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Forderung nach einem Wahlrecht für alle„Wahlrecht muss unabhängig von Staatsbürgerschaft gelten“

Deutschland braucht neue Regeln für Teilhabe, sagt der Politikwissenschaftler Halil Can. Nur so werde es der diversen Migrationsgesellschaft gerecht.

Uta Schleiermacher

Interview von

Uta Schleiermacher

taz: Herr Can, was bedeutet es für die Politik in Berlin, dass fast 1 Million der hier lebenden Menschen nicht mitgewählt haben?

Halil Can: Es wird so getan, als ob diese Menschen gar nicht existent sind. Die Vorstellung ist, dass diejenigen, die gewählt wurden, damit auch das Recht haben, über alle zu entscheiden, die in der Stadt leben – und damit auch über die, die nicht wählen dürfen. Das ist entmündigend und ein Demokratiedefizit. Die Wahlberechtigten – als Privilegierte – müssten politische Verantwortung übernehmen und die Macht, die sie besitzen, teilen.

Im Interview: Halil Can

Halil Can ist Politikwissenschaftler mit einem Schwerpunkt in der Arbeit und Forschung zu Migration und (Anti-)Rassismus. Er engagiert sich im Bündnis „PASSt uns allen“, das sich für gleiche Rechte und ein Wahlrecht für alle stark macht.

taz: Was heißt das konkret?

Can: Politische Man­dats­trä­ge­r*in­nen könnten das zum Thema machen, Ju­ris­t*in­nen könnten eine rechtliche Debatte darüber anstoßen, die Medien könnten darüber berichten, Kirchen und Gewerkschaften könnten es fordern. Es fehlt auch der Druck aus der Zivilgesellschaft.

taz: Und die Nichtwahlberechtigten selbst, was könnten sie tun?

Can: Migrantische Selbstorganisationen kämpfen bereits seit Generationen für das Wahlrecht und gleiche Rechte. Aber ich beobachte, dass sie daraus bisher keine vernetzte, große Bewegung machen konnten.

taz: Lösen mehr Einbürgerungen das Problem?

Can: Es war ein großer Schritt, dass die Ampel-Koalition das Staatsbürgerschaftsrecht reformiert hat und nun auch die doppelte Staatsbürgerschaft möglich ist. Das war ein langer Kampf. Aber Einbürgerungen allein lösen das Problem des Demokratiedefizits nicht. Und sie dauern auch zu lange: Beim aktuellen Tempo würde es bundesweit 30 Jahre dauern, bis die Behörden alle 10 Millionen In­län­de­r:in­nen ohne deutschen Pass eingebürgert haben. Berlin ist schneller geworden und hat im vergangenen Jahr 40.000 Menschen eingebürgert. Noch 2023 waren es gerade mal 9.000 pro Jahr, davor zwischen 6.000 und 7.000. Einbürgerungen müssen aber auch vom Staat und der Gesellschaft gewollt sein.

taz: Wer sollte so eine Kampagne Ihrer Meinung nach machen?

Can: Das wäre Aufgabe des Staats. Der sollte auch die Rahmenbedingungen schaffen, etwa kostenlose Sprachkurse anbieten für alle, die nach Deutschland kommen. Zusätzlich geht es vor allem darum, die Botschaft zu senden: Ihr seid willkommen, wir geben euch alle Rechte. Es braucht diese positive Erzählung.

taz: Reicht die Gesetzesänderung nicht als Rahmenbedingung?

Can: Es gab ja 2025 sogar wieder eine Gesetzesverschärfung. Außerdem gilt neu seit 2023 der sogenannte Gesinnungsparagraf, nach dem die Behörden die Staatsbürgerschaft in den ersten 10 Jahren widerrufen können. Ich wundere mich, dass die Zivilgesellschaft diesen Paragrafen nicht viel stärker kritisiert hat. Denn er etabliert eine Staatsbürgerschaft auf Bewährung, als ob man ein potenzieller Straftäter wäre. Das sendet keine Willkommensbotschaft, das schafft ein 2-Klassen-System. Es ist ein Rückschritt, denn so eine Staatsbürgerschaft erinnert wieder an das Abstammungsrecht von früher. Und das stärkt letztlich rassistische Forderungen nach Ausweisung, Ausbürgerung und Remigration, nicht nur aus den Reihen der AfD, sondern auch anderer rechtsextremer, nationaler und konservativer Kräfte in der Gesellschaft. Das zeigt einmal mehr, dass Staatsbürgerschaft nicht die Grundlage für das Wahlrecht sein darf.

taz: Warum?

Can: Erstens wollen oder können sich nicht alle einbürgern lassen. Zweitens ist es bei den EU-Bürger*innen auf Kommunalebene ja bereits umgesetzt. Und in 14 von 27 EU-Ländern gilt das Wahlrecht darüber hinaus bereits unabhängig vom Pass.

taz: Könnte Berlin das Wahlrecht für alle auf Landesebene einführen?

Can: Leider nein. Die Länder können Teile des Wahlrechts selbst regeln, etwa dass Jugendliche ab 16 wählen dürfen. Aber das Wahlrecht für alle müsste der Bundestag beschließen. Leider haben CDU und AfD den im Mai eingebrachten Antrag der Linken für ein „Wahlrecht für alle“ abgeschmettert. Der Berliner Senat könnte aber zusammen mit anderen Bundesländern eine Bundesratsinitiative initiieren und somit das „Wahlrecht für alle“ auf die politische Agenda setzen.

taz: Wie könnte ein Wahlrecht für alle konkret aussehen?

Can: Ich stelle mir eine gestaffelte Regelung vor: Bei Kommunalwahlen und Volksentscheiden sollten alle Bür­ge­r*in­nen das Wahlrecht haben, bei Landtagswahlen alle, die drei Jahre hier leben. Auf Bundesebene alle, die seit fünf Jahren ihren Lebensmittelpunkt hier haben. Übrigens ist das auch ein gutes Rezept gegen die AfD und ähnliche politische Strömungen.

taz: Inwiefern? Befeuern solche Debatten nicht eher deren Ressentiments und rassistische Reflexe?

Can: Wenn wir autoritären und faschistischen Tendenzen etwas entgegensetzen wollen, müssen wir erst recht die Marginalisierten ins Boot holen. Deutschland ist eine plurale, diverse Migrationsgesellschaft geworden. Bei der Forderung nach gleichen Rechten für alle geht es nicht nur darum, dass die Diskriminierten zu ihrem Recht kommen. Sondern wir bekämpfen damit auch Entwicklungen, die am Ende alle negativ treffen. Letztendlich geht es um eine neue Erzählung von Nation und demokratischem Zusammenleben.

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160 Kommentare

  • Alex_der_Wunderer

    Neues Wahlrecht ?



    Ersteinmal sollten wir auch eine Überprüfung, von sich zu Kommunalwahlen aufstellenden Kandidaten in z. B. Niedersachsen / Norddeutschland einführen. Von den ganzen Skandalen nach den Kommunalwahlen liest man hier wenig bis nichts. Viele gewählte Kommunalpolitiker der Partei der rechtsextremistischen AfD, treten nach ihrer Wahl zu Kommunalpolitikern aus der Partei der AfD aus ihrer Partei aus oder nehmen ihre Wahl nicht an. In der Konsequenz sind viele Sitze in den Rathäusern unbesetzt. Auch eine Methode unseren demokratischen, rechtstaatlichen Staat, in dem wir unser Grundgesetz achten sollten, zu unterwandert und zu zerstören.



    Wir taz"is aus Niedersachsen sind etwas enttäuscht hier nichts darüber in unserer taz zu lesen.



    MfG

  • Metallkopf

    Das Problem ist, dass Menschen mit zwei Staatsangehörigkeiten dann plötzlich zwei Stimmen haben. Eine hier und eine z.B. in der Türkei oder in den USA.

    Ich finde es durchaus legitim, wenn man dort, wo man seinen Lebensmittelpunkt hat, auch politisch mitbestimmen will. Aber dann sollten die Randbedingungen auch so sein, dass man dann dort, woher man gekommen ist, auch nicht mehr mitkamellen kann. Zur Not muss man sich eben als Bürger zweier Länder entscheiden, in welchem Land man wählen möchte. Mit Wartefristen für Änderungen dieser Entscheidung.

    Das zweite ist Reziprozität. Wenn Deutschland Migranten unter bestimmten Voraussetzungen das Allgemeine Wahlrecht gewährt, gewährleistet der Herkunftsstaat dann dasselbe Recht auch Deutschen, die dort leben?

    Das wäre meines Erachtens zwingende Bedingung dafür, dass man überhaupt über so etwas redet.

    • Francesco

      @Metallkopf:

      Menschen mit zwei Staatsangehörigkeiten können jetzt schon in zwei Ländern wählen, wenn das Land, in dem sie nicht wohnen, das Wahlrecht für Staatsbürger, die im Ausland wohnen, vorsieht.

  • Zangler

    Was erstaunlicherweise gar nicht diskutiert wird: Warum soll eine Frau, die dauerhaft mit ihrer Familie in der Schweiz lebt, sogar ein passives Wahlrecht in Deutschland haben? Nur wegen ihrer Staatsbürgerschaft? Von den Leuten, die diese Frau bzw. ihre Partei wählen, regen sich dann ziemlich viele auf, dass in Deutschland lebende Türk:innen in der Türkei von ihrem aktiven Wahlrecht Gebrauch machen ... – Ich habe für beides wenig Verständnis.

    • test_name

      @Zangler:

      >Warum soll eine Frau, die dauerhaft mit ihrer Familie in der Schweiz lebt, sogar ein passives Wahlrecht in Deutschland haben?<

      Hat sie nicht. Wenn Sie beweisen können, dass es sich bei ihrem Zweitwohnsitz um einen Scheinwohnsitz handelt, ist sie ihren job los.

      • Šarru-kīnu

        @test_name:

        Mit Zivilgesellschaft ist doch nicht die Bevölkerung gemeint.

  • Josef 123

    "Ich wundere mich, dass die Zivilgesellschaft diesen Paragrafen nicht viel stärker kritisiert hat.": Die Zivilbevölkerung hat diesen Paragraphen kritisiert, allerdings nicht so, wie hier gewünscht. Siehe bestehende und kommende Wahlergebnisse bzgl. AFD.

  • fly

    Das geforderte Wahlrecht hätte weitere Konsequenzen:

    - mehr Bürokratie (Überprüfung der Aufenthaltsdauer, möglicherweise an verschiedenen Orten an denen teilweise kein Wohnsitz angemeldet war, event. der Steuerzahlungen, )

    - multilinguale Wahlaufrufe, - benachrichtigungen und Wahlzettel (es würde schnell Klagen von Interessengemeinschaft geben, wenn z.B. kein fehlerfreies Bulgarisch oder Arabisch verwendet worden ist. Und das bei Kommunalwahlen, deren Panaschieren und Kumulieren so schon kaum verstanden wird).

    - mehr Belastungen des Gerichte (Klagen gegen die Aufenthaltsdauerregelungen, gegen die Fristen und vielleicht auch Klagen von Leuten, die sich im Ausland dem Land zugehörig fühlen, obwohl sie (noch) nicht hier leben).

    • Francesco

      @fly:

      In D lebende Bulgaren können heute schon bei Kommunalwahlen wählen.

