meinung zu Israel (im negativen Sinne) haben, dass sie Deutschland seine allenfalls mahnende Unterstützung übelnehmen, sehr wohl die strategischen Realitäten im Nahen Osten kennen. Freilich gehören zu denen neben der existenziellen Bedrohung Israels auch die (auch ohne deutsche Rüstungsexporte) übermächtigen militärischen und paramilitärischen Mittel, die es zur Abwehr dieser Bedrohung bereithält und mit notorisch kurzer Zündschnur auch nicht zu knapp einsetzt.



      Allein diesen Kurs zu unterstützen, den ich jetzt mal verkürzend als "belagerte und entsprechenden reizbare Defensivausrichtung" bezeichnen würde, ist zwar international nicht jedermanns Ding - da reichen die Positionen von latenter "friedensbewegter" bis offener, antisemitischer Feindseligkeit -, aber zumindest eine respektierte Positionierung. Problematisch wird es, wenn die defensive Aggressivität in aktive, teils mit rassistisch anmutenden Vernichtungsphantasien verbundene Expansion umschägt.



      Da immer noch zu sagen "Wir sind Freund dieses Landes, egal was.", IST streitbar. Ich glaube nur nicht, dass DAS der Grund für die Nicht-Wahl ist.

  • Ich zweifele sehr, dass Länder wirklich von der Hochhaltung moralischer Ideale und Distanzierung von Doppelmoral motiviert sind, wenn sie ausgerechnet Russland und China nach der Pfeife tanzen. Deutschland mag nicht immer stringent mit Völker- und Menschenrechtsverstößen Anderer umgehen, aber es begeht sie wenigstens nicht skrupellos und in beliebigen Mengen und Schweren selbst. Und wer fleißig Wahlkampf für Österreich und Portugal gemacht hat, dürfte klar sein.

    Letztlich gibt es nur ein einziges Land auf der Welt, das wirklich komplett stringent mit dem Unrecht umgeht, das die Mächtigen sich zuschulden kommen lassen, nämlich die Schweiz mit ihrem unzerstörbaren Grundsatz "Die Hände müssen sauber bleiben, aber Geld stinkt nicht.". Nur ist die gar nicht UN-Mitglied...



    Am Ende klingt das Wehklagen über die moralische Fehlbarkeit Deutschlands dann doch arg vorgeschoben - ein wenig nach Capitaine Renault in Casablanca, der schockiert feststellt, dass Glücksspiel stattfindet, und sich nächsten Moment sorgsam seine Gewinne einsteckt. Aber das trifft natürlich die grüne Seele, die sich als einzigen Charakterfehler ihre gnadenlose moralische Eitelkeit genehmigt, ins tiefste Mark...

    • @Normalo:

      "Nur ist die gar nicht UN-Mitglied..."

      Doch, ist sie. Seit 2002: de.wikipedia.org/w...Vereinten_Nationen

      • @em_es:

        Stimmt, da war was. Ändert aber nichts an der Grundaussage.

    • @Normalo:

      Gegen Deutschland läuft ein Verfahren wegen Beihilfe zum Völkermord - das als "nicht Stringenten" Umgang mit Völker- und Menschenrecht zu bezeichnen, ist gewagt. Übrigens ist der NO-Konflikt keineswegs das einzige Beispiel für die Abgründe deutscher Außenpolitik. Wieso man in ihren Kreisen immer noch an den eigenen moralischen Vorsprung glaubt, ist mir ein Rätsel. Übrigens ist die Schweiz seit 2002 UN-Mitglied.

      • @O.F.:

        Mal schauen, was aus dem Verfahren wird. Die deutschen Waffenexporte nach Israel seit 2023 waren unbeachtlich - kleines Volumen und nahezu ausschließlich Gebühren für längst erteilte Lizenzen. In erster Linie geht es doch in Wahrheit gar nicht um den Vorwurf, Deutschland habe sich an Verstößen beteiligt, sondern dass es nicht in die Front Jener eingeschert ist, die Israels Verhalten als willkommenen Anlass sehen, ihren Hass über ihm auszuschütten und es zu bestrafen. Und ja, da hat Deutschland in einer Weise nicht mitgemacht, die einem Netanjahu mehr Rückenwind gibt, als er verdient.



        Ich sehe es nicht als "moralischen Vorsprung" vor Anderen an, diese Wahl so getroffen zu haben, und ich hätte vielleicht einige Töne anders getroffen (ohne zu wissen, was hinter den Kulissen gelaufen ist). Aber die Entscheidung, nicht in den Chor einzustimmen, der Sanktionierung für die einzig vertretbare Reaktion hielt, kann ich mittragen, auch wenn das nicht geht, ohne sich ein Stückweit schuldig zu machen.



        Den "Vorsprung" mögen Andere reklamieren, die offenbar ohne das Gefühl moralischer Perfektion nicht leben können. Ob diese Leute Deutschland aber "global populärer" machen, darf bezweifelt werden.

  • Sehne mich nach der Außenpolitik von Hans-Dietrich Genscher (FDP) zurück, die sich so zusammenfassen lässt:

    Seine Außenpolitik war vom Geist der Entspannungspolitik geprägt. Er setzte auf Wandel durch Annäherung, Dialog mit allen Seiten und maximale diplomatische Flexibilität („Lavieren“). Im Nahost-Konflikt agierte er als Vermittler, der versuchte, Brücken zwischen der arabischen Welt und Israel zu bauen, ohne eine Seite dauerhaft zu brüskieren.



    Er sparte nicht mit deutlicher Kritik an israelischem Regierungshandeln (etwa während der ersten Intifada 1988) und forderte, dass Deutschland gegenüber Gewalttätigkeiten israelischer Soldaten nicht „blind und stumm“ sein dürfe.

    Wenn die FDP ein Come-Back haben sollte, dann mit der Besinnung auf eben dieser Werte.

