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Berufswahl bei JugendlichenWenn du deinen Traumjob nicht machst, macht ihn wer anders

Studier was Richtiges, hören junge Personen oft und damit sind selten Geisteswissenschaften gemeint. Obwohl man da kritisch denken lernt. Ein Plädoyer.

Wer zu spät kommt, der verpasst das Beste, auch bei der Arbeit Foto: Bernd Weißbrod/dpa

W enn du schon studieren willst, dann studier was Vernünftiges. Eine Geisteswissenschaft zum Beispiel. Oder bewirb dich an einer Kunsthochschule. Gib deinem Leben einen Sinn. Investment-Banking ist es nicht.

Ich habe schon einiges bereut. Aber mein Studium der Kulturwissenschaften? Niemals. Es war so breit, dass ich mein Arbeitsleben immer wieder an meine Interessen anpassen konnte, aber konkret genug, dass ich weiß, was ich gelernt habe und wie ich es in Beruf und Alltag einsetzen kann.

Vor allem habe ich viel von dem gelernt, was ich zum Glücklichsein und für ein selbstbestimmtes Leben brauche. Kei­ne*r meiner Kol­le­g*in­nen hat eine Midlife-Crisis. Nicht nur, weil sich kaum jemand einen Sportwagen leisten könnte, sondern weil es keine Vorhersehbarkeit oder Routine gibt, aus der man ausbrechen müsste.

Brotlosigkeit der Kunst ist keine Regel

Immer, wenn es der Wirtschaft schlecht geht, sollen junge Leute dazu verführt werden, gegen ihre Interessen zu handeln, ihre Träume zu opfern und einen Beruf zu ergreifen, der nicht ihrer Leidenschaft entspricht. Das ist ein schlechter Rat. Macht lieber euer Hobby zum Beruf. Aber sucht euch dann ein neues Hobby. Man braucht ein Hobby, egal wie erfüllend der Job ist. Arbeit muss ausgeglichen werden, denn Arbeit bleibt Arbeit und nur Freizeit ist Freizeit.

Die angebliche Brotlosigkeit der Kunst ist keine Regel. Sie ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, die ihre Gültigkeit verliert, sobald wir aufhören, die Künste nach irgendeiner ausgedachten Verwertungslogik zu bemessen, die Menschen in das Schneeballsystem des Kapitalismus zwingen soll. Je unglücklicher dich dein Job macht, desto mehr kaufst und konsumierst du. Wer sich für das Literaturstudium und gegen den vermeintlichen Geldjob entscheidet, hat das nicht nötig.

Künst­le­r*in­nen werden nicht durch KI ersetzt werden. Höchstens Programmierer*innen. Denn KI kann zwar Bilder generieren, aber keine Kunst erschaffen. Du willst das diskutieren? Bildung in Philosophie und Kunstgeschichte hilft.

Es wird nicht nur Armutsangst geschürt, um zukünftige Studierende davon abzuhalten, einen Weg einzuschlagen, der für sie sinnvoll ist. Geisteswissenschaften werden zunehmend abgewertet, als etwas, das uns als Gesellschaft nicht weiterbringt. Wer sagt das?

Big MINT is scamming us

Nichts gegen Chemiker*innen, aber wir können nicht alle im Labor stehen und die nächste Antifaltencreme entwickeln. Irgendwer muss auch in der Bib sitzen und im Flüsterton Adorno diskutieren. Ingenieure werden gebraucht? Okay Jannis, aber wenn du Bauingenieur wirst, wer modelt dann? Wer reist um die Welt und sieht cute aus auf Fotos? Du nicht. Du bauingenieurst dann. Auch cool, aber nicht das, was du wolltest. Wenn du deinen Traumjob nicht machst, dann macht ihn wer anders.

Jeder Taschenrechner kann Mathe. Auf einen Master in Gender Studies kann man wirklich stolz sein. Wenn alle etwas im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik studieren, nutzt das vor allem Pharmafirmen, Chemiekonzernen und der Autoindustrie. Big MINT is scamming us. Bildung an sich ist ein Wert. Wer profitiert davon, wenn niemand mehr kritisch denken lernt?

Wenn die Kultur nicht das Leben normaler Menschen verbessern, sondern nur den Reichen dienen würde, würden rechte Parteien nicht alles dafür tun, die Künste kaputt zu sparen und in ihrem Sinne in Kultur und Wissenschaft einzugreifen.

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Simone Dede Ayivi
Simone Dede Ayivi ist Autorin und Theatermacherin. Sie studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim. Aktuell arbeitet sie zu den Themen Feminismus, Antirassismus, Protest- und Subkultur.
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132 Kommentare

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  • In den weisen Worten Funny van Dannens: „Künstler sind nicht überflüssig, aber Bäcker sind viel wichtiger.“

  • Kritisch Denken lernen, Adorno lesen, Kunst machen kann man auch komplett ohne Abschluss, als Arbeiterin/Handwerkerin, Ingenieurin oder was auch immer. Ich kenne Musikerinnen, die betonen, wie vorteilhaft ihr BWL/Accounting Studium für sie ist.

    KI ist eine Bedrohung, weil es viele der Brotjobs, mit denen sich Künstler bis jetzt über Wasser halten konnten vernichtet. Sätze wie: „dass ich mein Arbeitsleben immer wieder an meine Interessen anpassen konnte“ zeigt nur das die Autorin dringend mal ihre Privilegien checken sollte.

  • Ich denke, wir werden die Zeit erleben in der ein 19 Jähriger Fliesenleger mehr verdient als ein W3-Professor inklusive Zulagen.

    • @Herr Müller*in:

      Das eine ist vordergründig größtenteils nach Indien auslagerbar, das andere nicht. Doch die Wertschöpfung und die Knappheit beim W3-Prof m/w/d ist auch nicht zu unterschätzen. Und die Institutionenträgheit.



      Wenn der Fliesenleger KäschaufdieHand bei Musk, Klatten oder Swift arbeitet, vielleicht. Aber sonst halte ich für unsere Lebenszeit eher dagegen.

  • Bezeichnenderweise fehlen Philosophie, Geschichte und Theologie.

  • Die Autorin hat Recht! Nicht mit dem angedeuteten MINT Bashing, welches nur Klischees abbildet, aber mit dem Insistieren auf die eigene Wahl. Als Theaterschaffender war ich einmal in meiner früheren Schule eingeladen und sollte über berufliche Perspektiven für SchülerInnen der Oberstufe sprechen. Ich machte damals Antiwerbung. Sie sollten ihre Leidenschaft zum Hobby machen. Es war eine schwierige Zeit für Kultur. Ich sehe noch die entsetzten Gesichter vieler Mädchen vor mir und ich weiß: es war falsch, meine eigene damalige Verzweiflung über die familiäre Finanzlage den Kindern hinzurotzen. (Hat sich mittlerweile anders entwickelt). Hoffentlich hat mein Vortrag damals bei den Richtigen auch Trotz ausgelöst. Jeder soll seinen Weg gehen. Kulturleute werden manchmal - ohimè - auch gute Immobilienverkäufer, ein Intendanzassistent wird erfolgreicher Politiker und ander haben andere Skills, um z.B. ein Team zusammenzuhalten. Die Kinder sollen ihren Weg gehen und diese Suche müssen die Älteren und die Schule unterstützen.

  • Wenn jeder Taschenrechner Mathe kann, kann auch jeder Pinsel (vielleicht mit einer Ausnahme) Kunst.



    Im übrigen ist ausgerechnet (!) Mathematik eine Geisteswissenschaft.

    • @Carsten S.:

      Algebra und Geometrie sind real angewandt, diskrete Mathematik ersparte den Chipfertigern hunderte von Millionen.



      Aber Mathematik innerhalb des Axiomenraums ist geistiges Nachdenken, nicht höhere Handelsschule.

  • Ich denke, der Autorin ist schon klar, dass wir den MedizinerInnen, den MathematikerInnen, den ChemikerInnen unsere moderne Welt schulden. Bei Investment-BankerInnen habe ich da allerdings Zweifel!



    Ich lese den Artikel als Ermunterung, vielleicht einem inneren Ruf (wenn er denn vorhanden ist) zu folgen und sich für die Geistes- und Kulturwissenschaften zu entscheiden und nicht allzu ängstlich an die Zukunft zu denken.



    Es gibt auch für Geisteswissenschaftler später Jobs; Jobs, an die man bei Beginn des Studiums nicht gedacht hat. Klar ist, nur wenige werden bei den Wissenschaften bleiben und an der Uni Karriere machen. Aber es gibt unglaubliche viele Verbände, nicht-staatliche Organisationen, Medienanstalten etc. die durchaus Leute suchen, die einen breiten Horizont mitbringen.



    Geradezu tragisch finde ich es, wenn Söhne und Töchter aus Arzt- oder Juristenfamilien einfach nur in die Fußstapfen der Eltern treten, obwohl sie etwas anderes fühlen. Aus denen werden bestimmt keine guten Ärzte oder Juristen.

  • Wovon träumt die KI?

    Ich als MINT-Mensch finde es unfair, dass behauptet wird, ich könne nicht kritisch denken.

    "Höchstens Programmierer*innen. Denn KI kann zwar Bilder generieren, aber keine Kunst erschaffen. Du willst das diskutieren?"

    Programmiererinnen wird es weiterhin geben, aber weniger Coderinnen. Gutes Programmieren ist auch eine Kunst. Die KI darf dann gerne die Drecksarbeit machen.

    Und das mit dem Bildergenerieren, das ist doch selbsterklärend. Das muss ich gar nicht diskutieren. Jeder, der weiß, wie ein LLM funktioniert, versteht das. Eine ECHTE KI, nun, das könnte was anderes sein. Aber die gibt es nicht.

    • @Cededa Trpimirović:

      Sie sollten das nicht allzu Ernst nehmen: Wer sonst nucht viel kann macht häufig auf kreativ und kritisch. Letztendlich belegt das vielfach nur die Unwissenheit dieser Personen.