  • Joachim Petrick

    Bevor Vorstöße zum Wahlrecht ohne Staatsangehörigkeit im Sinne von Politikwissenschaftler Halil Can Aussicht auf Erfolg haben, gilt es, auf nationaler, EU-Ebene die Übergewichtung Ausländerrechts gegenüber Bürgerrechten zu reformieren. Diese Reform muss in international abgesicherten Rechtsstatus einmünden, der globaler Realität Rechnung trägt: Lt UNHCR-Bericht 2025 betrifft dies 120 Millionen Geflüchtete inner-, außerhalb ihrer Heimatländer wie 360 Millionen Arbeitsmigranten in Aufnahmeländern. Ein zukunftsfähig völkerrechtlicher Rahmen muss diesen Menschen – weit über die Genfer Flüchtlingskonvention 1957 hinaus, echte Versammlungsfreiheit, Option zur politischen Betätigung in eigenen Belangen garantieren. Dazu gehört die Teilhabe an betrieblicher Mitbestimmung auf ihren Arbeitsplätzen in kommunalen, kirchlichen, privaten und staatlichen Unternehmen. Gekoppelt an eine anstehende UNO-Reform sollten betroffene Gruppen durch gewählte Vertreterorganisationen Sitz und Stimme in der UN-Generalversammlung erhalten. Nur über diese multilaterale Legitimation lässt sich auch die Rückversetzung in ihren vorherigen beruflichen und Vermögensstand in ihren Herkunftsländern effektiv betreiben.

  • Stechfliege

    Solche Forderungen machen die AfD nur größer.

    • Moon

      @Stechfliege:

      Es geht doch aber nicht an, dass deshalb der Teil der Zivilgesellschaft, der sich nicht um die AfD schart, auch noch die Diskussionen über schwierige Themen einstellt. Damit die AfD erst gar nicht versuchen könnte, sie an sich zu reißen.



      Ich bin skeptisch gegenüber Halil Cans Argumentation. M. M. n. benennt er Voraussetzungen, die dann argumentativ zu einer Begründung der Ausweitung des Personenkreises der Wahlberechtigten plausibel führen sollen, die mir jedenfalls nicht stimmig scheinen, welche folglich die auf ihnen aufbauenden Schlussfolgerungen nicht recht stichhaltig werden lassen.



      Es ist aber ok, dass er aus seiner (auch enthusiastischen) Rede für Wahlrechtserweiterung in einem Interview pol. Konsequenzen ableitet, die er gern verwirklicht sehen will.

      Das ist aber umso mehr ein Grund, das Thema zu diskutieren und es nicht der AfD zu überlassen. So sind z. B. die Erläuterungen zur Praxis der Wahlberechtigung in skandinavischen Ländern sowie in Spanien und Portugal in der Kommentarreihe wichtig. Denen gegenüber muss ich meine Position weiter überdenken. Dazu ist Diskussion wichtig.

  • Duplozug

    Was der Herr hier von sich gibt, ist das Ende der Gesellschaft wie wir sie hier haben. Und wenn sowas auch nur annähernd durchgeführt werden würde, hätte die AfD die absolute Mehrheit um das zu verhindern. Wie kann man eigentlich in seinem Elfenbeinturm der intellektuellen urbanen Blase wirklich glauben, sowas wäre eine gute Idee.



    Ok, noch ein Bürgerkrieg in z.b Ägypten. Es kommen 1mio Ägypter und die wählen jetzt jemanden der gerne die Scharia einführen möchte.



    Oder um weniger polemisch zu werden. Was ist wenn jetzt alle Ukrainer im Land jemanden wählen der möchte das Deutschland aktiv in den Krieg gegen Russland zieht?



    Sowas kann wenn überhaupt nur funktionieren wenn man die Grenzen so dicht macht, dass niemand mehr ins Land kommt. Und selbst dann ist das was jemand schon vor mir sagte im höchsten Maße demokratiegerfährdend.

    • sociajizzm

      @Duplozug:

      Es gibt 870.000 Ukrainer:innen über 18.



      Wenn die alle zusammen eine neue Partei wählen würden,welche die Ukraine stärker unterstützt dann passiert... Nix. Weil die neue Partei dann an der 5% Hürde scheitert.



      Wahrscheinlicher ist eher dass sich die abstimmen auf Parteien aufteilen, welche die Ukraine bereits offen unterstützen. Also SPD und CDU. AFD, BSW und auch die Linke eher weniger. Die Grünen sind wohl auch eher unbeliebt. Mit Sicherheit lässt sich aber eine dramatische Auswirkung komplett ausschließen. Es wären bei der letzten Wahl absolut maximal1.72% der Stimmen gewesen.



      .



      Das gleiche gilt bei den 1Mio Flüchtlingen aus Ägypten. Davon sind nicht alle volljährig, nicht alle muslimisch und viele haben persönliche Gründe einen Scharia Staat abzulehnen.



      .



      Beide Beispiele sind nicht nur polemisch sondern zeigen gut wie irrational die Angst ist. Von den Flüchtlingen aus Ägypten, die in Deutschland leben sind aktuell 40-50% Christen! Es sind nicht die hart gesottenen Islamisten, die aus dem Land fliehen, überwiegend eher das komplette Gegenteil.

  • Éljen a Magyar

    In welchen 14 von 27 EU-Ländern gilt ein volles Wahlrecht unabhängig vom Paß?

  • Kölner Keller

    No taxation without representation.



    Wenn Nicht-Wahlberechtigte Steuern bezahlen, dann sollten sie das Recht haben, mit zu entscheiden, wofür diese eingesetzt werden. Für Kriege, Bundeswehr, für Infrastruktur wie Schienen, Kindergärten, Straßen, Krankenhäuser etc.



    Demokratie verlangt nicht die Koppelung von Rechten an einen Status. Das ist nur im Nationalstaat-Konzept so vorgesehen. Notwendig wäre, das zu überwinden, da Nationalstaatlichkeit die Realität mit einer superdiversen Gesellschaft ohnehin nicht mal ansatzweise widerspiegelt. Und wenn ein Nicht-Deutscher die AfD wählt, so what? Das ist Demokratie.



    Und Wehrdienst? Kann man auch für nicht Staatsangehörige öffnen. Wer das machen will, bitte.



    Loyalität? Es gibt in der Bundeswehr sicherlich jetzt schon eine große Zahl von Soldat*innen, die nicht auf dem Boden des Grundgesetzes stehen. Zudem gibt es in der biodeutschen Mehrheit viele, die aus unterschiedlichsten Gründen den Waffendienst ablehnen und im Falle einer Zwangsrekrutierung wenig förderlich für eine Landesverteidigung wären.



    Also: Wahlrecht auf allen Ebenen für alle!

    • Moby Dick

      @Kölner Keller:

      "No taxation without representation" ist kein universelles Prinzip. Der Slogan entstammt einem völlig anderen Kontext. Er wurde von der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung geprägt. Es geht nicht um Wahlrecht für Ausländer, sondern um die Besteuerung durch eine Kolonialmacht.

    • Westlahn

      @Kölner Keller:

      Wehrdienst für Nicht-Deutsche...? Sie unterschätzen die langfristigen Strategien von Autokraten, Diktatoren und (Partei)Diktaturen. Wir könnten uns in einer Situation wieder finden, in der bei einem bewaffneten Konflikt mit Sie-ahnen-bestimmt-mit-wem plötzlich Soldaten oder ganze Einheiten gar nicht mehr für Deutschland kämpfen, sondern nur der Armee beigetreten sind, um dann überzulaufen....



      Ich denke da gar nicht nur an Putin-Fans ... Australien zum Beispiel hat die Einreise und Einwanderung aus China sehr restriktiver gestaltet, als es klar wurde, dass chinesische Studenten klar den Auftrag hatten, die Forschungsthemen und Studieninhalte an australischen Universitäten im Sinne Chinas zu ändern. Erdogan hat offen eine hohe Kinderzahl von Deutschtürken in Deutschland propagiert, um über diese Community Einfluss in Deutschland zu gewinnen.



      Das sind keine Verschwörungstheorien sondern Infos aus einigermaßen seriösen Quellen... wenn man FAZ, Spiegel uä dazu zählen will. Vielleicht findet sich ja auch im taz-Archiv etwas..

    • Rohek

      @Kölner Keller:

      Durch den Doppelpass haben wir derzeit die Situation einer representation without taxation. Oder glauben Sie, dass die in der Türkei wahlberechtigten Deutschen dort Steuern zahlen müssen für ihr Wahlrecht? Ein Wahlrecht ohne Status haben Sie allenfalls im Supermarkt (sofern man 'bisschen Geld haben' nicht als Status wertet). Das politische Gebilde, dem alle einfach so mit allen Rechten beitreten kann, müssen Sie mir zeigen. Aber auch in Ihren und Herrn Cans Forderungen wird die Sache nicht zu Ende gedacht. Wahlrecht bleibt an Wohnort (Deutschland) gekoppelt. Wenn aber Deutschland, Kraft seiner Wirtschaftsmacht CO2 emittiert, das ja nicht innerhalb der Landesgrenze verbleibt, sollte das Wahlrecht eigentlich auch weltweit gelten.

      • Francesco

        @Rohek:

        »Oder glauben Sie, dass die in der Türkei wahlberechtigten Deutschen dort Steuern zahlen müssen für ihr Wahlrecht?«



        Das ist aber das Problem der Zürkei, nicht Deutschlands.

      • Westlahn

        @Rohek:

        Himmel, das lässt gruselige Karten entstehen: Deutsch-Türken wählen Erdogan. Deutsch-Russen Putin, Deutsch-Polen PiS, Deutsch-Österreicher FPÖ, Deutsch-Niederländer Wilders, Deutsch-Franzosen Le-Pen. Und Deutsch-Amerikaner Trump. Deutsch-Briten Farage. Deutsch-Italiener Meloni. Deutsch-Ungarn Orban - falls der nochmal antritt. Und Tschechien, Slowakei, Dänemark, Belgien, Schweden haben ebenfalls zweifelhafte Angebote im Regal....

  • Jens Köster

    Das Demokratieverständnis von Herrn Can empfinde ich als demokratiegefährdend. Die Staatsform Demokratie wird diskreditiert, wenn die Basis des Wahlrechts erodiert und auch noch offen als Ziel benannt ist, dadurch das Ergebnis in eine gewünschte Richtung zu beeinflussen. Gegen solche Manipulation müssen wir unser Sraatswesen schützen.

    • Francesco

      @Jens Köster:

      Die Basis der Demokratie ist, dass die Staatsgewalt von denen ausgeht, die von der Staatsgewalt betroffen sind.

      • Westlahn

        @Francesco:

        Aua! Von der deutschen "Staatsgewalt" sind Abermillionen Menschen betroffen, die gar nicht in Deutschland leben. Und nie in Deutschland waren. Das fängt mit den Regeln zur Einreise und oder Einwanderung an...

        • Francesco

          @Westlahn:

          Von deutschen Einreise- und Einwanderungsregeln ist nur betroffen, wer einreisen oder einwandern möchte.

          • Westlahn

            @Francesco:

            ... hört aber damit noch lange nicht auf....s.u.

        • sociajizzm

          @Westlahn:

          Aber nicht annähernd im gleichen Maße.

          • Westlahn

            @sociajizzm:

            Dann müsste definiert werden, welche "Betroffenheit" von welchen "Regeln der Staatsgewalt" dazu führt, Wahlrecht zu erhalten. Völlig unvorstellbar. Und dann sind da noch die Leute, die diese "Betroffenheit" erreichen - aber an deutschem Wahlrecht nicht interessiert sind.



            Das Interesse an Mitbestimmung in Deutschland lässt sich zuverlässig auf individueller Ebene feststellen: durch den Antrag auf die deutsche Staatsbürgerschaft....