  • Dass Deutschland aber sein Ansehen überhaupt so gravierend verspielt und so die Wahl letztlich verloren hat, war nicht einfach ein Fauxpas. Es ist die Konsequenz aus den strategischen Entscheidungen, ( ... ) Nämlich immer wieder kurzfristige deutsche Interessen über das Völkerrecht und die Interessen der globalen Mehrheit zu stellen.



    ----



    Politiker & "langfristiges Denken"? Zwei Welten begegnen sich! :-(



    Wenn die o.a. ähnlich wie CEO's, nur bis zum/r nächsten Quartal/Wahltermin denken, der direkte Nutzen, die Anschlussverwendung im Vordergrund fast jedes Handeln steht, Probleme & Anpassungen nur "reaktiv" nicht "vorbeugend" angefasst werden, also das berühmte "weiter so", wird DAS weder außen- noch innenpolitisch was!



    Ps. Mal so als Idee:



    Vielleicht sollten wir die Amtszeit von Politikern auv 2 Legislaturen beschränken. Würde "Berufspolitiker" etwas einbremsen & vielleicht neuere/s Denken & Reaktionen in der Politik fördern!

    • @Sikasuu:

      Das ist eine Überlegung. Auf der anderen Seite ist das Spektrum an Themen und Wechselwirkungen, mit dem sich Politiker befassen müssen, mittlerweile so komplex, dass das Wunschbild vom "voll im zivilen Leben stehenden Amateure, der sich nicht ständig um die Wiederwahl sorgt" am Anforderungsprofil vorbeigeht. So jemand hätte innerhalb seiner Amtszeit gar nicht die Einarbeitungszeit, sich von der totalen Abhängigkeit von den - nicht gewählten - Einflüsterern zu befreien. Bürokratie Lobby (und zunehmend KI), sowie der uninformierte ideologische Bias des jeweiligen Entscheiders würden noch mächtiger.

  • Nein, es war kein Fauxpas Punkt das war abzusehen.



    Auch wenn es die taz nicht gerne liest oder hört, was Wolfgang Ischinger, immerhin einer der größten diplomatieprofis die das Land hat, und auch wenn es bei Welt gesagt hat sollte man nicht überhören.



    www.welt.de/videos...sskatastrophe.html



    Die Art wie die ehemalige bundesaußenministerin sich das Amt der Vorsitzenden der UN Hauptversammlung organisiert hat ist anscheinend in der Diplomaten Community gar nicht gut angekommen. Klar da man das nicht hören mag. Aber vielleicht ist es auch ganz anders, eher so wie Henryk M Broder es sagt: Österreich hat sich endlich für den Anschluss 1938 rächen können.

  • Interessant wie die eigene Brille färbt.

    Unterscheidet sich die deutsche Politik bezüglich Nahost wesentlich von der österreichischen? Die sind schließlich gewählt worden. Mal davon abgesehen: Wenn man die Entwicklung im "Globalen Süden" sich anschaut, dann haben sich einige Länder in den letzten Jahr(zehnt)en von der traditionellen Palästinasoldiarität verabachiedet und Israel einige Partner gewonnen. Das dürfte also Wunschdenken sein.

    Wenn man sich Stimmen insbesondere aus Afrika anhört, dann scheint es eher Überheblichkeit und Kolonialherrenmentalität aus der deutschen Linken (im Sinne von ab SPD) gewesen zu sein. Auch hier würde der Vergleich zu Österreich dies zeigen: die tatsächliche Außenpolitik unterscheidet sich kaum wie erwähnt kaum, die Österreicher machen diese nur mit weniger Moralpredikten.

  • Woraus leitet Deutschland ein Anrecht auf einen Sitz im Sicherheitsrat ab? Ist der mit Vergütungen verbunden, die geeignet wären, Klingbeils Haushalt zu retten? Und wenn nicht, weshalb ist das Abstimmungsergebnis eine Nachricht - im Gegensatz zu Warkens Pflege"reform", die doch wohl erheblich gravierende Auswirkungen auf die hiesige Bevölkerung haben wird?

  • Es ist doch ganz einfach:



    Wenn es Merz und seiner Regierung nutzt, gilt das Völkerrecht, würde es seiner Regierung schaden, gilt es nicht!

  • Und was soll nun die Lösung sein, damit Deutschland wieder mehr Ansehen bekommt? Israelhass und Antisemitismus wegen Palästina? Nur weil es 190 Länder auch so machen? Hatten wir viele Jahrhunderte lang. War nicht toll.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Danke, ich teile Ihre Sichtweise. Es gibt nur noch zwei Länder auf dieser Welt, die Israel öffentlich unterstützen (nicht-öffentlich sind es ein paar mehr, erfreulicherweise) und dass eines dieser beiden Länder Deutschland ist, finde ich nicht nur selbstverständlich (ich erinnere an die 6.000.000), sondern auch davon abgesehen richtig. Die Gegner Israels wollen nicht nur Israel, sondern jüdisches Leben weltweit auslöschen. Ich kann nicht verstehen, weshalb sich so viele auf deren Seite stellen. Und nein, Israel will nicht islamisches oder arabisches Leben weltweit auslöschen.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Hass sollte es nicht sein. Aber Ehrlichkeit.



      Und so sehr man den anfänglichen Vorstoß Israels nach diesem unfassbaren Terrorangriff noch verstehen konnte, muss man jetzt ehrlicherweise sagen: Netanjahu versucht gerade mit militärischen Mitteln eine Ideologie zu vernichten. Und das funktioniert nicht. Hat es noch nie. Und kann es auch niemals.



      Hier kommt es weniger darauf an, auf welcher Seite man sich sieht, als welche Ziele man verfolgt. Mit Waffengewalt lässt sich dieser Konflikt jedenfalls weder für die Israelis noch für die Palästinenser sinnvoll auflösen. Für die Palästinenser nicht weil sie zu schwach sind, für die Israelis nicht weil man eine Ideologie nicht erschießen oder wegbomben kann.

      • @Sonderzeichen:

        *Nur* mit Waffengewalt nicht, aber *ohne* leider auch nicht, denn wenn Israel nicht kämpft, wird es zerstört.