  • Meine KI sagt folgendes zum Thema Geisteswissenschaften (die Aufzählung ist nicht vollständig):

    Vielfältige Themen: Geisteswissenschaften umfassen Bereiche wie wie Geschichte, Philosophie, Religion, Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft, die eine breite Palette von Themen abdecken.

    Kritisches Denken: Studierende lernen, gesellschaftliche Zusammenhänge zu begreifen und komplexe soziale Phänomene und Ungleichheiten zu analysieren.

    Interdisziplinäre Kompetenzen: Viele Studiengänge sind interdisziplinär ausgerichtet und kombinieren Wissen aus verschiedenen Bereichen, was zu einem umfassenden Verständnis des menschlichen Denkens und Handelns führt.

    Selbstorganisation und Praxis: Das Studium an deutschen Universitäten verlangt viel Selbstorganisation und die Sammlung von Praxiserfahrungen, was für viele Studierende von Vorteil ist.



    Geisteswissenschaften sind also nicht nur für die akademische Entwicklung von Bedeutung, sondern auch für die persönliche und berufliche Entwicklung. Sie bieten die Möglichkeit, tiefere Einblicke in die Welt zu erhalten und die Fähigkeiten zu entwickeln, die in vielen beruflichen und sozialen Kontexten von Vorteil sind.

  • Studium ist eine Investition in Zeit und Geld (auch anderer) und sollte daher gut überlegt sein. Ein noch nicht angesprochenes Kriterium ist für mich, inwieweit ich mit meiner erworbenen Kompetenz im Ausland arbeiten kann.

    • @Klartext:

      Das ist für meine Kinder eines der Top-Kriterien: Interesse, Talent, finanziell attraktiv und im englischsprachigen Bereich gesucht. Kritisches Denken gibt es bei uns von Haus aus dazu.

  • Ich bin fein damit, so eine Stellungnahme zu verfassen auch wenn ich viele Aussagen - wie viele andere hier - unsachlich, vereinfacht oder übertrieben finde.

    Was mir aber bemerkenswert scheint, ist die Langfristperspektive. Es mag ja schön sein und sich gut anfühlen sich in dieser oder jener Geisteswissenschaft (übrigens gibt es da viele verschiedene, die neben der "Geistigkeit" noch andere Qualitäten vermitteln) aufzugehen, aber wie wird es sich anfühlen in 5 oder 10 Jahren? Wie wird man dann sein Leben und seine Entscheidung betrachten? Das ist eine Frage der Wette auf die Zukunft und man kann dort am eigenen Massstab scheitern, wenn man die Folgen des Weges nicht ehrlich erhellt und Varianten überblickt und einbezogen hat. Daher halte ich den Ratschlag für unterkomplex.

    Wo ich aber völlig dabei bin, ist, dass ich Mündigkeit mit der Fähigkeit kritisch zu denken verbinde. Da kann eine geisteswissenschaftliche Bildung dienlich sein, sehr sogar. Aber kritisches Denken lässt sich - haben viele schon gesagt - auch in einer anderen Wissenschaft schulen, wo Kritik im Forschungsprozess notwendig und relativ klar und nachvollziehbar (!) exerziert wird.

  • Das ist die Kolumne Diskurspogo, für alle, die jetzt den Untergang des Abendlands usw. Also nicht alles auf die Goldwaage legen und dem Aberwirhabenschließlichallesaufgebaut-Reflex verfallen.

    Die Autorin liefert interessante Denkanstöße, dafür lese ich die taz, konformistisches Businessgeschwafel muss ich den Rest des Tages ertragen.

    Auf jeden Fall musste ich zweimal herzhaft lachen und grinse noch immer, als ich das mit der Antifaltencreme las und „Jeder Taschenrechner kann Mathe“ ist ebenfalls ganz groß.

  • Guten Tag, Simone Dede Ayivi

    "Jeder Taschenrechner kann Mathe."



    Abgesehen von der schlechten Formulierung ist das sachlich falsch. Ein Taschenrechner ist ein Werkzeug. Um das zielgerichtet zu verwenden, sind mathematische Kenntnisse erforderlich.



    Geisteswissenschaft beeinhaltet auch die faire Argumentation.



    Dazu gehört auch, dass Wissenschaftler vieler Fachgebiete daran forschen, wozu AI in der Lage ist und sein wird. Für Sie steht das völlig unwissenschaftlich schon fest.



    Darüberhinaus behaupten Sie einen Gegensatz aus der Mottenkiste und gehen den Kapitalisten auf den Leim.



    Geistes- und Naturwissenschaften, Technik und Kunst sind keine Antagonisten sondern Partnerinnen.

  • Nun, offensichtlich hat sich das Studium gelohnt, liebe Simone Dede Ayivi. Hervorragend auf der Klaviatur der Egos, gespielt, und ein beträchtlicher Anteil geht direkt in den Verteidigungsmodus - könnte ich auch, als Ingenieur weiß ich ja daß ein Taschenrechner so viel mit Mathematik zu tun hat wie eine Rechtschreibkorrektur mit Literaturwissenschaften.

    Ich sehe ein anderes Problem: in der Tat denke ich über einen Richtungswechsel nach, bin dazu in einer guten Situation: über 20 Jahre gut verdient, während dieser Zeit über weite Strecken auch ein Herzensthema bearbeitet (manche lieben Chemie wirklich, so unterschiedlich sind Menschen). Nette Betriebsrentenansprüche, Wohneigentum, gute Portion Rentenpunkte für mein Alter. Was, wenn ich jetzt noch ein Handwerk erlernen will, das noch näher an meinem Herzen ist? Duale Ausbildung mit Berufsschule? Und überhaupt, wie kann ich es wagen als "Leistungsträger" auf der angeblichen sozialen Leiter "abzusteigen"? Bisher hat die Gesellschaft ein Problem mit Spurwechseln. Zum Glück hab ich kein Problem, anzuecken.

    • @Garak:

      Als Mittrekkie hoffe ich bei Ihrem Nickname, dass Sie gerne ein "einfacher Schneider" werden wollen - und wünsche Ihnen so oder so alles Gute!

  • Hauptgrund für Abbrüche in den Geisteswissenschaften scheinen Motivationsprobleme und Perspektivlosigkeit zu sein. Die Prüfung sind keine wirkliche Hürde. In Mathe wird halt leider zuviel verlangt für den durschnittsmenschen,aber dafür keine Perspektivlosigkeit.

    Ich bin allerdings auch der Meinung man sollte machen was einen zufrieden macht. Die Kunst ist halt im Notfall die kommende Armut zu akzeptieren.bin ich dafür nicht bereit muss man andere Abstriche machen.

  • "Jeder Taschenrechner kann Mathe."

    Seufz. Werte Geisteswissenschaftler*innen, wäre es nicht einmal an der Zeit, das hier hoch gelobte kritische Denken mal auf diese These anzuwenden? Und dann vielleicht sogar noch auf die Analoga zu I, N, und T?

    Ich habe Mathematik studiert, zunächst durch Zufall (wollte eigentlich Physiker werden), dann aber aus purer Leidenschaft. So leidenschaftlich, dass ich ein Jahrzehnt lang versucht habe, Professor in diesem Land zu werden. Leider ergeht es einem da nicht unähnlich wie den vorwiegend kritisch über Mathematik denkenden Geisteswissenschaftler*innen, und die Luft wird auf den (akademischen) Stellenmarkt wird sehr dünn. Glücklicherweise hat man zumindest noch etwas in der Hand, was man als handfest verkaufen kann. Einiges an Physik habe ich auch mitbekommen, arbeite mittlerweile als Softwareentwickler und lese nebenbei über Elektrotechnik, Signalverarbeitung und Akustik. Jede dieser Disziplinen sprudelt vor Kreativität und kritisches Denken.

    So grundsätzlich bin ich ja sogar halbwegs einer Meinung mit der Autorin, aber auf dieses Lagerdenken nach dem Motto "kreative Geisteswissenschaften" vs "stumpf MINT" hätte man besser verzichten sollen.

    • @Fairchild670:

      Ich bin auch nicht einverstanden mit der Lagerdenke, halte das aber auch nicht für den Punkt, den die Autorin machen will: Wer in Mathe, Natur- oder Ingenieurwissenschaften persönlich aufgeht, soll das auch ruhig studieren. Nur sollte DAS halt das Kriterium sein und nicht nur die Verdienstaussichten, mit denen auch anderweitig Geneigte in diese Fächer getrieben werden.



      Das lässt sich schon hören, ist aber natürlich anfällig für die Kritik Jener, die ganz klar von ihrem Beruf - sei er nun umfunktioniertes Hobby oder nicht - gut leben können möchten. Die fragen dann, je nach Ausgangspunkt, ENTWEDER, ob "gut verdienen wollen" nicht auch eine wichtige Neigung ist, zumal Frau Ayivi ja richtig bemerkt, dass am Ende der Beruf eben NICHT Freizeit und Hobby ist, ODER warum so wenig in IHRE auserkorene Lieblingsarbeit investiert wird. Das gilt für Kunst und Kultur, aber natürlich auch für andere Berufe, die oft primär aus Neigung ergriffen werden, wie z. B. die Care-Arbeit.

      • @Normalo:

        Ich habe den Artikel jetzt noch einmal gelesen. Den Punkt, den Sie herausgestellen, habe ich zwar auch wohlwollend zwischen den Zeilen gefunden, aber leider sind die Zeilen wirklich arg mit Vorurteilen gegen MINT angereichert.

        Warum sollte sich beispielsweise Jannis nur wegen Berufsaussichten als Bau-Ing. eingeschrieben haben? Umgekehrt scheint die Autorin aber davon auszugehen, dass niemand jedwede Geisteswissenschaft aus "niederen Beweggründen" studiert.

        Ich finde auch, dass der Arbeitsmarkt einen zu stark ausgeprägten MINT+Jura+WiWi Bias hat und andere Studiengänge und Ausbildungen unfair abwertet. Aber den Punkt sollte man weniger plump machen. Letzteres ist übrigens ein Adjektiv, dass ich eigentlich nicht mit Frau Ayivis Kolumne verbinde.

    • @Fairchild670:

      Sehr gut das Problem der Autorin erklärt.

  • "Man braucht ein Hobby, egal wie erfüllend der Job ist. Arbeit muss ausgeglichen werden, denn Arbeit bleibt Arbeit und nur Freizeit ist Freizeit."







    Diesen Satz halte ich für den klügsten im ganzen Artikel. Volksmund sagt dazu "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps".







    Der Rest erscheint mir ganz schön abgehoben von der Realität. Natürlich ist es wünschenswert, wenn die Art der Sicherstellung des eigenen Lebensunterhalts (und darum geht es letztendlich) sich irgendwie mit eigenen Interessen in Einklang bringen lässt, aber die eigenen Interessen / Hobbys / Lieblingsbeschäftigungen z.B. die Studiengangswahl bestimmen zu lassen, in dem Wissen, hinterher davon höchstwahrscheinlich nicht leben zu können ist ziemlich elitär und snobistisch.







    Ein Studiendurchlauf kostet den Staat 40.000 - 300.000 Euro. Den finanziert auch der Busfahrer und die Friseurin. Die dürfen dann auch erwarten, dass der Studienfinanzierte der Gesellschaft mehr zurückgibt, als ein zufriedenes Lächeln der zeitweisen Selbstverwirklichung.







    An erster Stelle muss stehen, dass jeder, der kann, sich selbst über Wasser hält und optimal der Gesellschaft ein Gewinn ist. Dafür sind Ausbildung und Studium gedacht.

    • @Sisone:

      Letzter Absatz ist die Idealvorstellung, die "Wirtschaft" hat da andere Ideen, die wollen den genau auf den Punkt studierten Bachelor/Master dessen Ausbildung er selbst und die Allgemeinheit finanziert hat um die damit erzielten Gewinne zu Superreichen zu transferieren. Das alte Spiel Verluste sozialisieren und Gewinne privatisieren, auch die möglichen gesellschaftlichen.

      • @Axel Schäfer:

        Die meisten Menschen dieser Welt sind keine superreichen und die momentan reichsten Menschen der Welt sind alle Selfmade.

        Und mit dem Nutzen dieses Chats/Kommentars unterstützten Sie auch die "Superreichen", Internet, Browser, Strom, IT, Hardware....

        Sie können dem entgehen als Eremit oder mitspielen und sich einen Teil ergattern oder darauf schimpfen und trotzdem alles Nutzen, das nenne ich bigott.

        Seis drum, werden sie Erwachsen, das heißt Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, entwickeln Sie etwas selbst, wo für andere Sie für bezahlen, wenn es ihr Hobby ist, umso besser.

      • @Axel Schäfer:

        🙈

  • Die besten lernen ein Handwerk - der Rest muss studieren

  • Wunderschöne Kolumne! Vielen Dank. Werde ich meinen Kindern und meinen (geisteswissenschaftlichen) Studierenden gleich weiterleiten. Und an alle nörgelnden Mitkommentator*innen hier im Leser*innenforum: Hättet Ihr mal mehr über Adorno geflüstert, wüsstet Ihr: "Nur die Übertreibung ist wahr!"

    • @Müller-Schöll Nikolaus:

      Ja, genau, wir brauchen mehr Leute, die flüsternd Adorno zitieren können!







      Wer braucht schon Lehrer, Ärzte, Wissenschaftler, wenn man doch so schön mit einem Latte frühmorgens um 13 Uhr im besonnten cafe über Geist und Seele philosophieren kann.







      Oh, habe ich vielleicht mit diesem Klischee-Bild übertrieben?







      Na dann muss es doch wahr sein, oder?

      • @Sisone:

        Klar ist da was wahres dran, denn aus diesen Worten spricht doch irgendwie der bloße Neid, oder? In der Tat philosophiere ich häufiger mal 'frühmorgens um 13 Uhr im besonnten Cafe usw.", dafür 'arbeite' ich dann allerdings auch gerne mal bis nachts um halb zwei. Es ist ein großes Privileg, sich die Zeit selbst einzuteilen, vielleicht eines, für das man dann mit Einbußen beim Einkommen bezahlen muss. Aber Glück bemisst sich nun mal nicht in Geld. Und wer diejenigen hasst, von denen er glaubt, sie seien etwa glücklicher als er oder sie, der oder die sollte sich mal Gedanken machen. Über sich.



        Übrigens bin ich unter anderem auch Lehrer und Wissenschaftler.

        • @Müller-Schöll Nikolaus:

          Keine Sorge, ich bin glücklich. Und ich hasse niemanden, schon gar nicht weil jemand zufrieden mit seinem Leben ist. Um Gottes Willen will ich auch gar nicht sagen, dass Ihr Lebensstil irgendwie verwerflich wäre, sondern nur meine Sicht klarstellen, dass die in der Kolumne ausgesprochene Empfehlung zwar für einige so gut wie bei Ihnen ausgehen kann, aber für sehr viele eben nicht, weil eben nicht für alle der gesellschaftliche "Bedarf" vorliegt. Womit für sehr viele nicht nur ein Traum platzt, sondern auch in einem entscheidendem Lebensabschnitt viele Chancen auf etwas erfolgversprechenderes vertan werden.







          Die (von mir jetzt reduzierte) Kolumnenaussage "mache Dein Hobby zum Beruf" würden Sie einem leidenschaftlichen Fußballjugendlichen wahrscheinlich auch nicht empfehlen, wenn Sie wissen, dass 99 von 100 nicht an das Ziel gelangen, davon leben zu können.







          Vielleicht können wir uns ja friedlich darauf einigen, dass es kein "Richtiges Leben im Falschen gibt" und alles seine Berechtigung hat, nur sollte nicht trotz miesester Chancen blauäugig alles auf die Selbstverwirklichungskarte gesetzt werden.



          Ein Hobby kann auch als Hobby Spaß machen. So wie z.B. taz-Diskussionen ;-) .

    • @Müller-Schöll Nikolaus:

      Schön und gut, ist nur halt keine Übertreibung, sondern einfach falsch.

      Zu behaupten, dass MINT kein kritisches Denken lehrt ist nicht übertrieben, sondern schlicht falsch. Zu behaupten, dass man Mathematiker durch Taschenrechner ersetzen kann, ist auch keine Übertreibung sondern zeugt einfach nur von Unkenntnis über die Tätigkeiten eines Mathematikers. So zu tun, als könnte eine moderne Gesellschaft ohne MINT überhaupt funktionieren, oder wie hier implizit behauptet, sogar besser, ist einfach grober Unsinn für jeden, der sich mal umgeschaut hat.

      Auch so zu tun, als würden die Geisteswissenschaften automatisch linksgerichtete Menschen produzieren ist Unsinn. Auch ein Björn Höcke hat mal Geschichte studiert.

      • @TorbenU:

        Und wo lesen Sie das, was angeblich hier "implizit behauptet" wird? Klar, es gab auch Klaus Traube und ähnliche Ingenieure, die irgendwann kapierten, was sie da mit der Atomkraft geschaffen hatten. Aber waren und sind die in der Mehrzahl? Ich zweifle.

  • Sollten wir nicht lieber darüber diskutieren wie wir die Studierendenzahlen generell wieder nach unten korrigieren können? Es macht für die Gesellschaft wenig Sinn eine Studienanfängerquote von 55% zu haben.

    • @Šarru-kīnu:

      Joa, macht volkswirtschaftlich bestimmt total viel Sinn möglichst viel intellektuelles Potential ungenutzt zu lassen und stattdessen möglichst viele Menschen in gering-qualifizierte Jobs etwa am Fließband zu zwingen. Schließlich betont ja auch die Politik immer wieder, dass wir eine Industriegesellschaft sein wollen, und nicht etwa eine Ingenieurs-, Dienstleistungs- oder High-Tech-Gesellschaft. Bei Software hat man längst den Anschluss verloren, bei KI und Robotik hat man ihn nie gehabt, bei Biotech und Quantentechnologie immerhin noch ein wenig Grundlagenforschung. Und sie wollen die akademische Ausbildung reduzieren?

      • @Ingo Bernable:

        Einen Geisteswissenschaftler brauche ich selten, einen Handwerker ständig. Auch einen Arzt oder mal einen Anwalt. Aber jemand der in der Bib philosophisch rumflüstert, den habe ich noch nie gebraucht.

    • @Šarru-kīnu:

      Aber die Diskussion findet doch statt, über die Fragen der Limitierung u. dem „akademischen“ hinaus. Wenn auch das „wir“, das daran beteiligt ist, nicht so umfassend ist. Vielleicht auch nicht erwünscht. Lassen „wir“ mal einen Erwerbslosen vom Artikel 12 des GG zur Freiheit der Berufswahl sprechen. Was der dann zu hören kriegt! Mit Blick auf das Thema oben zu individuell angestrebter Selbstverwirklichung in der Arbeitswelt: Mit begegnen in dieser Diskussion Paradoxien, die auf den ersten Blick irgendwie „lustig“ wirken. In denen wird z.B. gern auf die Erkenntnisse der Wissenschaften Bezug genommen, die man ansonsten eher in den Grenzen der Universitäten sehen will. Man akzeptiert den Pädagogen (mit Zusatzausbildung BWL) vielleicht, wenn man sich ihn als innovativ wirkendes Nischenprodukt erhofft. Da ist Interesse geleitet das intrinsische Motiv an Erkenntnis geleiteter Arbeit gefragt. Was nicht dabei stört, eine (Schul-) Pädagogik als weltfremd zu diskreditieren, die nicht „liefert“, weil die dem Erkenntnisinteressen der Schüler, ihrer Neugier, ihren Talenten folgt und nicht den gesellschaftlichen Bedarfen. Aber ein kleinwenig Innovation soll auch sein. Tja nun. Was nun?

