piwik no script img

Ergebnisse der U16-Wahl in BerlinDie Jugend wählt links

Die Wahl unter Berliner Schü­le­r*in­nen zeigt: Diejenigen, die in Zukunft in dieser Stadt leben, wünschen sich eine linke Regierung.

Mit 32,8 Prozent ist die Linke klare Wahlsiegerin. Sie liegt knapp 12 Prozentpunkte vor den Grünen, für die immerhin noch 20,9 Prozent der Kinder und unter 16-jährigen Jugendlichen stimmten. Der SPD gaben 11,9 Prozent der jungen Nichtwahlberechtigten ihre Stimme. Auf dem vierten Platz landete die CDU mit 8,3 Prozent.

Das ist das Ergebnis der U16-Wahl in Berlin, das die Veranstalter am frühen Montagnachmittag bekannt gegeben haben. Bei der Wahl konnten in der vergangenen Woche alle unter 16 ihre Stimme symbolisch abgeben. Bis Freitagabend hatten dafür rund 300 Wahllokale in Jugendfreizeiteinrichtungen, Schulen oder Bibliotheken geöffnet.

taz Talk zur Abgeordnetenhauswahl

Enteignung als Lösung – oder das Ende von Rot-Rot-Grün?

Di., 15.09.2026, 19:00 Uhr, taz Kantine: Anmeldung

Die Mietenkrise bestimmt den Wahlkampf, doch die Vergesellschaftungsfrage spaltet die Parteien. Knapp eine Woche vor der Berlin-Wahl am 20. September gehen wir den Fragen nach: Wie können sich SPD, Linke und Grüne doch zusammenraufen, ohne den demokratischen Auftrag der Ber­li­ne­r:in­nen zu ignorieren? Führt die Enteignungsfrage Berlin in eine politische Sackgasse, von der am Ende nur die Konservativen profitieren? Und was bringt eine Enteignung eigentlich?

Im Gespräch:

Sebastian Schlüsselburg ist Mitglied des Abgeordnetenhauses, ehemals für die Linke, seit 2025 für die SPD.

Katrin Schmidberger ist Mitglied des Abgeordnetenhauses und Sprecherin für Mietenpolitik für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Rouzbeh Taheri ist Neuköllner Direktkandidat der Linken für das Abgeordnetenhaus. Er war Mitgründer und Sprecher der Initiative Deutsche Wohnen & Co Enteignen.

Eintritt frei. Platzreservierung erforderlich

Die Teilnahme in der taz Kantine (Friedrichstraße 21) ist nur mit einem im Voraus gebuchten Ticket möglich. Wir bitten Sie daher um eine Anmeldung. Die Plätze sind begrenzt, der Eintritt ist kostenlos. Der Zugang zur Veranstaltung ist barrierefrei. Zusätzlich wird die Veranstaltung im Livestream übertragen.

Und auch auf dem fünften Platz ist bei der Abstimmung der unter 16-Jährigen noch keine Spur von der AfD zu sehen. Die in Teilen rechtsextreme Partei liegt in aktuellen Umfragen zur Berlin-Wahl am Sonntag im ähnlichen zweistelligen Bereich wie die Linke, die CDU und die Grünen. Die noch nicht wahlberechtigten Schü­le­r*in­nen zogen ihr aber mit 7,7 Prozent die Tierschutzpartei noch vor. Die AfD kam mit 5,8 Prozent daher nur knapp über die Fünf-Prozent-Hürde und liegt auf dem sechsten Platz.

Ginge es nach den unter 16-jährigen Berliner*innen, hätte die Linke in Neukölln mit 51,3 Prozent die absolute Mehrheit

Weil der Senat das Wahlalter in Berlin auf 16 Jahre abgesenkt hat, wurde aus der sonst veranstalteten U18-Wahl erstmals eine U16-Wahl. An der U18-Wahl zur Bundestagswahl hatten in Berlin laut Veranstalter knapp 32.500 junge Menschen teilgenommen.

Unterschiede in den Bezirken

Neben der symbolischen Stimme für das Abgeordnetenhaus durften die U16-Wähler*innen auch für die Bezirksverordnetenversammlungen abstimmen. Ginge es nach ihren Stimmen, hätte die Linke in Neukölln mit 51,3 Prozent die absolute Mehrheit, gefolgt von den Grünen, der SPD und der Tierschutzpartei. Ähnlich stark ist die Linke in Friedrichshain-Kreuzberg mit 47,4 Prozent.

In Pankow wären die Grünen mit 34,9 Prozent die stärkste Kraft, auch in Steglitz-Zehlendorf liegen sie vor allen anderen – und dort steht außerdem die CDU an zweiter Stelle. In Steglitz-Zehlendorf und in Mitte käme die Kleinstpartei Volt außerdem auf knapp mehr als 5 Prozent. In Lichtenberg steht die Tierschutzpartei mit 20,7 Prozent auf dem zweiten Platz (nach den Linken). In Marzahn-Hellersdorf wiederum folgt auf die Linke (37,9) die AfD.

Staatsbürgerschaft egal

Für die U16-Wahl wählen durften grundsätzlich alle jungen Menschen unterhalb der Altersgrenze. Die Staatsbürgerschaft spielte dabei keine Rolle. Für die „richtige“ Wahl am 20. September werden ihre Stimmen aber nicht gezählt. Insgesamt hatten in der vergangenen Woche knapp 39.400 Kinder und Jugendliche abgestimmt.

„Die U16-Wahl dieses Jahr zeigt: Junge Menschen interessieren sich für Politik und sie wollen mitreden“, erklärt das Landeskompetenzzentrum für Beteiligung und Demokratiebildung in der Kinder- und Jugendhilfe, das die Wahl in Berlin koordiniert hat. „Obwohl bei der diesjährigen Wahl zum Abgeordnetenhaus erstmals regulär ab 16 Jahren gewählt werden darf, spielen die Perspektiven und Anliegen junger Menschen in politischen Debatten noch immer eine zu geringe Rolle“, sagt Scarlett Strehlow vom Landeskompetenzzentrum. Dabei seien Kinder und Jugendliche von politischen Entscheidungen besonders betroffen – und müssten mit ihren Folgen am längsten leben.

Interesse wächst

Verglichen mit der letzten regulären Wahl zum Abgeordnetenhaus 2023 hätten diesmal doppelt so viele junge Menschen bei der U16-Wahl ihre Stimme abgegeben. „Die U16-Wahl schafft einen Raum, in dem junge Menschen demokratische Prozesse praktisch erleben, sich mit politischen Fragen auseinandersetzen und ihre eigenen Standpunkte entwickeln können“, sagte dazu Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU).

Tatsächlich ist die Idee, demokratische Prozesse einzuüben, sehr sinnvoll. Denn in der Demokratieforschung zeigt sich: Wer die erste Wahl auslässt, stimmt oft auch bei späteren Wahlen nicht mit ab.

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare