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Klimaschutz in DeutschlandDie Regierung schützt die Bür­ge­r*in­nen nicht

Susanne Schwarz

Kommentar von

Susanne Schwarz

Schwarz-Rot überschätzt die Wirkung der geplanten Klimamaßnahmen deutlich. Von den geplanten Antiklimamaßnahmen ganz zu schweigen.

Sagt jetzt seiner Rolle gemäß, er nehme die Warnungen ernst: Bundesumweltminister Carsten Schneider, hier im Juli 2025 bei Greifswald Foto: Frank Osenbrink/imago

S chwarz-Rot tut nicht genug, um uns vor der Klimakrise zu schützen. Das zeigt das aktuelle Gutachten des Expertenrats für Klimafragen, der die Regierung berät. Diese überschätzt laut Bericht in ihren Berechnungen die Wirkung ihrer ohnehin spärlichen Öko-Maßnahmen deutlich.

Leider ist nicht davon auszugehen, dass das Merz und sein Kabinett interessiert. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) sagt jetzt natürlich seiner Rolle gemäß, er nehme die Warnungen ernst. Die vom Expertenrat offengelegten Unsicherheiten sind aber doch eher kein Versehen, sondern eine bewusste Schönrechnerei der geplanten Antiklimapolitik.

Ende März stellte die Bundesregierung stolz ihr Klimaschutzprogramm mit der dazugehörigen CO₂-Bilanz vor. Angeblich würden die Klimaziele sogar übererfüllt, hieß es. Dabei war da schon längst klar, dass die Regierung beispielsweise das Heizungsgesetz für eine klimafreundliche Wärmewende kippen will – nur rechnete sie das dreist nicht ein. Formal mag es in Ordnung sein, noch nicht vollständig abgeschlossene Reformen auszulassen. Ernsthaftes Interesse an einer ehrlichen Klimabilanz der eigenen Politik sieht aber anders aus.

Seitdem hat die Regierung ihre Klima-Horrorshow detailverliebt weiter inszeniert. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die Energiewende auf alle möglichen Arten absägen und verlangsamen. Die klimaschädliche Reform des Heizungsgesetzes gedeiht prächtig. Der gerade vom Kabinett beschlossene Entwurf bringt es fertig, nicht mal auf dem Papier auf einen klimaneutralen Heizungsbestand hinauszulaufen.

Aktuell steht die Energiewende weltweit hoch im Kurs, weil sie unabhängig macht von Öl- und Gasimporten sowie damit verbundenen Preisschocks. Die Bundesregierung hat offenbar wenig Interesse, ihre Bür­ge­r*in­nen von der Dynamik profitieren zu lassen und macht lieber Klientelpolitik für ihre fossilen Buddys. Für die Mehrheit der Menschen ist das von Nachteil. Sie hat das Recht darauf, von ihrer Regierung vor der eskalierenden Klimakrise geschützt zu werden.

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Susanne Schwarz
Leiterin wirtschaft+umwelt
Jahrgang 1991, leitet das Ressort Wirtschaft + Umwelt und schreibt dort vor allem über die Klimakrise. Hat ansonsten das Online-Magazin klimareporter° mitgegründet.
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18 Kommentare

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  • Der Artikel lebt von der Vorstellung, Deutschland könne das Weltklima retten, wenn es nur hart genug zu sich selbst ist. Das ist moralisch eingängig, aber realitätsfern. Deutschland verursacht rund zwei Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen – mit sinkender Tendenz. Selbst ein deutscher Alleingang auf null hätte keinen messbaren Einfluss auf den globalen Klimawandel, solange andere große Emittenten weiter zulegen.

    Was dieser Einzelweg aber sehr wohl bewirkt, sind steigende Energiepreise, industrielle Abwanderung, soziale Spannungen und weitere Stärkung der afd. Emissionen werden verlagert, nicht vermieden – dem Klima ist das egal, den Menschen hier nicht.

    Wirksamer Klimaschutz kann nur international funktionieren: über Technologie, Innovation und Kooperation, nicht über nationale Selbstkasteiung und Symbolpolitik. Wer Bürger immer stärker belastet, ohne globalen Effekt zu erzielen, verspielt am Ende die Akzeptanz für Klimaschutz insgesamt.

    Weniger moralischer Eifer, mehr globaler Realismus – das würde dem Klima mehr helfen.

  • Immer mehr komplizierte gesetze, regeln, vorgaben, verbote - und neue, die die alten abändern, ganz egal mit welchem thema sich die politik zur zeit auseinandersetzt. Für die industrie und die wohnungswirtschaft und für die bevölkerung insgesamt wird es unsäglichg kompliziert, sich an den berg ständig sich verändernder neuer regeln zu halten. Ich sehe schon wieder die fdp um die ecke gucken.

