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Wer wird hier enteignet? Eigentum ernst nehmen

Mitsuo Iwamoto

Essay von

Mitsuo Iwamoto

Mit ihrem Geld finanzieren Mietende üppige Aktionärs-Dividenden. Dabei sind es die Bewohner*innen, die der Stadt erst ihren Wert verleihen

D ie Wände sind feucht, die Zimmer dunkel. Mitte des 19. Jahrhunderts füllt der Geruch des Aborts aus dem Innenhof die Räume vieler Berliner Mietskasernen. Oft teilen sich bis zu zehn Ar­bei­te­r*in­nen und Kinder ein einziges Zimmer. Hauswirte und Besitzer machen Betten zur doppelten Einnahmequelle, indem sie sie tagsüber an sogenannte Schlafgänger aus der Nachtschicht vermieten.

„Syphilitische und Brustkrankheiten herrschen in einer Ausdehnung, die kaum zu glauben ist“, schreibt der Fabrikantensohn Friedrich Engels über die Behausungen der Ar­bei­te­r*in­nen in seiner Heimatstadt Wuppertal. Der Berliner Fotograf Heinrich Zille kommt zu dem Schluss: „Man kann mit einer Wohnung einen Menschen genauso töten wie mit einer Axt.“

Vom Tod durch Wohnen bleiben die meisten Mie­te­r*in­nen in Deutschland heute verschont. Trotzdem ist das Thema für viele existenziell. Denn wer in Städten heute seine Wohnung verliert, dem bleibt oft nur der Stadtrand, weit entfernt von der eigenen Schule, dem eigenen Verein und den eigenen Freund*innen. Manchen bleibt auch nur die Straße. Der Median der Angebotsmieten in Frankfurt am Main liegt bei 17,80 Euro kalt pro Quadratmeter, in Köln bei 16 Euro. Junge Familien drängen sich oft in viel zu kleinen Wohnungen. Ältere trauen sich nicht, ihre alten Mietverträge für zu groß gewordene Wohnungen aufzugeben.

Während sich die Durchschnittsmiete bei Neuvermietungen bundesweit seit 2006 verdoppelt hat, stiegen die Gehälter nur um rund 50 Prozent. Die Angst vor der Verdrängung reicht mittlerweile bis tief in die Mittelschicht. Wie sind wir hier gelandet? Und was muss sich ändern, damit aus der Ware Wohnraum wieder ein Zuhause für alle wird?

Eigentum hat ein hehres Ziel. Es soll die Früchte der eigenen Arbeit vor dem Zugriff anderer schützen

Den meisten fehlt die Energie, um sich zu wehren

Es ist das Jahr 2009, als in den Excel-Tabellen von Großinvestoren eine Zahl aufploppt, die einigen von ihnen wieder Hoffnung macht. Gerade erst hat die Immobilien- und Bankenkrise in den USA die Weltwirtschaft durchgeschüttelt, Millionen Menschen verloren ihr Zuhause und ihre Jobs. Aber Fonds, Pensionskassen und Versicherungen haben ein anderes Problem: Wo lässt sich ihr Geld jetzt noch sicher und mit hoher Rendite anlegen?

Für viele heißt die Antwort deutsches Betongold. Die Zahl, die sie überzeugt, ist die 20. So niedrig ist 2009 das Verhältnis von Kaufpreis zu Jahresmiete bei Eigentumswohnungen. Heißt übersetzt: Bei niedrigen Zinsen können die Käufer den kompletten Preis einer Immobilie innerhalb von 20 Jahren wieder drinhaben. Im internationalen Vergleich sind deutsche Wohnungen damit ein Schnäppchen. Und das Angebot ist groß. Die Aufhebung der Wohngemeinnützigkeit unter Helmut Kohl und der hunderttausendfache Verkauf von kommunalen Wohnungen in den 1990er und 2000er Jahren haben den Markt geflutet. Der Run auf die heiße Ware beginnt. Das Ergebnis: Das jährliche Volumen der von Finanzunternehmen gekauften Mietwohnungen in Europa steigt von 2009 bis 2020 um mehr als 700 Prozent auf über 60 Milliarden Euro – der größte Teil der Deals entfällt auf Deutschland.

Für Mie­te­r*in­nen ist das eine schlechte Nachricht. Denn die Finanzunternehmen wollen Rendite sehen. Konzerne wie die 2015 durch die Fusion mehrerer Immobilienkonzerne entstandene Vonovia machen es sich zur Aufgabe, bei möglichst niedrigen Kosten möglichst hohe Dividenden an ihre Aktionäre auszuschütten. Bereits vorhandene Rasenflächen, Supermärkte in der Umgebung oder als Modernisierung verbuchte „smarte“ Rauchmelder: Keine Begründung ist Vonovia zu weit hergeholt, um nicht die Miete zu steigern. Dass die Mieterhöhungen vor Gericht regelmäßig für illegal erklärt werden, ist für den Konzern kein Problem. Denn dem überwiegenden Teil der Mie­te­r*in­nen fehlt die Energie, sich gegen Vonovias Maschen zu wehren.

mietenkampf

Die Mietenkrise ist existenziell. Wie ist es dazu gekommen? Warum drängen sich Studierende in Mehrbettzimmern, während Immobilien-Influencer Reichtum durch Mietrendite versprechen? Wie können sich Mietende wehren? Und was bedeutet der Erfolg von Deutsche Wohnen und Co. enteignen für die Berlin-Wahl am 20. September?

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Für viele ihrer Be­woh­ne­r*in­nen ist die Stadt wieder zu einem feindlichen Ort geworden. Ein Mietendeckel könnte kurzfristig Abhilfe schaffen. Gleichzeitig würde er eine bessere Verteilung von Wohnraum ermöglichen, indem er Umziehenden die Angst nimmt, bei Neuvermietung den doppelten Quadratmeterpreis zahlen zu müssen.

Lage, Lage, Lage

Doch um die Ausbeutung von Mie­te­r*in­nen nicht nur abzumildern, sondern wirklich zu überwinden, braucht es mehr als nur Regulierung. Es braucht ein neues Verständnis davon, wem die Stadt gehört.

Die Bodenbesitzer und Aktionäre, die von der Verdoppelung der Neuvermietungsmieten in den letzten 20 Jahren profitiert haben, wähnen sich im Recht. Sie meinen, dass es ihre Investitionen, ihre Modernisierungen und ihr Kapital seien, die den Wert des städtischen Wohnraums ausmachen. Für sie gilt der Grundsatz: Wer einen Wert erzeugt, dem gehört er auch. Doch sind es wirklich sie, die dem Leben in der Stadt seinen Wert verleihen?

Lage, Lage, Lage – es gibt wohl keinen Spruch, den angehende Im­mo­bi­li­en­mak­le­r*in­nen häufiger hören. Aus gutem Grund: Nichts entscheidet stärker über den Wert einer Immobilie.

Lage bedeutet im städtischen Kontext aber vor allem: Anbindung an soziale Infrastruktur. Wie nah ist die nächste U-Bahn-Station, gibt es einen Glasfaseranschluss oder Fernwärme? Wie weit ist es bis zur nächsten Schule, Kita oder Bibliothek? Gibt es Zugang zu Parks und ein Krankenhaus? Finden sich gute Jobs, Einkaufsmöglichkeiten und Sportvereine in der Umgebung? Wie lebendig ist die Zivilgesellschaft?

Nichts von alledem ist das Verdienst von Hauseigentümer*innen. Vielmehr sind es die öffentliche Hand, Kleinstbetriebe und die Stadtgesellschaft, die jeden dieser Werte schaffen, die die Stadt erst „in Wert setzen“, wie es die Philosophen Niklas Angebauer und Tilo Wesche beschreiben. Ihre Kreativität, ihr Gemeinsinn und nicht zuletzt ihre Steuern, die die städtische Infrastruktur finanzieren, machen die Attraktivität von Städten aus. Doch profitiert haben von dieser Attraktivität nur die Besitzenden, in Form von höheren Verkaufspreisen und Mieteinnahmen.

Eigentum soll schützen. Eigentlich

Eigentum hat ein hehres Ziel. Es soll die Früchte der eigenen Arbeit vor dem Zugriff anderer schützen. Wendet man dieses Prinzip konsequent an, müsste die Stadt all jenen gehören, die ihr als Lehrerinnen, Krankenpfleger, Fußballtrainerinnen, Müllwerker, Straßenbahnfahrerinnen und Künstler erst ihren Wert verleihen. Eigentum ernst zu nehmen, würde bedeuten, sie davor zu schützen, dass Vermietende und Immobilienkonzerne den von ihnen geschaffenen Mehrwert abschöpfen.

