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Bundeswehr und Frieden Vom Nein zum Ja

Unser Autor hat als junger Mann den Kriegsdienst verweigert. Jetzt hat er sich freiwillig zur Reserve gemeldet – aus Gewissensgründen.

D as letzte Lied heißt „Was will ich mehr?“ Es ist der 20. Oktober 2022, acht Monate nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine. Ich bin auf einem Konzert in Oberhausen. Soweit ich sehen kann, ist die Arena ausverkauft. Der zweite Teil der Veranstaltung ist zu Ende, und das letzte Lied klingt nach. Was will ich mehr?

Gute Frage.

Ich bin ein großer Bewunderer von Reinhard Mey. Wann immer es möglich ist, versuche ich, Konzertkarten in meiner Nähe zu ergattern.

Der Autor

Stephan Anpalagan ist Autor, Unternehmensberater und evangelischer Theologe. Sein aktuelles Buch „Für den Frieden. Widerruf meiner Kriegsdienstverweigerung“ ist im S. Fischer Verlag erschienen

„Nein, meine Söhne geb’ ich nicht“

Was will ich mehr? Das letzte Lied ist verklungen, Reinhard Mey geht von der Bühne. Das Publikum verlangt nach einer Zugabe. Es sind nicht wenige, die ein bestimmtes Lied einfordern. Als Stellungnahme zur aktuellen politischen Situation. Sie verlangen nach „Nein, meine Söhne geb’ ich nicht“. Reinhard Mey verwehrt ihnen diesen Wunsch. Er spielt stattdessen „Über den Wolken“ und schließt mit „Gute Nacht, Freunde“.

Es ist ein wunderschöner Abend. Aber ich verlasse das Konzert mit einer Irritation. Lange habe ich „Nein, meine Söhne geb’ ich nicht“ als Liebeserklärung eines Vaters an seine Kinder verstanden. Als Pazifismus von Eltern, die ihre Kinder vor Krieg und Tod bewahren wollen.

„Nicht für euch hab’ ich manche Fiebernacht / Verzweifelt an dem kleinen Bett gestanden / Und kühlt’ ein kleines glühendes Gesicht / Bis wir in der Erschöpfung Ruhe fanden / Nein, meine Söhne geb’ ich nicht.“

Mit der Aussage nicht mehr einverstanden

Noch vor Kurzem hätte ich den vielen Facetten über die Beziehung eines Vaters zu seinen Kindern und den politischen Bekundungen in diesem Lied zugestimmt. Ich höre das Lied immer noch gern. Aber ich bin mit seiner Aussage nicht weiter einverstanden. Es ist ein Paradoxon, über das ich mehrere Texte und ein Buch geschrieben habe.

Die Ukrainer wissen etwas, was wir in Deutschland noch lernen müssen. Wenn wir nicht kämpfen, haben wir verloren

Es tut mir in der Seele weh, anerkennen zu müssen, dass wir den Frieden in unserem Land nur mit Panzern und Soldaten aufrechterhalten können. Dass wir uns den Pazifismus, den Reinhard Mey hier besingt und dem ich auch selbst lange angehangen habe, nicht länger leisten können. Der bitteren Wahrheit ins Auge zu sehen: Wer seine eigenen Söhne nicht gibt, liefert die Kinder der anderen aus.

Dabei habe ich großes Verständnis für das, was Reinhard Mey hier beschreibt. Wer in seinem Leben das Privileg hatte, ein Kind zu bekommen, es aufzuziehen und zu behüten, der weiß, wie schwer diese Auseinandersetzung ist.

Jeder will sein Kind schützen

Einem Menschen, der nächtelang am kleinen Bett gestanden, ein glühendes Gesicht gekühlt und beim Anblick seines Kindes in einem Krankenhauszimmer leise Stoßgebete in den Himmel gesandt, der sein Kind auf seinem Schoß getröstet und kleine Pflaster auf sein Knie geklebt, der das Aufwachsen dieses Menschen begleitet und dessen Freiheitsdrang und Persönlichkeitsentwicklung gestärkt hat, dem kann man nur schwerlich vorwerfen, dass er sein Kind schützen will. Vor allen Gefahren.

Am 15. Januar 2026 ist der österreichische Militäranalyst Franz-Stefan Gady zu Gast bei dem Interviewformat „Jung & Naiv“. Er spricht viel über Militärgeschichte, auch über einen möglichen Bündnisfall der Nato und die aktuellen Gefahren, in denen wir uns in Europa befinden. Irgendwann wird er persönlich. Er erzählt, wie er regelmäßig mit einer Gruppe von Militäranalysten in der Ukraine unterwegs ist.