  • In Geschichtsbüchern wird vielleicht mal stehen, dass eine reaktionäre Regierung die Wahrheit genauso wusste, nicht aber danach handelte, abwiegelte und so das Vertrauenskapital weiter aufzehrte.

    Investieren hieße, jetzt handeln und sparen, statt die Saatkartoffeln der Zukunft für Steuergeschenke an Fossil und Großkapital zu verjuxen.

  • Wenn die Regierungs-Maßnahmen für ein Wachstum der Wirtschaft Erfolg haben und die Konjunktur anspringt, wird sich zeigen, dass auch die milden Veränderungen der letzten Periode Makulatur waren: wegen der Rezession.



    Auch Wortakrobatik schlägt Wissenschaft nicht.



    Ein Treiber der Konjunktur: die Militarisierung.



    Es fehlt uns eine langfristige Projektion als "glaubhafte Erzählung", die in eine ausbalancierte politische Transformation münden kann, in Frieden und Freiheit und ausgewogen im Hinblick auf die ökologische Compliance.

  • Irgendwie scheinen die Wenigsten den Langfristfaktor von CO2 begriffen zu haben.







    Die momentane "Klimapolitik" dieser Regierung ist jedenfalls entweder komplett Ahnungslos oder durch und durch Selbstsüchtig und bar jeder Verantwortung.

    Und irgendwie scheinen viele nicht über den Horizont ihrer Lebenserwartung hinaus denken zu können.

    Fragt sich halt bloß welche Zukunft sie ihren Kindern, Enkeln, Urenkeln usw. hinterlassen wollen.







    Das frei gesetzte CO2 jedenfalls bleibt für hunderte von Jahren in der Atmosphäre..und sorgt entsprechend dafür, daß sich dieser Planet über eben jene hunderte von Jahren weiter erhitzt.



    Und wenn wir heute schon wachsende Probleme mit Hitzewellen, Waldbränden, Wasserknappheit, steigendem Meeresspiegel, usw. haben..wie wird dieser Planet dann wohl für unsere Ururenkel aussehen.







    Aber wahrscheinlich glaubt diese Regierung, wenn wir irgendwann Klimaneutral sind, ist die Sache erledigt. Was für ein monströser Trugschluss.!!







    Also fragen wir doch mal nach, bei unseren Spitzenpolitikern, wer diese langfristigen Zusammenhänge kennt.

    Außer bei den Grünen dürfte da wohl pure Ahnungslosigkeit herrschen.







    Und..Hand aufs Herz..hätten Sie es gewußt.??

  • Wir befinden uns mitten in einem Paradigmenwechsel.







    Die Energieträger, die sich über hunderte Millionen Jahren gebildet haben, gehen absehbar auf ihr Ende zu. Das mag noch ein paar Jahrzehnte so weiter gehen, aber irgendwann ist definitiv Schluß (auch Uran ist endlich).







    Wenn eine Gesellschaft eine Zukunft haben will, mit der art von Wohlstand, die wir kennen, müssen wir auf die reichlich vorhandenen erneuerbaren Energieträger umsteigen. Und zwar so schnell wie möglich.







    Von daher ist es, sogar wenn man die Augen vor den katastrophalen Folgen der Klimaphysik verschließt, unausweichlich Wirtschaft und Klima zusammen zu denken. China hat das verstanden und macht Riesengewinne mit PV und Speichern.







    Hier zu Lande kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. wenn man sieht wie die Regierung (samt einer wachsenden Zahl von Klimaschwurblern) die Situation systematisch ignoriert und dabei komplett.!! verkennt.







    Das neue Paradigma heißt also: aktiver Klimaschutz hat/ist ein riesiger Wachstumsmarkt. Sprich wer seine Wirtschaft auf die klimatischen Herausforderungen ausrichtet, gewinnt in jeder Hinsicht: klimatisch, finanziell, wirtschaftlich, gesundheitlich, moralisch, usw...

  • Unter der Ampel haben Bauministerin Geywitz (SPD), Landwirtschaftsminister Özdemir (Grüne !!!) und Verkehrsminister Wissing (FDP) die Sektorenziele bei der CO2 Einsparung nicht erreicht. Da war niemand gefährdet??

    Und bis jetzt hat Deutschland seit der UN Klimakonferenz von Paris 49 % CO2 eingespart. Planziel war 2030.

  • Die Kommentatorin überschätzt die Wirkung aller möglichen Klimamaßnahmen in Deutschland und der EU deutlich

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Alle "möglichen Klimamaßnahmen" ist weit mehr als nur Klimaneutralität. Da kommt noch die Renaturierung, Maßnahmen gegen höhere Regenmengen ,das Begrünen von Städten, geringere Feinstaubbelastung, die Verringerung von Waldbrandrisiko, Katastrophenschutz generell , und noch vielen mehr hinzu.