        Das haben seine Nachbarn inzwischen ja bereits mehrmals versucht.

      • @Sonderzeichen:

        "Netanjahu versucht gerade mit militärischen Mitteln eine Ideologie zu vernichten."

        Ich denke nicht, dass er das versucht und sehe andere Ziele bei ihm.

        "Und das funktioniert nicht. Hat es noch nie. Und kann es auch niemals."

        Vermutlich haben Sie recht. Aber ich gehe davon aus, dass es Israel ausreicht, wenn die Menschen im Norden Israels ohne fast täglichen Beschuss leben können und von Gaza kein erneuter 07.10.23 zu erwarten ist. Wurde und wird ja mehrfach angekündigt.

        "Mit Waffengewalt lässt sich dieser Konflikt jedenfalls weder für die Israelis noch für die Palästinenser sinnvoll auflösen."

        Seit ca. 80 Jahren wurde nicht nur mit (beiderseitiger) Waffengewalt versucht, den Konflikt zu lösen. Auch eine andere Methode war bisher nicht erfolgreich.



        So, meine ich zumindest, ist es richtig, dass Israel versucht, seine Bürger vor Raketenbeschuss usw. zu schützen. Das würde ich von meiner Regierung auch erwarten. Es ist deren Job. Dass die gazanische Regierung seine Bevölkerung nicht schützen wollte und will, kann meiner Meinung nach nicht der Maßstab sein.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Man muss nicht in Extremen leben. Es reicht völlig aus, die Taten der aktuellen israelischen Regierung glaubhaft zu kritisieren. Machen wir ja bei anderen Regierungen auch.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Die gewählte gazanische Regierung wurde und wird meiner Meinung nach nicht ausreichend kritisiert. Sie scheinen ja "einfach" so weitermachen zu können, wie vor ihrem Angriff auf Israel.

        • @*Sabine*:

          Wer wird nicht ausreichend kritisiert? Wer soll das sein?

          Wenn Sie die Hamas meinen. Die Hamas steht auf der Terrorliste und wird zu Recht ständig kritisiert.

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Ich betrachte die Hamas als gazanische Regierung und sie wird meiner Einschätzung nach nicht ausreichend und auch nicht so oft kritisiert wie die israelische Regierung. Die gazanische Regierung kann einfach weitermachen. Sie könnte damit anfangen, den Weg für einen Wiederaufbau in Gaza freizugeben. Solange die Kämpfer dieser Regierung dort weiterhin bewaffnet herumlaufen, wird vermutlich kein Staat Mitarbeiter zum Wiederaufbau entsenden (können).

            "Die Hamas steht auf der Terrorliste ..."

            Damit ist die Kritik an der gazanischen Regierung und ihren Unterstützern dann ziemlich erschöpft. Ich persönlich finde es nicht sonderlich beeindruckend, dass sie auf dieser Terrorliste stehen und gehe davon aus, dass es auch die gazanische Regierung und ihre Kämpfer nicht sonderlich beeindruckt.

            • @*Sabine*:

              Die Einschätzung trügt. Fakt ist allerdings, dass in den letzten Monaten vor allem die Taten der israelischen Regierung auffielen.

              Die sogenannte "gazanische Regierung" (Woher stammt der Begriff?) hat aktuell nicht mehr die Macht, groß Schlagzeilen zu machen.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Wie wär's denn mit Ausgewogenheit? Auch Fairness kann sehr hilfreich sein, ganz zu Schweigen von Respekt vor Recht und Gesetz? Es ist eine unhaltbare, hetzerische These, dass Israelhass und Antisemitismus "wegen Palästina" verursacht werden. Das hat andere Gründe, die teilweise mit den Umständen in dem Gebiet zusammenhängen. Vor allem kommt solch blinder Hass nicht von Leuten, die ausgewogen, fair denken und handeln. Und es wird befeuert durch Kriegsverbrecher, die in Israels Regierung sitzen.

    • @Troll Eulenspiegel:

      Natürlich nicht. Aber (völlig zurecht) Kritik an der israelischen Regierung üben ist ja angeblich kein Antisemitismus, das könnte die Regierung schon, wenn sie es denn wollte und sich trauen würde.



      Schwarz-Weiss ist Unsinn und hilft keinem, ich erwarte von meiner Regierung Pragmatismus, gleichzeitig das Einhalten von moralischen Mindeststandards. Zu viel verlangt?

      • @FtznFrtz:

        In welcher Welt hat unsere Regierung keine Kritik an der Israelischen Regierung geübt?

        Israelkritik kam auch aus unserer Regierung immer wieder. Auch praktisch (Lieferstopp von Waffen).

        • @Arne Babenhauserheide:

          Hat nicht Merz Netanjahu bei einem Besuch freies Geleit zugesichert? Obwohl gegen diesen ein Haftbefehl aus Den Haag vorliegt, den Deutschland als ratifiziererndes Land ausdrücklich anerkennt?



          Gerne höre ich mir Ihre Quellen an zur ach so kritischen Haltung der Bundesregierung, mir sind sie bis dato nicht aufgefallen. Und der Lieferstopp hatte höchstens eine minimal symbolische Bedeutung, de facto aber keine.

      • @FtznFrtz:

        "Aber (völlig zurecht) Kritik an der israelischen Regierung üben ist ja angeblich kein Antisemitismus, das könnte die Regierung schon, wenn sie es denn wollte und sich trauen würde."

        Ich vertrete die Meinung, dass uns das nach 6.000.000 von uns ermordeten unschuldigen jüdischen Menschen nicht zusteht. Außerdem, welchen Unterschied würde es schon machen, wenn zusammen mit dem Rest der Welt "sogar wir" uns gegen Israel stellen. Die symbolische Wirkung wäre verheerend und aus meiner Sicht ein Dammbruch. Dann wäre jüdisches und/oder israelisches Leben in Deutschland (und vielleicht auch in anderen Ländern) noch gefährlicher und ungeschützter. Das will ich nicht.