            Die übrigens besonders für Menschen ein Privileg ist, die dadurch eine doppelte Staatsbürgerschaft bekommen. Denn ein Deutscher kann sich der Strafverfolgung nicht durch die Übersiedlung ins Ausland entziehen - ein Mensch mit 2 Staatsbürgerschaften schon: ich kenne keinen Staat, der eigene Staatsbürger zur Strafverfolgung ins Ausland ausliefert. Es mag welche geben - aber sie wären Ausnahmen.

    • marilyn.hanson

      @Jens Köster:

      Mit der Denke schützen Sie nicht unbedingt "unser Staatswesen" (wer ist "uns"?), sondern v. a. die Pfründe und Privilegien der bisher Berechtigten und den Status quo, der ja sowieso schon krass am Rutschen ist.



      Jede Stimme "manipuliert" das Ergebnis mit, das ist irgendwie der Sinn des ganzen Verfahrens. Man könnte sogar sagen, dass die Intentionen hinter den Stimmen nicht genug Durchschlagskraft auf die dann resultierende, konkrete Politik der - meist ja - Berufspolitiker*innen haben.

      • Jens Köster

        @marilyn.hanson:

        Wer die Basis der berechtigten Wählerschaft manipulieren will, weil er sich davon ein gewünschtes Ergebnis erhofft, handelt meiner Ansicht nach undemokratisch.

  • Suryo

    Das soll also die AfD verhindern?

    Wenn Russland durch "gutes Zureden" und/oder Drohungen seine Staatsbürger in Deutschland (ca. 300.000 Menschen) zur Wahl einer bestimmten deutschen Partei bringen könnte, dann mit Sicherheit zu der der AfD.

    • sociajizzm

      @Suryo:

      300.000 sind doch lächerlich.



      Wie viele volljährig? Wie viel % beteiligen sich tatsächlich bei der Wahl? Wie viele kann der russische Staat beeinflussen?



      .



      Selbst wenn alle 300.000 volljährig sind, alle an der Wahl teilnehmen und alle nur die AFD wählen währen dass 0.6% gewesen bei der letzten Wahl.

      • Westlahn

        @sociajizzm:

        Sie haben einen Punkt.... aber die 300.000 sind ja nicht über die ganze Republik verteilt, sondern in einigen Regionen häufiger als anderswo. Und sie sind ein medialer Resonanzraum der auf ihr soziales Umfeld ausstrahlt...

    • Joba

      @Suryo:

      Das ist heute schon so, denn viele Russlanddrutsche haben die russische Staatsangehörigkeit behalten und in deren Wohnschwerpunkten ist die AfD deutlich stärker als anderswo. Zur Ehrenrettung muss aber gesagt werden, dass viele Russlanddeusche nach wie vor nicht wählen gehen, weshalb sie nicht pauschal als putinnah verurteilt werden dürfen.

    • Francesco

      @Suryo:

      300 000 dauerhaft hier lebende russische Staatsbürger, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben?

      • Westlahn

        @Francesco:

        Da ist auch noch ein Teil der sog. "Russland-Deutschen" die Helmut Kohl aus der Sowjet-Union "gerettet" hat. Die meisten sind hier nach allen Regeln der Kunst "angekommen". Ein Teil ist aber für Putin-Propaganda durchaus noch -oder wieder- empfänglich.



        Wie umfangreich das ist, ist schwer zu sagen: Kaum ein Sozialforscher, kaum ein Journalist spricht so gut russisch, daß klar werden kann, wie groß Putins Einfluss über die russisch-sprachigen Informationsquellen dieser Gruppen ist. AfD oder Linke wählen ist als Indikator dafür nicht wirklich tauglich.

      • sociajizzm

        @Francesco:

        2025 waren es 284225.



        Von den etwas mehr als 300k sind schon einige eingebürgert.



        .



        Die Zahl kommt also in etwa hin.

  • Deep South

    "Erstens wollen oder können sich nicht alle einbürgern lassen."

    Na ja, Rechte sind halt eben mit Pflichten verbunden. Und wer wählen möchte, muss halt die Staatsbürgerschaft beantragen. Und da gehts halt um mehr, als "5 Jahre hier zu leben". Sprache zum Beispiel.



    Ich könnte mir sogar bei Lokalwahlen Ausnahmen vorstellen. Wer aber über Bundes- und Landespolitik, also über die Zukunft des Landes politisch mitbestimmen möchte abstimmen möchte, für den sollte eine Einbürgerung kein "will ich nicht" sein. Das was Herr Can fordert, gewährt kein im Übrigen Land der Welt.

    • Francesco

      @Deep South:

      Hat man bei den Russlanddeutschen einen Nachweis verlangt, dass sie die deutsche Sprache beherrschen?

      • Deep South

        @Francesco:

        "Russland-Deutsche" sind laut dem Bundesvertriebengesetz volkszugehörig und haben deshalb erleichteret Einbürgerungsbedingungen. Und was daran so falsch sein soll, dass jemand, der in einem Land dauerhaft leben und wählen möchte, grundlegend auch die Sprache beherrschen sollte, kann ich nicht erkennen.

        • Westlahn

          @Deep South:

          Daran ist nix verkehrt. Aber die Erwartungshaltung der "Autochtonen Bevölkerung" dazu ist relativ neu: Die polnischen, italienischen, griechischen, portugiesischen , türkischen oder jugoslawischen Arbeiter der "Gastarbeiter"-Jahre, z.B. im Bergbau, Bauwirtschaft oder Entsorgungsunternehmen haben gerade so viel Deutsch gelernt, dass sie am Arbeitsplatz zurecht kamen. Heute ist es sogar oft so, dass sie dort kaum Deutsch brauchen - weil die Kommunikation mit Arbeitskollegen auch in der "Muttersprache" funktioniert, denn auch die haben den gleichen Migrationshintergrund. In der 2. Generation entstehen die Deutschkenntnisse in der Schule - aber wo noch sonst...? Es gilt wohl die gefühlte Regel: angekommen ist die 3. Generation. Also in etwa genauso schnell wie der "Saupreiß" oder "Zugroaste" im bayrischen Hinterland...=8-)

      • Westlahn

        @Francesco:

        Nein. Und das war ein Fehler von Helmut Kohl. Der noch heute deutliche negative Folgen hat.

    • Šarru-kīnu

      @Deep South:

      In Brasilien ansässige Portugiesen dürfen an brasilianischen Wahlen teilnehmen, ohne dafür die brasilianische Staatsbürgerschaft annehmen zu müssen. In Spanien gibt es ein allerdings umstrittenes Wahlrecht für ausländische Nachkommen von Franco-Exilierten.

      • Deep South

        @Šarru-kīnu:

        Ja, aber das sind nunmal alles Ausnahmen, die auf einzelne Volksgruppen beschränkt und historisch begründet sind.

      • Suryo

        @Šarru-kīnu:

        Die Portugiesen in Brasilien verstehen ja immerhin im wahrsten Sinne des Wortes die brasilianische Politik.

        Aber warum sollte irgendwer, der kein Wort deutsch spricht und also nicht im geringsten integriert sein kann, hierzulande Einfluss auf die Politik nehmen dürfen?

        • warum_denkt_keiner_nach?

          @Suryo:

          Deutschprüfung am Eingang zum Wahllokal? Dann dürften im Ländle sehr viele nicht wählen 😁

          Aber im Ernst. Warum sollen Menschen, die hier leben, nicht mitbestimmen, wie sie leben?

          • Westlahn

            @warum_denkt_keiner_nach?:

            Eigentlich ist der gegenwärtige Ansatz gar nicht so dumm: Deutschprüfung am Wahllokal ist definitiv zu spät. Deutschprüfung, wenn die Menschen hier angekommen sind, ebenfalls. Denn Abschieben, wenn mensch durchfällt, ist ja auch eher blöd. Also finden jetzt die Deutschkurse bei Anwerbungen der achsodringend benötigten Fachkräfte nach einem Deutschkurs bereits im Ausland statt. Jedenfalls bei Nicht-EU-Bürgern.



            Denn EU-Bürgern ist das alles komplett egal: die genießen EU-weite Freizügigkeit, solange sie nicht in Sozialsystem sondern mit einem Arbeitsplatz einwandern.



            Und dass man Briten oder Norweger in einem Abschiebeflieger setzt, nur weil er oder sie nicht gut genug deutsch spricht, das halte ich für absurd....

          • Francesco

            @warum_denkt_keiner_nach?:

            Deutsche Dialekte sind Deutsch. Darüberhinaus: Das Grundgesetz legt keine Amtssprache fest.

            • warum_denkt_keiner_nach?

              @Francesco:

              "Das Grundgesetz legt keine Amtssprache fest."

              Eben 😁

          • Suryo

            @warum_denkt_keiner_nach?:

            Ich bin total dafür, dass in der Kommunalpolitik alle mitbestimmen dürfen. Ich halte aber nichts davon, den Kurs der gesamten Nation unter dem Motto "No border" bestimmen zu lassen. Dabei werden unter Umständen über Jahrzehnte Weichen gestellt - von Leuten, bei denen man nicht weiß, ob sie nicht in ein paar Jahren schon wieder weg sind und dann eben nicht mehr von den Konsequenzen ihrer Wahl betroffen sind.

            • warum_denkt_keiner_nach?

              @Suryo:

              Aber Menschen, die hier leben, sind doch nicht nur von der Kommunalpolitik betroffen.

              Und wir reden ja schon von Menschen, die einige Jahre hier leben. Nicht von Kurzzeitaufenthalten.

              "... ob sie nicht in ein paar Jahren schon wieder weg sind und dann eben nicht mehr von den Konsequenzen ihrer Wahl betroffen sind."

              Mal abgesehen davon, dass Wähler auch sterben. Wie wollen Sie sicherstellen, dass nur Menschen wählen, die später nicht nach Malle verduften?

              • Suryo

                @warum_denkt_keiner_nach?:

                Die Wahrscheinlichkeit, dass zig Millionen Staatsbürger nach Malle verschwinden, ist gering.

                Ausländer können sich in Deutschland durchaus politisch Gehör verschaffen. Sie können halt nur nicht wählen - aber sie können sich ja alle auch um die Staatsbürgerschaft bewerben. Wenn es einem wirklich so wichtig ist, bei den Wahlen zum Bundestag mitzumachen, sollte einem die Staatsbürgerschaft Deutschlands doch erst recht wichtig sein.

                • Westlahn

                  @Suryo:

                  Und das klappt doch einigermaßen.... wir haben in nicht wirklich komplett unwichtigen Bundesland einen Ministerpräsidenten mit Migrationshintergrund von ganz-weit-weg. Zum Vergleich: NRW hat es bis jetzt nicht einmal zu einem Ex-Niederländer gereicht.

                  • Francesco

                    @Westlahn:

                    Welcher Ministerpräsident ist von ganz weit weg?

                • warum_denkt_keiner_nach?

                  @Suryo:

                  Also geht es doch letztlich nur darum, Menschen, die als fremd empfunden werden, die Mitsprache zu verweigern?

                  • Suryo

                    @warum_denkt_keiner_nach?:

                    Es geht darum, dass Staaten nicht einfach nur irgendwelche ephemeren Gebilde sind und die Staatsbürgerschaft etwas bedeutet.

                    Klar - wenn Ausländer im Gegenzug für's Wahlrecht genau wie Deutsche z.B. im Verteidigungsfall für die Verteidigung herangezogen werden dürfen, sie ggf. Wehrdienst leisten usw. müssen...

                    Aber das will bestimmt auch wieder keiner, oder?