Privateigentum an städtischem Boden sei vor allem eine „riesige Umverteilungsmaschine“ von unten nach oben, sagt der kritische Wohnungsforscher Bernd Belina. Wie sie funktioniert, sehen Mie­te­r*in­nen jeden Monat auf ihrem Konto. Und wer sich fragt, wie viel seiner Miete nicht in den Erhalt seiner Wohnung, sondern in die Taschen von Ak­tio­nä­r*in­nen fließt, findet die Antwort in einer Studie der Bürgerbewegung Finanzwende. Für das Jahr 2021 kommt sie für vier untersuchte Immobilienkonzerne zu dem Ergebnis, dass im Mittel 41 Prozent der Mieteinnahmen als Dividende fließen. Im Jahr 2025 waren es bei Vonovia von jedem Euro gezahlter Miete immer noch ganze 30 Cent.

Diese stille Enteignung der Stadt­be­woh­ne­r*in­nen gilt als normal. Dabei ist die Alternative – kollektives Eigentum an städtischem Boden – für viele längst gelebter Alltag. In Wohnungsgenossenschaften sind Mie­te­r*in­nen die gemeinschaftlichen Be­sit­ze­r*in­nen ihres Wohnraums. In Wien gilt das Wohnen schon seit über hundert Jahren als Teil einer öffentlichen Infrastruktur, die von sozialen statt kommerziellen Grundsätzen geleitet sein soll. Und in Berlin hat der Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ gezeigt, dass 58 Prozent der Menschen dafür sind, städtischen Wohnraum der Profitlogik des Marktes zu entziehen.

Im Prinzip ist es eine Rückkehr zu den Wurzeln deutscher Wohnungspolitik. Denn auch der soziale Wohnungsbau der 1920er Jahre, durch den mithilfe von Sondersteuern und Enteignungen für Wohnungszwecke Hunderttausende gemeinnützige Wohnungen entstanden, war keine Idee der Privatvermieter. Sondern ein hart erkämpfter Sieg aller Mietenden.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mitsuo Iwamoto

Mitsuo Iwamoto Redakteur

Studium mit Schwerpunkt Internationale Beziehungen in Oxford, danach Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München. 2025 mit dem Zukunftsressort der wochentaz zu den "Top 30 bis 30" des "Medium Magazin" gewählt. Schreibt oft über Utopien, Klimalösungen, Anti-Rassismus und Palästina-Israel.
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97 Kommentare

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  • Jalella

    Mieten sind ein zentraleres Problem bei uns als die meisten auf dem Schirm haben. Immobilienbesitz im großen Maßstab sorgt für eine massive Umverteilung von unten nach oben. Und wir sind gerade in einer Nachfragekrise, während die absurden unsozialen Mieten dafür sorgen, dass die Kaufkraft von Mietern erheblich niedriger ist als sie sein könnte. Oft zahlen Menschen die Hälfte ihres Gehalts für die nahezu leistungslose Dienstleistung des Wohnens.

    Aber es geht weiter. Die Wirtschaft wird dadurch gebremst, die Löhne müssen das Niveau haben, das sie haben (bzw. höher sein) weil ein erheblicher Teil des Lohns direkt in die Taschen der Vermieter fließt (aufgemerkt liebe Unternehmer!). Und sogar der Staat zahlt den Wucherern ihre fetten leistungslosen Gewinne: Wohnungen für Geflüchtete werden vom Staat bezahlt und könnten billiger sein, das Wohngeld muss so hoch sein (bzw. höher) wegen der zu hohen Mieten und natürlich ist auch die Altersarmut gerne auf Mieten zurückzuführen.

    Wie man sieht, könnte man gleich einen ganzen Strauß an gesellschaftlichen Problemen lösen oder wenigstens abmildern wenn der Staat das Menschenrecht auf Wohnen ernst nähme.

    Wo ein Wille wäre, wäre ein Weg!

  • Astrid Sehnefeld

    Frau Schwerdtner war ja gestern bei Maischberger zu Gast und behauptete einmal mehr bezüglich der Entschädigungshöhe: "Es gibt verschiedene Schätzungen. Es könnte ein symbolischer Euro sein."



    Die Ökonomie-Professorin Monika Schnitzer von der LMU München rückte diese Behauptung gerade: "Mit einem Euro wird es nicht getan sein. Eine Enteignung wird man ganz sicher gerichtlich nicht durchhalten können. Man muss entschädigen. Wir reden über hohe Milliardenbeträge. Ich würde eher von zweistelligen Milliardenbeträgen ausgehen."



    Bezüglich des Bürgerentscheids verwies sie darauf, dass den Bürger nicht gesagt worden sei, worauf sie verzichten müssen, wenn so viel Geld für die Enteignung aufgewendet wird. Es wurde nur gefragt: 'wollt ihr billige Mieten.'



    Was die Professorin zum Ergebnis brachte: "es geht ja gerade um die Menschen, die es schwer haben, eine Wohnung zu finden."



    Dafür sei einzig die Schaffung neuer Wohnungen eine Abhilfe.



    Eine Enteignung hilft nur denen "die schon eine Wohnung haben, die sind fein raus, wer neu dazukommt, hat deswegen noch keine Wohnung."



    Gemessen am Applaus war Frau Schnitzer eindeutig im Vorteil, aber wahrscheinlich saßen da nur Aktionäre im Publikum...😉

  • Rudolf Fissner

    Der letzte Abschnitt hat es in sich. Nur verwässert er die Information des angegebenen Links. Dort heißt es nicht "Enteignungen für Wohnungszwecke" sondern "Enteignungen von Grundstücken zum Zweck des Wohnungsbaus". Auch in den zwanziger Jahren war man bereits weiter als die Enteignungsfreunde von heute. Dort investierte man in den Bau von Wohnungen, nicht in die Enteignung von Wohnungen.

  • Kabelbrand Höllenfeuer

    Mein Haus in Schöneberg wurde trotz Milieuschutz an einen milliardenschweren Investor verkauft, der sich hinter einer Luxemburger Adresse versteckt. Die erste leerstehende Wohnung wurde bereits in eine Fereinwohnung verwandelt (mit Zahlensafe im Hauseingang für den Schlüssel) und alle Mieter haben eine Mieterhöhung von 15% erhalten, in der auch gleich vorgerechnet wurde, dass man nur wegen der Kappungsgrenze von 15% die Miete nicht um 400 Euro erhöhen würde. Die obere ortsübliche Vergleichsmiete beträgt hier mittlerweile 12,59 Euro, für meine unsanierten 55 m² (Kachelofen, Bad und Küche nicht beheizbar, Haus vollständig ungedämmt und in sehr schlechtem Zustand, etc.) wären laut Mietspiegel kalt mittlerweile ca. 700 Euro fällig.



    Seit zig Jahre ist die Problematik bekannt, der Staat unternimmt nichts, weil das Lobbygeschmeiss von Haus- und Grund in den Parlamenten sitzt und der durchschnittliche Parlamentarier steigende Mieten als Wirtschaftswachstum verbucht.



    Ich arbeite bei der Bauaufsicht und habe immer öfter damit zu tun - und mit einer Leitung und einer Mehrzahl an Kollegen, die sich dafür wenig bis gar nicht interessieren.

  • Strolch

    War es nicht bis zum Jahr 2010 schick zu sagen: Ich bin doch nicht blöd und kaufe. Miete ist viel günstiger, risikofreier und zudem flexibler? Einige haben das Risiko auf sich genommen und möchten dafür Geld haben. Der eine hat in Berlin gekauft und das große Los gezogen der andere in Mecklenburg Vorpommern und hat Geld verloren. Wenn ich 2010 (oder besser noch 2001) gewusst hätte, wie sich die Apple Aktie entwickelt, hätte ich da all mein Geld reingesteckt. Jetzt im Nachgang kann ich es den anderen neiden. Vielleicht sollte ich aber auch den Aktionär sehen, der auf die Telekom setzte.

    Was ich nicht verstehe: Wenn so tolle Renditen drin sind: Wieso wird nicht einfach gebaut oder gekauft? Jede Bank finanziert einem das doch mit Kusshand, auch ohne Eigenkapital, wenn man 30% Gewinn erzielen kann, wie oben suggeriert wird. Oder hat man doch Sorge, dass das Geschäft so gut ist und scheut das Risiko?

    • Altbayer

      @Strolch:

      In der Bank gilt jedes Geschäft, welches mehr als 8 % Zinsen im Jahr verspricht, als nicht haltbar. Wie sollen dann "30%" Gewinn funktionieren?!?

  • Encantado

    "Mit ihrem Geld finanzieren Mietende üppige Aktionärs-Dividenden."



    Üppig... wo liegt denn genau die Grenze, was wäre eine akzeptable Dividende, und wer legt diese fest?

    • Jalella

      @Encantado:

      Ich besitze eine Wohnung, in der ich wohne (Rheinmain-Gebiet). Eine Verwaltungsgesellschaft verwaltet unser Haus, ich habe damit also keinerlei Arbeit. Ich zahle inkl. Heizung 390€ Hausgeld, da ist alles dabei eben sogar Heizung. Würde ich die Wohnung mieten, müsste man bei der Qualität und Lage kalt mit ca. 1400€ rechnen.