        Die symbolische Wirkung, wenn Deutschland sich gegen Israel stellt, und darauf läuft es letztendlich hinaus, wird von Pro-Palästinensern genau deshalb so vehement eingefordert ... es wäre ein Fanal. Für mich eine symbolische Reichskristallnacht.

        • @*Sabine*:

          Die Fehler der Vergangenheit dürfen nicht unser heutiges Urteilsvermögen trüben. Denn wie sollte das ihrer Meinung nach funktionieren?



          "Wir haben 6 Millionen Menschen getötet, also dürfen wir andere erst wieder kritisieren wenn sie mindestens 6,01 Millionen Menschen getötet haben"? Das ist eine Milchmädchenrechnung der gefährlichsten Art. Und man wird den Dingen damit auch nicht gerecht.



          Selbst wenn nur ein einziger Mensch zu unrecht Schaden erlitten hat, dürfen wir unsere Stimme erheben. Vergangenheit hin oder her.



          Und das bedeutet auch keineswegs, dass wir deswegen Palästinensern oder Israelis grundsätzlich irgendetwas unterstellen oder ihnen Unterstützung entziehen. GERADE unter Freunden muss man sich gegenseitig auf Fehler aufmerksam machen und an die gemeinsamen menschlichen Werte erinnern und appellieren.

        • @*Sabine*:

          Fatal, eine Regierung wie die derzeitige israelische würde in jedem Land außer Israel als faschistisch qualifiziert.



          Es ist im Gegenteil eine Verpflichtung Deutschlands, hier Kritik zu üben, eben wegen unserer Geschichte. Jeder Freund Israels erhebt die Stimme gegen diese israelische Regierung, die ihrem Land massiv schadet. Ihr Kommentar zeigt leider einmal mehr, wie offensichtlich unmöglich es ist ist, differenziert zu diskutieren in dieser Sache. Wer sich gegen die israelische Regierung stellt stellt sich nicht gegen Israel und ist erst recht kein Antisemit, im Gegenteil.

          • @FtznFrtz:

            "Fatal, eine Regierung wie die derzeitige israelische würde in jedem Land außer Israel als faschistisch qualifiziert."

            Da bin ich mir nicht so sicher. Israel wird seit ca. 80 Jahren nahezu täglich angegriffen; da sind Verteidigungsmechanismen etwas robusterer Art meiner Meinung nach durchaus naheliegend. Wie andere Länder in dieser Bedrohungslage reagieren würden, weiß ich nicht. Jüdische Menschen werden schon seit über 2.000 Jahren verfolgt, diskriminiert und angegriffen. Und wenn ich es richtig weiß, haben sie sich ja durchaus, auch in Deutschland während des 1000-jährigen Reiches, angepasst und friedlich unter uns gelebt. Ich persönlich finde es gut, dass sie sich jetzt endlich mal wehren.

            "Ihr Kommentar zeigt leider einmal mehr, wie offensichtlich unmöglich es ist ist, differenziert zu diskutieren in dieser Sache."

            Ich stimme Ihnen zu, mit der Korrektur, dass es nicht mein Kommentar ist, der das zeigt, sondern die unschöne Realität. Weshalb würde/n sonst in Deutschland zum Mord an Juden (nicht Israelis) aufgerufen werden und jüdische Menschen, die keine Israelis sind und vielleicht niemals in ihrem Leben in Israel waren, angegriffen, bespuckt und verfolgt werden.

            • @*Sabine*:

              Natürlich gibt es Antisemitismus, dieser ist selbstverständlich in jeder Form abzulehnen.



              Und natürlich hat der israelische Staat das Recht, sich gegen militärische Angriffe zur Wehr zu setzen.



              Problem: jede Kritik an der Regierung Israels muss sofort den Antisemitsmusvorwurf gegen sich gelten lassen, was an sich absurd ist. Niemand käme auf die Idee, Kritik an der deutschen Regierung wäre Christenhass oder an der iranischen Hass auf Moslems.



              Und natürlich: Israel ist die weit überlegene militärische Supermacht im Nahen Osten. Und mir kann niemand erklären, dass die Bombardierung von Wohnsiedlungen im Gazastreifen oder im Libanon rein defensive militärische Aktionen sind. Es gibt einen Verhältnismäßigkeitsgrundsatz bei Gewaltanwendung, zumal wenn man eine moderne Demokratie wie Israel ist.

  • Deutschland hat sich im Gazakrieg richtig verhalten, ganz egal was „der globale Süden“ dazu meint und ganz egal ob die Autorin hier kontrafaktisch einen Genozid unterstellt. Gut, dann sitzt man halt nicht im Sicherheitsrat, na und? Das ist doch eh eine Kasperleveranstaltung was man schon daran sieht, dass die Vetomacht Russland seit Jahren einen Angriffskrieg gegen seinen Nachbarn führt und dabei mehr oder weniger offen von der Vetomacht China unterstützt wird. Dazu kommen die Eskapaden der USA unter Trump. Diesen Sicherheitsrat braucht nun wirklich niemand und vielleicht wurde Deutschland auch deshalb nicht bedacht, da es unter einer Außenministerien Baerbock immer wieder unangenehm belehrend und moralisierend aufgetreten ist.

    • @Fran Zose:

      ‚Gut, dann sitzt man halt nicht im Sicherheitsrat, na und? Das ist doch eh eine Kasperleveranstaltung …‘

      Und ja eh lästig, für Regierungen, die seine mahnende universalistische Stimme gerne zum Schweigen bringen möchten (u.a. bzgl des von Ihnen genannten Gazakriegs).

      • @EffeJoSiebenZwo:

        Ich würde im Sicherheitsrat gerne eine "universalistische Stimme" sehen, tue das aber zu meinem eigenen Bedauern nicht. Vielleicht muss ich genauer hinsehen und hinhören.

        • @*Sabine*:

          Ja, vielleicht wäre das nicht schlecht. Aber auch das Gehörte muss dann einen ‚Ist es gut für Israel’-Filter passieren.