                    Und: warum eigentlich darf ich z.B. nicht in einem anderen Bundesland abstimmen? Betrifft mich ggf. eine russlandhörige, rechtsextremistische Regierung in S.-A. nicht? Warum darf ich dann nicht dort wählen?

          • Desti

            @warum_denkt_keiner_nach?:

            Weil es hier bereits gültige Normen und Regeln gibt.

            Oder sind wir jetzt doch bei "Das Zusammenleben muss jeden Tag neu ausgehandelt werden“ (A. Özuguz, 09/2015) angekommen?

            Werde dann beispielsweise Errungenschaften, wie die gleichgeschlechtliche Ehe wieder verhandelbar?

            • warum_denkt_keiner_nach?

              @Desti:

              "Weil es hier bereits gültige Normen und Regeln gibt."

              Natürlich gibt es die. Und das ist gut so. Allerdings sind diese Normen und Regeln nicht in Stein gemeißelt. Auf allen Ebenen der Politik werden ständig Änderungen gemacht. Muss auch sein. Sonst befindet man sich im absoluten Stillstand.

              • Desti

                @warum_denkt_keiner_nach?:

                Warum dann diese große Angst vor beispielsweise dem Familienbild der AFD?

                Die Sorge davor, dass die Demokratie abgeschafft wird?

                Denn



                "Auf allen Ebenen der Politik werden ständig Änderungen gemacht. Muss auch sein. Sonst befindet man sich im absoluten Stillstand."

                Diese Maßstäbe sollten dann grundsätzlich gelten und nicht je nach Gesinnung und Haltung betrachtet werden.

                • warum_denkt_keiner_nach?

                  @Desti:

                  Änderungen sollen vorran bringen. Das Familienbild der AfD stammt aus dem 19. Jahrhundert. So wie fast das gesamte restliche Programm.

    • marilyn.hanson

      @Deep South:

      Hehe, das ist falsch, zeigt aber, wie festgefügt einige Meinungen und Mentalitäten sind, dass die Alternative für unmöglich bzw. nicht existent gehalten wird. Es gibt einige Länder, die genau das tun:



      Fünf Staaten, die ein allgemeines nationales Wahlrecht (für Parlaments- oder Präsidentschaftswahlen) für alle dort lebenden Ausländer*innen unabhängig von ihrer Herkunft erlauben, sofern sie eine Mindestaufenthaltsdauer erfüllen:



      - Neuseeland (nach 1 Jahr)



      - Chile (nach 5)



      - Uruguay (nach 15)



      - Ecuador (nach 5)



      - Malawi

      Auf Gegenseitigkeit gibt es auch:



      - UK mit Irland;



      - Portugal mit Brasilien, Cap Verde, São Tomé und Príncipe;



      - Spanien mit einigen Ex-Kolonien wohl auch.

      Dann gibt es die Länder mit für Ausländer*innen geöffneten regionalem Wahlrecht, aber ohne nationales Wahlrecht:



      - Schweden, Dänemark, Finnland;



      - in der Schweiz in 2 Kantonen;



      - Spanien für Länder mit Gegenseitigkeitsabkommen

      Unbenommen davon wäre natürlich trotzdem mehr Engagement für die Einbürgerung sowohl bei den potenziell EinZUbürgernden als auch bei den Einbürgernden (Bürokratie, Formalitäten, Hemmschwellen, Hindernisse, Bestehen auf Abgabe der alten Staatsbürgerschaft etc.) sehr wünschenswert ...

      • Deep South

        @marilyn.hanson:

        "Falsch" ist, wegzulassen, was nicht passt.

        Bei Brasilien und Spanien hat das historische Gründe und ist auf einzelne Staaten und Ex Kolonien beschränkt.



        In Neuseeland ist ein Einbürgerungsantrag an erhebliche Bedingungen wie einen dauerhaften Aufenthaltstitel geknüpft, den man mindestens 2 Jahre besitzen muss, um die Staatsbürgerschaft zu erlangen. Dafür sind ein dauerhaftes Visum und in Nachweis einer Arbeit in den letzten 2 Jahren notwendig. Zudem muss man entweder einen 2jährigen steuerlichen Wohnsitz nachweisen, erhebliche Investitionen in NZL (1Mio NZD) getätigt haben oder eine Firma aufgebaut haben.

        www.immigration.go...ve-in-new-zealand/

        Um sich inder Schweiz einbürgern zu lassen muss man 10 Jahre einen Wohnsitz haben und darf in den letzten 3 bzw. 5 Jahren keine Sozialleistungen bezogen haben. Dazu muss man volle Integration nachweisen.

        Chile hat das auf 10 Jahre erhöht. Bleiben Equador und Malawi.



        Dazu hab mich ausdrücklich auf Bundes- und Landesebene bezogen. Wie gesagt, lokal könnte ich mir Ausnahmen vorstellen.



        In keinem der aufgezählten Länder könnte man sich unter den Bedingungen die Herr Can hier fordert einbürgern lassen.

        • Francesco

          @Deep South:

          Herr Can fordert ein Wahlrecht ohne notwendige Einbürgerung. Ihre Ausführungen haben mit dem Artikel nichts zu tun.

  • vieldenker

    „ Übrigens ist das auch ein gutes Rezept gegen die AfD und ähnliche politische Strömungen“ - Ich fürchte, seine Vorstellungen würden eher als Turbo für die AfD wirken. Denn bis das allerdings wirklich umgesetzt werden würde und könnte, hätten wahrscheinlich schon viel mehr der bisher Wahlberechtigten ihr Kreuz bei der vermeintlichen Akternative gesetzt. Einfach nur, um den vermuteten Wählerwildwuchs zu verhindern. Im Ernst: Wer auf nationaler Ebene wählen will, sollte sich um die entsprechende Staatsbürgerschaft bemühen. Das sollte auch einem Herrn Can die Verteidigung der freiheitlichen demokratischen Gesellschaft schon wert sein.

    • RosaProsa

      @vieldenker:

      Mal abgesehen davon, dass auch Menschen, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben, die AfD wählen würden. Anders zu denken, wäre naiv. Als wären Menschen aus anderen Ländern nicht genauso rechts-konservativ wie alle anderen...

      • Dr. McSchreck

        @RosaProsa:

        Ich fahre häufig Zug. Die einzigen, die da offen ihre Sympathie für die AfD äußern, haben rein optisch und oft auch sprachlich Migrationshintergrund. Sie wollen „weniger Ausländer, die nichts leisten“ und mehr „Recht und Ordnung“. Deutsche reden da weniger offen (denken Aber evtl das gleiche, wenn man die Umfragen liest).

        Sie haben also wohl recht. Ein Türke, der erdogan wählt, kann hier gut die AFd unterstützen.

  • Zippism

    Man sollte hier allerdings sehr sauber zwischen den politischen Ebenen unterscheiden.

    Auf kommunaler Ebene lässt sich ein Wahlrecht für dauerhaft hier lebende Ausländer durchaus anders begründen: Es geht unmittelbar um die Kommune, in der diese Menschen leben, Steuern zahlen, ihre Kinder zur Schule schicken und von kommunalen Entscheidungen betroffen sind. Entsprechend gibt es dafür auch bereits heute ein EU-Kommunalwahlrecht für EU-Bürger.

    Etwas völlig anderes ist aber das Wahlrecht auf Landes- oder Bundesebene. Wer dort mitentscheidet, entscheidet über Landesverfassungen, Parlamente, Bundesgesetze, Außen- und Sicherheitspolitik, Staatsangehörigkeitsrecht und letztlich über die politische Ordnung der Bundesrepublik. Hier ist die Staatsangehörigkeit nicht bloß ein zufälliges Formalismus-Hindernis, sondern das Kriterium dafür, wer zum Staatsvolk gehört und damit Träger der demokratischen Legitimation dieser staatlichen Ebene ist.

    Deshalb ist „die Entscheidungen betreffen doch alle“ kein hinreichendes Argument. Auch Nichtbürger sind von deutschen Bundesgesetzen betroffen – daraus folgt aber noch nicht, dass sie über deren Erlass abstimmen müssen.

    • Francesco

      @Zippism:

      »Auch Nichtbürger sind von deutschen Bundesgesetzen betroffen – daraus folgt aber noch nicht, dass sie über deren Erlass abstimmen müssen.«



      Ist nicht das Kernprinzip der Demokratie, dass diejenigen, die von den Gesetzen und Handljngen der Staatsorgane betroffen sind, auch an deren Zustandekommen mitwirken?

      • Meister Petz

        @Francesco:

        Au ja. Ich bin als Online-Shop-Besitzer von den Trump-Zöllen betroffen, weil es meine Kosten für Sendungen an US-Kunden erhöht. Ich brauche sofort Wahlrecht bei den Presidentials.

    • Francesco

      @Zippism:

      Steuern zahle ich aber nicht auf kommunaler Ebene, sondern auf Landes- und Bundesebene

      • Westlahn

        @Francesco:

        Steuern zahlen Sie vor allem im Lebensmittelmarkt und an der Tankstelle an der Kasse....



        Es gibt in diesem Land niemanden der keine Steuern zahlt, sogar Kinder zahlen sie, wenn sie ihr Taschengeld ausgeben.

      • Zippism

        @Francesco:

        Der erste Satz stimmt – aber er beantwortet die entscheidende Frage noch nicht. Demokratie bedeutet nicht einfach: Jeder, der von staatlichen Entscheidungen betroffen ist, muss über sie abstimmen dürfen. Sonst müsste konsequenterweise auch jeder Tourist, ausländische Arbeitnehmer ohne deutschen Pass oder ein Unternehmen mit Sitz im Ausland bei Bundestagswahlen mitentscheiden dürfen, sobald deutsche Gesetze ihn betreffen.

        Das Grundgesetz knüpft die demokratische Legitimation auf Bundesebene vielmehr an das deutsche Staatsvolk. Das Bundesverfassungsgericht stellt ausdrücklich fest, dass dieses „Volk“ im Sinne des Art. 20 Abs. 2 GG aus den deutschen Staatsangehörigen und den ihnen nach Art. 116 GG Gleichgestellten besteht. Zugleich betont es, dass der Gesetzgeber den Zugang zur Staatsangehörigkeit gestalten kann.

        Und ja: Natürlich zahle ich die meisten Steuern auf Bundes- und Landesebene. Genau deshalb macht es einen Unterschied, ob ich dort als Einwohner lediglich den Gesetzen unterliege oder als Staatsbürger Teil desjenigen Volkes bin, von dem die Staatsgewalt ausgeht.

    • marilyn.hanson

      @Zippism:

      Naja, Sie bringen das Argument, gegen das Sie am Ende selbst (auf Landes- und Bundesebene) sind, ja selbst für den kommunalen Bereich. Bürger*innen von Zweitstaaten innerhalb, aber auch von Drittsaaten außerhalb der EU sind ja auch nicht nur und oftmals nicht wesentlich von kommunalen, sondern gerade von Bundesgesetzen zu Aufenthalt, Einbürgerung, auch Steuern betroffen. Warum sie dann ausgerechnet nur kommunal mitreden dürfen sollen, aber keinesfalls regional und national, ist irgendwie nicht stimmig. Wenn sie jahrelang mit dauerhaftem Wohnsitz in Deutschland leben, werden auch sie ein Interesse am Rechtsstaat, innerer und äußerer Sicherheit etc. haben.

      • Zippism

        @marilyn.hanson:

        Doch, das ist stimmig, wenn man zwischen „von einer Entscheidung betroffen sein“ und „Träger der demokratischen Legitimation dieser Entscheidung sein“ unterscheidet.

