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Deutschland gegen Côte d’IvoireDas Recht auf den eigenen Namen

Côte d’Ivoire heißt das Land, aus dem der nächste Gegner des DFB-Teams kommt. Doch immer noch wird der Kolonialbegriff Elfenbeinküste verwendet.

Am Samstag hat Deutschland bei der Fußball-WM der Männer sein zweites Spiel vor sich. Doch statt Côte d’Ivoire wird der kommende Gegner der DFB-Elf auch außerhalb des Fußball-Kontextes fast ausschließlich „Elfenbeinküste“ genannt. Ein kolonial geprägter Name, der seit über 40 Jahren eigentlich nicht mehr verwendet werden soll.

Während der Kolonialzeit war Elfenbein eines der wichtigsten Exportgüter, Frankreich beutete das Land systematisch wirtschaftlich aus. Der Name Côte d’Ivoire ist dabei die wortwörtliche französische Bezeichnung für „Küste des Elfenbeins“. Seit dem 7. August 1960 ist das Land unabhängig von Frankreich.

Um den Zusammenhalt der vielen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu stärken, wurde der offizielle Staatsname Côte d’Ivoire am 6. November 1985 gesetzlich festgeschrieben. Eine alternative Bezeichnung ist im Inland verboten, zudem wurde die Weltgemeinschaft darum gebeten, den Staatsnamen nicht zu übersetzen.

Die Meinungen der Ivo­rer*­in­nen gehen hierbei auseinander. Auf der einen Seite wird dies als Akt der Dekolonisierung gesehen, auf der anderen Seite wird sich ein gänzlich unabhängiger Name gewünscht, der in keinem Zusammenhang mit der Besatzung steht. Ghana etwa hat sich nach deren Unabhängigkeit vollständig von der kolonialen Fremdbezeichnung „Goldküste“ gelöst.

Deutungshoheit zurückgewinnen

Die internationale Durchsetzung des Namens Côte d’Ivoire könnte jedoch auch als Versuch gelesen werden, die Deutungshoheit über einen historisch kolonial geprägten Begriff zurückzugewinnen. So oder so ist es auch nicht die Rolle eines Landes wie Deutschland, einer anderen Nation vorzuschreiben, wie sie in der Weltgemeinschaft bezeichnet werden möchte.

Tatsächlich hält sich die Bundesregierung auch daran und gebraucht im diplomatischen Kontext, wie etwa den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts, ausschließlich den Begriff Côte d’Ivoire. In der Gesellschaft ist das allerdings noch nicht angekommen. Und das scheint angesichts der zahlreichen Debatten über koloniale Straßennamen und Denkmäler fast schon absurd. Auch in der taz war bislang von Elfenbeinküste die Rede.

Als der Content Creator „Dein Bruder Steve“ vor zwei Jahren auf Instagram über das Thema aufklärte, zeigte sich ein Großteil der Kommentare uneinsichtig. Und die Fifa? Für das Spiel am Samstag heißt es nach wie vor „Deutschland – Elfenbeinküste“. Lediglich auf der englischen Version der Website heißt es Côte d’Ivoire – und nicht, wie man hätte befürchten können, Ivory Coast.

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122 Kommentare

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  • Die Mehrheitsmeinung im Forum scheint zu sein: Gut, wenn man das in der Diplomatie berücksichtigt, im Alltag werden die meisten Deutschen weiterhin "Elfenbeinküste" sagen und das ist auch irgendwie okay und zugleich ziemlich egal. Ich schließe mich da an. In der Bevölkerung ist die Diskussion in der Tat noch nicht angekommen und ich bin da zuversichtlich: Sie wird es auch nicht.

    • @Milky:

      Hoffentlich bleibt diese Diskussion unter uns, da haben Sie recht.

      Sonst kriegt die AfD gleich nochmal einen Prozent mehr.

  • Nö, für mich bleibt es Elfenbeinküste, Weißrussland, Türkei und Co.!

  • Wie auch immer die Diskussion ausgeht, deutscher wird es nicht mehr...

    • @Jan Schubert:

      Wenn man so nach unten liest:



      Es wurde bereits alles gesagt, nur noch nicht von jedem.

      Einer der wenigen für mich hilfreichen Kommentare ist die Anmerkung von OMA, das es bei der Bitte um die französische Schreibweise nur um die einheitliche Einordnung im Alphabet ging.



      Kann es nicht überprüfen, macht aber aus Sicht der Ivorer Sinn.

      • @Sonntagssegler:

        Danke, dass sie die Perlen der Diskussion hervorhoben.

  • Bei Namen, die sich wirklich von der kolonialen Bezeichnung distanzieren, wie Namibia, Burkina Faso oder Ghana, kann ich es ja sehr gut nachvollziehen, dass man auch auf der Verwendung dieser Namen beharrt. Aber bei "Côte d'Ivoire" ist das nun einmal gerade nicht der Fall. So hieß die Kolonie auch schon.



    Von daher denke ich, es ist höflich und richtig, dass sich die deutsche Diplomatie dem Wunsch der dortigen Regierung fügt. Und das mag auch bitte gerne sonst machen, wer möchte. Aber Leuten aktiv über den Mund zu fahren, weil sie das Land "ganz normal" (=unabhängig vom kolonialen Hintergrund) mit der hiesigen Übersetzung des offiziellen Namens bezeichnen, ist aus meiner Sicht Feuer mit Feuer bekämpft.

    • @Normalo:

      Das sagt in der Sache alles und bringt es auf den Punkt.



      Danke!

  • In Anbetracht der Tatsache, dass inzwischen Länder wie die Türkei - oder Tükiye- und Belarus auf ihre Eigenebezeichnung bestehen, sowie hierzulande umgehend die ukrainische Schreibweise sämtlicher Eigen- und Städtenamen übernommen wurde, sollte es bei afrikanischen Staaten doch nun wahrlich kein Problem darstellen. Und für den "Nahen Osten" darf auch gern "West Asien" verwendet werden.



    Die Liste ließe sich sicherlich beliebig ergänzen.

    • @Kirsten Tomsen:

      Es wurde nicht hierzulande "umgehend die ukrainische Schreibweise" übernommen, die FAZ schreibt "Kiew", die SZ schreibt "Kiew", Springer schreibt "Kiew" und der ÖRR schreibt "Kiew". Es ist gerade Mal die taz, die das konsequent anders macht. Das ist publizistisch die Ausnahme und nicht der allgemeine Konsens.