    • @Šarru-kīnu:

      Warum dies?



      Bildung schadet nie oder wollen Sie zurück zu einer Ständegesellschaft mit Akademikern aus der Bürgerschaft und einem Plebs der ungebildet bleiben soll und die Drecksarbeit machen muss?

      • @Axel Schäfer:

        Bildung schadet nie - richtig.



        Auswendig büffeln für die nächste Prüfung und dann wieder löschen hilft nicht weiter.

    • @Šarru-kīnu:

      Es könnte allerdings auch ein Zusammenhang bestehen zwischem Ärztemangel und numerus clausus von 1,2 für´s Medizinstudium.







      Wenn wir mehr Ärzte brauchen, brauchen wir auch mehr Medizin-Studienplätze. Wenn die Erfahrung zeigt, dass Studiengänge wie Philosophie und Kulturwissenschaften in eine hohe Arbeitslosigkeit führen, brauchen wir davon entsprechend weniger Studienplätze.







      Optimal wird noch darüber nachgedacht, was in der nahen Zukunft wohl häufig und was selten gebraucht wird, dann fallen auch solche Überraschungen aus, dass innerhalb von einem Jahrzehnt aus einer Ärzteschwemme ein Ärztemangel geworden ist und zudem jetzt plötzlich Lehrer*innen an allen Ecken und Enden fehlen.







      Dass meine Kinder in Ihrer Schulzeit in zwei Jahren mehr Unterrichtsausfall hatten als ich in meiner gesamten Schulzeit stört mich übrigens mehr, als mich als ein paar Richard David Prechts weniger stören würden.

      • @Sisone:

        "Es könnte allerdings auch ein Zusammenhang bestehen zwischem Ärztemangel und numerus clausus von 1,2 für´s Medizinstudium."

        Könnte - muss aber nicht 😎.

        Zum von der Autorin gelobten kritischen Denken würde es gehören, eben nicht solche simplen Aussagen in Die Welt zu setzen, sondern festzustellen, dass inzwischen eine erhebliche Anzahl der hiesigen Medizin-Absolventen gar nicht mehr hierzulande als Arzt arbeitet, sondern in der Pharmaindustrie oder im Ausland - oder beides. Due Tochter eines Bekannten hat mir letztes Jahr vorgeschwärmt, wie sie als deutsche Medizinerin in Norwegen den roten Teppich ausgerollt bekommt (sie hat vom potenziellen Arbeitgeber ein Flugticket zum Vorstellungsgespräch bekommen, Sprachkurs wird vom AG bezahlt etc etc etc)

        • @FriedrichHecker:

          Der Anteil an Medizinern, die in Deutschland studiert haben und danach ins Ausland gehen liegt bei 0,5-0,6% jährlich, ist also ales andere als eine "erhebliche Anzahl".



          (Quelle: Ärztestatistik der Bundesärztekammer).







          Dagegen stehen aus dem Ausland angeworbene Ärzte, die in Summe einen vielfach höheren Anteil ausmachen. Trotzdem finden Praxen keine Nachfolger und insbesondere außerhalb der Großstädte wird die Situation zunehmend prekär.







          Auch wenn Sie das für eine unkritisch gedachte simple Aussage halten, ist es einfach wahr: wenn nicht mehr Studienplätze für Mediziner geschaffen werden, wird sich dieser Mangel verstärken, weil aufgrund der Demographie in den nächsten Jahren überdurchschnittliche viele Ärzte in den Ruhestand gehen werden. Dann warten Sie nicht mehr 2 sondern 8 Monate auf einen Facharzttermin.







          Und in der Pharmabranche zu arbeiten ist eines der Berufsfelder, wofür man Medizin studiert. Wollen Sie etwa Pharmaindustrie ohne Ärzte?







          Der Unterschied zu Norwegen ist allerdings tatsächlich, dass dort das Ankommen wirklich angenehm gemacht wird, während hier ein monatelanger bürokratischer Irrsinn stattfindet, bevor ein Arzt als solcher überhaupt anerkannt wird.

  • Also, grundsätzlich finde ich es sehr lobenswert, sich etwas mehr für das Prestige der (wichtigen!) Geistes- und Kulturwissenschaften einzusetzen. Der arrogante Ton dieser Kolumne ist jedoch äußerst unangenehm, da unterstellt wird, man könne "kritisch denken" nur durch ein Studium der Geisteswissenschaften erlernen. Das ist jedoch völlig weltfremd und im Endeffekt eine Herabwürdigung vieler kluger Menschen.

    Mein persönlicher Eindruck ist hingegen, dass eine gewisse Interdisziplinarität hilfreich ist. Man kann deutlich intelligenter über z.B. die Ethik von Abtreibungen diskutieren, wenn man die zugrundeliegende Biologie ebenso versteht wie die relevanten ethischen Prinzipien und Maßstäbe. Das gleiche gilt für viele andere Sachen - die Frage, unter welchen Umständen eine Coronaimpfung sinnvoll ist, kann kein*e Geisteswissenschaftler*in ohne zusätzliche naturwissenschaftliche Kenntnisse kritisch evaluieren.

    Mal abgesehen davon ist: "Folgt euren Träumen" ein Ratschlag, bei dem einem klar sein muss, dass er für viele Menschen nicht funktioniert. Wenn man ein familiäres Sicherheitsnetz hat, das einen im Zweifelsfall auffängt, ist das deutlich leichter, als wenn man das nicht hat.

    • @Agarack:

      Na! Na! Na! Fühlt sich da jemand betroffen?

      Der Artikel ist doch einfach nur eine launige Ermunterung, seiner Berufung zu folgen und nicht in erster Linie nur ans Geld oder die Karriere zu denken.

      • @Il_Leopardo:

        Entscheidungen zu treffen, die das ganze Leben bestimmen können, ist eine zu ernste Angelegenheit, um gut gelaunt Ratschläge zu geben, die für einen zum Sechser im Lotto führen könnten, während für 10 andere eine bittere Lektion wartet.







        Zwischen selbstverwirklichender Berufung und Geldgeilheit gibt es noch den langweiligen Faktor, sich und evtl. Familie den Lebensunterhalt sichern zu müssen. Der Faktor, der eigentlich die absolute Basis für jeden sein sollte.







        Und falls Agarack sich nicht betroffen fühlen sollte, tun dies sicherlich all die Menschen, die täglich kämpfen müssen, während die Intellektuelle Elite mit finanzieller Sicherheit im Hintergrund über "Berufung" und geistige Befriedigung philosophiert.

        • @Sisone:

          Man kann auch nach einem Studium der Geisteswissenschaften einen Job finden, der interessant ist und von dem man sich ernähren kann. Siehe meinen Beitrag zu FraMa weiter unten.

      • @Il_Leopardo:

        Ich habe sehr konkrete Kritikpunkte genannt. Sie kommen mir jetzt als Antwort quasi mit: "Oh, sind Sie etwa getriggert?". Das finde ich ein bisschen schwach.

        Es gibt in diesem Land viele Leute, die aus armen Verhältnissen kommen, und bei denen das "Zocken" mit der Chance zu studieren weniger attraktiv ist, weil das Leben in Armut keine theoretische Möglichkeit ist, sondern eben lange gelebte Realität. Den Leuten das noch zum Vorwurf zu machen (und ihnen nebenbei zu unterstellen, sie könnten nicht kritisch denken) halte ich für unangemessen. Wenn man aus einem Hintergrund kommt, wo man sich relativ sicher sein kann, so oder so nicht dauerhaft von Hartz IV leben zu müssen, dann sagt sich so was eben leichter.

        • @Agarack:

          Sorry - ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten. Habe mich an Ihren Worten "der arrogante Ton dieser Kolumne" etwas gestört. Ich finde den Artikel eher "amüsant".



          In meiner Sippe gibt es überwiegend Handwerker und Verwaltungsleute. Mein Bruder und ich gingen einen anderen Weg. Ich selbst ging das Risiko der Brotlosigkeit bei der Wahl meines Studiums ein.



          Ein berühmter Wissenschaftler wurde ich nicht, aber ein kritischer Sozialarbeiter und Familientherapeut. Und meinen Klienten hat mein breit-gefächertes Studium sicher nicht geschadet. Das spezifische Wissen für den Job habe ich über eine 4-jährige Zusatzausbildung erworben.



          P.S. Die finanziellen Probleme und Unsicherheiten habe ich nicht als besonders belastend empfunden. Ich war gut vernetzt und hatte immer gutbezahlte Jobangebote.

  • Ist das Satire? Mal davon ab, dass für die Kolumnistin offenbar nur akademische Berufe existieren:



    Ohne Pharmaindustrie nix Medikamente.



    Ohne Chemiekonzerne nix zu essen, schon garnicht für 8 Millarden Menschen.



    Ohne Ingenieure kein garnix.



    Ich bin sehr dafür, dass der Berufswunsch nicht ausschließlich finanziell motiviert sein darf, schon weil man ohne Leidenschaft nie wirklich gut wird. Aber die Berufe zu schmähen, die unser aller Existenz erst ermöglichen und zu Tätigkeiten zu raten, die nur von der Gesellschaft subventioniert ein Einkommen sichern ist ein sicherer Hinweis darauf, dass der eine oder die andere schon zu lange keinen Hunger mehr hatte.



    "Irgendwer muss auch in der Bib sitzen und im Flüsterton Adorno diskutieren." - Nein, absolut keiner muss das, genausowenig wie modeln oder cute Fotos machen. Die Welt funktioniert Mängelfrei ohne. Das gilt für den Bauern, den Handwerker, den Ingeneur etc. nicht.

    • @Samvim:

      Danke, genau so ist es.

  • Schön, wenn es klappt,



    Nur warum muss man studieren?