      Die Differenz ist das leistungslose Einkommen der Vermieter. Überzeugt das? Kann man daran ablesen, wie absurd zu hoch Mieten sind?

  • Thomas Zwarkat

    Vorschlag : da man zu Enteignen ja eine Entschädigung mind Verkehrswert zahlen muss, und da Wohnraum knapp ist , ist der Verkehrswert wahrscheinlich hoch. Als hier mein Vorschlag, da Berlin ja die ganze Zeit über seine Verhältnisse lebt. Spart doch erst mal 30% des Kaufpreises an. Wie dies zur Zeit jeder andere Häuslebauer auch tun muss, wenn Ihr das Geld angespart habt, können wir über die Finanzierung der restlichen 70% nachdenken. Berlin ist pleite und hat ja auch aus diesem Grund schon vor Jahrzehnten genau diese Wohnungen umsaniert verkauft! Hört endlich auf Geld zu verprassen dass Ihr nicht habt!

    • Schmetterling

      @Thomas Zwarkat:

      Ich hätte da ja auch einen Vorschlag: Da die Wohnungskonzerne ja gerne mal zu illegalen Mieterhöhungen greifen, könnte man in dem Falle ja einfach mal das Werkzeug der Vermögensabschöpfung nutzen. Vielleicht mal diese zu illegalen Zwecken genutzten Wohnungen konfiszieren - kommt den Staat deutlich billiger, weil man da nicht nach Marktwert entschädigt, sondern garnicht ;-)

      • Jalella

        @Schmetterling:

        Symptombekämpfung. Und was illegal und was legal ist, legen die Lobbyisten fest. Auch "legale" Mieten sind zu hoch.

    • Janix

      @Thomas Zwarkat:

      Bayern hat wie irre AKWs gebaut, deren zehntausende Jahre Bewachung des Atommülls letztlich beim Bund hängen bleiben. Berlin hat nichts exklusiv, diese wohlfeile Framingmasche soll doch von anderen ablenken, die sich am Staat selbstbedienen (noch eine Auto-Abwrackprämie gefällig?).



      Da hätte Sarrazin bei Direktverkauf an die Mieter oder Weiterbetrieb mehr rausholen können, doch es ging größtenteils zum Schleuderpreis an Haie. Als ob eine Hauptstadt nicht irgendwann doch die Menschen anzöge, siehe andere Länder. Die SPD hätte ihn deshalb rausschmeißen können. Ich verteidige das Handeln von Diepgen/Landowsky oder Sarrazin gar nicht. Siehe auch andere Posts hier. Ich kratze nur gegen den wohlfeilen Topos von "Berlin". Die öffentliche Hand hat andere Möglichkeiten als eine schwäbische Hausfrau.

      • AliceMirrow

        @Janix:

        ""diese wohlfeile Framingmasche soll doch von anderen ablenken"



        Irgendwie kommt es mir so vor, dass dieser Kommentar ablenken soll. Das Thema war Berlin und es kommt Bayern, AKWs usw

        • Janix

          @AliceMirrow:

          Werte Alice, ich zeige Ihnen ein Muster gewisser Medien (aus meiner Sicht) auf. Billig "Berlin" rufen und das wäre dann das moderne Babylon, könne nicht mit Geld, und der Rest der Republik kann sich bequem zurücklehnen und den Ranzen streicheln.



          Sobald dies Muster nicht mehr eine Analyse ersetzt, werde ich nicht mehr ergänzen, was da alles fehlt. Bis dahin aber schon.

      • Demokratischer Segler

        @Janix:

        Jetzt müssen Sie nur noch erklären, warum die SPD Sarrazin hätte rausschmeißen sollen. Der Verkauf der Landeseigenen Wohnungen bzw. der Wohnungsbaugesellschaft GSM erfolgte seinerzeit unter ausdrücklicher Zustimmung der SPD und PDS. Carl Wechselberg, haushaltspolitischer Sprecher der PDS bezeichnete das Angebot sogar als ausgesprochen gut! Das sollten Sie der Vollständigkeit halber nicht weglassen! Einzig die Grünen lehnten den Verkauf ab!

        • Janix

          @Demokratischer Segler:

          Ich finde Ihren Punkt eine wichtige Korrektur und danke für die Erinnerung.

          Sarrazin war dabei derjenige, der seinen Fehler (auch nach damaligem Wissenstand nenne ich es einen Fehler) meines Wissens nie einsehen wollte.

  • Land of plenty

    Die Macht der Eigentümer muss eingeschränkt werden. Gegen die Ausgrenzung, gegen die Zwangsräumungen.



    Die Miethöhe bundesweit dritteln.



    Das sollten die Kampfziele sozialer Bewegungen sein.

    • DerLurch

      @Land of plenty:

      Naja,dann werden vermutlich keine Wohnungen mehr gebaut. Dann lieber für alle die Sozialabgaben hoch und dann daraus eine Umlage schaffen. Da wird dann aber nach Einkommen eben mehr oder weniger in die solidarische gemeinschaftskasse.



      So verteilen wir die Last fair ohne den Markt zu stoppen. Und jetzt mögen die Nörgler wieder beginnen, dass man/frau verändern will, aber für einen selbst bitte ohne Kosten

    • Tom Tailor

      @Land of plenty:

      Miethöhe dritteln. So als Pauschale. Unabhängig davon ob es möglich ist mit solch einer Maßnahme Immobilienobjekte sinnvoll zu bewirtschaften. Wissen Sie wohin es führt wenn Eigentümer dauerhaft keinen kostendeckenden Mietzins erwirtschaften können oder sogar Verlust machen? Ganz einfach: die Bewirtschaftung des Objektes wird eingestellt und sich selbst überlassen. Wie so etwas am Ende aussieht konnte man sehr anschaulich an diversen Immobilien in der DDR bestaunen.

    • Janix

      @Land of plenty:

      Hans-Jochen Vogel plädierte für eine konsequente Abschöpfung des arbeits-losen Zuwachses bei Grund und Boden, der durch städtische Maßnahmen etc. ja eigentlich entstanden ist. Die vor dem Hintergrund der Münchner Exzesse.



      Das halte ich für machbar.

      Ein Eingriff in die Preise auf diese Art: Nein, da käme ein Rattenschwanz nach.

    • Zippism

      @Land of plenty:

      „Die Miethöhe bundesweit dritteln“ – klingt nach einer brillanten wohnungspolitischen Strategie, solange man die lästige Frage ignoriert, wer dann die Differenz bezahlt.

      Vermieter? Dann werden Wohnungen plötzlich zum Minusgeschäft. Staat? Dann zahlt es der Steuerzahler. Neubau? Noch unattraktiver. Sanierung? Warum sollte jemand investieren?

      Man kann gegen hohe Mieten sein. Man kann Großkonzerne regulieren, sozialen Wohnungsbau fördern und gegen missbräuchliche Mieterhöhungen vorgehen. Alles völlig legitim.

      Aber „Wir dritteln einfach die Mieten“ ist keine Wohnungspolitik, sondern der Wunschzettel einer sozialen Bewegung. Wohnraum wird nicht dadurch billiger, dass man per Kampfparole beschließt, dass er billiger sein soll.

      • Schmetterling

        @Zippism:

        Ich denke, die Differenz sollten die Vermieter zahlen. Zum Ausgleich haben sie ja Eigentum :-) und wenn sie damit unglücklich sind, können sie die Wohnungen ja verkaufen.

        • Machiavelli

          @Schmetterling:

          Die kauft dann niemand, niemand baut um zu vermieten und Mietwohnungen verfallen.

  • Wanderin

    Mieten und Wohnen ist DAS soziale Thema schlechthin weil psychische Gesundheit und viele anderen sozialen Probleme indirekt damit verknüpft sind. Man braucht gar nicht erst halbherzig an hundert anderen kleinteiligen sozialen Baustellen herumschrauben, wenn man dieses existenzielle Problem nicht vorher entschärft.

    Die im Text besprochene Umverteilung wird dadurch verschlimmert, dass internationale Immobilienkonzerne Panama-Papers-artige Strukturen der Steuerflucht nutzen. Dieses Kapital wird unentwegt aus der Stadt extrahiert, ohne ihr in angemessenen Steuern zugute zukommen. Diese Instrumente stehen Klein-Vermietern nicht zur Verfügung- das ist der Unterschied.

    Diese Entmietungs- Strategien haben ausserdem System, das offensichtlich konzernübergreifend angewandt wird. Wie kommt das? Welcher Eigentümer steckt eigentlich hinter den von Herrn Diekmann beschriebenen Schlägertrupps der Arcadia Estates?