    • @Kirsten Tomsen:

      Es ist keine Problem, aber die Frage bleibt, ob man das machen MUSS, insbesondere im allgemeinen Sprachgebrauch.



      Es wird dabei ja mit moralischen Größen hantiert.

      Bei Türkei und Belarus sind es übrigens Autokraten, die Anderen die Benennung vorschreiben wollen.



      Kann man im diplomatischen Dienst machen, muss man im Alltag aber nicht befolgen.

    • @Kirsten Tomsen:

      Ich finde West-Asien eine Verbesserung, Südwestasien eine Präzisierung, dass nicht "Hinter der Elbe ist Asien" (angeblich Adenauer) andere Landstriche gemeint sind.

      Wir haben etwa die kyrillische Schrift nicht übernommen, sondern die Transkription der Landes(aus)sprache angepasst bei Kijv

      Ich mag ansonsten auch Saksama (estnisch für Deutschland) oder das mir noch nicht klar herleitbare Vācija des Lettischen (ähnlich Litauischen).

      Deutsche können entspannter sein, weil von der allierten Besatzung Ost und West abgesehen, wir in der Regel nicht kolonialisiert wurden.



      Y voit rien, er sieht nichts, frei nach Nights on Earth. Und mag heißen, wie er/sie/es möchte.

  • "Eine alternative Bezeichnung ist im Inland verboten." :)

  • Wer so argumentiert der muss auf "Deutschland" statt "Germany" oder "Allemagne" etc. bestehen. Gerade letzteres wäre aufgrund der jahrhundertelangen Tradition französischer Unterwerfungspolitik gegenüber Deutschland eigentlich Pflicht.

    Im Ernst: Endonyme Bezeichnungen zu verwenden ist vielleicht(?) gut gemeint, führt aber zu jede Menge praktischer Probleme.

    Und ist eine Übersetzung in die eigene Sprache nicht ein Zeichen der Inklusion, während fremdsprachliche Namen eher für Distanz und Othering stehen?

    • @Chris McZott:

      "Wer so argumentiert der muss auf "Deutschland" statt "Germany" oder "Allemagne" etc. bestehen"

      Komplett anderer historischer Sachverhalt. Deutschland ist dafür ein gutes Beispiel. Die Bezeichnungen sind historisch abgeleitet von den germanischen Stämmen wie Saksa (Sachsen) im finnischen oder Allemagne im französischen für die Alamanen.

      Die zweite historische Komponente ist der Bezug zu einer gemeinsamen Sprache die eine Volksgemeinschaft definiert. Im englischen sind es die Germanen für Germany im skandinavischen Tyskland (Land der Deutschen) oder in Polen Niemcy, für eine nicht verstandene Sprache.

      Das ist kein Vergleich mit "Elfenbeinküste", was eben einfach eine wörtliche Übersetzung ohne historischen Landesbezug darstellt.

      Der Eigenname ist Côte d'Ivoires und sollte dementsprechend auch verwendet werden. Spricht ja auch kein Mensch in Deutschland von "Reiche Küste" in Bezug auf Costa Rica.

      • @Sam Spade:

        Costa Rica geht wesentlich leichter von der Zunge als Reiche Küste oder gar der Zungenbrecher Cote d‘Ivoire. Die natürliche Sprachentwicklung folgt nicht unbedingt einer Systematik, sondern geht eher den bequemen Weg.

    • @Chris McZott:

      Die Einwohner Côte d'Ivoires fordern das, die argumentieren gar nicht ...

      • @Andreas_2020:

        Das war darauf bezogen:

        "So oder so ist es auch nicht die Rolle eines Landes wie Deutschland, einer anderen Nation vorzuschreiben, wie sie in der Weltgemeinschaft bezeichnet werden möchte."

    • @Chris McZott:

      absolut korrekt, Deine Meinung, allerdings müsste es dann auch "Bundesrepublik Deutschland" heissen, oder?



      Bloss, was soll das alles? "Cote d'Ivoir": wörtliche Übersetzung im deutschen "Elfenbeinküste", im englischen "Ivory Coast"... Also bei uns "Federal Republic of Germany" etc.



      Für West-Europäer würde es z.B. auch "hart", wenn slawische Länder auch ihren "Heimat-Bezeichnungen" bestehen würden: "für uns" Zungenbrecher und teilweise (kyrillisch!) auch unlesbar - die Transkriptionen in lateinische Schreibweise sind ja auch eher "mau"/"schwierig".... Und richtig krass würde mit asiatischen Staaten...



      Allerdings: wo ich den Leuten in der Cote d'Ivoire folgen könnte: eine "falsche" oder "alte" Bezeichnung darf auch nicht in der Übersetzung sein: wie würden "wir" reagieren, wenn jemand die Bundesrepublik als "Deutsches Reich" (egal in welcher Übersetzung/Sprache) benennen würde??? Aus "Ceylon" wurde halt nun mal Sri Lanka, aus der CSSR wurden es (friedlich!) zwei Staaten usw.



      NUR: solange wir nicht alle auf diesem Planeten eine einzige Sprache sprechen (und ein einheitliches Alphabet, einheitliche Schrift haben): siehe oben...

  • Ich fand den Artikel interessant.



    Die Kommentare aber irgendwie besser und einleuchtender.

    Mich interessiert, warum diese Haargenauigkeit nur bei Cote d'ivoire?

    Colombia (nach Christopher Kolumbus benannt).



    Auf deutsch Kolumbien.



    Müssten wir, nach der Logik aus dem Artikel, auch colombia sagen?

    Brasil?



    Falastin?

    • @Micha Skorzenski:

      Nix Christopher Columbus, wenn dann Cristoforo Colombo - notfalls noch Cristóbal Colón... 😎🤓

    • @Micha Skorzenski:

      Nein, weil nur die Ivorer Wert darauf legen, dass der Name ihres Landes nicht übersetzt wird.

      Möglicherweise ist es den Kolumbianern egal.

      Spannend wäre ja mal die Begründung der Ivorer dafür gewesen.

      Es ist eher vergleichbar mit Erdogan, der sich daran störte, dass die Türkei auf Englisch wie ein Truthahn heißt.

  • Ich möchte aber, dass ihr mich Loretta nennt.



    Ja, dann sagen wir halt Loretta.



    Wenn es der Wahrheitsfindung dient.



    Die Weltrettung werden dabei wohl eher andere unserer Handlungen bewirken.