    Wenn alle es so wie die Dame machen würden, gäbe es Morgen früh keine Brötchen, der Kaffee bei Starbucks wäre weg und der Müll würde sich türmen, keine Busse und Züge würden fahren.

    Aber man ist Selbstgewiss,

    PS. Ich habe eine abgeschlossene Handwerker-Lehre und ein abgeschlossenes MINT sowie Geisteswissenschaften Studium auf Diplom das eine ist nicht besser als das andere und alles hat zu seiner Zeit seine Berechtigung und ja, man braucht nicht die 500ste Anti-Falten Creme aber auch nicht die 500ste Interpretation von Romeo und Julia.

  • "Das ist ein schlechter Rat. Macht lieber euer Hobby zum Beruf. Aber sucht euch dann ein neues Hobby."

    Nein, natürlich nicht. Man kann die Leute natürlich dazu motivieren, an sich und ihren Traum zu glauben. Aber realistisch ist das halt bei Weitem nicht immer. Ein schlechter Rat wäre es, so zu tun, als wäre es die Regel, das solche Träume auch in Erfüllung gehen.



    Nahezu alle Kreativ-Studiengänge sind überlaufen wie kaum in einem anderen Gebiet. Für ein Kunststudium muss man oft Jahre warten, bei mir warens damals an einer Uni 1100 Bewerber auf 50 Studienplätze. Komplizierte Aufnahmeverfahren überstehen, um danach festzustellen, dass es selbst für die, die es am Ende schaffen kaum Jobs vorhanden sind. Ich kenne eigentlich keinen fertigen Kunststudenten, der jetzt von seinem ehemaligen Hobby leben kann. Nahezu alle halten sich mit Gelegnheitsjobs über Wasser, machen jetzt was ganz Anderes oder stocken seit Jahren auf. Nur ganz wenige starten wirklich durch.



    Jedem uneingeschränkt diesen Weg zu empfehlen, ist weit an der Realität der Arbeitswelt vorbei und damit dann auch kein guter Rat. Da hab ich lieber einen Job, der mir auch Spaß macht und behalte Freude an meinen Hobbies.

    • @Deep South:

      Das trifft auf die Autorin auch zu. Sie schreibt Artikel.

  • Fantastisch! Danke für diesen schönen und klugen Beitrag. Ich stimme Ihnen zu und bestätige alles durch meine Erfahrung. Habe auch in den Kulturwisschenschaften gelernt, wie ich selbstbestimmt leben und denken kann. Bin jetzt selbstständig im musikalischen Bildungsbereich tätig, liebe es, kann auch inklusiv und gesellschaftskritisch arbeiten und das anderen weiter geben, mich und sie also politisch und sozial ermächtigen durch die Kunst.

  • Ein junger Mensch kann nicht Medizin oder Jura studieren, damit sich die Eltern freuen. Ein junger Mensch kann nicht Physik oder Verfahrenstechnik studieren, um eine Arbeitsstelle zu bekommen. Es gehört schon eine gewisse Liebe und eine gewisse Begeisterung zu einem Studium dazu. Gleichwohl sollten junge Menschen den Arbeitsmarkt im Blick behalten. Ich glaube ich habe in 20 Jahren nur sehr selten eine Stellenazeige für Germanistik oder Iranistik gesehen. Das sollte einem schon zu denken geben. Aber es ist besser Germanistik zu studieren und das gerne zu machen, als sich durch ein Studium zu quälen und danach dann durch die Arbeitswelt zu zwängen, weil man es eigentlich anders machen wollte oder es einem gar nicht gefällt. Eigentlich hat jeder eine Fähigkeit, die Spaß macht und über die sich auch Geld verdienen lässt.

    • @Andreas_2020:

      Es kommt halt immer auf den richtigen Zeitpunkt an. In der Oberstufe (Abi 1984) hatten wir einen Mitschüler, der wollte Sinologie studieren. Wir dachten damals auch welch brotlose Kunst. Er kam zu dem Zeitpunkt vor die Welle und gehört heute zu den führenden Experten auf seinem Gebiet.

    • @Andreas_2020:

      Naja, ich glaube, als jemand, der selbst Medizin studiert hat, kann ich mir erlauben, zu sagen, dass das für jemanden, der halbwegs fleißig ist, schon auch ohne Liebe und Begeisterung ganz gut möglich ist. Das Studium ist zwar sehr arbeitsintensiv, aber ansonsten eher leichter als naturwissenschaftliche Studiengänge. Man muss eben viel büffeln, dann kommt man durch. Und die Spezies "Arztkind aus Arztfamilie soll Praxis von Mama/Papa übernehmen" trifft man im Medizinstudium durchaus öfter an.

      • @Agarack:

        Ich habe frustrierte Mediziner und Juristen in anderen Arbeitsbereichen getroffen, die hatten null Bock auf diese Arbeit, die ich für sehr nützlich und produktiv ansehe, aber wenn man es wirklich nur für andere tut oder aus einer sonderbaren Angst heraus, wird es m.M. nichts.

  • Ich halt mal grundsätzlich dagegen: Warum überhaupt ein Studium?



    Ohne "Studierte" funktioniert das Leben /die Gesellschaft erstmal auch. Eventuelle Probleme ergeben sich eher langfristig. Ohne Handwerker, (physische) Arbeiter, Bauern, usw. käme das gewohnte Leben sehr schnell zum Erliegen.



    "Traumjob" geht auch ohne Studium und Abi. Man kann in der Tat sein Hobby zum Beruf machen. Beruf kommt von Berufung. Das wäre der Idealfall. "Erfüllung" ist sehr individuell.

    PS: Ohne Bauingenieure sind auch Models arm dran. Wer realisiert bspw. denn die ganzen coolen architektonischen "Kulissen" für die "Cuties"? Bauingenieure können auch selber um die Welt reisen, gut Aussehen ist sowieso Geschmackssache. Die meisten weiblichen Models sind doch eher Hungerharken, die einem spezifischen männlichen Ästhetikideal entsprechen. Wer sich über kapitalistische Verwertungslogik aufregt - bin ich ja grundsätzlich dabei - sollte der Glaubwürdigkeit halber auch weiterdenken. Wieso studiert man, wenn man sowas nicht lernt? Dann hat das ganze Geflüster über Adorno "in der Bib" auch nichts gebracht und Hautcreme entwickeln wäre sinnvoller gewesen!

    • @Mustardmaster:

      Ein Studium ist m.M. häufig nicht die beste Wahl und einige Menschen tun sich damit auch keinen Gefallen. Aber das Problem ist oftmals, dass andere Werdegänge nicht einfach zu machen sind. Viele Betriebe haben die Anzahl an Ausbildungsstellen gekürzt oder es ist bei einigen sehr extrem, wie viele sich bewerben und wer am Ende genommen wird. Kurz: Oftmals ist das Studium erstmal der beste Weg zu einer Arbeit und zu einer Karriere. Langfristig zeigt sich bei vielen Menschen, dass sie vielleicht mit einem guten Handwerksberuf viel besser weggekommen wären. Aber später ist man / frau immer schlauer

    • @Mustardmaster:

      Ohne Studierte gäbe es nichts von dem, was die Gesellschaft so hübsch funktionieren lässt. Kraftwerke, Medikamente, Kühlaggregate wurden nicht beim Pflügen erfunden.

      Gleichzeitig hätten die Erfinder ohne diejenigen am Pflug nichts zu essen gehabt. Man könnte glatt glauben, Arbeitsteilung und Spezialisierung seien vorteilhaft für alle.

      • @nihilist:

        @ nihilist



        Ja, zu Zeiten des Uhrwerk - ein Rädchen nicht ohne datt andere Rädchen...mag Ihre Philosophie noch stimmig sein, aber in Zeiten der Digitalisierung...

  • "Künst­le­r*in­nen werden nicht durch KI ersetzt werden. Höchstens Programmierer*innen. Denn KI kann zwar Bilder generieren, aber keine Kunst erschaffen. Du willst das diskutieren? Bildung in Philosophie und Kunstgeschichte hilft."



    (Ich hab zwar nicht mal Abitur, denke aber das ich auch ohne "Bildung in Philosophie und Kunstgeschichte" in der Lage bin, über das Thema zu diskutieren.)



    Technik kann durchaus Künstler ersetzen: Die Fotografie hat den Beruf des Porträtmalers weitgehend obsolet gemacht. Das Aufkommen der Tonträger hat den Bedarf für Livemusiker stark reduziert. Gut, man kann jetzt einwenden das sei Handwerk, aber keine Kunst. Dann werfe ich mal die Begriffe "Kunsthandwerk" bzw. "Handwerkskunst" in die Debatte. ;-)



    Geisteswissenschaftler können übrigens von der KI leichter ersetzt werden als "technische Wissenschaften". In den meisten Naturwissenschaften gibt es sowas wie experimentelle Beweise. In der Technik: Funktioniert /funktioniert nicht. Geisteswissenschaften spielen sich hauptsächlich im theoretischen Bereich ab und lassen sich viel weniger konkret verifizieren/falsifizieren.

    • @Mustardmaster:

      Die taz hatte in diesem Jahr einen Artikel über Buchcover, die von KI erstellt waren.



      ( Ich habe ihn jetzt nicht gefunden. )

      Der Tenor des Artikels war: " Häßlich!"

      Ich fand sie ansprechend. Den Unterschied hätte ich nicht gemerkt.

      Ein anderer Artikel berichtete über virtuelle Sänger mit einem gewissen Erfolg.

      Es scheint also schon zu gehen.

      • @rero:

        Bei Web.de sind bereits viel der Artikel von KI verfasst. Steht auch so darunter.



        Also statt 100 Journalisten und Texter reichen zukünftig locker 10 bis 20.

        Als Sozialpädagoge hab ich einen HPG in unter 10 Minuten fertig (vorher 3 Stunden Arbeit vom Sozialdienst) und mehr Zeit für meine eigentliche Arbeit am Mensch, also ich liebe KI und nutze sie.