Wie sie mit ukrainischen Soldaten sprechen und die Lage analysieren. Wie der Gruppe eine verlassene leerstehende Wohnung vermittelt wird. Man solle dort die Nacht verbringen, sich einen Schlafplatz suchen und morgen wieder am vereinbarten Treffpunkt einfinden. Gady erzählt, wie er die Wohnungstür öffnet, versucht, sich im Dunkeln zurechtzufinden, mit der kleinen Taschenlampe am Telefon durch die Räume leuchtet, irgendwo seinen Schlafsack ausbreitet und feststellt, dass er in einem Kinderzimmer gelandet ist.

„Im Kinderzimmer von zwei Kindern. Und diese Kinder müssen irgendwie zwischen drei und sechs Jahre alt sein, weil da waren so Zeichnungen. Und links von mir ist ein Stockbett. Was mir gleich auffällt, ist Bettwäsche. Das ist eine Bettwäsche mit Herzen. Die gleiche Bettwäsche, die meine Tochter auch hat, so eine Ikea-Bettwäsche. Und da ist offensichtlich jemand überstürzt rausgegangen, aus dieser Wohnung.“

Die Front verläuft in Sichtweite

Gady leuchtet weiter, schaut aus dem Fenster und sieht in der Ferne die Leuchtstreifen der russischen Artillerie. Die Front verläuft in Sichtweite.

„Es war eine klare Nacht. Und du hast in der Distanz, ich hab rausgeschaut, so am Stadtrand von Kramatorsk die Leuchtschwungmunition der Front gesehen. Und es hat geboomt, und Einschläge hat man gehört in der Distanz. Und am Fensterbrett lag ein Stapel von Büchern. Und ich nehm das erste Buch hoch, und da ist ein Hase auf dem Cover. Ich schlag das Buch auf, und es ist ein ukrainisches Kinderbuch. Und das heißt ‚Der kleine Hase will schlafen gehen‘.

Und auf der ersten Seite sind so Instruktionen für Eltern. Und da steht, um sicherzugehen, dass ihr Kind gut und fest schläft, müssen sie zuallererst eine sichere Umgebung für das Kind erschaffen. Und ich sehe das, lese das, denke an meine eigenen Kinder, sehe die Wohnung eben, wo offensichtlich Leute haben flüchten müssen, die Front in der Nähe.“

Auch andere Menschen haben Kinder. Kinder, die im Krieg aufwachsen. Kinder, die aus dem Fenster schauen und den Beschuss ihrer Stadt erleben. Kinder, die Angst haben. Kinder, denen eine sorglose Kindheit verwehrt bleibt.

Keine sorglose Kindheit

Es gibt Eltern, die darauf hoffen, dass ihre Kinder heil aus einem Krieg wieder herauskommen. Es gibt Eltern, die mit ihren Kindern fliehen müssen. Es gibt Eltern, die bleiben und kämpfen, während sie von ihren Kindern getrennt sind. Die Deutschen können heute nur deshalb in Freiheit und Sicherheit leben, weil sowjetische, US-amerikanische, britische und französische Eltern ihre Kinder in die Befreiung Europas und in den Krieg entlassen haben.

Hätten all diese Eltern an pazifistischen Überzeugungen festgehalten, würde es unser Europa und unser Deutschland in der heutigen Form nicht geben.

„Und eher werde ich mit ihnen fliehen / Als dass ihr sie zu euren Knechten macht / Eher mit ihnen in die Fremde ziehen / In Armut und wie Diebe in der Nacht.“

Nicht alle werden fliehen können. Nicht alle Kinder. Und auch nicht alle Eltern. Darüber hinaus werden die Armen, Alten, Kranken und Schwachen zurückbleiben. Und jeder weiß, wie es mit ihnen ausgehen wird, wenn niemand mehr da ist, um sie zu verteidigen. Wenn niemand mehr da ist, um dem Rad in die Speichen zu fallen.

Das, so kann ich heute voller Überzeugung sagen, kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren. Dieses Land ist es wert, dass wir darum kämpfen. Dass wir seine Menschen verteidigen. Dass wir unseren europäischen Nachbarn beistehen.