    • @Janix:

      Lustiger Hinweis, aber leider falsch zitiert und auch nur bedingt zum Thema passend. In der dt. Übersetzung aus Brian heißt es nicht: "Ja, dann sagen wir halt Loretta", sondern der Dialog geht am Ende so:

      - Warte. Ich habe eine Idee: Nehmen wir an, dass ihr euch darauf einigt, dass er keine Babys bekommen kann, weil er keine Gebärmutter hat, woran niemand schuld ist, nicht mal die Römer, aber dass er das absolute Recht hat Babys zu bekommen.



      - Gute Idee, Judith. Wir kämpfen gegen die Unterdrücker, für dein Recht Babys zu haben, Bruder. Ähh. Verzeihung. Schwester.



      - Das ist doch aber sinnlos.



      - Was?



      - Es ist vollkommener Blödsinn, für sein Recht, Babys zu bekommen zu kämpfen, wenn er keine Babys bekommen kann.



      - Es ist ähm, symbolisch. Für unser Ringen gegen die Unterdrückung. Symbolisch für sein Ringen gegen die Realität.

  • Mir ist beim Bilden meiner Meinung noch eingefallen, dass ich, im Jahr 1979, nach einem Polen-Besuch, darauf geachtet habe, von Wroclaw (müsste mich schräggestrichenem kleinem l geschrieben werden) und nicht von Breslau zu sprechen. Das war aber aufgrund der Geschichte, dass Schlesien deutsch war und nun polnisch ist, etwas anderes; es war ein Ausdruck, keinen Anspruch, Schlesien sei deutsch, zu erheben.

    Bei Elfenbeinküste / Côte d'Ivoire sehe ich keine Gefahr einer solchen Verwicklung, also einer Vereinnahmung, die kolonialen Beigeschmack hat. Da bleibt dann, wie viele andere hier auch schon geschrieben haben, dass das eine halt die deutsche Übersetzung des anderen ist. Und so wie wir Russland, China, Japan, Indien, Ägypten, ... ... sagen, können wir auch den Namen des Landes in unserer Sprache sprechen, wenn wir deutsch reden. Auch die genannten Schwierigkeiten für Leute, die nicht Französisch gelernt haben, halte ich für einen stichhaltigen Punkt.

    Und es muss nicht immer alles 100% richtig sein, es kommt auf die Haltung an.

    • @Brombeertee:

      Bei Wroclaw und Breslau ist die Sache noch etwas anders. Ich finde es gut, wenn man im Polnischen Wroclaw sagt, im Deutschen hingegen Breslau. Das sind ja nicht zwei verschiedene Namen, sondern verschiedene lautliche Entwicklungen. Und diese verschiedenen lautlichen Entwicklungen sind Ausdruck einer langen gemeinsamen Geschichte, die sicher von viel Konflikt geprägt ist, aber auch von viel gegenseitigem Einfluss und Austausch. Und das schlägt sich auch diesen zwei Namensformen nieder. Wäre schade, das nun zu vereinheitlichen.

  • Es ist "nicht die Rolle eines Landes wie Deutschland, einer anderen Nation vorzuschreiben, wie sie in der Weltgemeinschaft bezeichnet werden möchte". Was soll das bedeuten? Was ist ein Land "wie Deutschland"? Und wie könnte Deutschland der Republik Côte d’Ivoire vorschreiben, wie sie genannt werden möchte? Und wer ist eigentlich Deutschland? Die Regierung? Dann ist ja alles in Ordnung, denn die verwendet offiziell die französische Bezeichnung. Privatpersonen hingegen dürfen reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Die Leute aus der Republik Côte d’Ivoire sagen ja auch nicht Deutschland, sondern Allemagne. Wen juckt's?

    • @Jochen Laun:

      Du vergisst dabei, dass D ein Kolonialstaat ist und somit unterdrückt. Daher ist es legitim, wenn zuvor Unterdrückte Bezeichnungen ihrer Wahl verwenden.



      Und Unterdrücker dürfen das natürich als "white savior" für die unterdrückten Menschen entscheiden u. in ihrem Namen sprechen. Das ist schließlich notwendig, da Unterdrückte sonst keine Stimme haben. Und die brüllen die Savior gleich nieder.

      • @Kirsten Tomsen:

        Ich kann den Gedanken nicht nachvollziehen, warum es ein Problem sein soll, wenn man in Deutschland die deutsche Übesetzung des französischen Wortes benutzt, wenn doch die Kolonialmacht - die daher auch für den französichen Namen verantwortlich ist - nicht Deutschland, sondern Frankreich war. Würde man auf eine heimische Namensgebung bestehen, könnte ich das noch nachvollziehen, aber Cote d Ivoire?

      • @Kirsten Tomsen:

        Deutschland ist kein Kolonialstaat mehr. Die Kolonien sind längst weg, und die heutige Republik Côte d'Ivoire hat nie dazugehört. Und natürlich dürfen die Leute dort die Bezeichnung ihrer Wahl verwenden. Ihr Einsatz als white savior ist also vergeblich.

      • @Kirsten Tomsen:

        "Du vergisst dabei, dass D ein Kolonialstaat ist..."



        Ach? Wäre mir neu.



        Ich weiß, dass der Rechtsvorgänger des heutigen Deutschlands (oder war's sogar dessen Vorgänger?) mal ein Kolonialstaat war. Dass das heutige Deutschland ein solcher Staat ist, ist irgendwie komplett an mir vorbeigegangen.



        Und dass der Staat um den es hier geht, irgendwann mal eine deutsche Kolonie war (weil Ihre Anmerkung nur dann Sinn ergibt), entspricht meines Wissens auch nicht den Tatsachen.

      • @Kirsten Tomsen:

        Es will, glaube ich, niemand für die Ivorer entscheiden, wie sie ihr Land nennen sollen/ müssen/ dürfen. Das ist selbstverständlich ihnen überlassen.



        Die Frage ist eher, ob es an der Rolle des früheren Unterdrückers Deutschland irgendwas ändert, wenn HIER Leute (die mal bei den Worten "white savior" selbstkritisch in den Spiegel schauen könnten) Sprachpolizei spielen und Änderungen am privaten oder medialen Sprachgebrauch erzwingen wollen - zumal solche, die angesichts der frappierenden Ähnlichkeit zwischen dem früheren Kolonialnamen eines Landes und seiner heutigen Selbstbezeichnung nur schwer logisch vermittelbar sind.

  • Côte d’Ivoire bedeutet übersetzt Elfenbeinküste. Die französische Bezeichnung der ehemaligen französischen Kolonialherren ist also antikolonialistisch und die deutsche Übersetzung nicht, weil …? Bei so viel Widerspruch dreht sich mir der Helm. Da können wir ja nur hoffen, dass sich die Chinesen weiterhin mit der Fremdbezeichnung zufriedengeben. Denn Zhonghua Renmin Gongheguo bekomme ich beim besten Willen nicht fehlerfrei hin.