        Natürlich sind dauerhaft hier lebende Nichtdeutsche auch von Bundesgesetzen zu Aufenthalt, Einbürgerung, Steuern, innerer Sicherheit usw. betroffen. Daraus folgt aber zunächst nur, dass der Staat ihre Interessen berücksichtigen muss – nicht automatisch, dass sie deshalb Teil des Staatsvolkes und wahlberechtigt sein müssen.

        Beim kommunalen Wahlrecht für EU-Bürger handelt es sich zudem nicht um die allgemeine Regel „wer betroffen ist, darf wählen“, sondern um eine ausdrücklich unionsrechtlich vorgesehene Sonderregelung.

        Und selbstverständlich kann jemand nach 20 Jahren in Deutschland ein genauso großes Interesse an Rechtsstaat, Sicherheit und Außenpolitik haben wie ein deutscher Staatsbürger. Die Frage ist nur, welches Kriterium die politische Zugehörigkeit auf staatlicher Ebene definiert. Das Grundgesetz knüpft die demokratische Legitimation des Bundes an das deutsche Staatsvolk – nicht schlicht an alle Menschen, die deutschen Gesetzen unterliegen.

    • Sam Spade

      @Zippism:

      Deutschland ist eine repräsentative Demokratie. Wähler entscheiden über die Zusammensetzung der Parlamente nicht jedoch über Verfassungen, Bundesgesetze oder die Außen- und Sicherheitspolitik.

      Das Wahlrecht strikt an die Staatsbürgerschaft zu koppeln ist ein Relikt aus Zeiten der Nationalstaaten. In einem vereinigten Europa haben mittlerweile EU Bürger unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit des aktiven und passiven Wahlrechts in einem anderen Mitgliedsland. Warum sollten Drittstaatenangehörige davon ausgenommen werden, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen. Ist nicht gerade kompatibel mit dem Gleichheitsgrundsatz.

      Und was die Entsendung in die Parlamente oder die Bekleidung eines öffentlichen Amtes betrifft. Jeder Staat wäre gut beraten darin hier nach Kompetenz und nicht nach dem Pass zu gehen.

      • Zippism

        @Sam Spade:

        Dass wir eine repräsentative Demokratie haben, ändert am Grundproblem wenig. Die Bürger wählen die Abgeordneten, und diese beschließen dann Gesetze, gestalten Außen- und Sicherheitspolitik usw. Die entscheidende Frage bleibt also: Wer gehört zum Kreis derjenigen, die diese Abgeordneten wählen?

        Und „Relikt des Nationalstaats“ ist zunächst eine politische Wertung, kein Argument. Das Grundgesetz knüpft das Wahlrecht zum Bundestag weiterhin an die deutsche Staatsangehörigkeit. Wer das ändern möchte, kann das selbstverständlich fordern – aber man sollte nicht so tun, als sei die bisherige Regelung mit dem Demokratieprinzip unvereinbar.

        Auch der Gleichheitsgrundsatz führt nicht automatisch zu einem Wahlrecht für Drittstaatsangehörige. Das EU-Kommunalwahlrecht beruht gerade auf der besonderen Rechtsordnung der EU und der Unionsbürgerschaft. Daraus folgt nicht, dass jeder Drittstaatsangehörige dieselben politischen Rechte in jedem Mitgliedstaat beanspruchen kann.

        „Kompetenz statt Pass“ klingt zunächst überzeugend, beantwortet aber nicht die Frage, wer demokratisch legitimierte Staatsgewalt ausüben soll.

      • Suryo

        @Sam Spade:

        Warum dann nicht gleich ganz konsequent sein und bei JEDER Wahl in Deutschland ALLE 84 Millionen Menschen in Deutschland abstimmen lassen? Das wird Gemeinderatswahlen vielleicht etwas aufwendiger, aber auch spannender machen…

        • Westlahn

          @Suryo:

          Ich stimme insoweit zu, als das Eltern ein Stimmrecht für Wahlen auf allen Ebenen für ihre Kinder erhalten sollten, um auch diese Staatsbürger mit einer politischen Stimme auszustatten. Das könnte die Schieflage der politischen Macht zugunsten der älteren Bevölkerung etwas korrigieren.



          Aber den -erwachsenen- JuristInnen fallen dazu immer wieder nur Gründe ein, warum das "schwierig ist" und "deshalb nicht geht".



          Könnte sein, dass es in Berlin dazu geführt hätte, dass ein paar Wohnungs(bau)konzerne schon lange staatlich sein würden....

      • Éljen a Magyar

        @Sam Spade:

        Wir haben kein "vereinigtes Europa" und werden auch in absehbarer Zeit kein "vereinigtes Europa" haben! Europa ist und bleibt auf absehbare Zeit ein Staatenbund, kein Bundesstaat, in dem die einzelnen souveränen Staaten einzelne Kompetenzen abgegeben haben.

        • Sam Spade

          @Éljen a Magyar:

          "ein Staatenbund, kein Bundesstaat, in dem die einzelnen souveränen Staaten einzelne Kompetenzen abgegeben haben."

          148 nationalstaatliche Kompetenzen unterschiedlicher Gewichtung wurden seit Gründung der EU von Deutschland nach Brüssel deligiert und sind dort in EU Gesetze und Verordnungen überführt worden. Alleine 58 davon betreffen den Außenhandel.

          Was glauben sie eigentlich wobei es sich um das Schengen-Abkommen oder das Niederlassungrecht handelt?

      • Fran Zose

        @Sam Spade:

        Nur mal so aus ernsthaftem Interesse: Wie hält es Norwegen mit dem Wahlrecht für Ausländer?

        • Sam Spade

          @Fran Zose:

          In Norwegen dürfen Ausländer an Regional- und Kommunalwahlen teilnehmen sofern sie sich im Bevölkerungsregister registriert und sich mindestens drei Jahre ununterbrochen in Norwegen aufgehalten haben.

          Eine Sonderregelung gibt es für unsere skandinavischen Nachbarn und für Island. Diese sind umgehend nach Registrierung im Bevölkerungsregister wahlberechtigt.

          Gilt auch umgekehrt für Norweger in Schweden oder Dänemark. In Schweden muss man sich 30 Tage vor der Wahl nur im folkbokförd registrieren lassen. Ein Eintrag im Melderegister reicht aus.

          An nationalen Wahlen in Norwegen dürfen hingegen nur norwegische Staatsbürger teilnehmen. Handhaben die Schweden und Dänen aber auch nicht anders.

          • Fran Zose

            @Sam Spade:

            Na sehen Sie, da darf also offensichtlich auch nicht jeder Ausländer einfach so wählen. Wo es geht, bei den historisch engsten Nachbarn Schweden und Dänemark, gibt es Sonderregeln und es beruht auf Gegenseitigkeit. Alles in allem nicht unvernünftig, aber eben auch nicht so viel anders als im rückständigen Deutschland: Die Wahl fürs Parlament bleibt an die Staatsbürgerschaft gekoppelt, für die Kommunalwahlen gelten Sonderregelungen.

            • Westlahn

              @Fran Zose:

              Es ist durchaus nicht so, dass Norwegen, Schweden, Finnland schon immer in tiefer Freundschaft verbunden waren....Aber es gibt wohl ein Einverständnis darüber, dass man etwas anders tickt als die Leute in "Südeuropa" , dh südlich von Nord- und Ostsee....=8-))

            • Sam Spade

              @Fran Zose:

              "nicht so viel anders als im rückständigen Deutschland"

              In Norwegen lief es sehr viel anders als in Deutschland, es wurde nämlich eine intensive öffentliche Debatte darüber geführt, auch im Parlament.

              Die "Taxation without representation" Kampagne wurde vom Mitte - Links Lager angestoßen. Befürworter und Gegner hielten sich zunächst die Waage.

              Im Sande verlaufen ist es durch die Tatsache, das reine Ausländer in Umfragen nur wenig Interesse an diesem Thema gezeigt haben. Der statistische Beleg des SSB untermauerte dies. Die Wahlbeteiligung bei Regionalwahlen lag bei 20-32% und damit war das Thema Nationalwahlen in der politischen Auseinandersetzung erledigt.

              In einer Demokratie geht es nicht nur darum Positionen durchzusetzen, sondern umstrittene Themen politisch und öffentlich zu behandeln, sie also überhaupt erst anzupacken und zwar ergebnisoffen.

              Das verstehe ich unter progressiv - offen sein. Das Gegenteil davon ist ein politisches Thema gar nicht erst ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, weil es aus diversen Gründen nicht ins Bild passt.

              Der grosse Unterschied zwischen Norwegen und Deutschland besteht darin, das hier alles offen ist. Selbst das Steuerregister.

              • Fran Zose

                @Sam Spade:

                Irgendwie witzig: der Artikel behandelt doch grade dieses Thema, Herr Can setzt sich dafür ein. Wie kommen Sie also zu dem Schluss, dass es keine, immer mal wieder aufflammende Diskussion hier gäbe.

                Und im Ergebnis unterscheidet sich Norwegen nicht von der Bundesrepublik, das Wahlrecht für das nationale Parlament ist an die Staatsbürgerschaft geknüpft; Ausnahmen gibt es, wie in Deutschland, auf kommunaler Ebene.



                Und um es mal klar zustellen: Ich bin nicht der Meinung, die Bundesrepublik habe in allen Belangen das beste Staatssystem und man könne sich nicht von anderen Ländern inspirieren lassen. Ganz im Gegenteil, Leute die so etwas behaupten sind mir im Höchsten Maße suspekt. Das gilt allerdings auch für Bürger anderer Staaten, die so etwas über ihre jeweiligen Heimatländer behaupten.

      • Chris McZott

        @Sam Spade:

        Ich nehme mal Ihre Argumentation auf:

        Ist es heutzutage nicht auch ein Relikt, die Wahlberechtigung an einen Wohnort zu koppeln? Mit den heutigen technischen Mitteln ist es kein Problem, in Echtzeit an den jeweiligen lokalen, regionalen oder nationalen Diskursen teilzuhaben.



        Sollten daher nicht auch alle Menschen (Europa, Welt) die deutschen Paralemente wählen dürfen?

        • sociajizzm

          @Chris McZott:

          Der Wohnort entscheidet aber welche Gesetze und in den meisten Fällen welche Steuern und Abgaben für einen gelten.



          .



          Es ist richtig, dass ein Staat auch über seine Grenzen hinaus wirkt, aber nicht einseitig.



          .



          Den meiste Handlungsspielraum und damit Wirkung auf das tägliche Leben hat eine Regierung innerhalb des Landes.



          .



          Ihr Argument spricht eher für mehr internationale Zusammenarbeit und Befugnisse für Supranationale Institutionen wie die EU.

        • Francesco

          @Chris McZott:

          Der Wohnort entscheidet darüber, ob ich von den Gesetzen und dem Verwaltungshandeln betroffen bin.

          • Westlahn

            @Francesco:

            Nein, eine Menge Gesetze haben Auswirkungen auf Menschen, die noch nie einen Tag in Deutschland waren. Zum Beispiel im Steuerrecht. Selbst im Verkehrsrecht. Gesetze zur Einreise oder Einwanderung. Im Gesundheitsrecht.

