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Abschaffung kleiner BundesländerLiebenswerter Eigensinn

Kommentar von

Gunnar Hinck

Markus Söder will Bundesländer zusammenlegen. Doch vermeintlich ineffiziente Zwerge wie das Saarland oder Bremen sind ein Gewinn für das Land.

Wer hat Angst vor Markus Söder? Bayerns Ministerpräsident (CSU) will die Zahl der Bundesländer verringern Foto: Daniel Vigl/dpa

M arkus Söder will die Zahl der Bundesländer verringern, weil kleine Bundesländer nicht mehr „lebensfähig“ seien. „Größere Einheiten sind erfolgreicher“, sagt der Ministerpräsident eines großen Bundeslandes nicht ganz selbstlos. Ein typischer Söder-Move, den er vermutlich in zwei Wochen selbst schon wieder vergessen hat. Doch die Debatte um Länderfusionen taucht regelmäßig auf und ist daher ernst zu nehmen.

Klar gibt es Verbesserungsbedarf beim Föderalismus: Die Kleinstaaterei in der Bildung ist ärgerlich; in Potsdam gilt ein anderer Lehrplan als ein paar S-Bahn-Stationen weiter östlich in Berlin. In der Verkehrspolitik wird zu oft nebeneinander und nicht miteinander geplant.

Doch die Struktur aus 16 Ländern, gerade auch was die Größenunterschiede angeht, garantiert Vielfalt und Alternativen für die BewohnerInnen, auch liebenswerten Eigensinn. Bremen etwa ist für die westniedersächsische Jugend seit jeher ein Zuzugsort, denn in dem traditionell links regierten Bundesland – hier stellt die SPD seit 80 Jahren den Regierungschef – ging es schon immer etwas liberaler zu als in der Umgebung. Im Saarland spielen die Beziehungen zu Frankreich eine besondere Rolle. Und Hamburg würde eher sein Wahrzeichen, den „Michel“, abreißen, anstatt in einem diffusen Nordbundesland aufzugehen. Die „Freie und Hansestadt“ war im 19. Jahrhundert vor der Reichsgründung sogar mal ein eigener Staat und hat sich bis heute ihre ausgeprägte Eigenständigkeit bewahrt – und ist übrigens im Länderfinanzausgleich ein Geberland.

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In Deutschland gibt es schon genug Kunstprodukte und Spiegelstrichländer wie Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern, die den inneren Zusammenhalt mühsam durch Proporzregelungen herzustellen versuchen. In einer Zeit, in der alles Mögliche dem kalten Effizienz-Dogma unterliegt, ist es eine Wohltat, wenn sich ein Land wie Deutschland noch vermeintlich überkommene Traditionen leistet, auch wenn sie manchmal nicht ganz effizient sein mögen.

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ist Redakteur im taz-Ressort Meinung.
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4 Kommentare

 / 
  • May be.



    “In Deutschland gibt es schon genug Kunstprodukte und Spiegelstrichländer wie Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern, die den inneren Zusammenhalt mühsam durch Proporzregelungen herzustellen versuchen.“



    Wenn auch ohne - ! Gelle



    Die blinde Hesse - nich vergesse! Gelle



    Zu jung? Hessetach! You know?



    Georg-August Zinn war der hessische Ministerpräsident, der 1961 den Hessentag ins Leben rief, um das Gemeinschaftsgefühl in dem neuen Bundesland zu stärken und Alteingesessene mit Neubürgern zusammenzubringen. Das jährliche Landesfest, das 1961 erstmals in Alsfeld stattfand, sollte die Vielfalt Hessens feiern und ist heute das älteste und größte Landesfest Deutschlands.



    Zinn wollte ein verbindendes Fest schaffen, bei dem sich Menschen aus ganz Nord/Süd/Mittel-Hessen treffen und ihre regionalen Unterschiede zeigen können, während sie gemeinsame Werte feiern.



    "Hesse ist, wer Hesse sein will" unterstreicht das Ziel, Einheit in Vielfalt zu schaffen, besonders in Anbetracht der vielen Vertriebenen und Neubürger nach dem Krieg.



    Erster Hessentag: Der erste Hessentag wurde im Juni 1961 in Alsfeld eröffnet und war ein großer Erfolg, der zu einer Tradition wurde.“



    Geschichtlich

  • Preußen hat Bsyern den A.... gerettet, Habsburg/Österreich wäre Söderland !

  • Und ich fordere, das von Bayern besetzte Franken zu einem eigenen Bundesland zu machen.

  • Solange der Förderalismus nur als Förderung der Partikulargewalten verstanden wird, wird das alles nicht. Stärkt den Bund und fűrchtet euch nicht davor, die Länder in die Schranken zu weisen.