    • @DanubisA:

      Hier wurde anscheinend einer völlig banalen praktischen Maßnahme (es ging nur um eine einheitliche Platzierung im Alphabet unter C unabhängig von der verwendeten Sprache) im Nachhinein eine postkoloniale Interpretation übergestülpt. Sowas geht halt nur mit intellektuellen Verrenkungen.

  • Elfenbeinküste ist die wortwörtliche Übersetzung von Côte d’Ivoire ins Deutsche.



    Den Kolonialnamen werden wohl kaum unsere Vorfahren ausgesucht haben, oder?



    Waren doch die Franzosen dort.



    Und anscheinend gefällt den Ivorern so gut, dass sie es beibehalten wollen.



    Die hätten sich ja auch wieder Kong nennen können oder nach einem anderen historischen Königreich aus der Ecke.



    Dann auch ab sofort Magyarország für Ungarn oder Ελλάδα für Griechenland in der taz?



    Mal wieder sprachliche Abgrenzung als Marker um gesellschaftliche Zugehörigkeit zur (bildungs-)bürgerlichen Elite zu signalisieren?

    • @Astrid Sehnefeld:

      Tja. WIR bestimmen also wie sich andere Völker zu nennen haben!? Gut, dass ich das nun weiß und mich danach richten kann.

      • @Perkele:

        Nein WIR bestimmen wie WIR andere Völker nennen.

        Sie können ja gerne im Englischen auf "Deutschland" statt Germany bestehen. Ich finde das anstrengend.

        • @Chris McZott:

          Fast richtig, hier "wie wir andere Länder nennen".

  • Die Taz schreibt in der WM-Berichterstattung auch Elfenbeinküste.

    • @Francesco:

      Habe ich auch gelesen

      Spannend, nicht?

      Will die taz vielleicht einerseits für die akademisch gebildete obere Mittelschicht Virtue Signaling betreiben, andererseits gerade beim Thema Fußball auch volksnah sein?

      Zwei Herzen schlagen , ach, in meiner Brust?

      Schade, dass wir es nie erfahren werden.

  • Was für eine bildungsbürgerliche Debatte. Sprache muss alltagstauglich sein, damit die meisten Menschen sie mittragen. Je ungewöhnlicher ein Wort lautsprachlich ist, desto weniger wird es Verwendung finden. Laut Duden ist die Lautschrift für Côte d'Ivoire "kotdiˈvo̯aːr". Ich lese da "Kot di woar". Vollkommen ungeeignet für Alltagssprache und nun ja... assoziativ eher kontraproduktiv. Ich bleibe bei Elfenbeinküste.

  • Ich frage mich ob dem Autor klar ist, das seine Ansichten im Grundsatz intolerant sind.



    Die Forderung, die Vielfalt der Ausdrucksweisen einschränken zu wollen und das auch zu dürfen würde ich sogar als autoritär angehaucht bezeichnen.

    Das die Sprachpolizei seit Längerem in Mode ist, macht es normal aber nicht besser.

  • Also für Belarus habe ich Verständnis, da die Weiße Rus was anderes ist als Weissrussland. Die Rus und Russland sind historisch, politisch und geografisch nicht identisch.

    Mein Verständnis für die Elfenbeinküste und Küste des Elfenbeins bzw. die französische Übersetzung stößt leider an meine kognitive Grenzen…

  • Ich fordere den Kommentatoren auf, künftig den Namen einer anderen ehemaligen Kolonie, Nordkorea, nicht mehr zu übersetzen, sondern lieber den latinisierten Namen Chosŏnminjujuŭiinmin'gonghwaguk konsequent zu verwenden. Schließlich verbittet auch dieser Staat sich die falsche Benennung, und alternative Namen sind auch dort nicht erlaubt.

    Im Ernst: Es als koloniale Sprache zu werten, einen Namen wörtlich zu übersetzen, ist aus meiner Sicht schon etwas absurd. In diesem Falle würde sich ja auch der Begriff: "Vereinigte Staaten von Amerika" aus denselben Gründen verbitten.

    • @Agarack:

      Herzlichen Dank! :)

  • Ich finde, dass hier das Ausspracheprobleme eine gewisse Rolle spielt,wie andere andeuten. Französisch ist in der Schule schon lange auf dem Rückzug. Man könnte in so einem Artikel auch in taz Hinweise geben...

  • Hmmm...ist Cote d'Ivoir nicht einfach Elfenbeinküste auf Französisch?



    Regen wir uns denn drüber auf, dass uns andere als Allemagne, Germany, Duitsland oder Niemcy bezeichnen?

  • Also ich werde weiterhin den Namen Elfenbeinküste verwenden. Ich habe Verständnis dafür, wenn im internationalen diplomatischen Gebrauch Cote d'Ivoire benutzt wird, aber nicht in den Alltagssprachen rund um die Welt. Zumal es sich hier um eine wörtliche Übersetzung handelt. Wenn sich der Staat einen komplett anderen Namen geben würde, wäre es etwas anderes. Aber so, ist das einfach der Normalzustand auf der Welt. Die meisten Länder heißen nicht so, wie die eigene Bevölkerung sie nennt. Alleine schon aus Schwierigkeit dee unterschiedlichen Lautsysteme.

    • @Markus Schäfer:

      Die Bezeichnung der Bevölkerung ist Ivorer und nicht Elfenbeinküstler oder sowas. Wenn man von Ivorern spricht, weiß kaum ein Deutscher wer gemeint ist. Viele kennen noch nicht einmal den Namen Cote d´Ivoire. Wo ist das Problem Cote d´Ivoire zu sagen?

      • @Andreas J:

        Ich kenne niemanden, der nicht weiß, in welchem Land Ivorer leben. Gut, ich habe jetzt noch keine wissenschaftliche Erhebung im Familien- und Freundeskreis gemacht, aber nach meiner Einschätzung ist "Ivorer" ein allgemein bekanntes Wort.

        • @Katharina Reichenhall:

          Ich reise seit 20 Jahren an die Cote d´Ivoire und bin mit vielen Ivorern befreundet. Wenn die in Deutschland erzählen sie seien Ivorer, können viele damit nichts anfangen. Die Hälfte von denen wissen dann auch nicht was die Cote d´Ivoire ist. Man muss oft Elfenbeinküste hinterher schieben. Davon geht die Welt nicht unter, aber es ist schon erstaunlich, weil damals bei einer WM viel über die Mannschaft geschrieben wurde und überall beim Public Viewing der Song Premiere Gaou vom Magic System gespielt wurde.