  • Nüssgen

    @gesunder Menschenverstand . Hat mich auch interessiert, leicht herauszufinden

    In 14 EU-Ländern gilt auf Kommunalebene ein Wahlrecht für Drittstaatsangehörige, meist gekoppelt an Mindestaufenthaltszeiten.:

    Belgien (5 Jahre), Dänemark (4 Jahre), Estland (5 Jahre via Daueraufenthaltsrecht), Finnland (2 Jahre), Irland (0 Jahre / keine Mindestdauer), Litauen (5 Jahre via Daueraufenthaltsrecht), Luxemburg (0 Jahre / keine Mindestdauer), Niederlande (5 Jahre), Portugal (2 bis 5 Jahre je nach Herkunftsland), Schweden (3 Jahre), Slowakei (5 Jahre via Dauerwohnsitz-Status), Slowenien (5 Jahre via Dauerwohnsitz-Status), Spanien (3 bis 5 Jahre je nach bilateralem Abkommen), Ungarn (Nach staatlicher Anerkennung als Flüchtling oder 5 Jahre via Daueraufenthaltsrecht)

    Und zusätzlich auf nationaler Ebene:

    Irland (0 Jahre / keine Mindestdauer für dort ansässige britische Bürger), Portugal (3 Jahre für brasilianische Staatsbürger)

    Proudly assembled by carbon-based brain cells, with a tiny bit of algorithmic grease from your friendly neighbourhood AI, who promises it didn't just hallucinate these numbers to sound smart.

  • Moon

    M. M. n. ist Can zu vorschnell mit der Problematik. Er sagt, „dass Staatsbürgerschaft nicht die Grundlage für das Wahlrecht sein darf“. Was wäre, wenn anders? Es ginge „um eine neue Erzählung von Nation und demokratischem Zusammenleben“. Eine theoretische Überlegung, an der ich theoretische Zweifel habe. „Staat“ ist über sein Territorium hinaus (wenn demokratisch) „Staatsraum“ mit einer durch Verfassung gesetzten Rechtsordnung und den da wirkenden Staatsorganen für die Verfassungsmitglieder, die in ihm ihre Belange durch Wahlen regeln. Es hieße letztendlich, das Regeln dieser Belange der Zufälligkeit zu überlassen, sie also zu beschädigen, könnten daran auch andere, nicht diesem Raum angehörige beliebig teilnehmen, z. B. je nach gerade statt findenden Aufenthalten auch längerer Art. Das wäre die unsichere staatliche Grauzone einer „schwachen“ Staatsbürgerschaft zweiter Art mit Eintritt durch die Seitentür die keinem hilft u. den Verfassungsraum funktional beschädigen könnte.



    Mit der EU als supranationale Organisation“ beginnen ihre Mitgliedsländer gerade erst, ihnen angemessene Formen von Staatbürgerschaft zu entwickeln. Das ist noch aber noch keine stimmige „neue Erzählung“.

  • Agarack

    "Übrigens ist das auch ein gutes Rezept gegen die AfD und ähnliche politische Strömungen."



    Ich halte das für ein eher fernliegendes Argument. Im Grunde sagt man: Um Ausländerfeindlichkeit zu bekämpfen, lasse ich Ausländer wählen. Es befördert zudem die gesellschaftliche Spaltung. Wer die deutsche Staatsbürgerschaft nicht beantragen "will" (wie es im Text explizit genannt wird), der soll bitte auch kein Recht haben, über die Geschicke des deutschen Staates zu bestimmen. Staatsbürgerliche Rechte ohne staatsbürgerliche Pflichten halte ich nicht für wünschenswert und demokratietheoretisch inakzeptabel.

  • Moon

    Ich bin da eher der gegenteiligen Meinung. Ein Wahlrecht für Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft würde der auch diversen Migrationsgesellschaft Deutschlands gerade nicht gerecht werden. Letztendlich könnte das unter Umständen, so meine Befürchtung, sogar zu weniger Schutz für in Deutschland lebende ausl. Mitbürgerinnen u. Mitbürger führen.



    Man sieht konkret die Gefahr der Einflussnahme ausl. Politiken auf die demokratischen Entscheidungsfindungsprozesse zur Regelung der gesellschaftlichen Lebensverhältnisse in Deutschland, welche durch solche Einflussnahme dysfunktional u. und undemokratisch würden. Man sieht es am Verhältnis Deutschland – Türkei, an den Auswirkungen des Palästinakonflikts in Deutschland. Wir können aber in D. keine türkische Politik machen, auch keine französische z. B. und D. kann nicht zum Austragungsort z. B. des Palästinakonflikts werden. Eben das aber geschieht schon zum Nachteil ALLER. Die Vergabe des Wahlrechts an ausl. Personen auch schon auf kommunaler Ebene könnte das Wahlrecht verstärkt zum Hebel solcher Einflussnahme werden lassen u. Konflikte zwischen Gruppen schüren, die vor diesen Konflikten in D. Schutz brauchen.

  • economista

    Warum sollen immer wir Deutschen mit neuen Ideen voran gehen? Können wir nicht abwarten, bis andere Staaten ein Wahlrecht für alle einführen und von ihren Erfahrungen profitieren?

    Weil wir in den vergangenen Jahren verhältnismäßig offen waren und viele Migranten aufgenommen haben, gibt es besonders viele Einwohner ohne Wahlrecht. Daraus aber eine Bringschuld der Deutschen zu konstruieren, halte ich für verfehlt. Wenn Ausländerwahlrecht sich international etablierte, wäre es was anderes. In diesem Falle sollten wir nachziehen.

    • Sam Spade

      @economista:

      "Warum sollen immer wir Deutschen mit neuen Ideen voran gehen?"

      Würde mich interessieren mit welchen Ideen Deutschland im 21 Jahrhundert vorangegangen ist.

      Gleichgeschlechtliche Ehen, Kommunalwahlrecht für Ausländer, Anerkennung Non Binärer, Equal Pay etc wurde alles aus dem Ausland mit reichlich Verzögerung übernommen.

      Mir fällt partout nichts ein bei dem Deutschland in Bereich neue Ideen in den letzten Jahrzehnten ein Vorreiter war. Aber etliche Punkte in denen es noch zurückliegt. Einige Vorschläge:

      Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, Ja heißt Ja Regelung, Catcalling als eigener Strafttatbestand.

      Das war jetzt nur ein Auszug aus dem Themenbereich Frauenrechte.

      • Offebacher

        @Sam Spade:

        Zumindest haben wir den Walfang vor langer Zeit schon abgeschafft. Norwegische Walfänger haben dieses Jahr über 400 Zwergwale getötet.

        • Sam Spade

          @Offebacher:

          Für mich als Küstenbewohner ist der Walfang seit Kindertagen ein rotes Tuch.

          Der einheimische Verzehr von Walfleisch obliegt den älteren Generationen, die lassen nicht von ihren Gewohnheiten ab. Jüngere Generationen essen kein Walfleisch und die Quote beim Verzehr ist seit Jahren rückläufig und liegt mittlerweile bei unter 1% der norwegischen Bevölkerung.

          Macht sich dann auch bemerkbar in den Fangquoten, die seit Jahren nicht mehr ausgeschöpft werden. Aber auch wenn offiziell 1600 Wale zum Abschuss freigegeben wurden, sind 418 getötete Wale noch 418 zuviel. Die Zeit dürfte es regeln, auch ohne Handlungen der Regierung.

          Ich wünschte mir auch von deutschen Verbrauchern bei anderen Arten ein derartiges Eintreten für den Tierschutz, besonders beim Zuchtlachs. Hier ist Deutschland der größte Abnehmer von Lachs aus der norwegischen Massenzucht.

          Es gibt auch guten norwegischen Zuchtlachs aus nachhaltiger Produktion. Den habe ich in Deutschland allerdings nur in einem einzigen Bio Markt finden können.

          Wenn sie sich also für die Nachhaltigkeit in norwegischen Gewässern engagieren möchten, einfach bei den großen Supermarkt ketten in Deutschland intervenieren. Sind ja bloß 4.

      • Westlahn

        @Sam Spade:

        Ich glaube wir waren die ersten mit serienmässiger Sitzheizung in Autos. Und mit Klorollen auf der Hutablage.

      • economista

        @Sam Spade:

        Wir sind das erste Industrieland, das alle seine Kernkraftwerke ausschaltet und gleichzeitig Kohlekraftwerke außer Betrieb nimmt, um dann neue Gaskraftwerke zu bauen, die bis 2045 allesamt wieder vom Netz gehen müssen.

        Früher waren wir das Land der Erfindungen. Zugegeben schon lange her.

  • Gesunder Menschenverstand

    In welchen 14 EU-Ländern gibt es ein Wahlrecht ohne Pass? Das wäre mal eine hilfreiche Information zur Diskussion.

    • marilyn.hanson

      @Gesunder Menschenverstand:

      Also, die kostenlose Version der Google-KI in der Suchmaschine sagt:



      "Die 14 EU-Länder, die Drittstaatsangehörigen (Personen ohne Pass eines EU-Staates) unter bestimmten Bedingungen ein aktives Kommunalwahlrecht gewähren, sind:



      * Belgien



      * Dänemark



      * Estland



      * Finnland



      * Irland



      * Litauen



      * Luxemburg



      * Niederlande



      * Portugal



      * Schweden



      * Slowakei



      * Slowenien



      * Spanien



      * Ungarn

      Wichtige rechtliche Differenzierung:



      * Kommunalebene: Das Wahlrecht „ohne Pass“ bezieht sich in diesen Ländern fast ausschließlich auf Kommunalwahlen (lokale Wahlen). Ein allgemeines Wahlrecht bei nationalen Parlamentswahlen bleibt weiterhin an die jeweilige Staatsbürgerschaft geknüpft.



      * Mindestaufenthalt: Die Erlaubnis ist in der Regel an eine bestimmte Dauer des rechtmäßigen Wohnsitzes im jeweiligen Land gekoppelt (z. B. 6 Monate in Irland, 2 Jahre in Finnland oder 5 Jahre in den Niederlanden).



      * Gegenseitigkeit (Reziprozität): Einige Länder wie Spanien oder Portugal gewähren das Wahlrecht nur Bürgern aus Drittstaaten, deren Heimatländer im Gegenzug auch spanischen oder portugiesischen Staatsbürgern das Wahlrecht einräumen.

      * EU-weit darf jeder wohnhafte EU-Bürger an EU- und Kommunalwahlen teilnehmen"

  • Zangler

    Grundsätzlich gehe ich konform. Das Wahlrecht sollte einfacher zu erlangen sein und von der Staatsbürgerschaft entkoppelt werden. Ein unbefristetes Aufenthaltsrecht zumindest sollte genügen.



    Zugleich, aber das ist ein anderes Thema, müssen Einbürgerungen erleichtert und beschleunigt werden, ebenso muss natürlich auch der Weg aus der Dauerduldung ermöglicht werden. Beides erhöht die Beteiligung von Inländer:innen mit ausländischer Geburtsstaatsangehörigkeit.



    Bei Herrn Can klingt es jedoch auch für meinen Geschmack zu sehr nach "lassen wir einfach alle wählen". Wer an inländischen Diskursen nicht teilnehmen kann, weil sie die Sprache nicht beherrschen, sollte auch nicht wählen dürfen.



    Als persönliche Bemerkung: Würde ich aus Deutschland auswandern, würde ich es nicht anders halten und nicht anders erwarten: Ich werde nach einer rationalen Zeit (drei bis fünf Jahre erscheinen angemessen), die ich im Ausland lebe und arbeite, dort eingebürgert werden wollen und selbstverständlich nicht mehr in Deutschland wählen, wenn nötig auch meine deutsche Staatsbürgerschaft abgeben (wer freiwillig auswandert, braucht die Staatsbürgerschaft des Herkunftslandes nicht).

    • Francesco

      @Zangler:

      Warum soll man sich entscheiden müssen? Warum soll sich ein Auswanderer nicht die Möglichkeitczur Rückkehr offen halten? Wenn Sie innerhalb Deutschlands umhiehen, müssen Sie sich ja auch nicht dauerhaft für ekn Bundesland entscheiden.