In die Bundeswehr, um den Krieg zu verhindern

Ausnahmslos alle Soldaten, mit denen ich gesprochen habe, erzählen mir, dass sie den Krieg verabscheuen. Nariman Hammouti, eine muslimische Soldatin mit marokkanischen Eltern, erklärt mir, dass sie in die Bundeswehr eingetreten ist, weil sie Krieg verhindern möchte. Franz-Stefan Gady sagt über die ukrainischen Soldaten etwas Ähnliches: „Die Soldaten sind müde des Krieges. Sie wollen nicht kämpfen. Nur die Alternative ist so schrecklich, was jetzt in den besetzten Gebieten passiert oder was eben tatsächlich die Absicht des russischen Gegners ist, dass es eben keine Alternative gibt.“

Es gibt einfach keine Alternative. Die Ukrainer wissen etwas, was wir in Deutschland erst noch lernen müssen: Wenn wir nicht kämpfen, haben wir bereits verloren.

Die alles entscheidende Frage aber bleibt: Würde ich Deutschland bewaffnet verteidigen? Würde ich töten und sterben?

Man muss sich, um diese Frage in ihrer Gesamtheit zu begreifen, im Klaren darüber sein, dass Deutschland zu den sichersten Ländern der Welt zählt. Diese Frage also in diesem Land zu stellen, während anderswo Krieg herrscht und Menschen sterben, ist wohlfeil. Aber vielleicht ist sie nichtsdestotrotz wichtig. Weil der Krieg nicht immer nur die anderen trifft. Weil der Krieg auch zu uns kommen kann. Weil der Krieg auch zu uns kommen wird.

Krieg in Sri Lanka

Mir muss niemand erklären, was der Krieg mit Menschen macht. Wie er Familien auseinanderreißt, wie er Biografien und Lebenswege durchtrennt. Ich selbst wurde in einem Kriegsgebiet geboren, meine Eltern mussten als Kriegsflüchtlinge ihre Heimat verlassen und sind nach Deutschland geflohen. Ich habe Angehörige im Krieg verloren und hautnah von der Zerstörung ganzer Landstriche erfahren.

Der Krieg in Sri Lanka war durchzogen von Gräueltaten auf beiden Seiten. Die einen agierten mit Terror, die anderen mit Kriegsverbrechen. Ich weiß um die Komplexität, die Militarismus, Soldatentum und Aufrüstung mit sich bringen. Ich weiß, dass diplomatische Wege niemals außer Sicht geraten dürfen. Dass gesprochen und verhandelt werden muss, wenn es am Ende gut werden soll.

Ich weiß aber auch, dass uns in unserer Welt keine andere Wahl bleibt, als den Kampf gegen unsere Feinde aufzunehmen und uns zu verteidigen. Für unsere Werte zu kämpfen und unsere Mitmenschen zu beschützen. Aber auch unseren europäischen Nachbarn beizustehen und die tapferen ukrainischen Frauen und Männer, die gegenwärtig auch unsere Sicherheit verteidigen, zu unterstützen.

Die Befreiung vom Faschismus

Dass ich in meiner neuen Heimat überhaupt in Frieden und Freiheit aufwachsen konnte, hatte auch damit zu tun, dass vor nunmehr acht Jahrzehnten die alliierten Streitkräfte dieses Land mit militärischer Gewalt vom Faschismus befreit haben.

Wir werden, wenn wir unsere Verteidigungsfähigkeit vorantreiben, am Ende stärker und selbstbewusster aus alledem hervorgehen, weil wir auf dem Weg zum Ziel die Ressourcen und die Fähigkeiten herausbilden können, um in Zukunft für uns selbst zu sorgen. Ohne abhängig zu sein von vermeintlichen Freunden und vertrauten Feinden. Weil Deutschland ein starkes Land ist, tragen wir viel Verantwortung. In Europa, aber auch darüber hinaus. Wir werden niemals aufgeben, für Menschenwürde und Menschenrechte einzustehen.

Die Verteidigung von Heimat und Mitmenschen ist genau die staatsbürgerliche Verantwortung, die uns Deutschen aufgegeben ist. Ehrlich gesagt fällt mir eine Antwort noch immer nicht leicht. Aber es ist nicht mehr das klare Nein, das es so viele Jahre war. Es ist nunmehr ein nachdenkliches Ja.

Ich, der evangelische Theologe, der Kriegsdienstverweigerer, der ehemalige Zivildienstleistende und Pazifist, habe meine Kriegsdienstverweigerung widerrufen und mich zur Reserve bei der Bundeswehr gemeldet. Auch wenn ich nicht kämpfen will.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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13 Kommentare

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  • Kay Brockmann

    Früher war es wohlfeil, den Kriegsdienst zu verweigern. Heute bedeutet es viel mehr.