  • Deutschland zeigt seit einigen Jahren in der Außenpolitik nicht nur ausgeprägte Doppelmoral, sondern hält sich selbst auch noch für ein moralisches Vorbild, das anderen Staaten den erhobenen Zeigefinger vorhält.



    Die Politikerin, die damit begonnen hat, durfte kurioserweise die Wahlergebnisse in den UN vorlesen.



    Ich fürchte aber, dass die Schuld bei anderen gesucht wird und nicht als Rechnung für eigenes Verhalten verstanden wird.

  • Macht und Moral

    Zitat: "Denn um Moral geht es auch schon bei der deutschen Verurteilung russischer Kriegsverbrechen nicht. Sondern um dieselben deutschen Machtinteressen, die im Falle Israels und der USA eine gegenteilige Gewichtung des Völkerrechts notwendig machten.“

    Dies ist zwar eine Binse, aber wohltuend, sie in diesen Spalten zu lesen. Der gesamte Artikel trifft den Nagel auf den Kopf und verdient volle Zustimmung in allen wesentliche Aussagen.

    Dazu eine andere Binse: "Wer Politik und Moral auseinander halten will, versteht von beidem nichts.“ (Jean-Jacques Rousseau).

    • @Reinhardt Gutsche:

      Die Machtinteressen wären gewesen, dass wir weiter billiges Gas aus Russland erhalten.

    • @Reinhardt Gutsche:

      Speziell diesen Punkt halte ich für falsch.



      Die Verurteilung russischer Kriegsverbrechen dient keinen Machtinteressen, das ist schon weitestgehend ein Verstehen und sich verantwortlich fühlen. Sei es wegen der örtlichen Nähe - die Ukraine darf ja durchaus als Nachbar betrachtet werden. Aber natürlich auch aus dem naheliegendem Eigeninteresse solchen militärischen Bestrebungen in der Nachbarschaft früh entgegen zu treten. Das sieht man auch daran, dass die USA unter Trump sich zum allergrößten Teil zurückgezogen haben, Europa und auch Deutschland die Unterstützung aber aufrecht erhalten.



      Ginge es hier nur darum den Stärkeren zu gefallen, Wirtschaftsmacht zu erhalten, seine militärischen Ressourcen zu schonen etc. dann wäre Deutschland da schon lange raus.



      Dass Deutschland sich zu anderen Konflikten anders positioniert: das ist dann Doppelmoral, ja. Das hat natürlich auch viel mit der CDU und der Person Merz zu tun. Da geht es sicherlich um Machtinteressen und auch Ideologie.

      • @Sonderzeichen:

        "Dass Deutschland sich zu anderen Konflikten anders positioniert: das ist dann Doppelmoral, ja."

        Oder ist unserer Vergangenheit geschuldet.

        (Davon abgesehen, denke ich, dass Doppelmoral in der gesamten Politik (und uns nicht in der Politik tätigen Menschlein) vertreten wird, auch vom globalen Süden. Doppelmoral scheint in der Politik zur Grundausstattung zu gehören. Ich will das nicht kritisieren, da ich mich in der Politik nicht gut genug auskenne und privat vermutlich auch oft genug zu Doppelmoral neige, auch wenn ich mich darum bemühe, das nicht zu tun.)

        • @*Sabine*:

          Dass wir Israel grundsätzlich unterstützen ist ja auch in Ordnung - besonders angesichts unserer Vergangenheit. Aber Unterstützung heißt eben auch, den anderen auf sein Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Sich gemeinsamer, internationaler Verantwortung zu stellen. Das gilt für Merz genau wie für Netanjahu oder Trump. Und bei den Letztgenannten zeigt sich Deutschland jeweils eher zurückhaltend bis falsch gepolt.



          Dass wir natürlich alle auch irgendwo Heuchler sind - geschenkt. Auf der politischen Bühne ist Fehlerkorrektur und -vermeidung aber ungleich wichtiger als im Privatleben und muss daher verstärkt betrieben werden.

  • Na, das stimmt so nicht ganz. Zunächst mal sollen nicht die Mitgliedsbeiträge (ca 500 Mio) gekürzt werden (was vermutlich auch nicht so einfach ginge), sondern die fast 4 Milliarden an freiwilligen Zusatzleistungen. Finde ich nachvollziehbar.



    Genauso wie sich die Nichtwahl Deutschlands wohl eher damit erklären lässt, dass die Bewerbungen von Portugal und Österreich gute 10 Jahre früher stattfanden. Hat die Regierung auch begriffen und will sich schonmal bis 2044 (?) bewerben

    • @Samvim:

      Wenn es am politischen Weitblick fehlt einschätzen zu können, dass auch diese freiwillig geleisteten Zahlung für humanitäre Hilfe, Klimaschutz und Krisenprävention nicht nur völlig selbstlos sondern durchaus auch interessengeleitet fließen und man stattdessen lieber einen transaktionalistischen Politikmodus will der in trump´scher Manier meint Geld gegen Stimmen tauschen zu können, sollte man das mit der UN vielleicht lieber gleich ganz sein lassen und sich im "Board of Peace" einkaufen.

    • @Samvim:

      Also waren die 4 Milliarden für Stimmenkauf?

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        4 Milliarden pro Jahr. Ob die als Stimmenkauf gedacht waren weiß ich nicht. Sicher hat man jedoch damit gerechnet, dass die betreffenden Staaten wissen, welche Hand sie füttert. Hat sie offenbar nicht interressiert. Das ist nicht nur völlig ok, sondern aus meiner Sicht auch ein begrüßenswerter Akt der Emanzipation. Die Konsequenz ist trotzden (und gerade deshalb), zukünftige Extrazahlungen für Projekte kritischer zu prüfen. Die bisher subventionierten Länder erlangen mehr Eigenständigkeit und D tut etwas gegen den allgemeinen Eindruck, nur eine herrenlose Brieftasche zu sein.

        • @Samvim:

          "Sicher hat man jedoch damit gerechnet, dass die betreffenden Staaten wissen, welche Hand sie füttert."