  • Pico

    Ich glaube kaum, dass bei den Preisen, bei den Vorgaben, bei den gesetzlichen Verpflichtungen, die heutzutage notwendig sind, überhaupt den Bestand zu halten, hohe Renditen bei der Vermietung möglich sind. Zumindest nicht für Kleinanleger*innen.

    • Anna Bell

      @Pico :

      Wenn Vinovia 1/3 des Umsatzes als Dividende ausschütten kann, dann ist das wohl so.

      • Pico

        @Anna Bell:

        Ich zitiere aus einem Artikel vom März 2025:



        "Der Immobilienkonzern machte im vergangenen Jahr fast eine Milliarde Euro Verlust, doch nun will CEO Rolf Buch wieder durchstarten."



        Kurz: 2024 gab's einen Verlust von nahezu 1 Milliarde €. Wer hier mit Phantasiezahlen um sich schmeißt, sollte sich wenigstens die Mühe machen, etwas sauberer zu recherchieren.

      • Zippism

        @Anna Bell:

        Die Aussage ist falsch. Gemeint ist der DAX-Immobilienkonzern Vonovia SE (im Zitat falsch als „Vinovia“ geschrieben). Vonovia schüttet seine Dividende nicht am Umsatz (Umsatzerlöse ca. 4,75 Mrd. Euro) aus, sondern orientiert sich an Ertragskennzahlen wie dem bereinigten Ergebnis (EBT/EBITDA). Die Gesamtausschüttung liegt bei rund 1 Mrd. Euro (bzw. 1,25 Euro je Aktie), was einer Quote von etwa 15 bis 20 % des Gesamtumsatzes entspricht – nicht 33 %.

      • MatB1012

        @Anna Bell:

        ich gehe davon aus, du meinst 1/3 vom bereinigten Gewinn nicht vom Umsatz. Btw.



        Das Missverständnis ist, wer diese Dividenden bekommt: keine anonymen Spekulanten, sondern vor allem Renten- und Staatsfonds. Größter Einzelaktionär von Vonovia ist der norwegische Staatsfonds, der damit die Altersvorsorge der Norweger sichert. Auch die niederländische APG verwaltet damit die Renten von Millionen Beschäftigten.

        Und ein großer Teil steckt über ETFs letztlich in den Depots ganz normaler Kleinanleger, die privat fürs Alter vorsorgen. Die Dividende ist damit schlicht die Risikoprämie für das Kapital, mit dem Vonovia seinen teuren energetischen Umbau finanziert.



        Keine Dividende - weniger Kapital --> der Umbau muss anderes finanziert werden. Im Zweifelsfall gibt es keinen.

        • Altbayer

          @MatB1012:

          So ein Problem aber auch, dass ein sehr großer Teil der Vonovia-Wohnungen die guten alten Postwohnungen waren, und immer noch sind. Man muss nun wirklich keine Sorge haben, dass die Vonovia der Post/dem Staat zuviel Geld in den Rachen geworfen hat, eher das Gegenteil ist der Fall!

        • mwinkl02

          @MatB1012:

          Ursprünglich wurde das Kapital der Wohnungsgesellschaften von der öffentlichen Hand zur Verfügung gestellt. Über die Bundesbank sozusagen von allen Bürgern. Abbezahlt und Abgeschrieben müssen die Wohnungen aber trotzdem. Üblich waren früher 50 Jahre. Das Eigenkapital und damit verkaufbarer Buchwert entsteht dann durch Mieten für bereits abgeschriebene Objekte oder Mieten höher als Gestehungskosten. Also haben im Grunde die Mieter die Werte geschaffen, die dann von den Kommunen zur Sanierung der Finanzen veräußert wurden.



          Es ist eine rein politische Frage wer das Kapital zur Verfügung stellt und es wie verzinst bekommt. Zumindest für 20-30% der Bevölkerung in unteren Einkommensverhältnissen sollte das Kapital für Sozialwohnungen vom Staat kommen. Alles andere ist kalte Umverteilung von unten nach oben.

  • Demokratischer Segler

    "Denn wer in Städten heute seine Wohnung verliert, dem bleibt oft nur der Stadtrand... "



    Falsches Anspruchsdenken! Es gibt kein Grundrecht auf wohnen in Berlin-Mitte oder Frankfurt-Bornheim. Die ewig gleichen klassenkämpferischen Phrasen sind von gestern und ändern nichts an Angebot und Nachfrage!

    • DerLurch

      @Demokratischer Segler:

      Warum sollte ich meine Wohnung verlassen? Ich war schon vorher da. Wir müssen einfach solidarischer miteinander umgehen und auch finanziell da mehr unterstützten

    • Kaboom

      @Demokratischer Segler:

      "Die ewig gleichen klassenkämpferischen Phrasen sind von gestern und ändern nichts an Angebot und Nachfrage!"

      Seltsamerweise führt der hohe Anteil an Immobilien in Besitz des "Staates" in Wien zu vergleichsweise extrem niedrigen durchschnittlichen Mieten, während das freie Schalten und Walten des "Marktes" in London dazu führt, dass eine halbe Garage, als Wohnung vermietet, auch schon mal 500 Pfund pro Monat kosten kann.



      Oder anders gesagt: Das, was Sie "klassenkämpferische Phrasen" nennen, nennt man in Wien und London Realität.

      • FriedrichHecker

        @Kaboom:

        Seltsamerweise hat man aber als Neubürger in Wien nicht weniger Probleme als London, wenn man eine Wohnung sucht. An die "vergleichsweise extrem niedrigen durchschnittlichen Mieten" kommt man nämlich erst, wenn man bereits 7 Jahre in der Stadt wohnt. Vorher kann man nämlich keine Wohnung in einer der vielen Immobilien in Staatsbesitz bekommen - da bleiben nur die Wohnungen am oberen Ende der Preisskala. Wobei dazu auch Untermiete im Gemeindebau gehören kann - dann sind dort die Preise genauso gesalzen, werden aber in aller Regel nicht in der Statistik erfasst...

        Soviel zur Realität in Wien.

    • Anna Bell

      @Demokratischer Segler:

      Anspruchsdenken ist es, wenn man glaubt, dass Rendite über alles gehen soll.

      Und das neoliberale Gewäsch über den Markt verschleiert erstens die Machtverhǎltnisse auf selbigem und zeigt zweitens, wie wichtig die Enteignung großer, renditegetriebener Wohnungskonzerne ist.

      • Strolch

        @Anna Bell:

        Ich wohne im sogenannten Speckgürtel einer Stadt, 30km entfernt. Das war eine bewusste Entscheidung, da ich dort mehr für mein Geld bekomme. Der Preis, den ich zahle, ist die Zeit für das Pendeln zur Arbeit. Den Preis nimmt mir keiner ab. Wieso soll man dann einem Stadtbewohner den Preis für seine Wohnung abnehmen? Er braucht kein Auto und hat kürzere Wege.

      • Tom Tailor

        @Anna Bell:

        Unklar bleibt weiterhin, wie damit das Problem gelöst werden soll das mehr Menschen in den begehrten Stadtteilen wohnen möchten als Wohnungen zur Verfügung stehen.

        Oder anders: Egal wie herum Sie den Misthaufen drehen: am Ende wird es Menschen geben die mit dem Stadtrand Vorlieb nehmen müssen. Die Entscheidung welche Klientel das Nachsehen hat wird dann vllt nicht mehr über die Rendite entschieden werden, es wird aber andere Kriterien geben müssen die zur Anwendung kommen. Und das ist kein "Gewäsch" sondern eine Tatsache, unabhängig davon wie die Machtverhältnisse verteilt sind.

      • Zippism

        @Anna Bell:

        „Der Markt verschleiert Machtverhältnisse“ – und deshalb soll offenbar ausgerechnet der Staat zum größten Immobilienbesitzer werden. Das ist eine bemerkenswerte Definition von Marktanalyse. Und nein: Wer sich keine Wohnung in Bornheim leisten kann, wird durch die Enteignung eines Konzerns nicht automatisch wohnungsversorgt. Es bleibt dabei: Wohnungen entstehen durch Bauen, nicht durch politische Schlagworte.

  • behr Behr

    Auf einer Autofahrt kürzlich von Süden kommend (B101) zum Potsdamer Platz habe ich noch nie so viele heruntergekommene



    stark sanierungsbedürftige Wohngebäude gesehen, ich hoffe, es



    waren keine, die zu der vorgesehenen Enteignung der Vermieterkonzerne gehören. Es ist zu befürchten, dass die



    Enteignungsinitiatoren die Aufgaben einer fachgerechten Wohnungsbewirtschaftung völlig unterschätzen, insbesondere



    hinsichtlich notwendiger Strukturen und Kosten.

    • Altbayer

      @behr Behr:

      Es gibt in München Gebäude die man längere Zeit bewusst leerstehen lassen wollte, da sich "vierjähriger Leerstand", und dann Abriß und Komplett-Neubau wohl stets rechnet.

