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Na dann viel Spaß, liebe finnische und schwedische Steuerzahler! Für das Zwei-Prozent-Ziel wird so etwas lästiges wie ein Sozialstaat dann eben bluten müssen.
Aber Ihr wollt es eben so!
Ich gehe mal davon aus, dass "Nachdenken? Fehlanzeige"
sich einfach auf den Artikel selber bezieht. Worauf denn auch sonst. Aber gerne noch mal, für die Leute, die es immer noch nicht verstanden haben. Russland ist eine terroristische Organistation und betreibt einen Angriffskrieg, aktuell gegen die Ukraine, aber Ausweitung nicht ausgeschlossen!
Ach bitte. Mehr als mit der Zerstörung der Welt drohen (= Atomwaffen) kann Russland ja nicht mehr. Das Potential für Eskalation ist bereits ausgeschöpft, es kann eigentlich nicht mehr viel passieren.
@nospam Ne, ausser Bumm mit Atom kann nichts mehr passieren.
Beruhigend!

Putin wollte den Feind verwirren und spalten. Der Schuss ging halt nach hinten los.
Putin ist selbst schuld. Finnland wird kommende Woche den Antrag auf Nato-Mitgliedschaft stellen. Schweden wird wahrscheinlich mitziehen (obwohl nicht angrenzend an Russland). Tatsächlich ist das ein spektakuläres Beispiel für die Fehlkalkulation von Putin, der mit seinem Angriffskrieg das genaue Gegenteil von dem erreicht hat, was er sich als Ziel vorgegeben hat.
Souveräne Entscheidungen von souveränen Staaten. Manchen der Linken passt dies gar nicht aber das ist egal.
Headline: 'Nachdenken? Fehlanzeige'
Artikel: 'Zeit zum Nachdenken? Fehlanzeige.'
Was ist denn nun gemeint? Nicht nachgedacht, oder zu kurz? Oder darf man Worte nicht so genau nehmen, weil es ja eh mehr um einen (welchen?) Subtext geht?
Ich bin jedenfalls noch nicht fertig mit dem Nachdenken über richtig oder falsch. Finnland ist nicht mein Spezialgebiet. Da bin ich einfach nicht so fix wie andere Kommentator:innen.
Andererseits: ehe Putin auf seine Weise herausfindet, wie viele Nazis es in Finnland gibt und dass das Land eigentlich russisch ist ... vielleicht wollte man in Finnland nicht auch Zeit verlieren? Vielleicht sieht man auch auf das aktive Stillhalten seitens China, was ja wie eine Verstärkung des russischen militärischen Potentials wirkt? Wenn die Bevölkerung und die Regierung in Finnland hinter dieser Entscheidung stehen, ist dann weitere Debatte nicht nur bestenfalls demokratische Hygiene, diskurs-(ästh-)ethisches l’art pour l’art? Könnte es sein, dass die Regierenden (einschließlich Experten, Geheimdienste, Thinktanks) ... in Finnland gut nachgedacht haben. Seit Wochen, Monaten bereits?
Fakt ist: die Umzingelung Russlands durch die Nato wächst (wenn eine Umzingelung überhaupt wachsen kann). Die Gesamtlänge der russischen Landesgrenzen beträgt 20.027 Kilometer. Russland grenzt des Weiteren an fünf Meere, wobei die Küstenlinie 37.653 km umfasst. Zusammen ca 58.000km.
Bis jetzt hat Russland ca 1300km Grenzlänge mit Nato-Staaten (ohne Kaliningrad). Wenn Finnland mit ca. 1800km dazu käme, wäre das eine knapp 6%ige Umzingelung (sic!) an der russischen Grenzlänge, die an Nato-Staaten grenzt.
Wenn ich davon bestimmt wäre, dass die Nato sowieso megascheiße ist oder andersherum Russland ausschließlich militärisch bezwungen werden muss, wäre ich diese ganze Nachdenkerei endlich los. Und meine Kommentare wären wahrscheinlich etwas griffiger.
@Jossito Zum Glück müssen ja auch Sie nicht nachdenken und sich entscheiden, sondern die Finnen und Schweden. Die haben es jahrelang abgewogen und in den letzten zwei Monaten hat sich die Waagschale für sie eindeutig in eine Richtung bewegt. Nachvollziehbar.
Ich finde es immer etwas anmaßend, wenn man demokratische Entscheidungen souveräner Staaten als unüberlegt oder falsch abtut.
Nach dem Motto: 'Es kann nicht sein, was nicht sein darf' versucht Herr Wolff die Entscheidungen Finnlands und Schwedens als unüberlegt hinzustellen.
U.a. schreibt er: 'die bisherige sicherheitspolitische Lage in Nordeuropa und im Ostseeraum wird sich mit den neuen Nato-Mitgliedern Finnland und Schweden erheblich verändern.'
Die Sicherheitslage hat sich seit dem 24. Februar dramatisch verändert und zwar durch den Angriffskrieg Putins und seinem Regime. Die Überlegungen Finnlands und Schwedens, durch einen Beitritt zur Nato, eine militärische Auseinandersetzung mit Russland zu minimieren, ist wohl realistisch.