          Also wie im alten Rom. Der Plebs soll gefälligst im Sinne seiner Gönner abstimmen.

          Diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Die armen Staaten werden selbstbewusster und tanzen nicht mehr nach der Pfeife der Reichen.

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Was bedeutet, dass Entwicklungszusammenarbeit -- auch unsere -- funktioniert. Dafür, dass es armen Staaten besser geht, wodurch sie auch mehr Einfluss erhalten, war die ja da.

            Obwohl uns das gerade heftig auf die Füße fällt.

            • @Arne Babenhauserheide:

              Das fällt uns keineswegs auf die Füße, es lässt uns im gegenteil stabiler stehen.



              Denn jetzt können wir uns eben nicht mehr hinter einer Vormachtstellung verstecken, sondern müssen Haltung beweisen. Es funktioniert augenscheinlich also genau wie gedacht und erhofft.

  • Die pauschale Parteinahme der Autorin für den "Globalen Süden" soll humanitär sein, hat aber ihre dunkle Kehrseite:

    Von 2015 bis 2022 beschloss die UNO 140 Resolutionen gegen Israel. Gegen alle anderen Länder gab es nur 68 Verurteilungen; den Iran trafen lediglich 4.

    Dass Deutschland diese himmelsschreiende Israelfeindlichkeit nicht 1:1 mitgetragen hat, gereicht ihm zur Ehre. Von seiner Rolle als ein Hauptgeldgeber von UNO, UNRWA, UNESCO und anderer "Israelfreunde" einmal abgesehen.

    Dass die Autorin nebenbei auch noch die deutsche Parteinahme für die Ukraine delegitimiert, finde ich nur noch erschütternd.

    • @Nardo:

      Das Deligitimieren macht doch aber nicht die Kommentatorin, sondern die Bundesregierung - indem sie eben nach Gutdünken & geopolitischer Opportunität (nicht mal der eigenen Opportunität, sondern vorwiegend der der Falken/Demokraten in den USA!) u. a. Russland scharf angeht, aber andere Völkerrechtsbrüche - durch USA, Türkei, Aserbaidschan, Golfstaaten, auch China - eben nicht (oder zumindest kaum). Es ist auch nicht folgenlose Rhetorik. Da wird Stimmung gemacht, sanktioniert, werden lukrative Verträge geschlossen, Waffen in Kriegsgebiete geliefert. Das hat reale Konsequenzen, die Länder wie Brasilien, Südafrika & Indien genau beobachten, und angesichts windelweicher Haltungen der Bundesregierung zum elendigen Konzept der US-angestoßenen Regime Changes, die ja auch in unmittelbarer Nachbarschaft z. B. von Brasilien stattfinden, erscheint - nur unter anderem! - Deutschlands Nibelungentreue in Sachen Ukraine eben unglaubwürdig. Da kommt die Delegitimierung her: die propagierten Haltungen sind im Falle Deutschlands zuletzt immer himmelschreiender inkonsistent zum realen Verhalten & die deutsche Außenpolitik daher verlogen.

      • @marilyn.hanson:

        Whataboutism zugunsten Putins. Danke für die Klarstellung!

    • @Nardo:

      israel bricht kontinuierlich seit 1967 das völkerrecht, menschenrechtsverletzungen eingeschlossen, greift seine nachbarstaaten militäriisch an und besetzt diese, immer mit dem verweis auf die opferrrolle und dem recht, sich ja nur zu verteidigen. meinen sie nicht, dass es bei 140 resolutionen gegen israel es inhaltlich auch etwas geben könnte? alle irren, nur israel nicht? geisterfahrersyndrom?

      • @the real günni:

        Israels Nachbarstaaten haben Israel nach dessen durch die UN beschlossener Gründung mehrfach zu vernichten versucht, und auf den Gebieten, die Israel beim Kampf gegen Angreifer besetzt hat, haben sich Terrorgruppen breit gemacht.

        Israel hat besetzte Regionen gegen ein einfaches Versprechen zurückgegeben: Erkennt unser Existenzrecht an.

        Die Länder, die noch besetzt sind, sind diejenigen, deren vorige Herrscher diese einfache Forderung ablehnten.

        Inzwischen ist in Israel leider eine Rechte Regierung an der Macht, aber diese Hintergründe werden dadurch nicht falsch.

    • @Nardo:

      Welchen Artikel hast Du denn gelesen...???

  • Janee!



    Einigem stimme ich zu, Anderem nicht.



    Die Außenpolitik der Ampel ist nicht die Außenpolitik von Merz.



    Viele seiner Aussagen waren spontan und nicht mit der Regierung abgesprochen.



    Die Ampelregierung pflegte noch diplomatischeres Vorgehen.



    Erinnert sei an Kanzler Scholz, der Orban eine Kaffepause nahelegte, damit Fördermittel für die Ukraine überwiesen werden konnten.



    Merz musste erst auf ein Wahlergebnis warten. Auch vor der polnischen Präsidentschaftswahl haben Merz Bemerkungen die Wahl antieuropäisch beeinflusst.



    Das Verhalten des Außentandems zum Iran war unterirdisch. Wenn die Kette reißt, sollte man sie reparieren und nicht auf die Erfindung von AKWs für den Mond warten.



    Es ist grundsätzlich o.k. mit Fördergeld Interessen zu verfolgen.



    So förderte die letzte Entwicklungsministerin Frauen, Demokratie und Nachhaltigkeit.



    Das halte ich für ein genauso sinnvolles Vorgehen wie das Ermöglichen von Zuwanderung über Qualifizierung in verschiedenen Ländern,.



    Natürlich ist das auch im gegenseitigen Interesse. Statt Illusionen brauchen wir Zuwanderung zum Erhalt unserer Sozialsystrme.



    Regieren ist tatsächlich kompliziert und nicht pauschal abzuurteilen .