      Angenehmerweise sch... die verbliebenen Mieter auf die Wünsche der "Stuttgarter Kanzlei" und verbleiben zum größeren Teil im Haus. Natürlich werden auch schon härtere Bandagen aufgezogen. Im Moment lässt man drei Häuser der Häuserzeile, von 5 Häusern, in Frieden, dadurch die Straßenbauarbeiten in den nächsten zwei Jahren eh nix verändert werden könne.

    • derzwerg

      @behr Behr:

      "Es ist zu befürchten" = fear, uncertainty, doubt (FUD)

      Sie behaupten ernsthaft, heruntergekommene privatwirtschaftlich organisierte Wohnungen seien ein Argument gegen Vergesellschaftung? Übrigens völlig frei von Fakten: Wie Sie ja selbst schreiben, wissen Sie gar nicht, wem diese Wohnungen gehören.

    • Gerhard Krause

      @behr Behr:

      Sie haben womöglich noch nichts vom sog. Privaten Baurecht gehört. In den Amtsstuben gibt es hinlänglich Bauingenieure und Architekten, sowie Juristen. Ebenso mit Preisen sind sie vertraut.

  • Aurego

    Wir sollten berücksichtigen, dass viele Wohnungen von "Kleinvermietern" vermietet werden, also von Eigentümern, die z. B. als Zubrot zur Rente zwischen 1 und 9 Wohnungen halten.



    Auch ich vermiete ein paar Wohnungen und habe mich natürlich über den starken Anstieg der Kaufpreise während der Niedrigzinsphase von 2014 bis 2021 gefreut. Wann hat man sonst die Gelegenheit, sein Eigenkapital mal schnell zu verdreifachen? Ach so ... an der Börse ging das auch ... o.k., zugegeben. Ist aber auch egal. In den nächsten Jahren werden Immobilien aus mehreren Gründen wieder weniger attraktiv, da die demographische Entwicklung für mehr Leerstand sorgen wird (außer, wenn wir für viel mehr Zuwanderung sorgen) und da die Baufinanzierungszinsen ohne massive Wirtschaftskrise nicht wieder auf das Niveau von 2020 herunterkommen werden. Und eine solche Wirtschaftskrise, die dafür nötig wäre, sollten wir tunlichst zu vermeiden suchen.

  • *Sabine*

    ""Denn wer in Städten heute seine Wohnung verliert, dem bleibt oft nur der Stadtrand,.."



    Vermutlich fehlt es mir an Verständnis,aber Enteignungen zu befürworten,damit Menschen nicht am Stadtrand wohnen müssen,finde ich unangemessen.Ist meine Sichtweise, dass nicht jede/r m/w/d dort wohnen kann, wo es persönlich gewünscht (oder auch besonders schön) ist,falsch?

    "..weit entfernt von der eigenen Schule,dem eigenen Verein und den eigenen Freund*innen."



    Auch hier denke ich,Veränderungen gehören zum Leben.Es gibt viele Berufe,in denen Erwerbstätige-und ihre Familien-mehrfach umziehen müssen.Das kann positiv aber auch negativ verstanden,auf jeden Fall aber gestaltet,werden.Ich kenne mich in Berlin nicht aus,aber gibt es am Berliner Stadtrand wirklich keine Schulen und Vereine?



    Ich gehe davon aus,dass sich der Immobilien-Miet-Markt mit dem Altern der "Boomer" und deren Umzug in Pflege-/Seniorenheime entspannen wird.Des Weiteren ist unsere Fertilitätsrate auch nicht mehr hoch:2025 waren es 1,32 Kinder je Frau (Quelle: Google-KI)



    Ich bin - trotz dieses Kommentars - nicht grundsätzlich gegen Enteignungen, ich halte sie nur nicht für hilfreich oder notwendig.

  • Kommentierer77

    Gegen wenig Angebot bei hoher Nachfrage hilft nur Neu Bauen. Ohne Aussicht auf Gewinn wird aber niemand bauen .

  • Tarquin Winot

    Das Kernproblem lautet nicht Eigentum, sondern Angebot und Nachfrage. Zu wenige Wohnungen treffen auf zu viele wohnen-Wollende. Diese Knappheit löst nur Bauen. Das zeigt die empirische Forschung klar. Mehr Wohnungen führen zu niedrigeren Mieten. Das hat auch Mamdani in New York verstanden.



    Schade aber ehrlich gesagt nicht überraschend, dass der Artikel diese Dynamik, und wie mehr Wohnraum gebaut werden kann, nicht adressiert.

    • Janix

      @Tarquin Winot:

      Skizzieren Sie sich kurz die Entwicklung der m² pro Person in den letzten 80 Jahren.



      Dann sehen Sie vielleicht auch noch weitere Ansatzpunkte.

    • Aurego

      @Tarquin Winot:

      Aus meiner Sicht, also aus Sicht eines Vermieters, sollte man mit Neubau generell vorsichtig umgehen. Wir sollten übermäßigen Leerstand unbedingt vermeiden. Leerstand vernichtet Wohlstand auf mehreren Ebenen, denn auf der einen Seite sinken durch Leerstand die Mieten, die Vermieter müssen wesentlich mehr für ihre Wohnungen ausgeben, damit sie attraktiv für neue Mieter werden, und es sinken die Kaufpreise. Das hört sich für manche zwar positiv an, aber sinkende Mieten und Kaufpreise wirken sich auf die Gesamtwirtschaft sehr negativ aus.

      Tatsächlich übersteigt die Nachfrage das Angebot ja nicht überall, sondern hauptsächlich in Städten mit starkem Zuzug wie z. B. Berlin, Leipzig, Frankfurt, München oder auch Marburg. Viele dieser Städte zeichnen sich dadurch aus, dass dort mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, als Wohnungen entstehen. Manchmal fragt man sich durchaus, warum Firmen sich nicht einfach dort ansiedeln, wo die Kosten wesentlich niedriger sind als z. B. in Frankfurt oder München.



      Ein Beispiel aus Berlin: Der Plan zum Umbau des Flughafens Tegel sah die Schaffung von 5.000 Wohnungen und 20.000 Arbeitsplätzen vor. Man kann leicht ausrechnen, dass die Wohnungen nicht reichen.

      • Kabelbrand Höllenfeuer

        @Aurego:

        "...sinkende Mieten und Kaufpreise wirken sich auf die Gesamtwirtschaft sehr negativ aus."



        So ein Blödsinn. Das Geld, dass die Mieter nicht den Eigentümer in den Rachen schmeißen müssen, geben sie höchstwahrscheinlich an anderer Stelle aus, idealerweise in gesellschaftlich produktiven Konsum. Aber selbst wenn die damit lediglich Lidl noch reicher machen, wirkt sich das auf die gesamte wirtschaftliche Bilanz nicht negativ aus, dann hat eben Herr Schwarz das Geld und nicht Sie.



        Sinkende Kaufpreise würden außerdem dazu führen, das sich wieder mehr Menschen Eigentum leisten könnten und sich so von der Mieträuberei befreien könnten.



        Sie haben doch bloß Angst, dass Sie durch ein steigendes Angebot preiswerter Wohnungen und niedriger Mieten ihres Druckmittels beraubt werden.

      • Janix

        @Aurego:

        Sinkende Preise für X heißt (grundsätzlich), dass Y wertvoller wird, da kann Y auch das Sparbuch sein.

        Eine hochschießende Immobilienblase wie schon geschehen hat Neu-Käufer und Mieter desillusioniert dastehen lassen. Gesellschaftlich war das auch nicht so gut.

        Ich möchte aber Ihren weiteren Punkt ausdrücklich aufgreifen. Ländliche, für manche weniger attraktive Gegenden vor der weiteren Abwanderung der jungen ehrgeizigen Frauen zu schützen. Also die Infrastruktur (Bus, Bahn, aber auch anderes wie Internet, tolerantes Leben) eben (wieder) aufbauen. Denn wenn nur einmal in der Woche in die Großstadt zum Arbeitsplatz, dann ginge auch die lange Strecke nerven- und umweltschonend.



        Die breite Streuung aus landwirtschaftlich geprägten Zeiten werden wir ohne Steuerungsmaßnahmen freilich nie mehr so hinbekommen, wäre meine Vermutung.

  • Christine_Winterabend

    Allen, die immer noch nicht verstanden haben, worum es in der Enteignungsdiskussion eigentlich geht oder sich immer wieder durch unsachliche und manipulative Diskussionbeiträge davon ablenken lassen, möchte ich gern folgende Lektüre empfehlen:



    - taz.de/Professorin...chaftung/!6195012/



    - www.finanzwende-re...ort_20231107-1.pdf



    - taz.de/Angriffe-au...chaftung/!6194621/



    Es ist schon besser, sich die Informationen aus sachlichen und gut informierten und recherchierten Quellen zu holen.

    • Comerade Aardvark

      @Christine_Winterabend:

      Sie haben Recht. Man sollte schon RICHTIG einseitig informiert sein.



      Ich liebe die Berliner aneinander-vorbei-Diskussion zur Wohnraumbewirtschaftung!

  • Martin Rees

    Fluch und Segen der Wende im Rückspiegel?



    Es gab und gibt nach dem Zusammenbruch des sog. Ostblocks Beispiele, wie man Wohneigentum aus Volkseigentum generieren kann, ohne dadurch Konzerne mit extremer Profitorientierung zu protegieren, vor einigen Jahren hörte ich in Riga davon. Das kann man sich schon gut ansehen, insbesondere im Jugendstil-Viertel war der Anblick in Lettlands Metropole pittoresk. Oft fehlte aber damals dort bereits das Geld für die Reparatur von Aufzügen usw.



    Zur Situation in Deutschland aus 2024:



    www.tagesschau.de/...d-podcast-100.html

    • Mondschaf26

      @Martin Rees:

      Die DDR war leichte Beute



      für Helmut Kohl und seine Leute...

      • Martin Rees

        @Mondschaf26:

        Geburt und Gnade brachte Kohl



        In einem Satz, ein Streitpunkt wohl.



        Den Putschversuch heil überstanden,



        Gelang Mär von "blühenden Landen".



        /



        www.spiegel.de/pol...-0000-000013507081

        • Altbayer

          @Martin Rees:

          Och die ostdeutschen Kollegen kommentierten, die dann noch hier waren, 12 Jahre nach der Wende trocken:

          "Er hat uns nix falsches versprochen - selbst in Bitterfeld (Chemie - und belasteter Boden ) blüht's ( das Unkraut )"

  • Duplozug

    Warum war Mieten früher so viel günstiger bei uns im Vergleich zu heute?



    Die Wohnungsbaukonzerne sind nur ein kleiner Teil des Grundes. Und die "Linke" schießt sich nur auf diesen ein.



    Der Grund war erstens, ja mehr sozialen Wohnraum BAUEN. Und allgemein mehr BAUEN wenn die Bevölkerung wächst.



    Der Mietpreis Deckel bringt auch nur Bestandsmietern was. Heutzutage sind die alteingesessenen Mieter wenn die glücklichen. Und das soll noch weiter so zementiert werden.



    Und woher soll der Wohnraum für die neuen Bewohner herkommen? Soll der Staat wie in der DDR diesen verteilen? Wer wo und wie wohnen darf? Haben die Leute vergessen wie "geil" der Zustand der sozialistischen Wohnblöcke war? Und das ganz ohne Kapitalismus?

    Berlin hätte anstatt irgendwelche Bruchbuden von Vonovia zu kaufen und damit nur diesen paar Bewohnern ihre Bestandsmiete zu sichern, das Geld in Neubau von Sozialwohnungen stecken sollen. Das hätte das Angebot vergrößert und die Vonovia Wohnungen vermieten trotzdem fast immer unter Mietspiegel.



    Und langfristig hilft nur bauen. D.h. bauen muss Vorrang vor allem haben. Vor allem klein geistige Befindlichkeiten der Anwohner, irgendwelcher Frösche und Tauben.

    • Gerhard Krause

      @Duplozug:

      Die (früheren) "Wohnblöcke" marschieren locker auf dem Weg zum Denkmalschutz durch's Ziel. Immer mehr bauen - erst hier, dann dort, dann mal wieder woanders, wo wär's denn noch geil?! - kann kein 🐷 durchhalten. Es folgen Blasen, Pleiten, Pech und Pannen (nicht genug Bauland und Bausand). Niemand kann Märkten (= dumme Ideen von Renditen) hinterherbauen. Zudem ist Bauen eine der umweltschädlichsten Aktivitäten, aber das zähk5ja meist nicht im Eifer, nech?!

    • EffeJoSiebenZwo

      @Duplozug:

      Möchte zum größten Teil zustimmen. Ist aber nicht nur ein Angebots- sondern auch ein Nachfrageproblem.

      Ohne dass das eine Absolution der Bauwirtschaft und der Vermieter sein soll: Viel höhere Ansprüche der Nachfragenden auch an das ‚Wie wohnen‘? qm je Person (Singles, Zweitwohnungen), Ausstattung, Energieeffizienz, Stadt vs Land usw.

      • Encantado

        @EffeJoSiebenZwo:

        "Ist aber nicht nur ein Angebots- sondern auch ein Nachfrageproblem."



        Ja, und da funktioniert der Markt ja ausgezeichnet: die Preise steigen, und immer mehr Leute reduzieren ihre Ansprüche ans Wohnen.

        *nur ein ganz klein wenig Sarkasmus enthalten*

    • Christine_Winterabend

      @Duplozug:

      Worauf sollen sich die Linken denn noch einschießen?



      Es geht in der Enteignungskampagne um diie Verarmung von Mietern bei immer höheren Renditen aus Vermietungen durch Spekulanten und eben nicht um alles, was Vermieter heißt. Nein, es geht darum, die kriminellen Banden hinter Vonovia &Co aus dem Geschäft zu drängen, und wer dabei um seine eigene Rendite fürchtet, muss sich auch mal fragen, auf welcher Welle er da reitet und gegebenenfalls neu lernen, die Leistungen und Rechte anderer zu achten.



      Im übrigen ist mir in meinem Umfeld leider nicht bekannt, dass die Einkommen seit 2006 um 50% gestiegen wären. Bei einer solchen Aussage in diesem Kontext sollte es um die Einkommen von Mietern gehen und die Inflation speziell der Lebenshaltungskosten berücksichtigt sein.

      • Reinero66

        @Christine_Winterabend:

        Sorry, das ist Jammern auf hohem Niveau, Berlin ist Hauptstadt und gemessen an anderen ist diese Stadt spottbillig. Schauen wir mal nach Rom, London oder Paris. Wenn ich bei den Großen mitspielen möchte, dann muss ich auch die negativen Entwicklungen mitnehmen.



        Und natürlich könnte man auf dem Tempelhofer Feld bauen, wenn man das nicht will, dann darf man nicht über fehlenden Wohnraum jammern.



        Leipzig z. B. hat in den letzten 20 Jahren 50% Zuwachs gehabt und gebaut und bekommt es hin, Berlin halt nicht und das bei einem SPD Bürgermeister der ohne Enteignung regiert, sondern bauen lässt.

  • Nuklon

    Ich halte das Problem mit den Mieten für komplexer. Der Anteil Quadratmeter pro Mensch steigt kontinuierlich. Sprich es Wohnungen werden auf immer weniger Menschen verteilt.



    Dadurch entsteht eine Knappheit. Wenn früher 6 Menschen in einer drei Zimmerwohnung normal waren, sind es heute eher 2. Sprich man braucht 2 zusätzliche Wohnungen. Da diese nicht da sind, steigt der Preis. Es entsteht Konkurrenz.



    Und es gibt genügend Menschen, die sich den Konkurrenzpreis leisten können. Sämtliche Neubauten sind instant vermietet.



    Somit wird weder Verstaatlichung, Regulierung der Mietpreise noch irgendwas was anderes helfen. Es hilft nur Neubau oder wieder mehr Menschen auf weniger Quadratmeter unterbringen.



    Eine Preisregulierung oder Sozialwohnungen lösen das dahinter liegende Problem nicht. Es erlöst nur ein paar wenig glückliche vom Preis, der Rest muss dann umso mehr um die verbliebenen Wohnungen kämpfen. Genauso löst Verstaatlichung das Problem nicht. Es wird dann nur wie in der DDR Wartelisten geben. Der Bedarf an Wohnungen ist aber immer noch da.



    Man muss die Nachfrage sättigen. Anders geht es nicht.

    • *Sabine*

      @Nuklon:

      "Man muss die Nachfrage sättigen."



      Ja und nein. Sicherlich ist es erstrebenswert, in diesem und auch in anderen Bereichen die Nachfrage zu sättigen. Nur denke ich, dass das Leben einfach nicht so funktioniert. Es wird immer sehr viele Menschen geben, die u.a. aus finanziellen Gründen nicht dort wohnen können, wo sie gerne wohnen möchten ... meiner Einschätzung nach ist das sogar die Mehrheit. Ebenso ist es meiner Meinung nach ein überzogener Anspruch davon auszugehen, wenn ich jetzt eine Wohnung miete, kann ich diese so lange ich will "behalten". Ich war lange Jahre Mieterin, aber mir war immer bewusst, wenn ich die Miete nicht mehr bezahlen kann oder eines der Kinder der Vermieter diese Wohnung haben möchte, muss ich umziehen. Ich hatte Verständnis dafür und war mental und emotional auch während der gesamten Mietzeit darauf vorbereitet.