      • Zangler

        @Francesco:

        Wer von Süd- nach Nord-Schleswig (bzw. -Tondern etc.) umzieht oder von Görlitz über die Flussbrücke nach Zgorzelec, also in den Nachbarort, muss sich aber entscheiden, und könnte sich auch wieder anders entscheiden, ggf. mit entsprechender Wartedauer. Darüber hinaus schrieb ich „wenn nötig“.



        Und Sprachkenntnisse sind insofern wichtig, dass die Wahlberechtigten sich schon ein Bild von der politischen Lage machen und mit den Wahlhelfer:innen kommunizieren können müssen. Auch hier ließe sich diskutieren, ob Kenntnisse von anerkannten Regional- und Minderheitensprachen genügen sollten, aber die einsprachigen Sorbisch- oder Friesischsprachigen dürften auch Sie nicht finden. Wo es sonst deutsche Staatsbürger:innen ohne Deutschkenntnisse geben könnte, weiß ich nicht. (Okay, theoretisch wäre es möglich, dass sich jemand um die deutsche Staatsbürgerschaft bewirbt und nur Romanes spricht ...).



        Und ich persönlich verstehe auch nicht, warum Leute eine Staatsbürgerschaft eines Staates haben sollten, dessen offizielle Sprachen sie sämtlich nicht beherrschen, oder dessen Territoriale sie freiwillig dauerhaft verlassen haben.

    • Francesco

      @Zangler:

      Auch Deutsche, die kein Deutsch können, dürfen wählen.

  • curiouscat

    Ich finde es gerade zu verwerflich mit welch einer Selbstverständlichkeit in diesem Interview das Wort Remigration benutzt wird. Wenn selbst jemand mit diesem Verständnis von Wahlrecht (irgendwo hin ziehen und dort jahrelang leben und eine Zukunft aufbauen aber aus irgendwelchen Gründen nicht die Staatsbürgerschaft haben wollen) welches ich z.B. nicht teile dieses Wort, dieses Narrativ und diesen Euphemismus so lapidar benutzt dann haben die Extremen Rechten ja genau das hinbekommen was sie wollten! Dann hat die Strategie der Normalisierung des Begriffs samt Verschleierung was es heißt ja funktioniert. Wofür waren wir alle auf der Straße und haben demonstriert wenn selbst dieser Herr dann das Wort in seinen allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen hat?

    • Dr. McSchreck

      @curiouscat:

      Den Begriff gab es schon vor der AfD, sie hat ihn nur in ein neues Licht gerückt.

  • Mack

    Lesenwerrt dazu ist der Beitrag in der ZRP 2026, 178: "Das Grundgesetz geht (...) von einer untrennbaren Verbindung von Wahlrecht und Staatsangehörigkeit aus. Bei näherem Hinsehen ließe sich eine derartige Modifikation der Volkssouveränität also nicht einmal im Wege einer Verfassungsänderung einführen." Man kann sich eine solche Debatte also sparen.

    • Francesco

      @Mack:

      Richtig ist, dass das BVerfG davon ausgeht. Dass im Satz "alle Staatsgewalt geht vom Volk aus" mit Volk nur Staatsbürger gemeint sind, ist Interpretation.

      • Westlahn

        @Francesco:

        Und die Interpretation des Bundesverfassungsgericht ist ja wohl bindend. Denn genau dafür ist es da. Das Verständnis des BVerfG ist nicht einfach eine Meinung unter vielen.

    • Sam Spade

      @Mack:

      Diese Aussage beruht auf dem Grundsatzurteil des BVerfG von 1990. Nach Auffassung des Gerichts bezieht sich "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ (Artikel 20 Abs 2 GG) auf das deutsche Staatsvolk.

      Damit ist aber keinesfalls die Debatte beendet. Es gibt juristisch auch so etwas wie einen Verfassungswandel. Der hat u.a. bewirkt das auch EU Bürger in Deutschland ein aktives und passives Wahlrecht ausüben können. Was bei einer rechtlichen Auslegung von Artikel 20 GG im Wortlaut ausgeschlossen gewesen wäre.

      • Éljen a Magyar

        @Sam Spade:

        Da das Wahlrecht für EU-Bürger nur auf Kommunalebene gilt, ist dadurch eben nicht die "Staatsgewalt" betroffen, da eine Teilnahme an Wahlen zu gesetzgebenden Körperschaften (Landtage, Bundestag) damit ausgeschlossen ist.

        • Sam Spade

          @Éljen a Magyar:

          Kommunen (Städte, Gemeinden und Landkreise) zählen zur exekutiven Staatsgewalt.

    • Chris McZott

      @Mack:

      Genau so.

      Deutschland soll offen für jeden und die Einwanderer sollen möglichst schnell wahlberechtigt sein - und könnten zum Beispiel den Nachzug weiterer Landsleute vereinfachen. Damit hätten die Deutschen keine Souveränität über Territorium und Staatsvolk mehr. Theoretisch könnte dann ein (menschenreicher) feindlich gesonnener Staat durch Migration eine ihm genehme Deutsche Regierung wählen lassen (oder zumindest den politischen Prozess stark beeinflussen) - Putin schickt 5 Mio. Menschen und übernimmt 2-3 Bundesländer. Modus China in Tibet.

      Die rechten "Umvolkungs"theorien würden wahr...

      • Francesco

        @Chris McZott:

        Das Staatsvolk hat Souveränität über das Staatsvolk?

  • Klabauta

    Jeder Mensch sollte dort wählen, wo er/sie seinen/ihren dauerhaften Lebensmittelpunkt hat. Als dauerhaft würde ich ca. 5 Jahre ansehen. Gleichzeitig ginge er/sie auch bei doppelter Staatsbürgerschaft des Wahlrechts im Herkunftsland verlustig.



    Warum sollte man über die Verhältnisse in einem Land mitbestimmen dürfen, in dem man sich nicht aufhält und andererseits keinen Einfluss auf jene Verhältnisse ausüben, unter denen man lebt?

    • Francesco

      @Klabauta:

      Das sehe ich auch so. Bis zur Wiedervereinigung durften Deutsche, die länger im Ausland lebten, in Deutschland nicht wählen. Und als Deutscher, der z.B. aus BW nach Berlin umzieht darf dort nach wenigen Wochen wählen. Im Gegensatz zum Türken, der dort schon seit Jahrzehnten lebt.

      • Éljen a Magyar

        @Francesco:

        Wenn dem Türken in ihrem Beispiel nach Jahrzehnten so wenig an Deutschland liegt, daß er keinen Wert auf die deutsche Staatsangehörigkeit legt, dann ist auch nicht einzusehen, warum ihm ein Wahlrecht zugestanden werden soll.



        Wie wäre es mit einer einfachen Regelung: das Wahlrecht wird nicht mehr an die Staatsbürgerschaft, sondern an den Wehrdienst bzw. die Wehrpflicht gekoppelt, die dann natürlich für Männer und Frauen gleichermaßen gilt. Wer für Deutschland politische Entscheidungen fällt, soll im Zweifel auch für die Konsequenzen dieser Entscheidungen einstehen müssen.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Klabauta:

      Klingt vernünftig.

    • rero

      @Klabauta:

      Ihr Vorschlag ist keine Regelung, wo ich sofort raus bin.

      Würde dann aber auch bedeuten, dass man genauer hinschauen müsste, wen man hier seinen Lebensmittelpunkt überhaupt nehmen lässt.

      Bisher konnte man das entspannter sehen.

      Zugewanderte Demokratiefeinde konnten wenig Schaden anrichten.

      Ggf. haben sie halt nicht die Voraussetzung für eine deutsche Staatsbürgerschaft.

      • sociajizzm

        @rero:

        Demokratiefeinde mit deutscher Staatsbürgerschaft gibt es im Millionenhöhe und die richten genügend Schaden an.



        .



        Das würde den Braten nicht fett machen.



        .



        Best case Scenario wird der bestehende politische Einfluss der Antidemokraten reduziert.

        • Westlahn

          @sociajizzm:

          Kann man die Demokratiefeindschaft deutscher StaatsbürgerInnen einigermaßen sicher feststellen, gibt es dafür die Möglichkeit, das aktive Und oder passive Wahlrecht zu entziehen.

  • mechanique_unicorn

    Diskussion über das Verhältnis zwischen allen Bewohnern eines Einwanderungsstaates und den bürgerlichen Rechten sind wichtig - und Partizipation ist es umso mehr, soll das Miteinander auf Augenhöhe geschehen.

    Leider kommt das Interview mit Herrn Can jedoch ohne eine Debatte um brügerliche Pflichten aus. Rechte und Pflichten kann es nur in einem fairen Trade-Off geben. Staatsbürger können schließlich bei Bedarf herangezogen werden zum Schöffen-, Wehr-, Wahlhelfer- oder Feuerwehrdienst.

    Auch diese Pflichten stützen die Zivilgesellschaft. Bleibt ein Diskurs über die "unangenehme" Seite des Staatsbürgertums beim Aufweichen des Staatsvolksgedankens aus, so wirkt es doch allzusehr nach dem Picken fetter Rosinen.

    • Francesco

      @mechanique_unicorn:

      Der Feuerwehrdienst hat meknes Wissens nichts mit der Staatsbürgerschaftbzu tun.

      • JSch

        @Francesco:

        und ob. Dort wo keine Freiwillige Feuerwehr in ausreichender Mitgliederstärke zusammen kommt, werden Bürger zum Feuerwehrdienst zwangsverpflichtet. Aktuell gibt es nur noch eine Pflichtfeuerwehr, aber bis vor ein paar Jahren waren es noch mehrere in Deutschland. In Zukunft werden wohl wieder ein paar dazu kommen, da nicht wenige Löschgruppen erhebliche Personalnot haben.

        • Francesco

          @JSch:

          Zum Feuerwehrdienst kann jeder Bewohner verpflichtet werden, unabhängig von der Staatsbürgerschaft.

          • mechanique_unicorn

            @Francesco:

            Hier scheinen sich die Feuerwehrgesetze der Länder im Detail zu unterscheiden. Mehrheitlich sind wohl tatsächlich alle Einwohner einer Kommune betroffen, teilweise (und das hatte ich so punktuell im Kopf) nur Bürger.



            Was die Aspekte Wahlhelfer, Wehrdienst, Schöffendienst aber auch nicht entwertet.

  • Chris McZott

    Das halte ich nicht nur strategisch unklug sondern tatsächlich auch sachlich völlig falsch. Das ist eine reine Mitnahmementalität von Hr. Can. Wenn ich die Politik eines Vereins mitgestalten will, muss ich diesem eben beitreten.

    Würde die Linkspartei akzeptieren, dass deren Vorstand (auch) von Mitgliedern anderer Parteien gewählt werden würde? Welchen Sinn ergäbe das?

    • marilyn.hanson

      @Chris McZott:

      Ja, zumindest gab es phasenweise Parteien, die Programmpunkte von Parteitagen oder sogar Kandidat*innen für Parteiämter auch extern haben mitwählen lassen! Das hatte den Sinn, dass man Nicht-Parteimitglieder, die sympathisieren, enger an sich bindet und hofft, dass diese die Partei dann bevorzugt auch an der Wahlurne wählen. Ganz logisch, eigentlich ...

    • Francesco

      @Chris McZott:

      Ein Staat ist kein Verein. Wenn ich einem Verein nicht beitrete, dann kann ich seine Beschlüsse auch ignorieren. Bei einem Staat ist es nicht so. Der Staatsgewalt unterliegen alle, die auf dem Staatsgebiet leben, ob Staatsbürger oder nicht.

