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Türkei gegen Nato-BeitritteSignal an Putin

Jürgen Gottschlich

Kommentar von

Jürgen Gottschlich

Erdoğan äußert große Bedenken gegen einen Nato-Beitritt von Finnland und Schweden. Dahinter steckt vor allem taktisches Kalkül.

D er türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan versteht es, sich Freunde zu machen. Entsetzen bis hin zu nackter Wut soll bei einigen Nato-Mitgliedern geherrscht haben, als Erdoğan am Freitag plötzlich erklärte, er habe große Bedenken gegen einen Nato-Beitritt der beiden skandinavischen Länder Finnland und Schweden.

Dabei dürfte es in der Sache eher um Schweden als um Finnland gehen. Tatsächlich war Schweden in der Vergangenheit, als das Land noch eine liberale Flüchtlingspolitik hatte, ein bevorzugtes Exilland für verfolgte Kader der kurdischen PKK-Guerilla. Sicher auch, weil weite Teile der schwedischen Gesellschaft mit dem kurdischen „Befreiungskampf“ sympathisierten, zumindest bis 1998 der Verdacht aufkam, die PKK könnte in den Mord an Olof Palme verwickelt gewesen sein. Für Finnland trifft das in einem wesentlich geringeren Umfang zu, der türkische Protest ist deshalb eher prophylaktisch eingelegt worden.

Dass Erdoğan wirklich befürchtet, eine mögliche Nato-Mitgliedschaft der Nordländer könnte die Türkei in ihrer Minderheitenpolitik unter Druck setzen, ist wenig wahrscheinlich. Aber als gewiefter Taktiker, der keine Scheu davor hat, als Spielverderber aufzutreten, kann der türkische Präsident vom Beitrittswunsch der beiden Länder, der von allen Nato-Mitgliedern ratifiziert werden müsste, womöglich profitieren. Sowohl er persönlich als auch sein Außenminister und sein außenpolitischer Chefberater haben durchblicken lassen, dass die Türkei für Gespräche, sprich Angebote, offen ist.

Das könnte bei der Auslieferung führender PKK-Kader anfangen und bei der Rückkehr der Türkei in das Programm der Kampfflieger F-35 weitergehen, aus dem die USA die Türkei ausgeschlossen hatten, nachdem diese bei Putin Flugabwehrraketen gekauft hatten. Erdoğan kann sich da sicher eine Menge vorstellen, schließlich fühlt die Türkei sich in der Nato schon länger diskriminiert. Da alle anderen unbedingt den Beitritt der Nordländer wollen, hat Erdoğan eine gute Verhandlungsposition. Außerdem sendet er damit ein Signal an Putin, das dieser sicher zu würdigen weiß.

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Jürgen Gottschlich

Jürgen Gottschlich Auslandskorrespondent Türkei

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5 Kommentare

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  • Erdogan dreht seine Fahne nach j e d em Wind... blockiert er den Beititt Schwedens und Finnlands, könnte man ihn als Sicherheitsrisiko der Nato betrachten... was wird er sich für seine Stimme zahlen lassen...



    wir sind hier doch nicht auf dem Basar...

  • 2G
    29449 (Profil gelöscht)

    ”Außerdem sendet er damit ein Signal an Putin, das dieser sicher zu würdigen weiß.”

    ???

    Warum sollte Putin solche Signale würdigen wenn er und seine Kumpanen mit Hilfe aus der Türkei gelieferten Drohnen in dem in der Ukraine stattfindenden Krieg erhebliche Schäden erleidet?



    - frei nach dem Motto: was sich liebt, das neckt sich?

  • Oder er hat einfach keine Lust, dass seine Bürger für die ständigen Erweiterungen im Zweifel kämpfen und sterben müssen. Das bedeutet Artikel 5.



    Und dass Europa dadurch friedlicher wird, sehe ich hier nicht.

    • @Kartöfellchen:

      Hätte Erdogan ein Problem damit, dass seine Bürger kämpfen und sterben, würde er wohl keine Kriege in Kurdistan führen.

      Dann hätte er sich wohl mit Öcalan irgendwie arrangiert.

      Den Punkt können wir wohl getrost ausschließen.

  • Für Putin sehr ungünstig. Immerhin wurde ihm Erdogan nur "zugespielt" durch den misslungenen Putsch, an dem auch amerikanische u westeuropäische Interessen beteiligt waren. Diese rein taktische "Freundschaft" hat beiden Seiten strategische Vorteile gebracht, doch jetzt kann Erdogan in der Nato auftrumpfen u bekommt so eine vor Putin überlegene Postion.