        Auch privat, grade eine Rede für eine Eröffnungsfeier, 7 Minuten und dann Sprachsteuerung alle Anekdoten und Pointen drinnen.

  • Als Geisteswissenschaftler kann man froh sein, einen Job zu bekommen. Als MINT, oder Handwerker werden sie einem hinterher geworfen. Ein Leben ohne Angst, was das Existenzielle angeht. Und im schlimmsten Fall geht man ins Ausland.

  • "Künst­le­r*in­nen werden nicht durch KI ersetzt werden. Höchstens Programmierer*innen. "

    Ehm ... es gibt die erste KI-generierte Schauspielerin. Es gibt die ersten KI-generierten Musikstücke. Es gibt KI-generierte Bilder. etc. pp.

    "Künst­le­r*in­nen werden nicht durch KI ersetzt werden."?

    LOL!

    • @Kaboom:

      Es wird immer menschliche Künstler geben aber die 08/15 "Kunst" wird wegfallen. Models, Pornostars, Nebenrollen in Filmen, Grafikdesign, Illustrationen etc. werden großteileils von der KI ersetzt werden. Genauso Synchronsprecher und viele andere.

  • Grundsätzlich ja. Unbedingt das studieren, was man möchte, aka wo man die höchste Motivation hat. Sonst hält man die drei oder fünf Jahre nicht durch. Im Prinzip ist das sogar ein Vorteil des BSc /MSc Systems - nach dem BSc kann man wechseln (wenn man nicht nur vom BaföG abhängt).

    Aber im Detail:



    "Kei­ne*r meiner Kol­le­g*in­nen hat eine Midlife-Crisis. " Ist das ein geisteswissenschaftliches Merkmal? Dann gesellschaftlich breit propagieren - kein burnout entlastet die KV.

    "Wenn alle etwas im Bereich [MINT]studieren, nutzt das vor allem Pharmafirmen, Chemiekonzernen und der Autoindustrie." - Wenn alle den Bereich GW studieren, nutzt das wem? Der elitäre Abstand zum Maurer, Klemptner und zur Pflegefachkraft würde im Endeffekt eklatant vergrößert.

    "Brotlosigkeit der Kunst ist keine Regel" - hmm, da gibt es aber in der Debatte um das BGE andere Meinungen.

    "aber wenn du Bauingenieur wirst, wer modelt dann" - dem Argument ist final nichts entgegenzusetzen, da "niemand mehr kritisch denk[t] "

    • @fly:

      Ohne Maurer, Klempner, Pflegekräfte usw., die für die materiellen Grundlagen sorgen, gäbe es eh kein Studium.

  • "Jeder Taschenrechner kann Mathe."

    Ähh...nein.

    Ein Taschenrechner kann rechnen aber keine Mathematik.

    Und es soll doch bitte jeder studieren was er will.

    Aber den merkwürdigen Unterton im Artikel der suggeriert, dass alle MINT-Studenten eigentlich lieber Geisteswissenschaftler wären, aber sich vor allem wegen den zukünftigen Jobaussichten anders entschieden finde sehr befremdlich.

    • @Generator:

      @ Generator



      👍👍

  • Das klingt schon sehr überheblich. Ich selbst bin in der Luftfahrt tätig. Adorno Diskussionen finden weniger statt, aber kritische, analytische Gespräche sehr häufig. Und viele Menschen in dieser Branche haben ihr Hobby zum Beruf gemacht und machen diesen Job sehr gerne. Und -Achtung festhalten- ganz ohne Midlife Crisis und/oder Cabrio

    • @Ahnungsloser:

      Das unterscheidet Sie von den Geisteswissenschaftlern. Sie analysieren praktische Dinge, die Anderen theoretische Dinge.

  • Wer möchte, kann die Mathematik durchaus den Geisteswissenschaften zuschlagen, denn sie besteht fast ausschließlich aus Denkvorgängen. Und manch eine promovierte Mathematikerin schmückt sich mit einem Dr. phil. Titel. Und bereits Einstein sagte sinngemäß: 'Alles, was in der Mathematik sicher ist, stammt nicht von dieser Welt, und alles, was in der Mathematik von dieser Welt stammt, ist nicht sicher'. Den im Artikel herausgearbeiten Gegensatz zwischen Geisteswissenschaften und MINT würde ich daher auf INT beschränken.

  • Ich verstehe nicht, dass der Artikel von einigen hier so gelesen wird, als spräche sich die Autorin gegen MINT-Fächer aus. Sie plädiert mMn nur dafür, dass man studieren soll, was einen wirklich interessiert. Wenn dein Hobby oder gar deine Berufung darin besteht, den Geheimnissen ungelöster Probleme der Mathematik nachzuspüren, tu es! Wenn du davon träumst, frei schwebende Brücken zu bauen, tu es! Wenn du deine Energie in die Erforschung frühmittelalterlicher Dialekte stecken möchtest: Tu es!



    Denn nur das, was du mit Leidenschaft tust, wirst du gut machen. Was ist daran zu kritisieren?

    • @Klabauta:

      Diese Grundaussage wird auch von den meisten nicht kritisiert.



      Allerdings beschwert sich die Autorin zunächst darüber, dass Geisteswissenschaften abgewertet werden und Interessierten Angst mit „Brotlosigkeit“ gemacht werden würde. Nur um dann ebenso andere Studiengänge abzuwerten.



      Es geht um Sätze wie „Jeder Taschenrechner kann Mathe. Auf einen Master in Gender Studies kann man wirklich stolz sein.“ oder dass suggeriert wird, allein bei den Geisteswissenschaften könne man kritisch denken lernen.



      Das kritisiere ich.



      Natürlich kann man hinterher immer behaupten, eine Aussage wäre nur überspitzt und eigentlich gar nicht so gemeint. Das ist allerdings auch nur ein weit verbreitetes Mittel um mit allem möglichen durchzukommen. Gerne genutzt von Rechten.

  • "Die erste Generation erwirtschaftet Vermögen, die zweite verwaltet Vermögen, die dritte studiert Kunstgeschichte und die vierte verkommt vollends."

    In dieser Pauschalität als Abziehbild natürlich nicht universell anwendbar, der alte Bismarck, hat er doch auch angeblich gesagt:

    "Leisten wir uns den Luxus, eine eigene Meinung zu haben!"

    Luxus?! Durchaus. Denn um mit Brecht zu antworten:

    "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!"

  • Nur mal so nebenbei, es gibt nicht nur studierte Berufe.

  • Dass ernsthafte Beschäftigung mit Geisteswissenschaften etwas taugt, steht (für mich) außer Frage. Leider garantieren sie keinen Job, weniger als manche andere Studiengänge. (Welches der eigene Traumjob wäre, ist ohnehin individuell. Schön, wenn bei der Autorin beides geklappt hat.)



    Wichtig ist, dass es vielen anders geht als der Autorin: Sie haben ihr Traum-Studium gewählt und finden keine oder keine auch nur näherungsweise angemessene Arbeit. Dass Geisteswissenschaften *tendenziell* dafür ein besonderer Risikofaktor sind, ist bekannt - sonst gäbe es den Artikel wohl nicht.



    Übrigens hat diese Thema eine starke soziale Komponente:



    Ich kenne viele, die auf das Versprechen "mach was die Spaß macht, dann kommt schon eine passende Arbeit" hereingefallen sind und irgendwie schauen müssen, wie sie klar kommen - fast niemand davon hat studierte Eltern.



    Mit anderen Worten: Wer weniger wirtschaftliche Ungleichheit, sollte geeigneten Abiturienten zu MINT-Fächern raten.

  • Ziemlich oberflächlich dieser Kommentar. Zu unterstellen, dass bei MINT kein kritisches Denken gelehrt wird, ist schlicht falsch. Vielleicht stimmt das noch so halb für manche Ingenieure, aber insbesondere Mathematiker (der erste Buchstabe in MINT) lernen fast nichts außer kritischem, logischem Denken.

    Davon, dass der Tachenrechner Mathe kann, kann der Nutzer noch lange keine Mathematik. Mathematiker nutzen im übrigen fast nie einen Taschenrechner, weil die fast nie was rechnen.

    Auch sind die Jobperspektiven verkehrt dargestellt: Kunst kann die KI jetzt schon. Man kann sich über die Qualität aufregen, aber sie kann es.

    Damit das klar ist: Ich habe nichts gegen die Geisteswissenschaften, halte sie ebenso für sehr wichtig.

    Aber für das Funktionieren einer modernen Gesellschaft braucht es eben auch MINT, und zwar massenweise. Einige von denen mögen Unsinn machen, wie Investmentbanking oder Antifaltencremes. Sehr sehr viele jedoch machen auch Dinge, die wir alle hier höchstwahrscheinlich sehr schätzen: Klimaforschung, Infrastruktur, Verkehr, bessere Medizin, ein besseres Verständnis unserer Welt etc.. Inwiefern irgendwas davon ein "Scam von Big-MINT" sein soll, bleibt zu erklären.

    • @TorbenU:

      Zwischen logischem Denken, was die Autorin im Sinn hat und logischem Denken in der Mathematik gibt es doch Unterschiede.

      Wenn nicht, und Empathie oder Menschlichkeit einfach nur irrelevant sind, darf mir gerne erklären, wie mit Aussagenlogik und mathematischer Symbole sich zwei Menschen zusammenfinden. Oder ein Kunstwerk geschaffen wird. Oder der Wal in der Ostsee uns emotional auflädt.

      • @Troll Eulenspiegel:

        An deinem Kommentar merkt man, dass du nie Mathematik an einer Uni besucht hast.

        Mathematik IST kritisches Denken. Es geht um Beweise und darum so lange alles zu hinterfragen, bis es einwandfrei bewiesen ist. Das ist das Wesen der Mathematik.

        In der Kunst steckt sie massenhaft drin (denk nur mal an den goldenen Schnitt), manch einer bezeichnet Mathematik als Kunst für sich.