  • Wir können bezüglich der Abstimmungsniederlage viel herumspekulieren. Wird ja auch getan:



    - Der Punkt dieses Artikels



    - Ablehnung der deutschen Israel-Position



    - Die arrogante Außenpolitik in den letzten Jahre unter Frau Baerbock (und ihre zweifelhafte Beförderung auf ihre derzeitige Position)



    - Kürzungen bei der Entwicklungshilfe



    - Russlands Einfluss



    - zu später Einstieg ins Rennen



    ...

    Da die Abstimmung geheim verlief, werden wir allerdings kaum präzise erfahren können, ob wir da „richtig“ herumspekulieren.



    Man gehe also in sich, schaue, wo man etwas verbessern kann und wo man nichts verändern möchte … und biete sich gegebenenfalls wieder an.



    Eigentlich politisches Alltagsgeschäft.

    Und die Welt wird auch ohne Deutschland im Sicherheitsrat überleben können.

  • Ich finde diese Instrumentalisierung des Konflikts nicht richtig.



    Deutschland und die USA gehören seit Jahrzehnten zu den größten Geldgebern der UNRWA und haben Milliardenbeträge für die Versorgung der Palästinenser bereitgestellt. Allein die USA haben über die Jahre mehrere Milliarden US-Dollar gezahlt, Deutschland gehört seit Jahren zu den wichtigsten Unterstützern und war zeitweise sogar der zweitgrößte staatliche Geldgeber der Organisation.



    Die Menschenrechte der Palästinenser waren also keineswegs völlig egal. Sonst wären diese Summen nie geflossen.



    Umso mehr irritiert mich die aktuelle Debatte. Länder wie Österreich oder Portugal äußern sich regelmäßig zum Konflikt, haben aber bei der Finanzierung der UNRWA nie annähernd die Rolle gespielt, die Deutschland oder die USA übernommen haben. Während Berlin und Washington über Jahrzehnte Milliarden bereitstellten, lagen die Beiträge anderer europäischer Staaten nur bei einem Bruchteil davon.



    Gleichzeitig sollte Deutschland Israel weiterhin dabei unterstützen, sich gegen Angriffe der Hamas und der Hisbollah zu verteidigen. Sicherheit für Israelis und humanitäre Hilfe für Palästinenser sind kein Widerspruch.

    • @Pawelko:

      Die Geldzahlungen für die Versorgung der Palästinenser dienen aber auch dazu, an der politischen Situation nichts ändern zu müssen.

      • @Francesco:

        Es ändert sich nichts an der Situation weil die Terroristen von der Hamas, einmal an der Macht, jeden Oppositionellen Foltern und keine freien Wahlen ermöglichen. Stattdessen fangen sie Massaker an und verstecken sich dann in ihren Tunneln während die Bevölkerung oben leiden muss.

  • Der UN-Sicherheitsrat ist völlig nutzlos, solange es die Vetorechte gibt. Daher ist es auch kein Verlust wenn Deutschland ihm nicht angehört. Mahnende Worte und Dekrete ohne wirkliche Wirkung kann man auch vom Papst haben.

    • @FraMa:

      Der deutsche Fuchs und die sauren Trauben des Sicherheitsrates

      Zitat: FraMa „Der UN-Sicherheitsrat ist völlig nutzlos"

      Das sieht AA-Chef Wadephul ganz anders: Der UN-Sicherheitsrat sei „das höchste wirklich globale Gremium für die Sicherheit der Welt“, für das weltweit noch immer grundsätzlich Konsens und Unterstützung aller bestehe. „Deutschland gehört als eines der zentralen europäischen Gewichte an diesen Tisch.“ Das sei nötig, „weil wir in dieser Welt Außenpolitik gestalten wollen und dies unserem Interesse entspricht“. Dies sei für Berlin von hoher Bedeutung. (Rede auf der Botschafterkonferenz am 8.9. 2025. Quelle: Auswärtiges Amt)

      Den Sicherheitsrat nunmehr nach der Ablehnung durch die Weltgemeinschaft kleinzureden, erinnert an den Fuchs und die zu hoch hängenden Trauben:

      „Vom Hunger getrieben machte sich auf der Höhe eines Weinbergs



      Ein Fuchs an Trauben heran, indem er mit aller Kraft nach ihnen sprang.



      Da er sie aber nicht erreichen konnte, sagte er im Weggehen:



      „Sie sind noch nicht reif; und sauer will ich sie nicht pflücken.“

      Ergo: Qui, facere quae non possunt, verbis elevant, adscribere hoc debebunt exemplum sibi.

      • @Reinhardt Gutsche:

        Ergo: Si tacuisses, philosophus mansisses.

  • „ Israel hat man mit Waffen beliefert, um die strategisch wichtige Allianz nicht zu gefährden.“

    - Israel ist KEINE strategisch wichtige Allianz. Man mag die Allianz Israel als moralisch wichtig oder historisch wichtig sehen. Strategisch wichtig ist sie nicht.

    Auch kann man eigentlich nicht von Allianz sprechen, da das Verhältnis nur Einseitig ist, Israel tut ja nichts für Deuschland. Allianz impliziert eine gewisse Reziprokität.

    • @Tim Hartmann:

      Ntürich ist Israel strategisch wichtig, sehr wichtig sogar. Israel ist der westlich Vorposten im Nahen Osten das einzige Land dort auf das der Westen sich verlassen kann. Und, Israel kooperiert mit Deutschland z.B. im Bereich Forschung oder Militär. Zugegeben, das Verhältnis ist etwas einseitig. Auf der anderen Seite ist Israel auch in einer ganz anderen Lage, von Feinden umgeben von denen einige das Land (und seine Einwohner, nehme ich mal an) am liebsten von der Landkarte löschen würden. Da kann man nicht so viel geben.

  • auf den Punkt gebracht!

  • Guter Artikel! Ein kleiner Widerspruch ist allerdings sichtbar: Entweder ist es "kurzfristige deutsche Interessen" oder "blinde Loyalität gegenüber zwei westlichen Mächten". Beides zusammen macht nicht wirklich Sinn. Und ich tendiere stark zur zweiten Erklärung.