      • @Andreas J:

        Es ist überhaupt kein Problem "Côte d'Ivoire" zu sagen - für all Jene unter uns, die das Idiom der vormaligen Kolonialherren des Landes gut genug beherrschen. Etwas anderes ist es schon mit dem Lesen und DANN richtig sagen (vom Schreiben will ich gar nicht anfangen: Wo man das Zirkumflex setzt und wo es auf einer Tastatur zu finden ist, dürften nicht allzu Viele hierzulande spontan draufhaben.).



        Aber darum geht es gar nicht primär. Denn wer deutsch "Elfenbeinküste" sagt, wird in aller Regel nicht darauf bestehen, dass das die einzig richtige Art sei, das Land zu benennen. Umgekehrt scheint es da aber Leute zu geben, die Anderen unbedingt Vorschriften dazu machen wollen und die Zuwiderhandlung dann als "kolonialistisch" bezeichnen.



        Dass die Regierung des Landes selbst bittet, zur Abgrenzung von Kolonialzeiten den französischen Namen zu verwenden, ist zwar schwierig nachzuvollziehen, aber von der deutschen Regierung ja umgekehrt auch honoriert. Das sollte reichen.

  • Cote d'Ivoire = erlaubt, antikolonal, wenn auch erfunden von der früheren Kolonialmacht und gehalten in der Sprache der früheren Kolonialmacht. Übersetzt: Elfenbeinküste.

    Elfenbeinküste = nicht erlaubt, kolonialistisch.

    Daraufhin zeigte sich "ein Großteil der Kommentare uneinsichtig"? Na sowas aber auch.

  • Für den internen Gebrauch finde ich die Übersetzung okay.



    Offiziell heist das Land bei uns Republik Cote d'Ivoire, und die Einwohner werden Ivorer genannt, und das ist auch gut und richtig so.

    Mich erinnert das an die Debatte, ob man "die" Ukraine sagen dürfte. Für mein Empfinden war diese Debatte Unsinn, weil ich aus dem Artikel absolut nichts herauslese. Ich wohne übrigens in Schweiz.

  • Vielleicht mal einen viel gefragten Fachmann konsultieren, was er darüber denkt, er war gestern noch im WDR-Hörfunk im Interview:



    www.mdr.de/nachric...-fussball-100.html



    /



    (Der Titel bei mdr.de: "Deutschland vs. Elfenbeinküste



    Zwei Herzen, ein Spiel: Wenn Deutschland auf die Elfenbeinküste trifft")

  • Schlicht absurd. Frankreich heißt auf deutsch auf Frankreich und nicht France, Deutschland im Französischen Allemagne und eben nicht Deutschland.

    • @Fran Zose:

      Mercedes beaucoup!



      Auf der Webseite der BBC heißt es übrigens, Germany - Ivory Coast.



      Auch der englische Wikipedia Eintrag lautet auf Ivory Coast also known as Cote divoir.

      • @joschking:

        "Mercedes beaucoup!" kannte ich noch nicht. Offenbar ist ist mein französisch etwas eingerostet und ich bin nicht mehr à jour.

        Je me bocuse!

  • Mich hätte interessiert, warum das Land genau darauf besteht, dass der Name nicht wörtlich übersetzt wird.

    Laut kurzer Google-Recherche scheint neben der Einheitlichkeit der wichtigste Grund zu sein, zu feste Assoziationen mit "Elfenbein" zu vermeiden, also nicht in allen möglichen Sprachen sozusagen als "Rohstofflager" zu gelten. Das klingt im Artikel an, wird aber nicht klar genug benannt, weshalb es wahrscheinlich auch hier uneinsichtige Kommentare geben wird.

    Ich kann es so aber zumindest besser nachvollziehen, obwohl es wegen der wörtlichen Übersetzung nicht einfach ist.

    Besser wäre aus dekolonialer Sicht aber tatsächlich ein neuer Name nach dem Muster Ghanas. Dann gäbe es vermutlich auch weniger Mimimi im Netz, das dann wieder (im DACH-Internet) ein paar neue AfD-Wähler generiert ...

    Der Grund, dass bei der Unabhängigkeit doch ein französischer Kolonialname gewählt wurde, ist aber wohl, dass man keine Sprachgruppe bevorzugen wollte. Auch nachvollziehbar.

    Clusterf*ck halt.

    • @argie:

      Dem kann ich komplett zustimmen.



      Und weil es so uneindeutig ist, halte ich die Debatte auch komplett deplatziert.

      Es gibt echt Wichtigeres.

  • Man kann alles diskutieren! Muss man aber nicht!? Wenn die Ivorer mit dem Namen unglücklich sind, dann sollten sie ihn ändern. Aber "Elfenbeinküste" ist nun mal die korrekte Übersetzung des Landes-Namens?



    Wenn das also der größte Aufreger des Tages ist, dann ist ja noch nicht alles verloren ...

  • In Deutschland sprechen wir eben deutsch und deshalb heissts Elfenbeinkueste.



    In der Elfenbeinkueste sprich man franzoesisch, deshalb heisst Deutschland dort Allemagne.

    Ich find das toll, dass jeder seine Landessprache sprechen darf. Waere doch langweilig wenns zB ueberall Deutschland heissen wuerde und nicht Germany, Allemagne, Alemania, Germania, Almanya, Niemcy, Germanija, Doitsu, Déguó oder wie auch immer.

    • @elektrozwerg:

      Und wie nennst du die Bewohner von der Cote d´Ivoire? Die Bezeichnung Ivorer kennt hier kaum einer. Ivorer und Elfenbeinküste bekommen die nicht zusammen. Es gibt ansonsten keinen deutschen Namen für die Bevölkerung. Von daher ist Cote d´Ivoire die richtige Bezeichnung.

    • @elektrozwerg:

      Och, "Niemcy" und die anderen slawischen Formen bedeuten eigentlich die "Nichtsprechenden". Im Gegensatz zu den Slawen, die "słowo" - das Wort - haben.

      Ich würde mich dagegen nicht wehren, wenn man in Osteuropa zu einer respektvolleren Bezeichnung findet.

      Und fühlen Sie sich denn besonders germanisch oder alemannisch?

      Darüber ließe sich reden, meine ich.