    • @TorbenU:

      Gerade bei Ingenieuren wird kritisches Denken gelehrt, genauso wie Risiken zu betrachten!

      Ich habe Verantwortung für Leib und Leben von Menschen und Umwelt. Meine Entscheidungen stehen für Jahrzehnte! Und das jeden Tag. Ich unterschreibe und gebe damit Teile und Prozesse frei.

      Ob ich eine Brücke baue, ein Flugzeug, Auto oder ein Haus. Oder Komponenten davon!

      Ich habe gelernt unbequem zu fragen. Ursachen zu analysieren ohne wenn und aber. Alles vergangene „hat bisher immer so geklappt“ zu hinterfragen.

      Da gibt es keine „Correctness“. Es gibt nur Zahlen Daten Fakten! Den wenn am Ende ein Teil versagt, kann das gravierende Folgen haben. Wenn eine Vermutung nicht belegt werden kann, eine Maßnahme keine Wirksamkeit zeigt, war es die falsche und es geht zurück zur Analyse!

      Das würde ich mir in den Gesellschaftswissenschaften und der Politik wünschen.

      Wo sieht man da mal 5W , ishikawa, 8d?

      Und diese systematisierten Vorgehen kommen aus den Ingenieurswissenschaften

      • @Lio:

        Sie haben ja recht.

        Nicht ohne Grund ist meine Aussage im Originalkommentar auch stark relativierend: "Vielleicht stimmt das noch so halb für manche Ingenieure"

        Um es klar zu sagen: Mir ist wohl bewusst, dass die meisten Ingenieure sehr wohl sehr kritisch denken. Aus meiner Erfahrung habe ich etwas überspitzt meine Aussage getroffen. Aber das ist anekdotisch und ich habe kein Problem damit, das zurückzunehmen, wenn es sie glücklicher stellt.

    • @TorbenU:

      "Kunst kann die KI jetzt schon."

      KI imitiert Kunst, Kunst schaffen kann sie nicht.

      • @Klabauta:

        Imitieren nicht auch viele "Künstler" Kunst?

        Was ist mit den niederländischen Malereiwerkstätten, die Auftragsarbeiten voll nach Kundenwünschen fertigten?

        Für die heute viel Geld bezahlt wird, obwohl nicht mal sicher ist, der der Maler wirklich war?

        Was ist mit heutiger Kunst von der Stange?

        Das schafft auch KI.

        • @rero:

          Nehmen wir doch einmal die Auftragsarbeit "Die Nachtwache" von Rembrandt. Vielleicht haben Sie sich mit der Geschichte dieses Kunstwerks einmal beschäftigt? Die Herangehensweise Rembrandts war derart revolutionär, dass seine Auftraggeber ziemlich irritiert waren über das von ihnen so nicht erwartete Ergebnis. Ich wette mit Ihnen, eine KI hätte nicht mehr oder weniger als das Erwartbare und Herkömmliche ausgespuckt, ob zum Wohlgefallen der Zahlenden sei einmal dahingestellt.

          Zu Ihrer Frage "Imitieren nicht auch viele "Künstler" Kunst?"

          Eben deshalb haben Sie das Wort "Künstler" ja wohl in Anführungszeichen gesetzt. Weil Imitationen keine Kunst sind, sondern bestenfalls Handwerk.

      • @Klabauta:

        Und was machen Künstler, bitte? Die imitieren sich doch auch die ganze Zeit nur gegenseitig.

        Es mag ja irgendwo eine Grenze zwischen Kunst und KI geben, aber die ist höchst subjektiv und jeden Tag schwieriger zu definieren.

    • @TorbenU:

      Kunst ist eine bewusste, schöpferische Tätigkeit, bei der Menschen ihre Gefühle, Gedanken oder Ideen durch verschiedene Medien ausdrücken.



      Seit wann hat eine KI ein Bewusstsein oder eine Seele?

      • @Il_Leopardo:

        KI braucht keine Seele um Tausende von Grafik Designern arbeitslos zu machen. KI braucht auch keine Seele um Tausende von Bücher zu schreiben,wie das manche schon jetzt für sich nutzen.



        KI braucht auch keine Seele ,um nach und nach Einsprecher zu ersetzen und KI braucht auch keine Seele um die Zusammenfassungen für die Journalistinen zu erstellen.

        Und Kunst ist toll und kann jeder machen,doch nur die wenigsten können davon überhaupt irgendwie leben und die wissen sich häufig zu vermarkten.

      • @Il_Leopardo:

        Das ist alles richtig. Kunst ist hier auch prinzipiell das falsche Wort. Aber bei angewandter Grafik, bei Design, Illustration, Cover-Artwork, etc. also in Anwendungsgebieten, wo man als Kreativer Geld verdienen kann, wird jetzt schon massiv KI eingestzt, obwohl die Qualität sehr überschaubar ist.



        Und in vielen Bereichen, wo noch Menschen gefragt sind, ist die Bezahlung seit jeher so schlecht, dass man nur sehr selten davon leben kann.

        • @Deep South:

          Muss nicht auch die KI erst einmal mit Vorstellungen, Ideen etc." gefüttert werden. Vielleicht ist das dann schon ein "kreativer Akt". Sie sehen, ich korrigiere meine obige Haltung.

      • @Il_Leopardo:

        Stimmt schon. Für die meisten Menschen ist Kunst nur Ästhetik, das aber kann die KI durchaus. Und die meisten Menschen interessieren sich wenig für die Gefühle, Gedanken und Ideen der Künstler...

        • @Samvim:

          Auch wenn sie sich nicht explizit dafür interessieren - ihr Unbewusstes kommuniziert aber möglicherweise mit dem Unbewussten des Künstlers. Warum sollten sie sich sonst von "diesem Kunstwerk" angesprochen fühlen und nicht von dem Bild, da daneben hängt.

      • @Il_Leopardo:

        Kunst ist aber auch ein (materielles) Produkt: Bild, Skulptur, Musik, Literatur, usw. Da ist KI inzwischen auch sehr erfolgreich. Und verbessert sich ständig. Zwischen menschengemachter "schlechter" Kunst und KI- Produkten lassen sich schon heute kaum noch Unterschiede finden. "Bewußtsein" hin oder her.







        Außerdem: Was ist "Bewusstsein" oder "Seele" eigentlich genau? Da gibt es sehr unterschiedliche Ansichten / Definitionen. "Seele" ist zudem noch schwieriger zu definieren und wird oft nicht als deckungsgleich mit "Bewusstsein" gesehen. Jahrtausende voller philosophischer und religiöser Debatten lassen grüßen.

      • @Il_Leopardo:

        Die "Seele" ist schon sehr lange ein Thema.



        Nach meinen unbefriedigenden Kenntnissen ist da noch nichts bewiesen, aber immerhin sprechen viele mit ihrem Auto.

        • @Erfahrungssammler:

          Und ich dachte immer, dass ich, da ich hin und wieder mit meinen Blumentöpfen rede, schrullig sei.

          • @Il_Leopardo:

            Ich denke auch, dass das Reden mit Blumentöpfen schrullig ist.



            Dagegen könnte das Reden mit den Pflanzen durchaus Sinn machen. ;-)

      • @Il_Leopardo:

        Eine echte KI hätte vermutlich beides. Bislang haben wir noch keine. Nur Algorithmen und neuronale Netzwerke, wobei speziell bei letzteren sicherlich Diskussionen angebracht sind, wenn man schon bei vielen höheren Wirbeltieren Anzeichen dafür vorhanden sind, dass diese über ein Bewusstsein verfügen können und sogar Bienen sich an frühere Bedrohungen erinnern können sollen.

      • @Il_Leopardo:

        Beweisen Sie bitte mal die Existenz einer Seele beim Menschen.

        • @Šarru-kīnu:

          Beweisen Sie mir das Gegenteil!

          • @Il_Leopardo:

            @ II_Leopardo



            👍👍👍👍



            & Sarru-kinu sollte uns bitte einmal definieren was er/sie/es unter Seele versteht, wenn er/sie/es schon die Existenz der Seele in Frage stellt.

        • @Šarru-kīnu:

          Kann ich genausowenig, wie Sie beweisen können, das ich existiere und nicht nur ein Figment Ihrer Vorstellungskraft bin, welche als Boltzmann-Gehirn in einem Labor herumliegt. Das ist ein Totschlagargument. Ich glaube, wir können uns durchaus darauf einigen, das menschliche Kunst eine emotionale Komponente hat, die KI - Stand jetzt - nicht einmal simulieren kann.

  • Diese Meinung kann und darf man gerne haben, nur dann sollte man später nie so etwas wie ein Grundeinkommen fordern, sondern sich stets bewusst machen, dass man damals auch eine andere Studienwahlentscheidung hätte treffen können.

    • @DiMa:

      Klar, man kann versuchen sich mit MINT Jobs durchzuschlagen obwohl man dafür nicht geeignet ist. Macht halt unglücklich, aber Hauptsache niemandem auf der Tasche liegen.



      Wer sich für Philosophie und Gender Studies interessiert hat eben Pech.

      • @Dorothea Pauli:

        Nicht mehr Pech als jemand, dessen Leidenschaft Ballett oder Fußball ist. Da ist der Konkurrenzdruck womöglich noch härter, wenn man das zum Beruf machen möchte.



        Es gibt jede Menge sehr erfüllender Berufe, für die man kein MINT-Studium benötigt. Man kann seinen sonstigen Interessen auch als Hobby nachgehen, ohne anderen auf der Tasche zu liegen.

      • @Dorothea Pauli:

        Wer sagt eigentlich, dass Alle studieren müssen. Statt des Studiums der Soziologie mit Schwerpunkt Gender Studies wäre möglicherweise beispielsweise eine Tischlerausbildung die bessere Alternative.