  • "hätte MAN hier genauer hingehört"

    MAN ? Nicht MAN. Unsere politischen Lichtgestalten !



    Oder muss man da mittlerweile von Irrlichtern sprechen ?

    Ich habe den Eindruck, dass die allesamt soviel Flöhe ins Ohr gesetzt bekommen haben, dass sie nicht mehr hören, was die Spatzen von den Dächern pfeifen.

    Denn eins muss man feststellen: Innenpolitisch ist die Lage ja nun auch nicht besser.

  • "Berlin hat immer wieder bewusst eigene Machtinteressen über das Völkerrecht gestellt"

    Mag sein und wahrscheinlich auch schon zu Zeiten der Bonner Republik. Zumindest wirtschaftlich dürfte es der deutschen Bevölkerung nicht geschadet haben.

    Deutschland ist kein Musterschüler, steht damit aber nicht allein in der Welt.

    Ein Auszug aus den Einstufungen des IGH und der UN für 2025.

    Länder die Völkerrechtsverstöße oder Völkerrechtsbrüche begangen haben.

    Russland, Ukraine, USA, Israel, China Italien, Kolumbien, Venezuela, Salvador, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Serbien, Kroatien, Kasachstan, Saudi Arabien, Irak, Iran, Libyen, Marokko, Algerien, Ägypten, Sudan, Südafrika, Mali, Burkina Faso, Niger, Myanmar, Afghanistan, Pakistan. Die Liste ließe sich fortsetzen, darunter etliche Staaten des globalen Südens mit Verstößen u.a. gegen die eigene Bevölkerung oder ethnische Minderheiten.

    Die Länder des globalen Südens müssen erst einmal ihre eigenen Hausaufgaben besonders in Hinblick auf die Menschenrechte erledigen, bevor sie ein Land anprangern welches seit Staatsgründung mehr für die Entwicklungshilfe getan hat als jedes andere Land in Europa. Verfasst aus norwegischer Perspektive

    • @Sam Spade:

      Mag ja sein, dass Dtl sich gut um sich selbst kümmert und auch Minderheiten in Dtl relativ gut geschützt sind, nur ist das kein Argument, für die Wahl Dtl`s in den UNO Sicherheitsrat. Da interessiert Dtl.`s Rolle in der Welt besonders die Auswirkungen auf die eigenen Realitäten der wählenden Länder. Und da sieht es eben anscheinend nicht so rosig aus.

    • @Sam Spade:

      Volle Zustimmung!

  • Also wenn ich 195 Millionen US-Dollar an einen Verein zahle, erwarte ich, dass ich einen Sitz im Vorstand erhalten - und zwar einen ständigen Sitz.

    • @Il_Leopardo:

      Machen Sie sich mal lieber Gedanken um die Moral der Ständigen Mitglieder, wie China, Russland und die USA mit ihrem Vetorecht!

    • @Il_Leopardo:

      Sitze zum Kaufen?

      Die kleine Anzahl Europäer hat 3 Sitze. Dazu der europäische Ableger USA. Asien, der Kontinent mit den meisten Einwohnern, hat gerade mal einen Sitz. Afrika und Lateinamerika gar keinen.

      Wie kommt man da auf die Idee, dass dem kleinen Häufchen Deutscher ein ständiger Sitz zusteht? Wir stehen ganz hinten in der Schlange!

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Das mit dem kleinen Häufchen ist kein Argument. Österreich und Portugal sind noch kleinere Häufchen!

        • @Il_Leopardo:

          Ich spreche von der Forderung nach einem ständigen Sitz.

    • @Il_Leopardo:

      Genau das ist die Arroganz, die Deutschland in dieses Dilemma gebracht hat. Nein. Es darf nicht sein, dass Geld alles andere in den Hintergrund zurückdrängt. Es geht um deutlich mehr: Anstand, Ehrlichkeit und Achtung des Rechts, vor allem des Völkerrechts.

      • @Perkele:

        Dann sollten wir uns das Geld auch sparen.

      • @Perkele:

        Sind die ständigen Mitglieder weniger arrogant? Nein, aber sie zahlen weniger.

        • @Il_Leopardo:

          Ach so ist das? Arroganz und die Folgen daraus werden nach dem Kriterium der wirtschaftlichen Fähigkeiten beurteilt. Aber was ist mit der Achtung des Rechtes, der Menschlichkeit, der Empathie? All das kommt nach Deiner Auffassung klar hinter der Arroganz, oder?

    • @Il_Leopardo:

      Genau das ist Ausfluss der Doppelmoral.



      Egal was ich bin und welchen Standpunkt ich vertrete:



      Mein Geld ist das Wichtigste. Damit kaufe ich mir alles.



      Schäbig!

      • @Hartmut Wolff:

        Egal was ich bin und welchen Standpunkt ich vertrete: Mein Geld ist das Wichtigste. Damit kaufe ich mir alles.



        ----



        Da sind wir einer Meinung!

        "Schäbig!"



        ----



        Mehr als DAS! Wir könnten mMn. sogar sagen;



        Wer sonst nichts an Werten zu bieten hat, klammert sich an Knete! :-(



        Die meist auch nur auf dem Papier, höfliche Umschreibung von "punp" worhanden ist! :-(

      • @Hartmut Wolff:

        OK. Ich wollte provozieren. Aber Deutschland ist wohl der zweitgrößte Zahler. Und ohne Geld wäre die UN noch handlungsunfähiger als sie es ohnehin ist.

        • @Il_Leopardo:

          Stimmt. Wir sind allerdings auch das wirtschaftlich drittstärkste Land der Erde, also ist es einigermaßen angemessen.



          Das mit den Vetomächten, der ungleichen Sitzverteilung usw. ist natürlich alles berechtigte Kritik. Diese Instititution sollte in der nächsten Phase der Globalisierung reformiert werden. Jetzt gerade ist es wohl schon Grund zum feiern, wenn sie einfach nur überlebt...