@Klaus Waldhans Diese Art Anmaßung gibt es nahezu ausschließlich - zumindest in ihrer Häufigkeit und Selbstverständlichkeit - in Deutschland. Unglaublich, dass ein Welzer die Ukrainer, eines der im zweiten Weltkrieg durch die Deutschen und aktuell durch die Russen leidgeprüftesten Völker - unter Rückgriff auf „deutsche Kriegserfahrungen“ die Welt erklären will.
Das Kreml-Regime hat sich mit dem baldigen Beitritt Finnlands und höchst wahrscheinlich Schwedens zur NATO genau das Eigentor geschossen, dass zu erwarten war. Die Ostsee wird somit für Russland zu einem Gewässer, wo sie nur noch mit Ausnahmegenehmigungen herumschippern können. Gleiches gilt für den Land- und Luftraum. Wer es sich mit den Nachbarstaaten so übel verdirbt, muss mit klaren Ansagen rechnen. Bei Putin & Co scheint sich im Laufe der Jahre das Hirngespinst festgesetzt zu haben, sie seien die alleinigen Regelmacher: Diese faulen Zähne muss man ihnen ziehen.
@denkmalmeckermalmensch "Und wie könnte man historisch begründe[n], seit wann Bündnisse die Instabilität fördern und warum?"
1912-14ff WWI....
Hier die Blaupause maximal vereinfacht:
Mittelmächte (DR&ÖU) haben "Bündnisfälle".
Entente (FR,RUS& GB) ebenfalls.
RUS hat ebensolchen mit SRB.
Dazu eine Region (Balkan) in der nach imperialem Herrschaftsverlust (Osm.R.) sowohl junge Nationalitäten (u.A. SRB, GRE, BUL, ROM) und Völkisches (z.B. Pan-Bewegungen) als auch imperiale Ansprüche (ÖU, RUS, ITA, OSM.R) rangeln.
ÖU greift SRB an. "lokaler Krieg"
RUS macht vs ÖU mobil. Krieg
DR steht ÖU vs. RUS bei, Krieg
FR steht RUS bei. Krieg
GB steht FR bei. Krieg
Ergibt 1. Weltkrieg
Warum?
- Mit hinreichend Propaganda unterfütterte Bevölkerungen
-Imperiale Interessensüberschnitte
-Misstrauen
-Bündnisdruck
-Systemkrisen (z.B. RUS Aufstand 1905, FR Dreyfusaffaire 1894 ff.)
*nicht Einflusshierarchisch sortiert*
Auch damals waren die Bündnisse auf dem Papier Defensivpakte...
@Horstl Fambacher Da haben Sie ja tatsächlich einige Angaben zusammengestellt; interessant: Mittlerweile haben sich die Konstellationen "bloß" völlig verändert, sodass der 1. WK als Referenzbeispiel ungeeignet ist. Das kommt bei maximaler Vereinfachung heraus.
Wolff behauptet, die Nato-Option sei sofort zur zwingenden Konsequenz erklärt worden. Das ist wohl schlichtweg falsch, allein schon daran ersichtlich, dass die Regierung den Beitritt nicht schon "sofort" am 25.2. erklärt hat. Und wenn er wirklich glaubt, die Skandinavier hätten - spätestens seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine - nicht über den russischen Imperialismus und dessen Konsequenzen diskutiert ("Die anfänglich versprochene Debatte hat es nie gegeben"), frage ich mich, was er den ganzen Tag in Schweden macht ... ?
Und nein, dass Resultat wird MEHR Sicherheit sein, da Putin nur Stärke versteht, so einfach ist das leider. Und ja, diese Erkenntnis ist wirklich bitter.

Die Frage ob zwei westliche Demokratien und EU-Mirglieder auch Nato-Mitglieder werden wollen, war wohl nie eine, die nur Schwarz oder Weiß kennt. Die Pros und Contras dürften in Finnland wie in Schweden über die Jahrzehnte in vielerlei Hinsicht ausgelotet und gewichtet worden sein.
Auf der Pro-Seite dürfte dabei schon immer an zentraler Stelle gestanden haben: "Was wenn Russland dann doch aggressiv und expansionistisch agiert und wir kein Militärbündnis an unserer Seite haben, um es abzuschrecken?" und auf der Contra-Seite dazu: "Tja, WENN! Und was wenn unser Nato-Beitritt es genau dazu provoziert??".
Schauen wir uns das heute an, sieht die Gleichung etwas anders aus: Nachdem Russland bereits auf Aggression und Expansion um (fast) jeden Preis umgeschwenkt ist, auch OHNE dass Finnland und Schweden der Nato beigetreten waren, ist tatsächlich der durch einen Beitritt drohende zusätzliche Schaden geringer als zuvor - und das hilfreiche "WENN" ist weggefallen. Umgekehrt ist das Pro-Argument von einem Konditional- ("Was wenn...") zu einem Kausal-("Da aber nunmal...") Operator gewechselt und dadurch gewichtiger geworden.