      Wenn Enteignungen auf Berlin beschränkt bleiben, kann es gerne versucht werden. Eines weiß ich aber definitiv, ich würde mich nicht gut fühlen, wenn ich in einer Wohnung nur deshalb leben kann, weil "man" andere enteignet, diesen die Wohnung weggenommen hat. Ich frage mich auch, ob das wirklich so richtig "links" ist.

    • Comerade Aardvark

      @Nuklon:

      Alles so weit richtig, nur eine kleine Ergänzung: die 3-Zimmer Wohnung, in der 6 Personen leben konnten (zugegebenermaßen nicht besonders komfortabel) , die gibt es nicht mehr. Auf dem Bauraum ist jetzt ein "1,5 Zimmer Studio-Apartment in offener Bauweise", in der selbst bei vorhandenem Willen gar nicht mehr als zwei Personen vernünftig wohnen könnten.



      Ist zwar ein Nischen-Problem, aber: suchen Sie mal Wohnungen, in denen man drei Kinderzimmer und ein kleines Büro einrichten kann (ohne Millionär zu sein). Sowas baut heute keiner.

  • Thomas Weidauer

    Eine Enteignung von bestehenden Wohnungen ist sicher keine "Rückkehr zu den Wurzeln deutscher Wohnungspolitik". Die Enteignungen der Vergangenheit waren v.a. auf Bauland ausgerichtet, um darauf *neue* Wohnungen zu bauen. Es war damals klar, dass die Wohnungskrisen durch Ausweitung des Angebots gelöst werden müssen, nicht durch Enteignung von bestehenden Immobilien.

    Dann ist da noch das Argument, dass Wohnungseigentümer unfairerweise von den Agglomerationseffekten und sozialer Infrastruktur der Stadt profitieren und man daher ihre Profite umverteilen müsse. Das müsste man dann auch auf alle andere Unternehmen anwenden, die davon profitieren, was absurd wäre (sollen wir Restaurants enteignen?) Ein viel günstigerer Weg dafür wäre aber einfach eine bessere Besteuerung von Bodenwerten.

    Im Grunde schlägt der Artikel eine komplette Enteignungen von Wohnimmobilien vor. Die einleuchtendsten Erfahrungen mit einer solch radikalen Maßnahme kann man in der Vergangenheit sehen: In Kuba oder den Sowietstaaten. Das Ergebnis war kurzfristig ein Segen für die Mieter, langfristig waren die Zustände schlimm.

    • Christine_Winterabend

      @Thomas Weidauer:

      "unfairerweise von den Agglomerationseffekten und sozialer Infrastruktur der Stadt profitieren " - mit solchen Argumentationen die gegenwärtige unheilvolle Entwicklung des Miet-Wohnens zum Ausbeutungsinstrument als rechtmäßig zu rechtfertigen, zeigt, wie weit das die Diskussion um Einteignung schon manipuliert, die eigentliche Forderung ignorierund das Verständnis des menschlichen Zusammenlebens verzerrt wird. Man lässt einfach mal den Fakt außen vor, dass es in der Enteignungskampagne um diie Verarmung von Mietern bei immer höheren Renditen aus Vermietungen durch Spekulanten geht und behauptet, es ginge gegen alles, was Vermieter heißt. Nein, es geht darum, die kriminellen Banden hinter Vonovia &Co aus dem Geschäft zu drängen, und wer dabei um seine eigene Rendite fürchtet, muss sich auch mal fragen, auf welcher Welle er da reitet und gegebenenfalls neu lernen, die Leistungen und Rechte anderer zu achten.



      Im übrigen ist mir in meinem Umfeld leider nicht bekannt, dass die Einkommen seit 2006 um 50% gestiegen wären. Bei einer solchen Aussage in diesem Kontext sollte es um die Einkommen von Mietern gehen und die Inflation speziell der Lebenshaltungskosten berücksichtigt sein.

  • Janix

    Statt komischer Aktienmätzchen des Blackrocker-Kanzlers vielleicht einfach mal kleine, kluge Genossenschaftswohnungen für alle anstreben? Eigentum, Pacht, Miete: Hauptsache nicht zweistellige Renditephantasien von gierigen Fonds.

    • Astrid Sehnefeld

      @Janix:

      "...zweistellige Renditephantasien von gierigen Fonds..."



      Na dann nennen Sie mir mal bitte diese zweistelligen Rendite-Fonds, ich finde die nämlich nicht.



      Ein Blick auf Deutsche Wohnen, Vonovia und Co beweist, dass da seltenst über 4% jährlich für die Aktionäre drin waren.



      4% ist erbärmlich an der Börse.



      4% gibt's mittlerweile fast schon wieder aufs Tagesgeld.



      4% ist der Grund, warum die Aktienkurse von Vonovia und Co nicht steigen.



      Wenn Aktionäre mit Mieten an der Börse reich werden könnten, würden die Kurse der Anbieter durch die Decke gehen - stattdessen fallen sie oder bewegen sich bestfalls seitwärts.

      • Janix

        @Astrid Sehnefeld:

        Es gibt im Markt kein Recht auf Profit (Im perfekten Markt wäre der Profit mittelfristig gleich dem Kapitalzins, laut (neo)klassischer Modellierung).



        Vonovia & Co. haben das am Anfang, meint der Hinterkopf, durchaus angestrebt wie hinbekommen. Sonst hätten die couponschneidenden Aktionäre ja womöglich sogar selbst arbeiten müssen.



        Da die Immobiliten es überzogen bzw. das mit Investitionsstopps und noch unsaubereren Methoden hinbekommen wollten, schrappen manche inzwischen an der Insolvenz.



        Nachhaltige Gewinne bzw. Werterhalt ist etwas anderes, und das tritt bei Gebäuden halt irgendmal zutage.

        • Astrid Sehnefeld

          @Janix:

          Verstehe ich alles, zweistellige Renditefonds konnten Sie mir aber nicht nennen

          • Altbayer

            @Astrid Sehnefeld:

            Vonovia-Ausschüttung (2025): Die Hauptversammlung im Mai 2025 beschloss die Dividende von 1,22 Euro je Aktie (über 1 Mrd. Euro Gesamtausschüttung), was nach Berechnungen der Kritiker fast einem Drittel der bereinigten Mieteinnahmen entspricht. - Quelle: MieterAktionär

  • Nachtsonne

    Schauen wir mal von der anderen Seite. Wie jeder selbst recherchieren kann hat die Vonovia SE in 2026 1,25€ je Aktie gezahlt. Die Aktie steht bei etwa 28 Euro. Damit kommt man auf etwa 4,5% Verzinsung vor Steuern. Das ist nichts besonders. Wer nicht möchte, das von seinem Geld etwas an Aktionäre fließt, der kauft sich Eigentum. Folgt man der Logik des Artikel, lässt sich damit viel Geld sparen. Also los, sparen und Wohnungen abbezahlen!

    • DerLurch

      @Nachtsonne:

      Oder ich nutze einfach den WBS und muss kein Risiko tragen

  • Astrid Sehnefeld

    "Mit ihrem Geld finanzieren Mietende üppige Aktionärs-Dividenden. Dabei sind es die Bewohner*innen, die der Stadt erst ihren Wert verleihen"



    Das üblich verkürzende Element. Als ob Vermieter allmächtig gegenüber Mietern wären.



    So hohe Mieten können nur erzielt werden, wo zu wenig Wohnraum auf viel zu viel Nachfrage trifft.



    Wenn 6 Millionen in Berlin leben wollen und nur Wohnraum für 3 Millionen vorhanden ist, dann wird es immer einen Wettkampf um den Wohnraum geben.



    Im Kapitalismus wird dieser Wettkampf über Geld, also Mietpreise entschieden.



    In der DDR wurde der Mangel über Wartezeit entschieden - das klassische anstehen für Südfrüchte oder die jahrelange Wartezeit auf den Trabi, etc...



    Wisst ihr was daraus folgte?



    Gebrauchte Trabi waren teurer als neue, weil sofort verfügbar. Das Äquivalent auf Wohnraum heißt Untervermieten und das sehen wir schon zahlreich in Berlin - völlig überteuerte Untermieten, die übrigens die Mieter einsacken, nicht die bösen Aktionäre...😉



    Und es bildete sich ein enormer Schwarzmarkt. Dinge wurden unter der Hand gehandelt - wer Freunde oder Beziehungen hatte kam an alles ran - wer nicht, der nicht.



    Wollt ihr das wirklich zurück?

    • Comerade Aardvark

      @Astrid Sehnefeld:

      Ja, das will ich für Berlin unbedingt zurück!

      • Strolch

        @Comerade Aardvark:

        Sehen Sie, meine Großeltern haben in eienem tollen Reihenhaus in der DDR gewohnt. Mit Kohleofen und nassen Wänden. Aber, wenn man das möchte, dann mal zu.