      .



      Ein Baum reduziert die Umgebungstemperatur um 1-4 Grad, im Vergleich zu praller Sonne sogar um 15 Grad.



      .



      Und auch bei der Reduktion von CO2 geschieht das alles ja nicht in einem geschlossenen Raum. Wenn Deutschland anfängt auf grünen Wasserstoff zu setzen zum Beispiel entsteht eine Nachfrage, die über die Landesgrenzen hinaus wirkt. Die Kapazitäten die dann im Ausland geschaffen werden sorgen dann wiederum für eine mögliche Nachfrage vor Ort. Oder billiger deutscher Solarstrom kann auch in Polen den Anteil von Kohlestrom verringern, wenn das Netz entsprechend ausgebaut ist. Wenn die gesamte EU klimaneutral wird und CO2 auch für Importe hoch besteuert schafft das enorme weltweite Anreize. Aktuelles Bsp: Chinas Stahlindustrie baut Kapazitäten für Co2 reduzierten Stahl aus.



      .



      Die EU Regel zu USB-C hat dazu geführt, dass Apple weltweit seine Geräte auf diese Steckerart umgestellt hat.

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Indem sie sich für die Unabhängigkeit von Öl- und Gasimporten und gegen Klientelpolitik für die Fossil-Lobby ausspricht?

      Hat Klaus Schwarzmüller etwa einen anderen Kommentar gelesen als kommentiert?

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Indem sie sich für die Unabhängigkeit von Öl- und Gasimporten und gegen Klientelpolitik für die Fossil-Lobby ausspricht?

      Hat Klaus Schwarzmüller etwa einen anderen Kommentar gelesen als kommentiert?

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Ihr Argument (sinngemäß): "wir alleine können ja gar nichts ausrichten" liest man ja in letzter Zeit häufiger.







      Das ist allerdings so, als würde das Haus brennen..und man würde sich hinstellen und sagen: "ich alleine kann das je eh nicht löschen".

      Stimmt..nur alle zusammen können das schaffen.

      Wenn nun aber daraus folgt, daß man dann gar nicht erst anfängt zu löschen..und man womöglich noch hinzufügt: " das sollen doch bitte die anderen machen".." und: "man hätte gerade andere Sorgen"..







      Was ist das dann anderes als eine moralische Bankrotterklärung.??

    • @Klaus Schwarzmüller:

      China, Indien und USA verfeuern 2/3 der weltweiten Kohle. China erzeugt 60 % Strom mit Kohle und Indien mit 74%. Beide haben fast 3 Miliarden Einwohner. Ja die wollen es das es mit ihnen auch wirtschaftlich bergaufgeht. Verstehe ich volkommen. Bangladesh baut Kohlekraftwerke damit endlich alle Haushalte Strom haben.

      Und Deutschland rettet das globale Klima. Mit Wärmepumpen.

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Warum?



      Die EU hat seit 1850 22% der globalen Emissionen ausgestoßen. Afrika gerade mal 4.



      Und außerdem - auch wenn wir nicht einer der Hauptverursacher wären - sollen wir deswegen nichts tun? Wir Dieses Argument - aber die Chinesen , aber die USA, aber die Anderen nervt mich schon immer. Übrigens: China 11%.

    • @Klaus Schwarzmüller:

      Und was heißt das jetzt? Nichts tun?

      Ein Hoch auf den Homo Sapiens.



      Und eines auf sein Verschwinden.

  • China hat seinen CO2 Ausstoss verzehnfacht . Wir sind der UN auf dem Leim gegangen. Es war alles ein grosser Betrug.

  • Erneuerbare Energien stehen weltweit überwiegen hoch im Kurs.



    Klimaneutralität nirgends.

  • "Schwarz-Rot tut nicht genug, um uns vor der Klimakrise zu schützen." -> das kann sie auch gar nicht, denn global haben die CO2 Emmissionen in Deutschland einen quantitativ nachrangigen Effekt, erst recht der Unterschied der Erreichung konkreter Klimaziele für Deustchland 5 Jahre früher oder später.

    Einen globalen Effekt kann deutsche Klimapolitik nur haben, wenn diese Politik von anderen Ländern mitgemacht wird. Aber Deutschland hat es bisher eben nicht geschafft, Subventionen in Klimaschutz in volkswirtschaftlichen Erfolg umzumünzen (und nicht nur Subventionsabgreifung von einigen wenigen). Dazu ist D zu ideologisch und zu wenig pragmatisch. Den deutschen Weg der wirtschaftlichen Schrumpfung zur Reduzierung der CO2 Emissionen (und Verlagerung nach anderswo) macht kein Land nach.