Von daher ist durchaus nachvollziehbar, dass auch eine wohlbedachte Abwägung jetzt eine erheblich andere Gewichtung erhalten hat und deshalb das Resultat genauso "eindeutig" wie vorher GEGEN eine Nato-Mitgliedschaft heute FÜR eine solche ausfällt.
Beide Länder haben eine demokratisch legitimierte Entscheidung bezüglich der Mitgliedschaft in der NATO getroffen. Case closed.

"40 Prozent seines historischen Gebiets habe Russland damals [Zusammenbruch der SU] verloren, klagt er [Putin] in einer neuen Dokumentation des russischen Staatsfernsehens. "
Das war kurz vor dem Überfall auf die Ukraine. Dann begann er seine großrussische Agenda im Februar fortzusetzen.
"..dann sind wir im Winter nicht unabhängig von Putin."
Das nun liegt nicht an diesem Putin, sondern an Habecks u.a. blindlings und Hals über Kopf Drauflos-Sanktionieren.
Die ärmeren Familien werden es ihm danken: "In diesen Minuten. Stunden."
Bei 70% Zustimmungsrate braucht man da auch nicht mehr viel herumdiskutieren.
Russland hat da auch ziemlich stichhaltige Argumente geliert die man einfach nicht mehr ignorieren konnte.
Tatsächlich, Herr Wolff? Instabilität durch Bündnisse? Spannungsniveau erhöht? Haben Sie noch einen alten Atlas? Dann schauen Sie sich mal die geographischen Verhältnisse an und legen da die See- und Landmacht Russland drüber.
Und wie könnte man historisch begründet, seit wann Bündnisse die Instabilität fördern und warum?
Mal so gesehen: wer Putin zum Nachbarn hat, braucht Bündnisse und keine langes Nachdenken, Zaudern und Zögern.
Zumal ich es billig und feige finde, aus der gemütlichen Kommentar-Ecke raus, souveränen Staaten Bündnis-Empfehlungen zu geben.
@#protest Was soll daran "feige" sein? Wolff äußert seine Bedenken doch gegen den überwältigenden Begeisterungssturm der Natoanhänger im In- und Ausland. Und gerade angesichts der Kriegssituation labelt man Abweichler gern als "Feigling" oder "Verräter". Sich dem Shitstorm sshenden Auges auszusetzen, dazu gehört großer Mut.
In der Sache halte ich die Bedenken nicht für besonders schlagend, selbst in Moskau hört man auf der Straße viel Verständnis heraus.
www.youtube.com/watch?v=fvjJsFCHXtM
"Nachdenken? Fehlanzeige"
Ich gehe davon aus, dass die 50-60% Finnen, die ihre Meinung zur NATO in den letzten drei Monaten geändert haben, durch Nachdenken zu ihrer geänderten Haltung gelangt sind.
Allgemeines Bedenkenträgertum ziert diesen Artikel. Die Schweden und Finnen stürzen sich nicht planlos in die NATO-Mitgliedschaft, wie es hier suggeriert werden soll. Die möglichen Konsequenzen sind nicht erst seit gestern bekannt, sondern schon seit vielen Jahrzehnten und wurden schon vielfach thematisiert. Aktuell hat sich aber die Bedrohungslage geändert und somit auch die Zustimmung zu einem Beitritt, der vor fünf Jahren z.B. kein so großes Thema war.
Es ist eine weitere Eskalation des Konflikts Nato-Russland.
Und Finnland gerät so in eine vergleichbare Situation zu der der Ukraine vor dem Krieg: Beitrittskandidat - was Russland erklärtermaßen als Bedrohung betrachtet - , aber noch keine Bündnispflicht.
Trotzdem waren alle überrascht, als Putin dann wirklich einmarschiert ist - und würden es wieder sein, wenn er seine weiteren Drohungen wahr macht.
Übrigens ist ein Beitritt auch nicht nur die souveräne Entscheidung Finnlands, sondern die Nato - kein wirklich demokratischer Club, sondetn auch Leute wie Erdogan oder Kaczyński - muss ihn einstimmig beschließen.
》...wechselte die Regierung, die bei ihrem Amtsantritt versprochen hatte, sich für Abrüstung und ein Atomwaffenverbot starkzumachen,sofort die Spur und erklärte den Nato-Atomwaffenschirm als alternativlos für Finnlands Sicherheit. Zeit zum Nachdenken? Fehlanzeige.《
Schlafwandlerisch.
Hierzulande auch, allerdings wurde ja schon im Wahlkampf von der Linkspartei ein "Bekenntnis zur Nato" verlangt, mit einem deutschen Veto ist also kaum zu rechnen.
Mir kommt das alles wie eine gewaltige Übersprungshandlung vor: statt dass wir alles in die Bewältigung des Klimawandels stecken, den Umweltschutz fördern, muss der Krieg für alles herhalten - bis hin zu LNG-Terminals für amerikanisches Frackinggas: 》Habeck sagt an Bord: "Mal angenommen, die Umwelthilfe klagt tatsächlich und wir müssen zurückbauen – dann sind wir im Winter nicht unabhängig von Putin." Später kommt er noch deutlicher auf den Krieg in der Ukraine zu sprechen: "Während wir uns dafür feiern, dass wir einen LNG-Terminal in Rekordzeit errichten, sterben Menschen. In diesen Minuten. Stunden."《
Außen- und Sicherheitspolitik erfordern Weitsicht, Geduld und und Kompromissfähigkeit auf allen Seiten.
Das geht der finnischen Regierung offenbar genauso ab wie den Grünen in Berlin.
Traurig, das auch konsensorientierte Nationen wie Finnland und Schweden mit den Mahnern im eigenen Lande genauso abwertend und ausgrenzend umgehen, wie man das auch hierzulande erlebt.
Wenn selbst Anne Will schon fragt, wer den eigentlich die 45% Kriegsgegner in D politisch vertritt, haben wir hier, wie auch anderswo ein echtes demokratisches Problem.
Vielleicht hat Putin ja langfristig ganz andere Ziele als eine militärische Eroberung Europas‘.
Wenn dazu auch die Destabilisierung der Gesellschaft und Wirtschaft gehört, hat er bereits viel erreicht.

@neu_mann "Außen- und Sicherheitspolitik erfordern Weitsicht, Geduld und und Kompromissfähigkeit auf allen Seiten.
Das geht der finnischen Regierung offenbar ...ab"
Jetzt bin ich neugierig. Welche weitsichtigen Ausblicke haben Sie, die der finnischen Regierung abgehen?
Welche Kompromisse würden Sie anstelle der finnischen Regierung in der aktuellen Situation eingehen wollen?
Worauf würden Sie noch mit aller Geduld warten wollen?
@neu_mann 45% Kriegsgegner? Meinen sie wirklich, es gibt in Deutschland 55% Putin-Anhänger?
@Ruediger Sehr treffend formuliert.
Es ist abstoßend, wie alle diejenigen, die Russlands/Putins Spiel von Einschüchterung, Erpressung und Mord nicht mitspielen wollen, hier von einigen Kommentatoren als "Kriegstreiber", "Kriegsbefürworter" oder "Bellizisten" bezeichnet werden. Sie reiten blind auf einem sehr hohen Ross durch die Weltgeschichte, diese sogenannten "Friedensbewegten".
Der Konflikt wird von Russland angeheizt, nicht von der NATO. Die NATO hat bisher noch nicht in Fernsehansprachen mit Atomwaffen gedroht. Es ist leider so, dass diese Tatsache nicht in das ideologisch deformierte Weltbild einiger besorgter Bürger passt.

Wenn ich das richtig mitgekriegt habe, folgt die Entscheidung über einen NATO-Beitritt Finnlands demokratischen Prozessen und ist von der Mehrheit der Bevölkerung gewollt. Soweit ich weiß, wurde eine Debatte darüber auch nicht unterdrückt, eine Propagandawelle dafür nicht veranstaltet.
Was denn noch?
"...und gegen Faschisten muss man sich schützen. Gerade wir Deutschen wissen das nur zu gut."
Verwechseln Sie da nicht etwas?Deutschland wurde ja nicht von Faschisten überfallen.
Nachdenken ? Wer erlebt hat, dass es in der NATO vor Allem die Amerikaner (ganz bestimmt nicht ohne eigene Interessen!) waren, die es der Ukraine ermöglichten, sich besser als erwartet verteidigen zu können, wird verstehen, dass die Skandinavier sich jetzt diesem internationalen Bündnis, das nicht zuletzt Putin zusammengeschweißt hat, beitreten müssen, nicht zuletzt zur Abschreckung, damit dem Oligarchenregime klar wird: Wenn sie weiter eskalieren, haben sie die ganze Welt gegen sich. Das gerade die sonst auf Unabhängigkeit Wert legenden Finnen und Schweden beitreten, nimmt der NATO den imperialen Charakter eines Ausweitungsbündnisses zugunsten der ökonomisch in die Krise geratenen Amerikaner und unterstreicht eher den
Willen einer gemeinsamen Verteidigung.
Wenn Finnland und Schweden der NATO beitreten, hat Putin mit dem Angriff auf die Ukraine das Gegenteil dessen erreicht, was er (zumindest vorgeblich) eigentlich wollte.
Die Instabilität, die hier befürchtet wird, hat Putin herbeigeführt, obwohl, oder sogar weil die Ukraine eben nicht in der NATO ist und es vor seinem Angriff auch gar keine ernsthaften, konkreten Bestrebungen für eine Aufnahme gab. Dieser Angriff hat es wahrscheinlicher gemacht, dass die Ukraine in Zukunft der NATO angehört, ebenso wie Georgien oder ein Post-Lukaschenko-Belarus. Wenn jetzt die nordischen Länder schnell beitreten, ist das eine gute Voraussetzung für weitere Beitritte aus Osteuropa.