      • Astrid Sehnefeld

        @Comerade Aardvark:

        Dann müssen Sie aber auch den Rest aus der DDR zurücknehmen - für Altbauten heißt das: eine Toilette auf halber Etage für alle, keine Aufzüge, Frost innen an den Scheiben, etc...



        Das Wohnen im Berlin der DDR war gruslig - auf eine neue Plattenbauwohnung in Hellersdorf mussten Sie Jahre warten, außer auf Zuteilung.



        Mein Vater wurde von Dresden nach Berlin versetzt, da bekamen wir eine klassische Q3A dazu.

    • Leser Schreiber

      @Astrid Sehnefeld:

      Sie haben völlig Recht und es klar auf den Punkt gebracht.

  • David Lejdar

    Fan der Privatisierungen (nach welchen dann z.B. Senatorin in solche Firma wechselte) war ich auch nicht. Aber nun für weit höheren Preis zurückzukaufen, finde ich nicht plausibel, u.a. weil man sich Konzern wie Vonovia über Aktien auch direkt kaufen könnte, inklusive der Wohnungen. Das ist dann aber nicht Geld, das man auf Kante hat, um z.B. das Wohnangebot zu vergrößern, statt 4-Kopffamilie weiterhin auf 50qm, und Obdachlose, und unklar wie der nächste Senat drauf ist, u.ä.

    So oder so, makroökonomisch sind niedrige Mieten relevant, damit weniger Druck bei Gehaltserhöhungen, und auch damit Großteil der Mittel für Pflege nicht einfach für luxuriösen Lebensstil von paar Typen draufgehen, usw. Und in Details auch Dinge wie Eigenbedarfskündigung nur erlaubt, wenn Mietvertrag Klausel enthält. Aber anfangen würde ich damit, dass technisch betrachtet, alles was z.B. in Berlin nach dem Preußenschlag 1932 gebaut wurde, soweit keine Baugenehmigung vom preußischen Staat hat.

    • Janix

      @David Lejdar:

      Ich denke, dass 1932-1945 eher wenig der noch existierenden Wohnungen gebaut wurden, selbst wenn Ihre Theorie hielte, die noch ganz andere Auswirkungen hätte.



      4 Leute auf 50 m² ist nicht zulässig, aber auch da hülfe bereits, dass Kinder wieder draußen auf der Straße spielen würden. Und der Fußball gegen die Autos knallen kann, ohne Hassklage.

  • behr Behr

    225.000 Wohnungen kann man durch ein Gesetz verstaatlichen,



    für die anschließende städtische Verwaltung und das Management



    braucht es vorhandene, kompetente und funktionierende Strukturen.



    Hat die Berlin?

    • Nansen

      @behr Behr:

      Ein mir bekannter Mieter würde sagen: ja

      Seine Wohnung war vorher Vonovia und ist jetzt HoWoGe. Zu den "Verbrechern" will er jedenfalls nicht zurück.

    • 7G
      753902 (Profil gelöscht)

      @behr Behr:

      Diese Fragen gilt es sicher vor einer Vergesellschaftung zu klären. Ein Selbstläufer wird der Prozess einer Enteignung und dann kommunaler Verwaltung sicher nicht. Da laut eine Artikel hier in der taz auch ein Teil der Wohnungen, die privatisiert wurden, wohl unter einer rot/rot-Regierung, in stark sanierungsbedürftigen Zustand waren. Man hatte wohl jahrelang die Gewinne der kommunalen Wohnungsgesellschaften zum stopfen von Haushaltslöchern genutzt. Ich könnte mir vorstellen, das private Genossenschaften in Bürgerhand hier auf länge Sicht die bessere Wahl sein könnten. Ich war jahrelang Mitglied einer solchen Genossenschaft und bin gut damit gefahren.

      • Comerade Aardvark

        @753902 (Profil gelöscht):

        Auf gar keinen Fall sollte sowas vor einer Vergesellschaftung geklärt werden! Einfach Mal machen, und für's Erste das krisenerprobte Personal aus dem (ehem.?) LaGeSo da einsetzen!

  • Pfennig

    In Deutschland ist die Wohneigentumsquote unter 50 %, weniger als die Hälfte leben hier in einer eigenen Wohnung oder einem eigenen Haus. Damit ist Deutschland Schlußlicht in der EU. In anderen europäischen Ländern, vor allem in Süd- und Osteuropa, liegt diese Quote bei über 70, 80, teilweise bei 90 %. Dabei ist Deutschland doch ein reiches Land (wird uns zumindest immer erzählt). Vielleicht liegt es ja daran, daß hier die Abgabenquote zu hoch ist, damit den Leuten genügend bleibt, um sich Eigentum leisten zu können.

    • Wombat

      @Pfennig:

      In armen Ländern ist die Wohneigentumsquote hoch, in reichen Ländern niedrig. Das ist in ganz Europa so. Die niedrigste Quote in Europa hat die Schweiz. Eine selbst bewohnte Immobilie ist sich selten eine gute Geldanlage.

      • Comerade Aardvark

        @Wombat:

        Die (historische) Gestaltung der steuerlichen Anreize ist auch noch ein wichtiger Faktor.

    • Heike 1975

      @Pfennig:

      Wir sind immerhin einen Platz vor der Schweiz im europäischen Vergleich. Vorletzter.



      Die Baukosten sind leider absurd in Deutschland. Man kann das gleiche Haus in Dänemark für zwei Drittel des Preises bauen.

    • Dieter Schütt

      @Pfennig:

      Ja, Deutschland ist Schlusslicht in der EU. Aber nicht in Europa. In der Schweiz liegt die Wohneigentumsquote bei 36%.



      Seltsam: Je reicher ein Land, desto ärmer die Menschen.

      • FriedrichHecker

        @Dieter Schütt:

        In der Schweiz haben Sie als Einwohner ohne Bürgerrecht (und das sind angesichts der Voraussetzungen sehr viele - erst recht im europäischen Vergleich) massive Probleme beim Immobilienerwerb.

        Einerseits darf ein Ausländer nicht einfach Immobilien kaufen - da kann eine gebührenpflichtige "Sonderbewilligung" erforderlich sein.



        Und andererseits darf man nicht unbedingt eine Finanzierung benötigen. Mit einer "Aufenthaltsbewilligung B" darf man zwar eine Immobilie kaufen, wird aber wahrscheinlich keine Immobilienfinanzierung von einer schweizer Bank bekommen...

    • Fridolin

      @Pfennig:

      Es könnte ja sein, dass Mieten in Deutschland eine sehr bequeme Sache ist und durch einen überzogenen Mieterschutz vor allem private Vermieter oft am kürzeren Hebel sitzen. Wenn ich den Vorschlag höre, Eigenbedarfskündigungen nur mit spezieller Klausel zuzulassen, wie es oben in einem Kommentar geschrieben wurde, dann kommt mir als Kleinvermieter die kalte Wut. Denn das Vermieten in Deutschland ist wirklich kein richtig lukratives Geschäft und vermutlich nur mit einem Hang zum Masorchismus zu betreiben!

      • Altbayer

        @Fridolin:

        Fridolin eine Eigenbedarfskündigung, die auch den Eigenbedarf bedeutet, wird niemand angreifen.

        Wenn aber die von der Urgroßtochter ererbte Wohnung eine Eigenbedarfskündigung erhalten soll, weil der Hund vom Schwager des Friseurs vom Nachbarn einziehen soll...

        Und in den letzten Jahren wurde mit der Eigenbedarfskündigung eben sehr viel Schindluder beschrieben. Ich möchte mir zum Beispiel deutlich vorstellen, dass "Oma Meier", die Sie persönlich seit Ihrer Kindheit kannten, bis zum Lebensende noch dort leben bleiben darf. Normaler "Standard" früher.

      • Comerade Aardvark

        @Fridolin:

        Die irrsinnigerweise völlig steuerfreie Mitnahme des Wertzuwachses nach >10 Jahren kompensiert da schon ein Bisschen für die erduldeten Quälen, aber das ist vielleicht nur mein subjektives Empfinden.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @Pfennig:

      "Vielleicht liegt es ja daran, daß hier die Abgabenquote zu hoch ist, damit den Leuten genügend bleibt, um sich Eigentum leisten zu können."

      Vielleicht liegt es auch daran, dass viele Häuser z.B. in Ungarn in D bestenfalls als Bungalow durchgehen würden. Die Quoten sind sehr trügerisch...

    • Janix

      @Pfennig:

      Es zahlen die Falschen die Steuern. Wenn Vermögen, Erben, Kapitalerträge, Luxusgüter wieder beitrügen, sähe es anders aus. Kleine, kluge, flexible Genossenschaftswohnungen wären eine der Ansätze - besser als unsere indirekte Förderung von Pendler-Neu-Einfamilienhaus-Ghettos an Dorfrändern.