    Wie sagte ein israelischer Aktivist und Pazifist: „ Wenn Du Frieden willst, musst du auch mit denjenigen reden, die Deinen Bruder getötet haben.“

  • Martin Rees

    Wenn ich Reinhard Mey hier unterstütze, dann hat das einen guten Grund. Er wurde in Berlin in d. Nachkriegszeit sozialisiert u. war mit den Folgen der Kriegshandlungen täglich konfrontiert. Seine Schreckensvision der Eltern, die ihre Kinder verloren haben, war Jahrzehnte präsent in dieser Gesellschaft. Nicht zuletzt das Plakat v. Käthe Kollwitz hat einen tieftraurigen Hintergrund, ihr Sohn Peter verlor sein Leben in d. ersten Kampfhandlungen d. WK I.



    Der Grund meiner Unterstützung ist: Die Opfer sind stets die Jungen, die Mutigen u. die Enthusiasten genauso wie Zauderer o. Duckmäuser. Aber nicht zuvorderst die alten weißen Männer d. Regierung, im Generalstab oder in d. Etappe.



    Der Blutzoll ist der Tribut der Nachwachsenden, die Älteren sind nicht (mehr) gefragt.



    "Warum jedoch trugen die deutschen Offiziere den Wahnsinn so getreu mit? Sie waren doch so stolz auf ihren Ehrenkodex, ihre Professionalität, ihre Rolle als "Schild des Vaterlandes"? Wenn dieser Krieg, von seiner verbrecherischen Natur einmal ganz abgesehen, selbst die kalte Ratio militärischer Vernunft leugnete? Die Antwort versuchten die Handelnden nach 1945 selbst zu geben. Sie seien getäuscht worden..."



    sueddeutsche.de

  • Il_Leopardo

    Am 1. September 1939 ließ Hitler deutsche Truppen in Polen einmarschieren. Der Angriff, als „Selbstverteidigung“ getarnt, war in Wahrheit ein kalkulierter Überfall.



    Wer sagt mir, dass sich so etwas nicht mehr wiederholen wird?

  • rosengrob

    Fritz Tietz hat in der Taz (tatsächlich!) alles dazu gesagt (danke dafür):

    taz.de/Die-Wahrheit/!6195614/

  • Georg Hajduk

    Respekt für diesen nachdenklichen Artikel und den offenen Umgang mit den Zweifeln, die sicher viele bewegen. Auch wenn ich die Argumente nachvollziehen kann, komme ich immer noch zu einem anderen Schluss.



    Z.B.: "Die Deutschen können heute nur deshalb in Freiheit und Sicherheit leben, weil sowjetische, US-amerikanische, britische und französische Eltern ihre Kinder in die Befreiung Europas und in den Krieg entlassen haben."



    -> Vor allem hätte sich die ganze Situation nicht ergeben, wenn die Deutschen in erheblich größerer Zahl den Kriegsdienst verweigert hätten.

    "Wenn wir nicht kämpfen, haben wir bereits verloren."



    -> Wenn gekämpft wird, haben bereits beide Seiten verloren.

    "Ich weiß aber auch, dass uns in unserer Welt keine andere Wahl bleibt, als den Kampf gegen unsere Feinde aufzunehmen und uns zu verteidigen."



    -> Wie im Artikel ausgeführt, bestehen Armeen aus Menschen, die eigentlich auch nicht kämpfen wollen. Sie tun es, weil sie sich einreden lassen, die Menschen mit einer anderen Nationalität wären die Feinde. Die Feinde sind jedoch eher die Regierungen, die es zum Krieg kommen lassen. Das nicht zu unterstützen ist der Kampf gegen die wirklichen Feinde.

  • Troll Eulenspiegel

    Pazifismus. War einmal. Jetzt heißt Pazifismus, die Ukraine soll doch bitte untergehen, damit alle ihre Ruhe haben.

    Was wir jetzt brauchen ist einfach Militanz. Und wie wir es an den Ukrainern sehen, muss die Militanz auch vom Volke ausgehen. Immerhin kennt sich unsere Antifa schon damit aus. Sie muss so gestaltet sein, dass kein Machthaber mehr es auch nur wagt, ein anderes Land überfallen zu wollen. Gedankenverbote müssen also her. Solange wir das nicht hinkriegen, wird es immer Machthaber geben, die mit der Idee spielen, andere Länder überfallen zu wollen. Und solange wird es Militanz geben müssen.