Manchmal erübrigt sich eine jahrelange Debatte einfach durch die Realität. Warum es dem Autor in der derzeitigen geopolitischen Lage schwerfällt, einen klaren Kopf zu bewahren, bleibt sein Geheimnis. Es gab in den letzten Jahrzehnten selten einen Konflikt, in dem so klar war, von wem Schuld, Verantwortung und Gefahr ausgehen und was zu tun ist.
Die Hinweise im Kommentar sind völlig korrekt. Diejenigen die ohne zu zögern dagegen sind, haben meiner Meinung nach weder die Problematik einer halb-heißen Grenzsicherung noch das sehr hohe Risiko von Fehlern dabei verstanden. Ex-Zivis, darf ich raten? Jedenfalls macht es für Russland einen Unterschied ob auf der anderen Seite Nuklearwaffen und weiterer Kram der NATO herumsteht oder nicht. Und dabei ist jetzt egal, ob Russland in der Ukraine Stunk macht oder nicht. Selbst ein Nawalny oder wer auch immer im westlich-positiven Sinne Putin nachfolgen könnte, hätte dieses Problem. Streitkräfte einander gegenüber ohne jeden Puffer ist etwas, was man nicht auf weiteren 1300 km braucht.

@sachmah "Streitkräfte einander gegenüber ohne jeden Puffer ist etwas, was man nicht auf weiteren 1300 km braucht."
Es wird die Finnen sicher freuen zu hören, dass sie in Ihren Augen lediglich ein Puffer sind.
@sachmah Wenn die Russen für einen Puffer wären, hätten sie die Ukraine nicht überfallen dürfen, denn die war ja bislang Teil des Puffers.
Finnland kann sich frei entscheiden, mit wem es welches Bündnis eingeht. Russland zeigt gerade, dass es ein faschistisches Imperium ist und gegen Faschisten muss man sich schützen. Gerade wir Deutschen wissen das nur zu gut.
@Gnutellabrot Merz "Gerade wir Deutschen" sollten eigentlich wissen wie Faschismus definiert ist und eine derartige Kategorisierung sorgfältig verwenden.
@Ingo Bernable Ah, Russland ist also kein faschistisches Imperium? Interessant.
@Gnutellabrot Merz Nein, ist es nicht. Wenn man sich etwa Aspekte wie Führerkult und Massenmobilisierung anschaut, wird man etwa feststellen, dass die Linie im heutigen Russland, trotz all der Propaganda, eher darauf hinausläuft die Bevölkerung in politischer Apathie zu halten. Die Wirtschaft ist von Oligarchen und krassen ökonomischen Unterschieden geprägt, etwas völlig anderes also als ein gleichgeschalteter Korporatismus, der neben staatlicher Steuerung auch soziale Nivellierung anstrebt. Und so krass die Unterdrückung von Opposition und freien Medien auch ist, findet auch sie auf einer eher informellen, als auf einer institutionalisierten Ebene statt, weil sich selbst Putin nicht leisten kann die mickerigen Reste der demokratischen Fassade vollends fallen zu lassen.
All das könnte und sollte man eigentlich wissen.
@Ingo Bernable Matthew Lyons:
„Faschismus ist eine Form rechtsextremer Ideologie, die die Nation oder Rasse als organische Gemeinschaft, die alle anderen Loyalitäten übersteigt, verherrlicht. Er betont einen Mythos von nationaler oder rassischer Wiedergeburt nach einer Periode des Niedergangs und Zerfalls. Zu diesem Zweck ruft Faschismus nach einer ‚spirituellen Revolution‘ gegen Zeichen des moralischen Niedergangs wie Individualismus und Materialismus und zielt darauf, die organische Gemeinschaft von 'andersartigen' Kräften und Gruppen, die sie bedrohen, zu reinigen. Faschismus tendiert dazu, Männlichkeit, Jugend, mystische Einheit und die regenerative Kraft von Gewalt zu verherrlichen. Oft – aber nicht immer – unterstützt er Lehren rassischer Überlegenheit, ethnische Verfolgung, imperialistische Ausdehnung und Völkermord. Faschismus kann gleichzeitig eine Form von Internationalismus annehmen, die entweder auf rassischer oder ideologischer Solidarität über nationale Grenzen hinweg beruht. Normalerweise verschreibt sich Faschismus offener männlicher Vorherrschaft, obwohl er manchmal auch weibliche Solidarität und neue Möglichkeiten für Frauen einer privilegierten Nation oder Rasse unterstützen kann.“
@Gnutellabrot Merz Geht auch ohne Bündnis.
@sachmah "Geht auch ohne Bündnis."
Ach, ja?
Wie genau?
So wie in der Ukraine, Georgien, Tschetschenien, Belarus, Afghanistan?
Finnland hat eine lange, unglückliche Geschichte mit Russland. Seit ihrer Unabhängigkeit 1917 ein Land mit eingeschränkter Souveränität. Nicht mal die Bücher von Solschenytsin durften gedruckt werden, auch der Beitritt zur EU musste warten, bis zum Zusammenbruch der UdSSR. Es gibt also reichlich Erfahrungen mit Russland und es sind keine guten.
Als ob man in beiden Ländern nicht schon jahrzehntelang nachgedacht und intern debattiert hätte. Und für eine jahrelange Diskussion à la Deutschland, bei der noch die absurdesten, abstraktesten Aspekte rauf und runter zerredet und irgendwelche Promis offene Briefe schreiben, fehlte nun wirklich die Zeit. Nicht jeder ist so wie wir Deutsche.
Nachgedacht wurde in den beiden Ländern Finnland und Schweden schon lange. Die Frage NATO-Mitgliedschaft ist für sie ja nicht neu. Die jetzige Situation hat die Frage nun eben beantwortet und das Nachdenken ist zur Entscheidung gekommen.
Ich stimme dem Artikel im großen und ganzen zu. Die Ausdehnung NATO ist nicht unproblematisch, da sie zu einer regionalen militärischen Blockbildung beiträgt und damit unnötig Spannungen schaffen kann.
Intelligenter wäre eigentlich ein wirklich globales Verteidigungs- und Friedensbündnis: nicht ganz so eng wie die NATO, aber enger als die Strukturen der Vereinten Nationen - und dafür offen für alle Länder, die das Mittel des Angriffskriegs ablehnen. In eine solche Allianz könnten z.B. auch China und Indien eintreten - wenn sie dafür allen Expansionsgelüsten (Taiwan, Kaschmir) abschwören.
Länder dieser Allianz könnten sich gegenseitig bei Agressionen unterstützen; ein Land, das gegen das Angriffsgebotsverbot verstößt, könnte sofort ausgeschlossen werden, selbst wenn dies über die Unterstützung angeblicher Separatisten geschieht.
Wären Putins Soldaten in die Ukraine einmarschiert, wenn die Ukraine wie gewünscht Nato-Mitglied geworden wäre?
Ich weiß es nicht, würde aber vermuten: Nein.
Wenn diese Vermutung stimmt, würden viele Tausend Menschen, Ukrainer und Russen, jetzt noch leben.
Was für eine Debatte hättens denn gern? Die Finnen wollen in die Nato - eine Aufnahme zu beantragen ist ihr gutes Recht. Und die Nato entscheidet über die Aufnahme - ist deren gutes Recht. Russland kommt in dieser Gleichung berechtigterweise nicht vor. Worüber bitte also debattieren?
Sorry, kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass etwas geschrieben werden musste, was keinerlei Bedeutung mehr hat. An den Satzungetümen, die mit wenn beginnen, leicht festzumachen. Das "wenn" könnte auch umgekehrt sein. Dazu gibt es keine Aussage. Also: Russland greift Finnland an, weil es nicht in der Nato ist, genau so wie die Ukraine. Entspricht exakt Putins Größenwahn. Warum, bitte, sind die baltischen Staaten in der NATO? "Zeit zum Nachdenken" kann tödlich sein. Es gibt eine Zeitenwende, wie Scholz formuliert hat. Da sind Handlungen notwendig, die früher als unmöglich galten. So ist das Leben. Schließlich gab es diese Kriegsart - Aggression gegen ein friedliches Land - in den letzten 77 Jahren weder in Europa nach Vorderasien. Hussein war Kriegsverbrecher und Milosevic auch, im Gegensatz zu Selensky. Hier ist Putin der Mörder, Terrorist, Tyrann, Diktator, Kriegsverbrecher und Lügner in einer Person. Insgesamt: Völlig überflüssig, da nicht schlüssig.
Gab knapp drei Monate zum Nachdenken. Man kann den Finn*innen nur gratulieren, das aktuelle Window of Opportunity genutzt zu haben, während Russlands Möglichkeiten strafend einzugreifen durch den Angriffskrieg gegen die Ukraine derzeit gebunden sind. Länger zu warten würde ich mal als suizidär bezeichnen.

Die Regierung wechselte also die Spur.
Genau das, ein Spurwechsel, scheint für so manche, die es sich in Denk- und Wahrnehmungsmustern fest und kuschelig eingerichtet haben, schier unvorstellbar zu sein.
"Die bisherige sicherheitspolitische Lage in Nordeuropa und im Ostseeraum wird sich mit den neuen Nato-Mitgliedern Finnland und Schweden erheblich verändern."
Sie hat sich durch die russische Aggression verändert
Angesichts der Historie (Georgien, Ukraine) ist es im Gegenteil höchst ratsam einen schnellen Beitritt zu vollziehen und nicht lange zu warten. Sonst hat man schnell bewaffnete grüne Männchen im Land, die freiwillig nicht mehr verschwinden und gegebenenfalls "Volksabstimmungen" veranstalten.
"Das Resultat könnten eine wachsende Instabilität und ein erhöhtes Spannungsniveau werden."
Da muss ich doch mal nachhaken: das soll jetzt quasi die Schuld Finnlands sein? Sollen wir Finnland den Beitritt zur NATO verwehren, wie 2008 der Ukraine, um Russland Honig ums Maul zu schmieren? Hat ja irgendwie nicht so gut geklappt.
Wie sagt man im Englischen: "Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me."
Vielleicht haben sie nachgedacht und sind gerade deswegen zu einer anderen Einschätzung gekommen als der Autor?