      • @rero:

        Es gab in Deutschland die kriegerischen Harii. Die sogenannten "schwarzen Krieger" - die vor allem für ihre lautlosen Kämpfe gegen die Römer bekannt waren.

        Dunkle Nacht, pechschwarze Gestalt, nähert sich aus dem Unterholze, zum Zwecke des Hinterhalts.

        Da heutzutage ja alles germanische, oder auch nur ansatzweise preußische, gnadenlos verpönt ist,



        ist diese Form der "Nichtsprechenden" halt leider gänzlich in Vergessenheit geraten.

        Und auf die (ostpreussische) Redewendung: Ich kann nicht an mehr als vier Fronten kämpfen, wurde mir von der ebenso, hier geborenen, Münchner Vorgesetzten geantwortet, dass die Kollegen nicht meine Feinde wären...

        • @Altbayer:

          Danke, diese historische Facette kannte ich noch nicht.

      • @rero:

        Naja, Respekt muss man sich verdienen. Davon abgesehen ists mir vollkommen schnuppe wie andere uns Deutsche sehen. Viel schlimmer als mein Bild kannst net sein ;-)

        • @elektrozwerg:

          Dann müssen Ihnen ja die Niederländer total leidtun.

          Die werden auf Englisch - und damit heutzutage eigentlich international - als Deutsche bezeichnet.

  • Mir fällt vor allem eines auf: Bei Holland wird peinlichst genau darauf geachtet, ja nicht Holland, sondern strikte nur Niederlande zu sagen. Aber bei der Elfenbeinküste haben die gleichen Leute dann kein Problem.

    • @K.M.:

      Das liegt daran, dass Holland schlicht != Niederlande ist. Holland ist eine Provinz der Niederlande.

    • @K.M.:

      Pars pro toto, ein bedeutender oder bekannter Teil eines Ganzen wird zur Bezeichnung de Ganzen. Die Deutschen werden von Elsässern und Schweizern als „Schwobe“ von Franzosen und Spaniern nach den Alemannen, von den Finnen nach den (Nieder-)Sachsen bezeichnet. Das ist nicht schlimm. „Holland“ in der Umgangssprache auch nicht.

    • @K.M.:

      Fiel Ihnen auch auf, dass die Länderbezeichnung „Niederlande“ für deutsche Muttersprachler einfacher auszusprechen ist als die französische Bezeichnung für Elfenbeinküste?

    • @K.M.:

      Dabei ist es natürlich spannend zu beobachten, dass viele Niederländer SELBER von "Holland" sprechen, wenn sie von ihrem Heimatland sprechen.

    • @K.M.:

      Das ist etwas anderes - Holland ist nur ein Teil des Königreichs der Niederlande, das die Elftal repräsentiert. Und doch wird er hier oft für das Ganze genommen. "Ohne Holland fahrn wir zur WM" ist erst acht Jahre her ...

    • @K.M.:

      Historisch gesehen war es vor allem die Region Holland, die von Haendlern besucht wurde, weshalb sich der Name verbreitet hat. Aber Holland ist eben nur ein Teil der Niederlande, bzw 2 Provinzen. Von daher ist das ein Apfel-Birnen-Vergleich.

      • @elektrozwerg:

        Wobei natürlich "historisch gesehen" auch "die Niederlande" nur ein Teil der Niederlande sind, nämlich die nördlichen..

    • @K.M.:

      Das geht am Thema vorbei. Vergleichbar wäre, ob man Niederlande sagen darf oder Nederland sagen muss.

    • @K.M.:

      Ganz schlechtes Beispiel. Holland ist nur eine der 7 Provinzen der Niederlande. Klar, dass das die meisten Niederländer nicht lustig finden. Die meisten Deutschen wären auch nicht begeistert, wenn ganz D international unter Bayern lief.

      Die Aufregung um Elfenbeinküste ist für mich nicht ganz verständlich. Sowohl die deutsche, als auch die französische Variante stammen aus der Kolonialzeit. Mir ist also nicht ganz klar, warum Côte d’Ivoire besser sein soll. Wie lautete die Bezeichnung vor dem Auftauchen der Europäer? Ich könnte nachvollziehen, wenn diese verwendet wird.

    • @K.M.:

      Wobei Niederlande die wörtliche Übersetzung von Nederlands ist, während Holland nur ein Teil davon ist. Guter Gedanke, aber falsches Beispiel.

    • @K.M.:

      Bei Holland gibt es einen Grund, um einmal etwas Volksaufklärung zu betreiben.



      Holland ist nur die Westküste zwischen Texel und Rotterdam, die wirtschaftlich und politisch stärkste Gegend zweifelsohne. Aber wären alle Deutschen "Nordrhein-Westfalen"?

      Neben Nord- und Süd-Holland gibt es noch



      Zeeland,



      Gelderland,



      Flevoland,



      Drenthe,



      Groningen,



      Friesland,



      Limburg,



      (Nord-)Brabant,



      Overijssel und



      Utrecht.



      Alles gar keine Holländer, sondern Niederländer.

      Kurzum: In Amsterdam darf Ihnen das vielleicht rausrutschen, in Venlo besser nicht.



      Kurzum auch: Die niederländische Tourismuszentrale setzte hierzulande gleichwohl immer auf den Namen Holland, weil der eben gängig war.



      Fijne dag nog!

    • @K.M.:

      Deutschland heißt ja auch nicht Bayern

      • @JC Kay:

        Wie? Bayern heißen wir ja auch nur, weil König Otto, der bayrische Grieche, das Y so liebte...

        Sonst wäre ganz Teutschland Baiern...

      • @JC Kay:

        Da man im Ausland mit Deutschland vor allem BMW, Oktoberfest und Neuschwanstein assoziiert, wäre das vielleicht gar nicht so verkehrt.

    • @K.M.:

      Selbst Holländer sagen Holland.

    • @K.M.:

      Naja, der Vergleich hinkt etwas.



      Nord- und Südholland sind Provinzen der Niederlande. Also ist die Bezeichnung Holland für die ganzen Niederlande einfach falsch. Sie sagen ja auch nicht Bayern und meinen die ganze BRD.



      Aber Sie haben prinzipiell recht, wenn es von den Einheimischen nicht gewünscht ist „Elfenbeinküste“ zu sagen, sollte es eigentlich kein Problem sein, dies auch so zu handhaben.

      • @MBG:

        Aber in den romanischen Sprachen wird Deutschland nach den Allemannen benannt. Und in Finnland (früher ganz Skandinavien) heißen die Deutschen Saksa...



        Die Engländer nennen die Holländer "Dutch" weil es für sie die am nächsten liegenden Deutschen sind.



        Für die "Griechen" gilt in den meisten europäischen Sprachen ähnliches.

        Muss man nicht schön finden, aber "pars pro toto" ist eine übliche Methode "andere" zu benennen....

  • Es tut mir leid, aber der Name "Côte d’Ivoire" ist genauso kolonialistisch wie der Name "Elfenbeinküste", der ja, wie richtig bemerkt wurde, nur die wortwörtliche Übersetzung des französischen Namens ist. Wir sagen ja auch nicht "Firenze", sondern "Florenz", nicht "Napoli", sondern "Neapel", nicht "España", sondern "Spanien". Früher wurden sogar Operntexte übersetzt, damit das gemeine Volk verstehe, was gemeint ist.

    • @Aurego:

      Grundsätzlich bei Ihnen, zum Nebenpunkt dabei:



      Früher wurden Opern nur in Italienisch geschrieben und aufgeführt, weil mensch auf z.B. Deutsch ja keine Opern aushalte. Auch dafür konnten die Eliten ihr Bildungs-Italienisch. Dass jemand bei Kunst-Opern echt den Text mehrheitlich heraushört, halte ich für einen Mythos. Höchstens bei den Rezitativen.

      • @Janix:

        Ist kein Mythos, der Text gehört fest dazu und prägt sich dank der Musik ja auch leicht ein. Und er wird auch verstanden, merkt man z.B. daran, dass während der Vorstellung um einen rum bei schlüpfrigen Stellen gekichert wird, und zwar nicht nur von Muttersprachlern und nicht nur bei italienischen oder französischen Opern, sondern auch bei Wagner und Strauss im Royal Opera House.

      • @Janix:

        Ich wusste gar nicht, dass die Zauberflöte, die Entführung aus der Serail und der Freischütz auf Italienisch geschrieben und gesungen wurden ... Wie singt man "In diesen heil’gen Hallen", "O, wie will ich triumphieren" und "Durch die Wälder, durch die Auen" auf Italienisch?

        • @Aurego:

          Und in welcher Sprache ließ Mozart noch mal all die ganzen früheren Opern librettieren? ; )



          Mozart steht da an der Wegscheide, viele andere Sprachen wurden sogar noch später erst als satisfaktionsfähig akzeptiert.



          Noch mal: Nebenpunkt.

          • @Janix:

            Mozarts erste Opern entstanden in Italien für ein italienisches Publikum. Naheliegend, dass er dafür mit italienischen Librettisten zusammenarbeitete. Bei der Wahl der Sprache ging es in der Oper immer um Verständlichkeit, nicht darum, möglichst abgehoben zu ein (im Gegensatz zu manchen modernen Soziolekten, mit denen sich jeder außerhalb einer bestimmten akademischen Bubble schwer tut).



            Die Verwendung anderer Sprachen in der Oper ist keine Dekolonisierung von der italienischen Übermacht (die Italiener haben die Oper erfunden und sind immer noch Marktführer), sondern immer dem jeweiligen Publikum geschuldet. So erarbeitete Verdi eigene französische Fassungen für das Pariser Publikum.



            Deutschesprachige Opern waren übrigens schon zur Barockzeit üblich (z.B. von Schütz), haben sich bloß nicht erhalten.

        • @Aurego:

          Kleine Korrektur: Natürlich heißt es "Entführung aus dem Serail".

        • @Aurego:

          Höhöhö.

          Ja, das war die Innovation am "deutschen Singspiel".

          Und das ändert an der Argumentation des Vorredners genau was...?

    • @Aurego:

      Es kommt doch darauf an, was die Menschen in dem betreffenden Land wollen und die wollen eben Cote d'Ivoire und nichts andseres. So einfach ist das.

      • @Perkele:

        Nein, man muss schließlich nicht jeden hanebüchenen Unsinn mitmachen.

        Weshalb sollte bei diesem einen Land keine Übersetzung des Namens erfolgen und wäre man im Gegensatz dazu auch bereit im frankophonen Teil dieser Welt bereit von Deutschland zu sprechen? Wir sind schließlich nicht alle Alemannen.

    • @Aurego:

      Das ist genau der Punkt.



      Ich musste mir neulich von einer jungen Frau erklären lassen, dass es nicht "Farbige" heisst, sondern "People of colour". Das geht in die gleiche Richtung.



      Vielleicht wäre es viel wichtiger die kolonialen und rassistischen Schweinereien von damals und heute zu benennen und aufzuarbeiten, als kleinlich an Bezeichnungen rumzudoktern!



      Und wenn den Menschen in der Elfenbeinküste daran gelegen ist, dieses Wort, gegeben von ihren Unterdrückern, zu eleminieren, dann wäre das sicher die bessere Lösung, als lediglich auf die französische Übersetzung zu bestehen!

    • @Aurego:

      Als Günther Netzer noch Fußball-Co-Moderator bei der ARD war, hat er immer "Ivorer" gesagt.



      Persönlich halte ich als alter Anarchist Nationalstaaten für nen Anachronismus*lol*; bis der Rest der Welt erkenntnistheoretisch soweit ist, möge mensch aus Respekt bei der Benamsung im öffentlichen Zusammenhang hier gucken: www.auswaertiges-a...atennamen-data.pdf

    • @Aurego:

      Danke.

    • @Aurego:

      Ich habe noch nie eine Pizza Neapel bestellt...

      • @DerLurch:

        Aber vielleicht haben Sie in Neapel schon einmal eine Pizza bestellt.

      • @DerLurch:

        Die wäre dann auch eine Pizza Napoletana/Napulitana, also eine neapolitanische Pizza (alle anderen wären für meinen Gaumen dabei auch keine "echten").

        • @Janix:

          "Echte" Pizza ... naja. Als das Wort im 17. Jhdt. zum ersten Mal auftaucht, war es noch die Bezeichnung für einen süßen Kuchen. Dann gibt es noch die Pizza Romana und andere Varianten. Insofern gibt es nicht die eine "richtige" Pizza.

          Aber um Pizza ging es mir ja gar nicht.

          • @Aurego:

            Das bezog sich auf @DerLurch.

      • @DerLurch:

        Ganz schlechtes Beispiel, Eigennamen und so.....

  • Wie im Text richtig vermerkt hat kein Staat das Recht, anderen ihre Namensgebung vorzuschreiben, Wie ebenfalls richtig vermerkt ist, tut das der Staat Deutschland auch nicht, sondern verwendet in der offiziellen (diplomatischen) Kommunikation die gewünschte Eigenbezeichnung.



    Aber in der Alltagssprache? Warum? "Elfenbeinküste" hat einen schönen bildhaften Klang, schreibt und spricht sich leicht und ist im Gebrauch eingeübt. Für die französische Bezeichnung muss man schlimmstenfalls jedesmal Wikipedia bemühen, um ja keinen Fehler zu machen.



    Im übrigen verwenden wir auch für viele andere Staaten im Alltag die umgangssprachlichen, ins Deutsche übersetzten Landesnamen.



    Wie Menschen in anderen Ländern in ihren Sprachen und gemäß ihren Gewohnheiten Deutschland bezeichnen, ist mir übrigens vollkommen egal.

    • @Vigoleis:

      *Seufz* - die grobe Begründung der Ablehnung geht auf das Ende der 70er Jahre zurück, weil man vermeiden wollte, lediglich als Land dargestellt zu werden, in welchem vor allem Elfenbein gejagt werden würde.

      Daraufhin erinnerte Frankreich daran, dass der Westen, und der Osten, Cote d'Is ( ehemaliges Mali-Reich )wohl zuvor als Goldküste bekannt war... Drei Länder - ein Name. Aber gleiches Problem.

    • @Vigoleis:

      Erzähl Deutschen mal was über Ivorer. Die meisten wissen nicht worum es geht. Warum heißt die Bevölkerung auf deutsch Ivorer aber das Land Elfenbeinküste? Total Bescheuert.

  • Für Zeitungsredakteure ist das einfach gesetzt, für viele andere Menschen ein bedrohlicher Zungenbrecher.

    • @vieldenker:

      Kott de wahr. Damit mal probieren.

  • Nun, wenn die Weltgemeinsacht gebeten wurde den Namen nicht zu übersetzen sollte man das respektieren.

    Aber damit treibt man natürlich den Teufel mit dem Bezlebub aus.

    Allerdings ... für unser Land würde ich mir das auch wünschen. Nicht aus Nationalbewusstsein sondern aus ganz praktischen Erwägungen.

    Denn in der alphabethischen Sortierung ist "Deutschland" mit D weiter oben als "Germany" mit G. Und wenn man irgendwo auf einer Webseite die Sprache ändern will sucht man unter "D" ohnehin vergeblich ...

    • @Bolzkopf:

      Noch besser die Version, "Deutschland" dann unter G einzusortieren. Zu oft gesehen. Perfekte Verwirrung.

      • @travellingpete:

        Habe ich auch schon häufig gesehen. Vermutlich Programmierfehler, die Sortierung passiert beim Lesen aus der Datenbank statt bei der Aufbereitung in der GUI.

      • @travellingpete:

        Eine durchgehende Reihenfolge ist dann ein bisschen einfacher in die Datenbank einzupflegen, es nervte zu Beginn gleichwohl.

  • Ein kleinwenig mag es wohl auch daran liegen, dass der etwas schwierige französische Name für viele deutsche schwer auszusprechen ist. Auch mir kommt die deutsche Variante einfacher über die Lippen.



    Nichtsdestotrotz sollte man den Willen jedes Staates auf seinen Eigennamen ganz klar berücksichtigen.



    Vor der Kolonialisierung gab es keinen Staat in den heutigen Grenzen, wohl auch keinen, ich sag mal, indigenen Namen. Aus diesem Grund wurde nach der Unabhängigkeit der eigentlich koloniale französische Name übernommen, aber mit der Bitte, diesen nur in der französischen Variante zu benützen, also ohne Übersetzung.

    • @Klaus Waldhans:

      Eine Zeitlang wurden konsequent, im internationalen Schriftverkehr, noch die französischen Schriftnamen verwendet. Beispiel: Zaire - anstatt Kongo.

      Aufgebrochen wurde dies, vermehrt leider, erst durch den Jugoslawien-Krieg und führte zur Kreation FYROM -



      Former Yugoslavian Republic of Macedonia.

      Man wollte halte den Amerikanern in den Schutztruppen nicht auf die Füße treten. Wurscht, dass die internationale Postsprache Französisch war und ist! Und eben gerade nicht Englisch.

    • @Klaus Waldhans:

      Ich habe das nach einer kurzen Recherche so verstanden, dass 1985, eine ganze Weile nach Staatsgründung, der damalige Präsident es leid war, im internationalen Kontext je nach verwendeter Sprache sein Land an anderer Stelle zu finden war. Sich in solchen Zusammenhängen auf eine Bezeichnung festzulegen ist ok. Allein bei alphabetischer Sortierung kann auch der Unterschied nerven von Kanada zu Canada oder Vereinigte Staaten über United States zu États-Unis. Ohne Alemannen, Teutonen und Germanen ins Spiel zu bringen. Dass man Namibia so nennt und nicht international womöglich German Southwest Africa. Ist auch klar. Aber den Kolonialnnamen zu übernehmen in der Sprache einer Kolonialmacht und dann im Geiste des Postkolonialismus einzufordern, auch in der Umgangssprache diesen Namen, der dort womöglich schlecht von der Zunge rollt, zu verwenden ist meiner bescheidenen Meinung nach schwierig.



      Und könnte bei manchen womöglich nach hinten losgehen.

      • @travellingpete:

        Verstehe ich das richtig: der Wunsch, nicht zu übersetzen, hat nur auf international einheitlicher Sortierung beruht (das C positioniert einen schließlich ganz weit vorne) und hatte gar nichts mit Dekolonisierung zu tun? Wieso dann die ganze Aufregung? Kann man ja bei Listen und Datenbanken so machen. Aber wo ist das Problem bei Fließtext und gesprochener Sprache?

    • @Klaus Waldhans:

      Teile der heutigen CIV waren Teil eines vorkolonialen Staates - Asante - welcher allerdings nach heutigem Verständnis imperialistisch agierte, d.h. immer wieder angrenzende Gruppen unterwarf und Ausbeute, allerdings aber auch integrierte. Das war ein kompletter Staat - Verwaltung, Militär, Rechtssystem, Insignien und Rituale, und hat - wie auch Dahomey weiter östlich - sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gegen Briten und Franzosen behaupten können.



      Allerdings - siehe "imperialistisch", die Verbindung mit nur einer Gruppe auf den neuen Staatsgebiet und der Wunsch nach einer modernen Republik - hat sich niemand nach der Dekolonisierung auf Asante berufen wollen, daher "Ghana" (welches schon länger untergegangen war und wo anders gelegen hatte).