  • Ringsle

    Respekt für die offenen und nachdenklichen Worte.

    Trotzdem: wer sagt, wer Feind ist?



    In der Ukraine erscheint es einfach und es gibt sehr gute Gründe, den Kampf der Ukraine als gerecht zu bewerten. Es gibt aber auch Menschen die es anders sehen und die auch ihre Gründe haben.

    Wer sagt in 10, 20, 50 Jahren, wer Feind ist? Alice Weidel? Björn Höcke? Lieschen Müller?

    Die Unterscheidung in Feind und Freund hat immer Defizite. Es gibt uns und die Anderen. Dabei stehen auf beiden Seiten Menschen, die gleich viel wert sind.

    Wir sollten nicht vergessen, dass es vor über 2000 Jahren schon mal einen gab, der das gepredigt hat...!

    Pazifismus löst nicht das vom Autor benannte akute Dilemma.



    Aber langfristig lassen sich Kriege nur verhindern, wenn das Freund-Feind-Schema überwunden wird. Adenauer und de Gaulle haben es vorgemacht. Israel, USA und Russland versagen aktuell. Und die Ukrainer sehen die Russen (nur zu nachvollziehbar) auch als Feinde an.

    Ich will den Pazifismus nicht aufgeben.

    • Machiavelli

      @Ringsle:

      Der Pazifismus war schon immer die falsche Herangehensweise. Man sollte für Demokratie kämpfen pfen überall. Demokratien führen so gut wie keine Kriege gegeneinander. Will man Frieden auf der Welt muss man sie Demokratisieren.

      • Ringsle

        @Machiavelli:

        Und kämpfen heißt Krieg führen?



        Da steckt schon ein Widerspruch darin...

        Nicht jeder Fall, in der Demokratien Kriege führen, führt zu Demokratie und Frieden. Und jetzt sagen Sie nicht, dass das an den "Anderen" liegt.



        Die israelische Gesellschaft z.B. verliert mit zunehmend kriegerischem Handeln Demokratie und Freiheit. Abgesehen vom 2.WK fällt mir kein Beispiel ein. Demokratie und Frieden haben sich die Völker zum größten Teil selbst gegeben. Häufig im Kampf, ja. Aber nicht in kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Staaten.

  • Saschas2Cents

    »Si vis pacem, para bellum« - der Beweis dafür fehlt bis heute, aber der Glaube stirbt zuletzt… oder war das die Hoffnung?

  • rosengrob

    "Die Verteidigung von Heimat und Mitmenschen ist genau die staatsbürgerliche Verantwortung, die uns Deutschen aufgegeben ist". Nunja. Die einen sagen so, die anderen so. Viel Spass wünsche ich beim Sterben für Volk und Vaterland und natürlich für alle anderen tollen Werte. Ich verfarz mich und kann das nur empfehlen.

  • XXX

    "Es gibt einfach keine Alternative."



    Hier unterscheiden wir uns. Es gibt praktisch immer Alternativen.



    "Die alles entscheidende Frage aber bleibt: Würde ich Deutschland bewaffnet verteidigen?"



    Ja, aber nur wenn es ein Deutschland wie früher wird, anständig, am Frieden interessiert, freiheitlich für seine Bürger. Dieses Deutschland kann ich leider nicht mehr erkennen. Zu viele Entscheidungen haben seine Politiker in den letzten 20 Jahren getroffen, welche völlig konträr zu dem waren, was ich entschieden hätte, und welche uns erst in das aktuelle Schlamassel hineingeführt haben.

  • Axotono

    Der springende Punkt ist doch: Was genau will man eigentlich verteidigen? Für wen schickt man seine Kinder in den möglichen Tod? Sind es wirklich Werte wie Freiheit und was sonst so runtergebetet wird? Wird das nicht allen zu allen Zeiten gesagt, in denen man Füttern für die Kriegsmaschinerie bräuchte? Keine Sorge, du und deine Liebsten kämpfen für ein größeres Gut, die Demokratie, die Nation, den Sozialismus? Natürlich, es ist wahr, dass die Nazis nicht besiegt worden wären ohne das Opfer der Alliierten. Natürlich gibt es Situationen, in denen man der Gewalt nur mit Gegengewalt begegnen kann. Natürlich braucht es dafür Menschen. Aber man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass es ein besonders edles Unterfangen wäre. Man stirbt für Interessen und Führer, nicht für die Freiheit.