Könnt doch sein?
Eine Lösung wäre, Russland und der Ukraine den NATO beitrit zu offerieren. Das wäre eine Basis für einen Waffenstillstand.
Hier hätte man ein gemeinsames Forum für eine gemeinsame Sicherheitspolitik.
Wozu soll das führen, Russland mehr und mehr auszugrenzen?
Man muss Russland mit seiner derzeitigenm Regierung einen Weg aus dem Schlamassel ebnen.
Wenn man nicht in der Lage ist, vollkommen umzudenken, wird man sich immer im Kreise drehen.
@Günter Das wäre eine hervorragende Lösung.
Aber: Die Ukraine würde in ihren völkerrechtlichen Grenzen, also inklusive der Krim in die Nato aufgenommen werden. Ich glaube nicht dass Putin da mitspielen würde.
Die Mär vom bedrohten Russland ist außerhalb Russlands kaum ernstzunehmen. Wer bitteschön soll Russland angreifen wollen? Europa? Ich bitte Sie. Und die USA sehen ihren Strategischen Konkurrenten längst in Fernost.
Die einzige Bedrohung die sich Russland ausgesetzt sieht ist der Bedeutungsverlust und der Abstieg zur Regionalmacht.
DANKE vielmals für diesen Artikel.
Der Beitritt ist kein Schritt zu Frieden, im Gegenteil.
Wenn dies an der Grenze zu den USA geschehen würde, kann sich jede/r die Konsequenzen vorstellen.
Das wird hier nicht anders sein.
@Frau Flieder Wenn was an den Grenzen zur USA passieren würde?
Wenn Mexiko mit Waffen beliefert würde?
Passiert seit vielen Jahren. Fragen Sie mal bei Heckler und Koch nach.
@Frau Flieder Die Nato ist keine Bedrohung für Russland. Außer, man wertet es als Bedrohung, wenn man seine Nachbarn nicht mehr ungestraft überfallen kann.
Nun, der Anlass für diese Überlegungen ist jetzt auch schon wieder 11 Wochen alt, ein Vierteljahr sollte doch im Zeitalter digitaler Kommunikation reichen, um die Diskussion abzuschließen, oder?
Man kann das natürlich auch beliebig lange dehnen, aber dann muss man auch bedenken, dass irgendwann Russland seine Armee wieder aufgefüllt haben wird, und dann auf die Idee kommen könnte, die Diskussion selbst zu beenden, da es sich ja um eine potentielle Bedrohung Russlands handeln könnte…

Ursache und Wirkung nicht verwechseln.
Finnland will jetzt schnell in die Nato, weil Russland sich als unkalkulierbarer Aggressor erweist.
Russland ist also der Grund, warum Finnland um seine Existenz fürchtet und in die Nato will.
Der Beitritt ist konsequent und Finnland wird sich gut in die Nato integrieren. Weiteres Abwarten und Überlegen konnte der Autor nicht sinnvoll begründen. Die Drohgebärden aus dem Kreml bestätigen die Entscheidung. Hoffentlich nimmt Schweden den gleichen Weg.
75% der Bevölkerung sind für den Beitritt. Warum soll man nochmal "nachdenken"? Und über was?
Endlich mal eine wohltuend ruhige und abwägende Meinung in dieser lautstarken bellzistischen Zeit - und leider auch bellizistischen taz.
Finnlands Kriegserfahrung als überfallenes Land liegt noch nicht so lange zurück und da kann man verstehen, dass sie starke Partner suchen. Aber Schweden hat 200 Jahre lang keinen Krieg auf dem eigenen Boden erlebt und sollte vielleicht doch mal darüber nachdenken, ob das nicht auch mit seiner Blockfreiheit zu tun hatte.
Ich schreibe mal aus Finnland: Welche Debatte will der Herr? Die in Deutschland? Denn in Finnland gab es durchaus eine und die große Mehrheit ist für den Eintritt.
Wie kommen Sie darauf dass der Nato-Beitritt nicht diskutiert wurde? Es gab keine öffentliche Debatte. Wenig verwunderlich, wenn man bedenkt wie sehr das Argument "Wollen wir wirklich auf den guten Willen eines größenwahnsinnigen Diktatoren vertrauen?" außenpolitisch Wellen schlagen kann - falsch verstanden könnte es den Eindruck erwecken Finnland würde von Nazis regiert und müsste befreit und wiederangeschlossen werden.
Finnland braucht keinen Schutz gegen Russland, solange Russland glaubwürdig versichern kann kein Interesse an einem Einmarsch zu haben. Putins Glaubwürdigkeit ist für die nächste Dekade leider ungefähr dort wo sich Boris Beckers Kreditwürdigkeit aufhält und das erfordert ein Umdenken.

"Aber ist das Gegenteil, nämlich die Nato-Option sofort zur zwingenden Konsequenz zu erklären, nicht ebenso problematisch?" Nö. Sie ist alternativlos, solange im Kreml ein Faschist regiert, der zurück zu Jalta will. Der wieder Osteuropa unter seine Fuchtel bekommen und der die USA aus Europa vertreiben will. In dieser politischen Großwetterlage bietet nur die Nato ein warmes und sicheres Plätzchen.