      • Westlahn

        @Francesco:

        Es unterliegen einer Staatsgewalt allerdings auch viele, die nicht im Staatsgebiet leben. Ignorieren Sie testweise Geschwindigkeitsbeschränkungen in Dänemark bei der touristischen Durchreise....dann bekommen Sie glashart ein Exempel....Aber Sie dürfen deswegen nicht in Dänemark wählen.. .

  • AugenhöheStattTribalismus

    Ja, das wäre wirklich schön.

    Bin seit 54 Jahren in Deutschland und darf leider nur den Stadtrat mit wählen. Wieso ich dann nicht bei der Bundeswahl mit machen darf, erschließt sich mir nicht. Steuern zahlen, darf ich dagegen schon.

    • Manuel Im

      @AugenhöheStattTribalismus:

      Darf ich fragen was Sie daran hindert die Deutsche Staatsangehörigkeit zu beantragen?



      Gibt es Hürden aufgrund Ihres Herkunftlandes, oder haben Sie keinen Sinn darin gesehen?

    • Machiavelli

      @AugenhöheStattTribalismus:

      Sie können sich einbürgern lassen, dann dürfen sie auch wählen.

      • marilyn.hanson

        @Machiavelli:

        Nicht jedeR kann das, weil man meist die bisherige Staatsbürgerschaft aufgeben muss - vorher! und dann ggf. auch noch ohne Garantie, die deutsche am Ende wirklich zu bekommen und, wie man sieht, auch zu behalten. Und es gibt einige Staaten, z. B. Iran, die aus Prinzip ihre Staatsbürger*innen nicht aus der bisherigen entlassen. Dann konnte man sich über die längsten Phasen der BRD in Deutschland schlicht nicht einbürgern lassen. Wie es jetzt aktuell wieder ist, entzieht sich aber meiner Kenntnis.

        • Desti

          @marilyn.hanson:

          Das ist nicht ganz korrekt. Bei Staaten, die ihre Bürger nicht aus der Staatsbürgerschaft entlassen, ist eine Einbürgerung möglich. Und das schon sehr lange.

          Die Staaten, bei denen das so ist, sind natürlich auch den jeweiligen Behörden bekannt.

        • Walterismus

          @marilyn.hanson:

          Na dann ist doch die Frage warum man die Staatsbürgerschaft behalten will, wenn man seit 54 Jahren in Deutschland lebt. Vielleicht dann doch weil man auch in dem Heimatland wählen will?

  • Fran Zose

    Nun, ein gutes Mittel gegen ein weiteres Erstarken der AfD wäre gute Politik und nicht eine wahllose Vergabe des Wahlrechts an jeden, der es irgendwie nach Berlin geschafft hat. So etwas zu fordern hingegen ist für viele ein Argument AfD zu wählen, so sieht es doch aus. Und es ist ja nun wirklich nicht so, dass unter allen Migranten die nicht wählen dürfen sich nur lupenreine Demokraten befinden würden und Vertreter einer weltoffenen, liberalen Gesellschaft.

    • Francesco

      @Fran Zose:

      Aber unter den deutschen Staatsbürgern?

      • Fran Zose

        @Francesco:

        Nein und habe ich auch an keiner Stelle behauptet.

        • Francesco

          @Fran Zose:

          Dann ist das kein Argument gegen das Wahlrecht für Migranten.

          • Westlahn

            @Francesco:

            Doch. Ist es wohl.

        • marilyn.hanson

          @Fran Zose:

          Na, dann spricht ja aber auch nichts dagegen in Ihrer Logik. Wenn sich der Grad von Liberalismus zu Autoritarismus bei denen, die jetzt schon wählen, nicht signifikant unterscheidet von denen, die das Wahlrecht neu erlangen würden, dann wäre das ein Nullsummenspiel, und es fände zusammen, was im Leben und Wirtschaften eh schon längst zusammengehört - aber eine Vorenthaltung wäre dann einfach ein bewusstes, recht willkürliches Versagen von Repräsentation ...



          Vielleicht wären die Neuwähler*innen ja dann auch noch nicht gleich so doof und würden sofort AfD wählen, wenn sie wissen, dass die AfD ihr Wahlrecht und eigentlich ihren Aufenthalt in Deutschland ablehnt - das würde dann die AfD wahrscheinlich in Summe wieder schwächen an der Wahlurne.

          • Fran Zose

            @marilyn.hanson:

            Nun, mein Beispiel sollte lediglich verdeutlichen, was für eine irrige Annahme es ist, dass man durch das wahllose Vergeben des Wahlrechts automatisch bessere Ergebnisse erzielen würde, da fragwürdige Einstellungen sowohl bei Einheimischen wie bei Ausländern bestehen. Ich bin ausdrücklich gegen eine beliebige Vergabe des Wahlrechts; insbesondere dann, wenn es wie von Hrn. Can angedeutet geschehen soll, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Das finde ich geradezu skandalös.

    • bloggerlogger

      @Fran Zose:

      Das einzige Argument diese #scheissaFd zu wählen ist persönliche Unzufriedenheit. Diese Blauenen zu wählen ist höchst unpolitisch, weil die meisten gar nicht ahnen, das sie ihren eigenen Untergang wählen .. aber der Frust vernebelt den Kopf. Und die Hetzerei dieser Hetzsekte zieht ..

      • Altbayer

        @bloggerlogger:

        Und ich bleibe weiterhin dabei: "Der Osten" WILL dass man MIT IHNEN redet, und nicht ÜBER SIE! Sonst wäre die CDU "heute noch" in Meck-Pomm vertreten!

        • Westlahn

          @Altbayer:

          Ist etwas off topic, aber wassauchimmer "der Osten" sein mag: Es wurde und wird seit Jahrzehnten intensiv mit "dem Osten" geredet. Zum eispiel in den fünf (!) Ländervertretungen im Bundesrat für gerade einmal 16 Millionen Leute. Frau Merkel hat wohl auch 16 Jahre lang geredet. Und das gerade die neue Wählerschaft der AfD mit "reden" zu erreichen wäre, darf bezweifelt werden. Es geht wohl eher um die Aufrechterhaltung des Geldflusses von West nach Ost.

      • Fran Zose

        @bloggerlogger:

        Ich gehe mit Ihnen konform, dass es wirklich extrem dumm ist die AfD zu wählen. Mit dem Rest wäre ich aber vorsichtig; es ist weniger die persönliche Unzufriedenheit (bezogen auf die eigene Situation) als eine politische Unzufriedenheit, welche die AfD zu adressieren weiß.

  • C. Avestruz

    Klingt erstmal nach einer fairen Idee. Wenn man sich allerdings bewusst macht, dass z.B. der autoritäre Präsident Erdogan unter Berliner Türken mehr Rückhalt hat, als in der Türkei selbst, bin ich mir nicht mehr so sicher.

    • Francesco

      @C. Avestruz:

      Wieviele Berliner Türken haben denn bei den türkischen Präsidentschaftswahlen teilgenommen? Wenn das ein Argument ist, dann dafür, dass Staatsbürger, die dauerhaft im Ausland wohnen, nicht wahlbetechtigt sein sollen.

  • Joba

    Kann dieser Forderung durchaus etwas abgewinnen, sie kommt im gegenwärtigen gesellschaftlichen Klima aber aus meiner Sicht zur Unzeit. Zu viele Leute, darunter auch Eingebürgerte, sehen in Migration und vor allem mangelnder Integration ein Problem. "Wahlrecht für alle" wird als Bedrohung empfunden, die noch mehr Menschen unkontrolliert ins Land lockt, nur damit Parteien Stimmen einfangen von Leuten, die mit deren eigentlichen Positionen z.B. zum Geschlechterverhältnis, gar nichts am Hut haben und unter sich weiter ihr eigenes Ding durchziehen. Damit wäre dem Ziel eines friedlichen Zusammenlebens von Menschen verschiedenster Hintergründe ein Bärendienst erwiesen. Viele "Eingeborenen", die für ihr Wahlrecht (leider) keinen Integrationsnachweis benötigen sehen das als Angriff auf ihre Rechte, die sie nicht ohne weiteres teilen wollen. Solches Denken ist kein ausschließlich deutsches Phänomen. Der "Kairos" für den Vorschlag ist einfach nicht da und ich weiß nicht, wie gegenwärtig auf ihn hingearbeitet werden könnte. Ich fürchte, er nützt eher den Falschen.

  • Fairness85

    Herr Can, die Mehrheit der türkisch stämmigen Betliner wählten Erdogan .....ohne seine treue Auslandtürken keinen Erdogan Sieg.



    Soweit die Realität.....politisch dürfte die Mehrheit hier zuland der CDU nahe stehen. Inhaltlich auch grosse AfD Zustimmung....NOCH ABER NUR NOCH nicht wählbar.



    Vieles stimmt überein mit der AfD, das Frauenbild von der Mehrheit der türkisch stämmigen Berliner deckungsgleich mit AfD Vorstellungen.



    Von hartem Kern der Moschee Community ganz zu Schweigen, da ist Rechts die Normalität

    • Francesco

      @Fairness85:

      »Herr Can, die Mehrheit der türkisch stämmigen Betliner wählten Erdogan«



      Derjenigen, die an den türkischen Wahlen teilgenommen haben.

      • Birger Gerling

        @Francesco:

        Welche Mehrheit die Nichtwähler gewählt haben, lässt sich wohl kaum erfassen...

        • Francesco

          @Birger Gerling:

          Wieviele türkische Staatsbürger in Deutschland nehmen denn überhaupt an Wahlen in der Türkei teil? Wer Deutschland als sein Zuhause ansieht, wird eher nicht an Wahlen in der Türkei teilnehmen. Deshalb kann man aus dem Wahlverhalten deutscher Türken bei türkischen Wahlen nicht auf das Wahlverhalten bei deutschen Wahlen schließen. Weil die Gruppe der Wähler eine andere ist.

  • wheredallthegoodpeoplego

    Das sehe ich konträr. Wer keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, unabhängig davon, was die Gründe dafür sind, hat kein Wahlrecht. Ich persönlich bin auch gegen den Doppelpass. Das sind alles "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!" - Argumente, die hier ins Feld geführt werden. Diese Diskussion auf die Art zu führen, spaltet die Gesellschaft weiter und ist wieder nur Wasser auf die Mühlen der Rechtsradikalen.

  • Thomas Koll

    Ich bin mir sicher würde man zum Thema Integration, Staatsbürgerschaft und Wahlrecht einen Bürgerrat auswählen, reden und abstimmen lassen wäre das Wahlrecht nach ein paar Jahren Aufenthalt eine der Empfehlungen. Herrn Can fehlt der Druck aus der Zivilgesellschaft und das ist im Sinne dass die Politik, Gesetzgebung und oft auch die Medien hinter der Gesellschaft herhinken.

  • Nachtsonne

    Mehr Beliebigkeit und damit Wahlhilfe für die AFD geht kaum. Gratulation!

    • Klabauta

      @Nachtsonne:

      Wie bequem man es sich in der Ecke "nützt nur der AfD" einrichten und damit alles abwehren kann, was einem nicht in den Kram passt.



      Windräder? Nützen nur der AfD!



      Mehr Rechte für Zugewanderte? Nützen nur der AfD!



      Staatliche Förderung von NGOs? Nützt nur der AfD!



      Verbrennerverbot? Nützt nur der AfD!



      usw usf.



      Ziemlich durchsichtiges Manöver.