    • @DiMa:

      Touché

  • Nur wie wahrscheinlich ist es, dass man den Traumjob auch bekommt und am Ende nicht einen Job macht, der gerade so die Miete zahlt, den man aber nie wollte?

  • Einfach schön!



    Damit meine ich nicht nur den Artikel.



    Es ist möglich, sich das Leben einfach schön zu machen.



    Das beginnt meiner Meinung nach damit, einen Beruf zu ergreifen, der das ist, was ich machen will.



    Das hilft zufrieden zu sein und es braucht dann auch nicht viel Geld für Ersatzbefriedigungen.



    Ich habe Glück gehabt, dass mir auf meinem Berufsweg Niemand gesagt hat, was ich machen soll.



    Manche brauchen mehr, Andere weniger Anleitung.



    Ist auch gut, wenn es Chemiker*Innen bei Greenpeace und Betriebswirtschafter*Innen bei Campact gibt.



    Ich freue mich über Jurist*Innen, die "den kleinen Mann" unterstützen und die geschlagene Frau schützen.



    Es gibt also Beides: "doofe Studiengänge", die Gutes bewirken können, aber auch "interessante Fächer" die von Idiot*Innen abgewertet werden.



    Mach doch einfach, was Du willst!

    • @Philippo1000:

      Ihr Beitrag hebt sich wohltuend von fast allen anderen ab! Danke!

  • Ein abgeschlossenes Studium ist nur ein Nachweis, dass man regelmäßig die Uni besucht hat und Prüfungen bestanden hat. Mit der beruflichen Praxis hat es relativ wenig zu tun. Ich habe Geschichtswissenschaft mit Schwerpunkt Alte Geschichte studiert. Beruflich bin ich dann eine völlig andere Schiene gefahren und bin heute Geschäftsführer einer mittelständischen Firma. Ich bin trotzdem froh mein Fach studiert zu haben, es hat mich Systematik und Analytik gelehrt.

    • @FraMa:

      Der Anfang Ihres Kommentars hat mir nicht gefallen - am Ende war ich dann wieder versöhnt.



      Ich habe Ethnologie, Soziologie und Psychologie studiert. Später war ich dann in der Jugendarbeit und in einer Familienberatungsstelle tätig.



      Der Magister war gewissermaßen die Bestätigung, das Ziel erreicht zu haben. Das Ziel war für mich, dass ich "das Denken" lerne.



      Wenn Sie so wollen, habe ich auch die "Rückseite des Mondes" kennengelernt. Diese Gelegenheit hatten zwar jetzt auch einige Astronauten. Ob diese aber etwas "verstanden" haben, steht auf einem anderen Blatt.

      • @Il_Leopardo:

        Denken lernen, lernt man nur in den von Ihnen gewählten Studienrichtungen?

        • @ludwig_777:

          Nun, ich wurde nicht für einen bestimmten Beruf ausgebildet, sondern habe mich mit der Geschichte der Kultur, mit fremden Denksystemen, mit den unterschiedlichsten religiösen Ansätzen, mit den unterschiedlichsten Theorien von Krankheit und Therapie auseinandergesetzt. Das ist schon etwas anderes, als für einen bestimmten Beruf "abgerichtet" zu werden.

    • @FraMa:

      Dass die Studieninhalte nichts mit der späteren beruflichen Praxis zu tun haben, gilt eigentlich nur für die Geisteswissenschaften, bei denen viele Absolventen eben nicht mehr im studierten Feld tätig sind. Bei MINT lernt man wirklich die unverzichtbaren Grundlagen für die spätere Berufstätigkeit, und das wird beim Berufseintritt auch vorausgesetzt. Einen Chemiker, auch wenn er dann Faltencremes entwickelt, was nicht typisch ist, kann man nicht in den Basics auf der Arbeitsstelle trainieren - die müssen sitzen.

  • Bildung und Berufsausbildung sind leider zwei sehr verschiedene Sachen.

    Kritisches wissenschaftliches Denken ist in der Berufswelt kaum gefragt, so sinnvoll es oft auch wäre. Wer wegen des Berufseinstiegs studiert, verzichtet effizienter gleich auf solche 'unnütze' Bildung.



    Es ist auch in "Studien"gängen wie Betriebswirtschaft (alias Höhere Handelsschule/ Ausbildung für die Firma auf Kosten des Staats) kritische wissenschaftliche Bildung kaum gefragt, so sinnvoll es oft auch wäre.

    Es kommt immer auch auf die Person und den konkreten Studiengang an. Die zitierten Gender Studies können sehr tiefe Erkenntnisse zutage fördern oder gestreamlinete Bekenntnisprosa. Es gibt auch BWLer oder Wirtschaftsingenieure, die sich das divergente und soziale Denken nicht haben abtrainieren lassen.

  • Die TAZ machts moeglich: Ich werde in kurzen Saetzen ueber Selbstbestimmung informiert. Der wesentliche Weg zum zufriedenen Leben.



    Dies war vor 50 Jahren der Titel meiner Zulassungsarbeit unter Betreuung von K. Hoechstetter der Sozial FHS.



    Mache Dein Hobby zum Beruf. Habe neue Erfahrungen. Reflektiere deine Familiengeschichte. Riskiere die Verwirklichung deiner Traeume ohne zu "verbrennen".



    Hier sitze ich nun in Neuseeland am Meer im eigenen Heim in Zufriedenheit.

  • "Obwohl man da kritisch denken lernt"



    Dafür lernt man in den MINT-Fächern manchmal logisches Denken.

  • Wie schön muss es in der eigenen Blase sein, wenn Chemikerinnen nur Antifaltencreme herstellen, Bauingenieure gesellschaftlich auch nicht wichtiger als Influencer sind und man meint studierte Mathematiker mit Taschenrechnern ersetzen zu können.



    Und dann kommt auch noch die übliche Mär der bösen Pharmakonzerne. Vielleicht sollte man beim selbst propagierten kritischen Denken nicht vergessen auch die eigenen Überzeugungen ab und zu wieder auf den Prüfstand zu stellen.



    Ich verzichte im Zweifel lieber auf Theater und Kunstausstellung als auf Antibiotika und sichere Bauten, aber das bin vermutlich nur ich. Wobei es ja auch gereicht hätte, die Vorzüge des eigenen Studienganges anzupreisen anstatt dasselbe zu tun, was man bei anderen kritisiert: bestimmte Studiengänge abzuwerten.

    • @Nick riviera:

      Genau das hab ich mir auch gedacht. Ich fand die ganzen Sticheleien auf alle möglichen anderen Studiengänge auch ziemlich überflüssig.

    • @Nick riviera:

      Meine Güte - die Autorin pointiert halt ein wenig. Das tut sie, um ihre Botschaft rüberzubringen. Mache ich auch oft in Gesprächen - und den meisten gefällt das. Die finden das amüsant!

  • Sich künstlerisch zu betätigen ist offensichtlich ein elementares Bedürfnis - darauf weisen schon die Höhlenmalereien des Neandertalers hin.

    • @Il_Leopardo:

      Danke für die Bestätigung der These der Autorin bezüglich der Bedeutung der Geisteswissenschaften durch ihren Kommentar.



      Neandertaler waren intelligente Menschen, haben aber keine Höhlenmalereien angefertigt, das waren erst die anatomisch modernen Menschen. Ob diese frühe Kunst aufgrund des Drangs nach künstlerischer Betätigung oder aus ganz anderen Gründen geschaffen wurde, ist seit langer Zeit Gegenstand kontroverser, fachlicher Debatten. Art pour l'art war das wohl eher nicht.



      Für solche Sachen braucht es halt archäologische Institute, Museen etc.

        • @Il_Leopardo:

          Aus dem von Ihnen verlinkten Artikel zitiert: „Wenn man 100 repräsentative Archäologen befragen würde, ob die Neandertaler Höhlenmalereien geschaffen haben, würden 90 Prozent von ihnen nein sagen“...



          Aber klar, Forschung entwickelt sich durch Diskurs, These und Antithese, sowie neue Entdeckungen! Die Frage was Kunst ist, kann ohnehin sicher auf verschiedene Art und Weise beantwortet werden. Danke für den interessanten Link! Im Übrigen ein sehr gutes Beispiel für den Unsinn der strikten Unterscheidung von Geistes- und Naturwissenschaften. In beiden Feldern gibt es sicherlich Beispiele von Bereichen deren Sinn sich nicht sofort erschließt. Und um zu dem Inhalt des eigentlichen Artikels zurück zu kommen: Ein risikofreies, sicheres Auskommen kann in kaum einem Studienfach langfristig garantiert werden. Wie es im Berufsleben so läuft, darüber entscheiden meiner Erfahrung nach neben Engagement, Talent und sozialem Hintergrund vor allem auch Zufälle, Glück und soziale Anpassungsfähigkeit.

          • @Egil:

            Danke für die Antwort. Nicht nur Ihrem letzten Satz stimme ich voll zu, obwohl ich jetzt nur auf diesen eingehen möchte. Auch ich habe ein langes Leben (fast) hinter mir und das Glück, dass oft genug eine "helfende" Hand gerade dann zur Stelle war, wenn ich sie brauchte. Wichtig war, dass ich gut vernetzt war und alle um mich herum bereitwillig geholfen haben. Sich in schwierigen Situationen ins Kämmerlein einzuschließen und zu schmollen war nie mein Ding.



            Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

  • Warum glaubt die Autorin, die Menschen hätten nur Interesse für das Eine oder Andere.



    Es gibt etliche Menschen, die sowohl Geisteswissenschaften und „was richtiges“ studiert haben. Und dann



    gibt es ja auch noch Studien im sozialen Bereich, die die Autorin



    schlicht vergessen zu haben scheint und die kann man auch wunderbar mit anderen Studien kombinieren, ganz ohne „Tunnelblick“.

  • "Jeder Taschenrechner kann Mathe. Auf einen Master in Gender Studies kann man wirklich stolz sein. "

    Den Satz klöppele ich mir an die Wand. So schön ist er.