"Das Resultat könnten eine wachsende Instabilität und ein erhöhtes Spannungsniveau werden." Nochmal Nö, siehe oben. Zudem: Russland wird sich aus dem Ukrainekrieg geschwächt verabschieden: militärisch, politisch, ökonomisch. Die Kräfte des russischen Imperators schwinden, Sanktionen wirken, Militärhilfe des Westens verhilft der Ukraine zum Sieg. Viel Energie, um in Nordeuropa für Ärger zu sorgen, wird Putin nicht übrig bleiben. Finnland macht es genau richtig mit dem Nato-Beitritt und drei Viertel der Leute in Finnland wollen ihn.
Die Länge der Grenze, an der sich Nato-Staaten und Russland in Zukunft direkt gegenüberstehen, verdoppelt sich.
Na ja, da oben ist vor allem Sumpf- und Waldgebiet. Ohne Straße kommt da auch ein Panzer nicht so richtig weit.
Was würde Nachdenken den bringen? Die Probleme liegen doch auf dem Tisch und die werden mit Zeitablauf nicht besser oder schlechter.
Russland hat die Zeiten durch den Angriffskrieg geändert. Das wusste vor der Wahl in Finnland keiner. Wenn Finnland zuwartet: Was macht es, wenn Russland anfängt, Truppen an der finnischen Grenze auflaufen zu lassen, wie bei der Ukraine? Dann ein Turbobeitritt in einem Tag? Oder würde es dann an dieser Stelle von Herrn Wolff heißen: Erst Mal überlegen. Sind doch nur ein paar tausend Soldaten. Nichts überstürzen.
Wenn ein Beitritt, dann doch in dem Moment, in dem Russland, wo anderes (Ukraine) gefesselt ist.
Imperialistische Gelüste und Aufrüstung zielen auf Krieg. Stattdessen sollte die Weltgemeinschaft genährt werden, ein gemeinsames Haus.
Nato-Beitritt Finnlands: Nachdenken? Fehlanzeige
Das Drängen Finnlands in die Nato ist angesichts des Ukrainekriegs verständlich. Nur hat es an einer offenen Debatte über mögliche Risiken gefehlt.
Finnische Soldaten nehmen am 4. Mai 2022 an der Armeeübung Arrow 22 teil Foto: Heikki Saukkomaa/Lehtikuva/ap
Drei Viertel der FinnInnen waren zuletzt für eine Nato-Mitgliedschaft Finnlands, für das sich am Donnerstag nun auch der Staatspräsident und die Regierungschefin des Landes ausgesprochen haben. Eine historische Mehrheit für eine historische Weichenstellung. Vor dem Ukrainekrieg hatte sich nie mehr als ein Fünftel der Bevölkerung für diesen Schritt begeistern können.
Berücksichtigt man, wie lebendig das Trauma der Kriege der Sowjetunion gegen Finnland nach wie vor ist, ist der Meinungsumschwung angesichts der russischen Invasion in der Ukraine verständlich. Und selbst wenn keine Gründe ersichtlich sind, warum Russland Finnland angreifen sollte, musste das Beispiel Ukraine ein Anlass für Überlegungen sein, ob der künftigen Sicherheit Finnlands mit einer Nato-Mitgliedschaft besser gedient ist.
Doch wie sah es mit diesen Überlegungen eigentlich aus? Die anfänglich versprochene Debatte hat es nie gegeben. Es wäre sicherlich falsch gewesen, die Nato-Option überhaupt nicht in Betracht zu ziehen. Aber ist das Gegenteil, nämlich diese sofort zur zwingenden Konsequenz zu erklären, nicht ebenso problematisch? Und genau das ist geschehen.
Angesichts einer geopolitischen Situation, die es schwierig macht, einen klaren Kopf zu behalten und einen weitsichtigen Beschluss zu fassen, wechselte die Regierung, die bei ihrem Amtsantritt versprochen hatte, sich für Abrüstung und ein Atomwaffenverbot starkzumachen, sofort die Spur und erklärte den Nato-Atomwaffenschirm als alternativlos für Finnlands Sicherheit. Zeit zum Nachdenken? Fehlanzeige.
Die bisherige sicherheitspolitische Lage in Nordeuropa und im Ostseeraum wird sich mit den neuen Nato-Mitgliedern Finnland und Schweden erheblich verändern. Die Länge der Grenze, an der sich Nato-Staaten und Russland in Zukunft direkt gegenüberstehen, verdoppelt sich. Das Resultat könnten eine wachsende Instabilität und ein erhöhtes Spannungsniveau werden. Keine guten Aussichten für Finnland und den Norden.
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Kommentar von
Reinhard Wolff
Auslandskorrespondent Skandinavien und das Baltikum
Lebt in Schweden, schreibt seit 1985 für die taz.
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Wüst oder Kutschaty?
Wüst oder Kutschaty? Ein taz Talk mit Wahlexpert:innen zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen.